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Rede zur Einbringung des Nürnberger Stadthaushalts 2016
Maschinell extrahierter Text. Tabellen verlieren dabei ihre Form, verbindlich ist das Original.
Rede zur Einbringung
des Nürnberger
Stadthaushalts 2016
Hinweis: Die Haushaltsrede ist nur in Kombination
mit dem zugehörigen Foliensatz verständlich.
Es gilt das gesprochene Wort.
Die Folien finden sich in einem kleinen Format an
den entsprechenden Stellen im Text und nochmals
im Großformat für das Detailstudium nach dem Text
der Haushaltrede.
Nürnbergs Stadthaushalt 2016
Investitionen erfordern weitere finanzielle
Anstrengungen der Stadt
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem
Stadtrat, der Verwaltung und der Presse,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
für viele von Ihnen sind es ja erst die zweiten Haushaltsberatungen, die da jetzt auf uns zu kommen
und wahrscheinlich empfinden Sie es immer noch
als unnötige Härte, dass Sie gleich in der ersten
Stadtratssitzung nach der Sommerpause mit diesem schwierigen Haushaltsthema belästigt werden.
Aber vielleicht kann man die Tradition der Haushaltsrede des Kämmerers gleich nach den Ferien
auch mit dem notwendigen Lesen der Girokontoauszüge nach dem Urlaub vergleichen. Es war
schön, man hat nicht auf jeden Cent geachtet, aber
ein Überblick über den aktuellen Stand der eigenen
Finanzsituation, so schwierig diese nach den
schönsten Wochen des Jahres sein mag, ist sinnvoll und notwendig, um die eigene finanzielle Realität wieder zu verstehen und danach zu handeln.
Auf unseren Haushaltsprozess übertragen, heißt
das letztendlich, die Zahlen des Gesamthaushalts
sollen uns zeigen, was wir uns von den vielen fachlich sinnvollen und auch oft notwendigen Dingen,
die Sie in den Fachausschüssen unterjährig beschließen, auch tatsächlich leisten können. Das
Positive daran ist, wir können es nochmal entscheiden, das Geld ist nicht wie beim Urlaub schon ausgegeben, sondern wir können quasi alles im Lichte
der Gesamtsituation auf den Prüfstand stellen.
Brauchen wir das wirklich jetzt, ziehen wir was anderes vor, wie sieht das Gesamtergebnis aus?
Diese Diskussion ist die gelebte Wahrnehmung des
Budgetrechts des Stadtrats, der dann am 19. November hier im Plenum, sozusagen am Familientisch, endgültig entscheidet. Im Laufe dieser knapp
zwei Monate verwandelt sich der Haushaltsplanentwurf der Verwaltung, den ich heute als Kämmerer einbringe, Schritt für Schritt in den vom Stadtrat
beschlossenen Haushaltsplan 2016. Dann ist es
endgültig Ihr Haushalt, der auch Ihre Handschrift
trägt.
Meine Aufgabe heute und in den nächsten Monaten
ist es, Ihnen das aktuelle Zahlenwerk vorzustellen,
die Rahmenbedingungen zu erklären und den
Haushaltsplanentwurf 2016 einzubetten in die weitere Entwicklung unserer Stadtfinanzen. Letzteres
ist vielleicht das wichtigste in diesem Herbst. Dabei
geht es insbesondere um die Frage, wie haben sich
die Perspektiven des „Szenario 2026“ entwickelt?
Sie erinnern sich, genau vor einem Jahr hatte ich
Ihnen diese Langzeitrechnung vorgestellt, seitdem
hat sich einiges getan, der zweite Teil meiner Haushaltsrede enthält das Update für Sie. Und Sie werden schnell erkennen, da geht es nicht mehr um die
Stadtkämmerer Harald Riedel
1
ferne Zukunft, nein, wir sind schon mitten drin. Das
Haushaltsjahr 2016 ist das erste Jahr des Szenarios, das zeigen die Zahlen des Haushaltsplanentwurfs und so hatte ich es im September 2014 auch
angekündigt.
Doch zuerst zum Haushaltsplanentwurf 2016 und
seinen Eckdaten. Diese liegen Ihnen heute als
Tischvorlage vor, da können Sie sich schon mal
einlesen, die beiden dicken Bände mit dem restlichen Zahlenwerk bekommen Sie am Freitag mit der
Stadtratspost frei Haus geliefert, so dass Sie sich
heute nicht abschleppen müssen.
6,4 Mio. € - 64,6 Mio. € - 142,2 Mio. € - 52,4 Mio. €,
was ist das? Keine Sorge, ich stelle Ihnen keine
Rechenaufgabe, auch wenn zwischen diesen Zahlen ein direkter Zusammenhang besteht, den folgender Satz beschreibt:
Bei einem geplanten Jahresergebnis von plus 6,4
Mio. € und einem Cashflow aus der Verwaltungstätigkeit von knapp 65 Mio. € müssen wir uns mit 52,4
Mio. € verschulden, um die geplanten 142 Mio. € an
städtischen Mitteln für unsere Investitionen in 2016
aufbringen zu können.
Und wie im richtigen Leben ist Freud und Leid dieses Haushalts eng beieinander, was heißt:
• Der Haushaltsplanentwurf 2016 ist mit 6,4 Mio.
€ leicht positiv und damit besser als der Plan
2015
• Wir erwirtschaften zunächst freie liquide Mittel
von 64,6 Mio. €, damit ist der Haushalt auch
genehmigungsfähig, weil wir unsere ordentliche
Tilgung mit ÖPP-Rückzahlungen in Höhe von
62,6 Mio. € damit decken können. Das heißt,
unsere Möglichkeiten, oben auf der Ausgabenseite noch viel drauf zu packen, ohne unten
was weg zu nehmen, ist auch dieses Jahr eher
bescheiden.
• Dazu kommt, dass wir mit unseren freien Mitteln nicht nur einen Teil der Altschulden tilgen,
sondern nächstes Jahr auch massiv investieren
müssen. Brutto insgesamt 206,4 Mio. €, davon
142 Mio. € aus städtischen Mitteln. Und spätestens jetzt wissen Sie, warum ich anfangs gesagt habe, wir sind mitten im Szenario. Das ist
brutto ein Anstieg von 10,0 Mio. € und 5,1 Prozent, aus Eigenmitteln ein Zuwachs von 28,8
Mio. € und 25,4 Prozent. Wir sind quasi schon
im Anstieg auf den „Szenario 2026 –
Investitionsberg“. Spüren Sie es auch, dass die
Luft dünner wird?
• Wenn bisher noch nicht, dann wahrscheinlich
jetzt: die geplante Neuverschuldung von 52,4
Mio. € ist eine Größenordnung, von der wir gehofft hatten, dass sie hinter uns liegt. Das letzte
Mal, dass wir so hoch planen mussten, war
2011. Aber sagen Sie nicht, dass das jetzt unerwartet kommt und ich Sie nicht gewarnt hätte.
Schon in der letztjährigen mittelfristigen Finanzplanung hatten wir für 2016 49,9 Mio. €
Neuverschuldung drin. Es gibt noch eine gewisse Chance, dass wir bis November bei der
Neuverschuldung etwas reduzieren können.
Nämlich dann, wenn unsere Einnahmen bis
Jahresende 2015 besser laufen als erwartet,
weil wir dann mit einem höheren Bargeldbestand ins neue Jahr gehen, aber das ist noch
mit gewissen Risiken behaftet, insbesondere
was die Gewerbesteuer betrifft, dazu später
mehr.
Das waren die wichtigen, großen Zahlen, jetzt sehen wir uns gemeinsam an, wie diese zustande
kommen. Zunächst zur Einnahmeseite. Wir rechnen
mit Erträgen von insgesamt 1,73 Mrd. €, dies sind
95,6 Mio. € oder 5,8 v.H. mehr als im Plan 2015.
Wie setzen sich diese zusammen? Da sind zunächst die Steuereinnahmen von insgesamt 864,3
2
Mio. € mit einer Steigerung gegenüber dem Plan
2015 von 26,2 Mio. € oder 3,1 v.H. Davon wiederum ist die Gewerbesteuer mit einem Planansatz
von 425 Mio. € und einem Anteil von 49,2 v.H. nach
wie vor unsere wichtigste Einnahmequelle. Und
deswegen besitzt der Gewerbesteueransatz jedes
Jahr hohe Aufmerksamkeit und sollte erklärt werden.
Sie sehen auf der Folie 4 die Gewerbesteuerverläufe der letzten Jahre. Darunter auch das enttäuschende Ergebnis in 2014. In diesem Jahr befinden
wir uns bis heute ziemlich exakt auf Plankurs, das
wären am Jahresende 414 Mio. €, aktuell stehen wir
bei 407 Mio. € und haben noch zwei Termine im
November. Rechnet man entsprechend der Steuerschätzung vom Mai diesen Ansatz hoch, könnte
man für 2016 430,4 Mio. € ansetzen. Aber, Kolleginnen und Kollegen, das erschien mir vor dem
Hintergrund der Erfahrungen der letzten Jahre für
Nürnberg zu optimistisch, zudem gibt es Hinweise
darauf, dass die November-Steuerschätzung etwas
schlechter ausfallen wird. Wir haben den Ansatz
daher auf 425 Mio. € festgesetzt und sind damit
etwas unter der Steuerschätzung geblieben, liegen
aber immer noch 11 Mio. € über dem Ansatz 2015
und die müssen erst mal reinkommen. Ich plädiere
also dafür, bei der Gewerbesteuer auf dem Boden
unserer wirtschaftlichen Realitäten zu bleiben.
Die anderen Steueransätze, angefangen von der
Grundsteuer über die Einkommensteuer bis hin zur
Hundesteuer haben wir entsprechend der Steuerschätzung und unseren Erwartungen fortgeschrieben.
Die zweitgrößte Einnahmeposition, die Zuweisungen und Zuschüsse steigen auf 421,7 Mio. €. 387,9
Mio. € kommen dabei vom Freistaat Bayern.
Unsere vielleicht wichtigste Einnahmequelle nach
den Steuern sind die Schlüsselzuweisungen im
Rahmen des Finanzausgleichs durch den Freistaat
Bayern. Bei dieser Position haben sich in den letzten beiden Jahren die Rahmenbedingungen stark
verändert. Zunächst kamen die Auswirkungen des
Zensus, gegen den aktuell noch eine Klage läuft.
Da die Schlüsselzuweisungen stark an der Einwohnerzahl hängen, hat uns der Zensus mit einem
Minus von 15.481 Einwohnern stark zurückgeworfen. Und jetzt für das Jahr 2016 wurden auch einige
Berechnungsformeln nach langen Verhandlungen
auf Basis eines wissenschaftlichen Gutachtens
geändert. So werden jetzt die Anzahl der Personen
in Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II und die
Kinder in Tageseinrichtungen statt des bisherigen
Soziallastenansatzes verwendet. Zudem wurden die
fiktiven Hebesätze der Gewerbe- und Grundsteuer
erhöht. Die bayerischen Großstädte mussten hier
im Sinne des Gesamtpakets Kompromisse machen.
Letztendlich wurde durch den Städtetag das bestmögliche Ergebnis erstritten. Aber der Schlüsselzuweisungs-Ansatz für 2016 ist aufgrund der neuen
Berechnungsformel mit noch größerer Unsicherheit
behaftet als sonst. 2015 bekommen wir 173,2 Mio.
€, nach unseren Einschätzungen sind für 2016 175
Mio. € erreichbar und realistisch.
Mit 101,3 Mio. € folgen die Erträge aus Leistungsentgelten, sowohl öffentlich-rechtlich als auch privatrechtlich. Diese wurden im Rahmen der Preissteigerung fortgeschrieben. Da diese sich aktuell
sehr moderat bewegt, stammt die wesentliche Steigerung von den aufgrund des Ausbaus steigenden
Einnahmen aus den Kinderbetreuungseinrichtungen.
Deutlich steigen die Erträge aus Kostenerstattungen. Die Ursache liegt in dem Punkt, über den heute schon berichtet wurde, dem deutlichen Anstieg
der Asylbewerberleistungen, die vom Freistaat
Bayern weitgehend ersetzt werden, deswegen stei3
gen diese Mittel um satte 93 % auf 50,4 Mio. €.
Noch stärker wachsen, nämlich um 126 v.H., die
Erstattungen vom Bezirk aufgrund der Fallzahlensteigerung bei den unbegleiteten minderjährigen
Flüchtlingskindern.
Womit wir schon bei den ordentlichen Aufwendungen angekommen sind, diese liegen in der Planung
bei 1,719 Mrd. €, das sind 93,3 Mio. € oder 5,7 v.H.
mehr als im Plan 2015.
Wesentlich sind dabei die Personal- und Versorgungsaufwendungen mit geplanten knapp 550 Mio.
€, davon 368,8 Mio. € Aufwendungen für Bezüge
und Vergütungen und 84,1 Mio. € für unsere Pensionsempfängerinnen und -empfänger. Darin enthalten sind sowohl Tarif- und Gehaltssteigerungen als
auch die Stellenentwicklung.
Die Sachaufwendungen steigen moderat um 2,4
v.H., die Abschreibungen entsprechend des Zuwachses unseres Anlagevermögens.
Neben den Personalaufwendungen sind die zweite
große Position auf der Ausgabenseite die Transferausgaben mit insgesamt 765,5 Mio. €. So viele
Geldleistungen zahlen wir an Dritte, auch in diesem
Jahr mit 67 Mio. € oder 9,6 v.H. deutlich ansteigend.
Bezieht man die Transferwendungen nur auf den
Sozialbereich kommen wir auf eine Summe von
631,9 Mio. € und einem Plus von 10,5 v.H. Darin
enthalten ist die Bezirksumlage in Höhe von 152,6
Mio. €.
Die Zuschüsse an Kitas liegen inzwischen bei 113,4
Mio. €. Die rasante Entwicklung ist daran zu sehen,
dass das Ist 2014 noch bei 88,9 Mio. € lag, also in
nur 2 Jahren ein Anstieg um 27,6 v.H.
Die Familien- und Jugendhilfe steigt auf 99,3 Mio. €,
ausgehend von 82,9 Mio. € im Plan 2015. Dieser
deutliche Aufwuchs ist neben den Kostensteigerungen für Lebenshaltungskosten und Energiepreise
auf die weiter steigenden Fallzahlen zurückzuführen.
Für Verlustausgleiche an Eigenbetriebe und verbundene Unternehmen haben wir insgesamt 18,5
Mio. € eingeplant.
Der Anstieg bei den Sonstigen Aufwendungen um
13,5 v.H. auf 76,8 Mio. € ist mit den wachsenden
Anmietkosten in Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen zu erklären. Darauf komme
ich gleich nochmals zurück.
Zunächst ein Blick auf einige exemplarische Positionen, bei denen wir das Budget erhöht haben:
Für den Aufbau eines ServiceCenters beim Einwohneramt haben wir 160 T€ veranschlagt. Im
Gastschulwesen muss im Budget des Schulamtes
aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen und
der Verrechnungssätze mit über 1,3 Mio. € mehr
kalkuliert werden. Auch das Schulschwimmen wird
u.a. wegen dem Mehr an Schwimmflächen um über
800 T€ höher geplant. Der Zuschuss für das Schülerticket im Rahmen des Tarifprojekts schlägt sich
mit 2,7 Mio. € im Haushalt nieder. Die Umsetzung
von Unfallverhütungsvorschriften in den Schulen
haben wir mit 500 T€ veranschlagt und für das ITLeasing, das in Teilen auch den Schulen zu Gute
kommt, ist das Budget um 947 T€ angewachsen.
Die Konzeption des Masterplans Freiraum im Umweltreferat wurde mit 183 T€ angesetzt. Ein großer
Brocken ist naturgemäß durch den Ausbau der
Einrichtungen die Erhöhung der Zuschüsse an Kitas
freier Träger. Er beläuft sich auf 2,8 Mio. €. Und
auch bei der U-Bahn werden wir im nächsten Jahr
etwas genauer hinschauen können. 172 T€ sind
mehr für notwendige Bauwerksüberprüfungen eingeplant.
4
An dieser Stelle muss in einer Rede zur Haushaltseinbringung 2016 doch auf das Thema Kosten
durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen auch in
unserer Stadt eingegangen werden. Die Haltung
des Finanzreferats zu dieser Herausforderung: die,
die hart an der Organisation dieser Herkulesaufgabe arbeiten, so gut es geht zu unterstützen. Hier die
Zahlen: die Aufwendungen steigen im Haushaltsplanentwurf 2016 auf 75,4 Mio. €, davon 8,8 Mio. €
aus eigenen Mitteln. Aber die finanzielle Herausforderung steigt weiter. In der aktuellen Prognose auf
Basis der zu erwartenden Zahlen steigen unsere
eigenen Ausgaben auf 12,8 Mio. €. Nimmt man die
Kosten dazu, die im Bereich Schulen und Bildung
zu leisten sind, dann sind es 13,3 Mio. €. Dazu
kommen nach Schätzungen unserer Fachleute
nochmal geschätzte 6,6 Mio. € im Bereich „Kosten
der Unterkunft“ durch anerkannte Asylbewerber auf
Basis der durchschnittlichen Quoten. Dies würde die
Ausgaben der Stadt auf knapp 20 Mio. € anheben.
Wie sich die Ergebnisse des Asylgipfels mit den
erhöhten Bundeszuschüssen auswirken, kann aus
heutiger Sicht für Bayern noch nicht exakt bewertet
werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Freistaat
bereit ist, hier noch einmal drauf zu legen. Wie auch
immer, diese Zahlen werden uns bei der Aufstellung
des Kämmereipaketes wieder begegnen. Meine
Sicht: diese Ausgaben schränken unseren Spielraum für andere Ausgaben etwas ein, sind aber
insgesamt vor dem Hintergrund der Bedeutung
dieses Themas für unsere Gesellschaft zu verkraften.
Damit bin ich beim Finanzergebnis, das sich mit
einem Minus von 7,7 Mio. € weiterhin verbessert,
wesentlich getrieben von den sinkenden Zinsausgaben, die zwischen dem Ist 2014 und der Planung
2016 um immerhin fast 10 Mio. €, von 46 Mio. € auf
36,6 Mio. gesunken sind. Das folgende Chart zeigt
die Entwicklung der Zinsausgaben der Stadt. Mit
jeder Umschuldung sparen wir real Geld, das ist
zwar nicht so gut wie komplette Entschuldung, aber
es entlastet uns deutlich und langfristig, weil wir uns
die niedrigen Zinsen möglichst lange sichern. Die
Risiken bei den Zinsausgaben sind folgende: Umschuldungen in einer Größenordnung von ca. 300
Mio. € in den nächsten Jahren, wenn vielleicht die
Zinsen wieder anziehen. Und natürlich Neuverschuldungen, die obendrauf kommen und die Zinsausgaben steigen lassen.
Sieht man sich die Entwicklung im Verwaltungshaushalt nochmal anhand der langfristigen Verläufe
der Ertrags- und Aufwandskurve an, sieht man,
dass sich der Abstand zwischen Aufwands- und
Ertragskurve in den letzten Jahren wieder deutlich
verringert hat, unser Haushalt sich also strukturell
wieder schlechter entwickelt. Es ist zwar gut, dass
wir auch 2016 wieder einen positiven Aufwandsdeckungsgrad von 100,8 % haben, die Decke ist jedoch trotz guter Steuereinnahmen im wahrsten Sinn
des Wortes dünn. Das bedeutet, dass wir auch im
5
konsumtiven Bereich unsere Sparanstrengungen
wieder verstärken müssen, um nicht dauerhaft
strukturell ins Ungleichgewicht zu geraten.
Und schon sind wir beim Investitionshaushalt, der
sich, wie bereits erwähnt im Rahmen der Prognosen
des „Szenario 2026“ bewegt. Dabei ist es schon
wichtig, sich nochmal die absoluten Zahlen in ihrer
Entwicklung und Dimension vor Augen zu halten.
Sie sehen auf der Folie den Anstieg zunächst im
Jahr 2008 als wir das Niveau wegen der Kinderbetreuung deutlich nach oben geschoben haben. Und
jetzt quasi die zweite Stufe des Anstiegs ab 2016.
Das bedeutet Bruttoinvestitionen von knapp 792,5
Mio. € von 2016 – 2019, davon knapp 502,3 Mio. €
aus eigenen Mitteln. Brutto geht damit das Volumen
aufgrund unseres Deckels um 2,8% zurück, allerdings beinhalten die Zahlen eine fast explosionsartige Steigerung um 19,2 % bei den städtischen
Mitteln gegenüber dem letzten MIP 2015-2018.
Wenn man sich die beiden Kuchendiagramme ansieht, dann sieht man, dass die Rangliste der Fachsektoren auch Ihren politischen Entscheidungen
folgt. Vorne dran der Straßenbau mit dem Frankenschnellweg einschließlich der Radwege und Plätze.
Knapp dahinter mit 159,4 Mio. € der ÖPNV mit UBahnbau und Straßenbahn zum Wegfeld, gefolgt
von unserem Schulbauprogramm mit 145,1 Mio. €.
Weiter geht es mit der Kinderbetreuung, die immer
noch fast 90 Mio. € brutto kostet. Und: wir bauen im
MIP-Zeitraum die Feuerwache 1. Dass wir die Hafenbrücken bereits in den neuen MIP aufgenommen
haben, ist dem Handlungsdruck geschuldet. Interessant, dass im Vergleich bei den städtischen
Mitteln die Schulen vorne liegen, danach der Straßenbau mit Frankenschnellweg, deren Förderanteil
im Vergleich überdurchschnittlich ist und der ÖPNV.
Dagegen sind die Förderquoten sowohl bei der
Feuerwache als auch bei den Brücken sehr niedrig
bzw. nicht vorhanden.
Wesentliche neue Positionen, die wir aufgenommen
haben, sind die
• Hafenbrücken mit 38 Mio. € im MIP-Zeitraum,
• das Hortnotprogramm mit 3 zusätzlichen Maßnahmen in Neunhof, Fischbach und in der
Kettelersiedlung mit insgesamt 11 Mio. €
• den Masterplan Freiraum mit 5,5 Mio. €
• die Neue Hegelschule mit Hort – Kosten 5,9
Mio. €
• die Dependance der neuen Kfz-Zulassung mit
ca. 0,6 Mio. € und den
• Obstmarkt mit 0,7 Mio. €
Zur aktuellen Entlastung des MIP haben wir verschoben
• das Theaterparkhaus, weil hier die Opernhaussanierung abgewartet werden soll,
• den Hauptmarkt, weil der Nelson-MandelaPlatz und der Obstmarkt zunächst Priorität haben und
• eine Teilfinanzierung des Frankenschnellwegs
aufgrund der Verzögerung durch die unklare
Rechtslage in einer Größenordnung der städtischen Mittel von 9,8 Mio. € bezogen auf die
Jahre 2016-2018.
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Die sonstigen Steigerungen kommen aus der Fortschreibung bereits enthaltener Maßnahmen, die in
den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen. Die
MIP-Ansätze werden in jedem Jahr entsprechend
der Kostenentwicklungen fortgeschrieben.
Der aktuelle MIP-Entwurf ist ebenso wie die neue
Mittelfristige Finanzplanung 2016-2019 selbstverständlich Bestandteil des fortgeschriebenen „Szenarios 2026“, auf das ich zum Schluss noch vertieft
eingehen werde.
Doch zunächst zur bereits genannten Entwicklung
der Verschuldung der Stadt. Sie kennen aus den
letzten Jahren die drei Schuldenkurven. Generell
gilt, es ist schmerzhaft, dass wir nach den beiden
Jahren des Schuldenabbaus 2012 und 2013 wieder
in einen permanenten Anstieg der Neuverschuldung
einmünden. Dies ist das Ergebnis einer Zange, in
der wir uns befinden und die uns im nächsten Jahrzehnt ständig begleiten wird:
• steigende Ausgaben und zunehmender Kostendruck bei den Personal- und Sozialtransferausgaben in der Verwaltung. Dies führt trotz
guter Steuereinnahmen zu sinkenden Überschüssen.
• Hohe Investitionsausgaben mit der Folge hoher
Neuverschuldung
Kolleginnen und Kollegen, wir haben massiven
Handlungsdruck auf der Einnahmen- und Ausgabenseite, wenn die Verschuldung nicht ins Unverantwortliche steigen soll!
Jetzt aber zur aktuellen Entwicklung: ganz unten die
Verschuldung des Kernhaushalts, die entsprechend
der genannten Planung Ende des Jahres 2016 auf
1,37 Mrd. € steigen würde. Quasi parallel darüber
verläuft die Verschuldungskurve einschließlich der
aus städtischen Finanzmitteln gestützten Eigenbetriebe NüBad, SöR, FSN und NüSt aufgrund des
notwendigen Sanierungsprogramms unserer Seniorenheime. Diese Kurve steigt auf 1,45 Mrd. € bis
Ende 2016. Nimmt man noch die beiden gebührenfinanzierten Eigenbetriebe SUN und ASN dazu,
bewegt sich die Gesamtverschuldung der Stadt bei
1,88 Mrd. €. Dabei können ASN, FSN und NüBad
ihre Verschuldung reduzieren, während NüSt, SöR
und SUN zusätzliche Kreditaufnahmen benötigen.
Kurzes Zwischenfazit zum Haushaltsplanentwurf
2016:
• Mit einem positiven Ergebnis von 6,4 Mio. €
Haushaltsausgleich erreicht.
• Der vorhandene finanzielle Puffer ist knapp in
der Lage, die Risiken aus kommenden Ausgaben der Flüchtlingshilfe abzudecken. Viel mehr
sollte allerdings nicht mehr dazukommen.
• Städtische Investitionsmittel wie erwartet ansteigend
• Deutliche Anhebung der Neuverschuldung ab
2016 zur Investitionsfinanzierung notwendig!
• Zahlen bestätigen, dass 2016 definitiv das erste
Jahr des „Szenarios“ ist.
Und damit wie angekündigt zur Aktualisierung des
„Szenarios 2026“ oder im Digital-Newspeak zum
„Szenario 2026 2.0“. Können Sie sich noch erinnern? Machen wir eine kleine Rückschau zum September 2014:
7
Als erste Kommune Deutschlands haben wir eine
über die mittelfristige Perspektive hinausgehende
Finanz- und Investitionsplanung bis zum Jahr 2026
präsentiert. Mittlerweile haben andere Großstädte
wie Hannover Ähnliches nachvollzogen.
Was war der Grund? Ein absehbarer, sich aufschaukelnder Investitionsberg, der die Leistungsfähigkeit des städtischen Haushalts mutmaßlich übersteigt, wenn wir nicht handeln.
Was haben wir damals vorgelegt? Eine Fortschreibung der mittelfristigen Finanz- und Investitionsplanung über 12 Jahre bis zum Ende der nächsten
Stadtratsperiode, weil es zunehmend erforderlich
erschien, die zeitliche Perspektive großer Projekte
auch finanzplanerisch zu erfassen: Ausweichspielstätte und Opernhaussanierung, Frankenschnellweg, Schulneubauten und – Sanierungen, Hortausbau, Brückensanierungen und -neubauten, usw.
Was waren die Ergebnisse? Knapp zusammengefasst: 2,8 Mrd. € an Bruttoinvestitionen, davon 1,9
Mrd. € aus eigenen Mitteln und daraus resultierend
eine Finanzlücke von mindestens 438 Mio. €, eben
trotz positiv fortgeschriebener Steuereinnahmen
und moderat angenommener Kostensteigerungen.
Wir haben dieses Zahlenwerk seitdem permanent
weiterentwickelt, neue Projekte wie die Hafenbrücken aufgenommen, Kosten nach neuen Erkenntnissen fortgeschrieben und externe Rahmenbedingungen wie Bundes- und Landesfinanzierungen
aktualisiert. Und wir mussten, das gebe ich gerne
zu, lernen, dass das „Szenario 2026 1.0“ etwas zu
positiv gerechnet war. Vielleicht aus der Sorge,
dass man dem Stadtkämmerer unterstellt, dass
diese Rechnung nur dazu dient, Projekte und Ausgaben zu verhindern.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass dem nicht so
ist, dass wissen Sie. Auch ich als Kämmerer sehe
meine Aufgabe weniger im Verhindern, als im finanziell möglich machen, was die Fachreferentenkolleginnen und -kollegen als sinnvoll und
der Stadtrat als politisch notwendig erachtet. Die
Aufgabe besteht aber darin, sich in den finanziellen
Leitplanken zu bewegen, die uns gegeben sind. Die
Fortschreibung der Prognoserechnung zeigt nunmehr, dass die Aufgabe für uns alle noch anspruchsvoller geworden ist. Warum?
Wir mussten wesentliche Annahmen der ersten
Version korrigieren, darunter haben wir die Steuereinnahmeerwartungen um 152 Mio. € zurückgenommen. Dies haben wir bereits in den letzten
Haushaltsberatungen aufgrund der Gewerbesteuererfahrung des letzten Jahres begonnen und dies ist
auch Bestandteil der Mittelfristigen Finanzplanung
und des neuen „Szenarios 2026“. Daneben waren
wir bei den Einnahmeerwartungen vom Bund ab
2019 deutlich zu optimistisch. Es ist aktuell nicht
realistisch, über die zugesagten 5 Mrd. € und eine
eventuelle zusätzliche „good will“-Zahlung mehr zu
erwarten. Dies hat unsere Rechnung um knapp 273
Mio. € verschlechtert, dabei eingerechnet die bereits beschlossene Entlastung durch den Bund
einmalig für 2017 in Höhe von 1,5 Mrd. €, für uns
angesetzt mit 15 Mio. € in 2017.
Und wir mussten die Personalkostenentwicklung
nach oben korrigieren, weil eine Steigerung von 2
v.H. im Schnitt zu niedrig sein dürfte, da sind wir auf
2,5 v.H. gegangen. Auch eine solche kleine Anhebung bedeutet über den Betrachtungszeitraum
hinweg höhere Ausgaben von knapp 53 Mio. €.
Dies macht deutlich, welche Hebel über einen längeren Zeitraum bei solchen Ausgaben wirken und
bedeutet letztendlich höchste Vorsicht beim Thema
Stellenschaffungen.
Bei den Transferaufwendungen erhöhen die fortgeschriebenen Kosten der Flüchtlingshilfe, aber auch
die Entwicklungen bei den Töchtern bisherige Ausgabenprognosen. Hier spielen insbesondere die
Perspektiven bei den Städtischen Werken und unserer Messe eine wesentliche Rolle. Bei der StWN
ist entsprechend der aktuellen Mittelfristplanung ein
deutlich höherer, zweistelliger Verlustausgleich zu
erwarten. Umso wichtiger war, dass wir die Tarifreform auf den Weg gebracht haben. Und bei der
NürnbergMesse steht die Sanierung des älteren
Teils der Messehallen aus Altersgründen an. Ein
Kraftakt, den die Messe nach ersten Gesprächen
mit dem Freistaat und uns nicht komplett aus eigenen Kräften stemmen kann. Insgesamt rechnen wir
für die Position Verlustausgleiche/ Kapitalzuführun8
gen mit insgesamt fast 200 Mio. € über den Gesamtzeitraum mehr.
Damit das rechnerische Defizit nicht in Größenordnungen steigt, die definitiv nicht mehr bewältigt
werden können, haben wir in einem nächsten
Schritt bei den Investitionen auch gekürzt und verschoben. Im Nettoeffekt, gegengerechnet mit neu
dazugekommenen Projekten wie den Hafenbrücken, haben sich die Investitionsausgaben um immerhin 331 Mio. € über fast alle Bereiche für den
Betrachtungszeitraum verringert. Darunter viele
bekannte Positionen, die wir anteilsmäßig reduziert
oder zum Teil aus dem Betrachtungszeitraum hinausgeschoben haben. Dabei ist immer zu beachten,
dass es sich um Modellrechnung handelt, inwieweit
solche reduzierten Ansätze den fachlichen und
politischen Anforderungen des Stadtrats entsprechen, wird ja von Jahr zu Jahr bei den Haushaltsberatungen entschieden. Das Szenario 2026 ist demnach kein beschlossener MIP, nichts im Szenario ist
so beschlossen, dass es nicht veränderbar wäre.
Sie können auf der nächsten Folie die Veränderungen erkennen, die wir vorgenommen haben. Nicht
jede wird ihre Zustimmung finden, wie gesagt, es ist
ja noch nicht beschlossen, es so zu tun. Wir haben
bestehende Positionen gestreckt und gekürzt wie
etwa die U-Bahnsanierung oder die Lärmminderungsplanung.
Einige Projekte haben wir ganz nach hinten geschoben wie den Hauptmarkt 18, andere werden
auf andere Weise realisiert wie etwa die KfzZulassung. Einige Kulturbauprojekte haben wir
gedeckelt.
Wichtig an dieser Stelle: die genannten Zahlen sind
Deckelungen des Stadtkämmerers im Rahmen der
Szenariorechnung. Nicht mehr und nicht weniger.
Ob wir einen guten Konzertsaal für 50 Mio. € bekommen, steht dahin, ist aber auch nicht unmöglich
wie Beispiele aus anderen Städten wie Reutlingen
oder Bochum zeigen. Und: wenn die realen Kosten
höher sind, dann steigt auch das Finanzierungsdefizit.
Danach haben wir nochmals eine Prüfung aller
Projekte auf ÖPP-Tauglichkeit durchgeführt und
dabei unter anderem ein nach Aussagen des Kollegen Dr. Gsell notwendiges weiteres Gymnasium
identifiziert. Dadurch können wir die Auszahlung
von Investitionsmitteln strecken.
Was haben wir noch gemacht? Wir haben versucht,
die Bauprojekte entsprechend der Kapazitäten der
Bauverwaltung so zu verteilen und zu strecken,
dass die Bewältigung auch möglich ist. Es ist wichtig, dass wir passend zur 10-Jahres-Investitionsund Finanzplanung auch eine entsprechende Langfristplanung der Kapazitäten im Hochbau haben.
Und SöR hat zugesagt, für den Tiefbau ähnliches
zu liefern. Denn das ist ja die nächste Herausforderung! Nicht nur finanziell, auch personell müssen wir
das stemmen können.
Nach all dem kommt man unter Berücksichtigung
aller Faktoren und Maßnahmen zum Ergebnis, dass
sich das errechnete 438 Mio. € - Finanzierungsdefizit des letzten Jahres auf nunmehr 691 Mio. € erhöht hat. Die Gesamtinvestitionen betragen 2,41
Mrd. €, davon müssen aus städtischen Mitteln 1,5
Mrd. € aufgebracht werden.
Ja, bitte keine Schockstarre, in diesen Größenordnungen bewegen wir uns realistischerweise inzwischen. Als wesentliche Ursache für den Anstieg
des Defizits ist nachvollziehbar, dass sich jede
dauerhafte Verschlechterung des Haushalts etwa
im Jahr 2016 über den Gesamtzeitraum auf das 11-
fache anhebt. Schaffen wir zum Beispiel 100 Stellen
in einer Größenordnung von 5 Mio. € Mehrausgaben pro Jahr, dann sind das im Szenario 55 Mio. €
Verschlechterung bis 2026. Eine wichtige Erkenntnis im Hinblick auf die mittel- bis langfristigen Folgen unserer Beschlüsse.
Damit ist auch klar, zu einer übertriebenen Gelassenheit besteht jetzt definitiv kein Grund mehr. Was
ist zu tun? Ich habe vor einem Jahr gesagt, wenn
wir die Finanzierungsseite nicht beizeiten angehen
und über den 10-Jahres-Zeitraum bewältigen, dann
9
ballt sich das Problem sehr schnell in den Jahren
2020 – 2023 und der Berg wird „unbesteigbar“!
Die Folie 20 zeigt dies grafisch. Dabei stellt die
gestrichelte Linie den Versuch dar, den Berg noch
etwas zu glätten. Dies ist dann die Aufgabe in den
nächsten MIP-Runden.
Daher ist meine Überzeugung, dass wir an mindestens drei Stellschrauben handeln müssen, wenn wir
die beiden großen Herausforderung der nächsten
10 Jahre erfolgreich angehen wollen:
• Einerseits die Stadt zukunftsfähig machen
durch Realisierung der geplanten Infrastruktur
um Bereich Bildung, Kinderbetreuung, Verkehr
und Kultur
• Andererseits den Haushalt im Gleichgewicht
halten und damit wirklich nachhaltig im Sinn der
Generationengerechtigkeit handeln
Die drei Stellschrauben sind:
• In einem weiteren Kraftakt zusätzliche Sparmaßnahmen auf der Ausgabenseite des Verwaltungshaushaltes identifizieren und umsetzen – dazu haben Gespräche mit den beiden
großen Fraktionen stattgefunden und wir haben
auch erste Überlegungen in der Verwaltung
angestellt.
• Zweitens die Prüfung auch der Einnahmeseite
des Stadthaushalts im Sinne nachhaltiger
Stadtfinanzen – eine Begrenzung der Neuverschuldung braucht auch zusätzliche Einnahmen, davon bin ich überzeugt, auch wenn ich
weiß, dass dies nach draußen schwer zu vermitteln ist.
• Und schließlich die Bereitschaft zur Neuverschuldung im unabdingbar notwendigen Maß
im Rahmen der Leitplanken des Haushaltsrechts
Kolleginnen und Kollegen, ich bin mir nicht sicher,
ob das, was wir gemeinsam vorhaben, in seiner
Konsequenz wirklich schon von allen Akteuren
verstanden wurde. Ich lese und höre immer wieder
Sätze wie „das kann nicht mehr warten“ oder „hier
muss die Stadt endlich handeln, sie ist in der
Pflicht“. Diese Sätze fallen dann leicht, wenn man
nur Teilbetrachtungen anstellt, die das Einzelne
Sinnvolle dann immer als leicht möglich erscheinen
lassen.
Wir haben mal in einer Grafik versucht, zu verdeutlichen, in welche Situation wir als Stadt bezüglich der
Verschuldung hineinlaufen, wenn wir nicht selbst
handeln und uns nicht verstärkt geholfen wird. Auf
dieser Grafik sehen Sie in der oberen Linie die
Verschuldung der Stadt, fortgeschrieben bis zum
Jahr 2030 entsprechend des Szenarios. Daneben
die mutmaßlichen Ver- und Entschuldungskurven
von München und des Freistaats Bayern. Letzterer
entsprechend seines Vorhabens einer Totalentschuldung bis zum Jahr 2030. Bei München kann
man davon ausgehen, dass eine solche Komplettentschuldung in den nächsten Jahren ebenfalls
möglich wäre.
Ich habe auf eine solche Entwicklung, die nicht nur
uns betrifft, sondern auch in anderen bayerischen
Städten mit großen haushaltspolitischen Herausforderungen eintreffen kann, bereits im Finanzaus10