Top 2 Jüdische Begegnungsstätte (JBS) in Nürnberg
1. Sachverhalt
Am 24. März 2021 beschloss der Nürnberger Stadtrat in einer gemeinsamen Resolution1 u.a., jüdisches Leben in Nürnberg sichtbarer zu machen. Als ein „möglicher Baustein auf dem Weg zu einem sichtbaren Miteinander in unserer Stadt ist eine Begegnungs- und Bildungsstätte für die jüdische und nichtjüdische Bevölkerung“ benannt. Dieser Auftrag wird wie folgt verfeinert: „Hierfür bringt die Stadt Nürnberg eine Machbarkeitsstudie in enger Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg (IKGN) auf den Weg und erarbeitet gemeinsam einen konkreten Konzept- und Umsetzungsvorschlag.“ Erste Vorarbeiten starteten 2021 unter Federführung des Stabs Stadtentwicklung im Bürgermeisteramt als Projektleitung zusammen mit dem Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin sowie in enger Abstimmung mit der Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg. Gemeinsam wurde als Startmaßnahme ein auf breiter gesellschaftlicher Basis aufgesetzter Diskurs über Bedarfe sowie die inhaltliche und physische Ausgestaltung einer JBS vereinbart. Corona-bedingt konnte dieser erst am 26. und 28. April 2022 im Rahmen von zwei intensiven Workshops im südpunkt und in Räumen der IKGN stattfinden. Eingeladen waren ca. 80 Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten wie Religion und Dialog, Geschichte, Bildung, Kunst und Kultur, Vermittlung, Inklusion, Generationenvielfalt sowie Politik aus Nürnberg und Umgebung. Ziele der Workshops waren die Erarbeitung einer Ideensammlung und die Formulierung erster Vorstellungen, was eine Jüdisches Begegnungsstätte in Nürnberg schaffen und leisten können soll.
2. Arbeitsergebnisse aus den Workshops
Folgende Leitgedanken konnten aus den Diskussionen abgeleitet werden: Die Jüdische Begegnungsstätte ist… im Stadtraum sichtbar und macht jüdisches Leben sichtbar. Eine besondere Rolle spielen Barrierefreiheit und zentrale Lage. In diesem Zusammenhang wurde auch eine markante Architektur gewünscht. Begegnung und Netzwerk für alle – interreligiös, plural, generationsübergreifend. Neben dem Ziel, mögliche Vorurteile abzubauen, wird ein breites Netzwerk unter Einbindung diversen Nürnberger Vereine und Initiativen gewünscht. kein Gemeindezentrum und kein Museum. Wichtig ist der in die Zukunft gerichtete Blick und die Öffnung des Ortes über die religiöse Dimension hinaus. Jüdische (Gegenwarts-)Kultur – jüdische Vielfalt und Identität – jüdisches Leben. Selbstverständlichkeit, jüdisch sein ist Normalität. ein Ort des Diskurses und der Debattenkultur, bei dem die jüdische Streitkultur auch zu nichtreligiösen und aktuellen Themen gepflegt und praktiziert wird. ein Ort der Wissensvermittlung und Bildung. ein Ort des kulturellen Erlebens. Zur Programmatik gehören Veranstaltungen, Feste, Ausstellungen, Festivals, Streetart, Pop-Up-Formate etc. – auch über jüdische Kontexte hinaus. ein „Dritter Ort“ – offen für alle. Die JBS soll mit einem Café, Restaurant oder niederschwelligen Angeboten Menschen ansprechen und ohne Hürden, Barrieren und Vorbehalte im Alltag zugänglich sein.
1 Resolution: Jüdisches Leben in Nürnberg. Sichtbar. Erfahrbar. Selbstverständlich. (nuernberg.de)
Anhand der Ideensammlung konnten überdies sieben Themenschwerpunkte identifiziert werden, nämlich Jüdisches Leben/(Gegenwarts-) Kultur; Begegnung/Religion/Dialog; Offenheit/Erreichbarkeit; Standort/Architektur (favorisiert wird Altstadt); Gastronomie/Feiern sowie Kunst/Kultur/Bildung. Grundsätzlich sollen unterschiedliche Zielgruppen adressiert werden mit einem besonderen Augenmerk auf junge Menschen.
Fazit
Auf Grundlage der eingebrachten Ideen bildet sich ein Ort mit Café/Restaurant ab, der auch außerhalb von Bildungs- und Kulturangeboten attraktiv für Besuchende ist, eine Begegnungsstätte mit wechselnden Ausstellungen, Vorträgen, Seminaren zu jüdischem Leben, Kultur, Geschichte, Kunst, aktuellem Zeitgeschehen, ein Platz für Vereine und Initiativen zum Vernetzen und Begegnen. Das gesamte Angebot entsteht mit jüdischem Fokus und Blick in die Welt.
3. Machbarkeitsstudie
Die Konkretisierung der umfänglichen Vorarbeiten soll nun im Rahmen einer
Machbarkeitsstudie erfolgen, welche die Einzigartigkeit einer JBS anhand eines
Grobkonzepts herausarbeitet und damit die inhaltliche Schärfung in Bezug auf bereits bestehende Institutionen in Nürnberg und Umgebung vornimmt. Die Zielgruppen sollen darin detailliert betrachtet werden. Grundlegend für den Erarbeitungsprozess sind dabei eine enge Abstimmung mit der IKGN sowie die Einbindung partizipativer Formate. Darüber hinaus gilt es, die Anforderungen an den Standort hinsichtlich Größe, Erreichbarkeit, Raumbedarf etc. zu klären. Zudem soll in enger Absprache mit Stadtverwaltung und IKGN eine erste Kostenschätzung für maximal zwei Standorte ermittelt sowie eine erste Einschätzung möglicher Förderansätze vorgenommen werden. Bezüglich der zukünftigen Betriebsträgerschaft und Bespielung soll ein Betreiberkonzept erarbeitet werden, welches Schätzwerte zu laufenden Kosten aufzeigt. Schließlich ist ein grober Zeitplan mit definierten Meilensteinen der Umsetzung zu erarbeiten.
Beschlussvorschlag
Die Verwaltung wird beauftragt, die Machbarkeitsstudie wie beschrieben auf den Weg zu bringen.