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Rede zur Einbringung des Nürnberger Stadthaushalts 2017
Maschinell extrahierter Text. Tabellen verlieren dabei ihre Form, verbindlich ist das Original.
Rede zur Einbringung
des Nürnberger
Stadthaushalts 2017
Hinweis: Die Haushaltsrede ist nur in Kombination
mit dem zugehörigen Foliensatz verständlich.
Es gilt das gesprochene Wort.
Die Folien finden sich in einem kleinen Format an
den entsprechenden Stellen im Text und nochmals
im Großformat für das Detailstudium nach dem Text
der Haushaltrede.
Nürnbergs Stadthaushalt 2017
Die Finanzierung unserer Zukunftsinvestitionen
als gemeinsame Herausforderung!
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem
Stadtrat, der Verwaltung und der Presse,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
auch wenn das Ihrer Aufmerksamkeit für die diesjährige Haushaltseinbringung schaden könnte, will
ich durchaus zugeben, dass ich bei der Vorbereitung auf heute das eine oder andere Mal den Gedanken an das berühmte „same procedure as every
year“ aus „Dinner for One“ oder in diesem Fall „same procedure as last year“ hatte. Und natürlich
wären Sie dann Miss Sophie und ich wäre der Butler James. Dass das bei mir so war und vielleicht
auch bei Ihnen heute, liegt an der frappierenden
Ähnlichkeit der Zahlen der beiden Haushalte 2016
und 2017, sie werden es gleich sehen. Aber nicht
nur die beiden Haushalte, auch das aktualisierte
„Szenario 2026“ bestätigt die Zahlen des letzten
Jahres auf verblüffende Weise.
Haushaltsergebnis, Investitionssummen, Neuverschuldung, aber auch die prognostizierte Finanzlücke im Szenario 2026 zeigen, dass wir uns mit
unseren politischen Entscheidungen tatsächlich auf
dem finanziellen Weg befinden, der sich seit einigen
Jahren abzeichnet. Und dieser Weg braucht flankierende haushaltspolitische Entscheidungen, um in
der nötigen Balance zu bleiben.
Und deswegen ist meine Botschaft an Sie gleich zu
Beginn, dass es die falsche Folgerung aus dem
gefühlten „same procedure as last year“ wäre, wenn
wir meinen, dass man es im Sinne des Kölschen „et
hätt noch immer jut jejange“ einfach so weiterlaufen
lassen könne. Im Gegenteil sollten uns die Zahlen
deutlich machen, dass es gut ist, jetzt aktiv zu werden, um das Heft des Handelns in der Hand zu
behalten. Unsere Nürnberger Haushaltspolitik hat
sich immer dadurch ausgezeichnet, dass wir trotz
erschwerter Rahmenbedingungen die Maßnahmen
ergriffen haben, die in der Lage waren, den Haushalt genehmigungsfähig zu halten. Nicht als SelbstStadtkämmerer Harald Riedel
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zweck, sondern um die inhaltlichen Ziele des Stadtrats zu realisieren. Darum wird es auch in den
Haushaltsberatungen in diesem Herbst gehen. Aber
dabei neben dem Haushalt des nächsten Jahres
eben auch um die kommenden zehn Jahre!
Dazu später mehr im Update des Szenarios 2026,
jetzt aber zu den konkreten Zahlen für den Haushalt
2017, in der Darstellung schon im Vergleich zu den
Planzahlen für 2016:
Das Haushaltsergebnis mit -6,8 Mio. € ist nahezu
identisch mit dem 2016er-Plan von -6,6 Mio. €. Dies
bedeutet zwar nur ein leichtes Minus bei einem
Haushaltsvolumen von 1,9 Mrd. €, dennoch ist es
bedauerlich, dass wir das zweite Jahr in Folge in
der Planung den Haushaltsausgleich trotz größter
Anstrengungen in der Vorbereitung nicht schaffen.
Dabei ist wichtig für Sie als Stadtrat, dass es auch
dieses Jahr in keiner Weise so ist, dass ich Ihnen
als Kämmerer einen schwierigen Haushalt vorlegen
wollte, um Sie zu disziplinieren. Im Gegenteil haben
wir bis zuletzt im August gemeinsam mit unserer
Stadtkämmerei und den Kolleginnen und Kollegen
in den Geschäftsbereichen gerechnet und gekämpft, um einen möglichst guten und genehmigungsfähigen Haushaltsentwurf hinzubekommen.
An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an den
Oberbürgermeister, die Bürgermeister und die
Referentenkollegen für die gute Zusammenarbeit,
insbesondere jedoch an die vielen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter in den Geschäftsbereichen, die an
der Erstellung dieses Haushalts beteiligt waren.
Deutlich positiver im Vergleich zum letzten Jahr ist
der Cashflow aus der Verwaltungstätigkeit, also das
Geld, das uns nach Abzug der Personal-, Sach- und
Sozialausgaben übrigbleibt, um unsere Tilgungen
und Investitionen zu finanzieren. Sie sehen bei den
städtischen Mitteln für Investitionen, dass wir dieses
Geld auch dringend brauchen, weil wir dort im
nächsten Jahr noch etwas höher liegen, nämlich bei
146,5 Mio. €! Um diese Zahl einschätzen zu können, hilft ein Vergleich mit den Durchschnittswerten
von vor 10 Jahren. Da lagen wir im Schnitt um die
90 – 100 Mio. € pro Jahr, haben also unseren Investitionshaushalt um immerhin knapp 50 % gesteigert. Und das wiederum schlägt sich auf die letzte
der großen Zahlen nieder, nämlich die Nettoneuverschuldung, die auf 59,7 Mio. € angestiegen ist. Dies
obwohl eigentlich mehr Geld aus dem höheren
Cashflow zur Verfügung steht. Der Grund liegt darin, dass wir im Planentwurf für 2016 noch mehr
vorhandene liquide Mittel einsetzen konnten als für
2017. Insgesamt und ich denke, das werden Sie für
unsere Haushaltsdiskussion mitnehmen, müssen
wir uns aufgrund unserer Investitionen zum zweiten
Mal hintereinander in der Planung in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe verschulden! Ein klares Zeichen, dass die Prognosen des Szenarios 2026 nicht
falsch waren und wir, wie im letzten Jahr, schon
diagnostiziert, bereits mittendrin in diesem Kraftakt
sind.
Damit zu den wesentlichen Einzelpositionen des
Haushaltsplanentwurfs 2017. Insgesamt bewegen
wir uns mit dem Haushaltsvolumen von 1,944 Mrd.
€ schnellen Schrittes auf die zwei Mrd. € zu. Sowohl
Erträge als auch Aufwendungen steigen gegenüber
dem Vorjahr, die Erträge etwas stärker um 8,2 v.H.,
die Aufwendungen auf 1,937 Mrd. € um 7,8 v.H.
Die Folie mit der langfristigen Entwicklung der Erträge und Aufwendungen kennen Sie. Und Sie
können erkennen, in die letzten beiden Jahre liegen
die beiden Linien quasi gleichauf. Immerhin übersteigen die ordentlichen Aufwendungen die Erträge
noch nicht, aber unter medizinischen Gesichtspunkten ist das schon der Verschluss des Blutgefässes
und erfordert massiven Handlungsbedarf in Form
eines Stents, der das Gefäß aufmacht und offen
hält. Was haushaltspolitisch die Wirkung eines
Stents haben könnte, das wird unsere Diskussion in
diesem Herbst zum Gegenstand haben.
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Weiter mit den Erträgen und hier beginnend wie
immer mit den Steuern, die in der Planung um 5,5
% auf insgesamt 903,4 Mio. € steigen. Wesentlich
dabei der Gewerbesteueransatz in Höhe von 435
Mio. €.
Auch dieses Jahr will ich Sie mitnehmen in die Genese dieser zentralen Planungsgröße. Sie sehen
die Gewerbesteuerverläufe der letzten Jahre. Oben
unser bisheriges Rekordergebnis 2013 mit 423 Mio.
€. Deutlich darunter die letzten beiden Jahre mit
den beschriebenen Schwächephasen jeweils zum
Jahresende. Die untere gestrichelte Linie der Planansatz für 2016 mit 419 Mio. € und die dicke Linie
des bisherigen Verlaufs bis heute. Wir sind bereits
auf Planhöhe, das heißt, wir können es diesmal
schaffen. Wenn wir annehmen, wir würden 419 Mio.
€ erreichen, und wir würden die Steigerungsrate der
Gewerbesteuer von 2016 auf 2017 von 10,1 v.H.
ansetzen, könnten wir einen Wert von 462,1 Mio. €
einsetzen. Aber Sie werden mir Recht geben, das
ist wohl nicht ganz realistisch. Ich hatte mich im
August dann dafür entschieden, die 10,1 v.H. auf
einen Mittelwert zwischen Jahresergebnis 2015 und
dem damaligen Zwischenstand 2016 draufzulegen
und diesen vielleicht als gebremst optimistisch/realistischen Wert von 435 Mio. € anzusetzen.
Im Zweifel können wir wie in den letzten Jahren im
Kämmereipaket noch Anpassungen vornehmen.
Wichtige Stabilisatoren auf der Ertragsseite sind
daneben die Einkommensteuer, bei der wir uns mit
großen Schritten auf die 300 Mio. € zu bewegen, in
der Planung für 2017 ist das immerhin ein Plus
knapp 23,5 Mio. € auf 285,8 Mio. €. Und die Grundsteuer mit 114 Mio. €. Der Gemeindeanteil an der
Umsatzsteuer steigt vom Ist 2015 von 50,2 Mio. €
auf 64,9 Mio. €, ein wesentlicher Teil davon ist die
Soforthilfe für Kommunen, die mit einem Anteil von
1,5 Mrd. € von 2,5 Mrd. € über die Umsatzsteuer
ausgezahlt wird.
Weiter im Überblick: die Zuweisungen und Zuschüsse steigen auf 453,7 Mio. €, wovon die
Schlüsselzuweisungen die wichtigste Größe sind.
Diese haben wir nach 181,1 Mio. € in 2016 entsprechend der zu erwartenden Entwicklung der bayerischen Steuermasse auf erwartete 193 Mio. € angehoben. Da wir den tatsächlichen Wert in der Regel
erst im Dezember erfahren, ist dies jedes Jahr eine
Risikoposition im Haushaltsplanentwurf. Dass die
Leistungsentgelte nahezu stabil bleiben, bedeutet
nicht, dass wir Gebühren und Beiträge nicht fortentwickeln, sondern dass sich hier gegenläufige
Entwicklungen aufheben. Fakt ist aber, dass die
niedrige Inflationsrate auch den Spielraum der Stadt
für Gebührensteigerungen in Grenzen hält. Demgegenüber steigen die Kostenerstattungen um 20,9
% auf 373 Mio. €, wesentlich beeinflusst durch die
Erstattungen des Freistaats Bayern im Rahmen des
Asylbewerberleistungsgesetzes. Gegenüber 2015
planen wir hier immerhin mit einem Anstieg von
64,6 Mio. € auf 122,7 Mio. €, denen aber natürlich
auch entsprechende Abflüsse gegenüberstehen!
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Damit zu den Aufwendungen, die um 7,8 % auf
insgesamt 1,937 Mrd. € ansteigen. Zum einen getrieben von den Personal- und Versorgungsaufwendungen in Höhe von 590 Mio. €, immerhin 7,1 %
mehr als in der Planung 2016. Wir haben es hier mit
mehreren kostentreibenden Faktoren zu tun:
• Zum ersten die Stellenschaffungen des
Jahres 2016 in Höhe von 144,3 Stellen im
Kernhaushalt, die 2017 erstmals voll zu
Buche schlagen. Daneben haben wir immerhin 2,7 Mio. € für neue Stellen veranschlagt. Nach dem aktuellen Stand der
verwaltungsinternen Stellengespräche
müssen wir hier im Kämmereipaket nochmal deutlich nachlegen.
• Zum zweiten die Tarif- und Besoldungserhöhungen für 2016 und 2017 in Höhe von
jeweils 2,4 % mit insgesamt 11,6 Mio. €
Mehrausgaben.
• Und dazu noch die Auswirkungen der neuen Entgeltordnung, die in der Planung 8,7
Mio. € mehr kostet.
• Und zuletzt noch die Pensionsrückstellungen, die um 12,3 Mio. € ansteigen.
Damit werden die Personalausgaben in 2017 um
insgesamt knapp über 40 Mio. € steigen und zwar in
einem Jahr. Dieser Anstieg muss uns allen zu denken geben, weil die Ertragsseite solche Steigerungen auf Dauer kaum ausgleichen kann. Gleichzeitig
wird deutlich, dass die interne Kritik, wir würden nur
in große Projekte investieren, aber gleichzeitig bei
unserem Personal sparen, nicht zutrifft.
Die Sachaufwendungen steigen ebenfalls um 5,2 %
auf 234,9 Mio. €, wesentlich getrieben vom Gebäudeunterhalt als Folge des Flächenanstiegs im Verwaltungs-, Schul- und Kinderbetreuungsbereichs.
Und natürlich reflektieren auch unsere Abschreibungen das steigende Investitionsniveau.
Ich nehme die sonstigen Aufwendungen in Höhe
von 120,3 Mio. € vorneweg. Diese steigen um
knapp 35 Mio. €, wesentlich beeinflusst durch die
Unterbringungsaufwendungen für Flüchtlinge, die
zum größten Teil ersetzt werden durch den Freistaat Bayern.
Damit komme ich zu den Transferaufwendungen,
die auf 886,2 Mio. € ansteigen. Darunter steigen die
Sozialtransferaufwendungen auf insgesamt 588,3
Mio. €, nimmt man die Bezirksumlage von 165,2
Mio. € dazu, bewegen wir uns in einer Größenordnung von 753,5 Mio. €, das sind fast 40 % der Gesamtausgaben des Nürnberger Stadthaushalts
2017. Nimmt man die anteiligen Personalkosten des
Sozialbereichs in einer Größenordnung von etwas
über 20 % aller Stellen dazu, wird deutlich, dass der
Sozialbereich inzwischen knapp 50 % aller Ausgaben verursacht. Dies ist aber keine Folge unwirtschaftlichen Handelns in unserem Sozialreferat,
sondern Normalität und Realität in fast allen deutschen Großstädten. Im Gegenteil, ich habe auch
aufgrund meiner Teilnahme als Referent des diesjährigen KGSt-Haushaltskongresses, der vor einer
Woche in Mannheim das Thema „Soziales und
Finanzen“ hatte, die Auffassung, dass wir in Nürnberg, was Steuerung und Controlling dieses Sektors
betrifft, eher vorne dran sind. Dies zeigen unsere
regelmäßigen Controllinggespräche, aber auch die
Qualität der Planzahlen des Jugend- und des Sozialamtes.
Nichtsdestotrotz müssen wir bei allen wesentlichen
Ausgabeposten mehr Geld einplanen. Die Positionen und die Gründe dazu kennen Sie:
• Die Zuschüsse an die Kindergärten steigen
aufgrund des Ausbaus, aber auch aufgrund der Qualitätsoffensive
• Die Familien- und Jugendhilfen zuletzt aufgrund der unbegleiteten Flüchtlinge
• Und die Kosten der Unterkunft aufgrund
des Anstiegs der Mieten und Energiekosten sowie aufgrund der zu erwartenden
Anzahl der anerkannten Asylbewerber.
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Allerdings möchte ich Ihnen in diesem Jahr noch
ergänzend eine Nettobetrachtung einiger Ausgabenblöcke zeigen, die die zu erwartenden Zuschüsse einbezieht, was die eine oder andere große
Position doch relativiert. Zwar sind wie geschildert
die einzelnen Positionen in den letzten Jahren absolut gesehen teils deutlich angestiegen, jedoch
haben sich mehr oder weniger parallel dazu auch
die Erträge bzw. Erstattungen mitentwickelt. Bei den
kompletten Sozialtransferaufwendungen inklusive
der Bezirksumlagen haben wir diese komplizierte
Berechnung mal ab 2014 gemacht. Rund 350 Mio.
€ müssen wir demnach jedes Jahr aus unseren
eigenen Erträgen generieren. Bei der Familien- und
Jugendhilfe hat sich der zu finanzierende Betrag
seit 2014 von 50,9 auf 67,0 Mio. € erhöht. Auch bei
den Zuschüssen für die Kitas der freien Träger sieht
man in der langen Übersicht hier bereits seit 2005
sehr schön, wie der Ausbau die Differenz zwischen
Erträgen und Aufwendungen auf nunmehr 48,4 Mio.
€ vergrößert hat. Bei den Kosten der Unterkunft
können wir hingegen trotz deutlich gestiegener
Aufwände sogar einen schrumpfenden Eigenanteil
verbuchen.
Ergänzend wie im letzten Jahr die Aufstellung der
geplanten Ausgaben für die bei uns lebenden Asylbewerber. In den sozialen Medien wird immer mal
wieder der Vorwurf transportiert, wir verschweigen
diese Kosten. Sie wissen, das tun wir nicht. Ich
habe diese Aufstellung bereits im letzten Jahr gezeigt und zeige sie in der Entwicklung auch dieses
Jahr offen und transparent. Ich gehe allerdings auch
davon aus, dass in dem Maß, in dem die Integration
draußen fortschreitet, dann auch diese Ausgaben
zunehmend in den normalen Haushalt integriert
werden. Das sind sie formal jetzt schon, aber wir
sind jederzeit in der Lage, sie gesondert darzustellen. Natürlich auch im Hinblick auf unser Bestreben
im Städtetag, noch die eine oder andere Verbesserung durch den Freistaat zu erreichen. Bayern tut
viel beim Thema Kostenersatz, aber sie sehen, es
wird uns auch im nächsten Jahr eine Größenordnung von ca. 14,7 Mio. € bleiben. Das ist eine Belastung für unseren Haushalt, aber es ist klar, dass
die Behauptung, dass Mehrkosten von knapp 15
Mio. € einen Haushalt von fast zwei Mrd. € zerstören, politisch motiviert und inhaltlicher Unsinn ist.
Gleichzeitig wird aber doch deutlich, dass die Behauptung des Freistaats, den bayerischen Kommunen alle Flüchtlingskosten zu ersetzen, noch nicht
der Wahrheit entspricht.
Sie sehen oben die Gesamtausgaben von 125,1
Mio. € nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die
vollständig erstattet werden. Nicht erstattungsfähig
aktuell sind 8,4 Mio. € für medizinische und soziale
Betreuung sowie sog. Fehlbeleger, daneben 5,5
Mio. € Verwaltungskosten, insbesondere Personalausgaben und weitere 830 T€ für Bildung und Erziehung.
Folie 11 zeigt, welche zusätzlichen Ausgaben noch
in dem Entwurf stecken, der Ihnen in der kompletten
Druckversion am kommenden Freitag mit der Hauspost zugehen wird. Heute haben wir Ihnen wie im
letzten Jahr quasi zum Einlesen die Eckdaten als
Tischvorlage aufgelegt. Da sind zusätzliche ITKosten in Höhe von 1,3 Mio. € für das, was die
Entwicklung erfordert und auch vom Stadtrat gewünscht wird. Zur Mobilisierung der Wohnbauflächen stellen wir weitere 1,5 Mio. € zur Verfügung. In
diesem Zusammenhang heben wir aufgrund des
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Bedarfs die Pauschale für Altlastensanierung wieder an. Wir müssen die Durchführung der nächsten
Bundestagswahl finanzieren, ebenso wie die Umzüge der KfZ-Zulassungsstelle und der B 10. Und
wir brauchen 260.000 € mehr für die Schülerbeförderung.
Folie 12 verdeutlicht die Entwicklung der Zinsausgaben, links in absoluten Zahlen, rechts die Zinslastquote in % der Ausgaben. Dies ist aus
Kämmerersicht sicher die schönste Kurve, die wir
aktuell zeigen können. Sie sehen die Reduzierung
von ehemals über 60 Mio. € in 2005 auf den Planansatz von 36,1 Mio. €. Dabei sinken die Zinsen für
Kredite bereits 2017 auf knapp unter 30 Mio. €,
während die Zinsen für Gewerbesteuererstattung
leider deutlich ansteigen. Ursache hierfür ist, dass
die Vorauszahlungen doch eine beträchtliche Höhe
erreicht haben und dann im Erstattungsfall 6 %
Zinsen von der Stadt zu überweisen sind. Der leichte Anstieg ab 2020 zeigt, dass eine steigende Verschuldung auch bei niedrigen Zinsen eine Belastung bleibt. Deswegen sollten wir die Verschuldung
in den kommenden Jahren durchaus begrenzen,
aber dazu später mehr.
Damit zu den Investitionen der Jahre 2017 bis 2020,
bei denen wir brutto einschließlich der konsumtiven
Bestandteile mit insgesamt 1,008 Mrd. € erstmals
die Milliardengrenze überschreiten. Aus eigenen
Mitteln müssen wir 617 Mio. € aufbringen.
Die Aufteilung zeigt, dass der Straßenbau aufgrund
des Frankenschnellwegs, unter der Voraussetzung
Baubeginn 2019, mit 211,3 Mio. € nunmehr den
größten Block stellt, dicht gefolgt von den Schulen
mit 194,5 Mio. € und dem ÖPNV mit 163 Mio. €.
Danach schon die Brücken mit 80,4 Mio. € und die
Kinderbetreuung mit 72,4 Mio. €.
Bei den eigenen Mitteln liegen die Schulen mit 147
Mio. € klar vorne. Sie bilden mit den Ausgaben für
Kinderbetreuung in Höhe von knapp 47 Mio. € immer noch den großen Block Bildungsinvestitionsausgaben der Stadt in Höhe von fast 200 Mio. € und
zeigen unseren Willen, hier voran zu kommen.
Dann der ÖPNV, die Brücken und der Straßenbau.
Aber auch das Thema Kultur rutscht zunehmend in
den Blickpunkt der geplanten Ausgaben.
Wesentliche Kostentreiber in der MIPFortschreibung waren die Feuerwache, der Frankenschnellweg, der Nelson-Mandela-Platz, die
Hafenbrücken, die Hegelschule, die Bertolt-BrechtSchule und U3 Südwest.
Neu aufgenommen wurden drei Kinderhorte mit
insgesamt 14,4 Mio. € Investitionsvolumen, Grundschule und Hort Thoner Espan, Gesamtinvest 30,3
Mio. € sowie die Taekwondo-Halle mit 3,7 Mio. €.
Daneben musste die Sanierung der Lagune ebenso
mit 5,9 Mio. € in den MIP wie das neue Sirenenwarnsystem.
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Als Folge dieses Kraftakts bei den Investitionen
steigen unsere Verbindlichkeiten wie zu Beginn
gezeigt um knapp 60 Mio. € im Kernhaushalt. Das
ist wie in den Vorjahren die untere Kurve. Sie sehen, dass wir in der Lage waren, diese Kurve zwischen 2011 und 2015 fast waagrecht, d.h. konstant
zu halten. Jetzt steigen unsere Schulden wieder,
wie im Szenario vor zwei Jahren als Prognose dargestellt. Nunmehr sehen wir diese Entwicklung in
der konkreten Haushaltsplanung. Insgesamt würde
dies bis Ende 2017 einen Anstieg um 57,7 Mio. €
auf 1,43 Mrd. € im Kernhaushalt bedeuten. Die
Verschuldung der Eigenbetriebe bleibt nahezu konstant. ASN, FSN und NüBad bauen Schulden von
9,9 Mio. € ab und Nürnberg Stift, SöR und SUN
nehmen Kredite in Höhe von 10,2 Mio. € zusätzlich
auf.
Das waren in der möglichen Kürze meine Ausführungen zum Haushaltsplanentwurf 2017, der damit
in den Stadtrat eingebracht ist und Basis für Ihre
Haushaltsberatungen bis zum November ist. Wie
immer gilt das Angebot vertiefter Beratung durch
das Finanzreferat. Meine Bitte bereits an dieser
Stelle an Sie wie in den letzten Jahren: Sie haben
es an den Zahlen gesehen, große Veränderungen
verträgt dieser Entwurf nicht, weil er nahezu keine
Reserven hat. Wir hatten alle Mühe, ihn genehmigungsfähig zu planen, etwas Luft brauchen wir für
unabdingbare Ausgaben im Kämmereipaket. Einige
zusätzliche Positionen wie etwa für das Stellenschaffungspaket sind schon wieder vorgemerkt.
Damit komme ich wie in den letzten beiden Jahren
zum Update des „Szenarios 2026“ und der neuesten Finanz- und Investitionsprognose für die nächsten 10 Jahre. Wie bisher betone ich zu Beginn: das
Szenario ist eine Prognoserechnung des Finanzreferates, kein beschlossener Haushalt oder MIP. Es
ist der Versuch, das, was sich absehbar als potentielle Ausgaben konkretisiert, in eine Langfristbetrachtung einzubeziehen, um zu sehen, wie sich der
Finanzierungsbedarf entwickelt. Dass dies sinnvoll
ist, zeigt sich anhand der aktuellen Haushalte und
dem nicht enden wollenden Strom von kommenden
Investitionen. Zuletzt wurde dies deutlich im JuliStadtrat anhand der vom Schul- und Sozialbereich
vorgestellten zusätzlich notwendigen Ausbaupläne
im Bildungsinfrastruktursektor.
Zunächst der Rückblick auf die Zahlen von vor
einem Jahr. Dabei ist zu beachten, dass wir in der
ersten Variante des Szenarios vor zwei Jahren noch
einen 12-Jahres-Zeitraum analysiert hatten, letztes
Jahr 11 Jahre und dieses Jahr nun echte 10 Jahre
bis 2026. Im nächsten Jahr müssen wir dann entscheiden, ob wir künftig ein rollierendes 10-JahresSzenario fortschreiben, dessen Endzeitpunkt dann
nach hinten rutscht, oder ob wir bei dem Endjahr
2026 bleiben, womit sich die Betrachtung jährlich
weiter verkürzt.
Im September 2015 errechneten wir eine Bruttoinvestitionssumme von 2,41 Mrd. €, davon städtische
Mittel von 1,51 Mrd. € und eine sich daraus ergebende Finanzierungslücke von 690,9 Mio. €!
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Die nächste Folie zeigt die großen Zahlen der Aktualisierung. Sowohl die Bruttoinvestitionen haben
sich trotz des um ein Jahr kürzeren Betrachtungszeitraums nochmal erhöht auf 2,83 Mrd. €. Parallel
steigen die benötigten Eigenmittel auf 1,66 Mrd. €.
Daraus ergibt sich eine Unterfinanzierung von 725
Mio. € im Zehnjahreszeitraum, also im Schnitt 72,5
Mio. € pro Jahr.
Welche Veränderungen sind in diese Berechnung
eingeflossen? Die Steuererträge wurden auf Basis
der Steuerschätzung vom Mai fortgeschrieben und
haben sich erhöht. Darauf aufbauend haben wir die
zu erwartenden Schlüsselzuweisungen positiver
geschätzt, weil auch der Steuertopf des Freistaats
mitwächst und sich zudem unsere relative Position
im Rahmen der Berechnungsformeln verbessert im
Sinne eines potentiell höheren Anteils. Wir mussten
im Gegenzug allerdings auch die Personalaufwendungen aufgrund der aktuellen Stellenschaffungen
und Tarifentwicklungen deutlich nach oben setzen.
Hinsichtlich des 5 Mrd. €-Pakets vom Bund ab 2018
haben wir inzwischen Klarheit. Dieses wird mit einem Anteil von 25,8 Mio. € über den Umsatzsteueranteil und zu 13,6 Mio. € über die Kosten der Unterkunft ausgezahlt. Eine Milliarde geht an die Länder,
hier wissen wir noch nicht, wie diese das Geld weiterleiten. Insgesamt erwarten wir direkt oder indirekt
ca. 48 Mio. € pro Jahr für Nürnberg aus diesem
Paket, wir hatten in den ersten beiden Varianten als
Hoffnungspositionen pro Jahr 60 bzw. 30 Mio. €
angesetzt. Diese Erwartung wird auch in der neuen
Version fast erreicht, weil wir aufgrund der angekündigten Abschaffung des Aufbau Ost-Anteils an
der Gewerbesteuerumlage ab 2020 potentiell 30
Mio. € pro Jahr mehr in unserer Kasse bleiben.
Aber auch auf der Investitionsseite haben sich Änderungen ergeben, die die nächste Folie zeigt. Das
beginnt beim Ansatz eines Sonderprogramms zur
Verbesserung der Straßeninfrastruktur, das aktuell
zur Diskussion steht. Es beinhaltet wieder einen
großen Block an Schulinvestitionen, zum Teil mit
konkreten Maßnahmen wie Martin-BehaimGymnasium oder der Generalsanierung der
Scharrerschule, zum Teil mit pauschal angesetzten
Blöcken wie dem Juli-Paket und dem Ausbau der
IT-Infrastruktur. Parallel dazu das Folgeprogramm
der vom Sozialreferat errechneten zusätzlich erforderlichen Maßnahmen im Hort- und Kinderkrippenbereich. Und die Maßnahmen „Generalsanierung
Pellerhaus“ und ein aus den ersten Erkenntnissen
der Opernhaussanierung notwendig gewordener
erhöhter Ansatz. Dies sind alles Werte für die notwendigen städtischen Mittel und insgesamt sehr
vorsichtige Ansätze.
Da ich wahrnehme, dass es durchaus den Willen
gibt, auch bei den Investitionen nochmal zu sichten
und sparen, haben wir dieses Jahr erstmals ein
pauschales Investitionssparpaket von 15 Mio. € pro
Jahr ab 2019 angesetzt, was uns insgesamt 120
Mio. € Einsparung bis 2026 erbringen würde.
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Hier die einzelnen Investitionsschwerpunkte. Ausgehend von den Bruttoinvestitionssummen zeigt
sich, dass die Investitionen in Bildung mit fast einer
Milliarde für die Bereiche Schule und Kinderbetreuung wesentlich sind. Und hier sind eventuelle Mehrkosten aufgrund der flächendeckenden Wiedereinführung des G9 im Gymnasium noch nicht enthalten. Die Verkehrsinfrastruktur erreicht mit gerundet
800 Mio. € durch den Frankenschnellweg und die
Brücken fast ähnliche Dimensionen. Im ÖPNV
schlägt sich weiterhin stark das Thema U-Bahn,
allerdings mit hohen Förderquoten, nieder. Last but
noch least das letzte „Megathema“ des kommenden
Jahrzehnts in Sachen Investitionen: Die Kulturbauten, die geschätzte 429 Mio. € auf sich vereinen
werden.
Folie 21 zeigt, dass trotz vorhandener Glättungsbemühungen der befürchtete Investitionsberg in den
Jahren 2020 bis 2023 bleibt, weil sich da einfach
eine Fülle an großen Projekten wie Frankenschnellweg, Brücken bis hin zur Opernhaussanierung zusammenballt.
Damit komme ich zum entscheidenden Punkt, zugespitzt zur 700 Mio. €-Frage. Wenn sich die Anzeichen verdichten, dass die nunmehr vorliegenden
drei Szenariorechnungen Ergebnisse zeigen, die
relativ nah an der Realität liegen – und alleine die
beiden hohen Planneuverschuldungen von 52,4 €
und 59,7 Mio. € für 2016 und 2017 bestätigen dies,
dann ist spätestens in diesem Herbst die Zeit, zu
handeln, um unseren Haushalt im Gleichgewicht zu
halten und die Neuverschuldung zu begrenzen.
Jedes Jahr des Verzögerns würde die Situation
mutmaßlich verschärfen. Die Instrumente, die wir
zur Verfügung haben, sind begrenzt. Folie 22 zeigt
nochmal die drei Ansatzpunkte, die ich als Kämmerer für realistisch halte und die wir seit letztem Jahr
diskutieren. Es ist der Dreiklang aus Sparen, Einnahmesteigerungen und Neuverschuldung. Ich
hatte damals vorgeschlagen, 200 Mio. € aus Einsparungen, 200 Mio. € aus Einnahmensteigerungen
und den Rest über Kreditaufnahme zu stemmen.
Dabei bleibe ich im Grundsatz. Und wo stehen wir
heute?
Der Stadtrat hat uns als Verwaltung im letzten Jahr
den Auftrag gegeben ein weiteres 20 Mio. €-
Sparpaket auszuarbeiten. Dies tun wir aktuell und
werden Ihnen im Oktober die Ergebnisse vorlegen.
Darunter wird auch ein wesentlicher Teil der vom
Stadtrat geforderten und von Seiten der großen
Fraktionen eingebrachten Vorschläge zur Aufgabenkritik sein. Aber und das ist im Lauf der Bearbeitung klargeworden, alleine mit Aufgabenkritik sind
die 20 Mio. € nicht zu erbringen, da gibt es eine
entscheidende Erkenntnis. Wenn der Haushalt das
Aufgaben- und Leistungsspektrum abbildet, das wir
gesetzlich erfüllen müssen oder auch politisch erfüllen wollen, dann kommt die Aufgabenkritik an ihre
Grenzen. Da müssen wir dann auch ehrlich miteinander umgehen und keine weiteren unrealistischen Einsparluftschlösser und Nebelkerzen in die
öffentliche Diskussion werfen. Wir werden diese
dreistelligen Millionenbeträge zur Finanzierung der
Infrastruktur nicht einsparen können, ohne dass wir
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die Leistungsfähigkeit unserer Verwaltung und die
Lebensqualität unserer Stadt riskieren.
Aber wie gesagt, wir werden mit allen Anstrengungen diese 20 Mio. € schaffen. Ich bedanke mich
jetzt schon beim Kollegen Köhler für die Zusammenarbeit und auch beim Oberbürgermeister, den
Bürgermeistern und der Referentenkollegin und den
-kollegen für die sehr konstruktive Unterstützung
trotz nachvollziehbarer fachlicher Bedenken an
vielen Stellen.
Damit bin ich beim zweiten Punkt, der benötigten
Einnahmensteigerung. Ich habe die Position des
Stadtrats im letzten Jahr so verstanden, dass wir
dann, wenn wir die 20 Mio. €-Sparbeitrag pro Jahr
erbringen, Sie es als möglich ansehen, dann in
diesem Herbst konkret über das Thema
Einnahmensteigerungen zu sprechen. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Ich habe bereits im letzten Jahr betont, dass, wenn wir hier zu den benötigten 20 Mio. € pro Jahr kommen wollen, der Weg an
den beiden Hebesätzen von Grund- und Gewerbesteuer nicht vorbeigeht. Und glauben Sie mir, auch
ich kenne alle bekannten Argumente, die das Anheben dieser beiden Steuern für Sie so schwierig
machen. Aber ich glaube auch, das zeigen mir viele
Gespräche der letzten Wochen mit unterschiedlichsten Menschen, dass es vor dem Hintergrund dessen, was wir vorhaben, nämlich echte Zukunftsinvestitionen für unsere Stadt in den Sektoren Verkehr, Bildung und Jugend sowie Kultur anzupacken,
durchaus vermittelbar ist, wenn wir dies miteinander
vertreten.
Was konkret sind meine Vorschläge?
Ich beginne mit der Grundsteuer, deren Hebesatz
wir zuletzt 2012 auf 535 v.H. angehoben haben. Ich
schlage vor, diesen um 20 Prozentpunkte auf 555
v.H. anzuheben. Damit läge dieser Hebesatz auf
dem Niveau der Stadt Fürth und Augsburgs, die
dieses Jahr erhöht haben. Es ist übrigens schon
interessant, dass diese drei ehemaligen Industriestädte, die in den letzten Jahrzehnten einen harten
Strukturwandel durchmachen mussten, ihre Hebesätze zuletzt angehoben haben oder wie wir darüber diskutieren. Die Haushaltslage ist bei allen drei
Städten die Ursache. Und das gebe ich Ihnen für
die politische Diskussion in Ihren jeweiligen Parteien
im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 bereits
jetzt mit: es ist ein wenig paradox, dass in Berlin
über deutliche Steuersenkungen geredet wird und
wir in den großen Städten Steuererhöhungen machen müssen. Kämpfen Sie bitte mit uns darum,
dass die Kommunen hier eine Kompensation bekommen. Nur zur Klarheit über die Konsequenzen.
Wenn eine Senkung der Einkommenssteuer in einer
Größenordnung von 30 Mrd. € kommt – so weit
gehen aktuell die Forderungen, dann hätten wir
überschlägig 30 Mio. € pro Jahr weniger in der
Kasse und unser Finanzierungsdefizit würde auf
über eine Milliarde ansteigen.
Doch zurück zu unseren eigenen Möglichkeiten.
Eine Anhebung der Grundsteuer auf das Niveau
von Fürth würde uns überschlägig 4,5 bis 5 Mio. €
bringen. Das wären in 10 Jahren dann eben bis zu
50 Mio. € zur Finanzierung unserer Investitionen.
Was würde dies für einen Durchschnittshaushalt
bedeuten. Wir haben es mal grob überschlagen,
das wären für den Mieter oder Eigentümer einer 100
qm-Wohnung etwa 10 € pro Jahr und für den Besitzer einer Doppelhaushälfte etwa 14 €. Nicht schön,
aber durchaus verkraftbar.
Damit zur zweiten Steuer, deren Einnahmenhöhe
wir über den Hebesatz beeinflussen können, der
Gewerbesteuer. Deren Hebesatz liegt seit 1989,
also seit fast drei Jahrzehnten bei 447 v.H.. Damit
liegen wir hinter München mit 490 v.H. und Augsburg mit 470 v.H. in Bayern auf dem dritten Platz.
Auch hier schlage ich vor, dass wir auf das Niveau
des zweitplatzierten, in diesem Fall Augsburg,
nachziehen. Dies wäre von der Größenordnung
nicht überzogen, Nürnberg ist immerhin fast doppelt
so groß wie Augsburg. Eine Anhebung um 23 Prozentpunkte oder 5,1 v.H. würde uns grob geschätzt
etwa 20 Mio. € zusätzlich an Einnahmen bringen, so
dass wir mit dieser Maßnahme über die 10 Jahre
um die 200 Mio. € einnehmen könnten. Wir kennen
alle die Argumentationslage bei der Gewerbesteuer,
verbunden mit der Angst, im Wettbewerb um Unternehmen Nachteile zu erlangen. Wir sollten uns aber
auch vor Überdramatisierungen und klassischem
„Selfulfilling-Prophecy-Verhalten“ hüten. Wir haben
es mal versucht, zu rechnen, was diese Anhebung
für unsere Betriebe bedeuten würde. Und wir kommen bei kleinen Betrieben auf eine durchschnittliche
10