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Broschüre "Faszination Schafe"

Anlage · 08.02.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Flughafen Kornburg Gebersdorf Reichelsdorf St. Lorenz Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

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Mitten

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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Schafe gehören zu den ältesten Nutztieren der Welt. Seit Jahrhunderten gestalten sie unsere Landschaft. Auch in Nürnberg hat die Beweidung das Stadtbild in besonderer Weise geprägt. Ein großer Teil unserer Stadtfläche ist auf Sand gebaut. Es sind vor allem diese wenig ertragreichen Sandböden, die traditionell beweidet werden. Ist die Haltung von Schafen in der Großstadt mit ihren zahlreichen Nutzungsansprüchen überhaupt noch möglich? Diese schöne Broschüre zeigt, wie es geht – und dass Idealist sein muss, wer heute als Schäfer oder Schäferin exis- tieren will. Ihnen gebührt für ihre Arbeit unser großer Respekt und unsere Unterstützung. Referent für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg Die Schafhutungen sind für die biologische Vielfalt in Nürnberg von besonderer Bedeutung. Zahlreiche Pflanzen und Dr. Peter Pluschke Tierarten finden nur noch in diesen alten Kulturlandschaften einen Lebensraum. Die Nürnberger Weideflächen sind alle Bestandteil der „Sandachse Franken”, einem Netz bedeutsamer Sandlebensräume, die sich entlang der Flüsse Regnitz, Pegnitz und Rednitz sowie deren Zuflüssen von Bamberg im Norden bis Weißenburg im Süden ziehen. Die wolligen Vierbeiner gestalten Freiräume mit Weitblick und hohem ästhetischen Wert, die für uns Menschen besonders reizvoll sind. Ein hohes Maß an Abwechslung durch verschiedenste Landschaftselemente wie Gehölzgrup- pen, Hecken oder Einzelbäumen macht Weideflächen zu attraktiven parkähnlichen Erholungsgebieten. Die Schäferei ermöglicht eine ressourcenschonende Pflege dieser Freiräume. Die Herstellung von Produkten wie Schafwolle, Schafskäse oder Lammfleisch eröffnet regionale Vermarktungsmöglich- keiten – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Zudem bietet die Schäferei eine Möglichkeit für naturferne Stadtmenschen und ihre Kinder, Nutztiere inmitten der Großstadt zu erleben. Besuchen Sie bei Gelegenheit einmal einen Schafschur- tag und erleben Sie, wie fasziniert Alt und Jung von den Schafen sind. Die kulturellen und ökologischen Hintergründe der Beweidung mit Schafen und insbesondere der Wanderschafhal- tung sind vielen von uns nicht mehr bekannt. Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen diese besondere Welt, die zum Glück in Nürnberg noch existiert, näher bringen. Ich wünsche Ihnen allen viel Freude beim Blättern – und interessante Begegnungen mit den Schafen in unserer Stadt. Dr. Peter Pluschke < 3

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Wanderschäferei – eine uralte Tradition Die Wanderschäferei hat ganze Kulturlandschaften geprägt – mit hoher Bedeutung für biologische Vielfalt, Landschaftsbild und Erholung. Im Jah- resverlauf führen die Schäfer ihre Herde je nach Futterangebot von Weide zu Weide. Dabei müssen weite Strecken zurückgelegt werden. Vor allem die Sommer- und Winterweiden liegen oft weit auseinander. 365 Tage unter freiem Himmel Hainberg . .. . . . I Ob Kälte, Hitze, oder Regen – der Schäfer zieht bei jedem Wetter mit seinen . Schafen zu den Futterplätzen. Bis zu 15 Kilometer können es an manchen . Tagen sein. Die Schäfer verbringen mit ihren Tieren fast das ganze Jahr . ... unter freiem Himmel. Nur die Mutterschafe und Lämmer bleiben zeitweise .. .. in den Stallungen. .. . .. . . . Ohne diese traditionelle Nutzung würde so manches charakteristische Land- . . . . .... schaftsbild in der Region rund um Nürnberg verloren gehen. Die uralte . Tradition wird jedoch nur noch von wenigen Menschen aufrechterhalten. . . . . . . . . . . ... I WWoohhnn-- uunndd SScchhllaaffppllaattzz ffüürr uunntteerrwweeggss –– ddeerr SScchhääffeerrwwaaggeenn Gebersdorf < 4 .. .. . . . . . . . . . . . . . . . . ...

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Pegnitztal I .. .. . . . . . . . . . . . . . . . . ... .. .. . . . . . . . . Große Bereiche des Stadt- . . . . gebietes von Nürnberg . . wurden früher beweidet. . . ... Einige der alten Triebwege sind heute noch vorhanden und werden genutzt (rote Pfeile). I Moorenbrunnfeld < 5 Die Reise durch das Stadt- gebiet birgt zahlreiche Herausforderungen. Die Schäfer nutzen die frühen Morgenstunden, um die Tiere sicher über verkehrs- reiche Straßen führen zu können. Insgesamt drei Wanderschäfer sind heute noch in und am Rande der Stadt unterwegs.

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Seit sechs Generationen Der Nürnberger Wanderschäfer Erich Kißlinger hat sich mit seiner Familie schon in sechster Generation der Schäferei verschrieben. Der Wanderschäfer zieht von Nürnberg aus mit einem Teil der Herde über 100 km weit bis nach Oberfranken in die Fränkische Alb. Der Sohn ist in seine Fußstapfen getreten, betreut eine eigene Herde rund um Nürnberg und bildet auch Lehrlinge aus. Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen bei Wind und Wetter gibt es für die Kißlingers keinen schöneren Beruf. Ohne die Herde würden auch in der Fränkischen Schweiz viele prä- gende Landschaftselemente ihren Charakter verlieren. .... . . . . . . ............ . H e u te si n d e s n u r n o c h w e n ig e Fl ä ch e n im U m k r e is d e s N ü rn b e rger Flughafens, die von den Kißlingers im Stadtgebiet beweidet werden. Erich Kißlinger erinnert sich, dass bis in die 1960er-Jahre noch ca. zehn selbstständige Schäfereien in Nürnberg tätig waren. < 6

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< 7 In der Herde laufen auch Zie- gen und Esel mit. Gerade auf stark zugewachsenen Flächen sind sie von unschätzbarem Wert, da sie bevorzugt an Ge- hölzen knabbern und dichten Gebüschflächen wieder ihren offenen Charakter verleihen. Schäferin Luisa Belz I Die Schäferei ” ist wie eine Sucht: Hat man einmal damit angefangen, kommt man nicht mehr davon los.“ Erich Kißlinger in Berufskleidung mit Hirtenstab

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HAINBERG Ein Relikt Nürnberger Sandlandschaften Der Hainberg ist durch die militärische Nutzung als Truppenübungs- platz bis in die 1990er-Jahre von moderner Landwirtschaft und Bebauung verschont geblieben. Heute beheimatet das 213 Hektar große Gebiet die größte Sand- magerrasenfläche Nordbayerns. Charakteristisch für die nur locker bewachsenen kargen Sandflächen ist das Silbergras. Die Silbergrasflu- ren gehören zu den gefährdetsten Vegetationsbeständen Bayerns. Die herausragende Qualität des europaweit geschützten Flora-Fauna- Habitat-Gebietes ist nur durch die Schafbeweidung zu erhalten. Die goldbraunen Merinoschafe der Schäferei Wüst verbringen hier einen Großteil des Jahres und sorgen so für die Pflege der Sandmagerrasen. Im Herbst und Winter zieht die Herde zu den Winterweiden nach Norden über den Regnitzgrund bis nach Herzogenaurach. Aufgrund seiner hohen Bedeutung für den Naturschutz wurde der Hainberg der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zur Bewahrung übertragen. Der größte Teil liegt im Landkreis Fürth. .... . . . . Eine hier vorkommende Pflanzenkuriosi- . . tät ist der „Österreichische Beifuß“. Das ............ . V o r k o m m e n s o l l a u f k r oa ti s c h e S o ld a te n zu r ü c k g eh e n , d i e i h n i m D r e i ß ig j äh r ig e n Krieg als Weingewürz ansäten. Damals war der Hainberg Teil des Wallenstein- schen Lagers mit rund 80.000 Menschen und 15.000 Pferden. < 8

HAIN IN BER

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< 9 Eine Rarität am Rande der Großstadt ist die am Boden brütende Heidelerche. In der weit- läufigen, wüstenartigen Sandlandschaft auf dem Hainberg findet sie ideale Bedingungen. Die Ziegen in der Herde sorgen dafür, dass die Büsche sich nicht weiter ausbreiten. Erste Pionierpflanze auf den lockeren Sanden ist das Silbergras

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PEGNITZTAL Ein Idyll mit Stadtanbindung Das Landschaftsschutzgebiet Pegnitztal Ost ist eine historisch gewachsene Kulturlandschaft mit einer enormen Vielfalt an Lebensräumen. Neben den blütenreichen Mähwiesen gehören die Weiden mit den Schafen schon lange zum charakteristischen Bild. Das Pegnitztal ist nur eine von mehreren Stationen des Wanderschäfers Fritz Imsch. Die Herde beginnt im Frühjahr ihre Reise im Landkreis Nürn- berg bei Rückersdorf und zieht mehrmals im Jahr mitten durch das Stadt- gebiet. Ohne die Bewirtschaftung, ohne das Mähen und Beweiden, ginge die attraktive und schützenswerte Vielfalt in der Auenlandschaft verloren und damit die besondere Qualität dieses Gebiets, das auch für Erholung und Naturerleben von großer Bedeutung ist. Der hohe Artenreichtum macht das .... . . Tal zwischen Satzinger Mühle und . . .Autobahn zu dem wohl ökologisch . .w e r tv o ll st e n N a tu r r a u m N ü r n b e r g s. ............ Es s o ll d e s w e g e n a l s N at ur s c h u t z - gebiet ausgewiesen werden. < 10

PEGNIT NIT ZT

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< 11 Schafparade: Einzug ins Pegnitztal. Schäfer Fritz Imsch hat seine Herde immer im Blick. Die Schafbeweidung hat im Pegnitztal lange Tradition

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MOORENBRUNNFELD Ein Paradies für gestresste Großstadtseelen Das heutige Moorenbrunnfeld war noch zu Anfang des 20. Jahrhun- derts ein kleiner Teil einer ca. 220 Hektar großen Brache, die infolge wiederholter Waldbrände entstanden war. Im Zweiten Weltkrieg wur- de es militärisch als Lager der Wehrmacht genutzt. Durch die nachfol- gende Beweidung ist ein vielfältiges Landschaftsmosaik entstanden, das heute als Natur- und Erholungsraum unverzichtbar geworden ist. Ein einzelner Baum, eine kleine Strauchgruppe, weite Ausblicke – dieser natürliche Wechsel verschiedener Landschaftselemente macht den ästhetischen Reiz dieses Gebietes aus. Durch die Pflege der Schafe ist diese, für uns Menschen so reizvolle, parkähnliche Landschaft entstanden – und das ganz ohne planende menschliche Hand. Das Areal auf beiden Seiten der Gleiwitzer Straße gehört zu den größten Weideflächen des Schäfers Fritz Imsch im .... Nürnberger Stadtgebiet. . . . . . . ............ . < 12

MOORE ORE N
UNN FE

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< 13 Durch wechselnde Beweidung und Boden- verhältnisse entsteht ein Mosaik aus verschiedenen Landschaftselementen. Für die Nacht hat der Schäfer sogenannte Pferchflächen, auf denen die Schafe sicher verblei- ben können. Die Zauneidechse findet in der reich gegliederten Landschaft Sonnenplätze, Versteckmöglichkeiten und lockere Sande zur Eiablage.

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GEBERSDORF Vielfalt macht bunt Die kleine Schafherde auf den Gebersdorfer Wiesen gehört zu den wenigen noch lebenden „Rouge du Roussillon“, eine stark bedrohte Schafrasse aus den Pyrenäen. Die besonders robusten und an- passungsfähigen Tiere waren vor 30 Jahren fast ausgestorben. Ein eigenes Erhaltungszuchtprogramm sorgt mit Unterstützung des Tier- gartens Nürnberg dafür, dass das genetische Potenzial dieser alten Schafrasse nicht verloren geht. Früher gab es vielfältige regionale Nutztierrassen. Durch die Industri- alisierung und die Zucht von Hochleistungsrassen sind alte und sehr anpassungsfähige Tiere allmählich verdrängt worden. Die ursprünglichen und noch auf kein Leistungsmerkmal gezüchteten Rotkopfschafe sind eine von drei Nutztierrassen, die sowohl Milch, Fleisch als auch hochwertige Wolle liefert. Sie gehören zu den Fuchs- schafen und sind an der rötlichen Färbung von Kopf und Beinen zu erkennen. Seitdem die Rotkopfschafe der Züchterin Heidi Stafflinger im Auftrag des Umwelt- amtes der Stadt Nürnberg das kleine Wiesenareal bei Gebersdorf beweiden, hat sich eine hohe Artenvielfalt auf den .... städtischen Flächen eingestellt. . . . . . . ............ . < 14

GEBERS BERS D

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< 15 Durch die Beweidung haben sich auf den Gebersdorfer Wiesen seltene Pflanzenarten, wie z.B. die Sand-Gras- nelke, wieder ausbreiten können. Die anspruchslosen Tiere können besonders bei der Landschaftspflege von nährstoffarmen Standorten eingesetzt werden. Die Erhaltung genetischer Ressourcen alter anpassungs- fähiger Rassen gewinnt heute immer mehr an Bedeutung.

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< 16 Per Anhalter zur nächsten Weide Der Schaftrieb ist ein leben- des Biotopverbundsystem. An Fell, Klauen und im Kot „reisen“ Samen und Sporen, Spinnen, Käfer, Heuschre- cken, Schnecken und sogar Reptilien „per Anhalter“ mit. Ziehende Schafherden vernetzen so Lebensräume miteinander, die isoliert in der heute stark fragmentier- ten Landschaft liegen. Dies ermöglicht den genetischen Austausch bedrohter Tier- und Pflanzenarten und erhöht die Artenvielfalt.

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Seltene Lebensräume In Nürnberg sind es vor allem die kargen und für die Landwirtschaft wenig attraktiven Sandböden, die seit alters her beweidet werden. Diese nährstoffarmen Böden bildeten sich vor ca. 10.000 bis 20.000 Jahren durch starke westliche Winde und durch Ablagerungen der alten Flusssysteme. Ähnliches ereignete sich im gesamten Mittelfränkischen Becken von Pleinfeld im Süden bis Bamberg im Norden. Die Beweidung sorgte dafür, dass sich entlang dieser sogenannten „Sandachse Franken“ über Jahrhunderte hinweg gehölzarme landschafts- prägende Sandmagerrasen entwickelten. Neben den heute noch beweideten Kerngebieten am Hainberg, im Pegnitztal Ost und im Moorenbrunnfeld zieht sich diese Sandachse mit weiteren Sand- vorkommen durch das Nürnberger Stadtgebiet. Sie sind im Sebalder Reichswald, am Flughafen, in der Sandgrube am Föhrenbuck und auf weiteren kleinen Inseln zwischen Reichelsdorf und Kornburg zu erkennen. Seit die Schafhaltung nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt abnahm, ging der Bestand an Sandtrockenrasen weiter zurück. Vor allem im Raum Nürnberg wur- den Weiden bebaut, aufgeforstet oder in Ackerflächen umgewandelt. Die noch vorhandenen Restbestände mit ihrer typischen Pflanzen- und Tierwelt sind daher von besonderer Bedeutung. < 17

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1 < 18 Bei der Beweidung bleiben die Sande durch Tritt und Fraß der Schafe in Bewegung – und können immer wieder neu besiedelt werden. Der karge Pflanzenbewuchs und unbewachsene Sande sind im wahrsten Sinn des Wortes Lebensbedingung für die ver- schiedensten Insektenarten. Viele davon sind Raritäten und für die biologische Viel- falt von hoher Bedeutung. 1. Gefleckter Schmalbock 2. Grünwidderchen 3. Kleiner Feuerfalter 4. Rentierflechte 5. Himmelblauer Bläuling (Weibchen) 6. Himmelblauer Bläuling (Männchen) 7. Heide-Nelke 6

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1. Gefleckter Schmalbock 2. Grünwidderchen 3. Kleiner Feuerfalter 4. Rentierflechte 5. Himmelblauer Bläuling (Weibchen) 6. Himmelblauer Bläuling (Männchen) 7. Heide-Nelke 2 4 7 Mikrokosmos für kleine Überlebenskünstler Sandlebensräume gehören zu den faszinierendsten Lebensräumen unserer Region. Sie sind durch extreme Standortbedingungen gekennzeichnet. Die Böden trocknen schnell aus, Nährstoffe werden leicht ausgewaschen. Die 3 Temperatur der Bodenoberfläche kann 70°C erreichen. Die Pflanzen und Tiere, die hier leben, sind Hungerkünstler, Wassersparer, raffinierte Räuber und Verwandlungsmeister. Sie tarnen sich, haben einen dichten Pelz, leben unter der Erde, speichern Wasser, sparen Energie und haben noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten gefunden, den kar- gen Lebensbedingungen auf Sand zu trotzen. Die Beschäftigung mit ihnen öffnet den Blick auf eine Lebenswelt, die sich dem flüchtigen Betrachter nur zu leicht entzieht. 5 < 19

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Das harte Leben — bei Wind und Wetter ” unter freiem Himmel — das ist nur was für Idealisten.“ Schäfer Karl-Ludwig Schwarz < 20

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Immer auf Wanderschaft: Ein hartes, aber selbst- bestimmtes Leben. Der Beruf des Schäfers ist hart, ” aber ich würde mich jederzeit wieder für diese Arbeit entscheiden.“ Schäfer Erich Kießlinger Schmaler Lohn I für harte Arbeit Es ist ein idyllischer Anblick: Schafe grasen auf einer Wiese, daneben steht ein Schäfer mit Stock und Hut, begleitet vom treuen Hütehund. Die Realität ist weniger romantisch, als es auf den ersten Blick erscheint: Schafhaltung ist tägliche harte Arbeit, die Tage sind lang und das Einkommen oft nur noch unzureichend. Früher wurde der Beruf des Schäfers von Generation zu Generation weitergegeben. Heute ist es für die Betriebe schwer, Nach- wuchs zu finden. Der Beruf des Schäfers erfordert das ganze Jahr einen hohen Arbeitseinsatz der ganzen Familie. Heute existieren nur noch 242 Schäfereien in Bayern, ein Anteil von gerade einmal 0,2 Prozent aller land- wirtschaftlichen Betriebe. I Durch den Umgang mit der Natur ” besinnt man sich auf das Wesentliche: Geburt – Leben – Tod.“ Schafzüchterin Heidi Stafflinger < 21

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Unverzichtbarer Partner Der Hütehund ist unentbehrlich. Er ist unermüdlicher Arbeiter, unbe- stechlicher Freund und wichtigster Partner des Schäfers. Der Hund muss wachsam und mit hoher Verteidigungsbereitschaft die Herde immer unter Kontrolle haben. Das kann eine Herausfor- derung sein, wenn beim Wechsel der Weideflächen viel befahrene Straßen überquert werden müssen. Schafe sind von Natur aus sehr ängstlich. Unbekannte Geräusche oder andere Hunde in der Nähe beunruhigen die Herde und können schnell Panik auslösen. Hier hat der Hütehund die schwierige Aufga- be, die Herde zu beschützen und sie gleichzeitig trotz aller Aufregung zusammenzuhalten. Eine Beweidung von Landschaftsräumen und Erholungsflächen in der Stadt ist nur möglich, wenn ein intensives und vertrauensvolles Zusammenspiel aller Nutzer und gegenseitige Rücksicht gewährleis- tet sind. Es ist selbstverständlich, dass Spaziergänger mit Hund ihren Vierbeiner in der Nähe einer Schafherde an der Leine führen. < 22 Hütehund, Schäfer und Her- de sind ein eng aufeinander abgestimmtes Team. Wie ein lebender Zaun muss der Hütehund die Herde zu- sammenhalten und führen. Die Arbeitsfreude und die Veranlagung zum Hüten sind bei ihnen bereits in den Genen verankert. Viel Geduld und Einfühlungs- vermögen in das Wesen des Hütehundes sind nötig, bis der Gehilfe gelernt hat, seine anspruchsvollen Aufgaben zu erfüllen. Die Ausbildung dauert etwa drei bis vier Jahre.

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Ein perfekter Rohstoff Wolle ist ein wertvoller nachwachsender Rohstoff, der als Textil oder Dämmstoff und seit neuestem auch als erprobter Nährstofflieferant für Pflanzen Verwendung findet. Die Beschaffenheit und Qualität der Wolle kann je nach Schafrasse sehr unterschiedlich sein. Bekannt für ihre besonders weiche und weiße Wolle sind die Merinoschafe. Bei der Schur eines Schafs fallen ca. drei bis vier Kilogramm Wolle an. Etwa so viel wie für zwei Wollpullover. Dennoch: Der größte Teil der hier gewonnenen Schafwolle wird zur wei- teren Verarbeitung ins Ausland transportiert. Der geringe Preis für die Schafwolle deckt nicht einmal die Schurkosten. Während das ursprüngliche, wilde Schaf noch Haare hatte, wurde das dauerhafte Schaffell erst durch Menschenhand gezüchtet. Ab diesem Zeitpunkt kam kein Schaf mehr ungeschoren davon. Die Wolle wurde bereits vor über 4.000 Jahren in Mitteleuropa zur Textilherstellung ge- nutzt. Unser tipp Ungewaschene Schafwolle eignet sich als hochwertiger Langzeitdünger für Gemüse, Obst und Zierpflanzen. Sie gibt langsam Nährstoffe an die Pflanzen ab und hält den Boden durch ihre hohe Wasserspeicherkapazität länger feucht. Zudem wird sie von Schnecken gemieden. Auch in Hochbeeten und für Kübel- pflanzen wird sie gerne eingesetzt. < 24 Das jedes Haar umhüllende Wollfett (Lanolin) sorgt dafür, dass keine Feuchtig- keit auf die Haut gelangt. So können sich Schafe das ganze Jahr bei Wind, Wetter und extremen Temperaturen im Freien wohlfühlen. Das wertvolle Lanolin wird auch als Kosmetikprodukt und in der Heilkunde verwendet. Nur ca. 20 Prozent der Rohwolle verbleibt im Inland und wird über kleine Betriebe weiter verarbeitet. Die restliche Wolle wird direkt nach der Schur über Wollhändler ins Ausland verschifft.

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Das schwarze Schaf“, Der Wolf im Schafspelz“, Ungeschoren davonkommen“, Sün- ” ” ” ” denbock“, Das Schaf liegt auf Wolle, egal wie es sich wendet“, Das schwarze Schaf“, ” ” Der ist belämmert“, Den Bock zum Gärtner machen“, Sie ist geduldig wie ein Lamm“, ” ” Sc häfc he n zählen“, Ich ” ” habe keinen Mythos Schaf Bock“, Einen ” Bock schießen“, Das schwarze ” Schaf“, Seine Schäfchen ins Schafe gehören zu unseren ältesten Weggefährten. Sie wurden vor ” Trockene brin- rund 10.000 Jahren domestiziert und begleiten seitdem uns Menschen. gen“, Schä- Zwischen Mensch und Schaf besteht seitdem eine enge Verbindung. ” ferstündchen“, Das schwar- ze Schaf“, Schafe gedeihen auf äußerst kargen Böden und unter widrigen klima- ” Der Wolf im tischen Bedingungen. In vielen Regionen ist ihre Haltung die einzige ” Schafspelz“, Ungeschoren Möglichkeit der landwirtschaftlichen Nutzung. ” davonkommen“, Sündenbock“, Die existenzielle Bedeutung der Tiere für die Menschen lässt sich durch ” Das Schaf liegt auf Wol- zahlreiche Mythen, Sagen, Sprüche und Bräuche erkennen. Als symbol- ” le, egal wie es trächtige Figuren sind der Hirte und seine Schafe tief in Mythologie sich wendet“, und Religion verankert. Dem Schaf werden Attribute wie Unschuld Das schwarze Schaf“, Der und Fruchtbarkeit zugeordnet. Vom „Lamm Gottes“ bis zum „guten ” ” ist belämmert“, Den Bock Hirten“ hat die Schafsymbolik im Christentum hohe Aussagekraft. Auch ” zum Gärtner innerhalb der fernöstlichen Tierkreiszeichen steht das Schaf sowohl für machen“, Sie Sanftmut und Sensibilität als auch für Unsicherheit und Abhängigkeit. ist geduldig wie ein Lamm“, Weltweit spielt das Schaf als Opfertier bei rituellen Handlungen eine Schäfchen zäh- wichtige Rolle. len“, Ich habe ” ” keinen Bock“, Einen Bock ” schießen“, Das schwarze Schaf“, Seine Schäfchen ins Trockene bringen“, Schäferstünd- ” ” ” chen“, Das schwarze Schaf“, Der Wolf im Schafspelz“, Ungeschoren davonkommen“, ” ” ” Sündenbock“, Das Schaf liegt auf Wolle, egal wie es sich wendet“, Das schwarze Schaf“, ” ” ” Der ist belämmert“, Den Bock zum Gärtner machen“, Sie ist geduldig wie ein Lamm“, ” ” Schäfchen zählen“, Ich habe keinen Bock“, Einen Bock schießen“, Das schwarze ” ” ” ” Schaf“, Seine Schäfchen ins Trockene bringen“, Schäferstündchen“, Das schwar- ” ” ” ze Schaf“, Der Wolf im Schafspelz“, Ungeschoren davonkommen“, Sündenbock“, ” ” ” Das Schaf liegt auf Wolle, egal wie es sich wendet“, Das schwarze Schaf“, Der ” ” ” < 26 Ausschnitt von den Löffel- holzfenstern der Lorenz- kirche (aus der Werkstatt Albrecht Dürers). Die Fenster zeigen das Wappen der Nürnberger Patrizierfamilie Löffelholz von Kolberg. Es verdeut- licht die vielschichtige Rolle des Schafes in der Symbolik. Als Wappentier steht es für die Haltung und Zucht der Tiere in der Region. Als Teil der christlichen Ikonografie ist es Heilsbringer und steht als „Lamm Gottes“ für die Auferstehung Christi.

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Aufbruch zur Reise durch das Stadtgebiet Schafe bieten Stadtkindern eine der seltenen Gelegen- heiten, einmal Kontakt mit Nutztieren zu haben. Faszination Schafe Der Anblick einer grasenden Herde strahlt Ruhe und Gelassenheit aus und hat besonders für die Menschen innerhalb einer hektischen Großstadtatmosphäre hohe Anziehungskraft. Wenn die Schafe von einer Weide zur anderen wandern, müssen sie Straßen und Plätze, Unterführungen und Brücken überwinden. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art, die Herde im Morgengrauen auf ihrer Reise durch das Stadtgebiet zu begleiten. Noch schlafen die Bürger, die Sonne hat gerade erst den Horizont erhellt. Das leise gemeinsame Traben und Schnauben der Tiere in der frischen Morgenluft wirkt hier seltsam befremdlich. Aber lässt man sich auf entschleunigte Weise vertrauensvoll als Teil der Gemeinschaft auf den alten bekannten Wegen mitziehen, gleitet das Alltagsgesche- hen mit jedem Schritt weiter in die Ferne. Erreicht die Herde ihr Ziel, ergießt sie sich auf die Weide wie ein zum Stillstand kommender Lavastrom. So finden die ersten Spa- ziergänger des Tages ein Naturschauspiel vor, das wie von Zauber- hand dorthin gesetzt wurde. Als Nürnbergerin interessiere ich mich ” schon seit Langem für die Magerrasenflächen, die ich seit meiner Kindheit faszinierend finde – mitsamt der Schafe, die dort manchmal zu sehen sind.“ Pfarrerin Susanne Bammessel, St. Lorenz Nürnberg < 28

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Original und regional Rohwolle, Schaffelle, Lammfleisch, Lammsalami, Schafs oder auch Ziegenkäse – abseits von Massentierhaltung und ohne lange Transportwege werden von unseren lokalen Schäfern die verschiedensten regionalen Produkte erzeugt. Landschafts- pflege, Naturschutz und regionale Wirtschaftskreisläufe werden so miteinander verknüpft. Durch den Verzehr von regionalen Schafs- und auch Ziegenprodukten unterstützen Sie den Naturschutz und helfen unnötige Transporte zu vermeiden. koch tip Marinierzeit: 30 min. Zubereitungszeit: 10 min. Garzeit: 30 min. Lokal Zutaten für 4 Personen: und 1 TL Zimt, gem. Kreuzkümmel, 2 TL Chilipulver nachhaltig, 600g Lammschulter, 200g Aprikosen 2 Zwiebeln, 3 Knoblauchzehen direkt 2 EL Olivenöl, 2 EL Butter, vom Erzeuger 1 Limette, Pfeffer, Salz 2 Lorbeerblätter # Ziegenkäse # schaffelle # Schafskäse # schafwolle # Schafmilch # Filzwolle # Lammkotelett # lammgulasch # lammhaxe < 30 p lamm mit aprikose Zimt, Kreuzkümmel und Chilipulver mischen. Das Fleisch würfeln, in den Gewürzen wälzen und 30 min. kalt stellen. Aprikosen mit kochen- dem Wasser überbrühen und 30 min quellen lassen. Die Hälfte der Aprikosen in einem Sieb abtropfen lassen. Das Quellwasser auf 600ml auffüllen. Die Zwiebeln und den Knoblauch in grobe Stücke schneiden, zu den Aprikosen ins Wasser geben und im Mixer pürieren. In einer Pfanne Öl und Butter erhitzen und die gewürzten Fleischstücke scharf anbraten. Hitze reduzieren und die Aprikosenpaste, die restlichen ganzen Aprikosen, die Lorbeer- blätter und die in Scheiben geschnittene Limette dazugeben. Das Ragout zudecken und je nach gewünschter Konsistenz des Fleisches ca. 15-30 min. köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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# lammgulasch # lammhaxe

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IMPRESSUM

Herausgeber: Stadt Nürnberg Umweltamt Nürnberg

Lina-Amonstr.28, 90471 Nürnberg

Koordination: Gisa Treiber (Biodiversitätsagentur Umweltamt Stadt Nürnberg)

Text und Konzeption: Vera Boser und Gisa Treiber (Umweltamt Stadt Nürnberg), Hiltrud Gödelmann (Referat für Umwelt und Gesundheit Stadt Nürnberg)

Layout: Gerhard Illig Kommunikation

Druck: Gutenberg Druck & Medien GmbH, gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier

©Stadt Nürnberg

Alle Rechte vorbehalten, Nürnberg 2017

2. Auflage 2019

FOTONACHWEISE

Thomas Bachmann: Seite 27 / Chandra Moennsad Photodesign: Seite 5 oben und

Mitte; Seite 11 oben und Mitte rechts; Seite 16-17 unten; Seite 20-21 Mitte; Rückseite / Klaus Müller: Seite 13 unten / Horst Lößl: Seite 16 großes Bild; Seite 18 und 19 alle Fotos / Uschi Sondermann-Dülp: Seite 11, großes Bild; Seite 21 unten / Heidi Stafflinger: Seite 14-15 großes Bild, Seite 22 Mitte und 23 großes Bild / Stadtarchiv Nürnberg: Seite 11 unten (A 40 Nr. L-1309-F2-3) / Christine Dierenbach, Stadt Nürnberg: Seite 3 / Gisa Treiber, Umweltamt Stadt Nürnberg: alle Bilder ohne Seitenverweis / Dzmitry Yaku-

bovich, Shutterstock: Seite 9 oben

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