Dezentrales Beratungsangebot für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte:
Zwischenbericht zum Pilotprojekt „Integrations- und Sozialberatung Röthenbach“
1. Ausgangslage und Zielsetzung des Pilotprojekts
Anlass für die Entwicklung des Pilotprojekts im Stadtteil Röthenbach war ein Antrag der SPD- Stadtratsfraktion vom 27.03.2025. Darin wurde die Einrichtung eines dezentralen Beratungsangebots für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte angeregt. Im weiteren Verlauf wurden die besonderen Beratungs- und Unterstützungsbedarfe im neu bezogenen Quartier „Wörnitzstraße“ in Röthenbach West sowie die Ausgestaltung eines entsprechenden Pilotprojekts in der Kommission für Integration am 4. Dezember 2025 und im Jugendhilfeausschuss am 11. Dezember 2025 beraten.1 Im Stadtteil wird von sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie weiteren lokalen Akteurinnen und Akteuren ein bestehender Unterstützungsbedarf von Menschen mit Migrationsbiografie bei unterschiedlichen Fragestellungen sowie bei der Bewältigung sozialer, administrativer und alltäglicher Herausforderungen wahrgenommen. Häufig handelt es sich um Anliegen, die über das pädagogische oder institutionelle Mandat der jeweiligen Einrichtungen hinausgehen, beispielsweise in den Bereichen Behördenangelegenheiten, Wohnen, Sprache, Arbeit, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Eine systematische und verbindliche Verweisstruktur sowie niedrigschwellige Beratungsmöglichkeiten direkt im Stadtteil standen bislang nur eingeschränkt zur Verfügung oder waren den lokalen Akteurinnen und Akteuren nicht ausreichend bekannt. Um diesen Bedarf zu begegnen, regte das Referat für Jugend, Familie, Senioren und Soziales gegenüber den Wohlfahrtsverbänden den Aufbau geeigneter Unterstützungsstrukturen direkt im Quartier an. Der Caritasverband Nürnberg e. V. und der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e. V. erklärten sich im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts bereit, ein entsprechendes Beratungsangebot zu entwickeln und umzusetzen. Ziel des Projekts ist es, Menschen mit Zuwanderungs- und Fluchtgeschichte im Stadtteil niedrigschwellig bei der Bewältigung konkreter Anliegen zu unterstützen und dadurch ihre gesellschaftliche Teilhabe und Integration zu fördern. Gleichzeitig sollen die bereits im Stadtteil tätigen Einrichtungen durch klare Verweis- und Kooperationsstrukturen entlastet und in ihrer Arbeit unterstützt werden. Das Pilotprojekt verbindet damit zwei wesentliche Ansätze:
Beratung unmittelbar vor Ort Stärkung und Vernetzung der bestehenden sozialen Infrastruktur im Stadtteil
2. Integrations- und Sozialberatung Röthenbach
Als Projektlaufzeit ist der Zeitraum vom 01.12.2025 bis 31.12.2026 vorgesehen. Mit den vorbereitenden Maßnahmen wurde zum 01.12.2025 begonnen. Dazu gehörten insbesondere die Vertiefung der bestehenden Bedarfsanalyse, der Aufbau der Beratungsinfrastruktur sowie Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit. Als Hauptstandort der Beratungsstelle konnte im Kulturladen Röthenbach temporär ein Büro mit zwei festen Arbeitsplätzen angemietet und Anfang Februar 2026 bezogen werden. Zusätzlich können vormittags zwei weitere Räume des Kulturladens
1 Siehe Bericht "Dezentrales Beratungsangebot für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte: Ein Pilotprojekt im Stadtteil Röthenbach" (Kommission für Integration vom 04.12.2025)
für Beratungsgespräche genutzt werden. Seit Aufnahme der Beratungsarbeit vor Ort am 01.02.2026 findet an vier Tagen pro Woche jeweils von 9:00 bis 12:00 Uhr eine offene, niedrigschwellige Beratung im Kulturladen Röthenbach statt. Im Projekt arbeiten drei Sozialpädagoginnen mit insgesamt 40 Wochenstunden an vier Tagen pro Woche. Die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e. V. und der Caritasverband Nürnberg e. V. stellen die personellen Ressourcen zu gleichen Teilen bereit. Drei Viertel der personellen Ressourcen werden aus bereits vorhandenen Stellenanteilen der Flüchtlings- und Integrationsberatung (FIB) eingebracht. Ergänzend wird eine allgemeine Sozialberatung im Umfang von einem Viertel der Stellenanteile angeboten, um auch Personen, die aufgrund der Fördervorgaben der FIB nicht zur Zielgruppe gehören, ein Beratungsangebot vor Ort zu ermöglichen. Das Projekt wird über Mittel des Integrationsfonds sowie des Fonds für Stadtteilkooperation des Referats für Jugend, Familie, Senioren und Soziales gefördert.
2.1. Bisheriger Projektverlauf
Die ersten Monate waren insbesondere durch intensive Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit geprägt. Zur Bekanntmachung des Angebots wurden unter anderem Beschilderungen am Büro und am Gebäude angebracht sowie Handzettel und Flyer erstellt und in den Einrichtungen des Stadtteils verteilt. Darüber hinaus wurde das Angebot auf den Internetseiten der Träger sowie in einschlägigen Beratungs- und Informationsdatenbanken veröffentlicht. Im Februar und März 2026 erfolgten zahlreiche persönliche Kontakte zu sozialen und kulturellen Einrichtungen im Stadtteil. Darüber hinaus erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit sozialen, kulturellen und pädagogischen Einrichtungen im Stadtteil sowie mit weiteren Beratungsangeboten und Fachstellen. Ergänzend wurden Einrichtungen und Wohngebiete im Rahmen von Stadtteilbegehungen aufgesucht und Informationsmaterialien verteilt. Ein besonderer Fokus lag auf der Wörnitzstraße, die bereits bei der Konzeption des Pilotprojekts als Bereich mit besonderem Unterstützungsbedarf benannt worden war. Im Rahmen der Stadtteilbegehungen wurde außerdem das Kinder- und Jugendhaus Mikado in unmittelbarer Nähe zur Wörnitzstraße besucht. Da zahlreiche Kinder und Jugendliche aus der Wörnitzstraße und dem näheren Umfeld das Haus nutzen, wurde frühzeitig die Möglichkeit regelmäßiger Beratungszeiten vor Ort erörtert.
2.2. Erreichte Personen und Beratungsthemen
Seit Beginn der Beratungsarbeit am 01.02.2026 wurden bis zum Stand 30.09.2026 insgesamt 81 Personen beraten und 170 Beratungsthemen dokumentiert. Damit entfielen durchschnittlich rund zwei Beratungsthemen auf jede beratene Person.
Beratungsthema Anzahl
Bildung inkl. Kinderbetreuung 24 Sozialleistungen 43 Arbeit/Ausbildung 20 Sprache 12 Sonstiges, z. B. Handy/PC 13 Wohnen 16 Gesundheit/Pflege 9
Konfliktbewältigung 12 Statusfragen/Familiennachzug 11 Erstorientierung nach Ankunft 6 Weitervermittlung an Fachstelle 4
Gesamt 170
Die häufigsten Anliegen betrafen Bildung und Kinderbetreuung sowie Sozialleistungen, gefolgt von Arbeit und Ausbildung. Weitere Schwerpunkte waren Sprache, Wohnen, Gesundheit und Pflege sowie Konfliktbewältigung. Die Beratung zeigt, dass viele Anliegen miteinander verbunden sind und sich nicht eindeutig einem einzelnen Hilfesystem zuordnen lassen. Die niedrigschwellige und wohnortnahe Erstberatung ermöglicht es, Anliegen frühzeitig aufzugreifen, einzuordnen und bei Bedarf gezielt an zuständige Fachstellen weiterzuvermitteln.
2.3. Zielgruppenerreichung
Stand 30.09.2026 lebten von den 81 beratenen Personen 56 unmittelbar in Röthenbach. Dies entspricht rund 69 %. Weitere 25 Personen kamen aus angrenzenden Stadtteilen, hatten jedoch einen unmittelbaren sozialen oder institutionellen Bezug zu Röthenbach, beispielsweise durch den Besuch einer Kindertageseinrichtung oder Schule ihrer Kinder. Damit erreicht das Angebot in erster Linie die ursprünglich definierte Zielgruppe im Stadtteil. Die seit Mitte Mai 2026 vorgenommene Öffnung der Zielgruppe entspricht zugleich dem tatsächlichen Bedarf und stärkt die Funktion der Beratungsstelle als wohnortnahes Angebot für den gesamten Sozialraum.
2.4. Geschlechterverteilung
Von den 81 beratenen Personen waren 50 weiblich und 31 männlich. Dies entspricht einem Frauenanteil von rund 62 % und einem Männeranteil von rund 38 %. Die Verteilung zeigt, dass das Angebot unterschiedliche Personengruppen erreicht. Über die Kooperation mit Schulen, Horten und Kindertageseinrichtungen sowie das interkulturelle Frauencafé im Kulturladen ergeben sich unterschiedliche Zugänge zur Beratung.
2.5. Herkunft
Die Ratsuchenden weisen eine vielfältige Herkunft auf. Besonders häufig vertreten waren Personen aus der Ukraine (21), Somalia (9), Äthiopien (8), dem Irak (7), Griechenland (4), Iran (4), deutsche Eingebürgerte (4). Darüber hinaus wurden unter anderem Menschen aus Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Moldau, Nigeria, Rumänien, der Türkei, Afghanistan und Benin erreicht (Stand: 30.09.2026). Die Vielfalt der Herkunftsländer unterstreicht den Bedarf an einer fachlich breit aufgestellten Beratung, die unabhängig von einer bestimmten Herkunftsgruppe einen niedrigschwelligen Zugang ermöglicht.
2.6. Aktivitäten und Netzwerkarbeit
Neben der individuellen Beratung wurde das Projekt durch verschiedene Aktivitäten im Stadtteil sichtbar gemacht und im Sozialraum verankert. Stand 30.09.2026 bestand insgesamt Kontakt zu 41 Netzwerkpartnern. Die Kontaktaufnahme erfolgte telefonisch, schriftlich oder persönlich; insgesamt wurden 136 Kontakte zu Netzwerkpartnern dokumentiert. Zu den Aktivitäten gehörten: ein Informationsstand bei „Röthenbach spielt“ am 26.04.2026, ein Informationsstand beim Stadtteilfest Eibach/Röthenbach am 18.07.2026, die regelmäßige Teilnahme am Stadtteilarbeitskreis Röthenbach/Eibach, die Teilnahme an den Elterncafés zweier Schulen sowie eines Horts, die Verteilung von Flyern in sozialen, kulturellen und pädagogischen Einrichtungen sowie in den Wohnanlagen in der Wörnitzstraße und der Colmberger Straße. Ein Ergebnis der Netzwerkarbeit ist die Entstehung des interkulturellen Frauencafés im Kulturladen Röthenbach, das seit dem 10. April im zweiwöchigen Rhythmus stattfindet und von den Mitarbeitenden der Integrations- und Sozialberatungsstelle organisiert wird. Es hat sich zu einem eigenständigen, niedrigschwelligen Begegnungsangebot entwickelt und ermöglicht Bewohnerinnen mit und ohne Migrationsgeschichte, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Gleichzeitig bietet das Café einen niedrigschwelligen Zugang zum Beratungsangebot und erreicht damit auch Frauen, die über klassische Beratungswege möglicherweise schwerer angesprochen werden können.
2.7. Anpassung der Zielgruppe
Aufgrund der Erfahrungen aus der ersten Projektphase wurde die Zielgruppe ab Mitte Mai 2026 erweitert. Seitdem können auch Personen beraten werden, die nicht unmittelbar in Röthenbach wohnen, jedoch einen engen sozialen oder institutionellen Bezug zum Stadtteil haben, beispielsweise durch den Besuch einer Schule oder Kindertageseinrichtung durch ihre Kinder. Diese Öffnung trägt der tatsächlichen Lebensrealität der Ratsuchenden Rechnung und ermöglicht eine bedarfsgerechte Beratung auch für Menschen aus angrenzenden Stadtteilen wie Hohe Marter, Eibach und Reichelsdorf.
3. Erfahrungen und erste Bewertung
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich die persönliche und aufsuchende Netzwerkarbeit als wichtiger Erfolgsfaktor erwiesen hat. Mehrere Einrichtungen im Stadtteil, darunter eine Grundschule, eine Mittelschule und ein Hort, haben bereits Eltern gezielt an die Beratungsstelle weitervermittelt. Die Teilnahme an Elterncafés hat wesentlich dazu beigetragen, Vertrauen aufzubauen und das Angebot bei Familien bekannt zu machen. Auch innerhalb der Schulen wird die Beratungsstelle zunehmend als Ansprechpartner wahrgenommen. So ist beispielsweise für den Herbst ein Stadtteilspaziergang mit Schülerinnen und -schülern geplant, bei dem auch die Beratungsstelle vorgestellt werden soll.
3.1. Niedrigschwellige Angebote als Türöffner
Das interkulturelle Frauencafé im Kulturladen Röthenbach hat sich als besonders tragfähiges Element des Projekts erwiesen und sollte aus fachlicher Sicht über die Pilotphase hinaus fortgeführt werden. Neben der Funktion als Begegnungsangebot trägt es dazu bei, die Beratungsstelle bekannt zu machen und Hemmschwellen gegenüber Beratung abzubauen. Besonders positiv ist die Beteiligung verschiedener Seniorinnen aus dem Seniorennetzwerk der evangelischen Kirchengemeinde Nikodemus. Der Austausch zwischen älteren Bewohnerinnen und Migrantinnen hat sich zu einer gegenseitigen Unterstützung entwickelt. Darüber hinaus beteiligen sich ehrenamtliche Näherinnen aus dem Kulturladen sowie eine ukrainische Ehrenamtliche an dem Angebot. Das Frauencafé erfüllt damit über die Informationsvermittlung hinaus eine wichtige Funktion für Begegnung, soziale Vernetzung und gegenseitige Unterstützung im Quartier.
3.2. Vernetzung und Verweisberatung
Die enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Beratungsstrukturen der beiden Träger hat sich ebenfalls bewährt. Insbesondere die Kooperation mit der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) ermöglicht eine gezielte Weiterleitung von Ratsuchenden. Die bislang dokumentierten 31 Verweisberatungen zeigen, dass die Beratungsstelle zunehmend als Schnittstelle innerhalb des lokalen Hilfesystems genutzt wird. Darüber hinaus erreichen die Mitarbeiterinnen regelmäßig telefonische Anfragen aus Schulen, Horten und Kindertageseinrichtungen. Auch Anfragen aus angrenzenden Stadtteilen wie Reichelsdorf, Katzwang und Hohe Marter bestätigen, dass die Öffnung der Zielgruppe bedarfsgerecht ist.
3.3. Bedeutung für den Sozialraum
Der Nutzen der Beratungsstelle geht über die unmittelbare Beratung einzelner Personen hinaus. Sie übernimmt zunehmend eine Schnittstellenfunktion im lokalen Hilfesystem, unterstützt Bewohnerinnen und Bewohner bei konkreten Anliegen und vermittelt bei komplexeren Fragestellungen an geeignete Fachstellen. Gleichzeitig bietet sie Schulen, Horten, Kindertageseinrichtungen und weiteren sozialen Einrichtungen einen verlässlichen Ansprechpartner vor Ort. Dadurch verbessert sie die Zugänglichkeit bestehender Unterstützungsangebote und trägt zur Entlastung der Einrichtungen bei.
3.4. Entwicklung des Bedarfs
Die Beratungszahlen zeigen, dass das Angebot insbesondere in der zweiten Jahreshälfte zunehmend bekannt geworden ist. Etwa die Hälfte der bisherigen Kontakte entstand in den Monaten Juni und Juli 2026. Dies weist auf einen deutlichen Aufbau- und Etablierungseffekt hin. Die notwendige Netzwerkarbeit, Bekanntmachung und Vertrauensbildung benötigen Zeit. Die steigende Inanspruchnahme zeigt, dass diese Aufbauarbeit zunehmend Wirkung entfaltet. Die Entwicklung spricht daher nicht für einen rückläufigen Bedarf, sondern vielmehr dafür, dass sich die Beratungsstelle zunehmend als Bestandteil der sozialen Infrastruktur im Stadtteil etabliert.
3.5. Herausforderungen
Eine zentrale Herausforderung sind weiterhin sprachliche Barrieren. Auch Ratsuchende mit guten Deutschkenntnissen benötigen bei komplexeren behördlichen oder sozialen Fragestellungen teilweise sprachliche Unterstützung. Besonders schwierig bleibt die Erreichbarkeit der Bewohnerinnen und Bewohner der Wörnitzstraße. Aufgrund mehrfacher Wechsel der Hausverwaltung konnte dort bislang kein verlässlicher Zugang aufgebaut werden. Zwischenzeitlich wurde jedoch ein neuer Kontakt zur Hausverwaltung hergestellt, sodass sich für die kommende Projektphase neue Möglichkeiten ergeben. Hinzu kommen räumliche Barrieren: Die Wohnanlage liegt am Rand des Quartiers und ist nur eingeschränkt an den übrigen Stadtteil angebunden. Der Fußweg zum Kulturladen beträgt etwa 20 Minuten; die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV ist gegeben, aber mit einem relativ hohen Zeitaufwand verbunden. Die Erfahrungen zeigen, dass ein zentraler Beratungsstandort allein nicht alle Zielgruppen gleichermaßen erreicht. Ergänzende dezentrale und aufsuchende Angebote sind daher von besonderer Bedeutung.
4. Weiteres Vorgehen und Perspektive
4.1. Geplante nächste Schritte bis zum Ende der Pilotphase
Bis zum Ende der Pilotphase soll das Beratungsangebot insbesondere bei den Bewohnerinnen und Bewohner der Wörnitzstraße weiter bekannt gemacht werden. Der neue Kontakt zur Hausverwaltung eröffnet hierfür zusätzliche Möglichkeiten. Eine öffentlichkeitswirksame Aktion vor Ort soll geprüft und möglichst umgesetzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die dezentrale Erweiterung des Beratungsangebots. Das Kinderund Jugendhaus Mikado stellt nach den Sommerferien Räumlichkeiten für regelmäßige Beratungszeiten zur Verfügung. Nach einem ersten Austausch mit der Einrichtung ist vorgesehen, ab dem 18.09.2026, zunächst im zweiwöchigen Rhythmus freitags von 10 bis 11:30 Uhr eine Beratung vor Ort anzubieten. Damit entsteht insbesondere für Familien und Bewohnerinnen und -bewohner aus dem Umfeld der Wörnitzstraße ein wohnortnaher Zugang zur Beratung. Die Sprechstunde ergänzt bereits etablierte Angebote und stärkt die Vernetzung bestehender Unterstützungsstrukturen.
4.2. Weiterentwicklung des Angebots
Für die weitere Entwicklung des Projekts ist eine enge Kooperation mit dem derzeit im Aufbau befindlichen Projekt „Quartiersentwicklung Wörnitzstraße“ der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e. V. vorgesehen. Die Erfahrungen aus der Integrations- und Sozialberatung können dadurch unmittelbar in die quartiersbezogene Arbeit einfließen und umgekehrt neue Zugänge zu den Bewohnerinnen und Bewohner erschlossen werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass insbesondere die Kombination aus verlässlicher Beratung an einem zentralen Standort, dezentralen bzw. aufsuchenden Beratungsangeboten, niedrigschwelligen Begegnungsangeboten, aktiver Netzwerkarbeit und verbindlichen Verweisstrukturen
geeignet ist, Menschen mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zu erreichen.
4.3. Perspektive über die Pilotphase hinaus
Die bisherigen Ergebnisse lassen aus fachlicher Sicht einen Bedarf für eine Fortführung des Beratungsangebots über den 31.12.2026 hinaus erkennen. Der Aufbau eines solchen Angebots ist mit einer längeren Anlaufphase verbunden. Die Erfahrungen zeigen, dass insbesondere persönliche Vernetzung, kontinuierliche Präsenz vor Ort und der schrittweise Aufbau von Vertrauen entscheidend für die Inanspruchnahme sind. Die steigende Zahl der Kontakte in den Monaten Juni und Juli 2026 deutet darauf hin, dass die Beratungsstelle ihr Potenzial zunehmend entfaltet. Eine Beendigung zum Ende der Pilotphase würde daher zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem die aufgebauten Strukturen und Kooperationen zunehmend greifen. Eine Fortführung ermöglicht es, die geleistete Aufbauarbeit nachhaltig zu nutzen, bestehende Netzwerke weiterzuentwickeln und insbesondere die bisher schwer erreichbaren Bewohnerinnen und Bewohner der Wörnitzstraße besser anzusprechen. Für eine Fortführung sind insbesondere die Sicherung der Finanzierung und der damit verbundenen personellen Ausstattung, die Sicherstellung geeigneter Räumlichkeiten sowie die weitere Einbindung in die soziale und kulturelle Infrastruktur des Stadtteils erforderlich. Die Erfahrungen aus Röthenbach können darüber hinaus als Grundlage für vergleichbare quartiersbezogene Beratungsangebote in weiteren Stadtteilen dienen. Besonders hervorzuheben ist die Kombination aus zentralem Beratungsstandort, dezentralen Sprechstunden, aufsuchender Netzwerkarbeit und verbindlichen Verweisstrukturen.
5. Fazit
Das Pilotprojekt „Integrations- und Sozialberatung Röthenbach“ schließt eine Lücke zwischen Bewohnerinnen und Bewohner mit Unterstützungsbedarf und den bereits vorhandenen sozialen Angeboten im Stadtteil. Seit Beginn der Beratungsarbeit wurden 81 Personen mit Zuwanderungsgeschichte beraten und 170 Beratungsthemen bearbeitet. 56 Personen (69 %) leben unmittelbar in Röthenbach. Mit 31 dokumentierten Verweisberatungen übernimmt die Beratungsstelle zudem eine wichtige Schnittstellenfunktion im bestehenden Hilfesystem. Die zunehmende Inanspruchnahme, die wachsende Bekanntheit bei Schulen, Horten und weiteren Einrichtungen sowie die entstandenen Kooperationen zeigen, dass die Aufbauarbeit zunehmend Wirkung entfaltet. Gleichzeitig bestehen weiterhin konkrete Herausforderungen, insbesondere bei der Erreichbarkeit der Bewohnerinnen und Bewohner der Wörnitzstraße. Die geplante dezentrale Beratung im Kinder- und Jugendhaus Mikado, der neue Kontakt zur Hausverwaltung und die Kooperation mit der entstehenden Quartiersentwicklung Wörnitzstraße der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e. V. bieten hierfür wichtige Ansatzpunkte. Die Integrations- und Sozialberatung Röthenbach hat sich damit von einem zunächst aufzubauenden Pilotangebot zunehmend zu einer niedrigschwelligen Anlauf- und Vernetzungsstelle im Sozialraum entwickelt. Aus fachlicher Sicht sprechen die bisherigen Ergebnisse daher für eine Fortführung des Projekts über die Pilotlaufzeit hinaus. Eine Fortführung ermöglicht es, an diese Entwicklung anzuknüpfen und den Nutzen für Bewohnerinnen und Bewohner und Einrichtungen des Stadtteils weiter auszubauen.