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Wirtschaftsstandort Nürnberg - Positionsbestimmung 2023
Sachverhaltsdarstellung:
1. Wirtschaftsentwicklung am Standort Nürnberg im Jahr 2022
Die Nürnberger Wirtschaft hat sich vor dem Hintergrund großer Herausforderungen im zurückliegenden Jahr gut entwickelt. Der Wirtschaftsstandort konnte seine gute Wettbewerbsposition als bedeutender Standort wissensintensiver Industrien (s. S. 11 der Positionsbestimmung), Hochburg für Digitalwirtschaft (s. S. 12) oder als beliebte Einkaufsstadt (s. S. 13) im Vergleich der größten deutschen Städte halten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Nürnberg erreichte einen historischen Höchststand (s. S. 5) bei gleichzeitig nur geringem Anstieg der Arbeitslosigkeit, der aber auf den Zustrom Geflüchteter aus der Ukraine zurückzuführen ist (s. S. 8). Nürnbergs Wirtschaftskraft ist überdurchschnittlich stark (s. S. 10), der Bestand an offenen Stellen ist hoch (s. S. 9) und die erfolgreichen Nürnberger Unternehmen leisten über die Gewerbesteuer einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der gesamten Stadt (s. S. 14).
2. Standortentwicklung im Jahr 2022
Im Jahr 2022 gingen relevante Immobilienprojekte an den Start bzw. wurden fertig gestellt. Mit dem Spatenstich zum Bürokomplex „The One“ startete die umfassende Revitalisierung der ehemaligen Straßenbahn-Wendeschleife in Thon. Mit dem Einzug der ersten Mieter in den „Gewerbepark Am Leonhardspark“ wurde ein weiterer Meilenstein der Quartiersentwicklung auf dem früheren Schlachthof-Areal erreicht. Ein wichtiges Signal für Frequenz und Belebung der westlichen Altstadt war 2022 die Wiedereröffnung des ehemaligen Wöhrl-Sportkaufhauses, nun als Premium-Modehaus mit Eventbereichen und hochwertiger Gastronomie (vor kurzem als „Store of the Year“ vom Handelsverband Deutschland ausgezeichnet). Die genannten Entwicklungen stehen für 25.000 m² hochwertige Flächen im Bereich Büro, Services und Einzelhandel.
Neue Impulse für die Lebensqualität und Wirtschaftskraft gaben im Jahr 2022 zudem hochwertige Quartierentwicklungen. Nach dem „Orange Campus“ im Vorjahr konnte im Jahr 2022 die umfassende Revitalisierung des ehem. Güterbahnhofsgebäudes unter dem Titel „Kohlektiv“ (Bürogebäude mit 3.500 m²) als weiterer Meilenstein der Entwicklung des 13 ha großen Kohlenhof-Areals abgeschlossen werden. Der Spatenstich für das „UmweltHaus“, der neuen Konzernzentrale der UmweltBank AG (Bürogebäude mit 11.000 m²) bildete den Auftakt zur Entwicklung des „UmweltQuartiers“ auf dem ehem. GfK-Standort am Nordwestring. Hier entsteht ein gemischtes Quartier mit Wohnraum für 750 Menschen und 19.000 m² Gewerbefläche.
Signalwirkung für den Industriestandort hatte die Entscheidung am Nürnberger Werk von MAN Truck & Bus, 100 Millionen Euro in die Großserienproduktion von Batterien für Lastkraftwagen zu investieren. Flankierend startete die Forschungskooperation „Campus Future Driveline“. In einem innovativen Konzept arbeiten auf dem Werksgelände Forscherinnen und Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm zusammen mit MAN Truck & Bus an der Zukunft der Schwerlastmobilität. Diese Entwicklungen festigen die Leitwerksfunktion des MAN-Standortes Nürnberg.
Der Ausbau des Wissenschaftsstandortes Nürnberg nahm im Jahr 2022 konkrete Form an. So begannen die Bauarbeiten am ersten Gebäude der Technischen Universität Nürnberg (UTN), dem ‚Cube One‘. In den kommenden Jahren entsteht mit der UTN eine Universität mit Modellcharakter für bis zu 6.000 Studierende. Der erste Masterstudiengang an der UTN beginnt im Herbst 2023. Ebenfalls startete der Bau des ‚TechnologieCampus‘ der Technischen Universität Nürnberg Georg Simon Ohm auf dem ehem. AEG-Nordareal. Es entsteht ein
2 Forschungsgebäude mit 6.600 m². Rund um den Energie Campus Nürnberg ist ein vitales Wissensquartier mit Forschung und Entwicklung, High-Tech-Unternehmen und Kultur entstanden, das mit dem ‚TechnologieCampus‘ nun weiter anwächst. Bis zum Jahr 2030 fließen insgesamt über 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Wissenschaftsstandortes Nürnberg.
3. Aktivitäten der Wirtschaftsförderung Nürnberg im Jahr 2022
Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat setzt mit der Wirtschaftsförderung Nürnberg als zuständiger Fachdienststelle wichtige Maßnahmen für die Entwicklung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Nürnberg um.
Die Wirtschaftsförderung Nürnberg versteht sich als Partnerin der Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen und als Zukunftsgestalterin des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Nürnberg. Sie bietet bedarfsgerechte Services für Unternehmen in den Phasen Gründung, Wachstum, Veränderung und Krise an. Zudem gestaltet sie die Rahmenbedingungen am Standort durch die Entwicklung von Wirtschaftsräumen (im Einzelnen: Gewerbegebiete, Quartiere, Innenstadt) und den Ausbau des Innovations-Ökosystems mit Innovationsorten (z.B. Forschungseinrichtungen, Inkubatoren, Clustern, etc.) und Formaten (z.B. Events, Networking, Matching, etc.).
3.1 Partnerin der Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen Die hohe Servicequalität und niederschwellige Erreichbarkeit der Wirtschaftsförderung Nürnberg schlägt sich in über 1.300 Kontakten zu Unternehmen in über 650 Wirtschaftsförderungsfällen im Jahr 2022 nieder, davon über 80 Standortanfragen. Flankierend wird ein kostenfreies Beratungsportfolio für Nürnberger Unternehmen vorgehalten - mit Angeboten im Bereich Gründung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete im Jahr 2022 das Thema Energiekosten. Hier stellte die Wirtschaftsförderung Nürnberg bedarfsgerecht Fachinformationen in Web, Social Media und in digitalen Veranstaltungsformaten bereit. Zudem startete im Jahr 2022 auch das Verbundprojekt transform_EMN zur Transformation der Fahrzeugzulieferindustrie in der Europäischen Metropolregion Nürnberg (vgl. Stadtrat vom 26.10.2022). Das Projekt unterstützt kleine und mittlere Unternehmen aus der Metropolregion Nürnberg dabei, die Herausforderungen der Transformation zu meistern und sich zukunftsfähig aufzustellen. Um Produktionsstandorte und Beschäftigung zu sichern und Unternehmen beim Mobilitätswandel zu begleiten, etabliert das Projekt transform_EMN ein Netzwerk mit kostenfreien Maßnahmen zu Wissens- und Technologietransfer, Beschäftigtenqualifikation und zur Erschließung neuer Geschäftsfelder. Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat war an der Antragstellung beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in Höhe von 6,5 Millionen Euro beteiligt. Der Wirtschaftsförderung Nürnberg obliegt die fachliche Leitung des Gesamtprojektes.
3.2 Zukunftsgestalterin des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Nürnberg Die Wirtschaftsförderung Nürnberg gab im Jahr 2022 wichtige Anstöße zur Entwicklung von Wirtschaftsräumen in Nürnberg.
Der Fokus der Aktivitäten lag auf der Stärkung der Vitalität der Nürnberger Innenstadt und dem Leitprojekt Nürnberger City Werkstatt. Die Nürnberger City Werkstatt ist eine gemeinsame Initiative des Wirtschafts- und Wissenschaftsreferates und der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken zur Belebung und Weiterentwicklung der Nürnberger Altstadt. Bereits zum zweiten Mal fand von April bis Oktober 2022 die „Summer Street“ in der Adlerstraße zur Aufwertung dieser Nebenstraße statt. Der Verkehr in der Straße wurde beruhigt und neue Flächen für Begrünung, Bespielung und Außengastronomie geschaffen. Beauftragt wurde zudem eine Machbarkeitsstudie für eine Mixed-Use-Immobilie mit permanenter Pop- Up-Verkaufsfläche in der City („Pop-Up-Center“). Inzwischen gibt es auch einen Pop-Up-Store in der Hans-Sachs-Gasse 9 zum Ausprobieren neuer Konzepte für Handel und Dienstleistungen (vgl. RWA vom 08.03.2023). Ebenfalls im Jahr 2022 wurde ein umfassendes softwaregestütztes Leerstandsmanagement für die Nürnberger Altstadt etabliert.
3 Die Weiterentwicklung der bestehenden Gewerbegebiete ist eines der Hauptziele des im Jahr 2020 erarbeiteten und im Stadtrat beschlossenen Masterplans Gewerbeflächen des Wirtschafts- und Wissenschaftsreferats (vgl. Stadtrat vom 21.10.2020). Im Jahr 2022 fiel das Augenmerk dabei auf das Gewerbegebiet Schafhof/Klingenhof im Nordosten der Stadt. Im Rahmen einer umfassenden Strukturanalyse wurden die ansässigen Unternehmen erfasst und die planungsrechtlichen, städtebaulichen und strukturellen Gegebenheiten vor Ort untersucht (vgl. RWA vom 25.01.2023). Die Analyse wurde mit den Akteuren vor Ort verifiziert und mit den betroffenen Dienststellen der Stadt Nürnberg diskutiert. Handlungsbedarfe im Gewerbegebiet Schafhof/Klingenhof bestehen bei der Aktivierung von Flächenpotenzialen, bei der Förderung nachhaltiger Mobilität und zukunftsfähiger Energiekonzepte sowie bei der Klimaanpassung (z.B. mit Begrünung und Entsiegelung). Die Wirtschaftsförderung Nürnberg forciert den Aufbau eines Standortnetzwerkes der Unternehmen vor Ort, um eine Standortidentität zu entwickeln und die vorgenannten Handlungsfelder anzugehen.
Die Wirtschaftsförderung Nürnberg entwickelte im Jahr 2022 das Innovations-Ökosystem am Standort weiter: Highlight war die Eröffnung des OM7 Business Innovation Center für Existenzgründungen und junge Unternehmen der Kreativwirtschaft in der Obermaierstraße 7. Mit dem OM7 haben Gründungsinteressierte, Startups und junge Unternehmen nun eine Anlaufstelle für kreative und innovative Geschäftsideen. Zudem fördert das OM7 offene Innovationsprozesse. Im Rahmen der sog. Cross-Innovation öffnen sich Unternehmen aller Branchen und nutzen den Input von Kreativschaffenden, um neue Ideen zu entwickeln und schneller in Umsetzung zu bringen (vgl. RWA vom 11.05.2022). Die Wirtschaftsförderung Nürnberg hat das Konzept für das OM7 zusammen mit dem Netzwerk der Digitalwirtschaft NIK e.V. erstellt und die Finanzierung für die ersten fünf Jahre über einen städtischen Zuschuss gesichert. Weitere Unterstützung für digitale Gründungen und Geschäftsmodelle und für nachhaltige Gründungen und nachhaltige Geschäftsmodelle bieten die Tech-Inkubatoren ZOLLHOF Tech Incubator und NKubator - Innovations- und Gründerzentrum für Energie, GreenTech und Nachhaltigkeit, die ebenfalls von der Wirtschaftsförderung Nürnberg betreut werden.
Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft mit großem wirtschaftlichen Potenzial und ist für die Energiewende unerlässlich. Im Jahr 2022 ließ das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat in einer Machbarkeitsstudie untersuchen, wo konkret wirtschaftliche Chancen für die Metropolregion Nürnberg bei Wasserstoff-Technologien liegen und wie sie aktiviert werden können. Die Studie „Wasserstoff in der Metropolregion Nürnberg - Analyse der Kompetenzen, Chancen und Herausforderungen“, die vom Energie Campus Nürnberg im Auftrag der Wirtschaftsförderung Nürnberg erarbeitet wurde, attestiert der Metropolregion gute Chancen, Innovationszentrum für Wasserstoff-Technologien zu werden und beziffert die spezifischen Potenziale für Wachstum und Beschäftigung (vgl. Stadtrat vom 15.03.2023).
Anmerkung zur Diversity-Relevanz Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass diese Maßnahme bestimmte Personengruppen, beispielsweise unterschiedlichen Geschlechts, verschiedener ethnischer Herkunft, mit Behinderungen, unterschiedlichen Alters, sozialer Lage bevorteilt oder benachteiligt. Das Vorhaben ist damit nicht Diversity-relevant. Die Maßnahme hat weder diskriminierende Auswirkungen noch erschließt sie Potenziale für Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung und Chancengleichheit.
Referat VII