BETRIEBSBESCHREIBUNG
FÜR EINEN INTERIMSSTANDORT DES
STAATSTHEATERS NÜRNBERG FÜR
DIE SPARTEN MUSIKTHEATER UND BALLETT
VERTRAULICHES DOKUMENT ZUR AUSSCHLIEßLICHEN VERWENDUNG DER PROJEKTBAUHERRENGRUPPE UND DES LENKUNGSKREISES
PROJEKTSTAND: 05. OKTOBER 2020
INHALT
ABSTRACT .................................................................................................................... 3 Ziel ............................................................................................................................... 3 Problemstellung ........................................................................................................ 3 Künstlerischer Auftrag ............................................................................................ 3 Flächenbedarfe ........................................................................................................ 4 Fazit ............................................................................................................................ 5 EINLEITUNG .................................................................................................................. 6 PROBLEMSTELLUNG .................................................................................................. 6 Existenzgefährdung durch substanzielle Mängel am Opernhaus ................. 6 Standortwahl beeinflusst Betriebsfähigkeit und Attraktivität ....................... 7 KULTURELLER AUFTRAG DES STAATSTHEATERS NÜRNBERG ...................... 7 Fortsetzung des Repertoire-Betriebs .................................................................. 7 Theater der Zukunft erleben .................................................................................. 9 FLÄCHENBEDARF DES INTERIMSSTANDORTS ................................................. 10 Quantitative Flächenbedarfe ................................................................................ 11 Erforderliche Funktionsbereiche für Repertoire-Betrieb ............................. 11 Erhalt autarker Funktionsbereiche reduziert Flächenbedarf ..................... 11 Notwendige Flächenmehrungen ......................................................................12 Realisierbare Flächenreduzierungen .............................................................. 13 Nutzung von Synergieflächen .......................................................................... 13 Qualitative Bedarfe ................................................................................................ 13 Reduzierter Output muss Relevanz des Staatstheaters Nürnberg erhalten ................................................................................................................. 13 Das Gesamterlebnis „Theaterbesuch“ qualitativ erhalten ......................... 14 Interimsstandort als Lebens- und Kulturraum – eingebettet in Stadtentwicklung ................................................................................................ 14 FAZIT ............................................................................................................................ 15 ANLAGE I: Tabellarische Übersicht der Nutzungsflächenbedarfe .................. 16 ANLAGE II: Fragebogen zur Betriebsbeschreibung ............................................. 17 QUELLENVERZEICHNIS ............................................................................................21
ABSTRACT
Ziel Die Betriebsbeschreibung benennt und kontextualisiert die erforderlichen Flächenbedarfe, die an einem Interimsstandort in einer rauen Halle1 für einen Zeitraum von geschätzt zehn Jahren verfügbar sein müssen, um den nahtlosen Fortbetrieb der Sparten Musiktheater und Ballett des Staatstheaters Nürnberg zu sichern.2 Dabei müssen geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, um den künstlerischen Auftrag als größtes Mehrspartenhaus Bayerns fortzuführen. Der ausgewiesene Flächenbedarf ist abhängig von der Festlegung der Abbruchkante innerhalb des bereits sanierten Schauspielhauses und dem Opernhaus sowie der Anordnung der Flächen in der Interimsspielstätte und muss im Rahmen der Planungsphase geprüft und ggf. aktualisiert werden.3
Problemstellung Eine Reihe von Gutachten4 seit 1967 sowie aktuelle Gutachten von HHP Süd5 bestätigen substanzielle gebäudestrukturelle Mängel des Brandschutzes6, Schäden der Statik insbesondere des Dachtragwerks sowie Flächendefizite, die nicht während des Spielbetriebs behoben werden können. Die Fortsetzung des Spielbetriebs der Sparten Musiktheater und Ballett wird dadurch limitiert.7 Durch diese substanziellen Mängel ist ein frühestmöglicher Umzug in einen geeigneten Interimsstandort herbeizuführen. Nur die kurzfristige Bereitstellung und die über geschätzt zehn Jahre garantierte Verfügbarkeit einer geeigneten Interimsspielstätte sichert dem Staatstheater Nürnberg seine Position als kultureller Motor der Metropolregion und der Stadt Nürnberg ihren Status als Kulturstandort. Das Mehrspartenhaus braucht einen Interimsstandort, der die komplexen Arbeitsprozesse des Repertoire-Betriebs abdeckt, gleichzeitig als Kulturraum auch in einer rauen Halle eine hohe Attraktivität für das Publikum ausstrahlt und für eine mehrjährige Nutzung geeignet ist.
Künstlerischer Auftrag Das Staatstheater Nürnberg ist mit über 730 Veranstaltungen der Sparten Musiktheater, Sprechtheater, Ballett und Konzert sowie über 600 festangestellten Mitarbeiter*innen8 das größte Mehrspartenhaus Bayerns und erreicht über 290.000 überwiegend lokale und regionale Besuche pro
1 Anmerkung: Die „raue Halle“ beschreibt die Umnutzung einer innerstädtischen, industriell geprägten Halle zu einer Theaterspielstätte. 2 Anmerkung: Der Betriebsbeschreibung liegt die Annahme zugrunde, dass der Vorstellungsbetrieb der Sparte Schauspiel weiterhin im Schauspielhaus betrieben werden kann und die Philharmonischen Konzerte der Staatsphilharmonie Nürnberg in der Meistersingerhalle oder dem neu zu errichtenden Konzerthaus stattfinden. Für die im Rahmen der Opernhaussanierung erforderlichen Autark-Stellung der Gebäudeinfrastruktur des Schauspielhauses insbesondere der Heizungs- und Lüftungsanlagen ist mit einer temporären Schließung und Unterbrechung des Spielbetriebs zu rechnen. Hieraus können Mehrbedarfe an Flächen und zusätzliche Kosten entstehen. Die Autark-Stellung und ihre Folgen sind nicht Teil dieser Beschreibung und müssen gesondert geprüft werden. 3 Anmerkung: Nicht eingeschlossen sind die Mietflächen der Tochtergesellschaften Staatstheater Nürnberg Service GmbH und Staatstheater Nürnberg Gastronomie GmbH im Parkhaus Sterntor, die Werkstätten im Nordostpark, die Fundus-Flächen in der Frankenstraße sowie der Probebühne in der Fürther Straße. 4 Vgl. Übersicht Gutachten Studien zum BOH ab 1967, Staatstheater Nürnberg, Stand 14.05.2020. 5 Vgl. Brandschutztechnische Stellungnahme, HHP Süd, Juli 2020. 6 Vgl. Listen der Sofortmaßnahmen zum Weiterbetrieb des Opernhauses, Büro HHP Süd, Sept. 2012. 7 Vgl. Übersicht Gutachten Studien zum BOH ab 1967, Staatstheater Nürnberg, Stand 14.05.2020. 8 Unter Berücksichtigung weiterer Mitarbeiter*innen der Tochtergesellschaften Staatstheater Nürnberg Service GmbH und Staatstheater Nürnberg Gastronomie GmbH sowie der Gäste und Aushilfen werden pro Spielzeit rund 1.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt.
Spielzeit.9 Die Sparten Musiktheater und Ballett erzielen dabei eine durchschnittliche Auslastung von 86 %10 und liegen mithin deutlich über dem bundesweiten Auslastungs-Durchschnitt der beiden Sparten von 78 %11. Beide Sparten erreichen im Durchschnitt 876 Personen pro Vorstellung und mit insgesamt 150.000 Besuchen pro Spielzeit über die Hälfte aller Besuche des Mehrspartenhauses.12
Die künstlerische Exzellenz in allen Sparten wird von der Presse national sowie international honoriert.13 Die hohe Qualität und Programmvielfalt sowie der intensive Besucherservice tragen wesentlich zur Attraktivität und dem Erleben des Theaterbesuchs bei. Nur im Repertoire-Betrieb können durch eine präzise Proben- und Veranstaltungsplanung (Disposition), abgestimmte technische Infrastruktur und eng getaktete Logistik, eine effiziente Auslastung des Theaters sichergestellt und jeden Tag wechselnde Produktionen aufgeführt werden.
Das Staatstheater Nürnberg sichert seinen Stellenwert in der Kulturlandschaft in den Sparten Musiktheater und Ballett nur mit einem im Vergleich zum Status quo maximal um 25 % reduzierten Output im Interim. Es erschließt als Theater der Zukunft im Interim gesellschaftspolitische Themen durch innovative künstlerische Formate und gestaltet, bezugnehmend auf den Standort in einer rauen Halle und aufbauend auf aktuellen Entwicklungen, wie der Stadtentwicklung oder Digitalisierung, seine Betriebsorganisation und künstlerischen Prozesse. Im Sinne des kulturpolitischen Auftrags schafft das Staatstheater Nürnberg auch in einer rauen Halle Raum für Begegnung und gesellschaftlichen Diskurs und erreicht die diverse Stadtgesellschaft durch integrative und inklusive Formate, insbesondere im Bereich Theaterpädagogik und Musikvermittlung. Am Staatstheater Nürnberg erreicht der Anteil der Schüler*innen und Abonnent*innen von den Gesamtbesuchen in der Spielzeit 2017/2018 rund 48 %. In einem Vergleich mit acht deutschen Mehrspartenhäusern wird deutlich, wie erfolgreich und wertvoll die Arbeit in der Bindung von Abonnent*innen und Schüler*innen ist. Der Anteil der Schüler*innen und Abonnent*innen an den Gesamtbesuchen liegt in Vergleichstheatern im Jahr 2017/2018 in einer Spanne von 20 % bis 46 % (Durchschnitt 34 %). Das Staatstheater Nürnberg erzielt mit 48 % im Vergleich somit den höchsten Wert.14 Die Bindung der Abonnent*innen und Schüler*innen muss im Interim demnach weiter gewährleistet sein und stellt eine wichtige Investition für die Rückkehr in das generalsanierte Opernhaus dar.
Flächenbedarfe Die für einen Interimsstandort aufgeführten Nutzungsflächen (NUF)15 setzen die gesetzlichen Vorgaben um und beschreiben die Mindestanforderungen, die für die Genehmigungs- und Betriebsfähigkeit erforderlich sind.16 Bei der
9 Vgl. Controlling-Bericht Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2018/2019. 10 Vgl. Theaterstatistik 2017/2018, 53. Ausgabe, Deutscher Bühnenverein Bundesverband der Theater und Orchester. 11 Vgl. Deutscher Musikrat, Deutsches Musikinformationszentrum (Hrsg.), Arnold Jacobshagen, Musikleben in Deutschland - Musiktheater, Bonn, 2019. 12 Vgl. Controlling-Bericht Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2018/2019. 13 Vgl. Pressestimmen Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020. 14 Anmerkung: Die Vergleichstheater sind Theater Augsburg, Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Mainz, Theater Essen, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Nationaltheater Mannheim, Hessisches Staatstheater Wiesbaden. Quelle: Theaterstatistik 2017/2018. 15 Flächen- und Rauminhalte gem. DIN 277:2016. 16 Vgl. BayBo, VStättV, ArbStättV, Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR) etc.
Bemessung der Flächenbedarfe wurden die Mindestwerte aus den geltenden Gesetzen sowie der Bauentwurfslehre (Neufert) abgeleitet. Wenn in der Literatur zum Beispiel für die Berechnung der Foyerflächen zwischen 0,8 m² und 2,0 m² pro Besucher*in angegeben werden, so wurde konsequent der Mindestwert von 0,8 m² pro Besucher*in herangezogen. Dieses Vorgehen wurde entsprechend auf alle Bereiche angewandt. Zudem wird bei der Berechnung der Nutzungsflächen eine deutliche Reduzierung der Sitzplatzkapazität von 1.019 auf 800 Plätze berücksichtigt. Der Nutzungsflächenbedarf beträgt mithin rund 17.000 m2 und schließt wesentliche produktions-, proben- und bühnennahe Flächen sowie Verwaltungsbereiche mit ein.17 Aufgrund der engen Verzahnung von Synergieflächen, insbesondere von Technik- und Probenflächen in Opernhaus, Schauspielhaus und Verbindungsgebäude, ist eine Autark- Stellung des Schauspielhauses im Rahmen des Bauvorhabens Opernhaus zwingend erforderlich, wofür zusätzliche Flächen benötigt werden.18 Bei der Auswahl des Standortes sind neben der garantierten mehrjährigen Verfügbarkeit, zudem quantitative Bedarfe sowie qualitative Anforderungen an die Funktionalität, insbesondere Anordnung der Flächen, die akustische und atmosphärische Raum- und Ortsgestaltung sowie die Erschließung des Standortes zu berücksichtigen.19
Fazit Nur in einer kurzfristig verfügbaren, über mehrere Jahre gesicherten, leistungsfähigen Interimsspielstätte kann der Status des Staatstheaters Nürnberg als Kulturversorger der Metropolregion während einer mehrjährigen Umbauphase des Opernhauses gesichert werden. Aufgrund der substanziellen Mängel im Bestandsgebäude Opernhaus ist ein frühestmöglicher Umzug in eine Interimsspielstätte erforderlich. Die für die Interimszeit favorisierte Campuslösung deckt dabei den erforderlichen Flächenbedarf von insgesamt rund 17.000 m² auf einem zusammenhängenden Areal und nutzt die dort gegebenen Synergieeffekte. Unumgänglich einzubeziehen sind die für den Repertoirebetrieb notwendigen und bühnennahen Funktionsbereiche sowie die für das Theatererlebnis essenziellen Flächen für Besucherservice und Besuchergastronomie.
17 Vgl. Anlage I sowie Flächenschema Interim Staatstheater Nürnberg; Anmerkung: Die Gebäude- und Raumflächendatenbank der Stadt Nürnberg weist für das Opernhaus eine Netto-Raumfläche von 26.280 m² aus, hiervon sind 18.980 m² (72,8 %) als Nutzungsfläche (NUF) definiert. 18 Anmerkung: Zur Aufrechterhaltung des Probenbetriebs müssen die Probebühnen der Schauspielsparte im Interimsstandort abgebildet werden. Die erforderliche Autark-Stellung des Schauspielhauses während der Umbauphase des Opernhauses gilt es gesondert zu prüfen. 19 Anmerkung: Bei Auslagerung von Funktionsbereichen (dezentrale Lösung) ist mit Flächenmehrbedarfen durch den Wegfall von Synergieflächen und zusätzlichen Kosten zu rechnen.
EINLEITUNG
Die Betriebsbeschreibung benennt den quantitativen Flächenbedarf gemessen an den gesetzlichen Mindestanforderungen an eine mehrjährig verfügbare Interimsspielstätte, die frühestmöglich für die Sparten Musiktheater und Ballett zur Verfügung stehen muss.
Eingeschlossen sind die Flächenbedarfe aus dem ebenfalls zu sanierenden Mittelbau, in dem insbesondere die Probebühnen der Sparten inklusive der Schauspielsparte, die Verwaltung, Lager und Kantine verortet sind. Weiterhin autark betreibbare Flächen bleiben bestehen und werden nicht im Flächenbedarf der Interimsspielstätte abgebildet. Dazu zählen der Vorstellungsbetrieb der Sparte Schauspiel, der weiterhin im angrenzenden Schauspielhaus angesiedelt bleibt sowie die Konzertsparte, deren Philharmonischen Konzerte in der Meistersingerhalle oder im neu zu errichtenden Konzerthaus stattfinden.20 Auch die Büroräume der Tochtergesellschaften für Besucherservice und Besuchergastronomie und des Abonnementbüros im Parkhaus Sterntor bleiben während der Umbauphase bestehen.21 Der aufgeführte Flächenbedarf ist abhängig von der Festlegung der Abbruchkante innerhalb des zusammenhängenden Gebäudekomplexes aus dem bereits sanierten Schauspielhaus, dem unsanierten Mittelbau und angrenzenden Opernhaus. Der Flächenbedarf ist zudem abhängig von der Anordnung der Flächen in der Interimsspielstätte und muss im Rahmen der Planungsphase geprüft und ggf. aktualisiert werden.
Die Unterlage erläutert quantitative Bedarfe, die sich aus den gesetzlichen Vorgaben und den Mindestanforderungen für die Betriebsfähigkeit der Sparten ergeben. Daneben definiert die Betriebsbeschreibung auch die für das Interim in der rauen Halle angepassten qualitativen Anforderungen, die dem künstlerischen Auftrag entspringen. Die Betriebsbeschreibung knüpft an die Auswertung spezifischer Gutachten und mehrjährige Voruntersuchungen der Projektbauherrengruppe sowie Zusammenfassungen der technischen Planungen (z. B. BOH Raumprogramm, Flächenschema) an und ergänzt diese um qualitative Interviews zur Erfassung und Beschreibung des künstlerischen Profils im Interimsstandort.
PROBLEMSTELLUNG
Existenzgefährdung durch substanzielle Mängel am Opernhaus Eine Reihe von Gutachten22 seit 1967 sowie aktuelle Gutachten von HHP Süd23 bestätigen substanzielle gebäudestrukturelle Mängel des Brandschutzes24, Schäden der Statik insbesondere des Dachtragwerks sowie Flächendefizite, die nicht während des Spielbetriebs behoben werden
20 Die Autark-Stellung des Schauspielhauses während der Umbauphase des Opernhauses gilt es gesondert zu prüfen. Die Probebühnen des Schauspielhauses sind im Interim abzubilden und daher in den ausgewiesenen Flächenbedarfen enthalten. 21 Anmerkung: Nicht eingeschlossen sind neben den Mietflächen der Tochtergesellschaften Staatstheater Nürnberg Service GmbH und Staatstheater Nürnberg Gastronomie GmbH im Parkhaus Sterntor, auch die Werkstätten im Nordostpark, die Fundus-Flächen in der Frankenstraße sowie der Probebühne in der Fürther Straße. 22 Vgl. Übersicht Gutachten Studien zum BOH ab 1967, Stiftung Staatstheater Nürnberg, Stand 14.05.2020. 23 Vgl. Brandschutztechnische Stellungnahme, HHP Süd, Juli 2020. 24 Vgl. Listen der Sofortmaßnahmen zum Weiterbetrieb des Opernhauses, Büro HHP Süd, September 2012.
können. Die Fortsetzung des Spielbetriebs der Sparten Musiktheater und Ballett wird dadurch limitiert25 und begrenzen die Restlaufzeit des Opernhauses.26 Der frühestmögliche Umzug in einen für geschätzt zehn Jahre verfügbaren Interimsstandort wird bereits durch diese substanziellen Mängel definiert.
Standortwahl beeinflusst Betriebsfähigkeit und Attraktivität Neben der frühestmöglichen Verfügbarkeit ist die Auswahl eines garantiert mehrjährig verfügbaren Standortes ausschlaggebend für die Sicherung der Existenz des Staatstheaters. Das Mehrspartenhaus braucht mit einer rauen Halle einen Ort, der die komplexen Arbeitsprozesse des Repertoire-Betriebs abdeckt, als Kulturraum eine eigene Attraktivität für das Publikum ausstrahlt und wo trotz der deutlichen Reduzierungen hohe künstlerische Qualität angeboten werden kann.
KULTURELLER AUFTRAG DES STAATSTHEATERS
NÜRNBERG
Fortsetzung des Repertoire-Betriebs Das Staatstheater Nürnberg ist mit über 730 Veranstaltungen der Sparten Musiktheater, Sprechtheater, Ballett und Konzert das größte Mehrspartenhaus Bayerns und erreicht über 290.000 überwiegend lokale und regionale Besuche pro Spielzeit. Die Sparten Musiktheater und Ballett erzielen dabei eine durchschnittliche Auslastung von 86 %27 und liegen mithin deutlich über dem bundesweiten Auslastungs-Durchschnitt der beiden Sparten von 78 %.28 Beide Sparten erreichen im Durchschnitt 876 Personen pro Vorstellung und mit insgesamt 150.000 Besuchen über die Hälfte aller Besuche des Mehrspartenhauses.29 Die künstlerische Exzellenz in allen Sparten wird von der Presse national sowie international honoriert.30
Der Theaterbetrieb des Staatstheaters Nürnberg ist, wie der Betrieb der großen Mehrspartenhäuser in Deutschland, als so genannter Repertoire- Betrieb organisiert.31 Der Repertoire-Betrieb ist die in den deutschsprachigen Ländern übliche Betriebsform, die sich u. a. durch feste künstlerische Ensembles, die Kombination mehrerer Sparten an einem Haus und – daher der Name -, die Etablierung eines Repertoires an Produktionen auszeichnet. Dadurch wird eine hohe Aufführungsfrequenz und Varianz des Angebotes erreicht. Hierauf baut das Abonnement-System auf, das langfristig Kunden bindet und dem Theaterbetrieb Planungssicherheit und Liquidität verschafft.32
Nur der Repertoire-Betrieb bietet eine hohe Produktivität und Vielseitigkeit des Spielplanangebots und die hohe künstlerische Qualität des kontinuierlich aufeinander eingespielten Ensembles. Zudem bietet der
25 Vgl. Übersicht Gutachten Studien zum BOH ab 1967, Stiftung Staatstheater Nürnberg, Stand 14.05.2020. 26 Vgl. Brandschutztechnische Stellungnahme, HHP Süd, Juli 2020. 27 Vgl. Theaterstatistik 2017/2018, 53. Ausgabe, Deutscher Bühnenverein Bundesverband der Theater und Orchester. 28 Vgl. Deutscher Musikrat, Deutsches Musikinformationszentrum (Hrsg.), Arnold Jacobshagen, Musikleben in Deutschland - Musiktheater, Bonn, 2019. 29 Vgl. Controlling-Bericht Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2018/2019. 30 Vgl. Pressestimmen Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020. 31 Vgl. http://www.buehnenverein.de/de/theater-und-orchester/theater-und-orchesterlandschaft.html 32 Vgl. Deutscher Musikrat, Deutsches Musikinformationszentrum (Hrsg.), Arnold Jacobshagen, Musikleben in Deutschland - Musiktheater, Bonn, 2019, S. 260.
Repertoire-Betrieb eine gesteigerte Attraktivität und Reichweite, ermöglicht die Etablierung eines Abonnentensystems durch Aufbau und Pflege des Publikums sowie die optimale Bewirtschaftung des Theaters durch die Gestaltungsmöglichkeiten und Planungssicherheit.33 Allein durch das Repertoire-System können mehrere Produktionen parallel geprobt und somit in jeder Spielzeit eine Vielzahl verschiedener Werke aufgeführt werden, darunter viele Neuinszenierungen, die ergänzt werden durch eine Reihe von Wiederaufnahmen älterer Produktionen. Der tägliche Wechsel von Produktionen erzeugt eine hohe Programmvielfalt und Attraktivität für Besucher*innen und Abonnent*innen.
Das Staatstheater Nürnberg hat mit rund 600 festangestellten Mitarbeiter*innen34 und festen Ensembles einen hochqualifizierten Personalstamm, der auch im Interim weiterbeschäftigt wird. Die Mitarbeiter*innen und Künstler*innen sind auf die Betriebsart des Repertoire-Betriebs spezialisiert. Die Arbeitsabläufe, Probenprozesse, Veranstaltungsdisposition sowie Vertriebs- und Abonnementstrukturen sind auf diese Form des Theaters zugeschnitten: Das Staatstheater Nürnberg verfügt mit der Staatsphilharmonie Nürnberg und dem Opernchor über feste Ensembles, die zahlreiche Werke im Repertoire haben. Das Sängerensemble eignet sich für die Partien unterschiedlichster Opern, Operetten und Musicals. Auch die Techniker*innen sind in einem Zwei-Schicht-Betrieb imstande, die Bühnenbilder täglich in zwei Phasen auf- und abzubauen und die Licht- und Tontechnik neu anzupassen. Die Frühschicht beginnt um 7:00 Uhr das Bühnenbild des Vorabends mit dem Bühnenbild für die Vormittagsprobe zu tauschen. Um 15:00 Uhr wird die Mannschaft von der zweiten Schicht der Ton-, Licht- und Bühnentechniker*innen abgelöst, die das Bühnenbild für die Vorstellung am Abend erneut umbauen. Wenn es erforderlich ist, werden die Bühnenbilder oder die Veranstaltungstechnik in Nachtschichten wieder rückgebaut. So wird ein fortlaufender Spielbetrieb an sieben Tagen in der Woche und an 325 Tagen im Jahr ermöglicht.35 Ebenfalls im Schichtsystem arbeiten die Mitarbeiter*innen in den Abteilungen Maske, Kostüm und Requisite. Für diese Abteilungen sind bühnennahe Werkstätten und Lagerkapazitäten erforderlich.
Daneben sind auch die Abteilungen Marketing, Kommunikation, Vertrieb, Besucherservice und Besuchergastronomie auf den Repertoire-Betrieb ausgelegt und spezialisiert. Durch täglich wechselnde, produktionsbezogene Kommunikation ist eine agile und attraktive Außendarstellung des Staatstheaters möglich. Täglich berichten lokale sowie überregionale Print- und Onlinemedien über die hohe Qualität und Vielfalt am Staatstheater Nürnberg.36
Im Repertoire-Betrieb bindet das Staatstheater seit Jahren rund 12.000 Abonnent*innen, die in rund 30 verschiedenen Abonnements eine große Auswahl attraktiver Angebote finden.37 Die Sparten Musiktheater und
33 Vgl. Deutscher Musikrat, Deutsches Musikinformationszentrum (Hrsg.), Arnold Jacobshagen, Musikleben in Deutschland - Musiktheater, Bonn, 2019, S. 262. 34 Unter Berücksichtigung weiterer Mitarbeiter*innen der Tochtergesellschaften Staatstheater Nürnberg Service GmbH und Staatstheater Nürnberg Gastronomie GmbH sowie der Gäste und Aushilfen werden pro Spielzeit rund 1.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt. 35 Die jährliche Spielzeitpause von Ende Juli bis Anfang September umfasst ca. 40 Kalendertage. 36 Vgl. Pressestimmen Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020. 37 Vgl. Controlling-Bericht Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2018/2019; https://staatstheaternuernberg.de/uebersicht/abos.
Ballett erreichen pro Spielzeit rund 150.000 Besuche. Am Staatstheater Nürnberg erreicht der Anteil der Schüler*innen und Abonnent*innen von den Gesamtbesuchen in der Spielzeit 2017/2018 rund 48 %. In einem Vergleich mit acht deutschen Mehrspartenhäusern wird deutlich, wie erfolgreich und wertvoll die Arbeit in der Bindung von Abonnent*innen und Schüler*innen ist. Der Anteil der Schüler*innen und Abonnent*innen an den Gesamtbesuchen liegt in Vergleichstheatern im Jahr 2017/2018 in einer Spanne von 20 % bis 46 % (Durchschnitt 34 %). Das Staatstheater Nürnberg erzielt mit 48 % somit den höchsten Wert.38 Den in Nürnberg - entgegen anders laufender Entwicklungen39 - starken Abonnentenstamm gilt es auch durch die nahtlose Fortsetzung in einem mehrjährigen Interim durch einen attraktiven Repertoire-Betrieb zu pflegen und durch eine ausreichende Infrastruktur zu sichern.40 Als positive Erfahrung mit einer Interimssituation kann die Sanierung des Schauspielhauses angeführt werden. Damals wurde der Repertoire-Betrieb der Sparte Schauspiel fortgesetzt und der Abonnentenstamm weitestgehend erhalten.
Theater der Zukunft erleben Neben den Produktionen der Sparten Musiktheater und Ballett gilt es, anknüpfend an den kulturpolitischen Auftrag, der auch in der Interimszeit Gültigkeit hat, das Theater der Zukunft zu formen. Dabei passt sich das Theater an die neuen Gegebenheiten in einer rauen Halle an. Ausgestattet mit den technischen Voraussetzungen für einen Repertoire-Betrieb sollen Programmvielfalt, Innovativität und hohe künstlerische Qualität bestehende Besuchergruppen binden und mit Blick auf den jeweiligen Interimsstandort
- wenn möglich – auch neue Besuchergruppen angesprochen werden.
Theater ist Emotion, theatrale Fiktion, Diskurs und Unterhaltung.41 Unter Berücksichtigung der Stadtentwicklung sowie von Megatrends, wie dem Demographischen Wandel, der Digitalisierung, Konnektivität, Urbanisierung, Wissenskultur oder Mobilität sowie den Veränderungen im Rezeptionsverhalten von Besucher*innen bringt das Staatstheater Nürnberg in der rauen Halle angepasste Ausdrucksformen zur Aufführung.42 Die Aufgaben des Theaters bestehen auch im Interim in der Pflege, Neubewertung und Fortschreibung des klassischen Kanons, der Arbeit am Bildungsauftrag und der Etablierung zeitgenössischer Diskurse. So wird das Theater in einer rauen Halle zum Kunst-Ort und zum Debatten-Ort der Stadtgesellschaft. Zuschauer*innen besuchen das Theater, um sich unterhalten zu lassen und auf die Frage nach dem Menschen im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft Antworten zu finden. Dabei nimmt die Ergänzung der im Rahmen eines Theaterbesuchs angebotenen Leistungen eine zentrale Rolle ein. Längst ist für das Erlebnis Theaterbesuch nicht mehr nur die künstlerische Leistung auf der Bühne relevant, sondern eine Vielzahl begleitender Services,43 wie die Anbindung an den ÖPNV, kurze Anfahrtswege, ein wertschätzender Besucherservice,
38 Anmerkung: Die verglichenen Mehrspartenhäuser erzielen zw. 185.000 und 350.000 Besuchen; Theater Augsburg, Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Mainz, Theater Essen, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Nationaltheater Mannheim, Hessisches Staatstheater Wiesbaden. Quelle: Theaterstatistik 2017/2018. 39 Vgl. Fill Every Seat – Every Week, Magnus Still. 40 Vgl. Negativbeispiel für Besucherrückgang: Oper Köln, Deutscher Musikrat, Deutsches Musikinformationszentrum (Hrsg.), Arnold Jacobshagen, Musikleben in Deutschland - Musiktheater, Bonn, 2019, S. 268. 41 Vgl. https://www.kubi-online.de/artikel/theater-kulturelle-bildung 42 Vgl. https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrends/ 43 Vgl. Studie des Deutschen Bühnenvereins, 2002: Auswertung und Analyse der repräsentativen Befragung von Nichtbesuchern deutscher Theater, S. 14.
ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot mit Vor-, Pausen- und Nachbewirtung sowie eine agile kommunikative Begleitung über analoge und digitale Medien.44 Diese begleitenden Services stellen einen untrennbaren Teil des Theaterbetriebs dar und definieren hohe Anforderungen an die Auswahl eines geeigneten Interimsstandortes.
Das Staatstheater Nürnberg setzt auch im Interim seine Kundenbindungsstrategie fort, um verschiedene Zielgruppen zu erreichen. Neben den zahlenden Besucher*innen und Abonnent*innen gehört die Heranführung junger Menschen, wie der Schüler*innen im Rahmen der Schulplatzmiete zu den zentralen Aufgaben, für die der Interimsstandort geeignete Flächen und Infrastruktur vorsehen muss. Aktive Zielgruppen, die durch eine intensive langjährige Arbeit aufgebaut und an das Staatstheater Nürnberg gebunden wurden, wie z. B. der Kinderchor des Staatstheaters Nürnberg und die Jugendclubs der Theaterpädagogik müssen im Interim weiter integriert werden. Auch durch die Einbeziehung und Pflege dieser Gruppen, welche die Diversität der Nürnberger Stadtgesellschaft abbilden, gelingt es dem Staatstheater Nürnberg seine gesellschaftliche Relevanz zu behaupten.
Mit der Fortsetzung des Repertoire-Betriebs werden massive Eingriffe in die Organisation und die Personalstruktur sowie große Risiken für die Kostenentwicklung und Einnahmepotentiale sowie die künstlerische Qualität verhindert. Die dafür benötigten Flächenanforderungen, insbesondere der Bühnen- und Probenflächen, der Technik- und Lagerflächen sowie der Flächenbedarfe für die Verwaltung und Gastronomie, werden im folgenden Kapitel dargestellt.
FLÄCHENBEDARF DES INTERIMSSTANDORTS
Um den Auftrag des Staatstheaters Nürnberg erfüllen zu können, definiert der ermittelte Nutzungsflächenbedarf (NUF) gemäß DIN 277:2016 anhand quantitativer und qualitativer Mindestanforderungen aus den geltenden Gesetzen sowie der Bauentwurfslehre (Neufert), die für die Genehmigungsund Betriebsfähigkeit in einer über geschätzt zehn Jahre gesicherten Spielstätte im Interim erforderlich sind. Wenn in den Gesetzen oder der Bauentwurfslehre zum Beispiel für die Berechnung der Foyerflächen zwischen 0,8 m² und 2,0 m² pro Besucher*in angegeben werden, so wurde konsequent der Mindestwert von 0,8 m² pro Besucher*in herangezogen. Dieses Vorgehen wurde entsprechend auf alle Bereiche angewandt.
Dem Flächenbedarf für die Sparten Musiktheater und Ballett liegen die Auswertung von Voruntersuchungen und Gutachten sowie das BOH Raumprogramm und das Funktionsschema zugrunde.45 Bei der Ermittlung des Flächenbedarfs ist eine deutliche Reduzierung der Sitzplatzkapazität von 1.019 auf 800 Plätze berücksichtigt. Damit liegt die Kapazität im Interim leicht unter der durchschnittlichen Auslastung je Vorstellung der beiden Sparten im Status quo.
44 Vgl. Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020. 45 Vgl. Flächenschema Interim Staatstheater Nürnberg; BOH Raumprogramm, Stand 25.9.2020.
Quantitative Flächenbedarfe Für den Interim wird daraus ein Flächenbedarf von rund 17.000 m2 abgeleitet.46 Die Summe beinhaltet die gemäß DIN 277:2016 erfassten Nutzungsflächen sowie die insbesondere für Besuchereinlass, Bewirtung und Veranstaltungen genutzten Foyerflächen als betriebsrelevante Verkehrsflächen. Das Funktionsschema weist die für einen funktionierenden Repertoire-Betrieb notwendigen Flächen umfassend aus.47
Erforderliche Funktionsbereiche für Repertoire-Betrieb Der ausgewiesene Flächenbedarf erfasst Opernzentrum, Ballettzentrum, Generalmusikzentrum, Bühnenwerkstätten, Bühnenbetrieb, Veranstaltungstechnik, Fundi, Kostüm, Maske und Requisite sowie Gastronomie, Foyers und Zuschauerraum sowie Gebäude- und Facility- Management.48 Eingeschlossen sind auch die Flächenbedarfe aus dem ebenfalls zu sanierenden Verbindungsgebäude zwischen Schauspiel- und Opernhaus, in dem insbesondere die Proberäume der Sparte Schauspiel, die Verwaltung, Lager und Kantine verortet sind. Der Repertoire-Betrieb stellt spezifische Anforderungen an Probe-, Seiten-, Hinter- und Hauptbühne. Die deutliche Reduzierung der Spielfrequenz um 25 % resultiert unter anderem aus der Annahme, dass die Bühnentechnik in einer rauen Halle im Vergleich zum Status quo deutlich zu verändern ist und auf technisch aufwändige Installationen, wie eine Obermaschinerie verzichtet wird. Diese Reduzierung ist durch ausreichend dimensionierte Seiten- und Hinterbühnen zu kompensieren. Unverändert setzt der Probenbetrieb Probebühnen in Originalgröße der Hauptbühne voraus. Nur so können Darsteller*innen ihre Bewegungen im Verhältnis von Zeit und Raum proben und die technischen Einrichtungen synchronisiert werden. Der im Interim um 219 Sitze deutlich verkleinerte Zuschauerraum soll auf eine so genannte Guckkastenbühne49 ausgerichtet werden.50
Erhalt autarker Funktionsbereiche reduziert Flächenbedarf Weiterhin autark betreibbare Flächen bleiben bestehen und werden nicht im Flächenbedarf der Interimsspielstätte abgebildet. Dazu zählen der Vorstellungsbetrieb der Sparte Schauspiel, der weiterhin im angrenzenden Schauspielhaus angesiedelt bleibt sowie der Vorstellungsbetrieb der acht Philharmonischen Konzerte pro Spielzeit, die in der Meistersingerhalle oder im neu zu errichtenden Konzerthaus stattfinden. Die Autark-Stellung des Schauspielhauses während der Umbauphase des Opernhauses gilt es gesondert zu prüfen und ggf. erforderliche Flächenmehrbedarfe zu ermitteln. Die drei Probebühnen der Sparte Schauspiel sind aufgrund des Abbruchs des Mittelbaus im Interimsstandort zu integrieren. Auch die Büroräume der Tochtergesellschaften für Besucherservice und Besuchergastronomie und des Abonnementbüros im Parkhaus Sterntor bleiben während der Umbauphase bestehen.
46 Anmerkung: Der aufgeführte Flächenbedarf ist abhängig von der Festlegung der Baugrenze innerhalb des Baukörpers sowie der Anordnung der Flächen in der Interimsspielstätte und muss im Rahmen der Planungsphase geprüft und ggf. aktualisiert werden. Die Gebäude- und Raumflächendatenbank der Stadt Nürnberg weist für das Opernhaus eine Netto-Raumfläche von 26.280 m² aus, hiervon sind 18.980 m² (72,8 %) als Nutzungsfläche NUF definiert. 47 Vgl. Tabellarische Übersicht und Flächenschema Interim Staatstheater Nürnberg. 48 Vgl. Flächenschema Interim Staatstheater Nürnberg. 49 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Guckkastenbühne 50 Anmerkung: Je nach Ausgestaltung der Zuschauertribüne kann der Flächenbedarf variieren.
Notwendige Flächenmehrungen Im Status quo entspricht der Zustand vieler Räume nicht den gesetzlichen Vorgaben.51 Um die Genehmigungs- und Betriebsfähigkeit des Interimsstandortes zu erwirken, wurden daher bei der Berechnung der Flächenbedarfe die quantitativen und qualitativen Mindestanforderungen aus den geltenden Gesetzen sowie der Bauentwurfslehre (Neufert) zugrunde gelegt.
Nach aktuellem internen Planungsstand liegt die Flächenunterdeckung im Jahr 2020 tatsächlich bei rund 49 %.52 Im Interim wird diese Unterdeckung nicht ausgeglichen und ein geringerer Flächenbedarf, als im Bestandsgebäude aufgerufen. Dennoch kommt es in einigen Funktionsbereichen zu notwendigen Flächenmehrungen, die exemplarisch aufgeschlüsselt werden sollen: Im Interim ist die Einrichtung eines Ballettprobenzentrums mit einer Probebühne in Originalgröße der Hauptbühne sowie adäquater Duschen, Umkleiden und eines Physiotherapie-Raums mit einem Flächenmehrbedarf im Vergleich zum Status quo von rund 500 m2 erforderlich. Aktuell finden notwendige Bühnenproben auf der Bühne des Opernhauses statt, was nur durch aufwendige Umbauphasen am Vormittag und einer technischen Ausstattung mit Obermaschinerie möglich ist, welche im Interim nicht gegeben sein wird. Berechnungen zum Interimsspielplan zeigen, dass deshalb mindestens 64 Bühnenproben wegfallen werden.53 Die Ausstattung des Ballettprobenzentrums ist zur Sicherung der Betriebsfähigkeit und Qualität der Sparte Ballett zwingend erforderlich. Die Staatsphilharmonie Nürnberg spielt im Opernhaus pro Saison 150 Vorstellungen, davon 21 Konzerte sowie 129 Vorstellungen im Musiktheater und Ballett. Für diese spartenübergreifende Arbeit ist eine enge Verzahnung und direkte Koppelung der Funktionsbereiche erforderlich. In der Meistersingerhalle finden lediglich die Generalproben und Vorstellungen der acht Philharmonischen Konzerte statt. Aus diesem Grund müssen alle Flächen für Direktion, Proben, Stimmzimmer, Lager, Bibliothek, Notenlager etc. dauerhaft im Interim vorhanden sein. Daneben resultieren für das Generalmusikzentrum Mehrbedarfe von rund 400 m2 aus der notwendigen Erweiterung der Abendgarderoben und der Bürogrößen, die aktuell, entgegen der gesetzlichen Regelungen, mehrfach belegt und multifunktional genutzt werden. Im Status quo fallen Sanitäranlagen, Instrumentenlager, Repetitions- und Stimmzimmer mit den Umkleiden der Orchestermusiker*innen zusammen. Auch in den Bereichen Kostüm, Maske und Requisite müssen gesetzliche Mindestanforderungen erfüllt werden. Für die Erweiterung der Leitungsbüros und Werkstätten sowie der erforderlichen Trennung der Umkleiden für Damen und Herren ergibt sich ein Flächenmehrbedarf von rund 200 m2. Auf einer Fläche von 330 m² werden im Interim die Funktionsbereiche einer Gastronomie für maximal 100 Personen realisiert. Diese zusätzliche Gastronomie ist erforderlich, da durch die Ansetzung des Mindestwertes von 0,8 m² pro Person für die Berechnung der Foyerflächen keine zeitgemäße Bewirtung sichergestellt werden kann. Während im Status quo
51 Vgl. einschlägige Gesetze und Regelungen insbesondere BayBo, VStättV, ArbStättV, Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR), Neufert etc. 52 Vgl. BOH Raumprogramm, Stand 25.9.2020. Die Verifizierung der Flächenunterdeckung erfolgt durch den beauftragten Projektentwickler. 53 Vgl. Auswertung Künstlerisches Betriebsbüro Staatstheater Nürnberg.
für die auch zur Bewirtung genutzten Foyerflächen 1,4 m² pro Besucher*in und insgesamt rund 1.450 m² zur Verfügung stehen, werden im Interim lediglich 640 m² Foyerfläche angesetzt. Ein zeitgemäßes, gastronomisches Angebot entspricht der Erwartung der Besucher*innen, rundet den Theaterbesuch zeitgemäß ab, trägt zudem wesentlich zur Aufwertung der Attraktivität der rauen Halle bei und kann die Besucherfrequenz am Interimsstandort steigern.54 Dies gilt umso mehr, da die raue Halle voraussichtlich nicht mit einer dem Opernhaus vergleichbaren Architektur und kulturellen Identität aufwarten kann, welche für sich gesehen bereits Anziehungspunkte für einen Theaterbesuch darstellen.
Realisierbare Flächenreduzierungen Neben Flächenmehrungen ergeben sich Flächenreduzierungen von insgesamt rund 1.100 m² aus Flächensparsamkeit sowie den Synergieeffekten, die bei der Raumplanung und Neuanlage von Flächen realisiert werden.
Nutzung von Synergieflächen Dem Flächenbedarf liegt die Annahme zugrunde, dass die Flächen der einzelnen Abteilungen in einer so genannten Campuslösung, möglichst kostensparend an einem Ort zusammenhängend abgebildet werden. Denn nur bei einer zentralen Lösung an einem Standort können Synergieflächen genutzt werden. Sollten einzelne Funktionsbereiche an separate Standorte ausgelagert werden, muss von einem deutlich höheren Nutzungsflächenbedarf ausgegangen werden. Im Gesamtkomplex am Richard-Wagner-Platz bestehend aus Opernhaus, Mittelbau und Schauspielhaus, beträgt der Anteil an Synergieflächen 26 % der Gesamtnutzungsfläche. Erweitert man die Betrachtung auf alle Nutzungsflächen inklusive der Mietflächen in der Fürther Straße, im Parkhaus Sterntor, in der Frankenstraße und im Nordostpark, beträgt der Anteil der Synergieflächen sogar rund 40 % der Gesamtnutzungsfläche. Im Interim sowie bei der Autark-Stellung des Schauspielhauses müssen daher die bislang synergetisch genutzten Flächen im Rahmen der Planung berücksichtigt werden.
Qualitative Bedarfe Neben quantitativen Bedarfen sind qualitative Anforderungen an die Funktionalität, die akustische und atmosphärische Raum- und Ortsgestaltung sowie die Erschließung des Standortes zu berücksichtigen.55 Im Status quo stellen neben dem Kernprodukt vor allem die historische Architektur, die zentrale Lage sowie die hervorragende verkehrstechnische Erschließung wesentliche Anziehungsfaktoren dar. Durch die Programmvielfalt des Repertoire-Betriebs und eine zeitgemäße Gastronomie kann die Besuchsfrequenz gesichert und die Bindung von Besucher*innen und Abonnent*innen erreicht werden.
Reduzierter Output muss Relevanz des Staatstheaters Nürnberg erhalten Anhand des Spielplans des Musiktheaters und des Balletts der Spielzeit 2019/2020, wurde eine im Vergleich zum Status quo um 25 % deutlich
54 Vgl. Besucherbefragung Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020. 55 Anmerkung: Bei Auslagerung von Funktionsbereichen (Dezentrale Lösung) ist mit Flächenmehrbedarfen durch den Wegfall von Synergieflächen und zusätzlichen Kosten zu rechnen.
reduzierte Spielfrequenz für die Interimszeit berechnet.56 Zum Erhalt einer annähernd vergleichbaren künstlerischen Qualität sowie der Fortsetzung der Besucherbindung müssen die Rahmenbedingungen für einen Output von mindestens 75 % im Vergleich zum Status quo geschaffen werden.57 Ausgehend von diesem deutlich reduzierten Output, hat die Auswertung der Spielleistung in einer Interimsspielstätte eine Reduzierung der aktuell 172 Vorstellungen um ca. 20 Vorstellungen, 20 Konzerte und 64 Bühnenproben pro Interimsspielzeit ergeben.58 Zu berücksichtigen ist, dass eine weitere Reduzierung des Outputs keine Auswirkungen auf die formulierten Mindestanforderungen der Flächenbedarfe hat, die sich ausschließlich an den gesetzlichen Vorgaben orientieren und sich aus der Größe des Staatstheaters Nürnberg und seinem künstlerischen Auftrag herleiten.
Das Gesamterlebnis „Theaterbesuch“ qualitativ erhalten Der Theaterbesuch stellt heute ein Gesamterlebnis dar, bei dem das Kernprodukt des Vorstellungsbesuchs durch essentielle, einrahmende Services vervollständigt wird. Dem gastronomischen Angebot wird während der Vor-, Pausen- und Nachbewirtung eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Die Flächen für Gastronomie ausreichend groß zu dimensionieren, wirkt sich unmittelbar auf das Theatererlebnis, die Zuschauerzufriedenheit und die Attraktivität aus.59 In der Spielzeit 2018/2019 wurden spartenübergreifend die Angebote der Besuchergastronomie von 78 % aller Zuschauer*innen angenommen und ein Umsatz pro Besucher*in und Vorstellung von 2,70 Euro erzielt.60 Durch eine adäquate Ausstattung der gastronomischen Infrastruktur im Interim kann der Umsatz pro Besucher*in und Vorstellung im Vergleich zum Status quo sogar gesteigert und ein voraussichtliches wirtschaftliches Potenzial in sechsstelliger Höhe realisiert werden.61 Erfolgreiche Instrumente, wie zum Beispiel das Gastro-Ticket, mit der Möglichkeit bei der Ticketbestellung Speisen und Getränke an einem Stehtisch im Opernhaus vorzubestellen, haben sich als stark nachgefragte Services erwiesen, die es im Interim weiter zu etablieren gilt.
Interimsstandort als Lebens- und Kulturraum – eingebettet in Stadtentwicklung Der Interimsstandort in einer rauen Halle muss sich als Freiraum, Kunstraum und Lebensraum und damit als Inspirationsort eignen. Nur an einem architektonisch und städtebaulich freien Ort kann sich das Staatstheater Nürnberg in dem über mehrere Jahre angelegten Interim positionieren und sich auf neue gesellschaftspolitische Entwicklungen einlassen. In der Identifikation der Bevölkerung mit dem Ort und einer Aufwertung des Stadtteils liegt nicht nur eine große Chance für die Stadtentwicklung, sondern auch die Möglichkeit das Kulturbauvorhaben
56 Die Spielzeit 2019/2020 dient als Bemessungsgrundlage, da sie vom derzeitig aktuellen Team erarbeitet wurde und frei von Sondereffekten wie Abschlussspielzeit einer Intendanz oder Antrittsspielzeit einer Intendanz ist und den aktuellen Status quo sehr genau abbildet. Die Coronabedingten Ausfälle wurden nicht berücksichtigt. 57 Vgl. Interview Stiftungsvorstand Staatstheater Nürnberg, 16.6.2020. 58 Vgl. Interview Künstlerisches Betriebsbüro Staatstheater Nürnberg, 16.6.2020; Anmerkung: Der Vergleich bezieht sich auf die PLAN-Werte der Spielzeit 2019/2020 ohne Einflüsse durch die Covid-19- Pandemie. 59 Vgl. Besucherbefragung Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020. 60 Vgl. Interview Gastronomie Staatstheater Nürnberg 25.6.2020. 61 Vgl. Bedarfsprüfung Kantinen- und Foyergastronomie, Special Cuts, August 2017.
eng mit der Gesellschaft zu verzahnen und deren Legitimation sicherzustellen.
FAZIT
Um den nahtlosen Fortbetrieb der Sparten Musiktheater und Ballett des Staatstheaters Nürnberg zu sichern, definiert die Betriebsbeschreibung einen Nutzungsflächenbedarf von rund 17.000 m². Dieser muss schnellstmöglich in einer über geschätzt zehn Jahre gesicherten rauen Halle zur Verfügung stehen. Bei der Ermittlung dieses Flächenbedarfs ist eine Reduzierung der Sitzplatzkapazität von 1.019 auf 800 Plätze und eine deutliche Reduzierung der Spielfrequenz um 25 % berücksichtigt, welche mit der Annahme einhergeht, dass die Bühnentechnik unter Berücksichtigung der Interimsspielstätte angemessen reduziert wird.
Die Fortsetzung des Repertoire-Betriebs bindet den hochqualifizierten Personalstamm ein und sichert die Qualität und Attraktivität für Besucher*innen und Abonnent*innen. Im Interim sind zwingend erforderliche bühnennahe Flächen ebenso zu berücksichtigen, wie Flächen für die Gastronomie, welche einen wesentlichen Bestandteil des Gesamterlebnisses darstellt.
Die für die mehrjährige Interimszeit favorisierte Campuslösung deckt dabei den erforderlichen Mindestflächenbedarf auf einem zusammenhängenden Areal und nutzt die dort gegebenen Synergieeffekte.
Nur die angemessene Umsetzung der in der Betriebsbeschreibung aufgeführten Flächenbedarfe und Kriterien schafft in einer rauen Halle einen zugänglichen Lebens-, Kunst- und Kulturraum und bietet einen geeigneten Rahmen, um die künstlerische Qualität des größten Mehrspartenhauses Bayerns und dessen Renommee, Reichweite und positive Wirkung auf die Metropolregion zu erhalten und die Zukunftsfähigkeit des Staatstheaters Nürnberg bis zur Rückkehr in das generalsanierte Opernhaus zu sichern.
ANLAGE I: TABELLARISCHE ÜBERSICHT DER
NUTZUNGSFLÄCHENBEDARFE
| Nutzungsflächen NUF (m²) im Interim | |
|---|---|
| Bühnenbetrieb MT | 3.935 |
| Bühnenbetrieb MT - Generalmusikzentrum | 1.662 |
| Bühnenbetrieb MT - Vorderhaus | 2.946 |
| Bühnenbetrieb MT - VT | 825 |
| Bühnenbetrieb Synergie - Anlieferung | 100 |
| Bühnenbetrieb Synergie – Kostüm, Maske, Requisite | 2.709 |
| Bühnenbetrieb Synergie – Präsenzwerkstätten | 300 |
| Bürokomplex | 1.588 |
| Gastronomie & Kantine | 478 |
| Gebäudetechnik & Facilitymanagement | 590 |
| Probezentrum – Ballett | 743 |
| Probezentrum – Oper | 323 |
| Probezentrum – Schauspiel | 797 |
| Restaurant | 331 |
| Gesamtergebnis | 17.328 |
Quelle: BOH Raumprogramm Index 4, 25.09.2020
ANLAGE II: FRAGEBOGEN ZUR BETRIEBSBESCHREIBUNG
- Warum ist ein Repertoire-Betrieb im Interim erforderlich?
Nur im Repertoire-Betrieb kann ein attraktiver Spielplan mit wechselnden Stücken angeboten werden und so Besucher*innen, Abonnent*innen und Schüler*innen gebunden werden. Im Status quo machen die Besuche von Abonnent*innen und Schüler*innen mit 150.000 Besuchen rund die Hälfte (48 %) aller Besuche des Staatstheaters Nürnberg aus. Diesen Besucherstamm gilt es im Interim durch Fortsetzung des Repertoire- Betriebs zu binden. Der Anteil der Schüler*innen und Abonnent*innen an den Gesamtbesuchen liegt in Vergleichstheatern im Jahr 2017/2018 in einer Spanne von 20 % bis 46 % (Durchschnitt 34 %). Das Staatstheater Nürnberg erzielt mit 48 % somit den höchsten Wert.
- Wie viel „Mehr-Fläche“ im Gegensatz zum En-Suite-Betrieb wird durch den Repertoire-Betrieb benötigt?
Die Unterschiede sind nach eigener Einschätzung nicht signifikant.
Ein Unterschied in den Flächenbedarfen könnte sich aus den erforderlichen Flächen für Hinterbühne oder Lagerflächen für Bühnenbilder und Requisiten ergeben. Die Lagerflächen für Requisiten und Bühnenbilder des Staatstheaters Nürnberg in der Frankenstraße sind jedoch, wie alle weiteren Mietflächen, im Flächenbedarf des Interims nicht inbegriffen.
Grundsätzliche ist eine Aussage ohne einen erweiterten Benchmark jedoch nicht belastbar.
- Wie viel Fläche ergibt sich aus gesetzlichen Anforderungen?
Die für einen Interimsstandort erforderlichen Nutzungsflächen (NUF) gemäß DIN 277:2016 von insgesamt 17.000 m² setzen die gesetzlichen Vorgaben um und beschreiben die Mindestanforderungen, die für die Genehmigungs- und Betriebsfähigkeit erforderlich sind.
Für die Berechnung wurden insbesondere herangezogen: BayBo, VStättV, ArbStättV, Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR) und Bauentwurfslehre (Neufert) etc.
- Wie kommt die Größe einzelner Bereiche zustande?
Der ermittelte Nutzungsflächenbedarf (NUF) gemäß DIN 277:2016 ergibt sich aus den quantitativen Mindestanforderungen der geltenden Gesetze sowie der Bauentwurfslehre (Neufert).
Weitere für die Berechnung der Nutzungsflächen relevante Kriterien sind insbesondere
die von 1.019 auf 800 Personen reduzierte maximale Kapazität die um 25 % reduzierte Spielfrequenz, die Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze sowie die für die Betriebsfähigkeit der Sparten erforderlichen Funktionsbereiche, wie z. B. die Probebühne für das Ballett- Ensemble.
- Wie groß ist die Bestandsfläche im Gesamtkomplex am Richard-Wagner- Platz?
Die Nutzungsfläche (NUF) im Bestand beträgt gemäß BOH Raumprogramm Index 4 vom 25.09.2020 rund 23.900 m².
- Woraus resultieren Flächenmehrungen im Interim?
Nach aktuellem internen Planungsstand liegt die Flächenunterdeckung im Jahr 2020 tatsächlich bei rund 49 %. Im Interim wird diese Unterdeckung nicht ausgeglichen und ein geringerer Flächenbedarf, als im Bestandsgebäude aufgerufen.
Dennoch muss das Interimsgebäude genehmigungsfähig sein und geltende gesetzliche Mindestanforderungen eingehalten werden, weshalb einige Funktionsbereiche im Interim größer zu bemessen sind, als im Status quo.
Für das Generalmusikzentrum resultieren beispielsweise Mehrbedarfe von rund 400 m2 aus der notwendigen Erweiterung der Abendgarderoben und der Bürogrößen, die aktuell, entgegen der gesetzlichen Regelungen, mehrfach belegt und multifunktional genutzt werden. Im Status quo fallen Sanitäranlagen, Instrumentenlager, Repetitions- und Stimmzimmer mit den Umkleiden der Orchestermusiker*innen zusammen.
- Warum werden Werkstätten im Interim benötigt, es gibt doch einen extra Standort für Werkstätten?
Die Flächen für Werkstätten im Interim beziehen sich auf bühnennahe Werkstätten, welche für die Umarbeitung, Anpassung und Änderung von Kulissen für den Proben- sowie den Vorstellungsbetrieb auf den Bühnen im Interim zwingend erforderlich sind.
- Müssen alle Bereiche an einem Interimsstandort verfügbar sein?
Weiterhin autark betreibbare Funktionsbereiche werden nicht in das Interim integriert. Dazu zählen die Büroflächen der Tochtergesellschaften für Besucherservice und Besuchergastronomie, der Abendspielbetrieb der Sparte Schauspiel, sowie der Spielbetrieb der Konzertsparte in der Meistersingerhalle mit acht Philharmonischen Konzerten und Generalproben sowie die Mietflächen in der Frankenstraße, dem Nord- Ostpark und der Fürther-Straße.
Nicht zwingend bühnennahe Funktionen können ausgelagert werden. Der damit verbundene Verlust von Synergieeffekten kann zu Flächenmehrbedarfen führen.
- Wie stark wird das Programm im Interim gekürzt?
Die Spielfrequenz der Sparten Musiktheater und Ballett wird um 25 % im Vergleich zum Status quo gekürzt. Dadurch entfallen nach aktuellen Hochrechnungen von insgesamt 172 Bühnennutzungen im großen Saal des Opernhauses voraussichtlich 20 Vorstellungen, 20 Konzerte und 64 Bühnenproben pro Spielzeit.
- Wie ist die Auslegung auf 800 Zuschauer*innen zustande gekommen und wie hoch ist die durchschnittliche Auslastung des Opernhauses?
Die Reduzierung von 1.019 auf 800 Zuschauer*innen wird abgeleitet aus der Studie zur Nutzung der Meistersingerhalle als Interim.
Die Auslastung der Sparten Musiktheater und Ballett im Opernhaus beträgt im spielzeitenübergreifenden Mittel rund 86% (876 Personen pro Vorstellung). Andere Mehrspartenhäuser erzielen im bundesweiten Vergleich eine durchschnittliche Auslastung der beiden Sparten von rund 78 %.
Mit 150.000 Besuchen entfallen rund die Hälfte aller Besuche des Staatstheaters Nürnberg auf die Sparten Musiktheater und Ballett.
- Wann muss das Interim verfügbar sein?
Um die Existenz des Staatstheaters Nürnberg zu sichern muss ein Interim so schnell, wie möglich verfügbar sein. Substanzielle gebäudestrukturelle Mängel insbesondere des Brandschutzes sowie der Bausubstanz erfordern einen frühestmöglichen Auszug aus dem Bestandsgebäude.
- Welche Standorte kommen für das Interim in Frage?
Durch den hohen Flächenbedarf kommen voraussichtlich nur ehemalig industriell genutzte Flächen in Frage. Die Suche richtet sich daher auf eine sog. raue Halle, die für die kulturelle Nutzung umgewidmet und umfassend umgestaltet werden soll. Daraus ergibt sich auch städtebaulich eine große Chance. Der Standort braucht eine logistische Anbindung an die Lagerflächen in der Frankenstraße, die Probebühne in der Fürther Straße, die Werkstätten im Nordostpark und das Schauspielhaus am Richard-Wagner-Platz. Außerdem ist eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr notwendig.
QUELLENVERZEICHNIS
Interne Quellen des Staatstheaters Nürnberg
Auswertung Künstlerisches Betriebsbüro Staatstheater Nürnberg.
Besucherbefragung Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020.
BOH Raumprogramm, Stand 25.9.2020.
Controlling-Bericht Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2018/2019.
Controlling-Bericht Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020.
Flächen- und Rauminhalte gem. DIN 277:2016.
Flächenschema Interim Staatstheater Nürnberg, Stand 25.9.2020.
Interview Gastronomie Staatstheater Nürnberg, 25.6.2020.
Interview Künstlerisches Betriebsbüro Staatstheater Nürnberg, 16.6.2020.
Interview Stiftungsvorstand Staatstheater Nürnberg, 16.6.2020.
Pressestimmen Staatstheater Nürnberg, Spielzeit 2019/2020.
Externe Quellen: Gutachten/Studien/Presse
Brandschutztechnische Stellungnahme, HHP Süd, Juli 2020.
Bedarfsprüfung Kantinen- und Foyergastronomie, Special Cuts, August 2017.
Deutscher Musikrat, Deutsches Musikinformationszentrum (Hrsg.), Arnold Jacobshagen, Musikleben in Deutschland - Musiktheater, Bonn, 2019.
Fill Every Seat – Every Week, Magnus Still.
Gutachten zum BOH ab 1967, Stiftung Staatstheater Nürnberg, Stand 14.5.2020.
Listen der Sofortmaßnahmen zum Weiterbetrieb des Opernhauses, Büro HHP Süd, September 2012.
Präsentation „Bauvorhaben Opernhaus – Projektstartgespräch mit Fachplaner (28.5.2020)“, Stadt Nürnberg. 28.5.2020.
Sebastian Gulden, Das Nürnberger Opernhaus, Band 1, Bau- und Nutzungsgeschichte, 2018.
Studie des Deutschen Bühnenvereins, 2002: Auswertung und Analyse der repräsentativen Befragung von Nichtbesuchern deutscher Theater.
Theaterstatistik 2017/2018, 53. Ausgabe, Deutscher Bühnenverein Bundesverband der Theater und Orchester.
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
Bayerische Bauordnung (BayBo)
Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)
Versammlungsstättenverordnung (VStättV)
Web-Links
https://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/konzerthaus.html
http://www.buehnenverein.de/de/theater-und-orchester/theater-undorchesterlandschaft.html
https://www.kubi-online.de/artikel/theater-kulturelle-bildung
https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrends/
https://de.wikipedia.org/wiki/Guckkastenbühne
https://staatstheater-nuernberg.de/uebersicht/abos
https://www.br.de/nachrichten/bayern/joana-mallwitz-ist-dirigentin-desjahres,RcV2GcZ (Auszeichnungen Joana Mallwitz als Dirigentin des Jahres 2019)
Impressum
Verfasser: Stiftung Staatstheater Nürnberg im Auftrag der Projektbauherrengruppe.
Stand: 05.10.2020
Verwendungshinweis: Die Unterlage ist als vertrauliches Dokument zu verwenden und dient nur für die Projektbauherrengruppe und den Lenkungskreis.
Die vorliegende Betriebsbeschreibung beruht auf externen Gutachten sowie internen Interviews und Berechnungen. Sie unterliegt einem dynamischen Prozess und ist abhängig von Entscheidungen der Politik, des Lenkungskreises und der Projektbauherrengruppe. Die zu Grunde liegenden Informationen beruhen auf dem Planungstand Oktober 2020.
Foto Deckblatt: Matthias Dengler