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INSEK Nürnberg Südost (2015)

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Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Nürnberg Südost VERNETZEN !

Abbildung 1

Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept

Nürnberg Südost

VERNETZEN !

Impressum

Herausgeber

Stadt Nürnberg Rathausplatz 2 Bürgermeisteramt 90403 Nürnberg

Koordination

Baureferat, Stadtplanungsamt Michael Lang Martin Hofmann Maria Löhr

Konzept und Bearbeitung

Urban Catalyst studio Glogauer Straße 6 Prof. Klaus Overmeyer 10999 Berlin Janin Walter Rupert Schelle Alexia Radounikli Hisar Ersöz Jan Dubsky

yellowz Berlin Choriner Straße 55 Oliver Bormann 10435 Berlin Simone Risse Francesca Guarascio

Gebietsteam Nürnberg Südost

Stadtverwaltung

Stadtplanungsamt Michael Lang (Leiter des Gebietsteams) Martin Hofmann, Maria Löhr Planungs- und Baureferat Ingo Schlick Bürgermeisteramt Hannes Hinnecke Wirtschaftsförderung Nürnberg Christine Götz Geschäftsbereich 3. Bürgermeister Günter Ebert Gesundheitsamt Klaus Kamm Kulturreferat Martina Bauernfeind, Matthias Braun Liegenschaftsamt Wolfram Gäbisch Amt für Kinder, Jugendliche und Familien - Jugendamt Simone Herold, Christian Rester Amt für Senioren und Generationenfragen - Seniorenamt Ilona Porsch Servicebetrieb Öffentlicher Raum Thea Weber Sportservice Michael Kolb, Jürgen Thielemann Stab Wohnen Britta Walther, Marion Wenzler Umweltamt Maria Martens, Markus Hackner Verkehrsplanungsamt Andrea Meier

Externe Sponsoren

wbg Nürnberg GmbH Harald Behmer NürnbergMesse GmbH Christian Foos, Gerald Weiß aurelis Real Estate GmbH und Co. KG Benno Zanker

Gestaltung und Druckvorlage

Urban Catalyst studio und yellowz Berlin

Kartengrundlage

Amt für Geoinformation und Bodenordnung

Datengrundlage (sofern nicht anders angegeben)

Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth

Druck Auflage

Schleunungdruck 1.500 Exemplare

Nürnberg, November 2015

Vorwort

Stadtentwicklung kann schon lange nicht mehr als ausschließlich oder überwiegend bauliche Entwicklung gedacht werden. Es sind integrierte Ansätze erforderlich, um Antworten auf die komplexen Herausforderungen der Zukunft zu finden und eine nachhaltige, ökologisch und sozial ausgewogene Stadtentwicklung zu ermöglichen. Nürnberg hat daher seine Stadtentwicklung nach längerer Pause 2009 „neu belebt“. Den Anstoß hierzu gab koopstadt, ein Gemeinschaftsprojekt der Städte Bremen, Leipzig und Nürnberg im Bereich der integrierten Stadtentwicklung.

Seitdem verfolgt Nürnberg mit den Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepten (INSEK) einen gebietsorientierten Ansatz: Für Stadtbereiche mit besonderem Handlungsbedarf oder für fachliche Themen mit besonderer Bedeutung für die Entwicklung unserer Stadt werden integrierte Konzepte erarbeitet. So bilden die INSEKs Altstadt, Süden, Weststadt und Nürnberg am Wasser seit 2011 die Grundlage für die Gebietsentwicklung und werden schrittweise umgesetzt.

Mit dem INSEK Südost erhält nun ein weiterer Stadtbereich einen Kompass für seinen Weg in Richtung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Stadtentwicklung.

Abbildung 4

Abbildung 5

VERNETZEN !

Der Titel ist Programm und steht für die übergreifenden Themen des Südostens. Dessen Heterogenität mit starken Stadtteilen führt einerseits zu zahlreichen Schnittstellen und auch Brüchen, beinhaltet andererseits aber auch die Chance für eine exemplarische und wegweisende Entwicklung besonderer Qualitäten. Dafür spielt das Thema Vernetzung die entscheidende Rolle. Gemeint ist damit nicht nur die räumliche Vernetzung z.B. von wichtigen Grün- und Erholungsbereichen bis in die Südstadt oder die Verbesserung von Wegebeziehungen, sondern auch die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren, Bürgerschaft, Verwaltung und Politik. Von Gedanken und Ideen. Von Engagement und Kompetenzen. Denn hierin, und das hat der intensive Erarbeitungsprozess mit zahlreichen Beteiligten gezeigt, liegt großes Potenzial, um in der Auseinandersetzung mit den Zukunftsthemen der Stadtentwicklung, die sich im Südosten Nürnbergs in exemplarischer Weise abbilden, ein gutes Stück voran zu gehen.

Unser Dank gilt den Büros Urban Catalyst studio und yellowz für die Erstellung dieses Konzepts sowie allen Akteurinnen und Akteuren und der Autorenschaft, die sich an der Erarbeitung und dem Diskussionsprozess beteiligt haben.

Ebenso bedankt sich die Stadt Nürnberg für die finanzielle und inhaltliche Unterstützung des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts bei der aurelis Real Estate GmbH & Co. KG, der wbg Nürnberg GmbH und der NürnbergMesse GmbH.

Abbildung 3

Abbildung 2

Dr. Ulrich Maly Daniel F. Ulrich Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg

Inhalt

Vorwort 6 INSEK Nürnberg Südost - Zusammenfassung 10

1 Einleitung 12

INSEK Nürnberg Südost - Das fünfte INSEK in Nürnberg 13 Der Südosten - Annäherung an das Gebiet 18 Stadtteilidentitäten - Der Südosten als "Inselwelt" 22 Historische Meilensteine - Der Südosten als Pionierraum 24

2 Thematische Betrachtung 26

Soziodemographie - Alternder Stadtteil 28 Wohnen - Siedlungspatchwork und homogene Nachbarschaften 29 Kultur, Bildung und Sport - Lernorte und Bewegungsräume 31 Soziale Infrastrukturen - Generationenübergreifende Angebote 34 Freiräume im Südosten - Gliedernde Grünzüge 36 Ergänzende Freiräume - Zusätzliche Freiraumpotenziale 38 Wirtschaft - Global Player und lokale Ökonomie 40 Nahversorgung - Polyzentralität 42 Mobilität - (missing) links 44 Öffentlichkeiten - Überregionale Attraktoren und lokales Engagement 46 Transformationsorte - Übersicht neuer und zukünftiger Projekte 48 Konversionsfläche Brunecker Straße - Ein neuer Stadtteil entsteht 50

3 Teilräume näher betrachtet 52

Quartiere und Nachbarschaften im Südosten 54 Herausforderungen und Begabungen 55 Teilraumsteckbriefe 56

4 Schlussfolgerungen 70

Veränderungsdynamiken - Transformationspotenziale des Südostens 72 Beteiligte Akteure - Den Südosten gemeinsam entwickeln 74 Strategieplan - und seine fünf Handlungsräume 76

5 Handlungsräume und Empfehlungen 78

Handlungsraum Urbane Parklandschaft und Grünzüge 80 Handlungsraum Kultur- und Bildungslandschaften 84 Handlungsraum Quartiersentwicklung und Wohnen 88 Vertiefung Zukunftsfähige Quartiere 93 Handlungsraum Gewerbeentwicklung 96 Vertiefung Vernetzte Mitte 101 Handlungsraum Mobilität 104

6 Fazit 108

Ausblick - Zukunftsthemen der Stadtentwicklung 109

Quellen- und Abbildungsnachweis 112

INSEK Nürnberg Südost

Zusammenfassung

Der Nürnberger Südosten ist ein spannungsvoller Wie kann das INSEK umgesetzt werden? Zentrales Stadtraum. Seine wechselvolle, teils dramatische Ge- Ergebnis des Prozesses sind fünf Handlungsräume mit schichte ließ eine Überlagerung unterschiedlichster besonderen Handlungsbedarfen in den kommenden Strukturen und Nutzungen entstehen, die den Stadt- Jahren. Im Rahmen des INSEKs wurden zusammen mit teil bis heute prägen. Wie kein anderer Raum wurde den beteiligten Akteurinnen und Akteuren strategider Südosten Projektionsfläche für verschiedenste sche Projekte identifiziert, die besondere Impulse für gesellschaftliche Ideale, die sich nach und nach auch die Entwicklung des jeweiligen Handlungsraumes seträumlich abgebildet und überlagert haben. Die Re- zen sollen. Sie haben das Potenzial, punktuell wichlikte der monumentalen NS-Architektur stehen heute tige Impulse in den unterschiedlichen Quartieren und neben den Stadtidealen der Nachkriegsmoderne in der Urbanen Parklandschaft Dutzendteich zu setzen Langwasser, global ausgerichtete Gewerbe- und Mes- und weitere Entwicklungen anzustoßen. Das Speksestandorte neben Landschaftsschutzgebieten und trum der Projekte ist vielfältig. Es reicht von einem den Ausprägungen einer sport- und eventorientier- modellhaften Umbau von Wohnzeilen in Langwasser ten Freizeitgesellschaft. Diese heterogenen Frag- zu einem Mehrgenerationenhaus mit Angeboten für mente des Nürnberger Südostens bilden ein Gefüge das Quartier über die Aufwertung besonderer Orte in ganz eigener Qualität und Prägung. der Urbanen Parklandschaft Dutzendteich bis hin zum Zudem konzentrieren sich hier sämtliche Herausfor- möglichen Ausbau einer 1 km langen Radschnellwegderungen der aktuellen Stadtentwicklung. Dazu zäh- Teststrecke entlang der Münchener Straße. len die Sanierung und Weiterentwicklung von Wohnquartieren infolge des demographischen Wandels, Ergänzt werden die strategischen Projekte durch beder Umgang mit dem historischen Erbe, die Sicherung sondere Instrumente wie beispielsweise die Einrichund Anpassung gewerblicher Standorte an die Ar- tung eines übergreifenden Gremiums zur Koordinabeits- und Lebenswelten von morgen, der Umbau der tion der Konzepte, Projekte und Veranstaltungen in autogerechten Stadt zu einer Stadt, die Lust auf mehr der Urbanen Parklandschaft Dutzendteich. Wege per Rad, Bus, Bahn und zu Fuß macht wie auch neue Modelle der Parkentwicklung, die öffentlich zu Durch die enge Verzahnung von Handlungsraumunterhaltende Freiräume mit zivilgesellschaftlichen konzepten, strategischen Projekten und spezifischen oder unternehmerischen Formen der Freiraumnut- Instrumentarien sind gute Voraussetzungen für die zung kombinieren. Umsetzung des INSEKs geschaffen. Nutzen wir sie! Angesichts dieser komplexen Ausgangsbedingungen sind die Erwartungen an das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (INSEK) hoch. In einem anderthalbjährigen Prozess haben sich die Akteurinnen und Akteure aus Stadtgesellschaft und Verwaltung mit Unterstützung des Berliner Planerteams das Ziel gesetzt, mit dem INSEK ressortübergreifend einen „Kompass“ für die Entwicklung des Nürnberger Südostens für die nächsten Jahre zu entwickeln.

In öffentlichen Veranstaltungen, Gebietserkundungen, Zukunfts- und Strategiewerkstätten entstand das INSEK im Wechselspiel zwischen Diskurs und fachlicher Expertise. Entstanden ist ein Konzept, das die vorhandenen Ressourcen als Startkapital erkennt, den Rahmen für die richtigen Entscheidungen der künftigen Entwicklung aufspannt und klare Entwicklungsziele für den gesamten Südosten und seine Teile benennt.

Handlungsraum Urbane Parklandschaft und Grünzüge:

Freiräume gemeinsam entwickeln

Der Südosten ist der grünste Stadtteil Nürnbergs. In Zukunft gilt es, die Freiräume und Parkanlagen auf die ökologischen Anforderungen und differenzierten Nutzungsansprüche (Sport, Erholung, politische Bildung, Veranstaltungen) abzustimmen und besser zu vernetzen. Integrierte Nutzer- und Pflegemanagementkonzepte sollen unter Einbindung von privaten und öffentlichen Akteuren entwickelt werden.

Handlungsraum Kultur- und Bildungslandschaften:

Historisch-politische Lernorte, vielfältige Bewegungsräume und lokale

Bildungsnetzwerke weiterentwickeln

Strategische Impulsprojekte wie die bauliche Sicherung der Zeppelintribüne und des Zeppelinfeldes sowie dessen partielle Öffnung und die Integration des ehemaligen Bahnhofs Märzfeld in die Erinnerungslandschaft sollen die historisch-politische Bildungsarbeit erweitern. Die Profilierung des Leistungsportclusters unter Berücksichtigung der anderen Nutzungsbelange ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Stärkung der Urbanen Parklandschaft. Die Quartiersentwicklung soll durch die Vernetzung schulischer, kultureller und sozialer Einrichtungen und deren Angebote unterstützt werden. Insbesondere Schulstandorte und die sich daran anschließenden Angebote der Jugendhilfe können zu ganztägigen Lern- und Lebensräumen werden.

Handlungsraum Quartiersentwicklung und Wohnen:

Nachbarschaften zukunftsfähig machen

Mit den Quartieren rückt das unmittelbare Wohnumfeld der Bewohner in den Mittelpunkt. Ein Maßnahmenset aus punktuellen qualitativen baulichen Ergänzungen, energetischen Sanierungen, Sicherung und Aufwertung der Freiflächen sowie einer Stärkung der kleinteiligen Zentren durch flexible Infrastrukturen zählt zu den strategischen Projekten in der Quartiersentwicklung. Das neue Stadtentwicklungsgebiet um die Brunecker Straße wird den Südosten noch attraktiver für neue Wohn- und Gewerbeformen machen.

Handlungsraum Gewerbeentwicklung:

Arbeit und Stadt verbinden

Die bestehenden Gewerbestandorte sollen langfristig gesichert werden. Für die einzelnen Flächen im Südosten schlägt das INSEK einen passgenauen Katalog an strategischen Projekten vor

Nutzungen bis hin zu programmatischen und baulichen Ergänzungen bestehender Gewerbegebiete.

Handlungsraum Mobilität:

Verbindungen im Stadtteil und ins Zentrum verbessern

Der Nürnberger Südosten ist gut erschlossen. Handlungsbedarf besteht insbesondere darin, die Nutzung des Fuß- und Radverkehrs sowie des ÖPNV weiter zu qualifizieren und zukunftsgerecht zu gestalten. Zu den strategischen Projekten zählen unter anderem die Entwicklung neuer Haltestellen und Straßenbahnlinien, die verbesserte Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsträger und der Ausbau der Rad(schnell)wege.

Abbildung 6

Einleitung

INSEK Nürnberg Südost

Das fünfte INSEK in Nürnberg

Im Zuge der Stadtentwicklung in Nürnberg sind 2007 Nürnberg am Wasser ist eine Gemeinschaftsim Rahmen des koopstadt-Prozesses sechs räumliche aufgabe, zur Sicherung der Lebensgrundlage und Schwerpunkte mit hohem Entwicklungsbedarf fest- Entwicklung als Landschaftselement, die es im gelegt worden. Für vier Stadträume wurden bereits öffentlichen Raum zu einem großen Thema macht. Integrierte Stadtentwicklungskonzepte erarbeitet: Als weiteres INSEK ist Hochschul- und Forschungs- Die Weststadt steht für die Dynamik des Umbaus stadt Nürnberg in der Bearbeitung. Es wird in Zutraditioneller Gewerbe- und Handelsstandorte. Die sammenarbeit mit den Hochschulen und anderen Potenziale aus dem Abschied vom Industriezeitalter Institutionen erstellt und Perspektiven der Hochschulund zugleich der Ankunft in der Dienstleistungs- und entwicklung einschließlich begleitender Einrichtun- Wissensgesellschaft gilt es als Chance aufzugreifen. gen aufzeigen.

Der Süden hat einen Mehrwert, der sowohl für die Mit der Erstellung des INSEKs Nürnberg Südost Gesamtstadt als auch bei der Entwicklung des Gebie- wurde nun ein weiterer städtischer Teilraum bezügtes für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie der lich seiner Eigenschaften und in Hinblick auf seine dort ansässigen Betriebe genutzt werden muss. künftige Entwicklung untersucht. Der Stadtteil Südost spielt für die Gesamtstadt eine besondere Rolle und Die Altstadt braucht als Kern Nürnberger Traditi- nimmt auch bezüglich seiner Siedlungs- und Freionen und einer jahrhundertealten Historie urbane raumstruktur eine spezielle und sehr wichtige Stel- Qualität für ihre zukünftige Entwicklung, die die Le- lung ein. bensart der Bürger begleitet.

Nürnberg am Wasser

Altstadt Nürnberg

Weststadt

Nürnberger Süden

Nürnberg Südost

INSEK-Gebiete in Nürnberg

Eine Vielzahl lokalspezifischer Entwicklungsaufgaben Der südliche Teil des INSEK-Gebietes, im wesentliund Handlungsräume lassen sich erkennen: chen also der Stadtteil Langwasser, ist flächenmäßig eine der größten nachkriegsmodernen Siedlungen Der Volkspark Dutzendteich nebst Messe und histo- Deutschlands. Mit einer sich über vier Dekaden errischem Erbe des ehemaligen Reichsparteitagsgelän- streckenden Entstehungsgeschichte, die sich partiell des verbindet sich im Masterplan Freiraum zu dem heute noch fortsetzt, entstand ein spannungsreiches Konzept der „Urbanen Parklandschaft“. Es bietet und heterogenes Siedlungspatchwork. Gleichwohl sich hier die Chance, aus dem heutigen Konglomerat gibt es Gemengelagen aus strukturellen, bautechnieinen neuartigen Typus des Volksparks abzuleiten, schen, demographischen und sozialen Problemsteljedoch müssen zahlreiche Interessens- und Nutzungs- lungen im Gebiet, wie sie für viele Siedlungen der konflikte moderiert werden. Die Nürnberg Messe als 1960er und 1970er Jahre typisch ist. Auch wenn sich größter Arbeitgeber im Südosten und prominentes inzwischen viele planerische Anstrengungen positiv Aushängeschild der Stadt sucht nach Expansionsmög- niederschlagen, kämpft Langwasser noch immer mit lichkeiten. Neben einer Verbesserung der Erschlies- Imageproblemen, Sanierungsstau und dem demograsungs- und Logistiksituation am Standort gilt es phischen Wandel. Die Anpassung der Wohnsiedlunaufkeimende Interessenskonflikte und Flächenkon- gen an heutige und künftige Erfordernisse ist daher kurrenzen zu dem in unmittelbarer räumlicher Nähe eine Kernaufgabe. gelegenen Volkspark zu entschärfen. Zusammenfassend stellt sich der Nürnberger Südos- Auf dem Gewerbeareal ehemaliger Südbahnhof / ten als Stadtgebiet mit hohem, auch überregionalem Brunecker Straße soll in Kürze ein neues Quartier un- Bekanntheitsgrad und großen strategischen Herauster dem Projektnamen „Lichtenreuth“ entstehen. Mit forderungen dar, wobei insbesondere die dynamisch 90 ha ist es das größte siedlungsplanerische Vorha- sich entwickelnden Gebietsteile großes Potenzial zur ben Nürnbergs und muss als neuer Stadtbaustein die Stärkung des Stadtteils und der Gesamtstadt beitra- Schnittstellen zum Volkspark, zur Messe und zu den gen können. angrenzenden Quartieren Hasenbuck, Rangierbahnhofsiedlung und Langwasser neu definieren.

Abbildung 7

Gebietsabgrenzung INSEK Nürnberg Südost

Herangehensweise tutionen, Initiativen vor Ort und aus der Verwal- Die Erwartungen an das Integrierte Stadtteilent- tung intensiv eingebunden waren. wicklungskonzept sind hoch. Ziel ist es, ressortüber- Zur Begleitung des Prozesses wurde ein fachlich greifend einen „Fahrplan“ für die Entwicklung des interdisziplinär zusammengesetztes Arbeitsgre- Nürnberger Südostens für die nächsten Jahre zu ent- mium aus Vertretern der Stadt Nürnberg und wickeln. Dabei geht es weniger darum, Einzelmaß- externen im Gebiet tätigen Akteuren gebildet. nahmen konkret auszuformulieren, sondern um ein Im Gebietsteam Südost sind seitens der Stadt integriertes Konzept, das Orientierung mit klaren Nürnberg alle relevanten Referate, Ämter und Handlungsempfehlungen, Instrumenten und strate- Geschäftsbereiche vertreten. Als externe Mitgliegischen Projekten für den gesamten Südosten und der des Gebietsteams wurden die wbg Nürnberg, seine Teile schafft. die NürnbergMesse und die aurelis Real Estate Das Konzept zielt darauf ab, den Rahmen für die gewonnen. Diese Vielfalt gewährleistet eine sehr richtigen Entscheidungen der künftigen Entwicklung genaue Kenntnis der Potenziale und Herausfordeaufzuspannen und soll einen motivierenden und ak- rungen aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln. tivierenden Leitfaden zukünftiger Stadtentwicklung Der Prozess gliederte sich in folgende Bausteine: darstellen, der die vorhandenen Ressourcen als Startkapital erkennt und auf diesen aufbaut. Öffentlicher Auftakt Das INSEK Südost startete mit einer öffentlichen Das INSEK ist klar auf die Weiterverwendung in pla- Auftaktveranstaltung am 20. Januar 2015 im Generischen, politischen und partizipativen Entschei- meinschaftshaus Langwasser. Nach einer einfühdungsprozessen ausgerichtet. Es ist ein kompaktes renden Erläuterung des anstehenden Planungsund anschauliches Planwerk, das themenübergrei- verfahrens diskutierten Bürgerinnen und Bürger fend das gemeinschaftlich entwickelte Zukunftsbild mit Vertretern der Stadt und externen Fachleuten des Südostraumes darstellt, die dafür wesentlichen anhand eines begehbaren Modells ihre eigenen Maßnahmen und Projekte benennt und verortet. Wahrnehmungen über den Südosten. Dabei ging es um das Image des Südostens, die Lebenswelt Methodisches Vorgehen Langwasser und die Veränderungsdynamik des Das INSEK entstand in einem diskursiven Prozess, in Stadtteiles. den Bewohner und Akteure aus Unternehmen, Insti-

Abbildung 8

Grundlagenermittlung und Potenzialanalyse der Teilräume wurden bewertet und erste Schlüsse Den Startschuss der Grundlagenermittlung und Po- für die weitere Entwicklung des INSEK-Gebietes gezotenzialanalyse des Nürnberger Südostens stellte eine gen. Die Ergebnisse der Bestandsanalyse und die sich Gebietserkundung am 25. September 2014 mit dem abzeichnenden Entwicklungsdynamiken im Gebiet ressortübergreifenden Gebietsteam der Stadt Nürn- wurden in Form einer Dynamikkarte zusammengeberg dar. Mit einem unvoreingenommenen Blick von fasst. In einer Akteursübersicht wurden die maßgebinnen und außen wurden Stadt- und Freiräume per lichen Akteure und Stakeholder des Gebietes identi- Rad erkundet, Übergänge und Brüche analysiert, fiziert. Raumstrukturen mit ihren Stärken und Schwächen kartiert, Raumqualitäten aufgenommen und spon- Leitbildentwicklung tane Gespräche mit Bewohnern geführt. Auf die Ge- Während der Leitbildentwicklung wurden in einem bietserkundung folgte eine detaillierte thematische intensiven kommunikativen Prozess Handlungs- Betrachtung des Nürnberger Südostens, in welcher räume und Strategien für den Südostraum entwizentrale Themen aufgezeigt werden. In einer ergän- ckelt. Auftakt der Leitbildentwicklung bildete vom zenden Teilraumanalyse werden einzelne Teilbereiche 27. - 29. April 2015 eine dreitägige Zukunftswerkbzw. Quartiere unterschieden und aus räumlich-funk- statt einschließlich einer abschließenden öffentlichen tionaler, aber auch sozioökonomischer Sicht bewer- Abendveranstaltung. Eine Basisstation im Wohngetet. Die Ergebnisse der Teilraumanalyse sind in Steck- biet Langwasser P diente während der Werkstatt als briefen zusammengefasst. Sie stellen die Potenziale, öffentliche Anlaufstelle und Ideenlabor. Hier kamen Begabungen und Herausforderungen der jeweiligen alle Ergebnisse und Daten zusammen, die während Teilgebiete kompakt und übersichtlich zusammen. des Tages in Miniworkshops mit spezifischen Zielgruppen erarbeitet wurden. Diskutiert wurden die sich aus Schlussfolgerungen den Schlussfolgerungen der Analyse herausgebilde- Im Anschluss an die Grundlagenermittlung und Po- ten Themenschwerpunkte und Handlungsräume. tenzialanalyse wurden im Rahmen eines internen Am 29. April wurden in einer öffentlichen Abendver- Workshops mit dem Gebietsteam die Ergebnisse der anstaltung die Erkenntnisse und Ergebnisse der Mini- Analyse des Südostraums diskutiert, nach Prioritäten workshops an den sechs Ideentischen – „Urbane Parkgewichtet und als erste Themenschwerpunkte gebün- landschaft“, „Quartiersentwicklung und Wohnen“, delt und weiterentwickelt. Stärken und Schwächen „Soziale Infrastrukturen“, „Gewerbeband Thomas-

Öffentliche Auftaktveranstaltung

Abbildung 9

Mann-Straße / Breslauer Straße“, „Junger Südosten“ Gebietserkundung und „Fuß- und Radverkehr / ÖPNV“ – präsentiert und diskutiert. Die dort erarbeiteten Handlungsansätze wurden nachfolgend vom Bearbeitungsteam konkretisiert, graphisch aufbereitet und schließlich in einem themenübergreifenden Gesamtstrategieplan zusammengeführt. Die Leitlinien des INSEK sowie mögliche Maßnahmen und Umsetzungsstrategien wurden auf zwei Strategiewerkstätten am 11. Juni und 7. Juli 2015 mit dem Gebietsteam und weiteren Akteuren aus dem Südosten vertieft und sukzessive präzisiert.

Abbildung 11

Gesamtstrategie und Handlungsräume Workshop mit dem Gebietsteam Die Ergebnisse der Leitbildentwicklung wurden mit dem Gesamtstrategieplan in eine gut kommunizierbare Kartierung übersetzt, die als Leitbild einen langfristigen Orientierungsrahmen für die zukünftige Stadtentwicklung des Nürnberger Südostens gibt. Die Inhalte des Gesamtstrategieplans werden anschließend im Kapitel „Handlungsräume“ detaillierter dargestellt und ortsbezogen konkretisiert. Mit den fünf Handlungsräumen „Urbane Parklandschaft und Grünzüge“, „Kultur- und Bildungslandschaften“, „Quartiersentwicklung und Wohnen“, „Gewerbeentwicklung“ und „Mobilität“ werden jeweils die wichtigsten Ziele und Leitlinien eines jeden Themenkomplexes in einem integrierten Plan dargestellt. Die in den Handlungsempfehlungen beschrie- Zukunftswerkstatt benen Instrumente und strategischen Projekte verstehen sich als „Fahrplan“ für die nächsten Schritte auf dem Weg zur Umsetzung des INSEK. Die Handlungsräume „Quartiersentwicklung und Wohnen“ sowie „Gewerbeentwicklung“ illustrieren zusätzlich in einer Vertiefungsstudie beispielhaft die angestrebten Maßnahmen und Entwicklungen.

Abbildung 10

Abbildung 12

Strategiewerkstatt

Abbildung 13

Abbildung 14

Der Südosten

Annäherung an das Gebiet

Der Nürnberger Südosten ist ein vielfältiger Stadtraum voller Brüche und Besonderheiten. Seine wechselvolle, teils dramatische Geschichte ließ eine Überlagerung unterschiedlichster Siedlungsstrukturen und Nutzungen entstehen. In der Nachkriegszeit wurde der Südosten zum Testfeld städtebaulicher Leitbilder und Architekturen: die Relikte der NS-Planung wurden überformt durch neue Siedlungen, zunächst im Sinne der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“, später dann unter der Prämisse „Urbanität durch Dichte“, bis schließlich die Rückbesinnung auf tradierte Stadtbilder erfolgte. Zwischen den Wohngebieten liegen Verkehrsstrukturen, Gewerbeflächen, das Messeareal sowie üppige Grünzüge.

Von besonderer Bedeutung ist der Volkspark Dutzendteich, ein einzigartiger Freiraum bestehend aus Restmonumenten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes, Teichlandschaften, Park- und Sportanlagen sowie Kleingärten. Die heterogenen Teilbereiche des Südostraums bilden ein Gefüge ganz eigener Qualität und Prägung. Wie in keinem anderen Stadtteil Nürnbergs konzentrieren sich hier exemplarische Herausforderungen der aktuellen Stadtentwicklung. Wie können die Quartiere der Nachkriegsmoderne saniert, baulich ergänzt und an die heutigen Bedürfnisse an das Wohnen und die Nachbarschaft angepasst werden? Welche Möglichkeiten bietet der Ausbau von ÖPNV, Fuß- und Radwegen? Wie können die Kerne mit sozialen Einrichtungen und Nahversorgungen in den Quartieren gestärkt werden? Welche neuen Modelle der Freiraumnutzung und -betreibung müssen entwickelt werden? Wie können Gewerbestandorte gesichert und an die Anforderungen zeitgenössischer Lebens- und Arbeitswelten angepasst werden? Und was muss der Neubau von Stadtquartieren auf ehemaligen Konversionsflächen für den Südosten leisten?

Der Gebietsumgriff des INSEKs Nürnberg Südost umfasst den Stadtteil Langwasser mit seinen vier Quadranten Langwasser Nordwest, Nordost, Südwest und Südost sowie das Wohngebiet Neuselsbrunn, die Rangierbahnhofsiedlung, das Gewerbegebiet Beuthener Straße, das Areal ehemaliger Südbahnhof / Brunecker Straße und den Volkspark Dutzendteich mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände sowie dem Messe-

Abbildung 15

areal. Der Betrachtungsraum spannt sich auf zwischen der nördlich angrenzenden gründerzeitlichen Bebauung der Südstadt, dem Rangierbahnhof im Westen und dem Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald im Süden und Osten.

Im Nürnberger Südosten leben etwa 40.000 Einwohner auf einer Fläche von etwa 1.400 ha. Mit einer Einwohnerdichte von 28 Einwohnern pro Hektar ist der Stadtraum ein verhältnismäßig dünn besiedelter Teil der Stadt Nürnberg, was vor allem auf den hohen Freiraum- und Gewerbeanteil zurückzuführen ist.

Das Gebiet des INSEKs liest sich in einer groben räumlichen Betrachtung zunächst als zwei sehr unterschiedlich geprägte Teilgebiete. Der nördliche Bereich mit dem Volkspark Dutzendteich und seinen Sporteinrichtungen, dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände und dem Messegelände ist aus historisch-politischer, kultureller, wirtschaftlicher und freiräumlicher Perspektive von gesamtstädtischer Bedeutung und (inter)national bekannt. Der südliche Bereich mit der Rangierbahnhofsiedlung, Neuselsbrunn und Langwasser ist vor allem Wohn- und Gewerbestandort und funktioniert lokaler und aufgrund des stadtplanerischen Gesamtkonzepts Langwassers, dem der Generalbebauungsplan von Franz Reichel aus dem Jahr 1956 zugrunde liegt, im Prinzip wie eine eigenständige Kleinstadt mit dem Franken-Center als Stadtzentrum und kleinteiligen, dezentralen quartiersbezogenen Einrichtungen.

Kleinräumig besehen gliedert sich insbesondere der südliche Teil des Südostens in zahlreiche Siedlungsinseln, eingebettet in großzügige Grünräume. Die heterogenen Siedlungsmuster mit je nach Entstehungszeit durchaus unterschiedlichen Merkmalen und Qualitäten funktionieren in sich meist als autarke kleinteilige Nachbarschaften mit eher homogener Typologie und Bewohnerschaft.

Strukturdaten

Bevölkerung

Südost Stadt Nürnberg

Einwohner 39 775 1) 516 770 Fläche in ha 1 400 2) 18 640 Einwohner je ha 28 28 Einwohner mit Migrationshintergrund 51,3 % 42,3 %

Bevölkerungsveränderung

Südost Stadt Nürnberg

Veränderung 2014 gegenüber 2013 0,5 % 0,7 % Veränderung 2014 gegenüber 2008 1,4% 4,3 %

Altersgruppen (%)

Südost Stadt Nürnberg

bis unter 6 5,0 5,2 6 bis unter 15 7,7 7,2 15 bis unter 65 60,5 67,2 65 und älter 26,7 20,4

Wohnungen nach Baualtersgruppen 3) (%)

Südost Stadt Nürnberg

bis 1948 6,6 25,3 1949 - 2004 91,7 70,0 ab 2005 1,8 4,5 ohne Angabe 0,0 0,2

Wohnungen (%)

Südost Stadt Nürnberg

Einfamilienhäuser 12,5 14,3 Zweifamilienhäuser 2,4 5,7 MFH mit 3 - 6 Whg. (4 11,7 16,0 MFH mit 7 und mehr Whg. 73,4 64,0

Haushalte (%)

Südost Stadt Nürnberg

Alleinerziehende 5,1 4,2 Sonstige Haushalte 94,9 95,8

Erwerbsbeteiligung 5) (%)

Südost Stadt Nürnberg

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort 56,9 56,3 Arbeitslose am Wohnort 6,1 5,8

  1. Einwohner mit Hauptwohnung in Nürnberg (Melderegister 31.12.2014), bezogen auf die statistischen Bezirke 30-33, 35-37 und 41 2) Flächenangabe INSEK-Gebiet Südost 3) in Wohngebäuden, ohne Wohnheime 4) MFH = Mehrfamilienhäuser 5) %-Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung

Stadtteilidentitäten

Der Südosten als „Inselwelt“

Gesamtstädtisch betrachtet liegt der Betrachtungs- noch. Auch die strikte Funktionstrennung in Wohn-, raum wie eine Lichtung im Wald. Im Süden und Osten Gewerbe- und Grünflächen befördert die Wahrnehumschlossen vom Lorenzer Reichswald, im Norden mung als separierte Siedlungseinheiten. Unterstrichen begrenzt vom baumbestandenen Volkspark Dutzend- wird die Eigenständigkeit der Inseln außerdem durch teich und dem angrenzenden Luitpoldhain, im Wes- ihre unterschiedlichen Entstehungszeiten, die sich in ten tangiert von großflächigen Infrastrukturen. Durch der jeweiligen städtebaulichen Struktur und Bautypoden Volkspark und das Gewerbeareal an der Brun- logie ablesen lassen. Somit bilden sich in Langwasser ecker Straße von der Südstadt getrennt und ohne trotz des zugrundeliegenden stadtteilübergreifenden unmittelbare städtebauliche Anknüpfung liegt der Gesamtkonzeptes differenzierte teilräumliche Identi- Stadtteil Langwasser als Satellit vor der Stadt. täten und Nachbarschaften ab.

Das Planungsgebiet selbst lässt sich als ein Gefüge von Inseln interpretieren, welche sich auf unterschiedlichen Ebenen ablesen lassen. Die großen Bahnflächen und Hauptverkehrsstraßen durchschneiden das Planungsgebiet in mehrere Stadtteile. Die äußeren (Wald-)Ränder und grünen Abstandsflächen zu den Verkehrstrassen verstärken diese Trennwirkung

Lichtung Langwasser Zäsuren und trennendes Grün

Abbildung 16

Abbildung 17

Inseln durch Stadträume Inseln durch Erschließungsstrukturen

Abbildung 20

Abbildung 23

Inseln durch Nutzungsverteilung Inseln durch Entstehungszeiten

Abbildung 18

Abbildung 22

Inseln durch Bautypologien Inseln durch Nachbarschaften

Abbildung 19

Abbildung 21

Der Südosten als ein Gefüge von Inseln, das sich auf unterschiedlichen Ebenen – räumliche Zäsuren, Nutzungen Entstehungszeiten, Bautypologien – abbildet.

Historische Meilensteine

Der Südosten als Pionierraum

Der Nürnberger Südosten wurde in seiner vergleichs- von Albert Speer entstehen monumentale Repräsenweise kurzen, aber wechselvollen Geschichte immer tationsbauten und die Große Straße als Aufmarschwieder zum Testfeld neuer städtebaulicher Leitbilder achse. Das Areal des heutigen Langwasser-Nord wird und Ideologien und zum Pionierraum baulicher Inno- als Märzfeld, Langwasser-Süd zur Errichtung von vationen. Lagerbauten und Versorgungseinrichtungen verwendet. Die Gesamtplanung wird jedoch nicht vollendet. Naherholung und Gartenstadt. Die bereits im Mit- Mit Kriegsbeginn 1939 wird ein allgemeiner Baustopp telalter als Fischteiche angelegte Weiherlandschaft verhängt und Teile des Parteitagslagers als Kriegsge- Dutzendteich inmitten des Reichswaldes wird im 17. fangenenlager genutzt. Jahrhundert zum beliebten Ausflugsziel vor den Toren der Stadt. Im 19. Jahrhundert erfolgt die Stadter- Trümmer und Provisorien. Nach dem Krieg wird weiterung und Industrieansiedlung im Süden Nürn- aus dem Gefangenenlager das sogenannte Valka-Labergs. An der heutigen Brunecker Straße entsteht der ger für Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Displaced Rangierbahnhof und bis 1914 die Rangierbahnhof- Persons. Die Baugrube des geplanten Deutschen Stasiedlung, angelegt im Sinne der Gartenstadtidee. Fast dions füllt sich mit Grundwasser und wird zum Silbergleichzeitig wird der Alte Tiergarten eröffnet. Mit see. Südwestlich davon entsteht die zentrale Deponie dem Bau des Stadions Mitte der 1920er Jahre wird für Trümmerschutt, der 35 m hohe Silberbuck. Aufder südöstliche Teil des Dutzendteichgeländes zum grund des Wohnungsdrucks in der kriegszerstörten Freizeit- und Sportpark ausgebaut. Stadt wird ab 1948 der südliche Teil Langwassers zur Bebauung freigegeben. Inszenierung. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wird Nürnberg „Stadt der Reichsparteitage“. Licht, Luft, Sonne. Die ersten Siedlungen nach dem Der Luitpoldhain und das Dutzendteichgelände wer- Krieg entstehen in Abkehr zu den Mietskasernen der den für die Abhaltung der Propagandazeremonien Gründerzeit nach den in der Charta von Athen 1925 der NSDAP genutzt. Auf Basis eines Gesamtentwurfs formulierten neuen städtebaulichen Leitlinien der

1945 sog. Valka-Lager, Nutzung des Märzfelds als Flugfeld der seit dem 17. Jhdt. Dutzendteich als Ausflugsgebiet 1920 Waldbrände, Umwandlung in Ackerland Allierten, Silbersee und Silberbuck als Deponie für Trümmerschutt Anfang 19 Jhdt. rasantes Siedlungswachstum während 1923 Dutzendteich als Sport- und Erholungs- 1949 Deutsche Bauausstellung: Siedlung Oskar-von-Miller-Straße der Industrialisierung, Bahnflächen außerhalb der Stadt gelände, Bau des Stadions 1950 IDEAL-, Werkvolk-Siedlung, Siedlung Harnischschlag/Neuland 1835 Montage der Lokomotive „Adler“ 1952 ECA-Siedlung, Photo-Porst-Siedlung

i N d u s t r i a li s ie r u N G N e u e s b a u eN l i ch t l u f t s o N N e
G r ün d e rz e it En d e 19 . J ah r h u 0e r J a hr e 1 9 20 - 19 N a c hk ri e g sj a h re 19 46 - 1

Jahrhundertwende 1900 - 1920 Ns-Zeit 1933 - 1945 Weiher iM Wald GarteNstadt MoNuMeNte uNd syMbole

1337 Errichtung des Dutzendteichs 1905 Rangierbahnhofsiedlung ab 1933 Reichsparteitagsgelände mit Kongresshalle, Luitpoldarena, Großer als Weiheranlage im Reichswald 1906 Bayerische Landesausstellung auf dem Straße, Zeppelinfeld mit Tribüne, Märzfeld mit Bahnhof, geplantes Deutsches Dutzendteichgelände und dem Luitpoldhain Stadion und Haus der Kultur, NSDAP-Lager im Süden von Langwasser 1912 Alter Tiergarten SS-Kaserne (heute: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) Arbeiterunterkünfte Regensburger Straße

Abbildung 24

Moderne. Die wbg lobt 1956 einen städtebaulichen organisch-labyrinthischen Gassen und Plätzen. Der Wettbewerb für ein Quartier für 40.000 Einwohner Anspruch der sozialen Durchmischung wird im Nordaus. Die Grundprinzipien des Entwurfs von Franz Rei- osten durch einen hohen Anteil an Sozialwohnungen chel im Sinne der gegliederten und aufgelockerten aufrechterhalten. Stadt sind auch heute noch lesbar: soziale Mischung durch Typologievielfalt, aufgelockerte Bebauung mit Messe- und Arbeitsstandort. 1974 wird das Meshohem Grünanteil, kein Durchgangsverkehr inner- sezentrum am neuen Standort eröffnet. Bis 2014 wird halb der kleinteiligen Nachbarschaften, Arbeiten und die Ausstellungsfläche des Messezentrums verdrei- Wohnen in unmittelbarer Nähe. facht. Mit der Eröffnung des Klinikums Süd sowie der sukzessiven Entwicklung des Businessparks „Euro- Urbanität durch Dichte. Ende der 1960er Jahre com“ seit 1994, der Ansiedlung des Briefzentrums an wird der Entwurf zugunsten einer erheblichen Nach- der Beuthener Straße und zuletzt der Zentrale der verdichtung überarbeitet und sieht nun vermehrt Teambank 2014 wird Langwasser als Unternehmens- Scheiben- und Punkthochhäuser vor. Pioniergeist und und Arbeitsstandort weiter ausgebaut. Die Revitalisie- Innovationsanspruch zeichnen den Stadtteil aus: das rung des ehemaligen Grundig-Areals und des ehema- Franken-Center als erstes vollklimatisiertes Einkaufs- ligen Foto-Quelle-Komplexes (TM 50) durch private zentrum Deutschlands, das Gemeinschaftshaus als Investoren bietet Raum für neue Ansiedlungen. erste derartige Einrichtung in Bayern, der U-Bahnanschluss als vierte Stadt in Deutschland. Ausblick. Als wichtige zukünftige Stadtentwicklungen in Nürnberg Südost sind zu nennen: das neue Postmoderne. In den 1970er Jahren erfolgt ein Entwicklungsgebiet am ehemaligen Südbahnhof / Bruch mit den Prinzipien des modernen Städtebaus Brunecker Straße, die Modernisierung der Messeund eine Rückbesinnung auf die Qualitäten der his- hallen und Neuordnung des Messeareals sowie das torisch gewachsenen Altstadt. In Langwasser P ent- Baugebiet Langwasser T in Zusammenhang mit dem steht die erste autofreie Siedlung Deutschlands mit Neubau der Bertolt-Brecht-Schule.

1972 Grundig-Areal und Grundig-Türme 1994 Eröffnung Klinikum Süd, Entwicklung Businesspark „Eurocom“ 1972 Elementa, Messe, Langwasser U (2. BA 1977), U-Bahn-Anschluss 1995 Langwasser R (Endausbau) 1974 Langwasser F/G 2000 Langwasser S (Fertigstellung), FrankenQuadrat, Arena Nürnberg 1975 Langwasser E bis 2014 punktuelle Ergänzungen

urbaNität durch dichte stadterGäNZuNG uNd stadtökoloGie 70er Jahre 1970 - 1977 90er Jahre 1990 - 2014

5o e r /6 0 er J a h re 19 5 5 - 19 6 9 8 0 e r J ah re 19 7 6 - 1 9 90 z uk ü nf t ig
d ie a u f G e l o c k e r te s t a d t r ü c kb e s i N Nu N G a u f t r a d it io N ? ? ?

1956 städtebaulicher Wettbewerb für Langwasser 1977 Langwasser P Areal ehem. Südbahnhof/Brunecker Straße 1959 Planetenringsiedlung/Parkwohnanlage am Zollhaus 1979 Langwasser R Langwasser T, Langwasser Z 1963 Neuselsbrunn (Siedlung für Postbeamtete) 1982 Langwasser P (Fertigstellung) Neubau Bertolt-Brecht-Schule bis 1969 Langwasser A/B, C, D, H, I, K, L, M, Gemeinschaftshaus, Modernisierung und Neuordnung Messeareal Franken-Center auf Grundlage des Wettbewerbs

Thematische

Betrachtung

Die thematische Betrachtung besteht in einer sektoralen Analyse auf Grundlage bestehender Planungen und Konzepte sowie eigener Anschauung und Erhebungen. Dabei werden wesentliche Fakten der bisherigen Entwicklung und des Status Quo ausgewertet, Charakteristika des Raumes freigelegt und zentrale Themen zur vertiefenden Betrachtung benannt.

Untersucht werden die Themen Wohnen und die damit zusammenhängende soziodemographische Situation in Nürnberg Südost sowie die im Gebiet vorhandenen kulturellen, sozialen und Bildungsinfrastrukturen. Die Freiräume und Grünflächen werden hinsichtlich ihrer Quantitäten und Qualitäten betrachtet. Außerdem werden die im Gebiet vorhandene Gewerbestruktur mit ihren Akteuren und das Nahversorgungssystem beleuchtet. Neben den ÖPNV- und MIV-Systemen werden auch die Netze für Nahmobilität untersucht.

Eine Übersicht der unterschiedlichen (Teil-) Öffentlichkeiten veranschaulicht weitere relevante Strukturen im Südosten. Aktuelle und geplante Bauprojekte sowie der Planungsstand des neuen Stadtteils auf dem Areal ehemaliger Südbahnhof / Brunecker Straße als zukünftige Transformationsorte im Südosten werden aufgezeigt.

Soziodemographie

Alternder Stadtteil

Nürnberg Südost weist im statistischen Vergleich zu Haushaltsgrößen 5 Personen und mehr gesamtstädtischen Angaben einige Unterschiede auf. 3,1% (2,9%) So finden sich hier weniger Einpersonenhaushalte 4 Personen und eine höhere Anzahl an Mehrpersonenhaushalten (7,4%) 8,5% 1 Person als in der Gesamtstadt. 43,1% (50,4%) Der Anteil 75-Jähriger und älterer Bewohner liegt 3 Personen (11,3%) mit 14,5% deutlich höher als im Nürnberger Durch-

12,8%

schnitt. Hingegen liegt mit 6,8% der Anteil an jungen Erwachsenen (18 - 24 Jahre) unterhalb des städtischen Anteils mit 8,5%. Langwasser ist ein multiethnischer Stadtteil. Die Menschen mit Migrationshintergrund stellen einen Anteil von 51% der Einwohner, wobei ein großer Anteil in 2 Personen Langwasser aus Kasachstan, Polen und Russland, in 32,4% (28,1%) der Rangierbahnhofsiedlung aus der Türkei stammt. Der hohe Anteil an Migranten macht den Südosten oft zur ersten Anlaufstelle für nachziehende Ange- Altersgruppen hörige oder Freunde, was in der Vergangenheit zu 75 und älter 0-17 Jährige Imageproblemen mancher Quartiere beitrug. (10,3%) 14,5% 15,6% (14,9%)

Fazit 18-24 Jährige Die Bedürfnisse einer alternden und pluralistischen 6,8% (8,5%) Stadtteilgesellschaft müssen bei der weiteren Be- 39.775 trachtung ebenso Berücksichtigung finden wie Maßnahmen zur Attraktivierung des Wohnstandorts für junge Familien.

25-44 Jährige Die in Klammern gezeigten Angaben beziehen sich auf Daten der gesamten 45-74 Jährige Stadt Nürnberg (Stand 31.12.2014). 23,3% (29,2%) (37,1%) 39,8%

Abbildung 25

Sozialraumtypen Herkunftsländer

Gesamt 49% Bewohner ohne Migrationshintergrund (58%) 51% Bewohner mit Migrationshintergrund (42%)

Verteilung der Nationalitäten Asien (davon 57% Kasachstan) Polen Russland Innenstadtrandgebiete, sozial ehem. Jugoslawien am stärksten belastet, Migrationshintergrund prägend Türkei Randgebiet ohne größere Auf- Rumänien fälligkeiten und teils behutsam Tschechien gewachsenen Strukturen Ukraine überwiegend aufgelockerte Bebauung, starke Wohnbindung, Griechenland sozial kaum belastet Italien "neue" Wohnquartiere, Familien Amerika - Australien mit Kindern, junge Generation mit Migrationshintergrund Afrika

Wohnen

Siedlungspatchwork und homogene Nachbarschaften

Der Nürnberger Südosten ist ein stadtgeschichtlich Autofreier Stadtteil Langwasser P junger Stadtteil. Neben dem Wohnstandort Langwasser, der erst in den Nachkriegsjahren bebaut wurde, befinden sich im Gebiet noch ältere Siedlungsteile wie die gründerzeitliche Bebauung an der Herzogstraße sowie die Rangierbahnhofsiedlung, die im Sinne der Gartenstadtidee Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Langwasser besteht im Gegensatz zu vielen Großwohnsiedlungen ähnlichen Planungszeitraums aus sehr heterogenen Siedlungsteilen. Der innerhalb von 40 Jahren gewachsene Stadtteil wird von vielfältigen städtebaulichen Qualitäten geprägt und versammelt Rangierbahnhof- und Planetenringsiedlung ein breites Spektrum unterschiedlicher Wohnungsbautypologien. Die im Laufe der Jahrzehnte immer wieder überarbeiteten Planungen spiegeln die unterschiedlichen Leitbilder von der Nachkriegszeit bis zu den 1990er Jahren wider, wobei die Grundprinzipien des Wettbewerbs von 1956 als strukturelle Leitlinien im Wesentlichen beibehalten wurden.

Abbildung 26

Abbildung 28

Wesentliche Merkmale und Qualitäten der Siedlungsbereiche sind

Hochpunkte und Zeilen in Neuselsbrunn gien wie 20-geschossige Hochhäuser, Punkthäuser, 3- bis 4-geschossige Zeilenbauten, 2-geschossige Reihenhäuser, 1-geschossige Patio-Häuser/Winkelhäuser,

Abbildung 29

von Wohneigentum, freifinanziertem und gefördertem Wohnungsbau,

Wohnungsgrößen Nordwest* Wohnungsgrößen Nordost* Wohnanlage für Alleinerziehende an der Striegauer Straße

9% 8%

Abbildung 27

21%

20%

18%

28%

14%

39% 22%

1 ZW (30-45 m2) 2 ZW (30-45 m2) 3 ZW (60-75 m2) 4 ZW (75-90 m2) 1 ZW (45-60 m2) 2 ZW (45-60 m2) 3 ZW (75-90 m2) 4 ZW (> 90 m2) 2 ZW (60-75 m2) 3 ZW (> 90 m2)

*eigene Berechnung, Grundlage „Wohnmatrix-Portfolio wbg"

Wenig Fortzüge aus Langwasser sowie eine über- Wohneinheiten geschaffen. Bei der optionalen durchschnittlich lange Wohndauer im Vergleich zur Variante mit dem Schwerpunkt Wohnen wür- Gesamtstadt sprechen trotz einer zum Teil negativen den weitere 1.600 Wohneinheiten entstehen. Außenwahrnehmung des Stadtteils für eine gute Akzeptanz und Wohnzufriedenheit bei der Bewohner- Fazit schaft. Der Faktor „Wohnen im Grünen“ wird allge- Aufgrund steigender Mietpreise und der mein als wichtigstes Qualitätsmerkmal herausgestellt. Aufhebung von Sozialbindungen ist der gesamtstädtische Anteil an preiswertem Wohn- In Nürnberg Südost findet sich ein breites Spektrum raum inzwischen gesunken. Die Schaffung von an Wohnformen teilweise mit konzeptionellen Beson- bezahlbaren Wohnungen sowie die Förderung derheiten wie: von sozialer Durchmischung bei der Wohnraumvermietung ist daher bei der weiteren

Entwicklung des Südostens zu berücksichtigen. siedlung mit flexibel nutzbarem Hobbyraum, Weitere zukünftige Aufgaben bestehen vor

anmietbaren Gästewohnungen und Gemeinschafts- nerell der Anpassung des Wohnangebots und räumen für Feiern, -umfelds an heutige Bedarfe unter Berücksich-

architektonischer und bautechnischer Stan- Zukünftige Wohnentwicklungsschwerpunkte sind dards. Das „Gutachten zum Stadtentwicklungsdie Neubauquartiere Langwasser T in Nordost und konzept Wohnen im Jahr 2025“ ist mit sei- Langwasser Z in Südost. Mit dem zukünftig neuen nen Ergebnissen hinsichtlich der Qualität und Stadtteil auf dem Areal ehemaliger Südbahnhof / Quantität des zukünftigen Wohnungsangebots Brunecker Straße werden mindestens 1.400 neue zu beachten.

Abbildung 30

Typologieverteilung

Zeilen und Punkte 38,2% Reihenhäuser 32,2% Doppelhäuser Einfamilienhäuser 8,3%

Garagenhöfe/-bauten 7,9% Blockrandbebauung 7,2% Hochpunkte 5,8%

Zukünftige Entwicklungsgebiete Flächenpotenziale Wohnen

Kultur, Bildung und Sport

Lernorte und Bewegungsräume

Im Nürnberger Südosten konzentrieren sich diverse wichtige Funktion als Möglichkeitsraum für eine plu- Orte der historisch-politischen Bildungsarbeit, klas- ralistische Stadtgesellschaft. sische Kulturinstitutionen, wichtige Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, Sportstätten und Veranstal- Fazit tungsorte, die weit über den Südosten hinaus von Vor dem Hintergrund steigender Besucherzahlen des Bedeutung sind. Neben diesen überregional bekann- Dokumentationszentrum und des ehemaligen Reichsten Institutionen ergänzen schulische, kulturelle und parteitagsgeländes, einer erhöhten Nachfrage nach soziale Einrichtungen in den Quartieren diese dichte möglichen Veranstaltungen im Gebiet und ebenso und vielseitige Bildungslandschaft. steigender Auslastung der Messe wird die Herausforderung vor allem darin bestehen, die sich zeitlich und Bedeutende Kultur- und Lernorte räumlich überschneidenden Nutzungen und konkur- Mit der Meistersingerhalle, der Neuerrichtung eines rierenden Interessen der historisch-politischen Bil- Konzertsaals nebenan, der Kongresshalle als Sitz der dungsarbeit, der Großveranstaltungen, sowie der in- Nürnberger Symphoniker, dem neu eröffneten Z-Bau, dividuellen Grün- und Freizeitnutzungen in Einklang dem Messe- und Kongresswesen sowie der Friedrich- zu bringen. Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg befinden sich hochrangige Kultur- und Bildungsstandorte im Sportzentrum Südost Planungsgebiet bzw. in unmittelbarer Nähe. In den 1920er Jahren wurde der Volkspark Dutzendteich bereits zum Sport- und Freizeitpark ausgebaut. Historisch-politische Bildungsarbeit Mit dem Grundig Stadion, in dem Bundesligaspiele Die baulichen Zeugnisse der jüngeren deutschen Ge- des 1. FC Nürnberg ausgetragen werden, und der schichte respektive des Nationalsozialismus umfassen Arena Nürnberger Versicherung, in der vorwiegend das ehemalige Reichsparteitagsgelände mit der Kon- Eishockey- und Handballspiele stattfinden, sowie gresshalle und dem 2001 eröffneten Dokumentati- dem neuen Schwimmzentrum in Langwasser-Südost onszentrum, dem Zeppelinfeld und -tribüne, der Gro- sind zentrale Sportstätten im Südosten angesiedelt. ßen Straße und dem ehemaligen Bahnhof Märzfeld. Das Trainingsgelände des 1. FC Nürnberg mit hoch- In den 2004 verabschiedeten „Leitlinien zum künf- klassigem Nachwuchsfußball und Tennis sowie das tigen Umgang der Stadt Nürnberg mit dem ehema- Haus der Athleten liegen in unmittelbarer Nähe zum ligen Reichsparteitagsgelände“ wurde bereits eine Dutzendteichareal. Zahlreiche Laufveranstaltungen, richtungsweisende Haltung für das seit den 1970er das jährlich statt findende DTM-Norisringrennen, Jahren unter Denkmalschutz gestellte NS-Erbe for- die Wassersportvereine am Dutzendteich, die Sportmuliert. Bewahren und Erhalten, sich Informieren vereine VfL Nürnberg und ESV Nürnberg Rangierüber und Lernen aus der Geschichte sind die Kern- bahnhofsiedlung e.V. machen den Südost-Raum zum punkte. Weder eine Mystifizierung noch eine Musea- Sport-Stadtteil. Von dieser Leistungssportinfrastruktur lisierung des Areals, sondern der Erhalt der Bauwerke profitiert auch der Breitensport. verknüpft mit aufklärender Bildungsarbeit werden Für informelle und individuelle Sport- und Freizeitangestrebt. Über die Vermittlung von Wissen und nutzungen stehen der Volkspark Dutzendteich sodie Anstöße zum Nachdenken hinausgehend wird wie die Grünzüge in Langwasser zur Verfügung. Die das ehemalige Reichsparteitagsgelände als „Lernort“ Große Straße, der Festplatz und die Freiflächen vor begriffen und genutzt. Temporäre künstlerische Pro- der Zeppelintribüne werden für verschiedene Lifejekte und Installationen begleiten kommentierend stylesportarten (z.B. Rollhockey, Squash) angeeignet. die Auseinandersetzung mit den Relikten. Bildung und Sport Die gleichzeitige Nutzung des Geländes für verschie- Die Bertolt-Brecht-Schule (BBS) als kooperatives dene Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen ist Schulzentrum mit den Schularten Gymnasium, Realdurchaus gewünscht und inzwischen etabliert. Als schule und Mittelschule ist als Eliteschule des Sports Ort der Erholung, der zwanglosen Begegnung und in Nürnberg und der Region einzigartig. Mit ihrem Aneignung erfüllt das Gelände auf diese Weise eine Neubau am Ende der Großen Straße, dessen Fer-

Kongresshalle und Volksfestplatz tigstellung bis 2019 geplant ist, wird auch die Bildungslandschaft in Langwasser-Nord neu geordnet. Im Zuge dieser Neuordnung wird eine Dependance der Grundschule Zugspitzstraße in Kombination mit einem Hort neu errichtet. Mit ihren Sportklassen ist die BBS profilierte Partnerschule des Leistungssports. Weitere Schwerpunkte des Schulprofils sind die ganztägige Schulkindbetreuung und das Engagement als UNESCO-Projektschule. Als Bildungsangebot der Erwachsenenbildung nutzt ein Abendgymnasium das Schulgebäude mit. Durch den Neubau des Schwimmzentrums Langwasser ist ein wichtiger Baustein für das Sportprofil der BBS entstanden. Die Belegungskapazitäten sind bereits kurz nach der Eröffnung nahezu ausgeschöpft. Innenhof der Kongresshalle Weitere Sport- und Bewegungsangebote könnten das Sportzentrum Südost sinnvoll ergänzen. Folgende Ausbauideen bestehen bereits: Taekwondo-Stützpunkt und BMX-Bahn an der BBS sowie der Neubau einer Sporthalle für Basketball.

Abbildung 32

Abbildung 33

Stadtteilbezogene Lern- und Bildungsorte Der Südosten verfügt über ein breites Angebot an Bildungseinrichtungen für alle Altersstufen: Kinderkrippen, Kindergärten und Kinderhorte als Orte der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung, Schulen unterschiedlichster Ausrichtung, Einrichtungen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit und Angebote der Erwachsenenbildung. Neben dem Gemeinschaftshaus Langwasser Schulzentrum der BBS befinden sich vier Grundschul-, drei Mittelschulstandorte, die private griechische Volksschule mit Grund- und Hauptschule, die Blindenschule sowie ein Sonderpädagogisches Förderzentrum mit Grund- und Hauptschulstufe im Südosten.

Abbildung 34

Ein sukzessiver Aus- und Umbau der sektoralen Bildungslandschaften mit ganztägigen Lern- und Lebensräumen ist laufende Aufgabe. Zu den Maßnahmen zählen vor allem die Sanierung sowie teilweise der Neubau von Schulbauten und der Ausbau der Schulkinderbetreuung. Im Südosten ist die Modernisierung des Grundschulstandortes Zugspitzstraße geplant sowie der Neubau der Dependance an der Karl-Schönleben-Straße einschließlich eines Horts in Bertolt-Brecht-Schule Realisierung. Gemäß abgestimmter Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung bestehen prioritär Handlungsbedarfe im Schul- und Hortbereich der Bauernfeindschule. Perspektivisch wird die Versorgung im Hortbereich für die Adalbert-Stifter-Schule zu verbessern sein. Mit der neuen Stadtteil- und Wohngebietsentwicklung auf dem Areal ehemaliger Südbahnhof / Brunecker Straße entstehen zusätzliche Bedarfe, die in den angrenzenden Quartieren Hasenbuck und Rangierbahnhofsiedlung nicht abgedeckt werden können.

Abbildung 31

In den Quartieren sind schulische, kulturelle und so- Inanspruchnahme durch außerschulische Nutzer, z.B. ziale Einrichtungen und deren Vernetzung im Sinne durch private Sportgruppen und -vereine stellt die offener und generationenübergreifender Lern- und Institutionen vor große Herausforderungen. Ausbau- Bildungsorte gleichermaßen wichtig. Das Gemein- fähig sind kleinräumige Kooperationsstrukturen der schaftshaus am Heinrich-Böll-Platz spielt dabei eine sozialen, kulturellen und schulischen Einrichtungen in stadtteilzentrale Rolle. Mit der Stadtteilbibliothek, den Quartieren untereinander sowie deren Verknüpden offenen Räumen für zahlreiche freie Gruppen fung mit den stadtteilzentralen Gemeinschaftseinund vielfältigen Veranstaltungs- und Freizeitangebo- richtungen. ten ist es das Kulturzentrum des Stadtteils und gleichzeitig Knotenpunkt des weitreichenden bürgerschaftlichen Netzwerks im Südosten. Die Vernetzung über das Stadtteilforum Langwasser funktioniert hier sehr gut.

Fazit Steigende Geburtenraten und Zuzüge in der Gesamtstadt sowie generell veränderte Raumbedarfe für mehr ganztägige Schulkindbetreuung wirken sich auf die Bildungseinrichtungen aus. Die anwachsenden Flüchtlingszahlen erfordern voraussichtlich ein Mehr an Übergangsklassen. Die intensivere Nutzung schulischer Infrastrukturen und ihrer Sportstätten aufgrund zunehmender Betreuungs- und Integrationsangebote bei zusätzlicher

Abbildung 35

Kulturstandort

Schule, Hochschule, Stadtteilbibliothek

Kinderkrippe, -garten, -hort

Sportstätte

Baudenkmal

Denkmalschutzensemble, Boden-, Gartendenkmal

Soziale Infrastrukturen

Generationenübergreifende Angebote

Seniorenheim am Langwassersee Die Ausstattung an sozialen Infrastrukturen im Südosten besteht aus einem kleinteiligen Netz an städtischen und freien sozialen Diensten und Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Senioren. Die Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen ist sehr gut, im Hortbereich gilt es die Versorgung weiter zu verbessern. Die Angebotsformen sind konzeptionell vielfältig und in unterschiedlicher Trägerschaft. So gibt es neben den regulären Stadtteilkitas, auch Kindertageseinrichtungen als „Orte für Familien“. Das Familienzentrum Imbuschstraße bietet neben Kinderkrippe, Kindergarten, Hort und Schülertreff auch Unterstützung für die ganze Familie, etwa Familienzentrum Imbuschstraße mit niederschwelligen Angeboten der Familien- und Elternbildung. Es ist ein Ort vielfältigen ehrenamtlichen Engagements zur Förderung der Kinder und zur Unterstützung ihrer Familien. Ähnliche soziale und generationenübergreifende Angebote fehlen in Langwasser-Nord.

Abbildung 36

Abbildung 37

In der Rangierbahnhofsiedlung und in Langwasser sind gemäß der städtebaulichen Planung von Langwasser von 1956 in jedem Quadranten (Langwasser Nordwest, Nordost, Südwest, Südost) Kirchen beider Konfessionen angesiedelt. In Neuselsbrunn ist kürzlich eine russisch-orthodoxe Gemeinde in einen ehe- Jugendtreffpunkt Breslauer Straße „Mannis Platz“ maligen Getränkemarkt eingezogen. Neben den klassischen „Religionsangeboten“ sind die Kirchen mit ihren Gemeindezentren durch vielfältige Angebote wie offene Kinder- und Jugendarbeit und Seniorentreffs aktiv in der Stadtteilarbeit vertreten und spielen somit als Begegnungsorte für alle Altersgruppen eine große Rolle. Neben den kirchlichen Jugendhäusern sind die städtischen Jugendeinrichtungen das Geiza, der Container und das BUNI sowie der pädagogisch betreute Bauspielplatz „Baui“, eine Einrichtung der offenen Arbeit mit Kindern, im Stadtteil vorhanden. Mit den beiden Jugendunterständen an der Breslauer Straße in Lang- Kirche Heiligste Dreifaltigkeit wasser Süd wurden bereits gezielt Orte für Jugendliche eingerichtet. Dennoch fehlt es nach Meinung vieler Jugendlicher an informellen, weniger regulierten und institutionalisierten Treffpunkten.

Abbildung 39

Abbildung 38

Als Folge des demographischen Wandels lebt schon heute ein überdurchschnittlich hoher Anteil älterer Bewohner in Langwasser. Ein seniorengerechtes Wohnumfeld bedarf fußläufig erreichbarer, barrierefreier Nahversorgungseinrichtungen, wohnungsna-

her sozialer und kultureller Infrastruktur, dezentraler an der Breslauer Straße vorhanden. Darüberhinaus und kleinteiliger Versorgungs-, Pflege- und Dienstleis- betreut die noris inklusion gGmbH in Langwasser mit tungsangebote sowie Angebote für ärztliche Versor- dem Werk Süd das größte Arbeitsplatzangebot für gung und häusliche Unterstützung und bedarfsge- Menschen mit Behinderung. rechter Freiflächengestaltung. Es bestehen Einrichtungen der stationären, teilstatio- Fazit nären und ambulanten Pflege, Betreuungs- und Akti- Die Planung der sozialen Infrastruktur steht angevierungsangebote für Menschen mit Demenz, Senio- sichts der demografischen Entwicklung sowie sich renwohnanlagen, offene Mittagstische für Senioren, wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Beratungsangebote z.B. zur Pflege (auch für russisch- vor erheblichen Herausforderungen. In einigen soziasprachige Menschen) oder für Menschen in schwieri- len Einrichtungen geht das Nutzerpotenzial deutlich gen sozialen Lebenslagen sowie soziale Treffpunkte zurück, während es in anderen Bereichen an Grenzen für ältere Menschen (z.B. des Seniorennetzwerks, der stößt. Gleichzeitig müssen die bestehenden Einrich- Kirchengemeinden oder im Gemeinschaftshaus Lang- tungen veränderten inhaltlichen Ansprüchen genüwasser). Zusammenfassend weist der Südosten eine gen. Die soziale Infrastruktur im Gebiet muss adaprelativ gut ausgebaute Infrastruktur in der Altenhilfe tiert und ausgebaut werden, um den Südosten für auf. Durch das Seniorennetzwerk Langwasser wurde alle Altersgruppen attraktiv zu machen. im Hinblick auf teilhabefördernde und präventive Angebote für Ältere bereits eine funktionierende Austauschplattform geschaffen.

Ein sozial orientierter Nutzungscluster ist mit dem Klinikum Süd und den Wohn- und Werkstätten und dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte

Abbildung 40

Sozialer Dienst und Einrichtung

Kirchenstandort

Jugendtreffpunkt

Spielplatz und Spielhof

privater Spielplatz (z.B. wbg)

Schule, Hochschule, Stadtteilbibliothek

Kinderkrippe, -garten, -hort

Sportstätte

Sozial, kulturell und bildungsorientierter Cluster

Freiräume im Südosten

Gliedernde Grünzüge

Abbildung 41

Wasserfläche

Naherholungsgebiet

Überörtlich bedeutsame Parkanlage

Quartiersparkanlage

Sportanlage

Spielplatz und Spielhof

Schwimmbad, Campingplatz

Friedhof

Baumbestandener Siedlungssaum

Bewaldete, kaum zugängliche Fläche

Abstandsgrün

Der Freiraumanteil im Südosten – Wasserflächen, öf- Trennende und verbindende Elemente im Gebiet fentliche Grünanlagen, Kleingärten und Sportflächen

Abbildung 44

tes aus. Der Volkspark Dutzendteich ist als größte Parkanlage Nürnbergs von gesamtstädtischer Bedeutung hinsichtlich der Erholungs- sowie der stadtklimatischen Funktion. Im „Masterplan Freiraum“ (bgmr, 2014) wird für den Volkspark mit seinen vielfältigen Nutzungen und Nutzungsansprüchen die Leitidee der „Urbanen Parklandschaft“ formuliert. Dieses Konzept zielt darauf ab, verborgene Flächenpotenziale und monofunktionale Freiflächen mehrfach zu „programmieren“, um zusätzliche Freiraumangebote zu erschließen und bebaute Areale wie das Messegelände oder die DBA-Siedlung zu integrieren. Die Idee der Urbanen Parklandschaft wird im INSEK weiterentwickelt und soll auch die geplanten Grünanlagen im Entwicklungsgebiet ehemaliger Südbahnhof / Brunecker Straße umfassen.

Äußere Waldsäume um die Siedlungsflächen und innere Grünzüge prägen das Bild des Stadtteils. Diese äußeren und inneren Ränder – zum Teil als undefinierte Abstandsfläche oder sozialräumliches Puffergrün – verbinden sich Spaziergänger am Rodelberg freiräumlich, trennen jedoch die Siedlungsteile voneinander. Barrieren und Lücken in der Grünvernetzung und im bestehenden Fuß- und Radwegenetz verstärken die räumliche Inselbildung. Bereits in der koopstadt-Studie (Stein+Schultz, bb22 architekten, 2008) wird daher der Begriff und gleichzeitig die Strategie der „(missing) links“ bzw. „new links“ eingeführt. Die new links sollen in Zukunft die unterschiedlichen Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten der Stadtlandschaft auch über mittlere Distanzen besser vernetzen. Zu stärken ist vor allem die tangentiale Grünverknüpfung außerhalb des Innenstadtgürtels.

Abbildung 43

Bezogen auf die Einwohnerzahl finden sich in den an Abstandsgrün am Korczakweg sich großzügigen Grünräumen nur wenige Treffpunkte, Spiel- und Sportflächen. Die bestehenden Angebote verfügen teilweise über eine sehr begrenzte Ausstattung oder sind nur für eine spezifische Altersgruppe attraktiv. Insbesondere der Südwesten in Langwasser und Neuselsbrunn haben einen hohen Spielflächenbedarf. Die weitere Beplanung der Grünräume sollte unter Berücksichtigung der demographischen Situation im Südosten jugend- und altengerechte Bedarfe einbeziehen.

Abbildung 42

Ergänzende Freiräume

Zusätzliche Freiraumpotenziale

Abbildung 45

Wasserfläche

Privatgarten

Kleingartenanlage

Siedlungsgrün

Institutioneller Freiraum

Privater Spielplatz (z.B. wbg)

Brache

Versiegelte Fläche

Grünflächenunterversorgung im grünsten Stadt- Wettersteinstraße teil Nürnbergs Die Wohngebiete im Planungsgebiet sind nach der Analyse des Masterplans Freiraum (bgmr) mit Ausnahme des Gebiets östlich der Glogauer Straße (Langwasser Südost) mit öffentlichen Grün- und Parkanlagen unterversorgt. Diese Unterversorgung wird jedoch (etwas) relativiert, wenn man den hohen Anteil an halböffentlichem Siedlungsgrün und privaten Gärten einbezieht. Die Bandbreite unterschiedlicher Grünräume ist im Vergleich zu anderen Stadtgebieten ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal von Langwasser. So gibt es differenzierte städtisch geprägte öffentliche Räume und Plätze mit grünen Private Grünfläche an der Neißer Straße gemeinschaftlich genutzten Mietergärten oder Gemeinschaftshöfen, fließende, in die baumbestandene Landschaft eingebettete Freiräume sowie klassische Reihenhaussiedlungen mit Privatgärten.

Abbildung 47

Abbildung 46

Das halböffentliche Siedlungsgrün in den Zeilensiedlungen der 1950er und 1960er Jahre verwaist jedoch in weiten Teilen zu nicht genutztem Abstandsgrün zwischen den Gebäuden. „Nicht betreten“- oder „Spielen verboten“- Schilder verdeutlichen die divergierenden Interessen zwischen Ruhebedarf der Anwohner und Nutzungswünschen. Thomas-Mann-Straße

Abbildung 49

fazit Mit seinem hohen Anteil an halböffentlichen und institutionellen Grünflächen besitzt der Südosten ein großes Freiflächenpotenzial, das durch entsprechende Aktivierung und Umgestaltung quartiersbezogene Freiraumbedarfe bedienen könnte. Durch temporäre Bespielung und Mehrfachnutzung können versiegelte Stellplatzflächen sowie Brachflächen dieses Potenzial zusätzlich erweitern. Zugänglichkeit und Nutzbarmachung verändern Abstandsgrün und untergenutzte Freiflächen zu Begegnungsorten.

Rangierbahnhofsiedlung

Abbildung 48

Wirtschaft

Global Player und lokale Ökonomien

Arbeitsplatz Südost Recycling-Unternehmen an der Brunecker Straße, öf- Mit zahlreichen Arbeitsplätzen und namhaften Unter- fentliche Arbeitgeber wie das Klinikum Süd, Zentralnehmen ist der Südosten ein wichtiger Wirtschafts- finanzamt, die Schulen und zahlreiche kleine und standort Nürnbergs. mittelständische Betriebe prägen außerdem den Der Messe- und Kongressstandort Nürnbergs ist von Standort Südost. internationalem Rang. Bekannte Namen wie Grundig sind Imageträger für Langwasser, das zweitgrößte Unterschiedliche Kategorien von Wirtschaftsstandor- Briefzentrum der Deutschen Post AG in Bayern hat ten können im Planungsgebiet identifiziert werden: seinen Sitz an der Beuthener Straße / Poststraße, der

Businesspark „Eurocom“ entwickelt sich als Standort das Franken-Center und das Klinikum Süd sowie für Büro- und Dienstleistungsunternehmen weiter. das Dutzendteichgelände und der Luitpoldhain Größere Unternehmen wie die I.K. Hoffmann, die als für den Tourismus bedeutsamen Kultur- und Großdruckerei prinovis, die Teambank, Vedes und Freizeitort, Bayernland mit ihren Unternehmenszentralen, die Lebkuchenhersteller Schmidt und ifri Schumann, ein • die „klassischen“ Gewerbegebiete mit Möbel- und Autologistiker, ein druckverarbeitender Betrieb und Bauhausketten, Produktionsstandorten, System-

Abbildung 50

Magnet

Expansionsbedarf

Enklave / Barriere

„Klassiker“

Cluster

Insel

Transformationsort

vermehrt kleinteiliges Gewerbe und Dienstleistung

großflächige Industrie- und Gewerbebauten

öffentliche Arbeitgeber

Flächenpotenzial Gewerbe

gastronomie und Handwerksbetrieben, die sich je Thomas-Mann-Straße. Statt eines Abrisses wurde hier nach Flächenverbrauch und Körnigkeit mal mehr eine nachhaltige energetische Sanierung mit anund mal weniger in den Kontext integrieren, spruchsvoller Architektur umgesetzt und eine Vielfalt an Nutzungen angestrebt. TM 50 und der benach-

barte Edeka-Neubau sowie das Gebäude der Team- Dienstleistungsstandorte, die eine mangelnde Verbank setzen Akzente als „green buildings“ hinsichtbindung mit der Umgebung eingehen wie z.B. der lich ihrer Nachhaltigkeit und architektonisch hoher Eurocom-Businesspark, Standards.

sind wie z.B. das Prinovis-Areal, Fazit

Asphaltwerk, und Profilierung des Wirtschafts- und Arbeitsstandorts Südost, u.a. durch unterstützende Maßnahmen

für Unternehmen und Investoren zur Revitalisierung maliger Südbahnhof / Brunecker Straße. frei werdender Flächen und Objekte. Im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte spielt dabei auch die At- Mit der Entwicklung des neuen Stadtteils auf dem traktivierung des Wohnumfelds eine große Rolle. Gelände des ehemaligen Südbahnhofs / Brunecker Straße bietet sich auf dem 90 ha großen Areal die Möglichkeit, ein gemischt genutztes Stadtquartier zu schaffen, in dem Gewerbe, Wohnen und Freiraum mit Anbindung an den Volkspark eng verknüpft sind. Ein Teil der gesamtstädtischen Nachfrage nach Gewerbeflächen kann hier gedeckt werden. Im Rahmen des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenund Realisierungswettbewerbs hat das Preisgericht im Frühjahr 2015 drei gleichrangige Preisträger zur Überarbeitung empfohlen. Im weiteren Verfahren wurde der Beitrag des Büros West 8, Rotterdam, als Siegerentwurf ausgewählt, der als Basis der verbindlichen Bauleitplanung dient.

Weitere Gewerbeflächenpotenziale befinden sich im Businesspark „Eurocom” an der Thomas-Mann-Straße sowie das im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche ausgewiesene Waldareal an der Beuthener Straße / Poststraße. Das Gewerbeflächenpotenzial im Eurocom umfasst zwei kleinere Flächen mit zusammen 6.000 m², die kurzfristig zur Verfügung stehen, während das Gewerbeflächenpotenzial an der Beuthener Straße / Poststraße knapp 140.000 m² umfasst und großteils nur schwer und langfristig entwickelt werden kann. Aufgrund hoher ökologischer Restriktionen ist zudem nur ein Teil der Fläche als Gewerbefläche entwickelbar.

Ein gelungenes Beispiel für kleinteiligere Transformationen und Umnutzungen auf Gebäudeebene ist das Projekt „TM 50“, ehemals FotoQuelle, an der

Nahversorgung

Polyzentralität

Franken-Center Im Einzelhandelskonzept der Stadt Nürnberg (Oktober 2013) wird innerhalb des INSEK-Gebiets folgende perspektivische Zentrenhierarchie festgelegt: das Franken-Center als B-Zentrum mit teilstädtischer und teilweiser interkommunaler Versorgungsfunktion, die Wettersteinpassage in Langwasser-Nordwest als C- Zentrum mit stadtteilbezogener Versorgungsfunktion sowie als D-Zentrum die Rangierbahnhofsiedlung mit quartiers- bzw. stadtteilbezogener Versorgungsfunktion. Darüber hinaus befinden sich in den Gewerbegebieten Breslauer Straße und Regensburger Straße weitere Supermärkte. In der Thomas-Mann-Straße befin- Wettersteinstraße det sich mit dem neuen Edeka ein Vollsortimenter im Gebiet.

Abbildung 54

Abbildung 51

Das Franken-Center ist als bedeutender Einzelhandelsstandort im Südosten zu erhalten und zu stärken. Neben der Nahversorgungsfunktion bietet das Einkaufszentrum eine vielfältige Sortiments- und Angebotsstruktur von großflächigen Handelsketten bis hin zu inhabergeführten Läden. Zusammen mit dem Gemeinschaftshaus bildet es außerdem den sozialen Treffpunkt im Südosten. Gastronomische Einrichtungen, meist Systemgastronomie, befinden sich vor allem hier und in den Ge- Thomas-Mann-Straße werbegebieten. Das Angebot an Gastronomie ist sowohl quantitativ als auch qualitativ zu verbessern.

Abbildung 52

In den kleineren Quartierszentren in Langwasser Südost an der Imbuschstraße sowie in Südwest an der Julius-Leber-Straße sind neben Einrichtungen des täglichen Bedarfs auch ergänzende Angebote wie Apotheke, Friseur, Blumenladen oder Kiosk zu finden. Die kleinteiligen Einzelhandelsflächen in den Wohngebieten befinden sich meist in unmittelbarer Nähe zu den sozialen Infrastrukturen. Teilweise ist ein hoher Leerstand in den Gewerbeflächen und Ladenlokalen zu verzeichnen, z.B. im Quartierszentrum in der Pla- Quartierszentrum Imbuschstraße netenringsiedlung. Hier bietet sich die Chance einer gezielten bedarfs- und gemeinwohlorientierten Nutzungsanreicherung, um die Treffpunkt- und Versorgungsfunktion der Quartierszentren zu stärken.

Abbildung 53

Fazit Das dezentrale Nahversorgungsangebot im Südosten ist gut, aber ausbaufähig. Die Standorte sind vor allem von den Eigenheimsiedlungen an den äußeren östlichen bzw. westlichen Quartieren im Süden Lang-

wassers sowie in der Neulandsiedlung / Am Harnischschlag weit entfernt. In Hinblick auf den hohen Anteil an Senioren, aber auch für Familien und Bewohner ohne Auto, sollte über Reaktivierungen von einzelnen Nahversorgungszentren nachgedacht werden, damit eine fußläufige Erreichbarkeit gewährleistet werden kann. Als Ergänzung sollten neue Angebote wie Lieferservices der Supermärkte verstärkt kommuniziert werden. Neben dem Wochenmarkt am Heinrich-Böll-Platz sollten an ausgewählten Standorten Möglichkeiten für Stadtteil- und Nachbarschaftsmärkte geschaffen werden. Die Bereitstellung von Wasser- und Stromanschlüssen ist dabei Voraussetzung.

Abbildung 55

Versorgungszentrum (gemäß Einzelhandelskonzept) Nahversorgungsstandort

Supermarktstandort

kleinteiliger Einzelhandel/Gewerbefläche

Leerstand im Quartierszentrum

Einzugsradius 500 m

Gastronomie

Mobilität

(missing) links

Autogerechte Stadt versus Wohnruhe hingegen zu hohem Verkehrsaufkommen. Die Flä- Im Gegensatz zum feinmaschigen Netz der Gründer- cheninanspruchnahme des ruhenden Verkehrs stellt zeitquartiere in der nördlich an das Betrachtungsge- ein erhebliches Problem im Südosten dar. Die tempobiet anschließenden Südstadt beruht das Verkehrssys- räre Nutzung der Großen Straße als Stellplatzfläche, tem in Nürnberg Südost auf einem sehr hierarchisch die jedoch als Teil des ehemaligen Reichsparteitagsgegegliederten Straßennetz. Die vier- bis sechsspuri- ländes und als wesentlicher Bestandteil der historischgen Hauptverkehrsstraßen werden von baumbestan- politischen Bildungsarbeit erfahrbar bleiben muss, denem Abstandsgrün flankiert und wirken dadurch bedarf einer dringenden Neuordnung. Die Radwegenoch mächtiger. Die Bebauung rückt von den Straßen nutzung ist hier während der Messe- und Sportverab, was den Eindruck der isolierten Einzelquartiere anstaltungen nur eingeschränkt möglich. Die Stellverstärkt. Positiv hervorzuheben ist das innere Ver- platzflächen sollten zugunsten eines Fahrradstreifens kehrskonzept aus Stichstraßen und Ringerschließun- reduziert werden, um die übergeordnete Anbindung gen, welches Durchgangsverkehr verhindert und zu an die Innenstadt zu gewährleisten. ruhigen, attraktiven Wohnsituationen beiträgt. Die Ausfallstraßen als Verbindungen von der Autobahn ÖPNV- und Fuß- und Radwegenetz ins Zentrum sowie die zahlreichen Veranstaltungsorte Durch die U-Bahnlinie ist der westliche Bereich des (u.a. Stadion, Messe) im Dutzendteichgelände führen Planungsgebiets sehr gut an die Nürnberger Innen-

Abbildung 56

stark frequentierte Straßen

mäßig frequentierte Straßen wenig frequentierte Straßen großflächig ruhender Verkehr

S- / U-Bahn-Station

Tram-Haltepunkt

neue Haltepunkte

Ausbau Tramlinie

stadt angebunden. Vom U-Bahnhof Langwasser-Süd zukünftige Aufgabe. Die geplante Straßenbahnverwird der Hauptbahnhof innerhalb von 15 Minuten längerung zur Erschließung des Areals ehemaliger erreicht. Die S-Bahn im nordöstlichen Teil des Pla- Südbahnhof / Brunecker Straße sollte gemäß des nungsgebiets verkehrt im 20-Minuten-Takt. Im „Da- Nahverkehrsentwicklungsplans weitergeführt werzwischen“ fahren die meisten Buslinien im 10 Minu- den, um die Messe-Ost und den neuen Standort der ten-Takt, zu Hauptverkehrszeiten teilweise häufiger. Bertolt-Brecht-Schule anzubinden. Der im Nahver- Die Quervernetzungen in Ost-West-Richtung spielen kehrsentwicklungsplan vorgeschlagene Ausbau der zur Zeit eine eher untergeordnete Rolle. Eine bes- Tramlinie vom Südfriedhof bis nach Altenfurt / Fischsere Anbindung der östlichen Wohngebiete sowie der bach über Gartenstadt und Langwasser würde eine Gewerbestandorte (Klinikum Süd und Grundig-Areal) verbesserte Anbindung des Klinikums Süd ermöglisind wichtig. chen. Das Radwegenetz in Nord-Süd-Richtung verläuft entlang der Hauptverkehrsstraßen, was für den Fuß- und Fazit Radwegeverkehr unattraktiv ist. Einzelne Querverbin- Um die Vernetzung der einzelnen Siedlungsinseln dungen sollten hier ergänzt werden. Die Verbindung untereinander zu stärken, bedarf es der Optimierung über die Große Straße ist aufgrund der Stellplätze für des kleinteiligen Wegenetzes. Lücken im Fuß- und Messebesucher teilweise eingeschränkt. Die Fortfüh- Radwegenetz sind im Verbund mit den Freiraumverrung des Radwegs entlang des inneren Grünzugs in bindungen zu ergänzen und Querungen der Haupt- Langwasser P ist hinsichtlich der Orientierung zu op- verkehrsstraßen und Gleisanlagen zu vereinfachen. timieren und wird beim Neubau der Bertolt-Brecht- Innerhalb der Wohngebiete im Südosten besteht vor Schule berücksichtigt. allem Handlungsbedarf in einer besseren Orientierbarkeit, was durch ein Leitsystem gewährleistet wer- Die Verbesserung des Modal Splits zugunsten der den sollte. Verkehrsarten des Umweltverbundes ist eine weitere

Straßenhierarchie ÖPNV-Vernetzung

Abbildung 57

Abbildung 60

Hauptverkehrsstraßen

Wohnstraßen

großflächig ruhender Verkehr

S-Bahn

U-Bahn

Bus

Einzugsradius 500 m und 300 m

Fahrradvernetzung Fußgängernetz

Abbildung 59

Abbildung 58

Bestehendes Radwegenetz

Ausgeschilderte Radwege

Optimierung Radwege

Lücken im Radwegenetz

Bestehendes Hauptwegenetz

Optimierung Fußwege

Lücken im Fußwegenetz

Öffentlichkeiten

Überregionale Attraktoren

Auf und um das Dutzendteichgelände konzentrieren naten stattfindenden Events ausgehen, werden von sich wesentliche Kultur- und Freizeitangebote Nürn- Anwohnern, Erholungssuchenden, Kleingärtnern etc. bergs: geschichtsträchtige Orte der Erinnerung auf als sehr störend wahrgenommen. Die hohe Verandem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, populäre staltungsfrequenz beeinträchtigt die individuelle und Events mit DTM Norisring-Rennen, Rock im Park, Ver- gruppengeführte Begehung des Geländes als Lernanstaltungen der NürnbergMesse, Fußball im Grundig ort. Dazu kommt die Belastung durch den intensiven Stadion, Eishockey- und Handballspiele oder Konzerte Autoverkehr. Die Parkplatzangebote um die Veranin der Arena, Volksfeste und Zirkusvorstellungen auf staltungsareale reichen kaum aus. Die Große Straße dem Volksfestplatz und OpenAir-Veranstaltungen im wird regelmäßig als Stellplatzfläche für Messeveran- Luitpoldhain machen es zu einem Standort von stadt- staltungen genutzt und ist somit weder als geschichtweiter Bedeutung und (inter)nationaler Bekanntheit. lich bedeutsamer Ort erfahrbar noch als Radwegever- Gleichzeitig übernimmt der Volkspark Dutzendteich bindung zwischen Langwasser und Altstadt attraktiv. eine gesamtstädtisch wichtige Erholungsfunktion. Die intensive Beanspruchung der Grünflächen bei Diese nahezu gleichwertige Nutzung als Grünerho- Großveranstaltungen führt zu spürbaren Beeinträchlungs-, historisch-politischer Lern- und Veranstal- tigungen der Freiraumqualität. Vorrangige Aufgabe tungsort führt zu erheblichen Konflikten. Die Lärm- wird hier sein, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen emissionen, die von den meist in den Sommermo- Event- und Erholungsort herzustellen.

Abbildung 61

Das Dutzendteichgelände ist von einem hohen Nutzungsdruck betroffen.

international

Dokuzentrum

NürnbergMesse

Rock im Park

Norisring

überregional

Grundig Stadion

Serenadenhof

KlassikOpenAir

Meistersingerhalle

städtisch/regional

Arena

Z-Bau

Volksfest

temporäre räumliche Ausdehnung

und lokales Engagement

Der südlich angrenzende Stadtteil Langwasser stellt Heinrich-Böll-Platz ziehen nicht nur „Langwasserasich als vergleichsweise ruhiger Wohnstandort dar. ner“ an. In einzelnen Quartieren werden regelmäßig Er bietet weniger überörtlich relevante Attraktionen Nachbarschaftsfeste organisiert, wie z.B. am Franzan, dafür verfügt er jedoch über eine Vielzahl lokaler Reichel-Ring oder das Langwassersee-Fest im Nordosund nachbarschaftlicher Angebote und Netzwerke ten. Neben Sport- und kirchlichen Vereinen sind vor und ein reiches Spektrum an Programmen und Veran- allem von Migranten organisierte Vereine in Langstaltungen, Vereine, Bildungs-, Kultur- und sozialen wasser angesiedelt. Zu nennen ist vor allem das Haus Einrichtungen. der Heimat als Ort der Begegnung für Vertriebene Das Gemeinschaftshaus Langwasser spielt als zen- und Aussiedler aus Osteuropa. Rund um die private trale Adresse für Veranstaltungen und Freizeitan- Volksschule haben griechische Vereine ihren Sitz. Vergebote eine besondere Rolle. Das Familienzentrum einskultur und Veranstaltungsorte übernehmen in Imbuschstraße übernimmt im Stadtteil als sozialer den Quartieren eine tragende Funktion für die Integ- Begegnungsort mit vielfältigen ehrenamtlichen Enga- ration von Zugezogenen, der Vernetzung der Nachgements zur Förderung von Kindern und zur Unter- barschaften und ganz allgemein für die Lebensqualistützung ihrer Familien eine wichtige Funktion. Die tät in Langwasser. Langwasser Kirchweih auf der Park&Ride-Fläche in Langwasser-Süd sowie der Weihnachtsmarkt auf dem

Abbildung 62

Im Stadtteil Langwasser findet sich eine Vielzahl lokaler Gruppen und Vereine.

Vereinsarten

Kulturvereine

Naturschutzvereine

Kirchliche Vereine

Sportvereine

soziale Vereine

Freizeitvereine

sonstige Vereine

Treffpunkte

temporäre räumliche Ausdehnung

Transformationsorte

Übersicht neuer und zukünftiger Projekte

Abbildung 63

realisierte Projekte

zukünftige Projekte und Entwicklungsgebiete

Sanierung und Umbau TM 50 Die Bautätigkeit in den letzten Jahren umfasste vor allem punktuelle Nachverdichtungen und Ergänzungen sowie Modernisierungen und Umbauten. Die zukünftigen Entwicklungsabsichten werden den Südosten maßgeblich beeinflussen.

Abbildung 64

Projekte der vergangenen fünf Jahre

Neubau Bankgebäude und Sanierung der Grundig-Türme

Abbildung 66

meeinrichtung für Flüchtlinge mit einer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (15)

Gebäudesanierungen (25-28) Neubau Adalbert-Stifter-Schule

Abbildung 67

Zukünftige Entwicklungsabsichten

Brecht-Straße - in Realisierung (a)

Südbahnhof / Brunecker Straße (d)

Abbildung 65

Straße (j)

feindstraße (l)

straße und Umbau Hort Zugspitzstraße (m)

Konversionsfläche

Ein neuer Stadtteil entsteht

Abbildung 73

Strukturvariante Wohnen

Abbildung 68

Abbildung 70

Abbildung 69

Strukturvariante Gewerbe

Abbildung 71

Abbildung 72

Stufenweiser Aufbau

Brunecker Straße

Das ehemalige Südbahnhof-Areal an der Brunecker Das Beratungsgremium aus Mitgliedern aus Politik Straße ist mit einer Größe von rund 90 ha das größte und Verwaltung der Stadt Nürnberg sowie Architek- Transformationsgebiet Nürnbergs. Nachdem die ten, Stadtplanern und aurelis hat einstimmig den Bei- Deutsche Bahn ihre Güter- und Transportlogistik in trag des Rotterdamer Büros zur Weiterbearbeitung den vergangenen Jahrzehnten verlagert hat und die ausgewählt. Das städtebauliche und landschaftspla- Gleisanlagen nahezu vollständig zurückgebaut wur- nerische Konzept dient als Grundlage für den Rahden, sind heute lediglich großflächige Güterhallen menplan sowie für die notwendigen Bauleitpläne, die und einige Gewerbebetriebe verblieben. Aufgrund modular und schrittweise erstellt werden sollen. Der der stadträumlich günstigen Lage zwischen historisch vorliegende Entwurf sieht sowohl für die Wohn- als gewachsenen Stadtvierteln und dem Naherholungs- auch die Gewerbevariante die Neuanlage eines Bürgebiet Dutzendteich birgt das Planungsgebiet große gerparks vor und schafft damit eine funktionierende Chancen für die zukünftige Entwicklung des Nürn- Grünverbindung vom Hasenbuck zum Dutzendteich. berger Südostens. Vorgesehen ist ein neues urbanes Für den Bereich südlich des Parks ist noch festzule- Quartier mit einer Mischung aus Wohnen, Dienst- gen, welche Nutzungsvariante im Modul IV zukünftig leistung, Gewerbe und Grünflächen, das vom Grund- vorgesehen wird. stückseigentümer als neuer Stadtteil „Lichtenreuth” Zudem ist eine weitere maßgebliche Grünfläche im bezeichnet wird. Süden als naturnaher Park vorgesehen. Die Verkehrserschließung soll über Anbindungen an das Die aurelis Real Estate GmbH & Co. KG als Eigentüme- bestehende Verkehrsnetz erfolgen. Für die Messe rin hat Ende 2014 einen Ideen- und Planungswettbe- können auf dem Areal dringend benötigte Erweitewerb ausgelobt, an dem zwölf internationale Büros rungsflächen zur Verfügung gestellt werden. Allerund Bürogemeinschaften teilgenommen haben. Im dings sollte dann eine kreuzungsfreie Anbindung an Juli 2015 hat das Büro West 8 den städtebaulichen das bestehende Messegelände vorgesehen werden. und landschaftsplanerischen Wettbewerb nach Überarbeitung in der zweiten Phase für sich entschieden.

Perspektivische Darstellung des Wohnquartiers im Modul I

Abbildung 74

Teilräume näher

betrachtet

Im Rahmen der weiteren Gebietsanalyse wird der Betrachtungsperimeter in einzelne Teilräume gegliedert, welche sich aus physikalischen, programmatischen oder thematischen Konturen ergeben. Damit wird das „urbane Patchwork“ des Nürnberger Südostens in insgesamt 13 überschaubare und abgrenzbare logische Einheiten unterteilt. Sie differieren mitunter stark hinsichtlich ihrer Größe, des Nutzungsspektrums und der baulich-räumlichen Struktur und geben damit teilweise ganz unterschiedliche Themenschwerpunkte vor. Eine komprimierte Stärken-Schwächen-Analyse dient einer umfassenden Benennung und konkreten Verortung von Defiziten und Potenzialen des Raumes. Sie berücksichtigt auch bereits laufende Planungen im Gebiet. Die Kartierung der Herausforderungen und Begabungen basiert in erster Linie auf den Ergebnissen des internen Workshops.

Innerhalb der Teilräume findet eine fokussierte Betrachtung auf verschiedenen Ebenen statt. Neben städtebaulichen und demographischen Kennwerten und strukturellen Merkmalen werden für jeden Teilraum wesentliche Begabungen und Herausforderungen genannt und nachfolgend Kernaufgaben und Handlungsbedarfe dargestellt.

Die Darstellung der Ergebnisse in Form von „Steckbriefen“ liefert als Instrument eine kompakte Zusammenfassung.

Quartiere und Nachbarschaften im Südosten

Abbildung 75

Herausforderungen und Begabungen

Abbildung 76

Teilraumsteckbriefe

Ein Steckbrief zeigt die räumlichen und funktionalen bis 64 Jahren dar. Der Jugendquotient ermittelt den Eigenschaften eines Teilgebiets, sowie dessen Ent- Anteil der unter 15-jährigen bezogen auf die erwicklungspotenzial. Themenübergreifend fasst der werbsfähige Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jah- Steckbrief die wichtigsten strukturellen Merkmale, ren. sensible Bereiche und identitätsstiftende Elemente eines jeden Teilraumes visuell zusammen. Die Darstel- Die kompakte Veranschaulichung von Daten und Faklungen enthalten Kartenmaterial, Diagramme, Fotos ten vermittelt schnell einen umfassenden Eindruck und Kurztexte. des behandelten Gebietes und ermöglicht zusätzlich einen Vergleich mit anderen Teilgebieten. Die soziodemographischen Angaben zum Seniorenund Jugendquotienten beziehen sich auf die Ebene der statistischen Distrikte. Der Seniorenquotient stellt den Anteil der Einwohner über 65 Jahre alt bezogen auf die erwerbsfähige Bevölkerung im Alter von 15

Symbole und Icons

Bedeutungen

Öffentlichkeitswirksame Bauten und Nutzungen (z.B. Schulen, Sportstätten, Kultureinrichtungen etc.) Orientierungs- und Übersichtskarte mit Baudenkmal, Ensemble unter Denkmalschutz markiertem Teilraum Nahversorgung und Ladenzentren

U- und S-Bahnstationen mit 500 m Radius

Herausforderungen Blockrandbebauung Nutzungskonflikte

Lärmbelastung Zeilensiedlung Großflächige Stellplatzflächen / Ruhender Verkehr

sozial- und stadträumliche Trennung Solitäre Bebauung Leerstände

Chancen Reihenhaussiedlung Anbindung Fuß- und Radwegeverkehr an Grünvernetzung

Ein- und Zweifamilienhaussiedlung Gestaltung öffentlicher Raum

Bauliche und programmtische Ergänzung und freiräum- Hochpunkt liche Aufwertung Konkrete Planungen und Projekte

Flächenpotenziale Gewerbe- und Industriegebiet

Neuer Haltepunkt (Tram)

Abbildung 79

Dutzendteich

Das denkmalgeschützte Dutzendteichareal setzt sich aus verschiedenen Teilräumen zusammen: der Volkspark mit seinen großzügigen Naherholungsflächen, die Wasserlandschaft, der intensiv genutzte Sportpark rund um das Grundig Stadion, das ehemalige Reichsparteitagsgelände mit Kongresshalle, Großer Straße und Zeppelinfeld und Großer Dutzendteich und Kongresshalle -tribüne, die Kleingärten an der Beuthener Straße, der Campingplatz, die Wohnsiedlung Oskar-von-Miller-Straße und Herzogstraße sowie die NürnbergMesse.

Abbildung 78

Gesamtfläche: 356 ha Wasserfläche: 58,2 ha (16,3%) Bebaute Fläche: 40 ha (11,2%) Einwohner: 1.031 EW Bevölkerungsdichte: 3 EW/ha

Kleiner Dutzendteich

Freiraum Nutzungen Nutzungskonflikte Event - Lernort - Erholung Wasserlandschaft Camping Wohnen

Kleingarten Messe Erholung

Sport und Freizeit Veranstaltungen

Wald Lernorte

Abbildung 77

Begabungen

nationale Bedeutung

zeitangebote

Herausforderungen

politische Lernorte

selogistik

Verkehrs

fazit

landschaft

zept muss die historisch-politische Bildungsarbeit, die Erholungsfunktion sowie Naturschutzbelange gewährleisten

Abbildung 82

Neuselsbrunn

Die dreieckige, von Hauptverkehrsstraßen umrahmte (Rest-)Fläche Neuselsbrunn entstand als Siedlung für Postbeamte Anfang der 1960er Jahre unabhängig von der städtebaulichen Wettbewerbsplanung für Langwasser. Charakteristisch für die kleinste Insel im Südosten sind die 16- bis 21-geschossigen Wohnhochhäuser. Zeilensiedlung und Hochpunkt Neuselsbrunn

Abbildung 81

Entstehungszeitraum: 1963 - 1965 Fläche: 8,7 ha Einwohner: 1.389 EW Bevölkerungsdichte: 159 EW/ha Anteil Migranten: 40 bis unter 50% Öffentliche Grünflächen: 1,55 ha (17,8%) Sonstige Grünflächen: 2,32 ha (26,4%) Stellplätze Messe, Hochpunkte Neuselsbrunn

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

> 40% 17-20%

Abbildung 80

Begabungen

lung russisch-orthodoxer Kirche, Messe- Hostel etc.

Herausforderungen

Fazit

der Eigenständigkeit und Größe der Insel

Abbildung 85

Rangierbahnhofsiedlung

Planetenringsiedlung

Die Insel umfasst zwei Teilräume: die westlich gelegene Rangierbahnhofsiedlung aus Zeiten der Jahrhundertwende und die östlich anschließende, Ende der 1950er Jahre errichtete Planetenringsiedlung. Beide Wohnsiedlungen stehen unter Ensembleschutz, zahlreiche Einzelgebäude sowie die Straßenschilder der Planetenringsiedlung stehen ebenfalls Eingang Planetenring- und Rangierbahnhofsiedlung unter Denkmalschutz.

Abbildung 84

Entstehungszeitraum: 1905 - 1914, 1957 - 1959 Fläche: 52 ha Einwohner: 3.953 EW Bevölkerungsdichte: 76 EW/ha Anteil Migranten: 30 bis unter 40% Öffentliche Grünflächen: 4,8 ha (9,2%)

Rangierbahnhofsiedlung

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

25-30% 20-22% > 40% 17-20%

Abbildung 83

Begabungen

lich genutzte und private Freiräume

schule)

Herausforderungen

dung über die Gleisanlagen

Fazit

mit hoher Qualität

Teilräumen

Abbildung 88

Langwasser Nordwest

Langwasser U besteht aus mehreren, in sich homogenen Einheiten, die durch Grünflächen voneinander getrennt sind. In der zentralen Insel sind die Gemeinschaftseinrichtungen (Kirchen und Schule) angesiedelt. Um diese Mitte gruppieren sich die Wohnnachbarschaften.

Nahversorgungszentrum Wettersteinpassage

Abbildung 87

Entstehungszeitraum: 1966 - 1972, 1975 - 1977 Fläche: 74 ha Einwohner: 6.153 EW Bevölkerungsdichte: 83 EW/ha Anteil Migranten: ca. 40% Öffentliche Grünflächen: 6,6 ha (8,9%) Sonstige Grünflächen: 2,32 ha (26,4%) Zeilenbebauung Langwasser Nordwest

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

20-22% > 40%

17-20%

Abbildung 86

Begabungen

Bildungs- und Nahversorgungsangebot

Herausforderungen

und EFH

fazit

Aufwertung öffentlicher Raum Wettersteinpassage

raum und Puffergrün

Abbildung 91

Langwasser Nordost

Der Nordosten wurde erst in den 1970er Jahren nach Abzug der Amerikaner zur Bebauung freigegeben. Verschiedene Teilräume prägen das Areal: die Bauten der Elementa 1972, die autofreie Siedlung Langwasser P, die Bertolt-Brecht-Schule mit angrenzenden Sportfeldern, Langwasser R mit hohem Anteil an Reihenhäusern und Langwasser S, das Autofreie Siedlung Langwasser P mit dem FrankenQuadrat erst komplettiert wird. Das ehemalige Märzfeld ist als Bodendenkmal eingetragen.

Abbildung 90

Entstehungszeitraum: ab 1972 Fläche: 96 ha Einwohner: 6.890 EW Bevölkerungsdichte: 71 EW/ha Anteil Migranten: ca. 40% Öffentliche Grünflächen: 25,8 ha (26,8%)

Standort Neubau Bertolt-Brecht-Schule und Langwasser T

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

> 22% < 15%

> 40% 13-17%

30-40% > 22%

Abbildung 89

Begabungen

verkehrsreduzierte Siedlungen Langwasser R und S

Bildung und Sport

recht, größere Wohnungen)

Herausforderungen

gängerzone

labyrinthartige Wegestruktur

T städtebaulich und landschaftlich gut einbinden

ligent managen

trum

fazit

der Fußgängerzone in P

Schule als UNESCO- und Eliteschule des Sports auf Wohnquartiere ausweiten

Abbildung 94

Langwasser Südwest

Langwasser Südwest umfasst fünf, durch Grünzüge separierte Quartiere, die durch Ringoder Stichstraßen eigenständig erschlossen werden. Die Grünzüge in Ost-West-Richtungen führen zu den Gemeinschaftseinrichtungen (Kirchen und Schulen). Zeilensiedlungen dominieren die Bebauungsstruktur im nördlichen Teilbereich, der bereits fünf Jahre nach ECA-Siedlung mit Marshall-Denkmal Kriegsende bebaut wurde.

Abbildung 93

Entstehungszeitraum: 1949 - 1971 Fläche: 93 ha Einwohner: 8.332 EW Bevölkerungsdichte: 84 EW/ha Anteil Migranten: ca. 45% Öffentliche Grünflächen: 19,4 ha (20,8%) Sonstige Grünflächen: 2,32 ha (26,4%) Freiraumverbindung Dr.-Linnert-Ring / Franz-Reichel-Ring

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

> 13% > 40%

20-22% 17-20%

Abbildung 92

Begabungen

Herausforderungen

Fazit

durch Nutzungsanreicherung

der Quartierszentren

untereinander

Abbildung 97

Langwasser Südost

Die zentrale Mitte mit Einkaufszentrum und Gemeinschaftshaus verbindet die beiden Stadtteile Südwest und Südost. Langwasser Südost gliedert sich ebenfalls in fünf Nachbarschaften. Der innere von Nord nach Süd verlaufende Grünzug ist deutlich formuliert, verstärkt jedoch die bautypologische Trennung zwischen Reihenhausbebauung im Osten Bebauung Imbuschstraße / Langwasser F/G und Geschosswohnen im Westen.

Abbildung 96

Entstehungszeitraum: ab 1972 Fläche: 160 ha Einwohner: 10.355 EW Bevölkerungsdichte: 65 EW/ha Anteil Migranten: ca. 40% Öffentliche Grünflächen: 31,4 ha (19,6%)

Reihenhausbebauung Langwasser C/D

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

> 40% 17-20%

13-17% 30-40% > 22%

Abbildung 95

Begabungen

Schwimmzentrum als Magneten

Freiraumnutzungen, z.B. Interkultureller Garten, Minigolf

Herausforderungen

und EFH

chen Quartieren

hauses 2016 / 2017 wegen Sanierung > Chance für wechselnde Ersatzstandorte

Fazit

durch Nutzungsanreicherung

der Quartierszentren

Nachbarschaft F/G

Abbildung 100

Beuthener Straße / Poststraße /

ehemaliges Grundig-Areal

Das Gewerbegebiet an der Beuthener Straße umfasst den Immobilien- und Gewerbepark Grundig, die Fläche des Briefzentrums an der Poststraße, die Grundig-Türme, die Teambank sowie die Waldfläche als Gewerbeflächenpotenzial. Profilgebend ist hier vor allem die Marke „Grundig“ und in baulicher Hinsicht die beiden Grundig-Türme, die bis 2016 umgebaut Grundig-Türme werden.

Abbildung 99

Entstehungszeitraum: Grundig-Türme 1972 Fläche: 105 ha davon Flächenpotenzial: 13,9 haGrünflächen: 2,32 ha (26,4%)

Stellplatzflächen Beuthener Straße

Branchenmix Flächenpotenziale Freiraum und Erschließung Gewerbestruktur

Abbildung 98

Begabungen

Post, Logistik, Bank, Grundig-Akademie, Grundig-Nachfolgeunternehmen)

Bankgebäude, Flüchtlingsunterkunft

Herausforderungen

ße (Ausgleichsflächen)

Fazit

nehmensmitarbeiter („Grundig- Campus“)

Grundig-Türme

gensburger Straße

Beuthener Straße

Abbildung 103

Areal ehemaliger Südbahnhof /

Brunecker Straße

Das Areal zählt zu den größten Entwicklungsvorhaben in Nürnberg. Zur Zeit noch Standort verschiedener gewerblicher Nutzungen wird das Entwicklungsgebiet zukünftig die Schnittstelle zwischen der Südstadt, dem Dutzendteich und Langwasser sein. Im Rahmen des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs zum neuen Stadtteil, das Brunecker Straße unter dem Namen „Lichtenreuth“ vermarktet werden soll, wurde das Büro „West 8“ als Preisträger gekürt. Der Entwurf dient als Grundlage für die weiteren Verfahren.

Abbildung 102

Fläche: 90 ha

Druckereibetrieb Brunecker Straße

Flächenpotenzial Freiraum- und Anbindungs- Schnittstelle Geplante Nutzungsverteilung potenziale

G

W W/G G G

Abbildung 101

Begabungen

Süden und dem Südosten

scher Wettbewerb als Qualitätssicherung

nen und Gewerbe

Herausforderungen

Infrastruktur

buck und Rangierbahnhofsiedlung

dung über die Gleisanlagen

Fazit

Volkspark Dutzendteich und Langwasser

der Urbanen Parklandschaft

Abbildung 105

Gewerbeband Breslauer Straße

und Thomas-Mann-Straße

Das Gewerbeband umfasst vier Teilräume: die umzäunte Großdruckerei, einen kleinteiligen Mix aus Autohändlern, Fitnesscenter, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben entlang der Breslauer Straße, an der Thomas-Mann-Straße den Businesspark Eurocom mit Verwaltungsund Dienstleistungsunternehmen sowie das ehemalige FotoQuelle-Gebäude mit angren- Businesspark Eurocom zendem Nahversorger und mittelständischen Betrieben. Der zur Zeit nicht zugängliche ehemalige Bahnhof Märzfeld steht unter Denkmalschutz.

Abbildung 106

Entstehungszeitraum: ehem. Bahnhof Märzfeld 1938 Gewerbe ab 1956 Eurocom ab 1996 Fläche: 62 ha Sonstige Grünflächen: 2,32 ha (26,4%)

Unterführung zwischen Langwasser Nord / Süd

Branchenmix Flächenpotenziale Freiraum und Erschließung Gewerbestruktur

Abbildung 104

Begabungen

Wohngebiete

Gewerbe

Beispiel für energetische Sanierung

langfristiges Flächenpotenzial

Herausforderungen

tiere (Unterführung)

Märzfeld

Fazit

Nord und Langwasser Süd

zum vernetzten Stadtraum

hof Märzfeld

Abbildung 108

Gewerbe- und Wohnsiedlung

Zollhausstraße

Die Gewerbe- und Wohnsiedlungen an der Zollhausstraße umfassen die Wohnsiedlungen Neuland und Am Harnischschlag, die bereits in den Nachkriegsjahren entstanden sind. In den Gewerbegebieten an der Zollhausstraße befinden sich Discountmärkte, ein traditioneller Lebkuchenhersteller, Dienstleistungsunternehmen und das Bildungszen- Neulandsiedlung trum für Pflege, Gesundheit und Soziales. Das Areal zwischen Breslauer Straße und den Gleisanlagen ist als Industriegebiet festgesetzt.

Abbildung 109

Entstehungszeitraum: Wohnsiedlungen ab 1950 Fläche: 58 ha Einwohner: 8.332 EW (statistischer Bezirk 37) Bevölkerungsdichte: 84 EW/ha (statistischer Bezirk 37) Anteil Migranten: 35% Öffentliche Grünflächen: 0,7 ha (12,1%)

Gewerbe- und Industriegebiet Breslauer Straße

Seniorenquotient Jugendquotient Freiraum und Erschließung Typologie

17-20% > 40%

Abbildung 107

Begabungen

schaft für soziale Dienste (GGSD)

Orientierungspunkt

Gleisanschluss

hohe Arbeitsplatzdichte

Herausforderungen

Autobahn

Fazit

lang der Bahngleise

Kettelersiedlung

Klinikum Süd und Blindenanstalt

Abbildung 112

Ein sozial orientierter Nutzungscluster ist mit dem Bildungszentrum und den Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte sowie dem Klinikum Süd vorhanden. Eingebettet in die baumbestandene Landschaft ist die Bebauung von der Straße aus nicht sichtbar. Das Asphaltwerk grenzt östlich an das Areal. Klinikum Süd

Abbildung 111

Entstehungszeitraum: 1978 Blindenanstalt 1987 Klinikum Süd Fläche: 25 haSonstige Grünflächen: 2,32 ha (26,4%)

Blindenanstalt

Freiraum und Erschließung Typologie

Abbildung 110

Begabungen

standort in Langwasser

gen für Beschäftigte des Klinikums

Herausforderungen

Verkehrs

Fazit

Wohnstandorts Langwasser im Wettbewerb um Facharbeitskräfte

Abbildung 115

Regensburger Straße

Der nördliche Bereich an der Regensburger Straße entstand 1938 als Wohnkomplex für Arbeiter. Die im Wald liegende Anlage wird heute als Altenheim und als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber genutzt. Die Bauten stehen unter Denkmalschutz. Im südlich angrenzenden Gewerbegebiet befinden sich neben einem Stahlhandelbetrieb Autohäuser Ehemalige Arbeiterunterkünfte und Systemgastronomie.

Abbildung 114

Entstehungszeitraum: 1938 Wohnkomplex Fläche: 32 ha

Gewerbegebiet Regensburger Straße

Seniorenquotient Freiraum und Erschließung Typologie

> 40%

Abbildung 113

Begabungen

Bereich

schaft: Künstlerkolonie, Seniorenheim, Kita, Flüchtlingsunterkunft, Autohäuser und Systemgastronomie

Herausforderungen

Gleise

Pflegeheims

Fazit

zungsmix

Schlussfolgerungen

Die thematischen und die teilräumlichen Analysen Im Zuge der Projektbearbeitung hat sich der enge vermitteln ein umfassendes Bild des INSEK-Raumes. Dialog mit Akteuren und Stakeholdern des Nürnber- Bedingt durch die “Patchworkhaftigkeit” des Un- ger Südostens als fruchtbar und konstruktiv erwiesen. tersuchungsraumes war die Betrachtung von über- Es konnte lokales Wissen für das INSEK erschlossen geordneten Themen wie beispielsweise der Ge- werden und neue Vernetzungen und ein produktiver bietsvernetzung ebenso wie eine Betrachtung in Austausch zwischen einzelnen Akteuren und Grupunterschiedlichen kleineren Maßstäben wichtig und pen angeregt werden. So entstand sukzessive ein aufschlussreich. Panorama der unterschiedlichen Perspektiven aller Planungsbeteiligten zu bisherigen Entwicklungen, Zu- Für den nördlichen Teil des Gebietes – die Urbane sammenhängen, Konflikten und Wirkkräften im Un- Parklandschaft mit Messe, ehemaligem Reichspartei- tersuchungsgebiet. Die Übersichtskarte der relevantagsgelände, Dutzendteich und vielfältigen Freizeit- ten Akteure im Nürnberger Südosten vermittelt einen angeboten – stellen sich dabei weitgehend anders Eindruck über die Zusammensetzung von Institutiogelagerte Aufgaben als für die Großsiedlung Lang- nen und Nutzungsinteressen vor Ort. wasser im südlichen Gebietsteil. In der weiteren kleinräumigen Betrachtung werden Gemeinsamkeiten und Die Heterogenität des Raumes und die Vielschichtig- Unterschiede der Teilräume deutlich. Die erkennba- keit der Stadtentwicklungsaufgaben wurden in der ren Potenziale und Herausforderungen können da- Analyse bereits umfangreich dargestellt. Im Folgenbei von Insel zu Insel stark differieren. So finden sich den werden dazu, thematisch gebündelt, Handlungsweitgehend „stabile“, ruhige Quartiere mit weniger empfehlungen entwickelt. Eine grafische Zusam- Handlungsbedarf in direkter Nachbarschaft zu sol- menschau der vorgeschlagenen Empfehlungen und chen mit multiplen Problemlagen oder hohem Trans- strategischen Projekte erfolgt im Strategieplan, welformationsdruck und dynamischem Wandel. Die Orte cher sich aus fünf thematischen Handlungsräumen mit Veränderungsdynamik im INSEK-Gebiet bieten zusammensetzt. gleichwohl die Möglichkeit von entwicklungsstrategischen Weichenstellungen, welche lokal und gesamtstädtisch wirksam werden können.

Veränderungsdynamiken

Transformationspotenziale des Südostens

Ergänzend zur Sektoral- und Teilraumanalyse und Weiterhin gibt es eine deutlich ablesbare Tendenz für der schlussfolgenden Definition der Potenziale und eine baldige Transformation im nord-östlichen Be- Herausforderungen soll die Beurteilung des Südos- reich des Dutzendteichgeländes. Durch den Neubau tens hinsichtlich seines Entwicklungsdrucks und seines eines Konzertsaales, der Reorganisation des Zeppelin- Transformationspotenzials mittels einer Dynamik- feldes, der baulichen Sicherung der Zeppelintribüne, karte abgeschlossen werden. In dieser Karte werden dem Ausbau des Dokumentationszentrum Reichsdie dynamischen und stabilen Zonen, bezogen auf zu parteitagsgelände und der Umsetzung eines neuen erwartende und bereits geplante Transformationen, Nutzungskonzeptes für das ehemalige Reichsparteizusammenfassend dargestellt. tagsgelände wird eine hohe Dynamik entstehen, die Auswirkungen auf das Dutzendteichgelände hat. Die Der Norden des Südostens wird durch mehrere unterschiedlichen Nutzungsansprüche rund um den dynamische Zonen geprägt: Dutzendteich führen momentan zu Nutzungskonflikten zwischen Erholungssuchenden, Messebesuchern

und ökologischen Interessen, die es in Zukunft zu lö-

Dependance Grundschule Zugspitzstraße im Zusam- bahnhof / Brunecker Straße wird ein neuer Stadtteil menhang mit dem Neubaugebiet Langwasser T entstehen, der einen dynamischen Einfluss auf seine benachbarten Quartiere haben wird. Die durch das

langfristig vermietete Gewerbe entstehenden Span-

den Bebauungsplanverfahren gelöst werden.

Die Eröffnung des Kulturzentrums Z-Bau wird als

Brunecker Straße namischen Einfluss auf den neuen Stadtteil am ehe-

Nürnberger Südkaserne Der Süden des Planungsgebietes wird hauptsächlich In diesen Gebieten entsteht eine deutliche Dynamik, durch zwei dynamische Zonen geprägt: die sich zukünftig in verschiedene Richtungen stärker • das Transformationsgebiet rund um das Gemeinausbreiten könnte: Die Messe strahlt Richtung Süden schaftshaus, das Franken-Center und das Moderniund wird einen Einfluss auf das angrenzende Wohn- sierungsgebiet Langwasser F / G gebiet Neuselsbrunn und langfristig auf das Dunst-

gebiet Langwasser U haben. Das Überwinden der Langwasser, den Bewegungspark und das Klinikum „Wetterfronten“ entlang der Münchner Straße ist Süd. hier jedoch eine große Herausforderung. Die dynamische Zone über dem Areal des Neubaus Von der hohen Dynamik des Areals rund um das Bertolt-Brecht-Schule könnte sich auf die Wohnge- Franken-Center / Gemeinschaftshaus als Kern des biete Langwasser P und R ausbreiten. Langwasser Südens könnten das angrenzende Dunstgebiet Lang- U wird von dieser Transformation auch profitieren wasser H sowie das Gewerbegebiet Breslauer Straße und kann diese Dynamik für seine eigene Entwick- / Thomas-Mann-Straße profitieren. Jedoch stellt lung nutzen. Ebenso könnte in Zukunft das Dunstge- hier die Vernetzung zu den angrenzenden stabilen biet Poststraße Süd sowie das Dunstgebiet Breslauer Quartieren eine Herausforderung dar. Von dem Straße / Thomas-Mann-Straße von der Dynamik profi- Entwicklungsschub rund um das Schwimmzentrum tieren und zu einem integrierten Gewerbegebiet im Langwasser kann insbesondere die Verbindung über urbanen Gefüge zwischen Nord und Süd werden. das Gewerbegebiet Breslauer Straße / Thomas-Mann- Die Arena Nürnberg und das Grundig Stadion sind Straße nach Langwasser Nord profitieren. dynamische Orte im Dutzendteichgelände, die auf ihre unmittelbare Umgebung ausstrahlen.

Abbildung 116

Dynamische Zonen Spannungsbereiche Bei dynamischen Zonen handelt es sich um Gebiete mit hoher Entwick- Spannungsbereiche zeigen Nutzungskonflikte durch lungsenergie. D verschiedene Interessenslagen. Dynamik Die Pfeile zeigen die Entwicklungsdynamik und Entwicklungsrichtung an. S Wetterfront Wetterfronten verdeutlichen Grenzen von dynamischen Entwicklungspotenzialen die auf stabile Zonen stoßen. Stabile Zonen In diesen Gebieten sind momentan sehr wenige oder keine dynamischen Prozesse vorhanden.Es bestehen hier aktuell keine Entwicklungsmög- Starker Dunst lichkeiten. Dunstgebiete sind noch nicht genutzte Räume mit Potenzial.

Beteiligte Akteure

Den Südosten gemeinsam entwickeln

Im vielschichtigen Nebeneinander von Räumen, Nut- Geschichte für Alle, das Studienforum des Dokumenzungen und Akteuren im Südostraum liegt ein wich- tationszentrums Reichsparteitagsgelände oder der tiges Potenzial für eine integrierte Entwicklung. Als Verein Baulust mit einbezogen werden. Impulsgeber sind die lokalen Akteure für eine spätere Umsetzung der Handlungsfelder von besonderer Be- In den Werkstätten zur Zukunft der Quartiere wurdeutung, um Initiativen zu verstehen, Netzwerke zu den Themen wie Bildung, Kultur und Sport, die öfstärken oder ungewöhnliche Allianzen aufzubauen. fentlichen Grünräume, die Zukunft der sozialen Infrastrukturen und Mobilität behandelt. Im Nürnberger Südosten ist eine große Zahl von Um eine klare Einschätzung über die Qualität der Interessensgruppen in ganz unterschiedlichen Hand- Wohnquartiere mit Fragen nach der Anbindung an lungsgebieten aktiv. Das Spektrum reicht von großen das öffentliche Netz, Angebote sozialer Infrastruktuwirtschaftlichen Unternehmen wie der MesseNürn- ren, kultureller oder sportlicher Angebote oder Angeberg über städtische Einrichtungen, lokale Instituti- bote für Kinder und Jugendliche machen zu können, onen, Großveranstaltern bis hin zu diversen lokalen wurden mehrere Workshops durchgeführt. Dazu wur- Vereinen und einzelnen engagierten Bewohnern. den Bewohner, Schüler der Georg-Ledebour-Schule Der Prozess des INSEKs hat viele Akteure zusammen- und des Jugendclubs Container, kirchliche Vertreter gebracht. Mit ihnen gemeinsam wurden Gespräche wie die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, das ökumenische geführt, Themenfelder erarbeitet und Vorschläge zur Kirchenzentrum Langwasser und die russisch-ortho- Steuerung der weiteren Entwicklung diskutiert. In doxe Gemeinde der Geburt der Allerheiligsten Gotverschiedenen Werkstätten wurden zu spezifischen tesmutter sowie die Stadtteilpatin Ingrid Hofmann Themen wie Dutzendteichgelände / Urbane Park- involviert. Mit Bewohnern aus Langwasser wurde im landschaft, Mobilität, Kultur- und Bildungslandschaft, Haus der Heimat über Defizite, Qualitäten und wün- Junger Südosten, Quartiersentwicklung und Wohnen, schenswerte Entwicklungen der Quartiere diskutiert. soziale Infrastrukturen sowie Gewerbeentwicklung mit entsprechenden Zielgruppen gearbeitet und Vi- Um die Wünsche der Bewohner und Jugendlichen zur sionen entwickelt. Einige wichtige Vertreter haben besseren Anbindung an das bestehende ÖPNV-Netz jedoch gefehlt. Diese sollten in Zukunft mit in die in Zukunft realisieren zu können, wurden mit der Entwicklung des Südostens einbezogen werden. VAG und den Vereinen i bike Nürnberg, dem ADFC Nürnberg oder dem Bürgerverein Langwasser Vor- Bei der Diskussion des Dutzendteichgeländes Ur- schläge erarbeitet. bane Parklandschaft waren neben Vertretern der Stadt und lokalen Vereinen wie dem Yachtclub Noris Die Frage nach der Zukunft der Gewerbegebiete und Nürnberg, dem Bürgerverein Nürnberg Hasenbuck wie diese zukünftig auch als verbindende Elemente oder dem Bürgerforum Dutzendteich auch Großver- in der Stadt funktionieren können, wurde mit der anstalter wie MCN oder ARGO Konzerte vertreten. IHK, der Deutschen Bahn, dem Klinikum Süd, der Aktiv in den Prozess miteinbezogen waren ebenfalls Ifri-Schuhmann Lebkuchenfabrik, der I. K. Hofmann Wirtschaftsunternehmen wie die NürnbergMesse, die GmbH als großer Personaldienstleister und Gewerbe- Arena Nürnberg oder das Grundig Stadion, außerdem treibenden wie TM50 überlegt. städtische Institutionen wie das „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“ oder „Museen der An die beschriebenen angestoßenen Diskussionen Stadt Nürnberg“ sowie Anwohner. Die Werkstätten der Akteure sollte unbedingt angeknüpft werden. haben gezeigt, dass durch die Zusammenarbeit der Es sollten dazu Formate gefunden werden, die einen Akteure bereits Lösungsvorschläge für verschiedene regelmäßigen Austausch ermöglichen, die Beteiligten Interessenskonflikte wie die Lagerung der Absperr- in Kontakt halten bzw. bringen und die diversen Nutzäune des Norisringrennens gemacht worden sind. zungen am Ort koordinieren. An diese Gesprächskultur sollte im weiteren Prozess angeknüpft werden und weitere ansässige Vereine und Nutzer wie der Kanuverein Nürnberg, der Verein

Abbildung 117

Beteiligte Akteure Themenfelder

städtische Institutionen Interessensvertretung Dutzenteichgelände Urbane Parklandschaft

wirtschaftliche Unternehmen Stadtverwaltung und städtische Ämter Quartiersentwicklung und Wohnen

Großveranstalter Bewohner Gewerbeentwicklung

Vereine Kirchen

Schulen

Abbildung 118

Strategieplan

und seine fünf Handlungsräume

Um der Vielseitigkeit eines solch heterogenen Gebiets in angemessener Form zu begegnen wurden im Prozess der Leitbildentwicklung im engen Dialog mit den Anwohnern des Südostens, lokalen Akteuren und Interessensgruppen und dem ressortübergreifenden Gebietsteam der Stadt Nürnberg unterschiedlichste Blickwinkel eingenommen. Von den baulichen Strukturen einzelner Teilbereiche über raumübergreifende Fragen der Freiraum- und Quartiersentwicklung, Stadtökonomie, Mobilität und bis hin zu politischprozessualen und sozio-kulturellen Fragen. In dieser Phase haben sich eine Reihe von Themen und Räume herauskristallisiert, die von besonderer strategischer Bedeutung für die zukünftige stadträumliche Entwicklung des Nürnberger Südostens sind.

Diese strategische Sammlung wurde anschließend in insgesamt fünf „Handlungsräume“ mit den jeweiligen Kernbotschaften übersetzt. Der Gesamtstrategieplan integriert diese fünf „Handlungsräume“ mit ihren wichtigsten Botschaften und Handlungsansätzen zu einem langfristigen Orientierungsrahmen und kommunizierbaren Raumbild. Die Inhalte des Gesamtstrategieplans werden im anschließenden Kapitel unter den fünf Themenbereichen Urbane Parklandschaft und Grünzüge, Kultur- und Bildungslandschaften, Quartiersentwicklung und Wohnen, Gewerbeentwicklung und Mobilität einzeln thematisch vertieft und räumlich konkretisiert. Die Handlungsempfehlungen und aufgezeigten Instrumente und strategischen Projekte definieren einen Fahrplan für die Umsetzung der formulierten Leitgedanken.

HANDLUNGSRAUM URBANE HANDLUNGSRAUM KULTUR- UND HANDLUNGSRAUM QUARTIERS- HANDLUNGSRAUM HANDLUNGSRAUM PARKLANDSCHAFT UND GRÜNZÜGE BILDUNGSLANDSCHAFTEN ENTWICKLUNG UND WOHNEN GEWERBEENTWICKLUNG MOBILITÄT Strategische Projekte auf Wohnraum quantitativ und qualitativ Strategische Projekte übergeordneter Stadtteilebene steigern (z.B. Energetische Gebäudesanierung, Strategische Projekte Strategisches Projekte bauliche Ergänzungen, Neubauten) Vertiefungsraum Strategische Projekte auf Nachbarschaftszentren stärken Fortbestand ansässiger Umsteigeknoten realisieren Urbane Parklandschaft lokaler Quartiersebene ( D N ie a n h s v t e le rs i o st r u g n u g n ) gszentren + wohnungsnahe Betriebe sichern Querungsmöglichkeiten Stärkung übergeordnete Um- und Mehrfachnutzung Um- und Mehrfachnutzung Um- und Mehrfachnutzung optimieren Grünverbindung z.B. temporäre Museen, Konzerte z.B. mobile Nahversorger z.B. private Tauschbörse Orientierung ermöglichen Ausbau Radschnellwege Ausbau und Mehrfachnutzung Öffentliche Freiräume / soziale und kulturelle Zwischen- Straßenbahnnetz qualifizieren von Lern- und Bewegungsräumen Siedlungsgrün qualifizieren nutzungen zulassen ÖPNV Verbindungen stärken Ergänzung und Ausbau Option Staßenbahnlinie Option Staßenbahnlinie Rad- und Fußwege Alternative Buslinie Impulsprojekte in Realisierung / Impulsprojekte in Realisierung / Impulsprojekte in Realisierung / Impulsprojekte in Realisierung / Neue Radschnellwege Planung Planung Planung Planung realisieren öffentliche Grünflächen Flächenpotenzial Gewerbe Bestehende Rad- und Fußwege ausbauen und neu gestalten Wohnquartiere Bestand Waldflächen Gewerbeflächen Bestand Wohnquartiere Bestand Gewerbeflächen Bestand Bestand Rad- und Fußwege

Strategisches Projekte

Umsteigeknoten realisieren

Querungsmöglichkeiten optimieren

Orientierung ermöglichen

Straßenbahnnetz qualifizieren ÖPNV Verbindungen stärken

Bestehende Rad- und Fußwege ausbauen und neu gestalten Bestand Rad- und Fußwege

Abbildung 119

Handlungsräume

und Empfehlungen

Die fünf Handlungsräume des INSEK fokussieren Quartiersentwicklung und Wohnen: jeweils auf ein für das Gebiet zentrales Stadtent- Nachbarschaften zukunftsfähig machen wicklungsthema. Für jeden Handlungsraum wurden Mit der Untersuchung der Quartiere rückt das un- Handlungsempfehlungen entwickelt, in denen strate- mittelbare Wohnumfeld der Bewohner in den Fokus. gische Ziele und ein Katalog konkreter Maßnahmen Punktuelle, qualitative und bauliche Ergänzungen bei benannt werden. Eine Kurzübersicht fasst zu den gleichzeitiger Sicherung und Aufwertung der Freifläjeweiligen Handlungsempfehlungen die wichtigsten chen sollen zu einer Attraktivierung der Stadtquarumsetzungsorientierten Instrumente und strategisch tiere beitragen. Auf programmatischer, freiräumlirelevanten Projekte zusammen. cher und baulicher Ebene muss dabei auf jugend- und Für die Handlungsräume „Quartiersentwicklung und altengerechte Bedarfe gezielt reagiert werden. In Wohnen“ sowie „Gewerbeentwicklung“ wurden au- Anknüpfung an die städtebaulichen Leitbilder der ßerdem in einer vertiefenden Betrachtung mögliche Nachkriegszeit und deren innovativer Umsetzung Projektbausteine als „Zukunftsskizzen“ dargestellt. im Südosten sollten experimentelle und besondere Die beiden Konkretisierungen „Zukunftsfähige Quar- Wohnformen ermöglicht und gefördert werden. Der tiere“ und „Neue Mitte Langwasser“ zeigen beispiel- ökologische und sozialverträgliche Stadtumbauprohaft, wie die Handlungsempfehlungen als ein Set an zess wird die Bestandsstrukturen für die Zukunft fit konkreten Maßnahmen räumlich umgesetzt werden machen. könnten. Gewerbeentwicklung: Mehr als nur Arbeit Urbane Parklandschaft und Grünzüge: Die bestehenden Gewerbestandorte sollen langfris- Freiräume qualifizieren und neu denken tig gesichert und mit standortbezogenen, passge- Der Südosten ist der grünste Stadtteil Nürnbergs. Um nauen Konzepten weiter entwickelt werden. Neue dieser Besonderheit gerecht zu werden, nimmt die Flächenangebote für gewerbliche Nutzungen wer- Grünentwicklung im INSEK eine besonders wichtige den mittelfristig am ehemaligen Südbahnhof an der Stellung ein. Mit dem Begriff der „Urbanen Park- Brunecker Straße entstehen. Das Gewerbegebiet landschaft“ wird dem Volkspark Dutzendteich eine zwischen Thomas-Mann-Straße und Breslauer Straße zeitgemäße Entwicklungsperspektive zugewiesen. liegt im Zentrum Langwassers und hat das Potenzial, Darüber hinaus soll ein Integriertes Nutzer- und Pfle- zu einem verbindenden Scharnier zwischen Langwasgemanagementkonzept eine verbesserte Koordinie- ser Nord und Süd zu werden. Hierfür werden Maßrung der verschiedenen Aktivitäten im Dutzendteich- nahmen zu einer höherwertigen Nachverdichtung areal ermöglichen. Die Qualifizierung und weitere sowie einer Aufwertung der Straßenräume und der Vernetzung der übergeordneten Grünverbindungen Unterführung als Übergänge zu den angrenzenden soll zu einer höheren Durchlässigkeit, verbesserten Quartieren vorgeschlagen. Um den Flächenbedarf der Nutzbarkeit und zur Stärkung der ökologischen Viel- Messe abzusichern und das Konfliktpotenzial mit den falt der Teilbereiche beitragen. benachbarten Nutzungen zu mindern, wird vorgeschlagen, andernorts Ersatz- und Ausweichflächen zur Kultur- und Bildungslandschaften: Verfügung zu stellen. Historisch-politische Lernorte, vielfältige Bewegungsräume und lokale Bildungsnetz- Mobilität: Verbindungen im Stadtteil und werke weiterentwickeln ins Zentrum verbessern Mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände und Der Nürnberger Südosten ist gut erschlossen. Für einer Vielzahl weiterer Institutionen und Lernorte eine Optimierung des Fuß- und Radverkehrs sowie verfügt der Nürnberger Südosten über eine vielsei- des ÖPNV wird eine Reihe an Schlüsselmaßnahmen tige Kultur- und Bildungslandschaft. Strategische vorgeschlagen: der Ausbau bestehender ÖPNV-Ver- Projekte sollen die historisch-politische Bildungsarbeit bindungen, die Entwicklung neuer Haltestellen und erweitern und profilieren. Eine Möglichkeit zur Stär- Straßenbahnlinien (zwischen dem neu entstehenden kung der Quartierszentren besteht in der intensive- Stadtteil an der Brunecker Straße und Messe-Ost soren Vernetzung der dezentralen sozialen Kultur- und wie zwischen Gartenstadt und Fischbach), ein Ausbau Bildungsorte als ganztägige Lern- und Lebensräume. der Rad(schnell)wege, die Verknüpfung der unter- Mit dem Leistungssportzentrum verfügt der Nürnber- schiedlichen Verkehrsträger durch intermodale Moger Südosten über eine einzigartige Infrastruktur, die bilitätshubs sowie eine Vielzahl kleinteiliger Eingriffe mit der Realisierung weiterer sportbezogener Pro- im Bereich des Rad- und Fußverkehrs. jekte und der Verknüpfung mit externen Institutionen gestärkt werden soll.

Urbane Parklandschaft

Freiräume gemeinsam entwickeln

Abbildung 120

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Vertiefungsraum Urbane Parklandschaft

Strategische Projekte

Impulsprojekte in Flächenpotenzial Gewerbe Realisierung / Planung

Stärkung übergeordnete Ausbau Tramlinie Grünverbindung

Ausbau Radschnellwege Option Tramlinie Wohnquartiere Bestand Gewerbeflächen Bestand Ergänzung und Ausbau Alternative Buslinie Waldflächen Rad- und Fußwege

Bestand Rad- und Fußwege Bestand Buslinie öffentliche Grünflächen

und Grünzüge

Seit Jahrhunderten wird der Volkspark Dutzendteich Menschenmassen stark beeinträchtigt. Eine weitere von den Nürnbergern als stadtnahe Erholungsfläche Konfliktebene sind die Flächenansprüche der Sportintensiv genutzt. Durch die Überformung des Areals und Freizeitnutzung gegenüber denen der historischdurch die Nationalsozialisten als Reichsparteitagsge- politischen Lernorte. Darüber hinaus mangelt es an lände und durch die spätere Intensivierung sportli- einem einheitlichen Konzept zur Parkgestaltung und cher und kultureller Nutzungen in der Nachkriegszeit zum Pflegemanagment. Dies ist auch zurückzufühhat sich eine besondere Parklandschaft entwickelt, ren auf eine unzureichende Koordination der unterdie über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden schiedlichen Akteure. ist. Wie in kaum einem anderen Park vermischen sich Bereits heute gibt es unterschiedliche Gruppen, die historische Zeugnisse mit zeitgenössischen Ansprü- sich um Koordination bemühen. So gibt es eine Kochen an Freizeit und Erholung, geschützte Biotope ordinierungsgruppe zur Parkraumbewirtschaftung und Gewässer, Fußgänger, Radfahrer und parkende wie auch zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Autos, Kultur und Sport, kommerzielle Veranstaltun- Bisher fehlt jedoch eine Plattform, die ressortübergen und öffentlichen Freiraumnutzungen. Viele der greifend die Belange von Stadt, lokalen Akteuren, Nutzungen auf dem Dutzendteichgelände sind für Veranstaltern und Nutzern in der Urbanen Parklandsich betrachtet keine klassische Parknutzungen. Doch schaft koordiniert. Aus diesem Grund wird die Zugerade die Mischung der unterschiedlichen Aktivi- sammenführung der bereits bestehenden Koordinietäten, Regelungen und Freiraummilieus machen die rungsgruppen sowie weiteren Vertretern von lokalen hohe Anziehungskraft des Volksparks aus. Die mit Akteuren und Nutzern zu einem Gremium „Urbane dem Namen Volkspark Dutzendteich assoziierte Idee Parklandschaft“ angeregt. Das Gremium hat eine einer klassischen Parknutzung mit weitläufigen Grün- steuernde und vermittelnde Funktion. Die konkrete flächen sowie Picknick machenden und Sport treiben- Umsetzung von zukünftigen Planungen obliegt den den Menschen trifft nur bedingt zu und muss für die zuständigen Institutionen. Zukunft inhaltlich weiterentwickelt werden. Mit dem Es übernimmt folgende Aufgaben: erweiterten Begriff Urbane Parklandschaft Dutzend-

teich verbindet sich der Anspruch, die vielfältigen zwischen den Akteuren und entwickelt mit ihnen Freiraumtypen, -qualitäten und -nutzungen zu einem zusammen eine Lösung. wegweisenden und sichtbaren Parkprofil zu entwickeln. Im Folgenden werden Handlungsempfehlun- • Das Gremium begleitet die Entwicklung und gen mit strategischen Projekten und Instrumenten für Umsetzung eines integrierten Nutzer- und Parkmadie zukünftige Entwicklung der Urbanen Parkland- nagementkonzeptes. schaft Dutzendteich und des übergeordneten Frei- • Für Großveranstaltungen in der Urbanen Parklandraumsystems dargestellt. schaft begleitet das Gremium die Entwicklung und Umsetzung eines Veranstaltungslogistikkonzeptes.

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Urbane Parklandschaft gestalten

und pflegen

Konflikte lösen und Synergien

Den „Leitlinien zum zukünftigen Umgang der Stadt

nutzen

Nürnberg mit dem ehemaligen Reichsparteitagsge- Die Dichte an unterschiedlichen Nutzungen und lände“ entsprechend soll die Erholungsfunktion und ihren jeweiligen Ansprüchen erfordert für den Park individuelle Freizeitnutzung der Urbanen Parklandein erhöhtes Maß an Koordinierung und Manage- schaft verbessert werden. Dazu gehört, dass zentrale, ment. Dies betrifft vorrangig drei Ebenen: öffentliche Erholungsräume im Sinne des Volkspark- Gerade in Zeiten mit einer hohen Veranstaltungs- gedankens (soziale und gesundheitliche Dimension) dichte stößt der Park an die Grenzen seiner Belast- gestärkt und ein Naturerfahrungs- und Erlebnisraum barkeit. Die Möglichkeiten zur öffentlichen Naherho- der Weiher- und Gewässerlandschaft entwickelt wird. lung, die historisch-politische Bildungsarbeit und das Die Qualifizierung des Kleinen Dutzendteiches als ökologische Gleichgewicht sind bei Veranstaltungen Badegewässer wäre ein strategisches Projekt, das die durch parkende Autos, Veranstaltungslogistik und Aufenthaltsqualität stark verbessern würde. Hoch-

wertig gestaltete und gut erreichbare Eingangssitua- verzahnt. Hierbei spielen die Nord-Süd-Verbindung tionen und attraktive Übergänge haben eine Iden- von der Innenstadt über Gleishammer in Richtung tität stiftende Wirkung, machen die Parklandschaft Langwasser und die Ost-West-Verbindung vom Losichtbar und erlebbar und tragen dazu bei, dass die renzer Reichswald über die Parklandschaft und den einzelnen Teilbereiche als Gesamtraum zusammen- neu entstehenden Stadtteil auf dem Areal des ehewachsen und wahrgenommen werden können. Diese maligen Südbahnhofs / Brunecker Straße bis hin zum Lesbarkeit stellt hohe Ansprüche an die Gestaltung Hasenbuck eine zentrale Rolle. Der neu entstehende und Pflege und bedarf entsprechender Infrastruktur- Stadtteil birgt die einmalige Chance, die Grünzüge maßnahmen. Bisher ist wenig von einer durchgehen- der Urbanen Parklandschaft und des Hasenbucks den Gestaltungsqualität der Freiräume zu erkennen. durch die Neuanlage einer Grünfläche zu verknüp- Besonders strategische Punkte, wie beispielsweise fen und so die übergeordneten Wegebeziehungen die Eingangssituation zur Zeppelintribüne, lassen in Ost-West-Richtung deutlich zu verbessern. Für eine keine gestalterische Handschrift erkennen: die be- bessere Verknüpfung der übergeordneten Grünzüge liebig platzierten Imbissbuden, Toilettenhäuschen mit der Urbanen Parklandschaft tragen insbesondere und Rennstreckenabsperrungen bilden das konzept- die Aufwertung von wichtigen Querungen über die lose Entrée der Zeppelintribüne. Die Parklandschaft Thomas-Mann-Straße und die Münchener Straße bei. braucht daher dringend einen Entwicklungsplan so- Zu den strategischen Projekten zählen beispielsweise wie ein integriertes Nutzer- und Parkmanagement- die Aufwertung der Unterführung an der Thomaskonzept, das klare Qualitätsstandards für Nutzung, Mann-Straße, verbesserte Querungen der Großen Gestaltung und Pflege setzt und ein Set aus identi- Straße oder die Teilentsiegelung der Hermann-Böhmtätsstiftenden Maßnahmen enthält, die dazu bei- Straße, auf welcher der Durchgangsverkehr für Autos tragen, die einzelnen Bereiche des Parks zu einem unterbunden und eine Parkraumbewirtschaftung Gesamtensemble zu verbinden. Dies betrifft zum Bei- nur in Ausnahmefällen zugelassen werden soll. Die spiel ein einheitliches und klares Orientierungssystem Kleingartenanlage im Volksparkgelände wird intensiv für die Parklandschaft und ein durchgehendes Gestal- genutzt. Die öffentliche Durchwegung sollte jedoch tungskonzept für Pflege, Neupflanzungen und die optimiert werden. Verwendung von Materialien. Der Silberbuck könnte beispielsweise als Aussichtspunkt erlebbar gemacht Ventile schaffen und Eingangssituationen und Übergänge aufgewer- Das Dutzendteichgelände wird durch unterschiedliche tet werden. Das Konzept sollte außerdem klare Nut- Gruppen genutzt. Zu Großveranstaltungen wie Rock zungsschwerpunkte definieren. im Park oder dem Norisringrennen sowie an Tagen In nächster Nachbarschaft werden in den Grundig- spezifischer Messen ist eine alltägliche Nutzung nicht Türmen in Zukunft als Interimslösung Flüchtlinge möglich, wodurch Nutzungskonkurrenzen entstehen. untergebracht. Die Möglichkeiten zu gärtnern, Sport Außerdem wachsen die Aussteller- und Besucherzu treiben oder sich zu erholen, stellen für viele Asyl- zahlen der Messe jährlich. Deshalb muss die Messe bewerber wichtige Perspektiven der Integration und zukünftig expandieren. Hohe Nutzungsdichte, kon- Teilhabe am Stadtgeschehen dar. Auch das muss ein kurrierende Nutzungen und konkurrierende Flächenkünftiges Parkmanagementkonzept berücksichtigen. ansprüche lassen auf dem Dutzendteichgelände einen Ebenso muss der Entwicklungsplan die historisch Überdruck entstehen. Erholungs- und Grünflächen prägnanten Bereiche der Urbanen Parklandschaft in der Parklandschaft dürfen aber nicht weiter schrumpeine ganzheitliche Gesamtplanung integrieren. Dazu fen. Geeignete Ersatz- und Ausweichflächen für die gehören neben der Reorganisation der Nutzungen Messe und deren Logistikbedarf sind daher von groauf dem Zeppelinfeld kurz- und mittelfristige Maß- ßer strategischer Bedeutung (siehe Handlungsraum nahmen wie die Sicherung des historischen Mittelteils Gewerbeentwicklung). Des Weiteren muss überprüft der Großen Straße sowie die Neugestaltung der Stell- werden, ob andere Orte / Ausweichflächen für Verplatzsituation am Dokumentationszentrum Reichpar- anstaltungen genutzt werden können. Auch durch teitagsgelände, die im Handlungsraum „Kultur- und die Qualifizierung der anderen Grünzüge sowie in Bildungslandschaften“ weiter ausgeführt werden. der dichteren Südstadt (vgl. Insek Nürnberger Süden) kann der Nutzungsdruck im Dutzendteichgelände Verknüpfungen herstellen und gemindert werden. Eine bessere Busverbindung in Bewegung fördern das Stadtzentrum, Haltestellen an den Eingängen der Die Qualifizierung und Verbindung der übergeord- Veranstaltungsorte sowie die Einrichtung von Mobilineten Grün- und Freiraumverbindungen sowie der tätsknotenpunkten sind weitere strategische Maßinneren Durchlässigkeit der Urbanen Parklandschaft nahmen, die mehr Menschen zum Umstieg auf den erfordert ein neues Wege-Entwicklungskonzept, das öffentlichen Nahverkehr bewegen und den Volkspark die Trennung von Fuß- und Radwegen berücksich- vom Individualverkehr entlasten sollen. tigt, den Park besser an das ÖPNV-Netz anbindet und ihn stärker mit den angrenzenden Quartieren

Konflikte lösen und Synergien nutzen

Gremium „Urbane Parklandschaft“

Veranstaltungslogistikkonzept

Urbane Parklandschaft gestalten und pflegen

Entwicklungsplan und Gestaltungskonzept

Integriertes Nutzer- und Parkmanagementkonzept

Eingangssituationen und Übergänge aufwerten

Einheitliches und klares Orientierungssystem für die Parklandschaft entwickeln

Kleinen Dutzendteich als Badegewässer qualifizieren

Silberbuck als Aussichtspunkt erlebbar machen

Verknüpfungen herstellen und Bewegung fördern

Wege-Entwicklungskonzept für übergeordnete und interne Verbindungen

Unterführung Thomas-Mann-Straße sanieren und aufwerten

Querungen der Großen Straße verbessern

Hermann-Böhm-Straße teilentsiegeln

Ventile schaffen

Ersatzflächen für die Messe schaffen

Ausweichorte für Veranstaltungen finden

Andere Grün- und Freiräume als Ausgleich qualifizieren

Veranstaltungsorte durch den ÖV und durch Mobilitätsknotenpunkte anbinden

Kultur- und

Historisch-politische Lernorte, vielfältige Bewegungs-

Abbildung 121

Bildungslandschaften

räume und lokale Bildungsnetzwerke weiter-

entwickeln

Der Südosten Nürnbergs ist vor allem für das ehe- erfahrbar macht. Angestrebt wird auch die bauliche malige Reichsparteitagsgelände und seine promi- Sicherung der Tribünenflächen. Kontrovers diskutiert nenten Großveranstaltungen bekannt. Der Südosten wird die Überlegung, die freie Sicht auf das Feld und verfügt darüber hinaus über eine dichte und vielsei- die Tribüne durch den Rückbau des durch den Sporttige Kultur- und Bildungslandschaft mit Lernorten service genutzten Gebäudes und die Verpflanzung der historisch-politischen Bildungsarbeit, klassischen der Kastanien am nördlichen Rand des Zeppelinfeldes Kulturinstitutionen, Bildungs- und Freizeiteinrichtun- wieder herzustellen. Die Instandsetzung der Türme gen sowie Sportstätten, die zur hohen Lebensqualität in den Wallanlagen ermöglicht die Nutzung als Umim Stadtteil beitragen. Um diese auch in Zukunft zu kleide- bzw. Lagerraum für Veranstaltungsmaterialien sichern, werden nachfolgend Handlungsempfehlun- oder Absperrungen des Norisringrennens. Zu den begen zur Profilierung und Stärkung der Kultur- und sonders stark beanspruchten Bereichen der Urbanen Bildungslandschaften im Südosten Nürnbergs auf Parklandschaft zählt, insbesondere bei Messen und zwei Ebenen vorgeschlagen: auf der übergeordneten kulturellen Großveranstaltungen, die Große Straße. Stadtteil- und der lokalen Quartiersebene. Da sie derzeit unterschiedlichsten Ansprüchen genügen muss (Denkmalschutz, Mobilität, Parken und Logistik), werden an dieser Stelle strategische Projekte

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

mit unterschiedlichen zeitlichen Horizonten vorgeauf übergeordneter Stadtteilebene schlagen: kurzfristig sollte der historische Mittelteil der Großen Straße aus Gründen des Denkmalschutzes Historisch-politische Lernorte gesichert werden. Hierfür müssen entsprechende Erstärken satzflächen für die Messelogistik geschaffen werden. Mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände trägt Mittelfristig ist eine Verkehrsberuhigung, insbesondie Stadt Nürnberg Verantwortung für ein nationa- dere von Schwerlastverkehr, auf der gesamten Groles Erbe, das, entsprechend der 2004 verabschiede- ßen Straße anzustreben. Ein langfristiges Ziel ist, im ten „Leitlinien zum zukünftigen Umgang der Stadt Sinne einer Stärkung der Erholungsfunktion der Ur- Nürnberg mit dem ehemaligen Reichsparteitagsge- banen Parklandschaft, eine Vollsperrung der Großen lände“, bewahrt und zeitgemäß in den Stadtkontext Straße für motorisierten Verkehr. Für die Messe und eingebunden werden soll. Dazu gehört die Weiter- den Sport ist dieses Ziel allerdings auch auf lange entwicklung des Dokumentationszentrums Reichs- Sicht nicht darstellbar, da es weder mit der Logistikparteitagsgelände in seiner Funktion als Lernort der abwicklung noch mit dem Stellplatzbedarf und den historisch-politischen Bildungsarbeit. Ein wesentli- Entwicklungsabsichten wirtschaftlich tragbar in Eincher Bestandteil der historisch-politischen Bildungs- klang zu bringen ist. orte ist das Zeppelinfeld, dessen Nutzungen räumlich Ein weiteres strategisches Projekt stellt die Neuorgareorganisiert werden sollen. Dafür sollte ein neues nisation der Stellplatzanlage für das Dokumentati- Nutzungskonzept entwickelt werden, das die histo- onszentrum Reichsparteitagsgelände dar. Momentan rische Dimension des Geländes wieder sichtbar und ist diese aufgrund des steigenden Besucherandrangs übernutzt. Außerdem sollte der ehemalige Bahnhof HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN Märzfeld im Gewerbegebiet Thomas-Mann-Straße / Breslauer Straße als südlicher Endpunkt des ehema- Strategische Projekte auf ligen Reichsparteitagsgeländes mit Blick auf seine übergeordneter Stadtteilebene Ausbau Straßenbahnlinie historische Bedeutung als Ort in der Erinnerungsland- Strategische Projekte auf Option Straßenbahnlinie schaft des Südostens aufgewertet werden. lokaler Quartiersebene

Um- und Mehrfachnutzung Alternative Buslinie Leistungssportzentrum Nürnberg z.B. temporäre Museen, Konzerte

Südost weiterentwickeln

Bestand Buslinie Der Nürnberger Südosten verfügt als Leistungssport- Ausbau und Mehrfachnutzung Wohnquartiere Bestand von Lern- und Bewegungsräumen Gewerbeflächen Bestand zentrum über eine einzigartige Infrastruktur und Waldflächen eine Reihe äußerst attraktiver Sportstätten für den Impulsprojekte in öffentliche Grünflächen Nachwuchs- und Leistungssport, von dem auch der Realisierung / Planung

Breitensport profitiert. Die Möglichkeiten, die das im Südosten weiter zu entwickeln, ist eine enge Ko- Leistungssportzentrum derzeit bietet, sollten mit der operation der Schulen mit anderen sozialen-, wissens- Realisierung weiterer sportbezogener Projekte ge- und kulturbezogenen Einrichtungen entscheidend. stärkt werden. Zur übergeordneten Profilierung des Die Schulstandorte können hier Kristallisationsorte Leistungsportclusters würden bespielsweise überregi- für strategische Projekte sein wie z.B. die Intensivieonale Trainingszentren im Umfeld der Bertolt-Brecht- rung der Bibliotheksarbeit im Gemeinschaftshaus mit Schule (BBS) als Eliteschule des Leistungssports sowie den Schulen, die Vernetzung zwischen Musikschule, die Ertüchtigung und Sanierung von Sportflächen für Gemeinschaftshaus und Stadtteilschulen oder die den Breiten- und Leistungssport, z.B. durch Kunstra- Schaffung weiterer außerschulischer Lernorte in den sen oder eine neue Laufbahn für die BBS, als strate- Naturräumen, z. B. Bildungswege an Bächen. Perspekgische Projekte beitragen. Gewünscht wird außer- tivisch könnten Angebote des lebenslangen Lernens dem seitens des Sports eine neue Wettkampf- und auch in einem neuen integrierten Lern-, Medien- und Trainingshalle mit ca. 3000 Plätzen. Denkbar ist auch Kulturzentrum gebündelt werden. Die Schulen selbst die Schaffung weiterführender Anschlussangebote gilt es gemäß aktuellen Anforderungen, wie z.B. dem im Bereich des Leistungssports. Der Ausbau einer der Ausbau der ganztägigen Schulkindbetreuung oder bestehenden Hochschulen zur Partnerhochschule des den zu stemmenden Integrationsleistungen, weiter Leistungssports ist anzustreben, als eine inhaltlich-or- zu entwickeln. Eine Fortschreibung und Abstimmung ganisatorische Fortführung des Leistungssportmodells von Jugendhilfe- und Schulraumentwicklungsplanung an der BBS. Eine Vernetzung mit dem Unisport ist im Sinne einer Bedarfs- und Ausbauplanung für Uneventuell auf dem künftig frei werdenden Gelände terricht und Schulkindbetreuung ist dafür ein wichder früheren EWF vorstellbar. tiges Instrument. Im neu entstehenden Stadtteil auf dem Areal des ehemaligen Südbahnhofs sind soziale und Bildungsinfrastrukturen wie eine Grund- und

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Mittelschule, Kindertageseinrichtungen, Angebote auf lokaler Quartiersebene der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Spielund Freiflächen in den Planungen zu berücksichtigen.

Lebenslanges Lernen ermöglichen

Bildung und Kultur sind integrativer Teil der Stadtent- Dezentrale Strukturen und Netzwicklung und wichtige Motoren für die Gestaltung werke stärken zukunftsfähiger Quartiere. Ziel ist es, neue und inno- Langwasser ist ein Stadtteil der Nachbarschaften. vative Formen des wohnortnahen, lebenslangen Ler- Noch heute zukunftsweisend ist die gebaute Vision nens in Kombination mit Freizeit- und Kulturangebo- der Quartiere mit ihren dezentralen Versorgungsten zu schaffen. Das Gemeinschaftshaus Langwasser kernen, sozialen Infrastrukturen und Angeboten des am Heinrich-Böll-Platz spielt im Bereich der quartiers- täglichen Bedarfs. Während der Einzelhandel sich im bezogenen Lern- und Bildungslandschaft eine zent- Laufe der vergangenen Jahrzehnte zunehmend im rale Rolle. Mit der Stadtteilbibliothek, den offenen Franken-Center konzentrierte und zahlreiche Läden Räumen für zahlreiche freie Gruppen und vielfälti- in den Quartieren schließen mussten, gilt es nun, das gen Veranstaltungs- und Freizeitangeboten ist es das polyzentrische Grundprinzip der kulturellen, sozia- Kulturzentrum im Stadtteil. 2017 wird es im Rahmen len, sport- und bildungsorientierten Angebote neu zu seiner Sanierung schließen. Dies bedeutet eine Zäsur aktivieren. Bereits bestehende soziale Infrastrukturen mit entsprechenden Einschränkungen, bietet aber sollten durch bedarfsgerechte Nutzungsanreicherunauch die Chance mit neuen Formaten und Konzepten gen vernetzt, Gemeinschaftsräume für die Bewohner Bedarfe und Anforderungen im Stadtteil aufzugrei- zugänglicher gemacht werden. Eine stärkere Belefen. Um die wohnortnahe Versorgung mit Medien gung mit wohnungsnahen Dienstleistern ist ebenfalls weiterhin zu gewährleisten, ist eine räumliche Zwi- denkbar, um neuen demographischen und sozialen schenlösung, d.h. ein Ausweichquartier für die Biblio- Anforderungen zu genügen. Dazu zählen fußläufig thek, dringend erforderlich. Es sollte überprüft wer- erreichbare, barrierefreie Nahversorgungseinrichtunden, ob eine Interimslösung an mehreren Standorten gen, wohnungsnahe soziale und kulturelle Infrastrukund dezentral untergebracht werden kann, um lokal turen, Angebote für ärztliche Versorgung und häusfunktionierende Strukturen zu stärken. Heute ist das liche Unterstützung. Zwischennutzungen, wie etwa Gemeinschaftshaus bereits Knotenpunkt des weitrei- mietbare Veranstaltungsräume, aber auch dauerhafte chenden bürgerschaftlichen Netzwerks im Südosten. Einrichtungen wie Nachbarschafts- und Jugendtreffs Die Vernetzung über das Stadtteilforum Langwasser könnten als Treffpunkte den sozialen Zusammenhalt funktioniert sehr gut. Ausbaufähig sind kleinräumige der Nachbarschaften fördern. Für die Vermittlung Kooperationsstrukturen der sozialen, kulturellen und und Reaktivierung quartiersinterner Leerstände wird schulischen Einrichtungen in den Quartieren unter- die Einrichtung eines Flächenmanagements vorgeeinander sowie deren Verknüpfung mit den stadt- schlagen. Auf die Stärkung der Quartiere wird im teilzentralen Gemeinschaftseinrichtungen. Um die Handlungsraum Quartiersentwicklung und Wohnen quartiersbezogenen Lern- und Bildungslandschaften dezidierter eingegangen.

Historisch-politische Lernorte stärken

Baudenkmal Große Straße sichern

Umfeld des Zeppelinfeldes und der -tribüne räumlich reorganisieren

Nutzungskonzept Zeppelinfeld

Bauliche Sicherung der Zeppelintribüne

Stellplatzsituation am Dokumentationszentrum neu gestalten

Ehemaligen Bahnhof Märzfeld in die Erinnerungslandschaft einbetten

Leistungssportzentrum weiterentwickeln

Überregionale Trainingszentren realisieren

Sportflächen für den Breiten- und Leistungssport sanieren

Partnerhochschule des Leistungssports entwickeln

Lebenslanges Lernen ermöglichen

Ausweichquartiere Gemeinschaftshaus dezentral einrichten

Kooperationsverbünde von Schulen mit sozialen-, wissens- und kulturbezogenen Einrichtungen fördern

Außerschulische Lernorte schaffen

Integriertes Lern-, Medien- und Kulturzentrum einrichten

Soziale und Bildungsinfrastruktur im neuen Stadtteil realisieren

Fortschreibung der Jugendhilfe- und Schulraumentwicklungsplanung

Dezentrale Strukturen und Netzwerke stärken

Bestehende Akteurs- und Kooperationsnetzwerke ausbauen

Wohnungsnahe Dienstleister in den Quartieren schaffen

Zwischennutzungen fördern

Quartiersinternes Flächenmanagement für soziale und kulturelle Zwischennutzungen

Quartiersentwicklung

Nachbarschaften zukunftsfähig machen

Abbildung 122

und Wohnen

Der Handlungsraum Quartiersentwicklung und um gesamtstädtische Bedarfe zu decken. Nach der Wohnen rückt das unmittelbare Lebensumfeld der wohnungspolitischen Studie „Gutachten zum Stadt- Bewohner des Nürnberger Südostens in den Mittel- entwicklungskonzept Wohnen im Jahr 2025 in Nürnpunkt der Betrachtung. Mit dem Stadtteil Langwas- berg“ stehen bis zum Jahr 2020 einem Neubaubedarf ser, Neuselsbrunn und der Rangierbahnhofsiedlung von 7.500 Wohnungen lediglich Potenzialflächen von verfügt der Südost-Raum über einen stadtgeschicht- 1.860 Wohnungen in der Gesamtstadt gegenüber. Das lich eher jungen Wohnstandort, dessen Qualität Gutachten enthält außerdem generelle Handlungssich durch vielfältige städtebauliche Typologien, ein empfehlungen zum Thema Wohnen im Stadtgebiet. breites Spektrum unterschiedlicher, verhältnismäßig Ein konkretes Handlungsprogramm befindet sich akgünstiger Wohnungsangebote, einen großen Grünan- tuell in der Aufstellung. teil, gute Verkehrsanbindungen sowie Nachbarschaften mit unterschiedlichem Charakter auszeichnet. Als Um den grünen Charakter des Stadtteils beizube- „Großwohnsiedlung“ in den 1950er Jahren geplant, halten, sind bauliche Ergänzungen sensibel einzufüist das Image von Langwasser und Neuselsbrunn je- gen und ausschließlich außerhalb der gliedernden doch von zahlreichen Vorurteilen geprägt. In Zukunft Grünflächen vorzunehmen. Mit der Strategie „Bauligilt es Maßnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen, che Ergänzung als Mehrwert für die Nachbarschaft“ die bestehenden Qualitäten des Südostens als Wohn- verbindet sich über das Ziel einer quantitativen Steiund Lebensraum aufzugreifen und unter Berücksich- gerung des Wohnraumangebots hinaus auch der Antigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen, spruch einer qualitativen Aufwertung des allgemeiwie dem demographischen Wandel, Mobilitäts- und nen Lebensumfeldes in den Quartieren. Dazu bedarf Klimawandel, weiterzuentwickeln. es maßgeschneiderter Konzepte, die die jeweiligen Nachbarschaften sowohl inhaltlich als auch räumlich sinnvoll ergänzen wie z.B. das Projekt frauenfreund-

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

liches Wohnen der Striegauer Straße oder die Sigena- Stützpunkte der wbg. Zur Koordination von Neubau und Bedarfsabdeckung Mehr Wohnraum, Mehr-Wert sind fundierte Potenzial- und Bedarfsanalysen sowie schaffen Machbarkeitsstudien durchzuführen. Bei baulichen Vor dem Hintergrund steigender Bevölkerungszahlen Ergänzungen ist zu bedenken, dass ein Anstieg der in der Gesamtstadt, einem erhöhten Wohnflächen- Bewohnerzahl sowie eine Veränderung der Bewohbedarf pro Person, zunehmender Ressourcenknapp- nerstruktur auch veränderte Bedarfe evoziert. Fördert heit, steigender Mobilitätskosten und der Prämisse, man beispielsweise Angebote für junge Familien, weiterer Zersiedlung durch vermehrte Innenent- steigt der Bedarf an Kitas und Schulen. Fördert man wicklung zu begegnen, sind neben den großflächi- verstärkt seniorengerechtes Wohnen, müssen damit gen Neubaugebieten am ehemaligen Südbahnhof / einhergehende veränderte Ausstattungen, technische Brunecker Straße und Langwasser T auch kleinteilige Standards und Bedarfe bedacht werden. Flächenpotenziale im Südosten zu berücksichtigen, Die Wohnstandorte Langwasser, Neuselsbrunn und Rangierbahnhofsiedlung verfügen derzeit noch über ein relativ breites Angebot an attraktivem und Wohnraum quantitativ und qualita- Potenzialraum erschwinglichem Wohnraum. In vielen Fällen läuft r t u iv n g s , t b e a i u g li e ch r e n E ( r z g .B ä . n E z n u e n r g g e e n t , i s N ch e e u b G a e u b t ä e u n d ) esanie- Stadterneuerungsgebiet jedoch die Mietpreisbindung aus, was mit steigen- Suchraum bauliche Ergänzung Ausbau Straßenbahnlinie den Mietpreisen einhergeht und zur Folge hat, dass Flächenpotenzial Wohnen Gewerbeflächen Bestand bezahlbarer Wohnraum zunehmend knapper wird. Nachbarschaftszentren stärken Zur Bewahrung und Förderung der heterogenen Ein- (Nahversorgungszentren + wohnungsnahe Waldflächen Dienstleistung) wohnerstruktur soll bei zukünftigen baulichen Ergän- Um- und Mehrfachnutzung z.B. mobile Nahversorger, private Tauschbörse öffentliches Grün zungen daher auf ausreichend vielseitige und sozial Institutionelle Freiflächen öffnen Wohnquartiere Bestand durchmischte Wohnraumkonzepte geachtet werden. Der soziale Wohnungsbau sollte ebenfalls weiter ge- Impulsprojekte in Öffentliche Freiräume / fördert werden. Realisierung / Planung Siedlungsgrün qualifizieren

Quartiere zukunftsfähig machen Qualifizierung der Energie- und Wärmeversorgungs- Die Wohnquartiere im Südosten müssen für Zuzüg- systeme beziehen. Die Quartiersstrukturen und -gröler, junge Familien und Jugendliche attraktiv gemacht ßen im Südosten bieten sich für dezentrale und damit werden und gleichzeitig den Bedürfnissen einer älter quartiersbezogene Versorgungssysteme (Wärmeverwerdenden Bewohnerschaft entsprechen. sorgung, energieeffiziente Wasserver- und Abwas- Wie bereits im Handlungsraum Kultur- und Bildungs- serentsorgung und Wärmespeicher) an. Zusätzliche landschaften beschrieben, ist es notwendig die Nach- Maßnahmenpakete wie der Einbau von Photovoltaikbarschaftszentren der Quartiere zu stärken sowie die anlagen zur Stromerzeugung, Regen- und Grauwas- Vernetzung von Institutionen zu fördern. Die Öff- sernutzung und Dachflächenbegrünung sollten mit nung und Vernetzung von sozialen, schulischen und der Freiraumgestaltung koordiniert betrachtet werkulturellen Einrichtungen und deren Angeboten in den. Um die einzelnen Optionen und Maßnahmen zu den Quartieren ist ein wesentliches Grundgerüst für koordinieren und sinnvoll auf die jeweiligen Quarzukunftsfähige Quartiere. Das durch gemeinsame An- tiere zuzuschneiden, ist die Erarbeitung von integstrengung der drei Geschäftsbereiche Schule, Kultur rierten energetischen Quartierskonzepten sinnvoll. sowie Jugend, Familie und Soziales für den Nürnber- Auf deren Grundlage sollte, so ist eine Handlungsanger Westen entwickelte Modell einer Lern- und Bil- regung, der modellhafte Umbau einer Nachbarschaft dungslandschaft kann hier Vorbild sein und sollte den zu einem energieeffizienten und zukunftsfähigen Aspekt des lebenslangen Lernens beinhalten. Ebenso Quartier realisiert werden. Damit könnte der Südosgilt es Nutzungsanreichungen für unterschiedliche ten an den Pioniercharakter seiner Vergangenheit Generationen vorzunehmen und gleichzeitig den anknüpfen. Grundkonflikt - lärmintensive Nutzungen durch eher

Freiräume aufwerten

junge Leute und Ruhebedürfnis von eher älteren Bewohnern – bereits in der Planung und der Bebauung Die beschriebenen baulichen und funktionalen Ermöglichst zu entschärfen. gänzungen sollten immer einhergehen mit einer Aufwertung der Freiräume. Angeregt wird eine Qua- Bei baulichen Ergänzungen sollte, angesichts der Per- lifizierung der öffentlichen Freiflächen und Grünspektive einer sich verändernden Bewohnerstruktur, züge sowie des wohnungsnahen Siedlungsgrüns und durch flexible, wenig determinierte Grundrisse auch eine Öffnung institutioneller Freiflächen als Orte der die Möglichkeit zukünftiger Um- und Mehrfachnut- Begegnung für unterschiedliche Altersgruppen und zungen geprüft werden. Darüber hinaus sollte man Nutzungsansprüche. Dies dient insbesondere älteren die Chance nutzen, neben architektonischen Stan- Kindern und Jugendlichen und deren Vorlieben für dardlösungen auch besondere, experimentelle Freizeitaktivitäten wie z.B. Fußball, BMX oder Skaten, Wohnformen, wie beispielsweise die Mehrgeneratio- die aus lärmtechnischen Gründen einen größeren Abnenhäuser in Langwasser T zu fördern. Unter Berück- stand zur Wohnbebauung benötigen. sichtigung des demographischen Wandels spielt eine barrierefreie Erschließung der Gebäude und Wohn- Maßnahmen für eine Qualifizierung von Freibereieinheiten dabei eine große Rolle. Dies macht in den chen sind die Ausgestaltung ausgewählter öffentlizahlreichen Hochparterre-Wohnungen im Südosten cher Räume und die gezielte Ausstattung mit einer einen Umbau erforderlich. Um auf entspechende al- „Basisinfrastruktur“ (öffentlich zugängliche Wassertersgerechte Bedarfe eingehen zu können, wird die und Stromanschlüsse, öffentliche Toiletten). Darüber Umsetzung des wbg-Modells „Sigena-Stützpunkt“ hinaus sollten zusätzliche Spiel- und Freizeitmöglichvorgeschlagen. Weitere Aspekte sind die Anpassung keiten für Kleinkinder, „informelle Treffpunkte“ (z.B. von Wohnungsgrößen und des Wohnumfeldes an Unterstände) sowie Aktivitätsangebote (z.B. Streetheutige und zukünftige Bedarfe. ball oder Tischtennisplatten) für Jugendliche sowie Sitzgelegenheiten für Senioren geschaffen werden. Für die umfassenden Wohnungsbestände der Nach- Für die Identifizierung mit dem eigenen Wohnort kriegszeit sind zukünftig auch Projekte der energeti- sind „Do-it-yourself-Projekte“ sehr wirksam. Handschen Stadtsanierung relevant. Die Maßnahmen der lungsanregungen sind daher beispielsweise Graffitienergetischen Gebäudesanierung sollten mittels sozi- und Street-Art-Workshops für Jugendliche in Koopealverträglicher, differenzierter Sanierungsstrategien ration von Einrichtungen der offenen Kinder- und durchgeführt werden, die einerseits die sozio-ökono- Jugendarbeit mit der wbg oder die Bereitstellung von mischen Strukturen und andererseits die Kosteninten- Stadtmobiliar auch als kooperatives „Do-it-yourselfsität von energetischen Maßnahmen berücksichtigen. Projekt" mit Schulen, Kinder- und Jugendhäusern, Neben der Ertüchtigung der Gebäudehüllen und der lokalen Gewerbetreibende und der Stadt. Anpassung an bautechnische Standards sollte sich der ökologische Stadtumbau vor allem auf die technische

In Südosten sind neben der wbg verschiedene Wohnungsgesellschaften und Eigentümergemeinschaften vertreten, die sich mit unterschiedlichem Engagement für das äußere Erscheinungsbild der Fassaden und Freiräume einsetzen. Vorgeschlagen wird daher die Initiierung eines „Runden Tisches der Eigentümer“ für die Vereinbarung einheitlicher Gestaltungs- und Pflegerichtlinien sowie ein „Grün-Koordinator“ als zentraler Ansprechpartner. Die Pflege der öffentlichen Räume könnte zukünftig durch „Pflege-Paten“ unterstützt werden: „Baum-Patenschaften“ wurden bereits vor und während des INSEK-Verfahrens von einzelnen Bewohnern bzw. Vereinen übernommen.

Möglichkeiten der Stadt-

erneuerung nutzen

Die Instrumente und Fördermittel, die die Städtebauförderung für die Quartiersentwicklung zur Verfügung stellt, sollten über die Neuausweisung von Stadterneuerungsgebieten in Langwasser genutzt werden. Die im INSEK ermittelten „Verdachtsgebiete“ und Handlungsansätze können für die Ausweisung der Gebiete notwendig vorangestellten „Vorbereitenden Untersuchungen“ vertieft und spezifiziert werden. Das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt als Leitprogramm der sozialen Integration ist für die in Langwasser zu bewältigenden Aufgaben sehr geeignet, da es einen umfassenden Handlungsansatz aufweist. Ziel des Programms ist es, Projekte aus allen betroffenen Handlungsfeldern in einer Gesamtmaßnahme abzustimmen. Die Kofinanzierung durch Städtebaufördermittel kann dann die Umsetzung von gezielten Projekten vorwiegend im investiven Bereich, wie z.B. die Umgestaltung von Plätzen und Straßen, die Aufwertung von Grünräumen oder die Schaffung von sozialer Infrastruktur, erleichtern. Es besteht auch die Möglichkeit bestimmte nicht-investive Maßnahmen zu fördern. Beispielsweise hat sich die Einrichtung eines Quartiersmanagements als aktivierende, moderierende und koordinierende Präsenz vor Ort als wichtiger Baustein bei der Stabilisierung und Weiterentwicklung von Stadtteilen erwiesen.

Mehr Wohnraum, Mehr-Wert schaffen

Strategie „Bauliche Ergänzung als Mehrwert für die Nachbarschaft“

Wohnraumangebot quantitativ und qualitativ steigern

Potenzial- und Bedarfsanalysen sowie Machbarkeitsstudien

Ausreichend vielseitige und sozial durchmischte Wohnraumkonzepte

Weitere Förderung des sozialen Wohnungsbaus

Quartiere zukunftsfähig machen

Nachbarschaftszentren stärken

Integrierte energetische Quartierskonzepte

Um- und Mehrfachnutzungen fördern

Sozialverträgliche energetische Gebäudesanierung durchführen

Freiräume aufwerten

Öffentliche Freiflächen, Grünräume, Siedlungsgrün qualifizieren

Institutionelle Freiflächen als Orte der Begegnung öffnen

„Runder Tisch der Eigentümer“

Einheitliche Gestaltungs- und Pflegerichtlinien

„Grün-Koordinator“ und „Pflege-Paten“

Möglichkeiten der Stadterneuerung nutzen

Quartiersmanagement

Kofinanzierung durch Städtebaufördermittel

Stadterneuerungsgebiete ausweisen

Vertiefung

Zukunftsfähige Quartiere

Möglichkeitsräume für bauliche Ergänzung Prinzip ERWEITERN Nürnberg ist eine wachsende Stadt. Steigende Be-

völkerungszahlen, erhöhte Wohnflächenbedarfe pro stocken (Zusammenlegung von Wohneinheiten, Person sowie eine Zunahme von 1-Personen-Hausbarrierefreie Zugänge ermöglichen) halten benötigen mehr Fläche. Vor dem Hintergrund zunehmender Ressourcenknappheit, steigender Mobilitätskosten und der Prämisse „Innen- vor Außenentwicklung“ ist die Suche nach punktuellen Verdichtungspotenzialen auch im Südosten notwendig. Die im Strategieplan „Quartiersentwicklung und Wohnen“ gekennzeichneten Flächen zur Siedlungsergänzung sind als erste Annäherung und als Suchräume für geeignete Standorte zu verstehen. Übergeordnete Grünzüge, öffentliche Freiraum- und Waldflächen sind Tabu- bzw. Schutzzonen und von baulicher Entwicklung ausgenommen. Prinzip ERSETZEN

Abbildung 123

Mehrwert für die Nachbarschaft gelten, untergenutzten Flächen, z.B. auf Garagen- Bauliche Ergänzungen sollen stets mit Aufwertungshöfen und ein- / zweigeschossigen Ladenlokalen maßnahmen des Umfeldes – Freiraumqualifizierung mit Leerstand und nachbarschaftsorientierte Nutzungsergänzungen – einhergehen. Dazu bedarf es im Vorfeld einer • Vorhandene Nutzungen (z.B. Stellplätze und Gevertiefenden potenzial- und nutzungsorientierten Be- werberäume) müssten im Neubau jeweils ersetzt darfsanalyse. Im Rahmen der Ausweisung von Stadt- werden erneuerungsgebieten sollte diese Kopplungs- und Koordinierungsstrategie von Wohnraumschaffung und gezielter Quartiersumfeldverbesserung weiter präzisiert werden.

Abbildung 125

Im Folgenden werden drei prinzipielle Strategien und geeignete Raumtypen zur baulichen Ergänzung beschrieben und dargestellt.

Prinzip ERGÄNZEN

chen, z.B. auf großflächigen Abstandsflächen und nicht genutzten privaten Grünflächen

Abbildung 124

Bauliche Ergänzung und Freiraumqualifizierung

Abbildung 126

mit Mehrwert für die Nachbarschaften

Abbildung 127

Gewerbeentwicklung

Arbeit und Stadt verbinden

Abbildung 128

Eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen, viele kleine lung von Büroarbeitsplätzen und Laboren. Heute ermittelständische sowie Großunternehmen und öf- fahren Städte nicht nur eine neue Wertschätzung als fentliche Arbeitgeber an mehreren Standorten un- Wohnraum, sondern auch als Ort des Handwerks und terschiedlicher Größe und Ausrichtung machen den der Produktion. Diese „urbanen Manufakturen” in Südosten zu einem wichtigen Arbeitsstandort der räumlicher Nähe zum Konsumenten bieten für Stadt Stadt Nürnberg. Vor dem Hintergrund neu entstehen- und Produzenten vielfältige Entwicklungsmöglichder Ökonomien, sich verändernder Lebensstile und keiten. Auch die Ansprüche seitens der Nutzer ha- Arbeitsweisen sowie eines sich intensivierenden inter- ben sich verändert. Für hochqualifizierte Fachkräfte regionalen Wettbewerbs um qualifizierte Fachkräfte und die sogenannte Kreative Klasse werden „weiche werden im Folgenden Vorschläge zur Sicherung und Standortfaktoren“, ein attraktives Arbeitsumfeld und Profilierung des Arbeits- und Wirtschaftsstandorts die Verknüpfung mit anderen Lebensbereichen je aufgezeigt. Es bedarf dazu neben allgemeinen strate- nach örtlicher Nachfragesituation, zunehmend wichgischen Überlegungen zur zukünftigen Ausrichtung tiger. einer differenzierten Betrachtung der Teilbereiche mit konkret auf den jeweiligen Ort bezogenen Hand- Wirtschaftsstandort sichern und lungsempfehlungen. qualifizieren Für den Nürnberger Südosten stellt sich bezüglich seiner künftigen Profilierung als Arbeits- und Gewer-

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

bestandort die Aufgabe, zum einen den Fortbestand ansässiger Betriebe zu sichern und Gebietsteile – wo nötig – attraktiver zu machen. Zum anderen soll der Arbeit und Stadt verbinden Prozess einer sukzessiven Transformation vom „nor- Üblicherweise sind Gewerbestandorte gemäß den malen“ Gewerbe hin zu einer vielschichtigeren und Leitbildern moderner Stadtplanung und der BauNVO im Grundsatz urbaneren Ausprägung gefördert und strikt getrennt von anderen Nutzungen angelegt. begleitet werden: vom „Cluster“ zu einem höher- Planungsrelevant bei der Konzeption sind vor allem wertigen, vielfältig verknüpften Stadtteil mit Mehr- Emissionsschutz und verkehrslogistische Vorgaben. wert sowohl für die vor Ort Arbeitenden als auch für Vom Wesen her höchst pragmatisch, richten diese die angrenzenden Nachbarschaften. In Abstimmung funktionalistischen Enklaven wenig Augenmerk auf mit Gewerbetreibenden, Investitions- und Kooperaden angrenzenden Kontext, die öffentlichen Räume, tionswilligen sollen dazu Entwicklungs- und Qualidie Architekturqualität oder zusätzliche Nutzungsan- tätsansprüche formuliert werden. Als Diskussionsrahgebote. In Anbetracht sich wandelnder Arbeitsfelder, men für diese Fragen sollte ein Runder Tisch etabliert Anforderungen und neuer Produktionstechnologien werden. Eine Herausforderung bei der Qualifizierung muss über eine verbesserte Integration, insbesondere der Gewerbegebiete wird darin bestehen, trotz der von innerstädtisch gelegenen Arbeitsstandorten als beschränkten öffentlichen Handlungsfähigkeit durch Bausteine des urbanen Gefüges nachgedacht werden. die kleinteilige private Eigentümerstruktur, aktiv zu Das bedeutet nicht zwingend die einseitige Ansied- werden.

Flächenbedarfe erkennen und

Strategisches Projekt Gewerbeflächen Bestand Flächen mobilisieren Fortbestand ansässiger Wohnquartiere Bestand Gemäß des Gutachtens zur Gewerbeflächenentwick- Betriebe sichern lung Nürnberg 2025 ist die Nachfrage in Nürnberg Waldflächen stark vom endogenen Bedarf produzierender und Temporäre Mehrfachnutzung öffentliche Grünflächen dienstleistender Unternehmen (Betriebserweiterunfördern gen, innerstädtische Betriebsverlagerungen) geprägt. Flächenpotenzial Gewerbe Bestand Rad- und Fußwege Für produzierende Unternehmen, das Handwerk und kulturelle Zwischennutzungen Bestehende Rad- und Fußwege das Kleingewerbe werden Flächen mit der Möglichzulassen ausbauen und neu gestalten keit für Emissionen benötigt. Im Bereich Logistik wer- Impulsprojekte in Ausbau Straßenbahnlinie Realisierung / Planung den Flächenengpässe prognostiziert. Darüber hinaus

gibt es eine vergleichsweise hohe Nachfrage nach Für die einzelnen Teilgebiete werden folgende Strahöherwertigen Flächen durch technologieorientierte tegien vorgeschlagen: Unternehmen und Dienstleister. Großflächige Entwicklungsgebiete und kleinteilige Areal ehemaliger Südbahnhof / Brunecker un- oder mindergenutzte Flächen in bestehenden Straße Gewerbegebieten im Südosten werden einen maß- Die Entwicklung des neuen Stadtteils an der geblichen Anteil dieser gesamtstädtischen Bedarfe Brunecker Straße bietet die Chance, ein gemischt zukünftig abdecken (müssen). Die Flächenreserven genutztes Stadtquartier zu schaffen, in dem neues, stehen jedoch oftmals aufgrund eingeschränkter Ver- hochwertiges Gewerbe räumlich-funktional eng mit fügbarkeiten (Eigentümerfrage) und / oder Restrikti- Wohnen und Freiraum verknüpft ist. Auf Grund der onen (Umwelt- und Naturschutzbelange) erst mittel- Nähe zur Messe eignen sich angrenzende Gewerbebis langfristig zur Verfügung. flächen für die Ansiedlung messeaffiner Nutzungen. Hier müssen Mobilisierungsstrategien wie zum Beispiel die Sicherung und Bereitstellung von Ausgleichs- Eurocom-Businesspark flächen oder Planung für flächensparendes Bauen Als Planung der 1980er Jahre stellt sich der Eurocomgreifen; auch planungs- und baurechtliche Möglich- Businesspark als monofunktionaler, mäßig attraktikeiten (Umlegungsverfahren, Bauverpflichtung etc.) ver Bürostandort dar. Auf dem Gelände befinden sich sollten ausgelotet werden. nach wie vor Flächenpotenziale von etwa 29.000 m2 Um Flächenengpässe zu vermeiden, geht es vor al- Bruttogeschossfläche zur weiteren Arrondierung. lem auch darum, kurzfristig verfügbare Nachverdich- Begleitende Maßnahmen zur Freiraumqualifizierung tungspotenziale zu identifizieren und zu aktivieren. und -vernetzung mit den angrenzenden Quartieren, Das Einrichten eines Gewerbeflächenmonitorings und aber auch die gezielte Ansiedlung von Zwischennut- Flächenmanagements, die aktive Ansprache und Ein- zungen zu besonderen Konditionen können dem bindung von Grundstückseigentümern in die Stadt- Image des Businessparks ein neues Gesicht geben – teilentwicklung (Abfrage über Verkaufsbereitschaft, eine wichtige Voraussetzung zur Standortaktualisie- Eigennutzungsabsicht, Beratung, finanzielle Anreize, rung. Stadt als Entwickler etc.) sowie ein gezieltes Standortmarketing sind weitere Instrumente zur Flächenmobi- Gleisdreieck Breslauer Straße lisierung. Der Bereich des Gleisdreiecks westlich der Otto-Bärnreuther-Straße ist von Leerstand geprägt und besitzt Gewerbestandorte differenziert daher hohes Transformationspotenzial. Aufgrund entwickeln seiner Erschließungsgunst durch den Gleisanschluss, Die Gewerbestandorte im Südosten sind über Jahr- und der abgeschirmten Lage stellt das Areal einen gezehnte entwickelt worden und hinsichtlich beste- eigneten Standort für produzierendes Gewerbe dar. hender Strukturen, Nutzungen, Erschließungsgunst Es sollte versucht werden, dieses Areal im Sinne eines und Bedeutung für Nürnberg und den Stadtteil sehr Produktions- und Businessparks attraktiver zu gestalunterschiedlich. Daher bedarf es, neben der über- ten und das Erscheinungsbild aufzuwerten. geordneten Perspektive zur künftigen Ausrichtung, maßgeschneiderter Entwicklungskonzepte unter Be- Ehemaliges Grundig-Areal, Poststraße und Rerücksichtigung bereits bestehender Fachplanungen gensburger Straße und Bebauungspläne. Orientierung zur spezifischen Das Grundig-Areal wurde ursprünglich als Teil des Standortentwicklung bieten die im Gutachten zur Ge- ehemaligen Grundig-Werks von Max Grundig in den werbeflächenentwicklung Nürnberg 2025 beschriebe- 1960er und 1970er Jahren entwickelt und soll heute nen Standorttypologien. Zudem wurde 2015 mit der als Gewerbepark mit Schwerpunkt für Produktion Erarbeitung eines Gewerbeflächenentwicklungspro- und Logistik weiterentwickelt werden. Zur Stärkung gramms begonnen. des Standorts sollte ein übergreifendes, langfristiges Nutzungskonzept entwickelt werden („Grundig-Campus“). Dies gilt insbesondere für die markanten und Image prägenden Grundig-Türme. In den Grundig- Türmen werden ab Mitte 2016 Flüchtlinge untergebracht. Inwieweit sich diese Nutzung verstetigt, kann derzeit noch nicht abgesehen werden.

Messe-Erweiterung Franken-Center Die Nürnberg-Messe-GmbH nimmt als einer der größ- Das Franken-Center hat eine zentrale Funktion nicht ten Messe- und Kongressstandorte weltweit eine Son- nur als Einzelhandelszentrum und Nahversorger, sonderrolle für den Wirtschaftsstandort Nürnberg ein. dern auch als „soziale Mitte“ im Stadtteil Langwasser. Das kontinuierliche Wachstum der Messe geht mit Das Center soll seine Rolle als Einkaufs- und Freizeiteinem steigenden Flächenbedarf einher. standort beibehalten und in Abgrenzung zu anderen Auch die stetig steigenden Anforderungen und Einzelhandelsstandorten weiter profiliert und qualifi- Ansprüche im Kongress- und Messebereich erfordern ziert werden. Darüber hinaus bedarf es insbesondere strategische Anpassungen und Investitionen, um im einer Attraktivierung der öffentlichen Räume und der Standortwettbewerb weiterhin erfolgreich und Übergänge zu den Quartieren. attraktiv zu bleiben. Neben dem Neubau von Messehallen auf den vorhanden Flächen soll hierzu auch ein neu aufgestelltes, „smarteres“ Parkraumund Logistikmanagement hierzu beitragen.

Die besondere Lage der Messe als Teil der Urbanen Parklandschaft und Nachbar sowie Nutzer des denkmalgeschützten ehemaligen Reichsparteitagsgeländes setzt Restriktionen und birgt Konfliktpotenzial, bietet aber gleichzeitig auch ein Alleinstellungsmerkmal. Ein zusätzlicher Flächenverbrauch für kommerzielle Zwecke im Bereich der Urbanen Parklandschaft ist laut den „Leitlinien zum Umgang der Stadt Nürnberg mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände“ nicht vorgesehen.

Daher sollten an anderweitigen Orten Entwicklungsflächen für die Messe bereitgestellt werden, um den Expansionsdruck auf die Grün- und Freiflächen des Volksparks zu mindern. Besonders dringlich ist aus Sicht der Messe die Bereitstellung einer geeigneten Fläche für die Aufstellung von LKWs, damit diese dann mittels Abrufsystem gezielt angefordert werden können. Diese Maßnahme ist zwingend notwendig, um dem nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht gewünschten Ziel, die Große Straße dauerhaft vom LKW-Verkehr zu entlasten, näher zu kommen. Für die südlich an das Industrieareal Beuthener Straße / Poststraße angrenzenden Potenzialflächen besteht seitens der Messe Interesse als Erweiterungsfläche. Diese Optionsfläche betrifft allerdings naturschutzrechtlich sensible Areale, die hohe Anforderungen an zukünftige Ausgleichsmaßnahmen stellen. Die Verträglichkeit muss daher überprüft werden.

Die Entwicklung des Areals ehemaliger Südbahnhof / Brunecker Straße bietet die einmalige Chance in unmittelbarer Nähe des Standorts Flächenbedarfe der Messe in größerem Umfang aufzufangen. Hier kommen aus Sicht der Messe insbesondere die ebenfalls gestiegenen Flächenbedarfe im Bereich der messeaffinen Dienstleister wie z.B. Catering oder Logistik-Lagerung in Betracht.

Arbeit und Stadt verbinden

Arbeitsstandorte in urbanes Gefüge integrieren

Wirtschaftsstandort sichern und qualifizieren

Fortbestand ansässiger Betriebe sichern und erweitern

Gewerbegebiete in vielschichtige Gebiete mit Mehrwert umwandeln

Runder Tisch mit Gewerbetreibenden und Stadtentwicklungsamt

Flächenbedarfe erkennen und Flächen mobilisieren

Mobilisierungsstrategien durchführen

Ausweichflächen bereitstellen

Studie zu Nachverdichtungspotenzialen

Gewerbeflächenmonitoring

Temporäre Mehrfachnutzungen fördern

Flächenmanagement

Gewerbestandorte differenziert entwickeln

Maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte

Arbeit und Stadt verbinden

Vertiefung

Arbeitsstandorte in urbanes Gefüge integrieren

Vernetzte Mitte

Wirtschaftsstandort sichern und qualifizieren

Fortbestand ansässiger Betriebe sichern und erweitern Gewerbeband Thomas- Mann- Straße / Aufwertung. Denkbar wäre, sie als Maßnahme in die Gewerbegebiete in vielschichtige Gebiete mit Mehrwert umwandeln Breslauer Straße Städtebauförderung aufzunehmen. Da das Gewerbegebiet Thomas-Mann-Straße / Bres- Runder Tisch mit Gewerbetreibenden und Stadtentwicklungsamt lauer Straße für die Entwicklung des Südostens eine Zwischennutzungen und Mehrfachnutzungen stellen strategische Rolle spielt, wurde es vertiefend betrach- eine Möglichkeit dar, das ruhende Potenzial leerstetet. Es besteht aus mehreren Teilgebieten mit unter- hender Gewerberäume und Freiflächen zu aktivieren, schiedlichen Ausprägungen, Nutzungen und Dynami- um das Gewerbegebiet zu beleben und für Anwoh- Flächenbedarfe erkennen und Flächen mobilisieren ken. ner und Angestellte attraktiver zu machen. Es sollte daher geprüft werden, welche Flächen hierfür in Die Flächenpotenziale des Gewerbegebiets Thomas- Frage kommen und welche Nutzungen geeignet Mobilisierungsstrategien durchführen Mann-Straße / Breslauer Straße sollen im Sinne eines wären. Auch lärmintensivere Nutzungen könnten „intelligenten Gewerbegebiets“ mit höherwertigem hier in angemessener Distanz zu den Wohnquartieren Ausweichflächen bereitstellen Gewerbe, Dienstleistungs- und Büroarbeitsplätzen ihren Platz finden. Denkbar sind beispielsweise unter Berücksichtigung bereits bestehender Fach- Ateliers für Kreative, Co-Working-Spaces, Start-Up- Studie zu Nachverdichtungspotenzialen planungen und Bebauungspläne entwickelt werden. Büros, urbane Manufakturen und eine Bespielung der Die Gebietsränder entlang der Thomas-Mann-Straße Freiflächen (Parkplätze, Dachflächen) durch Märkte, Gewerbeflächenmonitoring und Breslauer Straße, die sich heute als unattraktive Events, Sport etc. Es empfiehlt sich die Einrichtung Durchgangsräume präsentieren, sollen städtebaulich eines zentralen Flächenmanagements, das die Iden- Temporäre Mehrfachnutzungen fördern und freiräumlich als städtisch geprägte Straßen auf- tifizierung und Vermittlung von Flächen und Akteugewertet werden – beispielsweise durch Alleebäume, ren organisiert, um eine frühzeitige Temporär- bzw. Flächenmanagement durch eine bessere gestalterische Einbindung der Fuß- Mehrfachnutzung leerstehender und untergenutzter und Radwege und durch die Förderung von Erdge- Flächen zu initiieren. schossnutzungen.

Gewerbestandorte differenziert entwickeln

Die TM50 kann dabei für zukünftige Projekte in vieler Maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte Hinsicht als Referenz dienen: Sie repräsentiert den Anspruch an qualitatives und nachhaltiges Bauen (Gestaltung und Energieeffizienz), bietet attraktive Angebote für Mitarbeiter (durch eine hochwertige Kantine, Kinderbetreuung etc.) und für die angrenzenden Quartiere (Öffnung der Kantine, Belebung der Erdgeschosszone) und bietet darüber hinaus ein gewisses Maß an räumlicher Offenheit und Zugänglichkeit (keine Zäune). Bei der Projektierung weiterer Bauvorhaben, insbesondere von Schlüsselgrundstücken, gilt es, an diese Vorgaben anzuknüpfen.

Die Unterführung am ehemaligen Bahnhof Märzfeld fungiert im Gebiet als zentraler Übergang zwischen Langwasser Nord und Süd. Sie kann dieser Funktion jedoch zum derzeitigen Zeitpunkt aufgrund des mangelhaften baulichen Zustands nur in eingeschränktem Maße gerecht werden. Da sich die Unterführung für ihre Nutzer als in vielen Belangen unattraktiv und unsicher darstellt, bedarf es einer umfassenden und baldigen Sanierung und Qualifizierung hinsichtlich Komfort, Orientierung und Sicherheit. Insbesondere die Eingänge und Zuwegungen bedürfen einer

Intelligentes Gewerbeband mit Angeboten für

Abbildung 129

Intelligentes Gewerbeband mit Angeboten für die angrenzenden Wohnquartiere

Abbildung 130

Mobilität

Verbindungen im Stadtteil und ins Zentrum verbessern

Abbildung 131

Der Nürnberger Südosten ist ursprünglich als autoge- ten Stadtteils auf dem ehemaligen Areal des Südrechte Stadterweiterung geplant und gleichzeitig mit bahnhofs an der Brunecker Straße über Messe-Ost einem soliden Rad- und Fußwegenetz sowie ÖPNV- und Bertolt-Brecht-Schule bis hin zum Klinikum Süd Angebot ausgestattet. zu verlängern. Durch den hohen Publikumsverkehr bei Veranstaltun- Um den „Modal Split“ – die Verteilung auf unter- gen der Messe, der Arena und des Grundig Stadions schiedliche Fortbewegungsarten – in Zukunft weiter wäre ebenfalls die Erweiterung der Straßenbahnlizu verbessern, bedarf es eines sukzessiven Ausbaus im nie über die Beuthener Straße bis zur S-Bahn-Station Hinblick auf umwelt- und sozialverträgliche Mobili- Frankenstadion vorstellbar und eine Entlastung. Die tätsformen. Nutzer der S-Bahn müssten so nicht mehr in Shuttle- Busse umsteigen. Die zentralen Aufgaben liegen hierbei in der An- Zur Verbesserung der Anbindung an das ÖPNV Netz bindung Langwassers an die Nürnberger Innenstadt sind Handlungsanregungen: eine optionale Trassendurch die Entwicklung von Hauptachsen, die verbes- führung der Linie als Ringbahn um die Messe, die serte Vernetzung mit den benachbarten Stadtteilen noch einer genauen Prüfung bedarf; eine neue Versowie die Erhöhung der Durchlässigkeit innerhalb bindung zwischen Gartenstadt und Fischbach und die Langwassers. Diese Ziele können nur durch einen Erschließung des Neubaus der Bertolt-Brecht-Schule Maßnahmenmix erreicht werden, der neben der Um- durch eine zusätzliche Busverbindung aus Richtung setzung des Nahverkehrsentwicklungsplanes beste- Zerzabelshof. hende Infrastrukturen stärkt und durch punktuelle Ergänzend sollte eine höhere Taktung der bestehen- Eingriffe ergänzt. Im Folgenden werden Handlungs- den Buslinien-Verbindungen in Spitzenzeiten umgeempfehlungen mit strategischen Projekten und Inst- setzt werden. rumenten aufgezeigt.

Den Rad- und Fußverkehr

qualifizieren

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Die Münchener Straße ist momentan die beste Radverbindung zwischen der Nürnberger Innenstadt und Den Modal Split durch Optimier- dem Südostraum. In Anbetracht der geplanten Entung des ÖPNV verändern wicklung eines neuen Stadtteils auf dem Areal des Der westliche Bereich des Südostens ist mit der ehemaligen Südbahnhofs, sollte das strategische Probestehenden U-Bahn-Verbindung bereits gut jekt Entwicklung und Qualifizierung eines Radschnellerschlossen. Um auch den östlichen Bereich zugäng- weges entlang Brunecker Straße, Münchener Straße, licher zu gestalten und die Ost-West-Verbindung zu Messe Ost bis nach Altenfurt/Fischbach in die zukünfstärken, sollten das Straßenbahnnetz qualifiziert, tigen Planungen integriert werden. neue Verbindungen geschaffen und bestehende optimiert werden. Handlungsanregungen sind bei- Zusätzliche Radschnellwege in Richtung Südosten spielsweise die Straßenbahnlinie entlang des geplan- sind bereits in der Diskussion und sollten ebenfalls als strategische Projekte realisiert werden. Die Große Straße ist ein weiteres strategisches Projekt. Sie bil- Strategisches Projekt det eine ideale Verbindung zwischen Innenstadt und Langwasser und sollte, insbesondere im Sinne einer Umsteigeknoten realisieren Orientierung ermöglichen uneingeschränkten Nutzung bei Veranstaltungen Querungsmöglichkeiten Wohnquartiere Bestand optimieren in der Urbanen Parklandschaft, für den Radverkehr Straßenbahnnetz qualifizieren Waldflächen optimiert werden. Als strategische Projekte werden ÖPNV Verbindungen stärken auch die Querungsmöglichkeiten an den Hauptver- Option Straßenbahnlinie öffentliche Grünflächen kehrsachsen gesehen, wie beispielsweise Münchener Straße, Regensburger Straße und Große Straße. Alternative Buslinie Bestand Rad- und Fußwege Die Erhöhung der Durchlässigkeit der Teilbereiche ist Neue Radschnellwege Bestehende Rad- und Fußwege realisieren ausbauen und neu gestalten eine wesentliche Voraussetzung, um den Radverkehr

innerhalb Langwassers zu stärken und Langwasser Nord und Süd, sowie West und Ost zu verbinden. Eine dezentrale, punktuelle Neugestaltung und ein Ausbau der bestehenden Rad- und Fußwege (Verbreiterung, Asphaltierung, Instandhaltung, Barrierefreiheit durch Abflachung der Bordsteinkanten etc.) sollte innerhalb der Teilbereiche des Südostens vorgenommen werden. Außerdem sollten die inneren Erschließungsstraßen in den Wohnquartieren zu verkerhrsberuhigten Bereichen umgewandelt werden und ein zeitgemäßes Leit- und Orientierungssystem in Koordination mit dem Tourismusmarketing und dem Kulturreferat entwickelt werden.

Die Sanierung und Aufwertung der Unterführung Thomas-Mann-Straße/Breslauer Straße hinsichtlich Komfort, Orientierung und Sicherheit trägt zu einer Verbesserung der Verbindung zwischen Nord- und Südlangwasser bei. Ebenso sollte die Überführung an der Otto-Bärnreuther-Straße (U-Bahn-Haltestelle Langwasser Nord) aufgewertet werden.

Schnittstellen gestalten – Umstieg

erleichtern

Der Umstieg auf den Fuß- und Radverkehr und ÖPNV soll künftig durch eine optimierte Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsträger an strategischen Umsteigeknotenpunkten gefördert werden. Hierzu gehört beispielsweise die Schaffung zusätzlicher überdachter Fahrradparkplätze und barrierefreier Zugänge. Ziel ist es, die Infrastruktur in Zukunft an technische Neuerungen (wie z.B. elektronische (Lasten-) Räder, Fahrrad-Taxis etc.) anzupassen.

Sicherheit gewährleisten

Punktuelle Gefahrensituationen, wie beispielsweise an der Bushaltestelle Anette-Kolb-Straße, sollten im Rahmen eines strategischen Projektes behoben werden, um die Akzeptanz des Fuß- und Radverkehrs und ÖPNV zu erhöhen.

Den Modal Split durch die Optimierung des

ÖPNV verändern

Straßenbahnnetz qualifizieren und Verbindungen optimieren und schaffen

Optionale Trassenführung einer Ringbahn Messe prüfen

ÖPNV-Verbindungen zwischen einzelnen Ortsteilen stärken

Erhöhung der Taktung der bestehenden Buslinien in Spitzenzeiten

Weiterentwicklung des Nahverkehrsentwicklungsplans

Qualifizierung des Rad- und Fußverkehrs

Neue Radschnellwege realisieren

Große Straße für den Radverkehr optimieren

Querungsmöglichkeiten an den Hauptverkehrsachsen optimieren

Bestehende Rad- und Fußwege ausbauen und neu gestalten

Innere Erschließungsstraßen zu verkehrsberuhigten Bereichen umwandeln

Leit- und Orientierungssystem

Schnittstellen gestalten - Umstieg erleichten

Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsträger fördern

Umsteigeknoten realisieren

Sicherheit gewährleisten

Punktuelle Gefahrensituationen beheben

Abbildung 132

Fazit

Ausblick

Zukunftsthemen der Stadtentwicklung

Der Südosten Nürnbergs stellt sich als ein Kaleidoskop und ökonomischen Rahmenbedingungen ist eine unterschiedlichster Stadtstrukturen, Nutzungen, Be- kontinuierliche Aktualisierung der Quartiere und deutungsebenen und zugrunde liegender Leitbilder Freiräume Langwassers erforderlich. Die bestehenden dar. Die Vielschichtigkeit des Stadtteils und der resul- Strukturen sind damit nicht grundsätzlich infrage getierenden Aufgaben lässt sich nicht mit einem über- stellt, doch müssen Leitbilder und bauliche Bestände greifenden Leitbild oder einer einheitlichen Strategie vielfach an heutige und künftige Bedürfnisse angebeantworten, sondern erfordert ein orts- und aufga- passt werden, ohne mit der Eigenlogik der „Stadt benbezogenes Handlungs- und Maßnahmenkonzept im Grünen“ zu brechen. Die hohe Lebensqualität in sowie eine intensive (moderierte) Kommunikation Langwasser ist unter anderem auf die stetige zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren. Weiterentwicklung und Sanierung des Stadtteils zurückzuführen. Um Langwasser auch in Zukunft für Zukunftsthemen der Stadtentwicklung unterschiedliche soziale Schichten und Bevölkerungs- Mehr als anderswo bündeln sich im Südosten zen- gruppen attraktiv zu machen, gilt es, neue Angebote trale Fragestellungen der Stadtentwicklung. In der des Zusammenlebens zu schaffen. Auch die Freiräume Auseinandersetzung mit den Fragen nach postfossiler müssen langfristig gesichert und an die ausdifferen- Mobilität, generationsgerechten Wohnformen, nach zierten Ansprüche der Nutzung öffentlicher Räume Modellen lebenslangen Lernens und nach der Ver- angepasst werden. Konkrete strategische Projekte knüpfung von historischer Bildungsarbeit, Erholung, werden dazu in den Handlungsräumen benannt. Sport, Events und Ökologie wird der Südosten zum Labor, in dem die Zukunftsfähigkeit der Stadt verhan- Gewerbe transformieren delt wird. Es bietet sich geradezu an, sich in der Tradi- Die „Smart City“ ist ein Sammelbegriff für gesamttion des Stadtteils als „Modell- und Innovationsraum“ heitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, im besten Sinne den Zukunftsthemen intensiv und Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, kontinuierlich zu widmen, sie weiter zu diskutieren grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Das INSEK und mit den Zielen des INSEK abzustimmen. zeigt Ansätze auf, wie die gewerblichen Standorte im Südosten davon profitieren können. Die grundsätz- Im Hinblick auf die anstehende Umsetzung des IN- liche Sicherung der Gewerbegebiete muss einher- SEKs gilt es, die strategischen Projekte intensiv zu gehen mit einem sukzessiven Strukturwandel und begleiten und auszuloten, wie die erprobten Modelle einem neuen Selbstverständnis der Gewerbegebiete: und Erkenntnisse auch auf andere Stadtteile übertra- weg vom anspruchslos-pragmatischen „Kistengegen werden können. werbe“ hin zu Produktionsorten, die in ihr Umfeld über vernetzte öffentliche Räume eingebettet sind, Urbane Parklandschaft unterschiedlichen Anforderungen an Produktion, Ent- Die Urbane Parklandschaft um die Dutzendteiche ist wicklung, Erholung, Kommunikation und Austausch für Nürnberg von erheblicher Bedeutung und hat das gerecht werden und Motor für die Zukunftsfähigkeit Potenzial zu einem Volkspark neuen Typs zu werden, des Stadtteiles werden. der die historische Idee des Volksparks als öffentlicher Freiraum für die Stadtgesellschaft konsequent Integration des Historischen Erbes weiterentwickelt. Die Abstimmung und Koordination Der Umgang mit dem historischen Erbe des 19. und der heterogenen, teils sich entgegenstehenden An- 20. Jahrhunderts steht vor der Herausforderung, eine sprüche und die gestalterische Umsetzung sind dabei Integration der geschichtlich bedeutsamen Areale in zentrale Aufgaben. eine freizeitorientierte Alltagswelt zu gewährleisten und zugleich die fundierte Aufbereitung geschichtli- Langwasser weiterentwickeln cher Inhalte zu ermöglichen. Die Vermittlung zwi- Die Siedlungen der Nachkriegsmoderne haben zur schen unterschiedlichen Nutzungsvorstellungen und Zeit ihrer Entstehung erfolgreich Neuland der Stadt- erinnerungskulturellen Erwartungen, insbesondere entwicklung betreten. Angesichts der geänderten zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistisoziodemographischen, kulturellen, bautechnischen schen Vergangenheit, stellt eine sensible Aufgabe dar.

Akteursgetragene Stadtentwicklung Die Erarbeitung des INSEK für den Südostraum war von Beginn an als partizipatives Verfahren mit enger Einbindung der Akteurinnen und Akteure vor Ort angelegt. Der während der Projektbearbeitung angestoßene Dialog unter den Beteiligten hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen und sollte daher unbedingt fortgesetzt werden, sowohl für die Erschließung lokalen Wissens als auch für die Verständigung über Konzeptinhalte.

Der INSEK-Prozess hat eine Reihe von neuen Kooperationen und Allianzen zwischen den lokalen Projektbetreibern geschmiedet. Im Sinne einer akteursgetragenen Entwicklung muss der Dialog zwischen den Akteurinnen und Akteuren durch feste Formate und koordinierende Stellen verstetigt werden.

Zukunft INSEK Das INSEK ist ein dynamisches Instrument. In der weiteren Umsetzung braucht es eine kontinuierliche kritische Betrachtung und Weiterentwicklung. Kleine regelmäßige Reflektionsrunden oder Expertentische zu den einzelnen Zukunftsthemen sollen dazu beitragen, das entsprechende Fachwissen zu bündeln und mit den strategischen Projekten in den Handlungsräumen des INSEKs zu spiegeln.

Es bietet sich an, zu besonderen Themenstellungen des INSEKs wie etwa „Nutzer- und Pflegemanagementkonzept Urbane Parklandschaft“, „Messeerweiterung“, „Lebenslanges Lernen in Südost“ oder „Neue Wohnformen in Langwasser“ vertiefende Studien zu erstellen.

In Anlehnung an das erfolgreiche Format der „Mobilen Bürgerversammlung“ in Nürnberg kann durch ein „Mobiles INSEK-Monitoring“ ein Überblick zum Stand der erfolgten Umsetzungen verschafft werden und gegebenenfalls projektbezogene „Nachjustierungen“ erfolgen.

Die Stadt Nürnberg bedankt sich bei ihren Fördermittelgebern

Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Quellen- und Abbildungsverzeichnis

Literatur und Dokumente

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Karten und Graphiken

West 8, Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideen- und Planungswettbewerb Brunecker Straße (ehem. Südbahnhof), 1. Platz – Seite 50, 51.

Urban Catalyst studio und yellowz – alle weiteren Karten und Graphiken.

Fotonachweis

Hajo Dietz - Seite 14.

Geobasisdaten © Bayerische Vermessungsverwaltung 2014 - Seite 18, 19, 93.

Stadt Nürnberg - Seite 24, 25, 34.

NürnbergMesse GmbH – Seite 49.

Urban Catalyst studio und yellowz – alle weiteren Fotos.

Impressum: Herausgeber: Stadt Nürnberg Bürgermeisteramt Rathausplatz 2 90403 Nürnberg Druck: Schleunungdruck Eltertstraße 27 97828 Marktheidenfeld

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