Grundsatzbeschluss zum Beibehalt des Richard-Wagner-Platzes als Standort für alle
Sparten des Staatstheaters Nürnberg
Das Staatstheater Nürnberg ist eines der großen
umfasst als solches die Sparten Musiktheater (Oper), Sprechtheater (Schauspiel),
Tanztheater (Ballett) und Konzert (Staatsphilharmonie Nürnberg). Die hälftig von Stadt und
Freistaat getragene Stiftung Staatstheater Nürnberg ist Arbeitgeberin für ca. 650
Beschäftigte an den Standorten Richard-Wagner-Platz, Nordostpark (Werkstätten), Fürther
Straße (Probenbühne) und Frankenstraße (Lagerflächen). Es finden jährlich ca. 750
Veranstaltungen mit rd. 290.000 Besucherinnen und Besuchern am Richard-Wagner-Platz statt.
Am Hauptstandort Richard-Wagner-Platz verfügt das Staatstheater in den beiden
Hauptbauten Opernhaus und Schauspielhaus über insgesamt fünf Veranstaltungsräume:
den großen Saal des Opernhauses, den Gluck-Saal, den großen Saal des
Schauspielhauses, die Kammerspiele und die „3. Etage“. Zwischen den beiden Hauptbaute
erstreckt sich ein in mehreren Bauphasen entstandener Verbindungsbau, der im
Wesentlichen Probenräume für das Musik-, Sprech- und Tanztheater, einen
Orchesterprobensaal, Magazine, gemeinsame Präsenzwerkstätten, die Kantine und die
Räume der Verwaltung umfasst.
n
Der bauliche Bestand ist heterogen: Ältester Bestandteil ist das 1903 bis 1905 als
Jugendstilhaus errichtete Opernhaus mit angrenzendem Magazinbau, das 1935 im
Zusammenhang mit den Reichsparteitagen im Innern im Stile eines vereinfachten
Neoklassizismus radikal umgestaltet wurde. Nach 1945 wurden Kriegsschäden durch einen
erneut vereinfachten Wiederaufbau behoben. Zuletzt wurden in den 1990er Jahre
Sanierungen durchgeführt.
Das Schauspielhaus geht zurück auf ein 1951 für die US-Truppen errichtetes Armee-Theat
(Kino mit Bühnenhaus), in dem 1959 ein Sprechtheater eröffnet wurde. 1962 wurden im
er
Keller die Kammerspiele eingerichtet. Nach einer ersten Sanierung 1976 erfolgte 2008 bis
2010 die Generalsanierung, in deren Zuge als dritte Spielstätte die „BlueBox“ (jetzt „3.
Etage“) geschaffen wurde.
Für symphonische Konzerte nutzt die Staatsphilharmonie Nürnberg die Meistersingerhalle.
Alle Proben der Staatsphilharmonie, für Konzerte ebenso wie für den Orchesterdienst im
Opernhaus, finden in den Proberäumen im Verbindungsbau zwischen Opern- und
Schauspielhaus statt.
Das Opernhaus als Zeichen des Engagements der Bürgergesellschaft
Das Opernhaus ist mit seiner weithin sichtbaren Kuppel über dem Bühnenturm als
Landmarke stadtbildprägend und kennzeichnet den Richard-Wagner-Platz als Standort alle
Sparten des Nürnberger Staatstheaters. Anders als die großen Residenztheater anderer
Städte, ist das ursprünglich als Stadttheater am Ring errichtete Haus Ausdruck eines
bürgerschaftlichen Engagements und nicht landesherrlichen Handelns.
r
Die Vereinigung aller Sparten am selben Ort ermöglicht umfassende technische und
betriebliche Synergien, die nur im Rahmen einer Sanierung des Teilbauwerkes „Opernhaus
gesichert werden können.
“
Das Opernhaus als monofunktionales und doch gut zukunftssicheres Baudenkmal
Aus bautechnischer Sicht handelt es sich bei dem Opernhaus – anders, als es der optische
Eindruck erwarten lässt – um einen hochmodernden Ingenieurbau des frühen 20.
Jahrhunderts, der als ausgefachte und ummauerte Stahlskelettkonstruktion ausgeführt
wurde. Das Opernhaus ist eine Spezialimmobilie, die mit ihrem großen Zuschauerraum mit
drei Rängen, einem Orchestergraben und der Hauptbühne mit Bühnenturm und
Untermaschinerie auf eine Nutzung als Musik- und Tanztheater zugeschnitten ist. De
Denkmalwert ist ebenso unstrittig wie die Monofunktionalität des Baus – eine Nachnutzung
nach einer Aufgabe des Opernstandortes könnte wohl nur mit einer publikumsintensiven
Nutzung und nach weitreichenden baulichen Eingriffen erreicht werden.
Unter anderem durch eine Vergrößerung des Orchestergrabens (zur Umsetzung
arbeitssicherheitsrechtlicher Vorschriften) und die Schaffung einer sog. „Revolverbühne“ mit
moderner Unter- und Obermaschinerie kann ein zukunftstauglicher und ökonomische
Betrieb ermöglicht und das Opernhaus fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden.
Wesentliche Verbesserungen bei Akustik und Sichtlinien können durch die akustisch
Anbindung zusätzlicher Raumvolumina im Dachraum (vgl. Staatsoper Unter den Linden,
Berlin) und durch Anpassungen bei der Abstufung von Rängen und Parkett sowie der
Bestuhlung erreicht werden. Die Ausführung des Bestandsbaus als Stahlskelettkonstruktion
bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für die erforderlichen baulichen Eingriffe.
Das Opernhaus als städtebauliches Bindeglied zwischen Altstadt und Südstadt
Eine Generalsanierung des Opernhauses im Rahmen des Bauvorhabens Opernhaus, das
jenseits der baulichen Maßnahmen im Bestand auch städtebauliche und soziologisch
Aspekte umfasst, schließt die mit der Generalsanierung des Schauspielhauses begonnene
Maßnahme am Richard-Wagner-Platz ab und bietet dem Staatstheater Nürnberg die
baulichen Voraussetzungen für eine Öffnung zur diversen Stadtgesellschaft. Anstelle des
Verbindungsbaus und der maroden Tiefgarage können – auf stadteigenem Grund – u.a.
ausreichend dimensionierte Probenräume, zentral gelegene Präsenzwerkstätten, ein
zeitgemäße Anlieferung samt funktionaler Logistikachse sowie arbeitsrechtskonforme
Räume für die Verwaltung neu errichtet werden. Mit einer Nutzung des gegenüberliegenden
Sigmund-Schuckert-Hauses kann das neu zu errichtende Volumen deutlich reduziert
werden. Das Bauvorhaben Opernhaus insgesamt ermöglicht eine städtebauliche
Neuordnung des Richard-Wagner-Platzes und eine qualitätsvolle Verknüpfung von Altstadt
und Südstadt, wobei keine Flächen zusätzlich versiegelt werden müssen, sondern im
Gegenteil eine Entsiegelung und Begrünung bislang trostloser Freiflächen erst möglich wird.
Das Opernhaus als Magnet der Innenstadt
Der direkte Zugang von der U-Bahn in das Opernhaus und die fußläufige Lage zum h
Hauptbahnhof, aber auch zu zahlreichen Hotels, bieten einen zukunftstauglichen, verkehrlic
hervorragend erschlossenen Standort, der auch mit dem Fahrrad und darüber hinaus auch
über die umliegend vorhandenen Parkhäuser für den motorisierten Individualverkehr gut
erreichbar ist. Das urbane Umfeld ermöglicht die Einbindung eines Theaterabends in weitere
fußläufig erreichbare Aktivitäten und Attraktionen. Als wesentlicher Attraktor ist das
Staatstheater im Herzen der Stadt ein unverzichtbarer Publikumsmagnet, gerade in einer
sich wandelnden Stadt des 21. Jahrhunderts, die nicht allein durch Handel definiert werden
kann.
Eine Aufgabe des Standorts Richard-Wagner-Platz für die Musik- und Tanztheatersparten
des Staatstheaters Nürnberg würde ein Schauspielhaus „in zweiter Reihe“ zurücklassen und
durch den Wegfall vorhandener Synergien erheblich negative Auswirkungen auf betriebliche
Abläufe und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatstheaters haben. An
prominenter Stelle im Stadtbild würde der womöglich langjährige Leerstand in einer en
denkmalgeschützten Spezialimmobilie herbeigeführt, für die Konzepte einer adäquat
Nachnutzung nicht bekannt sind.
Der bauliche Zustand des Opernhauses lässt keinen, über das Jahr 2025 hinausreichenden
Betrieb des Gebäudes zu. Mängel beim vorbeugenden baulichen und beim
anlagentechnischen Brandschutz, aber auch statische Mängel und Schäden an der
Bausubstanz machen vor jeder weiteren Nutzung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen
zwingend erforderlich.
Um sicherzustellen, dass alle weitergehenden Überlegungen (Interim, wenn ja, wo?) auf
einem Konsens zur Wieder- und Weiternutzung des Gebäudes der Oper am Standort
Richard-Wagner-Platz basieren, wird hierzu ein Beschluss begehrt.