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Entscheidungsvorlage

Anlage · 21.07.2021 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Hauptmarkt Nordstadt Hauptbahnhof Altstadt Stadtplanungsausschuss Verkehrsausschuss Soziales & Gesundheit Kultur, Sport & Freizeit Sicherheit & Ordnung Rad- und Fußverkehr Stadtentwicklung & Planung Verkehr & Mobilität Umwelt & Klima Wirtschaft & Arbeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

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Beilage

Betreff: Zukunft Altstadt

Entscheidungsvorlage

I. Einführung

Die Weiterentwicklung der Innenstädte ist - nicht erst seit der Corona-Krise - eine Daueraufgabe, die immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Der Änderungsdruck durch Klimawandel, Digitale Transformation oder demografische Veränderungen, denen die Innenstädte seit einigen Jahren ausgesetzt sind, hat durch die aktuelle pandemische Lage lediglich eine Zuspitzung und Beschleunigung erfahren. Die drei zentralen Forderungen der Neuen Leipzig Charta, nämlich erstens die transformative Kraft der europäischen Städte zu stärken, zweitens eine am Gemeinwohl orientierte Stadtentwicklungspolitik zu betreiben und drittens die Stadtentwicklung als partizipative Aufgabe zu begreifen, um so die Innenstädte resilienter gegenüber sich wandelnden Rahmenbedingungen zu machen, sind auf die Nürnberger Altstadt übertragbar: Hier ist, wie in anderen europäischen Städten, der Umgang mit einer stetigen Transformation und Weiterentwicklung nicht neu.

Eine attraktive Altstadt, von der auch in Zukunft eine große Anziehungskraft ausgeht, war deshalb in Nürnberg schon in der Vergangenheit ein wichtiges Anliegen. Es fand seit den 80er Jahren in den immer wieder aktualisierten Entwicklungskonzepten für die Altstadt seinen Niederschlag. Zuletzt wurde im Jahr 2012 das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Altstadt (INSEK Altstadt) erstellt (vgl. Stadtrat vom 27.06.2012). Hierin wurden die Potentiale der Altstadt dargestellt, Herausforderungen formuliert und Ziele definiert, mit denen die Altstadt auch in Zukunft Ort der Identifikation sein soll, Menschen anzieht und mit eigener Identität auch weiterhin konkurrenzfähig bleiben soll. Sie haben bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Die wesentlichen Inhalte des INSEK Altstadt sollen deshalb hier kurz vorgestellt werden, denn diese Potentiale gilt es zu stärken. Die formulierten Ziele zeigen mögliche Ansatzpunkte auf. Ferner werden aktuelle Maßnahmen und Projekte zur Stärkung und Weiterentwicklung der Altstadt vorgestellt. Wichtige Schwerpunkte bilden zum Einen der Bericht des Wirtschaftsreferats über die Nürnberger City Werkstatt, ein gemeinsames der Stadt Nürnberg (vertreten durch die Wirtschaftsförderung Nürnberg) und der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK), zum Anderen ein Vorschlag des Planungs- und Baureferats zur Ausweitung der Fußgängerzone in der Königstraße und der Brunnengasse/Färberstraße. Für die Ausweitung der Fußgängerzone wird ein Grundsatzbeschluss begehrt.

II. Das INSEK Altstadt: Potentiale und Ziele

Das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Altstadt aus dem Jahr 2012 trägt den Titel „Qualität“. Ziel der Entwicklung für eine zukunftsfähige Altstadt ist es, die Qualität in allen Bereichen zu verbessern und damit einen nachhaltigen Erfolg sicherzustellen. Im Jahr 2020 wurden die Ziele aktualisiert. „Stadtklima und Lebensqualität steigern“ und „Vielfalt der Altstadt(funktionen) erhalten und stärken“ sollen in diesem Zusammenhang besonders hervorgehoben werden. Die These, dass die Altstadt vor allem durch kluges Qualitätsmanagement nachhaltig erfolgreich sein kann, hat bis heute Gültigkeit. Qualität in allen Bereichen ist der Schlüssel zum Erfolg. Im Folgenden werden die Potentiale, die in der Altstadt vorhanden und die Ziele die

formuliert wurden in Erinnerung gerufen und zusammenfassend dargestellt, denn sie gilt es zu stärken.

Potential Städtebau – Identifikation Die dicht bebaute, unter Ensembleschutz stehende Altstadt ist städtebaulich geprägt durch ihren mittelalterlichen Stadtgrundriss, der auch beim Wiederaufbau respektiert wurde. Die Abfolge von Straßen und herausragenden Plätzen, die Topografie, die Burganlage, der Verlauf der Pegnitz mitten durch die Altstadt, die klare Kontur der wiederaufgebauten Stadtmauer und die zahlreichen großartigen Einzeldenkmäler sind einzigartig, ein hohes Gut und machen den baulichen Charakter der Altstadt aus. Sie ist Ort der Identifikation. Die regionale und internationale Ausstrahlung verdankt sie nicht zuletzt dieser herausragenden Bau – und Raumstruktur, die auch in Zukunft eine starke Anziehungskraft ausüben wird.

Potential Nutzungsmischung - Synergien Die Altstadt ist ein Handels- und Dienstleistungsstandort mit überregionaler Bedeutung, der durch seine Funktionsvielfalt und Nutzungsmischung Kunden und Besucher anzieht und Arbeitsplätze bereit stellt. Sie ist sehr gut mit allen Verkehrsarten erreichbar. Gerade die Lorenzer Altstadt zeichnet sich durch ein breites Einzelhandelsangebot und Gastronomie aus. Die Altstadt ist außerdem Kulturstandort mit hochwertigen und vielfältigen Einrichtungen. In der Sebalder Altstadt befinden sich dichte und stabile Wohngebiete in einer kompakten Blockstruktur. Kulturelle Nutzungen und Gastronomie sind in beiden Bereichen vorzufinden. Die Altstadt ist neben einem Wohnstandort das geschäftliche, touristische, kulturelle, kirchliche und politische Zentrum für die Stadt und die Region. Dies ist ein wichtiges Potential für die Zukunft. Sie ist durch ihre Zentralität und ihre attraktive Atmosphäre eine begehrte Adresse zum Wohnen, ein Wohnquartier der kurzen Wege. Es bestehen wichtige Synergieeffekte zwischen Handel, Dienstleistung, Kultur und Bildungsangeboten und Wohnen. Die Nürnberger Altstadt ist ein Beispiel der nutzungsgemischten europäischen, urbanen Stadt par excellence.

Potential Öffentlicher Raum – Atmosphäre und Ästhetik Die Vielzahl städtebaulich bedeutsamer Plätze schafft für Nürnbergerinnen und Nürnberger eine hohe Identifikation mit der Stadt und stellt attraktive Anziehungspunkte für Touristen dar. Der öffentliche Raum ist Visitenkarte für Nürnberg und verdient besondere Aufmerksamkeit. Gut gestaltete Straßen und Plätze verstärken die schöne Atmosphäre spürbar und besonders effektiv. Nürnberg hat eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands und viele Gäste, Touristen und Nürnbergerinnen und Nürnberger haben vor der Pandemie den ausgiebigen Bummel durch die Altstadt genossen. Das ausgedehnte Fußgängerzonennetz ist eine wichtige Grundlage für den Einzelhandel und attraktiv für Bewohner, Besucher und Touristen.

Potential Mobiliät – gute Erreichbarkeit Die gute Erreichbarkeit der Altstadt für alle Nutzergruppen und Verkehrsarten ist eine wichtige Voraussetzung für ein attraktives und vitales Stadtzentrum. Besonders durch die zahlreichen Angebote des ÖPNV entlang des Altstadtrings – U-Bahn, Tram, Bus und die Gebietserschließung durch Buslinien und die U-Bahnlinie 1 wird die Altstadt aus allen Stadtteilen und den Nachbarstädten gut bis sehr gut erreicht. Die räumliche Verflechtung mit dem Hauptbahnhof verknüpft die Lorenzer Altstadt zusätzlich mit der Region.

Ziele für die Entwicklung der Altstadt Wichtigstes Ziel des INSEK Altstadt ist die Steigerung der Qualität in allen Bereichen um nachhaltig Erfolg zu generieren. Der vorhandene Nutzungsmischung in der Altstadt und ihrer Stärkung kommt eine besondere Bedeutung zu. An diesen Zielen orientieren sich Projekte und Maßnahmen. Sie sollen die Altstadt und damit auch den Einzelhandel vor Ort stärken und können auch künftig als Richtschnur betrachtet werden.

  1. Die Altstadt wird als Wirtschaftsstandort flächenmäßig nicht mehr wesentlich weiter expandieren. Deshalb ist vor allem auf qualitatives Wachstum zu achten. Die Originalität von

Geschäften, die Vielfalt und Besonderheit von Kultur, Gastronomie und die ästhetische Qualität des öffentlichen Raumes und der Architektur garantieren den Erfolg.  Förderung von Standortinitiativen von Gewerbetreibenden.  Aufrechterhaltung einer hohen Branchenvielfalt und Funktionsstärkung insbesondere der Nebenlagen.  Vielfalt der Altstadt(-funktionen) erhalten und stärken

  1. Die Qualität des öffentlichen Raumes soll weiter aufgewertet und ihn dort, wo es möglich ist, für einen angenehmen, unkommerziellen Aufenthalt zurückgewonnen werden. Als Grundlage für den Erfolg des Handelsplatzes, des Tourismus und zur Identifikation sind die Atmosphäre der Altstadt entscheidende Faktoren.  Aufwertung und ästhetische Überarbeitung  Stadtklima und Lebensqualität steigern  Grenzen der Übernutzung des öffentlichen Raumes ausloten  Landschaftsraum der Pegnitz in der Altstadt aufwerten

  2. Die Qualität des Wohnstandortes durch energetische Sanierung stärken und breites Angebot für heterogene Bewohnerschaft entwickeln.  Bildungsangebote in der Altstadt ausbauen für eine soziale Teilhabe

III. Maßnahmen zur Stärkung der Altstadt und der Gewerbetreibenden vor Ort

Vier Maßnahmenpakete werden im Folgenden vorgestellt, die alle zur Stärkung der Altstadt im Sinne der Ziele des INSEK Altstadt beitragen können.

Das erste, die Nürnberger City Werkstatt, ist eine gemeinsame Initiative des Wirtschaftsreferats der Stadt Nürnberg und der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK)..

Beim zweiten und dritten Paket geht es um einen Vorschlag zur Ausweitung der Fußgängerzone in der südlichen Altstadt mit unterstützenden Projekten und um Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der nördlichen Altstadt.

Der vierte Bereich besteht aus einer Zusammenstellung weiterer, nicht selten fachübergreifender Projekte für den öffentlichen Raum. Manche sind temporär angelegt, die Mehrzahl der Projekte wirkt jedoch langfristig und nachhaltig, trägt zur Aufwertung der Altstadt bei und sichert mit einer dauerhaften Begrünung das Klima in der Altstadt.

1. Die Nürnberger City Werkstatt

Die Nürnberger City Werkstatt ist eine gemeinsame Initiative des Wirtschaftsreferats der Stadt Nürnberg und der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken. Sie setzt auf der von IFH Köln (Institut für Handelsforschung) und gmvteam im Auftrag des Wirtschaftsreferats erarbeiteten - „Zukunftsstrategie Handelsstandort Nürnberg 2030“ (vgl. RWA 16.10.2019) auf. Bereits bei der Erarbeitung der Zukunftsstrategie wurde deutlich, dass der Fokus nicht allein auf dem Handel liegen darf. Denn nicht nur Zentren unterliegen Veränderungen, sondern auch die Gesellschaft als deren Nutzerin. Da Zentren nicht nur Orte des Warenaustauschs sind, müssen Entwicklungskonzepte auf die unterschiedlichen Funktionen der Innenstädte und anderer Stadtteilzentren eingehen. Demnach müssen bei der Erarbeitung von Zielbildern Nutzungen wie Handel, Produktion, Logistik, Dienstleistungen, Wohnen, Kultur und Bildung genauso berücksichtigt werden wie Gesundheit, Nachhaltigkeit, Aufenthaltsqualität, digitale Transformation, Sauberkeit und Sicherheit. Dabei sind neue Akteursgruppen einzubinden, so dass die Multifunktionalität der Zentren durch eine vielfältige Akteurslandschaft abgebildet wird.

Dies entspricht auch dem INSEK Altstadt, das von der Multifunktionalität der ausgeht (vgl. Stadtrat vom 27.06.2012).

Bereits im Zuge der Diskussion um die beiden Nürnberger Karstadt-Filialen im Frühjahr 2020 hat die Stadt Nürnberg eine City Offensive gestartet mit dem Ziel, die Strahlkraft der Innenstadt weiter zu erhöhen. In der Folge hat sich die Nürnberger City Werkstatt gebildet. Aufgabe der Nürnberger City Werkstatt ist es, die Altstadt als multifunktionalen Raum für Handel, Gastronomie, Hotellerie, Kultur, Tourismus, Wohnen, Grün, Wohnen, Flanieren etc. weiterzuentwickeln. Wichtig ist, dabei die Akteurinnen und Akteure aus allen Bereichen - also alle „Stakeholder“ - einzubeziehen (vgl. RWA vom 14.04.2021).

Am 09.12.2020 haben sich rund 60 Innenstadtakteurinnen und -akteure aus Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie, Kultur, Immobilienwirtschaft und Stadtverwaltung in einem interaktiven Online-Workshop zusammengefunden und sechs konkrete Projekte für die Innenstadt angestoßen.

Die Nürnberger City Werkstatt ist als organisatorischer und unterstützender Rahmen aufgebaut. In diesem Rahmen sollen Projekte entstehen, die einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten und zwar durch die Vernetzung sowohl mit anderen Projekten als auch mit anderen Akteurinnen und Akteuren, durch gemeinsame Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeitsowie Wissenstransfer. Wichtig ist die Machbarkeit und schnelle Umsetzbarkeit der Projekte. Für jedes Projekt haben sich „Project Owner“ aus der Mitte der Akteurinnen und Akteure gefunden, die das jeweilige Projekt in Projekt-Teams koordinieren und vorantreiben. Die Stadtverwaltung begleitet die Projekte und nimmt die Rolle der Ermöglicherin („Enabler“) ein. Die Projekte der City Werkstatt sollen Innovationen befördern, Besuchsimpulse setzen und verstehen sich als schnell umsetzbare temporäre Projekte. Diese sind zum Teil als Prototypen angelegt und sollen auf experimentelle Weise zukünftige Erfolgsmodelle zur Belebung der Innenstadt hervorbringen. Mit der City Werkstatt wurde ein Modell entwickelt, das die Akteurinnen und Akteure vernetzt, von Anfang einbindet, zum Mitgestalten einlädt und damit auch in die (Mit-)Verantwortung nimmt. Dahinter steht der „Community“-Gedanke“ bzw. das „Community-Building“.

Die Nürnberger City Werkstatt bietet im Sinne der Neuen Leipzig Charta beste Möglichkeiten, die Menschen aktiv in die Gestaltung einzubinden und evidenzbasiert die Akzeptanz solcher Prototypen durch die Menschen zu erfassen. Das Spannungsverhältnis zwischen qualitätsvollen, permanenten Ansätzen und Offenheit für frische, neue, die Menschen direkt einbeziehende Lösungen kann somit aufgelöst werden.

Weitere Informationen zur Nürnberger City Werkstatt unter: www.nuernberger-city-werkstatt.de

Projekte der „Nürnberger City Werkstatt“

(1) Pop-Up-Projekte:

Pop-Up-Stores sind temporäre Ladengeschäfte mit wechselnden Betreibern. Solche

Provisorien beleben vorübergehend leerstehende Immobilien und legen großen Wert auf eine interessante, ästhetisch ansprechende Präsentation und konzentrieren sich auf regionale, kreative und neuartige Produkte. Alternativ können Schaufenster kurzzeitig leerstehender Ladengeschäfte lokalen Künstlerinnen und Künstlern eine Gelegenheit bieten, ihre Werke auszustellen oder eine künstlerisch hochwertige Übergangsgestaltung zu präsentieren. Derzeit spricht die Wirtschaftsförderung Nürnberg die Eigentümerinnen und Eigentümer leerstehender Ladenlokale in der Fußgängerzone auf mögliche Zwischennutzungen an sowohl im Hinblick auf Pop-up-Stores, als auch auf Nutzungen durch Kulturschaffende (z.B. Kunstausstellungen, Schaufenstergestaltung). Unterstützt wird damit der „Matching-Prozess“ zwischen an Zwischennutzung Interessierten aller Branchen und interessierten

Immobilieneigentümerinnen und -eigentümern. Erste Zwischennutzungen kommerzieller wie kultureller Art in leerstehenden Ladenlokalen konnten bereits vermittelt werden.

Pop-Up-Center sind feste Immobilien, die jungen lokalen Unternehmen – häufig Modelabel, Kreative, Handwerk oder andere Startups – in einem ansprechenden Ambiente und in guter Lage die Möglichkeit bieten, zu erschwinglichen Kosten für einen überschaubaren Zeitraum ihre Produkte zu präsentieren. Derzeit wird geprüft, welche feste Immobilie in Nürnberg künftig von verschiedenen Unternehmen bespielt werden kann. Angedacht ist ein Pop-Up-Center (Projektname „Das Dürer“) mit wechselnden Mieterinnen und Mietern aus den Bereichen Fashion, Design, innovative Produkte und Services in Kombination mit kulturellen Komponenten.

(2) Digitale Kampagne: Mit Hilfe einer digitalen Kampagne „my stage to be“, die von der Congress- und Tourismuszentrale (CTZ) über alle gängigen Social Media-Kanäle sowie etablierte Blogs ausgespielt wird, soll immer wieder neues Interesse an der Nürnberger Innenstadt geweckt werden. Im Fokus steht die Präsentation der individuellen Charakteristika der Nürnberger Altstadtquartiere und die Aktivierung der Akteurinnen und Akteure vor Ort.

(3) Lebendiger Platz - Prototyp Nördlicher Lorenzer Platz: Im Frühjahr / Sommer 2021 erfolgt als Prototyp eine Bespielung des nördlichen Lorenzer Platzes (vor dem Heimatministerium) mit einer temporären Möblierung und Begrünung sowie kulturellen oder anderen Aktivitäten unter Beteiligung der Anrainer sowie engagierter und kreativer Menschen. Projektstart war am 22.06.2021.

(4) Innovationsnachbarschaften / Kooperation Innovationslabor: Ausgangsbasis ist das neue Zuhause des offenen Innovationslabors „JOSEPHS“, das im März 2021 von der Karl Grillenberger-Straße in den Augustinerhof umgezogen ist. Es ist geplant, das JOSEPHS um eine weitere Funktion zu ergänzen und als Innovationsort für die Innenstadt zu etablieren. Damit sollen innovative Themen und Formate mit der Zielgruppe der Gewerbetreibenden der Innenstadt angeboten und Innovationsprojekte gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen zugänglich gemacht werden. Insbesondere kooperative Ansätze, die unterschiedliche Branchen miteinander verbinden, sollen hier unterstützt werden.

(5) Mobilität: Parkraum neu denken! - Prototyp Adlerstraße: Mit diesem Prototypen wird aus der Adlerstraße im Sommer 2021 eine „Summer Street“ in der Innenstadt und damit zum Versuchsfeld für einen anderen Umgang mit Parkplätzen. In diesem temporären Versuch werden Parkraumflächen gastronomisch genutzt und durch Maßnahmen, die der der Aufenthaltsqualität dienen sollen, begleitet. Ziel ist es Erfahrungen zu sammeln ob Aufenthaltsqualität und Frequenz gleichermaßen erhöht werden können. Projektstart ist Anfang Juli 2021.

(6) „Nürnberg liefert!“ – der regionale Lieferdienst des Nürnberger Einzelhandels: Dieses Projekt befindet sich bereits in Umsetzung und steht seit einigen Monaten für den Einzelhandel im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung. Hintergrund ist der Wunsch einer wachsenden Gruppe von Kundinnen und Kunden, den lokalen Handel sowohl online als auch vor Ort zu unterstützen. Bestellung online oder telefonisch von Zuhause oder Einkaufen im Ladengeschäft und nach Hause liefern lassen. Eine Übersicht über die teilnehmenden Unternehmen gibt es unter www.nuernberg-liefert.de

Erkenntnisse aus der Nürnberger City Werkstatt und Herausforderungen

Die Nürnberger City Werkstatt ist mit einem interaktiven Online-Event am 09.12.2020 gestartet, an dem ca. 60 Innenstadtakteurinnen und -akteure teilgenommen haben (s.o.). Die ersten sechs Monate haben für alle Beteiligten einen enormen Wissens- und Erfahrungszuwachs bewirkt. Eine zentrale Herausforderung für die Verwaltung besteht in der Tatsache, dass es bislang kaum Erfahrung mit kurzfristigen und experimentellen Ansätzen gibt. Das bedeutet, dass es kaum etablierte Verfahrensweisen gibt und Abläufe und Prozesse zum Teil neu aufgesetzt werden müssen, um mit der notwendigen Geschwindigkeit zu Entscheidungen zu kommen bzw. Möglichkeiten zur Unterstützung solch dynamischer Prozesse auch neu geschaffen werden müssen. Insbesondere mit prototypischen Projekten, die schnell, unkompliziert und kostengünstig installiert werden sollen, um Erkenntnisse hinsichtlich der prinzipiellen Eignung zu generieren, wird in der Verwaltung Neuland betreten. Das erforderliche Abweichen von etablierten Verfahren und eine Abstufung der ansonsten erforderlichen Anforderungen sind hier gleichermaßen erfolgskritisch wie herausfordernd. Gleichwohl gehört es zu den Erfolgserlebnissen der vergangenen sechs Monate, dass durch Kooperation zwischen den Dienststellen innerhalb kürzester Zeit neue Prozesse aufgesetzt werden konnten, die diesen Herausforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Flexibilität sehr gut entsprechen.

Das große Engagement hat in relativ kurzer Zeit bereits einige Ergebnisse und Umsetzungserfolge gebracht. Der starke Umsetzungsfokus trägt dabei wesentlich dazu bei, dass die Akteurinnen und Akteure ihre Motivation aufrechterhalten und kontinuierlich Zeit und Ressourcen einbringen.

Laufende Fördermittelakquise

Die Stadt Nürnberg bemüht sich für die Nürnberger City Werkstatt um diverse Fördermittel. Zum einen konnte beim Förderwettbewerb „Kommunal? Digital!“ des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales (StMD) mit dem Projekt „City Connect Nürnberg“ die zweite Auswahlrunde erreicht werden. „City Connect Nürnberg“ soll der digitale Baustein zur Fortentwicklung der Nürnberger City Werkstatt sein, um die Interessen der einzelnen Akteurinnen und Akteure mit denen der Bevölkerung zu verknüpfen und möglichst in Einklang zu bringen. Dies gelingt u.a. mit Netzwerkfunktionen sowie Projektmanagement-Tools (Projekträume, Dokumente, Pläne etc.). Ende Juni 2021 wird das Ministerium darüber entscheiden, ob Nürnberg 500.000 Euro Fördermittel für die Umsetzung des Projektes erhält. Zum anderen steht die Stadt Nürnberg in engem Austausch mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), um Nürnberg als sog. Stadtlabor zu etablieren. Hier hat Nürnberg zusammen mit derzeit zwei anderen deutschen Großstädten und einer Mittelstadt einen Förderantrag beim BMWi gestellt, mit dem Ziel, beispielhafte und übertragbare Ansätze zur Belebung der Innenstadt zu erarbeiten. Weiters beteiligt sich Nürnberg als Modellstadt an einem BMWi-geförderten Projekt zum „Digitalen Leerstands- und Ansiedlungsmanagement“, das durch das IFH Köln (Institut für Handelsforschung) beantragt wurde.

  1. Ausweitung der Fußgängerzone in der Königstraße und der Brunnengasse,

(südliche Altstadt)

Fußgängerzonen sind insbesondere in den Geschäftsbereichen der Innenstadt ein geeignetes Instrument, um den schwächeren Verkehrsteilnehmenden sichere Räume zur Verfügung zu stellen, Verweilqualitäten auch für Anwohner zu schaffen und gleichzeitig angrenzenden Gewerbetreibenden eine hohe Kundenfrequenz zu gewährleisten. Nürnberg hat eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands und viele Touristen und Nürnbergerinnen und Nürnberger haben den Bummel durch die Altstadt vor Corona genossen. Selbst in Zeiten der Pandemie und weitgehend geschlossener Läden nutzen viele Menschen die Innenstadt als

attraktives Ausflugsziel. Ein ausgedehntes Fußgängerzonennetz leistet auch künftig zur Attraktivität der Altstadt einen wichtigen Beitrag.

Es wird vorgeschlagen, die Fußgängerzone in der Altstadt auszuweiten. Die Königstraße ab Königstor sowie die meisten einmündenden Seitenstraßen, die Brunnengasse und ein Teilstück der Färberstraße sollen künftig das Fußgängerzonennetz ergänzen. Dafür wird ein Grundsatzbeschluss begehrt. Die vorgeschlagenen Veränderungen im Verkehrsnetz bieten auch Chancen und Verbesserung für den Fahrradverkehr, insbesondere durch einen Platzgewinn. In den Fußgängerzonen wird der Lieferverkehr zu bestimmten Lieferzeiten freigegeben. Der Radverkehr soll ganztägig zugelassen werden ebenso der Anliegerverkehr zu privaten Stellplätzen und Garagen. Für die Anlieferung bedeutet dies eine Einschränkung im Vergleich zur derzeit zeitlich unbeschränkten Liefer- und Lademöglichkeit.

Sollte die Einführung der neuen Fußgängerzonen im Stadtrat beschlossen werden und eine rasche Umsetzung zum Beispiel nach der Sommerpause gewünscht sein, wären zunächst provisorische Sofortmaßnahmen mit gängigen städtischen Möblierungselementen zur Unterstützung sinnvoll, begleitet durch die kommunale Verkehrsüberwachung. Als weiterer Schritt könnten nach dem Beschluss des Verkehrssystems temporäre Maßnahmen mit flächigen auf den Straßenraum angepasste Möblierungselemente beauftragt werden. Dafür wäre ein etwas längerer Planungsvorlauf nötigt. Diese Elementen sollen dem Aufenthalt dienen und begrünt sein. Sie sollen den Charakter einer Fußgängerzone bis zu einer späteren baulichen Umgestaltung hervorheben. Angestrebt wird, einen Prototypen entwickeln zu lassen, der innovativ und flexibel ist und den Ansprüchen an die Gestaltung in der Altstadt für eine begrenzte Zeit erfüllen kann. Damit könnte er für vergleichbare Anwendungen eingesetzt werden. Sobald ein Konzept dafür vorliegt, soll es im AfS vorgestellt werden. Eine Umsetzung ist 2022/23 beabsichtigt. Sollte sich die Fußgängerzonenausweitungen bewähren, ist eine bauliche Neugestaltung der neuen Fußgängerzonen erforderlich, damit sie im Sinne einer qualitätsvollen Gestaltung die Altstadt nachhaltig und ihrer Bedeutung angemessen aufgewertet werden können und die Regelung von allen Verkehrsteilnehmehmenden eingehalten wird.

A) Neue Fußgängerzone Königstraße: Das Verkehrssystem

Die Königstraße stellt mit ca. 36.000 Fußgängerinnen und Fußgänger in 16 Stunden die zentrale Achse vom Bahnhof in die Innenstadt dar. Eine Ausweisung der Königstraße als Fußgängerzone bedingt den Einbezug der Königstormauer, der Johannesgasse sowie der Theatergasse aufgrund der jeweiligen Zufahrten bzw. der sinnvollen Anknüpfungspunkte an bestehende Fußgängerzonen. Insgesamt entfallen bei Einführung einer Fußgängerzone in und um die Königstraße rd. 58 Parkplätze, davon der Großteil Kurzzeitparkplätze (42).

Um die Durchfahrt Klaragasse/Peuntgasse in einem ersten Bauabschnitt weiterhin ermöglichen zu können, soll die Einbahnregelung in der Klaragasse Richtung Osten umgedreht werden. So kann die Klaragasse vom Kornmarkt kommend befahren werden. Die Abfahrt aus der Peuntgasse erfolgt über den städtischen Bauhofparkplatz, der für den allgemeinen Kfz-Verkehr geöffnet und die Schrankenanlage entsprechend angepasst werden muss. Hier entfällt eine noch zu beziffernde Zahl an Parkplätzen. Ein Teil der bisherigen Mitarbeitendenparkplätze der Stadt ist dann nicht mehr vom öffentlichen Straßenraum abgrenzbar und wird erfahrungsgemäß von nicht Berechtigten belegt werden. Die Begrünung oder Umgestaltung des Bauhofs wird mit der neuen Verkehrsführung nicht sofort möglich sein, eine erste Skizze, wie eine Begrünung erfolgen kann, liegt jedoch vor. Zudem besteht zumindest potentiell die Gefahr, dass ortskundige Kfz-Fahrende bei Rückstauungen im Bereich Frauentorgraben über diese Route (Färberstraße, Kornmarkt, Grasersgasse, Klaragasse, Peuntgasse, Bauhof, Lorenzer Straße bzw. ggf. weiter über Peter-Vischer-Straße, Spitalbrücke und Obstmarkt in die nördliche Altstadt oder Nordstadt) durch die Altstadt abkürzen.

Das Königstor darf nur noch vom Lieferverkehr während der freigegebenen Zeiten sowie Fahrzeugen mit Ausnahmegenehmigung befahren werden. Die Einfahrt in das Königstor sollte dabei nur vom Königstorgraben kommend im Zuge des Rechtsabbiegens zugelassen und die Einfahrt vom Bahnhofsplatz untersagt werden, um eine Gefährdung der Fußgängerinnen und Fußgänger durch zügig einfahrende Kfz aus der Bahnhofstraße zu vermeiden und um den neuen Fußgängerbereich zu verdeutlichen. Der dadurch entstehende Fahrstreifengewinn am Bahnhofsplatz kann für die Straßenbahninsel, zur Deckung des bestehenden Flächenbedarfs der Straßenbahn und zur Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger- und RadfahrerInnen verwendet werden. Dies erfordert langfristig eine Umplanung der LSA, kurzfristig kann die Sperrung der Geradeaus-Fahrbeziehung mithilfe einer Bake erfolgen.

In der Königstraße wird in diesem ersten Bauabschnitt eine Querungslösung für den Kfz Verkehr erforderlich, da die neue Fußgängerzone durch die Fahrbeziehung Klaragasse/Peuntgasse unterbrochen wird. Auf den beiliegenden Übersichtsplan wird verwiesen. In einem späteren zweiten Bauabschnitt kann die Klaragasse/Peuntgasse auch in die Fußgängerzone integriert werden. Die Einführung der neuen Fußgängerzone könnte mit Sofortmaßnahmen und danach mit temporären Maßnahmen unterstützt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll eine vollständige Neugestaltung der Fußgängerzone Königstraße erfolgen. Ergänzende Projekte im Umfeld werden vorgestellt, sie sollen vorrangig zur Unterstützung der neuen Fußgängerzone realisiert werden.

Sofortmaßnahmen zur Einführung der neue Fußgängerzone Königstraße

Sollte die Einführung der neuen Fußgängerzone Königstraße auf Grundlage des Verkehrssystems südliche Altstadt von Vpl im Stadtrat beschlossen werden und eine rasche Umsetzung gewünscht sein, könnten Sofortmaßnahmen gemäß einem Vorschlag vom Stadtplanungsamt die zeitnahe Umsetzung unterstützen. Neben entsprechenden Beschilderungen könnten im Zufahrtsbereich am Königstor / Königstormauer 6 Bäume im städtischen Pflanztrogmodell vorgesehen werden, die die heutige Zufahrt auf ca. 4.00 m einengen und den Beginn der Fußgängerzone signalisieren. Sie bilden zugleich ein Tor und betonen damit die anschließende platzartige Erweiterung der Königstraße. Ein weiterer Baum könnte im Bereich nördlich der Überfahrt Klaragasse / Peuntgasse platziert werden. Im Verlauf der Königstraße könnten ca. 30 Sitzbänke teils mit, teils ohne Rückenlehnen insbesondere in den Parkstände aufgestellt werden, die zum Verweilen einladen. Zusätzliche Fahrradständer werden ergänzt. Dieser Vorschlag ist noch nicht verwaltungsintern abgestimmt. Die genaue Situierung der Elemente könnte ggf. in einem Ortstermin mit den Fachdienststellen und der der Feuerwehr festgelegt werden.

Temporäre Maßnahmen für die neue Fußgängerzone Königstraße

Einen etwas längeren Planungsvorlauf benötigen temporäre Maßnahmen, die flächiger sind und dadurch raumbildend wirken. Es könnten künftig einige auf die Königstraße abgestimmte Begrünungselemente mit Sitz– und Verweilflächen angeboten werden, die den Straßenraum verändern und beleben. Sie tragen zur Aufenthaltsqualität bei und unterstreichen den neuen Fußgängerbereich. Die Skizzen sollen beispielhaft zeigen, wie sich die Königstraße entwickeln kann und welche Potentiale in der Achse der Königstraße stecken. Zwei Visualisierung zeigen den veränderten Charakter. In der ersten Skizze Richtung Hauptbahnhof sorgen zwei Elemente im südlichen Abschnitt der Königstraße für die Anmutung einer Fußgängerzone. Der Obst- und Gemüsestand kann sich neu ausrichten, der gesamte Straßenraum wird zum Flanieren genutzt werden.

Abbildung 1

Visualisierung Königstraße Richtung Königstorturm und Hauptbahnhof (Arch. Hugger)

Die Zweite Visualisierung zeigt den Blick nach Norden, Richtung Lorenzkirche. Auch hier zeigt die begrünte Insel die positive Wirkung auf das Straßenbild.

Abbildung 2

Visualisierung Königstraße Richtung Mauthalle und Lorenzkirche (Arch. Hugger)

Unterstützende Maßnahmen im Umfeld der neuen Fußgängerzone Königstraße

Im Umfeld der Königstraße sind verschiedene Planungen beim Stadtplanungsamt in Abstimmung mit anderen Fachdienststellen in Arbeit. Deren schnelle Realisierung kann und soll die neue Fußgängerzone Königstraße frühzeitig dauerhaft und nachhaltig in dem jeweiligen Abschnitt unterstützen, aufwerten und harmonisch in ein Gesamtbild einfügen. Sie könnten nach Beschluss im AfS an SÖR zur Realisierung übergeben werden. Der Bereich liegt im Stadterneuerungsgebiet Altstadt-Süd, eine Förderung aus Stadterneuerungsmitteln wird derzeit geprüft.

Neugestaltung der Fußgängerzone Luitpoldstraße Beschluss im AfS 12.12.2019, Ausführung voraussichtlich 2022/23 Planung: 3 zusätzliche Baumpflanzungen, 3 zusätzliche Grüninseln, Sitzbänke, neuer Stadtboden nach GHB Angemeldet im Sonderfond „Innenstädte beleben“ Die Luitpoldstraße – heute schon Fußgängerzone - liegt an der hochfrequentierten Achse der Königstraße und dient gleichzeitig als Zugang zum Neuen Museum. Ihr Erscheinungsbild entspricht schon lange nicht mehr dem einer Fußgängerzone. Die geplante Neugestaltung der Luitpoldstraße geht einher mit einer verbesserten Materialität, weiterer Begrünung und zusätzlicher Ausstattungselemente. Die Ausstattungselemente konzentrieren sich im südlichen Bereich zwischen der Baumreihe. Die Belagsauswahl mit grauen, hellgelben und rötlichen Granitsteinen soll den Bereich in einen ansprechenden Straßenzug verwandeln und die Nachhaltigkeit gewährleisten. Mit der Realisierung der Planung werden die im Rahmen des INSEK Altstadt Nürnberg (2012) definierten Sanierungsziele in den Bereichen Stadtklima/Stadtgrün, Lebensqualität und Qualitätsoffensive in der Luitpoldstraße verfolgt und sowohl eine funktionale Aufwertung erzielt als auch die Aufenthaltsqualität gesteigert. Die voraussichtlichen Kosten liegen bei ca. 2.833.000 Euro

Neugestaltung der Johannesgasse zur Fußgängerzone Beschluss der Planung in gleicher Sitzung (21.07.2021) als Grundlage für weiteres Vorgehen zur Umsetzung Planung: 4 neue Baumpflanzungen, Fassadenbegrünung, neuer Stadtboden nach GHB Die Johannesgasse wird im Zuge der neuen Fußgängerzone Königstraße ebenfalls zur Fußgängerzone werden. Zur Zeit ist die Johannesgasse baulich in sehr schlechtem Zustand und bedarf der Erneuerung. Die Planung sieht zur Aufwertung der Gasse einen einheitlichen Straßenbelag mit Granitgroßsteinpflaster vor. Die Entwässerung und Gliederung erfolgt in Anlehnung an die im Gestaltungshandbuch vorgesehenen Beispiele in den Gassen und Straßen im historischen Altstadtbereich durch ein- und zweizeilige Rinnen. Zur Begrünung und Aufwertung der Gasse werden auf der Ostseite der Johannesgasse zwischen den Zufahrten zur Parkpalette drei neu zu pflanzende Bäume vorgeschlagen sowie ein Baum im ost-westverlaufenden Straßenabschnitt vor dem Anwesen 22. Um mehr Grünausstattung im Straßenraum sichtbar und wahrnehmbar zu machen, sollen die Baumscheiben bepflanzt werden. Die voraussichtlichen Kosten liegen bei ca. 1, 1 Mio. Euro

Neugestaltung Hallplatz im Bereich des Denkmals „Flucht und Vertreibung“ Beschluss im Stadtrat in gleicher Sitzung, 21.07.2021 Planung: 6 neue Baumpflanzungen im Bereich des Denkmals, Sitzbänke, neuer Stadtboden nach GHB Angemeldet im Sonderfond „Innenstädte beleben“ Die platzartige Aufweitung vor der Mauthalle wirkt weit in die Königstraße hinein. In Folge der Klimaveränderung soll der Platz mit neuen, dauerhaften Baumpflanzungen versehen werden. Hierzu werden, anstelle der mobilen Bäume, locker über den Platz verteilte Baumgruppen gepflanzt. Unter und neben den Bäumen sind neue öffentliche Sitzbänke vorgesehen. Die nicht kommerziellen und beschatteten Sitzmöglichkeiten sind für eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Altstadt unverzichtbar und gleichzeitig Wunsch vieler Bürger. Das Kunstwerk „Flucht – Vertreibung“ von Joachim Bandau bleibt erhalten und bildet den Mittelpunkt

der Baum- und Sitzgruppen. Der Künstler begrüßt ausdrücklich die Baumpflanzung und die Sitzbänke, weil das Umfeld des Kunstwerks eine Aufwertung erfährt und die Wendemöglichkeit auf der Denkmalfläche verhindert wird. (Siehe Vorlage in gleicher Sitzung des Stadtrats). Die voraussichtlichen Kosten liegen bei ca. 700.000 Euro.

Begrünung Bauhof, Skizze Beschluss der Skizze im Stadtrat am 21.07.2021 als Grundlage für weiteres Vorgehen zur Umsetzung Vorgesehen sind ca. 8 neue Baumpflanzungen Der Bauhof erhält im künftigen Verkehrssystem eine neue Bedeutung. Er soll für den allgemeinen Kfz Verkehr geöffnet werden. Dies bietet die Möglichkeit, ihn neu zu strukturieren und mit nachhaltige Baumpflanzungen zu gliedern und aufzuwerten. Eine erste Skizze mit möglichen Baumstandorten liegt vor. Eine Kostenschätzung liegt noch nicht vor.

B) Neue Fußgängerzone Brunnengasse / Färberstraße: das Verkehrssystem

Mit der neuen Fußgängerzone Königstraße kann gleichzeitig auch in der Färberstraße nördlich der Frauengasse sowie der gesamten Brunnengasse eine Fußgängerzonenregelung eingeführt werden. Hier entfallen insgesamt 32 Parkplätze, von denen derzeit 22 für Bewohnerinnen und Bewohner reserviert sind. Für diese stehen dann, außer in den vorhandenen Parkhäusern, kaum Alternativen zum wohnortnahen Parken zur Verfügung.

Sofortmaßnahmen zur Umsetzung des Verkehrssystems

Sollte die Einführung der neuen Fußgängerzone Königstraße auf Grundlage des Verkehrssystems südliche Altstadt von Vpl im Stadtrat beschlossen werden und eine rasche Umsetzung gewünscht sein, könnten Sofortmaßnahmen gemäß dem Vorschlag vom Stadtplanungsamt die zeitnahe Umsetzung unterstützen. In der Färberstraße nördlich der Einmündung Frauengasse könnten zwei Bäume in städtischen Pflanztrögen die heutige Zufahrt auf ca. 4.00 m einengen und den Beginn der Fußgängerzone signalisieren. Sie bilden zugleich ein Tor. Zwei Sitzbänke ergänzen die neue Fußgängerzone. Da auch dieser Vorschlag noch nicht verwaltungsintern abgestimmt wurde, könnte eine genaue Situierung der Elemente in einem Ortstermin mit den Fachdienststellen und der der Feuerwehr festgelegt werden.

Temporäre Maßnahmen für die neue Fußgängerzone Brunnengasse/Färberstraße

Auch hier wären temporäre Maßnahmen mit Sitzgelegenheiten und flächige Begrünungselemente sinnvoll. Sie tragen zur Aufenthaltsqualität bei und verändern den Straßencharakter. Die Skizze soll beispielhaft zeigen, wie sich die Färberstraße entwickeln könnte. Die Visualisierung zeigt auch hier den veränderten Straßencharakter und die Potentiale für Aufenthaltsqualität, die eine Fußgängerzone bieten kann.

Abbildung 3

Visualisierung Färberstraße Richtung Norden, Höhe Frauengasse (Arch. Hugger)

3. Bergstraße, Albrecht-Dürer-Platz, neue Verkehrsberuhigte Bereiche und neue

Fußgängerzone Burgstraße, (nördliche Altstadt)

Am 03.03.2021 wurde das Verkehrskonzept nördliche Altstadt im Verkehrsausschuss beschlossen. Auf die Vorlage wird verwiesen. Zur Unterstützung des neuen Verkehrssytems sollte ein temporäres Konzept erarbeitet werden, das die Einführung der Verkehrsberuhigten Bereich und die neue Fußgängerzone unterstützen und die Aufenthaltsqualität in diesen Bereichen erhöht. Zur Anmeldung des Sonderfonds „Innenstädte beleben“ wurde seitens des Stadtplanungsamtes nun in Kürze Konzepte entwickelt, die bisher noch nicht verwaltungsintern abgestimmt wurde. Eine überschlägige Kostenschätzung ergab für diese Maßnahmen Kosten in Höhe von ca. 200.000 Euro (incl. Burgstraße).

Temporäre Maßnahmen für Bergstraße / Albrecht-Dürer-Platz

Das Konzept sieht verschiedene Grünelemente und Sitzinseln vor, die nicht aus dem gängigen Möblierungskanon der Stadt entnommen wurde, denn die Bergstraße und der Albrecht Dürer Platz weisen ein starkes Gefälle auf. Die Ausstattungselemente müssen hier sehr anpassungsfähig sein. Zum einen könnten Einzelgehölze in ‚Pflanzsäcken‘ entlang von Platz und Straße sowie zum anderen große Sitzinseln aufgestellt werden. Kleinere Sitzinseln könnten am Beginn des Albrecht-Dürer-Platzes und in der oberen, nördlichen Hälfte der Bergstraße, sowie eine große Sitzinsel am Nordrand des Platzes eingerichtet werden. Im Umgriff des Albrecht-Dürer-Denkmals könnten zwei niedrige Pflanzflächen als Blüh- und Wiesenstücke, eingefasst mit ca. 25 cm hohen Stahlbändern, die ebenfalls das Gefälle ausgleichen, vorgesehen werden. Die Stufen des Denkmals bleiben als Sitzgelegenheiten zugänglich. Fünf weitere, etwas kleinere Pflanzflächen akzentuieren die Sitzinseln. Die Maßnahmen verstehen sich als temporär, ein späterer Umbau wird erforderlich.

Burgstraße wird Fußgängerzone

Die Burgstraße ist bereits niveaugleich nach einem beschlossenen Gestaltungsplan ausgebaut (Plan Nr. Stpl/3N-1.18/95). Dieser Ausbau setzt die Gestaltung des Rathausplatzes fort. Bisher sind am östlichen Fahrbahnrand Parkplätze zugelassen, die platzartige Aufweitung ist derzeit mit Pfosten vor Parkern gesichert. Vorgesehen sind am Beginn und Ende der neuen Fußgängerzone Solitärbäume mit Unterpflanzung im städtischen Pflanzgefäß und eine Bank Typ ‚Nürnberg‘. Der Niveauunterschied des Geländes muss mit dem Gefäß jeweils ausgeglichen werden. Die Pflanzgefäße markieren die Zugänge an der Einmündung der Theresienstraße und der Oberen Krämersgasse, die Durchfahrtsbreite wird auf 3,5 m begrenzt. Diese temporären Maßnahmen sollen die Gewöhnung an die neu ausgewiesene Fußgängerzone unterstützen. NZU einem späteren Zeitpunkt können die Pfosten mittig entfernt werden.

  1. Weitere Projekte im öffentlichen Raum, die zur Qualitätssicherung der Altstadt

im Sinne des INSEKs beitragen und den Einzelhandel stärken

Im Folgenden werden Projekte und Maßnahmen vorgestellt, die teils gerade innerhalb der Verwaltung erstellt werden, teils dafür die Expertisen von unabhängigen Dritten hinzugezogen wurden oder werden. Und es wird über erste Ergebnisse berichtet.

Neugestaltung Tuchgasse/Winklerstr/Südseite Augustinerstr als Fußgängerzone letzter AfS Beschluss 27.09.2018, voraussichtlicher Ausbau 2023 Einen wichtigen Beitrag leistet dabei auch die neue attraktive Wegeverbindung durch das Augustinerhofareal, die sich zu einem kleinen Platz am Fluss öffnet, der Aufenthaltsqualität bietet und die Altstadt wieder näher ans Wasser rückt. Der Weg stellt einen wichtigen Lückenschluss dar. Er verbindet den Hauptmarkt über die Tuchgasse direkt mit der Pegnitz im Westen, dem Trödelmarkt und dem Nägeleinsplatz. Deshalb gewinnt die Tuchgasse / Winklerstraße und Augustinerstraße Südseite an Bedeutung und soll zur Fußgängerzone umgestaltet werden. In der Wettbewerbsauslobung zum Hauptmarkt war das bereits ein erklärtes Ziel. Die Planung wird derzeit an das Planungsbüro Schegk, dem Preisträger des damaligen Wettbewerbs, vergeben. Die Ausführung ist für 2023 geplant.

Neugestaltung des Obstmarktes und Umfeld Frauenkirche Letzter Beschluss AfS vom 30.01.2020 Planung: ca. 35 Baumneupflanzungen, 2 Brunnen, Sitzbänke, neuer Stadtboden und Beleuchtung Zugunsten von großzügigen Fußgänger-, Aufenthalts- und Außengastronomiebereichen sollen die heute überdimensionierte Fahrbahnfläche auf ein funktional notwendiges Maß zurückgebaut werden. Die Frauenkirche soll künftig im Mittelpunkt zwischen Haupt- und Obstmarkt stehen und sie verbinden. Am Obstmarkt und im Umfeld der Frauenkirche sind künftig ca. 36 neue Bäume in unterschiedlichen Ausformungen und Raumwirkungen vorgesehen. Dies soll dem Wunsch nach einem grünen Obstmarkt Rechnung tragen. Das Element Wasser wird mit zwei Brunnen den Obstmarkt bereichern und gerade auch für Kinder Spielmöglichkeiten bieten. Nach der Sommerpause ist vorgesehen, die Entwurfsplanung des Stadt- und Landschaftsplanungsbüros Schegk aus Heimhausen beschließen zu lassen. Eine Realisierung ist ab 2023 geplant. Die Maßnahme stellt ein Schlüsselprojekt zur Aufwertung der Altstadt dar.

Aufwertung des U-Bahn-Zuganges Lorenzkirche Im Zuge der Diskussion um die beiden Nürnberger Karstadt-Filialen im Frühjahr 2020 hat die Stadt Nürnberg eine City Offensive gestartet mit dem Ziel, die Strahlkraft der Innenstadt weiter zu erhöhen. Erste Maßnahmen im Zuge der City Offensive waren die Nürnberger Sommertage 2020 mit dezentralen Attraktionen und der Beginn der Planungen für die Sanierung der Passage am U-Bahnhof Lorenzkirche, der baulich in Verbindung steht mit dem Karstadt Warenhaus. Die Aufwertung der Passage kann Teil einer Willkommenskultur für regionale und

überregionalen Besucherinnen und Besucher aber auch für alle Nürnbergerinnen und Nürnberger sein.

Nürnberger Linie, Gestaltungshandbuch für den öffentlichen Raum Durch die konsequenten Anwendung des Gestaltungshandbuchs, das vom Büro Schwarzenberger in enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung entwickelt wurde, sind im Rahmen von regen Bautätigkeiten in der Altstadt schon einige Maßnahmen im Sinne des Gestaltungshandbuches ausgeführt worden. Mit dem Beschluss des Gestaltungshandbuchs ist es nun möglich, hochwertige Materialien wie das gehfreundliche geschnittene Granitgroßsteinmaterial im öffentlichen Raum einzusetzen. Diese Bereiche sind bereits nach den Vorgaben des GHB ausgeführt: Rathausplatz, Waaggasse/Winklerstraße Nord, Umfeld Augustinerhof, Hans-Sachs-Platz Ostseite, Wollengässchen. Weitere Maßnahmen werden in der Bergstraße, am Lorenzer Platz Südseite, in der Dr. Kurt-Schumacher-Straße und in der Oberen Wörthstraße folgen.

Sondernutzungsrichtlinie Altstadt Warenpräsentationen, Kundenstopper und verschiedene andere kommerzielle wie nichtkommerzielle Sondernutzungen im öffentlichen Raum mit unterschiedlichem Qualitätsniveau hatten in der Altstadt deutlich zugenommen, was bereits 2012 im INSEK Altstadt festgestellt wurde. Anforderungen an Sondernutzungen sind ein wichtiger Baustein, die Qualität des öffentlichen Raumes in der Altstadt zu verbessern und die Altstadt aufzuwerten. Deshalb haben das Wirtschaftsreferat (Liegenschaftsamt) und das Planungs- und Baureferat (Stadtplanungsamt) die Richtlinie zur Neuordnung und Zulassung von Sondernutzungen in der Nürnberger Altstadt („Sondernutzungsrichtlinie Altstadt“) erarbeitet, die vom Stadtrat am 23.10.2019 beschlossen wurde (vgl. auch Ausschuss für Recht, Wirtschaft und Arbeit vom 16.10.2019 und Stadtplanungsausschuss vom 17.10.2019). Sie trat zum 01.01.2020 in Kraft. Ziel ist der Richtlinie es, die Qualität des öffentlichen Raumes in der Altstadt mit einfachen zu verbessern und damit die Altstadt aufzuwerten. Nach der Richtlinie sind z.B. Kundenstopper in der Altstadt nicht mehr gestattet. Dadurch ist eine bessere barrierefreie Nutzung des öffentlichen Raumes möglich und das Erscheinungsbild ist ruhiger. Ziel ist es, mit einem verträglichen Miteinander den verschiedenen Ansprüchen an den öffentlichen Raum gerecht zu werden. Neben Flächen für einen konsumzwangfreien öffentlichen Raum sind Belange der Barrierefreiheit, des Denkmalschutzes oder von Rettungsfahrzeugen zu beachten.

Qualitätsoffensive Wochenmarkt Hauptmarkt Die von Wirtschaftsreferat (Marktamt) initiierte „Qualitätsoffensive Wochenmarkt Hauptmarkt“ wurde am 06.12.2017 im Ausschuss für Recht, Wirtschaft und Arbeit beschlossen. Sie hat das Ziel, den Wochenmarkt auf dem Hauptmarkt noch attraktiver zu machen. Denn auch der Wochenmarkt trägt wesentlich zu einer guten Nutzungsmischung bei und stärkt mit einem qualitativ hochwertigen Angebot und Erscheinungsbild die Altstadt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Erscheinungsbild der Verkaufseinrichtungen auf dem Hauptmarkt. Deshalb wurden am 03.07.2019 im Ausschuss für Recht, Wirtschaft und Arbeit und am 18.07.2019 im Stadtplanungsausschuss Gestaltungsrichtlinien für die Verkaufseinrichtungen auf dem Wochenmarkt Hauptmarkt beschlossen. Diese wurden vom Marktamt zusammen mit der Bauordnungsbehörde (Denkmalschutz), dem Stadtplanungsamt (Stadtgestaltung) und dem Architekturbüro „Topos team“ entwickelt und sollen das Erscheinungsbild des gesamten Marktes im Zuge der Qualitätsoffensive aufwerten. Für den Wochenmarkt Hauptmarkt zudem wurden Tische und Stühle angeschafft, deren Standort auf der Wochenmarktfläche des Hauptmarkts veränderbar ist. Die Stühle werden auf dem Hauptmarkt wieder zur Verfügung stehen, sobald es das Pandemiegeschehen wieder zulässt.

Lichtkonzept für die Nürnberger Altstadt Das Lichtkonzept Altstadt greift die Identität und Qualität der Nürnberger Altstadt auf, macht sie auch nachts sichtbar und stärkt den öffentlichen Raumes. Licht soll die Attraktivität des öffentlichen Raumes in der Altstadt steigern, Atmosphäre erzeugen, Freiräume aufwerten, die Besonderheiten der Stadt auch nachts sichtbar machen, die Position im nationalen und

internationalen Wettbewerb stärken und das Sicherheitsgefühl und die Orientierung für alle verbessern. Bisher wurden folgende Maßnahmen realisiert: Tratzenzwinger, Agnesbrücke 2010, Kettensteg 2011, Insel Schütt 2014, Schöner Brunnen 2016, Ensemble Weinstadl, Henkersteg, Maxbrücke, 2016, Egidienkirche mit Umfeld 2017, Jakobsplatz mit Jakobskirche und St. Elisabethenkirche 2018, Marientorzwinger in Planung, Tiergärtnertorplatz in Planung.

Pocketparks und Grünflächen in der Altstadt Die Planung „Aufwertungen der Grünfläche Nägeleinsplatz“ durch externe Planer und SÖR sind abgeschlossen und warten auf eine Realisierung. Sie stehen im Zusammenhang mit der neuen Wegeführung über den Augustinerhof, Tuchgasse, Hauptmarkt und Obstmarkt und werten die Altstadt am Wasser erheblich auf. In Planung ist die Freifläche am Marientorzwinger und die Grünfläche an der Tetzelgasse / Schwarzer Peststadel. Bereits hergestellt ist der Pocketpark Nonnengasse.

Nachhaltige Baumpflanzungen, Projekte in Planung Künftig könnten bestehende Plätze im Sinne einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Stadtklimas durch nachhaltige und dauerhafte Baumpflanzungen aufgewertet werden. Diese Projekte befinden sich derzeit in 2. Priorität und können nicht bearbeitet werden, da keine personellen Ressourcen dafür zur Verfügung stehen:  Andreij Sacharow Platz: ca. 6 zusätzliche Bäume wären möglich  Bauhof: ca. 8 zusätzliche Bäume und Entsiegelung von Flächen  Unterer Bergauer Platz: Altstadt ans Wasser, Aufenthaltsqualität durch Aufwertung. (AfS-Beschluss vom 17.12.2020)

Temporäre Maßnahmen (Begrünte Gestaltungselemente) in Planung:  Lorenzer Platz: Die Situierung von 12 mobilen Bäumen erfolgte im Mai 2021  Bergstraße / Albrecht-Dürer-Platz: Es sind temporäre Maßnahmen mit begrünten Gestaltungselementen, die den geplanten verkehrsberuhigten Bereich unterstützen, vorgesehen.  Burgstraße wird Fußgängerzone: Auch hier sind temporäre Maßnahmen mit begrünten Gestaltungselementen zur Einführung der neuen Fußgängerzone in Planung.

IV. Finanzierung/Stadterneuerung/Sonderprogramm

Stadterneuerung in der Altstadt

Innerhalb der Stadtmauer sind derzeit die beiden Stadterneuerungsgebiete „Nördliche Altstadt“ (Programm Lebendige Zentren) und „Altstadt-Süd“ (Programm Sozialer Zusammenhalt) förmlich festgelegt. Beiden Gebieten ist im Mittelfristigen Investitionsplan je eine Finanzierungspauschale zur (Teil-)Finanzierung geförderter investiver Maßnahmen zugeordnet.

2020 wurden die Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramme neu gefasst und auf drei Programme reduziert. Die „Nördliche Altstadt“ war bis dato dem Programm „Aktive Zentren“ zugeordnet, die „Altstadt-Süd“ dem Programm „Soziale Stadt“. Ziele und Förderregeln haben sich durch die Umstellung jedoch nicht grundlegend verändert, so dass Stadterneuerungsmaßnahmen in gewohnter Weise in den Gebieten weiter laufen können. Für große Teile der Altstadt sind über die Stadterneuerung konkrete Sanierungsziele formuliert, denen i.d.Regel die hier vorgestellten Projekte folgen. Dadurch sind umfassende Zuschussmöglichkeiten in Aussicht gestellt und es stehen eigene Investitionspauschalen im Mittelfristigen Investitionsplan zur Verfügung. Beispielhaft seien hier der Obstmarkt, die Tuchgasse/Winklerstraße, die Augustinerstraße Südseite oder die Pocketparks angeführt.

Programm „Lebendige Zentren – Erhalt und Entwicklung der Orts- und Stadtkerne

Zentrales Ziel des Programms "Lebendige Zentren – Erhalt und Entwicklung der Orts- und Stadtkerne" ist es, die Stadt- und Ortsmitten zu bewahren und zu attraktiven und identitätsstiftenden Standorten für Wohnen, Arbeiten, Wirtschaft und Kultur zu entwickeln. Mit seinem integrierten Ansatz zielt das Programm auf die Bewältigung der Herausforderungen von Innenstädten, Stadtteilzentren und Ortskernen, die durch Funktionsverluste, Gebäudeleerstände und abnehmende Nutzungsintensitäten bedroht sind.

Projektauswahl

Im Rahmen des Stadterneuerungsprozesses wurden und werden in beiden Gebieten zahlreiche geförderte Maßnahmen umgesetzt, z.B. Zentralbibliothek Luitpoldhaus, Pocket Parks Hans- Sachs-Gasse und Nonnengasse, Südufer Insel Schütt, Künstlerhaus 3. Bauabschnitt und Interimsgebäude Künstlerhaus in der Peuntgasse 5-7, Denkmalsanierung Hintere Ledergasse 43, Private Hof-, Dach- und Fassadenbegrünungen, Begrünung Hochbeete Bauhof.

Weitere Projekte werden derzeit vorbereitet bzw. stehen kurz vor der Umsetzung, z.B. Luitpoldstraße, Sanierung Herrenschießhaus, Neugestaltung Obstmarkt, Aufwertung Nägeleinsplatz, Ausweitung Fußgängerzone, Nördlicher Marientorzwinger, Hallplatz, Stadtgraben, Pellerhaus, Südliche Augustinerstr. / Winklerstr. / Tuchgasse.

Quartiersmanagement - Beteiligung und Information

Das Quartiersmanagement Altstadt dient als Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürgerschaft, mit dem Meinungsträgergreis steht ein bewährtes öffentliches Austausch- und Diskussionsgremium zur Verfügung. Kleinere Maßnahmen lokaler Initiativen können über Projektfonds bezuschusst werden. Der Internetauftritt www.altstadt.nuernberg.de enthält umfassende und regelmäßig aktualisierte Informationen rund um die Stadterneuerung in der Altstadt.

Optimierung von Mitteln aus Baupauschalen

Baupauschalen werden in der Regel für Unterhaltsmaßnahmen eingesetzt. Diese können im Rahmen der Städtebauförderung nicht bezuschusst werden. Erreicht eine Maßnahme jedoch eine sehr hohe gestalterische und neuartige funktionale Qualität, die einer Neugestaltung gleichkommt, ist eine Förderung unter Umständen in Abstimmung mit der Regierung von Mittelfranken denkbar. Durch den Zuschuss kann im Idealfall die Realisierung eines hochwertigeren Ergebnisses bei gleichem Finanzierungsaufwand für die Stadt Nürnberg erreicht werden. Unter dem Label „Klein aber fein“ wird in Stadterneuerungsgebieten versucht, kleinteilige und hochwertige Maßnahmen zu realisieren. Die Umsetzung gestaltet sich regelmäßig auch wegen verwaltungsinterner Hürden (hoher Abstimmungsaufwand, unklare Zuständigkeiten, fehlende Ressourcen, niedrige Priorisierung) als sehr zähes Unterfangen.

Sonderfonds „Innenstädte beleben“

Angesichts der Herausforderungen, vor denen Innenstädte nicht nur infolge der Pandemie stehen, hat der Freistaat Bayern im Rahmen der Städtebauförderung den Sonderfonds „Innenstädte beleben“ aufgelegt. In Ergänzung zu den üblichen Fördergegenständen der Städtebauförderung sind in diesem Sonderprogramm auch größere, flexibel einsetzbare Projektfonds, temporäre Maßnahmen sowie Zwischennutzungen förderfähig. Projekte konnten bis einschließlich 10. Juni bei der Regierung von Mittelfranken angemeldet werden. Eine vom Stadtplanungsamt einberufene referatsübergreifende Arbeitsgruppe stellte Projektvorschläge aus den verschiedenen Fachdienststellen für die Antragstellung zusammen. Die Beschlussfassung ist im Stadtplanungsausschuss am 10.6.2021 erfolgt. Einige Maßnahmen der Nürnberger City Werkstatt waren Teil des Anmeldungskataloges für das Städtebauförderungsprogramm „Sonderfonds Innenstädte beleben“ (Beschlussfassung im Stadtplanungsausschuss am 10.6.2021). Die Antragsunterlagen wurden am selben Tag eingereicht. Für den „Sonderfonds Innenstädte beleben“ sind u. A. auch unterstützende, temporäre Maßnahmen zur Ausweitung der Fußgängerzone und einzelne Maßnahmen in deren Umfeld berücksichtigt.

V. Qualitätssicherung im Rahmen des INSEK

Das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (INSEK) Altstadt wurde im Jahr 2012 vorgelegt. Unter dem Leitmotiv „Qualität“ waren damals Ziele, Konzeptbausteine und daraus abgeleitete Projektumsetzungen für die Altstadt formuliert worden. Die Erarbeitung des INSEK war durch ein fachübergreifendes „Gebietsteam“ aus Verwaltung und mit externen Fachleuten begleitet worden. Wie bei allen INSEKs wird danach – bis heute – die weitere Umsetzung der Konzeptbausteine und Projekte durch dieses Gebietsteam begleitet. Das folgt dem Prinzip, nach dem Konzepterarbeitung und Umsetzung nicht voneinander zu trennen sind. Andernfalls bestünde das Risiko, dass gute Konzepte im Regal stehen und losgelöst davon Maßnahmen in die Umsetzung gehen.

Nach etwa fünf Jahren hatte sich gezeigt, dass das Leitmotiv „Qualität“ und die meisten Konzeptbausteine des INSEK Altstadt weiter tragfähig sind und das INSEK als Orientierung auch für die jüngere Altstadtentwicklung als Maßstab geeignet ist. Als kaum realisierbar hatten sich einzelne Bausteine beispielsweise zum „Neuen Wohnen“ erwiesen, die vor allem an der kleinteiligen Eigentümerstruktur der Altstadt „hängen geblieben“ waren. Dagegen gab es aber auch neue Akzente zum Beispiel im Bereich Mobilität und Erreichbarkeit, die damals so noch nicht so im Fokus standen

Vor diesem Hintergrund wurden im Jahr 2020 die INSEK-Ziele auch für die Altstadt durch das Gebietsteam neu ausgerichtet und fünf Konzeptbausteine aktualisiert „Qualität verbessern“, Stadtklima und Lebensqualität steigern“, „Soziale Teilhabe und Quartiersidentitäten verbessern“, „Vielfalt der Altstadt(-funktionen) erhalten und stärken“ sowie „Mobilität und Erreichbarkeit optimieren“. Die Neuausrichtung des INSEK wird weiterhin vom fachübergreifenden Gebietsteam (derzeit unter Leitung des Stabs Stadtentwicklung im Bürgermeisteramt) begleitet. Die hier vorgestellten Projekte entsprechen diesen Zielsetzungen.

Derzeit stellt die Corona-Pandemie gerade die Altstadt vor ganz besondere Herausforderungen. Dem ohnehin durch Digitale Transformation und Onlinehandel unter Druck stehenden stationären Handel muss es in der Post-Corona-Zeit gelingen, verlorenes Terrain wieder zurück zu holen. Auch wenn in der Nürnberger Altstadt die Voraussetzungen dafür – anders, als in vergleichbaren Städten – wegen der Multifunktionalität und vor allem dem hohen Wohnanteil ungleich günstiger sind, sind erhebliche Anstrengungen seitens aller Beteiligten erforderlich. Das derzeit vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr aufgelegte bayerische 100 Mio. €-Programm „Sonderprogramm Innenstädte beleben“ setzt hier an. Die Fokussierung auf Qualität als Leitthema steht dabei nicht im Widerspruch zu temporären Projekten. Vielmehr können solche Aktivitäten als Beitrag zu einer sich stetig wandelnden, lebendigen Innenstadt verstanden werden, als Grundlage, um langfristig und nachhaltig Qualität zu generieren.

Darüber hinaus ist vorstellbar, auch mit einer erneuten Anpassung von Konzeptbausteinen im INSEK Altstadt auf die Post-Corona-Herausforderungen zu reagieren. Dazu sollten wir allerdings zunächst die Entwicklung der nächsten Monate abwarten und die Wirkung der Maßnahmen aus dem Sonderprogramm.

VI. Fazit

Die Nürnberger Altstadt ist - wie alle Innenstädte - seit jeher einem Wandel unterworfen. Sie ist eine europäische Stadt par excellence.

Auch künftig wird sie ein Ort der Vielfalt, der Multifunktionalität und der Kreativität sein, die viele Besucherinnen und Besucher anzieht. Sie ist durch die unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkte, die in der Altstadt vorhanden sind, sehr gut aufgestellt. Diese haben in

den letzten Jahren auch weitere Ergänzungen erfahren: Die vorhandenen großen Wohngebiete insbesondere in der nördlichen Altstadt wurden durch neue Wohnbaugebiete wie das Kreuzgassenviertel, die Palmenhofbebauung und nicht zuletzt die Bebauung der Sebalder Höfe ergänzt und gestärkt. Auch die Ansiedelung neuer, attraktiver Kultur- und Bildungseinrichtungen wie das Neue Museum, das Bildungszentrum, das Kindertheater Pfütze, verschiedene Kinos und nicht zuletzt das Zukunftsmuseum - eine Zweigstelle des Deutschen Museums München oder die Ansiedlung des Evangelischen Campus im ehemaligen Telekom-Gebäude am Rathenauplatz führen zu Synergien, die auch dem Einzelhandel und der Gastronomie zugutekommen. Diese Vielfalt wird auch künftig viele Besucherinnen und Besucher anziehen. Sie stärkt die Altstadt und die bereits vorhandenen Kultureinrichtungen. In dieser ausgewogenen Nutzungsmischung liegt die Qualität und der Reiz für Besucher und Anwohner aber auch die Resilienz, die gerade in schwierigen Zeiten wie die einer Pandemie so wichtig ist und die das Stadtzentrum für die Zukunft stärken kann.

Ein Schwerpunkt in der der Neuen Leipzig Charta ist eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung, dabei wird auf qualitativ hochwertige, für alle offene und sichere öffentliche Räume abgestellt. Denn sie machen die Innenstädte lebendig und schaffen Räume für Begegnungen, Austausch und Integration. Die Erlebnisgesellschaft wird auch weiterhin in die Altstadt streben, die für sie als Bühne dient. Im INSEK Altstadt wurden Ziele formuliert und Projekte auf den Weg gebracht, die die Altstadt nachhaltig stärken. Hier sind langfristige Strategien formuliert und nachhaltige Projekte initiiert, die den Klimawandel und die Demografie berücksichtigen.

Zur Erprobung und Vorbereitung von langfristigen und qualitätsvolle Maßnahmen kann ein temporärer, prototypischer Ansatz - wie er z.B. im Rahmen der Nürnberger City Werkstatt erfolgt - Möglichkeiten zu innovativer Erneuerung und Weiterentwicklung sein. Damit können Erkenntnisse ohne große Risiken generiert werden, als Voraussetzung für permanente Lösungen. Langfristige, qualitätsvolle Projekte im öffentlichen Raum können durch temporäre Impulse profitieren. Dafür sind in der Stadtverwaltung in den verschiedenen Geschäftsbereichen und Dienststellen Ressourcen nötig, die mit der gebotenen Flexibilität solche experimentellen Ansätze unterstützen können.

Um dem Qualitätsanspruch, wie er im INSEK Altstadt formuliert ist, gerecht zu werden, sind letztendlich dauerhafte und nachhaltige Lösungen die die Wertigkeit der Altstadt als Ganzes fördern und ihr entsprechen erforderlich. Temporäre Maßnahmen können öffentliche Räume probeweise neu definieren und den Prozess wesentlich stärken. Dauerhafte und temporäre Maßnahmen sind in Balance zu halten, dieser Anspruch setzt qualitätsvolle Fachplanungen voraus. Dafür sind personelle Ressourcen in der Planung und den ausführenden Dienststellen ebenso wie die Ausstattung mit entsprechenden Finanzmitteln und das Einwerben von Fördermitteln erforderlich.

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