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Projekt „transform_EMN“ zur Transformation der Automotive-Industrie in der
Europäischen Metropolregion Nürnberg - Zwischenbericht
Sachverhaltsdarstellung:
1. Ausgangslage
In der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) sind über 100.000 Beschäftigte in Unternehmen der Automobil-Zulieferindustrie tätig - das sind mehr als 10 % der Beschäftigten der Deutschen Automobilindustrie. Hierzu zählen 500 kleine und mittlere Unternehmen (KMU), aber auch Großunternehmen in der EMN wie Schaeffler, Brose, LEONI, ZF, Vitesco oder Bosch. Die Region hat Kompetenzen insbesondere in den Bereichen Materialien für die Fahrzeugherstellung, modularen Türsystemen, Bordnetzen, Antriebstechnik, Lagertechnik und Elektromobilität. Zu den Zulieferern kommen zahlreiche KMU des Maschinenbaus mit insgesamt über 60.000 Beschäftigten, die in erheblichem Maße von Aufträgen der regionalen Automobil-Zulieferindustrie abhängen.
Wertschöpfung und Beschäftigung der Region sind derzeit noch stark vom Verbrennungsmotor abhängig. Demensprechend sind fünf der insgesamt 40 deutschlandweit vom automobilen Wandel besonders betroffenen regionalen Hotspots in der EMN verortet.1
Die Arbeitsplätze in der Automobil-Zulieferindustrie sind durch die Transformation der Fahrzeugindustrie gefährdet. Die Schließung des Michelin-Werks im Landkreis Bamberg, die Insolvenz der Bolta-Werke im Nürnberger Land und Umstrukturierungen bei Bosch in Bamberg und MAN in Nürnberg sind deutliche Zeichen für eine zunehmende Transformationsbeschleunigung.
2. Förderprogramm des Bundes
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat ein umfassendes - mit einer Milliarde Euro dotiertes - Paket für „Zukunftsinvestitionen für Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie“ auf den Weg gebracht. Mit diesem soll dieser für Deutschland essenzielle Industriezweig gezielt gestärkt und in der Transformation unterstützt werden. Das Förderprogramm „Regionale Transformationsnetzwerke Fahrzeug- und Zulieferindustrie“ ist eine der Programmlinien im Gesamtpaket. Das mit 200 Millionen Euro ausgestattete Programm fördert umfassende Transformationsnetzwerke in Regionen, die von der Transformation der Fahrzeug- und Zulieferindustrie besonders stark betroffen sind.
3. Erfolgreiche Bewerbung der Europäischen Metropolregion Nürnberg
Um Wertschöpfung und Beschäftigung zu sichern und Innovationsimpulse zu geben, hat die Metropolregion Nürnberg Fördermittel für ein umfassendes Transformationsnetzwerk der metropolitanen Automobilindustrie (Titel: „transform_EMN“) im Förderprogramm Regionale Transformationsnetzwerke Fahrzeug- und Zulieferindustrie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) erfolgreich beantragt. Der Förderbescheid wurde vor wenigen Tagen erteilt.
Konsortialpartner sind: Europäische Metropolregion Nürnberg e.V. (Lead-Partner), Industrie und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Fraunhofer Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB, Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik FAPS der Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, IMU Institut GmbH.
1 Studie „Wirtschaftliche Bedeutung regionaler Automobilnetzwerke in Deutschland“, IW Consult, Köln, 2021
Die fachliche Leitung des Projekts liegt bei der Geschäftsstelle des Forums Wirtschaft und Infrastruktur der Metropolregion Nürnberg, angesiedelt beim Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat der Stadt Nürnberg / Wirtschaftsförderung Nürnberg. Projektbegleitende PR und Öffentlichkeitsarbeit, wie die Umsetzung von drei Metropolkonferenzen, eine Informations- und Bewusstseinskampagne und ein Bürgerbeteiligungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsmuseum wird in enger Kooperation mit der Geschäftsstelle Metropolregion umgesetzt, ebenso wie die formale Projektabwicklung und das Projektcontrolling.
Das Projekt transform_EMN startete am 01.07.2022 und endet am 30.06.2025. Es hat ein Fördervolumen von 6,5 Millionen Euro.
4. Ziel, Inhalt und Gegenstand des Projekts transform_EMN
Im Rahmen des Projektes transform_EMN wird ein Transformationsnetzwerk der Automobilindustrie in der EMN aufgebaut. Das Netzwerk steht im Kontext weiterer bayerischer Projekte (siehe unten).
Im Rahmen des Projektes transform_EMN
wird eine Transformationsstrategie für die Automobil-Zulieferindustrie der Metropolregion Nürnberg aufgestellt, wird der Transformationsreifegrad der kleinen und mittleren Unternehmen der Automobilindustrie in der Metropolregion bestimmt und mitgeführt, werden umfassende Maßnahmen zu Vernetzung, Wissens- und Technologietransfer und Qualifizierung mit Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen initiiert, werden dabei die für die Metropolregion Nürnberg besonders relevanten Themen Fahrzeugelektrifizierung, transformationsgerechte Produktion und Zulieferer-Diversifikation vertieft, werden Belegschaften von kleinen und mittleren Unternehmen für den Wandel der Zulieferindustrie sensibilisiert und motiviert, ihn selbst mitzugestalten und sich weiterzubilden, wird die Region mit ihren Kompetenzen und Transformationszielen sichtbar gemacht - nach innen und nach außen, wird ein gesellschaftlicher Diskurs zum Transformationsprozess und regionalen Wandel angestoßen.
Die von der Transformation betroffenen vorwiegend kleinen und mittleren Unternehmen der Automobil-Zulieferindustrie erhalten im Rahmen des Projektes kostenfrei Zugang zu neuen Angeboten für Wissens- und Technologietransfer und zu neuen Qualifizierungsangeboten. Sie erhalten die Möglichkeit, den eigenen Transformationsreifegrad zu bestimmen und zu verbessern. Sie können im Rahmen des Projektes F&E-Bedarfe identifizieren und mit den Konsortialpartnern in Technologieprojekten umsetzen. Sie erhalten Fachinformation über die Transformation der Automotive-Branche und zu Schlüsseltechnologien. Sie haben erleichterten Zugang zu weiteren Maßnahmen auf gesamtbayerischer Ebene.
Transformationsstrategie Basis für die im Projekt umzusetzenden Maßnahmen bildet eine zu entwickelnde Transformationsstrategie. Hierzu wird im Netzwerk der Wirtschaftskammern und unter Federführung der IHK Nürnberg für Mittelfranken die Ausgangssituation der Automobil-Zulieferindustrie in der EMN analysiert und der Transformationsreifegrad der Unternehmen bestimmt. Gemeinsam mit den betroffenen Unternehmen und Belegschaften wird ein Zukunftsbild und werden konkrete Handlungsoptionen erarbeitet. Die Erkenntnisse aus der Transformationsstrategie dienen zudem der Aktualisierung des Leitbildes für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung (WaBe) der EMN.
Transformationspfad für KMU Parallel zur Strategieentwicklung starten konkrete Maßnahmen zur Vernetzung und Steigerung der Innovationskraft der Automotive-KMU in der EMN. Niederschwellige Formate und Instrumente dienen dem Aufschluss der Automotive-KMU in der Breite und im gesamten Gebiet der EMN. Die KMU werden so auf einen Transformationspfad geführt. Hieraus entsteht u.a. ein Kompetenzatlas Automotive für die Metropolregion.
Innovationsforen Inhaltlich vertieft werden Vernetzung, Qualifizierung und Technologietransfer in drei Schwerpunktthemen, die besondere Bedeutung für die Automotive-KMU in der EMN haben. Hierzu werden folgende drei Innovationsplattformen aufgebaut:
Fahrzeugelektrifizierung Themen: Elektromobilität, Batterietechnik, Wasserstofftechnologien, Bordnetze, Digitalisierung des Fahrzeugs, autonomes Fahren Transformationsgerechte Produktion Themen: Industrie 4.0, Digitalisierung der Produktion, nachhaltige und ressourcenschonende Produktion Zulieferer-Diversifikation Themen: Automotive Health, Branchendiversifikation von Zulieferbetrieben
Empowerment Ein besonderes Augenmerk wird im Projekt auf die Befähigung von Belegschaften in den KMU gelegt, sich bei der Transformation in den Unternehmen selbst mit einzubringen und Qualifizierungschancen zu nutzen.
Zielgruppenansprache und Öffentlichkeitsarbeit Flankiert werden Strategie- und Umsetzungsprozess durch eine zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit. In drei Metropolkonferenzen wird über das Projekt und dessen Fortschritt berichtet. Um auch breite Bevölkerungsschichten für den Transformationsbedarf der Automobilindustrie zu sensibilisieren, wird eine Informationskampagne über Storytelling zu Beispielen einer gelungenen Transformation aufgesetzt. Mit Pop-up-Ausstellungen und interaktiven Formaten an verschiedenen Transformationsorten in der Region wird in Kooperation mit dem Zukunftsmuseum ein gesellschaftlicher Diskurs zu Transformationsprozessen in der Metropolregion angestoßen.
Projektsteuerung Um die Projektziele erreichen zu können, wird ein „Projekt-Office“ eingerichtet, das das Gesamtprojekt, Zielgruppenansprache und die Öffentlichkeitarbeit steuert. Es koordiniert zudem die Ansprache der Unternehmen in der Metropolregion, baut eine Transformations- Community auf und übernimmt zudem die Konzeption zur Weiterführung des Projektes nach dem Ende der Förderung.
Bayernweite Zusammenarbeit Parallel zu transform_EMN entstehen in Bayern drei weitere regionale Transformationsnetzwerke und zwar in Regensburg, Ingolstadt und der Regiopolregion Mainfranken. Alle vier bayerischen Regionalanträge werden flankiert von einem übergreifenden gesamtbayerischen Antrag „transform.by“. Die EMN arbeitet im Projekt transform.by mit und überträgt dort entstehende Erkenntnisse und Maßnahmen auf regionale Ebene.
5. Vorteile und Nutzen
Durch die Umsetzung des Projektes transform_EMN werden positive Effekte für die Metropolregion Nürnberg und damit auch für die Stadt Nürnberg erwartet:
Beitrag zur positiven Gestaltung des Wandels der Automobil-Zulieferindustrie in der Metropolregion Nürnberg, Sicherung von Wachstum und Beschäftigung, Formulieren eines Zukunftsbildes für die Automotive-Branche in der Metropolregion Nürnberg und Fortschreibung des Leitbilds WaBe der Metropolregion des Transformations- Reifegrades der Automotive-KMU in der Metropolregion Nürnberg, Motivation von Belegschaften in metropolitanen KMU, den Wandel der Transformation in der Automotive-Industrie mitzugestalten, Qualifizierung von Belegschaften in metropolitanen KMU für transformationsrelevante Themen, Erhöhung der Innovationskraft von kleinen und mittleren Unternehmen der Automobil- Zulieferindustrie, Aufbau und Weiterführung einer übergreifenden Transformations-Community der metropolitanen Automobil-Zulieferindustrie, Akquise von weiteren Mitteln für die Metropolregion Nürnberg (z.B. im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten), Erprobung neuer Formen der Kooperation in der Metropolregion Nürnberg (z.B. von Wirtschaftsförderungen, Kammern, Verbänden, Wissenschaft, Clustern, Unternehmen, etc.), Erhöhung der Sichtbarkeit der EMN als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Innovationsstandort und Profilierung mit Schwerpunktthemen, Steigerung der Anpassungsfähigkeit (Resilienz) und Offenheit für Veränderungsprozesse in der Region.
Anmerkung zur Diversity-Relevanz Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass diese Maßnahme bestimmte Personengruppen, beispielsweise unterschiedlichen Geschlechts, verschiedener ethnischer Herkunft, mit Behinderungen, unterschiedlichen Alters, sozialer Lage bevorteilt oder benachteiligt. Das Vorhaben ist damit nicht Diversity-relevant. Die Maßnahme hat weder diskriminierende Auswirkungen noch erschließt sie Potenziale für Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung und Chancengleichheit.
Referat VII
Überblicksdarstellung transform_EMN
Quelle: Metropolregion Nürnberg e.V., PureSolution | shutterstock.com, DragonStyle | shutterstock.com, eigene Darstellung