Personenschifffahrtshafen Nürnberg - Entstehung, Entwicklung, Betrieb und aktuelle
Zahlen
Sachverhaltsdarstellung:
1. Entstehung des städtischen Personenschifffahrtshafens Nürnberg
Seit dem Jahr 1992 bildet der Main-Donau-Kanal die durchgehend schiffbare Verbindung von Rhein und Donau. Damit kamen auch die Flusskreuzfahrten nach Nürnberg. Die Stadt Nürnberg investierte in den Jahren 1995/1996 rund 750.000 €, um zwei Liegestellen für Flusskreuzfahrtschiffe (Kabinenschiffe) zu errichten (auf der östlichen Seite des Main-Donau- Kanals, gegenüber dem Güterverkehrszentrum bayernhafen Nürnberg). Das Liegenschaftsamt war für die Anlegestellen verantwortlich.
Ein Boom der Flusskreuzfahrtbranche sorgte für stetig steigende Anlegevorgänge, so dass im Jahr 2006 bereits 439 Schiffe mit 53.000 Touristen anlegten. Mit Ausnahme der Jahre 2009 und 2010 stiegen die Anlegevorgänge jedes Jahr um zweistellige Prozentzahlen. Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, wurde in den Jahren 2010/2011 die Modernisierung und der Ausbau der Anlegestellen für rund 10,5 Millionen Euro beschlossen (vgl. Stadtrat vom 20.10.2010 und vom 11.05.2011). Noch im selben Jahr wurde die Errichtung einer Uferwand in die Wege geleitet. In den Jahren 2013 bis 2015 folgte der technische Ausbau mit der Errichtung der insgesamt zehn Liegeplätze. Im Jahr 2014 wurde die zum Personenschiffahrtshafen führende bzw. an der Kaimauer entlangführende Straße als „Europakai“ benannt.
2. Rechtsform und Betrieb
Seit Abschluss der Baumaßnahmen im Jahr 2015 betreibt die Wirtschaftsförderung Nürnberg den Personenschifffahrtshafen Nürnberg als Betrieb gewerblicher Art. Die Wirschaftsförderung Nürnberg hat dabei die NOA.kommunal GmbH und die Hafen Nürnberg-Roth GmbH mit der Erfüllung einzelner Aufgaben beauftragt. Die Aufteilung der Aufgaben ist wie folgt:
Der Wirtschaftsförderung Nürnberg obliegt der administrative Betrieb des Personenschifffahrtshafen Nürnberg. Dies umfast u.a.: Abwicklung privatrechlichter Nutzungsverträge mit den Reedereien, Marketing, Controlling, Rechnungsstellung, Ausschreibungen für Reparaturen oder Dienstleistungen wie z.B. den Winterdienst, Abstimmung und Einhaltung rechtlicher Bestimmungen mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung als Eigentümer der Wassertraße Main-Donau-Kanal, Abstimmungen mit anderen Dienststellen (z.B. wegen Müllentsorgung, Pachtverträgen oder Trinkwasserbeprobung), Überwachung der seit 2018 geltenden Stromabnahmepflicht der anlegenden Schiffe (alle in Nürnberg anlegenden Flusskreuzfahrtschiffe müssen aufgrund des Luftreinhalteplans die landseitige Stromversorgung nutzen und dürfen die Schiffsmotoren während der Liegezeit nicht verwenden), Optimierung von Abläufen, Abstimmung mit dem Hafenservice vor Ort, Kundenbindung, Überwachung der Einhaltung des Sicherheitskonzepts und regelmäßige Aktualisierung.
Der operative Betrieb vor Ort wird von der NOA.kommunal GmbH durchgeführt und umfasst die Abwicklung der anlegenden Schiffe sowie Reinigungs- und Reparaturarbeiten an der gesamten Anlage.
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Die Hafen Nürnberg-Roth GmbH (= Betreibergesellschaft des Güterverkehrszentrums bayernhafen Nürnberg) hat im Jahr 2020 die elektrische Anlagenverantwortlichkeit für den Personenschifffahrtshafen Nürnberg übernommen und agiert dabei als Dienstleister bei der Wartung und Reparatur der Stromanlage.
3. Aktuelle Zahlen
Die Corona-Pandemie hat auch den Personenschifffahrtshafen Nürnberg erheblich getroffen. Vor der Corona-Krise kamen jährlich bis zu 1.000 Schiffe nach Nürnberg, teilweise lag die Zahl der Anlegevorgänge sogar darüber. Durch die pandemiebedingten Reiseverbote und -einschränkungen gab es im Jahr 2020 mit nur 62 Anlegevorgängen einen Rückgang um 93 % im Vergleich zum Jahr 2019. Für das Jahr 2021 hatten die Reedereien zunächst mit ca. 760 gebuchten Anlegungen optimistisch geplant. Durch die erneuten Reiseverbote und -einschränkungen wurden davon jedoch nur 240 Anlegevorgänge realisiert. Für die kommende Saison 2022 sind derzeit 808 Anlegevorgänge geplant. Aufgrund der weiterhin bestehenden globalen Reiseeinschränkungen fehlen aber noch Buchungen von einzelnen Reedereien. Dies betrifft insbesondere Reedereien, die den australischen und asiatischen Markt bedienen.
langanhaltendes Niedrigwasser
von Juli bis September
1200
1000
e g 800 n ä g r o 600 v e geplant g e ln 400 Anlegevorgänge A
200
0 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Jahr
Abbildung 1: Tatsächliche und geplante Anlegevorgänge von 2016 bis 2022
Die wichtigsten Quellmärkte für in Nürnberg anlegende Schiffe waren vor der Corona- Pandemie die USA (33 %), Australien und Neuseeland (22 %) sowie Kanada und Großbritannien (jeweils 15 %; Stand 2019). Damit kamen 85 % aller in Nürnberg anlegenden Flusskreuzfahrtpassagiere aus dem englischsprachigen Raum. 9 % der Passagiere kamen aus Deutschland oder den Nachbarländern. Im Jahr 2020 kamen aufgrund der Reisebeschränkungen fast ausschließlich deutsche Passagiere oder Reisende aus den Nachbarländern. Im Jahr 2021 konnten auch wieder verstärkt Gäste aus den USA verzeichnet werden.
Vor der Corona-Pandemie waren zwischen 20 und 30 % der Passagiere über 70 Jahre alt, 50 bis 60 % waren im Alter zwischen 51 und 70 Jahren. Im Jahr 2021 waren die Passagiere im Durchschnitt etwas jünger und die Altersgruppe der 51- bis 70-Jährigen war noch stärker vertreten. Diese Verschiebung könnte auf eine besondere Zurückhaltung betagter Menschen infolge der Corona-Pandemie zurückzuführen sein.
Die durchschnittliche Liegezeit der Schiffe in Nürnberg hat sich während der Corona- Pandemie nicht wesentlich geändert und liegt bei ca. 20 Stunden. 95 % der Schiffe halten die Stromabnahmepflicht ein; bei den restlichen Schiffen gibt es meist technische Gründe für die Nichtabnahme.
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Anmerkung zur Diversity-Relevanz Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass diese Maßnahme bestimmte Personengruppen, beispielsweise unterschiedlichen Geschlechts, verschiedener ethnischer Herkunft, mit Behinderungen, unterschiedlichen Alters, sozialer Lage bevorteilt oder benachteiligt. Das Vorhaben ist damit nicht Diversityrelevant. Die Maßnahme hat weder diskriminierende Auswirkungen noch erschließt sie Potenziale für Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung und Chancengleichheit.
Referat VII