Haushaltssperre

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05 Offener Brief Baulust

Anlage · 15.12.2021 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Langwasser Stadtentwicklung & Planung Haushalt & Finanzen Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Demokratische Meinungsbildung und Beteiligung der

Bürgerschaft brauchen Zeit

Die angedachte Nutzung des Bautorsos der Kongresshalle als Ausweichspielstätte und Ersatzarbeitsplatz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsoper und die Schaffung von „Ermöglichungsräumen“ für Kunst und Kultur wäre eines der größten Nürnberger Kulturprojekte der Nachkriegszeit.

Die Kongresshalle ist einer der wichtigsten Bauzeugen des Nationalsozialismus in Deutschland und keine beliebig nutzbare Immobilie. Unser zukünftiger Umgang mit diesem Denkmal für die Zeit des Nationalsozialismus, einem Denkmal für dessen monumentalen, totalitären Herrschaftsanspruch und für dessen Scheitern, wird international Beachtung finden. Als Teil einer Erinnerungslandschaft steht das Gebäude in direkter Beziehung zu anderen Relikten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes und kann daher nicht isoliert gesehen werden.

Der zukünftige Umgang mit der Kongresshalle wird sich auch an dem messen lassen müssen, was bisher an Erinnerungsarbeit in Nürnberg geleistet wurde. Wir dürfen den guten Ruf, den sich Nürnberg in der Auseinandersetzung mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit in den letzten Jahrzehnten erarbeitet hat, nicht leichtfertig verspielen.

Eine gründliche Diskussion der vielen anstehenden offenen Fragen, auch mit überregionaler Beteiligung, kann und darf nicht in so kurzer Zeit geleistet werden. Die Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs und alle Betroffenen der Folgen dieser dunklen Epoche deutscher Geschichte haben schlicht ein Recht darauf, dass eine derart wichtige Entscheidung nicht unter enormem Zeitdruck gefällt wird – zumal die Frage der Opernhaussanierung seit mindestens zehn Jahren auf dem Tisch liegt.

Die Entscheidung über das Operninterim muss daher von der Tagesordnung des Stadtrats am 15. Dezember 2021 genommen und um ein halbes Jahr auf den Mai 2022 vertagt werden.

In der gewonnenen Zeit können die vielen offenen Fragen ergebnisoffen von Politik, Bürgerschaft und regionalen /nationalen /internationalen Experten aus dem Bereich Kultur, Geschichte, Erinnerungsarbeit, Architektur etc. diskutiert und im besten Fall geklärt werden.

Zeitgleich sollten Prüfaufträge an die Stadtverwaltung gestellt werden und unter anderen die folgenden grundsätzlichen Fragen öffentlich diskutiert werden:

„Ermöglichungsräume“ geprüft? Die Chancen für eine positive Stadtentwicklung liegen zukünftig vor allem in Konversionsflächen. Die Stadt muss diese künftig aktiv im Sinne aller weiter entwickeln.

allem auch gemeinwohlorientierte Aspekte in den Mittelpunkt rückt? Eine vorausschauende, gemeinwohlorientierte Stadtentwicklungsplanung berücksichtigt auch die integrationsfördernde Verteilung in den Stadtteilen. Investitionen dieser Größenordnung können sinnvollerweise für eine Aufwertung von vernachlässigten Stadtteilen genutzt werden.

Opernhaus-Geschäftigen ausgebaut wird, was passiert nach deren Auszug in das sanierte Opernhaus mit den Räumlichkeiten? Braucht Nürnberg, konzentriert an diesem Standort, dann wirklich ein derart großes Kunst- und Kulturzentrum? Wäre eine Verteilung auf verschiedene Stadtteile nicht viel sinnvoller?

Künstler kann nur in Verbindung mit der Arbeit des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und der erinnerungskulturellen bzw. historischpolitischen Arbeit gedacht werden. Gäbe es hier überhaupt Synergieeffekte und wenn ja welche? Wie muss eine zukunftsgerichtete Erinnerungskultur konkret aussehen?

genommen werden, das heißt neben dem Täter- auch der Opferort? Wie kann die Stadtgesellschaft den „Bahnhof Märzfeld“ als dem Deportationsort der Nürnberger Jüdinnen und Juden zu einem würdigen Gedenkort machen? Wie das Kriegsgefangenenlager Langwasser mit seinen Tausenden von Opfern?

eines Kulturorts angestrebt werden oder besser nicht? Was genau ist unter einer derartigen „Transformation“ zu verstehen?

notwendigen brandschutzgemäßen Ertüchtigung den langfristigen Unterhalt des denkmalgeschützten Baukörpers finanzieren?

Umsetzung der „Ermöglichungsräume“ beziffert? Wieviel davon müsste die Stadt Nürnberg stemmen?

„Ermöglichungsräume“ und ihres Angebotes gewährleistet werden? Inwieweit wären gleichzeitig Arbeit und Angebote sowie die Existenz der bestehenden Freien Kulturstätten in Nürnberg finanziell gesichert? Wie kann das der Haushalt der Stadt Nürnberg auf Dauer tragen?

Nürnberg, den 21. November 2021

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