A Vorwort
Maschinell extrahierter Text. Tabellen verlieren dabei ihre Form, verbindlich ist das Original.
A. Vorwort
Nürnbergs Stadthaushalt 2022:
Nachhaltige Stadtpolitik und nachhaltige
Finanzen in Einklang bringen
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Mitglieder des ehrenamtlichen Stadtrates,
liebe Leserinnen und Leser,
auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie sind deren Folgen für unseren Haushalt noch deutlich spürbar. Unsere
Einnahmen haben sich zwar leicht erholt, aber die Ausgaben wachsen weiterhin überproportional an. Doch die Pandemie ist nicht alleine dafür verantwortlich, dass unsere finanzielle Situation angespannt ist wie nie. Es sind auch unsere gemeinsamen Beschlüsse und die daraus folgenden
Projekte, die unseren finanziellen Handlungsspielraum prägen.
Es ist daher höchste Zeit über Nachhaltigkeit zu sprechen
– und zwar über die Nachhaltigkeit unserer Finanzen! Im
Allgemeinen besagt das Prinzip der Nachhaltigkeit, dass
ein System ein bestimmtes Maß an Ressourcennutzung
dauerhaft aushält, ohne Schaden dabei zu nehmen. Genauso wenig, wie wir der nächsten Generation eine sanierungsbedürftige Infrastruktur hinterlassen wollen, können
wir ihr marode Stadtfinanzen übergeben. Erstgenanntes
nehmen wir seit 2008 in Angriff, was sich seitdem an einer
Vervierfachung unseres Investitionsprogramms zeigt. Doch
dieses Niveau können wir finanziell nur verkraften, wenn
wir selbst genug Eigenmittel erwirtschaften.
Seit 2020 ist dies nicht mehr gegeben. Das vergangene
Jahr hatten wir mit einem Fehlbetrag von rund 12,9 Mio. €
abgeschlossen. Aufgrund der außergewöhnlich positiven
Steuerentwicklung erwarten wir in 2021 einmalig einen
spürbaren Überschuss. Nur wegen des kurzen Anstiegs
der Steuereinnahmen schrumpft in 2022 das erwartete negative Ergebnis von über 50 Mio. € auf knapp 9,5 Mio.€.
Noch können wir die Verluste ausgleichen, doch schmelzen
wir dafür Jahr um Jahr unsere Ergebnisrücklage ab. Der
Saldo aus der laufenden Verwaltungstätigkeit - also der
Nettozufluss an liquiden Mitteln - ist laut aktueller Planung
für 2022 mit rund 60,9 Mio. € höher als ursprünglich erwartet, doch das Problem, dass wir nur einen geringen Teil unserer Kredittilgungen mit eigenen Mitteln stemmen können,
bleibt bestehen. Für die großen Investitionen bleibt davon
dann fast gar nichts mehr übrig – diese finanzieren wir zum
Teil noch aus Kassenmitteln aus den guten Jahren und natürlich aus Fremdmitteln. So erklärt sich auch eine geplante
Nettoneuverschuldung von 170,5 Mio. € und ein Gesamtschuldenstand in 2022 von 1,83 Mrd. € im Kernhaushalt.
Und selbst wenn keine weiteren Beschlüsse dazukommen,
bleibt unser Investitionsprogramm so enorm, dass wir mit
Blick auf unsere schwache Eigenfinanzierungskraft auch in
den Folgejahren zur Aufnahme von rund 200 Mio. € neuen
Schulden pro Jahr gezwungen sein werden.
Wir sind mittendrin, unsere Schulen und die Kinderbetreuung zu modernisieren und auszubauen, unsere Verkehrsinfrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen, die Digitalisierung weiter voranzutreiben und die Weichen für die
Verkehrswende zu stellen. Und dann steht uns noch die
größte Herausforderung unserer Zeit bevor – die Bekämpfung des Klimawandels.
Viele der hierfür notwendigen Maßnahmen befinden sich
bereits in der Umsetzung oder sind in der Planung. So
kommt es, dass das Rekordniveau unserer Investitionen
aus dem vergangenen Jahr noch einmal getoppt wird. Setzen wir all diese Projekte nach Plan um, werden wir hierfür
in den nächsten vier Jahren 1,42 Mrd. € städtische Mittel in
die Hand nehmen, um unsere Stadt für die Herausforderungen heute und morgen zu rüsten.
Hinzu kommt ein weiterhin erhöhtes Risiko sowohl auf unserer Ertragsseite als auch bei unseren städtischen Beteiligungen. Während man die Entwicklung der Gewerbesteuer
in den kommenden Jahren sehr genau beobachten muss,
herrscht vor allem bei Messe und Flughafen weiterhin eine
Corona-bedingte Unsicherheit und enormer finanzieller Unterstützungsbedarf.
Führen wir uns zudem noch einmal vor Augen, dass wir
derzeit langfristig gesehen kaum eigenes Geld erwirtschaften und unser gigantisches Investitionsprogramm nur mit
fremden Mitteln stemmen können, die wir anschließend
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Marcus König Harry Riedel
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über 30 Jahre abbezahlen, wird eines deutlich. Für unsere
Entscheidungen, die wir heute treffen bzw. getroffen haben,
wird noch die Generation unserer Kinder aufkommen. Das
ist an sich in Ordnung, weil es sich um Investitionen in die
Zukunft handelt und solange diese finanzielle Belastung
ihnen noch ausreichend Spielraum lässt, in 20 oder 30 Jahren eigene Entscheidungen zu treffen. Nur dann handeln
wir nachhaltig! Für uns – und für die, die nach uns kommen.
Darauf sollte unser Augenmerk liegen.
Nürnberg, im Dezember 2021
Marcus König Harry Riedel
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
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