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INSEK Nürnberg-Altstadt

Anlage · 22.07.2026 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

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Plärrer Marcus König Hauptmarkt Hauptbahnhof Altstadt Stadtplanungsausschuss St. Johannis Höfen Wöhrd St. Sebald St. Lorenz Energie & Versorgung Soziales & Gesundheit Schule & Bildung Kultur, Sport & Freizeit Rad- und Fußverkehr Stadtentwicklung & Planung Wohnen & Bauen Verkehr & Mobilität Umwelt & Klima Wirtschaft & Arbeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Stadt Nürnberg Altstadt Nürnberg Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept

Wie kann unsere Altstadt erlebbar, erreichbar,

bewohnbar bleiben? Diskutieren Sie mit, welche

Ziele das Entwicklungskonzept für die Altstadt

(INSEK) haben soll.

Was ist

ein INSEK?

Wir laden Sie herzlich ein.

Rathaus, Rathausplatz 2, Raum 208, Schöner Saal

Herausgeberin: Stadt Nürnberg · Bürgermeisteramt · Gestaltung: Stadtgrafik Nürnberg

Impressum

AUFTRAGGEBERIN

Stadt Nürnberg Bürgermeisteramt Rathausplatz 2 90403 Nürnberg

Koordination und Projektbearbeitung

Stab Stadtentwicklung Michael Ruf Julia Rauh

Weitere Beteiligungen und Mitglieder des Gebietsteams Altstadt

Amt für Kommunikation und Stadtmarketing, Amt für Kultur und Freizeit, Congress- und Tourismus-Zentrale, Denkmalschutzbehörde, Jugendamt, Liegenschaftsamt, Nürnberger Märkte, Museen der Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, Referat für Schule und Sport, Referat für Umwelt und Gesundheit, Seniorenamt, Servicebetrieb Öffentlicher Raum, Stab Innenstadt, Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat, Stab Wohnen, Stadtplanungsamt, Umweltamt, Verkehrsplanungsamt

AUFTRAGNEHMERIN

Yellow Z Abel Bormann Koch Architekten und Stadtplaner PartGmbB Choriner Straße 55, 10435 Berlin

Konzepterstellung und Projektbearbeitung

Mario Abel Giulia Desideri Anne Schönfeld Theresa Steiner

Titelbild

Stadtgrafik Nürnberg

Sofern im Text nicht anders kenntlich gemacht beziehen sich die Angaben auf von der Stadtverwaltung Nürnberg zur Erarbeitung des INSEK Altstadt zur Vefügung gestellte Daten. Alle Fotos sind, sofern nicht anders gekennzeichnet, von Yellow Z oder von der Stadtverwaltung Nürnberg. Alle Karten sind auf Grundlage der Geodaten der Stadt Nürnberg durch Yellow Z erstellt worden. Alle Grafiken sind, sofern nicht anders gekennzeichnet, von Yellow Z erstellt worden.

Berlin, Mai 2026

gefördert durch

Altstadt Nürnberg

Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept

Vorwort

Abbildung 1

Qualität in der Altstadt

Was macht unsere Nürnberger Altstadt aus? Sie verbindet auf einzigartige Weise Geschichte, Identität und lebendige Stadtkultur. Sie ist eben nicht nur ein historischer Ort, sondern ein prägendes Zentrum für Wirtschaft, Begegnung und gesellschaftliches Leben und ein qualitätsvoller Lebensraum für Nürnbergerinnen und Nürnberger.

Wir haben schöne Gassen, Fachwerkhäuser und denkmalgeschützte Gebäude. Gleichzeitig zeigt sich die Altstadt auch urban mit vielen bekannten Marken und Unternehmen. Hinzu kommen Museen, Kinos und viele andere kulturelle Einrichtungen, Großveranstaltungen mit Sport oder Musik, Straßenbühnen. Außerdem wohnen hier junge Menschen, Familien und viele Alleinstehende. Die Altstadt ist vielfältig! Das alles macht die Qualität unserer Altstadt aus: der Handel, Dienstleistungen, die Kultur, Veranstaltungen und das Wohnen. Das alles wollen wir in seiner reichhaltigen Qualität erhalten. Für den Erhalt braucht es jedoch Veränderung. Damit die Altstadt weiterhin für alle Bewohnerinnen und Bewohner und auch für alle Besucherinnen und Besucher attraktiv bleibt, braucht es mehr Schatten, mehr Grün, mehr (kostenlose) Freizeitmöglichkeiten, attraktiven Einzelhandel, interessante Gastronomiekonzepte sowie barrierearme Wege. Über zehn Jahre nach dem ersten Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept für die Altstadt hat es sich deshalb gelohnt, genauer hinzuschauen: Was braucht die Altstadt? Welche Herausforderungen sehen wir? Und welche Schätze gibt es zu entdecken? Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, Politik, externen Fachleuten und der Bürgerschaft haben wir uns diesen Fragen gewidmet. Das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept „Qualität in der Altstadt“ fasst den Prozess zusammen, formuliert Ziele und zeigt Handlungsoptionen auf. Das Konzept dient als Richtungsweiser für die Planungen und Projekte der nächsten Jahre. Auch nach dem Erarbeitungsprozess bleibt die Weiterentwicklung der Altstadt ein Prozess mit vielen Etappenzielen, an denen wir alle mitwirken.

Marcus König Oberbürgermeister

Inhaltsverzeichnis

01 Einleitung 08

Anlass 10 Aufgabe, Methodik und Prozess 10 Zeitschiene und Steuerung 12 Beteiligungsformate 14

02 Die Altstadt seit dem INSEK 2012 16

Das INSEK 2012 in der Rückschau 18 Stadtteilportrait 20 Nürnberger Stadtentwicklungsansatz 24 Denkmalschutz 25

03 Integrierte Analyse 26

Grün und Klima 28 Erlebnisraum durch Nutzungsmix – Einkaufen, Kultur und Freizeit 40 Aufenthaltsqualität und öffentlicher Raum 54 Lebensumfeld – Wohnen, Bildung, Soziales und Gesundheit 66 Mobilität und Erreichbarkeit 80

04 Fokusräume 92

Andreij-Sacharow-Platz 94 Königstraße und Umfeld 98 Jakobsplatz und Umfeld 102

05 Ausblick 106

Quellen- und Abbilungsverzeichnis 110

Einleitung

Nürnbergs Altstadt ist das lebendige,

historische, wirtschaftliche, funktionale

und identitätsstiftende Herz der Stadt. Als

bedeutendes Wahrzeichen prägt sie das Bild

der Stadt und ist zugleich alltäglicher Lebens-,

Arbeits- und Erlebnisraum. Auf engem Raum

treffen vielfältige Nutzungen, Ansprüche und

Interessen zahlreicher Akteurinnen und Akteure

aufeinander, die kontinuierlich abgestimmt und

fortgeführt werden müssen. Die Fortschreibung

des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts

Altstadt (INSEK) schafft hierfür einen klaren,

strategischen Orientierungsrahmen für die

kommenden Jahre.

Abbildung 2

Anlass Aufgabe, Methodik

und Prozess

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) Mit der Fortschreibung des INSEK für die Nürn- Altstadt aus dem Jahr 2012 bildet seit über einem berger Altstadt ist der Anspruch verbunden, die Jahrzehnt den strategischen Orientierungsrahmen vielfältigen räumlichen, funktionalen und gesellfür die Entwicklung der Nürnberger Altstadt. Viele schaftlichen Anforderungen zusammenzuführen, der damals formulierten Leitziele – etwa zur Stär- Entwicklungsschwerpunkte zu benennen und kung der Innenstadtfunktionen, zur Aufwertung des handlungsleitende Ziele für die kommenden Jahre öffentlichen Raums oder zur Sicherung der histori- zu formulieren. Dabei behält das INSEK von 2012 schen Qualitäten – sind weiterhin relevant. Gleich- und die dort formulierten Ziele weiterhin seine Gülzeitig haben sich die Rahmenbedingungen seitdem tigkeit. Die Fortschreibung dient dazu, ausgewählte deutlich verändert. Themenbereiche zu vertiefen und die bisherige Gewichtung der Themen neu zu justieren. Die Nürnberger Altstadt befindet sich in einem Das INSEK baut auf bestehenden Konzepten, dynamischen Wandel. Strukturelle Veränderungen Planungen und Untersuchungen auf und integriert im Einzelhandel, neue Anforderungen insbesondere neue Erkenntnisse aus der aktuellen Analyse und in den Bereichen Klimaanpassung und Mobilität gezielten Beteiligung. Eine zentrale Grundlage sowie veränderte Nutzungsansprüche an den öffent- bildet dabei die parallel erarbeitete Vorbereitende lichen Raum prägen aktuell die Weiterentwicklung Untersuchung (VU) Altstadt Mitte. Die VU liefert der Nürnberger Altstadt. Auch gesellschaftliche und eine vertiefte Bestandsaufnahme sowie eine systedemografische Entwicklungen sowie Transformati- matische Bewertung von Herausforderungen und onsprozesse an zentralen Standorten, zum Beispiel Potenzialen. Diese Ergebnisse werden im INSEK angestoßen durch die Landesgartenschau Nürnberg aufgegriffen, eingeordnet und zu einem für die 2030 (LGS 2030), eröffnen neue Perspektiven für die gesamte Altstadt abgestimmten Entwicklungszukünftige Gestaltung und Profilierung der Altstadt. rahmen weiterentwickelt. Das INSEK nun ist die Vor diesem Hintergrund wird das INSEK Altstadt Grundlage für alle drei Stadterneuerungsgebiete fortgeschrieben. Ziel ist es, bestehende Leitlinien zu der Altstadt. überprüfen, weiterzuentwickeln und an aktuelle wie absehbare Entwicklungen anzupassen. Die Fort- Methodisch folgt das INSEK einem integrierten schreibung schafft damit eine integrierte und aktu- Ansatz, der fachübergreifende Analysen, räumliche alisierte Grundlage für die langfristige strategische Schwerpunktsetzungen und Beteiligungsformate Steuerung der Altstadtentwicklung und unterstützt miteinander verknüpft. Die Bearbeitung gliedert die abgestimmte Umsetzung zukünftiger Projekte sich in aufeinander aufbauende Schritte – von der und Maßnahmen. Analyse über Leitbilder und Ziele bis hin zu einem

Beteiligung Analyse Fazit Ziele

1 Systematischer Aufbau der integrierten Handlungsfelder

Abbildung 3

2 Vortrag des Oberbürgermeisters Marcus König beim City Kongress am 27. Mai 2025

umsetzungsorientierten Handlungskonzept mit Die Ziele der Handlungsfelder werden bei der kon- Fokusräumen und Impulsprojekten. kreten Betrachtung einzelner Räume (Plätze, Straßen) konkret nebeneinander abgewogen, bewertet Als Orientierungsrahmen unterstützt es Politik, Ver- und in der jeweiligen Umsetzung berücksichtigt. In waltung und weitere Akteurinnen und Akteure bei einer Rückkopplung erfolgt dann eine Einbettung in der koordinierten Weiterentwicklung der Altstadt. die Strategie für die gesamte Altstadt, exemplarisch wird das in drei Fokusräumen aufgezeigt. Die Handlungsfelder sind grundsätzlich gleichrangig zu betrachten; aus der nachfolgenden Reihenfolge Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass aus der Handlungsfelder (oder einzelner Ziele) ergibt Gründen der Vereinfachung der Darstellung auf sich keine Priorisierung. Leitgedanke ist, dass die Dopplungen zwischen den Handlungsfeldern weit- Altstadt zum Wohle aller weiterentwickelt werden gehend verzichtet wurde. Zum Beispiel findet sich soll. Als charakteristisches Kennzeichen der Nürn- das Thema „Baumpflanzungen“ im Handlungsfeld berger Altstadt sollen Wohnen, Arbeiten, Freizeit, „Grün und Klima“, ist aber auch für das Handlungs- Handel und Gewerbe ihren gemeinsamen Platz in feld „Aufenthaltsqualität und Öffentlicher Raum“ der Altstadt finden. relevant.

Abbildung 4

Zeitschiene und

Steuerung

Die Fortschreibung des INSEK Altstadt Nürnberg aufbauend werden die zentralen Handlungsfelist zeitlich auf die parallele Durchführung der VU der entwickelt, in enger Abstimmung mit dem Altstadt Mitte abgestimmt und baut in Teilen auf Gebietsteam gebündelt und zu einem kohärenten deren Ergebnissen auf. Die Steuerung des Prozes- Entwicklungsrahmen zusammengeführt. In der ses erfolgt über regelmäßige Abstimmungen inner- dritten Phase erfolgt die Formulierung konkreter halb der Verwaltung sowie begleitende Arbeits- Ziele und Leitlinien, die im Rahmen der VU Altgruppen. Zentrale Zwischenergebnisse wurden stadt Mitte in einem Rahmenplan sowie im Zuge fortlaufend gespiegelt, überprüft und weiterent- des INSEK in vertieften Fokusräumen räumlich wickelt, um eine fachlich konsistente und umset- konkretisiert werden. Der gesamte Prozess wird zungsorientierte Gesamtstrategie sicherzustellen. durch gezielte Beteiligungsformate begleitet und durch Expertinnen- und Expertengespräche fach- Der Prozess gliedert sich in fünf aufeinander lich fundiert. Den Abschluss bildet die Dokumentaaufbauende Phasen. Den Ausgangspunkt bildet tionsphase, in der der Endbericht fertiggestellt, die die Grundlagenermittlung mit einer systemati- Ergebnisse öffentlich präsentiert und im Sommer schen Bestandsanalyse, einer Altstadtbegehung 2026 dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt sowie der Erarbeitung einer SWOT-Analyse. Darauf werden.

Ablauf VU

INSEK

03/2025 - 05/2025 06/2025 - 08/2025 09/2025 - 12/2025

Bausteine Grundlagenermittlung + Handlungsfelder Fazit Bestandsanalyse Ziele
1 5 2 4 3 Bündelung Handlungsfelder
Kommunika- tion Information Co-Pro duktion
Zwischenbericht Gebietsteam

Abbildung 5

4 Tag der Städtebauförderung am 09.Mai 2026 mit Vorstellung der Inhalte von VU und INSEK

09/2025 - 12/2025 01/2026 - 04/2026 05/2026 - 06/2026

Fazit + Umsetzungskonzept + Dokumentation Ziele Fokusräume

A B C Text und Erläuterungen Fertigstellung Fokusräume INSEK
Diskussion
Satzungsbeschluss Sanierungsgebiet im Stadtplanungsausschuss (April 2026)

Ziele INSEK + Leitlinien Endbericht Weitere Formate

Reflexion + Ausblick

Vorstellung Abschlussbericht Zukunftswerkstatt INSEK im Stadtplanungs- Öffentliche ausschuss Schlusspräsentation (Sommer 2026)

Abbildung 6

Beteiligungsformate

Ein wesentlicher Bestandteil der Fortschreibung um über die zukünftige Entwicklung der gesamten des INSEK ist die Beteiligung unterschiedlicher Altstadt zu diskutieren und Ideen zu sammeln. Am Akteurinnen und Akteure sowie der Stadtgesell- 27.Mai 2025 fand der “City Kongress” statt, bei schaft. Ziel ist es, lokales Wissen, unterschiedliche dem Vertreterinnen und Vertretern der Stadt- Perspektiven und Alltagserfahrungen frühzeitig in verwaltung, Expertinnen und Experten, teilweise den Prozess einzubinden und die Entwicklung der begleitet vom Planungsteam yellow z, in Konfe- Altstadt gemeinsam zu diskutieren. renzen und thematischen Workshops wichtige Aufbauend auf den Beteiligungsformaten der Erkenntnisse für das INSEK erarbeitet haben. Vorbereitenden Untersuchung wurden im Rahmen der INSEK-Fortschreibung insbesondere dialog- Zukunftswerkstatt orientierte Formate umgesetzt. Dazu zählen unter Die Zukunftswerkstatt war als offener Ideenmarkt anderem eine öffentliche Zukunftswerkstatt sowie gestaltet, bei dem die Teilnehmenden frei zwizielgruppenspezifische Beteiligungen für Kinder schen verschiedenen Stellwänden wechseln und und Jugendliche. ihren Beitrag hinterlassen konnten. Auf einem Plakat wurden Meinungen zu jeweils fünf Leitfragen Bei der Auswertung der Beteiligung, die in den je Handlungsfeld auf einer Skala eingetragen, auf Handlungsfeldern aufgeführt ist, ist darauf hinzu- einem weiteren konnten Schätze und Potenziale weisen, dass die Ergebnisse durch die Anzahl der direkt in einer Altstadtkarte verortet werden. An Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht repräsenta- der Veranstaltung nahmen rund 80 Personen teil. tiv sind und ein „Stimmungsbild“ darstellen.

Kinderbeteiligung

City Kongress Die Kinderbeteiligung richtete sich an Schülerinnen

Zu Beginn des INSEK-Prozesses wurden Stakehol- und Schüler der dritten und vierten Klasse, die in derinnen und Stakeholder, u.a. aus Einzelhandel, der Altstadt wohnen oder sich dort regelmäßig Kultur, Polizei und Bürgerinitiativen eingebunden, aufhalten. Mithilfe von Fragebögen oder Plakate

Abbildung 7

5 Beteiligung in der Zukunftswerkstatt am 23.September 2025

Abbildung 8

6 Wünsche der Teilnehmenden der Zukunftswerkstatt vom 23. September 2025

arbeiteten die Kinder Aktivitäten und Orte heraus, einmal pro Woche. Die dabei verwendeten aus denen Bedarfe abgeleitet wurden. Von 201 Fragestellungen waren auf zentrale Entwickausgegebenen Fragebögen wurden 83 ausgefüllt lungsfragen der Altstadt ausgerichtet und und eingereicht. Die Ergebnisse zeigen den Ent- ermöglichten eine differenzierte Auseinanwicklungsbedarf der Altstadt aus der Perspektive dersetzung mit Nutzung, Aufenthalt, Klima, von Kindern auf. Mobilität und Lebensumfeld.

Jugendbeteiligung Die Ergebnisse der Beteiligungsformate

Die Jugendbeteiligung fand im Oktober und fließen nicht als eigenständiges Kapitel, November 2025 statt und umfasste 163 Teilneh- sondern thematisch gebündelt in die jeweimende im Alter von 14 bis 21 Jahren. Aufbauend ligen Handlungsfelder des INSEK ein. Auf auf der Zukunftswerkstatt arbeiteten die Jugend- diese Weise werden Anregungen, Hinweise lichen mit denselben thematischen Plakaten, und Bedarfe aus der Stadtgesellschaft unterstützt durch pädagogische Begleitung. Dabei systematisch berücksichtigt und in Ziele, wurde teilweise differenziert, wie regelmäßig die Schwerpunkte und Umsetzungsperspektiven Jugendlichen die Altstadt besuchen. Die meisten übersetzt. Jugendlichen, die an der Beteiligung teilgenommen haben, besuchen die Altstadt im Durchschnitt

Die Altstadt

seit dem INSEK 2012

Mit dem INSEK Altstadt 2012 wurde erstmals

ein integrierter strategischer Rahmen für

die Entwicklung der Nürnberger Altstadt

formuliert. Eine kurze Rückschau zeichnet die

Stadtentwicklung der Altstadt seit dem INSEK

2012 nach: von den damaligen Leitzielen über

strategische Projekte, die Bilanzierung 2020

bis hin zum aktuellen Bild des Stadtteils.

Abbildung 9

Das INSEK 2012 in

der Rückschau

Mit dem INSEK Altstadt 2012 wurde unter dem Konzeptbausteine wurden dabei inhaltlich bewertitelgebenden Leitbild „Qualität“ erstmals ein inte- tet, in einigen Fällen ausdifferenziert oder zusamgrierter strategischer Rahmen für die Entwicklung mengelegt sowie um neue Bausteine ergänzt und der Nürnberger Altstadt formuliert. Sechs Leitziele erneut mit strategischen Projekten versehen. Im strukturierten den damaligen Rahmen: qualitatives Folgenden werden die Konzeptbausteine im Ver- Wachstum statt flächenmäßiger Expansion, die Stär- gleich zum INSEK 2012 erneut aufgeführt und die kung des Landschaftsraums Pegnitz, klimaangepass- 2019 definierten strategischen Projekte ergänzt. tes Wohnen im Einklang mit dem Denkmalschutz, die Aufwertung der Atmosphäre des öffentlichen Stadtklima und Lebensqualität wurde 2019 bestä- Raums, die Stärkung sozialer Teilhabe sowie die tigt und fortgeführt. Der Baustein zielt weiterhin gemeinsame „Arbeit am Bild der Altstadt“. Diese darauf ab, in der Altstadt kühlende, attraktive Leitziele wurden in drei Konzeptbausteinen ope- Stadträume durch Grünflächen und Bäume zu rationalisiert: “Stadtklima und Lebensqualität”, ergänzen und damit die Lebensqualität für alle “Zukunftssicherung des Wohn- und Lebensraums” Nutzergruppen zu verbessern. Strategische Prosowie “Qualitätsoffensive nachhaltige Altstadt”. jekte wurden auf den weiteren Ausbau des Landschaftsraum Pegnitz und die energetische Bera- 2019 startete die Stadt Nürnberg einen Prozess, tungsangebot für Altstadtbebauung fokussiert. der eine Bilanz aller bisherigen INSEKs ziehen sollte. Die Ausgangslage in der Altstadt wurde Qualitätsoffensive nachhaltige Altstadt wird dabei im Vergleich zu 2012 nicht erneut analysiert inhaltlich mit neuen Ansätzen für Wirtschaft und und auch die Öffentlichkeit nicht erneut beteiligt. Kultur fortgeführt. Die Schwerpunkte bilden die Basis war vielmehr eine Bilanz der Projektreali- strategischen Projekte: Qualitätskonvention für den sierung: Was konnte in den vergangenen Jahren öffentlichen Raum, Aufwertung von Altstadtplätbereits umgesetzt werden? Was wurde nicht wei- zen und Straßenzügen und gute Atmosphäre durch terverfolgt? Unter der Federführung des Gebiet- zusätzliche kulturelle und soziale Nutzungen. steams Altstadt wurden die Ziele überprüft, neu ausgerichtet und festgehalten. Zukunftssicherung des Wohn- und Lebensraums zeigte die deutlichsten Umsetzungslücken: Energe- Das Leitmotiv „Qualität“ wurde vom Gebietsteam tische Sanierung und strategischer Wohnungsneuausdrücklich bestätigt und soll auch in Zukunft bau konnten kaum realisiert werden. Das Thema weiterverfolgt werden. Die drei ursprünglichen wird deshalb neu verortet und unter dem Baustein

Abbildung 10

Integrierte Stadtentwicklung Nürnberg

Überprüfung und

Neuausrichtung der

INSEK-Ziele

7 INSEK Altstadt (2012) 8 Überprüfung und Neuausrichtung der INSEK-Ziele (2020)

Abbildung 11

9 Umgestaltung des Nägeleinsplatzes: abgeschlossener zweiter Bauabschnitt im Umfeld des Weinstadels

Soziale Teilhabe, mit einem stärkeren Fokus auf da sie eine wesentliche Stärke der Altstadt darstellt. zeitgemäße Wohnformen weitergeführt. Soziale Als strategische Projekte wurden dafür die Stärkung Teilhabe wird dabei als Querschnittsthema verstan- von Freiräumen für kulturelle und kreative Angeden, das alle Nutzergruppen der Altstadt einbe- bote, das Einsetzen von Digitalisierungschancen und zieht. Als strategische Projekte wurden der Ausbau -möglichkeiten für Kultur, Handel und Tourismus, des Bildungsortes, insbesondere für jüngere und das Nutzen der Kulturhauptstadtbewerbung und ältere Menschen, der Aufenthalts- und Lebensraum die Entwicklung einer verträglichen Nachökonomie für Randgruppen der Gesellschaft und Realisierung formuliert. von zeitgemäßen Wohnformen festgelegt. Die Bilanz von 2019/2020 macht deutlich, dass das Neben der Überarbeitung der bestehenden Bau- INSEK 2012 wichtige strategische Impulse gesetzt steine ergab die Bilanz zwei neue Handlungsfelder: hat, die Altstadt jedoch gleichzeitig vor neu entste- Mobilität und Erreichbarkeit kommt als eigenstän- henden und anhaltenden Herausforderungen steht. diger Konzeptbaustein hinzu, da zunehmende Nut- Die bei der Bilanzierung neu aufgenommenen zungskonflikte im öffentlichen Raum eine verträg- Themen sowie aktuelle Entwicklungen signalisieliche Organisation von Verkehr und Erreichbarkeit ren, dass sich der Handlungsbedarf in der Altstadt erfordern. Dazu sollen die Verkehrsberuhigung und dynamisch weiterentwickelt. Die Fortschreibung des Umgestaltung von Altstadtplätzen, die Erleichte- INSEK greift diese Entwicklungen auf und vertieft rung des Fuß- und Radverkehrs sowie der Ausbau gezielt jene Themen, bei denen sich seit 2012 neue neuer Mobilitätsangebote (z.B. Mobilpunkte) als Schwerpunkte ergeben haben und richtet sich an strategische Projekte beitragen. den Anforderungen von Gegenwart und Zukunft aus. Themen wie der Denkmalschutz bleiben dabei Erhalt und Stärkung der Vielfalt der Altstadtfunk- weiterhin relevant und fließen entsprechend ein. tionen wird als weiterer Baustein aufgenommen,

Stadtteilportrait

Die Nürnberger Altstadt bildet das historische und nur behutsame Veränderungen und Eingriffe identitätsstiftende, aber auch wirtschaftliche und wirken sich schnell auf benachbarte Nutzunfunktionale Zentrum der Gesamtstadt. Sie ist durch gen aus. Veränderungen müssen daher stets im eine hohe bauliche Dichte, eine kleinteilige Parzel- gesamtstädtischen Kontext betrachtet werden. lierung und eine enge Abfolge von Gassen, Plätzen Dass die Altstadt dabei lebendiger ist als lange und Stadträumen, die ihren Ursprung im mittelal- angenommen, zeigt ein Blick auf die jüngere terlichen Stadtgrundriss haben, geprägt. Gleich- Entwicklung. Entgegen den Prognosen des INSEK zeitig übernimmt die Altstadt zentrale Funktionen 2012 wuchs die Bevölkerung bis 2024 auf 14.365 für Einzelhandel, Dienstleistungen, Kultur,Bildung, Einwohnerinnen und Einwohner – ein Plus von Tourismus, Verwaltung und Wohnen. Ein beson- 8,5 % statt des erwarteten Rückgangs von 1,6 %. deres Merkmal ist die weitläufige Fußgängerzone, Möglich wurde es unter anderem durch Nachverdie als größte zusammenhängende Fußgänger- dichtung und Umnutzungen: Trotz eines leichten zone Deutschlands gilt. Rückgangs bei der Zahl der Wohngebäude stieg die Gesamtzahl der Wohnungen. Als Aushängeschild der Stadt und bedeutender Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher Parallel dazu hat sich die Haushaltsstruktur ist die Altstadt zugleich alltäglicher Lebens- und verändert. Die Zahl der Haushalte wuchs stärker Arbeitsraum für viele Menschen. Diese Mehrfach- als die Bevölkerung, was auf eine fortschreitende funktion führt zu einer hohen Nutzungsdichte und Verkleinerung der Haushaltsgrößen hinweist. Mehr zu vielfältigen, teilweise konkurrierenden Ansprü- als 70 % der Haushalte sind 2024 Einpersonenchen an Räume, Infrastruktur und Gestaltung. haushalte. Die Bevölkerungsstruktur ist dabei im Vergleich älter: Den größten Anteil stellen die 30- Die besondere Qualität der Altstadt liegt im bis 64-Jährigen, während Kinder- und Jugendjahr- Zusammenspiel von historischer Bausubstanz, gänge schwach vertreten bleiben. Die Altstadt ist öffentlichem Raum und urbanem Leben. Gleichzei- damit weniger von Familien mit Kindern geprägt tig stellt genau diese Dichte eine planerische Her- als vielmehr von Erwachsenen unterschiedlicher ausforderung dar: Flächenreserven sind begrenzt, Lebensphasen, sowohl auf Zeit als auch dauerhaft. die Dichte der Denkmallandschaft erlaubt oftmals

Gebietssteckbrief Altstadt

Fläche und Funktionale Lage

umgeben zwischen Hauptbahnhof, Hauptmarkt und Kaiserburg

ca. 166,3 ha

Stadtgefüge mit hoher baukultureller Bedeutung

wirtschaftliche Aktivitäten

Bevölkerungsdichte

Gesamte Altstadt:

Bebauung

Historische Identität

zahlreichen Einzeldenkmälern von überregionaler Bedeutung

Freiraumanteil

Nutzungsstruktur

Dienstleistungen

Bund-Länder Städtebauförderprogramme

-tfarkfuaK reffiznnek

Einzelhandelszentralitätskennziffern

Trotz der positiven Bevölkerungsdynamik bestehen strukturelle Herausforderungen: Der Anteil erwerbsfähiger Hilfebedürftiger hat im Vergleich zu 2012 zugenommen und soziale Unterstützungsbedarfe wachsen. Die Altstadt bleibt damit ein gemischtes, sich wandelndes Gebiet, das vom gesamtstädtischen Wachstum profitiert und zugleich vor eigenen sozialen und räumlichen Herausforderungen steht. Die Altstadt bildet das kommerzielle Zentrum der Stadt. Nürnberg zählt bundesweit zu den attraktivsten Einzelhandelsstandorten: Die Stadt verzeichnet die höchste Einzelhandelszentralität* im Bundesvergleich und erzielt überdurchschnittliche Umsätze gegenüber anderen deutschen Städten mit einer Strahlkraft, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht.

Nürnberg 118,6
Wuppert al 117,3
Köln 1 12,3
Dortmun d 1 11,8
Bremen 1 11,5
Stuttgart 1 11,4
Düsseldo rf 1 11,0
Essen 1 10,9
München 11 0,5
Bochum 11 0,1
Hannover (Region) 106, 4
Hamburg 106, 1
Duisburg 105, 6
Frankfurt 104, 9
Dresden 101,7
Berlin 100,4
Leipzig 92,0

*Die Einzelhandelszentralitätskennziffer Nürnbergs liegt bei 118,6. Sie gibt das Verhältnis des Einzelhandelsumsatzes vor Ort zur vorhandenen Kaufkraft an. Im Nürnberger Einzelhandel wird rund 18,6 Prozent mehr Umsatz erzielt, als die Menschen in Nürnberg an Kaufkraft haben. 10 Zentralitätskennziffer 2025. Quelle: GfK GeoMarketing GmbH.

0 20 40 60 80 100

Abbildung 12

11 Blick vom Jakobsplatz Richtung Weißer Turm

Die Altstadt entwickelt sich ... ...seit 2012 gibt es ...

....873 mehr Einwohner (2024, 15.000 EW) +6,2%

... 111 weniger Wohngebäude (2024, 1.427)

... 786 mehr Wohnungen (2024, 10.447)

... 36 Baumpflanzungen in der Altstadt

von 2020 - 2026

... 10 neue Mobilpunkte (2025, 10)

... 1,8 km erweiterte Fußgängerzone

(2025, 7,5km)

Abbildung 14

Nürnberger

Stadtentwicklungsansatz

Nürnberg verzichtet auf ein Gesamtstädtisches sowie in der Erarbeitung des INSEK Altstadt Nürn- Entwicklungskonzept zugunsten einer integrierten berg bereits seit 2009 auseinander. Betrachtung von Schwerpunkträumen und -themen. Einer dieser Schwerpunkträume ist die Nürnberger Kennzeichnend ist dabei die Kombination aus Altstadt, deren Entwicklung seit vielen Jahren einem strategischen Konzepten, schrittweiser Umsetzung integrierten, dialogorientierten Ansatz folgt, der und projektbezogener Vertiefung. Planerische Leitfachliche Planung, politische Entscheidungen und linien werden nicht isoliert betrachtet, sondern mit Beteiligung miteinander verbindet. konkreten Maßnahmen, Förderinstrumenten und Beteiligungsformaten verknüpft. Alle maßgeblichen Dieser Ansatz ist durch eine enge Abstimmung Fachthemen sind kontinuierlich in diesen Prozess zwischen Verwaltung, Politik, Fachbehörden, eingebunden und werden frühzeitig in Planungen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie der einbezogen. Stadtgesellschaft geprägt. Eine wichtige Rolle spielt das Gebietsteam Altstadt Nürnberg (eines von fünf Die Fortschreibung des INSEK Altstadt knüpft Gebietsteams in Nürnberg), das als interdisziplinäres bewusst an diesen Ansatz an. Sie versteht Stadt- Arbeits- und Abstimmungsgremium alle maßgeb- entwicklung als langfristigen, gemeinschaftlichen lichen Referate, Ämter und Geschäftsbereiche der Prozess, der nur durch abgestimmtes Handeln und Stadt Nürnberg vereint. Das Gebietsteam Altstadt transparente Entscheidungen erfolgreich gestaltet setzt sich mit den maßgeblichen Themenfeldern werden kann. und Projekten der künftigen Stadtentwicklung

Abbildung 13

St. Johannis

Kaiserburg

Sanierungsgebiet

Pegnitz

Nördliche Altstadt

Wöhrd

St. Sebald (seit 2010)

Stadtmauer

Rosenau

Hauptmarkt

Sanierungsgebiet

Altstadt Mitte

Wöhrder

(seit 2026)

St. Lorenz Wiese

Plärrer Marien-

Sanierungsgebiet Altstadt-

vorstadt

Süd (seit 1998)

Hauptbahnhof

12 Sanierungsgebiete in der Altstadt

Abbildung 15

13 Der Kaufhof nach der Renovierung 1961

Denkmalschutz

Die Nürnberger Altstadt zählt zu den historisch Der Denkmalschutz bildet damit eine zentrale bedeutendsten Stadträumen Europas. Ihr Stadtbild Rahmenbedingung für die Stadtentwicklung in wird geprägt durch einen außergewöhnlich hohen der Altstadt. Er dient dem Schutz des historischen Bestand an Baudenkmälern aus allen Epochen Stadtraums als Ganzes – und ist zugleich identitätsdes vergangenen Jahrtausends sowie eine ebenso stiftend für die Stadtbevölkerung wie auch wirthohe Dichte an Bodendenkmälern – Ausdruck der schaftlich bedeutsam als Grundlage des Tourismus. Bedeutung Nürnbergs als wichtigster Reichsstadt Gleichwohl ist die Altstadt kein statisches Museum, im Süden Deutschlands über viele Jahrhunderte. sondern ein lebendiger Stadtraum, der ein sorgfältiges Abwägen zwischen Erhalt, Anpassung und Anders als bei Baudenkmälern sind Eingriffe in den Weiterentwicklung erfordert. Untergrund dabei unweigerlich mit dem Verlust Die Fortschreibung des INSEK versteht den Denkvon Denkmalsubstanz verbunden, was bei Aufgra- malschutz als integralen Bestandteil einer qualibungen besondere Abstimmung und Sensibilität tätvollen Stadtentwicklung: Ziel ist es, die Denkerfordert. Der verantwortungsvolle Wiederauf- malwerte zu bewahren und zugleich zeitgemäße bau nach den schweren Zerstörungen des Zwei- Nutzungen und gestalterische Weiterentwicklunten Weltkriegs hat das Gesamtbild der Altstadt gen innerhalb des denkmalrechtlichen Rahmens zu bewahrt; auch das bauliche Erbe dieser Epoche ermöglichen. besitzt daher Denkmalwert, weshalb die Altstadt insgesamt als Ensemble ausgewiesen wurde.

Integrierte Analyse

Die integrierte Analyse verknüpft

zentrale Themenfelder und bildet

die Grundlage für die Ableitung von

Zielen im Untersuchungsgebiet. In fünf

Handlungsfeldern zeigt sie städtebauliche,

funktionale, soziale, denkmalpflegerische und

klimatische Handlungsbedarfe auf und macht

deutlich, dass in der Altstadt stets multiple

Nutzungsansprüche aufeinandertreffen und

berücksichtigt werden müssen. Diese werden

im weiteren Prozess räumlich konkretisiert

und in drei Fokusräumen integriert betrachtet.

Abbildung 16

Grün

und Klima

Die Nürnberger Altstadt ist durch ihre dichte, Altstadt weniger durch großflächige Freiraumneuhistorisch gewachsene Bebauungsstruktur schaffungen, sondern durch präzise, qualitätsvolle geprägt und zählt zu den am stärksten versiegel- und zugleich denkmalgerechte Eingriffe entsteht, ten und stadtklimatisch belasteten Bereichen der diese Aussage gilt heute in besonderem Maße. Eine Gesamtstadt. Bereits das INSEK 2012 hat auf die besondere Rolle spielen dabei die historischen Strukbesonders hohe Sensibilität der Altstadt gegen- turen selbst: Gassenräume, Platzfolgen, Höfe, Brunüber klimatischen Veränderungen hingewiesen nen und Blickbeziehungen prägen nicht nur das und die Notwendigkeit betont, Klimaanpassung Stadtbild, sondern bieten zugleich Ansatzpunkte für als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung klimaaktive Maßnahmen. Orte wie der Weinmarkt, mitzudenken. Diese Einschätzung hat sich seither der Burggraben oder kleinere Platzräume zeigen,

weiter verschärft. dass Aufenthaltsqualität, historischer Charakter und

klimaangepasste Gestaltung miteinander vereinbar

Hitze als Herausforderung sind, wenn Maßnahmen sorgfältig abgestimmt wer-

Aktuelle Klimaanalysen und der Hitzeaktions- den. Hierfür sind klimasensitive Gestaltungsansätze plan der Stadt Nürnberg zeigen deutlich, dass mit blau-grünen Prinzipien und dem Gedanken der die Altstadt heute zu den ausgeprägtesten Hit- Schwammstadt erforderlich. Erstrebenswert sind zeinseln gehört. Enge Straßenräume, ein hoher multifunktionale und adaptive Stadtplätze, die eine Versiegelungsgrad, geringe Durchlüftung und hohe Aufenthaltsqualität mit ökologischen und fehlende zusammenhängende Grünflächen führen klimatischen Funktionen verbinden. Gleichzeitig insbesondere in den Sommermonaten zu hohen setzen Bau- und Kunstdenkmalschutz, Bodenthermischen Belastungen. Besonders betroffen denkmäler, unterirdische Leitungen und geringe sind stark frequentierte Achsen und Plätze wie die Flächenreserven enge Rahmenbedingungen, die Königstraße, Karolinenstraße, Breite Gasse sowie eine intensive Abstimmung aller Eingriffe erforderder Hauptmarkt, in denen sich Nutzungskonzent- lich machen. Es sind aber auch historische Grünfläration, bauliche Dichte und klimatische Belastung chen und ehemals offene Wasserläufe vorhanden, überlagern. Gleichzeitig steigt mit der demografi- die denkmalgerecht reaktiviert und klimaverbesschen Entwicklung der Anteil hitzesensibleren Bevöl- sernd eingesetzt werden könnten. Dies ist unter kerungsgruppen in der Altstadt, was die Bedeutung anderem vor dem Hintergrund der beträchtlichen klimaangepasster Stadträume zusätzlich erhöht. Kosten zu bewerten. Hier gibt es die Möglichkeit, entsprechende Förderungen zur klimaangepassten Grün- und Freiräume: Ressourcen und Stadt zu nutzen.

Rahmenbedingungen

Grün- und Freiräume sind im inneren Altstadtbe- Dach- und Fassadenflächen als unterschätztes reich nur in sehr begrenztem Umfang vorhanden. Potenzial Größere zusammenhängende Grünflächen liegen Neben dem öffentlichen Raum rücken Dachüberwiegend entlang der Pegnitz oder in den und Fassadenflächen stärker in den Fokus. Die Grabenräumen. Innerhalb der Altstadt haben daher Analysen zeigen, dass insbesondere rückwärtige kleinste Grün- und Schattenelemente eine überpro- und wenig einsehbare Dachflächen Potenziale portionale Bedeutung. Einzelne Bäume, Brun- für Gründächer und Photovoltaik bieten. Auch nen, Pocket Parks oder temporäre Begrünungen vertikale Begrünungen können an geeigneten übernehmen wichtige Funktionen für Abkühlung, Gebäuden bei sensibler Gestaltung einen Bei- Aufenthalt und Orientierung und sollten für alle trag zur Verbesserung des Mikroklimas leisten. gleichermaßen zugänglich sein. Bereits im INSEK Der Umgang mit diesen Potenzialen erfordert 2012 wurde betont, dass Wertschöpfung in der klare Leitlinien und eine frühzeitige Einbindung

Abbildung 19

14 Zugängliches Pegnitzufer am umgestalteten Nägeleinsplatz

Abbildung 18

Abbildung 17

15 Fußläufige Erreichbarkeit von Grün- und Parkanlagen mit mind. 1 ha 16 Grünflächenversorgung mit öffentlichen Grünflächen Größe und Erholfunktion (i.d.R. uneingeschränkt zugänglich) gut versorgt stark unterversorgt Grünflächenerreichbarkeit < 250 m unterversorgt sehr stark unterversorgt Grünflächenerreichbarkeit < 500 m ohne öffentliche Grünflächen

Abbildung 20

18 Analysekarte Grün und Klima

INSEK-Gebiet > 22 °C Temperaturfelder: (bodennahe Pocket Park Öffentliche Grünflächen/ Freianlagen Lufttemperaturfeld in °C, gemes- Bereiche für Kaltluftentstehung > 20-21 °C Stadtbiotop Bestandsbäume/ Neupflanzungen sen 2m über Grund um 4 Uhr Kaltluftleitbahn > 21-22 °C morgens, windschwache hoch- Gründächer Überschwemmungsgebiet sommerliche Hochdrucklage)

denkmalpflegerischer Belange, wie sie etwa im Altstadt gebracht werden, sondern auch klimati- Nürnberger Solarleitfaden formuliert sind. Gründä- sche Anpassungsstrategien, Aufenthaltsqualitäten cher bieten dabei nicht nur Flora und Fauna einen und ökologische Funktionen im innerstädtischen wichtigen Beitrag zur Biotopvernetzung, sondern Raum erlebbar werden. Die Landesgartenschau

Menschen einen zusätzlichen Aufenthaltsraum. innovative, kleinteilige und übertragbare Konzepte der Begrünung, Entsiegelung und klimaaktiven Landesgartenschau 2030 als Chance für die Gestaltung in einem hochverdichteten historischen Altstadt Umfeld zu erproben und dauerhaft zu verankern. Im Kontext der integrierten Stadtentwicklung Das setzt allerdings an vielen Stellen eine Neuvergewinnt die Klimaanpassung in der Altstadt auch teilung des öffentlichen Raums voraus, ohne die im Rahmen der Landesgartenschau Nürnberg 2030 keine Potentiale für neues Grün in der Altstadt (LGS) an Bedeutung: Die Bayerische Landesgarten- entstehen. schau findet zum 50-jährigen Jubiläum in Nürnberg statt. Sie wird den historisch stark verdichte- Infrastrukturmaßnahmen als strategisches ten Innenstadtbereich langfristig klimaresilienter, Handlungsfenster grüner und lebenswerter machen. Vor allem mit Ein zentrales Handlungsfenster ergibt sich zudem der Entsiegelung und Begrünung von Plätzen und aus anstehenden Infrastrukturmaßnahmen. Der Straßen, aber auch mit der Umgestaltung des Kommunale Wärmeplan (KWP) sieht vor, dass Stadtgrabens sollen nicht nur mehr Grün in die die Altstadt in zweiter und dritter Priorität an die

Fernwärme angeschlossen wird. Das heißt, ab wirken zugleich als Impulse und zeigen, wie sorgfäl- 2030 wird es in der Altstadt vermehrt Baustellen in tig abgestimmte Eingriffe klimatische und gestalteri- Straßenzügen geben. Die Chance dieser absehba- sche Qualitäten miteinander verbinden können. ren Eingriffe gilt es ebenfalls für den Straßenumbau zu nutzen und klimaangepasste Gestaltungs- Fazit: ansätze, etwa Entsiegelung, Baumpflanzungen, Die Altstadt Nürnbergs ist ein historisch sehr wassersensible Oberflächen, Schwammstadt- oder bedeutender hochsensibler, klimaexponierter verbesserte Aufenthaltsqualitäten, systematisch Stadtraum, in dem Klimaanpassung nur durch intemitzudenken und integriert umzusetzen. Auf- grierte, kleinteilige und denkmalpflegerisch abgegrund des sensiblen städtebaulichen Umfelds unter stimmte Maßnahmen gelingen kann. Die bereits anderem geprägt durch flächendeckende Boden- umgesetzten oder gestarteten Projekte belegen, denkmäler sind alle betroffenen Akteurinnen und dass dieser Ansatz trägt und auch unter engen Akteure rechtzeitig einzubeziehen und geplante Rahmenbedingungen wirksam ist. Große Flächen- Maßnahmen detailliert abzustimmen. potenziale fehlen, umso größer ist die Bedeutung

präziser Eingriffe, strategischer Bündelung und der

Veränderung ist möglich auch unter komplexen Nutzung von Synergien mit laufenden Infrastruk-

Bedingungen tur-, Umbau- und Erneuerungsprozessen. Grün-

Dass spürbare Verbesserungen auch unter den kom- und Klimastrategien für die Altstadt müssen daher plexen Rahmenbedingungen der Altstadt möglich nicht als eigenständige Disziplin, sondern als Quersind, belegen bereits abgeschlossene und laufende schnittsaufgabe der Stadtentwicklung verstanden Umgestaltungen, sowie eingeführte Beratungs- und konsequent in alle räumlichen Maßnahmen stellen und Förderprogramme. Diese Maßnahmen integriert werden.

Abbildung 21

Abbildung 22

19 Pegnitz und angrenzendes Grün 20 Neue Baumsetzung im Zuge der Umgestaltung Luitpoldstraße

Abbildung 23

Das sagen die Nürnbergerinnen und Nürnberger Erkenntnisse aus den Beteiligungen City Kongress, Workshop „Perspektiven für Händler und Privatpersonen zeigten sich offen eine ökologisch-nachhaltige und klimaresiliente für mehr Grün und Klimaanpassung und könnten Innenstadt“ stärker in die Grünpflege einbezogen werden. Beim City Kongress wurde durch die Teilnehmen- Als Ansatz zur Förderung der Zusammenarbeit den ein breites Spektrum an Maßnahmen und zwischen Stadt und Gesellschaft wurde zudem das Ideen zur Klimaresilienz der Altstadt gesammelt. Konzept „Tegelwippen“ bzw. ein Entsiegelungs- Zu den zentralen Vorschlägen zählen der Einsatz wettbewerb erwähnt, bei dem Städte, Bürgerin- von Wasserverneblern und Nebelduschen sowie nen und Bürger gemeinsam versiegelte Flächen Verschattung durch Bäume und Sonnensegel. in Gärten, Höfen und öffentlichen Räumen durch Auch Fassadenbegrünung, Kaltluftschneisen und Grünflächen ersetzen. Aus Sicht der Teilnehmen- Wasser als Elemente der Klimaanpassung sollen den sollte der Ansatz verfolgt werden, einfache, stärker gefördert werden. Insbesondere sollen kurzfristig umsetzbare Maßnahmen an vielen Trinkbrunnen in der Innenstadt besser sichtbar Stellen anzustoßen. Verschattung, Wasser und gemacht werden. Darüber hinaus wird angeregt, Grün zur Stärkung der Aufenthaltsqualität unter Rankpflanzen unkompliziert auf öffentlichem Wahrung der diversen Nutzungsansprüche sind Grund zu pflanzen. Ein weiteres Ziel ist die Ver- relevante Aspekte für Besucherinnen und Besu- schattung und Begrünung des Hauptmarkts. cher der Altstadt. Wie bewerten Sie die Idee, einzelne Parkplätze in der Altstadt durch Wenn kein Baum gepflanzt Baumpflanzungen zu ersetzen? werden kann, dann lieber... Stellplätze sind wichtiger Bäume sind wichtiger Fassaden- mobiler begrü- Pflanzkübel nung (Hochbeet) Was ist Ihnen wichtiger: Stadtbild erhalten oder mit mehr Begrünung und Entsiegelung zur Klimaanpassung beitragen? Mittelalterliches Stadtbild Klimaanpassung Trinkwasser-Sonnen- erhalten vorziehen brunnen segel Wie wichtig ist es für Sie, mehr erlebbares und kühlendes Wasser in der Alt- stadt zu etablieren (Trinkbrunnen, Fontäne, Sprühnebel, etc.)? Bank Beet mit Patenschaften von Anwoh- Nicht wichtig Sehr wichtig Nichts nenden 21 Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt: Handlungsfeld Grün und Klima Wenig Stimmen Viele Stimmen 32

Abbildung 24

22 City Kongress, Workshop „Perspektiven für eine ökologisch-nachhaltige und klimaresiliente Innenstadt“ Zukunftswerkstatt Die Auswertung zeigt, dass Begrünung und sind zurzeit klimaaktiven Maßnahmen – sowie Klimaanpassungsmaßnahmen für die Teilneh- an weiteren, punktuell in der nördlichen Altstadt menden eine hohe Priorität haben. Maßnahmen verteilten Orten – wünschen sie sich mehr Begrü- wie der Ersatz einzelner Parkplätze durch Bäume, nung und klimawirksame Maßnahmen. Im Bereich die Entsiegelung von Flächen sowie der Einsatz des Pegnitzufers wird die Klimaanpassung bereits von Wasser als kühlendem Element wurden von als gut funktionierend wahrgenommen und als der Mehrheit der Teilnehmenden als besonders positives Beispiel genannt. wichtig eingestuft. Grüne Rückzugsorte wie Pocket Parks werden hingegen bislang nur mäßig Jugendbeteiligung häufig genutzt. Neben Bäumen wurden von den Die Jugendbeteiligung bestätigt und vertieft die Befragten auch Fassadenbegrünung, mobile Pflan- bisherigen Ergebnisse. Die Mehrheit der Jugendli- zenkübel, Trinkwasserbrunnen und Sonnensegel chen priorisiert klar Begrünung und Entsiegelung als wichtige Elemente einer grüneren Stadtgestal- gegenüber dem Stadtbilderhalt. Bei Parkplätzen tung hervorgehoben. Hinsichtlich der räumlichen sind die Meinungen gespalten. Wo Baumpflan- Verteilung von Handlungsbedarfen benennen die zungen nicht möglich sind, werden vor allem Teilnehmenden insbesondere den Bereich um den Trinkbrunnen, Sitzbänke oder bepflanzte Beete Jakobsplatz und den Weißen Turm, die Karolinen- mit Anwohnerpatenschaften gewünscht. Beste- straße, die Breite Gasse sowie den Hauptmarkt hende grüne Rückzugsorte wie Pocket Parks als wahrgenommene Hitzebereiche. Genau dort werden bislang kaum genutzt. Die Hitzebelastung 33

Abbildung 26

wird für weite Teile der Altstadt als problematisch eine städtebauliche Anpassung, die mehr Natu- wahrgenommen – besonders am Weißen Turm, rerleben ermöglicht. Besonders wichtig sind für Lorenzer Platz, Hauptmarkt, in der Karolinen- sie gut erreichbare und bespielbare Grünflächen, straße und Breiten Gasse sowie im Umfeld von mehr Bäume, Parks sowie Möglichkeiten, Tiere zu Kaiserburg, Obstmarkt, Ludwigsplatz und Königs- beobachten oder zu betreuen. Besonders schät- tor. Auch Randbereiche wie Frauentormauer und zen die Kinder bereits vorhandene Grünanlagen Bahnhofsumfeld werden als verbesserungsbe- wie den Burggraben, den Stadtpark, und den im dürftig benannt. Als positive Beispiele gelungener Umfeld der Altstadt befindenden Cramer-Klett- Klimaanpassung nennen die Jugendlichen die Park und die Wöhrder Wiese. Insgesamt zeigt Insel Schütt. Insgesamt sehen die Befragten in der sich, dass die Bedeutung von Grünflächen für das gesamten Altstadt weiteren Handlungsbedarf bei Wohlbefinden der Kinder sehr hoch ist, attraktive Begrünung und Hitzeminderung. und nutzbare Grünflächen im direkten Wohnum- feld aber oft fehlen. Um dem Bedarf gerecht zu Kinderbeteiligung werden, sollten Grünflächen und Erlebnisräume Die Befragung der Kinder zeigt ebenfalls ein geschaffen werden, die kindgerecht, zugänglich deutliches Bedürfnis nach mehr öffentlichen und in Alltagsrouten integriert sind, etwa durch Grünflächen in der Nürnberger Altstadt. Sie Parks, begrünte Plätze und begehbare naturnahe berichten, dass in der Altstadt Grünflächen und Elemente. Tiere wenig Raum haben und wünschen sich 23 Beteiligung in der Zukunftswerkstatt im September 2025 34

Abbildung 25

Abbildung 27

24 City Kongress, Workshop „Perspektiven für eine ökologisch-nachhaltige und klimaresiliente Innenstadt“ Fazit Die Ergebnisse aller Beteiligungsformate zeigen übereinstimmend, dass Begrünung und Klima- anpassung in der Nürnberger Altstadt öffentlich hohe Priorität genießen. Besonders in stark versiegelten und hitzebelasteten Bereichen wie rund um den Jakobsplatz, den Weißen Turm, den Lorenzer Platz, die Karolinenstraße und den Hauptmarkt besteht aus Sicht der Befrag- ten deutlicher Handlungsbedarf. Gewünscht werden vor allem mehr Bäume, entsiegelte Flächen, kühlende Wasserelemente sowie gut erreichbare und nutzbare Grünräume im Alltag. Bestehende Rückzugsorte wie Pocket Parks werden bislang jedoch nur wenig genutzt, was auf Optimierungsbedarf in Gestaltung und Einbindung hinweist. Insgesamt wird deutlich, dass eine konsequente, alltagsnahe und genera- tionengerechte Begrünungsstrategie wesentlich zur Aufenthaltsqualität und zum Wohlbefinden beitragen kann. 25 Bild aus der Kinderbeteiligung 35

Abbildung 28

Grün

und Klima

Fazitkarte

Abbildung 29

Bestand

Pocket Park Zugang Pegnitz Bestandsprojekt: Urban Gardening Trinkwasserbrunnen Kunst-/ Zierbrunnen Gründächer Bestandsbäume Öffentliche Grünflächen Gewässer Gebäude Umgriff Altstadt

Potenziale

Neu-/Ersatzpflanzungen vornehmen Suchraum für klimaaktive Aufwertung durch Baumsetzung und Entsiegelung Kühlende Elemente integrieren Freiräum- und Wegeverbindungen schaffen Etablierung Pocket Park prüfen Kühlende Achsen Pegnitzzugang ausbauen Grünflächen aufwerten Neue Trinkwasserbrunnen Neue Spielbrunnen Potential Gründächer Potential Photovoltaik Potential Fassadenbegrünung: Vorhaben Hohes Potential Potential mit Einschränkung

und Sanierungsziele

Klimaresilienz der Altstadt systematisch stärken

Die Nürnberger Altstadt soll schrittweise widerstandsfähiger gegenüber sommerlichen Hitzeperioden, Starkregen und klimatischen Extremereignissen werden. Klimaanpassung wird als integraler Bestandteil aller städtebaulichen, freiraumplanerischen und infrastrukturellen Maßnahmen verstanden.

Grünstrukturen- und wassersensible Planung

kleinteilig, aber wirksam ausbauen

Grüne Bausteine, Baumpflanzungen, Entsiegelung, Verschattung, Brunnen/Wasserspiele und wassersensible Gestaltung sollen systematisch vernetzt und als prägende Qualitäten des historischen Stadtraums weiterentwickelt werden.

Historischen Stadtraum klimaaktiv weiterentwickeln

Klimaanpassungsmaßnahmen werden so umgesetzt, dass sie den historischen Charakter der Altstadt respektieren und stärken. Daher sind die Belange des Denkmalschutzes frühzeitig zu integrieren, um gestalterisch hochwertige und zugleich klimaaktive Lösungen zu ermöglichen. Geeignete Dach- und Fassadenflächen sollen dabei stärker für Gründächer, Fassadenbegrünung und Photovoltaik genutzt werden – mit klaren Orientierungshilfen für Eigentümerinnen und Eigentümer.

Öffentlichen Raum als Schlüssel für Klimaanpassung

nutzen

Straßen, Plätze und Wege in der Altstadt sollen bei Um- und Neugestaltungen konsequent klimaangepasst weiterentwickelt werden, ohne ihre Denkmalwerte aufzugeben. Entsiegelung, Baumpflanzungen, wassersensible Planung und verbesserte Aufenthaltsqualitäten werden als gleichwertige Planungsziele verankert.

Synergien mit Infrastrukturmaßnahmen konsequent

nutzen

Anstehende Tiefbau- und Leitungsmaßnahmen, insbesondere im Zuge der Fernwärmeerschließung, sollen gezielt genutzt werden, um klimaangepasste Straßenräume umzusetzen. Eine verbesserte Koordination von Bodendenkmalpflege, Sparten, Baustellen und Gestaltung ist hierfür zentral, deswegen wird die Forderung des Kommunalen Wärmeplans unterstützt, die Koordination der Baustellen und Sparten weiter auszubauen.

Altstadt als Modellraum für integrierte Klima- und

Gesundheitsstrategien positionieren

Die Altstadt soll über die Projekte der UGS hinaus als exemplarischer Raum für die Umsetzung integrierter Klima-, Gesundheits- und Umweltstrategien weiterentwickelt werden. Die Ziele der Umwelt- und Gesundheitsstrategie der Stadt sowie der Bewerbung zur Europäischen Umwelthauptstadt werden dabei aufgegriffen und räumlich sichtbar gemacht.

Impulsprojekt: Projektlaufzeit: Egidienplatz 2027 - 2030 • Der Egidienplatz liegt mitten in der Sebalder Altstadt. Er ist umfasst von einer Kirche, denkmalgeschützten Gebäuden und in der Mitte liegt ein Denkmal. Dennoch ist der Platz hauptsächlich ein Parkplatz ohne Aufenthaltsqualität. Das soll sich durch die Landesgartenschau ändern. • Der Platz hat viel Potential zur Entsiegelung und kann optisch an den gegenüberliegenden Theresienplatz anknüp- fen. Dabei sollen die Parkplätze nicht komplett ersatzlos wegfallen und dennoch Grün, Bäume und blühende Wissen entstehen. • Modelluntersuchungen in der Stadtklimaanalyse zeigten, solche Projekte können die gefühlte Temperatur um 10-12 Grad senken.

Abbildung 30

Abbildung 31

Erlebnisraum durch

Nutzungsmix

Einkaufen, Kultur und Freizeit

Die Altstadt ist historisches Zentrum, zentraler Strukturwandel im Einzelhandel

Erlebnisraum für Einheimische und Gäste und Der Innenstadteinzelhandel befindet sich in einem zugleich alltägliches Lebensumfeld. Ihre beson- tiefgreifenden Wandel. Der wachsende Onlinehandere Qualität liegt in der engen räumlichen del verändert das Konsumverhalten, steigert die Überlagerung von Handel, Tourismus, Kultur, Bedeutung von Erlebnisorientierung und Aufent- Gastronomie, Freizeit, Arbeiten und Wohnen. haltsqualität und setzt insbesondere prominente Lagen wie die Breite Gasse unter Druck. Strategi- Diese Dichte schafft Urbanität und Attraktivität, sches Leerstands- und Ansiedlungsmanagement ist bringt aber zugleich unterschiedliche Nutzungs- deshalb ein zentrales Instrument, um die Funktiansprüche mit sich, die je nach Lage und Tages- onsfähigkeit der Altstadt als Zentrum für Handel, zeit unterschiedlich wahrnehmbar sind. Gastronomie und Dienstleistungen zu sichern.

Einzelhandelsstruktur zwischen Hauptachsen und Zentrale Rolle von Märkten und öffentlichen

Nebenlagen Plätzen

Die großen Einkaufsachsen wie Breite Gasse, Karo- Märkte und öffentliche Plätze tragen zusätzlich linenstraße, Kaiserstraße und Königstraße bilden zur wirtschaftlichen Vitalität bei. Der Hauptmarkt das Rückgrat des Einzelhandels. Entlang dieser fungiert als zentraler Treffpunkt und Handelsort: Achsen konzentrieren sich nicht nur zahlreiche Es finden regelmäßig Spezialmärkte statt, die Filialisten, sondern auch gastronomische Ange- Kaufkraft, Besucherinnen und Besucher anziebote und Dienstleistungsbetriebe, die den tägli- hen und das wirtschaftliche Angebot bereichern. chen Bedarf der Stadtbevölkerung abdecken und Veranstaltungen wie der Christkindlesmarkt oder zugleich Touristen anziehen. der Ostermarkt stärken die lokale Wirtschaft, indem sie Handel, Gastronomie und Dienstleistun- In den angrenzenden Nebenlagen und kleinteili- gen beleben und zusätzliche Besucherströme in gen Gassen verschiebt sich das Nutzungsmuster: die Innenstadt bringen. Weitere zentrale Plätze Hier prägen kleinere, inhabergeführte Läden, wie die Insel Schütt, der Lorenzer Platz, der Handwerksbetriebe, Gastronomie und kulturelle Jakobsplatz und der Burggraben werden eben- Angebote das Bild. Diese Bereiche ergänzen die falls wirtschaftlich genutzt, etwa durch Gastro- Hauptachsen, tragen zur Vielfalt der Altstadt bei. nomieangebote, kleine Märkte oder temporäre Wie der gesamte Einzelhandel stehen sie unter Pop-up-Nutzungen. zunehmendem Druck durch Wettbewerb, geringe Sichtbarkeit und verändertes Konsumverhalten Strategische Steuerung durch Citymanagement

Expertengesprächen benannt wurde. fristig zu sichern, wurde mit der 2024 gestarteten Zukunftsinitiative Innenstadt das Citymanagement Die Laufer Gasse im Norden ist ein zentraler mit einer eigenen Stabseinheit institutionell ver- Standort für den täglichen Einkauf und zeichnet stetigt und innerhalb des Wirtschafts- und Wissensich durch kleinere Geschäfte aus, während die schaftsreferats verankert. Ziel ist es, die Innenstadt südliche Altstadt stärker von Filialisten geprägt ist. als Ort für Handel, Gastronomie und Dienstleis- Neuartige Nutzungen wie 24/7-Läden bringen Her- tungen zu stärken, Leerstände zu vermeiden und ausforderungen hinsichtlich Anwohnerinteressen, die Aufenthaltsqualität für alle Nutzerinnen und Jugendschutz und Ordnung mit sich. Nutzer zu erhöhen.

Abbildung 34

26 Event-, Einkaufs- und Gastromeile Königstraße

Abbildung 32

Abbildung 33

27 Kultur und Freizeit 28 Veranstaltungen und Nachtleben

Kaiserburg/ Museum Theater iii Infopoint Club Events im öfftl. Raum: Katherinenruine Belegungsdauer Tage/Jahr Sehenswürdigkeit Bibliothek Kino Bar Veranstaltungsorte <10 >100

Abbildung 35

29 Analysekarte Erlebnisraum: Nutzungskartierung (Erdgeschoss)

INSEK-Gebiet Einzelhandel Kultur Leerstand (Stichtag 12.12.2025) Dienstleistung Gastronomie Institutionelle Gebäude Zwischennutzung

Bedeutender Standort für Dienstleistungen und punktuell ausgebaut werden, zum Beispiel durch

Gesundheit Veranstaltungen, die Schaffung von Kongress-

Neben Handel und Gastronomie ist die Altstadt räumlichkeiten oder andere attraktive Angebote. außerdem ein bedeutender Standort für Büro- Für Veranstaltungen und Märkte gilt, dass die und Dienstleistungsnutzungen sowie zahlreiche Qualität der Angebote wesentlich ist und höher Gesundheitseinrichtungen. gewichtet wird als die reine Quantität. Durch eine kluge Steuerung werden dabei die Interessen der Tourismus als Faktor für Attraktivität und Anwohnenden gewährleistet und zugleich Touris-

Lebendigkeit mus und wirtschaftliche Aktivitäten in der Altstadt

Auch der Tourismus trägt wesentlich zur ökonomi- nachhaltig gestärkt. schen Vitalität bei. Er umfasst Tagesgäste aus der Region, auswärtige Reisende, Kongress-, Messe- Nachtleben zwischen Attraktivität und und andere Geschäftsreisende sowie Besucherin- Nutzungskonflikten nen und Besucher von Veranstaltungen. Insbe- Das Nachtleben ist ein weiterer zentraler Faktor sondere die zentralen Erlebnisräume rund um die für die urbane Attraktivität der Altstadt. Restau- Kaiserburg, den Hauptmarkt und die großen Kir- rants, Bars, Clubs und kulturelle Angebote beleben chen sind stark von touristischen Strömen geprägt. die Innenstadt auch am Abend, schaffen soziale Tourismus wirkt unterstützend auf Handel, Begegnungsräume und tragen wirtschaftlich zur Gastronomie und Dienstleistungen, da Besucherin- Nutzung der Innenstadt bei. Gleichzeitig sind in nen und Besucher zusätzliche Nachfrage erzeu- Wohnlagen besondere Rücksichtnahmen in Bezug gen. Besuchsanlässe sollen weiterentwickelt und auf Lärmschutz, Ordnung und soziale Steuerung

erforderlich. In den vergangenen Jahren hat sich das Nachtleben verstärkt in die südliche Altstadt

Passantenfrequenz in

verlagert, wodurch Konflikte mit Anwohnerinnen

der Altstadt (2025)

und Anwohnern reduziert wurden. Dort befinden Quelle: Nachrichten aus dem sich heute zahlreiche Bars, Clubs und das Rotlicht- Rathaus, Nr.105/29.01.26 viertel, während im Norden Treffpunkte wie der Weinmarkt und das Augustinerviertel wichtige Anlaufstellen für Gastronomie und Ausgehkultur sind. 14 Mio. Königstraße

Kulturelle Vielfalt und Veranstaltungen als

Impulsgeber

Die Kultur ergänzt die Altstadt und trägt entscheidend zur Attraktivität des Standorts bei. Theater, 13,2 Mio. Kinos und Veranstaltungsorte verteilen sich über Karolinenstraße die gesamte Innenstadt und ziehen Besucherinnen und Besucher an. Historische Monumente und die Kaiserburg als weithin sichtbares Wahrzeichen prägen die räumliche Orientierung, strahlen tou- 8 Mio. Ludwigsplatz ristische Anziehungskraft aus und bereichern das Stadterlebnis. Zahlreiche Kulturdenkmäler, Kirchen und Museen bieten zudem eine Auseinandersetzung mit (Stadt-) Geschichte und Kunst. Kulturelle 6,8 Mio. Veranstaltungen wie die Blaue Nacht, das Barden- Kaiserstraße treffen oder Ausstellungen auf zentralen Plätzen beleben die Innenstadt, fördern Gastronomie und Einzelhandel und unterstützen die wirtschaftliche 6,6 Mio. Vitalität der Altstadt. Breite Gasse

Historische Struktur als Rahmen und Chance für

Entwicklung

Die historische Grundstruktur der Altstadt, die kleinteilige Parzellierung und die Reichhaltigkeit

Einige Veranstaltungen

der Denkmallandschaft sowie der Ensembleschutz in der Altstadt: prägen Maßstab, Atmosphäre und Nutzungsmöglichkeiten. Sie begrenzen großflächige bauliche

Veränderungen und Anpassungen, bieten jedoch

durch Nutzungsmischung, Umnutzung bestehen-

der Gebäude und standortangepasste Konzepte

große Chancen, Handel, Gastronomie und Dienst-

leistungen weiter zu stärken.

Kaufhofareal als zentrales Entwicklungsprojekt

der Altstadt

Ein zentrales Entwicklungsfeld stellt das Areal Wissenschaften um den ehemaligen Galeria Kaufhof und den

City-Point dar. Dieses Areal ist derzeit der größte zusammenhängende Entwicklungsraum der

Abbildung 36

Altstadt, weist jedoch deutliche städtebauliche Das Auswahlverfahren zum Verkauf der Immobi- Schwächen auf: wenig Belebung, geschlossene lie verfolgt nicht den höchsten Preis als alleiniges Fassaden, unklare Wegebeziehungen und soziale Kriterium, sondern sucht nach einem Nutzungs- Spannungen beeinträchtigen die angrenzenden konzept, das den Anforderungen der Stadt, der Straßenräume. Um einen langfristigen Leerstand Anwohnerinnen und Besucher sowie weiterer zu verhindern, erwarb die Stadt Nürnberg das Stakeholder gerecht wird. Ziel ist die integrierte Kaufhof-Gebäude 2024. Anschließend wurde Quartiersentwicklung, bei der Kaufhof, City-Point, in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit eine Parkhaus und Zeughaus gemeinsam entwickelt Konzeptstudie erarbeitet. Parallel wurden das werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, neue Gebäude und Teile des Areals durch Zwischennut- Wegeverbindungen zu schaffen, attraktive Erdgezungen belebt, darunter die Wöhrl Outlet World, schosszonen zu gestalten und Aufenthalts-, Grün- Pop-up-Stores und erste Kulturformate. Diese und Kulturflächen in das Quartier zu integrieren. Maßnahmen zeigen, dass das Areal aktiv genutzt Geplante Hochschulnutzungen der Technischen werden kann und Leerstände gezielt gesteuert Universität Nürnberg sollen zudem neue Zielgrupwerden können. pen dauerhaft in die Altstadt bringen.

Abbildung 37

30 Veranstaltung: Kunst- und Kulturnacht „Blaue Nacht“

Abbildung 38

31 Fischmarkt auf dem Jakobsplatz

Fazit Leerstands- und Ansiedlungsmanagement sowie

Die Nürnberger Altstadt lebt von ihrem Nut- die gezielte Förderung von Nutzungsmischung zungsmix und der feinen Differenzierung und Quartiersentwicklung kann die Altstadt zwischen stark frequentierten Erlebnisräumen, auch künftig ihre Rolle als wirtschaftliches und Übergangszonen und ruhigeren Alltags- und kulturelles Herz Nürnbergs behaupten. Auf diese Wohnlagen. Ihre Zukunftsfähigkeit hängt davon Weise entsteht ein urbanes Gefüge, das Tradiab, diese unterschiedlichen Qualitäten bewusst tion und Moderne, Alltag und Erlebnis, Ruhe zu erkennen und zu steuern: Erlebnisräume müs- und Lebendigkeit wirkungsvoll miteinander sen gebündelt und weiter qualifiziert, wohnbe- verbindet.

zogene Funktionen geschützt und Nutzungskon-

flikte räumlich wie zeitlich verantwortungsvoll

gemanagt werden – immer unter Wahrung der

historischen Struktur und der identitätsstiftenden

Denkmäler. Für die Attraktivität der Altstadt ist

dabei die wirtschaftliche Dimension von zentraler

Bedeutung. Handel, Gastronomie und Dienst-

leistungen bilden das Rückgrat der Innenstadt,

sichern Arbeitsplätze, prägen das Stadtbild

und machen die Altstadt zu einem lebendigen

Zentrum für Bewohnerinnen, Besucherinnen und

Unternehmerinnen. Durch ein kontinuierliches

Abbildung 39

Das sagen die Nürnbergerinnen und Nürnberger Erkenntnisse aus den Beteiligungen City Kongress, Workshops „Tourismus als Impuls- stärkt die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit geber“, „Wirtschaftsstandort Innenstadt“ und der Innenstadt nachhaltig. Eine frühzeitige Einbin- „Zukunftsmusik oder die Rolle von Kunst und dung relevanter Akteure aus Handel, Gastronomie Kultur im öffentlichen Raum“ und Dienstleistung bis zur Bürgerschaft ist für eine Der Standort Innenstadt lebt von einer Vielzahl inei- erfolgreiche Weiterentwicklung notwendig. Als nandergreifender Faktoren, von Aufenthaltsqualität wesentliche Ansätze wurden dabei beispielsweise über Erreichbarkeit – als gut konzipierte Wege- Maßnahmen zum Leerstandsmanagement und eine führung, Buslogistik und Parken bis hin zu einem stärkere Profilierung des Standorts erwähnt. Eine attraktiven Branchen- und Nutzungsmix. Alles gute Kommunikation für Einheimische und Gäste hängt miteinander zusammen und muss integrativ über den Erlebnisraum Altstadt in digitaler Form gedacht werden. Ebenso wichtig ist die Präsenz (z.B. App mit digitalem Wegeleitsystem) wurde großer, bekannter Marken, die als Frequenzbrin- angeregt. Die Teilnehmenden verstehen Kultur ger wirken, Orientierung bieten und zusätzliche als Bestandteil der Stadtentwicklung, da von einer Anziehungskraft für Besucherinnen und Besucher Verknüpfung beide Seiten profitieren können. Als sowie für junge Menschen schaffen. Erst das konkreter Schritt wurde ein Projektbüro vorgeschla- Zusammenspiel aus lokalem Angebot, individuellen gen: ein Raum, der ein vernetzt und ganzheitlich Konzepten und überregional bekannten Marken denkendes Team zusammenbringt. Auch eine Wie vielfältig ist das Einkaufsangebot in der Altstadt? Nicht vielfältig Sehr vielfältig Wie lebendig wirkt die Altstadt in den Abendstunden? Nicht lebendig Sehr lebendig Wie gut gelingt es, unterschiedliche Nutzungsinteressen (z.B. Wohnen, Tourismus, Shoppen, Nachtleben) zu vereinen? Sehr schlecht Sehr gut 32 Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt Wenig Stimmen Viele Stimmen 46

Abbildung 40

33 City Kongress, Auftaktveranstaltung Welche der vorhandenen Nutzungen in der Altstadt sollen zukünftig gestärkt werden? 5 ,5 Einzelhandel transparente Kommunikation, insbesondere bei 7% % Wohnen Baustellen, sowie der Abbau bürokratischer Hürden 28% Versorgung mit wurden als wichtige Aufgaben benannt. Deutlich 10% Gütern tägl. Bedarf wurde: Um den Standort Innenstadt langfristig zu Mediz. sichern und weiterzuentwickeln, braucht es sowohl 11,5% Versorgung kurzfristige Maßnahmen als auch strategische, Bildung ressortübergreifende Zusammenarbeit. 11,5% 26,5% Gastronomie Dienstleistungen Zukunftswerkstatt Die Beteiligungsformate haben deutlich gemacht, dass die Altstadt durch ihre starke Prägung für Was fehlt in der Altstadt? Tourismus und Shopping nicht für alle Zielgruppen als Wohnstandort ausgestattet ist. Für die Beteilig- 7,5% ten fehlen eindeutig vor allem konsumfreie Orte 9% Konsumfreie Orte und Spielplätze. Auch ein Mangel an Veranstal- Spielplätze tungen, Freizeitaktivitäten und Sportangeboten 10,5% Veranstaltungen im Freien wird geäußert, jedoch von untergeord- 45,5% Sportangebote neter Bedeutung. Vor allem Einzelhandel und im Freiraum Wohnen sollen zukünftig gestärkt werden. Der Freizeitaktivitäten Hauptmarkt wird als beliebter Treffpunkt und als 27,5% indoor Kern der Aktivitäten in der Altstadt bewertet. Die Karolinenstraße wird mehr als die Königstraße als 34 Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt 47

Abbildung 42

Angebote Leerstand

Shoppingmeile wahrgenommen. Beide Räume sind Anbieter gestärkt werden. Zusätzlich fehlen stark frequentiert und brauchen Maßnahmen zur günstige Angebote für Jugendliche wie Cafés Klimaanpassung. Für das Einkaufen ist die Achse oder kostenlose Eintritte in Museen und kul- von Jakobsplatz-Ludwigsplatz-Karolinenstraße- turelle Angebote. Gleichzeitig fehlen laut den Lorenzer Platz und der Hauptmarkt besonders Jugendlichen Indoor-Freizeitaktivitäten und relevant. Der Freiraum entlang der Pegnitz wird als konsumfreie Orte. Sie wünschen sich mehr Spiel- Entspannungsort wahrgenommen, der Weinmarkt flächen und Sportangebote sowie mehr Sitzmög- als Ort zum Ausgehen. lichkeiten und wettergeschützte Treffpunkte, wobei Sauberkeit, Sicherheit und Beleuchtung Jugendbeteiligung eine wichtige Rolle spielen. Die Grünräume der Für die Jugendlichen ist die Altstadt Mitte der Altstadt wie Pegnitz, Insel-Schütt und Burggra- Lieblingsort zum Einkaufen. Die Vielfalt des Ein- ben sind für Jugendliche als beliebte Orte zum kaufsangebots, die Lebendigkeit in den Abend- Entspannen und Ausgehen besonders relevant. stunden und die Nutzungsmischung sind jedoch Diesbezüglich wurde der Wunsch nach mehr hauptsächlich als mittel bis nicht vielfältig genug Grünflächen in der Altstadt geäußert. bewertet. Besonders sollte der Einzelhandel durch ein erweitertes Angebot unterschiedlicher (cid:3) 35 Zukunftswerkstatt: Arbeiten an den Stellwänden 36 Zeichnung aus der Kinderbeteiligung 48

Abbildung 43

Abbildung 44

Abbildung 45

Abbildung 47

Abbildung 46

Abbildung 48

Abbildung 49

Abbildung 41

Angebote Leerstand

Abbildung 50

37 City Kongress, Workshop „Wirtschaftsstandort Innenstadt - Erfolgreich und lebendig gestalten“ Kinderbeteiligung attraktiver Lebens- und Freizeitraum für alle Für die Kinder ist das kulturelle Angebot der Alt- Altersgruppen entwickelt werden kann. Kons- stadt wichtig und es wird intensiv genutzt. Dieses umfreie Treffpunkte, Spiel- und Sportangebote Angebot stellt offenbar ein Alleinstellungsmerkmal sowie wettergeschützte Aufenthaltsorte werden der Altstadt dar und sollte daher gezielt weiter- als wünschenswert benannt. Das kulturelle entwickelt und gestärkt werden. Zugleich äußern Angebot wird als Stärke der Altstadt geschätzt, die Kinder den Wunsch nach zusätzlichen sport- sollte jedoch durch günstigere und erlebnisorien- orientierten Aktivitäten (z. B. Klettermöglichkeiten, tierte Angebote ergänzt werden. Die Grünräume Rutschen, Schwimmbad), die insbesondere durch entlang der Pegnitz, am Burggraben und auf Höhen- und Geschwindigkeitsreize gekennzeichnet der Insel Schütt sind als beliebte Aufenthalts- sind. Diesem Bedarf an besonderen und erlebnis- orte besonders bedeutsam und sollten gezielt orientierten Freizeitangeboten sollte entsprechend gestärkt werden. In den Fachkreisen des City Rechnung getragen werden. Kongress wurden sowohl kurzfristige Maßnah- men – etwa zur Leerstandsvermeidung, Verbes- Fazit serung von Infrastruktur und Barrierefreiheit Die Nürnberger Altstadt ist ein lebendiges – als auch strategische, ressortübergreifende Zentrum, das als Ort für Handel, Gastronomie, Zusammenarbeit als notwendig erachtet, die Dienstleistungen und Tourismus wahrge- Handel, Gastronomie, Kultur, Tourismus und nommen wird, zugleich aber noch stärker als Freizeitangebote gezielt miteinander verbindet. 49

Abbildung 51

Erlebnisraum durch

Nutzungsmix

Fazitkarte

Abbildung 52

Bestand

Andreij- Erdgeschossnutzungen: Sacharow- Platz Einzelhandel Gastronomie Kultur Institutionelle Gebäude Leerstand Zwischennutzung Nahversorgung Markt Museum Sehenswürdigkeit Kino Bar/Club 24/7 - Automatenladen Einkaufslage: 1A-Lage 1B-Lage 1C-Lage Gebäude Öffentliche Grünflächen Gewässer Umgriff Altstadt Mitte

Potenziale

Kaufhof und Umfeld weiterentwickeln Nutzungsmischung stärken Nebenlagen vernetzen und sichtbar machen Trading-Down-Tendenz entgegenwirken Positive „Hot-Spots“ stärken

und Sanierungsziele

Vielfalt und Nutzungsmischung der Altstadt

qualitätsvoll stärken

Die Altstadt soll als vielfältiger Wirtschafts-, Erlebnis- und Alltagsraum für alle Nutzergruppen, für Einheimische und Gäste weiterentwickelt werden, in dem Tourismus, Einkaufen, Kultur, Freizeit, Arbeiten und Wohnen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Dabei sollen Kopplungseffekte sinnvoll genutzt werden. Neue Nutzungen und Formate sind stets so zu integrieren, dass die bau- und kulturhistorischen Qualitäten der Altstadt erhalten bleiben und weiter gestärkt werden. Zudem sind Nutzungsmischungen gezielt zu fördern, um Monostrukturen zu vermeiden und die zeitliche Belebung über den Tagesverlauf hinweg zu verbessern.

Einkaufsstandort weiterentwickeln

Die zentrale Bedeutung der Altstadt als Einkaufsstandort soll gesichert und an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden. Neben frequenzstarken Hauptlagen sind auch die Nebenlagen durch ergänzende Nutzungen, kleinteilige Angebote und neue Formate mittels eines strategischen Leerstands- und Ansiedlungsmanagements zu stabilisieren und aufzuwerten. Gleichzeitig soll gezielt Platz für Marken und Unternehmen geschaffen werden, die für die Besucherinnen und Besucher besonders attraktiv sind, um die Innenstadt als Einkaufserlebnis zu stärken und ihre Anziehungskraft über die Stadtgrenzen hinaus zu sichern.

Kulturelle Angebote und urbane Öffentlichkeit

qualifizieren

Kulturelle, kreative und öffentliche Nutzungen sollen als tragende Säulen des Altstadtprofils gestärkt werden. Veranstaltungen und Angebote sind so weiterzuentwickeln, dass sie die besondere historische Kulisse Nürnbergs nutzen, ohne sie zu überformen oder ihre Denkmalwerte zu schädigen, und zugleich die Balance zwischen Belebung unterschiedlicher Teilräume und Rücksicht auf Anwohnende finden. Bereits begonnene Projekte, die den Nutzungsmix in der Altstadt erhöhen, wie zum Beispiel die Jüdische Begegnungsstätte und das Zirkuläre Kaufhaus werden weiterverfolgt.

Altstadt auch nach Ladenschluss als Erlebnisraum

stärken

Ziel ist eine ausgewogene Belebung der Altstadt über den gesamten Tages- und Wochenverlauf hinweg. Abend- und nachtaktive Nutzungen sollen räumlich verträglich verortet und mit Wohn- und Alltagsfunktionen in Einklang gebracht werden, um Nutzungskonflikte zu minimieren und die urbane Vielfalt der Innenstadt spürbar zu machen.

Inhabergeführte Strukturen und lokale Akteure

sichtbar machen

Kleinteilige, inhabergeführte Angebote und lokale Initiativen sind als identitätsstiftender Bestandteil der Altstadt zu unterstützen. Ihre Sichtbarkeit und Vernetzung sollen unter Einhaltung denkmalpflegerischer Belange gestärkt werden, um Vielfalt, Individualität und lokale Wertschöpfung zu sichern.

Strukturellen Wandel und Kaufhof-Entwicklung

aktiv begleiten

Leerstände, Trading-Down-Tendenzen und Veränderungsprozesse in der Altstadt sollen frühzeitig erkannt und gezielt gesteuert werden. Dabei kommen temporäre und experimentelle Nutzungsformate als Werkzeuge zum Einsatz, um neue Ideen auszuprobieren und langfristig tragfähige Nutzungskonzepte zu entwickeln. Die denkmalgerechte Entwicklung des Kaufhof-Areals soll dabei prioritär vorangetrieben werden – als konkretes Beispiel und Impulsgeber für einen aktiven Umgang mit Leerstand in der gesamten Altstadt.

Impulsprojekt: Projektlaufzeit: Kaufhof und Umfeld 2024 bis ca. 2032 • Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 2024 von der Stadt Nürn- berg im Wege des Zwischenerwerbs angekauft; seit September 2025 wird das Erdgeschoss durch Zwischennutzungen belebt. • Die Konzeptstudie zur Nutzungsfindung sowie das vom Stadtrat beschlossene Auswahlverfahren für Investoren bilden den Rahmen für die Weiterentwicklung des Areals und des Gebäudes. • Das ehemalige Kaufhof-Gebäude und das umliegende Areal – mit City-Point, Kaufhof-Parkhaus und Zeughaus – sollen als zusammen- hängendes Quartier mit integriertem Ansatz entwickelt werden. Dieser Quartiersansatz schafft die Voraussetzungen für neue Wegebeziehungen, lebendige Erdgeschosszonen und eine bessere Vernetzung mit der Pfannenschmiedsgasse und dem Hallplatz sowie für neue Aufenthalts-, Grün- und Kulturflächen in der Altstadt. • Perspektivisch: grünes Kaufhof-Dach als Aufenthaltsort mit Altstadt- blick, je nach Statik und Denkmalschutz

Abbildung 53

Abbildung 54

und öffentlicher Raum

Der öffentliche Raum ist das zentrale Binde- wichtige Anziehungspunkte für Besucherinnen glied zwischen den vielfältigen Nutzungen der und Besucher. Um den öffentlichen Raum in der Nürnberger Altstadt. Plätze, Straßen und Gassen Altstadt für alle gleichermaßen attraktiv und nutzbilden nicht nur die räumliche Grundlage für bar zu gestalten, sind robuste und zugleich qua- Handel, Kultur und Tourismus, sondern sind litätsvolle Gestaltungen erforderlich, die sowohl zugleich alltäglicher Aufenthalts-, Bewegungs- Besucherinnen und Besuchern als auch der lokalen und Begegnungsraum für Bewohnende, Beschäf- Bevölkerung zugutekommen.

tigte und Besucherinnen und Besucher. Bereits

das INSEK 2012 hat die Qualität des öffentlichen Demgegenüber stehen Räume mit stärkerer Raums als entscheidenden Standortfaktor und als Aufenthalts- und Atmosphärenqualität, die für “Visitenkarte” für die Altstadt benannt und diese den Alltag und das Erleben der Altstadt von Einschätzung hat heute weiter an Bedeutung besonderer Bedeutung sind. Dazu zählen etwa der

gewonnen. Weinmarkt, der Tiergärtnertorplatz, der Unschlitt-

platz, die Insel Schütt oder der Burggraben mit

Vielfalt öffentlicher Räume seinen Grün- und Freiräumen. Diese Orte bieten

Die Nürnberger Altstadt verfügt über eine außer- Möglichkeiten zum Verweilen, zum Rückzug und gewöhnliche Vielfalt öffentlicher Räume mit sehr als zwanglose Treffpunkte und prägen das Bild der unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten. Plätze, Altstadt als Lebens- und Aufenthaltsraum jen- Straßenräume, Gassen und Grünräume erfüllen seits der Hauptströme. Ihre Qualitäten entstehen jeweils spezifische Funktionen als Orte des Ankom- häufig aus der Verbindung von historischer Kulisse, mens, des Durchquerens, des historischen Erlebens, Maßstäblichkeit und Nutzungsoffenheit. des Verweilens, der Begegnung oder des städtischen Ereignisses. Diese Vielfalt ist ein zentrales Historischer Stadtraum Qualitätsmerkmal der Altstadt, wird jedoch bislang Der historische Stadtraum bildet den gemeinnicht überall gleichermaßen wahrgenommen oder samen Rahmen aller öffentlichen Räume. Die gestalterisch ausgeschöpft. mittelalterliche Stadtstruktur, die Vielzahl an Bauund Bodendenkmälern, der Ensembleschutz sowie Zentrale Stadträume und Bewegungsachsen prägende Sichtbeziehungen – etwa zur Kaiserburg Enge historische Gassen, große stark frequentierte – bestimmen Maßstab, Materialität und Gestalt. Stadträume wie Hauptmarkt, Lorenzer Platz, Hall- Diese historischen Qualitäten sind ein zentrales platz oder Jakobsplatz und Ludwigsplatz prägen Alleinstellungsmerkmal der Nürnberger Altstadt neben der weitläufigen Fußgängerzone das Bild und tragen wesentlich zu ihrer Aufenthaltsquader Altstadt nach außen. Sie sind zentrale Bühnen lität bei. Zugleich erfordern sie eine besonders des öffentlichen Lebens, Orte von Handel, Veran- sorgfältige und sensible Weiterentwicklung des staltungen und Begegnung und übernehmen eine öffentlichen Raums, bei der neue Anforderungen hohe Orientierungs- und Identifikationsfunktion. an Nutzung, Barrierefreiheit und Möblierung mit Die Haupteinkaufsachsen, insbesondere die Breite denkmalpflegerischen Belangen in Einklang zu Gasse, Karolinenstraße, Kaiserstraße und König- bringen sind. straße, bilden leistungsfähige Bewegungsräume, die den Alltag vieler Menschen bündeln. Sie Gassen und Nebenräume als Potenzialräume bieten jedoch nur begrenzt Aufenthaltsqualitäten Zwischen diesen Polen liegt ein feinmaschiges Netz außerhalb der gastronomischen Außenbereiche. aus Gassen, Nebenlagen und Übergangsräumen, Das historische Ambiente und der Stadtraum sind die räumlich und atmosphärisch stark differieren

Abbildung 57

38 Lorenzer Platz nach abgeschlossener Umgestaltung, die von April 2025 bis Mai 2026 lief

Abbildung 55

Abbildung 56

39 Denkmäler im öffentlichen Raum 40 Bauensemble und Bodendenkmäler

Baudenkmal Naturdenkmal Kunstbrunnen Bodendenkmal Bauensemble

Abbildung 58

41 Analysekarte Öffentlicher Raum

INSEK-Gebiet Öffentliche Plätze Kunst-/Zierbrunnen Bestandsbäume/ Neupflanzungen Projekte kürzlich abgeschlossen Fußgängerzone Trinkwasserbrunnen Baudenkmäler Projekte laufend Herausfordernde Eingangssiutation Gebiet besonderer Prägung nach Flächennutzungskartierung: Kirchen, Schulen, Krankenhäuser Projekte in Planung Öffentliches WC

und die das INSEK 2012 bereits als zentrale Stell- Entsorgungsmöglichkeiten als störend wahrgeschrauben für die Gesamtqualität des öffentlichen nommen werden und die Bereitschaft zum Ver- Raums identifiziert hatte. Gerade hier entscheidet weilen erheblich mindern. In schlecht beleuchteten sich, ob die Altstadt als zusammenhängender oder unübersichtlichen Bereichen, wie zum Beispiel Stadtraum erlebt wird oder in einzelne Funkti- der Bereich rund um das Jakobstor, kommt ein onsinseln zerfällt. Teilweise fehlen klare Aufent- fehlendes Sicherheitsgefühl hinzu. Sauberkeit, gute haltsangebote, Orientierung oder gestalterische Beleuchtung, Übersichtlichkeit und eine verläss- Akzente, obwohl gerade diese Räume das Poten- liche Pflege gelten daher als zentrale Voraussetzial besitzen, unterschiedliche Nutzungen mitein- zungen für hohe Aufenthaltsqualität und eine ander zu verbinden und Konflikte zu entschärfen. angstfreie Nutzung durch alle Generationen.

Sauberkeit und Sicherheitsempfinden Soziale Herausforderungen im öffentlichen Raum Neben räumlicher und gestalterischer Qualität Über diese gestalterischen und sicherheitsbezoprägen Sauberkeit und das subjektive Sicher- genen Aspekte hinaus gibt es weitere Themen im heitsempfinden die Nutzbarkeit des öffentlichen öffentlichen Raum der Altstadt, die mitbedacht Raums maßgeblich – in belebten Hauptlagen werden müssen. Eines davon ist das Rotlichtvierebenso wie in ruhigeren Aufenthalts- und Über- tel, das im Bereich der Frauentormauer liegt und gangsbereichen. Über alle Beteiligungsformate historisch gewachsen ist. Aufgrund der räumlich hinweg wurde deutlich, dass Verschmutzungen begrenzten Ausdehnung und zurückhaltenden wie Uringeruch, Graffiti oder unzureichende Außenwirkung hat es nur geringe Auswirkungen

auf das unmittelbare Umfeld. Da bestehende Aufwertung öffentlicher Räume durch laufende rechtliche Regelungen sowohl eine weitere Maßnahmen Ausbreitung verhindern als auch Straßenprosti- Die beschriebenen Herausforderungen und Potentution und die zweckgebundene Nutzung von ziale spiegeln sich bereits in konkreten Maßnah- Wohnraum bereits erfassen, besteht hier der- men wider. Mehrere Projekte zur Aufwertung zeit kein Handlungsbedarf für weitergehende öffentlicher Räume wurden in den vergangenen Einschränkungen. Jahren abgeschlossen oder befinden sich aktuell in der Umsetzung. Sie belegen, dass die Verbes- Deutlich problematischer ist hingegen der sicht- serung von Aufenthaltsqualität und Gestaltung bare Drogenkonsum im öffentlichen Raum, der gezielt vorangetrieben wird, und bilden eine sich beispielsweise in der Ottostraße konzentriert. wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung Die veränderten Konsummuster bestimmter der Altstadt. Substanzen führen zu einer erhöhten Sichtbarkeit und zu Konflikten im öffentlichen Raum, was eine Fazit: intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Die Aufenthaltsqualität der Nürnberger Altstadt erfordert. Die Expertengespräche haben gezeigt, ergibt sich nicht aus einem einheitlichen Raumdass Vertreterinnen und Vertreter der Stadt und typ, sondern aus dem Zusammenspiel sehr untersozialer Träger bereits eng und lösungsorientiert schiedlicher öffentlicher Räume innerhalb der hiszusammenarbeiten, um sowohl kurzfristige als torischen Substanz. Die bereits abgeschlossenen auch langfristige Verbesserungsmöglichkeiten zu und laufenden Maßnahmen belegen, dass die entwickeln. Allerdings ist im Kontext der Umgestal- gezielte Stärkung dieser Vielfalt konsequent vortung öffentlicher Räume, beispielsweise im Zuge angetrieben wird. Zentrale Herausforderung der der LGS, besondere Sorgfalt geboten. Der bereits Altstadtentwicklung ist es, diese Vielfalt bewusst angestoßene Dialogprozess zwischen den beteilig- zu stärken, unterschiedliche Raumqualitäten klar ten Akteuren der LGS ist daher aufrechtzuerhalten herauszuarbeiten und besser miteinander zu und in die weiteren Planungen einzubinden. Eng verknüpfen. Angestrebt wird ein ausgewogenes damit verbunden ist das Thema Obdachlosigkeit, Gefüge aus lebendigen Stadträumen, ruhigen das in Teilen des öffentlichen Raums sichtbar in Aufenthaltsorten und verbindenden Übergän- Erscheinung tritt. Besonders im Umfeld zentraler gen. Ziel ist es den historischen Charakter der Lagen und Verkehrsknotenpunkte, etwa rund um Altstadt zu wahren, die Aufenthaltsqualität und um leerstehende Objekte und um den Stadtgra- das Sicherheitsempfinden für alle Nutzerinnen ben, können sich soziale Problemlagen konzentrie- und Nutzer zu stärken und ein hochwertiges ren. Diese räumliche Häufung an wenigen, expo- öffentliches Leben für Alltag, Erlebnis und Stadtnierten Orten verstärkt die Sichtbarkeit und prägt gesellschaft zu ermöglichen. die Wahrnehmung des öffentlichen Raums weit über die jeweiligen Standorte hinaus. Obdachlosigkeit als gesamtgesellschaftliches Thema kann nur in einer gesamtstädtischen Strategie mit allen relevanten Akteuren gemeinsam gesteuert werden.

Das sagen die Nürnbergerinnen und Nürnberger Erkenntnisse aus den Beteiligungen City Kongress, Workshops „Attraktive Innen- Sitzmöglichkeiten und mehr Sauberkeit verbes- stadt“ und „Sicherheit im Öffentlichen Raum“ sern würde. Hier wurde außerdem der Wunsch Die Nürnberger Innenstadt bietet bereits hohe nach mehr Bäumen und begrünten Fassaden zur Aufenthaltsqualität in einem attraktiven histori- Hitzeminderung genannt, neben Problemen mit schen Stadtraum, doch weiterer Handlungsbedarf Verschmutzung durch Uringeruch, Graffiti und zu besteht. Die attraktive Gestaltung des öffentlichen kleine Mülleimer bei Veranstaltungen, sowie Lärm Raums ist von zentraler Bedeutung, wobei auch und mangelnde Kontrolle in der Fußgängerzone. die Nutzungserfordernisse der angrenzenden Besonders positiv bewerten die Teilnehmenden Akteure von Handel, Gastronomie und Dienstleis- die Freiräume entlang der Pegnitz und am Burg- tung Berücksichtigung finden sollten. Um diese graben, die als attraktive Aufenthaltsorte wahrge- unterschiedlichen Anforderungen aufzuzeigen, nommen werden. Demgegenüber mangelt es am wurde im Workshop eine Profilierung der domi- Hauptmarkt, rund um den Jakobsplatz und den nierenden Raumtypologien der Altstadt heraus- Weißen Turm sowie entlang der Königstraße in gearbeitet, die die jeweiligen Nutzungen und Richtung Hauptbahnhof an Sitzgelegenheiten. In Qualitäten der einzelnen Räume definiert: Plätze diesen Bereichen fühlen sich viele Teilnehmende für Aufenthalt und Begegnung, die Fußgänger- nicht wohl. Insgesamt zeigt sich, dass die Altstadt zone für Handel und Mischnutzung, Gassen zum für die überwiegende Mehrheit der Befragten Flanieren mit kleinen Läden sowie Nischen als kein Raum ist, um sich draußen aktiv zu betätigen. Ideen Rückzugsorte. Ebenso wichtig war die Frage der Zuständigkeit, denn die Verantwortung liegt nicht Jugendbeteiligung allein bei der Stadt, sondern auch bei Händlern, Zur Aufwertung unattraktiver Orte wünschen Betreibern und Anwohnenden. Baumpaten- sich die jugendlichen Befragten vor allem mehr schaften, Müllsammelaktionen oder die geteilte Sitzmöglichkeiten, Sauberkeit und bessere Pflege von Außenbereichen wurden als konkrete Beleuchtung, vereinzelt auch mehr Verschattung, Möglichkeiten genannt, um durch gemeinsames Wetterschutz, Überwachung und zusätzliche Ver- Sportm Engagement den öffentlichen Raum langfristig zu anstaltungen. Besonders wohl fühlen sie sich an stärken. Weitere Maßnahmen, wie z.B. Verschat- der Kaiserburg, dem Hauptmarkt, dem Lorenzer tung, Wasser und Grün sollen zur Erhöhung der Platz sowie an wassernahen Orten wie Trödel-  Aufenthaltsqualität umgesetzt werden. Besonders markt und Insel Schütt, aber auch in der Breiten wichtig sind Maßnahmen zur Verbesserung der Gasse, Karolinenstraße und Brunnengasse. Als Infrastruktur, etwa Mülleimer, Toiletten oder weniger angenehm gelten Rand- und Übergangs- Beleuchtung, um Sicherheit und Sauberkeit spür- bereiche wie Bahnhofsplatz, Frauentormauer,  bar zu erhöhen. Altstadttore und Maxplatz. Am aktivsten sind die Jugendlichen in den zentralen Einkaufsstraßen Zukunftswerkstatt rund um Breite Gasse und Karolinenstraße sowie Die Auswertung zeigt, dass sich die Aufent- am Hauptmarkt, Jakobsplatz, bei der Kaiserburg  haltsqualität bestimmter Orte in der Altstadt und der Insel Schütt. Fehlende Sitzmöglichkeiten vor allem durch mehr Verschattung, zusätzliche werden besonders in der Königsstraße, Breiten  58

Abbildung 59

n

arktplatz

 Mehr Curbs! (Skatemöglichkeit)

■

Topos team Hochbau-, Stadt- und Landschaftsplanung GmbH

42 Jugendbeteiligung

Was brauchen Orte in der Altstadt, an denen Sie sich ungern aufhalten, um besser zu werden? mehr... und VorVerasnstacltunghen 8läge Beleuchtung 11 Schutz vor Wind/Regen 13 Polizei/Überwachung 15 öglichkeiten: 23 Platz für zu Fuß Gehende Generell in Nürnberg: eine Skatehalle 30 Sauberkeit Eine SpieSlitzhmögalichkleitlene mit Klettern3 4und Schwim Verschattung 39 Indoor-Sporthalle 0 10 20 30 40 Som43 Ergmebnisse aeus derr Zurkunoftswerdkstattelbahn von der Burg bis zum 59

Veranstalt ungen
rs
Beleucht ung
Schutz vo r Wind/R egen
Polizei/Ü berwachu ng
te n:
Platz für zu Fuß Ge hende
in Sauberke N it ürn be rg : e
Sitzmögli chkeiten
lh all e m it Kl ett
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Ideen

Sportm

 men

 Marktplatz

 Mehr Curbs! (Skatemöglichkeit)

■

Topos team Hochbau-, Stadt- und Landschaftsplanung GmbH

Abbildung 60

Gasse sowie am Weißen Turm, Ludwigsplatz, bei und erhebliche Lautstärke genannt. Kinder der Kaiserburg und der Insel Schütt bemängelt. fordern explizit ein Rauchverbot in Bereichen, Darüber hinaus besteht großer Bedarf an öffentli- wo sich Kinder aufhalten. Die Befragung zeigte chen Sportflächen – insbesondere Basketball- und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Raum- Fußballfelder mit Rasen sowie wettergeschützte wahrnehmung: Mädchen benennen häufiger Indoor-Bolzplätze. angstbesetzte Orte als Jungen, wobei dieser Effekt bei älteren Kindern und Jugendlichen Kinderbeteiligung vermutlich noch ausgeprägter wäre und eine Die Altstadt mit ihrem Konsumschwerpunkt wird mögliche geschlechtssensible Gestaltung des von Kindern als schmutzig und stark versiegelt öffentlichen Raums als Folge hat. Eine Verringe- wahrgenommen und negativ bewertet. Im rung von Angsträumen könnte durch verbesserte Bereich Breite Gasse und Karolinenstraße fehlen Straßenbeleuchtung sowie die Schaffung über- attraktive Aufenthalts- und Beschäftigungsmög- sichtlicher und gut einsehbarer Räume erreicht lichkeiten für Kinder. Positiv hervorgehoben wird werden. Weitere Befragungen von Kindern sind hingegen der Affenfelsen an der Kaiserburg. erforderlich, um konkrete Angsträume präzise Als beunruhigende Faktoren im öffentlichen zu identifizieren und daraus spezifische Maßnah- Raum werden Vermüllung, Zigarettenrauch men abzuleiten. 44 City Kongress, Mentimeter Befragung beim Workshop „Attraktive Innenstadt“ 60

Abbildung 61

Abbildung 62

45 Zukunftswerkstatt, Diskussion an den Stellwänden Fazit Die Beteiligungen machen deutlich, dass die Aufenthaltsqualität und die Altstadt als Bewe- gungsraum noch ein deutliches Potential für Verbesserung aufweisen. Handlungsbedarf konzentriert sich insbesondere auf stark fre- quentierte Bereiche wie den Hauptmarkt, den Jakobsplatz, den Weißen Turm sowie die Breite Gasse und Karolinenstraße, wo es vor allem an Sitzgelegenheiten, Sauberkeit und angenehmen Rahmenbedingungen fehlt. Gleichzeitig zeigen positiv bewertete Orte wie die Kaiserburg und die Pegnitzräume, welches Potenzial in quali- tätsvoll gestalteten, gut nutzbaren Freiräumen liegt. Zentrale Erkenntnis ist daher, dass die Alt- stadt stärker als sicherer, konsumunabhängiger und generationengerechter Aufenthaltsraum entwickelt werden sollte. 46 Ergebnisse aus der Kinderbeteiligung, Wunsch nach mehr Grün und Spielflächen 61

Abbildung 63

und öffentlicher Raum

Fazitkarte

Abbildung 64

Andreij- Sacharow- Platz

Bestand

Projekte laufend Fußgängerzonen Kürzlich erweiterte Fußgängerzone Stadträumliche Problembereiche Baudenkmäler Öffentliche Toiletten Trinkwasserbrunnen Kunst-/ Zierbrunnen Bestandsbäume Öffentliche Grünflächen Gewässer Gebäude Umgriff Altstadt

Potenziale

Neu-/Ersatzpflanzungen vornehmen Pocket Park etablieren Neue Trinkwasserbrunnen Durchgangsräume/Querverbindungen stärken Sichtachsen akzentuieren Zugänge attraktiveren Öffentlichen Raum aufwerten Erweiterungspotential Fußgängerzone Projekte in Planung

und Sanierungsziele

Aufenthaltsqualitäten gezielt stärken und

differenziert entwickeln

Die Nürnberger Altstadt soll als vielschichtiger Stadtraum mit unterschiedlichen räumlichen Kontexten und Nutzungsanforderungen weiterentwickelt werden. Belebte Plätze, ruhige Aufenthaltsorte, verbindende Gassenräume und repräsentative Stadträume sind in ihren spezifischen Funktionen zu stärken, in ihrer Aufenthaltsqualität zu verbessern und klar lesbar auszubilden.

Historische Qualitäten sichtbar machen und

behutsam weiterentwickeln

Die historischen Strukturen, Bauensembles, Platzräume und Blickbeziehungen der Altstadt bilden die Grundlage ihrer Aufenthaltsqualität. Diese Qualitäten sollen nicht nur bewahrt, sondern durch präzise gestalterische Maßnahmen, Materialwahl, Möblierung und Beleuchtung stärker erfahrbar gemacht werden. Neue Elemente sind sensibel in den historischen Kontext einzubinden.

Übergänge und Verknüpfungen im Stadtraum

stärken

Zwischen stark frequentierten Hauptlagen und ruhigeren Aufenthaltsräumen sollen Übergänge besser gestaltet und lesbarer gemacht werden. Gassen, Nebenlagen und Verbindungsräume spielen hierbei eine Schlüsselrolle, um die Altstadt als zusammenhängenden Stadtraum erlebbar zu machen und Nutzungskonflikte zu entschärfen.

Aufenthaltsqualität jenseits des Konsums erhöhen

Der öffentliche Raum soll verstärkt Aufenthaltsangebote bieten, die unabhängig von Konsum funktionieren. Sitzgelegenheiten, informelle Treffpunkte und niedrigschwellige Nutzungsangebote tragen dazu bei, die Altstadt als Alltags- und Lebensraum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu stärken.

Sichere und angstfreie Räume für alle schaffen

Der öffentliche Raum der Altstadt soll so gestaltet sein, dass er von allen Bevölkerungsgruppen sicher und selbstverständlich genutzt werden kann. Räumliche Übersichtlichkeit, vielfältige Nutzungen, qualitätsvolle Beleuchtung sowie Sauberkeit und verlässliche Pflege tragen dazu bei, angstbesetzte Orte gezielt abzubauen und die Aufenthaltsqualität für alle zu verbessern. Der öffentliche Raum soll vielfältige Begegnung ermöglichen, nicht ausschließen. Eine gelebte gegenseitige Toleranz verschiedener gesellschaftliche Gruppen ist dabei eine Grundvoraussetzung.

Qualität vor Quantität bei Maßnahmen

und Eingriffen

Angesichts der sensiblen historischen Struktur und begrenzter Flächenpotenziale liegt der Fokus auf präzisen, qualitätsvollen Eingriffen. Durchdachte und gut abgestimmte Maßnahmen sollen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie zur Stärkung der Aufenthaltsqualität, Orientierung und Nutzungsvielfalt einen großen Mehrwert entfalten.

Impulsprojekt: Projektlaufzeit: Umgestaltung des Obstmarktes 2025-2029 • Der Obstmarkt wird grundlegend neugestaltet: Der bislang vom Auto- verkehr geprägte Raum soll in einen attraktiven und vielseitig nutzba- ren Stadtraum verwandelt werden. 40 neue Bäume, ein Brunnen und vieles mehr sollen die Aufenthaltsqualität zwischen Theresienstraße und Spitalgasse spürbar verbessern. • Durch die Umgestaltung des Marktes wird das Umfeld der Frauen- kirche aufgewertet und die Kirche in ihrer stadträumlichen Funktion wiederhergestellt. • Unterirdisch wird Regenwasser für die Bäume nach dem Schwamm- stadt-Prinzip gesammelt © Schegk Landschaftsarchitekten

Abbildung 65

Abbildung 66

Lebensumfeld

Wohnen, Bildung, Soziales und Gesundheit

Die Nürnberger Altstadt ist nicht nur zentraler Ein weiterer wichtiger Faktor für ein attraktives Erlebnis- und Arbeitsraum, sondern zugleich ein Wohnumfeld in der Altstadt ist der grüne Stadtvielfältiges Lebensumfeld mit unterschiedlichen umbau. Es existieren Förderprogramme für private Wohn-, Versorgungs- und Sozialstrukturen. Trotz Begrünungsmaßnahmen, die jedoch bislang wenig der gewichteten Rolle von Einzelhandel, Touris- bekannt sind.

mus und Kultur bestehen in der Altstadt mehrere

ausgeprägte Wohnschwerpunkte, insbesondere Herausforderungen für die Altstadt als

nördlich der Pegnitz, sowie abschnittsweise Wohnstandort

auch in der südlichen Lorenzer Altstadt abseits Der Wohnungsbestand der Altstadt stammt zum der Hauptachsen. Diese Quartiere zeichnen sich großen Teil aus den 1950er bis 1970er Jahren durch kleinteilige Parzellen, überwiegend private und ist durch kleine Grundrisse und vorwiegend Eigentümerstrukturen und vergleichsweise sta- 3-Zimmer-Wohnungen geprägt. Wie in Expertenge-

bile Nachbarschaften aus. spräche beschrieben, sind diese Einheiten insbe-

sondere für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte gut Wohnen im Spannungsfeld der Nutzungen vermietbar, während sie für Familien – vor allem Das Lebensumfeld in der Altstadt ist stark von mit wachsendem Platzbedarf – nur eingeschränkt räumlichen Überlagerungen geprägt. In hoch geeignet sind. Mangelnde Barrierefreiheit und frequentierten Bereichen wie Hauptmarkt, König- Aufzüge, schwierige Parkplatzsituation, geringe straße, Karolinenstraße, Breite Gasse, Weinmarkt Wohnflächen, häufig fehlende Balkone sowie oder im Umfeld des Ludwigsplatzes treffen einseitig orientierte Wohnungen mindern zusätzlich Wohnen, Gastronomie, Veranstaltungen, Liefer- die langfristige Wohnattraktivität. Hinzu kommt, verkehre und touristische Nutzungen unmittelbar dass denkmalschutzbedingte Auflagen im Einzelfall aufeinander. Hier entstehen Nutzungskonflikte, energetische Sanierungen zusätzlich einschränken insbesondere durch Lärm, nächtliche Belebung, können. Die denkmalpflegerischen Anforderungen Außengastronomie und temporäre Ereignisse, die sind daher mit anderen gesellschaftlichen Zielen, das Wohnen erschweren und die Akzeptanz insbe- insbesondere im Bereich der energetischen Saniesondere für langfristiges Wohnen beeinträchtigen rung, klar zu benennen und konkret abzuwägen. können. In anderen Bereichen wiederum, etwa in ruhigeren Gassenlagen nahe der Burg oder in Nicht sanierte Altstadtwohnungen sind beson- Teilen der östlichen Altstadt, bestehen Potenziale, ders von der Klimaerwärmung belastet, weshalb Wohnnutzungen stärker zu sichern und weiterzu- wohnortnahe grüne Oasen und Erholungsräume entwickeln. Zugleich wirkt sich die hohe touristi- besonders wichtig sind. Für Neubauten bieten sche Bedeutung der Altstadt unmittelbar auf das sich ebenfalls nur begrenzte Flächen und sie sind alltägliche Lebensumfeld aus. zugleich kostenintensiv. Diese Situation spiegelt sich in der Bevölkerungsstruktur der Altstadt Ziel ist es, touristische Nutzungen so zu steuern, wider, die von einem hohen Anteil an Einpersodass sie die Wohn- und Alltagsfunktionen nicht nenhaushalten, einer überwiegend jungen und verdrängen, sondern in ein ausgewogenes Ver- erwerbstätigen Bevölkerung sowie einer starken hältnis gebracht werden. Ähnlich zeigt sich das Fluktuation geprägt ist. Damit entspricht sie einem beim temporären Wohnen in der Altstadt. Auch urbanen Kerngebiet, das vor allem durch studien-, das trägt zur Belebung bei, muss jedoch beobach- arbeits- und lebensphasenbedingte Kurzaufenthalte tet werden, damit es dauerhaftes Wohnen nicht gekennzeichnet ist, während klassische, dauerhaft verdrängt. angelegte Wohnmilieus in den Hintergrund treten.

Abbildung 67

Infrastruktur sind niedrigschwellige soziale Angebote, Aufent-

Die soziale Infrastruktur der Altstadt ist funktio- haltsorte und Rückzugsräume für hilfsbedürftige nal gut vertreten, jedoch räumlich und strukturell Personengruppen wie obdachlose Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Eine hohe Dichte an im öffentlichen Raum nur begrenzt vorhanden medizinischen Dienstleistungsangeboten und und müssen ausgebaut werden. Dazu gehört therapeutischen Einrichtungen prägt insbesondere insbesondere der Wunsch nach Räumlichkeiten die zentralen Lagen und trägt zur überörtlichen oder Unterkünften mit Gemeinschaftsräumen im

Haushaltsgrößen in der Altstadt (2024) Altersstruktur in der Altstadt (2024)

Einwohnende: 14.365, Haushalte 10.251 Einwohnende: 14.365

1-Person

18-29 Jahre

30-64 Jahre

25,3% 47 Das „Ehekarussel“ am Ludwigsplatz, ein beliebter Treffpunkt für Alle

65+ Jahre 8,5% 14,7%

5+ Personen

51,4% 0-17 Jahre

1,0% 2,6% Unterschiedliche Ausprägung der sozialen Versorgungsfunktion der Altstadt bei. Gleichzeitig

Quelle: Stadt Nürnberg, Statistikamt 2024 Quelle: Stadt Nürnberg, Statistikamt 2024 70,4% 2-Personen 20,3% 3-Personen 5,7% 4-Personen

Abbildung 68

48 Analysekarte Lebensumfeld: Bildung, soziale Infrastruktur und Gesundheit

INSEK-Gebiet Grundschulsprengel Universität/Hochschule geplanter Bildungsstandort Kita Weiterführende Schule Erwachsenenbildung Potenzialstandort für Bildungseinrichtung(en) Grundschule Kombistandort Bibliothek Ämter/ Einrichtungen Gesundheit und Pflege

Bereich des Hauptbahnhofs, wo die Betroffenheit ausgelastet sind. Mit dem neuen Kita-Standort der Anwohnenden geringer wäre, wobei mittel- am Fürther Tor wird das Angebot perspektivisch fristig eine Entzerrung der Hotspots angestrebt erweitert und insbesondere in den angrenzenden wird. Hier besteht ein Spannungsfeld zwischen Quartieren gestärkt. sozialer Verantwortung, öffentlicher Ordnung und Aufenthaltsqualität. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Umbau des Herrenschießhauses zu einem Kinder- und

Bildungslandschaft als Potenzial Jugendhaus, der zur funktionalen und räumlichen

Die Altstadt verfügt über ein differenziertes, insge- Weiterentwicklung des Bildungs- und Begegnungssamt gut ausgelastetes Bildungsangebot für unter- angebots beiträgt. Hinzu kommen zahlreiche nonschiedliche Altersgruppen. Mehrere Grundschulen formale Bildungsangebote wie die Stadtbibliothek sowie weiterführende Schulen sind vorwiegend und der Bildungscampus Nürnberg. Im Bereich der am Rand der Altstadt oder in unmittelbarer Nähe Hochschulen (FAU WiSo, TH Georg-Simon-Ohm verortet und stellen eine wohnortnahe Versor- und die Evangelische Hochschule) ist die Altstadt gung sicher, insbesondere für die nördliche und zwar Standort einzelner Einrichtungen und stuöstliche Altstadt. Zentraler gelegen in der Altstadt dentischer Infrastrukturen, wie der gemeinsamen liegen zahlreiche Angebote für Erwachsenenbil- Mensa am Andrej-Sacharow-Platz, insgesamt ist dung (v.a. Sprachschulen), berufliche Schulen, der studentisches Leben im öffentlichen Raum jedoch Bildungscampus BCN und vier Bibliotheken in der nur punktuell wahrnehmbar. Hier liegt ein bislang Altstadt. Ergänzt wird dies durch verschiedene Kin- wenig genutztes Potenzial, die Altstadt stärker als dertagesstätten, deren Kapazitäten weitgehend urbanen Lern-, Aufenthalts- und Alltagsraum für

Studierende zu profilieren und Bildungsnutzungen etwa Museen, kulturelle Einrichtungen oder inforsichtbarer mit dem Stadtraum zu verknüpfen. melle Lernräume, sind zwar zahlreich vorhanden, jedoch bislang nur begrenzt als generationenüber- Defizite bei Freizeit- und Familienangeboten greifender Bestandteil des alltäglichen Lebensum- Auch Angebote für Familien, Jugendliche und felds vernetzt. ältere Menschen sind innerhalb der Altstadt nur punktuell vorhanden. Spiel- und Freiflächen sind Ungleich verteilte Nahversorgung rar und es besteht ein grundlegender Bedarf an Die Nahversorgung in der Nürnberger Altstadt ist wohnungsnahen Spielflächen für Kinder unter grundsätzlich vorhanden, jedoch räumlich ungleich 6 Jahre, der Platz für Erweiterungen ist jedoch verteilt. Entlang der zentralen Achsen und in den begrenzt. Das Sportangebot besteht hauptsächlich Übergangsbereichen zur Altstadt konzentrieren aus an Schuleinrichtungen gekoppelten Sport- sich mehrere Vollsortimenter und Discounter, inshallen und Außenanlagen. Die Basketballfelder besondere im Umfeld von Ludwigsplatz, Josephsan der Maxtormauer spielen eine wichtige Rolle platz, Äußerer Laufer Platz, Bahnhofsplatz sowie für Kinder und Jugendliche. Derzeit werden sie rund um den Hauptmarkt. Diese Standorte überim Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung nehmen nicht nur die Versorgung der Altstadtbekommunaler Sportstätten“ saniert. Jugendliche völkerung, zusätzlich bedienen sie ein hohes Maß nutzen den öffentlichen Raum zwar intensiv als an Besucherinnen und Besuchern der Stadt sowie Treffpunkt und Aufenthaltsort, verfügen jedoch Beschäftigten. In den inneren Altstadtbereichen, nur über wenige speziell auf ihre Bedürfnisse insbesondere in den kleinteiligeren Wohnquartiezugeschnittene Angebote. Bildungs- und Lernorte, ren von St. Sebald, im Burgviertel sowie in Teilen

Abbildung 69

49 Bildungsstätte in der Altstadt: Friedrich-Alexander-Universität

Abbildung 71

der südlichen Altstadt, ist die wohnungsnahe Potenziale zur stärkeren Verknüpfung von Bil- Nahversorgung dagegen eingeschränkt. Zudem ist dungsorten, studentischem Leben und öffentli- In den letzten Jahren eine Verschlechterung des chem Raum bislang weitgehend ungenutzt. Die Versorgungsangebots zu beobachten. Insbeson- Nahversorgung ist in den zentralen Lagen gesidere sind kleine Lebensmittelbetriebe wie Metz- chert, während in den kleinteiligeren Wohnquargereien und Bäckereien zurückgegangen. Damit tieren eingeschränkte wohnungsnahe Angebote ergeben sich für ältere Menschen, mobilitätseinge- zu erhöhten Alltagsbelastungen führen. schränkte Personen und Familien erhöhte Wegeund Alltagsbelastungen. Insgesamt wird deutlich, dass die Qualität des

Lebensumfelds in der Altstadt weniger durch

Private Eigentümerstruktur als Herausforderung großmaßstäbliche Eingriffe, sondern durch eine Eine Herausforderung für die Weiterentwicklung gezielte, räumlich differenzierte Weiterentwickdes Lebensumfelds liegt in der stark kleinteiligen lung gesichert werden kann. Angesichts der privaten Eigentümerstruktur. Viele Grundstücke kleinteiligen privaten Eigentümerstruktur kommt und Gebäude befinden sich in privatem Besitz, dabei kooperativen Ansätzen, Anreizsystemen was den direkten Handlungsspielraum der Stadt und integrierten Strategien eine Schlüsselrolle begrenzt. Bereits im INSEK 2012 formulierte zu. Ziel muss es sein, die Altstadt dauerhaft als Ansätze zur Stärkung von Wohnen, sozialer lebenswerten Wohn- und Alltagsraum zu stabili- Infrastruktur und quartiersbezogenen Angeboten sieren, ohne ihre zentrale Rolle als Erlebnis- und konnten daher nur teilweise umgesetzt wer- Besuchsort zu schwächen. den. Umso wichtiger ist es, künftig stärker über Kooperationen, Anreize, Vernetzungsformate und integrierte Konzepte zu arbeiten, die private Akteurinnen und Akteure aktiv einbinden.

Abbildung 70

Fazit:

Die Nürnberger Altstadt ist ein vielschichtiges

Lebensumfeld, in dem Wohnen, Versorgung,

soziale Infrastruktur, Bildung und Gesundheit

auf engem Raum mit starken Erlebnis- und

Nutzungsansprüchen überlagert sind. Neben

stabilen Wohnquartieren, insbesondere in den

ruhigeren Lagen der Sebalder Altstadt, im Burg-

viertel und in Teilen der östlichen und südlichen

Altstadt, bestehen hochfrequentierte Bereiche, in denen Nutzungskonflikte zwischen Wohnen,

Gastronomie, Veranstaltungen und touristischen

Funktionen deutlich zutage treten. Diese räum-

lichen Unterschiede prägen die Lebensqualität

ebenso wie die Wahrnehmung der Altstadt als

Wohnstandort.

Die soziale und gesundheitliche Versorgung ist

insgesamt leistungsfähig, zeigt jedoch punktu-

ell Defizite bei niedrigschwelligen Angeboten 50 Kinder und Jugendliche

und Aufenthaltsorten für vulnerable Gruppen. Institution/Einrichtung Städtische Sporthalle Aktionsfläche Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sind Kinder-/Jugendrelevante Schulsportaußenanlage Spielhof Aufenthaltspunkte

vorhanden und gut ausgelastet, zugleich bleiben Spielplatz

Umfeld weiterführender Schulen

Abbildung 74

51 Spielfläche am Jakobsplatz

Abbildung 72

Abbildung 73

52 Obdachlosigkeit 53 Nahversorgung

Hotspot Aufenthalt obdachlo- Soziale Einrichtungen/Ämter Einzugsradius 500m Standort Nahversorger se/wohnungslose Menschen Anlaufstellen/Unterkünfte für obdachlose/wohnungslose Menschen

r als wesent- ren Prozess Altstadt rgung mit nd eine sehr medizini- on einzelnen nde Angebot
Das sagen die Nürnbergerinnen und Nürnberger Erkenntnisse aus den Beteiligungen City Kongress, Workshop „TUMO: Wirtschaftsverbände – wurde daher als wesent- Zukunfts(t)räume für die Innenstadt. Lernen. licher Aspekt benannt, der im weiteren Prozess Entdecken. Bleiben“ verfolgt werden soll. Im Zuge des City Kongresses fand ein Workshop statt, der das Konzept eines kostenfreien außer- Zukunftswerkstatt schulischen Bildungsangebots für Jugendliche Für die Teilnehmenden bietet die Altstadt thematisierte. Zur Stärkung des Lernangebots als Wohnstandort eine gute Versorgung mit plant die Stadt Nürnberg ein sogenanntes Angeboten des täglichen Bedarfs und eine sehr „TUMO-Zentrum“, dem ein innovatives Lernkon- gute fußläufige Erreichbarkeit der medizini- zept für digitale Technologien und Kreativität schen Versorgung. Zugleich wird von einzelnen für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren Teilnehmenden das nicht-ausreichende Angebot zugrunde liegt. Das Vorhaben wird aktiv vorange- im Bereich Lebensmittelhandwerk (Metzgerei, trieben, um digitale Bildung und Zukunftskompe- Bäckerei) in der nördlichen Altstadt bemängelt. tenzen in der Region zu stärken. Eine wesentliche Als Wohnstandort wird die Altstadt unterschied- Erkenntnis ist, dass das TUMO Synergieeffekte mit lich bewertet: Nach Einschätzung der Teilneh- läge Gastronomie, Einzelhandel sowie Vereinen und menden ist sie mit deutlichem Abstand am bes- Verbänden erzeugen kann. Weitere Angebote ten für Touristen und Shoppende ausgestattet wie Bibliothek, Freizeitangebote und Gastronomie und nur teilweise für junge Erwachsene geeignet. könnten in einem Gebäude gebündelt werden Für Kinder, Jugendliche, Familien sowie Seniorin- und so zur Nutzungsmischung und Belebung der nen und Senioren hingegen ist sie kaum attraktiv Altstadt beitragen. Gleichzeitig könnten durch – insbesondere aufgrund fehlender Angebote die neuen Räumlichkeiten auch andere Zielgrup- und mangelnder konsumfreier Begegnungsorte. pen angesprochen werden. Die Vernetzung und Als weitere Herausforderung wird auch die Einbeziehung weiterer Akteurinnen und Akteure Verdrängung dauerhaften Wohnens beobachtet. ürnb– weie Hrocghsch:u lene, Miunseene, Bil duSngskanbaietetr uend hUam ldile eAlts tadt als Wohnstandort aufzuwerten, le mit Klettern und Schwimmen Wie gut ist die medizinische Versorgung in der Altstadt (Arztpraxen u. ä.) fußläufig erreichbar? halle Schlecht erreichbar Sehr gut erreichbar lbahn von der Burg bis zum Marktplatz Erleben Sie in der Altstadt, das temporäre Wohnformen dauerhaftes Wohnen verdrängen? Nähe NKeinettensteg) Ja (Ska54 teErgebmnisse auös der gZukunlftiswcerkshtatt keit) Wenig Stimmen Viele Stimmen 72 r als wesent- ren Prozess Altstadt rgung mit nd eine sehr medizini- on einzelnen nde Angebot

Abbildung 75

Ideen und Vorsch

Sportmöglichkeiten:

 Generell in N

 Eine Spielhal

 Indoor-Sport

 Sommerrode

 Ropeswing (

 Mehr Curbs!

55 Jugendbeteiligung 56 Workshop TUMO: Zukunfts(t)räume für die Innenstadt. Le
55 Jugendbeteiligung 56 Workshop TUMO: Zukunfts(t)räume für die Innenstadt. Le

Abbildung 76

Bleiben“ beim City Kongress

Was tun Sie in der Altstadt?

Ideen und Vorschläge

11%

Einkaufen

11% 31%

Ausgehen

Was bräuchte die Altstadt um ein

Wohnen attraktiverer Wohnstandort zu werden?

Sightseeing

Sportmöglichkeiten: 21,5% Arbeiten 6 Mehr attraktive ,5 % Freiräume 25,5% 17% Mehr Spiel- und

 Generell in Nürnberg: eine Skatehalle 30% Bewegungsflächen

Vielfältigeres

Wohnangebot

Für welche Nutzergruppe ist die Altstadt am

 Eine Spielhalle mit Klettern und Schwimmen besten ausgestattet? 18,5% Weniger Highlights 28% Bessere Versorgung

mit Gütern all-

13% Tourist:innen

täglichen Bedarfs

 Indoor-Sporthalle Shoppende

Junge Erwachsene

24% 63% 0%

 Sommerrodelbahn von der Burg bis zum Marktplatz

Kinder und Jugendliche

Familien

Senior:innen

Pendelnde

 Mehr Curbs! (Skatemöglichkeit) 57 Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt

Abbildung 77

wünschen sich die Beteiligten vor allem mehr Kinderbeteiligung attraktive Frei-, Spiel- und Bewegungsflächen In der hochverdichteten Altstadt besteht ein sowie ein vielfältigeres Wohnungsangebot. Mangel an konsumfreien Spiel- und Bewegungs- flächen, obwohl die vorhandenen Angebote Jugendbeteiligung stark genutzt werden und wichtig für gesundes Die Altstadt wird nur bedingt als attraktives sowie soziales Aufwachsen sind. Der Bedarf Lebensumfeld eingeschätzt, weil die Infrastruktur ist räumlich unterschiedlich: Am Burggraben und Angebote für Jugendliche nicht ausreichend werden mehr Spielflächen und Platz zum Toben ausgebaut sind. Die Teilnehmende empfinden gewünscht, während im Bereich Karolinenstraße/ die Altstadt besser für Seniorinnen und Senio- Breite Gasse eher attraktive Aufenthalts- und ren sowie für junge Erwachsene ausgestattet. Verweilmöglichkeiten gefragt sind. Konkret Trotzdem ist die Altstadt als wichtiger Ort zum werden Verbesserungen und Ausbauten beste- Ausgehen und Einkaufen bewertet. Jedoch sind hender Spielplätze gefordert (z. B. Kletterspiel- die Angebote des täglichen Bedarfs als nur mit- platz im nördlichen Burggraben, Erweiterung auf telmäßig vorhanden geschätzt und es mangelt an der Insel Schütt, Aufwertung des Spielplatzes am Begegnungsorten. Aus der Sicht der Jugendlichen Spielzeugmuseum) sowie eine bessere Ausstat- machen mehr attraktive Freiräume die Altstadt zu tung mit Trinkbrunnen und Mülleimern. einem attraktiven Wohnstandort machen. 58 City Kongress, Beteiligungsergebnisse über Mentimeter beim Workshop „TUMO: Zukunfts(t)räume für die Innenstadt. Lernen. Entdecken. Bleiben“ 74

Abbildung 78

Abbildung 79

Bildung, Soziales und Gesundheit ind zentrale Orte für Kinder. Eine kindgerechte Ge- Einrichtungen ist daher elementar. In den Rückmel- beiden Institutionen wohlzufühlen. Gleichzeitig lässt die Ausstattung und über dahingehende Verände- werten wohnortnahe und gut ausgestattete Spielflä- schen sich eine Verbesserung des Angebots (z.B. Sie wünschen sich außerdem eine altersadäquate nen und Sinneserfahrungen „Höhe und Klettern“, n besonderen Reizes. Sie betonen außerdem die er- und Jugendarbeit; hier insbesondere aus der ma Gesundheit scheint für die Kinder dieser Kinder- sein, weil es nicht genannt wurde. Das lässt sich po- Erhalt kindlicher Gesundheit zumeist eine elterliche

59 Zukunftswerkstatt, Beteiligung an den Stellwänden zum Thema Lebensumfeld er rein darf und in jedem Raum ist ein cooles Spiel- zimmer.“ Fazit Als Wohnstandort kann die Altstadt bislang Wohnen, Bil- nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleicher- maßen überzeugen. Während sie für Touristen, ist in der Shoppende und junge Erwachsene vergleichs- dere durch weise gut aufgestellt ist, fehlen altersgerechte Angebote und konsumfreie Begegnungsorte d „Schule“ für Kinder, Jugendliche und Familien. Beson- ders der Mangel an attraktiven Spiel-, Frei- und der befragten Bewegungsflächen zieht sich als zentrales ihren Hort als Defizit durch alle Beteiligungsformate. Ergän- zend werden ein vielfältigeres Wohnungsan- pädagogische gebot sowie eine bessere Grundversorgung gewünscht. Um die Altstadt als lebendigen richtungen. Wohnstandort für alle Bevölkerungsgruppen zu stärken, ist ein gezielter Ausbau konsumfreier Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten das meist- genannte Handlungsfeld. 60 Zeichnung aus der Kindertbeteiligung 30 75

5.6 Lebensumfeld – Wohnen,

Fachliche Zusammenfassung

Kinderhorte und Grundschulen s

staltung und Ausstattung solcher

dungen scheinen sich Kinder in

sich daraus keine Aussage über

rungsbedarfe ableiten. Kinder be

chen als relevante Orte und wün

Öffnung weiterer Spielflächen).

Ausstattung mit den Spielfunktio

wegen des dadurch entstehende

Notwendigkeit der Offenen Kind

kindlichen Perspektive. Das The

beteiligung weniger relevant zu

tenziell damit erklären, dass der

Aufgabe darstellt.

„Es soll ein Haus geben, wo jed

Abbildung 80

Die Kategorie „Lebensumfeld –

dung, Soziales und Gesundheit“

kindlichen Perspektive insbeson

die Unterkategorien „Spielen“ un

geprägt. Der überwiegende Teil

Kinder benennt ihre Schule und

Lieblingsort. Das spricht für die

(Beziehungs-)Qualität in den Ein

Lebensumfeld

Fazitkarte

Abbildung 81

Andreij- Sacharow- Bestand Platz Kinder- und jugendrelevante Aufenthaltsorte Öffentliche Toiletten Nahversorgung: Vollsortiment Discounter Spezialangebot Gebäude mit Bildungsangeboten Gebäude mit Kultur-/Unterhaltungs angeboten Gebäude mit Einrichtungen des Gesundheits-/Sozialwesens und/oder Arztpraxen

Gebäude mit Beherbergungsangeboten Gebäude mit Wohnnutzung Gebäude Öffentliche Grünflächen Gewässer Umgriff Altstadt Mitte

Potenziale

Universitätsumfeld in Wohnquartiere integrieren und vernetzen Potenzialräume für Wohnumfeldgestaltung Gut erreichbare Gesundheitsschwerpunkte Suchraum für Standorte sozialer Infrastrukturen Potenzialräume für wohnnahe Spielflächen Plätze gestalten Pocket Parks etablieren

und Sanierungsziele

Wohnen in der Altstadt sichern und

differenziert weiterentwickeln

Das Wohnen soll als wesentlicher Bestandteil der Altstadt langfristig gesichert und gestärkt werden. Ziel ist es, bestehende Wohnschwerpunkte in ruhigeren Lagen gezielt zu stabilisieren, Nutzungskonflikte in hochfrequentierten Bereichen zu reduzieren bzw. zu balancieren und die Altstadt als vielfältigen, dauerhaften und attraktiven Wohnstandort für unterschiedliche Haushaltsformen zu erhalten. Dabei sollen insbesondere kleinteilige Strukturen und gewachsene Nachbarschaften berücksichtigt werden. Zur Steigerung der Wohnqualität sollen Kühlungs- und Begrünungsmaßnahmen im Einklang mit Denkmal- und Ensembleschutz umgesetzt und energetische Sanierung ermöglicht werden.

Soziale Infrastruktur und Gesundheitsversorgung bedarfs-

gerecht weiterentwickeln

Die leistungsfähige medizinische und gesundheitliche Versorgung der Altstadt soll langfristig gesichert werden. Ergänzend sollen niedrigschwellige soziale Angebote, Rückzugsorte und unterstützende Infrastrukturen für unterschiedliche Nutzergruppen gestärkt werden, um sozialen Spannungen im öffentlichen Raum vorzubeugen und Teilhabe zu fördern.

Bildungsorte und Lernräume stärker mit dem Stadtraum

verknüpfen

Vorhandene Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sollen als integraler Bestandteil des Lebensumfelds weiterentwickelt werden. Ziel ist es, Bildungsorte, kulturelle Einrichtungen und öffentliche Räume stärker miteinander zu vernetzen und die Altstadt als urbanen Lern- und Aufenthaltsraum für alle Generationen – einschließlich Studierender – sichtbarer zu machen.

Nahversorgung in den Wohnquartieren sichern und

ergänzen

Die wohnungsnahe Nahversorgung soll insbesondere in den kleinteiligen Wohnquartieren der Altstadt gestärkt werden. Ziel ist es, alltägliche Versorgungsangebote fußläufig erreichbar zu halten und Abhängigkeiten von hochbelasteten zentralen Standorten zu reduzieren, insbesondere für ältere Menschen, Familien und mobilitätseingeschränkte Personen.

Aufenthalts- und Begegnungsorte für

unterschiedliche Lebenslagen schaffen

Die Altstadt soll mehr konsumfreie, alltagsnahe Aufenthalts- und Begegnungsorte bieten, die für verschiedene Altersgruppen und Lebenslagen geeignet sind. Ziel ist es, soziale Interaktion, informelle Begegnung und Aufenthaltsqualität im Alltag zu fördern – sowohl im öffentlichen Raum als auch in halböffentlichen Strukturen.

Kooperationen stärken und private Akteurinnen

und Akteure aktiv einbinden

Angesichts der kleinteiligen privaten Eigentümerstruktur sollen kooperative Ansätze, Anreizsysteme und Vernetzungsformate gezielt ausgebaut werden. Ziel ist es, private Eigentümerinnen und Eigentümer, soziale Träger, Bildungsakteure und weitere Initiativen stärker in die Weiterentwicklung des Lebensumfelds einzubeziehen und die Umsetzung gemeinsamer Ziele zu erleichtern.

Impulsprojekt: Projektlaufzeit: Erfahrungsfeld goes Innenstadt Sommer 2024 und Sommer 2026 • Das mobile Erfahrungsfeld kommt zum zweiten Mal direkt in die Altstadt, in die Pfannenschmiedsgasse. • An täglich wechselnden Wahrnehmungs- und Spielstationen können Besucherinnen und Besucher eine Vielzahl von experimentellen und interaktiven Spielen kostenlos entdecken. • Die temporäre Aktion zieht Familien in die Altstadt und trägt zur Belebung der Fußgängerzone bei.

Abbildung 82

Abbildung 84

Mobilität und

Erreichbarkeit

Die Nürnberger Altstadt ist sehr gut in das 18:30-10:00 Uhr) die Fußgängerzone befahren, Taxis gesamtstädtische und regionale Verkehrsnetz ein- sind nur in bestimmten Fällen für den Hol- und Bringgebunden, so dass die Altstadt sowohl mit dem verkehr zugelassen.

motorisierten Individualverkehr als auch mit dem

ÖPNV hervorragend erreichbar ist. Die Kfz-Durch- Verkehrssteuerung und Parkraumstrategie fahrt ist durch die räumlichen Strukturen und Zur Reduzierung des Durchfahrtsverkehrs wurde die verkehrsorganisatorische Maßnahmen begrenzt. Altstadt in 1993 in fünf verkehrlich getrennte Quar- U-Bahn, Straßenbahn und Bus sichern eine tiere gegliedert. Die Überfahrt von einem Quartier leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen in das andere ist nur eingeschränkt möglich, Sam- Verkehr, während für kurze Distanzen das Radfah- melparkhäuser liegen an strategischen Punkten, um ren und Zufußgehen die Verkehrsmittel der Wahl den motorisierten Individualverkehr aus der stark sind. Gleichzeitig stellt die besondere räumliche belasteten Innenstadt herauszuhalten. Erhebungen Struktur mit engen Straßenräumen, historischem zeigen jedoch, dass viele dieser Parkhäuser nicht Pflaster, topografischen Höhenunterschieden und vollständig ausgelastet sind und somit perspektieiner hohen Nutzungsdichte besondere Anforde- visch Potenzial für ergänzende Nutzungen bieten. rungen an Mobilität, Komfort und Barrierefreiheit. Die überdurchschnittliche Pkw-Dichte liegt nicht

Verkehrsmix und Nutzungskonflikte

Innerhalb der Altstadt überlagern sich unterschiedliche Mobilitätsformen auf engem Raum. Fußverkehr bildet die dominante Fortbewegungsart, hinzu kommen der Radverkehr, Lieferverkehre, private Kraftfahrzeuge sowie touristische Verkehre wie Doppeldecker-Busse und Bimmelbahn. Insbesondere auf zentralen Achsen und Plätzen wie dem Hauptmarkt, Breite Gasse, Lorenzer Platz oder im Umfeld der Burg treffen Alltagsmobilität, Freizeitnutzung und Besucherströme aufeinander. Hier entstehen Nutzungskonflikte, die weniger aus mangelnder Erreichbarkeit als aus den beengten Rahmenbedingungen des historischen Straßenraums resultieren. Aus den Beteiligungen wurde insbesondere auf Konflikte zwischen Fußverkehr, querendem Radverkehr und punktuell durchfahrende PKW hingewiesen. Zudem verursacht die Problematik der „Autoposer“ in einigen Nebenstraßen wie der Adlerstraße zusätzlichen Lärm und Unsicherheitsgefühle und führt zu einer Beeinträchtigung der Aufenthaltsqualität.

Abbildung 83

61 Zugelassene Fahrzeuge je 1000 Einwohnende (2023) Die verschiedenen Verkehre sind geregelt und Bestandteil der Altstadt und der Fußgängerzone. St. Lorenz Nürnberg gesamt (2023): 48.797 PKW/10.000 EW Gewerbliche Lieferfahrzeuge können während St. Sebald 2,3% des Nürnberger PKW-Bestandes befindet der Lieferzeit (Mo.-Fr. 18:30-10:30 Uhr und Sa. sich in der Altstadt Quelle: Raumbezugssystem 2016 (Amt für Stadtforschung und Statistik)

Abbildung 87

62 Höhenunterschied zwischen dem Hauptmarkt und der Kaiserburg

Abbildung 86

Abbildung 85

63 Kfz-Verkehr 64 Ruhender Verkehr

Fußgängerzone Maxtor, Laufer Tor Hallertor, Neutor großflächige E-Ladestation Behindertenstellplätze Parkplätze Sterntor, Färbertor, Fürther Tor, Westtor Katharinengasse, Parkhaus Bus: nur Ein-/Ausstieg Ludwigstor Marientor, Königstor Tiefgarage P Busparkplätze Zufahrt zu den Durchfahrt zwischen Einbahnstraße Verkehrssektoren Verkehrssektoren

Abbildung 88

66 Analysekarte Mobilität: ÖPNV und Radverkehr INSEK-Gebiet E-Scooter Einzugsbereich: Leihradstation Fußgängerzone: Mobilpunkte U U-Bahn U-Bahn 500m Fernradweg ohne Freigabe für Radverkehr U-Bahn-Verteiler H Bus Bus 300m Hauptradwegenetz ganztägig für Radverkehr freigegeben Lorenzkirche

T Tram Tram 400m Radstrecken über mit zeitlicher Einschränkungen freigegeben

ruhige Nebenstraßen

an der hohen Anzahl privater Pkw, sondern an Hauptmarkt verlaufen. Damit verdeutlicht sich die gewerblichen Zulassungen (z.B. Dienstfahrzeuge, wichtige lokale und regionale Funktion der Altstadt Sparkasse, Hotels usw.) im Verhältnis zur relativ für den Radverkehr als Einkaufs- und Freizeitort. geringen Zahl an Bewohnerinnen und Bewohnern in St. Lorenz. Außerdem ist sicherzustellen, dass die ÖPNV als Rückgrat der Altstadtmobilität Erreichbarkeit der Altstadt – auch für Menschen mit Gleichwohl stellt der öffentliche Personennahver- Mobilitätseinschränkungen, Anlieferverkehre sowie kehr das Rückgrat der Nürnberger Mobilität dar. Sonderberechtigte – erhalten bleibt. Die Altstadt ist grundsätzlich sehr gut mit Bus und Bahn erschlossen und erreichbar: Der Süden ist Radverkehr zwischen Alltag und Freizeit durch die U-Bahn (U1) erschlossen, der Norden Der Radverkehr wird überwiegend über ausgebaute über Buslinien (Linie 36,37,46). Zusätzlich bestehen Radwege um die Altstadt herumgeführt. Innerhalb Haltestellen der U-Bahnlinien U2 und U3 entlang der Altstadt erfolgt die Führung größtenteils über des östlichen und südlichen Randes der Altstadt. ruhige Nebenstraßen sowie mit Einschränkungen Vorschläge zur Erweiterung des Angebots liegen durch die Fußgängerzonenregelungen. Die grund- seit Erarbeitung und Beschluss des Nahverkehrsentsätzliche Durchfahrbarkeit der Altstadt für den Rad- wicklungsplans im Jahr 2012 vor allem mit der verkehr ist gegeben, jedoch sind Netzstruktur und Straßenbahn-Altstadtquerung zwischen Hallertor Beschilderung für Nutzerinnen und Nutzer teilweise und Rathenauplatz vor. Dieses zentrale Verkehrsschwer erkennbar. Nürnberg liegt an zahlreichen projekt sollte im Sinne einer zukunftsgerichteten Fernradwegen, die in Ost-West-Richtung über den Mobilität weiterverfolgt werden. Es weist laut

Standardisierter Bewertung einen hohen verkehrli- behutsam und zielgerichtet integriert werden müschen und volkswirtschaftlichen Nutzen auf. sen. Daher besteht Interesse an flexiblen Lösungen wie Fahrradrikschas oder Kleinbussen, idealerweise Barrierefreiheit und innere Erreichbarkeit elektrisch, die einfach nutzbar sein sollen und Ein weiteres zentrales Thema ist die Erreichbarkeit abseits der Fußgängerzone alternative Routen innerhalb der Altstadt. Wege zwischen wichtigen fahren sollen. Hauptproblem stellen die Finanzie- Zielen oder auch die beliebtesten touristischen rung sowie fehlende Bedarfsanalysen dar. Zudem Wegebeziehungen, etwa zwischen St. Lorenz und darf es zu keinen Konflikten mit den etablierten St. Sebald, vom Hauptmarkt zur Kaiserburg oder Verkehrsarten des Umweltverbunds, sprich ÖPNV, von der Pegnitz bis zum Hauptbahnhof, sind zwar Rad- und Fußverkehr, kommen. Pilotprojekte für relativ kurz, aber nicht für alle Nutzergruppen glei- solche Mobilitätsformen bieten eine große Chance chermaßen einfach zu bewältigen und stellen hohe für neue Lösungen sowohl für Besucherinnen und Anforderungen an Barrierefreiheit, Orientierung und Besucher als auch für die Bewohnerschaft der Alt- Aufenthaltsqualität. Steigungen, unebenes Natur- stadt. Die Machbarkeit eines langfristigen Ausbaus steinpflaster und fehlende alternative Routen stellen dieser Mobilitätsangebote ist dabei noch zu prüfen. insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen, Ein solcher Ausbau würde jedoch die Weiterentältere Menschen oder Familien mit Kinderwagen Bar- wicklung der Altstadt zu einem autoarmen Stadtteil rieren dar. Die zahlreichen Passagen und Gässchen der kurzen Wege unterstützen und die Nord-Südin der Lorenzer Altstadt, die als Abkürzung genutzt Verbindung stärken. werden könnten, sind oft schwer auffindbar. Die Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonven- Baumaßnahmen als Chance tion sowie die städtischen Aktionspläne zur Barrie- Laufende, anstehende und künftige Umgestaltunrefreiheit gewinnen hier besondere Bedeutung. Die gen und Baumaßnahmen werden weiterhin vorü- Erreichbarkeit innerhalb der Altstadt ist auch für alle bergehend die Durchgängigkeit und Orientierung Besucherinnen und Besucher wichtig. Außer den beeinträchtigen, insbesondere für den Fußverkehr. geschilderten Herausforderungen ist für mobili- Solche Phasen stellen zugleich eine Chance dar, tätseingeschränkte Touristinnen und Touristen die Erreichbarkeit, Wegeführung und Aufenthaltsqua- Erreichbarkeit der Altstadt mit Reisebussen relevant. lität langfristig neu zu ordnen und besser aufeinan- Es gibt zwei Parkplätze am Rand der Altstadt (jeweils der abzustimmen. im Norden und im Süden) und zwei Haltezonen innerhalb der Stadtmauer. Besonders wichtig ist Fazit: die Haltezone in der Augustinerstraße, wo Busse Die Herausforderung der Mobilität in der Nürnjedoch nur zum Ein- und Aussteigen von Mobilitäts- berger Altstadt liegt weniger in der äußeren eingeschränkten für einen vorab gebuchten, kurzen Anbindung als in der qualitativen Ausgestaltung Zeitraum halten dürfen. der inneren Erreichbarkeit. Chancen bestehen insbesondere in der Stärkung des Fußverkehrs, Potenziale neuer Mobilitätsangebote der barrierearmen Gestaltung zentraler Wege, der Vor diesem Hintergrund kann die Mikromobilität gezielten Integration von Mikromobilität sowie in als ergänzende Fortbewegungsform innerhalb der einer klaren Priorisierung der öffentlichen Verkehrs- Altstadt künftig an Bedeutung gewinnen. Elektrisch mittel. Eine integrierte Betrachtung von Mobilität, unterstützte Angebote können helfen, topogra- Stadtraum und Nutzung ist dabei Voraussetzung, fische Unterschiede auszugleichen und Wege um die Altstadt als lebendigen, erreichbaren und komfortabler zu gestalten, sofern die Rahmenbe- inklusiven Stadtraum weiterzuentwickeln. Pilotdingungen es erlauben. Gleichzeitig erfordern sie projekte bieten dabei eine große Chance, neue klare Regelungen und räumliche Ordnung, um neue Mobilitätsformen zu erproben, die den besonderen Konflikte zu vermeiden. Die Altstadt ist hierfür kein Anforderungen sensibler Stadträume wie der Nürn- Experimentierraum im klassischen Sinne, sondern berger Altstadt gerecht werden. ein sensibler Raum, in dem neue Mobilitätsformen

Abbildung 89

Das sagen die Nürnbergerinnen und Nürnberger Erkenntnisse aus den Beteiligungen City Kongress, Workshop „Erreichbarkeit und vorgeschlagen. Im Bereich Inklusion wurde der Qualität“ Ersatz der entfallenden Haltestelle „Heilig-Geist- Der Fokus des Workshops lag auf intelligenten Spital“ diskutiert – etwa durch alternative Mobili- Systemen, optimierter Parkraumkommunikation, tätsangebote wie Elektro-Rikschas. Zur Steuerung attraktiven Anreizen für umweltfreundliche des Lieferverkehrs wurden innovative Ansätze Mobilität, sicheren Lieferverkehren und ver- wie eine Eincheck-App für die Fußgängerzone besserter Binnenerreichbarkeit der Innenstadt. oder ein Flugtaxi-Projekt als Ideen eingebracht. Generell sprechen sich die Teilnehmenden für Auch die Erreichbarkeit der Altstadt für touristi- die Priorisierung eines Verkehrs mit reduzierter sche Busse wurde als wichtiges Thema benannt. Geschwindigkeit, mehr Barrierefreiheit sowie ein verbessertes Stellplatzangebot aus. Um eine Zukunftswerkstatt Reduzierung des motorisierten Individualver- Die Altstadt sollte zugunsten von mehr Auf- kehrs (MIV) zu erzielen, wurden ein verbessertes enthaltsflächen weniger Verkehrsfläche bieten, Marketing der Park-and-Ride-Angebote und des wobei ein ausgewogenes Verhältnis insbeson- ÖPNV sowie verbesserte Nachtverbindungen dere für die Gewerbetreibenden wichtig ist. Wie ausgewogen empfinden Sie das Verhältnis zwischen Flächen für den Autoverkehr und autofreien Aufenthaltsbereichen? Bitte mehr Bitte mehr Verkehrsflächen! Aufenthaltsflächen! Wie beurteilen Sie die Erreichbarkeit unterschiedlicher Orte innerhalb der Altstadt für Menschen mit Beeinträchtigungen? Sehr schlecht Sehr gut Ist die Altstadt aus Ihrer Sicht für Radfahrende gut befahrbar? Schlecht befahrbar Sehr gut befahrbar 67 Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt Wenig Stimmen Viele Stimmen 84

Abbildung 90

68 City Kongress, Workshop „Erreichbarkeit und Qualität“, ÖPNV vs. PKW Würden Sie sich gerne in Zukunft anders durch die Altstadt bewegen? Wenn ja, wie? Gleichzeitig ist die Altstadt für Menschen mit Beeinträchtigungen noch nicht ausreichend bar- 18,5% rierefrei. Die Bewertung der Befahrbarkeit mit dem Rad variiert je nach Nutzergruppe: Manche 3% Anwohnende sehen sie eher kritisch, während 38,5% Teilnehmende aus der Altstadt-Arbeitswelt sie 2040 14% teils neutral, teils positiv einschätzen; Gewer- betreibende bewerten die Befahrbarkeit mit dem Fahrrad als sehr gut. Die Auffindbarkeit 26% bestimmter Orte und die Nutzung der Passagen sind uneinheitlich: Ortskundige nutzen sie regel- mäßig, andere meiden sie wegen der geringen zu Fuß Gestaltungsqualität. Insgesamt bewegen sich die Rad meisten Menschen in der Altstadt mit Verkehrs- E-Roller mitteln des Umweltverbunds; Autos, E-Roller ÖPNV oder E-Autos spielen dagegen eine geringe Rolle. Innovative Fortbewegungsart Zukünftig soll der Umweltverbund weiterhin genutzt und um zusätzliche, innovative Fortbe- wegungsarten ergänzt werden. 69 Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt 85

Sauberkeit:

 Mehr Mülleimer

 Plärrer sieht ungepflegt aus

Sauberkeit in der Fußgängerzone eitere Ideen:  Trinkwasserspender (zwei Nennungen: Insel Schütt, Hauptmarkt)  Autoverbot in der gesamten Innenstadt  Eine Diskoparty in der Stadt oder außerhalb der Stadt  Ein Bauernhof, wo Tiere gerettet werden  Staatlich geförderte Anime-Convention/Japantag gemeine Bemerkungen: Jugendbeteiligung als wichtige künftige Mobilitätsformen in der  Parcoursanlage ist sauber und hat eine schöne Atmosphäre Auch die Jugendbeteiligung zeigt den Wunsch Altstadt. Zugleich hat der ÖPNV für sie eine große nach überwiegend mehr autofreien Aufenthalts- Bedeutung, weshalb sie sich erweiterte Betriebs-  Hallerwiese: entspanntes Zusammensitzen im Grünen flächen statt Verkehrsflächen. Die Altstadt wurde zeiten sowie sichere Radwege wünschen.  Lieabueßesrdinems eaklt:u esll cnhur ömnitteelmr äAßigu bfise enhetr halsa ltsort schlecht mit dem Fahrrad befahrbar bewertet. Es Kinderbeteiligung  Andgeuetbet osicth aimn, d aKss udenr BsetdKaruf alnt ueinreQr buesaserretnie r: Ogbuwothel MAobuilistäwt, Vaehrkle hr und Erreichbarkeit Aufteilung bzw. Regelung der Flächen für Ver- in den Befragungen seltener genannt wurden,  Slackline-Spot an der Wöhrder Wiese ist gut kehrsteilnehmende und Nutzergruppen besteht. zeigen die Rückmeldungen ihre große Bedeu- Die Erreichbarkeit innerhalb der Altstadt wird – tung und Handlungsbedarf vor allem im Hinblick insbesondere für Menschen mit Beeinträchtigung auf Angsträume. Viele Kinder erreichen Schule – mehrheitlich als nicht gut eingeschätzt. Auch die und Freizeitorte gut, dennoch wünschen sie sich Beschilderung und Auffindbarkeit von Zielen und mehr Sicherheit, etwa durch Tempobegrenzun-
Orten wird nur mittelmäßig bis teilweise schlecht gen in der Altstadt oder barrierefreie Rampen. bewertet, obwohl viele Jugendliche Passagen als Baustellen, unsichere Fußwege und besonders schnelle Verbindungen relativ häufig nutzen. Die hoher Autoverkehr erhöhen ebenso das Unwohl- meisten Jugendlichen bewegen sich derzeit – auch sein der Kinder im öffentlichen Raum. Der Plärrer In der Kategorie altersbedingt – mit dem ÖPNV und zu Fuß und und der Hauptbahnhof werden von Kindern halten insbesondere das Zufußgehen und E-Roller einerseits als zentrale Verkehrsknotenpunkte Angsträume ben men für Kinder v (cid:69)(cid:286) (cid:28)(cid:396)(cid:396)(cid:286)(cid:349)(cid:272)(cid:346)(cid:271)(cid:258)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:349)(cid:410) (cid:115)(cid:286)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:346)(cid:396) (cid:68)(cid:381)(cid:271)(cid:349)(cid:367)(cid:349)(cid:410)(cid:263)(cid:410) (cid:1004) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:1005) Der Plärrer und Kindern auch al 70 Anmerkungen aus der Jugendbeteiligung griff der Altstadt 86 verbundene Mo „Mobilität, V ennen. Der on großer B
(cid:69)(cid:286) (cid:28)(cid:396)(cid:396)(cid:286)(cid:349)(cid:272)(cid:346)(cid:271)(cid:258)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:349)(cid:410) (cid:115)(cid:286)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:346)(cid:396) (cid:68)(cid:381)(cid:271)(cid:349)(cid:367)(cid:349)(cid:410)(cid:263)(cid:410) (cid:1004) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:1005) (cid:374)(cid:374)(cid:437)(cid:374)(cid:336)(cid:286)(cid:374)(cid:3)(cid:68) (cid:381)(cid:271)(cid:349)(cid:367)(cid:349)(cid:410)(cid:263)(cid:410)(cid:853)(cid:3)(cid:115)(cid:286)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:346)(cid:396)(cid:3)(cid:437)(cid:374)(cid:282)(cid:3)(cid:28)(cid:396)(cid:396)(cid:286)(cid:349)(cid:272)(cid:346)(cid:271)(cid:258)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:349)(cid:410)(cid:3)(cid:894)(cid:374)(cid:1089)(cid:1008)(cid:1005)(cid:895) (cid:1005)(cid:1004) (cid:1005)(cid:1009) (cid:1006)(cid:1004) (cid:1006)(cid:1009) (cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:3)(cid:1006)(cid:855)(cid:3)(cid:62)(cid:349)(cid:286)(cid:271)(cid:367)(cid:349)(cid:374)(cid:336)(cid:400)(cid:381)(cid:396)(cid:410) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:3)(cid:1007)(cid:855)(cid:3)(cid:4)(cid:374)(cid:336)(cid:400)(cid:410)(cid:396)(cid:258)(cid:437)(cid:373) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:3)(cid:1008)(cid:855)(cid:3)(cid:116)(cid:381)(cid:346)(cid:367)(cid:296)(cid:442)(cid:346)(cid:367)(cid:286)(cid:374)
(cid:1009) (cid:855)(cid:3)(cid:39)(cid:258)(cid:400)(cid:410)(cid:364)(cid:349)(cid:374)(cid:282) (cid:38)(cid:396)
der Hauptba s solche wah und sind für bilitätsverspr

Abbildung 91

Abbildung 92

Phillip Meinardus, Quartiersmanagement Altstadt, 17.07.2019

Fotos: Quartiersmanagement Altstadt

5.4 Mobilität, Verkehr und Erreichbarkeit

Fachliche Zusammenfassung

Die Kategorie Mobilität, Verkehr und Erreichbarkeit wurde sowohl in den Kinderforen

als auch im Kinderfragebogen in der Anzahl der Nennungen weniger thematisiert.

Das kann zum einen daran liegen, dass die Schulwege durch kurze Busverbindun-

gen oder fußläufig erreichbar sind. Andererseits bewegen sich Schülerinnen und

Schüler der dritten und vierten Klassen oftmals noch in Begleitung der Eltern und

nehmen mobilitätsbezogene Themen dadurch vielleicht als weniger präsent wahr. Als

herausstechende Forderung steht eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos in der

(cid:3) Altstadt sowie die Ausstattung von Treppen mit Rampen, um mobilitätseingeschränk-

ten Personen das Überwinden von Höhenunterschieden selbstständig zu ermögli-

5.4 Mobilität, Verkehr und Erreichbarkeit

Fachliche Zusammenfassung chen. Gefahrstellen auf dem Schulweg, aber auch der Individualverkehr ängstigen

Die Kategorie Mobilität, VerkehrK uinndd Eerrre iuchnbdar ksecit hwruärdnek seowno dhla inm deitn iKhinrede rMforoebn ilität ein. Die Bushaltestelle am Maxtorgraben als auch im Kinderfragebogen in der Anzahl der Nennungen weniger thematisiert.

scheint insbesondere zu Stoßzeiten stark überfüllt. Die verkehrstechnische Gestal-

Das kann zum einen daran liegen, dass die Schulwege durch kurze Busverbindun-

gen oder fußläufig erreichbar sintud.n Agn ddereesrs eMitsa bxetwoergpenla stizche Ssc hwüilerdrin nseonw unodh l in den Fragebögen und diese Stelle auch in den

Schüler der dritten und vierten Klassen oftmals noch in Begleitung der Eltern und

Kinderforen thematisiert und als Angstraum benannt.

nehmen mobilitätsbezogene Themen dadurch vielleicht als weniger präsent wahr. Als

Abbildung 93

herausstechende Forderung steht eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos in der

Altstadt sowie die Ausstattung von Treppen mit Rampen, um mobilitätseingeschränk-

ten Personen das Überwinden von Höhenunterschieden selbstständig zu ermögli-

chen. Gefahrstellen auf dem Schulweg, aber auch der Individualverkehr ängstigen

Kinder und schränken damit ihre Mobilität ein. Die Bushaltestelle am Maxtorgraben

scheint insbesondere zu Stoßzeiten stark überfüllt. Die verkehrstechnische Gestal-

tung des Maxtorplatzes wird sowohl in den Fragebögen und diese Stelle auch in den

Kinderforen thematisiert und als Angstraum benannt.

„Mein Weg nach Hause ist ängstlich, weil ein Mann da steht jeden Tag und schaut.“

71 Zeic„hMnunegi anu s Wdere Kignd enrbaetceihlig uHnga, Wuusnsech insacth äsicnhegresretnl iScchhu,lw wegeenil ein Mann da steht jeden Tag und schaut.“

In der Kategorie „Mobilität, Verkehr und Erreichbarkeit“ dominieren Antworten, die

Angsträume benennen. Der Themenblock ist daher in der Bearbeitung von Angsträu-

men für Kinder von großer Bedeutung.

(cid:69)(cid:286) (cid:28)(cid:396)(cid:396)(cid:286)(cid:349)(cid:272)(cid:346)(cid:271)(cid:258)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:349)(cid:410) (cid:115)(cid:286)(cid:396)(cid:364)(cid:286)(cid:346)(cid:396) (cid:68)(cid:381)(cid:271)(cid:349)(cid:367)(cid:349)(cid:410)(cid:263)(cid:410) (cid:1004) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:1005) (cid:374)(cid:374)(cid:437)(cid:374)(cid:336)(cid:286)(cid:374)(cid:3)(cid:68)(cid:381)(cid:271)(cid:349)(cid:367)(cid:349)(cid:410)(cid:263)g(cid:410)es(cid:853)c(cid:3)h(cid:115)ä(cid:286)tz(cid:396)t,(cid:364) d(cid:286)a (cid:346)sie(cid:396) M(cid:3)(cid:437)o(cid:374)bil(cid:282)itä(cid:3)t(cid:28) u(cid:396)n(cid:396)d(cid:286) so(cid:349)(cid:272)zi(cid:346)ale(cid:271) K(cid:258)o(cid:396)n(cid:364)ta(cid:286)kt(cid:349)e(cid:410) (cid:3)(cid:894)(cid:374)(cid:1089)F(cid:1008)az(cid:1005)it(cid:895) ermöglichen. Andererseits werden diese Orte Über alle Beteiligungsgru wegen ihrer Gestaltung, Überfüllung und als der Wunsch nach weniger unangenehm wahrgenommenen Situationen wie mehr Aufenthaltsqualität. beispielsweise durch Lärm oder bestimmte Perso(cid:3)- Verkehrssicherheit und O nengr(cid:3)uppen auch als Angsträume beschrieben. zentrale Defizite benannt Auch die Bushaltestelle am Maxtor ist insbeson- der, Jugendliche und Men dere während der Stoßzeiten deutlich überlastet tigungen. Fuß- und Radve und wird auf Grundlage der verkehrstechnischen sind bereits die dominant Gestaltung als Angstraum beschrieben. Damit ten – künftig sollen sie du lässt sich feststellen, dass die Gestaltung und tätsformen ergänzt und d Sicherheit dieser Bereiche entscheidend für eine reduziert werden. Ein zen selbstbestimmte Mobilität von Kindern sind. bei den Stakeholdern des Maßnahmen wie die Ausweitung verkehrsberu- Erreichbarkeit der Altstad higter Zonen, eine verbesserte Schulwegefüh- kehr für Handel und Gastr rung könnten hier Abhilfe schaffen. innovative Systeme optim (cid:1009) (cid:1005)(cid:1004) (cid:1005)(cid:1009) (cid:1006)(cid:1004) (cid:1006)(cid:1009) (cid:855)(cid:3)(cid:39)(cid:258)(cid:400)(cid:410)(cid:364)(cid:349)(cid:374)(cid:282) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:3)(cid:1006)(cid:855)(cid:3)(cid:62)(cid:349)(cid:286)(cid:271)(cid:367)(cid:349)(cid:374)(cid:336)(cid:400)(cid:381)(cid:396)(cid:410) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:3)(cid:1007)(cid:855)(cid:3)(cid:4)(cid:374)(cid:336)(cid:400)(cid:410)(cid:396)(cid:258)(cid:437)(cid:373) (cid:38)(cid:396)(cid:258)(cid:336)(cid:286)(cid:3)(cid:1008)(cid:855)(cid:3)(cid:116)(cid:381)(cid:346)(cid:367)(cid:296)(cid:442)(cid:346)(cid:367)(cid:286)(cid:374)

ppen hinweg besteht

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Barrierefreiheit,

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t für den Anlieferver-

onomie, der durch

iert werden könnte.

Der Plärrer und der Hauptbahnhof stellen Hauptverkehrsknotenpunkte dar, die von

Kindern auch als solche wahrgenommen werden. Beide Orte liegen im direkten Um-

griff der Altstadt und sind für das kindliche Raumverständnis teil dieser. Das damit

verbundene Mobilitätsversprechen (Besuch von Freundinnen und Freunden, Familie,

Mobilität und

Erreichbarkeit

Fazitkarte

Abbildung 94

Bestand

U U-Bahn

U-Bahn Verteiler Lorenzkirche

H Bus

T Tram

Mobilpunkt E-Scooter-Station E-Ladestation Andreij- Parkhaus/Tiefgarage Sacharow- Platz Behindertenstellplätze Bus: nur Ein-/Ausstieg Großflächige Parkplätze Fernradwege Stadtnetz Strecken über ruhige Nebenstraßen Passantenfrequenz: hoch mittel niedrig Fußgängerzone: mit zeitlicher Einschränkungen freigegeben ganztägig für Radverkehr freigegeben ohne Freigabe für Radverkehr Gebäude Öffentliche Grünflächen Gewässer Umgriff Altstadt

Potenziale

Mikromobilität ausbauen Parkhäuser weiterentwickeln Durchgangsräume/Querverbindungen stärken Passagen und Gässchen aufwerten Planung „Altstadtquerung“ weiterverfolgen Lücken in der ÖPNV-Verbindung schließen Konfliktpotenziale Kfz/Fußverkehr mindern

und Sanierungsziele

Mobilität für alle verbessern

Die Erreichbarkeit der Altstadt soll für alle Nutzergruppen weiter verbessert werden. Ziel ist eine möglichst barrierearme, komfortable und sichere Fortbewegung, die den unterschiedlichen Bedürfnissen von Bewohnenden, Beschäftigten, Besuchenden und mobilitätseingeschränkten Personen gerecht wird. Dabei spielt die Straßenbahn-Altstadtquerung eine wichtige Rolle.

Fußverkehr als tragende Mobilitätsform stärken

Dem Fußverkehr kommt in der Altstadt eine besondere Bedeutung zu. Er bildet das Rückgrat der innerstädtischen Mobilität in der Altstadt und soll konsequent gestärkt werden. Zentrale Wegebeziehungen, Plätze und Übergänge werden hinsichtlich Durchgängigkeit, Orientierung und Aufenthaltsqualität weiterentwickelt und konfliktärmer gestaltet.

Zentrale Verbindungen und Achsen sichern

und weiterentwickeln

Wichtige innerstädtische Verbindungen, insbesondere in Nord/Süd-Richtung sowie zwischen zentralen Zielen wie Hauptmarkt, Burg, St. Lorenz und St. Sebald sollen dauerhaft leistungsfähig, verständlich und barrierearm ausgestaltet werden. Temporäre Einschränkungen durch Umbauprozesse sind dabei frühzeitig mitzudenken, zu kommunizieren und abzufedern.

Konflikte zwischen Verkehrsarten reduzieren

Unterschiedliche Verkehrsarten sollen im öffentlichen Raum klarer geordnet und aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist es, Nutzungskonflikte auf engem Raum zu entschärfen und die Sicherheit sowie Aufenthaltsqualität in stark frequentierten Bereichen zu erhöhen. Dabei sollen digitale, moderne Lösungen eingebunden werden, um eine zukunftsfähige, effiziente und nutzerfreundliche Mobilitätsplanung zu ermöglichen und zu kommunizieren.

Verkehrliche Anpassungen zur Aktivierung

von Stadträumen nutzen

Verkehrliche Veränderungen sowieso anstehende Umbauprozesse sollen gezielt genutzt werden, um Flächenpotenziale im öffentlichen Raum zu aktivieren, Stadträume funktional aufzuwerten, neue Aufenthaltsqualitäten zu schaffen und Verbindungen sichtbar zu stärken.

Mikromobilität für die Nord-Süd-Verbindung

in der Altstadt

Gemeinsam mit einem Forschungsinstitut sollte der Bedarf und die Machbarkeit einer zusätzlichen Nord-Süd-Verbindung am Rande der Fußgängerzone analysiert werden mit dem Ziel, topographische Unterschiede und längere innerstädtische Wege barrierearm zu ermöglichen.

Impulsprojekt: Projektlaufzeit: Maxtor 2028 - 2030 Das Maxtor ist ein wichtiger Verbindungsbereich im Grünzug Stadtgraben und zugleich ein Entrée in die Altstadt. Die geplante Aufwertung zielt darauf ab, den unterbrochenen Verlauf des Stadtgrabens wieder durchgängiger und erlebbarer zu machen. Dazu werden Verkehrsflächen reduziert, ohne die Erreichbarkeit der Altstadt einzuschränken. Der Kreisverkehr soll zugunsten von mehr Grünfläche auf einer Seite gebündelt werden und so die Verbindung im Grünzug Stadtgraben verbessern. © Hajo Dietz

Abbildung 95

Fokusräume dienen dazu, die Zielvorstellungen

für die Altstadt exemplarisch räumlich

aufzuzeigen. Sie verdeutlichen die

Verknüpfung und Gleichwertigkeit

der verschiedenen Handlungsfelder

und veranschaulichen den integrierten

Planungsansatz des Konzepts. Darüber hinaus

ermöglichen sie, im Einzelfall bestehende

Zielkonflikte transparent zu benennen und

aufzuzeigen.

Abbildung 98

Andreij-

Sacharow-Platz

Der Andreij-Sacharow-Platz wurde als Fokus- Jugendhaus umgebaut wird; im östlichen Bereich raum aufgenommen, weil er beispielhaft zeigt, wird er durch ein institutionelles Gebäude wie unterschiedliche Handlungsfelder an einem gesäumt, der Friedrich-Alexander-Universität. Der Ort zusammenwirken und die festgelegten Ziele Platz selbst ist stark versiegelt, verfügt über kaum räumlich greifbar werden. Der Fokusraum ver- Baumbestand und bietet wenig Aufenthaltsquadeutlicht, wie aus einer heute wenig genutzten lität. Lediglich im südlichen Bereich findet sich Fläche ein attraktiver, vielfältig nutzbarer grüner eine Grünfläche mit Bäumen, die an die Pegnitz Stadtplatz mit klimaresilienter Funktion und angrenzt. Obwohl der Platz am Fluss liegt, bleibt hoher Aufenthaltsqualität entstehen kann. diese Qualität bislang weitgehend ungenutzt: Ein Zugang zum Ufer fehlt, und die über eine Brücke Der Platz liegt im Stadterneuerungsgebiet bestehende direkte Verbindung in den südlichen nördliche Altstadt, in einem räumlich vielfältigen Teil der Altstadt ist durch dichten Bewuchs nur Umfeld, das öffentliche Nutzungen, institutionelle eingeschränkt wahrnehmbar Einrichtungen und Wohnbebauung unmittelbar miteinander verbindet. Das bauliche Gefüge Begabungen und Herausforderungen spiegelt die typische Überlagerung historischer Größe und Lage verleihen dem Platz ein erheb- Bausubstanz und Nachkriegsbebauung wider. liches Gestaltungspotenzial. Bereits im Master- Im Norden grenzt das Herrenschießhaus an plan Freiraum wurde er als möglicher Grüner den Platz, das derzeit zu einem Kinder- und Stadtplatz ausgewiesen – ein Ansatz, der die

Abbildung 96

Abbildung 97

72 Statue „Blauer Reiter“ auf dem Andreij-Sacharow-Platz 73 Blick auf die Grünfläche im südlichen Bereich

Abbildung 99

74 Blick in nördliche Richtung auf das Herrenschießhaus

Qualitäten des Ortes konsequent weiterdenkt. setzt jedoch eine enge Kooperation mit den Wo heute Versiegelung und Nutzungsleere domi- jeweiligen Institutionen voraus. Die angrenzende nieren, besteht die Chance, einen attraktiven, Wohnbebauung setzt dabei klare Anforderungen klimaresilienten Aufenthaltsort zu schaffen. Der an die Lärmverträglichkeit, die bei der Gestaltung vorhandene Grünraum am südlichen Platzrand von Beginn an konsequent zu berücksichtigen bietet dabei gestalterische Anknüpfungspunkte sind. und kann gezielt klimafunktionale Aufgaben übernehmen. Die unmittelbare Nähe zur Pegnitz soll als besondere Lagequalität erlebbar werden. Die Brückenverbindung in den südlichen Teil der Altstadt ist durch dichten Bewuchs nur eingeschränkt wahrnehmbar. Hier liegt erhebliches Potenzial, das es zu aktivieren gilt. Die laufende Renovierung des Herrenschießhauses sowie die universitären Nutzungen im östlichen Umfeld bieten zusätzliche Chancen zur Belebung des Platzes – ihre Nutzung

Abbildung 100

Abbildung 101

Andreij-

Sacharow-Platz

Klimaanpassung durch Entsiegelung und

Baumpflanzung

Gezielte Eingriffe in die Oberflächengestaltung können die Hitzebelastung reduzieren und klimatische wie gestalterische Qualitäten gleichermaßen verbessern. Zusätzliche Baumpflanzungen ergänzen und stärken den vorhandenen Baumbestand entlang der Pegnitz. Dabei ist der großkronige, etablierte Baumbestand als wichtiger Schattenspender an heißen Sommertagen zu erhalten. Die Integration von Schwammstadtfunktionen sowie die Sicherung bestehender Kaltluftschneisen ergänzen die Aufwertung.

Aufenthaltsqualität steigern

Hochwertige Sitzgelegenheiten, Verschattung und Begrünung schaffen einen konsumfreien Aufenthaltsort für unterschiedliche Altersgruppen. Eine Kooperation mit der Hochschule kann die Öffnung und Erweiterung der Mensaterrasse ermöglichen und so zur Platzbelebung beitragen. Der westlich angrenzende Straßenraum soll durch Neuordnung und Stellplatzreduzierung aufgewertet und die fußläufige Anbindung gestärkt werden.

Zugang zum Pegnitzufer herstellen

Eine naturnahe Gestaltung im grün geprägten Uferbereich ermöglicht Kühlung und Naturerleben zugleich. An der versiegelten Uferkante kann eine Sitzstufenanlage Begegnung und Aufenthalt fördern und den Platz erlebbar mit dem Wasser verbinden.

Bestehendes Angebot erweitern und stärken

Nachbarschaftsangebote wie ein Naschgarten oder Bücherschränke verknüpfen den Platz mit dem unmit- Bezug zu Handlungsfeldern telbaren Umfeld und stärken seine Belebung. Die und Sanierungszielen Verbindung mit dem Herrenschießhaus bietet zudem die Chance, ein gezieltes Angebot für Jugendliche zu Grün und Klima Erlebnisraum schaffen, eine Nutzungsgruppe, die in der Altstadt bislang kaum adressiert wird. Eine Informationstafel zur Lebensumfeld Aufenthaltsqualität und Geschichte des Ortes macht den kulturellen Kontext öffentlicher Raum erfahrbar und stärkt die Identität des Platzes. Mobilität und Erreichbarkeit

Abbildung 102

Maßstab: 1 : 750

75 Fokusraum Andreij-Sacharow-Platz

Bestand Handlungsempfehlungen

Kunst-/Zierbrunnen Handlungsempfehlung Beispielhafte Standorte für Nachbar- Öffentliche Toilette Fokusraum schaftsangebot Grünfläche Suchraum für Baumsetzung & Entsieglung Pegnitzzugang Gebäude Bestand Bereich mit Hauptnutzung Veranstaltung Optimiertes Fahrradparken Fußgängerzonen Bereich für die Aufwertung öffentlichen Beispielhafter Standort Lerntafel Raum Fassadenbegrünung (Visuelle) Verbindung stärken Klimaaktive Aufwertung von Grünflächen Öffentlichwirksames EG Beispielhafte Standorte von Trinkbrunnen

Abbildung 105

Königstraße

und Umfeld

Die Königstraße wurde als Fokusraum ausge- Fußgängerzone, hat sich der Bereich funktional wählt, weil sie als zentraler Eingangsbereich zur weiterentwickelt. Als Eingangsraum zur Altstadt Altstadt und als meistfrequentierte Verbindungs- kommt ihm dabei eine besondere repräsentative achse zwischen Hauptbahnhof und Altstadt die Bedeutung zu. Themen mehrerer Handlungsfelder bündelt. Die Der Fokusraum beschränkt sich dabei nicht allein Stärkung der Verbindungen in das angrenzende auf die Königstraße selbst, sondern bezieht das Umfeld zeigt dabei exemplarisch, wie ein attrak- angrenzende Umfeld mit ein. Insbesondere die tives Umfeld für alle Nutzergruppen geschaffen Klaragasse, das Weikertsgäßchen, den Bauhof werden kann, ohne bestehende Nutzungen zu sowie die Königstormauer, die Frauentormauer verdrängen. Der Fokusraum gibt damit einen und den Bereich An der Mauthalle werden als konkreten Einblick, wie der integrierte Planungs- Teil eines zusammenhängenden Gesamtraums ansatz in der Praxis wirken kann. betrachtet. Ziel ist es, die Strahlkraft der Königstraße in die seitlichen Gassen auszuweiten, die Der Fokusraum liegt in den beiden Stadterneue- bestehenden Planungen zur Aufwertung der rungsgebieten Altstadt Süd und Altstadt Mitte. Königstraße zu ergänzen und Verbindungen in Das Nutzungsgefüge der Königstraße wird von das weitere Umfeld zu stärken. Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsangeboten geprägt und macht den Bereich zu einer Begabungen und Herausforderungen der meistfrequentierten Achsen der Altstadt. Seit Durch die besondere Lage übernimmt der 2021 temporär und seit 2023 dauerhaft Teil der Fokusraum eine repräsentative Funktion, der die

Abbildung 104

Abbildung 103

76 Parksituation am Bauhof 77 Blick in die Eingangssituation der Königstraße

Abbildung 106

78 Königstraße in Richtung St. Lorenz

derzeitige Gestaltung nur bedingt gerecht wird. Entsiegelung und Begrünung durch Baumpflan- Die Eingangssituation bietet deutliches Aufwer- zungen bei gleichzeitiger Berücksichtigung tungspotenzial, um Besucherinnen und Besucher bestehender Funktionen. Die angrenzenden räumlich klar in die Altstadt zu leiten und einen Gassen, wie Frauentormauer, Hintere Sterngasse einladenden ersten Eindruck zu vermitteln. Ori- und Königstormauer, eröffnen Möglichkeiten zur entierung und Lesbarkeit des öffentlichen Raums Erweiterung der Fußgängerzone und zur bessesind dabei zentrale Herausforderungen: Die ren Einbindung des Bauhofs. Die Stärkung der Fußgängerzone ist in ihrer Struktur nicht überall Verbindungen in das angrenzende Umfeld kann durchgängig klar ablesbar, Nutzungskonflikte dazu beitragen, ein attraktives Umfeld für alle zwischen unterschiedlichen Ansprüchen an Mobi- Nutzergruppen zu schaffen, ohne bestehende lität, Aufenthalt und Versorgung überlagern sich Nutzungen zu verdrängen. teilweise und stehen im Konflikt. Der Wandel im Einkaufsverhalten stellt zusätzliche Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit des Bereichs. Die bestehende Planung greift bereits viele dieser Herausforderungen auf und verbesserte diese durch gezielte Planung. Außerdem gibt es im Umfeld der Königstraße erhebliche Potenziale: Der Bauhof bietet Spielraum für größere

Abbildung 107

Königstraße

und Umfeld

Klimaanpassung durch Entsiegelung und

Begrünung

Entsiegelung, neue Baumpflanzungen, erweiterte Grünflächen und ein gestalterischer Einsatz von Wasser können die Hitzebelastung gezielt reduzieren. Wo dauerhafte Eingriffe nicht möglich sind, ergänzen mobile Interventionen wie mobiles Grün, Wasserspiele, Sprühnebelelemente oder vertikale Grünelemente das Maßnahmenpaket.

Öffentlichen Raum strukturieren und aufwerten

Eine klare Raumstruktur, interaktiv gestaltete sowie hochwertige und robuste Sitzgelegenheiten und gezielte Rückzugsbereiche steigern die Aufenthaltsqualität entlang der Achse. Die Attraktivierung der Eingangssituation stärkt die repräsentative Wirkung des Bereichs als erstes Bild der Altstadt vom Hauptbahnhof aus.

Nutzungen und Wirtschaft stärken

Eine einheitliche Gestaltung der Außengastronomie sowie die Aufwertung von Haupt- und Nebenachsen stärken den Bereich als lebendige Eingangszone. Die Wiederbelebung des Kaufhof-Areals mit aktiven Erdgeschossnutzungen bietet eine besondere Chance zur Belebung des gesamten Umfelds. Nutzungskonflikte sind dabei gezielt zu steuern und temporäre Sondernutzungen wie Marktnutzungen oder Weihnachtsmarktstände wo möglich weiterhin zu berücksichtigen und zu ermöglichen.

Mobilität und Verbindungen stärken

Der konsequente Ausbau der Fußgängerzone sowie die Stärkung der fußläufigen Verbindungen in Bezug zu Handlungsfeldern angrenzende Gassen schaffen ein zusammenhän- und Sanierungszielen gendes, gut erschlossenes Wegenetz. Bestehende Sichtachsen sind dabei gezielt zu stärken und Grün und Klima Erlebnisraum räumlich erlebbar zu machen. Ein digitales Wegeleitsystem kann die Orientierung unterstützen und Lebensumfeld Aufenthaltsqualität und Besucherinnen und Besucher gezielt durch das öffentlicher Raum Altstadtgefüge leiten. Mobilität und Erreichbarkeit

Abbildung 108

79 Fokusraum Königstraße und Umfeld

Bestand Handlungsempfehlungen

Kunst-/Zierbrunnen Handlungsempfehlung Erweiterung Fußgängerzone Öffentliche Toilette Fokusraum (Visuelle) Verbindung stärken Neu- und Ersatzpflanzung in Suchraum für Baumsetzung & Entsiegelung Klimaaktive Aufwertung von Grünflächen Umsetzung Umgriff möglicher Pocket Park Beispielhafte Standorte von Trinkbrunnen Fassadenbegrünung in Neue Baumsetzung in Planung Standort Unterstand prüfen Umsetzung Bereich für die Aufwertung öffentl. Raum Aufwertung Eingangssituation Grünfläche Bereich Außengastronomieerweiterung Impulsprojekt „Kaufhof und Umfeld“ Gebäude Bestand Fassadenbegrünung Fußgängerzonen

Abbildung 109

Jakobsplatz

und Umfeld

Der Jakobsplatz steht stellvertretend für eine vereinzelten Bäumen gibt es lediglich im Süden auf Herausforderung, die in vielen Teilen der Altstadt Privatgrund der Kirche ein größerer grün gepräganzutreffen ist: Wie lässt sich ein etablierter, mul- ter Bereich mit Baumbestand. Außerdem gibt es tifunktionaler Stadtraum weiterentwickeln, ohne auf dem Platz einem Kiosk mit gastronomischer seine gewachsenen Qualitäten zu gefährden? Die Grundnutzung. Der Platz wird zudem regelmä- Einbeziehung des westlichen Umfelds zeigt dabei, ßig als Veranstaltungsort genutzt und ist damit wie durch abgestimmte Maßnahmen ein zusam- ein belebter, multifunktionaler Stadtraum. Als menhängendes Gefüge aus Klimaanpassung, priorisierte Maßnahme des Masterplan Freiraum Aufenthaltsqualität und räumlicher Vernetzung besteht hier die Anforderung, eine klimagerechte entstehen kann – und dass Klimaanpassung und Umgestaltung mit Erhöhung des Grünflächenan- Nutzungsoffenheit nicht widersprüchlich sind. teils und der Aufenthaltsqualität umzusetzen. Der Fokusraum beschränkt sich dabei nicht allein auf Der von historischen Bauten und Wohnbebau- den Jakobsplatz selbst, sondern bezieht dessen ung flankierte Platz wird vor allem durch die St. westliches Umfeld zwischen Spittlertorzwinger Jakobs-Kirche auf der Platzmitte und die nördlich und Ludwigsstraße mit ein, mit dem Ziel, die begrenzende St. Elisabeth-Kirche geprägt. Als Teil bestehende Planung zu erweitern, die Strahlkraft der weitläufigen Fußgängerzone übernimmt er des Platzes auszuweiten und ein zusammenhäneine wichtige Verbindungs- und Aufenthaltsfunk- gendes, qualitätsvolles Gefüge zu entwickeln. Die tion im Altstadtgefüge. Obwohl die Platzgestaltung Ludwigsstraße stellt als wichtige Verbindungsachse im östlichen Bereich zuletzt 2005 erneuert wurde, mit gemischtem gastronomischen Angebot und dominiert versiegelte Fläche das Gesamtbild; neben Außengastronomie eine zentrale Ergänzung dar;

Abbildung 110

Abbildung 111

80 Blick in die Ludwigstraße Richtung Spittlertorzwingertor 81 Blick vom Jakobsplatz in Richtung Ludwigstraße

Abbildung 112

82 Luftbild auf den Jakobsplatz, © Hajo Dietz

der Spittlertorzwinger markiert einen der Eingänge berücksichtigen sind. Das weitere Umfeld bietet zusätzin die Altstadt und vermittelt den Zugang zum liche Entwicklungspotenziale: Die Stärkung der räum- Stadtgraben. lichen Verbindungen zwischen Jakobsplatz, Ludwigsstraße und Spittlertorzwinger kann dazu beitragen, den Begabungen und Herausforderungen gesamten Bereich als zusammenhängenden Qualitäts- Die Lage und Größe des Platzes schaffen vielfältige raum erfahrbar zu machen, wobei der Spittlertorzwinger Nutzungsansprüche, die bei der Weiterentwick- als Eingang in die Altstadt eine besondere Chance bietet, lung abgestimmt werden müssen. Als etablierter den ersten Eindruck vom historischen Stadtkern zu Veranstaltungsort erfordern Klimaanpassung und prägen und Besucherinnen und Besucher gezielt in das Nutzungsoffenheit einen differenzierten Umgang, Altstadtgefüge zu leiten. Dabei ist sicherzustellen, dass der die Funktion des Platzes dauerhaft sichert. Im bestehende Nutzungen erhalten und gestärkt werden. westlichen Platzbereich, wo bereits Baumbestand vorhanden ist, können gezielte Baumpflanzungen durch mobile und flexible Begrünungselemente ergänzt werden. Ergänzte Sitzgelegenheiten unter den Bäumen stärken den Platz als Aufenthaltsort und machen die klimatische Wirkung des Grüns unmittelbar erlebbar. Die Stärkung der visuellen Verbindung Richtung Weißer Turm verbessert die räumliche Orientierung. Die angrenzenden Nutzungen setzen klare Anforderungen an die Lärmverträglichkeit, die bei der Gestaltung von Beginn an konsequent zu

Abbildung 113

Jakobsplatz

und Umfeld

Klimaanpassung durch temporäre und dauerhafte

Maßnahmen

Im westlichen Platzbereich sollen Entsiegelung und Baumpflanzungen konsequent umgesetzt werden. Mobile Begrünungselemente, Sonnensegel oder Sprühnebelelemente können die Hitzebelastung reduzieren, ohne die Veranstaltungsnutzung zu beeinträchtigen. Im Spittlertorzwinger gilt es, die durch die LGS gesetzten Impulse zu verstetigen und Flächen soweit möglich zu entsiegeln und zu begrünen.

Aufenthaltsqualität steigern und untergenutzte

Bereiche aufwerten

Eine Niveauangleichung und Erweiterung der Platzfläche verbessert die Barrierefreiheit und schafft Raum für Sitzgelegenheiten in robuster und hochwertiger Ausführung. Gestalterisch unterentwickelte Abschnitte sind im Zuge einer Gesamtbetrachtung aufzuwerten. Die Eingangssituation zur Altstadt gilt es zu attraktivieren und den Zugang zum Stadtgraben räumlich sichtbar zu machen. Eine Reduzierung von Stellplätzen in diesem Bereich schafft zusätzlichen Freiraum. Ausreichende Beleuchtung und sorgfältige Gestaltung verbessern das Sicherheitsempfinden im gesamten Bereich.

Nutzungen im öffentlichen Raum sichern und

erweitern

Die Funktion des Platzes als Veranstaltungsort wird langfristig gesichert. Das bestehende Spielflächenangebot wird verstetigt und erweitert. Wechselnde Nutzungsangebote im öffentlichen Raum stärken den Platz als lebendigen Treffpunkt für unterschiedliche Bezug zu Handlungsfeldern Zielgruppen. Entlang der Ludwigsstraße soll eine und Sanierungszielen Erweiterung und Stärkung der Außengastronomie geprüft werden, wobei Nutzungskonflikte gezielt zu Grün und Klima Erlebnisraum steuern sind. Im Spittlertorzwinger soll der Hof geöffnet, gestaltet und mit kulturellen Veranstaltungen Mobilität und Aufenthaltsqualität und wie Ausstellungen und Workshops bespielt werden. Erreichbarkeit öffentlicher Raum

Abbildung 114

Maßstab: 1 : 1000

83 Fokusraum Jakobsplatz und Umfeld

Bestand Handlungsempfehlungen

Kunst-/Zierbrunnen Handlungsempfehlung Fußgängerzone und Platzfläche erweitern Öffentliche Toilette Fokusraum (Visuelle) Verbindung stärken U-Bahn Station Suchraum für Baumsetzung & Entsieglung Klimaaktive Grünflächen aufwerten Grünfläche Fläche Mobile Verschattungs- Kühlungselemete Gebäude Bestand Neue Baumsetzung in Planung Spielfläche für Kinder und Jugendlich Fußgängerzonen Bereich mit Hauptnutzung Veranstaltung Eingangssituation aufwerten Bereich für die Aufwertung öffentl. Raum Zugang sichtbarer machen Bereich für mögliche Außengastronomieerweiterung Barrierefreie Route

Ausblick

Mit der Fortschreibung des INSEKs wurde

erneut ein strategisches Planungsinstrument

geschaffen, das als fachliche

Handlungsgrundlage für die Altstadt Nürnberg

dient. Die entwickelten Handlungsfelder greifen

die Erkenntnisse des INSEK 2012 sowie weiterer

vorangegangener Planungsinstrumente auf,

schärfen sie nach und bilden so inhaltliche

Leitplanken. Sie dienen der Stadtverwaltung,

relevanten Akteurinnen und Akteuren

sowie der Stadtgesellschaft als gemeinsame

Diskussionsgrundlage, auf der aufbauend eine

qualitätsvolle Entwicklung der Altstadt gestaltet

werden kann. In den nächsten Schritten ist zu

prüfen, in welchen Umfang die Fokusräume und

andere Projektvorschläge finanziell gesichert

und schrittweise realisiert werden können.

Wie geht‘s

weiter?

Von der Strategie in die Umsetzung kommen

Die formulierten Ziele und Maßnahmen müssen nun konsequent in konkrete Projekte überführt werden. Das Gebietsteam Altstadt hat sich als tragende Organisationsstruktur bewährt und soll diese koordinierende Rolle auch künftig übernehmen – als zentrale Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und weiteren Akteurinnen und Akteuren. Gemeinsam gilt es, den integrierten Ansatz der Nürnberger Altstadtentwicklung fortzuführen und Planungen zügig in sichtbare Ergebnisse zu übersetzen.

Impulse setzen, Prioritäten klären

Maßnahmen sollen dort ansetzen, wo sie im Stadtraum unmittelbar wahrnehmbar sind und eine positive Signalwirkung entfalten. Neben bereits realisierten Projekten gilt es, Impulse durch die Fokusräume zu setzen und dabei auch die Urbane Gartenschau gezielt zu nutzen. Gelungene Projekte stärken das Vertrauen in den Entwicklungsprozess und motivieren weitere Akteurinnen und Akteure zur Mitwirkung. Angesichts begrenzter Ressourcen müssen Kräfte gebündelt und Prioritäten klar gesetzt werden, deshalb die Konzentration auf drei Fokusräume. Um diese Impulse zu ermöglichen, sollen finanzielle Spielräume konsequent erweitert und vorhandene Förderprogramme gezielt für die Projektfinanzierung genutzt werden.

Qualität sichern, Anspruch halten

Qualität war das Leitthema des INSEK 2012 und bleibt es auch in der vorliegenden Fortschreibung. Was damals als übergeordneter Anspruch formuliert wurde, hat sich seither bewährt und trotz veränderter Rahmenbedingungen nichts von seiner Gültigkeit verloren. Bereits angestoßene Dialogprozesse sollen weiter ausgebaut und durch geeignete Planungsinstrumente flankiert werden, dazu können Verfahren wie Wettbewerbe, Gutachterverfahren, Mehrfachbeauftragungen, Werkstattverfahren oder Workshops dienen.

Gemeinsam Stadt bewegen

Die Entwicklung der Nürnberger Altstadt ist keine Aufgabe, die allein von der öffentlichen Hand bewältigt werden kann. Notwendig ist ein breites gesellschaftliches Engagement. Neben der Stadtverwaltung selbst sind öffentliche Einrichtungen, private Eigentümerinnen und Eigentümer, Gewerbetreibende, soziale Träger und zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure gleichermaßen gefordert. Es ist von Bedeutung, dass private Eigentümerinnen und Eigentümer sich in der Verantwortung sehen, zur Entwicklung der Altstadt beizutragen. Gerade im eng verwobenen Gefüge der Altstadt hängt das Gelingen der angestrebten Ziele davon ab, ob öffentliche Steuerung und privates Handeln konstruktiv ineinandergreifen. Grundvoraussetzung dafür ist eine offene Kommunikation: Alle Beteiligten sollen fortlaufend und transparent über Vorhaben, Fortschritte und Veränderungen informiert werden, mit dem Ziel, die gesamte Stadtgesellschaft aktiv in den Entwicklungsprozess einzubinden.

Lernen, anpassen, weitermachen

Die Umsetzung des INSEKs soll kontinuierlich beobachtet und bewertet werden. Ein systematisches Monitoring der Projektumsetzung sichert die fortlaufende Dokumentation von Zielerreichung und Wirkung. Regelmäßige Reflexionsrunden ermöglichen es, aktuelles Fachwissen einzubringen, auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren und das Konzept bei Bedarf im Sinne eines lernenden und anpassungsfähigen Stadtentwicklungsprozesses weiterzuentwickeln. Es gilt nun, die bestehenden Herausforderungen konsequent anzugehen und innovative Lösungen zu verfolgen – gemeinsam, qualitätsbewusst und mit Blick auf eine lebendige Altstadt für alle.

Quellen- und

Abbildungsnachweis

Literatur und Dokumente Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg, Wirt-

Gesamtstädtische Untersuchungen und Konzepte: schaftsfaktor Tourismus für die Stadt Nürnberg, Stadt Nürnberg, Stadtplanungsamt, Flächennut- 2024. zungsplan der Stadt Nürnberg mit integriertem Landschaftsplan, 2006. Stadt Nürnberg, Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat, Wirtschaftsstandort Nürnberg, Positionsbe- Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt/Stab Stadtent- stimmung 2024, 2024. wicklung, Stadtentwicklung in Nürnberg, 2016. IFH Köln, gmvteam, Zukunftsstrategie Handelss- Stadt Nürnberg, Umweltamt, Aktionsplan Master- tandort Nürnberg 2030, 2019. plan Freiraum, 2021. Stadt Nürnberg, Wirtschafts- und Wissenschaftsre- Stadt Nürnberg, Umweltamt, Masterplan Frei- ferat Stab Wohnen, Wohnungsmarktbeobachtung raum, 2014/2024 2023, Juni 2024

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Karten und Grafiken

Grafik Titelseite: Stadtgrafik Nürnberg

Kartengrundlage: Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung

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Fotonachweis

Fotos S. 5, 11, 22, 25, 29, 33, 35, 41, 44, 45, 47, 49, 53, 67, 69, 71, 74, 79, 85, 92, 93, 94, 95, 102: Stadt Nürnberg Fotos S:91, S. 103: Hajo Dietz Fotos S. 35 (unten), 48 (rechts), 61 (unten), 75 (unten), 87: Kinderbeteiligung Fotos S. 59, 73, 86: Jugendbeteiliung Foto S. 65: Schegk Landschaftsarchitekten

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Impressum: Herausgeberin: Stadt Nürnberg Bürgermeisteramt Rathausplatz 2 90403 Nürnberg

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