HaushaltssperreBeta

← Sitzung des Stadtrates (15.12.2021)

01 Sachverhalt

Anlage · 22.10.2021 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Südstadt Hauptbahnhof Altstadt Kultur, Sport & Freizeit Verkehr & Mobilität

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Grundsatzbeschluss zum Beibehalt des Richard-Wagner-Platzes als Standort für alle

Sparten des Staatstheaters Nürnberg

Das Staatstheater Nürnberg ist eines der großen

umfasst als solches die Sparten Musiktheater (Oper), Sprechtheater (Schauspiel),

Tanztheater (Ballett) und Konzert (Staatsphilharmonie Nürnberg). Die hälftig von Stadt und

Freistaat getragene Stiftung Staatstheater Nürnberg ist Arbeitgeberin für ca. 650

Beschäftigte an den Standorten Richard-Wagner-Platz, Nordostpark (Werkstätten), Fürther

Straße (Probenbühne) und Frankenstraße (Lagerflächen). Es finden jährlich ca. 750

Veranstaltungen mit rd. 290.000 Besucherinnen und Besuchern am Richard-Wagner-Platz statt.

Am Hauptstandort Richard-Wagner-Platz verfügt das Staatstheater in den beiden

Hauptbauten Opernhaus und Schauspielhaus über insgesamt fünf Veranstaltungsräume:

den großen Saal des Opernhauses, den Gluck-Saal, den großen Saal des

Schauspielhauses, die Kammerspiele und die „3. Etage“. Zwischen den beiden Hauptbaute

erstreckt sich ein in mehreren Bauphasen entstandener Verbindungsbau, der im

Wesentlichen Probenräume für das Musik-, Sprech- und Tanztheater, einen

Orchesterprobensaal, Magazine, gemeinsame Präsenzwerkstätten, die Kantine und die

Räume der Verwaltung umfasst.

n

Der bauliche Bestand ist heterogen: Ältester Bestandteil ist das 1903 bis 1905 als

Jugendstilhaus errichtete Opernhaus mit angrenzendem Magazinbau, das 1935 im

Zusammenhang mit den Reichsparteitagen im Innern im Stile eines vereinfachten

Neoklassizismus radikal umgestaltet wurde. Nach 1945 wurden Kriegsschäden durch einen

erneut vereinfachten Wiederaufbau behoben. Zuletzt wurden in den 1990er Jahre

Sanierungen durchgeführt.

Das Schauspielhaus geht zurück auf ein 1951 für die US-Truppen errichtetes Armee-Theat

(Kino mit Bühnenhaus), in dem 1959 ein Sprechtheater eröffnet wurde. 1962 wurden im

er

Keller die Kammerspiele eingerichtet. Nach einer ersten Sanierung 1976 erfolgte 2008 bis

2010 die Generalsanierung, in deren Zuge als dritte Spielstätte die „BlueBox“ (jetzt „3.

Etage“) geschaffen wurde.

Für symphonische Konzerte nutzt die Staatsphilharmonie Nürnberg die Meistersingerhalle.

Alle Proben der Staatsphilharmonie, für Konzerte ebenso wie für den Orchesterdienst im

Opernhaus, finden in den Proberäumen im Verbindungsbau zwischen Opern- und

Schauspielhaus statt.

Das Opernhaus als Zeichen des Engagements der Bürgergesellschaft

Das Opernhaus ist mit seiner weithin sichtbaren Kuppel über dem Bühnenturm als

Landmarke stadtbildprägend und kennzeichnet den Richard-Wagner-Platz als Standort alle

Sparten des Nürnberger Staatstheaters. Anders als die großen Residenztheater anderer

Städte, ist das ursprünglich als Stadttheater am Ring errichtete Haus Ausdruck eines

bürgerschaftlichen Engagements und nicht landesherrlichen Handelns.

r

Die Vereinigung aller Sparten am selben Ort ermöglicht umfassende technische und

betriebliche Synergien, die nur im Rahmen einer Sanierung des Teilbauwerkes „Opernhaus

gesichert werden können.

“

Das Opernhaus als monofunktionales und doch gut zukunftssicheres Baudenkmal

Aus bautechnischer Sicht handelt es sich bei dem Opernhaus – anders, als es der optische

Eindruck erwarten lässt – um einen hochmodernden Ingenieurbau des frühen 20.

Jahrhunderts, der als ausgefachte und ummauerte Stahlskelettkonstruktion ausgeführt

wurde. Das Opernhaus ist eine Spezialimmobilie, die mit ihrem großen Zuschauerraum mit

drei Rängen, einem Orchestergraben und der Hauptbühne mit Bühnenturm und

Untermaschinerie auf eine Nutzung als Musik- und Tanztheater zugeschnitten ist. De

Denkmalwert ist ebenso unstrittig wie die Monofunktionalität des Baus – eine Nachnutzung

nach einer Aufgabe des Opernstandortes könnte wohl nur mit einer publikumsintensiven

Nutzung und nach weitreichenden baulichen Eingriffen erreicht werden.

Unter anderem durch eine Vergrößerung des Orchestergrabens (zur Umsetzung

arbeitssicherheitsrechtlicher Vorschriften) und die Schaffung einer sog. „Revolverbühne“ mit

moderner Unter- und Obermaschinerie kann ein zukunftstauglicher und ökonomische

Betrieb ermöglicht und das Opernhaus fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden.

Wesentliche Verbesserungen bei Akustik und Sichtlinien können durch die akustisch

Anbindung zusätzlicher Raumvolumina im Dachraum (vgl. Staatsoper Unter den Linden,

Berlin) und durch Anpassungen bei der Abstufung von Rängen und Parkett sowie der

Bestuhlung erreicht werden. Die Ausführung des Bestandsbaus als Stahlskelettkonstruktion

bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für die erforderlichen baulichen Eingriffe.

Das Opernhaus als städtebauliches Bindeglied zwischen Altstadt und Südstadt

Eine Generalsanierung des Opernhauses im Rahmen des Bauvorhabens Opernhaus, das

jenseits der baulichen Maßnahmen im Bestand auch städtebauliche und soziologisch

Aspekte umfasst, schließt die mit der Generalsanierung des Schauspielhauses begonnene

Maßnahme am Richard-Wagner-Platz ab und bietet dem Staatstheater Nürnberg die

baulichen Voraussetzungen für eine Öffnung zur diversen Stadtgesellschaft. Anstelle des

Verbindungsbaus und der maroden Tiefgarage können – auf stadteigenem Grund – u.a.

ausreichend dimensionierte Probenräume, zentral gelegene Präsenzwerkstätten, ein

zeitgemäße Anlieferung samt funktionaler Logistikachse sowie arbeitsrechtskonforme

Räume für die Verwaltung neu errichtet werden. Mit einer Nutzung des gegenüberliegenden

Sigmund-Schuckert-Hauses kann das neu zu errichtende Volumen deutlich reduziert

werden. Das Bauvorhaben Opernhaus insgesamt ermöglicht eine städtebauliche

Neuordnung des Richard-Wagner-Platzes und eine qualitätsvolle Verknüpfung von Altstadt

und Südstadt, wobei keine Flächen zusätzlich versiegelt werden müssen, sondern im

Gegenteil eine Entsiegelung und Begrünung bislang trostloser Freiflächen erst möglich wird.

Das Opernhaus als Magnet der Innenstadt

Der direkte Zugang von der U-Bahn in das Opernhaus und die fußläufige Lage zum h

Hauptbahnhof, aber auch zu zahlreichen Hotels, bieten einen zukunftstauglichen, verkehrlic

hervorragend erschlossenen Standort, der auch mit dem Fahrrad und darüber hinaus auch

über die umliegend vorhandenen Parkhäuser für den motorisierten Individualverkehr gut

erreichbar ist. Das urbane Umfeld ermöglicht die Einbindung eines Theaterabends in weitere

fußläufig erreichbare Aktivitäten und Attraktionen. Als wesentlicher Attraktor ist das

Staatstheater im Herzen der Stadt ein unverzichtbarer Publikumsmagnet, gerade in einer

sich wandelnden Stadt des 21. Jahrhunderts, die nicht allein durch Handel definiert werden

kann.

Eine Aufgabe des Standorts Richard-Wagner-Platz für die Musik- und Tanztheatersparten

des Staatstheaters Nürnberg würde ein Schauspielhaus „in zweiter Reihe“ zurücklassen und

durch den Wegfall vorhandener Synergien erheblich negative Auswirkungen auf betriebliche

Abläufe und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatstheaters haben. An

prominenter Stelle im Stadtbild würde der womöglich langjährige Leerstand in einer en

denkmalgeschützten Spezialimmobilie herbeigeführt, für die Konzepte einer adäquat

Nachnutzung nicht bekannt sind.

Der bauliche Zustand des Opernhauses lässt keinen, über das Jahr 2025 hinausreichenden

Betrieb des Gebäudes zu. Mängel beim vorbeugenden baulichen und beim

anlagentechnischen Brandschutz, aber auch statische Mängel und Schäden an der

Bausubstanz machen vor jeder weiteren Nutzung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen

zwingend erforderlich.

Um sicherzustellen, dass alle weitergehenden Überlegungen (Interim, wenn ja, wo?) auf

einem Konsens zur Wieder- und Weiternutzung des Gebäudes der Oper am Standort

Richard-Wagner-Platz basieren, wird hierzu ein Beschluss begehrt.

Download ↓