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Sachverhalt Seniorenpolitisches Gesamtkonzept 2024-09-18

Anlage · 18.09.2024 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Sozialausschuss Schweinau Gebersdorf Soziales & Gesundheit Kultur, Sport & Freizeit Stadtentwicklung & Planung Digitalisierung & Verwaltung Wohnen & Bauen Verkehr & Mobilität Umwelt & Klima

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage

zur Sitzung des Stadtrats am 18.09.2024

Seniorenpolitisches Gesamtkonzept der Stadt Nürnberg

- Fortschreibung 2024

Präambel ................................................................................................... - 2 -

1. Einleitung .............................................................................................. - 3 -

2. Handlungsfelder .................................................................................... - 5 -

2.1 Aktives Alter und Engagement ..................................................................................... - 5 - 2.2 Altersarmut................................................................................................................... - 8 - 2.3 Digitalisierung ............................................................................................................. - 10 - 2.4 Gemeinschaft.............................................................................................................. - 13 - 2.5 Generationenbeziehungen ......................................................................................... - 15 - 2.6 Gesundheit/Prävention .............................................................................................. - 17 - 2.7 Pflege .......................................................................................................................... - 20 - 2.8 Vielfalt von Lebenslagen............................................................................................. - 22 - 2.9. Wohnen, Urbanes Leben ........................................................................................... - 25 -

3. Fazit......................................................................................................- 28 -

Präambel

Mit dem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept bekundet die Stadt Nürnberg ihren Willen, sich für die Belange älterer Menschen stark zu machen und diese in allen Bereichen ihres Verwaltungshandelns angemessen zu berücksichtigen. Das Gesamtkonzept wird federführend vom Seniorenamt erarbeitet, gilt aber für die ganze Kommune; daher soll auch in anderen städtischen Aufgabenfeldern die seniorenpolitische Perspektive berücksichtigt und aufgegriffen werden. Dabei steht das Seniorenpolitische Gesamtkonzept nicht über oder neben den jeweiligen städtischen Fachplanungen, sondern strahlt auf diese aus. Dies wird in der Leitlinie 8 „Lebensqualität im Alter und in der Pflege sichern“ in Verbindung mit den weiteren Leitlinien des Orientierungsrahmens für die Jugend-, Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg1 deutlich, der eine Querschnittsbetrachtung der Lebenssituation älterer Menschen in Nürnberg einfordert.

Substantiell ist das Seniorenpolitische Gesamtkonzept ein planerischer Rahmen für passgenaue Unterstützungsmaßnahmen. Gesetzlicher Hintergrund Seniorenpolitischer Gesamtkonzepte in Bayern ist das Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze (AGSG), Artikel 69. Darin werden Städte und Gemeinden in Bayern aufgefordert, ausgehend von Pflegebedarfsermittlungen, Seniorenpolitische Gesamtkonzepte zu erarbeiten. Laut Gesetzesbegründung dienen die Gesamtkonzepte dazu, die „gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen zu stärken, Bildung und bürgerschaftliches Engagement von und für Senioren zu fördern, die Bereiche Wohnen und Wohnumfeld den Bedürfnissen älterer Menschen anzupassen, die geriatrischen und gerontopsychiatrischen, pflegerischen und hospizlichen Versorgungsangebote zu verzahnen und neue Wohn- und Pflegeformen für ältere und pflegebedürftige Menschen zu entwickeln.“ Die Aufzählung der Themenbereiche ist jedoch nicht als abschließend zu betrachten.

Am 18.10.2018 wurde das Seniorenpolitische Gesamtkonzept für die Stadt Nürnberg im Sozialausschuss eingebracht. Die nun vorliegende Fortschreibung erscheint notwendig angesichts zahlreicher sozialer Entwicklungen und gesellschaftlicher Veränderungen im Hinblick auf ältere Menschen, auch in Nürnberg. Um nur einige dieser Entwicklungen anzusprechen: Die Digitalisierung bspw. erfasst zunehmend und in kaum vorhersagbarer Weise den Senioren- und Pflegebereich. Diversität ist im Geschäftsbereich des Referates für Jugend, Familie und Soziales ein fachlicher Schwerpunkt und wird auch verstärkt in der Seniorenarbeit ein Thema – bisher oft vernachlässigt. Angesichts der Corona- Pandemie und der teils dramatischen Auswirkungen ist auch der Aspekt der Gemeinschaft stärker in den Vordergrund gerückt. Ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept erweist sich somit als work in progress und erfordert daher eine Aktualisierung in angemessenen Zeitintervallen.

Der Entwurf des Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes wurde, beginnend im Verlauf des Jahres 2023 intern vom Seniorenamt mit all seinen Fachbereichen erarbeitet und im Referat für Jugend, Familie und Soziales abgestimmt. Anders als bei der ersten Aufstellung des Gesamtkonzepts im Jahr 2018 ist nun auch der Aspekt der Partizipation viel stärker berücksichtigt worden: Im Rahmen des „Nürnberger Demografieforums“, eines bewährten Veranstaltungsformats der Stadt Nürnberg, wurden am 22. September 2023 die wichtigsten Akteure der Altenhilfe, der politischen Vertretung der Seniorinnen und Senioren - allen voran der Stadtseniorenrat -, Mitglieder des Stadtrats sowie Kolleginnen und Kollegen zahlreicher städtischer Geschäftsbereiche und Dienststellen eingeladen, um den Rahmen und die Grundlagen des Konzepts gemeinsam zu diskutieren sowie Ideen, Impulse und Verbesserungsvorschläge zu sammeln und aufzugreifen. Dies erfolgte in neun Workshops, entsprechend der Zahl der Handlungsfelder; die Ergebnisse wurden vom Seniorenamt intern bewertet und flossen in die Texterstellung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts ein.

1 https://www.nuernberg.de/internet/sozialreferat/orientierungsrahmen.html

1. Einleitung

Nürnberg hat sich im Jahr 2018 dafür entschieden, sein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept aus der Strategischen Ausrichtung der kommunalen Seniorenpolitik (Strategischer Rahmen) abzuleiten. Dabei wird ein oberster Grundsatz (Globalziel) vorangestellt und in vier Zieldimensionen bzw. strategische Ziele untergliedert. Dieser strategische Ansatz wird auf alle Handlungsfelder bezogen, die aufgrund der aktuellen sozio-gerontologischen Erkenntnisse und Entwicklungen von primärer Bedeutung sind. Innerhalb der einzelnen Handlungsfelder werden nun auch – in Erweiterung zum bisherigen Gesamtkonzept – Entwicklungsziele und (Soll-)Maßnahmen abgeleitet:

Grafik: Aufbau des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts für Nürnberg

STRATEGISCHER RAHMEN

GLOBALZIEL
„Wir wollen, dass Nürnberg eine Stadt für alle Lebensalter ist. Wir wollen, dass ältere Mitbürgerin-
nen und Mitbürger möglichst selbstbestimmt leben können und Chancen erhalten, am sozialen, kul-
turellen und politischen Leben teilzuhaben.“
STRATEGISCHE ZIELE
Weichen stellen Weichen Lebensräume entwickeln Handlungsspiel- Konkrete, individuelle
stellen räume strukturell Teilhabe
erweitern ermöglichen

Lebensräume

entwickeln

HANDLUNGSFELDER

Aktives Alter Altersar- mut Digitali- sierung Diversi- tät Gemein- schaft Generati- Gesund- heit, Prä- vention Pflege Wohnen, Urbanes Leben
onenbe-
ziehun-
gen

Aktives

Alter

Altersar-

mut

Gemein-

schaft

Gesund-

heit, Prä-

vention

Wohnen,

Urbanes

Leben

Ableitung von Entwicklungszielen und Maßnahmen

in allen Handlungsfeldern

Der oberste Grundsatz bzw. das Globalziel lautet: „Wir wollen, dass Nürnberg eine Stadt für alle Lebensalter ist. Wir wollen, dass ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger möglichst selbstbestimmt leben können und Chancen erhalten, am sozialen, kulturellen und politischen Leben teilzuhaben“. Dieser Grundsatz steht zum einen in Einklang mit der Ausrichtung der Stadt Nürnberg als „Stadt der Menschenrechte“, zum anderen ist damit ausgesagt, dass die Förderung der Selbstbestimmung und Teilhabe die obersten Prinzipien der Nürnberger Seniorenpolitik darstellen – und zwar in allen Aspekten der Lebenswelten älterer Menschen.

Das Globalziel wird analytisch in vier Zieldimensionen bzw. strategische Ziele differenziert2:  „Weichen stellen für eine älter werdende Stadtgesellschaft“: Bei dieser Zieldimension geht es vor allem darum, langfristig planerische Grundlagen herzustellen.  „Lebensräume entwickeln“ bezieht sich auf die (mittelfristige) Verbesserung des direkten Lebensumfelds und ist speziell auf den sozialräumlichen Ansatz unserer Seniorenarbeit gemünzt.

2 In der Praxis lassen sich Überschneidungen bei den Zieldimensionen nicht vermeiden; häufig tangieren einzelne Maßnahmen und Projekte mehrere strategische Ziele zugleich.

 „Handlungsspielräume strukturell erweitern“ zielt auf Handlungssouveränität als wichtiges Element der Selbstbestimmung der Menschen. Damit soll die Kenntnis von Handlungsalternativen gefördert werden, beispielsweise bei der Inanspruchnahme von unterschiedlichen Hilfe- und Unterstützungsleistungen.  „Teilhabe ermöglichen“: Bei Maßnahmen dieser Art geht es um konkrete Angebote.

Die strategische Ausrichtung soll in den verschiedenen Lebensbereichen älterer Menschen zum Tragen kommen. Daher werden Handlungsfelder kommunalen Handelns in der Seniorenpolitik identifiziert, basierend auf der internen Analyse und Sichtung der für Seniorinnen und Senioren bedeutsamsten Aspekte und Problemlagen ihrer Lebenswelten. Die genannten strategischen Ziele werden auf alle Handlungsfelder angewandt. Die Zahl dieser Handlungsfelder ist gegenüber der Ausgangsfassung von 2018 um eines erweitert worden, nämlich um die Perspektive der „Gemeinschaft“. Im Ergebnis bestehen nun neun Handlungsfelder3:  Aktives Alter/Engagement  Altersarmut  Digitalisierung  Gemeinschaft  Generationenbeziehungen  Gesundheit/Prävention  Pflege  Vielfalt der Lebenslagen (vormals „Diversität“)  Wohnen/Urbanes Leben

Innerhalb der einzelnen Handlungsfelder wird jeweils eine Situationsbeschreibung der wichtigsten Aspekte und aktuellen Entwicklungen vorgenommen. Anschließend wird dargestellt, welche strategischen Handlungsansätze das Seniorenamt, der Geschäftsbereich Jugend, Familie und Soziales sowie weitere Dienststellen der Stadtverwaltung, die für die Gestaltung der Lebenswelten älterer Menschen in Nürnberg von Bedeutung sind, verfolgen.

Anschließend werden in jedem Handlungsfeld Schlussfolgerungen in Form von Entwicklungszielen bzw. Maßnahmen gezogen. Damit wird ein Programm der erforderlichen kommunalen Aktivitäten in den kommenden Jahren skizziert und abgesteckt.

Im Folgenden werden die einzelnen Handlungsfelder detailliert dargestellt.

3 Die Abfolge ist alphabetisch, um anzuzeigen, dass keine Priorität gesetzt wird. Alle Handlungsfelder werden parallel bearbeitet.

2. Handlungsfelder

2.1 Aktives Alter und Engagement

2.1.1 Situationsbeschreibung

Aktives Alter bedeutet einen Lebensentwurf älterer Menschen, der auf selbständiges und selbstbestimmtes Leben abzielt, neue Aktivitätsformen ausprobiert und häufig einen positiven Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft leistet. Zu den sozialen Veränderungen im Rahmen des demografischen Wandels gehört, dass ältere Menschen zunehmend aktiver, gesünder und dem eigenen Altern gegenüber positiv eingestellt sind. So ist das Aktivitätsniveau von Seniorinnen und Senioren im Vergleich zu früheren Generationen deutlich gestiegen: mehr Sport, mehr Reisen, mehr Freizeitbeschäftigungen, mehr bürgerschaftliches Engagement und ein deutlich jüngeres gefühltes Lebensalter sind kennzeichnend. Andererseits bestehen nach wie vor große Unterschiede im Hinblick auf ein erfülltes Altwerden: Jeder Mensch altert anders, das Aktivitätsniveau nimmt mit zunehmendem Lebensalter immer stärker ab und es bestehen deutliche Unterschiede beim Aktivitätsniveau vor allem zwischen sozial ungleichen Gruppen. Auch in der vom Seniorenamt durchgeführten Seniorenbefragung aus dem Jahr 2019 wurden diese Ergebnisse für die Seniorinnen und Senioren in Nürnberg bekräftigt.

Aktives Altern ist auf individueller Ebene häufig durch die vorangegangene Biografie geprägt. Dennoch kann Aktives Altern auch erlernt werden. Eine wichtige biografische Bruchstelle ist dabei der Übergang in den Ruhestand. Dieser bringt oftmals einen Verlust an sozialen Kontakten und sozialer Teilhabe mit sich, und der Freundeskreis wird im höheren Alter tendenziell kleiner. Daher kann es besonders wichtig sein, diese Lebensphase systematisch zu unterstützen, Kompensationsmöglichkeiten bereitzustellen, um Potenziale für Aktives Altern zu erhalten oder neu aufzubauen.

Gesellschaftlich betrachtet sind auch Altersbilder einem Wandel unterworfen. Einerseits verblassen eindeutige, oft diskriminierende Rollenbilder, andererseits wird zunehmend die gesellschaftliche Norm von Leistungsfähigkeit und Selbstoptimierung auch auf das Älterwerden übertragen. „Aktives Altern“ als unbedingtes Ziel zu setzen, schließt möglicherweise einen Teil älterer Menschen aus.

Seit dem Jahr 2020 gehen die Babyboomer (Geburtsjahrgänge 1955-1965) regulär in Rente. Diese Generation kennzeichnet gegenüber früheren Generationen eine Zunahme veränderter Familienmodelle, wechselnde Lebensentwürfe, weniger räumliche Bindungen, mehr Gestaltungsoptionen, selbstbestimmte Lebensführung, die auch in die Gestaltung des Älterwerdens mitgenommen wird. Für diese Kohorte wird allgemein erwartet, dass sie – auch aufgrund politischer Emanzipationsprozesse – ein hohes Aktivitätspotenzial mitbringt und ihre Vorstellungen vom Altwerden noch stärker auf Mitgestaltung und Mitbestimmung gerichtet sind. Somit dürften auch ihre Erwartungen an eine lebenswerte und aktivitätsfördernde Stadt anspruchsvoller sein, als dies vielleicht bei früheren Altengenerationen der Fall war.

Die kommunale soziale Seniorenarbeit muss, wenn sie zeitgemäß bleiben will, auf diese Veränderungen reagieren und sich darauf einstellen, dass das numerische Alter im Selbstbild der Älteren eine weniger bedeutsame Rolle spielt. Dies muss bei den Zielen und Handlungsansätzen berücksichtigt werden. So sind neue Zugangswege zu entwickeln, da sich immer mehr ältere Menschen nicht als alt definieren und von klassischen Seniorenangeboten nicht oder erst später erreicht werden; es bedarf mehr bereichs- und themenübergreifender Angebotsstrukturen. Dabei gilt es auch, „Aktives Alter“ bei spezifischen Einschränkungen (z.B. beginnende Demenz, eingeschränkte Mobilität, Sprachbarrieren, geringe finanzielle Mittel) zu ermöglichen; speziell auch im nahen Wohnumfeld (quartiersorientierte Altenarbeit).

Eine klassische Form des Aktiven Alter(n)s von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist das ehrenamtliche (bürgerschaftliche) Engagement. Während die Motivation hierzu früher häufig auf einer starken Bindung zu traditionellen Organisationen und ihren Werten, wie bspw. den Kirchen, gründete, fußt das Engagement heute neben der Werthaltung auch auf Selbstverwirklichung und persönlichen Wissensinteressen. Kritisch zu beurteilen ist, wenn ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Bereichen der Seniorenarbeit und Altenhilfe (zumindest implizit) als Ersatz für professionelle Dienstleistungen diskutiert wird, z.B. in der Pflege, in der Demenzbetreuung oder im Rahmen von sorgenden Gemeinschaften. Andererseits kann ehrenamtliches Engagement erhebliche kreative Potentiale entfalten, z.B. bei der (Mit-)Gestaltung von Seniorentreffs mit Bildungs- und Freizeitangeboten. Eine wichtige Aufgabe ist in jedem Fall die Passung von seniorenpolitischen Zielsetzungen mit der Selbstbestimmtheit, Eigenwilligkeit und Freiwilligkeit des Engagements.

Mindestens ebenso bedeutsam ist das Engagement älterer Menschen für jüngere Altersgruppen und drängende gesellschaftliche Herausforderungen, beispielsweise bei der Entlastung jüngerer Familien, beim Ausgleich von Bildungsbenachteiligungen, für Umwelt, Klima und Demokratie oder für die Integration Zugewanderter. Hier ist ebenfalls durch die jeweiligen Fachbereiche, in denen Ehrenamt angesiedelt ist, darauf zu achten, dass die Interessen der älteren Ehrenamtlichen im guten Ausgleich zum Nutzen der Zielgruppen des Engagements stehen.

  1. Seniorenamt  Der städtische Seniorentreff „Bleiweiß – Bewegung und Begegnung“ bietet für aktive Ältere ein umfangreiches Programm an Veranstaltungen, Vorträgen, Kursen und Workshops.  Die Angebote der Seniorennetzwerke und des städtischen Seniorentreffs werden kontinuierlich überprüft, ob sie den Wünschen und Bedürfnissen des „Aktiven Alters“ genügen. Durch Seniorenbefragungen werden Veränderungen im Freizeitverhalten registriert.  Das Seniorenamt fördert strukturell (durch Kooperation und Koordination verschiedener institutioneller Akteure) freiwilliges Engagement unterschiedlicher Art. Beispiele hierzu sind das Mach- Dich-Stark-Programm, der ehrenamtliche Besuchsdienst und das Projekt „Wege in die digitale Welt für Ältere“. Im Projekt „Warmstart- ins aktive Alter“ arbeiten unterschiedliche Akteure zusammen, um den Übergang ins Rentenalter zu unterstützen.  Ehrenamtliche sind strukturell eingebunden in die Wohnungsanpassungsberatung des Pflegestützpunktes (KOWAB); vgl. Kapitel Pflege.  Weitere konkrete Beispiele in den Seniorennetzwerken: ehrenamtliche Hol- und Bringdienste zu den Stammtischen für nicht mehr mobile ältere Menschen; dazu diverse Angebote der städtischen Seniorentreffs und Sonderveranstaltungen des Seniorenamtes (z.B. jährliches Sommerkonzert und Weihnachtsgala).  Das Seniorenamt fördert und unterstützt eine Reihe fachlich ausgewählter Einrichtungen und selbstorganisierter Initiativen (z.B. Altenakademie, Persönliche Stadtansichten, CCN 50+, Sechsundsechzig) sowie quartiersorientierte Angebote verschiedenster Träger und engagierte Seniorenclubs.

  2. Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement im Geschäftsbereich Ref. V  Die zentrale Anlaufstelle zur Förderung von Bürgerschaftlichem Engagement, Ehrenamt oder Freiwilligenarbeit in Nürnberg ist die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und ‚Corporate Citizenship‘ im Referat für Jugend, Familie und Soziales. Es handelt sich um ein Querschnittskonzept, d.h. es wird mit allen relevanten Geschäftsbereichen kooperiert. Zu den Aufgaben gehören insbesondere Information, Anerkennungskultur, Vernetzung und Aufbau kooperativer Strukturen.  Dabei fördert und unterstützt die Stabsstelle das freiwillige Engagement von allen Altersgruppen und für sämtliche Zielgruppen. Das Spektrum umfasst verschiedenste Aktivitäten in den Bereichen Bildung, Integration und Flucht, Inklusion, Wirtschaft und Netzwerkförderung.

  3. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)  Der BCN ist besonders im Bereich „Bildung im Alter“ aktiv: es besteht ein umfangreiches und vielseitiges Programm an Bildungsmöglichkeiten, das auch maßgeblich von Seniorinnen und Senioren wahrgenommen wird. Darüber hinaus gibt es mit „Bildung tagsüber“ ein spezifisches Bildungsprogramm, das primär ältere Nürnbergerinnen und Nürnberger erreicht.  Ein Schwerpunkt von KUF ist die soziokulturelle Stadtteilarbeit (u.a. in Kulturläden), die sich auch an ältere Menschen richtet. Zum Aufgabenprofil des KuKuQ gehört u.a. auch die Senioren- und Kinderkulturarbeit.  Im Bereich „Bewegung und Sport im Alter“ ist der SportService (SpS) wichtig: er gibt ein spezielles Programmheft für Seniorensport heraus. Der Förderung von Bewegung im Alter dienen z.B. auch die (aktuell 7) Bewegungsparks im Stadtgebiet.  Das Freiwilligenmanagement des Seniorenamts wird durch die Stabstelle Bürgerschaftliches Engagement (s.o.) unterstützt. Die Freiwilligenagentur des Zentrums Aktiver Bürger (ZAB) bietet Beratung und vielfältige Angebote zu Engagementmöglichkeiten. Sie kooperiert mit dem Seniorenamt auch, wenn es um Ehrenamtliche im Bereich Wohnraumanpassungsberatung geht.  Weitere Schnittstellen sind das Gesundheitsamt, das präventive Angebote unterstützt; das Stadtplanungsamt, welche die Gestaltung des öffentlichen Raums als einen der wichtigsten Aufenthaltsorte für Senioren und Seniorinnen planerisch an die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft anpasst oder der Servicebetrieb öffentlicher Raum (SÖR), der diese Planungen umsetzt.

2.1.3 Ausblick

Insgesamt ist Nürnberg – insbesondere mit den inzwischen 20 Seniorennetzwerken in Kooperation mit unterschiedlichen Trägern – gut aufgestellt. Ein zentraler Aspekt des Aktiven Alters ist dabei das ehrenamtliche bzw. bürgerschaftliche Engagement. Ehrenamtliches Engagement erfolgt auch bei älteren Menschen mittlerweile oft für klar umgrenzte, kleinere Projekte. Engagierte möchten sich oftmals nicht langfristig binden. Hierauf zu reagieren und flexiblere Angebote zu schaffen, erfordert jedoch höhere hauptamtliche Personalkapazitäten. Dazu gehört auch, in Zukunft innerstädtische Kooperationen zu stärken und vielfältige Engagementmöglichkeiten für ältere Menschen anbieten zu können. Wenn aufgrund des demographischen Wandels und des Arbeitskräftemangels Aufgaben zunehmend brach liegen, die bislang durch Personal wahrgenommen werden, kann das freiwillige Engagement gesamtgesellschaftliche Herausforderungen bewältigen helfen. Umso mehr wird aber das Ehrenamt die Koordinierung und Unterstützung durch Hauptamt benötigen. Die immer knapper werdenden hauptamtlichen Ressourcen gilt es zu stärken und Kooperationen auch mit weiteren Trägern anzuregen und zu koordinieren.

Vor diesem Hintergrund sind unter anderem folgende Maßnahmen geplant:  Die Generation der Babyboomer (aber auch Zielgruppen, die von der bisherigen Seniorenarbeit kaum erreicht wurden) wird mit attraktiven Angeboten angesprochen. Das Seniorenamt stellt seine Angebotspalette (u.a. in den kommunalen Seniorentreffs) laufend auf den Prüfstand und reagiert so auf veränderte Bedürfnisse der aktiven Älteren.  Das Seniorenamt sieht sich ferner als Wegbereiter für Aktives Alter und schafft hierzu einen Rahmen, um die Mitbestimmung der Zielgruppe bei der Angebotsgestaltung zu verbessern.  Damit die unterschiedlichen Zielgruppen die verschiedensten Angebote nutzen können, müssen diese besser sichtbar und auffindbar sein. Deshalb werden digitale Formate neben den klassischen Wegen der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt. In diesem Zusammenhang ist bspw. geplant, Gesundheitsangebote der Seniorennetzwerke und anderer Kooperationspartner auf geeigneten städtischen Internetplattformen einzustellen.  Zum Ausloten der Potenziale von ehrenamtlichem Engagement in der häuslichen Pflege („Quartierspflege“) siehe das Kapitel Pflege.

2.2 Altersarmut

2.2.1 Situationsbeschreibung

Altersarmut stellt eines der bedeutenden sozialpolitischen Themen dar. Nachdem ältere Menschen in der Vergangenheit eher unterdurchschnittlich von Armut betroffen waren, ist die Altersarmut seit 2007 langsam, aber kontinuierlich gestiegen4. Es gilt als sicher, dass in Zukunft (deutlich) mehr Menschen von Altersarmut betroffen sein werden. Ursachen dafür sind unter anderem die Absenkung des Rentenniveaus, die Steigerung der Lebenshaltungskosten oder eine Zunahme unterbrochener oder transnationaler Erwerbsbiographien ohne entsprechende Rentenansprüche.

Neben der gemessenen Armut existiert das Problem der verdeckten Armut. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Anspruchsberechtigten die Grundsicherung im Alter nicht in Anspruch nimmt.

Daten für Nürnberg zeigen Folgendes:  In Nürnberg ist die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter (Leistungen nach dem SGB XII, 4. Kapitel) in den letzten zehn Jahren fast ohne Unterbrechung von Jahr zu Jahr angestiegen. Während im Dezember 2018 noch 7.094 Menschen ab 65 Jahren außerhalb von Einrichtungen Grundsicherung im Alter bezogen, waren es im Dezember 2022 bereits 8.224 Grundsicherungsbezieher. Dies entspricht 2022 7,6 Prozent der Bevölkerung ab 65 Jahren.  Mit Blick auf die Leistungsdichte rangiert Nürnberg inzwischen etwas oberhalb des großstädtischen Mittelwerts. Besonders betroffen sind hierbei Migrantinnen und Migranten, die z.B. aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion (Spätaussiedler und Kontingentflüchtlinge) zugezogen sind: häufig bringen sie aus dem Herkunftsland nur einen unzureichenden Rentenanspruch mit und haben in Deutschland nicht mehr lange genug gearbeitet, um hier einen ausreichenden Anspruch zu erwerben. Der hohe Anteil an Hilfeempfängern mit Migrationshintergrund entsprechend dem 4. Kapitel des SGB XII verweist auf die besondere Problemlage dieser Gruppe.  Außerdem zeigen Daten der Nürnberger Seniorenbefragung aus dem Jahr 2019 die subjektiv empfundene Armut der Menschen ab 60 Jahren: Während auf die Frage „Wie würden Sie Ihre heutige finanzielle Situation einstufen?“ 24 Prozent mit „komme sehr gut zurecht“ und 41 Prozent „komme gut zurecht“ antworten, müssen sich 13 Prozent einschränken und 5 Prozent sogar stark einschränken.

Als Gründe für Altersarmut sind insbesondere die Faktoren Bildung, Arbeit, aber auch Gesundheit zu nennen. Arbeitslosigkeit, geringe Bildung (und in Folge oftmals schlechtbezahlte Jobs), unterbrochene Erwerbsbiographien durch Arbeitslosigkeitsphasen, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder schlechtere Gesundheit führen im Alter zu niedrigen Rentenanwartschaften und damit unter Umständen zur Altersarmut. Darüber hinaus kann auch Pflegebedürftigkeit zu einem Armutsrisiko werden, da durchschnittliche Renten für die wachsenden Eigenanteile in der stationären Pflege nicht mehr ausreichend sind (vgl. Kapitel Pflege).

Kommunen sind dadurch immer stärker mit den Folgen von Altersarmut konfrontiert, können aber die Einkommensarmut der Betroffenen nicht unmittelbar beeinflussen. Dabei sind jene älteren Menschen, die sozial und ökonomisch benachteiligt sind, in doppelter Hinsicht vulnerabel und bedürfen der Unterstützung im Sinne kommunaler Daseinsvorsorge.

4 Bezüglich der Altersarmut bestehen verschiedene Definitionen, wobei in der Regel auf die Einkommensarmut abgehoben wird. Eine offizielle Messgröße ist die „Armutsgefährdungsquote“: Eine Person gilt nach der EU-Definition der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen EU-SILC als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt (Schwellenwert der Armutsgefährdung).

  1. Seniorenamt  Monitoring: Das Seniorenamt erfasst im Rahmen seines Monitorings und der Sozialberichterstattung (Seniorenbefragungen) kontinuierlich die materielle Lage bzw. Altersarmut und Armutsgefährdung in Nürnberg. Hinzu kommen gesonderte Befragungen in den Seniorennetzwerken.  Vernetzung: mit dem Sozialamt werden Ergebnisse und Planungen regelmäßig ausgetauscht; vgl. z.B. Bericht zur Altersarmut am 25.07.2019 im Sozialausschuss sowie Berichtserstattung „Armut bekämpfen, Teilhabe verwirklichen“ im Sozialausschuss am 04.07.2024. Im Arbeitskreis Altersarmut (Beteiligte: Stadtseniorenrat, Seniorennetzwerke, NOA und Sozialamt) werden konkrete mögliche Maßnahmen besprochen. Außerdem ist das Seniorenamt Mitglied im Netz gegen Armut, ein Kooperationsnetz der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege und privater Initiativen. Die Mitglieder beraten sich im Rahmen regelmäßiger Treffen, bringen Ideen ein und planen Aktionen und Projekte.  Schaffung von Begegnungsorten: Der Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten dienen Maßnahmen, die speziell im Wohnumfeld bzw. Quartier ansetzen. Hierzu lassen sich alle Bemühungen um die Entwicklung von Begegnungsorten (z.B. Mehrgenerationenhäuser) ohne Konsumzwang zählen. Das Seniorenamt fördert den Betrieb solcher Orte/offener Treffpunkte, an denen sich auch materiell benachteiligte Seniorinnen und Senioren treffen können.  Vergünstigte Angebote: Im Hinblick auf die individuelle Teilhabe bieten die Seniorennetzwerke sowie die städtischen Seniorentreffs viele vergünstigte Angebote und Kurse. Diese Angebote reichen von Gymnastik und Gedächtnistraining über Kreativ-Treffs und Tanz bis hin zu Theater, Musik und Vorträgen.

  2. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  Ein zentraler städtischer Akteur ist das Sozialamt (SHA), mit dem das Seniorenamt eng zusammenarbeitet: > Als primäre Bewilligungsstelle der Grundsicherung im Alter stellt SHA Leistungen zum Lebensunterhalt sicher. > Über den Sozialpädagogischen Fachdienst (SFD) werden (hauptsächlich alleinlebenden) älteren Menschen mit persönlichen, materiellen und psychosozialen Problemlagen Unterstützungsangebote unterbreitet. > Mit dem NürnbergPass können anspruchsberechtigte ältere Menschen monetäre Vergünstigungen in einer Vielzahl von Einrichtungen erhalten (u.a. auch beim Deutschlandticket).  Das Angebot der Stadtteilläden richtet sich u.a. auch an ältere Menschen in schwierigen materiellen Lagen.  Kooperationen mit KUF wie kostenlose bzw. günstige Bildungs- und Freizeitangebote im Rahmen des „Winters der Solidarität“ tragen aktuellen Entwicklungen, die ärmere Seniorinnen und Senioren beeinträchtigen, Rechnung.

2.2.3 Ausblick

Die Kommunale Seniorenpolitik muss sich der zunehmenden Altersarmut stellen, auch wenn die primären Ursachen hierfür nur wenig beeinflusst werden können. Daher ist der Schwerpunkt auf Maßnahmen zu legen, die gesellschaftliche Teilhabe trotz unzureichender Einkünfte sicherstellen oder zumindest fördern.

Für die nähere Zukunft sind folgende Maßnahmen geplant:  Verbesserung der Planungsgrundlagen: Generell müssen einzelne Zielgruppen (z.B. in bestimmten Stadtteilen) besser erreicht werden. Dabei ist u.a. das Thema verdeckte Armut wichtig. Auch sind bestimmte Zielgruppen, die von Altersarmut betroffen sind, stärker in den Fokus zu nehmen, bspw. die „Generation Gastarbeiter“. Hierfür werden gesonderte Befragungen durchgeführt.

 Ausweitung des Monitorings: Zusätzlich zu den bisherigen Aspekten werden auch die (steigenden) Eigenbeteiligungen in der stationären Pflege kontinuierlich erfasst.  Verstetigung und ggf. Ausweitung monetärer Vergünstigungen für Seniorinnen und Senioren mit geringem Einkommen: Dies wird trotz schwieriger Haushaltslage notwendig sein. Ein wichtiges Instrument ist der „NürnbergPass“, der für verschiedenste städtische Angebote sowie das Deutschlandticket in Anspruch genommen werden kann; in diesem Rahmen bietet auch das Seniorenamt Vergünstigungen an, z.B. Ermäßigungen bei Eintrittspreisen und Kursgebühren. Das Angebotsspektrum, die Preisgestaltung sowie der Bekanntheitsgrad der städtischen Angebote werden regelmäßig überprüft und auf Ermäßigungen nicht-städtischer Akteure wird hingewirkt.  Verbesserung der Informationsvermittlung: Das Seniorenamt macht bestehende (vergünstigte) Angebote so weit wie möglich bekannt, um die Inanspruchnahme weiter zu erhöhen.  Weitere Möglichkeiten der Armutsmilderung auf kommunaler Ebene werden geprüft, z.B. inwieweit Beratung zu Hinzuverdienstmöglichkeiten für Rentnerinnen und Rentner unterstützt werden kann. Auch die Beratung über vorhandene Rechtsansprüche wird intensiviert, da bekanntermaßen solche Ansprüche (etwa die Grundsicherung) oft – aus Scham oder Unwissenheit – von den Betroffenen nicht in Anspruch genommen werden.  Armut bzw. Armut im Alter soll enttabuisiert werden. Hierfür wird ein stadtweiter Diskurs angestoßen, z. B. durch Veranstaltungen, Kooperationen, oder auch Bildungsangeboten.

2.3 Digitalisierung

2.3.1 Situationsbeschreibung

Bezüglich der Nutzung digitaler Medien hat die Corona-Pandemie in den Fokus gerückt, wie schnell ältere Menschen abgehängt werden können, wenn sie keinen Zugang zur digitalen Welt haben. 72 % der Offliner in Deutschland sind älter als 65 Jahre (nach einer Erhebung aus dem Jahr 2021). Die Teilnahme an kulturellen Angeboten im Netz, die Nutzung von Online-Einkaufsmöglichkeiten und vor allem auch die Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte über Messenger-Dienste oder Video-Telefonie sowie weitere digitale Nutzungs- und Teilhabemöglichkeiten stehen Offlinern nicht zur Verfügung.

Bereits 2019 wurde bei der Seniorenbefragung der Stand der digitalen Anbindung Nürnberger Seniorinnen und Senioren thematisiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Internet, Smartphone oder Computer durchaus verbreitet sind, es jedoch (noch) einen nicht unerheblichen Anteil gibt, der zu den sogenannten Offlinern gehört: Ungefähr ein Drittel der ab 60-Jährigen nutzt das Internet nicht. Weitergehende Analysen zeigen:  Das Smartphone wird häufiger genutzt als Tablets oder Computer.  Die Nutzung des Internets nimmt mit steigendem Alter stark ab.  Menschen mit schlechterem Gesundheitszustand nutzen das Internet seltener.  Ältere Frauen sind seltener online als ältere Männer.  Internetnutzung hängt auch von der Bildung ab.

Zwar ist davon auszugehen, dass sich in älteren Bevölkerungsgruppen der Umgang mit digitalen Medien immer mehr durchsetzt, doch sind Maßnahmen zur Ermöglichung eines niedrigschwelligen Zugangs zur digitalen Welt für Offliner sowie zur Förderung der Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien (etwa bei Geldgeschäften und Online-Diensten) und den sich stetig weiterentwickelnden Technologien und Anforderungen weiterhin erforderlich; dabei müssen Älteren auch Kompetenzen vermittelt werden, um mögliche Bedrohungen erkennen und Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Andererseits gilt es aber auch, „analoge“ Angebote in der Seniorenarbeit vorzuhalten, um nicht zur Exklusion besonders vulnerabler Menschen beizutragen.

Ein zweites bedeutendes Thema sind Neue Technologien in der Alltagsunterstützung. Dazu gehören etwa Assistenzsysteme, Smart Home, Ambient Assisted Living (AAL), Navigationssysteme, neue Systeme im ÖPNV. Das Feld der Gerotechnologie besitzt eine Reihe von Potenzialen für die Lebensqualität älterer Menschen aktuell und in Zukunft. Diese liegen in unterschiedlichen Bereichen wie Selbstständigkeits- und Mobilitätserhalt, Förderung von Kommunikation und sozialer Partizipation, Prävention und Gesundheitsförderung sowie Früherkennung von Risiken und Aktivierung (in unterschiedlichsten Settings). Technik ist nicht nur als Unterstützung und/oder Kompensation zu sehen, sondern auch als Ermöglichung von Wohlbefinden und zur Förderung von Teilhabe, Persönlichkeitsentwicklung und Selbständigkeit.

Möglichkeiten der Digitalisierung, insbesondere der Künstlichen Intelligenz, werden angesichts steigender Versorgungs- und Fachkräftebedarfe auch für die Pflegebranche zunehmend als Chance und Lösungsansatz diskutiert. Neue Pflegetechnologien haben das Potenzial, den Alltag von Fachkräften, die in Pflegeheimen, Krankenhäusern und in der häuslichen Pflege tätig sind, erheblich zu erleichtern. Während mit dem Technikeinsatz im häuslichen Umfeld und am Beginn pflegerischer Unterstützung vorwiegend eine Verbesserung von Lebensqualität, Unabhängigkeit oder Kommunikation mit medizinisch-pflegerischen Angeboten verfolgt wird, werden in der stationären und häuslichen Pflege technikbasierte Ansätze, etwa im Bereich Dokumentation, zur qualitativen Optimierung und ökonomischeren Erbringung von Dienst- und Serviceleistungen gesucht. Die Weiterentwicklung der Pflege durch Technisierung und Digitalisierung trägt dazu bei, das Berufsbild Pflege zu modernisieren und Pflegende physisch, psychisch und auch emotional zu entlasten. Bislang ist die Anzahl an Produkten, die den Sprung vom Prototyp in den Markt geschafft haben, noch vergleichsweise gering. Gründe hierfür sind u.a. ethische Fragestellungen, zu kompliziertes Handling, mangelnde Aussicht auf Finanzierung, ungeklärte Schnittstellen zur IT. Hinzu kommen Fragen nach dem Datenschutz, des Zusammenwirkens mehrerer Technologien, deren Auswirkungen auf Arbeitsprozesse oder Veränderungen der beruflichen Identität.

  1. Seniorenamt  Projekt „Wege in die digitale Welt“ (zeitlich befristet): Über das von der Fürst-Gruppe unterstützte Projekt werden Strukturen in Zusammenarbeit mit den Seniorennetzwerken und den darin eingebundenen Akteuren aufgebaut, die Angebote im digitalen Bereich für Ältere ermöglichen. Kern sind niedrigschwellige Angebote: „Erste Schritte mit Smartphone/Tablet im 1:1-Tandem“, Digital- Sprechstunden und Digitalcafés, die in den verschiedenen Seniorennetzwerken stattfinden. Durchgeführt werden die Angebote von ehrenamtlich tätigen Digitallotsinnen und Lotsen. Ältere, die (noch) kein eigenes Gerät besitzen, können mit einem kostenfreien Leihgerät den Umgang mit dem Smartphone bzw. Tablet erlernen. Das Projekt wird nach Ablauf der Förderung durch die Fürst- Gruppe so weit wie möglich in die Seniorennetzwerke überführt.  Weiterentwicklungen digitaler Beratungs- und Informationsleistungen: Die digitale Pflegeplatzbörse des Pflegestützpunktes ist bereits realisiert. Online-Beratung des Pflegestützpunktes und im Bereich Ehrenamt (im Verbund mit anderen Dienststellen des Sozialreferats) steht den Bürgerinnen und Bürgern als digitales Angebot zur Verfügung. An weiteren digitalen Angeboten wird gearbeitet: z.B. Online-Datenbank mit spezifischen Angeboten und Veranstaltungen in den Seniorennetzwerken, Onlinetools im Freiwilligenmanagement, Weiterentwicklung des Internetauftritts des Seniorenamtes und des Pflegestützpunktes, Online-Buchungssystem für Kurse und Veranstaltungen sowie die Einrichtung einer Freiwilligen-Datenbank.  Zudem fördert das Seniorenamt den Computer Club 50plus als selbstorganisierte Initiative zur Förderung des Umgangs älterer Menschen mit digitalen Medien. Der Computer Club 50plus bietet seit vielen Jahren auf die Bedarfe von Seniorinnen und Senioren abgestimmte Kurse, Vorträge und Beratungen an (z.B. Produktberatung, Umgang mit verschiedenen Medien etc.). Auch im städtischen Seniorentreff Bleiweiß werden eine Reihe von Kursen für PC, Tablet und Handy sowie Vorträge zu digitalen Medien angeboten. Darüber hinaus finden in den Seniorennetzwerken, Mehrgenerationenhäusern und Begegnungsstätten weitere Angebote zur digitalen Teilhabe statt.

  2. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  Die „Eckpunkte für eine digitale Stadtverwaltung“ des Referats für Finanzen, Personal, IT und Organisation dienen als Basis der Digitalisierungsstrategie der Stadtverwaltung sowie als Grundlage für die Modernisierung der internen Arbeitsprozesse und ihrer nach außen gerichteten Dienstleistungsangebote für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen.  Der BCN bietet unter der Rubrik „Bildung tagsüber“ verschiedenste Kurse und Veranstaltungen für Seniorinnen und Senioren, darunter auch speziell zum Thema Digitalisierung („Vernetzt & digital am Vormittag/Nachmittag“).  Die Realisierung der Online-Beratungen des Pflegestützpunkts und des Freiwilligenmanagements erfolgen in enger Kooperation mit dem Jugend- und dem Sozialamt, die ebenso Online-Beratungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen unterbreiten.  Das Pflegepraxiszentrum (PPZ) des NürnbergStifts (und weiterer Konsortialmitglieder) befördert den sozialpolitisch-ethischen und ökonomischen Diskurs zur Technisierung und Digitalisierung der Pflege. Das PPZ untersucht Pflegetechnologien auf ihre Praxistauglichkeit, ihre ethischen, sozialen, psychologischen und rechtlichen Implikationen und prüft ihren Nutzen in unterschiedlichen Settings (auch unter Beteiligung derjenigen, die sie später anwenden sollen).

2.3.3 Ausblick

Das Seniorenamt sieht im Zusammenhang der Digitalisierung eine doppelte Aufgabe: Zum einen sind verschiedene Maßnahmen notwendig, Älteren niedrigschwellig Chancen zu bieten, um die Vorteile digitaler Anwendungen für ein möglichst selbstbestimmtes Leben sicher nutzen zu können. Zum andern setzt sich das Seniorenamt dafür ein, dass auch Menschen ohne digitalen Zugang weiterhin selbstbestimmt am Leben teilhaben können. Analoge Beratungen, Angebote und Veranstaltungen werden auch künftig im Seniorenamt geplant und durchgeführt. Der persönliche Austausch, der Dialog, der weit mehr ist als ein bloßer Informationsaustausch, bleibt die Grundlage für Lebenszufriedenheit und ein gelingendes Zusammenleben in der Gesellschaft.

Zum Handlungsprogramm gehören folgende Maßnahmen:  Solange es noch eine signifikante Menge von Offlinern unter den Älteren gibt, unterstützt das Seniorenamt diese dabei, sich mit den digitalen Möglichkeiten der Teilhabe vertraut zu machen. Dazu gehört, Orte zum Austausch und zur Problemlösung bei digitalen Themen zu bieten. Deshalb wird die Palette der digitalen Angebote in den Seniorennetzwerken ausgeweitet und nach Wegen gesucht, das Projekt „Wege in die digitale Welt“ zu verstetigen.  Bei der Entwicklung digitaler Anwendungen, auch im Rahmen der städtischen Bürgerdienste, ist darauf zu achten, ob diese auch für Seniorinnen und Senioren verständlich und einfach zu nutzen sind. Das Seniorenamt setzt sich dafür ein, dass diese Perspektive berücksichtigt wird.  Selbstorganisierte Initiativen wie z.B. der ComputerClub 50plus werden weiterhin gefördert. Sie stellen in der Vermittlung ein sehr wichtiges Bindeglied dar, da sie als Peer Group die Informationsbedürfnisse der Zielgruppe kennen und mit ihrem Angebot darauf reagieren können.  Der Pflegestützpunkt wird sein Unterstützungsangebot durch die 2024 eingeführte Online-Beratung ausweiten und damit noch mehr Kundenservice ermöglichen. Auch in anderen Fachbereichen des Seniorenamts werden Online-Tools entwickelt und eingesetzt.  Neue Technologien in der Alltagsunterstützung werden nach Möglichkeit bekannter gemacht.  Zur Erhöhung der Medienkompetenz unter den Älteren werden Aktivitäten für neue Kooperationen, möglichst generationenübergreifend, unternommen (z.B. mit Medienwerkstätten, Kultureinrichtungen etc.).  Angesichts der ethischen Implikationen und möglichen Gefährdungspotenziale digitaler Technologien werden generationenübergreifende Diskussionen angestoßen und geeignete Plattformen entwickelt und erprobt.

2.4 Gemeinschaft

2.4.1 Situationsbeschreibung

Der demographische Wandel mit veränderten Familienmodellen hat auch in Nürnberg zur Folge, dass zahlreiche ältere Menschen alleine und weit entfernt von Familienmitgliedern leben. Oft führt der Verlust des Partners bzw. der Partnerin oder der Übergang aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand dazu, dass soziale Netze ausdünnen. Freundeskreise werden mit zunehmendem Alter tendenziell kleiner. Dazu kommt, dass die Babyboomer-Generation sich tendenziell nicht mehr langjährig in Organisationen einbinden lässt, was Kirchen oder Vereine heute bereits deutlich spüren.

Laut dem Statistik-Monitor des Nürnberger Amts für Statistik leben 36 % der Nürnbergerinnen und Nürnberger über 65 Jahre (38.982 Haushalte) und 43 % der Menschen über 80 Jahre (15.530 Haushalte) alleine. Knapp 4 % der Befragten der Nürnberger Seniorenbefragung aus 2019 antworteten auf die Frage, ob sie sich oft einsam fühlen mit „trifft genau zu“. Für gut 8 % der Befragten trifft dies eher zu.

In der Pandemie-Zeit ist ein Mangel an Gemeinschaft zu einem zentralen Thema geworden. Das Einsamkeitsempfinden älterer Menschen wurde im Jahr 2020 deutlich höher als 2017 angegeben (Deutscher Alterssurvey). Das Gefühl fehlender Zugehörigkeit ist eine stressvolle Erfahrung, soziale Isolation kann gesundheitliche Risiken verstärken. Ein Mangel an guten Beziehungen und Zugehörigkeit kann dazu führen, dass früher Pflege gebraucht und die Lebensqualität deutlich einschränkt wird.

Alle diese Faktoren rücken das Bedürfnis nach mehr Gemeinschaft bei Seniorinnen und Senioren in den Vordergrund. Im Miteinander erleben auch Seniorinnen und Senioren ihre Wirksamkeit. Das Erleben von positiver Wirkung in der Gemeinschaft stärkt das Selbstbewusstsein. Dazu kommt das Gefühl der Zusammengehörigkeit, Nähe, Achtung und Wertschätzung. Geselligkeit und Gemeinschaft im direkten Umfeld ist für viele Seniorinnen und Senioren ein wichtiges Kriterium für Lebenszufriedenheit.

Darüber hinaus muss es auch in Einrichtungen der Langzeitpflege leitend sein, Kontakte innerhalb und außerhalb der Einrichtung zu stärken, da hochaltrige Menschen in Heimen vielfach ebenso durch Verlust des Partners, des Wohnumfeldes oder der Mobilität wie in Privathaushalten Lebende von Einsamkeit betroffen sein können.

Die Förderung von Gemeinschaft als eigenständiges strategisches Handlungsfeld macht die Potenziale von Begegnungsansätzen in der kommunalen Seniorenarbeit deutlich. Ziel einer präventiven und teilhabeorientierten Seniorenpolitik ist es, das Miteinander von Seniorinnen und Senioren zu stärken und diese möglichst auch in soziale Kontakte zu und in Verantwortung füreinander und für andere Generationen zu bringen. Dabei muss in der offenen Begegnungsarbeit mit Seniorinnen und Senioren immer auch darauf geachtet werden, in Gemeinschaftsangeboten nicht Gruppengrenzen zu bekräftigen; bei der Zielsetzung einen guten Gruppenzusammenhalt zu erreichen, muss sensibel reflektiert werden, um niemanden ausgrenzen. Zu den Planungsgrundlagen der Seniorenarbeit in diesem Zusammenhang gehört es, Kenntnisse darüber zu erweitern, wer isoliert ist und darunter leidet, in welchen Stadtteilen dies verstärkt der Fall ist usw. Zielgruppen, die dabei besonders in den Blick genommen werden müssen, sind z. B. ältere Migrantinnen und Migranten, alleinlebende Offliner, Menschen höheren Alters mit Behinderung oder mit psychischen Erkrankungen (vgl. Kapitel „Vielfalt der Lebenslagen“).

  1. Seniorenamt  Eine Befragung der Technischen Hochschule Georg-Simon-Ohm zum Thema Nachbarschaftshilfe in Nürnberg, die das Seniorenamt in Auftrag gegeben hat, wird als Datengrundlage für zukünftige Planungen verwandt, um nachbarschaftliche Beziehungen und Hausgemeinschaften zu stärken.  Angesichts von Krisenszenarien, wie Energie- oder Klimakrise, wird nachbarschaftliche Gemeinschaft und Hilfe in Zukunft für vulnerable Gruppen immer wichtiger. Deshalb regt das Seniorenamt im Bereich der Stadtplanung kontinuierlich an, nachbarschaftliche Begegnungsorte im Rahmen der Sozialraumentwicklung zu initiieren.  Das Seniorenamt fördert Akteure, welche Orte, Anlässe und gesteuerte Formen für Begegnung bereitstellen. Die Seniorennetzwerke, intergenerationelle Begegnungseinrichtungen wie die beiden Mehrgenerationenhäuser, sowie offene Angebote der Wohlfahrtsverbände erhalten jährliche Zuschüsse und fachliche Begleitung durch das Seniorenamt. Darüber hinaus fördert das Seniorenamt ca. 200 Seniorenclubs sowie 10 Senioren-Begegnungsstätten in den unterschiedlichen Quartieren.  Unterstützt wird – wie bereits erwähnt – der Computer-Club CCN 50+, der neben Kursen und Vorträgen zusätzlich auch gesellige Ausflüge und Feste für die Mitglieder anbietet. Fachlicher Austausch und Vernetzung erfolgt mit der Altenakademie sowie Einzelprojekten und Initiativen, die in den Seniorentreffs der Stadt aktiv sind und Gemeinschaft anbieten.  Mit den städtischen Seniorentreffs Bleiweiß und Heilig Geist ist das Seniorenamt selbst operativ in Sachen Begegnung tätig. Ein umfangreiches Spektrum von Bewegungskursen und Begegnungsangeboten wirkt alltagsstrukturierend und schafft soziale Zugehörigkeit; die Möglichkeit zum zwanglosen Verweilen im Haus, etwa in der Cafeteria der Begegnungsstätte Bleiweiß, ist ein niedrigschwelliger Zugangsweg für ältere Menschen, die Gemeinschaft suchen.  Im Treff Heilig-Geist wird für pflegende Angehörigen und an Demenz erkrankte Menschen ein Begegnungsort angeboten, an dem Verständnis und Geselligkeit erfahren werden können. Die Cafeteria des Treffs lädt im Rahmen eines extern getragenen Projekts mit fachlich geschulten Ehrenamtlichen Pflegende und deren pflegebedürftige Angehörige zu offenen Kaffee- und Programmnachmittagen.  Das bereits genannte Projekt „Wege in die digitale Welt für Ältere“ verfolgt – neben der technischen Seite - auch die Zielsetzung, über die gemeinsame Nutzung digitaler Möglichkeiten soziale Kontakte zu fördern.  Der Freiwilligendienst des Seniorenamts vermittelt Kontakte über ehrenamtliche Hausbesuche bei immobilen Seniorinnen und Senioren. Gemeinschaftserlebnisse für die Ehrenamtlichen selbst schaffen regelmäßige Austausch- und Anerkennungstreffen für die Engagierten.  Die Nürnberger Pflegeeinrichtungen werden im Rahmen der Runden Tische mit den Seniorennetzwerken darin bestärkt, z.B. über Veranstaltungen, ehrenamtliche Besuchsdienste, Kooperationen mit engagierten Schulen und Ausbildungsbetrieben für die Bewohnerinnen und Bewohner die Öffnung in den Stadtteil zu forcieren.

  2. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  Ein wichtiges Handlungsfeld von KUF ist die Stadtteilarbeit in Kulturläden, die sich auch an ältere Menschen richtet und gemeinschaftsstiftende Freizeit- und Bildungsangebote bietet. Zwischen Kulturläden und Seniorennetzwerken findet in vielen Quartieren ein enger Austausch statt.  Der SportService bietet umfangreiche Bewegungsangebote für ältere Menschen, die immer auch eine soziale Komponente im Sinne des Kontakteknüpfens beinhalten.  Das NürnbergStift legt bei seinen Einrichtungen großen Wert auf die Öffnung ins Quartier und wurde aufgrund eines entsprechenden Konzepts auch mit der Förderung im Rahmen des Programms PflegeSoNah bedacht.  Die wbg als städtisches Wohnungsunternehmen hat sich dem Seniorenamt gegenüber offen für den Wunsch gezeigt, eine Einrichtung für gemeinschaftliches Wohnen im Alter für die Zielgruppe der LGBTI-Senior*innen zu forcieren – eine Gruppe, die sich besonders vor isoliertem Älterwerden

sorgt, da in der Regel keine Kinder- und Enkelkinder als enge Kontaktpersonen für die älteren Menschen da sind.

2.4.3 Ausblick

Zur Förderung der Gemeinschaft und Bekämpfung von Einsamkeit unter älteren Menschen sind folgende Maßnahmen geplant:  Auf Bundesebene hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ein „Kompetenznetz Einsamkeit“ aufgebaut, das mit Praxisforschung und Wissenstransfer in die (Fach-)Öffentlichkeit Strategien gegen Einsamkeit umsetzen will. Die Stadt Nürnberg wird dies in geeigneter Weise unterstützen, z.B. durch Beteiligung an einer jährlich stattfindenden Woche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. Auch der Weltseniorentag kann für das Werben um mehr Gemeinschaft genutzt werden. Mit unterschiedlichen Kooperationspartnern ist eine Kampagne denkbar, mit dem Ziel, Einsamkeit zu entstigmatisieren und Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die möglicherweise unter Einsamkeit leiden.  In diesem Zusammenhang wird auch eine eigene Fachveranstaltung in Nürnberg zum Thema Einsamkeit stattfinden, um die aktuellen Erkenntnisse hierzu zu sammeln, zu verbreiten und für die Seniorenarbeit in Nürnberg verfügbar zu machen.  Seniorenamt bzw. Seniorennetzwerke forcieren die Kooperation mit Hausärzten und Ärztenetzwerken. Einsame, zurückgezogene Seniorinnen und Senioren sind den Ärzten sehr oft bekannt und sollen über diesen Zugang auf die Gemeinschafts- und Beratungsangebote der Seniorennetzwerke, Mehrgenerationenhäuser und Treffs aufmerksam gemacht werden.  Zusätzliche öffentliche Orte für Begegnung werden vorangetrieben; dies erfordert auch eine stärkere ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung. Der politische Einsatz für gesetzliche Grundlagen und Förderungen aus Mitteln des Landes und des Bundes für den Erhalt und Ausbau von Begegnungsorten wird vorangetrieben.  Digitale Medien werden stärker genutzt, um Begegnungsorte für ältere Menschen in Nürnberg bekannt zu machen (z.B. durch Übersichten von Begegnungsorten für Seniorinnen und Senioren auf der Homepage des Seniorenamtes).

2.5 Generationenbeziehungen

2.5.1 Situationsbeschreibung

Steigende Lebenserwartung und der Geburtenrückgang verändern familiale und verwandtschaftliche

Strukturen. Die Lebensspanne, die Generationen gemeinsam verleben, wird länger. Dies führt zu ei-

nem signifikanten Zuwachs von Drei- oder sogar Viergenerationenbeziehungen. Zwar wächst die

Wahrscheinlichkeit, Familienangehörige aus nachfolgenden Generationen zu erleben, zugleich verrin-

gert sich aber die Zahl an „Seitenverwandten“, also an Geschwistern oder Cousinen bzw. Cousins. Auch

werden künftige Generationen weniger Tanten und Onkel, Nichten oder Neffen haben; man spricht

von „Bohnenstangenfamilien“.

Dabei kristallisiert sich ein Phänomen heraus, das man als innere Nähe durch räumlichen Abstand

bezeichnen kann. Die ‚Kinder‘ verabschieden sich (früher oder später) aus dem Elternhaus und auch

Großeltern präferieren die Autonomie der eigenen Wohnung. Allerdings ist die räumliche Distanz zwi-

schen den Wohnräumen oft nicht sehr groß: In der vom Seniorenamt 2019 durchgeführten Befragung

gaben nur 20 % der Befragten an, dass ihre Kinder „weiter weg“ wohnen. Auch kann man keine allge-

meine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Jung und Alt diagnostizieren: in der Befragung ga-

ben nur 5 % der Senioren an, unzufrieden mit dem Kontakt zu den eigenen Kindern zu sein.

In Familien gibt es zwischen den Generationen mannigfaltige Formen gegenseitiger Hilfe und Unter-

stützung. Die Kinder- oder Enkelgeneration unterstützt (Groß-)Eltern, z. B. durch Hilfe bei der Alltags-

bewältigung oder durch häusliche Pflegeleistungen. Auch großelterliche Betreuungsleistungen für die

Enkelkinder sind bedeutende Elemente intergenerationaler, familialer Unterstützung. Die jüngeren

Generationen erfahren außerdem häufig finanzielle Unterstützung durch die Älteren.

Auch jenseits von Verwandtschaft können Jung und Alt stark von der jeweils anderen Generation pro-

fitieren, z. B. bei der Berufsorientierung, durch Patenschaften für Kinder und Jugendliche in prekären

Lebenslagen, durch die Vermittlung digitaler Kompetenzen, durch ehrenamtliche Besuchsdienste. Die

Möglichkeiten zum Knüpfen intergenerationaler Beziehungen außerhalb des familialen Kontexts sind

mannigfaltig; begrenzt werden sie eher durch einen Mangel an Räumen und Gelegenheiten zur Begeg-

nung der Generationen.

Generationenbeziehungen sind heute, so lässt sich zusammenfassend sagen, gekennzeichnet durch:

weniger Verwandte, einen Wandel der Lebensformen, eine Abkehr von Mehrgenerationenhaushalten

sowie durch verschiedenste gegenseitige Unterstützungsformen der Generationen.

Auf der anderen Seite bestehen aber auch seit alters her Interessengegensätze zwischen den Genera-

tionen. Gegenwärtig verstärkt sich eine Verteilungsproblematik hinsichtlich materieller Ressourcen,

besonders im Hinblick auf das Rentensystem. Auch die Klimakrise lässt sich in diesem Zusammenhang

als intergenerationales Konfliktfeld auffassen, da jüngere und künftige Generationen von deren Folgen

weit stärker und über eine längere Lebensdauer betroffen sein werden als Ältere.

Ob diese Konfliktfelder künftig vermehrt zu manifesten und offen ausgetragenen Generationenkon-

flikten führen oder als gemeinsam zu bewältigende Herausforderungen verstanden werden, kann mo-

mentan nicht seriös prognostiziert werden. Allerdings ist kaum zu erwarten, dass die unterschiedliche

Betroffenheit der Generationen von diesen basalen Problemen sich in naher Zukunft merklich ab-

schwächen wird. Umso wichtiger ist es, die intergenerationale Kommunikation zu stärken und den Po-

tentialen der konstruktiven Zusammenarbeit von Jung und Alt Raum zur Entfaltung zu bieten.

Beim Demografieforum 2023 zum Seniorenpolitischen Gesamtkonzept sind eine ganze Reihe interes-

santer Ideen für Aktionen und Formate entwickelt worden, die den Zusammenhalt der Generationen

stärken könnten. Dazu gehören z. B. Erzählnachmittage, Food Sharing, Kochnachmittage (Wissens-

transfer), Repariercafés (Wissenstransfer), Veranstaltungsreihen zur vertieften Vorstellung von Ju-

gendkulturen (damals und heute), Räume/Foren für geordneten Dialog bzw. konstruktives Streiten,

Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Institutionen der Seniorenarbeit und Hochschulen, Universitä-

ten, Berufsschulen und Schulen, Integration junger Menschen in die Dialoge der „Erwachsenen“ und

„Alten“ oder mehr Schülerpraktikantinnen und -praktikanten im Feld der Seniorenarbeit. Zudem

wurde vorgeschlagen, Plattformen einzurichten, auf denen die Gesamtheit intergenerativer Projekte

der unterschiedlichen Träger in Nürnberg zusammengetragen und gesammelt kommuniziert werden.

So kann nicht nur die Resonanz solcher Projekte gestärkt, sondern auch durch bessere Sichtbarkeit

dessen, was bereits gut funktioniert, die Motivation zur intergenerationalen Zusammenarbeit insge-

samt gefördert werden.

  1. Seniorenamt  Über das Monitoring und vereinzelte spezielle Befragungen der Zielgruppe werden grundlegende Daten zu bestehenden Beziehungen erhoben und Handlungsempfehlungen abgeleitet.  Das Seniorenamt beteiligt sich an der referatsübergreifenden Gremienarbeit (z. B. Stadtteilarbeits-
Die Mitarbeit in Gremien und Arbeitsgruppen hilft dabei, Kooperationen verschiedenster
Akteure zu fördern sowie Konzepte und Maßnahmen abzustimmen und umzusetzen. In den Quar-
tieren erfolgt eine Zusammenarbeit unterschiedlicher Träger von Einrichtungen; beispielhaft hier-
für ist die Projektgruppe „digitale Teilhabe“, die eine koordinierende Rolle bei der Zusammenarbeit
zwischen Kindern, Jugendlichen und Senioren einnimmt.

Das Seniorenamt fördert Strukturen, die generationenübergreifende Begegnungen ermöglichen,

z.B. das Mehrgenerationenhaus AWOthek oder das Mehrgenerationenhaus Schweinau (siehe auch

Kap. 2.4) sowie generationsübergreifende Angebote in den Seniorennetzwerken.

Der ehrenamtliche Besuchsdienst sowie das bereits erwähnte Projekt „Mach dich Stark“ (Unter-

stützung für zu Hause lebende Seniorinnen und Senioren) des Seniorenamtes eröffnet die Chance

auf ein gegenseitiges Kennenlernen der Generationen und bietet gleichzeitig eine intergenerative

Unterstützungsmöglichkeit.

Bei verschiedenen Angeboten arbeiten Schulen und Seniorenamt bzw. die Seniorennetzwerke zu-

sammen. Beispielsweise unterstützen im Projekt „Wege in die digitale Welt“ Berufsschüler und Azu-

bis Seniorinnen und Senioren bei den ersten Schritten in die digitale Welt.

Auch die Seniorentreffs der Stadt Nürnberg bieten Angebote für Jung und Alt.

  1. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung  Die Kulturläden in Nürnberg bieten den Seniorinnen und Senioren Orte, an denen sich unterschiedliche Generationen begegnen und themenbezogene Angebote wahrgenommen werden können.

2.5.3 Ausblick

Zur Förderung des Generationenaustausches werden folgende Maßnahmen in Angriff genommen:  Anknüpfend an die bestehenden Strukturen in der offenen Altenarbeit etwa in den Seniorennetzwerken werden intergenerative Konzepte entwickelt und erprobt (dazu gehört auch das Engagement junger Digitallotsinnen und -lotsen im Projekt „Wege in die digitale Welt“, s.o.).  Die wertvolle Arbeit in den vom Bund und der Stadt geförderten Mehrgenerationenhäusern in Nürnberg wird weiter begleitet und unterstützt.  Die Schaffung neuer intergenerativer Begegnungsorte wird über die Zusammenarbeit von Seniorenamt mit dem Stab Sozialraumentwicklung verstärkt und der Dialog mit dem Stab Stadtentwicklung, dem Bau- und Planungsreferat und weiteren Geschäftsbereichen ausgebaut.  Generationsübergreifende Ansätze in der pflegerischen Versorgung werden geprüft (Stichwort Quartierspflege; vgl. Abschnitt Pflege).  Interessensgegensätze zwischen den Generationen können sehr vielfältig sein und sind nicht auf pauschale Zuweisungen reduzierbar. Um den Dialog der Generationen zu fördern, werden Plattformen eingerichtet, auf denen Jung und Alt konstruktiv debattieren können. Singuläre Veranstaltungsformate zu bestimmten Themen sowie auch längerfristig angelegte Diskussionsformate werden geprüft (bspw. innovative Formate wie eine „Generationen-Challenge“). Neben der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt werden auch die hiesigen Hochschulen als Kooperationspartner angesprochen.

2.6 Gesundheit/Prävention

2.6.1 Situationsbeschreibung

Mit zunehmendem Alter spielt die Aufrechterhaltung der Gesundheit eine größere Rolle. Diese ist nicht nur für das Wohlbefinden oder für persönliche Aktivitäten bedeutsam, sondern auch für die gesellschaftliche Teilhabe. Gute Gesundheit umfasst dabei nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern mehrere Dimensionen. Sie wird „individuell und sozial produziert, konstruiert und organisiert“ (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Die WHO definiert Gesundheit gar „als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“ und nicht als bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.

Empirisch betrachtet geht es der Mehrzahl der Älteren heute – im Vergleich zu Vorgängergenerationen

setzt sich mehr und mehr durch. Allerdings ist der Gesundheitszustand individuell und gruppenbezogen auch abhängig vom sozioökonomischen Status und der Herkunft: Ein hoher sozioökonomischer Status korreliert positiv mit längerer Lebensdauer, günstigem Gesundheitsverhalten, vergleichsweise geringeren Erkrankungsrisiken und guten psychosozialen Ressourcen zur Bewältigung von Belastungen. Auf der anderen Seite führen gesellschaftliche Individualisierungstendenzen überproportional zu Vereinsamung und befördern damit ebenfalls eine erhöhte psychische wie physische Vulnerabilität (vgl. Kapitel Gemeinschaft).

Mit zunehmendem Lebensalter treten naturgemäß verschiedene Beschwerden und Krankheitsbilder häufiger bzw. in anderem Ausmaß oder anderer Ausprägung auf als in jüngeren Lebensjahren. Laut Bayerischem Bericht „Gesundheit im Alter“ zur Seniorengesundheit steigt mit zunehmendem Alter etwa die Zahl der Seniorinnen und Senioren, die unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden (Multimorbidität); im Alter von 80 bis 85 Jahren sind 65 % der Frauen und 53 % der Männer betroffen. Funktionale Einschränkungen bei Alltagstätigkeiten sind vor allem ab einem Alter von 80 Jahren festzustellen. Bei Menschen mit Suchterkrankungen treten solche Beeinträchtigungen in der Regel deutlich früher auf.

Zur subjektiven Einschätzung der Gesundheit zeigt die Seniorenbefragung von 2019, dass 49 % der Über-60-Jährigen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut einstufen. Mit steigendem Lebensalter nimmt die subjektive Zufriedenheit mit dem eigenen Gesundheitszustand aber ab. Differenziert man nach sozialräumlicher Art (Stadtteile, Quartiere), so lassen sich deutliche Unterschiede der subjektiven Gesundheitseinschätzung je nach Wohngegend feststellen: in gehobenen Stadteilen fällt die Einschätzung tendenziell positiver aus als in Vierteln mit größeren Problemlagen. Dies zeigt sich in gleicher Weise für den sozioökonomischen Status: je höher dieser ausfällt, desto mehr wird auch der eigene Gesundheitszustand positiv bewertet. Zum Gesundheitsverhalten zeigt die Befragung ferner, dass die älteren Nürnbergerinnen und Nürnberger nach eigenen Aussagen sehr gesundheitsbewusst leben. Die meiste Zustimmung erhält die Aussage „ich rauche nicht“ mit 84 %. Rund 76 % bewegen sich ausreichend, während gut 2/3 regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrnehmen.

Hinsichtlich der Versorgungssituation lässt sich u.a. konstatieren, dass der Personalmangel auch in den Gesundheitsberufen zunimmt. Die Haus- und Fachärzteversorgung, aber auch die Verfügbarkeit von Physiotherapien wird immer problematischer. Krankenhausaufenthalte werden mit steigendem Lebensalter häufiger (im Jahr 2019 waren in Bayern rund 47 % aller im Krankenhaus behandelten Fälle im Alter von 65 Jahren und darüber). Versorgungslücken zeigen sich in mehreren Bereichen. So existieren wenige Angebote für die spezifischen Bedarfe von älteren Menschen mit Suchtbiografie, was neben alkoholabhängigen Älteren künftig verstärkt auch Konsumenten illegaler Drogen betrifft. Darüber hinaus gibt es zu wenig Angebote und Versorgungsformen für ältere Menschen mit lebenslangen bzw. im Alter entstehenden psychischen Erkrankungen, sowie Wohnangebote oder ambulante und stationäre Langzeitversorgung für Betroffene mit Pflegebedarf. Neben der medizinischen Versorgung spielen Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation eine große Rolle. Ziel von Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung ist es, Krankheit und Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern, damit die gewonnenen Lebensjahre möglichst lange in Gesundheit und Selbständigkeit verbracht werden können. Deshalb geht es bei der Prävention nicht zuletzt darum, Teilhabechancen zu eröffnen und eine selbst- und mitverantwortliche Lebensführung bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Sektorenübergreifende Bedarfsplanung, eine Vernetzung von Angeboten sowie eine verbesserte Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten und anderen Gesundheits- und Sozialberufen sind notwendig.

  1. Seniorenamt  Monitoring/Datengewinnung: Mit der Seniorenbefragung 2019 wurden Datengrundlagen zu Gesundheitsthemen gewonnen (subjektives Gesundheitsempfinden, Gesundheitsverhalten). Ferner

besteht eine fallweise Berichterstattung zu speziellen Themen der Versorgung. z.B. zur Hospiz- und Palliativversorgung.  Förderung: Das Seniorenamt fördert finanziell Akteure und Initiativen, die auch Gesundheitsangebote für Seniorinnen und Senioren machen (Trägerbudgets, Förderung für Seniorennetzwerke und Seniorenclubs etc.). Auch beratend und organisatorisch wird Unterstützung angeboten.  Gesundheitsangebote in Seniorennetzwerken: Gesundheitsförderung und Prävention ist eine der zentralen Zielsetzungen der Seniorennetzwerke, d.h. in diesem Bereich sind alle mittlerweile 20 Seniorennetzwerke aktiv. Praktisch gibt es vor Ort eine Vielzahl von Bewegungsangeboten für Körper und Geist, Vorträgen zu Gesundheitsthemen sowie übergreifende Schwerpunktprojekte (z.B. ambulante wohnungsnahe Sturzprophylaxe).  Weitere eigene Gesundheitsangebote: Im städtischen Seniorentreff Bleiweiß werden vielfältige Bewegungsmöglichkeiten und Kurse angeboten, u.a. (Wirbelsäulen-)Gymnastik, Nordic Walking, Beckenbodentraining, Yoga, Seniorentanz, Prävention von Herzerkrankungen sowie Angebote zur geistigen Fitness (z.B. Gedächtnistraining). Dazu kommen Vorträge zu Gesundheitsthemen und eine regelmäßige Vor-Ort-Beratung durch den Pflegestützpunkt.  Kooperationen: Das Seniorenamt ist beteiligt am Projekt „GesundheitsregionPlus“ des Gesundheitsamts (s.u.). Im Bereich Gerontopsychiatrie bestehen gemeinsame Aktivitäten mit dem Bezirk Mittelfranken (GeFa) und dem Klinikum/Bündnis gegen Depression. Des Weiteren ist das Seniorenamt (zusammen mit dem Hospiz-Team Nürnberg) ideeller und finanzieller Träger des Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerks Nürnberg (HPVN).

  1. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  Gesundheitsförderung und Prävention gehören zu den genuinen Aufgaben des Gesundheitsamtes als Träger des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Ein Beispiel ist die Netzwerkarbeit im Rahmen der „GesundheitsregionPlus“ (Förderprojekt des Freistaats, mit dem regionale Netzwerke zur Gesundheitsversorgung und Prävention unterstützt und entwickelt werden sollen; dabei wird auch der Themenkomplex „Gesundheit und Prävention im Alter“ diskutiert). Weitere Themen bzw. Aufgabengebiete des Gesundheitsamts sind u.a. Gesundheitsberichterstattung, Gesundheitsförderung sowie der Gerontopsychiatrische Fachdienst/SpDi.  Das Sozialamt verfolgt mit verschiedenen, teils schon genannten Arbeitsansätzen präventive Zielsetzungen, z.B. durch den Sozialpädagogischen Fachdienst (SFD).  Die Angebote des SportService für ältere Menschen dienen auch der Gesundheitsförderung und Prävention (vgl. Kapitel „Gemeinschaft“).  Das BZ bietet ein sehr umfangreiches Programm an Gesundheitskursen praktischer und theoretischer Natur (teilweise in Kooperation mit dem Seniorenamt).  Darüber hinaus befassen sich das Klinikum Nürnberg (generell und speziell das Zentrum für Altersmedizin) und das NürnbergStift ebenfalls mit dem Themenkomplex „Gesundheit und Prävention im Alter“.

2.6.3 Ausblick

Das Seniorenamt plant, seine Aktivitäten im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zu verstärken. Konkrete Maßnahmen sind dabei:  Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg und dem Bildungszentrum (BZ) zur Durchführung regelmäßiger Gesundheitstage im Treff Bleiweiß, an dem sich die Bevölkerung zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen aus dem Bereich „Gesundheit und Prävention“ informieren kann.  Beteiligung am „Gesundheitsmarkt“ des Gesundheitsamtes sowie an der Woche für seelische Gesundheit.  Konzeptionierung geschlechterspezifischer Präventions-Ansätze, etwa in den städtischen Treffs Bleiweiß und Heilig-Geist sowie in den Seniorennetzwerken.  Ausweitung der Präventionsangebote mit Kooperationspartnern (z.B. mit dem SportService)  Hinsichtlich schwer erreichbarer Zielgruppen (z.B. Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit psychischen Erkrankungen) werden neue Zugangswege erprobt.

 Zum Thema Demenzfreundliche bzw. Demenzsensible Kommune werden Konzepte erarbeitet. Kernpunkt ist dabei, die Öffentlichkeit für den Umgang mit Betroffenen zu sensibilisieren und ihnen somit mehr Teilhabe im Alltag zu ermöglichen. Dies kann Kultureinrichtungen ebenso betreffen wie Versorgungseinrichtungen des alltäglichen Lebens.

2.7 Pflege

2.7.1 Situationsbeschreibung

Nach wie vor sind die beiden zentralen Entwicklungen in der Pflege zum einen die (demografiebedingte) Zunahme der Pflegebedürftigkeit, zum anderen der stetig wachsende Fach- und Arbeitskräftemangel in der Pflege. Damit wächst die Gefahr einer möglichen Unterversorgung, und der Druck auf die Kommunen als Mitverantwortliche einer bedarfsgerechten Pflegeinfrastruktur steigt.

Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst kontinuierlich. Entsprechende Prognosen dazu geben kein einheitliches Bild ab, doch allen gemeinsam ist ein mehr oder minder starker Anstieg. Aktuell liegt die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern bei etwa 580.000 (Stand 2021), bis 2040 werden es voraussichtlich etwa 750.000 sein, was einem Anstieg von 30 % entspricht (Statistisches Bundesamt, Pflegevorausberechnung 2023). Ursachen hierfür sind vor allem die kontinuierlich zunehmende Zahl älterer Menschen in Folge des Älterwerdens geburtenstarker Jahrgänge („Babyboomer“), die Erhöhung der Lebenserwartung sowie eine bessere medizinische Versorgung. Der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen ist älter als 60 Jahre. Zudem wird sich der Anteil der Menschen mit Demenz deutlich erhöhen.

Der Bedarf an Pflegekräften in der Langzeitpflege (von Fachkräften, Hilfskräften und anderen beruflich Tätige) steigt massiv. Dies gilt in allen Segmenten der Versorgung, von häuslich bis vollstationär. Laut Prognoseberechnungen des IGES-Instituts (Gutachten 2020) erhöht sich der Personalbedarf in Bayern (je nach Modellszenario) bis zum Jahr 2040 (gegenüber 2020) zusätzlich um 36.500 bis 86.000 Vollzeitstellen (Fach- und Hilfskräfte). Aktuell ist der Arbeitsmarkt für Pflege leergefegt. Um in Zukunft die steigende Zahl der Pflegebedürftigen adäquat zu versorgen, muss auch die Zahl der Auszubildenden bzw. der Absolventinnen und Absolventen der Pflegeschulen bzw. Hochschulen deutlich ansteigen. Des Weiteren ist die Hebung inländischer Potenziale am Arbeitsmarkt ebenso nötig wie die Gewinnung von Pflegekräften aus dem Ausland.

Durch die generalistische Pflegeausbildung ist im Jahr 2020 die Ausbildung in den Pflegeberufen völlig neu geordnet worden. Damit wurden die dreijährigen Ausbildungen in der Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengelegt. Die Absicht dabei ist, dadurch den Pflegeberuf insgesamt attraktiver zu machen, den Pflegekräften bessere Berufs- und Aufstiegschancen zu ermöglichen und vor allem mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Bislang ist noch kein durchgängig positiver Trend bei den Ausbildungszahlen feststellbar. Die Konkurrenz zwischen der klinischen Akutpflege und der Langzeitpflege um Absolventinnen und Absolventen fällt ebenfalls zum Teil zu Lasten der Langzeitpflege aus; hier sind Strategien zu entwickeln.

Für die kommunale Seniorenpolitik ist die Beteiligung an der Gewährleistung einer bedarfsgerechten pflegerischen Infrastruktur ein gesetzlicher Auftrag. Im Oktober 2021 wurde im Sozialausschuss die Neuausrichtung der kommunalen Pflegestrukturplanung (Bedarfsermittlung gemäß Art. 69 AGSG) für Nürnberg beschlossen. Die Bedarfsermittlung wird künftig - im Turnus von etwa vier bis sechs Jahren

vergeben. Prognoseberechnungen werden vereinfacht und qualitative Bewertungen von Pflegeakteuren einbezogen.  Bereits jetzt ist absehbar, dass der Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen in Nürnberg - aufgrund der demografischen Entwicklung – steigen wird.

 Im ambulanten Bereich ist zwar einerseits eine ausreichende Zahl von Pflegediensten festzustellen, doch auch hier schlägt der Personalmangel durch.  In der Tagespflege ist in Nürnberg eine relativ gute Versorgungsstruktur gegeben, doch sind weitere Plätze auch in Zukunft bedarfsgerecht.  In der Kurzzeitpflege gilt es besonders, die Zahl der festen (nicht eingestreuten) Kurzzeitpflege zu erhöhen.

Mit dem Pflegestützpunkt verfügt die Stadt Nürnberg über ein wirkungsvolles Instrument der Marktbeobachtung. Es sind fortlaufend aktuelle Informationen über Kapazitäten in der Pflege verfügbar (auch über die neu eingerichtete Pflegeplatzbörse), wodurch insbesondere kurz- oder mittelfristige Entwicklungen bzw. Versorgungsengpässe in einzelnen Teilbereichen der Pflege sichtbar werden. Der größte Teil der Pflegebedürftigen wird nach wie vor im häuslichen Bereich durch Familienangehörige bzw. in privat organisierter Form versorgt. In Zukunft werden kleinräumige Pflegearrangements im Quartier an Bedeutung gewinnen. Dazu gehört die Förderung „sorgender Gemeinschaften“ unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der „kleinen sozialen Kreise“ gemäß einem neuen Verständnis von Subsidiarität (vgl. Kapitel „Gemeinschaft“). In diesem Zusammenhang ist die Quartiersöffnung stationärer Pflegeeinrichtungen bedeutsam: Pflegeheime sollten zu „Lebensorten im Quartier“ weiterentwickelt werden. Konzeptionelle Ansätze hierzu liegen vor, im Sinne von „Quartierspflegezentren“, in denen auch „Betreutes Wohnen“, Tagespflege, Begegnungsorte und Beratungsstellen integriert sein können.

Schließlich ist absehbar, dass die Langzeitpflege immer mehr zum Armutsrisiko wird. Vor allem die enorme Steigerung der Eigenanteile im Heimbereich weitet sich zu einem großen sozialpolitischen Problem aus, das nur auf Bundesebene gelöst bzw. gemildert werden kann.

  1. Seniorenamt  Die Bedarfsermittlung zur pflegerischen Infrastruktur gemäß in Art. 69 AGSG wird in Eigenregie erstmal in 2024 vorgestellt. Erste Ergebnisse wurden bereits im Rahmen der regelmäßigen Pflegekonferenz präsentiert.  Formale Etablierung der Pflegekonferenz, Geschäftsordnung etc.  Zur Verbesserung der Pflegequalität und zur Anerkennung vorbildlicher Leistungen in der Pflege wird im zweijährigen Rhythmus der Nürnberger Pflegepreis verliehen.  Der Pflegestützpunkt wurde in den vergangenen Jahren personell deutlich aufgestockt. Mittelfristig sollen vier Außenstellen des Pflegestützpunkts etabliert werden, wovon zwei bereits realisiert sind.  Der Pflegestützpunkt setzt zusätzlich digitale Möglichkeiten in der Beratungsarbeit ein. Bereits im Jahr 2020 wurde eine digitale Pflegeplatzbörse auf der Homepage des Pflegestützpunktes eingerichtet, wodurch die Klienten einen schnellen Überblick über die aktuell vorhandenen Kapazitäten in ambulanter Pflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege und stationäre Pflege erhalten.  Die hospizliche Betreuung von Menschen in Heimen wird vom Seniorenamt durch Förderung des HPVN (Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerk Nürnberg) und der Projekt-Steuerungsgruppe für den einheitlichen bayerischen Notfallbogen unterstützt.  Zur Steigerung individueller Teilhabe ist in Kooperation mit der Curatorium Altern Gestalten gGmbH ein Entlastungsangebot für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten im Treff Heilig-Geist aufgebaut worden.

  2. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  NürnbergStift: Als kommunaler Pflegeanbieter ist das NürnbergStift nach wie vor ein bedeutender Akteur auf dem Nürnberger Pflegemarkt. Es kann selbst hohe fachliche Standards im Pflegebereich umsetzen. Dies gilt auch für die Ausbildung von Pflegekräften.  Eine bedeutende Rolle bei der externen Qualitätssicherung in der (stationären) Pflege spielt die Heimaufsicht/FQA (im Gesundheitsamt).

2.7.3 Ausblick

Die Stadt Nürnberg ist wie die meisten Kommunen mit den zwei Faktoren zunehmender Fachkräftemangel und (gleichzeitig) zunehmende Pflegebedürftigkeit konfrontiert. Der kommunale Handlungsspielraum zur Verringerung des Fachkräftemangels ist vergleichsweise gering, weil die entscheidenden systemischen Rahmenbedingungen bzw. Anreize auf bundesstaatlicher Ebene gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sind folgende Maßnahmen geplant:  Das Seniorenamt lotet Möglichkeiten und Wege aus, wie eine stärker mit bürgerschaftlichem bzw. nachbarschaftlichem Engagement unterstützte Pflege im häuslichen Bereich funktionieren kann; Ansatzpunkte ergeben sich durch das 2023 aufgelegte Förderprogramm „Gute Pflege“ des Freistaats. Dafür wird der Dialog mit verschiedenen Akteuren (Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen, Kassen, Akteure der offenen Altenarbeit etc.) gesucht.  Bei der generalistischen Pflegeausbildung ist es gemeinsames Ziel, in den Nürnberger Pflegeschulen so viele Absolventinnen und Absolventen wie möglich zu generieren. Die im August 2023 durchgeführte Ehrung des allerersten Abschlussjahrgangs der Generalistik in den Nürnberger Pflegeschulen durch den Oberbürgermeister und die Referentinnen für Jugend, Familie und Soziales sowie für Umwelt und Gesundheit war eine von allen Seiten positiv bewertete Aktion, kann allerdings nicht regelmäßig durchgeführt werden. Das Seniorenamt wird jedoch den seit 2020 etablierten regelmäßigen Austausch mit den Pflegeschulen weiterhin organisieren und moderieren.  Zudem wird ab 2024 der Nürnberger Pflegestützpunkt Praktikumsplätze für Studentinnen und Studenten im Rahmen der akademischen Pflegeausbildung anbieten.  Im Bereich stationäre Pflege wird die Kooperation mit den Fachdienststellen im Planungs- und Baureferat vertieft; angestrebt wird z.B. die Realisierung von Konzeptvergaben. In diesem Zusammenhang wird auch der Kontakt zu möglichen Investoren intensiviert. Allerdings ist derzeit eine deutliche Zurückhaltung bei Investoren und Betreibern hinsichtlich neuer (stationärer) Pflegeeinrichtungen festzustellen.  Die Zusammenarbeit zwischen Seniorenamt und Gesundheitsamt wird weiterhin eng verzahnt stattfinden. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen in der Corona-Pandemie, in der eine intensive Zusammenarbeit zwischen pflegerischen Einrichtungen, Gesundheitsamt und Seniorenamt zwingend erforderlich war, wird durchgängig eine enge Kooperation zwischen den beiden Dienststellen aufrechterhalten (z.B. im Hinblick auf Hitzewellen und Austausch mit den Pflegeheimen).  Der Pflegepreis wird unter weiterentwickelten Rahmenbedingungen fortgeführt.  Innovative Pflegekonzepte für bestimmte Zielgruppen werden weiterverfolgt.  Die Eröffnung weiterer Außenstellen des Pflegestützpunkts wird vorangetrieben, wobei hierfür städtische Räumlichkeiten genutzt werden sollen.  Die Pflegekonferenz wird mit Informationsangeboten für alle Träger der stationären, teilstationären und ambulanten Pflege weiterentwickelt.  Die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Trägern wird weiterhin forciert.  Mit der Bewerbung eines Projekts für präventive Hausbesuche im Rahmen der „Gute Pflege-Förderrichtlinie“ des Landesamts für Pflege zielt das Seniorenamt darauf ab, Pflegeprävention für Seniorinnen und Senioren im einem Pilot-Stadtteil zu stärken.

2.8 Vielfalt von Lebenslagen

2.8.1 Situationsbeschreibung

Heterogenität und Diversität zeichnen in zunehmenden Maße ältere Menschen aus, z.B. im Hinblick auf soziokulturelle Merkmale, soziale Lage, geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung. Dabei werden im individuellen Lebenslauf - von der nachberuflichen Lebensphase bis zum hohen Alter - fließende Übergänge und heterogene, sich verändernde Bedarfe und Gestaltungschancen individuell, in der sozialen Arbeit und gesamtgesellschaftlich zu bewältigen sein (z.B. Erwerbstätigkeit Älterer, nachberufliche / nachfamiliale Phase, Aktives Alter, Hochaltrigkeit, Pflegebedürftigkeit).

Innerhalb der Gesamtgruppe älterer Menschen kristallisieren sich zunehmend „Teilgruppen“ heraus, die jeweils spezifische Angebote und Unterstützung nachfragen bzw. benötigen. Zielgruppen, die bisher kaum oder gar nicht im Fokus der kommunalen Daseinsvorsorge und Teilhabeförderung standen, werden verstärkt Bedeutung erhalten, z.B. psychisch kranke/suchtkranke Seniorinnen und Senioren (vgl. hierzu Kapitel Gesundheit/Prävention), wohnungslose Ältere, Ältere mit geistiger Behinderung, Ältere mit Migrationshintergrund.

Die aktuellen Angebots- und Versorgungsstrukturen werden den Bedürfnissen von älteren Menschen mit Migrationshintergrund noch nicht ausreichend gerecht; daher sind teils auch zielgruppenspezifische Ansätze gefragt. Angebote müssen mehrsprachig beworben und Kooperationen mit migrantischen Organisationen vertieft werden.

Bei älteren Menschen mit Behinderungen stellt sich die Aufgabe, selbstbestimmtes Älterwerden und Inklusion zu gewährleisten. Nach der Erwerbstätigkeit sind Möglichkeiten für aktives Alter und soziale Teilhabe in der Regel stärker eingeschränkt als bei Älteren ohne Behinderung. Die ambulante Versorgung bei Pflegebedürftigkeit ist noch nicht ausreichend auf besondere Belange von älteren Menschen mit Behinderungen eingestellt. Aktuell existieren z.B. für gehörlose Seniorinnen und Senioren und umso mehr für bestimmte, komplexe Problemlagen nur unzureichende spezifische Versorgungskonzepte.

Die zunehmende Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität im Alter erfordert auch in der kommunalen Seniorenpolitik ein Umdenken und eine stärkere Sensibilisierung. Bezogen auf queere ältere Menschen ist zu erwarten, dass Lebensentwürfe, die vom ‚Heteronormativen‘ abweichen, offener und sichtbarer verwirklicht werden. Besondere Bedarfe entstehen z.B. dadurch, dass es tendenziell weniger familiale Unterstützungsressourcen bei homosexuellen als bei heterosexuellen älteren Menschen gibt. Homosexuelle Menschen sind häufiger Singles bzw. alleinlebend. Dies zieht voraussichtlich im steigenden Lebensalter eine höhere Inanspruchnahme von Pflegedienstleistungen nach sich. Um zu verhindern, dass sich pflegebedürftige queere Menschen vor Diskriminierung im Pflegeheim fürchten müssen, sind Maßnahmen zur Sensibilisierung der Pflegeanbieter hinsichtlich des Umgangs mit queeren Menschen angezeigt. Hierzu werden grundsätzlich zwei Wege diskutiert: Ein Lösungsansatz sind eigene Wohnbereiche oder Pflegeeinrichtungen für queere Menschen; ein anderer Ansatz ist die allgemeine Sensibilisierung und explizite Öffnung von Pflegeeinrichtungen für queere Senior*innen. Aber auch jenseits der Pflegebedürftigkeit wird sich durch gesteigerte Ansprüche an die Kommune und andere Akteure ein neuer Bedarf an spezifischen Angeboten etwa in den Bereichen Wohnen und der offenen Seniorenarbeit (z.B. „safe spaces“) ergeben.

Für die Problemlagen und Bedarfe älterer wohnungsloser Menschen, die besonders von Multimorbidität, eingeschränkter Mobilität und Armut betroffen sind, existieren wenig geeignete Versorgungsangebote.

Grundsätzlich werfen Teilgruppen mit besonderen Bedürfnislagen die Frage auf, ob für diese jeweils eigene, spezifische Angebote kreiert, oder sämtliche Angebote als offen für alle konzipiert und kommuniziert werden sollten5. Offene Angebote für alle bergen das Risiko, dass sich bestimmte Teilgruppen von den Angeboten nicht angesprochen fühlen – etwa aufgrund von Marginalisierungs- oder Diskriminierungserfahrungen im Lebensverlauf. Daher ist es u.U. sinnvoller, in der Kommunikation für bestimmte Angebote Teilgruppen direkt zu adressieren, diese Angebote dann aber explizit auch ‚offen für alle anderen‘ zu konzipieren und zu kommunizieren.

5 Dies wurde auch im Rahmen des Demografieforums intensiv diskutiert.

  1. Seniorenamt  Im Rahmen von Modellprojekten wurden u.a. Ansätze für neue Zugangswege zu älteren Migrantinnen und Migranten erprobt. Darüber hinaus ist das Seniorenamt an der städtischen Inklusionskonferenz beteiligt.  Der Schwerpunkt bei den angesprochenen Gruppen ist in erster Linie die Förderung bzw. Ermöglichung konkreter gesellschaftlicher Teilhabe. Beispielsweise werden im städtischen Treff Bleiweiß bei Bedarf Gebärdendolmetscher für bestimmte Veranstaltungen organisiert; darüber hinaus ist der große Saal des Treffs mit einer Induktionsanlage für Hörgeschädigte ausgestattet. Auch bietet der Pflegestützpunkt bei Bedarf Beratungen mehrsprachig an. Es liegt mehrsprachiges Infomaterial vor. Auch bei Beratungen im Pflegestützpunkt sind eigens ausgewählte Gebärdensprachdolmetscher für gehörlose Menschen mit Finanzierung der Pflegekasse vorgesehen.  Um Bedarfe nach spezifischen Angeboten wie ‚safe spaces‘ für queere Senior*innen in der offenen Seniorenarbeit entgegenzukommen, werden eigene Angebote des Seniorenamts (z.B. queerer Senior*innenstammtisch im Treff Bleiweiß, Tanzabende) vorgehalten und entsprechende Angebote anderer Träger initiiert und befördert, u.a. quartiersbezogen in den Seniorennetzwerken.

  2. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  Grundsätzlich wird das Thema Inklusion gesamtstädtisch bearbeitet. Im Nürnberger Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist das Thema Senioren schwerpunktmäßig in Kapitel 5.2 Gesundheit, Prävention, Reha, Pflege behandelt.  Das Sozialamt (SHA) bietet Unterstützungsangebote für viele der genannten Teilgruppen. Die Betreuungsstelle des Sozialamtes hat mit älteren Menschen zu tun, die kognitiv eingeschränkt sind. Das Sozialamt arbeitet auch an Konzeptionen besonderer Wohnangebote für ältere Obdachlose.  In der „Koordinierungsgruppe Inklusion“ unter Geschäftsführung des Referats für Jugend, Familie und Soziales und des Bürgermeisteramts sind alle Geschäftsbereiche der Stadt vertreten. In dieser Struktur erfolgt auch die Erarbeitung bzw. Fortschreibung des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.  Zum Aufgabenbereich des Amtes für Kultur und Freizeit (KuF) gehört die interkulturelle Kulturarbeit. Es werden z.B. Führungen für Menschen mit Migrationshintergrund oder auch Gehörlose angeboten. Außerdem ist bei KuF die Geschäftsstelle der „Koordinierungsgruppe Integration“ angesiedelt - die verwaltungsinterne Steuerungseinheit für die Bereiche Integration und interkulturelles Zusammenleben.  Das Gesundheitsamt (Gh) bietet „Migrationsbezogene Gesundheitsförderung“. Mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst werden auch ältere Menschen mit psychischen bzw. Suchtproblemen erreicht.  Das Thema „barrierefreier Zugang zu öffentlichen Gebäuden“ spielt für alle Geschäftsbereiche eine Rolle (ein Beispiel von vielen: öffentliche Bäder).  Unter Federführung des Menschenrechtsbüros ist der „Aktionsplan Queeres Nürnberg“ erarbeitet und Anfang 2022 verabschiedet worden. In diesem Zusammenhang wurde im Sommer 2022 gemeinsam mit dem Seniorenamt ein Austausch mit Communities queerer älterer Menschen organisiert (in dessen Folge der Treff Bleiweiß seitdem queere Stammtische im zweiwöchigen Turnus sowie entsprechende Tanzabende organisiert, s.o.).

2.8.3 Ausblick

Die Diversität der Gesellschaft nimmt zu und verändert soziale Umgangsformen nachhaltig. Damit ist auch eine Anpassung und Flexibilisierung der kommunalen Seniorenpolitik bzw. -arbeit angezeigt, um geänderten oder gesteigerten Ansprüchen verschiedenster Teilgruppen gerecht zu werden.

Folgende Maßnahmen im Handlungsfeld „Vielfalt der Lebenslagen“ sind vorgesehen:

 Ein strategisches Augenmerk wird weiterhin auf besondere Zielgruppen gerichtet. Beispielsweise sollen Befragungen und Fachtage in größer werdenden Teilgruppen (z.B. ältere Menschen mit Migrationsgeschichte) Aufschlüsse über Erwartungen, fehlende Angebote oder benötigte Unterstützung liefern.  Für die Gruppe der älteren Menschen mit Behinderungen sind verstärkt Maßnahmen nötig; hierfür plant das Seniorenamt, seine Öffentlichkeitsarbeit (zumindest teilweise) in leichter Sprache zu verfassen.  Kooperationen mit Selbstorganisationen verschiedener Betroffenengruppen (z.B. Migrantenselbstorganisationen, Netzwerk Leichte Sprache, queere Gruppen etc.) werden initiiert und vertieft.  Angesichts der steigenden Zahl älterer wohnungsloser Menschen ist die Kommune auch in der Pflicht, entsprechende Wohn- bzw. Betreuungsangebote zu entwickeln. Hierfür wird die innerstädtische Kooperation (Sozialamt u.a.) verstärkt.  Das Seniorenamt wirkt darauf hin, dass Anbieter in der Seniorenarbeit – etwa durch allgemeine Verlautbarungen im Web-Auftritt oder Plakataushänge in Seniorentreffs – aktiv kommunizieren, dass ihre Angebote (auch) für Menschen mit bestimmten Bedürfnislagen da sind, dass sie gesprächsoffen und bemüht sind, in der Angebotsgestaltung dazuzulernen sowie dass sie sich gegen die Diskriminierung marginalisierter Gruppen stellen.  Die Sensibilität für neue bzw. im gesellschaftlichen Diskurs neu artikulierte Bedürfnislagen auf Seiten der Menschen, die in der Seniorenarbeit (beruflich oder ehrenamtlich) tätig sind, wird erhöht. Dazu wird geprüft, inwieweit Bildungs- und Diskursangebote in der Ausbildung Hauptamtlicher sowie in der Weiterbildung für Hauptamtliche und Freiwillige in der Seniorenarbeit etabliert werden können.

2.9. Wohnen, Urbanes Leben

2.9.1 Situationsbeschreibung

Nach wie vor ist bezahlbarer Wohnraum (für alle Bevölkerungsschichten) ein zentrales sozial- und wohnungspolitisches Thema. Im Vergleich zum Jahr 2018 hat dieses Thema an Brisanz noch deutlich gewonnen, da seither die Immobilien- und Mietpreise drastisch angestiegen sind. Für die Zukunft ist keine Entspannung zu erwarten, angesichts massiv steigender Energiekosten und Preiserhöhungen in allen Bereichen des Bau- und Wohnungswesens sowie weiter steigender Nachfrage (bspw. durch Zuzug aus dem In- und Ausland einschließlich Geflüchteter aus Krisengebieten). Im Gegenzug dazu verringert sich der Bestand an belegungsgebundenen geförderten Wohnungen seit vielen Jahren stetig (2023 insgesamt etwa 17.300 Wohnungen gegenüber 19.000 im Jahr 2010). Besonders Miethaushalte sind von steigenden Wohnkosten betroffen: einerseits verfügen sie über durchschnittlich geringere Einkommen als Eigentümerhaushalte, andererseits ist bei ihnen der Anteil der Wohnkosten am Einkommen deutlich höher.

Ein wichtiger Aspekt altersgerechten Wohnens ist die Barrierefreiheit bzw. Barrierereduktion. Nur eine kleine Minderheit der Seniorenhaushalte verfügt über stufenlose Zugänge zur Wohnung, schwellenlose Innenräume, ausreichend breite Türen und Flure (besonders in Altbauten) und ebenerdige Einstiege zur Dusche. Laut Seniorenbefragung 2019 stufen etwa 20 % der Befragten ihre Wohnung bzw. ihr Haus als barrierefrei ein, was allerdings einem subjektiven Eindruck entspricht und nicht einer Prüfung objektiver Baunormen.

Nach wie vor lebt die überwältigende Mehrheit älterer Menschen in einer privaten Wohnung (etwa 90 % der 80-Jährigen und Älteren). Selbst bei Pflegebedürftigkeit bleibt für die Mehrzahl die eigene Wohnung der zentrale Lebensort. Zudem empfinden ältere Menschen eine besonders enge Verbundenheit zu ihrer Wohnung; dies zeigt sich etwa in jahrzehntelangem Verbleib in derselben Wohnung und dem Wunsch, nicht wegziehen zu müssen. Das bestätigt auch die Seniorenbefragung 2019: 56 % der Befragten wollen nie aus ihrer Wohnung wegziehen, knapp 20 % würden höchstens im gleichen

Stadtteil umziehen (weitere 18 % wollen bei Umzug in Nürnberg bleiben und nur etwa 9 % aus Nürnberg wegziehen).

Veränderte Lebensweisen und Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren haben zu einer Vielfalt an Wohnformen im Alter geführt. Das Alten- oder Pflegeheim als vollinstitutionalisierte Wohnform wird überwiegend abgelehnt und nur als letzte Möglichkeit gesehen. Bevorzugt wird selbständiges Wohnen in vertrauter Umgebung mit der Möglichkeit, bei Hilfebedürftigkeit Hilfen nach eigener Auswahl in Anspruch nehmen zu können. Neben der normalen Wohnung existieren verschiedene Wohnformen im Alter, in denen zwei Aspekte von besonderer Bedeutung sind: Zusätzliche Angebote zur Erhöhung der Versorgungssicherheit (bis hin zur Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit) sowie gemeinschaftliches, auch generationenübergreifendes Wohnen, bei denen die Bewohnerinnen und Bewohner häufig Hilfeleistungen untereinander erbringen. Rein pflegeorientiert sind dagegen sogenannte ambulant betreute Wohngemeinschaften. Speziell der Markt für Betreutes Wohnen bzw. Service-Wohnen ist seit längerer Zeit ein Wachstumsmarkt. Allerdings ist Betreutes Wohnen nicht klar definiert, sondern eher ein Sammelbegriff für altersgerecht gestalteten Wohnraum mit unterschiedlichen (und unterschiedlich teuren) Zusatzleistungen. In der Praxis wird Betreutes Wohnen immer häufiger auch im Verbund mit reinen Pflegeeinrichtungen (stationär, teilstationär etc.) realisiert. Die Kosten des Betreuten Wohnens liegen in der Regel über denen des rein privaten Wohnens, wobei auch Angebote für Menschen mit Wohnberechtigungsschein, d.h. mit geringem Einkommen, bestehen; insgesamt aber kommt Betreutes Wohnen in der Regel für untere Einkommensgruppen kaum in Frage. Dass der Bedarf für „Neue Wohnformen“ gegeben ist, zeigt die Nürnberger Seniorenbefragung 2019: 53 % der Befragten können sich vorstellen, in ein Betreutes Wohnen umzuziehen, ebenso viele (52 %) würden ein selbständiges Leben in einer barrierefreien Wohnung bevorzugen. Knapp 32 % hätten Interesse an einem Gemeinschaftswohnen „Jung und Alt“ und für knapp 30 % käme eine Haus- oder Wohngemeinschaft für Seniorinnen und Senioren in Frage.

Neben der eigenen Wohnung ist das unmittelbare Wohnumfeld von großer Bedeutung für eine selbstbestimmte Lebensführung im Alter. Bei schrumpfendem Aktionsradius im Alter ist die gute Erreichbarkeit aller „lebensnotwendigen“ Einrichtungen essentiell. Dabei ist die Barrierefreiheit des Wohnumfelds ebenso von Belang wie die infrastrukturelle Ausstattung. In der Seniorenbefragung 2019 wurde ermittelt, dass viele Aspekte des Wohnumfelds als ausreichend bewertet wurden. Am ehesten wurden (subjektive) Defizite bei der Fachärzteversorgung, Freizeitangeboten sowie Bildungs- und Kulturangeboten bemängelt. Bezüglich fehlender Hilfsangebote und Begegnungsmöglichkeiten zeigen sich große Unterschiede je nach Stadtteil.

Die Teilaspekte des Wohnens im Alter sind in die Thematik der seniorengerechten Stadtentwicklung insgesamt eingebettet. Stadtplanung steht vor der Aufgabe, die Lebenssituationen und Bedürfnisse aller Bevölkerungs- und Altersgruppen bei der Gestaltung bestehender und neuer Stadtteile bzw. Quartiere im Blick zu haben. Insofern spielen die Belange älterer Menschen dabei nicht die Hauptrolle, sind aber in vielen fachplanerischen Zusammenhängen nachdrücklich einzufordern und zu berücksichtigen. Bei der Gestaltung des Stadtraums ist die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, insbesondere bei Grünflächen und Plätzen (etwa durch Einplanung geeigneter Sitzgelegenheiten), ebenso hinsichtlich der Mobilität und Verkehrswegeplanung.

Ein besonderer Aspekt des Wohnens ist die zunehmende Bedeutung von Klimaauswirkungen, etwa durch lang andauernde Hitze- und Trockenperioden. So müssen etwa Pflegeheime (als besondere Wohnform) dringend an lange Hitzeperioden angepasst werden. Doch auch im Wohnungsbau werden neue, innovative „klimaresistente“ Wohnformen zunehmend benötigt; ein Beispiel dafür ist das „Sandäcker-Quartier“ in Gebersdorf: Hier hat die wbg einen städtebaulichen Ideenwettbewerb „Klimagerechtes Wohnen und Arbeiten“ ausgelobt (ein Modellvorhaben des Experimentellen Wohnungsbaus „Klimaanpassung im Wohnungsbau“).

  1. Seniorenamt  Mit der Seniorenbefragung 2019 wurden wichtige Einzelheiten zu Wohnverhältnissen und Wohnumfeld der älteren Bevölkerung gewonnen, insbesondere auch für die kleinräumige Quartiersarbeit.  Das Seniorenamt beteiligt sich an den Prozessen der Stadtplanung und Stadtentwicklung, etwa im Rahmen von Instruktionen und Bedarfsabfragen im Rahmen der Bauleitplanung. Mittlerweile liegt eine Übersicht über Flächenpotenziale für Pflegeheime im Nürnberger Stadtgebiet vor, die mittelund längerfristig als Ausgangspunkt für städtische Planungen und Gespräche mit Trägern und Betreibern dienen können. Das Seniorenamt bringt auch bei der Planung neuer Quartiere und Stadtteile (z.B. Tiefes Feld oder Lichtenreuth) seniorenspezifische Belange nachdrücklich mit ein; neben Wohneinrichtungen auch Freiraumgestaltung und Quartiers-Begegnungsorte, die von Seniorinnen und Senioren genutzt werden können.  Ein wichtiges Instrument zur Reduzierung von Barrieren in der Wohnung ist die Beratung durch das Kompetenznetzwerk Wohnungsanpassungsberatung (KOWAB), das beim Pflegestützpunkt angesiedelt ist. Ehrenamtliche Beraterinnen und Berater informieren vor Ort über Möglichkeiten der Wohnungsanpassung, um ein möglichst langes Leben zu Hause zu sichern. Diese Beratung wird zunehmend auch präventiv von Familien genutzt.  Wichtig sind auch die Stadtteilbegehungen im Rahmen der mittlerweile 20 Seniorennetzwerke zur Identifizierung von Barrieren im Wohnumfeld.

  2. Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung (exemplarisch)  Das Stadtplanungsamt (Stpl) beeinflusst durch Bauleitplanung und Stadtentwicklung (direkt und indirekt) auch die Lebensbedingungen älterer Menschen.  Einen wichtigen Aspekt, der die Lebenswelten älterer Menschen tangiert, ist der „Masterplan Freiraum“ von SÖR (Servicebetrieb Öffentlicher Raum); hier können seniorenspezifische Gesichtspunkte bei der Gestaltung von Parks und öffentlichen Grünflächen berücksichtigt werden.  Bei der möglichen Nutzung städtischer Flächen bzw. beim Flächenankauf für stationäre Pflegeeinrichtungen ist die Kooperation mit dem Liegenschaftsamt wichtig.  Das Verkehrsplanungsamt (Vpl) setzt mit seinen Instrumenten (Verkehrsentwicklungspläne, Nahverkehrsplan, Masterplan nachhaltige Mobilität, Parkraumkonzepte, Verkehrssicherheitskonzepte etc.) wichtige Rahmenbedingungen für ein altengerechtes Wohnumfeld.  Der Stab Wohnen (angesiedelt bei Ref. VII) ist u.a. im Bereich Unterstützung von Sonderwohnformen für Ältere wichtig (z.B. Senioren-WGs, Mehrgenerationen-Wohnprojekte).  Die Förderung altengerechten Wohnens bzw. altengerechter Quartiere ist (wenn auch nicht prioritärer) Teil des Wohnungspolitischen Programms 2025/30.  Die wbg als städtisches Wohnungsunternehmen übernimmt auch in sozialer Hinsicht große Verantwortung für eine bedarfsgerechte Wohnraumversorgung älterer Menschen in Nürnberg.

2.9.3 Ausblick

Die lokale Seniorenpolitik muss dazu beitragen, durch altersgerechten Umbau der Wohnung, wohnortnahe Hilfsangebote (Dienstleistungen) und Förderung der Nachbarschaftshilfe den Wunsch nach Verbleib im bestehenden Wohnumfeld zu unterstützen. Im Einzelnen sind hierzu folgende Maßnahmen vorgesehen:  Die Wohnungsanpassungsberatung (KOWAB) des Pflegestützpunktes wird nach Möglichkeit ergänzt um die Beratung über Möglichkeiten des digital unterstützen Wohnens.  Das Seniorenamt bringt sich weiterhin verstärkt in die Prozesse der Stadtplanung ein, um Investoren für Seniorengerechtes Wohnen (inklusive Pflege) zu gewinnen. Besonderes Augenmerk ist auf Grundstücke in städtischem Besitz zu legen. Bei der Gestaltung von Wohnraum bzw. größeren Wohnanlagen sind innovative bauliche Konzepte wichtig, etwa die Einplanung von Gemeinschaftsräumen oder flexible Grundrisse.

 In den Seniorennetzwerken wird daran gearbeitet, das Wohnumfeld für Seniorinnen und Senioren besser erschließbar zu machen. Dazu gehört die Erhöhung der Transparenz über die vor Ort vorhandenen Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten, einschließlich der Nahversorgung, beispielsweise auch durch Übersichten über Lieferdienste von Supermärkten.  Im Hinblick auf die sogenannten „Neuen Wohnformen im Alter“ wird eine Expertise zu entsprechenden Förderprogrammen erarbeitet und an potentielle Träger im Rahmen von Austauschveranstaltungen weitervermittelt. Wohnformen mit ergänzenden offenen Angeboten im Nahraum zu unterstützen bzw. attraktiver zu machen, ist gesamtstädtische Aufgabe.  Darüber hinaus werden auch bestehende Angebote der Alltagsbegleitung beworben und Möglichkeiten der Weiterentwicklung geprüft (z. B. bei der Benutzung des ÖPNV für Einkäufe, Arztbesuche etc.).

3. Fazit

Die Fortschreibung des 2018 beschlossenen Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts der Stadt Nürnberg speist sich aus folgenden Grundgedanken:

  1. Die Fortschreibung ist notwendig, weil der Demografische Wandel mit all seinen Folgewirkungen in den kommenden Dekaden die Lebenswelten älterer Menschen ebenso wie den sozialen Zusammenhalt der Generationen in der Stadt Nürnberg insgesamt spürbar prägen und verändern wird. Dies macht die Überprüfung, Neubewertung und Ergänzung der wichtigsten kommunalen Handlungsfelder in Bezug auf ältere Menschen notwendig: So haben beispielsweise die Bereiche „Gemeinschaft“ und „Digitalisierung“ in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, während in den Handlungsfeldern „Wohnen“ und „Pflege“ die Komplikationen und Erschwernisse erheblich zugenommen haben. Insgesamt sind die Bedingungen in fast allen Handlungsfeldern aufgrund externer Effekte bzw. Entwicklungen anspruchsvoller geworden.

  2. Zur Umsetzung des Gesamtkonzepts ist ein gemeinsames Agieren der Stadt(-verwaltung) unumgänglich. Dies wird im Bericht durch die Schnittstellen innerhalb der Stadtverwaltung angedeutet, muss sich aber auch in der Praxis im gemeinsamen Grundverständnis aller beteiligten Dienststellen stetig weiter entwickeln, bewähren und auch über die direkt involvierten Bereiche verankert werden. Denn ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept geht über die klassische Seniorenarbeit deutlich hinaus. Auch in den technischen und planerischen sowie allen weiteren Verwaltungseinheiten werden die Rahmenbedingungen gesetzt, welche die Chancen für Teilhabe und selbstbestimmtes Leben auch im Alter entscheidend mitprägen.

  3. Bei der Fortschreibung des Gesamtkonzepts ist auch der Aspekt der Partizipation stärker berücksichtigt worden. Die Beteiligung eines bewusst breit gefassten Kreises von Stakeholdern beim „Nürnberger Demografieforum“ 2023 hat eine positive Resonanz erfahren: in der Veranstaltung sind viele Überlegungen bestätigt, aber auch viele gute Ideen neu entwickelt worden, die durch das Seniorenamt weitestmöglich aufgenommen wurden.

  4. Das mit dem Gesamtkonzept vorgelegte Handlungsprogramm ist mittel- und längerfristig ausgerichtet. Nicht alles ist sofort umsetzbar, für einiges braucht es einen langen Atem. Vieles basiert auf guter Vernetzung mit allen Akteuren der Seniorenarbeit in Nürnberg und einem reibungsarmen, unbürokratischen Zusammenwirken der Verwaltungseinheiten. Und nicht zuletzt: Kommunale Seniorenpolitik muss auch experimentell sein. Es geht um das Ausprobieren von Konzepten, nicht alles kann gelingen. Dabei zeigt sich auch, dass viele der beschriebenen Projekte und Handlungsansätze sich nicht ausschließlich auf ein einziges Handlungsfeld reduzieren lassen: So befördern Projekte wie „Mach dich stark“ in den Seniorennetzwerken oder „Wege in die digitale Welt“ oder auch die Förderung von Mehrgenerationenhäusern zugleich mehrere Themenfelder bzw. Zielgruppen. Besonders solche „multifunktionalen“ Ansätze sind angesichts bestehender Ressourcen erfolgversprechend.

Insgesamt nehmen die Herausforderungen an die kommunale Seniorenpolitik und -arbeit deutlich zu. Quantitative Bedarfe und Bedürfnislagen ändern sich teilweise fundamental. In vielen Handlungsfeldern hat die Kommune nur geringe Handlungsspielräume bzw. wird von Entwicklungen getroffen, auf die sie nur wenig Einfluss hat (z.B. in der Pflege). Ressourcenknappheit finanzieller und personeller Art (auch in der Stadtverwaltung selbst) lassen häufig die Förderung sinnvoller Projekte und Ansätze nicht zu. Manches wird durch private Unterstützung (z.B. über Stiftungen und Erbschaften) überhaupt erst ermöglicht; hier müssen Mittel und Wege gefunden werden, Projekte bzw. Ansätze zu verstetigen, deren Wirksamkeit belegt ist. Der stetige Abgleich mit Entwicklungen auf Bundes- und Landesebene und der kommunale Schulterschluss ist unterlässlich – das aktuelle Positionspapier des Bayerischen Städtetags „Altwerden in der Stadt“ (https://www.bay-staedtetag.de/fileadmin/Downloads/Jahrestagungen/2024/Tagungspapier_BStT_2024.pdf) enthält zahlreiche Ansätze und Forderungen, die auch für Nürnberg Geltung haben.

Angesichts all dieser Aspekte lässt sich abschließend sagen: Nürnberg soll auch in Zukunft eine lebenswerte Stadt für ältere Menschen und generell für alle Generationen bleiben. Mit dem vorliegenden Seniorenpolitischen Gesamtkonzept verpflichtet sich die Stadt Nürnberg, hierfür den Rahmen zu setzen und die Bedingungen zu schaffen.

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