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← Sitzung der Kommission für Integration (24.07.2025)

Sitzung gesamt öffentlich

Anlage · 24.07.2025 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

CSU-Stadtratsfraktion Sozialausschuss Andreas Krieglstein Gostenhof Altenfurt Marcus König SPD-Stadtratsfraktion Mögeldorf Dr. Nasser Ahmed Großgründlach Kommission für Integration Werner Henning Soziales & Gesundheit Haushalt & Finanzen Schule & Bildung Kultur, Sport & Freizeit Sicherheit & Ordnung Rad- und Fußverkehr Stadtentwicklung & Planung Digitalisierung & Verwaltung Verkehr & Mobilität Wirtschaft & Arbeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Sitzungsunterlagen

Sitzung der Kommission für

Integration

24.07.2025

Inhaltsverzeichnis

Sitzungsdokumente Tagesordnung -öffentlich- 3 Vorlagendokumente TOP Ö 1 Weiterentwicklung des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg Sitzungsvorlage OBM/015/2025 4 Sachverhalt OBM/015/2025 8 Vorschlag Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg (neue Fassung) 25 OBM/015/2025 CSU-Antrag Integration 10.03.2025 OBM/015/2025 28 IR-Beschluss Überarbeitung Leitlinien 07.11. 2023 OBM/015/2025 30 Anlage 1: Umsetzung der Leitlinien in Geschäftsbereichen OBM/015/2025 31 Anlage 2: Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg (Fassung 2018) 66 OBM/015/2025 Anlage 3: Leitlinen des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg (Fassung 2004) 68 OBM/015/2025 Anlage 4: Leitbild der Stadt Nürnberg (2001) OBM/015/2025 70 TOP Ö 2 Statistischer Jahresbericht für 2024 des Amtes für Migration und Integration und des Amtes für Stadtforschung und Statistik über ausländische Staatsangehörige und Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg Berichtvorlage MI/001/2025 72 Statistischer Jahresbericht für 2024 MI/001/2025 76 TOP Ö 3 Vorstellung des Projekts "Nürnberg forscht - Citizen Science in der vielfältigen Stadtgesellschaft" am Beispiel der Forschungsgruppe "Politische Teilhabe" Berichtvorlage OBM/016/2025 100 Projektüberblick und Zusammenfassung OBM/016/2025 104 Nürnberg forscht Ergebnisbericht OBM/016/2025 108

TAGESORDNUNG

Sitzung

Sitzung der Kommission für Integration

Sitzungszeit

Donnerstag, 24.07.2025, 15:00 Uhr

Sitzungsort

Rathaus, Fünferplatz 2, Großer Sitzungssaal

TAGESORDNUNG

Öffentliche Sitzung

1. Weiterentwicklung des Integrationsprogramms der Stadt Empfehlung

Nürnberg OBM/015/2025

- hier: CSU-Antrag vom 23.09.2024 „Für eine Verbesserung der

Integration Zugewanderter nach Nürnberg – Fördern und Fordern“

Beschluss des Rates für Integration und Zuwanderung vom

07.11.2023 „Überarbeitung der Leitlinien zur Integrationspolitik der

Stadt Nürnberg“

König, Marcus

2. Statistischer Jahresbericht für 2024 des Amtes für Migration und Bericht

Integration und des Amtes für Stadtforschung und Statistik über MI/001/2025

ausländische Staatsangehörige und Menschen mit

Migrationshintergrund in Nürnberg

König, Marcus

3. Vorstellung des Projekts "Nürnberg forscht - Citizen Science in Bericht

der vielfältigen Stadtgesellschaft" am Beispiel der OBM/016/2025

Forschungsgruppe "Politische Teilhabe"

König, Marcus

  1. Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 27.03.2025,

öffentlicher Teil

Beschlussvorlage OBM/015/2025

Beratung Datum Behandlung Ziel

Kommission für Integration 24.07.2025 öffentlich Empfehlung

Stadtrat 24.09.2025 öffentlich Beschluss

Betreff:

Weiterentwicklung des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg

nach Nürnberg – Fördern und Fordern„

Beschluss des Rates für Integration und Zuwanderung vom 07.11.2023 „Überarbeitung der

Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg“

Sachverhalt (kurz): Im Jahr 2001 verabschiedete die Stadt Nürnberg ihr Leitbild, in dem sie sich aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen Verantwortung zur aktiven Verwirklichung der Menschenrechte bekennt und verpflichtet. Das Leitbild enthält explizit auch ein Bekenntnis zum Einsatz für die Integration aller in Nürnberg lebenden Menschen: „Wir setzen uns ein für die Integration aller in Nürnberg lebenden Menschen und ermöglichen ihre Mitwirkung am öffentlichen Leben.“ Die im Jahr 2004 erstmals vom Stadtrat verabschiedeten Leitlinien zur Integrationspolitik dienen der Vertiefung und Konkretisierung dieses Anspruchs und Auftrages.

Die im Leitbild proklamierte Selbstverpflichtung wird im Rahmen des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg konkretisiert und umgesetzt. Die Genese des städtischen Integrationsprogramms reicht weit zurück uns die Weiterentwicklung ist ein fortwährender Prozess. Die Leitlinien sind Grundlage und Wesenskern der Integrationspolitik und -strategie der Stadt Nürnberg und ebenso konstitutiv für die Arbeit aller Akteure im städtischen Integrationsprogramm.

Neben der Entstehung und Weiterentwicklung des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg wird in dieser Vorlage eine Überarbeitung der Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg durch die Stadtverwaltung auf Vorschlag des Integrationsrates vorgestellt und der CSU-Antrag „Für eine Verbesserung der Integration Zugewanderter nach Nürnberg – Fördern und Fordern“ beantwortet.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Das Integrationsprogramm hat die Chancengleichheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt aller Nürnberger/-innen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zum Ziel.

  1. Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:

RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Koordinierungsgruppe Integration

Rat für Integration und Zuwanderungsgeschichte

Empfehlungsvorschlag:

Die Kommission für Integration spricht sich für die vorgelegte neue Fassung der Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg aus und empfiehlt dem Stadtrat, die neue Fassung zu beschließen.

Die Kommission für Integration befürwortet die vorgelegte Konzeption des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg und beauftragt die Verwaltung, die Weiterentwicklung des Integrationsprogramms entsprechend der in der Vorlage skizzierten Vorgehensweise weiterzuverfolgen.

Beschlussvorschlag: Der Stadtrat beschließt die vorgelegte neue Fassung der Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg.

Der Stadtrat befürwortet die vorgelegte Konzeption des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg und beauftragt die Verwaltung, die Weiterentwicklung des Integrationsprogramms entsprechend der in der Vorlage skizzierten Vorgehensweise weiterzuverfolgen.

Weiterentwicklung des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg

I. Entstehung und Entwicklung des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg1

Im Jahr 2001 verabschiedete die Stadt Nürnberg ihr Leitbild,2 in dem sie sich aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen Verantwortung zur aktiven Verwirklichung der Menschenrechte bekennt und verpflichtet. Das Leitbild enthält explizit auch ein Bekenntnis zum Einsatz für die Integration aller in Nürnberg lebenden Menschen: „Wir setzen uns ein für die Integration aller in Nürnberg lebenden Menschen und ermöglichen ihre Mitwirkung am öffentlichen Leben.“ Konkretisiert und umgesetzt wird diese Selbstverpflichtung im Rahmen des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg, dessen Genese weit zurückreicht und dessen Weiterentwicklung ein fortwährender Prozess ist. Neben der Entstehung und (Weiter-)Entwicklung des Nürnberger Integrationsprogramms wird in dieser Vorlage eine Überarbeitung der Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg durch die Stadtverwaltung auf Vorschlag des Integrationsrates vorgestellt und der CSU-Antrag „Für eine Verbesserung der Integration Zugewanderter nach Nürnberg – Fördern und Fordern“ beantwortet.

Nürnberger Bevölkerungsstruktur und -zusammensetzung Zum Stichtag 31.12.2024 lebten in Nürnberg 546.397 Menschen,3 darunter 281.978 Menschen mit eigener oder familiärer Zuwanderungsgeschichte. Der Anteil der Menschen mit internationaler Geschichte an der Nürnberger Gesamtbevölkerung beträgt demnach 51,6 Prozent.4

Von den in Nürnberg lebenden Menschen mit Migrationshintergrund 5 sind 152.578 Personen Ausländerinnen und Ausländer, was einem Anteil von 27,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht. Sie kommen aus 168 Ländern. 40,7 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer in Nürnberg (bzw. 62.132 Personen) kommen aus Mitgliedsländern der Europäischen Union. 59,3 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer (bzw. 90.446 Personen) kommen aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der EU.

1 Für einen vertiefenden Überblick siehe auch Thomas Müller, Integration: Strategien für Kommunen, in: Monika Franz, Gero Kellermann: Zukunft vor Ort. Kommunalpolitik in Bayern, Herausgeber: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2020, S. 131 – 143. 2 Siehe hierzu auch Anlage 4 3 Die Zahl bezieht sich auf die mit Hauptwohnung in Nürnberg gemeldeten Personen. 4 Vgl. Stadt Nürnberg, Ausländerinnen und Ausländer bzw. Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg, 2024, Daten des Ausländerzentralregisters und des Amtes für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Stand 31.12.2024, Vorlage in der Kommission für Integration am 24.07.2025, Nürnberg 2025 (TOP Ö 2). 5 Der Migrationshintergrund wird vom Amt für Stadtforschung und Statistik aus den Daten des Melderegisters mit Hilfe des Programms MigraPro abgeleitet, da es sich nicht um ein Merkmal handelt, das aus den Meldedaten direkt hervorgeht. Die Ableitung ist eine Annäherung an die Definition des Statistischen Bundesamts, die besagt, dass eine Person einen Migrationshintergrund hat, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit einer deutschen Staatsangehörigkeit geboren wurde. Die Ableitung erfolgt anhand der Informationen zur Staatsangehörigkeit, Zuzugsherkunft und Lage des Geburtsortes sowie der Staatsangehörigkeit der Eltern. Sie ermöglicht die Unterscheidung nach Deutschen ohne Migrationshintergrund, Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländerinnen und Ausländern, die der Definition nach alle einen persönlichen Migrationshintergrund haben. Kindern unter 18 Jahren, die keinen eigenen Migrationshintergrund haben, wird der Migrationshintergrund der im gleichen Haushalt lebenden Eltern zugeordnet. Der so ermittelte familiäre Migrationshintergrund entspricht weitestgehend der Definition des Statistischen Bundesamtes, richtet sich aber nach dem Alter der Kinder, d.h. Kinder ohne eigenen Migrationshintergrund verlieren den über die Eltern zugeordneten Migrationshintergrund, sobald sie 18 Jahre alt sind.

45,9 Prozent aller Nürnbergerinnen und Nürnberger mit eigener oder familiärer Zuwanderungsgeschichte (bzw. 129.400 Personen) haben einen deutschen Pass. Sie haben die deutsche Staatsangehörigkeit entweder durch Einbürgerung oder bei Geburt als Kinder von Eltern mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit erworben oder gehören zur Gruppe der (Spät-)Aussiedler/-innen.

Mit einem Anteil an Einwohnerinnen und Einwohnern mit internationaler Geschichte von 51,6 Prozent an der Gesamtbevölkerung ist Nürnberg eine der vielfältigsten Städte in Deutschland. Dies geht zurück auf eine von Zuwanderung in verschiedenen Phasen geprägte Geschichte der Stadt, insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg.

Zuwanderungsphasen nach Nürnberg Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Zuzug nach Nürnberg von Flucht und Vertreibung aus den ehemals deutschen Ostgebieten geprägt.6 Ab den 1950er Jahren erfolgte die Zuwanderung im Zuge der Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland, zunächst aus Italien, später auch aus Spanien, Griechenland, der Türkei und zahlreichen weiteren Staaten. Die 1980er Jahre waren überwiegend von der Zuwanderung der Aussiedler/-innen und Spätaussiedler/-innen geprägt, die ihrerseits die deutsche Staatsangehörigkeit innehatten. Auch die Fluchtzuwanderung von Kriegs- und insbesondere Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien fällt in diese Zeit. Die Zuwanderung aus EU-Staaten gewann spätestens seit 2010 an Bedeutung. Die Jahre 2015/16 und nachfolgende waren insbesondere von Fluchtzuwanderung aus nicht-europäischen Staaten geprägt.7 Die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine in Folge des russischen Angriffskrieges seit 2022 stellt die jüngste größere Zuwanderungsphase dar. Nürnberg blickt sodann auf umfangreiche Erfahrungen im Zuge von Zuwanderung und Integration zurück.

Entstehung und Entwicklung der Integrationspolitik der Stadt Nürnberg Die Anfänge der Integrationspolitik der Stadt Nürnberg reichen in die 1970er Jahre zurück: 1973 wurde in Nürnberg der erste Ausländerbeirat in Bayern und der zweite in Deutschland gegründet und seine Mitglieder in direkter und demokratischer Wahl bestimmt. Gemeinsam mit dem im Jahr 1984 gegründeten Aussiedlerbeirat bildete der Ausländerbeirat das Vorläufergremium des heutigen Rates für Integration und Zuwanderung der Stadt Nürnberg.8

Eine herausgehobene Bedeutung bei den Bemühungen der Stadt Nürnberg für die Integration der angeworbenen Arbeitskräfte kam von Beginn an der interkulturellen Arbeit zu. Mittels dieser sollten kulturelle Brücken gebaut, kulturelle Vielfalt wertgeschätzt und so die soziale, politische und gesellschaftliche Teilhabe von zugewanderten Nürnbergerinnen und Nürnbergern gefördert werden. Während Zuwanderung zu Beginn gesamtgesellschaftlich vornehmlich als sozialpolitische Herausforderung angesehen wurde, versuchte die Stadt Nürnberg ab 1977 mit ihrem Amt für Kultur und Freizeit (KuF) mit dem Sachgebiet „Kulturelle Ausländerarbeit“, aus dem 1982 das Inter-Kultur-Büro hervorging, mit kulturellen Aktivitäten und Angeboten Brücken

6 Bei den in dieser Phase nach Nürnberg Zugewanderten handelte es sich um Geflüchtete bzw. Vertriebene mit deutscher Staatsangehörigkeit. 7 Vgl. Stadt Nürnberg, Zuwanderung aus dem Ausland und Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg, Nürnberg 2019, S274 Zuwanderung aus dem Ausland und Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg 8 Siehe hierzu auch Stadtarchiv Nürnberg, Integrationsrat Nürnberg, Diversity Media e.V., 50 Jahre Integrationsrat Nürnberg – 50 Jahre Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“, Nürnberg 2023, https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/50jahre-ir-nbg/#s0

zu schlagen und suchte aktiv Kontakt und Kooperationen mit migrantischen Vereinen und Gruppen. So wurden die zwölf Nürnberger Kulturläden, die im Mai 2025 ihr 50-jähriges Bestehen feierten, zu Orten interkultureller Aktivitäten und Begegnungen. Bis heute ist die interkulturelle Arbeit im KuF einer der Wesens- und Markenkerne, mehr noch als viele andere Kultureinrichtungen sind insbesondere die Kulturläden Anlaufstellen für Besuchende wie auch Aktive des vielfältigen, internationalen Nürnbergs.9

Das erste sogenannte Ausländerprogramm der Stadt Nürnberg wurde schließlich in den Jahren 1982 (Kapitel „Analyse und Ziele“) und 1984 (Kapitel „Maßnahmen“) von der Arbeitsgruppe „Nürnberg-Plan“ aufgelegt.10 Unter dem Oberziel, „die größtmögliche Wohlfahrt ihrer Bürger anzustreben“, sollte im Rahmen geltender Gesetze nicht zwischen deutschen und ausländischen Bürgerinnen und Bürgern unterschieden werden. Die im Programm erklärten Ziele wurden um umfangreiche Maßnahmen für die Bereiche Wohnen, Jugendhilfe, Schule, Berufliche Bildung und Arbeitsmarkt, Beratung und Betreuung, Freizeit, Kultur und Sport ergänzt – der integrationspolitische Ansatz war somit bereits damals umfassend und folgte einer „Querschnittslogik“. Als zentral wurde die „rechtliche und chancenmäßige Gleichstellung der ausländischen Familien unter Bereitstellung der Möglichkeit, ihre kulturelle Identität zu erhalten und pflegen“ erachtet.

Wie eingangs erwähnt, verabschiedete die Stadt Nürnberg im Jahr 2001 ihr Leitbild, in dem sie sich aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen Verantwortung zur aktiven Verwirklichung der Menschenrechte bekennt und verpflichtet. Das Leitbild enthält explizit auch ein Bekenntnis zum Einsatz für die Integration aller in Nürnberg lebenden Menschen.

Die im Jahr 2004 erstmals vom Stadtrat verabschiedeten Leitlinien zur Integrationspolitik dienen der Vertiefung und Konkretisierung dieses im Leitbild formulierten Anspruchs und Auftrages.11 Die Leitlinien sind Grundlage und Wesenskern der Integrationspolitik und -strategie der Stadt Nürnberg und ebenso konstitutiv für die Arbeit aller Akteure im Integrationsprogramm der Stadt Nürnberg (siehe hierzu auch Punkt II.)

Das Integrationsprogramm und seine Gremien Zentrale Akteurin im städtischen Integrationsprogramm ist die Koordinierungsgruppe Integration, die per Anordnung des Oberbürgermeisters im Jahr 2010 zur Umsetzung der Leitlinien, der ressortübergreifenden Abstimmung der Maßnahmen verschiedener Dienststellen und zur Entwicklung und Fortschreibung des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg eingerichtet wurde. Sie fungiert dabei als „kollektive Integrationsbeauftragte“ und ist als verwaltungsinterne Steuerungseinheit für alle Themen zuständig, die die Bereiche Integration und interkulturelles Zusammenleben betreffen. In ihr sind leitende bzw. entscheidungsbefugte Mitarbeitende aus allen Geschäftsbereichen und zudem Dienststellen und Einheiten vertreten, die in besonderer Weise mit den Themen Migration und Integration befasst sind, ebenso die Leitung der Geschäftsstelle des Integrationsrates. Integration wird hierbei als Querschnittsaufgabe der Stadtverwaltung verstanden, die alle (Geschäfts-)Bereiche betrifft. Integration wird überdies als „Chefsache“ verstanden, was insbesondere für den Oberbürgermeister gilt, aber

9 https://www.nuernberg.de/internet/kuf_kultur/50_jahre_kulturlaeden.html 10 Stadt Nürnberg, Arbeitsgruppe Nürnberg-Plan (Herausgeber): „Rahmenplan Sozialwesen – Ausländerprogramm der Stadt Nürnberg“ in Beiträge zum Nürnberg-Plan, Reihe F: Sozialplanung, Heft 13, Nürnberg 1985, S. 2 f. 11 Siehe hierzu auch Punkt II) der Vorlage

auch die anderen Geschäftsbereiche verpflichtet. Nachfolgende Berichte der Geschäftsbereiche zeigen auf, dass die Geschäftsbereiche weitreichende Netzwerke in die Stadtgesellschaft pflegen und mit Zivilgesellschaft, Institutionen und Organisationen kooperieren.

Die Koordinierungsgruppe strukturiert die Umsetzung der Leitlinien zur Integrationspolitik und schreibt diese fort. Die gegenseitige Information über Aktivitäten und Maßnahmen im Zuge von Zuwanderung und Integration und die Abstimmung übergreifender Pläne und Initiativen bestimmen die Arbeit der Koordinierungsgruppe, die regelmäßig im Vorfeld der Sitzungen der Kommission für Integration zusammentritt. Die Vorbereitung der Sitzungen der Kommission für Integration stellt einen weiteren Arbeitsschwerpunkt dar. Die Vorbereitung und Durchführung von Integrationskonferenzen in enger Zusammenarbeit mit dem Rat für Integration und Zuwanderung unter Einbeziehung von Zivilgesellschaft, externen Institutionen und Organisationen sowie engagierten Einzelpersonen rundet das Aufgabenspektrum der Koordinierungsgruppe ab.12

Durch die gewählte Struktur und die skizzierte Vorgehensweise soll gewährleistet werden, dass Integration in allen Bereichen der Stadtverwaltung gleichermaßen und fest verankert ist und hierfür relevante Themen kontinuierlich, gemeinsam und geschäftsbereichsübergreifend bearbeitet werden (Querschnittsansatz). Die Federführung der Koordinierungsgruppe Integration wurde dem KuF übertragen, deren Dienststellenleitung auch die Sitzungen der Koordinierungsgruppe leitet. Die Geschäftsführung für die Koordinierungsgruppe hat KuF/Abteilung für Kulturelle Vielfalt und Koordination Integrationsprogramm in enger Abstimmung mit dem Bürgermeisteramt inne.

Die Kommission für Integration wurde im Jahr 2002 als zuständiges Fachgremium des Nürnberger Stadtrates eingerichtet und beschäftigt sich mit allen Belangen, die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und das Zusammenleben aller Nürnberger/-innen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in besonderer Weise betreffen. Die Integrationskommission besteht aus Stadtratsmitgliedern, die stimmberechtigt sind und aus Mitgliedern des Rates für Integration und Zuwanderung mit beratender Funktion, entsendet werden die Mitglieder des erweiterten Vorstandes. Zudem sind Sachverständige in der Integrationskommission vertreten (mit beratender Funktion).13 In der Kommission werden Anträge der Fraktionen und Parteien und Beschlüsse des Integrationsrates besprochen, darüber hinaus werden Berichte der Stadtverwaltung vorgestellt. Aufgrund der Zusammensetzung werden in der Kommission keine Beschlüsse gefasst, sondern Empfehlungen ausgesprochen, die anschließend vom Stadtrat zum Beschluss erhoben werden müssen, um Gültigkeit zu erlangen.

Zur Einbeziehung weiterer relevanter Institutionen und Organisationen, auch und gerade aus der Zivilgesellschaft, wurde das Kuratorium für Integration geschaffen, das später auf den Bereich Menschenrechte ausgeweitet und im Jahr 2020 zum Kuratorium für Vielfalt und Zusammenhalt weiterentwickelt wurde. Das vom Oberbürgermeister einberufene Kuratorium berät die Stadtspitze, den Stadtrat und die Stadtverwaltung und tagt zweimal jährlich. Neben

12 Siehe hierzu auch: https://www.nuernberg.de/internet/integration/integrationskonferenz.html 13 In der Kommission für Integration sind Sachverständige folgender Organisationen vertreten: Arbeiterwohlfahrt, Bayerisches Rotes Kreuz, Caritasverband, DGB, Kreisjugendring und Stadtmission. Weitere beratende Nichtstadtratsmitglieder werden von der CSU-Fraktion, der SPD-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen benannt.

den vormaligen Schwerpunkten Integration und Menschenrechte werden seitdem auch wei-

tere Vielfaltsdimensionen (u.a. Lebensalter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung,

Religion/Weltanschauung und soziale Lage) in den Fokus gerückt. In einem breitgefächerten

Austausch sollen Impulse für die Kommunalpolitik erarbeitet werden, um die Vielfaltsdimensi-

onen der Stadtgesellschaft abzubilden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Im Kuratorium sind aktuell 70 Mitglieder aus Organisationen und Institutionen folgender Berei-

che vertreten: Integration, Menschenrechte, Frauen, LSBTIQ+, sozialer Zusammenhalt und

Stadtgesellschaft, Wirtschaft und Arbeit, Hochschule, Medien, Polizei und Justiz, überregio-

nale Behörden und Ebenen, städtische Räte (Integrationsrat, Behindertenrat und Seniorenrat)

und der Rat der Religionen sowie die Beauftragten der Stadt (Frauenbeauftragte, Inklusions-

beauftragte, Beauftragte für Diskriminierungsfragen). Die Stadtspitze ist ebenfalls im Kurato-

rium vertreten.

Grundlegend und wesentlich für gelingende Integrationspolitik ist die strukturelle und politische

Einbeziehung von Menschen mit eigener und familiärer Zuwanderungsgeschichte. Hierfür

wurde der Rat für Integration und Zuwanderung der Stadt Nürnberg (kurz: Integrationsrat)

eingerichtet, der sich in dieser Form im Jahr 2010 konstituiert hat und aus dem Ausländerbeirat

und dem Aussiedlerbeirat hervorgegangen ist. Der Integrationsrat ist die kommunalpolitische

Interessensvertretung der Nürnbergerinnen und Nürnberger mit eigener und familiärer Zuwan-

derungsgeschichte. Insbesondere wirkt er mit, deren Lebensverhältnisse zu verbessern und

das friedliche und gleichberechtigte Zusammenleben in der Stadt zu fördern. Seine Mitglieder

werden in direkter und geheimer Wahl für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt.

Die letzte Wahl fand im Jahr 2022 statt. Im Vorfeld dieser Wahl wurde seitens der Stadtver-

waltung in Abstimmung mit dem Integrationsrat wie bei früheren Wahlen die zugrundeliegende

Wahlordnung überarbeitet und an aktuelle Gegebenheiten angepasst, um der sich verändern-

den Bevölkerungszusammensetzung und anderen Aspekten Rechnung zu tragen. Neben der

Erhöhung der Wahlbeteiligung (5,7 Prozent bei der Wahl im Jahr 2016) wurde eine Zusam-

mensetzung des Integrationsrates angestrebt, die die Vielfalt der Stadtbevölkerung noch bes-

ser abbildet. Während das Ziel der Erhöhung der Wahlbeteiligung verfehlt wurde (von den rund

200.000 Wahlberechtigten machten 7.039 Personen von ihrem Wahlrecht Gebrauch, was ei-

ner Wahlbeteiligung von 3,5 Prozent entspricht), konnte das Ziel einer noch vielfältigeren Zu-

sammensetzung erreicht werden: Gewählt wurden 16 Männer und 14 Frauen (zuvor zehn

Frauen) aus 19 Bezugs- und Herkunftsländern (zuvor zwölf). Deren Verteilung setzte sich hin-

sichtlich der Herkunftsländer wie folgt zusammen: fünf Personen aus Rumänien, vier aus der

Türkei, drei aus Kasachstan, jeweils zwei aus der Ukraine sowie aus Polen und jeweils eine

Person aus Afghanistan, Aserbaidschan, Äthiopien, Bangladesch, Belarus, Dschibuti, El Sal-

vador, Griechenland, Italien, Lettland, Moldawien, Montenegro, Russland und Syrien. Der

jüngste Gewählte war 23 und der älteste 78 Jahre alt.14 In seiner Sitzung am 14.12.2022 berief

der Stadtrat die gewählten Mitglieder des Integrationsrates sowie ein weiteres Mitglied. Insge-

samt gehören dem Integrationsrat damit derzeit 31 Mitglieder an. Die Wahlperiode beträgt

sechs Jahre.

Der aktuell amtierende Vorstand setzt sich aus Mitgliedern mit den Herkunftsländern Afgha-

nistan, Türkei, Ukraine und Rumänien zusammen. Hinsichtlich der Zuordnung zu den in der

Wahlordnung festgelegten vier Gruppen Europäische Union, Europa ohne EU, Asien, Afrika,

14 Vgl. Amt für Stadtforschung und Statistik, Berichte aus Stadtforschung und Statistik, Ergebnisse der Integrationsratswahl, M 530, 18.11.2022, Nürnberg 2022

Amerika und Ozeanien sowie Aussiedler/-innen sind im aktuell amtierenden Vorstand alle vier

Gruppen abgedeckt.15

Der Integrationsrat berät den Stadtrat in allen Fragen, die die Bevölkerung mit Migrationshin-

tergrund betreffen und zum kommunalen Wirkungskreis der Stadt gehören. Dies geschieht

durch eigene Anregungen und durch Stellungnahmen auf Anforderung des Stadtrats oder der

Stadtverwaltung. Die Mitglieder des erweiterten Vorstands sind auch Mitglieder in der Kom-

mission für Integration. Die Leitung der Geschäftsstelle des Integrationsrates, die beim Bür-

germeisteramt angesiedelt ist, ist wiederum Mitglied in der Koordinierungsgruppe Integration.

Der Integrationsrat hat eine wichtige Brückenfunktion zwischen Stadtrat, -verwaltung und der

Zivilgesellschaft, hier insbesondere zu den migrantischen Communities, Verbänden und Ver-

einen, inne. Bestehende Integrationsangebote werden seitens Integrationsrat bei Zielgruppen

bekannt gemacht, neue Angebote mittels Zuschussvergabe gefördert und offene Bedarfe an

die Stadtverwaltung rückgemeldet. Zudem informiert die Geschäftsstelle des Integrationsrates

die Stadtverwaltung über Integrationsangebote von externen Akteurinnen und Akteuren.

folgende Berichte der Geschäftsstelle des Integrationsrates sowie der Geschäftsbereiche zeigen die weitreichenden Kooperationen zwischen Stadt und migrantischen Organisationen und deren maßgeblichen Beitrag zur Integrationsarbeit in Nürnberg auf.

Zusammenfassung

Das Integrationsprogramm der Stadt Nürnberg fußt inhaltlich und politisch auf den Leitlinien

zur Integrationspolitik (siehe nachfolgender Punkt) und besteht aus der Koordinierungsgruppe

Integration als kollektiver Integrationsbeauftragten und ressortübergreifender Steuerungsein-

heit auf Verwaltungsebene und der Kommission für Integration als zuständigem Fachgremium

des Stadtrates auf kommunalpolitischer Ebene. Das Kuratorium für Vielfalt und Zusammenhalt

berät Stadtspitze, Stadtrat und Stadtverwaltung in allen Fragen, die die vielfältige Stadtgesell-

schaft betreffen. Neben Stadtratsmitgliedern ist der Integrationsrat ebenfalls in der Integrati-

onskommission vertreten, um als kommunalpolitische Vertretung der Nürnberger/-innen mit

Zuwanderungsgeschichte deren Interessen und Anliegen einzubringen. Dem wird auch auf-

grund der Tatsache besondere Bedeutung zuteil, dass wie eingangs erwähnt 90.446 Nürnber-

gerinnen und Nürnberger weder die deutsche noch die Unionsbürgerschaft (betrifft die EU-

Staaten) besitzen, was einem Anteil von 16,6 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht:

Deren Teilhabe an Wahlen und kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen wird auf diese

Weise sichergestellt und ihre politische Einbeziehung durch den Integrationsrat gewährleistet.

Die Struktur des Nürnberger Integrationsprogramms ist bundesweit einmalig und bestimmte

Elemente wie die Koordinierungsgruppe Integration, der Rat für Integration und Zuwanderung

oder das Kuratorium für Vielfalt und Zusammenhalt verfügen in ihrer Verfasstheit und vernetz-

ten Arbeitsweise über eine Sonderstellung bzw. ein Alleinstellungsmerkmal in der regionalen

und überregionalen Integrationslandschaft, wie städtische Vertreter/-innen bei nationalen und

internationalen Netzwerken und Konferenzen häufig in Erfahrung bringen.

In der Rückschau auf die Entstehung und Entwicklung des Integrationsprogramms der Stadt

Nürnberg kann einerseits eine hohe Konstanz hinsichtlich Priorisierung, Querschnittsansatz

15 Siehe hierzu auch https://www.nuernberg.de/internet/integrationsrat/vorstand.html

und ressortübergreifender Arbeitsweise und anderseits die flexible, strukturelle Anpassungs-

fähigkeit an aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen konstatiert werden.

Weitere Strukturen und Formate

Über die beschriebenen Gremien und Prozesse hinaus gibt es weitere Strukturen und For-

mate, die wesentlich für die Nürnberger Integrationspolitik und den daran anknüpfenden inter-

sektionalen Ansatz sind, den die Stadtverwaltung im Zuge ihres Diversity-Ansatzes verfolgt.

Zu nennen ist hier beispielsweise die AG Diversity, in der die verschiedenen Koordinierungs-

gruppen der Stadt vertreten sind (neben Integration auch Inklusion, Gender und Queeres

Nürnberg). Weiterhin sind städtische Mitarbeitende vertreten, die weitere Vielfaltsdimensionen

nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bearbeiten16 und ebenso die Beauf-

tragten der Stadt für Gleichstellung, Inklusion und Diskriminierungsfragen.

In der AG Diversity werden die Prozesse der verschiedenen Koordinierungsgruppen aufeinan-

der abgestimmt und bestmöglich miteinander verwoben, um Synergien zu erzeugen. Hierfür

fand im Jahr 2023 unter Federführung der Koordinierungsgruppe Integration beispielsweise

ein erstes Austauschtreffen aller Koordinierungsgruppen statt, bei dem eine verstärkte Zusam-

menarbeit eingeläutet wurde.

Die Vielfalt der Nürnberger Stadtgesellschaft geht mit einer Vielzahl an Merkmalen einher,

über die die einzelnen Bürgerinnen und Bürger verfügen. Der Verschränkung der Vielfaltsdi-

mensionen kommt daher oberste Priorität zu, ohne die Fokussierung auf die besonderen Be-

darfe bestimmter Gruppen und Personen (wie zugewanderte Personen oder Menschen mit

Behinderung o.a.) zu vernachlässigen. Bei der Stärkung des Diversity-Ansatzes spielt die Ko-

ordinierungsgruppe Integration eine tragende Rolle (siehe hierzu auch Punkt III.).

Verschiedene Formate wie bspw. der regelmäßige Austausch des Oberbürgermeisters mit

den im AK Muslime vertretenen muslimischen Moscheegemeinden und Vereinen oder

Runde Tische des Oberbürgermeisters mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener

Communities, auch angesichts weltweiter krisenhafter Entwicklungen und ihrer Auswirkun-

gen auf die Stadtgesellschaft, ergänzen und flankieren das städtische Integrationsprogramm.

Letzteres macht deutlich, dass der Oberbürgermeister und die Stadt Nürnberg jederzeit auch

flexibel auf krisenhafte Entwicklungen reagieren, die sich entweder unmittelbar (beispielsweise

durch Migration im Zuge kriegerischer Konflikte) oder mittelbar auf die Stadtgesellschaft aus-

wirken, wie zuletzt die erneute Eskalation des Nahost-Konflikts in der Folge des Terrorangriffs

der Hamas auf Israel. Vom Oberbürgermeister einberufene Gesprächsrunden oder themati-

sche Schwerpunktsetzungen im Kuratorium mit nachgelagerten Initiativen und Aktivitäten spie-

len hierbei eine wichtige Rolle.

Problematische Aspekte im Zusammenhang mit Zuwanderung und Vielfalt werden dabei nicht

ausgeblendet. So wurde, um dem Gefahrenpotenzial einer religiös bedingten Radikalisierung,

beziehungsweise den Anwerbeversuchen radikaler Prediger zu begegnen, bereits im Jahr

2016 in der Stabsstelle Menschenrechtsbüro & Gleichstellungsstelle die Projektstelle für das

„Nürnberger Präventionsnetzwerk gegen religiös bedingte Radikalisierung“ etabliert.

Als Partnerin des Bayerischen Netzwerks „Antworten auf Salafismus“ und finanziert aus Mit-

teln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gehört es zu den

16 Schützenswerte Dimensionen nach dem AGG sind Behinderung, ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung, Geschlecht/Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung/Identität, Lebensalter, siehe auch § 1 AGG - Einzelnorm

Hauptaufgaben der Projektstelle, möglichst viele Akteurinnen und Akteure aus dem Bereich

der primären und sekundären Prävention zu gewinnen und zu vernetzen. Zwischenzeitlich ge-

hören dem Netzwerk mehr als fünfzig Partnerorganisationen an – von Moscheegemeinden

und Zuwanderervereinen, Schulen und Trägerinnen und Trägern der Jugendarbeit, Vertretun-

gen von Sicherheitsbehörden und Stadtverwaltung bis hin zu vielen anderen Gruppen, die das

Interesse an der Verteidigung einer offenen Gesellschaft verbindet. Dabei steht der Schutzge-

danke für gefährdete, vor allem junge Menschen und deren Immunisierung gegen extremisti-

sche Agitation im Zentrum.

Ein wichtiger Kooperationspartner ist darüber hinaus die im Amt für Kinder, Jugendliche und

Familien angesiedelte Koordinierungsstelle Radikalisierungsprävention „Radikal infor-

miert“.17Sie hat die Verhinderung, Reduzierung oder Eindämmung von politischen und religi-

ösen Radikalisierungsprozessen junger Menschen in Nürnberg zum Ziel.

Neben der Fallbearbeitung und der Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen sowie

der Koordination von präventiven Bildungsangeboten für Jugendliche und Erwachsene spielt

für die Projektstelle für das Nürnberger Präventionsnetzwerk gegen religiös bedingte Radika-

lisierung die Dialogarbeit mit Vereinen und Moscheegemeinden im Sinne des Vertrauensauf-

baus eine immer größere Rolle. Daneben ist die Projektstelle Ansprechpartnerin für den Rat

der Religionen, Politik und Verwaltung in Fragen des multireligiösen Zusammenlebens und bei

religiös begründeten Konflikten.

Die Zusammenarbeit mit Religionsgemeinschaften gehört nicht zu den satzungsgemäß fest-

gelegten Kernaufgaben des Integrationsrates, ein Austausch beispielsweise mit dem Rat der

Religionen findet aus verschiedenen Anlässen statt. Der Rat der Religionen fördert den Dia-

log, die Vernetzung und das gegenseitige Verständnis unter den in Nürnberg vertretenen Re-

ligionen sowie zwischen den Religionsgemeinschaften und der Stadtgesellschaft.18

Die oben skizzierte Struktur des städtischen Integrationsprogramms und seiner Gremien ist

wie ausgeführt der Umsetzung der Leitlinien verpflichtet. Exemplarisch seien an dieser Stelle

drei Beispiele genannt, wie dieses Zusammenwirken produktiv gelingt: Auf einen Beschluss

des Integrationsrates zurück geht das Kommunale Programm Deutschspracherwerb, das

vom Bildungsbüro entwickelt und in der Kommission für Integration vorgestellt wurde. Diese

empfahl dem Stadtrat eine Beschlussfassung über die Etablierung des Programms in Nürn-

berg, welcher dieser folgte. Umgesetzt wird das Programm nun in enger Zusammenarbeit mit

der Zentralen Anlaufstelle Migration, deren (Wieder-)Einrichtung wiederum auf einen Antrag

der SPD-Stadtratsfraktion und einen Beschluss des Integrationsrates zurückgeht.

Beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Rates für Integration und Zuwanderung

sorgte die transkulturelle Tanzperformance „Nürnberg-Gwand“ für einen krönenden Ab-

schluss: Tradition und Moderne reichten sich hier die Hände und kreierten mit dem „Nürnberg-

17 Siehe hierzu auch Koordinierungsstelle Radikalisierungsprävention Nürnberg – Jugendamt der Stadt Nürnberg

Im Vorstand des Rates der Religionen sind derzeit das Evang.-Luth. Dekanat Nürnberg (Vorsitz), die Israelitische
Kultusgemeinde (stv. Vorsitz), der Mevlana Verein e.V. Nürnberg als Vertretung des AK Muslime (stv. Vorsitz),
die Baha´i Gemeinde Nürnberg, die Alevitische Gemeinde und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage
vertreten. Siehe hierzu auch Rat der Religionen Nürnberg - Rat der Religionen Nürnberg

Gwand“ in innovativer Weise etwas völlig Neues. Betreut vom beim KuF angesiedelten Inter-

Kultur-Büro fand die Premiere der Tanzperformance im Rahmen der Blauen Nacht 2023 im

Heilig-Geist-Saal in der Innenstadt statt. Einmal mehr konnte passend zum feierlichen Anlass

der Wertschätzung kultureller Vielfalt als Gewinn für die Stadtgesellschaft mit künstlerischen

Mitteln Ausdruck verliehen und der Leitspruch des Oberbürgermeisters „Wir alle sind Nürn-

berg“ als Botschaft vermittelt werden.

Eine ausführliche Darstellung von ausgewählten Maßnahmen zur Umsetzung der Leitlinien

der Integrationspolitik aller Geschäftsbereiche findet sich im Anhang.

II. Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg und deren Umsetzung

Ausgangslage und Zielsetzung Die „Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg“ bilden den normativen und strategischen Rahmen für die Umsetzung des städtischen Integrationsprogramms. Ziel ist die chancengerechte und gleichberechtigte Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen – politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell.

Die Stadt Nürnberg hat sich im Rahmen ihres Leitbilds erstmals im Jahr 2004 Leitlinien zur Integrationspolitik gegeben.19 Sie wurden unter Berücksichtigung von gesellschaftlichen Entwicklungen und in einem partizipativen Prozess unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft zuletzt im Jahr 2018 fortgeschrieben.20 Angeregt durch einen Beschluss des Integrationsrats im Jahr 2023 wurden sie durch die Koordinierungsgruppe Integration in enger Abstimmung mit dem Integrationsrat nun erneut behutsam in einem ersten Schritt aktualisiert. Die Fortschreibungen und Aktualisierungen sollen dabei stets aktuelle gesellschaftliche Realitäten reflektieren, neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufgreifen und einem intersektionalen Ansatz folgen. Entsprechend wurden Formulierungen sprachlich diversitätssensibel überarbeitet.

Die Präambel, die allen städtischen Aktionsplänen vorgeschaltet ist, formuliert dazu eingangs: „Die Stadt Nürnberg sieht es als eine ihrer zentralen Aufgaben an, in einer vielfältigen Gesellschaft den Zusammenhalt zu wahren, zwischen Einzelinteressen zu vermitteln und Ausgrenzung zu verhindern. Eine wichtige Grundlage kommunalen Handelns sind die Menschenrechte, zu deren aktiven Verwirklichung sich die Stadt in ihrem Leitbild verpflichtet hat, dies auch vor dem Hintergrund der besonderen geschichtlichen Verantwortung. Die Verwirklichung einer solidarischen Stadtgesellschaft bemisst sich an der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger. Aus diesem Grund verpflichten wir uns, bei der Erstellung und Umsetzung kommunaler Aktionspläne die Bedürfnisse aller in den Blick zu nehmen.“ Der Begriff einer `solidarischen Stadtgesellschaft´ bedarf hierbei einer Präzisierung. Gemeint ist eine inklusive Stadtgesellschaft, die zusammenhält und in der auch jene eingebunden werden, die erst kürzlich durch Flucht oder Migration Teil unserer Stadt geworden sind. Die Fähigkeit und Bereitschaft, Vielfalt als Ressource zu verstehen und aktiv zu nutzen, stärkt dabei die Resilienz und Innovationskraft urbaner Räume – auch im Hinblick auf wirtschaftliche Herausforderungen wie den Fach- und Arbeitskräftemangel.

19 Siehe hierzu auch die angehängten Versionen der Leitlinien der Stadt Nürnberg. 20 Vgl. auch https://www.nuernberg.de/internet/integration/leitlinien.html

Das Fundament allen staatlichen Handelns ist dabei das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Es formuliert verbindliche rechtliche Standards für Bürgerinnen und Bürger sowie Behörden. So stehen auch alle Maßnahmen zur Umsetzung der Leitlinien zur Integrationspolitik im Sinne der Wahrung des demokratischen Zusammenhalts auf dem Boden des Grundgesetzes. Dies schließt die Prüfung von mit städtischen Mitteln geförderten Initiativen und die Vergabe von Zuschüssen für Veranstaltungen, Vereine oder Projekte mit ein.

Der Integrationsrat verabschiedete kurz nach seiner Konstituierung eine „Grundsatzerklärung zum Selbstverständnis und zum Wirkungskreis des Integrationsrates“.21 Hier heißt es unter anderem: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Achtung der Menschenrechte und des Grundgesetzes stehen im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir lehnen Diskriminierung und jede andere Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit grundsätzlich ab. Als Integrationsrat leben wir die Demokratie nach innen und nach außen und vertreten mit Nachdruck ein demokratisches Verständnis der Teilhabe. Der Reifegrad einer Demokratie zeigt sich auch an der Einbeziehung von Minderheiten. Unsere Aufgabe ist es, das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer Stadt mitzugestalten. Wir fühlen uns für die Arbeits- und Lebensverhältnisse und für die Schaffung bzw. Bewahrung einer offenen, lebenswerten Stadtgesellschaft hier in Nürnberg mitverantwortlich. Wir erwarten von allen Organisationen, Vereinen und Einzelpersonen, mit denen wir zusammenarbeiten, sowie auch von unseren eigenen Mitgliedern, dass sie einen demokratischen Weg gehen und jeglicher Form von Diffamierung, Hass und Gewalt eine klare Absage erteilen.“

Fortschreibung der Leitlinien: Anlass und Inhalte Die Fortschreibung, angeregt durch den Beschluss des Integrationsrates vom 07.11.2023, stellt keine Neuausrichtung dar, sondern eine konsequente Weiterentwicklung: Sie reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen aus der Umsetzung und wird im weiteren Verlauf auch Impulse aus der Stadtgesellschaft integrieren. Gleichzeitig erwiesen sich die zehn formulierten Leitlinien als zukunftsweisend und daher auch heute in gleicher Form relevant.

Besondere Schwerpunkte bei der Überarbeitung in den Leitlinien sind:

wanderungsgeschichte)

sowie die strategische Verzahnung mit anderen Diversity-Handlungsfeldern der Stadt

schichte

abgegrenztes Phänomen

dere die Bedeutung von (qualifizierter) Zuwanderung und Qualifizierung von Zugewanderten in Zeiten des Fach- und Arbeitskräftemangels).

21 Siehe hierzu auch IR-Beschluss: Grundsatzerklärung zum Selbstverständnis und Wirkungskreis

Die aktualisierten Leitlinien im Wortlaut:

„Vielfalt schätzen. Teilhabe stärken. Zukunft gestalten.“

Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg

1. Zentrales kommunalpolitisches Thema

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder Weltanschauung auf der Grundlage der Menschenrechte und des Grundgesetzes prägt das Selbstverständnis unserer Stadt. Es zu bewahren und weiter zu gestalten bleibt für die Stadt Nürnberg - Stadtrat, Oberbürgermeister und Verwaltung - immer eine ihrer zentralen kommunalpolitischen Aufgaben.

2. Wertschätzung kultureller Vielfalt

Die Vielfalt der Bevölkerung ist für Nürnberg ein zukunftsweisendes Entwicklungspotenzial. Auf der Grundlage gegenseitiger Wertschätzung und der Anerkennung individueller Kompetenzen und Potenziale fördern wir die aktive Zusammenarbeit und Gestaltung einer solidarischen Stadtgesellschaft und damit die Entwicklung Nürnbergs. Vielfalt ist hierbei ein Standortvorteil.

3. Integration als wechselseitiger Prozess

Integration ist ein wechselseitiger andauernder Prozess. Die Gestaltung des Zusammenlebens ist die Verantwortung aller Nürnbergerinnen und Nürnberger und keine einseitige Eingliederungsleistung. Wir fördern durch geeignete Maßnahmen Respekt, gegenseitige Akzeptanz sowie einen gleichberechtigten Dialog und die Vernetzung zwischen allen in der Stadt lebenden Menschen, Organisationen, Institutionen und Initiativen.

4. Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Wir fördern die gleichberechtigte soziale, gesellschaftliche und politische Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen und ermutigen alle unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aufenthaltsstatus zu einer aktiven Beteiligung. Wir setzen uns für gleiche und gerechte Bildungs- und Berufschancen für alle in der Stadt lebenden Menschen ein. Personen mit Benachteiligung und besonderen Bedürfnissen erhalten gezielte Förderung und Unterstützung, zum Beispiel Sprachförderung. Diese ist ein wesentliches und notwendiges, aber nicht ausreichendes Handlungsfeld der Integrationspolitik. Die kommunalen Angebote orientieren sich nicht an ethnischen Merkmalen oder an der Staatsangehörigkeit, sondern an der Lebenslage der Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben.

5. Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung

Allen Formen von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung treten wir mit Entschiedenheit entgegen, um Benachteiligungen aus Gründen der ethnischen Herkunft und Nationalität, des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung, der Religion und Weltanschauung, der körperlichen und geistigen Fähigkeiten und der psychischen Verfasstheit, des Alters und der sozialen Herkunft zu verhindern oder zu beseitigen. Dabei berücksichtigen wir die Verschränkung dieser Dimensionen. Im Rahmen der geltenden Gesetze und individuellen Rechte setzen wir uns für die

Achtung der Würde und Orientierungen aller Menschen in der Stadt ein und fördern durch vielfältige Bildungsmaßnahmen demokratische Handlungskompetenz.

6. Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe

Integrationspolitik ist eine Aufgabe, die nachhaltig alle Bereiche kommunalen Handelns betrifft. Alle Referate und Dienststellen der Stadt sowie die städtischen Unternehmen müssen sie bei ihrer Arbeit berücksichtigen. Dabei wird die Integrationspolitik mit anderen Querschnittsaufgaben im Sinne eines umfassenden Ansatzes zum Umgang mit Vielfalt („Diversity-Ansatz“) verzahnt.

7. Interkulturelle Orientierung des Personalwesens

Wir setzen uns dafür ein, dass sich die Vielfalt der Stadtbevölkerung auch bei den Mitarbeitenden ihrer Verwaltung und der städtischen Unternehmen widerspiegelt. Daher engagieren wir uns aktiv für eine verstärkte und repräsentative Beschäftigung von Mitarbeitenden mit eigener und familiärer Zuwanderungsgeschichte auf allen Ebenen. Dies liegt im ureigenen Interesse der Stadt. Sie orientiert sich als Arbeitgeberin und Anteilseignerin an der von ihr unterzeichneten Charta der Vielfalt. Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz werden folglich auch bei Bewerbungen als wertvolle Qualifikationen angesehen.

8. Förderung und Vernetzung

Wir unterstützen Organisationen, Verbände, Vereine und Initiativen der Zivilgesellschaft bei integrativen und interkulturellen Maßnahmen und Aktivitäten. Wir stärken bürgerschaftliches Engagement und fördern die Vernetzung der Beteiligten.

9. Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Zur Gewährleistung gleichberechtigter Teilhabe gehört auch eine Öffentlichkeitsarbeit mit Informationen in leicht verständlicher Sprache und auf zeitgemäßen Kommunikationswegen, um diversitätssensibel unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Dies gilt auch für die allgemeine Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Die in diesen Leitlinien festgelegten Prinzipien sind ein wichtiger Bestandteil der Außendarstellung und der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Nürnberg.

10. Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa

Wir setzen uns in den Gremien der kommunalen Spitzenverbände in Land und Bund für die politische Gleichstellung und soziale Teilhabe aller Menschen ein. Wir betonen durch aktive Mitgliedschaft und Mitarbeit in europäischen und weltweiten Netzwerken sowie entsprechende Partnerschaften unsere Identität als internationale europäische Stadt.

Im Kontext der Aktualisierung der Leitlinien überarbeitete die Koordinierungsgruppe Integration gemeinsam mit dem Integrationsrat auch die vorgeschaltete Präambel in sprachlicher Hinsicht und um der vielfältiger gewordenen Realität Rechnung zu tragen:

Präambel

Seit ihrem Entstehen sind Städte Orte der Vielfalt. Die Stadt Nürnberg sieht es als eine ihrer zentralen Aufgaben an, in einer vielfältigen Gesellschaft den Zusammenhalt zu wahren und dabei zwischen Einzelinteressen zu vermitteln und Ausgrenzungen zu verhindern. Eine wichtige Grundlage kommunalen Handelns sind die Menschenrechte, zu deren aktiven Verwirklichung sich die Stadt in ihrem Leitbild verpflichtet hat, dies auch vor dem Hintergrund der besonderen geschichtlichen Verantwortung.

Die Verwirklichung einer solidarischen Stadtgesellschaft bemisst sich an der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger. Aus diesem Grund verpflichten wir uns, bei der Erstellung und Umsetzung kommunaler Aktionspläne die Bedürfnisse aller in den Blick zu nehmen. Entscheidend sind für uns die Verwirklichung der Menschenrechte, die Möglichkeit zur Teilhabe und Partizipation sowie die Verhinderung von Diskriminierung. Dabei finden die Diversity-Dimensionen ethnische Herkunft und Nationalität, Geschlecht, geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung, Religion und Weltanschauung, körperliche und geistige Fähigkeiten und psychische Verfasstheit, Alter und soziale Herkunft Berücksichtigung.

Zum Vergleich sind die ursprünglichen Textfassungen der Leitlinien mit dem Stand von 2004 und 2018 dem Bericht als Anhänge beigefügt.

Umsetzung der Leitlinien durch die Stadtverwaltung Die Umsetzung der Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg ist Kernanliegen und Hauptaufgabe des unter Punkt I. beschriebenen Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg, in der Integration als geschäftsbereichsübergreifende Querschnittsaufgabe verstanden wird.

Alle Geschäftsbereiche nehmen diese Querschnittsaufgabe entsprechend ihrer Fachzuständigkeit wahr und leiten ihre spezifischen Maßnahmen aus den Integrationsleitlinien ab. Dabei entstehen keine isolierten Projekte, sondern ineinandergreifende, sich ergänzende Strukturen und Prozesse.

Die Umsetzung der Leitlinien erfolgt anhand vielfältiger, praxisnaher Maßnahmen und Projekte in allen Geschäftsbereichen der Stadtverwaltung, die bestmöglich aufeinander abgestimmt werden sollen. Die Maßnahmen bilden kein starres Maßnahmenpaket, sondern sind Ausdruck eines dynamischen, an die gesellschaftliche Realität angepassten Prozesses. Das Integrationsprogramm der Stadt Nürnberg besteht aus unzähligen einzelnen Maßnahmen der verschiedensten Fachbereiche, deren Erfolg auch dadurch bestimmt ist, dass sie ihre Themen vernetzen und vernetzt arbeiten. Entscheidend ist, dass sich entsprechende Maßnahmen stetig weiterentwickeln müssen, um den gesellschaftlichen Anforderungen Rechnung zu tragen. Kennzeichnend für einen erfolgreichen Integrationsprozess sind hierbei nicht die quantitativ durchgeführten Angebote im Sinne von erledigten Aufgaben, sondern der dauerhafte, ineinandergreifende, sich an veränderte Anforderungen anpassende und vernetzte Prozess auf allen Ebenen.

Die Integrationsarbeit erfolgt sowohl in formellen Gremien als auch im informellen Austausch

gruppe Integration, die Abstimmung mit weiteren Koordinierungsgruppen (Gender, Inklusion, Queeres Nürnberg) in der AG Diversity sowie die Einbindung weiterer städtischer Dienststellen und Netzwerke mit Beratungsfunktion wie z.B. des Inter-Kultur-Büros bei KuF oder der Zentralen Anlaufstelle Migration (ZAM), gewährleisten eine stetige Weiterentwicklung und fachliche Verzahnung.

Seit Ende 2024 wurde ebenfalls an der Außendarstellung der Umsetzung der Leitlinien gearbeitet. Um Nürnberger Bürgerinnen und Bürgern und allen Interessierten die Inhalte der Leitlinien anhand konkreter Maßnahmen und Projekte der Stadt zu vermitteln, werden ausgewählte Beispiele auf der Homepage des Integrationsprogramms unter https://www.nuernberg.de/internet/integration/leitlinien.html veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.

Die ausführliche Zusammenstellung ausgewählter und den Leitlinien zugeordneten Beispiele von Maßnahmen und Projekten aus allen Geschäftsbereichen ist diesem Bericht als Anhang beigefügt und dokumentiert die Umsetzung.

III. Resümee und Ausblick

Eine systematische Einordnung aktueller und künftiger Herausforderungen wie globaler Migrationsbewegungen aufgrund von Kriegen, Krisen und zunehmend auch des Klimawandels, weltweiter Autoritarismus-Tendenzen und gesellschaftlicher Polarisierung auch hierzulande oder des zunehmenden Fach- und Arbeitskräftemangels zeigt: Die Realität einer superdiversen Stadtgesellschaft erfordert eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Strukturen unter Beibehaltung grundsätzlicher integrationspolitischer Prämissen, wie sie in den Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg festgelegt und nun fortgeschrieben worden sind.

Verschiedene Aspekte spielen hierbei eine besondere Rolle:

Ein besonderes Augenmerk ist auf den intersektionalen Diversity-Ansatz zu legen. Querschnittsaufgaben müssen nicht nur theoretisch mitgedacht, sondern praktisch vernetzt umgesetzt werden – durch kurze Kommunikationswege und regelmäßige Abstimmungen der Koordinierungsgruppen, dies geschieht insbesondere im Rahmen der AG Diversity und in den regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen der städtischen Koordinierungsgruppen.

Dabei orientiert sich die Stadtverwaltung an der Definition von Diversity, wie sie von der Charta der Vielfalt formuliert wird, die die Stadt Nürnberg unterzeichnet hat: Vielfalt umfasst die Dimensionen Alter, Geschlecht, geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, Behinderung und soziale Herkunft.22 Menschen lassen sich nicht auf einzelne Merkmale reduzieren, soziale Lage, Biografie, Bildungszugänge und Lebensumstände sind überdies ebenso relevant.

Bereits in den vorherigen Ausführungen wurde deutlich, dass insbesondere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte selbst seit Jahren einen substanziellen Beitrag zur Entwicklung, Umsetzung und Weiterentwicklung von Integrationsangeboten in der Stadt Nürnberg leisten. Analog zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung orientiert sich auch die Stadt Nürnberg

22 Vgl. hierzu https://www.charta-der-vielfalt.de/vielfaltsdimensionen

an den fünf Phasen der Zuwanderung und des Zusammenlebens, um die Integration von Zugewanderten zu fördern. Diese Phasen sind: Vorbereitung, Erstintegration, Eingliederung, Teilhabe und die Phase des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Nürnbergerinnen und Nürnberger mit eigener und familiärer Zuwanderungsgeschichte spielen in allen fünf Phasen der Zuwanderung eine wichtige und oft tragende Rolle - und übernehmen darüber hinaus später oft wichtige Brücken- und Lotsenfunktionen auf Seiten der Aufnahmegesellschaft für nach ihnen Zugewanderte.

Während der COVID-19-Pandemie wurde zudem überdeutlich, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in systemrelevanten Berufen – insbesondere im Gesundheitswesen, im Handel, in der Logistik und in der Produktion – tragende Rollen in unserer Gesellschaft übernommen haben. Es ist für die Zukunftsfähigkeit und Resilienz unserer Stadtgesellschaft entscheidend, Verzerrungen entgegenzuwirken, die dies ausblenden und zudem suggerieren, dass integrationspolitische Leistungen in staatlicher- oder städtischerseits erbrachten Angeboten bestehen, die von Zugewanderten lediglich angenommen werden müssten. Integration darf nicht nur als Angebot der aufnehmenden Stadtgesellschaft verstanden werden, sondern gemäß Leitlinie 3 als wechselseitiger Prozess, der von allen Beteiligten Bereitschaft und Engagement erfordert. Neu zugewanderte Menschen leisten hierbei einen enormen persönlichen Einsatz, während auch die Aufnahmegesellschaft gefordert ist, sich zu öffnen und ihre Entwicklung in einer vielfältigen Gesellschaft aktiv zu gestalten. Darüber hinaus zeigt sich, dass viele Angebote von Anfang an auch von Migrantinnen und Migranten selbst entwickelt und getragen werden. Die vielseitige und zahlreiche zivilgesellschaftliche Aktivität bildet eine tragende Säule der Integrationsangebote nicht nur in Nürnberg, sondern generell in vielfältigen Gesellschaftssystemen. Aufgabe der Kommunen ist es, diese Aktivitäten durch Förderungen und unterstützende Maßnahmen zu ermöglichen und zu erhalten. Dem tragen die integrationspolitischen Leitlinien Rechnung und dies bleibt fester Bestandteil des integrationspolitischen Auftrags, dem sich die Stadt Nürnberg verpflichtet hat.

Die demografische Entwicklung zeigt: Ohne Migration ist die wirtschaftliche Zukunft Nürnbergs nicht zu sichern. Fach- und Arbeitskräftegewinnung, Innovationskraft, soziale Daseinsvorsorge – all das hängt heute schon maßgeblich vom Beitrag von Menschen mit internationaler Geschichte ab. Dies betonte auch Prof. Dr. Herbert Brücker, Leiter des Forschungsbereichs „Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung“ am Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin, dort zugleich Direktor des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM), in seinem umfassenden Vortrag zur nachhaltigen Migration im 21. Jahrhundert bei der 9. Nürnberger Integrationskonferenz im November 2024, bei dem er den demografischen Wandel, die Bedeutung von Arbeitsmarktpolarisierung und Migrationsbewegungen miteinander in Beziehung setzte. Laut seiner Analyse braucht Deutschland auch künftig Zuwanderung in signifikanter Größenordnung, damit das Erwerbspersonenpotential konstant und unser Wirtschaftswohlstand erhalten bleibt. Nürnberg sei hier gut aufgestellt. Seine Schlussfolgerung: Von der sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Gestaltung unserer vielfältigen Realität hängt unsere Zukunft maßgeblich ab. Er formuliert außerdem konkrete Handlungsempfehlungen für Nürnberg, um Voraussetzungen für eine gelingende und nachhaltige Integration und Teilhabe zu schaffen.23

23 Vgl. hierzu https://www.nuernberg.de/imperia/md/integration/dokumente/vortrag_bruecker_2024.pdf

Integration ist vor diesem Hintergrund nicht allein als aktive Gestaltung des Ankommens zu verstehen, sondern darüber hinaus auch als eine wirtschafts- und zukunftspolitische Kernaufgabe.

Die gemeinsam mit dem Integrationsrat erfolgte Überarbeitung der Leitlinien ist ein erster Schritt, dem eine stete Befassung mit zivilgesellschaftlichen Vertretenden und Interessierten in einem partizipativen Prozess folgen soll. Hierbei gibt es verschiedene Anknüpfungspunkte. So soll, dem Stadtratsauftrag vom März 2024 folgend, in einem abgestuften Prozess eine geschäftsbereichsübergreifende `Gesamtstrategie gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung´ – positiv formuliert: `für demokratischen Zusammenhalt´ erarbeitet werden. Die Strategie verfolgt das Ziel, ein grundsätzliches Commitment der städtischen Akteure zu antirassistischem und diskriminierungsfreiem Handeln entlang der Funktionen einer Stadtverwaltung zur Wirkung zu bringen. Damit soll die Verwaltung auf ihren jeweils spezifischen Arbeitsauftrag hin rassismuskritisch professionalisiert werden und dort, wo Leerstellen identifiziert werden, sollen entsprechende Maßnahmen und Konzepte entwickelt werden.

Ergänzend sollen bis dahin in aktuell entstehenden Netzwerkformaten die Leitlinien vorgestellt und diskutiert werden, um vorbereitend eine breite Beteiligung sicherzustellen. Bei der 10. Nürnberger Integrationskonferenz im Spätherbst 2026 werden die Leitlinien schließlich ein zentrales Thema darstellen.

Integration ist ein dynamischer, vernetzter und langfristiger Prozess. Dabei müssen auch strukturelle Hürden (z. B. Anerkennungsverfahren, fehlende Angebote im Bereich der Sprachförderung, bürokratische u.a. Hürden beim Zugang zu Bildung und Arbeit) noch stärker berücksichtigt und auf Bundes- und Landesebene adressiert werden. Zugleich stehen europäisch, bundes- oder landesfinanzierte integrationsbezogene Projekte und migrationsspezifische Beratungsangebote (wie beispielsweise die Flüchtlings- und Integrationsberatung) vor wachsenden Herausforderungen, was die Sicherung ihrer Finanzierung betrifft. Begrenzte Fördermöglichkeiten und unsichere Perspektiven erschweren den langfristigen Erhalt bewährter Angebote. Die Stadt Nürnberg tut, was in ihrem Einflussbereich möglich ist, und engagiert sich für gezielte Förderungen – in einem zunehmend enger werdenden finanziellen Rahmen.24

Die Nichtberücksichtigung Nürnbergs in der neuen Förderperiode des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ ab 2025 entzieht der Stadt die Möglichkeit, weiter zivilgesellschaftliche Projekte der Demokratieförderung und der Bekämpfung von Extremismus in einem jährlichen mittleren fünfstelligen Bereich zu fördern.

Gerade vor dem Hintergrund der bereits genannten Herausforderungen wie globaler Migrationsbewegungen, dem steigenden Fach- und Arbeitskräftekräftemangel und der gesellschaftlichen Polarisierung braucht es positive, inklusive und realitätsnahe Narrative. Die Stadt des Friedens und der Menschenrechte steht in besonderer Verantwortung. Am 15. September vor 90 Jahren wurden im Saal des Industrie- und Kulturvereins Nürnberg vom Reichstag die Gesetze verabschiedet, die als „Nürnberger Gesetze“ in die Geschichte eingegangen sind. Heute steht Nürnberg für Menschenrechte. Dieser Auftrag verpflichtet.

24 Nach einer Pause wird die nationale Antragstellung im Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds voraussichtlich erst ab Dezember 2025 wieder möglich sein. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge plant, zu diesem Zeitpunkt eine neue Ausschreibungsrunde zu öffnen.

Die Stadt Nürnberg versteht Integration als eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft und Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität. Sie gelingt nur mit einer offenen, transparenten und an den Menschenrechten orientierten Stadtgesellschaft – und durch das gemeinsame Engagement aller.

Integration ist nicht das Projekt einiger weniger, sondern im besten Falle aller und Grundlage des demokratischen Zusammenhalts. Die Nürnberger Integrationspolitik begreift sich als demokratische Infrastrukturpolitik: Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass alle Menschen dieser Stadt sich als gleichberechtigte Subjekte dieser Gesellschaft verstehen – und aktiv an ihr mitwirken können. Um nicht nur als Stadtverwaltung, sondern auch als vielfältige Stadtgesellschaft zukunftsfähig zu bleiben, brauchen wir Förderungen von zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren sowie die Anerkennung der Vorteile von Vielfalt und Zuwanderung, ohne Herausforderungen und Probleme auszublenden. Es braucht Narrative, die sich nicht auf die Gefahren und die Ängste vor Zuwanderung fokussieren, sondern auf das aktive Sichtbarmachen des positiven Potentials und den ehrlichen Umgang mit Versäumnissen, Leerstellen und bestehenden Herausforderungen. So schaffen wir es, ein Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Stadtgesellschaft zu verankern. Die Stadt Nürnberg als Stadt des Friedens und der Menschenrechte hat hier eine besondere Verantwortung. Als Stadt der Menschenrechte ist der Auftrag die Verwirklichung der Menschenrechte aller. Wir alle sind Nürnberg – diesem Leitspruch folgt auch die Integrationspolitik der Stadt Nürnberg.

„Vielfalt schätzen. Teilhabe stärken. Zukunft gestalten.“

Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg

Präambel

Seit ihrem Entstehen sind Städte Orte der Vielfalt. Die Stadt Nürnberg sieht es als eine ihrer zentralen Aufgaben an, in einer vielfältigen Gesellschaft den Zusammenhalt zu wahren und dabei zwischen Einzelinteressen zu vermitteln und Ausgrenzungen zu verhindern. Eine wichtige Grundlage kommunalen Handelns sind die Menschenrechte, zu deren aktiven Verwirklichung sich die Stadt in ihrem Leitbild verpflichtet hat, dies auch vor dem Hintergrund der besonderen geschichtlichen Verantwortung. Die Verwirklichung einer solidarischen Stadtgesellschaft bemisst sich an der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger. Aus diesem Grund verpflichten wir uns, bei der Erstellung und Umsetzung kommunaler Aktionspläne die Bedürfnisse aller in den Blick zu nehmen. Entscheidend sind für uns die Verwirklichung der Menschenrechte, die Möglichkeit zur Teilhabe und Partizipation sowie die Verhinderung von Diskriminierung. Dabei finden die Diversity-Dimensionen ethnische Herkunft und Nationalität, Geschlecht, geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung, Religion und Weltanschauung, körperliche und geistige Fähigkeiten und psychische Verfasstheit, Alter und soziale Herkunft Berücksichtigung.

Im Rahmen ihres allgemeinen Leitbilds hat sich die Stadt Nürnberg 2004 erstmals Leitlinien zur Integrationspolitik gegeben. Diese werden unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Entwicklungen fortgeschrieben.

1. Zentrales kommunalpolitisches Thema

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder Weltanschauung auf der Grundlage der Menschenrechte und des Grundgesetzes prägt das Selbstverständnis unserer Stadt. Es zu bewahren und weiter zu gestalten bleibt für die Stadt Nürnberg - Stadtrat, Oberbürgermeister und Verwaltung - immer eine ihrer zentralen kommunalpolitischen Aufgaben.

2. Wertschätzung kultureller Vielfalt

Die Vielfalt der Bevölkerung ist für Nürnberg ein zukunftsweisendes Entwicklungspotenzial. Auf der Grundlage gegenseitiger Wertschätzung und der Anerkennung individueller Kompetenzen und Potenziale fördern wir die aktive Zusammenarbeit und Gestaltung einer solidarischen Stadtgesellschaft und damit die Entwicklung Nürnbergs. Vielfalt ist hierbei ein Standortvorteil.

3. Integration als wechselseitiger Prozess

Integration ist ein wechselseitiger andauernder Prozess. Die Gestaltung des Zusammenlebens ist die Verantwortung aller Nürnbergerinnen und Nürnberger und keine einseitige Eingliederungsleistung. Wir fördern durch geeignete Maßnahmen Respekt, gegenseitige Akzeptanz sowie einen gleichberechtigten Dialog und die Vernetzung zwischen allen in der Stadt lebenden Menschen, Organisationen, Institutionen und Initiativen.

4. Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Wir fördern die gleichberechtigte soziale, gesellschaftliche und politische Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen und ermutigen alle unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aufenthaltsstatus zu einer aktiven Beteiligung. Wir setzen uns für gleiche und gerechte

Bildungs- und Berufschancen für alle in der Stadt lebenden Menschen ein. Personen mit Benachteiligung und besonderen Bedürfnissen erhalten gezielte Förderung und Unterstützung, zum Beispiel Sprachförderung. Diese ist ein wesentliches und notwendiges, aber nicht ausreichendes Handlungsfeld der Integrationspolitik. Die kommunalen Angebote orientieren sich nicht an ethnischen Merkmalen oder an der Staatsangehörigkeit, sondern an der Lebenslage der Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben.

5. Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung

Allen Formen von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung treten wir mit Entschiedenheit entgegen, um Benachteiligungen aus Gründen der ethnischen Herkunft und Nationalität, des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung, der Religion und Weltanschauung, der körperlichen und geistigen Fähigkeiten und der psychischen Verfasstheit, des Alters und der sozialen Herkunft zu verhindern oder zu beseitigen. Dabei berücksichtigen wir die Verschränkung dieser Dimensionen. Im Rahmen der geltenden Gesetze und individuellen Rechte setzen wir uns für die Achtung der Würde und Orientierungen aller Menschen in der Stadt ein und fördern durch vielfältige Bildungsmaßnahmen demokratische Handlungskompetenz.

6. Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe

Integrationspolitik ist eine Aufgabe, die nachhaltig alle Bereiche kommunalen Handelns betrifft. Alle Referate und Dienststellen der Stadt sowie die städtischen Unternehmen müssen sie bei ihrer Arbeit berücksichtigen. Dabei wird die Integrationspolitik mit anderen Querschnittsaufgaben im Sinne eines umfassenden Ansatzes zum Umgang mit Vielfalt („Diversity-Ansatz“) verzahnt.

7. Interkulturelle Orientierung des Personalwesens

Wir setzen uns dafür ein, dass sich die Vielfalt der Stadtbevölkerung auch bei den Mitarbeitenden ihrer Verwaltung und der städtischen Unternehmen widerspiegelt. Daher engagieren wir uns aktiv für eine verstärkte und repräsentative Beschäftigung von Mitarbeitenden mit eigener und familiärer Zuwanderungsgeschichte auf allen Ebenen. Dies liegt im ureigenen Interesse der Stadt. Sie orientiert sich als Arbeitgeberin und Anteilseignerin an der von ihr unterzeichneten Charta der Vielfalt. Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz werden folglich auch bei Bewerbungen als wertvolle Qualifikationen angesehen.

8. Förderung und Vernetzung

Wir unterstützen Organisationen, Verbände, Vereine und Initiativen der Zivilgesellschaft bei integrativen und interkulturellen Maßnahmen und Aktivitäten. Wir stärken bürgerschaftliches Engagement und fördern die Vernetzung der Beteiligten.

9. Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Zur Gewährleistung gleichberechtigter Teilhabe gehört auch eine Öffentlichkeitsarbeit mit Informationen in leicht verständlicher Sprache und auf zeitgemäßen Kommunikationswegen, um diversitätssensibel unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Dies gilt auch für die allgemeine Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Die in diesen Leitlinien festgelegten Prinzipien sind ein wichtiger Bestandteil der Außendarstellung und der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Nürnberg.

10. Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa

Wir setzen uns in den Gremien der kommunalen Spitzenverbände in Land und Bund für die politische Gleichstellung und soziale Teilhabe aller Menschen ein. Wir betonen durch aktive Mitgliedschaft und Mitarbeit in europäischen und weltweiten Netzwerken sowie entsprechende Partnerschaften unsere Identität als internationale europäische Stadt.

Fraktion der

Christlich-Sozialen Union

im Stadtrat zu Nürnberg

CSU-Stadtratsfraktion Rathausplatz 2 90403 Nürnberg Wolff´scher Bau des Rathauses Zimmer 222 Herrn Oberbürgermeister Rathausplatz 2 Marcus König 90403 Nürnberg Rathausplatz 2 Telefon: 0911 231 – 2907 90403 Nürnberg Telefax: 0911 231 – 4051 E-Mail: csu@stadt.nuernberg.de www.csu-stadtratsfraktion.nuernberg.de

10.03.2025 Antragsteller: Prof. Dr. Scheurlen

Für eine Verbesserung der Integration Zugewanderter nach Nürnberg – Fördern und Fordern

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

ein friedliches Nebeneinander und Miteinander aller in Nürnberg Lebenden ist eine Grundvoraussetzung für das Gedeihen und die Weiterentwicklung der Nürnberger Stadtgesellschaft. Das Bemühen um eine möglichst rasche und reibungslose Integration der in unsere Stadt Zugewanderten erfordert eine große Anstrengung aller Beteiligten, verbunden mit einer gegenseitigen Toleranz unterschiedlicher Lebensweisen, soweit diese auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland stattfinden.

Werden diese Rahmenbedingungen einerseits nicht bereitgestellt, andererseits aber auch nicht vollumfänglich akzeptiert und eingehalten, kann das – wie in Deutschland geschehen – zu Fehlentwicklungen bis hin zu unkontrollierten Gewalttaten führen, verbunden mit einer zunehmenden Verunsicherung der hier Lebenden. Solche Entwicklungen und die damit einhergehenden Verschiebungen des politischen Spektrums sind deshalb unbedingt zu vermeiden. Nürnberg trägt hierbei als Stadt des Friedens und der Menschenrechte eine besondere Verantwortung.

Integration ist keine Einbahnstraße.

Der Staat, die Stadt Nürnberg und zahlreiche Verbände und Organisationen unterstützen mit einer Vielzahl von Angeboten (finanzielle Unterstützung verschiedenster Art, Wohnungssuche, Sprach- und Integrationskurse, Kinderbetreuung, Bildungsangebote u.v.m.) eine Integration der Zugewanderten. Andererseits ist das Wahrnehmen dieser Angebote und aktives Bemühen darum auch eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Integration. Untrennbar damit verbunden sind aber auch die Kenntnis und die vollständige Akzeptanz unserer gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die möglichst rasch und vollumfänglich vermittelt werden müssen.

U.a. um diese Ziele umzusetzen besteht der Nürnberger Rat für Integration und Zuwanderung (Integrationsrat). Dort - aber nicht nur dort - sind Interessensgruppen oder landsmannschaftliche Verbände von Zugewanderten aller bzw. vieler Herkunftsländer oder Religionen aktiv vertreten. Zudem ist die Stadt Nürnberg auch auf die Zusammenarbeit und die fachliche Expertise weiterer solcher Gruppen, Vereine oder Organisationen angewiesen, damit eine Integration mit der Vermittlung der oben beschriebenen Werte möglichst rasch gelingt. Hier bedarf es aktuell einer Nachjustierung unserer gegenseitigen Erwartungen und Aktivitäten.

A24091103 Integration verbessern.docx

Um den Kontakt zu den oben beschriebenen Gruppen zu intensivieren und die gemeinsamen Anstrengungen zur reibungslosen Integration voranzubringen, stellt die CSU-Stadtratsfraktion zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden

Antrag:

ner aus den wichtigsten Regionen bzw. der wichtigsten Religionen der Zuwanderungsländer.

ihren Heimatregionen weiter wirkungsvoll bei der erfolgreichen Integration zu unterstützen.

planken gesellschaftlichen Lebens sein, insbesondere des Grundgesetzes und der universellen Menschenrechte, dies unter klarer Distanzierung von radikalen Strömungen.

richten, welche Initiativen sie vorhalten, um eine mögliche Radikalisierung von Mitgliedern frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

künftig abhängig macht von einer Selbstverpflichtung bzgl. der o.g. Werte.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Krieglstein Fraktionsvorsitzender

A24091103 Integration verbessern.docx 29

Beschluss

des Nürnberger Rates für Integration und Zuwanderung

vom 07.11.2023

Überarbeitung der Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg

Antragstellerin: Betül Özen

Der Integrationsrat regt an, die Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg in der Fassung vom 25.07.2018 zu überarbeiten und auf einen aktuellen Stand zu bringen. Der Integrationsrat ist gerne bereit, diesbezüglich mit Stadtrat und Stadtverwaltung zusammenzuarbeiten und seine eigenen Anregungen und Vorschläge einzubringen.

Begründung:

Wie in den integrationspolitischen Leitlinien der Stadt Nürnberg selbst niedergelegt ist, sollen diese regelmäßig unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Entwicklungen fortgeschrieben werden. Nachdem die letzte Fortschreibung inzwischen wieder mehr als fünf Jahre her ist, halten wir die Zeit für gekommen, uns erneut im Detail damit zu beschäftigen.

Nürnberg, 08.11.2023

Die Vorsitzende Schriftführerin

Betül Özen Gülay Incesu-Asar

Dokumentation der Umsetzung der Leitlinien zur In-

tegrationspolitik in den Geschäftsbereichen der Stadt

Nürnberg anhand ausgewählter Beispiele

  1. Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters und Geschäftsstelle des Integrationsrates ........... 2 Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters ........................................................................... 2 Geschäftsstelle des Integrationsrats (BgA/3) ........................................................................ 6 2) Geschäftsbereich Kultur der 2. Bürgermeisterin.................................................................... 9 3) Geschäftsbereich des 3. Bürgermeisters ............................................................................ 13 4) Referat für Finanzen, Personal und IT (Ref. I/II) ................................................................. 15 5) Referat für Umwelt und Gesundheit (Ref. III) ...................................................................... 18 6) Referat für Schule und Sport (Ref. IV) ................................................................................ 20 7) Referat für Jugend, Familie und Soziales (Ref. V) .............................................................. 24 8) Planungs- und Baureferat (Ref. VI) .................................................................................... 30 9) Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat (Ref. VII)................................................................. 32

  2. Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters und Geschäftsstelle des Integrationsrates

Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters

Im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters spielt die Umsetzung der Leitlinien zur Integrationspolitik eine wichtige Rolle. Alle zehn Leitlinien werden im Geschäftsbereich, der neben dem Bürgermeisteramt mit den Stabsstellen Bildungsbüro und dem Stab Stadtentwicklung, dem Menschenrechtsbüro/Gleichstellungsstelle auch die Dienststellen des Direktoriums für Bürgerservices, Digitales und Recht umfasst, umgesetzt. Hinzu kommen das Amt für Stadtforschung und Statistik

für Nürnberg und Fürth, das Rechnungsprüfungsamt, das Amt für Kommunikation und Stadtmarke-

ting und das Amt für Internationale Beziehungen.

I. Integration ist bei der Stadt Nürnberg als Querschnittsaufgabe der Stadtverwaltung aufgesetzt und

als „Chefsache“ beim Oberbürgermeister angesiedelt, was in der Umsetzung der 1. Leitlinie „In-

tegration als zentrales kommunalpolitisches Thema“ seinen Ausdruck findet. Dies zu befördern

ist sodann zentrale Aufgabe der geschäftsbereichsübergreifend besetzten Koordinierungsgruppe In-

tegration als kollektive Integrationsbeauftragte der Stadt

Koordinierungsgruppe Integration - Integration und Migration (nuernberg.de).

Auf Initiative des Oberbürgermeisters wurde im Jahr 2002 die Kommission für Integration als zu-

ständiger Fachausschuss des Stadtrats eingerichtet, welche sich aus Stadtratsmitgliedern, Mitglie-

dern des Rates für Integration und Zuwanderung der Stadt Nürnberg und Sachverständigen zusam-

mensetzt.

Stadtratskommission für Integration - Integration und Migration (nuernberg.de)

Eine Übersicht über die weiteren Gremien der Integrationspolitik der Stadt Nürnberg sind zu finden

unter Gremien der Integrationspolitik - Integration und Migration (nuernberg.de).

Die Koordination des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg übertrug der Oberbürgermeister dem Amt für Kultur und Freizeit (KuF). Dort liegt auch die Federführung der Koordinierungsgruppe in enger Abstimmung mit dem Bürgermeisteramt.

II. Das Amt für Internationale Beziehungen pflegt Kontakte zu 14 Partnerstädten, sieben befreunde-

ten Kommunen und eine Projektpartnerschaft mit zwei Kommunen in Togo. Partnerschaftsvereine

werden bei ihrer Arbeit unterstützt, internationale Begegnungen gefördert und kulturelle Angebote

gemacht. Siehe hierzu Amt für Internationale Beziehungen (nuernberg.de) Damit wird ein wichtiger

Beitrag zur Umsetzung der 2. Leitlinie „Wertschätzung kultureller Vielfalt“ geleistet. Eine beson-

dere Bedeutung wird der Kommunalen Entwicklungspolitik zuteil, in deren Rahmen Projekte im glo-

balen Süden gefördert werden. Dabei wird insbesondere auch auf die Wechselwirkungen unseres

Handelns im Hinblick auf Migrationsursachen aufmerksam gemacht. Koordination kommunaler Ent-

wicklungspolitik - Amt für Internationale Beziehungen (nuernberg.de)

III. Der 3. Leitlinie „Integration als wechselseitiger Prozess“ in besonderer Weise verpflichtet ist

Kuratorium für Vielfalt und Zusammenhalt, welches vom Oberbürgermeister im Jahr 2020 ein-
berufen wurde. Neben den vormaligen Schwerpunkten Integration und Menschenrechte werden
seitdem auch weitere Vielfaltsdimensionen (wie Lebensalter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle
Orientierung, Religion und soziale Lage) in den Fokus gerückt.
In einem breitgefächerten Austausch sollen Impulse für die Kommunalpolitik erarbeitet werden, um
die Vielfaltsdimensionen der Stadtgesellschaft abzubilden und den gesellschaftlichen Zusammen-
halt zu stärken. Im Kuratorium sind aktuell 70 Mitglieder aus Organisationen und Institutionen fol-
gender Bereiche vertreten: Integration, Menschenrechte, Frauen, LSBTIQ+, sozialer Zusammenhalt
und Stadtgesellschaft, Wirtschaft und Arbeit, Hochschule, Medien, Polizei und Justiz, überregionale
Behörden und Ebenen, städtische Räte (Integrationsrat, Behindertenrat und Seniorenrat) und der
Rat der Religionen sowie die Beauftragten der Stadt (Frauenbeauftragte, Inklusionsbeauftragte, Be-
auftragte für Diskriminierungsfragen).
Die Mitglieder des Kuratoriums beraten die Stadtspitze, den Stadtrat und die Stadtverwaltung in
gesellschafts- und kommunalpolitischen Fragestellungen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt
in der wachsenden, immer vielfältiger werdenden Stadtgesellschaft betreffen. Integration wird hier-
bei als wechselseitiger Prozess angesehen, der alle gleichermaßen betrifft. Das Kuratorium tagt
zweimal im Jahr in großer Runde.

Kuratorium für Vielfalt und Zusammenhalt - Integration und Migration (nuernberg.de)

IV. Eine besondere Bedeutung wird der 4. Leitlinie „Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel“ im Ge-

schäftsbereich des Oberbürgermeisters zuteil. Zu nennen ist hierbei zuvorderst der Rat für Integra-

tion und Zuwanderung als kommunale Interessensvertretung aller Nürnbergerinnen und Nürnberger

mit eigener und familiärer Zuwanderungsgeschichte. Deren Geschäftsstelle ist beim Bürgermeister-

amt angesiedelt. Die derzeit 31 Mitglieder wurden in freier, gleicher und geheimer Wahl nach den

Grundsätzen einer Persönlichkeitswahl gewählt (siehe eigener Textteil).

Nürnberger Rat für Integration und Zuwanderung - Integration und Migration (nuernberg.de)

Zahlreiche Projekte und Programme beispielsweise des Bildungsbüros widmen sich der Umsetzung
dieser Leitlinie. Zu nennen ist hier u.a. das Kommunale Programm Deutschspracherwerb, das zu-
gewanderten Nürnbergerinnen und Nürnbergern Sprachbildung ermöglicht, die keinen Zugang zu
den Integrations- und Sprachkursen des Bundes haben.
Kommunales Programm Deutschspracherwerb - Bildungsbüro (nuernberg.de)
Weitere Projekte des Bildungsbüros, die die gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Zuwan-
derungsgeschichte befördern und insbesondere gleiche und gerechte Bildungs- und Berufschancen
für zugewanderte Nürnbergerinnen und Nürnberger zum Ziel haben, sind das Projekt „Digital Immig-
rants – digitale Grundbildung für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ sowie das Nachfolgepro-
jekt „Digital im Quartier“, das Projekt „Mind the Gap – Grundbildungspfade, das Bedarfe in der
Grundbildung, insbesondere im Bereich der Alphabetisierung, aufspüren und decken will und das
Projekt „Nürnberg forscht“.
Letzteres lädt Nürnbergerinnen und Nürnberger mit Zuwanderungsgeschichte dazu ein, sich als
Laienforschende an einem empirischen Sozialforschungsprojekt zum Thema „Migration und Integra-
tion in Nürnberg“ zu beteiligen und ihre (Alltags-)Erfahrungen in die Forschung einzubringen. Im
Laufe des Forschungsprozesses erlernen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im ersten Schritt
Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens. Im zweiten Schritt forschen sie selbst zu gemeinsam
entwickelten Forschungsfragen. Zum Abschluss werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsen-
tiert. Siehe hierzu auch Projekte – Bildungsbüro
Um die gleichberechtigte Teilhabe zu befördern, wird dem Begrüßungspaket für Neubürgerinnen
und -bürger in den Bürgerämtern eine Karte mit Hinweisen auf die Zentrale Anlaufstelle Migration-
Beratung und die Integreat-App beigelegt, wenn zugewanderte Personen ihren Wohnsitz anmelden.
Hilfreiche Informationen und wichtige Anlaufstellen werden so kommuniziert.
V. Der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung (5. Leitlinie) in besonderer Weise ver-
pflichtet sind das Menschenrechtsbüro, die Gleichstellungsstelle und die Antidiskriminierungsstelle.
Sie dienen als Anlaufstelle, unterstützen Betroffene und setzen Schwerpunkte in den Bereichen
Menschenrechts-, Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeit sowie der Demokratieförderung.
Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg (nuernberg.de)
Gleichstellungsstelle der Stadt Nürnberg (nuernberg.de)
Antidiskriminierungsstelle - Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg (nuernberg.de)
Eine herausgehobene Bedeutung wird hierbei der Beauftragten für Diskriminierungsfragen zuteil,
die von Diskriminierung betroffene Personen in Einzelgesprächen berät und unterstützt. Die Bera-
tung ist kostenfrei, vertraulich und unterliegt der gesetzlichen Schweigepflicht.

Das Menschenrechtsbüro und die Antidiskriminierungsstelle entwickeln zahlreiche Formate zur Prä-

vention von Diskriminierung und Rassismus wie die Antidiskriminierungsklausel für das Gewerbe

und Leitlinien für die Wohnungswirtschaft, den Nürnberger Preis für Diskriminierungsfreie Unterneh-

menskultur oder Angebote im Bereich der Menschenrechtsbildung.

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/wohnen.html

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/unternehmenspreis.html

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/menschenrechtsbildung.html

Im Arbeitskreis Antidiskriminierung in Nürnberg sind Anlaufstellen aus der Zivilgesellschaft, den

Hochschulen und der Verwaltung vertreten, die sich zum Thema Diskriminierung vernetzen. Hier

werden Anfragen ausgewertet, Bedarfe besprochen und sichtbar gemacht und gemeinsame Aktivi-

täten entwickelt.

Die Gleichstellungsstelle betreut den Arbeitskreis Geflüchtete Frauen, der – entstanden aus dem AK

Häusliche und sexualisierte Gewalt - ein besonderes Augenmerk auf Problemlagen und Bedarfe

geflüchteter Frauen legt und niedrigschwellige Zugänge zu Unterstützungsangeboten sicherstellen

soll. Geflüchtete Frauen - Gleichstellung (nuernberg.de).

Eine zentrale Rolle für die Umsetzung der Leitlinie spielen die Nürnberger Wochen gegen Rassis-

mus, die das Menschenrechtsbüro alljährlich im März gemeinsam mit dem Integrationsrat durchführt.

Unter dem Motto „Menschenwürde schützen“ standen beispielsweise die „Nürnberger Wochen ge-

gen Rassismus“ vom 17. bis 30. März 2025.

Von Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen oder Zivilcourage-Rollenspielen in einer

echten Straßenbahn über antirassistische Lesungen für Jung und Alt bis hin zu großen Kundgebun-

gen – Bürgerinnen und Bürger waren auch in diesem Jahr wieder eingeladen, ein Zeichen gegen

Diskriminierung und Rassismus zu setzen. Den Auftakt bildete die 11. Verleihung des „Mosaik-Ju-

gendpreis – Mit Vielfalt gegen Rassismus“, der am 17. März in der Kulturwerkstatt Auf AEG stattfand.

Ausgezeichnet wurden einmal mehr vorbildhafte Projekte junger Engagierter aus Nürnberg und

München.

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/wochen_gegen_rassismus.html

Das gemeinsame Vorgehen gegen Rassismus und Diskriminierung ist auch zentrales Thema ver-

schiedener Dialogformate des Oberbürgermeisters mit unterschiedlichen Communities wie den Mo-

scheegemeinden, migrantischen Vereinen oder der schwarzen Community.

VI. Die 6. Leitlinie „Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe“ manifestiert sich in der Koordinierungsgruppe Integration, die mit Anordnung des Oberbürgermeisters vom 18.06.2010 eingesetzt wurde und die als „kollektive Integrationsbeauftrage“ der Stadt Nürnberg fungiert. Ihre Aufgabe ist die verwaltungsinterne und geschäftsbereichsübergreifende Abstimmung und Koordination aller relevanter Planungen und Grundsatzüberlegungen im Bereich der Integration und des interkulturellen Zusammenlebens. In der Koordinierungsgruppe sind alle Geschäftsbereiche mit Mitarbeitenden auf Leitungsebene vertreten. Um die in der 6. Leitlinie geforderte Verzahnung der Integrationspolitik mit anderen Querschnittsaufgaben im Sinne eines umfassenden Diversity-Ansatzes zu gewährleisten, wurde ein „Diversity- Check für Stadtratsunterlagen“ eingeführt. Dessen Ziel ist es, deutlich zu machen, inwieweit die unterschiedlichen Belange der vielfältigen Stadtgesellschaft in den Konzepten, Maßnahmen und Angeboten der Stadtverwaltung Berücksichtigung finden. https://intranet.stadt.nuernberg.de/intranet_2/verwaltungsportal/diversity_check.html

VII. Neben den umfangreichen Bemühungen des Personalamts engagieren sich auch andere

Dienststellen und Einheiten für die „Interkulturelle Orientierung des Personalwesens“ (7. Leitli-

nie). Das Bildungsbüro führte beispielsweise das Projekt „Interkulturelle Öffnung in Kommunen“

durch, welches aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU gefördert wurde.

IKÖK – Interkulturelle Öffnung in Kommunen - Bildungsbüro (nuernberg.de)

Die Dienstvereinbarung zum Schutz vor Diskriminierung und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

regelt die Vorgehensweise bei entsprechenden Vorfällen. Sie gibt sowohl Beschäftigten als auch

Führungskräften Sicherheit beim Umgang mit dem Thema und beinhaltet zudem Schulungsmaß-

nahmen. Die Beauftragte für Diskriminierungsfragen entwickelte ein Schulungsangebot hierfür, wel-

ches im Fortbildungsprogramm der Städteakademie angeboten wird.

VIII. In besonderer Weise ist das vom Oberbürgermeister einberufene Kuratorium für Vielfalt und

Zusammenhalt ebenfalls der 8. Leitlinie „Förderung und Vernetzung“ verpflichtet. Mitglieder sind

70 Vertreter/-innen aus Organisationen und Institutionen unterschiedlichster Bereiche (siehe oben).

Die Stärkung von bürgerschaftlichem Engagement und die Vernetzung aller Mitglieder im Sinne und

im Dienste einer solidarischen Stadtgesellschaft ist oberste Prämisse. Kuratorium für Vielfalt und

Zusammenhalt - Integration und Migration (nuernberg.de)

IX. Verschiedene Maßnahmen zielen auf eine diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit (9. Leitli-

nie) ab, für deren Umsetzung insbesondere auch die Verwendung von leichter und leicht verständ-

licher Sprache sowie der Einsatz von Mehrsprachigkeit relevant sind.

So ist die Online-Terminvereinbarung der Stadt Nürnberg seit April 2025 in 16 Sprachen verfügbar.

Bürgerinnen und Bürger können die Terminbuchung fortan neben Deutsch auch in Arabisch, Bulga-

risch, Tschechisch, Griechisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugie-

sisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch, Ukrainisch und Chinesisch durchführen. Ziel ist es, sprachli-

che Barrieren für internationale Bürgerinnen und Bürger in der Stadt zu senken. Die Amtssprache

vor Ort ist weiterhin Deutsch.

Mehrsprachigkeit spielt auch eine wichtige Rolle bei der Wohnsitzanmeldung in den Bürgerämtern.

Hier werden Übersetzungshilfen in 16 verschiedenen Sprachen vorgehalten.

Mehrsprachige Ansprache verschiedener Zielgruppen ist anlassbezogen (beispielsweise bei den

Wahlen zum Integrationsrat), in Krisenzeiten (zum Beispiel mehrsprachige Informationen zu Corona-

Impfungen oder bei der hohen Fluchtzuwanderung aus der Ukraine) und darüber hinaus ein rele-

vantes Thema für städtische Dienststellen.

Zur Erhöhung der Wahlbeteiligung und Erleichterung des Wahlvorgangs für wahlberechtigte Men-

schen mit Migrationshintergrund wird seitens Wahlamt bei Wahlschulungen und Informationen für

die Wahlberechtigten vermehrt Leichte Sprache eingesetzt und bei der Einteilung der Wahlvor-

stände für die Wahllokale Mehrsprachigkeit nach Möglichkeit berücksichtigt, um vor Ort Sprachbar-

rieren abzubauen.

Im Zuge der Einführung der Leichten Sprache in der Stadtverwaltung wurde beim Amt für Kommu-

nikation und Stadtmarketing eine Stelle für barrierefreie Kommunikation eingerichtet.

Von Leichter Sprache profitieren auch Zugewanderte mit geringen Deutschkenntnissen. Leichte

Sprache bei der Stadt Nürnberg (nuernberg.de).

Ratgeber Faire Sprache: Sprache und Gesellschaft beeinflussen einander. Sprache prägt unser Be-

wusstsein und unsere Wahrnehmung. Wenn Frauen, Männer und Personen, die sich nicht dem bi-

nären Schema „weiblich-männlich“ zuordnen, in der Sprache sichtbar sind, werden alle Geschlech-

ter auch gesellschaftlich wahrgenommen. Eine faire, geschlechtergerechte Sprache grenzt nieman-

den aus. Sie zeigt vielmehr, wer angesprochen ist. Die Stadtgesellschaft ist vielfältig. Dies soll auch

in unserer Sprache zum Ausdruck kommen.

Kleiner Ratgeber für geschlechtergerechtes Formulieren (nuernberg.de)

Neben den klassischen Medien ist die Stadt Nürnberg auch auf vielen Social-Media-Kanälen zu

finden. Ziel ist, verschiedenste Zielgruppen in der vielfältigen Stadtgesellschaft zu erreichen und

über Veranstaltungen, Angebote und Dienstleistungen der Stadt zu informieren.

Social Media: Facebook, Twitter, Instagram & Co. - Amt für Kommunikation und Stadtmarketing

(nuernberg.de)

X. Neben der integrationspolitischen Arbeit in den städtischen und lokalen Gremien ist die Stadt Nürnberg auch in überregionalen Gremien vertreten und aktiv. Um eine intensive und kontinuierliche Zusammenarbeit im Land, Bund und in Europa (10. Leitlinie) zu gewährleisten, nehmen städtische Vertreter/-innen auch an überregionalen Integrationsgremien teil.

Zu nennen sind hier unter anderem der Bayerische Integrationsrat, die Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten sowie die Working Group Migration & Integration der Eurocities oder die Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR).

Integrationsrat – Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung Migration and integration - EurocitiesStädte-Koalition gegen Rassismus – Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg Europäische Netzwerke - Europabüro Nürnberg (nuernberg.de)

Geschäftsstelle des Integrationsrats (BgA/3)

Der Rat für Integration und Zuwanderung und die ihm zuarbeitende Geschäftsstelle als Teil der Stadtverwaltung nehmen insofern eine Sonderstellung im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters ein, als es sich dabei um die von der Bevölkerung gewählte kommunale Repräsentanz der Nürnbergerinnen und Nürnberger mit Migrationshintergrund handelt. Die übergeordnete satzungsgemäße Aufgabe des Integrationsrates und seiner 31 ehrenamtlichen Mitglieder ist die Vertretung der Belange der in Nürnberg lebenden Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gegenüber der Stadt. Der Integrationsrat und seine Geschäftsstelle sind daher nicht nur von allen Aspekten der kommunalen Integrationspolitik betroffen, sondern wirken auch in vielfältiger Weise an ihrer konkreten Ausgestaltung mit. Im Einzelnen lässt sich dies wie folgt den zehn Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg zuordnen:

I. „Zentrales kommunalpolitisches Thema“

Der hohe Stellenwert, den die kommunale Integrationspolitik in Nürnberg als „Chefsache“ genießt, kommt verwaltungsorganisatorisch durch die Ansiedlung des Integrationsrates als Vertretung der direkt von diesen politischen Entscheidungen betroffenen Menschen im Bürgermeisteramt zum Ausdruck. Dadurch ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen dem Oberbürgermeister bzw. der Stadtund Verwaltungsspitze und dem Integrationsrat gewährleistet.

Die große, der Einbindung der gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zugemessenen Bedeutung in die kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse zeigt sich auch in zwei weiteren Satzungsbestimmungen: Der Integrationsrat hat die Aufgabe, den Stadtrat in allen Fragen zu beraten, die die Bevölkerung mit Migrationshintergrund betreffen. Zudem sind Planungen der Stadt, die die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in besonderem Maße betreffen, dem Integrationsrat so bald wie möglich vor ihrer Behandlung im Stadtrat vorzulegen. Dies stärkt die Rolle des Gremiums als Expertinnen- und Expertenorgan mit unmittelbarer Alltagsexpertise.

II. „Wertschätzung kultureller Vielfalt“

Größtmögliche kulturelle Vielfalt und somit eine breite Repräsentanz möglichst vieler der in Nürnberg vertretenen migrantischen Communities im Gremium sicherzustellen, ist seit jeher eine der Anforderungen an den Integrationsrat bzw. auch schon an sein Vorläufergremium, den bis 2010 bestehenden Ausländerbeirat. Durch den im Vorfeld der Integrationsratswahl 2022 verabschiedeten neuen

Wahlmodus ist es gelungen, dass in der aktuellen Wahlperiode des Integrationsrates 19 verschiedene Herkunftsländer im Gremium vertreten sind (Afghanistan, Aserbaidschan, Äthiopien, Bangladesch, Belarus, Dschibuti, El Salvador, Griechenland, Italien, Kasachstan, Lettland, Moldawien, Montenegro, Polen, Rumänien, Russland, Syrien, die Türkei und die Ukraine). Darüber hinaus sind drei der 2022 in das Gremium eingezogenen Mitglieder ab 2015 nach Deutschland gekommene Geflüchtete und repräsentieren somit die erst kürzlich neu Zugewanderten – darunter auch der aktuelle Vorsitzende des Integrationsrates. Hinzu kommen noch fünf deutschstämmige Aussiedlerinnen und Aussiedler aus verschiedenen Herkunftsregionen (mit den Schwerpunkten Rumänien und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion).

III. „Integration als wechselseitiger Prozess“

Der Integrationsrat nimmt seine Funktion als Multiplikator in die migrantische Stadtgesellschaft hinein sehr ernst und klärt die Bevölkerung im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit über demokratische Rechte und Pflichten auf – etwa im Rahmen von anlassbezogenen Informationskampagnen zur Kommunal-, Landtags-, Bundestags- oder Europawahl, aber auch permanent durch die Verteilung mehrsprachiger Ausgaben des Grundgesetzes bei Stadtteilfesten und ähnlichen Gelegenheiten, bei denen der Rat mit Infoständen präsent ist. Eine besondere Herausforderung entstand in der Zeit der Covid-19-Pandemie, in der sich der Integrationsrat aktiv an der kultursensiblen Aufklärung über und an der Werbung für städtische Impfangebote beteiligt hat.

IV. „Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel“

Der Integrationsrat versteht sich selbst als ein wesentliches Instrument zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Ein zentraler Beweggrund für die Gründung des Ausländerbeirats im Jahr 1973 durch den Stadtrat war es, mehr Mitwirkungsmöglichkeiten für diese Menschen zu schaffen. Durch die seitdem regelmäßig stattfindenden Wahlen des Integrationsrates garantiert die Stadt Nürnberg auf örtlicher Ebene auch ihren bei sonstigen Wahlen nicht stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund ein Mindestmaß an politischer Partizipation.

Der Rat engagiert sich bereits seit Jahrzehnten für die Einführung eines kommunalen Wahlrechts für alle dauerhaften Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadt und betont damit den Stellenwert der vollen politischen Partizipation als höchste Form gesellschaftlicher Teilhabe. In Kenntnis der hohen rechtlichen bzw. politischen Hürden hält der Integrationsrat daher auch weiterhin an seinem Fernziel des kommunalen Wahlrechts für sogenannte Drittstaatsangehörige fest.

Daneben setzt sich der Integrationsrat auch in vielfältiger Weise für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe in einem weiteren Sinne ein: Ein konkretes Beispiel für verbesserte Teilhabe ist eine Initiative des Integrationsrates zur Förderung von Sprachkursen für Menschen, die durch das Raster der BAMF-Förderung fallen. Ein solches Angebot wurde mittlerweile vom Bildungsbüro umgesetzt und besteht seit 2020 als „Kommunales Programm Deutschspracherwerb“.

Als Teilprojektvorhabenträger ist der Integrationsrat selbst am aus dem Europäischen Sozialfonds plus geförderten Netzwerk FiBA+ beteiligt, das mit seinem Diversity-Ansatz die Dimensionen Flucht, Behinderung und Geschlecht intersektional verknüpft.

V. „Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung“

Die Antidiskriminierungsarbeit und der Kampf gegen Rassismus bzw. gegen jedwede Art gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind seit jeher zentrale Arbeitsschwerpunkte des Integrationsrates.

Dies kommt unter anderem durch die regelmäßige Teilnahme an den vom Menschenrechtsbüro organisierten „Nürnberger Wochen gegen Rassismus“ rund um den Internationalen Tag gegen Rassismus der Vereinten Nationen am 21. März zum Ausdruck, die in den letzten Jahren immer in Form einer sehr gut besuchten und breit rezipierten Diskussionsveranstaltung erfolgte.

Die Idee zur Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle beim Menschenrechtsbüro wurde seinerzeit maßgeblich vom Integrationsrat angeregt. Ein weiterer wichtiger Impuls ging kürzlich vom Ratsbeschluss zur Einrichtung einer unabhängigen Antidiskriminierungsstruktur für Schulen aus. Dieser wurde 2023 gefasst und inzwischen von mehreren Stadtratsfraktionen aufgegriffen. Aktuell wird dazu eine wissenschaftliche Erhebung vorbereitet, mit der diskriminierende Vorfälle im schulischen Kontext systematisch dokumentiert und analysiert werden sollen.

Der Integrationsrat vertritt darüber hinaus die Überzeugung, dass es in der Gesellschaft keine rassismus- und diskriminierungsfreien Räume gibt. Vor diesem Hintergrund wirkt er nicht nur kontinuierlich auf die Sensibilisierung der Allgemeinheit in Bezug auf alle Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit hin, sondern auch ganz spezifisch auf die entsprechende Qualifizierung seiner eigenen Mitglieder. Dies erfolgt durch interne Schulungen zu Themen wie Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus, Antiziganismus sowie Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung.

VI. „Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe“

Der Integrationsrat sowie seine Geschäftsstelle sind in die relevanten städtischen Querschnittsstrukturen zur Integrationspolitik eingebunden, etwa in die städtische Koordinierungsgruppe zur Umsetzung der Integrationsleitlinien. So nimmt die Geschäftsstelle unter anderem auch an der Vorbereitungsgruppe Integration und an der Arbeitsgruppe „Diversity“ teil. Daneben ist die Geschäftsstelle in projektbezogene Arbeitsgruppen und Gremien mit städtischen und zum Teil externen Akteuren involviert, so etwa in die aktuelle AG zur Entwicklung einer Gesamtstrategie gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus. Damit wird gewährleistet, dass die First-Hand-Perspektiven von Migrantinnen und Migranten systematisch in alle Fachbereiche eingebracht werden.

Die wesentliche Schnittstelle für den Integrationsrat, in dem er die Ergebnisse seiner internen Vorarbeiten und Beratungen an den Stadtrat übermittelt und mit diesem über konkrete Maßnahmen diskutiert, ist die seit 2002 bestehende Kommission für Integration. Hier sind die neun Mitglieder des erweiterten Vorstands des Integrationsrates mit Rederecht und beratender Funktion vertreten.

Durch besondere Formate wie die Nürnberger Integrationskonferenz, die vom Integrationsrat regelmäßig mitveranstaltet wird, wird eine breite Beteiligung wesentlicher für das Feld der Integrationspolitik relevanter gesellschaftlicher Akteure ermöglicht.

VII. „Interkulturelle Orientierung des Personalwesens“

Der Integrationsrat hat die Interkulturelle Öffnung der Nürnberger Stadtverwaltung seit jeher begrüßt und aktiv begleitet. Dies betrifft sowohl die Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Verwaltung im Sinne eines kultursensiblen Umgangs mit zugewanderten Menschen, als auch die Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Migrationsgeschichte in den verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung.

Bereits der Ausländerbeirat hatte mehrere Anträge zur interkulturellen Öffnung der Stadtverwaltung eingebracht. Diese trugen maßgeblich dazu bei, dass das Thema innerhalb der Verwaltung systematisch aufgegriffen wurde. Ein wesentlicher Meilenstein war die Einrichtung einer Arbeitsgruppe durch den damaligen Stadtkämmerer und Personalreferenten, aus der weitere Strukturen wie etwa der Beirat „Interkulturelle Öffnung“ hervorgingen. Die Geschäftsstelle des Integrationsrates war dabei aktiv beteiligt. In jüngerer Zeit wirkte der Integrationsrat unter anderem im Beirat des 2020-2022 vom Bildungsbüro durchgeführten Projekts „Interkulturelle Öffnung in Kommunen“ (IKÖK) mit.

Aktuell bereitet die Geschäftsstelle des Integrationsrates nach Absprache mit PA und BgA einen Pilotversuch für den Sommer und Herbst 2025 vor, in dessen Rahmen Praktikantinnen und Praktikanten mit geringen Deutschkenntnissen (Sprachniveau A2-B1) in einer städtischen Dienststelle zum Einsatz kommen sollen. Ziel ist es, niedrigschwellige erste Einblicke in den Arbeitsalltag einer Behörde zu ermöglichen und langfristig eine frühzeitige berufliche Orientierung zu fördern, damit die Stadt Nürnberg auf diesem Feld mit gutem Beispiel vorangeht und sich zugleich wichtige personelle Ressourcen für die Personalgewinnung erschließt.

VIII. „Förderung und Vernetzung“

Der Integrationsrat und seine Geschäftsstelle stehen in regelmäßigem Kontakt und Austausch mit zahlreichen migrantischen Vereinen und Initiativen sowie auf fachlicher Ebene mit im Migrationsund Integrationsbereich aktiven Beratungsstellen.

Zudem vergibt der Integrationsrat im Rahmen der dafür zur Verfügung gestellten Mittel regelmäßig Zuschüsse zur Sprachförderung, für interkulturelle Veranstaltungen sowie für Vereine, die das Zusammenleben in Vielfalt fördern.

Ein besonderes, öffentlichkeitswirksames Instrument der Förderung ist dabei der jährlich verliehene, mit einem Geldpreis dotierte Interkulturelle Preis (IKP) des Integrationsrates, mit dem besondere Verdienste um zugewanderte Menschen in den Bereichen Bildung, Kommunalpolitik, Kultur, Sport oder Soziales bzw. herausragendes und nachhaltiges Engagement für eine gelingende Integration und das interkulturelle Zusammenleben gewürdigt und sichtbar gemacht werden.

IX. „Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit“

Eine systematische diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit ist im Tätigkeitsfeld des Integrationsrates bislang nicht institutionalisiert, wird aber im Rahmen einzelner Projekte bereits mitgedacht: Beispielhaft zu nennen sind hier Schulungsformate im Rahmen des Netzwerks FiBA+ wie Empowerment-Workshops für Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung sowie anlassbezogene Informationskampagnen des Rates in verschiedenen Sprachen.

X. „Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa“

Der Integrationsrat ist über seine Geschäftsstelle regelmäßig im Austausch mit landes- und bundesweiten Zusammenschlüssen wie AGABY (der „Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns“), an deren jährlichen Vollversammlungen der Rat über eigens dafür gewählte Delegierte teilnimmt. Indirekt bestehen über das Delegiertensystem auch Verbindungen zum Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI).

Eine besonders enge Kooperation bzw. ein relativ intensiver Austausch besteht mit den benachbarten Integrations- und Migrationsbeiräten in der Metropolregion Nürnberg, insbesondere mit denen in Fürth und Erlangen. Diese Vernetzung ermöglicht den Transfer innovativer Ansätze und dient dem Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen.

  1. Geschäftsbereich Kultur der 2. Bürgermeisterin

1. Zentrales kommunalpolitisches Thema

Eine bedeutende Rolle nimmt das Inter-Kultur-Büro (IKB) des Amts für Kultur und Freizeit (KUF) ein, welches der Stadtverwaltung beratend zur Seite steht.1 Das IKB ist Teil der Abteilung „Kulturelle Vielfalt und Koordination Integrationsprogramm“ des KUF, in der mit der Einheit „Koordination Integ-

1 Inter-Kultur-Büro - KUF Kultur

rationsprogramm“ gleichzeitig die (mit BgA gemeinsame) Geschäftsführung der Koordinierungsgruppe Integration und die Organisation der integrationspolitischen Gremien der Stadt Nürnberg verankert ist. Zudem setzte das Stadtarchiv (Av) frühzeitig einen Forschungsschwerpunkt auf das Thema der Migration, um zu signalisieren, dass kulturelle Vielfalt tief in den Wurzeln Nürnbergs verankert und untrennbar mit der Stadtgeschichte verbunden ist. Beispielhaft dafür ist das Oral-History-Forschungsprojekt, das sich mit der Zuwanderung nach Nürnberg seit 1945 intensiv auseinandersetzt.2 Einen weiteren wesentlichen Baustein der Integrationsarbeit in Nürnberg stellen die Integrationskurse der städtischen Beschäftigungsgesellschaft Noris-Arbeit gGmbH (NOA) dar, die unter anderem im Kulturladen Loni-Übler-Haus des KUF stattfinden. Die durch das BAMF finanzierten Kurse behandeln wichtige Themen aus dem Alltags- und Berufsleben und bieten im Anschluss einen Orientierungskurs als Vorbereitung für den Einbürgerungstest an.3

2. Wertschätzung kultureller Vielfalt

Beispielhaft für dieses Konzept ist der Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin, welcher sich durch Förderungen und die Organisation mehrerer internationaler Film- und Literaturfestivals daran beteiligt. Veranstaltungen wie „Cine international – Fremdsprachenkino im Filmhaus“4, „NIHRFF – Nuremberg International Human Rights Film Festival“, die „Kurdischen Filmtage“ und die „Lateinamerikafilmtage“ durch das KunstKulturQuartier (KuKuQ)5 oder „Akwaba – Afrikanische Kulturtage“ und „Interkultur.Literatur“ durch das IKB des KUF6 sind nur ein Teil dieser Kulturförderung. Darüber hinaus ist in diesem Kontext das „Internationale Filmfestival Türkei Deutschland“ zu nennen, das jährlich vom „InterForum“, einer Nürnberger Initiative für den interkulturellen Dialog, in Zusammenarbeit mit KuKuQ veranstaltet wird. Es bietet eine wertvolle Plattform für den interkulturellen Austausch und fördert die Wertschätzung der türkischen und deutschen Filmkultur.7 Auch die Museen der Stadt Nürnberg beteiligen sich durch spezifisch kuratierte Ausstellungen an der Abbildung und Wertschätzung dieser Vielfalt. Die vor Kurzem präsentierte Ausstellung „Spielzeug der Türkei“ durch das Spielzeugmuseum ist ein weiteres markantes Beispiel hierfür.8

3. Integration als wechselseitiger Prozess

Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Menschen machen Stadtgeschichte!“ des Stadtarchivs. Es hat die Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs eingeladen, das alltägliche Stadtleben zu dokumentieren, wodurch explizit die Vielfältigkeit Nürnbergs in allen Dimensionen abgebildet wurde.9 Durch die Vermittlung von kunstpädagogischen Angeboten leistet das Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) als assoziierte Dienstelle des Geschäftsbereichs Kultur wichtige Arbeit für die Museen der Stadt Nürnberg (KuM). Dabei legt das KPZ das Augenmerk auch auf wechselseitige Eingliederungsprozesse, indem ein Angebot geschaffen wird, welches kulturelle Vielfalt und die Migrationsgeschichte aufarbeitet. Zudem werden mehr Menschen mit Migrationsgeschichte als Kulturvermittler engagiert, um neue, diverse Zielgruppen zu erschließen. Seitens KUF ist ein weiterer wichtiger Baustein der Integrationsarbeit das „NorA Sprachcafé für Zugewanderte“ in Kooperation mit Noris-Arbeit gGmbH (NOA). Hier haben Teilnehmende ohne Anmeldung die Möglichkeit, zu sprechen, zu lernen und sich auf Prüfungen vorzubereiten.10 Zudem wird von KUF dem „Internationalen Frauencafé in der Villa Leon“ Raum gegeben, bei dem es sich um ein Begegnungscafé für geflüchtete Frauen handelt, das vom Verein „Imedana e. V.“ veranstaltet wird. Es stellt einen „Schutzraum“ ausschließlich für Frauen dar, in dem diese die Möglichkeit haben, etwas Neues zu lernen, Hilfestellung zu erhalten und rechtliche Informationen zu bekommen. Auch hier wird der

2 Oral History Forschungsschwerpunkt zur Migrationsgeschichte - Stadtarchiv

4 Cine International im Filmhaus Nürnberg: Kunstkulturquartier 5 Festivals und Veranstaltungsreihen - KunstKulturQuartier Nürnberg: Kunstkulturquartier 6 Veranstaltungen und -reihen (Auswahl) - KUF Kultur 7 Festivals und Veranstaltungsreihen - KunstKulturQuartier Nürnberg: Kunstkulturquartier 8 Spielzeug in der Türkei – Jahresausstellung im Spielzeugmuseum Nürnberg 9 "Menschen machen Stadtgeschichte!" - Stadtarchiv

Dialog und die Integration gefördert, um den Frauen eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.11

4. Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Der Bildungscampus Nürnberg (BCN) weist ein reiches Angebot im Bildungszentrum (BZ)12 und in der Stadtbibliothek (StB)13 auf, das grundsätzlich allen Menschen zugänglich ist. Als besonders wichtig gelten die außerschulischen Deutsch- und Integrationskurse, da der Erwerb der deutschen Sprache als die fundamentale Basis für die soziale Teilhabe in der Stadtgesellschaft erachtet wird. Weiterhin bietet KuKuQ regelmäßig Schulkinoveranstaltungen an, wodurch ein niederschwelliges Kulturangebot mit internationalen Filmen für ein gleichermaßen junges wie stark von Zuwanderung geprägtes Publikum an Vor- und Nachmittagen geschaffen wird.14 Vom KPZ wird ein Deutsch- und Integrationsklassenprogramm offeriert, das speziell für Kinder und Jugendliche konzipiert wurde, die Deutsch lernen. Die kostenfreien Kurse sind flexibel an das Sprachniveau der Teilnehmenden angepasst und ermöglichen durch handlungsorientierte Methoden eine eigenständige Auseinandersetzung mit den Exponaten in den städtischen Museen. Dabei werden der alltagsbezogene Wortschatz geübt und wichtige Sprachstrukturen trainiert. Zum Abschluss wird das Gesehene mit Hilfe einfacher bildnerischer Mittel kreativ verarbeitet.15

5. Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung

Um dieses Konzept umzusetzen, waren KUF, KuKuQ, mehrere Vertreterinnen und Vertreter der freien Szenen Nürnbergs und der Verein „Nordkurve e. V.“ an der Entwicklung des „Brandschutzkonzepts Diskriminierung“ maßgeblich beteiligt. Dieses Weiterbildungsformat wird Stadtinterne und Externe hinsichtlich des Verhaltens bei Diskriminierung und Übergriffen im Kontext von Veranstaltungen adäquat schulen. Auf dem Konzept basieren auch die erstmals beim Südstadtfest 2024 angewendeten Awareness-Maßnahmen. Das Spielzeugmuseum zeigte bis März 2025 die Sonderausstellung „Spielzeug und Rassismus – Perspektiven, die unter die Haut gehen“. Das Ziel dieser Ausstellung war es, grundsätzlich zu sensibilisieren, was genau an Spielzeug rassistisch sein kann, dies wird durch kontextualisierte und kritisch hinterfragte Exponate hervorgehoben. Exponate, in denen Schwarze Menschen herabgewürdigt werden, stehen Spielzeugen gegenüber, die einen spezifisch antirassistischen Anspruch veranschaulichen. Die Ausstellung darf als wegweisend für die Neukonzeption der Dauerausstellung wie für die Präsentation von Sonderausstellungen betrachtet werden.16

6. Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe

Das KuF ist mit seiner Abteilung „Kulturelle Vielfalt und Koordination Integrationsprogramm“ Teil des stadtübergreifenden Integrationsprogramms, welches mit Hilfe eines speziell gebildeten Teams die Erledigungen dieser Querschnittsaufgabe angeht.17 KUF ist darüber hinaus aktiv geworden, indem es in wesentlicher Kooperation mit Av und KuKuQ sowie weiteren Dienststellen 2008 das Projekt „da sein. Nürnbergs Wandel durch Migration“ ins Leben rief. Dies stellt einen wichtigen Beitrag aller Kulturdienststellen Nürnbergs zur Integrationspolitik der Stadt dar.18 Ein weiteres Beispiel ist das KUF-Projekt „KunstProstIR – Kunsttreff für ukrainische Künstler und Künstlerinnen“. Es bietet geflüchteten Kunstschaffenden, insbesondere Fachleuten, eine Möglichkeit, sich künstlerisch zu betätigen und ihre spezifischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.19

12 Deutsch und Integration | Bildungszentrum Nürnberg 13 Deutschlernende - Stadtbibliothek 14 Schulkino im Filmhaus Nürnberg: Kunstkulturquartier 15 Nürnberg: Angebote für Deutsch-, Sprint-, InGym- und Berufsintegrationsklassen 16 Spielzeug und Rassismus | Spielzeugmuseum Nürnberg 17 Koordination Integrationsprogramm - KUF Kultur 18 da sein - Nürnbergs Wandel durch Migration

7. Interkulturelle Orientierung des Personalwesens

Die Durchführung erfolgt unter anderem, indem die Stellenausschreibungen der KUF-Kulturläden auch über die Kanäle des IKB weitergeleitet werden, um ein möglichst diverses Bewerberfeld zu erreichen. Zusätzlich wurden sowohl bei Av als auch bei KuM Stellen auf Grundlage des Teilhabechancengesetzes geschaffen. Als eine weitere erfolgreiche Umsetzung dient – im Kontext des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine – die Einstellung einer ukrainischen Staatsangehörigen durch das KPZ, welche museumspädagogische Veranstaltungen für ukrainische Flüchtlinge koordiniert.

8. Förderung und Vernetzung

In diesem Kontext kann an erster Stelle die Förderung durch Zuschüsse des IKB an Vereine und gemeinnützige Organisationen, die interkulturelle Arbeit leisten, genannt werden.20 Ein weiteres Beispiel zur Umsetzung dieser Leitlinie sind die „Türkisch-Deutschen Literaturtage“. Diese werden gemeinsam von der Stadt Nürnberg (KUF/IKB, BCN/Stadtbibliothek, KUF/Villa Leon) in Kooperation mit dem Verein „Junge Stimme e. V.“ veranstaltet und organisiert. Durch die gezielte Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein wird bürgerliches Engagement sichtbar gemacht und durch die Kanäle der Stadt eine höhere Reichweite erzielt.21

9. Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit

Die Verwendung von Leichter Sprache in der Online-Präsenz von KuKuQ22 und KuM23 sowie vermehrt zeitgemäßer Kommunikationswege durch KuKuQ zeigen die erfolgreiche Umsetzung. Zum Abbau von Barrieren werden häufiger Bilder und Piktogramme anstatt Wörter zur Kommunikation auf der Webseite von KuKuQ verwendet.24

10. Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa

Die Stadt Nürnberg ist Mitglied im europäischen Städtenetzwerk „Eurocities“, KUF vertritt hier gemeinsam mit BgA die Stadt Nürnberg in der „Working Group Migration & Integration“ und steht außerdem dort über das Kulturforum im Austausch mit knapp 200 Städten aus 38 europäischen Ländern über kulturpolitische Entwicklungen. Des Weiteren vertritt KUF die Stadt Nürnberg im bundesweiten Qualitätszirkel der kommunalen Integrationsbeauftragten und nimmt an zwei jährlichen Netzwerktreffen teil. Außerdem organisiert KuM in Kooperation mit dem Amt für Internationale Beziehungen (IB) das Grenzenlos-Festival der Partnerstädte im Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal.25

  1. Geschäftsbereich des 3. Bürgermeisters

Der Geschäftsbereich des 3. Bürgermeisters, dem neben der Stabstelle Außendienst Nürnberg, der Feuerwehr, der Tiergarten, die Eigenbetriebe NürnbergBad, Frankenstadion Nürnberg und dem Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) angehören, tragen auf unterschiedliche Weise zur Umsetzung der Leitlinien zur Integrationspolitik bei.

Gerade der Servicebetrieb Öffentlicher Raum, der sich um die vielfältigen Bereiche des öffentlichen

Raumes kümmert und diese gestaltet, berücksichtigt das Zentrale kommunalpolitische Thema der

Leitlinie 1. Den öffentlichen Raum und die öffentlichen Einrichtungen des Geschäftsbereiches sollen

20 Angebote für Migrant*innenvereine & -initiativen - KUF Kultur 21 Veranstaltungen und -reihen (Auswahl) - KUF Kultur 22 Information in Leichter Sprache: Kunstkulturquartier 23 Informationen in Leichter Sprache 24 Ausstellungen, Tanztheater, Filmkunst, Offene Werkstätten & mehr - KunstKulturQuartier Nürnberg: Kunstkulturquartier 25 grenzenlos: Nürnberg trifft Krakau | Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

alle Nürnbergerinnen und Nürnberger nutzen können und nutzen wollen, unabhängig von ihrer Her-

kunft, Religion und Weltanschauung

Die Wertschätzung kultureller Vielfalt als Leitlinie 2 spielt auf vielen Ebenen des Geschäftsbereichs

eine Rolle. Zum einen im täglichen Arbeitsablauf. Eine Vielzahl der Mitarbeitenden der Dienststellen

und Geschäftsbereiche besitzt eine Zuwanderungsgeschichte. Ihre Lebenserfahrungen und ihre

Kultur bereichern die Arbeitsabläufe, sorgen für ihre starke Präsenz im öffentlichen Raum nach au-

ßen und zeigen den Bürgerinnen und Bürgern gelebte Vielfalt und gelebte Integration.

Bei der Gestaltung von Grünanlagen und Spielplätze im Rahmen von Bürgerbeteiligungsformaten

versuchen die Fachkolleginnen und Fachkollegen des SÖR die gesamte Bürgerschaft zu erreichen

und in die Gestaltung des öffentlichen Raumes mit einzubeziehen. Es sollen alle Wünsche und Vor-

schläge der Stadtgesellschaft gehört und geprüft werden.

Wie bereits bei der Leitlinie 2 beschrieben, wird im Geschäftsbereich des 3. Bürgermeisters die Leitlinie 3 Integration als wechselseitiger Prozess allein schon durch die Vielzahl von Mitarbeitenden mit Zuwanderungsgeschichte aktiv gelebt. Die Entwicklung der immer vielfältigeren Stadtgesellschaft bildet sich nach und nach auch in den Dienststellen und Eigenbetrieben ab, wird gezielt gefördert und mit Maßnahmen und Programmen bei der Personalgewinnung und bei der Integration in den Arbeitsprozess unterstützt. Denn verschiedene kulturelle Hintergründe werden als Gewinn für die Stadtverwaltung Nürnberg und die Stadt Nürnberg verstanden.

Dieser Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden innerhalb der jeweiligen Dienststellen und Geschäftsbereiche spiegelt sich auch im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern außerhalb der Verwaltung. Entsprechend der 4. Leitlinie Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel sind alle Nürnbergerinnen und Nürnberger aufgerufen, sich bei den Beteiligungsprozessen einzubringen und aktiv zu werden. Es werden viele Stimmen, Ideen und Anregungen gesucht, damit das Stadtbild und die Stadtgestaltung auch allen zu Gute kommt und von allen genutzt werden kann.

Die Leitlinie 5 Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung wird durch die Stadt Nürnberg aktiv
umgesetzt. Auch der Geschäftsbereich des 3. Bürgermeisters arbeitet aktiv daran. Dies beginnt bei
den Auswahlprozessen für neue Mitarbeitende und zeigt sich auch bei den geltenden Regelungen
und Verfahren zum Umgang mit diskriminierenden oder rassistischen Erfahrungen.

Die Leitlinie 6 Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe bleibt ein immanenter Punkt der städtischen Verwaltung auf gesamtstädtischer Ebene, aber auch in den jeweiligen Eigenbetrieben und Dienststellen. Die unterschiedlichen Belange der vielfältigen Stadtgesellschaft finden in größeren und kleineren Stufen der Konzepte, Maßnahmen und Angebote Berücksichtigung finden.

Für die Leitlinie 7 Interkulturelle Orientierung des Personalwesens engagiert sich das städtische

Personalamt sehr stark. Aber auch alle anderen städtischen Dienststellen und Einheiten mit den

eigenen Personalabteilungen unternehmen, wie bereits beschrieben, erfolgreiche Anstrengungen,

nicht nur das Personalwesen, sondern auch die Gesamtstadt vielfältiger und offener zu gestalten.

Die Dienststellen und Eigenbetriebe sind auf ihrer jeweiligen fachlichen Ebene vernetzt und suchen

je nach Thema und Projekt Kontakt zu den unterschiedlichsten Gruppen, Vereine und Organisatio-

nen der Zivilgesellschaft, um gemeinsam Inhalte und Maßnahmen zu entwickeln und zu gestalten.

Die Leitlinie 8 Förderung und Vernetzung ist deshalb im praktischen Arbeitsalltag ein wichtiges Ele-

ment zur Gestaltung und Entwicklung des öffentlichen Raumes.

Die Eigenbetriebe und die Dienststellen des Geschäftsbereiches nutzen vielfältige Kanäle, um alle

Nürnbergerinnen und Nürnberger ansprechen zu können. Dabei wird ja nach Bedarf in verschiede-

nen Sprachen bzw. in leichter Sprache veröffentlicht (Leitlinie 9 diversitätssensible Öffentlichkeits-

arbeit).

In Abhängigkeit von der jeweiligen Thematik ist ein Austausch auf weiteren Ebenen sinnvoll und wird genutzt. Die Zusammenarbeit im Land, Bund und in Europa im Sinne der 10. Leitlinie ist so ein möglicher Bestandteil, der dann zum Einsatz kommt.

  1. Referat für Finanzen, Personal und IT (Ref. I/II)

Die verschiedenen Organisationseinheiten des Referats für Finanzen, Personal und IT tragen auf vielfältige Weise (mittelbar und unmittelbar) zur Umsetzung der integrationspolitischen Leitlinien bei.

Das Amt für Informationstechnologie (IT) stellt als zentraler IT-Dienstleister sicher, dass alle Referate, Dienststellen und Eigenbetriebe mit moderner und leistungsfähiger Technologie ausgestattet sind. Durch die technische Umsetzung der digitalen Transformation trägt das Amt entscheidend dazu bei, dass Verwaltungsleistungen für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglicher, verständlicher und einfacher nutzbar werden. Insbesondere die bedarfsorientierte Entwicklung digitaler Servicestrategien ermöglicht es, die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnisse einer vielfältigen Stadtgesellschaft zu berücksichtigen.

Digitale Verwaltungsangebote, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen, erleichtern vielen Menschen den Zugang zu Informationen und Leistungen der Stadt. Gerade auch denen, die aufgrund von Sprache, Mobilität oder Arbeitszeiten bisher auf Barrieren gestoßen sind. So wird digitale Teilhabe für alle Bürgerinnen und Bürger ermöglicht. Die Ausstattung der städtischen Mitarbeitenden mit modernen Arbeitsmitteln sowie der Betrieb einer stabilen IT-Infrastruktur sind außerdem grundlegende Voraussetzungen für eine inklusive und effektive Verwaltungsarbeit. Sie ermöglichen mobiles Arbeiten, flexiblere Kommunikation und eine serviceorientierte Arbeitsweise – auch im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher kultureller Hintergründe.

Darüber hinaus schafft die IT-Abteilung durch ihre Beratungskompetenz und den regelmäßigen Austausch mit den Fachbereichen eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. Dies schafft Raum dafür, dass auch integrationsrelevante Bedarfe frühzeitig erkannt und bei der Weiterentwicklung digitaler Angebote berücksichtigt werden können. Auf diese Weise unterstützt das Amt für Informationstechnologie nicht nur den Zugang zu städtischen Dienstleistungen, sondern fördert auch intern eine diverse, moderne und zukunftsorientierte Verwaltung.

Die Zentralen Dienste der Stadt Nürnberg leisten ebenfalls einen bedeutenden Beitrag zur Förderung von Integration und gleichberechtigter Teilhabe im städtischen Kontext. Als zentrale Organisationseinheit für das Gebäudemanagement sorgen sie dafür, dass Verwaltungs-, Sozial- und Kultureinrichtungen funktional, sicher und zugänglich sind. Auch die Organisation des innerstädtischen Post-, Transport- und Ermittlungsdienstes unterstützt eine zuverlässige Erreichbarkeit und Vernetzung innerhalb der Stadtverwaltung. Dies schafft effiziente Abläufe, die auch integrationspolitische Maßnahmen logistisch möglich machen.

Das Beschaffungsmanagement der Zentralen Dienste wirkt integrationsfördernd, indem es als zentrale Anlaufstelle für Liefer- und Dienstleistungen sicherstellt, dass Produkte und Services unter Einhaltung des Vergaberechts fair, diskriminierungsfrei und transparent eingekauft werden. Gleichzeitig sorgen die Zentralen Dienste mit ihrem Know-how im Bereich der Ausschreibungen und Rahmenvereinbarungen dafür, dass alle innerstädtischen Organisationseinheiten bei der Durchführung ihrer Aufgaben effizient und bedarfsgerecht unterstützt werden. Damit schaffen sie organisatorische und strukturelle Grundlagen für eine Stadtverwaltung, die Vielfalt als Stärke begreift und Integration im Alltag praktisch ermöglicht.

Der Bereich Kassen- und Steuerwesen der Stadt Nürnberg trägt auf zentraler Ebene zur Funktionsfähigkeit der Verwaltung und zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben bei und leistet damit auch einen wichtigen mittelbaren Beitrag zur Förderung von Integration und gleichberechtigter Teilhabe. Zugleich übernimmt das Kassenwesen die Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen. Diese

erfolgt auf Grundlage gesetzlicher Regelungen und unterliegt einem transparenten und rechtsstaatlich abgesicherten Verfahren. In der Umsetzung ist dabei besonders wichtig, dass bürgernahe Kommunikation, nachvollziehbare Prozesse greifen, um niemanden aufgrund sprachlicher oder sozialer Barrieren strukturell zu benachteiligen. Hier trägt der Bereich dazu bei, dass auch vulnerable Gruppen fair behandelt werden.

Das Steuerwesen stellt sicher, dass die kommunalen Steuern korrekt erhoben und verwaltet werden. Es informiert über die steuerlichen Pflichten aller Bürgerinnen und Bürger und ermöglicht damit eine gleichberechtigte Teilhabe an der Finanzierung der Gemeinschaft. Die Einnahmen aus Grund-, Gewerbe-, Hunde- oder Zweitwohnungssteuer fließen in öffentliche Leistungen, von denen wiederum alle profitieren.

Die Stadtkämmerei der Stadt Nürnberg spielt eine zentrale Rolle für die finanzielle Steuerung und Handlungsfähigkeit der gesamten Stadtverwaltung und bildet gemeinsam mit dem Kassen- und Steueramt die kommunale Finanzverwaltung. Ihr Beitrag zur integrationspolitischen Arbeit besteht in erster Linie darin, stabile finanzielle Rahmenbedingungen für eine gerechte, vielfältige und zukunftsorientierte Stadtgesellschaft zu schaffen.

Mit der Aufstellung des städtischen Haushaltsplans setzt die Kämmerei den politischen Willen des Stadtrats in konkrete finanzielle Planungen um. Sie legt damit die Grundlagen für sämtliche städtischen Aktivitäten. Alle integrationsfördernden Projekte und Maßnahmen benötigen eine solide finanzielle Basis.

Die Kämmerei ist darüber hinaus für die Verwaltung von Darlehen und Schulden sowie für das Zuwendungswesen zuständig. Gerade im Bereich der Zuwendungen besteht eine wichtige Schnittstelle zur Integrationspolitik.

Die Stadtkämmerei stellt sicher, dass die Verwaltung nicht nur gesetzeskonform, sondern auch strategisch und nachhaltig wirtschaftet – und schafft damit die finanzielle Grundlage dafür, dass Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in Nürnberg wirksam gelebt werden kann.

Die interkulturelle Öffnung des Personalmanagements der Stadt Nürnberg leistet einen zentralen Beitrag zur Umsetzung der integrationspolitischen Leitlinien und spiegelt sich in zahlreichen Maßnahmen und Strategien wider. Im Folgenden wird exemplarisch aufgezeigt, wie sich die zehn Leitlinien in der praktischen Arbeit des Personalbereichs wiederfinden.

Leitlinie 1: Zentrales kommunalpolitisches Thema

Das Motto der Nürnberger Integrationspolitik wird im Personalmanagement konkret gelebt: durch ein wertebasiertes Kompetenzmodell, eine diskriminierungsfreie Personalpolitik und kontinuierliche Qualifizierung. Das gemeinsame Ziel ist eine vielfältige, chancengerechte und zukunftsfähige Verwaltung, in der sich alle Bürgerinnen und Bürger wiederfinden.

Leitlinie 2: Wertschätzung kultureller Vielfalt

Die Stadt Nürnberg setzt sichtbare Zeichen für eine Kultur der Wertschätzung und Inklusion. So wird in Stellenanzeigen und auf der Karriereseite eine diversitätssensible Bildsprache verwendet. Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund engagieren sich als Markenbotschafterinnen und Markenbotschafter. Ihre Geschichten und Karrierewege machen Vielfalt sichtbar und schaffen Identifikation. Auch das Netzwerk der Mitarbeitenden mit Zuwanderungsgeschichte trägt zur Stärkung einer inklusiven Unternehmenskultur bei.

Leitlinie 3: Integration als wechselseitiger Prozess

Die strategische Personalplanung der Stadt Nürnberg erkennt Integration als beidseitigen Prozess zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft an. Durch die differenzierte Analyse der demografischen Entwicklung – insbesondere des steigenden Anteils von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – wird Integration als aktive und zukunftsorientierte Gestaltungsaufgabe verstanden. Das Personal-

management reagiert mit gezielten Maßnahmen zur Ansprache, Gewinnung und Förderung vielfältiger Bewerbergruppen, wodurch Integration als gegenseitiger Lern- und Veränderungsprozess konkretisiert wird.

Leitlinie 4: Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Mit einer freiwilligen Erhebung des Migrationshintergrunds bei Neueinstellungen wird versucht, die Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sichtbar zu machen – trotz datenschutzrechtlicher Grenzen. Der steigende Anteil dieser Gruppe an Neueinstellungen zeigt: Die gezielten Maßnahmen zur Förderung chancengleicher Zugänge wirken. Dies gilt auch für Nachwuchskräfte, bei denen 2023 ein Anteil von 36,7 % mit Migrationshintergrund erreicht wurde.

Leitlinie 5: Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung

Die Stadt Nürnberg arbeitet aktiv an der Bekämpfung von Diskriminierung. Auswahlverfahren erfolgen konsequent auf Basis objektiver Kriterien, unterstützt durch strukturierte Interviews und standardisierte Anforderungsprofile. Die Sensibilisierung gegenüber „Unconscious Bias“ ist Bestandteil interner Qualifizierungsangebote. Darüber hinaus stehen Anlaufstellen bei Diskriminierungserfahrungen zur Verfügung. Es besteht ein klares Bekenntnis zu einem diskriminierungsfreien Arbeitsumfeld.

Leitlinie 6: Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe

Die interkulturelle Orientierung ist im gesamten Personalzyklus verankert und das von der Personalplanung über das Recruiting bis hin zur Personalentwicklung. Das Führungsleitbild betont Vielfalt und Inklusion als zentrale Handlungsprinzipien. Auch in der Führungskräfteentwicklung, den Fortbildungsangeboten der Städteakademie sowie im strukturierten Onboarding finden sich diese Leitgedanken wieder.

Leitlinie 7: Interkulturelle Orientierung des Personalwesens

Die Maßnahmen der Stadt Nürnberg zur interkulturellen Orientierung des Personalwesens sind umfassend: interkulturelle Ansprache in der Werbung, Beteiligung von Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund, Anpassung der Personalauswahlverfahren und gezielte Schulungen. Der kontinuierliche Anstieg des Anteils an Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund ist ein Beleg für die Wirksamkeit dieser Strategie. Zudem sind Diversity-Module Teil der Ausbildung sowie der Fortbildung und fördern eine Verwaltung, die Vielfalt aktiv lebt.

Leitlinie 8: Förderung und Vernetzung

Das Netzwerk der Mitarbeitenden mit Zuwanderungsgeschichte ist ein zentraler Bestandteil der internen Integrationsarbeit. Es ermöglicht Austausch, gegenseitige Unterstützung und wirkt als Impulsgeber für Weiterentwicklungen. Darüber hinaus pflegt die Stadt Nürnberg Kooperationen mit lokalen Hochschulen und Schulen, um auch externe Netzwerke einzubeziehen – etwa bei der Gewinnung neuer Mitarbeitenden.

Leitlinie 9: Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit

Die Stadt Nürnberg nutzt vielfältige Kanäle, um Zielgruppen mit Zuwanderungsgeschichte anzusprechen – darunter soziale Medien, mehrsprachige Medienangebote (z. B. Anzeigen in der türkischen Presse) und divers gestaltete Werbematerialien. Die Arbeitgeberin-Broschüre sowie die Karriereseite spiegeln die Vielfalt der Stadtgesellschaft wider. Eine stärkere Präsenz in digitalen Communities ist als Zukunftsperspektive bereits angedacht.

Leitlinie 10: Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa

Das Personalmanagement unterstützt durch seine Aktivitäten die überregionale Positionierung Nürnbergs als Vorreiterin interkultureller Öffnung. Die Ergebnisse des Personalmanagements sind nicht nur lokal bedeutsam, sondern tragen auch zum kommunalen Austausch und zur Weiterentwicklung guter Praxis bei – etwa über Netzwerke des Bayerischen und Deutschen Städtetags.

  1. Referat für Umwelt und Gesundheit (Ref. III)

Der Geschäftsbereich umfasst drei Fachdienststellen (Friedhofsverwaltung (Frh), Gesundheitsamt (Gh), Umweltamt (UwA)) und zwei Eigenbetriebe (Abfallwirtschaftsbetrieb Stadt Nürnberg (ASN), Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN)). Die Darstellung erfolgt auf Grundlage der Angaben zum Jahresbericht 2022 des Geschäftsbereichs in der Koordinierungsgruppe Integration.

Die Umsetzung der Leitlinien wirkt sowohl nach innen in die Dienststellen und Eigenbetriebe hinein als auch nach außen in die Stadtgesellschaft. Bisweilen bedingen sich Personal und Aufgabenerfüllung einander, wenn, wie bspw. bei der Medizinischen Fachstelle mit Fachstelle Trauma, Personal mit Migrationshintergrund und Mehrsprachigkeit essenziell zur Aufgabenerfüllung ist. (Leitlinie 7)

Aus der Abfrage zum Jahresbericht 2022 wurde deutlich, dass die Zuwanderung von Personen aus dem Ausland nach Nürnberg für den Betrieb der Dienststelle unterschiedlich relevant ist. Insbesondere in technisch und analytisch ausgerichteten Aufgabenbereichen wird die Relevanz bisher eher gering eingeschätzt. Unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt gehen die meisten Dienststellen und Eigenbetriebe jedoch von einer langfristig steigenden Relevanz von Zuwanderung auf den Betrieb aus.

Ein über die Dienststellen und Eigenbetriebe hinweg beschriebenes Instrument zur Integration ist der Spracherwerb bzw. die Förderung der Sprachfähigkeit. So weist SUN regelmäßig auf das „Mento“-Programm hin. Zudem gibt es ein Vokabeltraining durch Vorgesetzte. (Leitlinien 3, 4, 7)

Auch im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern ist Sprache ein zentrales Element der Integration. Gh beobachtet, dass insbesondere fehlende Sprachkenntnisse die Kooperation erschweren können. So kann eine gute und sprachlich verständliche Beratung zu Fördermöglichkeiten bei Entwicklungsauffälligkeiten zum Gelingen der Integration beitragen (besserer Schulstart und Schulerfolg). (Leitlinie 4)

UwA, Gh und ASN setzen in der Öffentlichkeitsarbeit einfache und leicht verständliche Sprache ein. Überdies werden bei Gh Informationsmaterialien in unterschiedlichen Sprachen angeboten. ASN nutzt überdies Bildsprache und Instagram. (Leitlinie 9) In verschiedenen Beratungsbereichen werden bei Gh zur Überwindung von Sprachbarrieren Dolmetscherinnen und Dolmetscher eingesetzt. (Leitlinien 3, 4, 7)

Im Team der ehrenamtlichen Abfallberatung engagieren sich viele Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer, so dass eine Beratung in diversen Muttersprachen möglich ist. Bei der Akquise von weiteren ehrenamtlichen Abfallberaterinnen und Abfallberatern wird Mehrsprachlichkeit explizit gesucht. Darüber hinaus finden Piktogramme und weitere Bilder Anwendung bei der Abfallberatung vor Ort. (Leitlinien 2, 3, 7, 9)

Exemplarisch sollen folgend Herausforderungen und Maßnahmen zur Umsetzung der Leitlinien der Integrationspolitik in zwei Dienststellen vorgestellt werden.

Frh Die Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen ist eine zukunftsweisende Herausforderung für Frh. Die Zuwanderung der Vorjahre insbesondere aus islamisch geprägten Gesellschaften lässt mittelfristig einen steigenden Bedarf an muslimischen Grabfeldern erwarten. Bisher gibt es für den entstehenden Flächenbedarf allerdings noch keine hinreichenden Lösungsansätze.

Sprache ist elementar für eine angemessene Betreuung der Hinterbliebenen in der Bestattungsberatung. Die Betreuung von Trauerfeiern und Beisetzungen ist ein besonders sensibles Aufgabenfeld. Eine nachträgliche Korrektur ist naturgemäß nicht machbar.

Vor diesem Hintergrund ist Frh bei Neueinstellungen darauf angewiesen, dass der Integrationsprozess von Menschen mit Zuwanderungshintergrund bereits im Vorfeld der Einstellung in hohem Maße die Vermittlung sprachlicher Kompetenz vermittelt. (Leitlinien 3, 7)

Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Änderung, die eine sarglose Bestattung zulässt, können auf den Nürnberger Friedhöfen Angehörige muslimischen Glaubens im Tuch beigesetzt werden. Die verstorbene Person wird in einer Moschee gewaschen. Nach einem kurzen Gebet erfolgt die Überführung in einem (Transport-)Sarg zum Grab. Anschließend erfolgt die nach Mekka ausgerichtete Beisetzung lediglich in einem Tuch. Die Beisetzung erfolgt, ohne dass Beschäftigte des Friedhofs in das Grab steigen müssen und sämtliche Anforderungen an den Arbeitsschutz erfüllt werden. Frh hat diese Art der Beisetzung in engem Kontakt mit muslimischen Gemeinden entwickelt.

Derzeit sollen Merkblätter durch die muslimischen Gemeinden unter anderem ins Türkische und Arabische übersetzt werden, um besser über das Angebot informieren zu können. Auch wird derzeit gemeinsam die Entwicklung/ Aufwertung der muslimischen Grababteilungen diskutiert. (Leitlinie 2)

Gh Aufgrund des zunehmenden Anteils von Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg und der Tatsache, dass bei ihnen häufiger prekäre Lebenslagen vorliegen und Gh diesen Personenkreis als Klientel hat, wird in allen Beratungs- und Untersuchungsleistungen von Gh ein hoher, zunehmender Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und oft geringen Deutschkenntnissen vorstellig. Neben den mangelnden Sprachkenntnissen beobachtet Gh auch defizitäre, aber notwendige, Kenntnisse über das Gesundheitssystem. So ist eine Differenzierung der ambulanten und stationären Versorgung Voraussetzung für eine ressourcenadaptierte Versorgung.

Die Medizinische Fachstelle für Flüchtlinge mit Fachstelle Trauma wurde explizit für die medizinische, psychiatrische und psychologische Betreuung von Geflüchteten eingerichtet. Die gesamte Klientel besteht aus Menschen mit Fluchtmigrationshintergrund.

Die Arbeit der Fachstelle schafft die Grundlage für eine weitere Integrationsarbeit. (Leitlinien 3, 4, 5, 8):  Stabilisierungsgruppen für stark traumatisierte Flüchtlinge  ehrenamtliche Sprachkurse  Vernetzung mit Einrichtungen und Kulturvereinen  besonders geschulte Sprachmittlerinnen und Sprachmittler: nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und hinsichtlich Krankheitsbilder, sehr sensibel bei der Übersetzungstätigkeit  nicht nur reine Anbindung an das Hausarztsystem; Vermittlung in das Gesundheitsregelsystem; in Arztpraxen liegen oft hohe Sprachbarrieren vor, deren Überbrückung nicht regelhaft GKV-finanziert ist. Überdies wenig Kapazitäten zur Auseinandersetzung mit anderen Konzepten von Gesundheit, Krankheit und Kuration.

Das mittlerweile beendete Projekt „Zusammen gesünder sein: Küchen-, Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene („Hygieneprojekt“)“ verstand sich mit seiner Aufklärungsarbeit in Einrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften als Brückenbauer in die Zielgesellschaft. Ziele des Projekts waren die langfristige Vermeidung von Gesundheitsgefahren aufgrund mangelhafter Haushaltshygiene und zur Befähigung zur individuellen Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. In Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern, deren Muttersprache überwiegende nicht Deutsch war, wurden niedrigschwellige Informationen in der jeweiligen Muttersprache unter anderem zu Prävention, Hygiene, Gesundheitswesen und korrekte Abfallversorgung vermittelt. Das Projekt wirkte nicht nur auf die angesprochene Zielgruppe, sondern wirkte sich auch auf die Sprachmittlerinnen und Sprachmittler aus. Sie stärkten ihre eigene Gesundheitskompetenz und ei-

genes Selbstwertgefühl. Zudem brachten sie den Wunsch nach weiterer Qualifizierung in dem Bereich zum Ausdruck, um noch mehr gesundheitsbezogenen Themen vermitteln zu können. Überdies hat sich unter den Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern ein Solidaritätsgefühl entwickelt. (Leitlinien 2, 3, 4, 5, 8)

  1. Referat für Schule und Sport (Ref. IV)

Das Referat für Schule und Sport der Stadt Nürnberg engagiert sich auf vielfältige Weise für die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie für die chancengerechte Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus. Diese Aktivitäten orientieren sich eng an den Leitlinien der städtischen Integrationspolitik, insbesondere am Selbstverständnis Nürnbergs als weltoffene, demokratische und vielfältige Stadt (Leitlinie 1 – Zentrales kommunalpolitisches Thema). Das friedliche Zusammenleben aller Menschen, gleich welcher Herkunft, Religion oder Weltanschauung, bildet dabei das Fundament der pädagogischen und strukturellen Arbeit.

Der Vielfalt der Nürnberger Stadtgesellschaft begegnet das Referat mit unterschiedlichen gezielt koordinierten Programmen und Aktivitäten mit dem Ziel, die Bildungsgerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe zu fördern (Leitlinie 4 – Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel). Beispielhaft zu nennen ist das „Nürnberger Elternbüro - Schulerfolg und Teilhabe“ (NEST), das seit 2009 besteht; seit 2013 ist NEST ein regulärer Arbeitsbereich am IPSN. NEST spricht speziell Familien mit Migrationshintergrund und ihre schulpflichtigen Kinder in Nürnberg an. Das Konzept basiert auf einem Peer-to- Peer-Ansatz, bei dem qualifizierte ehrenamtliche Elternlotsinnen und -lotsen mit eigener Migrationserfahrung Eltern und Erziehungsberechtigte unterstützen, die Fragen im Zusammenhang mit schulischen Themen haben. Diese Unterstützung umfasst u. a. Informationen zum bayerischen Schulsystem, Hilfe bei Eltern-Lehrkräfte- und Lernentwicklungsgesprächen sowie bei Elternabenden. Des Weiteren begleiten sie Familien bei Schulanmeldungen und zu Terminen beim Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg. Darüber hinaus organisieren sie Elterncafés und NEST-Sprechstunden an Partnerschulen. Zu den Partnerschulen zählen überwiegend Grundschulen und Mittelschulen, aber auch Förderzentren, Realschulen, Gymnasien und eine Berufsschule. Die Beratung und Begleitung der ca. 50 Elternlotsinnen und -lotsen kann in Deutsch oder in den Familiensprachen erfolgen. Dabei umfasst das Repertoire über 30 Herkunftssprachen. Das Programm NEST trägt dazu bei, Bildungschancen in der Stadt Nürnberg zu stärken und Bildungsungerechtigkeit abzubauen (Leitlinie 4 – Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel), und fördert somit den sozialen Frieden in der Stadtgesellschaft (Leitlinie 1 – zentrales kommunalpolitisches Thema, Leitlinie 2 – Wertschätzung kultureller Vielfalt, Leitlinie 3 – Integration als wechselseitiger Prozess). In einer Zeit des Fachkräftemangels eröffnet Migration neue Chancen; durch gezielte Bildungsförderung mit Unterstützung von NEST können Integration und eine erfolgreiche Schullaufbahn der Zuwandernden verbessert werden. Dies trägt nicht nur zur Fachkräftegewinnung bei, sondern stärkt auch die gesellschaftliche Vielfalt und den Zusammenhalt in Nürnberg. Ein weiteres Beispiel ist die schulnahe BuT (Bildung und Teilhabe) - Lernförderung am IPSN, die

eine qualifizierte Förderung für Schülerinnen und Schüler an Nürnberger Partnerschulen anbietet.

Das Ziel ist es, gemeinsam mit den Lehrkräften die Kinder und Jugendlichen bei schulischen Her-

ausforderungen und Schwierigkeiten zu unterstützen, ihre Bildungschancen zu verbessern und da-

mit langfristige Perspektiven für eine erfolgreiche Schullaufbahn zu schaffen (Leitlinie 4 – Gleichbe-

rechtigte Teilhabe als Ziel). Die Förderung richtet sich ausschließlich an leistungsberechtigte Fami-

lien und ist auf die Bedürfnisse der jeweiligen Schülerinnen und Schüler abgestimmt. Dabei ist das

IPSN im Rahmen des „Runden Tisches BuT und Lernförderung“ gemeinsam mit den verschiedenen

Dienststellen (u. a. Schulämter, Sozialamt, Dienststellen der Ministerialbeauftragten und der Regie-

rung von Mittelfranken) im regelmäßigen Austausch, um kontinuierlich die Qualität der Lernförde-

rung zu verbessern.

Darüber hinaus werden verschiedene Fortbildungsangebote des IPSN von Lehrkräften genutzt, um interkulturelle Kompetenzen zu stärken und einen respektvollen, dialogorientierten Umgang im Schulalltag zu fördern (Leitlinie 2 – Wertschätzung kultureller Vielfalt, Leitlinie 3 – Integration als wechselseitiger Prozess, Leitlinie 4 – gleichberechtige Teilhabe als Ziel, Leitlinie 5 – Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung). Neben diesen spezifischen Fortbildungen ist auch exemplarisch der Qualifizierungskurs „Schule der Vielfalt“ zu nennen. Im Januar 2025 haben die ersten 25

Nürnberger Schulen im Rahmen dieses Kurses
jeweils fünf Basismodule und drei Wahlmodule innerhalb von zwei Jahren absolviert. Die Inhalte
reichten von Demokratietrainings, interkulturellen und Anti-Bias-Trainings bis hin zu Gendervielfalt,
Prozessbegleitung und Inklusion. Ergänzt wurden diese durch thematische Schwerpunkte wie
Teamarbeit, Radikalisierungsprävention und Antisemitismus. Neben der theoretischen Qualifizie-
rung wurden und werden praxisnahe Projekte und Maßnahmen direkt an den Schulen umgesetzt,
um die Themen dauerhaft in den Schulalltag zu integrieren.

die engagierten Schulen im Rahmen des Programms verliehen wird, ist an die kontinuierliche Fortbildung der schulischen Teams sowie deren aktive Begleitung einer diskriminierungskritischen Schulentwicklung geknüpft. Das Bestehen und die Weiterentwicklung dieser Teams sind zentraler Bestandteil der Auszeichnung und fester Bestandteil der Vereinbarung, die teilnehmende (kommunale) Schulen mit dem Programm eingehen. Der Kurs soll aufgrund der Erfolge und der weiteren Nachfrage fortgesetzt werden.

In Bezug auf die vergangenen Fluchtzuwanderungen wurde der Schulbereich vor zusätzliche Herausforderungen gestellt, etwa durch einen steigenden Sprachförderbedarf, psychosoziale Belastungen bei neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen oder durch räumliche Engpässe an Schulen. Das Referat begegnete diesen Entwicklungen mit hoher Flexibilität und durch gezielte Maßnahmen wie Brückenklassen oder zusätzliche Förderangebote. Durch diese Anstrengungen wird deutlich, dass die Integration der Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung von hoher Bedeutung ist (Leitlinie 1 – zentrales kommunalpolitisches Thema). Die Wertschätzung kultureller Vielfalt (Leitlinie 2) und die Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung (Leitlinie 5) lassen sich auch in den zahlreichen Aktivitäten an den Nürnberger Schulen ablesen. Nur beispielhaft zu erwähnen sind dabei die regelmäßige Teilnahme der Schulen an den Nürnberger Wochen gegen Rassismus, am Jenö-Konrad-Cup oder an Projekten im Rahmen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ oder an Präventionsprojekten wie RESPEKT oder WELCOME, aber auch einzelne Maßnahmen wie ein neu geschaffener Raum der Stille zum Beten für alle Glaubensrichtungen, gemeinsames Fastenbrechen, Zeitzeugengespräche, Aktivitäten rund um das Thema Menschenrechte (z. B. Menschenrechtskalender, kreative Erstellung eines Liedes, Theaterstücke oder Visualisierungen wie Verkehrsschilder der Gerechtigkeit, Besuche von Kirchen, Moschen und Synagogen im Sinne des interreligiösen Dialogs usw.). Nicht zu unterschätzen sind die umfassenden Aktivitäten der Schulen im Rahmen von Erasmus+, durch welche persönlichen Begegnungen, der digitale Austausch und gemeinsame Projekte von Schulen aus ganz Europa gefördert werden. Dadurch haben Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Europa neu zu erleben und kennenzulernen (Leitlinie 10 – Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa). Alle diese Schulaktionen dienen nicht nur der Sensibilisierung, sondern fördern auch nachhaltige, strukturelle Veränderungen im Schulalltag.

Daneben legt die Stadt Nürnberg mit ihrem Übergangsmanagement einen großen Wert auf den

Berufsorientierungsprozess der Jugendlichen. Beim SCHLAU Übergangsmanagement zwischen

Schule und Beruf fußen die bemerkenswerten Erfolge der letzten Jahre wesentlich auf einem ge-

wachsenen, wertschätzenden Vertrauensverhältnis zwischen Teilnehmerinnen sowie Teilnehmern

und Beratungsfachkraft. Zentrales Instrument ist dabei der persönliche Kontakt und das gemein-

same Arbeiten an der beruflichen Orientierung und die Gestaltung von erfolgreichen Bewerbungs-

verfahren für einen qualifizierenden Anschluss nach dem Schulbesuch. Neben Angeboten für die

Vorabschluss- und Abschlussklassen der Mittelschulen sowie für Berufsschulen steht "SCHLAU für

Geflüchtete & Neuzugewanderte (Ausbildungsakquisition für Flüchtlinge)" anerkannten Flüchtlingen,

Geflüchteten und Geduldeten mit guter Bleibeperspektive sowie bei Bedarf Menschen mit Migrati-

onshintergrund und Integrationshindernissen, insbesondere im jungen Alter, kostenfrei offen. Das

Team von SCHLAU bietet wertschätzende Beratung und verlässliche Unterstützung, die auf die be-
sondere Situation eines geflüchteten Menschen eingehen. Die Intensität des Angebots orientiert sich
am Bedarf des bzw. der Ratsuchenden. Beratungstermine können sowohl persönlich als auch online
stattfinden. Im Zentrum steht die erfolgsorientierte Begleitung auf dem Weg in eine berufliche Aus-
bildung und Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung der aktuellen rechtli-
chen Rahmenbedingungen. Die Anschlussergebnisse im Schuljahr 2023/24 (38 % betriebliche Aus-
bildung, 24 % vollqualifizierende Berufsfachschule und Fachakademie für Sozialpädagogik, 14 %
weiterführende Schule, restliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Einstiegsqualifizierung, Deutsch-
sprachkurs, geförderte Maßnahmen der Agentur für Arbeit, Umzug oder Sonstiges) zeigen die Er-
folge des Teams SCHLAU sowie der geflüchteten und neu zugewanderten Teilnehmerinnen und
Teilnehmer (Leitlinie 4 – gleichberechtigte Teilhabe als Ziel).
Für Integration und Teilhabe in Gesellschaft und Beruf sind Sprache und Kommunikation der Schlüs-
sel. Um zugewanderten Jugendlichen einen möglichst passgenauen Anschluss zu ermöglichen, ist
das Berufsintegrationsangebot stark diversifiziert. Über Eingangstestungen zu den Sprachkompe-
tenzen ist es in Nürnberg möglich, Jugendlichen passgenaue Angebote auf ihrem aktuellen Sprach-
niveau zu machen. Durch die zentrale Ansiedlung der Berufsintegrationsvorklassen am Direktorat 5
ist auch eine unterjährige Durchlässigkeit gegeben, so dass Jugendliche, die ihre sprachlichen Fä-
higkeiten schneller entwickeln, auch unterjährig in andere Angebote wechseln können. Durch das in
Nürnberg sehr gut ausgebaute System der Berufsfachschulen haben Zugewanderte auch im An-
schluss an die Berufsintegrationsklassen, die Möglichkeit, ohne den Druck des betrieblichen Kon-
textes einen Beruf in vollschulischer Betreuung zu erlernen. Zusätzlich unterstützt werden diese Be-
mühungen durch die konsequente Einrichtung von berufssprachlichem Förderunterricht an den be-
ruflichen Schulen, der in den letzten zwei Jahren von 163 auf 335 Lehrerwochenstunden im aktuellen
Schuljahr ausgebaut wurde. Damit werden die Jugendlichen auch nach Beendigung der Berufsin-
tegration weiter gefördert, um ein engmaschiges Unterstützungssystem bereitzustellen, damit jede
Schülerin und jeder Schüler an den Nürnberger beruflichen Schulen die bestmögliche Chance auf
einen erfolgreichen Abschluss und Eintritt ins Berufsleben erhält.
Institutionenübergreifende Projekte zur Förderung der Integration: Für duale Ausbildungsberufe, die
in großer Zahl abgeschlossen werden, können spezielle Fachklassen eingerichtet werden, in wel-
chen ein besonderer Fokus auf intensive berufssprachliche Förderung gelegt wird. Ein Beispiel dafür
ist das „Kombi-Modell 2+1“ im Ausbildungsberufe Verkäufer/-in: Es wird aktuell an der Berufsschule
6 in Nürnberg in Kooperation mit der IHK Nürnberg für Mittelfranken angeboten. Die Eckpunkte um-
fassen eine Verlängerung der Ausbildungszeit von zwei auf drei Jahre, die Einrichtung einer Berufs-
schulklasse für das Modell sowie zwei Tage Berufsschule im ersten und zweiten Ausbildungsjahr.
Die Ausbildungsinhalte werden zugunsten intensiver Sprachförderung auf drei, statt der übliche zwei
Jahre aufgeteilt. Voraussetzung ist eine ausreichende Zahl von Auszubildenden und Ausbildungs-
betrieben, die ins „Kombi-Modell 2+1“ einsteigen möchten.
Ein weiterer zentraler Bereich ist die interkulturelle Orientierung des Personalwesens an städtischen
Schulen (Leitlinie 7). Das Bayerische Netzwerk Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte (LeMi Bayern)
wurde 2010 vom IPSN und dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus ins Leben
gerufen. Etwa hundert Lehrkräfte gründeten das Netzwerk, das seitdem als lebendige Plattform für
den Austausch von Erfahrungen und für die Beratung in interkulturellen pädagogischen Fragen
dient. Aus dem Netzwerk hat sich inzwischen ein fester Arbeitskreis entwickelt, der in der Grund-
satzabteilung des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) verankert ist. LeMi
Bayern setzt sich aktiv für die interkulturelle Schulentwicklung und die Integration im Bildungsbereich
ein und fördert die interkulturelle Kompetenz in der Bildung. Eines der Projekte ist der sogenannte
„Schülercampus“, der speziell darauf abzielt, junge Menschen mit Migrationsgeschichte zu ermuti-
gen, den Lehrerberuf zu ergreifen. Dadurch sollen letztlich mehr Menschen mit Migrationsgeschichte
in den Lehrberuf gebracht werden, um die Vielfalt im Bildungssystem zu stärken (Leitlinie 7 – Inter-
kulturelle Orientierung des Personalwesens). Darüber hinaus findet in der Verwaltung des Referats
für Schule & Sport eine grundsätzliche Beachtung der interkulturellen Kompetenz und Sensibilität
bei der Neueinstellung und Weiterentwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern statt.

Im Bereich des Sports ergeben sich im Sinne der Integration große Chancen. Sport ist eine gute und

bewährte Möglichkeit, sich in einem neuen Umfeld einzuleben und zu integrieren. Die Regeln des

Sports kennen keine Kultur- und Ländergrenzen und werden meist auch ohne gemeinsame Sprache

verstanden. Durch den Sport können Begegnungen geschaffen, soziale und kulturelle Grenzen

überwunden und der Dialog zwischen einheimischer Bevölkerung, Migrantinnen und Migranten so-

wie Geflüchteten gestärkt werden.

Als herausragendes Beispiel lässt sich das Nürnberger Programm für Geflüchtete „Sport integrativ“
nennen (Leitlinie 2 – Wertschätzung kultureller Vielfalt, Leitlinie 3 – Integration als wechselseitiger
Prozess, Leitlinie 4 – gleichberechtigte Teilhabe als Ziel, Leitlinie 5 – Bekämpfung von Rassismus
und Diskriminierung, Leitlinie 8 – Förderung und Vernetzung). "Sport integrativ" stellt durch die Mög-
lichkeiten des Sports Weichen zur mittel- und langfristigen Integration der Neuankömmlinge in die
Gesellschaft. Die zentrale Koordinationsstelle dieses Programms liegt beim SportService der Stadt
Nürnberg. Hier werden Nürnberger Vereine in der Flüchtlingsarbeit unterstützt und Sportangebote
entwickelt, gefördert und koordiniert.
Bei Fragen rund um Sportangebote für Flüchtlinge können sich Verantwortliche in Vereinen ebenso
an die Koordinationsstelle wenden wie alle, die Sport im Verein machen und/oder an den bestehen-
den Sportangeboten teilnehmen wollen oder ein passendes Sportangebot für Neuankömmlinge su-
chen. „Sport integrativ“ umfasst den Sport, die Unterstützung bei alltäglichen Dingen wie zu den
Themen Schule, Wohnen, berufliche Ausbildung, sprachliche und schulische Förderung. Daneben
wurden im Rahmen des Programms „Sport integrativ“ integrative Sportkonzepte für Sportvereine,
Sportevents und Spitzensportlerinnen sowie -sportler, „Kein Abseits im Fußball“ für Jungen und
Mädchen“, offene Sportangebote für alle in jedem Stadtteil von Nürnberg sowie Schwimmkursange-
bote entwickelt. Selbstverständlich sind alle Sportangebote der Nürnberger Sportvereine auch offen
für Flüchtlinge. Wer gezielt nach spezifischen Sportarten sucht, kann dies am besten über Sportsu-
che online – SportService Nürnberg tun, die über Angebote von fast 300 Nürnberger Sportvereinen
aus 170 verschiedenen Sportarten verfügt.

Bei dem Projekt „Spitzensport international“ kooperiert der SportService mit dem BLSV (Bayerisches

Landes-Sportverband), Taekwondo Özer, dem ASC Nürnberg Süd 07, dem Sportclub 04 Nürnberg,

dem TSV Altenfurt, der Bayerischen Sportjugend, dem DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund),

Bundesstützpunkten und (internationalen) Sportverbänden (Leitlinie 8 – Förderung und Vernetzung,

Leitlinie 10 – Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa). Bisher wurden die Sportangebote

Taekwondo, Boxen, Judo, Schwimmen sowie Karate aufgegriffen. Dank der Nürnberger Unterstüt-

zung innerhalb des Projekts konnten Spitzensportler aus Afghanistan, Burkina Faso, dem Iran und

der Ukraine an ihren bisherigen sportlichen Erfolgen anknüpfen und sogar Meisterschaften oder

Qualifikation für Olympia erreichen.

Um die Aktivitäten im Rahmen von „Sport integrativ“ weiterzuentwickeln, wurde auch ein AMIF (Asyl-

, Migrations- und Integrationsfonds)-Antrag durch den SportService gestellt, der bewilligt wurde.

Alles in allem versteht das Referat für Schule und Sport Integrationsarbeit als Querschnittsaufgabe, die alle Ebenen des schulischen Lebens betrifft – von der Unterrichtsgestaltung bis hin zur Personalentwicklung. In enger Vernetzung mit anderen Ämtern, Trägern und zivilgesellschaftlichen Initiativen leistet das Referat so einen aktiven Beitrag zur Gestaltung einer solidarischen Stadtgesellschaft. Gleiches gilt für den sportlichen Bereich mit seinen spezifischen und zielgruppenorientierten Angeboten. Die Aktivitäten zeigen: Integration ist nicht nur ein Ziel, sondern ein dynamischer, gemeinschaftlich gestalteter Prozess – getragen von dem Anspruch, Vielfalt zu schätzen, Teilhabe zu stärken und Zukunft gemeinsam zu gestalten.

  1. Referat für Jugend, Familie und Soziales (Ref. V)

Integration als Querschnittsaufgabe und zentrales fachliches Thema im Referat

Zentrales Anliegen des Referats für Jugend, Familie und Soziales ist es, unsere Stadtgesellschaft und das Miteinander solidarisch, demokratisch und gerecht zu gestalten. Die kommunale Jugend-, Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg bereitet dafür den Boden – als Kern der Daseinsvorsorge, als Basis für die Existenzsicherung und als Voraussetzung für Lebensqualität und Zukunftsperspektiven. Das Referat mit seinen Ämtern und Organisationseinheiten handelt dabei nicht allein, sondern gemeinschaftlich mit vielen Akteurinnen und Akteuren, Institutionen und Ressorts. Wir sehen die Gestaltung des vielfältigen Miteinanders als Daueraufgabe in allen unseren Tätigkeitsbereichen und sind dabei immer wieder aufgefordert, Routinen daraufhin zu überprüfen, ob sie vielfaltssensibel sind, Teilhabe fördern und alle Potenziale zur Geltung bringen. Dies bringt auch unsere erste Leitlinie „Gesellschaftliche Vielfalt gemeinsam leben“ zum Ausdruck, die unserem Orientierungsrahmen für die Jugend-, Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg vorangestellt ist und die Grundlage unseres Handelns bildet. Das Thema Integration sowie die Bedarfe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – von der Kindheit bis ins höhere Alter – werden in den Angeboten und Aktivitäten des Geschäftsbereichs regelhaft mitgedacht und umgesetzt.

Perspektiven nach Flucht und Neuzuwanderung

Mit unseren Angeboten eröffnen wir Perspektiven nach Flucht und Neuzuwanderung. Das Referat für Jugend, Familie und Soziales ist ein zentraler Akteur bei der Aufgabe, Geflüchtete und Neuzugewanderte durch erste Unterstützungsangebote zu begleiten und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Diese Aufgabe bildet einen wichtigen Baustein innerhalb eines umfassenderen Integrationsprozesses, der nach der ersten Phase der Erstorientierung und des Ankommens auch Bereiche wie die frühkindliche Bildung, Ganztagsbildung, den Übergang von der Schule in den Beruf, die Arbeitsmarktintegration und berufliche Bildung sowie die gleichberechtigte gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Teilhabe umfasst. Voraussetzung für den Integrationsprozess ist die zügige, diskriminierungsfreie Gewährleistung existenzsichernder Leistungen insbesondere nach dem AsylbLG und dem SGB II.

 Wir stellen koordinierte und stabile Hilfen für Geflüchtete sicher, die auch und gerade in Krisenzeiten schnell und verlässlich funktionieren. Geflüchteten Kindern und Jugendlichen bieten wir besonderen Schutz.  Der im Sozialamt angesiedelte Bereich „Kommunale Asylunterbringung“ verwaltet im Auftrag des Freistaates Bayern die kommunalen Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende im Stadtgebiet von Nürnberg. Die Integrationsarbeit muss so früh wie möglich beginnen und zwar bereits in den Unterkünften.  Neben der Flüchtlings- und Integrationsberatung in Unterkünften übernimmt auch die Zentrale Anlaufstelle Migration (ZAM) - Beratung eine wichtige Lotsenfunktion. Sie bietet Erstberatung, Informationen und Unterstützung, um sich besser in der Stadt zu orientieren, unabhängig vom Aufenthaltsstatus oder Unterkunftstyp.  Sprache ist ein Schlüssel zur Integration. Hier sind berufsspezifische und andere Deutschkurse und -angebote (weiter) zu entwickeln. Mit den Sprachkursangeboten der Noris-Arbeit (NOA) gGmbH, der Beratung zum Thema Deutschspracherwerb in der ZAM-Beratung und der Beteiligung beim Kommunalen Programm Deutschspracherwerb (KPDe) gelingt es, passende Angebote zu entwickeln, Lücken zu schließen und neuzugewanderte Menschen in passende Sprachkurse zu vermitteln.  Hauptamtliche Unterstützungsangebote werden ergänzt durch ehrenamtliches Engagement der vielfältigen Aufnahmegesellschaft, das in Nürnberg seit Jahren eine wichtige Rolle spielt.  Von Kindertageseinrichtungen und Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit über Beratungsstellen und Begegnungsstätten bis hin zur Pflege – wir stellen sicher, dass unsere vielfältigen

Angebote auch für Neuzugewanderte und Geflüchtete zugänglich sind. In unserer Arbeit reflektieren wir kontinuierlich, wie wir die Brückenfunktion beim Ankommen in unserer Gesellschaft bestmöglich ausfüllen und so eine nachhaltige Integration ermöglichen können.

Integration als wechselseitiger Prozess

Wichtige (Integrations-)Angebote werden einerseits durch die Regelangebote der Stadt und der freier Träger erbracht. In Nürnberg gibt es aber auch zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine, religiöse Gemeinden und Migrantenorganisationen, die sich für unsere Stadtgesellschaft, ein gutes Miteinander sowie Integration und Zusammenhalt einsetzen. Und sehr häufig engagieren sich in diesen Organisationen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Nur beispielhaft werden im Folgenden Akteure genannt, die die Angebote der Stadt ergänzen, mit dem Referat für Jugend, Familie und Soziales kooperieren, ihre Expertise zur Verfügung stellen oder Brücken und Zugangswege zu neuen Zielgruppen ebnen und sich mit ihrem ehrenamtlichen und hauptamtlichen Engagement für Integration und Teilhabe in unserer Stadt einsetzen:  DEGRIN e.V. ist eine Integrations- und Bildungseinrichtung mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – zum Beispiel dem Projekt „HEROES - gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“, in dem sich junge Männer mit Zuwanderungsgeschichte für Gleichberechtigung einsetzen.  Der Globalelternverein e.V. ist eine von Eltern mit Zuwanderungsgeschichte gegründete Bildungsinstitution. Das Angebot reicht von Elternberatung, Nachhilfe und PC-Kursen über Medienkompetenzförderung bis hin zu Projekten zur Prävention von Radikalisierung.  Helfende Hand International (HeHanI) e.V. wurde von einer internationalen Gruppe Ehrenamtlicher gegründet und bietet Unterstützung und Beratung für ältere pflegebedürftige Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, ihre Angehörigen sowie für Menschen mit Behinderung. Zudem setzt der Verein verschiedene Kultur-, Freizeit- und Begegnungsangebote um.  Das Internationale Frauen- und Mädchenzentrum (IFMZ) bietet Frauen und Mädchen ein breites Angebot aus den Bereichen Bildung, Sprachkurse, Beratung sowie Freizeit und Kommunikation.  Sprachvermittlung vom Zentrum Aktiver Bürger: Sprach- und Kulturvermittlerinnen und -vermittler unterstützen Familien mit Migrationshintergrund, Asylsuchende und Geflüchtete bei der Kommunikation mit Institutionen  Stadtteilmütter der Stadtmission: Frauen mit Zuwanderungsgeschichte, die Familien mit Migrationshintergrund helfen, in Nürnberg Fuß zu fassen.  Start with a Friend e.V.: Bringt Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte in Tandems zusammen. Ziel ist es, durch persönliche Begegnungen Integration auf Augenhöhe zu fördern.  Stiftung Sozialidee gGmbH: Familienbildungsstätte mit 30 Mitarbeitende und 11 Nationalitäten im Team; Angebot reicht von Ferien- und Kreativangeboten für Kinder hin zu Sprachkursangeboten für Erwachsene und Hilfebüro für neuzugewanderte Menschen  we integrate e.V.: Der Verein setzt sich u.a. für die Integration von Geflüchteten ein. Zur Verbesserung der Integrationschancen wird die Aufnahmegesellschaft durch Bildungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert; auch Fortbildungsangebote für die Stadtverwaltung sowie für pädagogische Fachkräfte sowie Workshops für junge Menschen werden umgesetzt.  und viele weitere

Die vielfältige und engagierte Stadtgesellschaft leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, fügt sich in die grundsätzliche Ausrichtung der kommunalen Integrationspolitik der Stadt Nürnberg ein und ergänzt bestehende Regelangebote. Deshalb fördert die Stadt Nürnberg mit dem Integrationsfonds seit 2017 gemeinnützige, nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtete Projekte und Maßnahmen. Gefördert werden Projekte und Maßnahmen, die einen Beitrag zur Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere von Neuzugewanderten, leisten. Integration ist oft ein mehrjähriger Prozess und erfolgt überwiegend in Regelangeboten. Dennoch sind häufig flankierende Maßnahmen und Projekte notwendig, entwe-

der aufgrund besonderer Unterstützungsbedarfe oder um den Zugang zu Regelangeboten zu erleichtern. Durch den Integrationsfonds können einerseits Integrationsprojekte schnell und flexibel in Nürnberg umgesetzt und Angebotslücken geschlossen werden, andererseits wird auch der Unterfinanzierung bestehender Angebote entgegengewirkt. Mit dem Nachbarschaftshaus Gostenhof und den Stadtteiltreffs bietet das Referat Orte für die interkulturelle Begegnung, Vernetzung, bürgerschaftliches Engagement, Selbsthilfe, Inklusion und Teilhabe. Es fördert den sozialen Zusammenhalt, indem es Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen zusammenbringt und einen Raum für Begegnung, Austausch und bürgerschaftliches Engagement bietet. Durch vielfältige Angebote für verschiedene Altersgruppen und Lebensphasen stärkt es das Gemeinschaftsgefühl und unterstützt die Integration in die Nachbarschaft. Zusätzlich trägt die Sozialraum- und Stadtteilkoordination des Referats durch gezielte Maßnahmen zur Vernetzung und Stärkung der Nachbarschaften bei, indem sie lokale Ressourcen bündelt und das Engagement vor Ort in den Stadtteilen fördert.

Wertschätzung kultureller Vielfalt sowie Förderung und Vernetzung

Die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und ‚Corporate Citizenship‘ im Referat für Jugend, Familie und Soziales ist die zentrale Anlaufstelle zur Förderung von freiwilligem Engagement und Ehrenamt in Nürnberg. Ziel ist es, bürgerschaftliches Engagement durch Information, Wertschätzung, Anerkennung und Vernetzung zu stärken. Die Stabsstelle baut kooperative Strukturen auf, entwickelt neue Formen des Engagements und erleichtert den Zugang zu Beteiligungsmöglichkeiten

geschichte. Unter anderem auch im Bereich Integration zeigt sich dieses Engagement besonders deutlich. Das Referat für Jugend, Familie und Soziales unterstützt dieses wertvolle Engagement durch Vernetzungsangebote, Beratung sowie die Bereitstellung von Informationen und finanziellen Ressourcen. Der Freistaat finanziert die Integrationslotsinnen und Integrationslotsen, die als städtische Mitarbeitende den Ehrenamtlichen hauptamtliche Unterstützung zur Seite stellen. Ehrenamtlich Tätige können sich mit allen Fragen rund um die Themen Integration und Asyl an diese zentralen städtischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner wenden. Darüber hinaus vernetzten die Integrationslotsinnen Akteure aus der Integrationslandschaft und fördern den Austausch. Sie informieren über den monatlich erscheinenden Newsletter „Integration & Engagement“ und bei dem monatlich stattfindenden Netzwerktreffen „Integration & Engagement“. Die Organisation von Schulungen und Workshops zu aktuellen Integrationsthemen zählt ebenfalls zum Angebot für Ehrenamtliche im Bereich „Flucht und Zuwanderung“. Hierfür werden fallweise Akteure (z. B. der Ausländerbehörde, des Sozialamts oder spezifischer Beratungsstellen) für einen fachlichen Input einbezogen und damit die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt gestärkt. Auch das Forum Willkommenskultur der Stadt Nürnberg bringt haupt- und ehrenamtlich Engagierte aus dem Bereich "Integration und Flucht" zusammen, um sich zu vernetzen, Best Practice Beispiele zu präsentieren und nicht zuletzt, um Ehrenamtlichen Danke zu sagen. Ein in Nürnberg herausragendes ehrenamtliches Projekt, das maßgeblich durch Personen mit eigener Fluchterfahrung umgesetzt wird, ist das Projekt ist „Refugees for Refugees“, das über den Integrationsfonds gefördert wurde. Die Idee hinter dem Projekt ist es, den Neuzugewanderten das Ankommen in Nürnberg zu erleichtern. Damit dies gelingt, werden muttersprachliche Ansprechpersonen (mit eigener Fluchterfahrung in Nürnberg lebend) geschult. Aber auch in vielen weiteren Initiativen, Vereinen und Helferkreisen setzen sich ehrenamtlich engagierte Personen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte oder Fluchthintergrund ein, um Neuzugewanderte und Geflüchtete in Nürnberg zu unterstützen. Dieses Engagement ist von unschätzbarem Wert für die Menschen, die neu in Nürnberg ankommen, und spielt eine zentrale Rolle für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadtgesellschaft.

Ein zentraler Bestandteil der Förderung kultureller Vielfalt und Vernetzung ist zudem die Internationale Jugendarbeit. Sie wird gemeinsam vom Kreisjugendring Nürnberg-Stadt (KJR) sowie dem Jugendamt und dem Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg und weiteren Partnern getragen. Gemeinsam organisieren sie internationale Jugendbegegnungen und Austauschprogramme, die jungen Menschen vielfältige interkulturelle Erfahrungen ermöglichen. Ein herausragendes Ereignis stellt das Internationale Jugendcamp „Youth United in Peace“ dar, das vom 8. bis 14. Juli 2025 in Nürnberg stattfindet. Rund 200 Jugendliche aus Nürnberg und seinen Partnerstädten kommen zusammen, um sich mit Zukunftsthemen auseinanderzusetzen und voneinander zu lernen. Ziel ist es, den Austausch mit Nürnbergs Partnerstädten zu vertiefen sowie Begegnung, Verständigung und nachhaltigen Frieden über Grenzen hinweg zu fördern. Neben gemeinsamen Aktivitäten und Exkursionen geht es auch um die Stärkung von Mitbestimmung und Beteiligung junger Menschen an Stadtentwicklungsprozessen. Die Programme richten sich an eine vielfältige Zielgruppe von Jugendlichen und stärken den internationalen Dialog sowie die persönliche Entwicklung junger Menschen.

Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Das Ziel des Referats für Jugend, Familie und Soziales ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Besonders im Bereich Integration bedeutet das, allen die gleichen Chancen auf Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Mitwirkung zu ermöglichen. Integration wird in allen Bereichen des Referats umgesetzt – von der frühkindlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen, der Ganztagsbildung, der Jugendsozialarbeit an Schulen, der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Sprachförderung und Arbeitsmarktintegration bis hin zur Stadtteil- und Seniorenarbeit wird gleichberechtigte Teilhabe gefördert. Im Folgenden wird eine Auswahl aktueller Projekte und Maßnahmen aufgeführt, die als Regelangebot oder sinnvolle Ergänzung von bestehenden Regelangeboten umgesetzt werden:  Qualitative Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen: Maßnahmen, um Eltern mit Zuwanderungsgeschichte den Zugang zur frühkindlichen Bildung zu erleichtern und Barrieren im Anmeldeprozess abzubauen: o Übersetzung des Kita-Portals der Stadt Nürnberg, in dem Eltern ihre Kinder für eine Kindertageseinrichtung anmelden können, in weitere Sprachen. Das Portal bietet nun neben dem bisherigen Angebot von Deutsch in ‚Einfacher Sprache‘ und Englisch auch Arabisch, Bulgarisch, Persisch (Farsi), Rumänisch, Russisch, Türkisch und Ukrainisch. Die Auswahl der Sprachen orientiert sich an den Nationalitäten der in Nürnberg lebenden Kinder im Alter von 0 bis 11 Jahren. o Bereitstellung einer Kita-App, die in städtischen Kindertageseinrichtungen zur Kommunikation mit Eltern eingesetzt wird und es ermöglicht, Informationen über eine automatisierte Übersetzungsfunktion in verschiedenen Sprachen anzuzeigen. o Umsetzung des Bundesprogramms Kita-Einstieg: Die Angebote richten sich gezielt an Eltern und Kinder, die bisher nur unzureichend von der Kindertagesbetreuung erreicht werden, z.B. Familien mit Fluchterfahrung und/oder Migrationshintergrund. Diese erhalten einen ersten Einblick in das System der Kindertagesbetreuung und werden über die Möglichkeiten der frühen Bildung in Deutschland informiert. o Fachteam Sprache für städtische Kindertageseinrichtungen: Die Sprachberatung begleitet und coacht die pädagogischen Fachkräfte vor Ort bei ihrer fachlichen Weiterentwicklung im Bereich Sprachbildung und -förderung, unterstützt bei der Zusammenarbeit mit den Eltern und Familien und fördert die Kinder mit passgenauen Angeboten. Dabei steht die alltagsintegrierte Sprachbildung im Mittelpunkt, bei der die Situations- und Bedürfnisorientierung und eine hohe Interaktionsqualität maßgeblich sind. o "Mama und Papa starten durch" und "Schultüte – Informationen zum Schulstart" sind zwei Projekte des Jugendamts der Stadt Nürnberg zur Unterstützung der Integration zugewanderter Nürnberger Familien. o Kita-Projekt „Diversität gemeinsam gestalten“ und Erstellung von Praxishilfe „Gemeinsam für Vielfalt in der Kita“: Das Projekt begleitet Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen

langfristig dabei, eine diversitätsbewusste und rassismuskritische Pädagogik zu entwickeln und umzusetzen.

 Arbeitsmarktintegration und Sprachbildung: o Das Jobcenter Nürnberg-Stadt bietet umfassende Unterstützung für Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere im Bereich Sprache und Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Ein spezialisiertes Team fördert die Sprachkompetenz von Kundinnen und Kunden und unterstützt bei der Anerkennung internationaler Qualifikationen, um die berufliche Integration zu erleichtern. o Kommunales Programm Deutschspracherwerb (KPDe): Kommunales Angebot, das in der Lage ist, flexibel auf sich rasch ändernde Bedarfe zu reagieren und die Lücken zu schließen, die das Sprachbildungssystem des Bundes lässt. Die ZAM-Beratung übernimmt eine wichtige Lotsenfunktion, insbesondere beim Thema Deutschspracherwerb. o Sprachkurse und Integrations- und Vermittlungsprojekte der Noris-Arbeit (NOA) gGmbH:  Angebot von Integrationskursen, Berufssprachkursen und niedrigschwelligen Sprachkursangeboten  Projekt EMMI: Mit EMMI werden Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, eigener Migrationserfahrung und gesichertem Aufenthaltsstatus auf ihrem Weg in Qualifizierung bzw. Beschäftigung unterstützt.  Jobbegleiter: Unterstützung bei der Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt durch Sprachförderung, Berufsvorbereitung und Qualifizierung.  NOA-Arbeitgeberbörsen: Teilnehmende Betriebe erhalten in regelmäßig stattfindenden Terminen die Gelegenheit, neu zugewanderte Menschen kennenzulernen. Oft ergeben sich bei diesen Börsen erste Vorstellungsgespräche oder konkrete Jobangebote. o Vor- und Mitarbeit des Referats am Nürnberger Welcome Center:  Mitwirkung an der Projektinitiative „Let’s work and live in Nürnberg“/ Welcome Center sowie an dem Workshop „Checkliste – Let’s make it in Nürnberg“ der IHK Nürnberg für Mittelfranken  Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit der IHK für Mittelfranken bzgl. der Bereitstellung von digitalen und mehrsprachigen (Informations-)Angeboten für neu zugewanderte Fachkräfte sowie der Mitnutzung der Integreat-Plattform Nürnberg

 Seniorenangebote: o Beratung des Pflegestützpunktes in mehreren Sprachen: Der Pflegestützpunkt Nürnberg bietet eine neutrale, umfassende und kostenfreie Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege und zu Hilfen im Alter. o Organisation einer Veranstaltung zum Thema „Vielfalt im Alter - Aufgaben und Herausforderungen der interkulturellen Arbeit mit Seniorinnen und Senioren“ des Seniorenamts o Erweiterung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts um das Thema „Vielfalt von Lebenslagen“.

Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung

Das Referat für Jugend, Familie und Soziales setzt sich in konkreten Projekten und Programmen, aber auch in der alltäglichen Arbeit mit und für Menschen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, gegen Radikalisierung und für die Teilhabe aller sowie die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein. Unsere Stadtgesellschaft und das Miteinander in Nürnberg solidarisch und demokratisch zu gestalten, sich für mehr Gerechtigkeit und gegen alle Formen von Diskriminierung einzusetzen, ist das Selbstverständnis des Referats.

Ein zentraler Beitrag ist die Stärkung des Bürgerschaftlichen Engagements gegen Rassismus und für Diversität. Das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt ist wesentliche Grundlage für das demokratische Zusammenleben in Vielfalt. Das Referat unterstützt Initiativen und Ehrenamtliche bei ihren Vorhaben, schafft eine Anerkennungskultur für engagierte Nürnbergerinnen und Nürnberger und bietet Vernetzungsmöglichkeiten. Ein Beispiel hierfür sind die Veranstaltungen des Referats im Rahmen der Nürnberger Wochen gegen Rassismus, bei denen die Würdigung Nürnberger Initiativen im Mittelpunkt steht und eine Plattform geboten wird, Aktivitäten und Anliegen vorzustellen. Einen weiteren wichtigen Beitrag leisten die Angebote im Bereich der non-formalen Bildung und Prävention in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendverbandsarbeit. Die im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien angesiedelte Koordinierungsstelle Radikalisierungsprävention „Radikal informiert“ hat die Verhinderung, Reduzierung oder Eindämmung von politischen und religiösen Radikalisierungsprozessen junger Menschen in Nürnberg zum Ziel. Zudem werden im Rahmen der außerschulischen Jugendbildung eine Vielzahl an Projekten, Kampagnen sowie Fortbildungsangeboten (häufig auch in Kooperation mit Nürnberger Vereinen und Initiativen) umgesetzt. Aber auch die Jugendsozialarbeit an Schulen bietet im Rahmen der Möglichkeiten neben der Einzelfallhilfe weitere Gruppenangebote zu den Themen Gewalt und Diskriminierung an.

Interkulturelle Orientierung des Personalwesens

Die Dienststellen im Referat für Jugend, Familie und Soziales setzen gezielt auf die Gewinnung von Mitarbeitenden mit vielfältigen Fremdsprachkenntnissen und eigener Zuwanderungsgeschichte. In nahezu allen Bereichen des Referats wird verstärkt mehrsprachiges Personal eingestellt, um Ratsuchenden bei Bedarf eine Beratung in ihrer jeweiligen Muttersprache anbieten zu können. Diese Maßnahme trägt wesentlich dazu bei, Zugangsbarrieren abzubauen und die Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu verbessern. Zur Deckung des Fachkräftebedarfs werden gezielt Maßnahmen ergriffen, um ausländische Berufsabschlüsse – insbesondere im Bereich der Kindertagesbetreuung – anzuerkennen und den Einstieg in eine Beschäftigung in einer Kindertageseinrichtung zu ermöglichen. Im Bereich der Pflege setzt das Referat zusätzlich auf Strategien zur Gewinnung internationaler Fachkräfte, um dem steigenden Personalbedarf langfristig decken zu können. Die Fachstelle Personalentwicklung & Fortbildung: Soziale Berufe (PEF:SB) bietet ein breites Spektrum an Fortbildungsangeboten – insbesondere auch zu den Themenschwerpunkten Werteorientierung, Diversity und Inklusion. Die Fortbildungen zielen darauf ab, die Qualität der Arbeit in den verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit zu stärken sowie die Handlungssicherheit und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden zu fördern. Die Fortbildungsangebote unterstützen eine vielfaltsorientierte Sozialarbeit und Pädagogik in den unterschiedlichen Bereichen und fördern ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander, indem sie das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und Lebensrealitäten stärken und somit die Zusammenarbeit in Teams bereichern. Dabei sind zum einen die städtischen Fachkräfte sozialer Arbeit, aber auch die freier Träger sowie Interessierte aus verwandten Kontexten angesprochen.

Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen der diversitätssensiblen Öffentlichkeitsarbeit setzen die Dienststellen des Referats für Jugend, Familie und Soziales gezielt auf mehrsprachiges Informationsmaterial, um eine breite Zielgruppe anzusprechen und allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu relevanten Informationen zu erleichtern. So werden regelmäßig Informationsmaterialien in mehreren Sprachen bereitgestellt und Informationen im Internet in verschiedenen Sprachen zur Verfügung gestellt, um die Zugänglichkeit zu erhöhen. Zudem obliegt dem Referat in Zusammenarbeit mit allen Geschäftsbereichen die redaktionelle und fachliche Betreuung der Integreat-App, eine digitale Plattform, die auf kommunaler Ebene alle relevanten Informationen rund um das Leben in Nürnberg mehrsprachig an Neuzugewanderte vermittelt.

Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa

Das Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg ist auf allen Ebenen – Land, Bund und Europa – aktiv vernetzt und in verschiedenen Gremien und Initiativen engagiert. So wirkt die

Referentin Elisabeth Ries aktuell als Vorsitzende des Sozialausschusses des Bayerischen Städtetags und bringt die Nürnberger Perspektive auch in die entsprechenden Fachgremien des Deutschen Städtetags ein. Zudem ist das Referat Mitglied im Social Affairs Forum von Eurocities und beteiligt sich kontinuierlich an der Integrating-Cities-Initiative, zuletzt auch am Projekt „Volunteering Activities to Leverage Urban and European Social Integration of Migrants“ (VALUES). Einen besonderen Schwerpunkt bildet der Ausbau der internationalen Jugendarbeit, unter anderem über das JoiN-Netzwerk. In diesem kooperieren das Jugendamt und das Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg gemeinsam mit dem Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, um den internationalen Jugendaustausch zu fördern, interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen und junge Menschen bei ihrer Teilhabe an europäischen Projekten zu unterstützen. Gemeinsam wird auch das Internationale Jugendcamp „United in Peace“ umgesetzt, das im Juli 2025 stattfindet und aus der Kulturhauptstadtbewerbung hervorgegangen ist.

  1. Planungs- und Baureferat (Ref. VI)

Dokumentation der Zielsetzungen aus den Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg im Geschäftsbereich des Planungs- und Baureferats (Referat VI mit Bauordnungsbehörde, Hochbauamt, Stadtplanungsamt, U-Bahnbauamt und Verkehrsplanungsamt)

1. Zentrales kommunalpolitisches Thema

Das Planungs- und Baureferat hat zum Ziel, eine diskriminierungsfreie Mobilität für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, um deren uneingeschränkte Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Dies umfasst den barrierefreien Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, die Schaffung sicherer und zugänglicher Fuß- und Radwege sowie die Förderung von inklusiven Mobilitätslösungen. Das Referat stellt sicher, dass alle Menschen, unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen, gleiche Chancen haben, sich frei und selbstbestimmt in der Stadt zu bewegen. Das Planungs- und Baureferat richtet seine Beratungen bei Verfahren stets lösungsorientiert aus. Es legt großen Wert darauf, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern praxisnahe und umsetzbare Lösungen zu erarbeiten. Dabei stehen die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen im Mittelpunkt. Durch eine transparente und kooperative Herangehensweise schafft das Referat Vertrauen und fördert eine konstruktive Zusammenarbeit, um die bestmöglichen Ergebnisse für alle Beteiligten zu erzielen.

2. Wertschätzung kultureller Vielfalt

Das Planungs- und Baureferat setzt sich für ist die Realisierung von Gemeinschaftsräumen und interkulturellen Begegnungsstätten (u.a. Bolzplatz, Aktivspielplatz) in Wohnanlagen ein. Diese Räume fördern den sozialen Austausch und das Zusammenleben verschiedener Kulturen und tragen so zur Schaffung einer solidarischen und inklusiven Stadtgesellschaft bei. Dadurch wird aktiv die Entwicklung einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger unterstützt.

3. Integration als wechselseitiger Prozess

Das Planungs- und Baureferat verfolgt das Ziel, alle möglichen Betroffenen frühzeitig in die Planung von Neubau- und Bauprojekten einzubeziehen. Dies geschieht durch umfassende Beteiligungsverfahren, die sicherstellen, dass die Anliegen und Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger von Anfang an berücksichtigt werden. Die Haltung der Stadtverwaltung der Stadt Nürnberg, die auf Offenheit, Respekt und gegenseitiger Akzeptanz basiert, wird im gesamten Geschäftsbereich aktiv gelebt. Zudem wird der Integrationsrat in die Planungen und Vorhaben einbezogen, um sicherzustellen, dass die Perspektiven und Interessen von Menschen z. B. mit Zuwanderungsgeschichte angemessen berücksichtigt werden.

4. Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Das Planungs- und Baureferat setzt sich dafür ein, Migrantinnen und Migranten das Verkehrsmittel Fahrrad näher zu bringen, um ihre gleichberechtigte Teilhabe am städtischen Leben zu fördern. Durch gezielte Fahrradkurse (z. B. Neuauflage von "Mobil in der Kita") und die Bereitstellung von Leihfahrrädern (VAG_Rad) sollen Migrantinnen und Migranten die Vorteile des Fahrrads als umweltfreundliches, kostengünstiges und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel kennenlernen. Zudem werden sichere und gut ausgebaute Radwege geplant und umgesetzt, um die Nutzung des Fahrrads für alle Bürgerinnen und Bürger attraktiver und sicherer zu gestalten. Diese Maßnahmen ermöglichen es, die Mobilität und Integration aller Bevölkerungsgruppen in der Stadt Nürnberg zu verbessern und eine nachhaltige städtische Verkehrsentwicklung zu unterstützen.

5. Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung

Im Zuge der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung stellt das Planungs- und Baureferat sicher, dass das Auftragswesen gemäß den gesetzlichen Vorgaben erfüllt wird. Dazu gehören u. a. die Einhaltung des Mindestlohngesetzes, der Bevorzugten-Richtlinie, des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes, der Mittelstandsrichtlinie für das öffentliche Auftragswesen, der Korruptionsbekämpfungsrichtlinien sowie des Gesetzes zur Vermeidung des Erwerbs von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit. Zusätzlich werden für die Botschafterinnen und Botschafter für Vielfalt Trainings durchgeführt. Diese Trainings zielen darauf ab, das Bewusstsein für Vielfalt zu stärken und die Kompetenzen im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen zu fördern.

6. Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe

Das Planungs- und Baureferat betrachtet Integrationspolitik als eine zentrale Querschnittsaufgabe, die alle Bereiche der Stadtverwaltung durchdringt. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Aufgabe ist die Förderung der interkulturellen Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch gezielte Schulungen und Fortbildungen werden die Beschäftigten für die Vielfalt der städtischen Bevölkerung sensibilisiert und in ihrer Fähigkeit gestärkt, interkulturelle Herausforderungen professionell zu meistern. Diese Maßnahmen fördern eine offene und respektvolle Arbeitskultur, die den Bedürfnissen aller Bürgerinnen und Bürger gerecht wird und die Integration in städtischen Projekten und Planungen unterstützt.

7. Interkulturelle Orientierung des Personalwesens

Das Planungs- und Baureferat legt Wert auf eine interkulturelle Orientierung im Personalwesen. Ziel soll es sein, dass der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund den Bevölkerungsanteil der Stadt Nürnberg widerspiegelt. Dies fördert nicht nur die Vielfalt innerhalb der Belegschaft, sondern auch eine bessere Repräsentation und Verständnis der vielfältigen Bedürfnisse der städtischen Bevölkerung. Grundsätzlich erfolgt die Auswahl neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhand ihrer fachlichen und persönlichen Kompetenz. Dabei wird sichergestellt, dass alle Bewerberinnen und Bewerber fair und gleichberechtigt behandelt werden. Bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung werden jedoch Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund bevorzugt eingestellt. Diese Praxis unterstützt die Chancengleichheit und trägt dazu bei, bestehende Ungleichheiten abzubauen. Durch dieses Vorgehen wird nicht nur die interkulturelle Kompetenz innerhalb des Geschäftsbereiches gestärkt, sondern auch ein Arbeitsumfeld geschaffen, das von Offenheit und Respekt geprägt ist. Die interkulturelle Orientierung des Personalwesens ist somit ein wichtiger Bestandteil der Integrationspolitik im Referat und trägt zur Förderung einer inklusiven und vielfältigen Stadtgesellschaft bei

8. Förderung und Vernetzung

Die Vernetzung aller Beteiligten sowie die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements prägen das Wirken des Planungs- und Baureferats. Durch die aktive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in Planungs- und Bauprojekte wird nicht nur deren Mitbestimmung gefördert, sondern auch das Vertrauen in die städtischen Institutionen gestärkt. Um dieses Engagement zu unterstützen, nimmt das Planungs- und Baureferat regelmäßig an Bürgerversammlungen teil und führt unterschiedliche Beteiligungsformate durch, in denen die Bevölkerung über aktuelle Projekte informiert und zur aktiven Teilnahme ermutigt wird. Diese Plattformen

bieten die Möglichkeit, Ideen und Anregungen einzubringen, die in die Planungsprozesse einfließen können. Durch die Schaffung dieser Austauschmöglichkeit wird eine partizipative Stadtentwicklung unterstützt.

9. Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit

Das Planungs- und Baureferat legt Wert auf eine diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit, die die Vielfalt der städtischen Bevölkerung widerspiegelt und alle Bürgerinnen und Bürger erreicht. Ein zentrales Ziel ist es, die Reichweite der Öffentlichkeitsarbeit zu erhöhen, um u.a. auch Menschen mit Migrationshintergrund besser erreichen zu können, sowohl online als auch offline. Um dieses Ziel zu erreichen, werden u.a. mehrsprachige Flyer bzw. Informationsmaterialien erstellt, die in einfacher Sprache verfasst sind. Dies erleichtert das Verständnis und den Zugang zu wichtigen Informationen für alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihren sprachlichen Fähigkeiten. Die Verteilung dieser Materialien erfolgt u. a. über migrantische Infrastrukturen, z. B. soziale Einrichtungen, die direkten Kontakt zu den verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nutzung elektronischer Übersetzungsdienste, um sicherzustellen, dass digitale Inhalte in mehreren Sprachen verfügbar sind. Dies umfasst insbesondere die Übersetzung von Social-Media-Beiträgen und E-Mail-Kommunikation. Durch den Einsatz moderner Technologien können Barrieren reduziert und die Belange aller Beteiligten besser berücksichtigt werden.

10. Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa

Das Planungs- und Baureferat engagiert sich aktiv in der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen, um die städtische Entwicklung voranzutreiben. Durch die Mitarbeit in verschiedenen Gremien auf nationaler Ebene trägt das Referat dazu bei, wichtige Themen und Anliegen der Stadt Nürnberg in übergeordnete Entscheidungsprozesse einzubringen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Zusammenarbeit ist die aktive Beteiligung am Deutschen Städtetag. Hierbei arbeitet das Planungs- und Baureferat der Stadt Nürnberg eng mit anderen Städten zusammen, um gemeinsame Interessen zu vertreten und „Best Practices“ auszutauschen. Diese Kooperation ermöglicht es, innovative Lösungen für städtische Herausforderungen zu entwickeln und umzusetzen. Darüber hinaus ist das Planungs- und Baureferat im DIN-Ausschuss vertreten, wo es an der Entwicklung und Überarbeitung von Normen und Standards im Bauwesen mitwirkt. Diese Mitarbeit stellt sicher, dass die neuesten technischen und rechtlichen Anforderungen in die städtischen Bauprojekte einfließen und somit höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards gewährleistet werden.

  1. Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat (Ref. VII)

Der Geschäftsbereich des Wirtschafts- und Wissenschaftsreferats der Stadt Nürnberg umfasst folgende Dienststellen und Stäbe: Amt für Geoinformation und Bodenordnung (Geo), Liegenschaftsamt (LA), Nürnberger Märkte (ML), Stab Innenstadt (Ref. VII / SI), Stab Internationale Wirtschaftsbeziehungen (Ref. VII / AL), Europabüro mit EUROPE DIRECT (Ref. VII / AL / EU-Büro), Stab Wohnen (Ref. VII / SW) und die Wirtschaftsförderung Nürnberg (WiF). Alle tragen auf unterschiedliche Weise und Tiefe zur Umsetzung der Leitlinien zur Integrationspolitik bei. Die vorliegende Übersicht basiert auf den Grundlagen der Abfragen und der Kurzberichte vom Juni 2022 und September 2024, die in den Sitzungen der Koordinierungsgruppe Integration vorgestellt wurden. Maßnahmen und Tätigkeiten sowie eine Auswahl an Beispielen der konkreten Umsetzung einiger Leitlinien im Geschäftsbereich werden nachfolgend beschrieben.

Zentrales kommunalpolitisches Thema (Leitlinie 1)

Die Nürnberger Integrationspolitik wird im gesamten Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat gelebt und umgesetzt. Das gemeinsame Ziel ist eine vielfältige, chancengerechte und zukunftsfähige Verwaltung, in der sich alle Bürgerinnen und Bürger – aber auch Unternehmen und Arbeitnehmer/innen sowie Studierende, Auszubildende und Mitarbeitende in wissenschaftlichen Einrichtungen aus dem Ausland in Nürnberg – wiederfinden.

Wertschätzung kultureller Vielfalt (Leitlinie 2)

Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat hat dies in zweierlei Hinsicht im Fokus: Zum einen haben viele Mitarbeitende einen Migrationshintergrund, was durch die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen die kulturelle Vielfalt aller stärkt. Zudem sind in den Unternehmen in Nürnberg internationale Stakeholder, Shareholder, CEOs und Mitarbeiter/innen tätig, die als Nürnberger Bürgerinnen und Bürgern Teil der gelebten Vielfalt und gelebten Integration sind. Das zeigt sich auch in der Wissenschaft, da hier der Anteil an internationalen Studierenden an Nürnberger Hochschulen seit Jahren sehr hoch ist.

Integration als wechselseitiger Prozess (Leitlinie 3)

Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat der Stadt Nürnberg fördert Integration als beidseitigen Prozess zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft. Vor allem die Unterstützung von Unternehmen und Hochschulen in Nürnberg ist hier – gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel – ein besonderer Schwerpunkt. Die Ansiedelung von Fachkräften, Studierenden und Auszubildenden aus dem Ausland für Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen ist von zentraler Bedeutung für einen zukunftsfähigen Standort.

So führt beispielsweise die Wirtschaftsförderung Nürnberg seit 2027 in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsring ausländischer Unternehmer (AAU) e.V. niederschwellige zielgruppenspezifische Seminare „Systemisches Wissen des Marktes in Deutschland“ um grundlegende Informationen zum Wirtschaftsleben und der Existenzgründung in Deutschland durch. Zudem bietet die Broschüre „Willkommen in Nürnberg – Informationen für Fachkräfte aus dem Ausland“ eine Orientierungs- und Starthilfe für internationale Fachkräfte (in deutscher, englischer, französischer, spanischer und arabischer Sprach per Download verfügbar).

Auch das Liegenschaftsamt der Stadt Nürnberg genehmigt jährlich über 20 relevante Veranstaltungen im öffentlichen Raum, die entweder einen offenkundigen landsmannschaftlichen Hintergrund haben (also z. B. von der türkischen Community in Nürnberg getragen werden) oder durch Ausrichtung und Aussteller erkennbar interkulturell ausgerichtet sind (z. B. Südstadtfest).

Das Europabüro mit EUROPE DIRECT bietet sowohl Publikationen der Europäischen Union als auch eigene Publikationen mit einem konkreten EU-Bezug zu Nürnberg an (kostenlos gedruckt als auch als Download), die niederschwellige Bezüge und die Einflüsse der EU auf das Leben aller EU- Bürgerinnen und -bürger aufzeigen.

Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel (Leitlinie 4)

Beispielsweise beantwortet allein das Europabüro mit EUROPE DIRECT jährlich deutlich über 3.000 Bürger/innen-Anfragen und gibt Informationen für (ausländische) EU-Bürgerinnen und -Bürger (über europäische Richtlinien und Vorgaben, Fragen zur Unionsbürgerschaft, usw.) – per E-Mail, telefonisch, Online, Social Media und persönlich. Dazu werden Seminare, Besuchergruppen und Veranstaltungen mit mehr als 2.500 Teilnehmer/innen (auch mit Migrationshintergrund) jährlich durchgeführt. Darunter ist jährlich auch mindestens ein Seminar, das gezielt für Personen mit Migrationshintergrund (sowohl EU-Bürgerinnen und -Bürger als auch an Drittstaatsangehörige) angeboten wird (oftmals zielgruppengerecht in Leichter Sprache).

Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe (Leitlinie 6)

Die interkulturelle Öffnung findet sich gesamten Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat wieder – je nach Dienststelle und Stab in unterschiedlichen Ausprägungen. Beispielsweise spielt die Integrationspolitik für die Wirtschaftsförderung Nürnberg das Europabüro zentrale Rolle. Beide Stellen engagieren sich mit Integrationsangeboten und bieten mehrsprachige Informationsmaterialien an –

insbesondere bei der Ausbildung von Fachkräften und einer erfolgreichen Integration in den Studienbetrieb in Nürnberg.

Interkulturelle Orientierung des Personalwesens (Leitlinie 7)

Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat der Stadt Nürnberg fördert mit seinen Dienststellen und Stäben die interkulturelle Vielfalt im Personalwesen. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind vielseitige Migrationshintergründe und Fremdsprachenkenntnisse vorhanden (u.a. englisch, französisch, italienisch, iranisch, polnisch, russisch, rumänisch, schwedisch, spanisch, tschechisch). Dazu wird die Teilnahme an Seminaren mit Bezug zu Integration, Sensibilisierung zur Verbesserung der Sprachkenntnisse etc. gefördert. Um viele Bürger/innen zu erreichen werden Webseiten in englischer Sprache (WiF und Europabüro) als auch in Leichter Sprache (Europabüro) angeboten. EU- Publikationen können in allen 24 EU-Amtssprachen kostenfrei bezogen werden.

Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit (Leitlinie 9)

Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat und seine Dienststellen und Stäbe nutzen vielfältige Kanäle im Rahmen der diversitätssensiblen Öffentlichkeitsarbeit. Von Informationen in mehreren Sprachen (Broschüren, Online, Newsletter, Social Media, Integreat-App, usw.) bis hin zu Angeboten in Leichter Sprache und zielgruppenspezifischen Publikationen um die individuelle Zugänglichkeit zu erhöhen.

Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa (Leitlinie 10)

Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat ist in vielen Netzwerken, Zusammenschlüssen und Vereinigungen in allen Ebenen (Europa, Bund, Land) aktiv. Die Dienststellen und Stäbe sind in verschiedenen Netzwerken und Arbeitskreisen vertreten und stehen mit diversen Kooperationspartnern auf allen drei Ebenen in Kontakt. Diese reichen von Schulen, Hochschulen, Vereinen, Akademien, HWK, IHK und Landesbehörden, -ministerien über Bundesbehörden (z.B. Agentur für Arbeit), - ministerien. Städtetag, Rat der Gemeinden und Regionen Europas bis hin zur Zusammenarbeit mit der Europäischen Institutionen (Kommission, Parlament, Abgeordnete) und Netzwerken (EUROCITIES, Council of European Cities and Regions, usw.).

VIELFALT SCHÄTZEN. TEILHABE STÄRKEN. ZUKUNFT GESTALTEN.

Leitlinien zur Integrationspolitik der Stadt Nürnberg

Vom Stadtrat am 25.07.2018 beschlossen.

Seit dem Beginn der städtischen Zivilisation sind Städte Orte der Vielfalt. Ihre Weiterentwicklung durch den Zuzug von Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten ist ein wesentlicher Motor gesellschaftlicher Entwicklung. Die Stadt Nürnberg sieht es als eine ihrer zentralen Aufgaben an, in einer vielfältiger werdenden Gesellschaft den Zusammenhalt zu wahren und dabei zwischen Einzel­ interessen zu vermitteln und Ausgrenzungen zu verhindern. Eine wichtige Grundlage kommunalen Handelns der Stadt Nürnberg sind die Menschenrechte, zu deren aktiven Verwirklichung sich die Stadt Nürnberg aufgrund der besonderen geschichtlichen Verantwortung in ihrem Leitbild verpflichtet hat. Die Realisierung einer solidarischen Stadtgesellschaft bemisst sich am Umgang mit allen Bürgerinnen und Bürgern. Dies schließt auch diejenigen ein, die noch keine lange und kontinuierliche Verwurzelung in der Stadt haben oder infolge von Flucht und Vertreibung auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Je offener eine Stadt mit der Vielfalt ihrer Bürgerinnen und Bürger umgeht, desto besser wird sie sich den Herausforderungen im globalisierten Kontext stellen können.

Im Rahmen ihres allgemeinen Leitbilds hat sich die Stadt Nürnberg 2004 erstmals Leitlinien zur Integrationspolitik gegeben. Diese werden unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Entwicklungen fortgeschrieben.

1. Z entrales kommunalpolitisches Thema 4. Gleichberechtigte Teilhabe als Ziel

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedli- W ir fördern die gleichberechtigte soziale, gesellschaftliche cher Herkunft, Religion oder Weltanschauung auf der Grund- und politische Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen und erlage der Menschenrechte und des Grundgesetzes prägt das mutigen alle unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Auf- Selbstverständnis unserer Stadt. Es zu bewahren und weiter enthaltsstatus zu einer aktiven Beteiligung. Wir setzen uns zu gestalten wird für die Stadt Nürnberg – Stadtrat, Ober- für gleiche Bildungschancen für alle in der Stadt lebenden bürgermeister und Verwaltung – immer eine ihrer zentralen Menschen ein. Personen mit Benachteiligung erhalten bekommunalpolitischen Aufgaben sein. sondere Förderung und Unterstützung, zum Beispiel Sprachförderung. Diese ist ein wesentliches und notwendiges, aber 2. Wertschätzung kultureller Vielfalt nicht ausreichendes Handlungsfeld der Integrationspolitik. D ie Vielfalt der Bevölkerung ist für Nürnberg ein zukunftswei- Die kommunalen Angebote orientieren sich nicht an ethnisendes Entwicklungspotenzial. Auf der Grundlage gegenseiti- schen Merkmalen oder an der Staatsangehörigkeit, sondern ger Wertschätzung und der Anerkennung individueller Kom- an der Lebenslage der Menschen, die hier ihren Lebensmitpetenzen und Potenziale fördern wir die Gestaltung einer telpunkt haben. solidarischen Stadtgesellschaft und damit die Entwicklung Nürnbergs. 5. B ekämpfung von Rassismus und Diskriminierung Allen Formen von Rassismus und Diskriminierung treten wir 3. Integration als wechselseitiger Prozess mit Entschiedenheit entgegen, um Benachteiligungen aus I ntegration ist ein wechselseitiger andauernder Prozess. Die Gründen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Re- Gestaltung des Zusammenlebens ist Aufgabe aller Bürgerin- ligion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters nen und Bürger und keine einseitige Eingliederungsleistung. oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Wir fördern durch geeignete Maßnahmen Respekt, gegen- Im Rahmen der geltenden Gesetze und individuellen Rechte seitige Akzeptanz sowie einen gleichberechtigten Dialog zwi- setzen wir uns für die Achtung der Orientierungen aller Menschen allen in der Stadt lebenden Menschen. schen in der Stadt ein und fördern durch vielfältige Bildungsmaßnahmen demokratische Handlungskompetenz.

6. Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe 8. Förderung und Vernetzung

I ntegrationspolitik ist eine Aufgabe, die nachhaltig alle Berei- W ir unterstützen Verbände, Vereine und Initiativen der Zivilche kommunalen Handelns betrifft. Alle Referate und Dienst- gesellschaft bei integrativen und interkulturellen Maßnahmen stellen der Stadt sowie die städtischen Unternehmen müssen und Aktivitäten. Wir stärken bürgerschaftliches Engagement sie bei ihrer Arbeit berücksichtigen. Dabei wird die Integrati- und fördern die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure. onspolitik mit anderen Querschnittsaufgaben im Sinne eines umfassenden Ansatzes zum Umgang mit Vielfalt („Diversity- 9. Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit Ansatz“) verzahnt. Zur Gewährleistung gleichberechtigter Teilhabe gehört auch eine Öffentlichkeitsarbeit mit Informationen in leicht ver- 7. Interkulturelle Orientierung des Personalwesens ständlicher Sprache und auf zeitgemäßen Kommunikations- W ir setzen uns dafür ein, dass sich die Vielfalt der Stadtbe- wegen, um diversitätssensibel unterschiedliche Zielgruppen völkerung auch in der Mitarbeiterschaft ihrer Verwaltung und zu erreichen. Die in diesen Leitlinien formulierten Haltungen der städtischen Unternehmen widerspiegelt. Daher bemühen sind ein wichtiger Bestandteil der Außendarstellung und der wir uns aktiv um eine verstärkte Beschäftigung von Mitarbei- Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Nürnberg. terinnen und Mitarbeitern mit Zuwanderungsgeschichte. Die Stadt orientiert sich als Arbeitgeberin und Anteilseignerin an 10. Zusammenarbeit im Land, im Bund und in Europa der von ihr unterzeichneten Charta der Vielfalt. Mehrspra- W ir setzen uns in den Gremien der kommunalen Spitzenchigkeit und interkulturelle Kompetenz werden folglich auch verbände in Land und Bund für die politische und soziale bei Bewerbungen als wertvolle Qualifikationen angesehen. Gleichstellung aller Menschen ein. Wir betonen durch aktive Mitgliedschaft in europäischen und weltweiten Netzwerken sowie entsprechende Partnerschaften unsere Identität als internationale europäische Stadt.

Abbildung 1

Impressum: Herausgeber: Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Rathausplatz 2, 90403 Nürnberg Kontakt: Thomas Müller, Amt für Kultur und Freizeit, Koordination Integrationsprogramm, Telefon: 09 11 / 2 31-85 23, thomas.müller@stadt.nuernberg.de Gestaltung: Stadtgrafik Nürnberg, Foto: Peter Roggenthin

Bitte nutzen Sie auch die im Internet unter www.integration.nuernberg.de bereitgestellten Informationen.

Leitlinien des Integrationsprogramms der Stadt Nürnberg

Mit 68 : 1 Stimmen vom Stadtrat am 24.11.2004 beschlossen

Seit dem Beginn der städtischen Zivilisation vor fast fünf Jahrtausenden ist die kulturelle Vielfalt der Städte, die Weiterentwicklung der Kultur durch die Integration von Menschen, die andere kulturelle Kontexte mit sich bringen, wesentlicher Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Einlösung des Ziels einer Solidargesellschaft zeigt sich gerade auch daran, wie mit Menschen umgegangen wird, die noch keine lange und kontinuierliche Verwurzelung in einer Stadt haben. Je offener eine Stadt mit ihren Bürgerinnen und Bürgern umgeht, desto innovativer wird sie sich im globalisierten Kontext zeigen können. Eine Stadt lebt von der positiven Spannung, die die verschiedenen Kulturen mit sich bringen.

Nürnberg hat vor dem Hintergrund seiner Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus und der daraus abgeleiteten Selbstverpflichtung als „Stadt der Menschenrechte“ unmittelbaren Anlass, das Thema Menschenrechte auch im Alltag der Stadt umzusetzen – insbesondere auch im Hinblick auf die Würde von Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund. Auf der Basis des allgemeinen Leitbilds der Stadt Nürnberg gibt sich die Stadt deshalb in Weiterentwicklung ihrer bisher formulierten integrationspolitischen Ziele folgende Leitlinien für ihre künftige kommunale Integrationspolitik:

  1. Integration als zentrales Thema der Kommunalpolitik 6. Integration als wechselseitiger Prozess D ie Integration aller Menschen mit Migrationshintergrund Integration ist keine einseitige Eingliederungsleistung der ist für die Stadt Nürnberg eine ihrer zentralen kommnal- Menschen mit Migrationshintergrund, sondern verlangt politischen Aufgaben. Das friedliche Zusammenleben von allen in der Stadt lebenden Menschen Annäherungs- Menschen unterschiedlicher Herkunft und Abstammung prozesse ab. Die Stadt Nürnberg fördert durch geeignete soll auch weiterhin das Selbstverständnis unserer Stadt Maßnahmen gegenseitige Akzeptanz und Toleranz sowie prägen. den interkulturellen Dialog.

  2. Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe 7. Wertschätzung kultureller Vielfalt I ntegrationspolitik wird dabei als Querschnittsaufgabe Wo das Zusammenleben Probleme und Konflikte mit interbegriffen, die nachhaltig alle Bereiche kommunalen Han- kulturellen Ursachen oder Folgen schafft, bemüht sich die delns betrifft und von allen Referaten und Dienststellen Stadt offensiv um Lösungen. Gleichzeitig sieht sie in der der Stadt sowie den städtischen Unternehmen bei ihrer kulturellen Vielfalt der Stadtbevölkerung ein zukunftswei- Arbeit berücksichtigt werden muss. sendes positives Entwicklungspotential für unsere Stadt.

3. Orientierung an der Lebenslage 8. Gleichberechtigte Teilhabe

Sie orientiert sich dabei nicht an ethnischen Merkmalen Die in Nürnberg lebenden Menschen mit Migrationshinteroder an der Staatsangehörigkeit, sondern an der Lebens- grund sollen gleichberechtigt an allen städtischen Angebolage der Menschen. Sie bezieht deshalb alle Menschen mit ten und Leistungen teilhaben können. Die Stadt Nürnberg Migrationshintergrund ein, die auf längere Zeit hier ihren sieht sich in all ihren Planungen und Maßnahmen einer Lebensmittelpunkt haben – ob mit oder ohne deutschen interkulturellen Orientierung verpflichtet. Die bestehen- Pass, ob „Ausländer/innen“ oder „Aussiedler/innen“. den Angebote und Einrichtungen sollen dazu, wo nötig, zielgruppengerecht verändert und ergänzt werden. Die 4. Angebote unabhängig der Aufenthaltsdauer Vielschichtigkeit der Migrantenbevölkerung ist dabei zu Angebote der Integrationspolitik richten sich dabei nicht berücksichtigen. nur an Neu-Zuwanderer, sondern grundsätzlich auch an Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits hier le- 9. Interkulturelle Öffnung und Kompetenz ben. Die Stadt Nürnberg strebt in ihrer Verwaltung und in den städtischen Unternehmen eine verstärkte Beschäftigung 5. „4-Säulen-Prinzip“ der Integration von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrations- Die kommunale Integrationspolitik lässt sich wie die bun- hintergrund an und will damit auch eine Vorbildfunktion despolitische Integrationspolitik vom „4 Säulen-Prinzip“ als Arbeitgeber/innen übernehmen. Die Mehrsprachigkeit der Integration (sprachliche Integration, gesellschaftliche und die Kenntnisse anderer Sprachen und Kulturen sind Integration, berufliche Integration, soziale Beratung und bei Bewerbungen als wichtige Zusatzqualifikationen anzu- Betreuung) leiten. Sprachförderung ist dabei ein wesent- sehen. Generell wird interkulturelle Kompetenz als wichtiliches und notwendiges, aber kein ausreichendes Hand- ge Schlüsselqualifikation städtischer Mitarbeiterinnen und lungsfeld der Integrationspolitik. Mitarbeiter betrachtet.

10. Breite Beteiligung am Integrationsprozess 13. Öffentlichkeitsarbeit

Die Stadt Nürnberg ist bestrebt, möglichst viele gesell- Eine offensive Öffentlichkeitspolitik ist wichtiger Bestandschaftliche Gruppen aktiv in den Integrationsprozess teil kommunaler Integrationspolitik. einzubeziehen. Dabei soll auch bürgerschaftliches Engagement im Bereich integrativer Maßnahmen gefördert 14. Verknüpfung der Querschnittsthemen werden. Die Verknüpfung der Integrationspolitik mit anderen Querschnittsaufgaben der Kommunalpolitik ist sicherzu- 11. Unterstützung nicht-städtischer Akteure stellen. Im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten unterstützt die Stadt Nürnberg Verbände, Vereine und Initiativen bei 15. Zusammenarbeit mit Land und Bund integrativen und interkulturellen Maßnahmen und Akti- Die Stadt Nürnberg setzt sich in den Gremien der komvitäten. Dabei wird eine verstärkte Vernetzung der un- munalen Spitzenverbände gegenüber Land und Bund für terschiedlichen Angebote verschiedener Anbieter ange- die politische und soziale Gleichstellung aller Menschen strebt und seitens der Stadt unterstützt. mit Migrationshintergrund ein. Außerdem sucht die Stadt die enge Zusammenarbeit mit dem in Nürnberg ansässi- 12. Menschenrechte als Maßstab gen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Allen Formen von Rassismus und Diskriminierung tritt die Stadt Nürnberg mit Entschiedenheit entgegen. Im Rahmen der geltenden Gesetze und individuellen Rechte garantiert sie allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Wahrung ihrer religiösen und kulturellen Orientierungen.

Abbildung 2

Impressum: Herausgeberin: Stadt Nürnberg Kontakt: Amt für Kultur und Freizeit, Koordination Integrationsprogramm, Thomas Müller Telefon: 0911 231-8523, thomas.müller@stadt.nuernberg.de Weitere Informationen: www.integration.nuernberg.de Gestaltung: Herbert Kulzer, Stadtgrafik Nürnberg

Bitte nutzen Sie auch die im Internet unter www.integration.nuernberg.de bereitgestellten Informationen.

www.integration.nuernberg.de nihtneggoR reteP :otoF

Leitbild der Stadt Nürnberg

Die Stadt ist als Solidargemeinschaft Grundlage demokratischen Lebens in unserer Gesellschaft. Sie regelt in kommunaler Selbstverwaltung die Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft.

Die Stadt Nürnberg – Stadtrat, Oberbürgermeister und Verwaltung – gibt sich folgendes Leitbild:

Wir verpflichten uns auf Grund der besonderen geschichtlichen Verantwortung Nürnbergs zur aktiven Verwirklichung der Menschenrechte.

Wir berücksichtigen die unterschiedlichen Lebensverhältnisse von Frauen, Männern und Kindern und fördern die Gleichberechtigung.

Wir setzen uns ein für die Integration aller in Nürnberg lebenden Menschen und ermöglichen ihre Mitwirkung am öffentlichen Leben.

Unsere Arbeit dient der Sicherung der Lebensqualität und der Daseinsvorsorge.

Wir entwickeln und gestalten zusammen mit den Nürnbergerinnen und Nürnbergern Leben, Arbeiten und Wohnen in einer zukunftsfähigen und innovativen Stadt.

Wir unterstützen diejenigen, die Verantwortung übernehmen und schützen die sozial oder wirtschaftlich Schwachen.

Durch Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligungsangebote fördern wir die Identifikation mit der Stadt.

Wir sind moderne Dienstleister/innen und Partner/innen in allen kommunalen Angelegenheiten.

Wir bieten persönliche Beratung zu bürgerfreundlichen Öffnungszeiten oder individuellen Terminvereinbarungen. Dabei setzen wir auch moderne Informationstechnologien ein und entwickeln unser Leistungsangebot auch im Internet.

Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten erschließen wir Handlungsspielräume im Interesse der Menschen. Unser Handeln ist transparent, unser Service zuvorkommend und unsere Sprache verständlich. Das gilt gerade auch dann, wenn den Interessen einzelner Beteiligter nicht entsprochen werden kann.

Wir orientieren die städtischen Angebote am Bedarf der Bürgerinnen und Bürger. Wir beziehen die Bürgerinnen und Bürger bei der Gestaltung der Verwaltungsabläufe ein, u.a. durch Kundenbefragungen, Beschwerdemanagement und Qualitätsmanagement.

Wir gehen mit unseren Ressourcen verantwortungsbewusst, wirtschaftlich und nachhaltig um.

Wir überprüfen und optimieren kontinuierlich unsere Leistungen im Hinblick auf das Verhältnis von Ressourceneinsatz und Ergebnis.

Wir setzen auf hohe Fachkompetenz und Qualitätsstandards.

Wir passen die Steuerungsfunktionen den sich verändernden Rahmenbedingungen an und setzen hierzu verstärkt betriebswirtschaftliche Instrumente ein.

Bei unseren Entscheidungen berücksichtigen wir nicht nur die aktuellen Bedürfnisse, sondern auch die Interessen künftiger Generationen.

Unsere Leistungsfähigkeit und Innovationskraft baut auf motivierte, qualifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wir fördern Motivation und Eigenverantwortung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und sorgen für eine fortlaufende Weiterbildung.

Wir streben eine Vertrauenskultur zwischen allen Akteuren und eine von Teamgeist und Transparenz geprägte Führungskultur an. Dazu trägt die mit den Arbeitnehmervertretungen abgeschlossene Rahmenvereinbarung zur Haushaltskonsolidierung und Verwaltungsreform entscheidend bei.

Wir setzen die Gleichberechtigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um.

Die Stadt Nürnberg versteht sich als soziale Arbeitgeberin, die auf die jeweiligen Lebensverhältnisse der Beschäftigten Rücksicht nimmt und für humane Arbeitsbedingungen sorgt.

Im Bewusstsein der unterschiedlichen Funktionen des Stadtrates als Vertretung der Bürgerschaft einerseits und der Verwaltung andererseits arbeiten wir vertrauensvoll zusammen.

Die Verwaltung sorgt gegenüber dem Stadtrat für Transparenz und Nachvollziehbarkeit ihres Handelns.

Der Stadtrat unterstützt eine größere Eigenverantwortlichkeit von Dienststellen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie eine ergebnisorientierte Steuerung.

Das Leitbild der Nürnberger Stadtverwaltung wurde am 18. Juli 2001 vom Stadtrat beschlossen.

Berichtsvorlage MI/001/2025

Beratung Datum Behandlung Ziel

Kommission für Integration 24.07.2025 öffentlich Bericht

Betreff: Statistischer Jahresbericht für 2024 des Amtes für Migration und Integration und des Amtes für Stadtforschung und Statistik über ausländische Staatsangehörige und Menschen mit

Migrationshintergrund in Nürnberg

Anlagen: Statistischer Jahresbericht für 2024

Bericht:

Die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer werden mit ihrem Aufenthaltsstatus im Ausländerzentralregister (AZR) zentral statistisch erfasst. Das AZR wird für Deutschland vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geführt und stellt den Ausländerbehörden jeweils im Februar für ihren örtlichen Zuständigkeitsbereich die Statistik zum Stichtag 31.12. des Vorjahres zur Verfügung.

Daneben gibt das Amt für Stadtforschung und Statistik der Stadt Nürnberg (StA) statistische Monatsberichte ("Nürnberger Statistik aktuell") heraus, die sich u.a. auf den Anteil der in Nürnberg lebenden Ausländerinnen und Ausländer am Bevölkerungsstand und an der Bevölkerungsbewegung in Nürnberg beziehen. Erweitert wird diese Betrachtung durch eine Auswertung der in Nürnberg lebenden Menschen mit Migrationshintergrund (familiärer Migrationshintergrund und Bezugsland). Zusätzlich führt das innerhalb der Stadtverwaltung Nürnberg für den Vollzug des Ausländerrechts zuständige Amt für Migration und Integration (MI) für bestimmte Ausländergruppen und über die Einbürgerung ausländischer Staatsangehöriger interne Statistiken.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Unterschiedliche Betroffenheit aufgrund Nationalität, Aufenthaltsdauer und Lebensalter infolge gesetzlicher Festlegungen.

  1. Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:

RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

StA

Koordinierungsgruppe Integration

Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit und Menschen mit

Migrationshintergrund in Nürnberg

(Stand 31.12.2024)

Vorbemerkung

Die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit werden mit ihrem Aufenthaltsstatus im Ausländerzentralregister (AZR) zentral statistisch erfasst. Das AZR wird für Deutschland vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geführt und stellt den Ausländerbehörden jeweils im Februar für ihren örtlichen Zuständigkeitsbereich die Statistik zum Stichtag 31.12. des Vorjahres zur Verfügung.

Daneben veröffentlicht das Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (StA) Berichte aus Stadtforschung und Statistik sowie weitere Sonderberichte, die u.a. Informationen über den Anteil der in Nürnberg lebenden Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit enthalten. Diese Informationen werden aus dem Bevölkerungsbestand zum Ende des Jahres (Stichtag: 31.12.) sowie aus den Bevölkerungsbewegungen innerhalb eines Jahres gewonnen. Daraus lässt sich auch der Anteil der in Nürnberg lebenden Menschen mit Migrationshintergrund (familiärer Migrationshintergrund und Bezugsland) ableiten.

Zusätzlich führt das innerhalb der Stadtverwaltung Nürnberg für den Vollzug des Ausländerrechts zuständige Amt für Migration und Integration (MI)

 für bestimmte Gruppen von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit und  über die Einbürgerung ausländischer Staatsangehöriger

interne Statistiken.

Die nachstehenden Zahlen sind diesen drei Quellen entnommen; sie beziehen sich auf den Stand

31.12.2024.

Um Missverständnisse zu vermeiden, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in diesem Bericht genannten Zahlen – Kapitel „G.“ ausgenommen – sich nur auf Ausländer „im rechtlichen Sinne“ und nicht insgesamt auf Menschen mit Migrationshintergrund, wie z. B. Aussiedler und Eingebürgerte, beziehen.

A. Bevölkerungsstand (Quelle: AZR)

Zum 31.12.2024 lebten in Nürnberg insgesamt 149.645 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit aus über 170 Ländern, davon Männer 75.770 Frauen 73.737 divers 6 Unbekannt 132

Dies entsprach zum 31.12.2024 einem Anteil von 27,39 % der Gesamtbevölkerung (Stand Melderegister zum 31.12.2024:546.397) und bedeutet eine Zunahme gegenüber dem Stand vom 31.12.2023 (146.625) um 3.020 Personen (+ 2,06 %). Es ist anzumerken, dass im Jahr 2024 insgesamt 3.837 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit eingebürgert wurden. Doppelstaater sind in der Gesamtzahl der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nicht enthalten. In dieser Gesamtzahl sind dagegen ca. 1.585 Asylbewerber und ca. 682 Ausreisepflichtige einbezogen.

A.1 In Nürnberg lebende Personen in der Zuständigkeit der ABH Nürnberg (MI)

Gliederung nach Nationalitäten (ab 25 Personen) – Absteigend nach Anzahl (Quelle: AZR)

Länder 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Gesamt 123.287 129.190 133.491 132.571 133.163 141.713 146.625 149.645
Türkei 17.885 17.701 17.408 16.984 16.635 16.498 16.748 16.072
Rumänien 11.802 13.539 14.903 14.747 15.037 14.424 14.163 14.638
Ukraine 4.275 4.246 4.201 4.178 4.077 11.739 12.192 13.169
Griechenland 11.581 12.016 12145 12.114 12.038 11.736 11.542 11.534
Syrien 3.979 4.268 4.710 5.000 5.323 5.852 6.396 7.098
Italien 7.029 7.186 7.232 6.983 6.862 6.631 6.540 6.470
Bulgarien 4.713 5.336 5.801 5.875 6.152 6.017 5.896 6.314
Kroatien 4.985 5.547 5.893 5.969 6.056 5.885 5.793 5.738
Polen 5.943 6.051 6.070 5.853 5.696 5.424 5.169 4.910
Indien 1.265 1.523 1.730 1.677 1.826 2.374 3.270 4.249
Irak 4.497 4.645 4.745 4.727 4.658 4.269 4.412 4.195
Bosnien und Herzegowina 2.773 2.993 3.137 3.292 3.422 3.654 3.901 3.885
Russische Föderation 3.534 3,572 3.617 3.588 3.500 3.640 3.946 3.746
Serbien 2.838 2.904 3.027 3.096 3.185 3.280 3.348 3.346
Kosovo 2.271 2.355 2.456 2.450 2.555 2.710 2.873 2.888
Nordmazedonien 1.068 1.131 1.286 1.380 1.426 1.554 1.738 1.760
Vietnam 1.241 1.256 1.299 1.295 1.330 1.437 1.623 1.747
Länder 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Spanien 1.811 1.855 1.866 1.788 1.739 1.678 1.646 1.686
Ungarn 1.907 2.083 2.142 2.037 1.833 1.747 1.711 1.684
Äthiopien 1.277 1.282 1.315 1.355 1.423 1.401 1.544 1.654
Iran 1.219 1.265 1.306 1.320 1.346 1.456 1.544 1.629
China 1.297 1.316 1.341 1.300 1.281 1.312 1.487 1.624
Albanien 356 457 591 729 851 1.069 1.434 1.538
Österreich 1.590 1.589 1.574 1.553 1.510 1.446 1.431 1.413
Afghanistan 466 493 535 482 610 954 1.303 1.393
Vereinigte Staaten von Amerika 1.295 1.286 1.327 1.278 1.278 1.251 1.298 1.249
Aserbaidschan 1027 990 944 908 930 1.001 1.038 1.056
Tschechien 1.139 1.182 1.234 1.171 1.135 1.092 1.072 1.041
Moldau 543 618 722 745 793 853 896 852
Pakistan 416 423 425 427 438 506 635 848
Frankreich 936 1.001 945 890 845 813 815 792
Portugal 670 729 695 667 665 656 678 676
Nigeria 543 550 592 599 579 607 632 648
Großbritannien mit Nordirland 940 933 834 767 706 712 708 644
Brasilien 456 516 566 530 524 560 588 614
Eritrea 329 360 402 429 438 525 578 597
Georgien 394 442 495 511 496 530 579 550
Lettland 549 571 606 604 602 569 553 541
Kasachstan 521 528 512 514 518 528 563 535
Armenien 495 507 478 482 486 534 541 531
Tunesien 275 289 294 321 358 402 482 530
Thailand 517 516 534 533 529 543 543 507
Marokko 200 215 247 237 263 290 396 486
Slowakei 504 509 525 548 521 504 476 458
Montenegro*) 358 368 418 423 437 449 457 458
Algerien 137 138 148 153 147 169 234 451
Sri Lanka 408 410 401 389 378 384 410 442
Ägypten 199 222 255 260 294 355 405 389
Weißrussland 375 367 368 375 358 397 427 387
Slowenien 448 449 439 447 421 409 383 379
Kamerun 338 367 389 365 357 330 344 358
Litauen 416 446 467 447 430 402 383 345
Niederlande 360 376 378 348 350 341 337 342
Somalia 130 154 180 185 214 271 309 334
Japan 292 326 318 286 268 267 305 333
Ghana 266 272 271 266 280 285 313 321
Korea Republik 268 297 316 281 275 274 300 318
Palästinensische Gebiete (nicht als Staat anerkannt)*) 289 310 358 364 342 307
Philippinen 178 195 213 222 240 261 270 295
Länder 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Kolumbien 185 194 213 216 223 239 272 280
Mexiko 241 256 264 238 239 258 292 277
Bangladesch 99 115 124 130 155 163 198 248
Staatenlos*) 232 251 268 257 253 237 232 227
Indonesien 167 169 161 173 178 195 207 222
Usbekistan 182 176 180 180 202 202 219 220
Kuba 114 119 115 117 125 154 248 216
Schweden 195 205 199 197 192 190 192 212
Togo 164 163 171 166 164 163 168 190
Kanada 181 196 179 160 170 193 181 179
Kirgisistan 89 89 120 110 104 129 152 165
Ungeklärt*) 133 137 138 141 141 150 151 157
Schweiz 174 180 178 167 161 154 155 142
Irland 163 165 153 151 145 127 139 132
Jordanien 96 94 102 102 113 108 124 126
Tadschikistan **) 34 42 56 71 112 123
Kenia 133 135 141 138 129 126 124 121
Taiwan 73 90 103 90 88 97 105 117
Mongolei 88 89 89 89 88 100 112 116
Argentinien 44 60 64 75 69 96 114 114
Libanon 104 112 111 102 97 107 103 106
Sudan (ohne Südsudan) 45 59 60 58 60 74 96 105
Peru 80 91 91 93 94 97 104 104
Israel 101 102 99 96 100 107 118 102
Venezuela 73 68 84 86 90 99 118 101
Belgien 110 124 119 112 108 88 102 101
Chile 71 85 87 88 76 81 98 100
Serbien und Montenegro (ehemals) 250 233 197 175 160 159 155 92
Australien 105 111 119 114 114 108 99 91
Estland 93 105 97 90 93 90 90 89
Südafrika 65 65 78 75 76 74 83 87
Nepal 53 49 50 52 55 61 72 86
Malaysia 76 81 88 86 80 87 83 82
Jemen **) 42 53 66 77
Finnland 122 120 129 107 95 88 94 74
Ecuador 38 44 49 46 46 54 61 72
Kongo, Dem. Rep. 57 56 55 58 62 61 68 67
Uganda 70 66 71 69 56 64 58 67
Mosambik 80 79 80 73 65 65 64 63
Gambia **) 35 39 40 43 57 62
Angola 72 73 75 74 75 74 70 60
Norwegen 52 56 54 60 58 65 69 59
Länder 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Dänemark u. Färöer 71 81 88 85 76 63 62 57
Jugoslawien (ehemals)*) 62 70 71 57 56 57 56 55
Dominikanische Republik 42 54 62 58 54 53 55 54
Burkina Faso 39 36 40 45 43 48 56 52
Sierra Leone **) 38 46 50
Honduras **) 29 40 45
Simbabwe **) 33 44
Turkmenistan 33 29 30 27 29 45 49 42
Elfenbeinküste (Cote d´Ivoire) 27 29 29 30 28 31 37 42
Madagaskar **) 28 35 42
Benin **) 31 53 37
Libyen **) 27 30 37
Senegal **) 30 34 36
China (Hongkong) **) 29 35 35
Guinea **) 27 32
Ohne Angabe*) 256 35 39 32 29 31 29 31
Luxemburg 28 30 31 30 30 30 27 29
Zusammenfassung Sonstige Staaten 491 763 518 638 671 431 330 500

*) Bisher ohne konkrete Zuordnung geführt **) Nationalitäten zuvor unter „Sonstige“ geführt

A.2 In Nürnberg lebende Personen mit Zuständigkeit der Zentralen Ausländerbehörde

(ZAB) Mittelfranken

Alphabetisch nach Staatsangehörigkeiten, Stichtag: 31.12.2024 (Quelle: ZAB Mittelfranken)

Staatsangehörigkeit Anzahl
Afghanistan 60
Algerien 2
Angola 1
Argentinien 1
Armenien 28
Aserbaidschan 51
Äthiopien 34
Bangladesch 1
Belarus 65
Benin 82
China 1
Cote d´Ivoire 2
Dschibuti 14
Eritrea 3
Eswatini 1
Gambia 3
Georgien 6
Ghana 7
Grenada 1
Guinea 3
Guinea Bissau 1
Irak 129
Iran 75
Jemen 1
Kamerun 1
Kasachstan 25
Kolumbien 60
Kongo, Dem. Republik 1
Kosovo 12
Kuba 50
Libanon 1
Libyen 1
Marokko 9
Moldau 28
Mongolei 1
Nigeria 30
Nordmazedonien 1
Ohne Angabe 3
Pakistan 2
Palästinens. Gebiete 2
Peru 1
Russische Föderation 49
Sambia 6
Senegal 1
Serbien 5
Sierra Leone 1
Somalia 9
Staatenlos 9
Syrien 384
Tadschikistan 79
Timor Leste 2
Tunesien 6
Türkei 311
Ukraine 11
Ungeklärt 69
Venezuela 194
Vereinigte Staaten 1
Vietnam 1
Gesamtzahl 1.938

B. Aufenthaltsstatus (Quelle: AZR)

Status 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Gesamtzahl 129.190 133.491 132.571 133.163 141.713 146.625 149.645
EU-Bürger 62.409 64.737 63.752 62.850 61.631 59.464 59.768
Drittausländer 66.781 68.754 68.819 70.313 80.082 87.161 89.877
Daueraufenthaltstitel (Niederlassungserl. etc.) 38.805 38.629 37.900 37.591 38.292 36.749 35.331
Befristeter Aufenthaltstitel 19.227 20.771 19.193 18.746 23.688 28.862 30.120
Asylbewerber (inkl. Asylgesuche) 2.604 2.207 1.681 959 1.107 1.133 890
davon Asylgestattung 1.990 1.685 1.162 929 830 821 581
Duldung 1.162 1.221 1.516 1.472 1.031 856 682

C. Wechsel in die deutsche Staatsangehörigkeit 2024

C.1 Einbürgerungen (Quelle: MI)

Gliederung nach Anspruchs- und Ermessenseinbürgerung, sowie neu gestellte Einbürgerungsanträge

Jahr Anspruchs- Ermessens- Einbürgerungen (Gesamtzahl) Einbürgerungs-
einbürgerungen einbürgerungen anträge
2008 875 255 1130 1434
2009 850 673 1523 1768
2010 754 923 1677 1656
2011 737 727 1464 1670
2012 896 691 1587 1586
2013 793 612 1405 1484
2014 732 639 1371 1436
2015 837 462 1299 1522
2016 1136 300 1436 1511
2017 977 180 1157 1609
2018 883 125 1008 1295
2019 1054 149 1203 1677
2020 1453* 225* 1678* 2399
2021 1687* 293* 1890* 2813
2022 1637 186 1823 3215
2023 2210 234 2444 4310
2024 3528 309 3837 7118

* In den Jahren 2020 und 2021 wurden versehentlich falsche Werte in den Spalten 2 und 3 (Anspruchs- und Ermessenseinbürgerungen) übermittelt.

C.2 Wechsel der ausländischen Staatsangehörigkeit in die deutsche nach Staaten

(Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Aufgrund eines Softwareproblems konnten die Staatsangehörigkeitswechsel bei StA im Jahr 2023 gar nicht und im Jahr 2024 nur im Zeitraum von Februar bis Dezember ausgewertet werden. Die Differenz zwischen „Einbürgerungen in 2024“ (C.1: 3.837) und „Wechsel in die deutsche Staatsangehörigkeit“ (Summe C.2: 3642) ist auf diesen Umstand zurückzuführen.

Herkunftsland Anzahl
Vorherige 1.
Staatsangehörigkeit
Syrien 530
Türkei 356
Irak 268
Russische Föderation 256
Ukraine 226
Rumänien 147
Iran 107
Griechenland 82
Serbien 82
Bosnien und Herzegowina 80
Kosovo 78
Polen 68
Bulgarien 67
Italien 63
Mazedonien 57
Indien 55
Ungarn 54
Ägypten 52
Aserbaidschan 48
Weißrussland 46
Albanien 40
Afghanistan 40
Vietnam 40
Tunesien 35
Kroatien 32
ungeklärt 32
Moldau 31
Vereinigte Staaten 29
Pakistan 27
Nigeria 26
Armenien 26
Marokko 25
Äthiopien 24
Brasilien 24
Mexiko 23
Georgien 23
staatenlos 20
Spanien 19
Eritrea 19
Kamerun 16
Togo 16
Kolumbien 16
Kasachstan 16
Bangladesch 16
Lettland 15
Usbekistan 15
Venezuela 13
Ghana 12
Philippinen 11
China 11
Frankreich 10
Tschechische Republik 10
Somalia 10
Vereinigtes Königreich 9
Jordanien 9
Thailand 8
Portugal 7
Taiwan 7
Kenia 6
Kuba 6
Montenegro 5
Uganda 5
Peru 5
Jemen 5
Sri Lanka 5
Israel 5
Korea, Republik 5
Österreich 4
Slowakei 4
Algerien 4
Angola 4
Sudan (ohne Südsudan) 4
Ecuador 4
Kanada 4
Laos 4
(Palästinensische Gebiete) 4
Tadschikistan 4
Weitere 35 Herkunftsländer mit drei oder weniger Eingebürgerten in 2024 71
Gesamtsumme 3642

D. Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Nürnberg am 31.12.2024

(Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Deutsche und ausländische Bevölkerung nach Geschlecht und Altersgruppen

Ausländerzentralregister und Einwohnermelderegister sind eigenständige Verwaltungsregister mit unterschiedlichen Rechtsgrundlagen. So werden im Ausländerzentralregister alle ausländischen Personen erfasst, die sich nicht nur vorübergehend in Deutschland aufhalten. I. d. R. ist ein Aufenthalt bis zu drei Monaten möglich ohne Erfassung im allgemeinen Bestand des Ausländerzentralregisters. Die dem Melderegister zugrundeliegenden Datenquellen erfassen jedoch alle Personen, die sich gemäß den Meldevorschriften der Bundesländer anmelden, auch bei vorübergehendem Aufenthalt.

Während das Ausländerzentralregister zentral für Deutschland vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geführt wird, werden die Melderegister auf Basis der Meldegesetze i.d.R. von den einzelnen Kommunen mit jeweils unterschiedlichen Melde- und Berichtswegen selbst gepflegt. Deshalb können Veränderungen bei Nichtdeutschen (z.B. Zuzug, Fortzug, Einbürgerung) bei den örtlich zuständigen Ausländerbehörden und damit im Einwohnermelderegister bereits registriert worden sein, während diese Daten noch nicht an das Ausländerzentralregister übermittelt wurden. Zudem muss berücksichtigt werden, dass das Melderegister alle nichtdeutschen Staatsangehörigen mit Wohnsitz in Nürnberg ausweist, die ausländerrechtliche Zuständigkeit zum Teil aber bei der Zentralen Ausländerbehörde Mittelfranken liegt. Aus diesem Grund weichen die Zahlen von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in beiden Registern voneinander ab. In Nürnberg liegen die Bestandszahlen der ausländischen Bevölkerung im Melderegister um 2.933 über den Zahlen des Ausländerzentralregisters für die Stadt Nürnberg.

D.1Deutsche und ausländische Bevölkerung nach Geschlecht und Altersgruppen am

31.12.2024

(Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Geschlecht Altersgruppen (MI) Gesamt
Staatsang. (Dtsch, MH, EU) männlich weiblich bis u. 18 bis 40 bis 60 und
18 u. 40 u. 60 älter
Deutsch ohne 128670 135659 26479 73623 69580 94737 264419
Migrationshintergrund
Deutsch mit 63239 66161 36410 35732 30329 26929 129400
Migrationshintergrund
Ausländer (EU) 32346 29786 9981 22170 20649 9332 62132
Ausländer (nicht-EU) 45426 45020 13422 37987 25211 13826 90446
Gesamt 269771 276626 86292 169512 145769 144824 546397

D.2 Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit und Altersgruppen am 31.12.2024

(Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Altersgruppen (MI) bis 18 bis 40 bis 60 und Gesamt
Nationalität u. 18 u. 40 u. 60 älter
Deutschland 62889 109355 99909 121666 393819
Albanien 307 863 345 25 1540
Bosnien und Herzegowina 505 1345 1208 773 3831
Belgien 5 50 32 19 106
Bulgarien 1623 2566 2142 392 6723
Dänemark 5 22 21 14 62
Estland 8 46 32 8 94
Finnland 6 34 23 17 80
Frankreich 100 377 220 138 835
Kroatien 872 1842 1959 1239 5912
Slowenien 45 106 107 128 386
Serbien oder Kosovo - 3 - - 3
Griechenland 1970 3523 3839 2426 11758
Irland 11 79 38 22 150
Island - 7 4 1 12
Italien 660 2049 2107 1666 6482
Lettland 93 205 212 57 567
Montenegro 52 150 191 78 471
Litauen 45 112 151 49 357
Luxemburg - 20 3 7 30
Nordmazedonien 307 756 502 187 1752
Malta - - 2 - 2
Moldau 235 282 168 128 813
Niederlande 38 137 108 68 351
Norwegen 13 24 14 9 60
Kosovo 420 1191 1007 217 2835
Österreich 50 382 440 580 1452
Polen 557 1506 1975 843 4881
Portugal 92 278 260 112 742
Rumänien 3159 6752 5085 779 15775
Slowakei 72 200 165 43 480
San Marino - 1 - - 1
Schweden 72 97 61 22 252
Schweiz 10 42 37 52 141
Russische Föderation 372 1212 1246 868 3698
Spanien 165 741 567 334 1807
Türkei 486 4407 6628 4607 16128
Tschechische Republik 121 333 430 180 1064
Ungarn 209 705 664 189 1767
Ukraine 2638 3828 3465 3109 13040
Vereinigtes Königreich 41 315 163 100 619
Weißrußland 70 169 150 66 455
Serbien 353 1064 1217 724 3358
Zypern 3 8 6 - 17
Britisches Überseegebiet ausserhalb Europas - 4 3 1 8
Algerien 22 352 66 16 456

Angola 14 20 20 4 58

Eritrea 142 316 105 39 602
Äthiopien 676 757 239 15 1687
Botsuana 1 1 1 - 3
Benin 23 74 19 - 116
Dschibuti 15 21 9 - 45
Cote d'Ivoire 8 23 11 3 45
Nigeria 165 243 244 15 667
Simbabwe 5 37 1 - 43
Gabun - - 1 - 1
Gambia 13 38 11 - 62
Ghana 40 119 108 53 320
Mauretanien - 1 - - 1
Kap Verde - - 1 - 1
Kenia 10 64 33 5 112
Kongo, Republik - 4 8 - 12
Kongo, Dem. Rep. 7 25 19 12 63
Liberia - 3 2 1 6
Libyen 13 19 5 1 38
Madagaskar 3 35 3 - 41
Mali 1 7 4 - 12
Marokko 22 371 78 11 482
Mauritius - 11 2 2 15
Mosambik 2 7 39 12 60
Niger 1 7 6 - 14
Sambia 3 17 2 - 22
Burkina Faso 13 24 11 4 52
Guinea-Bissau - 4 - - 4
Guinea 10 20 1 2 33
Kamerun 35 265 45 2 347
Südafrika 12 39 31 3 85
Ruanda 2 7 2 - 11
Namibia 3 5 3 - 11
Senegal 2 22 12 - 36
Seyschellen - - 2 - 2
Sierra Leone 18 24 6 - 48
Somalia 99 239 14 4 356
Sudan ( f. Altfälle ) 2 1 - - 3
Sudan 36 41 28 4 109
Südsudan (Republik Südsudan) 2 3 - - 5
Swasiland 1 1 1 - 3
Tansania 4 6 6 - 16
Togo 17 96 54 15 182
Tschad - 2 - 1 3
Tunesien 59 334 114 24 531
Uganda 8 35 15 5 63
Ägypten 63 245 64 13 385
Zentralafrikanische Republik - 1 - - 1
Antigua und Barbuda - 1 - - 1
Argentinien 9 61 34 5 109
Bahamas - - - 1 1
Bolivien - 15 4 1 20
Brasilien 48 313 193 36 590
Guyana - 1 - - 1
Chile 4 65 21 10 100
Dominica - 2 1 - 3
Costa Rica - 10 1 1 12
Dominikanische Republik 3 24 18 2 47
Ecuador - 57 10 2 69
El Salvador - 16 2 2 20
Grenada - - 1 - 1
Guatemala - 5 3 - 8
Haiti - 2 - - 2
Honduras 2 40 4 - 46
Kanada 17 78 56 21 172
Kolumbien 15 192 52 7 266
Kuba 33 140 77 20 270
Mexiko 17 194 54 4 269
Nicaragua - 10 5 - 15
Jamaika - 5 6 1 12
Panama 2 7 8 - 17
Paraguay 3 4 3 1 11
Peru 4 59 31 8 102
Uruguay - 9 2 1 12
St. Lucia - - 1 - 1
Venezuela 39 162 51 17 269
Vereinigte Staaten, auch USA 61 451 363 330 1205
St. Kitts und Nevis - 2 1 - 3
Trinidad und Tobago - - 3 - 3
Sonderverwaltungsregion 3 15 14 2 34
Hongkong
Jemen 13 55 7 1 76
Armenien 90 199 188 75 552
Afghanistan 460 810 137 54 1461
Bahrain - 1 - - 1
Aserbaidschan 227 445 272 159 1103
Bhutan - 1 - - 1
Myanmar 3 10 4 1 18
Georgien 47 248 189 72 556
Sri Lanka 30 133 169 112 444
Vietnam 148 886 468 220 1722
Korea, Dem. Volksrepublik - - - 1 1
Indien 541 3185 441 45 4212
Indonesien 7 130 63 15 215
Irak 1077 1781 1060 380 4298
Iran 218 946 424 103 1691
Israel 9 38 39 11 97
Japan 43 140 114 36 333
Kasachstan 45 138 226 121 530
Jordanien 14 79 25 6 124
Kambodscha 1 10 9 - 20
Laos - 5 11 3 19
Kirgisistan 1 108 19 32 160
Libanon 5 46 32 23 106
Malediven - - 1 - 1
Mongolei 14 59 35 3 111
Nepal 2 69 13 - 84
Palästinensische Gebiete 26 51 12 5 94
Bangladesch 18 186 33 9 246
Pakistan 78 626 120 19 843
Philippinen 26 130 117 23 296
Taiwan 2 74 30 6 112
Korea, Republik 36 183 85 7 311
Vereinigte Arabische Emirate - 1 - - 1
Tadschikistan 40 122 21 2 185
Turkmenistan 8 22 7 8 45
Saudi-Arabien - 5 1 - 6
Singapur - 13 9 - 22
Syrien 2272 3990 1058 206 7526
Thailand 11 125 250 115 501
Usbekistan 18 91 36 63 208
China 129 914 455 92 1590
Malaysia 6 52 17 4 79
Australien 5 44 26 13 88
Neuseeland - 9 2 - 11
staatenlos 41 76 87 62 266
ungeklärt 70 162 86 36 354
Gesamt 86292 169512 145769 144824 546397

E. Geburten und Sterbefälle von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit

im Jahr 2024 (Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Bevölkerungsbewegung Geburt (HW) Sterbefall (HW) Geburten-
Geschlecht männlich weiblich Summe männlich weiblich Summe überschuss
oder
Erste -verlust
Staatsangehörigkeit insgesamt
Albanien 12 25 37 - - - 37
Bosnien und 18 33 51 12 13 25 26
Herzegowina
Bulgarien 46 43 89 5 4 9 80
Estland - - - - 1 1 -1
Finnland - - - - 1 1 -1
Frankreich 3 5 8 1 3 4 4
Kroatien 34 21 55 26 13 39 16
Slowenien 1 2 3 2 3 5 -2
Griechenland 65 65 130 26 20 46 84
Irland 1 1 2 - - - 2
Italien 27 27 54 28 9 37 17
Lettland 3 1 4 - - - 4
Montenegro 4 2 6 2 1 3 3
Litauen 2 - 2 5 1 6 -4
Nordmazedonien 13 14 27 - 3 3 24
Moldau 11 18 29 - 5 5 24
Niederlande 1 1 2 1 - 1 1
Norwegen 1 - 1 - - - 1
Kosovo 23 15 38 2 - 2 36
Österreich 1 2 3 16 9 25 -22
Polen 16 16 32 10 11 21 11
Portugal 4 3 7 2 2 4 3
Rumänien 115 99 214 18 11 29 185
Slowakei 2 5 7 1 1 2 5
Schweden 1 2 3 1 1 2 1
Schweiz 1 - 1 - 1 1 0
Russische Föderation 12 8 20 14 15 29 -9
Spanien 3 7 10 6 3 9 1
Türkei 24 30 54 63 58 121 -67
Tschechische 1 2 3 - 2 2 1
Republik
Ungarn 9 8 17 2 - 2 15
Ukraine 29 32 61 45 57 102 -41
Vereinigtes 3 2 5 - - - 5
Königreich
Weißrußland - 2 2 2 2 4 -2
Serbien 9 12 21 12 16 28 -7
Algerien 3 2 5 - - - 5
Eritrea 8 9 17 1 - 1 16
Äthiopien 13 19 32 1 1 2 30
Benin 1 3 4 - - - 4
Cote d'Ivoire 1 1 2 - - - 2
Nigeria 9 4 13 1 - 1 12
Ghana 5 1 6 - 1 1 5
Kongo, Dem. Rep. 1 - 1 - - - 1
Libyen 1 1 2 - - - 2
Madagaskar 1 2 3 - 2 2 1
Marokko 4 - 4 - - - 4
Burkina Faso 1 - 1 - - - 1
Guinea 2 - 2 - - - 2
Kamerun 5 - 5 - - - 5
Südafrika - 2 2 1 - 1 1
Ruanda 1 - 1 - - - 1
Sierra Leone 1 1 2 - - - 2
Somalia 3 - 3 - - - 3
Sudan 1 1 2 - - - 2
Togo - 1 1 - - - 1
Tunesien 4 3 7 - - - 7
Ägypten 3 3 6 1 - 1 5
Argentinien - 1 1 - - - 1
Brasilien 2 - 2 - - - 2
Kanada 1 1 2 1 - 1 1
Kolumbien - 1 1 - - - 1
Kuba 1 - 1 - - - 1
Vereinigte Staaten, 2 2 4 13 - 13 -9
auch USA
Armenien 1 2 3 2 1 3 0
Afghanistan 9 14 23 - 1 1 22
Aserbaidschan 1 2 3 7 4 11 -8
Georgien 1 3 4 - 1 1 3
Sri Lanka 1 - 1 1 - 1 0
Vietnam 8 5 13 1 - 1 12
Indien 23 21 44 - - - 44
Indonesien - - - - 1 1 -1
Irak 28 40 68 4 7 11 57
Iran 8 5 13 - - - 13
Japan - 1 1 - - - 1
Kasachstan - 2 2 1 2 3 -1
Kirgisistan - - - - 1 1 -1
Libanon - - - 1 - 1 -1
Nepal 2 - 2 - - - 2
Palästinensische Gebiete 1 1 2 - - - 2
Bangladesch 2 - 2 1 - 1 1
Pakistan 2 3 5 1 - 1 4
Philippinen 1 - 1 - - - 1
Tadschikistan - 4 4 1 - 1 3
Turkmenistan - - - 1 - 1 -1
Syrien 63 66 129 1 4 5 124
Thailand - - - - 1 1 -1
Usbekistan 1 2 3 - - - 3
China 2 3 5 - 1 1 4
Malaysia 2 - 2 - - - 2
staatenlos - 1 1 2 1 3 -2
ungeklärt - 4 4 1 - 1 3
Gesamt 725 740 1465 346 295 641 824

F. Zu- und Fortzüge von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Jahr 2024

(Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Staatsangehörigkeit Zuzüge aus ... Fortzüge nach ...
(Herkunftsland) insgesamt Deutschland Ausland insgesamt Deutschland Ausland
1 2 3 4 5 6
121 Albanien 372 106 266 243 164 79
122 Bosnien und 369 137 232 310 175 135
Herzegowina
124 Belgien 20 5 15 23 10 13
125 Bulgarien 1219 256 963 1420 204 1216
126 Dänemark 10 1 9 13 6 7
127 Estland 14 5 9 13 2 11
128 Finnland 12 1 11 19 5 14
129 Frankreich 133 30 103 149 34 115
130 Kroatien 314 158 156 487 157 330
131 Slowenien 24 10 14 28 11 17
132 Serbien und Montenegro 2 1 1 - - -
133 Serbien 44 2 42 1 - 1
134 Griechenland 891 343 548 1055 268 787
135 Irland 29 5 24 22 5 17
136 Island 3 - 3 1 - 1
137 Italien 528 189 339 624 175 449
139 Lettland 54 20 34 63 21 42
140 Montenegro 35 15 20 24 7 17
142 Litauen 46 14 32 65 16 49
143 Luxemburg 7 4 3 9 3 6
144 Nordmazedonien 229 62 167 178 94 84
145 Malta 1 1 - 4 2 2
146 Republik Moldau 122 28 94 153 36 117
148 Niederlande 37 11 26 45 12 33
149 Norwegen 7 1 6 11 - 11
150 Kosovo 328 120 208 234 148 86
151 Österreich 94 44 50 105 45 60
152 Polen 442 132 310 717 162 555
153 Portugal 115 35 80 93 36 57
154 Rumänien 4769 645 4124 5516 724 4792
155 Slowakei 63 15 48 64 10 54
157 Schweden 77 12 65 50 15 35
158 Schweiz 15 6 9 19 5 14
160 Russische Föderation 340 195 145 256 138 118
161 Spanien 257 87 170 200 44 156
163 Türkei 1052 549 503 1133 525 608
164 Tschechien 110 22 88 158 53 105
165 Ungarn 257 99 158 284 77 207
166 Ukraine 2274 1065 1209 1094 327 767
168 Vereinigtes 77 18 59 95 24 71
Königreich
169 Belarus 77 52 25 141 39 102
170 Serbien 285 116 169 238 89 149
181 Zypern 6 1 5 3 1 2
185 Britische 2 1 1 - - -
Überseegebiete
221 Algerien 298 24 274 69 54 15
223 Angola 3 2 1 7 3 4
224 Eritrea 61 46 15 30 15 15
225 Äthiopien 168 156 12 53 30 23
229 Benin 33 31 2 41 25 16
230 Dschibuti 12 12 - 16 7 9
231 Côte d’Ivoire 15 9 6 10 6 4
232 Nigeria 115 62 53 71 36 35
233 Simbabwe 13 10 3 - - -
237 Gambia 11 10 1 3 1 2
238 Ghana 45 20 25 18 11 7
243 Kenia 10 3 7 5 3 2
245 Kongo 1 1 - 1 1 -
246 Demokratische 4 1 3 4 3 1
Republik Kongo
247 Liberia 1 1 - 1 1 -
248 Libyen 15 8 7 7 6 1
249 Madagaskar 11 8 3 6 5 1
251 Mali 3 2 1 2 1 1
252 Marokko 195 64 131 90 54 36
253 Mauritius 8 4 4 4 2 2
254 Mosambik 1 1 - 4 1 3
255 Niger 1 1 - - - -
257 Sambia 11 9 2 3 - 3
258 Burkina Faso 3 3 - 2 2 -
261 Guinea 13 6 7 10 7 3
262 Kamerun 93 58 35 58 54 4
263 Südafrika 23 6 17 18 12 6
265 Ruanda 5 - 5 5 2 3
267 Namibia 8 4 4 2 - 2
269 Senegal 5 4 1 1 - 1
272 Sierra Leone 13 7 6 7 3 4
273 Somalia 70 56 14 37 23 14
276 Sudan 1 1 - - - -
277 Sudan 29 20 9 9 7 2
281 Eswatini 1 1 - - - -
282 Vereinigte Republik 2 1 1 4 2 2
Tansania
283 Togo 37 10 27 9 6 3
285 Tunesien 153 65 88 56 42 14
286 Uganda 22 15 7 8 4 4
287 Ägypten 86 44 42 50 40 10
289 Zentralafrikanische Republik 1 - 1 1 - 1
320 Antigua und Barbuda 1 - 1 - - -
323 Argentinien 34 7 27 24 8 16
326 Plurinationaler 5 2 3 3 2 1
Staat Bolivien
327 Brasilien 181 68 113 118 59 59
332 Chile 36 14 22 27 12 15
333 Dominica 2 - 2 2 - 2
334 Costa Rica 4 2 2 2 2 -
335 Dominikanische Republik 11 8 3 9 8 1
336 Ecuador 31 19 12 15 6 9
337 El Salvador 7 5 2 - - -
345 Guatemala 2 1 1 4 2 2
346 Haiti 1 1 - 1 1 -
347 Honduras 12 5 7 5 3 2
348 Kanada 42 9 33 36 7 29
349 Kolumbien 72 36 36 47 24 23
351 Kuba 42 34 8 82 30 52
353 Mexiko 59 35 24 48 24 24
354 Nicaragua 2 1 1 - - -
355 Jamaika 1 1 - - - -
359 Paraguay 3 - 3 2 1 1
361 Peru 23 17 6 15 9 6
365 Uruguay 4 - 4 2 - 2
366 St. Lucia 1 - 1 - - -
367 Bolivarische Republik Venezuela 93 89 4 71 39 32
368 Vereinigte Staaten 193 52 141 156 50 106
370 St. Kitts und Nevis 2 1 1 - - -
411 Hongkong 7 2 5 7 5 2
421 Jemen 19 12 7 3 3 -
422 Armenien 52 31 21 36 24 12
423 Afghanistan 205 183 22 123 78 45
425 Aserbaidschan 137 61 76 122 42 80
426 Bhutan 1 1 - - - -
427 Myanmar 6 - 6 - - -
430 Georgien 85 32 53 88 22 66
431 Sri Lanka 48 22 26 13 10 3
432 Vietnam 334 162 172 147 117 30
434 Demokratische 1 1 - - - -
Volksrepublik Korea
436 Indien 1763 715 1048 736 589 147
437 Indonesien 39 20 19 15 12 3
438 Irak 295 248 47 351 202 149
439 Islamische Republik 384 184 200 187 131 56
Iran
441 Israel 19 7 12 22 12 10
442 Japan 99 16 83 61 15 46
444 Kasachstan 51 41 10 58 27 31
445 Jordanien 37 26 11 27 17 10
446 Kambodscha 1 - 1 3 1 2
450 Kirgisistan 67 16 51 51 14 37
451 Libanon 17 6 11 10 7 3
457 Mongolei 13 10 3 6 4 2
458 Nepal 23 14 9 6 6 -
459 Palästinensische 9 4 5 6 4 2
Gebiete
460 Bangladesch 99 22 77 30 21 9
461 Pakistan 414 199 215 165 136 29
462 Philippinen 52 27 25 10 8 2
465 Taiwan 34 8 26 17 8 9
467 Republik Korea 94 33 61 72 39 33
469 Vereinigte Arabische 3 - 3 2 - 2
Emirate
470 Tadschikistan 35 27 8 61 19 42
471 Turkmenistan 3 3 - 6 2 4
472 Saudi-Arabien 1 1 - 4 3 1
474 Singapur 10 7 3 5 1 4
475 Arabische Republik Syrien 1705 1306 399 615 490 125
476 Thailand 36 11 25 44 26 18
477 Usbekistan 34 22 12 19 14 5
479 China 392 207 185 238 160 78
482 Malaysia 14 7 7 15 11 4
523 Australien 14 2 12 15 4 11
536 Neuseeland 3 1 2 2 1 1
staatenlos 28 14 14 18 4 14
ungeklärt 75 65 10 85 30 55
ohne Angabe 4 3 1 - - -
Gesamt 24388 9591 14797 20261 6946 13315

G. Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg (Quelle StA, Melderegisterabzug)

Der Migrationshintergrund wird im Amt für Stadtforschung und Statistik mit Hilfe des Programms MigraPro aus den Daten des Melderegisters abgeleitet, da es sich nicht um ein Merkmal handelt, das aus den Meldedaten direkt hervorgeht. Die Ableitung ist eine Annäherung an die Definition des Statistischen Bundesamts, welche besagt, dass eine Person einen Migrationshintergrund hat, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit einer deutschen Staatsangehörigkeit geboren wurde.

Die Ableitung erfolgt anhand der Informationen zur Staatsangehörigkeit, Zuzugsherkunft und Lage des Geburtsortes sowie der Staatsangehörigkeit der Eltern. Sie ermöglicht die Unterscheidung nach Deutschen ohne Migrationshintergrund, Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländerinnen und Ausländern, die der Definition nach alle einen persönlichen Migrationshintergrund haben.

Kindern unter 18 Jahren, die keinen eigenen Migrationshintergrund haben, wird der Migrationshintergrund der im gleichen Haushalt lebenden Eltern zugeordnet. Der so ermittelte familiäre Migrationshintergrund entspricht weitestgehend der Definition des Statistischen Bundesamtes, richtet sich aber nach dem Alter der Kinder, d.h. Kinder ohne eigenen Migrationshintergrund verlieren den über die Eltern zugeordneten Migrationshintergrund, sobald sie 18 Jahre alt sind.

Personen, die während oder unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge oder Vertriebene nach Deutschland zugezogen sind, gelten nicht als Menschen mit Migrationshintergrund. Zur Abgrenzung hierfür stehen neben dem Geburtsort keine Angaben zum Zeitpunkt der erfolgten Zuwanderung zur Verfügung, sondern nur Informationen zum - eventuell erst später - erfolgten Zuzug nach Nürnberg. Aus diesem Grund dürften die Zahlen mit Bezugsland Polen und ehemalige Tschechoslowakei leicht überhöht sein.

Ergänzende Informationen sind der Sonderveröffentlichung 274 von 2019 „Zuwanderung aus dem Ausland und Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg“ zu entnehmen.

G.1Bevölkerung mit Hauptwohnung nach Migrationshintergrund und Bezugsland

am 31.12.2024 (Quelle: StA, Melderegisterabzug)

Bezugsland von Personen Deutsch ohne Deutsch mit Nichtdeutsche Gesamt
mit Migrationshinter- Migrations- Migrations-
grund (aus MigraPro) hintergrund hintergrund
Gesamt 264419 129400 152578 546397
Deutschland 264419 - - 264419
Türkei - 15652 16132 31784
Rumänien - 15255 15813 31068
Ukraine - 4260 13050 17310
Polen - 11061 4881 15942
Griechenland - 3713 11761 15474
Russische Föderation - 10964 3714 14678
Italien - 3484 6483 9967
Syrien - 2076 7800 9876
Kasachstan - 8917 535 9452
Irak - 4064 4312 8376
Bulgarien - 1100 6723 7823
Kroatien - 1528 5913 7441
-
Bosnien und Herzegowina - 1440 3833 5273
Indien - 845 4213 5058
Serbien - 1421 3360 4781
Tschechische Republik - 3591 1067 4658
Kosovo - 1161 2835 3996
Vereinigte Staaten, auch USA - 2054 1206 3260
Iran - 1402 1693 3095
Spanien - 1044 1807 2851
Vietnam - 1119 1722 2841
Österreich - 1387 1453 2840
Ungarn - 1028 1767 2795
Nordmazedonien - 629 1752 2381
Äthiopien - 645 1697 2342
China - 622 1590 2212
Afghanistan - 456 1461 1917
Albanien - 218 1540 1758
Frankreich - 817 837 1654
Aserbaidschan - 517 1122 1639
Moldau - 740 814 1554
Nigeria - 834 667 1501
Pakistan - 536 844 1380
Vereinigtes Königreich - 681 619 1300
Tunesien - 732 531 1263
Brasilien - 626 590 1216
Sri Lanka - 692 444 1136
Marokko - 607 484 1091
Eritrea - 428 608 1036
Jugoslawien - 974 3 977
Portugal - 207 742 949
Thailand - 393 501 894
Tadschikistan - 704 187 891
Georgien - 321 557 878
Usbekistan - 632 210 842
Weißrußland - 359 459 818
Lettland - 208 597 805
Algerien - 331 457 788
Slowakei - 286 480 766
Armenien - 206 557 763
Philippinen - 440 296 736
Ägypten - 342 389 731
Ghana - 399 320 719
Montenegro - 218 471 689
Niederlande - 317 352 669
Kirgisistan - 507 160 667
Kamerun - 292 347 639
Slowenien - 174 386 560
Schweiz - 415 141 556
Litauen - 190 359 549
Libanon - 409 138 547
Mexiko - 275 269 544
Kolumbien - 225 266 491
Togo - 300 182 482
Serbien und Montenegro - 447 2 449
-
Bangladesch - 176 247 423
Japan - 89 333 422
Somalia - 56 356 412
Korea, Republik - 90 311 401
Venezuela - 111 269 380
Schweden - 102 253 355
Kenia - 216 112 328
Indonesien - 109 215 324
Kanada - 134 172 306
Sowjetunion - 283 1 284
Peru - 169 102 271
Argentinien - 158 109 267
Irland - 71 150 221
Jordanien - 94 126 220
Chile - 114 100 214
Angola - 155 58 213
Estland - 114 97 211
Südafrika - 125 85 210
Israel - 101 104 205
Sudan - 92 109 201
Belgien - 88 106 194
Australien - 94 88 182
Mongolei - 66 111 177
Taiwan - 65 112 177
Finnland - 94 80 174
Ecuador - 105 69 174
Palästinensische - 28 131 159
Gebiete
Uganda - 94 63 157
Dominikanische Republik - 107 47 154
Benin - 28 116 144
Kongo, Dem. Rep. - 80 63 143
Mosambik - 77 60 137
Nepal - 44 84 128
Cote d'Ivoire - 82 45 127
Dänemark - 63 62 125
Jemen - 40 76 116
Gambia - 46 63 109
Malaysia - 27 79 106
Turkmenistan - 55 45 100
Weitere (Fälle < 100) - 1237 959 2196

G.2 Bevölkerung in der Hauptwohnung mit Migrationshintergrund seit 2014

(Quelle: StA, Melderegisterabzug)

2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Insgesamt 218.349 230.765 236.297 242.428 248.361 251.744 252.623 255.309 270.835 277.649 281.978
nach dem Geschlecht
männlich 108.121 115.894 118.213 121.477 124.736 126.523 126.726 128.062 134.707 138.511 141.011
weiblich 110.228 114.871 118.084 120.951 123.625 125.221 125.897 127.247 136.128 139.138 140.967
nach Altersgruppen
unter 3 8.550 9.086 9.755 9.984 10.387 10.208 9.933 9.971 10.068 9.845 9.573
3 bis unter 6 8.080 8.559 8.793 9.158 9.384 9.734 9.818 10.064 10.272 10.460 10.479
6 bis unter 10 10.560 11.074 11.318 11.352 11.567 11.753 11.832 12.070 13.036 13.489 13.786
10 bis unter 15 12.472 13.067 13.526 14.087 14.390 14.467 14.633 14.638 15.613 15.718 16.100
15 bis unter 18 7.280 7.922 7.925 8.068 8.227 8.487 8.595 8.797 9.529 9.816 9.875
18 bis unter 25 18.896 20.750 21.209 21.392 21.540 21.540 20.972 21.257 23.290 24.470 25.562
25 bis unter 45 71.243 75.908 77.296 79.417 81.512 82.064 81.456 81.605 86.994 89.385 91.597
45 bis unter 65 50.412 52.680 54.061 55.926 57.815 59.310 60.606 61.846 65.072 66.974 68.120
65 bis unter 80 24.210 24.755 25.015 25.143 25.073 25.065 25.039 24.946 25.873 26.125 26.190
ab 80 6.646 6.964 7.399 7.901 8.466 9.116 9.739 10.115 11.088 11.367 10.696
nachdem
Familienstand
ledig 95.204 102.787 106.356 109.712 112.808 114.796 115.656 118.467 129.345 135.034 139.485
verheiratet 95.156 98.988 100.495 102.902 105.219 106.173 105.781 105.516 108.664 109.681 110.069
verwitwet 10.290 10.560 10.820 10.921 11.065 11.164 11.294 11.421 12.270 12.248 11.612
geschieden 17.699 18.430 18.626 18.893 19.269 19.611 19.892 19.905 20.556 20.686 20.812
nach der
Religionszugehörigkeit
evangelisch 27.401 27.189 26.780 26.370 25.938 25.183 24.370 23.520 23.301 22.700 21.381
katholisch 51.417 52.177 51.515 51.047 50.666 49.496 48.179 46.605 45.618 44.321 42.342
sonstige/keine 139.531 151.399 158.002 165.011 171.757 177.065 180.074 185.184 201.916 210.628 218.255
nach dem Bezugsland
Europa (ohne Deutschl.) 166.753 172.913 174.692 178.548 182.116 183.691 183.799 184.157 195.127 198.102 196.974
dar. Türkei 31.674 31.486 31.354 31.473 31.507 31.329 31.089 30.897 30.913 31.821 31.784
Rumänien 24.972 26.737 27.604 28.802 29.901 30.596 30.702 30.878 31.535 31.863 31.068
Polen 19.541 19.709 19.457 19.117 18.837 18.450 18.053 17.667 17.567 17.134 15.942
Polen
ehem. 18.811 20.116 20.532 21.390 22.532 23.512 24.093 24.738 25.793 26.363 26.582
Jugoslawien
Russland 14.223 14.364 14.538 14.598 14.554 14.474 14.433 14.395 14.589 14.709 14.678
Griechenland 13.071 13.666 13.942 14.407 14.814 14.941 15.087 15.154 15.357 15.411 15.474
Italien 8.802 9.136 9.145 9.458 9.733 9.799 9.773 9.763 9.819 9.967 9.967
Tschechien 6.657 6.533 6.415 6.292 6.093 5.931 5.666 5.432 5.535 5.330 4.658
Ukraine 7.756 8.089 8.087 8.038 8.074 8.057 8.053 7.937 15.783 16.227 17.310
Afrika 8.000 8.808 9.476 9.611 10.049 10.530 10.716 11.095 11.712
10.716
Asien 32.883 37.786 40.822 42.344 43.736 44.776 45.228 46.778 50.100 52.499 56.651
45.228
dar. Kasachstan 9.575 9.639 9.705 9.751 9.856 9.853 9.777 9.686 9.627 9.604 9.452
9.777
Irak 5.370 6.651 7.447 7.714 8.082 8.082 8.087 8.184 8.256 8.282 8.376
Irak 8.087
Amerika, Australien, 10.713 11.258 11.307 11.925 12.460 12.747 12.880 13.279 13.896 14.433 14.645
sonstige 12.880

H. Amtsinterne Statistik des MI für (2015-2024)

Personen/Fälle
2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
2
1.a Aufenthaltstitel (AufenthG) erteilt, 10.179 11.965 12.098 12.641 15.542 9.994 11.687 16.620 14.354
13.433
davon
Niederlassungserlaubnis (AufenthG) 1.437 1.054 855 976 1.189 824 1.550 1.323 1.061 1.354
Daueraufenthaltserlaubnis-EG 36 34 60 36 37 36 61 78 89 142
Aufenthaltserlaubnis (AufenthG) 8.390 10.521 10.851 11.240 13.922 8.878 9.775 14.878 12.802 11.142
Blaue Karte EU 316 356 332 389 394 256 301 341 402 795
1.b Fiktionsbescheinigung (MI/1 & MI/3) 3.957 7.704 11.189 13.814 16.861 13.649 15.058 26.696 21.456 20.745
2. Ausstellung neuer eAT- Kartenkörper (früher Übertrag Aufenthaltstitel in neuen Pass) 5.129 3.842 4.010 4.291 4.617 3.205 5.733 5.401 5.496
5.084
3. eAT-Produkte(Summen 1a & 2) 15.308 15.807 16.108 16.932 20.159 13.199 17.420 22.021 19.850 18.517
4. Aufenthaltskarte & Daueraufenthalts-Karte-EU 302 360 336 536 670 374 443 391 405
528
5. Integration
5.1 Anspruchsbescheinigungen 62 75 89 133 100 163 137 100 224 208
5.2 Verpflichtungsbescheinigungen 1.043 1.616 1.241 756 742 334 505 261 470 527
5.3 Beratungsgespräche 85 60 89 116 12 0 werden seit 2020 nicht mehr erfasst
6. Zulassung zum Arbeitsmarkt
6.1 - positive Entscheidung 337 443 420 449 577 706 1.023 --- --- ---
6.2 - negative Entscheidung 29 34 36 55 102 176 143 --- --- ---
6.3 - Entscheidungen insgesamt (ab 2022 keine Unterscheidung mehr mögl.) 366 477 456 504 679 882 1.166 1.426 2.041
1.650
7. Einreisevorgänge (Beteiligung im Visumsverfahren) 828 929 1.066 1.071 1.041 903 999 1.424 1.680
2.369
8. Duldungen erteilt/erneuert (MI/1 + MI/3) 3.073 3.287 4.301 4.415 4.838 4.100 3.667 2.312 1.986
1.460
9. Aufenthaltsgestattungen für Asylbewerber 5.819 8.851 4.897 3.926 3.601 2.855 1.934 1.751 1.885
1.287
10. Passausstellungen
10.1 Reiseausweis für Flüchtlinge 951 2.577 1.684 1.771 3.111 1.380 1.549 3.328 1.991 1.377
10.2 Reiseausweis für Staatenlose 42 25 40 72 46 27 47 33 30 37
10.3 Reiseausweis für Ausländer 166 165 110 195 251 136 185 181 268 196
11. Verpflichtungserklärungen (positiv) 3.514 2.922 2.817 2.553 2.919 726 807 1.868 2.584
2.485
12. Versagungsbescheide Einbürgerung 14 17 5 8 17 18 117
27 124
13. Ausweisungen 136 183 223 214 252 146 206 197 219 200
Personen/Fälle
2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
14. EU-Verlustfeststellungen (§ 6 FreizügG/EU) 52 64 53 46 41 27 48 35 34
37
15. Versagung von Aufenthaltsgenehmigungen (MI/1 &MI/3) 472 475 406 635 650 306 321 336 369
520
16. Sicherheitsrechtliche Überprüfungen 2.409 3.748 2.487 1.093 1.409 1.382 1.352 1.379 1.663
1.385
17. Abschiebungen 179 133 87 71 80 23 61 43 46 61
18. Abschiebehaftanträge 29 25 25 35 19 17 27 6 23 37
19. Termine beim VG Ansbach (MI/1 & MI/3) 66 37 96 92 125 93 94 94 100
84

20. Ausbildung und Beschäftigung von Asylbewerbern und Geduldeten

2017*) 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Anträge auf Ausbildung von Asylbewerbern, Geduldeten 29 52 73 72 59 44 27 56
- Genehmigte Ausbildungsanträge 8 19 56 49 36 31 25 33
- Erteilte Ausbildungsduldungen (§ 60a Abs. 2 Satz 4 AufenthG, § 60c AufenthG) 2 5 6 32 22 21 3 3
- Abgelehnte Ausbildungsanträge 34 64 11 6 7 5 6 2
Anträge auf Beschäftigung von Asylbewerbern, Geduldeten 212 479 790 647 229 191 202 158
- Genehmigte Beschäftigungsanträge 70 167 368 316 157 134 202 153
- Abgelehnte Beschäftigungsanträge 93 268 136 86 46 20 31 22
Anträge auf Beschäftigungsduldung 0 0 0 9 51 5 19 3
- Erteilte Beschäftigungsduldung 0 0 0 4 9 2 4 0
- Abgelehnte Beschäftigungsduldung 0 0 0 4 10 6 0 0

*) ab 01.08.2017

31.12.2024)

Berichtsvorlage OBM/016/2025

Beratung Datum Behandlung Ziel

Kommission für Integration 24.07.2025 öffentlich Bericht

Betreff:

Vorstellung des Projekts "Nürnberg forscht - Citizen Science in der vielfältigen

Stadtgesellschaft" am Beispiel der Forschungsgruppe "Politische Teilhabe"

Anlagen: Projektüberblick und Zusammenfassung Nürnberg forscht Ergebnisbericht

Bericht:

Das Projekt „Nürnberg forscht – Citizen Science in der vielfältigen Stadtgesellschaft“ wird vom Bildungsbüro der Stadt Nürnberg gemeinsam mit der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus durchgeführt und aus Mitteln des vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) administrierten Asyl-, Migration- und Integrations-Fonds (AMIF) der Europäischen Union kofinanziert. Nürnbergerinnen und Nürnberger mit Zuwanderungsgeschichte erforschen als Laienforschende migrations- und integrationsbezogene Fragestellungen. Die dritte Forschungsgruppe befasst sich mit der politischen Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Nürnberg. Erste Ergebnisse aus Interviews und einer quantitativen Befragung geben Einblick in Beteiligungserfahrungen und mögliche Hürden auf kommunaler Ebene und verdeutlichen den Mehrwert des Citizen-Science-Ansatzes.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Beim Projekt „Nürnberg forscht“ sind insbesondere Nürnbergerinnen und Nürnberger mit Zuwanderungsgeschichte eingeladen, als Laienforschende aktiv mitzuwirken, um ihre Perspektive einzubringen.

  1. Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:

RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Koordinierungsgruppe Integration

Projekt „Nürnberg forscht“ – Projektüberblick und Zusammenfassung der

Ergebnisse der 3. Forschungsgruppe1

1. Einleitung und Projektüberblick

Im Januar 2023 startete das Bildungsbüro der Stadt Nürnberg gemeinsam mit der Akademie Caritas- Pirckheimer-Haus das dreijährige Projekt „Nürnberg forscht – Citizen Science in der vielfältigen Stadtgesellschaft“. Es zielt darauf ab, neue Erkenntnisse zu Migration und Integration in Nürnberg zu gewinnen – und zwar durch den innovativen Ansatz der Bürgerwissenschaft (Citizen Science). Das Projekt ist Teil des EU-finanzierten Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) 2021–2027.

Während Citizen Science in den Naturwissenschaften bereits etabliert ist, steckt sie in den Sozialwissenschaften noch in den Anfängen. Gerade in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern wie Migration bietet dieser partizipative Forschungsansatz jedoch großes Potenzial: Bürgerinnen und Bürger können ihre Alltagsperspektiven einbringen und so neue Impulse für Wissenschaft und Gesellschaft liefern.

Im Mittelpunkt von „Nürnberg forscht“ steht die aktive Beteiligung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Unabhängig von Bildungsgrad oder beruflichem Hintergrund bringen sie ihre persönlichen Erfahrungen in den Forschungsprozess ein. Dabei werden sie wissenschaftlich vom Bildungsbüro und pädagogisch von der Akademie Caritas Pirckheimer-Haus begleitet.

Das Projekt verfolgt mehrere Ziele: Es will das Wissen von Bürgerinnen und Bürgern sichtbar machen und dadurch neue Perspektiven auf Integration eröffnen, die Teilnehmenden in ihren Kompetenzen stärken und langfristig einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen – etwa durch Sensibilisierung für Migrationsthemen, den Abbau von Vorurteilen und die Förderung von Vielfalt. Darüber hinaus soll das Projekt auch andere Citizen Science Initiativen durch seine Methoden und Erfahrungen inspirieren und zur Weiterentwicklung der Integrationspolitik in Nürnberg beitragen.

2. Projektaufbau und partizipative Umsetzung

Das Projekt „Nürnberg forscht“ besteht aus einer zweijährigen Forschungsphase mit vier eigenständigen Forschungsgruppen, in denen Bürgerinnen und Bürger mit Zuwanderungsgeschichte als Laienforschende (Citizen Scientists oder Mitforschende genannt) an sozialwissenschaftlichen Themen zu Integration und Vielfalt in Nürnberg forschen. Jede Forschungsgruppe umfasst etwa sechs Monate und berücksichtigt bewusst die vielfältigen Lebensrealitäten der Citizen Scientists, wie Herkunft, Sprache, Alter und Geschlecht.

Vor Beginn der Forschung werden die Mitforschenden in wissenschaftlichem Arbeiten geschult, entwickeln gemeinsam Forschungsfragen und wählen geeignete Methoden zur Datenerhebung. Die Forschungsmethoden reichen von klassischen Ansätzen wie Interviews und Fragebögen bis hin zu kreativen und partizipativen Formaten wie Photovoice oder Community Mapping. Der Grad der Beteiligung reicht je nach Gruppe von kollaborativ bis ko-kreativ – basierend auf einem dreistufigen Beteiligungsmodell nach Bonney et al. (2009).

1 Ein ausführlicher Forschungsbericht wird zusätzlich im Rahmen der Vorstellung des Projekts „Nürnberg forscht“ in der Kommission für Integration bereitgestellt.

Ein Netzwerk aus städtischen und migrantischen Organisationen sowie ein vielfältig besetzter Projektbeirat begleiten die Arbeit fachlich und kritisch-konstruktiv. Die Ergebnisse jeder Forschungsgruppe werden dokumentiert, veröffentlicht und in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten öffentlich präsentiert. Zusätzlich werden alle Schritte über eine Projektwebseite und einen Instagram-Kanal kommuniziert, um eine breite Sichtbarkeit und nachhaltige Wirkung über Nürnberg hinaus zu ermöglichen.

3. Fallbeispiel: Forschungsgruppe „Politische Teilhabe“

Die dritte Forschungsgruppe des Projekts „Nürnberg forscht“ widmet sich der politischen Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Vor dem Hintergrund empirisch belegter Teilhabelücken – wie geringer Wahlbeteiligung, struktureller Unterrepräsentation und rechtlicher Ausschlüsse – untersuchte das Projekt, inwieweit politische Beteiligung auf lokaler Ebene möglich ist, und welche Barrieren bestehen.

Die Forschungsgruppe bestand aus 14 Teilnehmenden mit diversen Migrationsbiografien. Von November 2024 bis Juli 2025 traf sich die Gruppe regelmäßig, entwickelte gemeinsam die Forschungsfrage „Welche Faktoren beeinflussen politische Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Nürnberg?“ und führte eine quantitative Online-Befragung unter Nürnbergerinnen und Nürnbergern mit Zuwanderungsgeschichte sowie qualitative leitfadengestützte Interviews mit Personen aus der Kommunalpolitik und überregionalen Beratungspraxis durch. Die Mitforschenden waren aktiv in alle Phasen eingebunden – von der Konzeption bis zur Interpretation und Präsentation der Ergebnisse.

Die Analyse erfolgte mithilfe klassischer sozialwissenschaftlicher Methoden. Die qualitativen Interviews wurden transkribiert und anhand eines Codiersystems in vier Hauptkategorien ausgewertet: individuelle, strukturelle, gesellschaftliche und politische Faktoren. Die statistischen Daten aus der Online-Umfrage ergänzen – trotz ihrer eingeschränkten Aussagekraft – das durch die Einzelinterviews gewonnene Bild zur politischen Teilhabe. Insgesamt spiegeln die Ergebnisse Befunde aus der aktuellen Forschung wider

Die Ergebnisse wurden im Sinne des Citizen-Science-Ansatzes sowohl vom Projektteam als auch von den Mitforschenden selbst interpretiert, wodurch unterschiedliche Perspektiven einflossen. Im Folgenden werden die Ergebnisse zusammengefasst dargestellt.

Individuelle Faktoren

Die politischen Wege der Befragten in den Einzelinterviews sind geprägt von vielfältigen Biografien, Migrationserfahrungen und persönlichem Engagement. Oft beginnt ihr politisches Handeln im zivilgesellschaftlichen Raum – ausgelöst durch erlebte Ungerechtigkeit, Anerkennung oder den Wunsch nach Teilhabe. Migration wird dabei sowohl als Herausforderung als auch als Ressource begriffen, die politische Sensibilität und Perspektivvielfalt fördert. Politische Kompetenz entsteht weniger durch klassische Karrieren als durch persönliche Erfahrungen, lokale Themen und alltägliches Engagement. Trotz struktureller Barrieren setzen sich die Interviewten mit unterschiedlichen Zielen für eine gerechtere Gesellschaft ein – von konkreten Projekten bis hin zu umfassende Visionen.

Strukturelle Faktoren

Die im Rahmen der Analyse ausgewerteten Aussagen zeichnen ein differenziertes Bild der politischen Teilhabechancen in Nürnberg. Sie verweisen auf eine Vielzahl von Engagementformen – unter anderem in Parteien, zivilgesellschaftlichen Initiativen, migrantisch geprägten Organisationen sowie im

öffentlichen Raum. Zugleich verdeutlichen sowohl qualitative Rückmeldungen als auch Ergebnisse der Online-Befragung, dass politische Teilhabe wohl nicht für alle gleichermaßen zugänglich ist.

Dabei werden insbesondere strukturelle Rahmenbedingungen thematisiert, die als hemmend oder ausschließend erlebt werden. Genannt werden etwa das eingeschränkte kommunale Wahlrecht, mangelnde Informationsangebote, formale Eintrittshürden in parteipolitische Strukturen sowie institutionell verankerte kulturelle Selbstverständnisse. Diese Faktoren wirken sich nach Einschätzung einzelner Beteiligter negativ auf Teilhabechancen aus.

Die Auswertung gibt zudem Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen politisches Engagement als unterstützend und wirksam erlebt wird. Wiederholt wird hervorgehoben, wie bedeutsam persönliche Ansprache, biografische Anknüpfungspunkte, sichtbare Repräsentation und niedrigschwellige Beteiligungsformate für eine gelingende Teilhabe sein können. Migrantisch geprägte Organisationen nehmen dabei häufig eine vermittelnde Rolle ein – sowohl gegenüber politischen Institutionen als auch in Richtung Stadtgesellschaft. Besonders positive Erfahrungen werden dort benannt, wo politische Strukturen offen für Diversität sind und diese aktiv einbinden – etwa durch transparente Auswahlprozesse, gezielte Nachwuchsförderung, Empowerment-Ansätze oder eine inklusive Kommunikationskultur.

Gesellschaftliche Faktoren

Die Interviewten kommen zu der Einschätzung, dass die gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf politische Teilhabe komplex sind und oft widersprüchlich wirken. Vertrauen müsse aufgebaut, Repräsentanz sichtbar gemacht und gesellschaftliche Kommunikation aktiv gestaltet werden. Nürnberg wird in vielen Aussagen als Stadt mit vergleichsweiser guter Infrastruktur, engagierter Verwaltung und mutigen Initiativen wahrgenommen. Dennoch erkennen die Befragten auch, dass politische Apathie, Angst vor Anfeindung und mangelnde Sichtbarkeit migrantischer Stimmen Herausforderung darstellen – insbesondere in einer zunehmend polarisierten Medienlandschaft. Eine nachhaltige Stärkung von Teilhabe könnte durch eine verstärkte Öffnung politischer Räume, eine breite gesellschaftliche Anerkennung sowie durch digitale Strategien unterstützt werden, die sowohl den Zugang erleichtern als auch verantwortungsvolles Handeln fördern.

Politische Faktoren

Zusammengefasst kommen die Befragten in den Interviews zu folgenden Einschätzungen in Bezug auf die politischen Faktoren: Ob in Nürnberg, Bamberg oder im Rahmen bundesweiter Programme – die Beispiele zeigen, dass politische Teilhabe durch gezielte Maßnahmen nachhaltig gestärkt werden kann. Als besonders wirkungsvoll erachten die Befragten die niedrigschwelligen Beteiligungsformate vor Ort, die eine direkte und unkomplizierte Mitwirkung ermöglichen. Ergänzend dazu spielen ihrer Einschätzung nach individuelle Förderangebote – etwa in Form von Schulungen, Mentoring oder Empowerment-Programmen – eine wichtige Rolle. Auch institutionalisierte Programme mit professioneller Begleitung könnten einen zentralen Beitrag leisten. Darüber hinaus wirke sich eine aktive migrantische Selbstorganisation sowie ein starkes zivilgesellschaftliches Netzwerk förderlich auf politische Mitgestaltung aus. Schließlich trage auch die strukturelle Öffnung politischer Räume – etwa durch Mehrsprachigkeit oder die Einführung von Quotenregelungen – dazu bei, mehr Vielfalt in Entscheidungsprozesse zu bringen.

Fazit und Empfehlung aus den Ergebnissen der 3. Forschungsgruppe

Die Auswertung im Projekt „Nürnberg forscht“ zeigt, dass politische Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte für demokratische Gerechtigkeit und kommunale Integration bedeutend ist. Trotz Fortschritten bestehen weiterhin Barrieren, die eine gleichberechtigte Mitgestaltung erschweren.

Lokale Integrationspolitik, zivilgesellschaftliches Engagement und politische Bildung sind wichtige Faktoren zur Verbesserung.

Die Studie weist darauf hin, dass symbolische Repräsentation und punktuelle Fördermaßnahmen allein begrenzt wirken. Stattdessen sind strukturelle Offenheit, gezielte Ansprache, faire Ressourcenverteilung und transparente Verfahren erforderlich. Der Zugang zu Teilhabe hängt derzeit noch stark von individuellem sozialem Kapital, Sprachkenntnissen und Netzwerken ab.

Empfohlen werden unter anderem der Ausbau politischer Bildung, mehrsprachige Informationsangebote, niedrigschwellige Beteiligungsformate sowie Maßnahmen zur Förderung unterrepräsentierter Gruppen. Ziel ist, politische Vielfalt dauerhaft als festen Bestandteil kommunaler Demokratie in Nürnberg zu etablieren. 4. Potenziale von Citizen Science für Forschung, Verwaltung und Stadtgesellschaft

Das Projekt „Nürnberg forscht“ zeigt exemplarisch das Potenzial von Citizen Science in der Sozialforschung, insbesondere in den Bereichen Migration, Teilhabe und Integration. Durch die aktive Beteiligung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wurden nicht nur Daten erhoben, sondern auch neue Perspektiven sichtbar gemacht und gesellschaftliche Relevanz anerkannt. Der partizipative Ansatz trug zur Stärkung des Vertrauens in kommunale Prozesse bei und regte eine lebensnahe Weiterentwicklung von Maßnahmen an. Auch die Teilnehmenden profitierten durch Kompetenzzuwachs und ein gestärktes Gefühl von Selbstwirksamkeit. Insgesamt macht das Projekt deutlich, dass Citizen Science nicht nur ein methodischer Zugang ist, sondern einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Teilhabe und diversitätssensiblen Verwaltung leisten kann.

Citizen Science in der vielfältigen Stadtgesellschaft

Partizipative Forschung mit zugewanderten Menschen

zu Integrationsthemen in Nürnberg

Ergebnisbericht

„Einflussfaktoren auf die politische Teilhabe von

Nürnbergerinnen und Nürnberger mit

Zuwanderungsgeschichte“

Projekt „Nürnberg forscht“

Inhalt

  1. Einleitung und Projektüberblick .......................................................................................................... 3 2. Projektaufbau und partizipative Umsetzung ....................................................................................... 4 3. Fallbeispiel: Forschungsgruppe 3 „Politische Teilhabe“ ...................................................................... 9 Individuelle Faktoren ......................................................................................................................... 14 Strukturelle Faktoren ......................................................................................................................... 26 Gesellschaftliche Faktoren ................................................................................................................. 44 Politische Faktoren ............................................................................................................................ 55 Fazit und Empfehlung aus den Ergebnissen der 3. Forschungsgruppe ............................................. 59 4. Potenziale von Citizen Science für Forschung, Verwaltung und Stadtgesellschaft ............................ 60 Literaturverzeichnis ............................................................................................................................... 61 Anhang .................................................................................................................................................. 63

1. Einleitung und Projektüberblick

Im Januar 2023 startete das Bildungsbüro der Stadt Nürnberg gemeinsam mit der Akademie Caritas- Pirckheimer-Haus das auf drei Jahre angelegte Projekt „Nürnberg forscht – Citizen Science in der vielfältigen Stadtgesellschaft“. Ziel des Projekts ist es, neue Erkenntnisse über Migration und Integration in Nürnberg zu gewinnen – und zwar durch den innovativen Ansatz der Bürgerwissenschaft, auch bekannt als Citizen Science. Das Projekt ist Teil des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) 2021–2027 und wird von der Europäischen Union kofinanziert.

Citizen Science – Forschung durch Laien

Citizen Science ist insbesondere in den Naturwissenschaften etabliert: Dort engagieren sich interessierte Bürgerinnen und Bürger beispielsweise beim Zählen von Insekten oder Sternen. In den Sozial- und Geisteswissenschaften hingegen steckt dieser Ansatz noch in den Anfängen. Bürgerwissenschaftliche Aktivitäten in der Sozialforschung eignen sich aber sehr gut, um das Wissen von Bürgerinnen und Bürger für die Weiterentwicklung der Gesellschaft zu gewinnen. Gerade in gesellschaftsbezogenen Themenfeldern wie Migration bietet der partizipative Ansatz großes Potenzial: Das Alltagswissen von Bürgerinnen und Bürgern stellt eine wertvolle Ressource dar, die durch Social Citizen Science systematisch erschlossen werden kann. Die Teilnehmenden beobachten gesellschaftliche Entwicklungen in ihrem direkten Umfeld und können auf dieser Basis neue Impulse für die Forschung liefern.

Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte

Im Rahmen von „Nürnberg forscht“ sind insbesondere Nürnbergerinnen und Nürnberger mit Zuwanderungsgeschichte1 eingeladen, als Laienforschende aktiv am Projekt mitzuwirken. Unabhängig von Bildungsstand oder beruflichem Hintergrund bringen sie ihre persönlichen Erfahrungen in die Forschung ein. Sie werden dabei vom Bildungsbüro wissenschaftlich und von der Akademie Caritas- Pirckheimer-Haus pädagogisch begleitet.

Ziele und Nutzen des Projekts

Das Projekt verfolgt mehrere zentrale Ziele:

Mitforschenden wird in den Forschungsprozess eingebunden, um neue Perspektiven auf Integration in Nürnberg zu gewinnen.

aktive Rolle neue Fähigkeiten, lernen wissenschaftliches Arbeiten kennen und reflektieren ihre eigenen Integrationserfahrungen.

Sensibilität für Migrationsthemen, dem Abbau von Vorurteilen und einer größeren Akzeptanz von Vielfalt in Nürnberg beitragen.

Langfristig soll das Projekt nicht nur die Nürnberger Integrationspolitik mit neuen Impulsen unterstützen, sondern auch Wissenschaft und Öffentlichkeit inspirieren – etwa durch die Weitergabe von Erfahrungen und Methoden an vergleichbare Citizen Science Projekte.

1 Die Begrifflichkeiten Zuwanderungsgeschichte, Zuwanderungsbiografie, Migrationserfahrung, Migrationshintergrund usw. bringen verschiedene Konnotationen mit sich und werden abhängig von Kontext und Akteur verwendet. In diesem Bericht werden daher kontextbezogen unterschiedliche Begriffe verwendet.

2. Projektaufbau und partizipative Umsetzung

Citizen Science in vier Forschungseinheiten – Aufbau und Durchführung

Das Projekt „Nürnberg forscht“ gliedert sich in eine zweijährige Forschungsphase, die aus vier eigenständigen Forschungsgruppen besteht. Jede Gruppe umfasst rund sechs Monate und bietet Laienforschenden, die hier als Mitforschende oder Citizen Scientists bezeichnet werden, die Möglichkeit, sozialwissenschaftlich zur Integration und Vielfalt in Nürnberg zu forschen. Die Projektstruktur ermöglicht eine thematische und methodische Vielfalt, wobei die individuellen Lebensrealitäten der Teilnehmenden – insbesondere ihre Zuwanderungsgeschichte, Sprache, Geschlecht oder ihr Alter – gezielt berücksichtigt werden.

Vorbereitung und Qualifizierung

Bevor die eigentliche Forschung beginnt, durchlaufen die Mitforschenden eine Vorbereitungsphase, in der sie grundlegende Kenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens erlernen. Ziel ist es, gemeinsam eine Forschungsfrage zu entwickeln und darauf aufbauend geeignete Methoden zur Datenerhebung auszuwählen. In dieser Phase wird das Projektteam aus Bildungsbüro und der Akademie Caritas- Pirckheimer-Haus von externen Expertinnen und Experten unterstützt, die zusätzlich Fachimpulse zu wissenschaftlichen Themen geben.

Abbildung 1: Aufbau einer Forschungseinheit

Abbildung 3

Methodenvielfalt im Forschungsprozess und Beteiligung

Die konkreten Untersuchungsmethoden und der Grad der Partizipation variieren je nach Forschungsgruppe und hängen unter anderem von Zeitressourcen, Sprachkenntnissen und Vorerfahrungen der Mitforschenden ab. Eingesetzt werden klassische sozialwissenschaftliche Methoden wie:

Daneben kommen auch partizipative und kreative Methoden zum Einsatz, etwa:

Diese breite Methodenpalette ermöglicht einen flexiblen und praxisnahen Zugang zur Forschung.

Wie die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Forschung grundsätzlich gestaltet sein kann, zeigt ein dreistufiges Modell nach Bonney et al. (2009): Kontributive Forschungsprojekte werden von Berufswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern verantwortet, während Citizen Scientists vorrangig als Datensammelnde partizipieren und nur selten Aufgaben der Analyse oder der Weiterverwendung der Ergebnisse übernehmen. In kollaborativen Projekten wird das Forschungsdesign zwar hauptsächlich von Berufswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern formuliert, aber Mitforschende sind an der Spezifizierung des Forschungsdesigns beteiligt sowie mit Datenanalyse und Auswertungsverfahren betraut. Dagegen sind Citizen Scientists in ko-kreativen Projekten in nahezu allen Schritten des Forschungsprozesses involviert.

Tabelle 1: Modell zu den Graden der Beteiligung in Citizen Science2

Abbildung 4

Die Beteiligungsgrad der Forschungsgruppen von „Nürnberg forscht“ reichte von kollaborativ bis kokreativ.

Projektsteuerung

Die Forschungsarbeit wurde von einem im Vorfeld aufgebauten Netzwerk aus städtischen Institutionen, migrantischen Organisationen, Beratungsstellen und wissenschaftlichen Einrichtungen begleitet. Diese Akteure haben ihre Perspektiven in den Forschungsrahmen mit eingebracht. Ein Projektbeirat, der sowohl die vielfältige Stadtgesellschaft als auch die Wissenschaft repräsentiert, unterstützt das Projekt mit kritisch-konstruktiver Beratung über den gesamten Projektverlauf hinweg.

Ergebnisse und Öffentlichkeitsarbeit

Die Ergebnisse jeder Forschungsgruppe werden dokumentiert, veröffentlicht und der Stadtgesellschaft sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Forschungsergebnisse werden aufbereitet und in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten öffentlich präsentiert. Je nach

2 Zur möglichen Aufgabenverteilung innerhalb eines Citizen Science Projekts s. Hippler 2021, S. 10.

Thema und Art der Ergebnisse variiert die Form der Darstellung, um die Inhalte möglichst anschaulich und zielgruppengerecht zu vermitteln.

Beispiel Forschungsgruppe 2 – Frauengesundheit

Die zweite Forschungsgruppe hat ihre Ergebnisse unter anderem in Form eines visuellen Plakats aufbereitet. Dieses Plakat fasst zentrale Erkenntnisse übersichtlich zusammen und ermöglicht so eine leicht verständliche Vermittlung der Inhalte. Das Beispiel zeigt, wie das Projekt die Forschungsergebnisse mit unterschiedlichen Präsentationsformaten abwechslungsreich und verständlich darstellt.

Abbildung 2: Schaubild der wichtigsten Ergebnisse aus der zweiten Forschungsgruppe

Abbildung 5

Darüber hinaus wird der gesamte Forschungsprozess regelmäßig über die eigenen Kommunikationskanäle des Projekts – eine Projektwebseite sowie einen Instagram-Kanal – dokumentiert. Diese digitalen Plattformen ermöglichen es, das Projekt über die Stadtgrenzen Nürnbergs hinaus bekannt zu machen, Anknüpfungspunkte für zukünftige Entwicklungen zu schaffen und einen nachhaltigen fachlichen Wissenstransfer zu fördern.

Alle Ergebnisse und weiterführende Informationen sind auf der Internetseite und im Instagram-Kanal von „Nürnberg forscht“ verfügbar:

Forschungsgruppen im Überblick – Themen & Methoden

Die vier aufeinanderfolgenden Forschungsgruppen arbeiten unabhängig voneinander an einem Schwerpunktthema rund um Integration und Vielfalt in Nürnberg. Die Mitforschenden bringen ihre individuellen Perspektiven und Erfahrungen aktiv ein.

1. Forschungsgruppe (Juli 2023 – Februar 2024): Rassismuserfahrungen in Nürnberg

Die erste Forschungsgruppe (12 Mitforschende) untersuchte Verhaltensstrategien von Menschen, die in Nürnberg Rassismus erleben. Die Gruppe erarbeitete folgende Forschungsfrage: „Welche Verhaltensstrategien entwickeln Menschen in Nürnberg, die von Rassismus betroffen sind?“

Ziel der Studie war es, zu analysieren, wie Betroffene Rassismus wahrnehmen, wie sie damit umgehen, und welche Formen von Unterstützung sie vor Ort suchen oder erhalten. Besonders interessierte dabei

die Frage nach kurzfristigen und langfristigen individuellen Reaktionen auf Diskriminierungserfahrungen.

Methodisches Vorgehen:

Forschung eingeführt.

als Erhebungsmethode.

aus dem Bereich Migration und Integration geführt.

codierten die Transkripte und analysierten sie im Hinblick auf zentrale Themen wie Bewältigungsstrategien, Unterstützungsstrukturen und Handlungsspielräume.

Abbildung 3: Übersicht der Partizipation bei Datenerhebung und -auswertung

Abbildung 6

2. Forschungsgruppe (Februar – Oktober 2024): Frauengesundheit in Nürnberg

Die zweite Gruppe (18 Frauen) widmete sich dem Thema Frauengesundheit mit Fokus auf die Lebenslagen von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in Nürnberg. Sie ging der folgenden Forschungsfrage nach: „Welche Faktoren beeinflussen die seelische Gesundheut von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in Nürnberg? Welche Strategien der Stressbewältigung wenden sie an?“

Zentrale Themen der Gruppe umfassten:

Methodisches Vorgehen:

einem geschützten Raum zu diskutieren und zu analysieren.

Die Ergebnisse sollten Einblicke in Lebensrealitäten geben, die bisher in der kommunalen Gesundheitsdebatte zu wenig berücksichtigt werden.

Abbildung 4: Übersicht der Partizipation bei Datenerhebung und -auswertung

Abbildung 7

  1. Forschungsgruppe (November 2024 – Juli 2025): Politische Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte > s. Kapitel 3. Fallbeispiel: Forschungsgruppe 3 „Politische Teilhabe“

4. Forschungsgruppe (ab Mai 2025): Wahrnehmung kultureller Angebote in Nürnberg

Die vierte und aktuell laufende Forschungsgruppe befasst sich mit Kulturangeboten und kultureller Teilhabe in Nürnberg auseinander. Sie geht der folgenden Forschungsfrage nach:

„Wie werden kulturelle Angebote in Nürnberg von Menschen wahrgenommen?“

Im Zentrum stehen dabei:

Die Gruppe befindet sich noch in der Vorbereitungsphase. Mit einer quantitativen Umfrage auf unterschiedlichen Nürnberger Kulturveranstaltungen sollen Einblicke in die Wahrnehmung, Funktion und Nutzung von lokalen Kulturangeboten gewonnen werden, um damit Aspekte der kulturellen Teilhabe näher zu beleuchten. Die Umfrage richtet an alle Menschen, die in Nürnberg Kulturangebote nutzen.

Empowerment und pädagogische Begleitung

Die pädagogische Begleitung stellte während der gesamten Forschungsarbeit einen zentralen Baustein im Projekt „Nürnberg forscht“ dar. Mitforschenden sollen nicht nur fachlich, sondern auch persönlich in ihrer Rolle als aktive Forschende gestärkt werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit waren strukturierte Einstiege in nahezu jedes Forschungstreffen, sogenannte Warm-ups. Diese kurzen Übungen dienten nicht nur der Auflockerung, sondern erfüllten gezielt pädagogische Funktionen. Sie halfen dabei, einen Übergang vom Alltag in die gemeinsame Arbeit zu schaffen, die Konzentration zu fördern und ein positives Gruppenerlebnis zu ermöglichen.

Bei der pädagogischen Begleitung stand die Förderung des Gemeinschaftsgefühls dabei im Vordergrund. Durch gemeinsame Aktivitäten entstand ein Raum des Vertrauens, in dem sich alle Beteiligten sicher und wertgeschätzt fühlen konnten. Gerade bei sensiblen Themen, bei denen persönliche Erfahrungen und Emotionen eine Rolle spielten, war dieser geschützte Rahmen entscheidend, um Offenheit und Reflexion zu ermöglichen.

Darüber hinaus stärkten gezielte Übungen das Selbstvertrauen und die Ausdrucksfähigkeit der Teilnehmenden. In einem wertschätzenden Umfeld wurde ermutigt, eigene Gedanken und Erkenntnisse zu teilen, sich in Präsentationssituationen auszuprobieren und Verantwortung im Forschungsprozess zu übernehmen. Diese Erfahrungen führten zu einer sichtbaren Entwicklung bei den Mitforschenden – sei es in Form von wachsendem Engagement, steigender Selbstsicherheit oder der Bereitschaft, eigene Ideen und Formate in das Projekt einzubringen.

Im Verlauf der Forschungstreffen war zu beobachten, wie die Teilnehmenden zunehmend aktive Rollen im Projekt übernahmen, bis hin zur eigenständigen Durchführung einzelner Forschungsschritte wie z. B. einer Fokusgruppe. Damit leistete die pädagogische Begleitung einen wichtigen Beitrag zum Empowerment der Mitforschenden – sowohl im Hinblick auf die Forschung als auch auf ihre persönliche Entwicklung.

3. Fallbeispiel: Forschungsgruppe 3 „Politische Teilhabe“

3.1. Einleitung

Die politische Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher und gesellschaftspolitischer Diskussionen gerückt. Angesichts einer Gesellschaft, in der rund 29 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweist (Statistisches Bundesamt 2023), stellt sich die Frage nach gleichberechtigtem Zugang zu politischen Gestaltungsräumen mit besonderer Dringlichkeit. Der aktuelle Forschungsstand zeigt jedoch deutlich: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehen weiterhin erhebliche Teilhabelücken.

Zentral ist hierbei die Differenzierung zwischen elektoraler und nicht-elektoraler Partizipation. Während sich Menschen mit Zuwanderungsgeschichte seltener an Wahlen beteiligen – etwa lag die Wahlbeteiligung 2017 laut dem SVR3 bei Personen mit Migrationshintergrund nur bei 65 % gegenüber 86 % bei Personen ohne Migrationshintergrund –, sind sie im Bereich nicht-elektoraler politischer Aktivitäten (z. B. Demonstrationen, Petitionen, Engagement in Initiativen) oftmals gleich aktiv oder sogar überdurchschnittlich engagiert. Insbesondere die zweite Generation zeigt hier vergleichbare Beteiligungsraten wie die Mehrheitsgesellschaft (SVR-Forschungsbereich 2020).

Ein zentrales Problem bleibt jedoch die strukturelle Unterrepräsentation: Im Bundestag wie in den meisten Landesparlamenten sind Menschen mit Migrationsgeschichte weiterhin deutlich unterrepräsentiert (ca. 12 % Mandatsträgerinnen und -träger im Bundestag gegenüber 29 % Bevölkerungsanteil) (Bergmann; Çelik; Wüst 2024). Auch in zivilgesellschaftlichen Organisationen oder

3 Sachverständigenrat für Integration und Migration

Parteien sind ihre Teilhabechancen oft durch institutionelle Barrieren, Diskriminierungserfahrungen und mangelnde Repräsentanz in Entscheidungsstrukturen eingeschränkt (Dege, Nicke 2022).

Nicht zuletzt wird politische Partizipation durch rechtliche Ausschlüsse erschwert: Rund die Hälfte aller Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland besitzt keine deutsche Staatsbürgerschaft und ist somit von Bundestags- und Landtagswahlen ausgeschlossen (SVR-Forschungsbereich 2020). Gerade auf kommunaler Ebene, wo politische Entscheidungen unmittelbar die Lebensrealität betreffen, kommt der Beteiligung von zugewanderten Menschen daher besondere Bedeutung zu. Hier bestehen – zumindest für EU-Bürgerinnen und -Bürgern – eingeschränkte Wahlrechte; für Drittstaatsangehörige bleiben jedoch auch kommunale Mitbestimmungsmöglichkeiten formal begrenzt.

Gleichzeitig zeigen Studien, dass viele Menschen mit Migrationsgeschichte ihr politisches Engagement gerade auf der lokalen Ebene ausleben – etwa über Selbstorganisationen, Beiräte, Nachbarschaftsinitiativen oder Beteiligungsgremien. Nicht-elektorale Partizipationsformen gewinnen hier an Relevanz und verweisen auf ein erweitertes Verständnis politischer Teilhabe jenseits klassischer Wahlbeteiligung (European Commission 01.04.2025, Wallis 17.09.2018). Dennoch sind auch kommunalpolitische Strukturen häufig durch Exklusionsmechanismen geprägt und reproduzieren gesellschaftliche Ungleichheiten.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Untersuchung der 3. Forschungsgruppe von „Nürnberg forscht“ der politischen Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsbiografie. Die Stadt Nürnberg bietet sich als Untersuchungsfeld in besonderer Weise an: Mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Einwohnerinnen und Einwohnern mit Zuwanderungsgeschichte und einer vielfältigen politischen Landschaft stellt sich die Frage, inwieweit bestehende Beteiligungsstrukturen tatsächliche Teilhabe ermöglichen – oder bestehende Exklusionsmuster fortschreiben. Ziel der Citizen-Science- Studie ist es, über die mit den Forschungsbeteiligten erarbeiteten qualitativen wie quantitativen Zugänge (Interviews und Befragung unter zugewanderten Nürnbergerinnen und Nürnbergern) Einblicke in Erfahrungen, Motive und Hürden politischer Beteiligung auf kommunaler Ebene zu gewinnen und diese vor dem Hintergrund des bundesweiten Forschungsstandes und gemäß des gewählten Forschungsansatzes mit den aktiv beteiligten Mitforschenden kritisch zu reflektieren.

3.2. Forschungsdesign

Das folgende Kapitel stellt den partizipativen Prozess innerhalb des Citizen-Science-Projekts, die Forschungsgruppe der dritten Forschungseinheit sowie das methodische Vorgehen vor.

3.2.1. Partizipative Forschungseinheiten

Entlang des bereits beschriebenen Citizen Science Ansatzes (s. Kapitel 2) wurden die Mitforschenden auch in dieser Gruppe eng in die Forschungsarbeit eingebunden. Der Grad der Partizipation lässt sich daher als kollaborativ bezeichnen.

3.2.2. Forschungsgruppe und -treffen

Im Vorfeld der dritten Forschungseinheit fand eine intensive Akquise durch das Projektteams statt, um Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Nürnberg über das Forschungsprojekt zu informieren und für eine Beteiligung zu gewinnen. Die Bewerbung des Projekts erfolgte über verschiedene migrantische Organisationen, Vereine und Netzwerke sowie öffentliche Internetaufrufe.

An dieser Forschungsgruppe beteiligten sich insgesamt 14 Frauen und Männer im Alter von 21 bis 70 Jahren mit unterschiedlichen beruflichen Werdegängen. Die Teilnehmenden hatten unterschiedliche

Migrationsbiografien. Viele lebten bereits seit Jahrzehnten in Nürnberg, während einige erst vor ein paar Jahren zugewandert sind. Einige haben vor kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Die Forschungsgruppe kam von November 2024 bis Juli 2025 insgesamt zu 18 Forschungstreffen im zweiwöchentlichen Rhythmus zusammen.

Tabelle 2: Forschungsetappen

Nov. 2024 – Feb. 2025

Feb./März 2025

April/Mai 2025

Mai - Juli 2025

Nov. 2024

–

Feb. 2025

Zuwanderungsgeschichte

von leitfadengestützten Interviews

o Durchführung der quantitativen Online-Befragung o Durchführung der leitfadengestützten Einzelinterviews

Mai -

Juli 2025

Nach einem grundlegenden Einblick in sozialwissenschaftliche Methoden und Arbeitsweisen erarbeitete die Gruppe ein gemeinsames Verständnis zum Begriff „Politische Teilhabe“ und beantwortete die Fragen, was darunter zu verstehen ist und welche Formen der Beteiligung es gibt. Im nächsten Schritt sammelten die Mitforschenden sämtliche Fragen, die sie im Kontext einer wissenschaftlichen Untersuchung zur politischen Teilhabe Zugewanderter interessieren würden und ordneten sie einem möglichen Erhebungsverfahren zu. Zur Wahl standen die klassischen Methoden der Sozialforschung: eine quantitative Untersuchung in Form einer standardisierten Befragung oder ein qualitatives Verfahren in Form eines offenen Interviews mit Expertinnen und Experten.

Das Projektteam wertet die von der Gruppe eingebrachten Fragen im Hinblick auf Machbarkeit und passende Methoden aus, um im nächsten Schritt gemeinsam ein leitfadengestütztes Interview und eine Befragung zu entwickeln und die Erhebungen durchzuführen.

Im Anschluss wurden die Daten in den jeweiligen Programmen vom Projektteam ausgewertet und analysiert. Die Mitforschenden erhielten dabei einen detaillierten Einblick in die jeweiligen Auswertungsverfahren und waren vor allem, bei der qualitativen Datenanalyse stärker involviert.

3.2.3. Methodisches Vorgehen

Aufgrund des beteiligungsorientierten Forschungsansatzes und der Gruppenstruktur entschied sich das Projektteam in der dritten Forschungseinheit für einen Methodenmix aus zwei Ansätzen der Sozialforschung:

Diese beiden Methoden bilden die Datenbasis der Studie, die die Forschungsfrage nach den Einflussfaktoren auf die politische Teilhabe von Nürnbergerinnen und Nürnbergern mit Zuwanderungsgeschichte auf kommunaler Ebene beantworten soll. Im Folgenden werden diese Methoden genauer beschrieben.

Tabelle 3: Übersicht über die quantitative und qualitative Datenerhebung und Auswertung

Zeitraum der Datenerhebung 31. März bis 9. Mai 2025

1 Online-Befragung in Lime Survey (2 Pretests) Art der Datenerhebung 6 leitfadengestützte Einzelinterviews

Online-Umfrage: Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aus Nürnberg. N = 123 Hinweis: aufgrund der limitierten Rahmenbedingungen im Projekt ist die Stichprobe selektiv und nicht repräsentativ, die Distribution der Umfrage erfolgte gezielt über lokale migrantische Organisationen, Vereine, Netzwerke und persönliche Kontakte; keine Kontrollgruppe

Interviews: 5 Personen aus der Nürnberger Stadtpolitik und Stichprobe 1 Person aus der überregionalen Beratungspraxis

kommunalpolitische Instanz

im Stadtrat mit eigener Zuwanderungsbiografie

integrationspolitischen Fragen

Auswertung der Umfrage mit SPSS5 / Excel Art der Auswertung Digitale Codierung der Interviews und Auswertung nach Kategorien in MAXQDA6

4 Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns e.V 5 Software für statistische Datenanalyse 6 Software zur computergestützten qualitativen Datenanalyse

Abbildung 5: Übersicht der Partizipation bei Datenerhebung und -auswertung

Abbildung 8

Datenerhebung

Die Entwicklung der Online-Umfrage und der Interview-Leitfänden erfolgte in enger Abstimmung mit den Mitforschenden, die auch die Interviews eigenständig führten. Das Projektteam übernahm im Anschluss die Aufbereitung und Auswertung der quantitativen und qualitativen Daten, bei der die Mitforschenden punktuell durch Feedbackrunden zu Zwischenergebnissen eingebunden wurden.

Analyse

Für die Auswertung der Interviews wurden die Audioaufnahmen der Interviews transkribiert. Auf Grundlage der verschriftlichen Gesprächsprotokolle konnte eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse angelehnt an Kuckartz; Rädiker 2024 durchgeführt werden.

Anhand der Leitfadenstruktur, die eine Auswahl und Abfolge von Themen für die Gespräche vorsah, wurde ein Codiersystem entwickelt. Nach Import in das qualitative Auswertungsprogramm MAXQDA wurden Textabschnitte der Transkripte markiert und folgenden Hauptkategorien codiert, die weitere Subcodes enthalten7:

  1. Individuelle Faktoren 2. Strukturelle Faktoren 3. Gesellschaftliche Faktoren 4. Politische Faktoren

Die Daten aus der in der Software Lime Survey erstellten Online-Befragung wurden bereinigt und in SPSS, einer Software zur statistischen Datenanalyse, importiert und ausgewertet. Die statistischen Daten aus der Online-Umfrage ergänzen trotz ihrer eingeschränkten Aussagekraft das durch die Einzelinterviews gewonnene Bild zur politischen Teilhabe und deuten mitunter Befunde aus der aktuellen Forschung an.

Interpretation der Ergebnisse & Ableitung von Empfehlungen

Die aus der Analyse gewonnenen Ergebnisse wurden vom Projektteam wieder in die Forschungstreffen hineingetragen und transparent gemacht, wie diese zustande gekommen waren. Anschließend setzte sich die Forschungsgruppe in Gruppendiskussionen mit den Ergebnissen auseinander und

7 Das vollständige Codiersystem s. Anhang 2

interpretierten sie aus ihrer eigenen lebensweltlichen Perspektive. Dieser Schritt, der in der klassischen Sozialforschung meist nicht erfolgt, ist ein zentrales Merkmal des Citizen-Science-Ansatzes. Auf diese Weise wurden die Ergebnisse nicht nur aus einer wissenschaftlichen Perspektive vom Projektteam interpretiert, sondern auch von den Mitforschenden selbst, die aufgrund ihrer eigenen Zuwanderungsbiografie einen wertvollen Blickwinkel einbringen. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen aus den Erhebungen lassen sich Empfehlungen ableiten, die in der Schlussbetrachtung am Ende des Kapitels erläutert werden.

3.3. Aktueller Stand der Datenerhebung & erste Beobachtungen

In diesem Kapitel werden exemplarisch zentrale Ergebnisse vorgestellt, um den Mehrwert des Citizen- Science-Ansatzes zu verdeutlichen. Es ist zu beachten, dass die Ergebnisse aufgrund des nichtrepräsentativen Studiendesigns keine statistisch verallgemeinerbaren Aussagen erlauben. Dennoch zeigen sie zentrale Themen, Herausforderungen und Potenziale auf, die als Grundlage für weiterführende Diskussionen und Maßnahmen dienen können.

Die gemeinsame Erarbeitung der Interviewleitfänden und des Umfragebogens verdeutlichen, wie durch die aktive Beteiligung von Laienforschenden mit eigener Zuwanderungsgeschichte relevante Perspektiven sichtbar gemacht und neue Fragestellungen zur Diskussion gestellt werden können.

Die Auswertung des Datenmaterials gibt aufschlussreiche Einblicke darin, wie sich politische Teilhabe auf kommunaler Ebene gestaltet, welche Barrieren bestehen und welche allgemeinen sowie konkreten Maßnahmen zur Förderung des Engagements – auch jenseits der Wahlkabine – als zielführend erachtet werden können.

3.3.1. Einflussfaktoren auf die politische Teilhabe

Im folgenden Abschnitt werden Faktoren dargestellt, die besonders häufig und auch unabhängig von mehreren interviewten Personen (im Folgenden mit „IP“ abgekürzt) benannt wurden. Einige Aussagen aus den geführten Interviews wurden paraphrasiert und zur besseren Lesbarkeit sprachlich geglättet. Inhalt und Aussagekraft bleiben dabei unverändert. Ergebnisse aus der Online-Befragung werden an entsprechenden Stellen ergänzt.

Individuelle Faktoren

Politische Teilhabe der Befragten beginnt nicht erst in Ämtern und Gremien – sie beginnt bei den Menschen selbst: mit ihren Biografien, Erfahrungen, Ressourcen und dem Wunsch, etwas zu bewegen. Gerade für die Studienteilnehmenden mit Zuwanderungsgeschichte ist dieser Weg oft mit besonderen Herausforderungen verbunden. Sie bringen vielfältige Perspektiven, Kompetenzen und Motivation mit, stoßen jedoch in ihrem politischen Alltag immer wieder auf Barrieren, die weit über individuellen Hürden hinausgehen.

Individuelle Faktoren wie Resilienz, soziale Herkunft, Bildung, Sprache, Diskriminierungserfahrungen oder auch die Sichtbarkeit der eigenen Biografie werden als maßgeblich dafür gesehen, ob und wie politische Teilhabe gelingt. Wer sich engagiert, braucht nicht nur Zugang zu Informationen und politischen Strukturen, sondern auch die Kraft, mit Ausgrenzung, Enttäuschung und unausgesprochenen Regeln umzugehen – so die Einschätzung in den Interviews. Die persönlichen Geschichten zeigen, wie politische Beteiligung trotz – oder gerade wegen – dieser Hürden gelingen kann.

Dieser Abschnitt widmet sich den individuellen Perspektiven kommunalpolitisch und zivilgesellschaftlich engagierter Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Er beleuchtet,

welche Faktoren sie motivieren, was sie herausfordert und wie sie ihren Platz in der politischen Landschaft gestalten. Die Einblicke machen deutlich: Politische Teilhabe ist keine rein formale Frage – sie ist zutiefst persönlich und zugleich von gesellschaftlicher Relevanz.

Persönliche Erlebnisse und Hintergründe

Die persönlichen Erlebnisse und biografischen Hintergründe der interviewten Personen zeigen, wie vielfältig die Wege in politisches Engagement sein können – beeinflusst von Herkunft, Zuwanderungserfahrungen, beruflichen Werdegängen, familiären Situationen oder auch von spezifischen Schlüsselereignissen. Sie geben Einblicke in Motivationen, Hürden, Wendepunkte und Lebensentscheidungen, die zur politischen Beteiligung geführt haben oder sie geprägt haben.

1. Biografische Vielfalt als Ressource und Ausgangspunkt

Die Wege in das politische Engagement sind vielfältig – ebenso wie die Hintergründe der Befragten. Einige wurden in Deutschland geboren, andere kamen als Geflüchtete, Ausgesiedelte oder Migrierte aus Ländern wie Eritrea, Iran, Rumänien oder Ungarn. Auch beruflich bringen sie unterschiedliche Perspektiven ein: Sie arbeiten etwa in Wissenschaft, Energie, Verwaltung, Handwerk oder sozialen Projekten.

Der Einstieg in ihr politisches Engagement erfolgte zumeist über zivilgesellschaftliche Aktivitäten. Besonders häufig wurde die Vereinsarbeit als Ausgangspunkt genannt:

„(…) ich bin Mitglied in 14 Vereinen. (…) Und genau dieses war eins der großen Initiativen, warum ich mich in die Stadtpolitik eingebracht habe. Weil ich das erfahren wollte. Wie läuft denn das überhaupt?“ (IP 1)

Auch der berufliche Hintergrund der Befragten wird als identitätsstiftend und politisierend beschrieben. Eine Befragte berichtet etwa:

„Ich bin Vorsitzende der AGABY (…) Beruflich bin ich an der Universität Bamberg bei den Iranisten und Sprachenzentrum.“ (IP 3)

Ebenso prägt die eigene Migrationsgeschichte ihr politische Selbstverständnis– etwa durch den Wunsch nach Teilhabe oder Reaktion auf Ausschluss:

„Ich bin im Nürnberger Stadtrat in der zweiten Wahlperiode (…) Ich habe eine abgeschlossene Berufsausbildung als Handwerksmeister und (…) Diplomingenieur (…) Ich bin auch sehr viel unterwegs bei den kulturellen Veranstaltungen von allen Bevölkerungsgruppen.“ (IP 1)

2. Der lange Weg zum politischen Systemverständnis

Insbesondere die neu zugewanderten Personen schildern, dass es Jahre gedauert hat, die politischen Strukturen in Deutschland zu verstehen. Das betrifft sowohl formale Abläufe (z. B. welche Ebenen gibt es?) als auch strategische Prozesse innerhalb von Parteien:

„Wo ich neu nach Deutschland kam, ich habe zwei, drei Jahre gebraucht, bis ich dann das politische System erstmal verstanden habe. Wie wird gewählt, wofür wird man gewählt und in welchen Ebenen ist man beteiligt und wie groß ist dein Spielraum?“ (IP 5)

Diese strukturellen Barrieren können zu Selbstschutzstrategien führen. Eine befragte Person lehnte politische Ämter bewusst ab – nicht aus Desinteresse, sondern aus Überforderung oder mangelnder Vorbereitungszeit:

„Ich wurde auch nominiert für die Bundestagswahl, ich habe es abgelehnt, weil ich wusste, ich will mich ja nicht verbrennen, weil bis ich mich innerhalb einer Partei jetzt durchboxe, für den Listenplatz und so weiter (…) die Wahlen sind sehr schnell als gedacht da gewesen.“ (IP 5)

3. Migrationshintergrund, Diskriminierung – und Widerstandskraft

Einige Befragte berichten von Diskriminierung – direkt, subtil oder digital. Die Erfahrungen reichen von pauschalen Zuschreibungen („Rucksackdeutsche“ oder „Bombenleger“) über Unwissenheit bis zu massiver Hassrede:

„Ich habe letztes Jahr ein Video geteilt (…) das haben inzwischen fast eine Million Menschen gesehen. (…) Aber es gibt halt nicht nur 15.000 Likes, sondern halt auch irgendwie fast 10.000 Kommentare. Und davon (…) 7.000 Hasskommentare. (…) 40 dieser schlimmsten Fälle wurden zur Anzeige gebracht. (…) 25 davon waren Bots.“ (IP 4)

Auch subtile Unwissenheit über Herkunft hinterlässt Spuren:

„Fragt mich (…) Wo kommst du denn her? Sag ich: „Aus Siebenbürgen komme ich her“ „Da fährst du aber nicht jeden Abend heim?“ (IP 1)

Umso bemerkenswerter ist die Widerstandskraft vieler Befragter. Sie lassen sich nicht entmutigen und engagieren sich weiterhin aktiv – oft mit langjährigem Einsatz in kommunalen Gremien oder Initiativen. Dies deckt sich mit Befunden der aktuellen Forschung: Die quantitativen Daten des Integrationsbarometers des SVR aus dem Jahr 2024 weisen auf einen positiven Zusammenhang von Diskriminierungserfahrungen und politischem Engagement hin8.

4. Identität und politische Rollenvielfalt

Die Mehrheit der Interviewten berichtet, dass sie mehrere Rollen in sich vereinen: als Eltern, Berufstätige, Aktivistinnen, Stadträtinnen oder Parteivorsitzende:

„Ich bin Stadträtin, Mutter, Zuwanderin, Ungarin, Europäerin, Politikwissenschaftlerin, Diversity-Trainerin und Gleichstellungsbeauftragte.“ (IP 2)

Diese Vielfachidentitäten ermöglichen ihnen eine breite Perspektive auf politische Themen – von Gleichstellung über Teilhabe bis zu struktureller Diskriminierung.

5. Motivation und Engagement: Zwischen Frust und Leidenschaft

Frust über gesellschaftliche Missstände, der Wunsch nach Veränderung oder die Erfahrung von Anerkennung stellen in den Interviews eine zentrale Motivation dar, in die Politik zu gehen:

„Ich mache Politik, weil ich Leidenschaft habe, was zu verändern. Und ich bin jetzt motivierter denn je.“ (IP 4)

„Für mich ist es eine große Ehre, dass ich hier eine Chance in der Stadt bekommen habe.“ (IP 4)

Selbst im hohen Alter bleibt der Antrieb bei einem Interviewpartner stark:

„Ich bin 70 Jahre und lasse mich noch einmal aufstellen für die Stadtratsliste. (…) Ich freue mich, dass ich was machen kann für die Bürger, für die Stadt.“ (IP 1)

8 vgl. SVR-Bericht 2024

Zusammenfassung

Biografische Vielfalt, Zuwanderungserfahrungen, beruflicher Hintergrund und individuelle Haltungen prägen den Weg der Interviewten in die Politik auf ganz unterschiedliche Weise. Ihr Engagement entstand häufig im zivilgesellschaftlichen Raum – genährt durch persönliche Betroffenheit, strukturelle Hürden und den Wunsch nach Veränderung.

Erfahrungen von Ausschluss oder Diskriminierung können also ebenso Antrieb für politisches Engagement sein wie Anerkennung und Verantwortung. Das politische Handeln wird dabei weniger als das Ergebnis einer klassischen Karriere als vielmehr Ausdruck gelebter Teilhabe und biografisch gewachsener Kompetenz beschrieben.

Rolle der eigenen Zuwanderungsgeschichte

Die Zuwanderungsgeschichte der Befragten prägt ihr politisches Denken und Handeln auf ganz unterschiedliche Weise. Für einige ist sie der entscheidende Wendepunkt – ein Auslöser für politisches Bewusstsein, für andere eher ein Hintergrundfaktor unter vielen. Dabei reicht das Spektrum von biografischer Selbstermächtigung über das Erleben von Systemwechseln bis hin zur bewussten Abgrenzung gegenüber migrationsbezogener Zuschreibung. Ob als konkrete Motivation oder impliziter Erfahrungshorizont – die eigene Migration wirkt bei den Befragten als stiller Motor politischen Engagements.

1. Migration als biografischer Wendepunkt

Zuwanderungserfahrung wird als gravierenden biografischen Einschnitt, der mit Identitätsfragen, ökonomischen Brüchen und institutionellen Hürden verbunden war, wahrgenommen. Zuwanderung bedeutete oft den Verlust von Sicherheiten – aber auch den Beginn eines neuen, selbstgestalteten Weges:

„Diesen Weg zu gehen, hierher zu kommen mit zwei Masterabschlüssen, mit Berufserfahrung, und dann als Praktikantin anzufangen. (…) Dann ging ich in die Gastronomie jobben nach Feierabend. (…) Ich war einfach so fertig am Feierabend, ein Sprachkurs hätten keinen Sinn gemacht.“ (IP 2)

Auch das Bedürfnis nach Stabilität kann am Anfang von Migrationsbiografien stehen:

„Ich bin ja zugewandert (…) dass man sich erst einmal ein gewisses Polster, ein gewisses Standbein aufbaut. (…) Da sind, glaube ich, fünf, sechs, zehn Jahre vielleicht vergangen.“ (IP 1)

Ein anderer Befragter formuliert die Phase nach der Ankunft als eine Zeit zwischen Ablehnung und Resilienz:

„Ich habe in den letzten zwei, drei Jahren wirklich (…) die A[…]karte gehabt. Über meine Herkunft wurde geredet, über mein Telefon (…) ich war als Bombenleger da. (…) Ich bin hier, hier ist mein neues Zuhause. (…) Und ich bin jetzt der Vorsitzende und vertrete diese über 50 % Menschen in Nürnberg.“ (IP 5)

2. Politische Sensibilität durch Herkunft aus Diktatur oder Einparteiensystem

Einige Befragte betonen, dass ihr politisches Engagement wesentlich durch die Herkunft aus autoritären oder einparteilichen Systemen geprägt sei. Die Konfrontation mit Repression, Zensur oder mangelnder Meinungsfreiheit habe ein starkes Bewusstsein für demokratische Rechte und Freiheiten geschaffen:

„Ja, also meine Einwanderungsgeschichte spielt eine sehr große Rolle. Ich bin aus einem Land gekommen, wo es nur eine Partei gab. Quasi aus einer Diktatur. Und mir war schon immer wichtig, dass man mehrere Meinungen hat.“ (IP 1)

Diese Herkunftserfahrungen führen bei der befragten Person zu einer besonderen politischen Wachsamkeit – sowie zu der Motivation, demokratische Räume aktiv mitzugestalten und gegen deren Gefährdung einzutreten.

3. Migration als Motor für Engagement

Die meisten Befragte schildern, dass sie gerade wegen ihrer Zuwanderungsgeschichte politisch aktiv wurden. Die eigene Erfahrung mit gesellschaftlicher Marginalisierung oder mit Integrationshürden wurde zum Antrieb für Engagement in Vereinen, Beiräten oder Parteien:

„Meine Idee mit dem Verein war, dass ich ein kleines Projekt da etabliere (…) Und das Projekt wurde so groß, dass ich dieses Jahr einen Mosaik-Preis bekommen habe (…) Es fing immer klein an. (…) Ich will Menschen helfen, engagieren, motivieren.“ (IP 5)

Eine andere Person beschreibt die persönliche Erfahrung als Schlüssel zur politischen Glaubwürdigkeit:

„Was ich versuche (…) tatsächlich durch meine eigene Zuwanderung (…) hier die ganzen Schwierigkeiten mit der Integration zu erleben. (…) Es macht einen Unterschied, ob man das selbst erlebt hat oder ob man es nur erzählt bekommt.“ (IP 2)

Diese Form der biografischen Politisierung gehe mit einem tiefen Verständnis für gesellschaftliche Teilhabeprozesse einher – und stärkt das Bedürfnis, selbst strukturelle Barrieren abzubauen.

  1. Strategien der Abgrenzung oder Integration: Zwischen Herkunft und gesellschaftlicher Agenda

Während Zuwanderungserfahrungen häufig prägend für den politischen Weg waren, betonen einige Befragte auch eine bewusste Abgrenzung von einer rein herkunftsbezogenen Zuschreibung. Statt sich ausschließlich als „migrantisch“ positionieren zu lassen, betonen sie universelle politische Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Bildung:

„Ich habe eigentlich immer tunlichst vermieden, mich zu reduzieren auf das Thema Migration. (…) Mir ging es immer um eine Agenda: Chancen für alle. (…) Weil mein Ansatz immer auch eher ein sozialer oder sozialdemokratischer, im besten Wortsinne war.“ (IP 4)

In dieser Haltung zeigt sich auch eine strategische Selbstverortung: Die Migrationserfahrung ist Teil der Biografie – aber nicht das Zentrum ihrer politischen Identität:

„Auf jeden Fall. (…Es ist nicht selbstverständlich mit meiner Geschichte, dass ich da bin, wo ich heute stehe. Und dennoch stehe ich hier.“ (IP 4)

Zusammenfassung

Die Interviewaussagen verdeutlichen die Vielschichtigkeit individueller Zuwanderungserfahrungen und deren Bedeutung für politisches Engagement. Für einige stehen migrationsbedingte Erfahrungen im Zentrum ihres Engagements, für andere sind sie Teil einer komplexen Identität, in der Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Bildungschancen im Vordergrund stehen. Migration wird dabei nicht ausschließlich als Herausforderung beschrieben, sondern vielfach auch als Ressource – etwa im Sinne einer erweiterten Perspektivenvielfalt, einer erhöhten politischen Sensibilität sowie eines vertieften Verständnisses für Teilhabe und Mitbestimmung. In mehreren Schilderungen wird deutlich, wie aus

persönlichen Erfahrungen mit gesellschaftlichen Ausschlüssen ein starkes demokratisches Selbstverständnis und Verantwortungsgefühl erwachsen kann.

Zugänge zur Politik: Einstiegspunkte und erste Erfahrungen

Die Wege in politisches Engagement der Befragten sind vielfältig – von frühzeitiger Mitbestimmung in der Schule über zivilgesellschaftliche Vereinsarbeit bis hin zu biografischen Auslösern. Es wird größtenteils von einem schrittweisen, oft ungeplanten Einstieg, der über persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Themen oder Anerkennung im Ehrenamt verlief, berichtet. Parteipolitisches Engagement erfolgte häufig später – auf der Grundlage zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, beruflicher Netzwerke oder konkreter Anliegen.

1. Einstieg durch Schule und Jugendorganisationen

Für einige Interviewte begann das politische Interesse bereits in der Schulzeit – über Rollen wie Klassensprecher oder die Mitwirkung in Schülervertretungen. Diese Erfahrungen wurden im Rückblick als prägend beschrieben, da sie demokratische Prozesse erfahrbar machten und erste Selbstwirksamkeit vermittelten:

„Der Funke, der mein politisches Engagement entzündet hat, war tatsächlich, als ich zum Kollegstufensprecher bei mir am Gymnasium gewählt wurde. [...] Da gab es ein Thema, was uns sehr bewegt hat, und zwar gab es Klassenfahrten zu einem Atomkraftwerk. (…) eine kleine Initiative in der Schule gestartet, dass es keine Fahrten mehr an Kernkraftwerke gibt. Wir haben eine Podiumsdiskussion veranstaltet (…) und dann hat das funktioniert. Seitdem gab es das nicht mehr.“ (IP 4)

„Wir waren eine der ersten Schüler*innen-Mitverwaltung, die wir gegründet haben in meiner Heimatstadt. Und wir haben uns tatsächlich organisiert mit möglichst allen Schulen (…) Wir sind in andere Schulen gegangen und haben sie unterstützt (…) Und im Nachhinein, also, das war für mich mega prägend: Also, diese Art zu denken, auch sich zu trauen, sich zu organisieren“ (IP 2)

2. Engagement über zivilgesellschaftliche Vereine

Aber auch ein Ehrenamt kann in die Politik führen insbesondere durch das Engagement in migrantischen, kulturellen oder sozial engagierten Vereine. In diesen Strukturen lassen sich eigene Projekte umsetzen, Sichtbarkeit schaffen und erste politische Wirksamkeit erleben, wie ein Befragter aufzeigt:

„Meine Idee mit dem Verein war, dass ich ein kleines Projekt da etabliere und dann initiiere und dann über meinen Werdegang rede. Das Projekt wurde so groß, dass ich dieses Jahr den Mosaik-Preis bekommen habe. Es fing immer klein an (…) Ich will Menschen helfen, engagieren, motivieren.“ (IP 5)

Viele Studien weisen ebenfalls einen positiven Effekt des Ehrensamtes bzw. des Engagements in ziviloder gesellschaftlichen Vereinen auf die politische Teilhabe nach. Van Deth 2001, S. 214 weist darauf hin, dass auch explizit nichtpolitisches Engagement – z.B. in einem Sportverein – mit politischer Partizipation positiv zusammenhängen kann.9 Auch die Autoren der Studie des SVR kommen in ihrer Zusammenfassung zu dem Schluss, dass „wer sich zivilgesellschaftlich engagiert, auch politisch aktiv(er) (ist)“ und fordern zugleich, dass im Interesse der demokratischen Bürgergesellschaft und des

9 Für einen Überblick vgl. van Deth 2001, S. 200–202; im Hinblick auf die kommunale Ebene vgl. van Deth 2016

sozialen Zusammenhalts dies im Rahmen der politischen Bildung, der Integrationspolitik sowie der Engagementpolitik berücksichtigt werden (sollte)“. (SVR-Forschungsbereich 2020, S.4)

3. Biografiebezogene Themen als Auslöser

Das politische Engagement der Befragten wurzelt auch in persönlicher Betroffenheit – etwa durch Diskriminierung, Migrationserfahrungen oder mangelnde gesellschaftliche Anerkennung. Diese Erfahrungen führten zur bewussten Entscheidung, aktiv zu werden und Strukturen zu verändern:

„Über meine Herkunft wurde geredet (…) ich wurde als Bombenleger bezeichnet (…) Hier ist mein neues Zuhause und hier will ich Fuß fassen (…) Ich bin jetzt der Vorsitzende und vertrete diese über 50% Menschen in Nürnberg und versuche für die Regularien zu vereinfachen und für deren Interesse die Stadtverwaltung und den Stadtrat beraten.“ (IP 5)

„Ich hatte dann schon gehört, dass also Vertriebenen-Politik und Aussiedler-Politik in der Stadt eher wenig, auch in der Gesellschaft eher weniger Gehör fand (…) haben wir es zustande gebracht, dass im Lehrplan der Schulen auch die Vertriebenen- und Aussiedler-Politik mitberücksichtigt wird.“ (IP 1)

4. Parteipolitischer Einstieg – spät, aber engagiert

Die Mehrheit der Interviewten trat erst nach längerer zivilgesellschaftlicher oder beruflicher Aktivität in eine Partei ein. Häufig ging es dabei weniger um Karriereplanung, sondern um gezielten Einfluss auf politische Entscheidungen:

„Ich war nicht gleich nach der Aussiedlung in der politischen Partei. Irgendwann bin ich einem Ortsverband eingetreten und habe mich mehr mit Politik beschäftigt (…) Die erste Kandidatur war 2008 (…) da bin ich nicht reingekommen (…) 2014 bin ich dann in den Rat reinkommen.“ (IP 1)

„Ich bin 2010 bei den Jusos eingetreten. Ein Jahr später war ich Vorsitzender (…) Das war so ein Generationswechsel (…) Und zwei wollten, also ein Kollege und ich, und danach gab es eben eine Kampfkandidatur darüber.“ (IP 4)

5. Erfahrungen im Herkunftsland als Ressource

Einige Befragte brachten bereits politische Erfahrungen aus ihrem Herkunftsland mit – etwa durch Schülervertretungen, NGO-Arbeit oder Tätigkeiten in staatlichen Institutionen. Diese Erfahrungen wirkten bewusstseinsbildend und unterstützten spätere Aktivitäten in Deutschland:

„In Ungarn war ich Klassensprecherin in der Schüler*innen-Selbstverwaltung. [...] Wir haben uns organisiert, andere Schulen unterstützt, eine Dachorganisation gegründet. Im Nachhinein war das mega prägend.“ (IP 2)

„In Ungarn habe ich im Außenministerium gearbeitet, ich war Beamtin (…) das war hochpolitisch, gerade in der Umbruchszeit von 2008 bis 2012.“ (IP 2)

6. Bedeutung zivilgesellschaftlicher Anerkennung

Nicht selten war es eine konkrete Auszeichnung, ein Vorbild oder ein Netzwerk, das den Übergang vom zivilgesellschaftlichen Engagement zur formellen politischen Rolle der Interviewten markierte. Diese Anerkennungen stärkten Selbstvertrauen und Legitimitätsgefühl:

„Also ich habe 2016, 17, 18 oder 19, sogar 2020 nicht die Idee gehabt, was aus meiner Zukunft wird oder wie das Ganze weitergeht. Aber klein angefangen und irgendwann Step by Step größer geworden (…) Jetzt bin ich Vorsitzender.“ (IP 5)

Zusammenfassung:

Das politische Engagement der befragten Personen entwickelte sich in vielen Fällen nicht aus langfristigen Plänen, sondern aus konkreten Alltagserfahrungen: dem Erleben gesellschaftlicher Missstände, persönlicher Betroffenheit oder dem Wunsch, das direkte Lebensumfeld mitzugestalten. Institutionen wie Schule, Vereine und zivilgesellschaftliche Organisationen wurden dabei wiederholt als bedeutende Orte politischer Sozialisation benannt. Sie bieten niedrigschwellige Mitbestimmungsmöglichkeiten, fördern Verantwortungsübernahme und stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Anerkennung – etwa in Form von Auszeichnungen, durch Vorbilder oder über bestehende Netzwerke

übernehmen. Parteipolitisches Engagement setzt bei vielen Interviewten erst zu einem späteren Zeitpunkt ein und gründet häufig auf individuellen biografischen sowie gesellschaftlichen Erfahrungen.

Die Vielfalt der beschriebenen Einstiegswege verdeutlicht: Politische Handlungsfähigkeit entsteht nicht ausschließlich im Rahmen klassischer Karrierepfade, sondern vielfach durch persönliche Geschichten, lokale Anliegen und aktives Engagement im Alltag

Herausforderungen im politischen Alltag

Der politische Alltag stellt die engagierten interviewten Personen vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Diese reichen von strukturellen und kommunikativen Hürden über Rollenkonflikte bis hin zu Frustration durch institutionelle Trägheit. Besonders sichtbar werden in den Interviews die Spannungen zwischen Idealismus und Realpolitik, zwischen Partizipationsanspruch und Machtdynamiken sowie zwischen persönlicher Betroffenheit und systemischer Resistenz gegenüber Veränderung.

1. Themenzugang, Repräsentation und strukturelle Hürden

In den Interviews zeigt sich, dass bestimmte lebensnahe Themen wie Bildungsbenachteiligung, überlastete Verwaltungsstrukturen oder Herausforderungen im Bereich Digitalisierung aus Sicht einiger Befragter in politischen Gremien nicht ausreichend berücksichtigt werden. Es entsteht der Eindruck, dass Anliegen, die für viele Menschen im Alltag eine zentrale Rolle spielen, im öffentlichen Diskurs nicht die notwendige Aufmerksamkeit erhalten. Parallel dazu werden bürokratische und digitale Hürden als erschwerend erlebt. Online-Verwaltungsangebote gelten teils als wenig benutzerfreundlich oder schwer auffindbar, insbesondere für Personen mit eingeschränkten Sprachkenntnissen oder ohne institutionelle Vorerfahrung.

„Wie könnten die politischen Parteien sich öffnen für die Menschen? Die sagen immer wieder, uns fehlen diese Menschen. Aber die Menschen sind da. Man muss nur über die Themen reden, wovon die betroffen sind, und deren Themen auf die Tagesordnung bringen und darüber mit denen zusammen zu einer Entscheidung kommen.“ (IP 5)

„Aber Klima, Wirtschaft, Schulsystem, Behörden – wie überlastet die Stadtverwaltung ist –, darüber redet keiner. Digitalisierung, wo sind wir hängen geblieben? [...] allein mein Nürnberg, wie man schafft, einen Antrag zu finden, puh, kann man stundenlang drüber reden.“ (IP 5)

„Weil wir wissen ja, das führt zu dauerhaften Problemen in deren Leben. Zu Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Gewalt. Das alles kenne ich aus meinem Umfeld. [...] Aber es ist für mich weniger meine Herkunft, sondern eher die soziale Realität.“ (IP 4)

2. Politische Kultur und interne Machtverhältnisse

Besonders deutlich treten Probleme in der politischen Kultur zutage. Neue Akteure berichten von „ungeschriebenen Regeln“, die ihnen nicht bekannt sind, aber von langjährigen Mitgliederinnen und Mitgliedern eingefordert werden. Diese informellen Strukturen wirken ausgrenzend:

„Eigentlich habe ich nichts anderes gemacht als mein Mandat ausgeübt, zum Beispiel das Rederecht Gebrauch gemacht. Aber es gibt die geschriebenen und die ungeschriebenen Regeln. Und die ungeschriebenen Regeln wussten wir nicht – und sie waren uns auch egal. [...] Dann kamen halt diese alten, langjährigen, nicht nur Männer, die uns erklärten, wie wir uns zu verhalten hätten. Das hat die Situation nur weiter eskaliert.“ (IP 2)

Diese paternalistischen Dynamiken verstärkt das Gefühl von struktureller Ungleichheit – insbesondere für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte:

„Also es ist schwer als Frau in der Politik, es ist schwer als migrantische Person in der Politik und als Migrantin ist das nicht doppelt, [...] es multipliziert sich.“ (IP 2)

3. Emotionale Belastung und Erwartungsdruck

Politik wird nicht nur als sachlich herausfordernd, sondern auch emotional belastend erlebt. Der Umgang mit Widerständen, die Notwendigkeit strategischer Zurückhaltung sowie die Spannung zwischen öffentlicher Wirkung und innerer Überzeugung erfordern viel emotionale Arbeit:

„Ich setze mich für meine Ziele ein und lasse mich nicht mit jedem Nein abspeisen. Ich komme dann vielleicht noch einmal – und noch einmal. [...] Aber man kann nicht jedes Ziel erreichen. [...] Irgendwann muss man halt auch akzeptieren, dass es nicht möglich ist.“ (IP 1)

„Auch das respektvolle Miteinander ist eine Herausforderung.“ (IP 1)

Besonders Frauen beschreiben den Druck, gleichzeitig konfrontativ und deeskalierend auftreten zu müssen – was viel Selbstkontrolle verlangt.

4. Spannung zwischen Machtanspruch und Gemeinwohlorientierung

Einige Befragte thematisieren die Ambivalenz von Macht: Sie sei notwendig für Veränderung, werde aber auf kommunaler Ebene häufig überhöht wahrgenommen. Kommunalpolitik wird hier als „Politik für Menschen“ und nicht als Karrieresprungbrett beschrieben. Die Herausforderung besteht darin, Gestaltungsspielräume auszuschöpfen, ohne zynisch oder machtfixiert zu agieren:

„Geht es nicht um Macht? Ja, wahrscheinlich schon, aber ganz ehrlich: das wird, finde ich, total überbewertet [...], weil gerade hier auf der kommunalen Ebene geht es um die Menschen.“ (IP2)

5. Fraktionslogik und strategische Positionierung

Ein weiterer Aspekt des politischen Alltags ist die Notwendigkeit, sich innerhalb der eigenen Fraktion und im interfraktionellen Raum strategisch zu positionieren. Die Gestaltungsspielräume variieren je

nach Fraktionsgröße, parteipolitischem Kontext und Legislaturphase. Erfolgreiches politisches Handeln wird als das Beherrschen politischer „Spielzüge“ beschrieben – was wiederum ein hohes Maß an Erfahrung, Analyse und Taktik voraussetzt:

„Es gibt natürlich politische Strategien, Fraktionsstrategien, Verhaltensweisen. Es ist unterschiedlich am Anfang der Legislatur, in der Mitte und jetzt ein Jahr vor der Kommunalwahl [...] Und da muss ich auch auf meine Fraktion achten. Meine Fraktion ist schon sehr vielfältig, und das ist auch bereichernd, aber auch herausfordernd.“ (IP 2)

„Da auch zu experimentieren: Welchen Ton schlägt man ein? Wann haue ich drauf? oder wann versuche ich verständnisvoll jemanden abzuholen? [...] am Ende bleibt Politik ein Spiel [...] Was heute so groß zu sein scheint, ist morgen kein Thema mehr.“ (IP 2)

Fazit

Der politische Alltag ist geprägt von strukturellen Barrieren, informellen Ausschlussmechanismen und emotionaler Belastung. Besonders für neue Akteurinnen und Akteure ist das politische Feld ein komplexes Terrain voller unausgesprochener Regeln, Machtansprüche und systemischer Trägheit.

Und dennoch: Die interviewten Personen zeigen bemerkenswerte Resilienz, strategische Klugheit und ein starkes Verantwortungsgefühl. Gerade in der bewussten Auseinandersetzung mit diesen Hürden entsteht politische Handlungsfähigkeit – getragen von Erfahrung, Idealismus und dem festen Willen zur Veränderung.

Ziele und gewünschte Veränderungen

Die Interviewten formulieren ein breites Spektrum an persönlichen Zielen, politischen Anliegen und Veränderungswünschen – von struktureller Gleichberechtigung bis hin zur kommunalpolitischen Detailverbesserung. Getragen wird dies von einem klaren Willen, Verantwortung zu übernehmen, gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und Vielfalt auf allen Ebenen aktiv mitzugestalten:

„Mir hat es nie gereicht, einfach nur einem Job nachzugehen und Geld zu verdienen – ich wollte tatsächlich mal einen Unterschied machen, etwas bewegen.“ (IP 4)

1. Ziel: Gleichberechtigte Teilhabe aller in der Stadtgesellschaft

Der Wunsch nach einer „Stadt für alle“ zieht sich wie ein roter Faden durch viele Aussagen. Es geht dabei nicht nur um formale Gleichstellung, sondern um das aktive Mitgestalten der Stadt – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Aufenthaltsstatus. Die Befragten fordern eine Stadtgesellschaft, in der Vielfalt nicht nur anerkannt, sondern politisch und strukturell abgebildet wird:

„Alle, die hier leben, egal woher sie kommen, egal welche Hautfarbe, egal welche sexuelle Orientierung – alle sind Nürnbergerinnen und Nürnberger. Und jeder hat die Möglichkeit – und das erwarte ich auch –, seine Stadt mitzugestalten. Das ist keine Einbahnstraße.“ IP 6)

2. Wunsch nach strukturellen Veränderungen – Parteien müssen sich öffnen

Ein wiederkehrendes Anliegen der Befragten ist die strukturelle Öffnung politischer Parteien für bisher unterrepräsentierte Gruppen. Die Haltung, Diversität entstehe „von selbst“, wird dabei als unzureichend kritisiert. Stattdessen brauche es aktive Strategien – von gezielter Ansprache über Mentoring bis hin zu verbindlichen Quoten. Sichtbare Vielfalt in Parteien gilt nicht nur als Repräsentationsfrage, sondern als Bedingung für glaubwürdige demokratische Teilhabe:

„Ich werbe dafür, aber auch meine Partei hat da sicherlich noch Nachholbedarf. [...] Wir müssen alle mit abdecken. Wenn wir ein Nürnberg für alle sein wollen, müssen auch alle in den Parteien willkommen sein.“ (IP 6)

„Mir als Parteivorsitzender ist es dann zum Beispiel auch für Listenaufstellungen jetzt wichtig, dass wir gezielt Menschen [...] mit bestimmtem Hintergrund ansprechen. Also das heißt nicht warten, bis die kommen, sondern auch gezielt ansprechen.“ (IP 4)

Einige gehen noch weiter und fordern verbindliche Quotenregelungen – nicht als Einschränkung, sondern als Ermöglichung von Teilhabe:

„Meine feste Überzeugung: Quoten funktionieren. [...] Das ist der einzige Grund, warum wir jetzt überhaupt ein Drittel Frauen in Parlamenten haben.“ (IP 4)

Daraus ergeben sich konkrete Maßnahmenvorschläge wie strategisch divers besetzte Listen, Mentoring-Programme oder Quoten nach dem Vorbild der Frauenförderung. Ziel ist eine Parteistruktur, die gesellschaftliche Realität widerspiegelt – und nicht von ihr abgekoppelt bleibt.

3. Ziel: Demokratie stärken – Integrationspolitik als Querschnitt

Einige Befragte formulieren den Wunsch nach einer politischen Kultur, die nicht nur Vielfalt zulässt, sondern sie aktiv fördert. Migration soll nicht länger nur in Krisen oder unter Problemdruck thematisiert werden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil demokratischer Stadtpolitik verstanden werden. Gefordert wird ein Perspektivwechsel – weg von punktueller Integrationspolitik, hin zu einem gesamtgesellschaftlichen Verständnis von Teilhabe, Repräsentation und politischer Verantwortung:

„In Allgemeinheit würde ich mir wünschen, dass Migration nicht als Nischenthema gilt – so nach dem Motto: Wir reden darüber, sobald es ein Thema wird. Sondern man muss es aktuell auf die Tagesordnung setzen.“ (IP 5)

„Vielfaltsgestaltung, wo Integrationspolitik, wo Flüchtlingspolitik ein Teil davon ist. Aber es ist eigentlich viel mehr […] dass es ein gesamtgesellschaftliches Thema ist.“ (IP 2)

In diesem Verständnis der Befragten bedeutet Demokratie nicht nur freie Wahlen, sondern auch eine dauerhafte Beziehungsarbeit – in Stadtteilen, Vereinen und Alltagskontexten. Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik müssen enger zusammenwirken, um Beteiligung tatsächlich wirksam und inklusiv zu gestalten.

4. Migration als Querschnittsthema – kein Nischenanliegen

Einzelne Befragte fordern, Migration nicht länger als isoliertes Thema zu behandeln, sondern als festen Bestandteil aller kommunalen Politikbereiche zu verankern. Es gehe um Empowerment, Gleichstellung und Menschenrechte – als verbindende Leitlinien für die Gestaltung einer inklusiven Stadt. Integrationspolitik sei nicht mehr nur ein „Themenfeld“, sondern eine Querschnittsaufgabe, die Arbeit, Bildung, Wohnen, Kultur und Beteiligung gleichermaßen betreffe:

„Ob das meine Arbeit gegen Rechtsextremismus ist oder Empowerment für Migrant*innen oder Gleichstellungsarbeit, das sind alles Menschenrechte. Mir ist es wichtig, dass wir diesen Titel Stadt des Friedens und der Menschenrechte wirklich glaubwürdig vorantreiben.“ (IP2)

„Integrationspolitik ist Stadtpolitik. […] Migration ist kein Sonderthema.“ (IP 5)

5. Ziel: Zugänge erleichtern – politische Bildung & aktive Ansprache

Einige Befragte weisen darauf hin, dass gute Ansätze wie Welcome Center oder Beteiligungsformate nur dann Wirkung entfalten, wenn sie mit echter Vernetzung, praktischer Unterstützung und langfristigem Engagement verbunden sind. Informationsangebote allein reichen nicht – gefragt ist ein aktives Zugehen auf Menschen, politische Bildung auf Augenhöhe und konkrete Hilfestellung beim Einstieg in Beteiligungsprozesse:

„Allerdings nützt uns nicht, wenn wir irgendwo ein Büro machen und schön Welcome Center draufschreiben und 25 Flyer verteilen.“ (IP 1)

„Dieser Ansatz, wir gehen jetzt in die Stadtteile, was jetzt auch die Stadtspitze macht, ist richtig. Mir fehlt aber noch das konkrete Konzept dazu, wie wir das auch rückbinden mit der Politik, die wir in der Stadt machen.“ (IP 4)

6. Ziel: Empowerment und Sichtbarkeit durch eigene Biografie

Manche der Befragten setzen bewusst ihre persönliche Geschichte und gesellschaftliche Positionierung als politisches Werkzeug ein. Ihre eigene Biografie – etwa als Frau, als Mensch mit Zuwanderungserfahrung oder ohne deutschen Pass – wird zur Brücke zwischen Institutionen und unterrepräsentierten Gruppen. Sie nutzen ihre Sichtbarkeit, um politische Teilhabe greifbar zu machen, Irritationen produktiv zu wenden und neue Zielgruppen authentisch anzusprechen:

„Ich bin keine deutsche Staatsbürgerin – und habe ein Mandat […] Lebensrealitäten durch meine Person sichtbar zu machen […] Viele sind verblüfft […] das bewirkt einfach viel mehr, als wenn man das abstrakt erzählt.“ (IP 2)

„Das zur Verfügung zu stellen, dadurch tatsächlich auch Zielgruppen besser, schneller, authentischer ansprechen zu können.“ (IP 2)

7. Ziel: Vertrauen aufbauen statt Politik verkaufen

Politisches Engagement lebt von Glaubwürdigkeit. Mehrere Befragte betonen, dass es nicht darum gehe, politische Entscheidungen rhetorisch zu verpacken oder zu „verkaufen“, sondern darum, Vertrauen in demokratische Prozesse aufzubauen. Gerade in einer vielfältigen Stadtgesellschaft brauche es ehrliche Kommunikation, die auf Dialog, Transparenz und echtes Zuhören setzt – statt auf PR und Imagepflege:

„Und da ist es mir wichtig, nicht um die Entscheidungen der Stadt schönzureden und zu verkaufen, sondern Vertrauen zu bilden, dass wir darauf Einfluss nehmen können und dass wir das auch tun.“ (IP 2)

  1. Vielfalt soll sich auch im Stadtrat spiegeln:

Der Wunsch nach gerechter politischer Repräsentation steht für viele Befragte nicht nur symbolisch, sondern ganz praktisch im Zentrum ihrer politischen Ziele. Wenn über die Zusammensetzung demokratischer Gremien gesprochen wird, geht es den Interviewten längst nicht mehr nur um einzelne Stimmen, sondern um die Frage, ob politische Institutionen die tatsächliche Vielfalt der Stadtgesellschaft widerspiegeln:

„Mein Traum ist eigentlich irgendwann, dass wir fast schon gar keinen Integrationsrat mehr brauchen, außer natürlich für die, die jetzt kein direktes Wahnsinnrecht haben, weil der Stadtrat ein Spiegelbild der Stadtgesellschaft ist“ (IP 1)

„Unsere Bevölkerung, unsere Stadtbevölkerung ist Vielfalt pur […] das müssen Parteien und der Stadtrat widerspiegeln.“ (IP 1)

Zusammenfassung

Die individuellen Ziele der Befragten zeigen eine große Spannbreite – von konkreten Veränderungsvorhaben in der Kommunalpolitik bis hin zu strukturellen und kulturellen Visionen für eine gerechtere Stadtgesellschaft.

Zukunftsvision

Ein Nürnberg, in dem Vielfalt Alltag ist – und sich in der Repräsentation, in Parteien, in der Verwaltung und in politischen Entscheidungsprozessen konsequent abbildet:

„Ich denke, das sind wichtige Investitionen in die Zukunft. Jeder Cent, den wir in Teilhabe und politische Bildung stecken, kommt vielfach zurück.“ (IP 3)

Zusammenfassung der individuellen Faktoren

Die politischen Wege der Befragten sind geprägt von vielfältigen Biografien, Zuwanderungserfahrungen und persönlichem Engagement. Oft beginnt ihr politisches Handeln im zivilgesellschaftlichen Raum – ausgelöst durch erlebte Ungerechtigkeit, Anerkennung oder den Wunsch nach Teilhabe. Migration wird dabei sowohl als Herausforderung als auch als Ressource begriffen, die politische Sensibilität und Perspektivvielfalt fördert. Politische Kompetenz entsteht weniger durch klassische Karrieren als durch persönliche Erfahrungen, lokale Themen und alltägliches Engagement. Trotz struktureller Barrieren setzen sich die Interviewten mit unterschiedlichen Zielen für eine gerechtere Gesellschaft ein – von konkreten Projekten bis hin zu umfassende Visionen.

Strukturelle Faktoren

Politische Teilhabe ist für die Befragten ein zentraler Maßstab für demokratische Gleichstellung – doch ihrer Einschätzung nach ist sie in Deutschland stark an rechtliche, institutionelle und kulturelle Voraussetzungen gebunden. Für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gebe es in diesem Kontext besondere Herausforderungen: Nicht alle hätten Zugang zu Wahlen oder Parteistrukturen, nicht alle würden angesprochen oder vertreten, und nicht alle fänden in etablierten Institutionen Räume für ihre Themen.

Die Interviews mit den Expertinnen und Experten sowie Ergebnisse aus der Online-Befragung geben Einblick in strukturelle Faktoren, die politische Beteiligung ermöglichen oder begrenzen können – auf kommunaler Ebene, in Parteien, zivilgesellschaftlichen Räumen oder durch das Wahlrecht. Anhand ausgewählter Aussagen aus den Interviews werden Barrieren und Potenziale sichtbar: Von fehlender Ansprache in Parteien oder Informationen über Beteiligungsformate über die Wirkung des kommunalen Wahlrechts bis hin zu biografisch motiviertem Engagement in zivilgesellschaftlichen Kontexten. Dabei wird deutlich: Politische Teilhabe scheint kein automatischer Prozess, sondern ein Zusammenspiel aus rechtlichen Rahmenbedingungen, kultureller Offenheit und gezielter Unterstützung zu sein.

Hürden für politische Partizipation

Der Zugang zur politischen Teilhabe ist nach Einschätzung der Befragten für viele Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung durch vielfältige strukturelle Barrieren erschwert. In den Interviews werden institutionelle, soziale, sprachliche, rechtliche und kulturelle Barrieren, die den Zugang zu politischen Gremien, Parteien und Ehrenämtern erschweren, beleuchtet. Die Aussagen weisen auf individuelle Erfahrungen, systemische Defizite sowie gesellschaftliche Ausschlüsse, die selbst bei hohem Engagement spürbar bleiben, hin. So wurde zum Beispiel von einer Befragten beschrieben:

„Mandatsträgerin zu werden – da ist dann die Decke sehr schnell da. Ich bin zumindest halb privilegiert. Ich bin nur zweiter Klasse, nicht dritter Klasse, weil ich EU-Bürgerin bin und somit ist für mich zumindest der Weg in die Kommunalpolitik offen.“ (IP 2)

1. Rechtliche und institutionelle Zugangshürden

Ein wiederkehrender Punkt, der von den Interviewten angeführt wird, ist der Ausschluss nicht eingebürgerter drittstaatsangehöriger Personen vom politischen Mandat. Während EU-Bürgerinnen und Bürger zumindest auf kommunaler Ebene mitwirken können, bleibe der Zugang zu Landes- und Bundespolitik ohne deutsche Staatsbürgerschaft dauerhaft versperrt – selbst bei politischem Engagement oder fundierter fachlicher Kompetenz:

„Ich habe im Landtagswahlkampf programmatisch mitgearbeitet – das darf ich. Aber Mandatsträgerin zu werden, das geht nicht.“ (IP 2)

Die politischen Rechte hängen wohl nicht vom Engagement oder der Kompetenz ab, sondern seien allein vom Aufenthaltsstatus abhängig – eine Regelung, die als unzeitgemäß empfunden wird.

2. Parteistrukturen und interne Barrieren

Einige Befragte thematisieren die Schwierigkeit, in politischen Parteien Fuß zu fassen – besonders ohne langjähriges Engagement im Vorfeld oder parteinahe Netzwerke. Parteiinterne Prozesse gelten hier als schwer zugänglich und wenig unterstützend. Neue Mitglieder, insbesondere Neuzugewanderte oder Menschen mit Fluchterfahrung, erleben Konkurrenzdruck, Intransparenz und mangelnde Orientierung:

„Wenn man nicht in der Jugendpartei war, ist der Einstieg sehr schwer – vor allem als neues Gesicht ohne Netzwerk.“ (IP 5)

„Ohne Support, ohne Rückenstärkung – sehr schwierig.“ (IP 5)

Hinzu kommen nach Ansicht der Befragten Hürden durch informelle Machtstrukturen. So schilderte eine Person:

„Ich glaube, […] der Zugang ist nicht immer einfach […] da muss man sich auch behaupten.“ (IP 6)

3. Sprachliche und kommunikative Barrieren

Sprachkenntnisse wurden wiederholt als entscheidende Zugangsvoraussetzung benannt – nicht nur für die alltägliche Teilhabe, sondern auch für politisches Engagement. Die rein deutschsprachige Kommunikation in Verwaltung, Gremien oder Anträgen wirke für viele abschreckend:

„Alles ist auf Deutsch […] Aber muttersprachliche Angebote sind auch wichtig.“ (IP 5)

Kritisch wurde zudem die Kürzung von Sprachförderangeboten angesprochen:

„Sprachförderung werden gekürzt. Das verschärft das Problem.“ (IP 5)

4. Diskriminierung und soziale Exklusion

Einzelne Befragte schildern direkte und indirekte von Diskriminierungserfahrungen in politischen Kontexten – sei es durch Geringschätzung, Mikroaggressionen oder „Mansplaining“. Besonders betroffen scheinen sich junge, migrantische und weibliche Personen zu fühlen:

„Wir wurden einfach bloßgestellt […] „Ihr seid neu, ihr seid jung, ihr seid weiblich, migrantisch“. Und dann: „Okay, jetzt erkläre ich das mal, wie das hier läuft.“ (IP 2)

Solche Erfahrungen werden nicht nur verletzend beschrieben, sondern könnten auch dazu führen, dass sich engagierte Menschen aus politischen Prozessen zurückziehen oder gar nicht erst einbringen.

5. Lebensrealitäten und fehlende Ressourcen

Politisches Engagement erfordere Zeit, Stabilität und mentale Kapazität – Voraussetzungen, die vielen Menschen mit prekären Lebenslagen verwehrt bleiben. Wer Care-Arbeit leiste, mehrere Jobs habe, mit Wohnungssuche oder psychischen Belastungen kämpfe, habe oft keinen Raum für ehrenamtliche oder politische Arbeit:

„Solange ich nicht weiß, wie ich über die Runden komme, ist kein Ehrenamt möglich – und auch kein politisches.“ (IP 2)

Ein weiterer Punkt stelle der zusätzliche Aufwand, den Ehrenamt im politischen Bereich bedeute, dar:

„Politisches Ehrenamt erfordert nicht nur Zeit für das Tun, sondern auch Zeit zum Nachdenken.“ (IP 2)

Die aus der Online-Umfrage gewonnenen Daten zeigen, dass die Häufigkeit des politischen oder zivilgesellschaftlichen Engagements der Studienteilnehmenden offenbar von der Art des Engagements abhängt. Ein Großteil der Befragten gab an, sich selten bis nie aktiv zu beteiligen. Höhere Beteiligungsraten wurden bei unverbindlicheren Formen wie Petitionen, Bürgerinitiativen sowie Demonstrationen und Protesten genannt. Demgegenüber war das Engagement in formelleren Strukturen – etwa in gesellschaftlichen Organisationen oder politischen Parteien – deutlich seltener.

Abbildung 6: Engagement außerhalb von Wahlen, N = 111

Beteiligung an Petitionen Teilnahme an Engagement in Engagement in politischen und Bürgerinitiativen Demonstrationen oder gesellschaftspolitischen Organisationen (z.B. Protesten Organisationen Parteien) (Greenpeace, Amnesty International, Gewerkschaften)

Selten bis nie häufig regelmäßig

Zwei Drittel der Online-Befragten haben weder eine Mitgliedschaft in einer Partei noch Organisation.

Abbildung 7: Mitgliedschaften in Organisationen, Parteien Vereinen, o.ä., in Prozent, N = 109

Abbildung 9

38,5

61,5

keine Mitgliedschaft in Organisationen Mitglied in mindestens einer Organisation

Neben dem zeitlichen und persönlichen Aufwand könnten auch bürokratische oder andere Hürden eine Rolle spielen.

6. Misstrauen, mangelnde Erfahrung und Informationsdefizite

Menschen, die aus autoritär geprägten Ländern stammen oder negative Verwaltungserfahrungen gemacht haben, können laut Interview-Aussagen ein Grundmisstrauen gegenüber staatlichen Strukturen mitbringen. Dieses Misstrauen könne mit fehlendem Wissen über politische Prozesse einhergehen:

„Wenn man die Parteien nicht kennt, wenn man die Programme nicht kennt, wenn man das politische Geschehen insgesamt nicht kennt, auch aufgrund von sprachlichen Barrieren zum Teil, oder weil man einfach neu ist und dann einfach keine Informationen hat. Das kann dazu führen, dass man eben auch sich nicht daran beteiligt?“ (IP 3)

„Natürlich verstehe ich auch, wenn man jahrelang aus einem System kommt, wo der Staat eher Bedrohung darstellt und nicht die schützende Hand“ (IP 6)

Ein weiterer Faktor, der politische Distanz verstärken kann, ist der Mangel an leicht zugänglicher politischer Bildung sowie an erreichbaren Ansprechpersonen. Auch die Ergebnisse der Online-Umfrage deuten darauf hin: Auf die Frage nach Hürden für politisches Engagement außerhalb von Wahlen nannten die Befragten am häufigsten fehlende Kontakte zu engagierten Personen und mangelndes Wissen über bestehende Beteiligungsmöglichkeiten.

Abbildung 8: Was erschwert Ihnen die Teilnahme an Wahlen oder anderen politischen Aktivitäten (Demonstrationen, Petitionen, Bürgerinitiativen, Gemeinde-/Vereinsarbeit, o.ä.) in Nürnberg? (Mehrfachantworten möglich)

Mir fehlen Kontakte zu Personen, die sich engagieren

Ich weiß nicht, wie ich mich beteiligen kann

Ich fühle mich ausgeschlossen, nicht willkommen

Ich darf nicht wählen

Ich weiß zu wenig über Politik

Ich verstehe zu wenig Deutsch

0 5 10 15 20 25 30 35

Für die Befragten der Online-Umfrage stellen ein fehlendes Wahlrecht und Sprachbarrieren als eher nachrangige Hürden für politisches Engagement dar. Eine Erklärung hierfür könnte die Zusammensetzung der (nicht repräsentativen) Stichprobe sein: 85 Prozent der 123 Befragten sind selbst (oder mindesteins ein Elternteil) vor 2016 zugewandert, 65 Prozent besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft (davon 29 Prozent mit einer doppelten) und 62 Prozent haben einen Hochschul- /Universitätsabschluss (s. Anhang 2: Soziodemographie).

Hervorzuheben ist, dass der Großteil der von der Umfrage erreichten Personen politisch hoch interessiert ist und die meisten der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht bei den letzten Wahlen Gebrauch gemacht haben.

Abbildung 9: Generelles Interesse an Politik oder politischen Themen, N = 123

2%

15%

37%

46%

sehr stark stark wenig gar nicht

Tabelle 4: Wahlbeteiligung bei den letzten Bundestags-, EU und Kommunalwahlen

Häufigkeit Gültige Prozent Kumulative Prozente
Bundestagswahl 2025
Gültig Wählende Nicht Wählende Nicht wahlberechtigt Keine Angabe/Weiß Nicht Gesamtsumme Fehlend -99,00 Gesamtsumme Wählende 77 64,7 64,7
4 34 4 119 4 123 3,4 28,6 3,4 100,0 68,1 96,6 100,0
EU_Wahl 2024
Gültig Wählende Nicht Wählende Nicht wahlberechtigt Keine Angabe/Weiß Nicht Gesamtsumme Fehlend -99,00 Gesamtsumme Wählende 67 59,8 59,8
11 28 6 112 11 123 9,8 25,0 5,4 100,0 69,6 94,6 100,0
Kommunalwahl 2020
Gültig Wählende Nicht Wählende Nicht wahlberechtigt Keine Angabe/Weiß Nicht Gesamtsumme Fehlend -99,00 Gesamtsumme Wählende 64 56,1 56,1
11 28 11 114 9 123 9,6 24,6 9,6 100,0 65,8 90,4 100,0

Nichtsdestotrotz lassen sich mögliche Gründe für eine geringe nicht-elektoralen Partizipation der Befragten erkennen. Eine Ursache dürfte in der oben bereits erwähnten Unkenntnis darüber liegen, auf welche Weise ein politisches Einbringen möglich ist. Zudem zeigen die Daten, dass vielen Befragten nicht bekannt ist, welche Unterstützungsangebote es gibt, die politisches Engagement erleichtern könnten (s. dazu Grafik „Kenntnis über Hilfen“ in Kapitel „Unterstützungsmaßnamen“).

7. Zivilgesellschaft unter Druck

In den Interviews wird herausgestellt, dass viele politisch aktive Menschen ihren Einstieg in die Politik über zivilgesellschaftliche Organisationen finden. Doch gerade diese Strukturen stehen laut den Befragten zunehmend unter Druck – etwa durch veränderte Förderlogiken, politische Skepsis oder Angriffe auf ihre Gemeinnützigkeit:

„Die Gemeinnützigkeit wird in Frage gestellt […] Verfahren werden komplizierter – das trifft migrantische Vereine besonders hart.“ (IP 3)

„Wenn wir hier sparen, verlieren wir langfristig viel mehr […] Das sind Investitionen in unsere Demokratie.“ (IP 3)

Ohne stabile zivilgesellschaftliche Strukturen seien viele Brücken zur politischen Partizipation nicht tragfähig.

Fazit

Die strukturellen Hürden für politische Teilhabe werden in den Interviews als komplex und ineinander verschränkt beschrieben – sie können hiernach von rechtlichen Ausschlüssen über sprachliche und

parteiinterne Barrieren bis zu sozialen Ausschlüssen, Ressourcenmangel, Informationsdefizite und einer unter Druck stehenden Zivilgesellschaft reichen.

Unterstützungsmaßnahmen für politische Teilhabe in Nürnberg

In diesem Abschnitt werden Aussagen zusammengefasst, die sich mit strukturellen Bedingungen und Unterstützungsmaßnahmen zur Förderung politischer befassen. Der Fokus liegt auf formellen und informellen Zugängen, institutionellen Strukturen, Barrieren sowie gezielten Empowerment- Maßnahmen. Die Aussagen aus den Einzelinterviews geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen und bestehende Herausforderungen in Nürnberg.

1. Kommunale Beteiligungsformate

Aus den Interviews gehen einige Beteiligungsformate hervor, die die Stadt Nürnberg anbietet und sich auf die Einbindung aller Nürnbergerinnen und Nürnberger – unabhängig vom Einbürgerungsstatus – anzielen. Niederschwellige Angebote wie Bürgerversammlungen, digitale Dialogformate oder mobile Beteiligung durch Stadtteilrundgänge mit politischer Begleitung werden als innovative Zugänge wahrgenommen:

„Wir haben mobile Bürgerversammlungen – man kann mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren und direkt sagen: Hier fehlt ein Kindergarten, hier ein Nahversorger. Auch digitale Beteiligung gibt es – für alle, die wenig Zeit haben.“ (IP 6)

Solche Formate werden als Möglichkeit gesehen, konkrete Anliegen direkt an Entscheidungsträgerinnen und -trägern heranzutragen und die lokale Identifikation mit demokratischen Prozessen zu stärken.

2. Sprachliche und kulturelle Barrierefreiheit

Mehrsprachigkeit und interkulturelle Öffnung sind für die interviewten Personen grundlegende Voraussetzungen für inklusive politische Beteiligung. Im Nürnberger Rat für Integration und Zuwanderung (kurz: Integrationsrat) werde beispielsweise gezielt darauf geachtet, Informationen in mehreren Sprachen bereitzustellen:

„Bei uns im Integrationsrat versuchen wir alles auf mehrere Sprachen anzubieten – das merkt man auch, weil die Menschen werden dann dadurch mehr aktiver.“ (IP 5)

Darüber hinaus wird die Wichtigkeit betont, bei Informationsangeboten auch migrantische Perspektiven einzubeziehen und bewusst sprachliche Barrieren zu abzubauen:

„Die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten selbst, in diesen Prozessen der Informationsangebote könnte wichtig sein – nicht nur als Zielgruppe, sondern auch als Mitgestaltende.“ (IP 3)

Einen Anhaltspunkt liefern die Daten aus der Online-Umfrage: Den Befragten waren Angebote, die helfen würden, sich zu engagieren, kaum bekannt.

Abbildung 10: Kenntnis über unterstützende Angebote, N = 87

In den offenen Antworten gaben viele Befragte an, dass sie sich mehr Informationen und eine gezieltere Ansprache wünschen würden, um sich politisch beteiligen zu können:

Informationen über die Möglichkeiten, die es gibt.“

Engagement“

sollen allen zur Verfügung gestellt werden.“

Kommunalpolitik“

Mitmachmöglichkeiten (z. B. online) Weniger Parteienstreit, mehr Sachlichkeit [,] Vertrauenswürdige Politiker[innen und Politiker]“

3. Formale Rahmenbedingungen und rechtliche Entwicklungen

Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts – insbesondere die Zulassung der doppelten Staatsbürgerschaft und die Verkürzung von Wartezeiten – wird als wichtiger struktureller Fortschritt für politische Teilhabe benannt. So wird hervorgehoben:

„Durch die Annahme der doppelten Staatsbürgerschaft und kürzere Wartezeiten gibt es neue Möglichkeiten. Damit entstehen auch Beteiligungsrechte – das ist eine positive Entwicklung.“ (IP 3)

Diese rechtlichen Entwicklungen stärken laut den Befragten die Grundlage für politische Mitwirkung – auf kommunaler ebenso wie auf Landes- und Bundesebene.

4. Empowerment und Mentoring

Persönliche Förderung, Vorbilder und politische Bildungsprogramme wurden mehrfach als Schlüssel für nachhaltige Teilhabe benannt. Ein Beispiel ist hier das Mentoring durch erfahrene Kommunalpolitikerinnen und -politikern:

„Unser jetziger Bürgermeister […] war mutig genug, um zu sagen, er möchte auf junge Kräfte setzen. Da war ich noch 25 alt […] und habe damals einen sehr, sehr guten Listenplatz bekommen.“ (IP 4)

Programme wie Young Up10 oder die Politik Akademie der Vielfalt Aktiv für eine vielfältige Demokratie 11 gelten als gelungene Formate zur Nachwuchsförderung. Eine befragte Person erläutert:

„Young Up war explizit für Bayern – weil man gemerkt hat: Im Landtag fehlen junge Stimmen, migrantische Stimmen […] und vom Verein aus konnten wir zwei, drei Menschen hinschicken.“ (IP 5)

5. Zugang zu Parteien und Repräsentation

Die Erfahrungen mit Parteizugängen sind unterschiedlich: Einige schildern positive Erfahrungen mit gezielter Förderung, andere berichten von wenig Unterstützung und fehlender Relevanz ihrer Themen. So sagt eine Person:

„Ich habe Glück, dass ich in einer Partei bin, die sich Vielfalt auf die Fahne geschrieben hat […] Und zum anderen müssen die Parteien tatsächlich dran. Und nicht nur mit Statuten, sondern tatsächlich auch mit Listenplätzen.“ (IP 2)

Eine andere interviewte Person beschreibt, wie politische Chancen durch persönliche Ansprache möglich wurden:

„Menschen haben mir Chancen gegeben – mich unterstützt. Ich habe Nürnberg immer als Stadt kennengelernt, in der man eine zweite oder dritte Chance bekommt.“ (IP 4)

Gleichzeitig wird thematisiert, dass manche Anliegen als „nicht aktuell“ abgewertet werden:

„Sobald ich mich bewerbe, heißt es: Deine Themen sind gerade nicht so heiß. Migration ist im Trend, aber über Klima, Wirtschaft, Schulsystem, Verwaltung […] darüber redet keiner.“ (IP 5)

Fazit

Die Auswertung der vorliegenden Studie zeigt, dass die Stadt Nürnberg über ein vielfältiges Spektrum an Beteiligungsformaten verfügt, die politische Teilhabe grundsätzlich fördern können. Besonders positiv bewertet werden kommunale Beteiligungsangebote, jüngste rechtliche Entwicklungen im Staatsangehörigkeitsrecht sowie überregionale Empowerment-Programme. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass strukturelle Barrieren fortbestehen – etwa beim Zugang zu politischen

10 Bei „Young Up“ handelt es sich um ein Projekt des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats (BZI). Es unterstützt junge BIPoC, sich politisch zu beteiligen (BZI 2022). 11 „Politik Akademie der Vielfalt Aktiv für eine vielfältige Demokratie“ ist ein weiteres Projekt des BZI, das darauf abzielt, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte die Politik näher zu bringen (BZI 2021).

Parteien, in der Sichtbarkeit migrantischer Perspektiven sowie bei der thematischen Repräsentation in politischen Diskursen:

„Ich glaube, wir müssen viel mehr informieren – über Möglichkeiten, sich einzubringen […] Und Vorurteile abbauen. Parteien in Deutschland sind anders, als viele sie aus Herkunftsländern kennen.“ (IP 2)

Wahrnehmung von Vielfalt in politischen Strukturen

Die Repräsentation gesellschaftlicher Vielfalt in politischen Strukturen ist laut den Interviews ein Gradmesser für demokratische Teilhabe und Gleichwertigkeit. Besonders auf kommunaler Ebene – etwa in einer Stadt wie Nürnberg, in der über 50 % der Bevölkerung eine Zuwanderungsgeschichte haben – stelle sich die Frage, ob sich diese Diversität in politischen Gremien, Verwaltung und Parteien angemessen widerspiegelt. Die vorliegenden Aussagen thematisieren, wie Vielfalt aktuell wahrgenommen wird, welche Fortschritte es gibt, aber auch, wo strukturelle und kulturelle Hürden weiterhin bestehen.

1. Fortschritte bei Diversität in politischen Gremien

Einige Stimmen würdigen positive Entwicklungen – insbesondere auf kommunaler Ebene. So wird etwa die Zusammensetzung der Nürnberger Grünen-Stadtratsfraktion explizit als Beispiel hervorgehoben:

„Die Hälfte hat Zuwanderungsgeschichte – und die Hälfte sind auch Frauen. Das war ganz bewusst so gewollt.“ (IP 2)

Auch in der Stadtverwaltung werde seit Jahren strukturiert an migrationsbezogenen Themen gearbeitet:

„Ich beobachte, dass die Stadtverwaltung an den Themen, die mit Migration zu tun haben, seit Jahren sehr gute Arbeit leistet.“ (IP 3)

Diese Entwicklungen werden insgesamt als positives Signal gewertet, wobei gleichzeitig betont wird, dass weitere Schritte notwendig sind:

„Haben wir wirklich da eine sehr gute Entwicklung, wobei Luft nach oben immer da ist […] damit man sieht, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auch an der Leitungsposition dann irgendwann vertreten sind.“ (IP 5)

2. Wahrnehmung von Vielfalt als Anspruch und Spiegel der Realität

Vielfalt wird zunehmend als demokratischer Anspruch verstanden. Bei einer Stadtbevölkerung mit über 50 % Zuwanderungsgeschichte sei es nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, dass sich dies auch in politischen Entscheidungsstrukturen widerspiegelt:

„Unsere Stadtbevölkerung ist Vielfalt pur […] und das muss sich auch im Stadtrat widerspiegeln.“ (IP 6)

Dabei wird auch angemerkt, dass sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Vielfalt insgesamt gewandelt habe:

„Ich fühle selbst, dass in der Gesellschaft dieses Thema diskutiert wird […] anders angekommen ist, wie ich es damals empfunden habe.“ (IP 1)

3. Unterschiede zwischen Parteien

In den Aussagen der befragten Personen zeigen sich Unterschiede im Engagement der Parteien für strukturelle Vielfalt. Einzelne Parteien werden dabei als aktiver in der Umsetzung entsprechender Maßnahmen wahrgenommen. So werden beispielsweise die Grünen von einer interviewten Person als besonders engagiert beschrieben – unter anderem aufgrund bestehender Empowerment-Strukturen, geschützter Räume innerhalb der Partei und spezifischer Vielfaltsregelungen:

„Ich sag mal, die Grünen sind da Vorreiter […] Wir haben Empowerment-Netzwerke, wir haben Safer Spaces innerhalb der Partei […], aufgrund von Vielfaltsstatut, Frauenstatut […] unsere Ansprüche […] durchsetzen.“ (IP 2)

Gleichzeitig wird betont, dass diese Entwicklungen verstetigt und langfristig verankert werden müssten:

„Aber jetzt kommt es darauf an, ob wir das wirklich so nachhaltig installieren können. […] Das sei jetzt erstmalig, aber hoffentlich nicht einmalig.“ (IP 2)

4. Fehlende Teilhabe bei relevanten Diskursen

Trotz erkennbarer Fortschritte werden weiterhin Defizite in der tatsächlichen politischen Teilhabe gesehen – insbesondere im Kontext migrationsbezogener Themen. Eine Interviewaussage bringt diese Einschätzung deutlich zum Ausdruck:

„Es wurde über Menschen mit Migrationsbezug geredet – aber nicht mit ihnen.“ (IP 5)

Ein anderer Beitrag verweist auf problematische Diskursmuster in Parteien:

„Dass auch in allen demokratischen Parteien […] Thema Migration […] in einen sehr schwierigen, problematischen Diskurs eingebettet ist, das mir wirklich große Sorgen macht.“ (IP 3)

5. Fehlende Anerkennung spezifischer Perspektiven

Obwohl Diversität stärker wahrgenommen wird, erfahren die spezifischen Anliegen einiger Gruppen, darunter queere Menschen, junge Erwachsene und Menschen mit Fluchterfahrung, weiterhin nicht immer die gebührende Beachtung:

„Am Landtag sehen wir 53 Prozent Menschen sind über 45 bis 60 Jahre alt […] Es gibt Menschen mit Migrationsbezug, Fluchterfahrung, queere Menschen […] warum fehlt die Beteiligung? Weil deren Themen wird nicht ernst genommen.“ (IP 5)

Ein anderer Fokus richtet sich auf Themen wie Bildung und soziale Teilhabe:

„Der Fokus muss klar auf Zukunftsinvestitionen liegen, auf Bildung […] auf dem Thema Jugend […] Obdachlosigkeit, Thema Menschen mit Fluchtgeschichte […]“ (IP 4)

Fazit

Die Wahrnehmung von Vielfalt in politischen Strukturen ist differenziert: Einerseits zeigen sich positive Entwicklungen, wie vielfältigere Fraktionen, Empowerment-Initiativen innerhalb der Parteien und eine erhöhte Sensibilität gegenüber migrationspolitischen Themen. Andererseits werden weiterhin Herausforderungen herausgestellt: Menschen mit Zuwanderungsgeschichte seien nach wie vor unterrepräsentiert, würden häufig auf spezifische Themenfelder beschränkt, und ihre Perspektiven würden nicht immer umfassend berücksichtigt. Zudem bleibe die strukturelle Verankerung von Vielfalt

Gegebenheiten zurück.

Anteil von Politikerinnen und Politikern mit Zuwanderungsgeschichte

Die Interviewaussagen weisen darauf hin, dass trotz einzelner Fortschritte weiterhin strukturelle Hürden bestehen könnten und die politische Teilhabe möglicherweise nicht vollständig dem gesellschaftlichen Potenzial entspricht.

1. Unterrepräsentation trotz Fortschritten

Einige Befragte betonen, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Nürnberger Politik – insbesondere in Führungspositionen – weiterhin vergleichsweise selten vertreten sind. Positive Entwicklungen, etwa im Stadtrat, werden zwar wahrgenommen, doch insgesamt wird die Repräsentation als noch unausgewogen eingeschätzt:

„Menschen mit Migrationshintergrund sind unterrepräsentiert, sind außen vor in manchen Bereichen, aber fehlen auch einfach in diesem Diskurs, weil sie nicht selbst teilnehmen.“ (IP 5)

Ein anderer Beitrag stellt fest:

„Es ist Realität, dass in den Spitzenfunktionen in der Nürnberger Stadtverwaltung oder in der Nürnberger Stadtpolitik eigentlich der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund viel niedriger ist als der an der Stadtgesellschaft.“ (IP 4)

Gleichzeitig wird anerkannt, dass es durchaus Fortschritte gibt, etwa bei der Zusammensetzung des aktuellen Stadtrats:

„Wir sind 14 Stadträtinnen und Stadträte – und die Hälfte hat Zuwanderungsgeschichte.“ (IP 2)

2. Repräsentation stärkt politische Beteiligung

Sichtbare Vorbilder in der Politik können als identitätsstiftend wahrgenommen werden und das politische Engagement fördern – insbesondere für Personen, die sich bisher nur wenig repräsentiert fühlten:

„Wir beobachten, dass Wahlbeteiligung steigt, wenn Menschen bei Wahlen Kandidatinnen und Kandidaten sehen, mit denen sie sich identifizieren – etwa aus der eigenen Community.“ (IP 3)

Die Befragten der der Online-Umfrage, die bei der letzten Kommunalwahl gewählt haben (N=64), sehen ihre Interessen durch den Nürnberger Stadtrat mittelmäßig bis gut vertreten.

Abbildung 11: Haben Sie das Gefühl, dass die Stadträtinnen und Stadträte in Nürnberg Ihre Interessen ausreichend vertreten? N = 64

stark bis sehr stark mittel wenig bis gar nicht

Auch die Anerkennung als gleichwertiger Teil einer politischen Bewegung kann zur Beteiligung motivieren.

Fazit

In Nürnberg zeigen sich Ansätze zur politischen Repräsentation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – insbesondere auf kommunaler Ebene. Gleichzeitig weisen die Aussagen auf bestehende Herausforderungen hin: Eine Unterrepräsentation in Führungspositionen, eine thematisch eingeschränkte Wahrnehmung sowie strukturelle Hürden können nach wie vor eine gleichberechtigte Teilhabe erschweren.

Auswirkungen des Wahlrechtes auf die politische Partizipation

Das Wahlrecht wird als ein zentrales Instrument demokratischer Teilhabe wahrgenommen und definiere die Grenze zwischen aktiver Mitbestimmung und passiver Beobachtung. Für viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sei die politische Beteiligung in Deutschland maßgeblich vom rechtlichen Status abhängig – insbesondere von der Staatsangehörigkeit. Die folgenden Aussagen verdeutlichen, inwieweit das geltende Wahlrecht die Möglichkeiten politischer Partizipation strukturiert, einschränkt oder eröffnet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem kommunalen Wahlrecht als unmittelbarem Zugang zur Beteiligung im Lebensumfeld.

1. Kommunales Wahlrecht als Chance – aber nicht für alle

Das kommunale Wahlrecht für Bürgerinnen und Bürger aus EU-Mitgliedstaaten wird vereinzelt als Fortschritt wahrgenommen, da es eine politische Mitbestimmung ermöglicht – wenn auch begrenzt auf diese spezifische Gruppe:

„Die Möglichkeit, dass alle, die aus der Europäischen Union erstmal zu uns kommen, die haben automatisch das Wahlrecht.“ (IP 6)

Gleichzeitig wird auf die strukturelle Ungleichheit verwiesen, da Drittstaatsangehörige nach wie vor ausgeschlossen sind:

„Die haben bestimmte Möglichkeiten, die einem anderen Teil der Migrantinnen und Migranten komplett verwehrt bleiben.“ (IP 3)

Diese rechtliche Grenze wird als nicht mehr zeitgemäß empfunden – insbesondere angesichts der langjährigen Verwurzelung vieler Betroffener in den Kommunen:

„Wahlrecht für alle ist die Lösung – zumindest auf kommunaler Ebene.“ (IP 5)

2. Einbürgerung als Voraussetzung – Fortschritte und Frustration

Reformen im Staatsangehörigkeitsrecht, etwa durch kürzere Wartezeiten oder die Zulassung der doppelten Staatsbürgerschaft, werden von einzelnen Stimmen als Fortschritt anerkannt:

„Durch die Verkürzung der Einbürgerungsfristen […] sind für bestimmte Gruppen neue Möglichkeiten der Einbürgerung entstanden […] da wird man mit politischen Rechten praktisch ausgestattet, mit Beteiligungsrechten. Das ist eine positive Entwicklung.“ (IP 3)

Gleichzeitig wird deutlich, dass viele aus der sogenannten „Gastarbeiter“-Generation über Jahrzehnte hinweg auf diese Möglichkeit gewartet haben – oft vergeblich. Die Folge: ein schleichender Verlust an politischem Interesse:

„Viele von diesen Menschen haben das Interesse verloren – weil es nicht ein Jahr, zwei Jahre ist, sondern sie seit 20, 30, 40 Jahren warten.“ (IP 5)

Demgegenüber erscheinen den Befragten neu Zugewanderte als politisch wacher und interessierter:

„Die, die neu gekommen sind – die treffe ich oft. Sie sind hoch politisiert und wollen mitgestalten.“ (IP 5)

3. Ausschluss führt zu politischer Frustration und Ohnmacht

Die Beiträge verdeutlichen, wie stark das Fehlen des Wahlrechts als Form des Ausschlusses erlebt wird

„Man sieht die Probleme, weiß, woran es hängt, hat Ideen – aber darf sich nicht beteiligen. Man bleibt Zuschauer.“ (IP 5)

Dieses Gefühl politischer Ohnmacht treffe nicht nur das Individuum, sondern auch dessen Vertrauen in demokratische Prozesse:

„Wenn dann mit dem Finger auf dich gezeigt wird, bleibst du Zuschauer – egal wie stark du dich engagierst.“ (IP 5)

4. Identifikation mit der Kommune als Schlüssel zur Integration

Die starke emotionale und soziale Bindung an den Wohnort wird als wichtiger Faktor für politische Zugehörigkeit beschrieben – häufig noch vor einer Identifikation mit dem Nationalstaat:

„Für viele Migrantinnen und Migranten ist es einfacher zu sagen: ‚Ich bin Nürnbergerin‘ als zu sagen: ‚Ich bin eine Deutsche‘.“ (IP 3)

Ein kommunales Wahlrecht für alle würde daher nicht nur formale Teilhabe ermöglichen, sondern auch die Identifikation mit der Stadtgesellschaft stärken:

„Ich glaube, mit kommunalem Wahlrecht könnte man […] genau diese Selbstwahrnehmung verbessern.“ (IP 3)

5. Politisches Engagement wird durch rechtliche Hürden gehemmt

Selbst engagierte oder gut integrierte Menschen stoßen nach Einschätzung der Befragten auf rechtliche Grenzen, wenn ihnen das Wahlrecht fehlt. Dies erschwere politisches Engagement und könne entmutigen:

„Da bleibt einem oft nur, sich mit jemandem zu vernetzen, der dann für einen spricht – aber selbst gestalten ist schwer.“ (IP 5)

„Selbst wenn man Verantwortung übernehmen will – ohne Wahlrecht bleibt das sehr schwer.“ (IP 5)

Die Folge kann ein Rückzug aus politischer Aktivität sein - nicht aus mangelndem Interesse, sondern wegen fehlender Rechte. Die Studienlage dazu ist konsistent.12

Fazit

Die Interviewaussagen verdeutlichen, dass das Wahlrecht ein entscheidender Hebel für politische Zugehörigkeit und tatsächliche Teilhabe sein kann. Während Reformen im Staatsangehörigkeitsrecht laut den Befragten neue Möglichkeiten eröffnen, bleibe der Ausschluss vom kommunalen Wahlrecht für viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eine bedeutende Hürde. Insbesondere auf kommunaler Ebene – wo politische Entscheidungen den Alltag direkt beeinflussen – habe dieser Ausschluss große Auswirkungen. Eine Ausweitung des kommunalen Wahlrechts könne daher nicht nur die politische Beteiligung fördern, sondern auch Integration und gesellschaftliche Zugehörigkeit langfristig stärken.

Politische Präferenzen und Engagement außerhalb von Wahlen

Die Interviews thematisieren die gesellschaftliche Teilhabe sowie Zugänge zu politischer Repräsentation, zivilgesellschaftlichem Engagement sowie individuellen Motivationen für Beteiligung

1. Zivilgesellschaftliches Engagement und Teilhabe

Ein häufig genanntes Thema ist das vielfältige bürgerschaftliche Engagement in der Nürnberger Stadtgesellschaft. Besonders als niedrigschwellige Form gesellschaftlicher Teilhabe werden überparteiliche Bürgervereine hervorgehoben, die in zahlreichen Stadtteilen aktiv sind:

„Wir haben viele Bürgervereine in Nürnberg, die überparteilich arbeiten. Da kann man einfach mitmachen, egal woher man kommt – ob in Gleishammer, Großgründlach oder Mögeldorf.“ (IP 6)

Auch Sportvereine werden als zentrale Orte sozialer Integration beschrieben, die generationen- und herkunftsübergreifende Begegnungen ermöglichen:

12 Vgl. dazu u.a. Diehl; Urhahn 1998, Vierus et al. 2023, Wilmes 2018, Caballero; Diehl 2020

„Im Sportbereich […] auch ein Bereich, wo es viele Kontakte gibt. Das ist oft ein Raum, in dem Interkulturalität ganz selbstverständlich gelebt wird.“ (IP 3)

Neben institutionalisierten Formen finden sich auch viele Beispiele außerparlamentarischer Beteiligung, etwa durch Protestaktionen, öffentliche Stellungnahmen oder kulturelle Veranstaltungen in den Interviews:

„Demonstrationen, öffentliche Präsenz, sich zivilgesellschaftlich zeigen – das ist wichtig, gerade für Migrantinnen und Migranten. Damit wird deutlich: Wir gehören dazu.“ (IP 3)

2. Politisches Engagement und Repräsentation

Einige Beiträge thematisieren parteipolitisches Engagement – sowohl im Stadtrat als auch in politischen Jugendorganisationen und Parteien. Dabei wird vereinzelt deutlich, dass persönliche Erfahrungen das Engagement beeinflussen und mit dem Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung verbunden sein können:

„Kurz vor dem Abi wollte ich auch in andere Felder […] mich für soziale Themen einsetzen – und bin dann zu den Jusos gegangen.“ (IP 4)

„Ausschlaggebend für mein Engagement war beispielsweise die hohe Schulabbrecherquote in Nürnberg.“ (IP 4)

Die Repräsentation wird nicht als Ziel, sondern als Verantwortung verstanden – insbesondere in der Verbindung persönlicher Erfahrungen mit gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen:

„Ich werde regelmäßig angerufen, angefragt von meinen Nachbarn, Nachbarinnen und vertrete deren Interessen im Nürnberger Stadtrat […] engagiere mich in der Sportpolitik und setze mich für soziale Mobilität ein. Denn Mobilität […] ist für mich auch ein Stück Sozialpolitik.“ (IP 4)

Thematisch fokussieren sich die Aussagen auf soziale Gerechtigkeit, Bildung, Integration und städtische Infrastruktur:

„Meine Leidenschaft gilt der Verkehrs- und Mobilitätspolitik – weil sie auch über Teilhabe und Chancen entscheidet.“ (IP 4)

3. Integrations- und Vielfaltsgestaltung

Ein zentrales Anliegen einiger Befragter ist die bewusste Gestaltung von Vielfalt. Dabei wird der klassische Begriff „Integration“ zunehmend kritisch gesehen – als einseitig und defizitorientiert. Stattdessen wird das Konzept der Vielfaltsgestaltung bevorzugt, das unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven mitdenkt:

„Ich bin Sprecherin für Vielfaltsgestaltung, nicht für Integration. Es geht mir um Menschenrechte, Antirassismus und intersektionales Denken – nicht um Anpassung.“ (IP 2)

Zivilgesellschaftliches Engagement wird nicht als bloßer Ausdruck individueller Initiative verstanden, sondern als politische Arbeit im besten Sinne:

„Es war halt diese wirklich sehr starke zivilgesellschaftliche Perspektive […] aber auch politische Fürsprache, Empowerment, Advocacy.“ (IP 2)

Fazit

Die Aussagen spiegeln vielfältige Formen des Engagements wider, die vom lokalen Vereinsleben über institutionelle Politik bis hin zu zivilgesellschaftlichen Aktivitäten reichen. Dabei fällt die Verbindung zwischen biografischer Reflexion und politischem Handeln auf. Die Themen Integration, soziale Gerechtigkeit, Bildung und Vielfalt sind dabei auf allen Ebenen präsent. Nürnberg wird als ein Raum beschrieben, in dem demokratische Teilhabe aktiv gestaltet werden kann – unter der Voraussetzung, dass politische und gesellschaftliche Strukturen zugänglich bleiben und Offenheit für Vielfalt zeigen.

Rolle von migrantischen Organisationen

Die Interviews stellen heraus, dass sich in Nürnberg seit vielen Jahren verschiedene migrantische Organisationen sowie selbstorganisierte Gruppen mit Zuwanderungsgeschichte für die Stärkung politischer Teilhabe und gesellschaftlicher Inklusion engagieren. In unterschiedlichen Funktionen – etwa als Vermittler zwischen institutionellen Akteuren und migrantischen Lebensrealitäten, als Plattformen für Austausch und Interessenvertretung oder als Orte der Selbstermächtigung – gestalten sie das kommunale Miteinander aktiv mit. Einzelne Erfahrungsberichte veranschaulichen dabei die vielfältigen Perspektiven auf ihre Rolle und Wirkung.

1. Politische Aktivierung und Empowerment durch gezielte Projekte

Vereinzelt berichten Befragte von Projekten, die gezielt politische Bildung fördern und Beteiligung vorbereiten – insbesondere für unterrepräsentierte Gruppen wie Frauen mit Zuwanderungsgeschichte:

„Wir hatten mal ein Projekt mit Kooperationspartnern, wo wir ganz direkt Frauen angesprochen haben, die Interesse an Kommunalpolitik hatten – mit Schulungen und Unterstützung, auch zur Kandidatur.“ (IP 3)

Diese Art von Projektarbeit zeigt exemplarisch, dass politische Teilhabe aktiv vorbereitet und gestärkt werden kann.

2. Migrantische Organisationen als politische Akteure auf mehreren Ebenen

Organisationen wie AGABY sehen sich nicht nur als migrantische Organisation, die nur innerhalb der Communities arbeiten, sondern auch als strukturierte Interessenvertretungen gegenüber Politik und Öffentlichkeit:

„Die dritte Zielgruppe ist die Politik und Institutionen auf der bayerischen Ebene […] über Briefe, Resolutionen, Stellungnahmen, Veranstaltungen.“ (IP 3)

„Unsere Formate reichen von Vollversammlungen über Online-Treffen bis hin zu direkter Pressearbeit.“ (IP 3)

Dieses mehrschichtige Wirken – intern wie extern – macht die Organisationen zu relevanten Akteuren politischer Kommunikation und Einflussnahme.

3. Brückenfunktion und lokale Verankerung

Migrantische Vereine seien an vielen Orten als „Vertrauensorte“ etabliert – Räume, in denen politischer Austausch stattfinde, Anliegen formuliert werde und informelle Mobilisierung erfolge.

Einige Interviewte berichten, dass in diesen Kontexten Menschen zur politischen Kandidatur ermutigt wurden:

„Das hört man ja im Hintergrund in den Vereinen: ‚Stell dich doch auf, dann haben wir unsere Anliegen auch im Stadtrat.‘“ (IP1)

„Ich gehe gerne zu diesen Vereinen – ich merke, dass ich dort gerne gesehen werde, und das ist mir ein großes Anliegen.“ (IP 1)

Diese lokale Verbundenheit zwischen Community und Politik unterstreicht die Bedeutung direkter Ansprache.

Auch bei der Online-Umfrage wurden migrantische Vereine und Initiativen sowie Kulturläden und weitere Beratungsstellen als Ermöglichungsräume beziehungsweise Hilfe für politisches Engagement genannt, unter anderem: IMEDANA13 e.V., Bayerischer Flüchtlingsrat, AWO14 Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte, ZAM15-Beratung, Jugendmigrationsdienst bei EJN16, We integrate e.V., Stabstelle Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg.

4. Zugang zu spezifischen Lebensrealitäten

Die verschiedenen Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass migrantische Organisationen häufig über einen engen Bezug zu den Lebensrealitäten ihrer Mitglieder verfügen. Dieses Wissen aus erster Hand könne insbesondere bei der differenzierten Erfassung von Bedarfen sowie bei Rückmeldungen zu politischen Maßnahmen hilfreich sein:

„Wie ticken die Menschen? Damit man das Uhrwerk einstellen kann, brauchen wir diese Verbindung.“ (IP 1)

„Jede Community ist ein wichtiger Beitrag – sie geben uns einen Zugang zu ganz unterschiedlichen Perspektiven.“ (IP 6)

Dieses Erfahrungswissen macht sie zu wichtigen Dialogpartnerinnen und -partnern für Verwaltung, Parteien und Beiräte.

5. Repräsentation und strukturelle Beteiligung

Einige Aussagen betonen, dass migrantische Verbände nicht nur beratend wirken, sondern auch strukturell in politische Prozesse eingebunden sind – etwa bei Wahllisten oder der Organisation von Beteiligungsformaten:

„Wir fragen euch als migrantische Verbände, zum Beispiel wenn es um Listenaufstellungen geht.“ (IP 5)

„Heute haben wir Stammtisch – kommt rein, redet über eure Themen, dann schauen wir, wie wir die Themen lösen.“ (IP 5)

13 Institut für Medien- und Projektarbeit 14 Arbeiterwohlfahrt 15 Zentrale Anlaufstelle Migration 16 Evangelische Jugend Nürnberg

„Für Integrationsratswahlen haben wir vom Verein aus auch Listen aufgestellt.“ (IP 5)

Diese Beispiele zeigen: Beteiligung findet nicht nur informell statt, sondern kann auch strukturell verankert werden.

Fazit

In Nürnberg übernehmen migrantische Organisationen vielfältige Funktionen in der Förderung politischer Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Sie bieten Räume für Empowerment und politische Bildung, vertreten Interessen nach außen und sind in kommunale Entscheidungsprozesse eingebunden. Damit tragen sie nach Einschätzung der Befragten zur Verbindung zwischen gesellschaftlicher Alltagserfahrung und institutionellen Strukturen bei. In Fachkreisen und Praxisberichten wird ihre Rolle zunehmend nicht nur als symbolisch, sondern als strukturell bedeutsam für eine demokratisch und diversitätsorientiert gestaltete Stadtgesellschaft beschrieben.

Zusammenfassung der strukturellen Faktoren

Die im Rahmen der Analyse ausgewerteten Aussagen zeichnen ein differenziertes Bild der politischen Teilhabechancen in Nürnberg. Sie verweisen auf eine Vielzahl von Engagementformen – unter anderem in Parteien, zivilgesellschaftlichen Initiativen, migrantisch geprägten Organisationen sowie im öffentlichen Raum. Zugleich verdeutlichen sowohl qualitative Rückmeldungen als auch Ergebnisse der Online-Befragung, dass politische Teilhabe wohl nicht für alle gleichermaßen zugänglich ist.

Dabei werden insbesondere strukturelle Rahmenbedingungen thematisiert, die als hemmend oder ausschließend erlebt werden. Genannt werden etwa das eingeschränkte kommunale Wahlrecht, mangelnde Informationsangebote, formale Eintrittshürden in parteipolitische Strukturen sowie institutionell verankerte kulturelle Selbstverständnisse. Diese Faktoren wirken sich nach Einschätzung einzelner Beteiligter negativ auf Teilhabechancen aus.

Die Auswertung gibt zudem Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen politisches Engagement als unterstützend und wirksam erlebt wird. Wiederholt wird hervorgehoben, wie bedeutsam persönliche Ansprache, biografische Anknüpfungspunkte, sichtbare Repräsentation und niedrigschwellige Beteiligungsformate für eine gelingende Teilhabe sein können. Migrantisch geprägte Organisationen nehmen dabei häufig eine vermittelnde Rolle ein – sowohl gegenüber politischen Institutionen als auch in Richtung Stadtgesellschaft. Besonders positive Erfahrungen werden dort benannt, wo politische Strukturen offen für Diversität sind und diese aktiv einbinden – etwa durch transparente Auswahlprozesse, gezielte Nachwuchsförderung, Empowerment-Ansätze oder eine inklusive Kommunikationskultur.

Gesellschaftliche Faktoren

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen haben nach Einschätzung der Befragten einen maßgeblichen Einfluss darauf, ob und wie Menschen mit Zuwanderungsgeschichte politische Teilhabe erleben. Dabei stellen die Interviews ein Zusammenwirken individueller Erfahrungen, struktureller Gegebenheiten und gesellschaftlicher Dynamiken heraus. Die Aussagen im Rahmen dieser Forschung zeigen, wie Vertrauen, Repräsentation und mediale Einflussnahme den Zugang zu demokratischen Prozessen mitbestimmen können. Während kommunale Strukturen in Nürnberg vielfach als offen und zugänglich beschrieben werden, bleiben Skepsis, Unsicherheiten und digitale Desinformation als reale Herausforderungen für die Interviewten bestehen. Die Vergleiche mit anderen Städten und politischen

Ebenen unterstreichen, dass lokale Integrationspolitik im gesamtgesellschaftlichen Spannungsfeld operiert – mit Potenzial, aber auch klaren Grenzen.

Besondere Herausforderungen oder Chancen in Nürnberg

Die Interviews zeigen exemplarisch Beispiele die Wahrnehmung der Befragten, dass Nürnberg sowohl vor spezifischen Herausforderungen als auch vor besonderen Chancen im Kontext gesellschaftlicher Integration steht. Mit einem Anteil von über 50 % der Stadtgesellschaft, sind Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ein wichtiger Teil von Nürnberg und tragen zu einer hohen Diversität bei. Dies schaffe besondere Voraussetzungen für eine lokale Integrationspolitik, die Barrieren abbaue und neue Wege zur Teilhabe eröffnen müsse. Nürnberg wird als weltoffene „Stadt der Chancen“ beschrieben – gleichzeitig werden strukturelle und kommunikative Hürden hervorgehoben, die politische und gesellschaftliche Partizipation einschränken.

1. Nürnberg als „Stadt der Chancen“ – Ein positives Fundament

Nürnberg wird vereinzelnd als ein Ort wahrgenommen, an dem gesellschaftliche Teilhabe grundsätzlich möglich ist. So wurde hervorgehoben, dass die Stadt früh Beiratsstrukturen eingeführt, diverse Projekte initiiert und niedrigschwellige Beteiligungswege etabliert habe. Auch persönliche Erfolgsgeschichten spiegeln sich in dieser Einschätzung wider. So wird betont:

„Ich habe Nürnberg immer kennengelernt als Stadt, in der man eine Chance bekommen kann und auch eine zweite oder dritte.“ (IP 4)

„Es ist eine Stadt, die nicht nur ein Label ‚Stadt der Menschenrechte‘ hat, sondern es auch wirklich die Mehrheit lebt.“ (IP 4)

Die vielfältige Vereinslandschaft wird ebenfalls als Ressource für Teilhabe betont:

„Überall, wo ich hingekommen bin – vom Trachtenverein bis zum Sportverein – wurde ich mit meiner Geschichte als waschechter Nürnberger immer anerkannt.“ (IP 4)

2. Hürden und Herausforderungen – Beteiligung bleibt ausbaufähig

Trotz dieser positiven Grundlage sehen die Interviewten klare Herausforderungen. Ein häufig genanntes Thema ist die geringe Wahlbeteiligung beim Integrationsrat, die bei ihren letzten Wahlen bei rund 3,5 % lag. Dies wird wie folgt kommentiert:

„3,5 % ist nicht gut. Viele wissen nicht einmal, dass wir einen Integrationsrat haben.“ (IP 6)

Diese geringe Sichtbarkeit wird als strukturelles Kommunikationsdefizit mit Folgen für die politische Teilhabe bewertet.

Die Daten aus der Online-Umfrage schienen dies zu bestätigen: Knapp 40 % der Befragten kennen den Integrationsrat nicht, ein Drittel kennt ihn zwar, hat ihn aber nicht gewählt und lediglich ein knappes Drittel der Befragten gibt an, den Integrationsrat schon einmal gewählt zu haben

Abbildung 12: Wahl des Integrationsrates, N = 119

keine Kenntnis Kenntnis, aber Schon einmal Keine des Nicht Wähler*in gewählt Angabe/Weiß Integrationsrates Nicht

Den Nicht-Wählenden (N=32) fehlte es vor allem an Informationen über Parteien, Kandidierenden und deren Themen sowie an Informationen darüber, was die Aufgaben eines Integrationsrates sind. (s. Tabelle im Anhang 2).

Auch die Komplexität digitaler Verwaltungsprozesse wird kritisch angesprochen:

„Allein auf der Plattform ‚Mein Nürnberg‘ einen Antrag zu finden – puh, da kann man stundenlang drüber reden.“ (IP 5)

3. Gesellschaftliche Vielfalt als Herausforderung und Chance

Die gesellschaftliche Vielfalt Nürnbergs wird als Realität anerkannt – verbunden mit der Erwartung, dass Politik und Verwaltung ihre Zugänge kontinuierlich anpassen müssen:

„Die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte verändern sich, auch die Gründe einer Zuwanderung verändern sich. Wir müssen immer wieder evaluieren: Sind wir noch richtig unterwegs?“ (IP 6)

Auch wird auf eine politische Verantwortung hingewiesen, aktiv mit Frustration und politischer Entfremdung umzugehen:

„Wie schaffen wir es, Prioritäten richtig zu setzen – auch für die, die frustriert sind oder extreme Parteien wählen?“ (IP 4)

4. Potenziale aktiver Teilhabe – neue Gruppen und Impulse

Viele Interviewpartnerinnen und -partner sehen in der Stadt weiterhin große Potenziale für stärkere politische Teilhabe – insbesondere durch gezielte Ansprache bislang unterrepräsentierter Gruppen:

„Ich werbe aktiv für die Kommunalwahl und sage zu BIPoCs[17], queeren Menschen, Geflüchteten: Kommt, bewerbt euch, lasst euch aufstellen.“ (IP 5)

17 Black, Indigenous, and People of Color

Auch wird betont, dass in Nürnberg bereits politische Teilhabe für Menschen ohne deutschen Pass über beratende Gremien möglich sei:

„Man kann sich im Integrationsrat engagieren und somit auch in der Integrationskommission mitwirken – auch ohne deutschen Pass.“ (IP 6)

Die Bedeutung von Bürgervereinen und lokaler Netzwerkarbeit wird ebenfalls hervorgehoben:

„Die Bürgervereine haben direkten Kontakt ins Rathaus. Wenn sich eine Gruppe zusammentut, wird sie gehört – da fehlt oft nur der Mut, sich zu zeigen.“ (IP 6)

Fazit

Nürnberg wird als offene, strukturstarke Stadt beschrieben, die gute Voraussetzungen für Integration und Teilhabe bietet. Gleichzeitig machen die Aussagen deutlich: Die Aktivierung und Ansprache migrantischer und marginalisierter Gruppen bleibt nach Einschätzung der Befragten eine zentrale Herausforderung.

Bedeutung lokaler Integrationspolitik

Lokale Integrationspolitik ist für die Befragten ein zentrales gesellschaftliches Gestaltungsfeld, das die soziale Bindekraft, Teilhabe und demokratische Identifikation einer pluralen Stadtgesellschaft wie Nürnberg unmittelbar beeinflusst. Einzelne Aussagen aus den Interviews stellen heraus, dass kommunale Handlungsspielräume, die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie eine strategische Öffnung institutioneller Strukturen entscheidend seien, um das Potenzial von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu aktivieren und gleichzeitig den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

1. Der Integrationsrat als lokalpolitisches Instrument

Der Integrationsrat wird als tragende Säule lokaler Integrationspolitik beschrieben. Besonders hervorgehoben wird seine Funktion als niedrigschwelliger Zugang zur politischen Partizipation für Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit:

„Also der Integrationsrat ist für uns eine wichtige Säule […] weil man muss ja auch eins feststellen: Das deutsche System ist ja nicht einfach.“ (IP 6)

Die beratende Rolle gegenüber Stadtrat und Verwaltung wird ebenfalls als wesentlich betrachtet:

„Man kann sich eben im Integrationsrat engagieren und auch da ein Mandat anstreben und somit auch in der Integrationskommission mitwirken, um auch hier wieder direkt Einfluss zu nehmen auf die Stadträtinnen und Stadträte.“ (IP 6)

Dies ermögliche eine sichtbare Beteiligung und trage zu einer demokratischen Repräsentation in einer Stadt mit über 50 % Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bei. Der Integrationsrat werde dabei als Plattform gesehen, die politische Teilhabe auch für Menschen ohne Wahlrecht eröffnet:

„Der Integrationsrat ist für uns ein Instrument, wo wir die Menschen einladen, mitzugestalten – auch die Stimme des Integrationsrats zu nutzen.“ (IP 6)

2. Relevanz der Zivilgesellschaft – Anerkennung, Ressourcen, Schutz

Zivilgesellschaftliche Akteure wie Vereine, Communities und migrantischen Organisationen werden als unverzichtbar für die Umsetzung lokaler Integrationspolitik hervorgehoben. Zugleich werden Gefährdungen wie politische Beobachtung oder rechtliche Unsicherheiten benannt:

„Da gibt es wirklich problematische Diskussionen, dass man die politische Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen kritisch beobachtet oder die Gemeinnützigkeit infrage stellt.“ (IP 3)

Mehrere Befragte betonen die Notwendigkeit struktureller Förderung und langfristiger Ressourcen:

„Für den Erhalt der Demokratie ist die Zivilgesellschaft wichtig – und sie muss migrantische Teile einbeziehen und stärken.“ (IP 3)

3. Interkulturelle Öffnung als institutionelles Ziel

Die Öffnung institutioneller Strukturen wird als ein Schlüssel zur gleichberechtigten Repräsentation wahrgenommen. Dies betreffe nicht nur symbolische Akte, sondern konkrete Veränderungen in Verwaltung und Politik:

„Wir reden immer wieder, dass Nürnberg über 50 % Menschen mit Migrationsgeschichte hat

Einzelne Stimmen fordern eine stadtweite Willkommenskultur – auch jenseits spezialisierter Stellen:

„Willkommenskultur […] nicht nur im Bildungsbüro oder Interkulturbüro […] in allen Ämtern, auch in der Ausländerbehörde. Das ist praktisch das Aushängeschild der Stadt.“ (IP 2)

Auch die gezielte Repräsentation durch Namen, Bilder und Ämter wird als Mittel zur Identifikation benannt:

„Da kommt es auch drauf an, wen sehe ich auf dem Plakat. Ist es eine Person, mit der ich mich vielleicht besser identifizieren kann als mit einem Stefan Müller?“ (IP 2)

Ein aktueller Bericht zur interkulturellen Öffnung wurde in der Integrationskommission positiv bewertet, wenngleich Luft nach oben gesehen wird:

„Damit man sieht, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auch an Leitungspositionen vertreten sind.“ (IP 5)

4. Partizipation durch gezielte Projekte und Mentoring

Neben institutionellen Wegen werden konkrete Projekte und Programme als wichtiger Zugang zur politischen Teilhabe genannt. Bespielhaft werden Schulungen und Mentoringprogramme für Menschen mit Migrationsgeschichte genannt:

„Wir hatten mal ein Projekt, bei dem Frauen gezielt angesprochen wurden, die Interesse an Kommunalpolitik hatten – inklusive Schulungen, Sprachförderung und Mentoring.“ (IP 3)

Solche Maßnahmen unterstützen nach Einschätzung der befragten Person Selbstwirksamkeit und politische Sprachfähigkeit. Besonders niedrigschwellige Projekte könnten ein Einstieg in die Beteiligung sein:

„Wenn man gefragt wird, dann denkt man: Aha, da kenne ich mich vielleicht nicht aus – und muss mich doch mal damit auseinandersetzen.“ (IP 3)

Auch Listenaufstellungen durch Vereine oder Stammtische in migrantischen Communities werden von den Befragten als Beteiligungsform genannt:

„Die Beteiligung und dieser Wunsch, sich zu öffnen […] das geht bis hin zu Listenaufstellungen, damit man auch nach außen zeigt: Diese Partei oder die Institution steht für Vielfalt.“ (IP 5)

5. Lokale Integrationspolitik als Motor für Identifikation und Demokratieerleben

Ein wiederkehrendes Motiv innerhalb der Interviews ist, dass die lokale Integrationspolitik für viele Menschen der erste Ort gelebter Demokratie sei. Die Kommune spiele dabei eine Schlüsselrolle – nicht nur in politischen Gremien, sondern im Alltag:

„Das ist das Aushängeschild der Stadt […] dort entscheidet sich, wie man rausgeht, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.“ (IP 2)

Die Möglichkeit zur Teilhabe fördere Identifikation mit dem Gemeinwesen – und wirke Politikverdrossenheit entgegen:

„Ich denke, Identifikationsangebote sind wichtig […] damit Migrantinnen und Migranten ihre Rolle in der Demokratie erkennen und Wirkungsmöglichkeiten sehen.“ (IP 3)

Langfristige Bindung und demokratische Integration hängen nach Einschätzung der Interviewten eng mit Anerkennung und Mitsprache zusammen.

Fazit

Die Aussagen kommen zu folgenden Einschätzungen: Eine moderne, wirksame Integrationspolitik auf lokaler Ebene ist weit mehr als Sozialpolitik – sie ist Demokratiepolitik. Kommunen wie Nürnberg verfügen über erheblichen Handlungsspielraum, um durch strukturelle Öffnung, zivilgesellschaftliche Stärkung und echte Repräsentation den gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv mitzugestalten.

Bildungsniveau und politische Bildung (Zugangsfaktoren)

Politische Bildung und das allgemeine Bildungsniveau sind für die Befragten zentrale Zugangsfaktoren für gesellschaftliche Teilhabe und demokratisches Engagement. Der Zugang zu Information, das Verständnis demokratischer Prozesse sowie sprachliche und kulturelle Kompetenzen beeinflussen hiernach maßgeblich, wie Menschen sich in demokratische Strukturen einbringen können. Die Interviews unterstreichen die Rolle politischer Bildung als Schlüsselfaktor – gerade im Kontext von Migration, Heterogenität und Chancengleichheit.

1. Politische Bildung als Schlüssel zur Teilhabe

Ein wiederkehrendes Motiv in den Aussagen der Befragten ist die Erkenntnis, dass Demokratie kein selbstverständlicher Erfahrungsraum für alle sei – insbesondere für Menschen, die aus Ländern kommen, in denen demokratische Strukturen wenig ausgeprägt sind:

„Also auch eine Demokratie ist ja nicht einfach. Man muss ja das verstehen – oft kommen ja Menschen aus Ländern und aus Gebieten, da kennt man keine Demokratie.“ (IP 6)

Politische Bildung müsse daher mehrdimensional verstanden werden – über reines Wissen hinaus. Sprachliche Kompetenzen, Medienzugang und Vertrautheit mit demokratischer Kultur seien entscheidend, um Hürden zu überwinden:

„Erst mal muss man das System schon verstehen, […] da muss man sich auch damit beschäftigen, das muss man auch oft erklären.“ (IP 6)

Gerade bei jungen Menschen könne politische Bildung eine wichtige Motivation zur Mitgestaltung wecken:

„Ich denke, informiert sein, sich ein bisschen auskennen, zum Beispiel Unterschiede zwischen Parteien wahrnehmen […] das kann schon dazu beitragen, dass man aktiver an Wahlen teilnimmt.“ (IP 3)

2. Informationslücken und unsichtbare Strukturen

Trotz vorhandener Angebote bestehen in den Augen der Befragten große Informationsdefizite. Ein genanntes Beispiel ist, dass vielen Nürnberger Bürgerinnen und Bürgern laut den Interviewten die Existenz und die Funktion des Integrationsrats nicht bekannt sei:

„Also oftmals wissen ja Leute, die bei uns in Nürnberg leben […] gar nicht, dass wir einen Integrationsrat haben.“ (IP 6)

3. Geringe Bildung ≠ politisches Desinteresse – aber Bildung als Hebel

Die Interviewten stellen heraus: Geringes formales Bildungsniveau bedeute nicht automatisch politische Gleichgültigkeit. Vielmehr erschwere der fehlende Zugang zu Information die aktive Teilhabe:

„Viele meiner Freunde kommen gar nicht auf die Idee, einen Leserbrief zu schreiben, weil sie gar keine Zeitung abonniert haben.“ (IP 5)

Auch der Kontakt zu politischen Institutionen – etwa Abgeordneten oder Parteien – bleibe häufig aus, weil schlicht das Wissen über Zugangswege fehle. Politische Bildung kann nach Einschätzung der Befragten genau hier ansetzen, insbesondere in Jugendhäusern, Vereinen und schulischen Kontexten.

Fazit

Politische Teilhabe setzt für die Befragten Wissen, Verstehen und Erleben voraus. In einer pluralen Stadtgesellschaft wie Nürnberg dürfe politische Bildung nicht als Folgeaspekt betrachtet werden, sondern müsse als zentrales Element lokaler Integrationspolitik verstanden werden. Ein Handlungsimpuls, der sich aus den Interviews ergibt, ist: Mit gezielten, respektvollen und inklusiven

Bildungsangeboten lasse sich das politische Potenzial der Stadtgesellschaft aktivieren – unabhängig vom formalen Bildungsgrad.

Vertrauen in das politische System

1. Ambivalente Wahrnehmung: Zwischen Vertrauen und Skepsis

Das Vertrauen in das politische System unter Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nehmen die Befragten als ambivalent wahr: Einerseits werden positive Erfahrungen mit kommunaler Politik und individueller Anerkennung beschrieben. Andererseits bestehe Skepsis, Enttäuschung oder politische Apathie – insbesondere als Folge von Erfahrungen mit autoritären Regimen oder strukturellen Barrieren:

„Manche Leute sind alarmiert und beteiligen sich, andere haben durch ihre Herkunft oder Erfahrung ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber politischen Systemen.“ (IP 3)

„Ich beobachte zum Teil auch politische Apathie in dem Sinne, dass die Leute sagen: ‚Ich traue keiner Partei mehr. Niemand mehr vertritt meine Positionen.‘“ (IP 3)

Einzelne Stimmen machen zudem deutlich, dass negative politische Prägungen oder ein Gefühl des Abgehängtseins das Vertrauen zusätzlich untergraben können:

„Dass man Zweifel hegt – was ist das jetzt für eine Demokratie? Ich kriege gar nichts mit, ich bin abgehängt vom System.“ (IP 6)

2. Kommunalpolitik als Chance für Vertrauensbildung

Im Vergleich zu Landes- oder Bundespolitik wird die Kommunalpolitik von den Interviewten als nahbarer, pragmatischer und bürgernäher erlebt. Diese Nähe kann ihrer Einschätzung nach Vertrauen fördern – vor allem, wenn politische Arbeit sichtbar wird:

„In der Kommunalpolitik – nennen Sie mich Idealist – […] da macht es wenig Unterschied, wo man herkommt. Es zählt, wie man mit Menschen umgeht.“ (IP 4)

„Und das zeigt mir auch, wenn man vor Ort ist, wenn man engagiert ist, wenn man Volksvertretung macht, also sich für die Anliegen der Bürger einsetzt, dann honorieren das Menschen.“ (IP 4)

Vereinzelnd werden konkrete Erlebnisse beschrieben, bei denen Engagement zu spürbaren Erfolgen geführt hat – etwa bei Infrastruktur, Stadtentwicklung oder Sportförderung. Diese positiven Erfahrungen stärkten das Vertrauen der Befragten:

„Die Dinge, die ich mit auf den Weg bringen durfte – die Königstraße, die Radwege oder die größte Erhöhung der Sportfördermittel seit Jahrzehnten – habe ich nie allein gemacht, sondern immer gemeinsam mit Mitstreitern.“ (IP 4)

3. Angst, Rückzug und Anfeindungen als demokratiegefährdende Faktoren

Zunehmende gesellschaftliche Polarisierung, Rassismus und digitale Anfeindungen können laut den interviewten Personen auch bei engagierten Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu Unsicherheit und Rückzug führen:

„Ich beobachte, dass Ängste wachsen […] dass politische Betätigung zum Teil mit Anfeindungen verbunden ist.“ (IP 3)

„Einmal, dass die Leute sich ein bisschen zurückziehen und sagen: ‚Okay, das ist alles zu gefährlich, zu heiß. Ich will damit nichts zu tun haben.‘“ (IP 3)

Diese Rückzugsbewegungen können ihrer Einschätzung nach auch zur politischen Radikalisierung beitragen – etwa dann, wenn berechtigte Anliegen nicht gehört oder anerkannt werden:

„Ich sehe auch eine Problematik, weil solche Tendenzen zur Radikalisierung führen können. Menschen werden zur leichten Beute zweifelhafter Gruppierungen.“ (IP 3)

4. Politische Sozialisation und Herkunft als Einflussfaktor

Das Vertrauen in demokratische Prozesse wird als ein Ergebnis der politischen Sozialisation beschrieben. Wer autoritäre Regime oder ein repressives Parteiensystem erlebt hat, bringt nach Erfahrung der Befragten häufig Skepsis mit:

„Viele Menschen stammen aus Ländern, in denen es keine echte Demokratie gab – da fehlt das Vertrauen.“ (IP 6)

Zudem beschreiben die Befragten, dass Erfahrungen aus der eigenen Biografie oder aus kollektiven historischen Zusammenhängen nachwirken können:

„Es gab ja in Europa viele Länder, die noch vor wenigen Jahren autoritär regiert wurden. Das hinterlässt Spuren – zum Beispiel auch Angst, sich parteipolitisch zu engagieren.“ (IP 6)

Fazit

Zusammenfassend kommen die Befragten zu folgenden Einschätzungen: Das Vertrauen in das politische System unter Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sei kein Automatismus – es entstehe aus persönlicher Erfahrung, gesellschaftlichem Klima und gelebter Teilhabe. Kommunale Strukturen wie in Nürnberg können dieses Vertrauen stärken – wenn sie sichtbar, offen und dialogorientiert arbeiten. Gleichzeitig bleibe der Vertrauensaufbau eine kontinuierliche Aufgabe, insbesondere in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung und zunehmender Polarisierung.

Vergleiche mit anderen Städten und Bundesländern

Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass Städte in ihrer Integrations- und Repräsentationspolitik sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Nürnberg wird von den Befragten im Bereich lokaler Integrationspolitik und Teilhabestrukturen in einer vergleichsweise starken Position gesehen – insbesondere im Vergleich zur Landes- und Bundesebene sowie zu anderen Kommunen.

1. Starke kommunale Repräsentanz im Vergleich zur Landes- und Bundespolitik

Die politische Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist aus Sicht von einzelnen Interviewten auf kommunaler Ebene sichtbarer und besser etabliert als auf höheren politischen Ebenen. Besonders kritisch wird dabei die Landespolitik beurteilt:

„Ich denke auch, dass wenn man sich das anschaut, die politische Repräsentanz in den Kommunen zum Teil besser ist als auf Landes- und Bundesebene. Landesebene ist[…] ganz katastrophal – zum Teil – und Bundesebene auch.“ (IP 3)

Darin wird ein zentrales Spannungsfeld gesehen: Während vor Ort teilweise bereits Strukturen bestehen, fehlen vergleichbare Entwicklungen auf höheren Ebenen.

2. Nürnbergs Vorreiterrolle

Es wird hervorgehoben, dass Nürnberg eine Vorreiterrolle bei der strukturellen Verankerung von Teilhabe und Repräsentation eingenommen habe – sowohl historisch als auch in Bezug auf aktuelle Projekte:

„Nürnberg gehört zu Städten, die da sehr früh, muss man sagen, Schritte gemacht haben. Wenn man bedenkt, dass Nürnberg eine der ersten Beiräte bundesweit hatte.“ (IP 3)

„Ich finde, dass die Stadtverwaltung da an den Themen, die mit Migration zu tun haben, seit Jahren sehr gute Arbeit leistet. Die Projekte, die da laufen […] ich kenne viele der Aktivitäten, die jetzt in Nürnberg stattfinden, aus anderen Städten nicht.“ (IP 3)

Besonders hervorgehoben wird, dass die Stadt kontinuierlich Strukturen zur Integration aufgebaut habe, was Nürnberg im bundesweiten Vergleich positiv dastehen lasse.

3. Herausforderungen bleiben – auch in Nürnberg

Trotz dieser positiven Einschätzungen bleibe auch in Nürnberg die strukturelle Repräsentation hinter der demografischen Realität zurück. So fehlen nach Einschätzung der Befragten etwa valide Vergleichszahlen über die Entwicklung der Repräsentanz migrantischer Stimmen im Stadtrat über die Jahre hinweg:

„Ich denke auch, die Präsenz der Migrantinnen und Migranten in dem Nürnberger Stadtrat – ich weiß nicht, ob das im Vergleich zu früheren Perioden gesunken oder gestiegen ist. Da habe ich keine statistischen Zahlen. Aber das ist, glaube ich, nicht so ganz schlecht im Vergleich zu manchen anderen Städten.“ (IP 3)

Die Befragten kommen zu folgender Einschätzung: Auch in Nürnberg sind die bestehenden Strukturen ausbaufähig – es bleibt die Herausforderung, Vielfalt nicht nur symbolisch zu repräsentieren, sondern auch strukturell zu verankern.

Fazit

Die Befragten stellen heraus, dass die kommunale Integrationspolitik – insbesondere in Nürnberg – häufig innovativer, näher an der Lebensrealität der Menschen und sichtbarer als die Politik auf Landesoder Bundesebene sei. Die Stadt Nürnberg biete Beteiligungsformate, institutionelle Öffnung und praktische Integrationsarbeit, wie sie in vielen anderen Städten noch nicht umgesetzt werde.

Einfluss von Medien und sozialen Netzwerken

Die Befragten stellen heraus, dass in einer zunehmend digitalen Gesellschaft soziale Medien und Online-Plattformen zu zentralen Informations- und Beteiligungskanälen geworden seien – auch und gerade für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Einzelne Interviewaussagen machen deutlich,

dass diese Kanäle sowohl Chancen als auch Risiken für politische Bildung, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt bergen würden.

1. Reichweite und Relevanz sozialer Netzwerke

Dir Befragten beschreiben, dass für viele Menschen – unabhängig von Herkunft – soziale Medien heute eine dominierende Rolle bei der Informationsbeschaffung spielen. Klassische Nachrichtenformate wie Printmedien oder Fernsehen würden dabei zunehmend in den Hintergrund treten:

„Ja, da würde ich sagen, wie bei den Einheimischen: ein kleiner Teil über Printmedien – Zeitung und Fernsehen […], aber ein großer Teil über die sozialen Medien.“ (IP 5)

„Aber das haben inzwischen fast eine Million Menschen gesehen. Ist auch ein Erfolg. Ist toll […] Stichwort Social Media. Aber es gibt halt nicht nur 15.000 Likes, sondern auch fast 10.000 Kommentare.“ (IP 4)

Formate wie Instagram, TikTok oder YouTube wirkten dabei nicht nur als Kanäle der Unterhaltung, sondern würden zu politischen Bühnen und Informationsräumen, die Zielgruppen direkter und emotionaler ansprechen.

2. Muttersprache als Zugang – soziale Medien als Brücke

Besonders für Menschen mit wenig Deutschkenntnis bieten laut den Interviewten soziale Netzwerke eine niedrigschwellige Möglichkeit, gesellschaftliche und politische Informationen zu rezipieren – oft in der eigenen Muttersprache:

„Die Rolle der sozialen Netzwerke wächst, weil sie zum Teil sprachliche Barrieren überwinden. Ich beobachte, dass manche Inhalte sehr schnell in den Muttersprachen kommuniziert werden. Dadurch haben auch Leute, die nicht gut Deutsch sprechen oder keine deutschen Zeitungen lesen, Zugang zu Informationen.“ (IP 3)

„Wenn es auf meiner Muttersprache erklärt wird, nehme ich das schnell auf und kann damit auch was anfangen.“ (IP 5)

Diese kulturelle Nähe schaffe einen Zugang, könne aber gleichzeitig zu Abschottungstendenzen führen, wenn Informationsräume kaum noch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen geteilt werden.

3. Risiken: Echokammern und Desinformation

Neben positiven Effekten wurden auch problematische Entwicklungen benannt. Einzelne Interviewte beobachten, dass Filterblasen, populistische Narrative und zweifelhafte Quellen in sozialen Medien zunehmen – gerade auf Plattformen mit hoher Reichweite unter jungen Menschen:

„Da wachsen natürlich auch diese allgemeinen Entwicklungen, die die Leute dann in Blasen halten. Oder sie bekommen Informationen durch zweifelhafte Quellen – das ist auch gewachsen.“ (IP 3)

Solche Dynamiken können laut den Befragten politische Polarisierung fördern und die Anschlussfähigkeit an seriöse, demokratische Diskurse untergraben.

4. Reaktion der Stadt – digitale Präsenz und Angebote

Die Stadt Nürnberg reagiere proaktiv auf diese Entwicklungen. Laut einer befragten Person ist Nürnberg digital gut aufgestellt:

„Ich denke, dass wir auf Social Media gut vertreten sind – weil natürlich auch viele Zugewanderte technisch gut versiert sind. Die Stadt ist digital auf allen Kanälen präsent: Instagram, Telegram, Facebook, YouTube. Man kann sie dort wahrnehmen – und ich hoffe, man macht da gerne mit.“ (IP 6)

Diese digitale Sichtbarkeit solle nicht nur über kommunalpolitische Themen informieren, sondern auch zur Beteiligung einladen, Gegenöffentlichkeiten stärken und direkte Kommunikationswege öffnen.

Fazit

Soziale Medien werden von den Befragten als entscheidende Kanäle gesellschaftlicher Teilhabe – insbesondere für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gesehen. Sie überbrücken ihrer Ansicht nach Sprachbarrieren, schaffen neue Öffentlichkeiten und ermöglichen niedrigschwellige politische Bildung. Gleichzeitig bestehe die Herausforderung, digitale Medienkompetenz zu stärken, kritisches Denken zu fördern und Desinformation aktiv entgegenzuwirken.

Zusammenfassung der gesellschaftlichen Faktoren

Die Befragten kommen zu der Einschätzung, dass die gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf politische Teilhabe komplex sind – und sie oft widersprüchlich wirken. Vertrauen müsse aufgebaut, Repräsentanz sichtbar gemacht und gesellschaftliche Kommunikation aktiv gestaltet werden. Nürnberg werde in vielen Aussagen als Stadt mit vergleichsweise guter Infrastruktur, engagierter Verwaltung und mutigen Initiativen wahrgenommen. Dennoch sehen die Befragten auch, dass politische Apathie, Angst vor Anfeindung und mangelnde Sichtbarkeit migrantischer Stimmen als Herausforderung auftreten – gerade in einer zunehmend polarisierten Medienlandschaft. Um Teilhabe nachhaltig zu stärken, brauche es eine konsequente Öffnung politischer Räume, gesamtgesellschaftliche Anerkennung und eine digitale Strategie, die Zugang mit Verantwortung verbindet.

Politische Faktoren

Politische Teilhabe ist ein zentrales Element demokratischer Gesellschaften – doch sie entsteht nicht von allein. Die Aussagen der Interviewten zeigen deutlich: Es braucht gezielte politische Bildungsangebote, sichtbare Beteiligungsformate und strukturelle Offenheit, um insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte wirksam einzubeziehen. In Nürnberg gibt es hierzu bereits wichtige Ansätze, doch auch Best-Practice-Beispiele aus anderen Städten und bundesweiten Programmen verdeutlichen, wie Teilhabe gefördert und demokratische Strukturen gestärkt werden können.

Politische Bildung und Aufklärungsarbeit

Demokratie ist kein Selbstläufer – das betonen die interviewten Personen in ihrer Analyse der gegenwärtigen politischen Herausforderungen. Politische Bildung und Aufklärungsarbeit werden als zentrale Stellschrauben benannt, um eine inklusive, widerstandsfähige und zukunftsfähige Demokratie in einer vielfältigen Stadt wie Nürnberg zu gestalten. Dabei fordern die Befragten nicht nur Information über politische Prozesse, sondern auch gezielte Ansprache, Aktivierung und Empowerment bislang unterrepräsentierter Gruppen, insbesondere von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. So formuliert eine interviewte Person:

„Auch eine Demokratie ist ja nicht einfach. Man muss das verstehen […] oft kommen ja Menschen aus Ländern und aus Gebieten, da kennt man keine Demokratie.“ (IP 6)

1. Politische Bildung als Fundament für demokratische Teilhabe

Ein zentrales Thema für die Interviewten stellt der Zusammenhang zwischen politischer Bildung und demokratischer Beteiligung dar. In den Interviews wird hervorgehoben, dass das politische System – insbesondere die föderale Struktur Deutschlands – für neu Zugewanderte schwer verständlich sei:

„Ich habe zwei, drei Jahre gebraucht, um das politische System zu verstehen.“ (IP 5)

„Ich habe Anträge im Stadtrat gestellt, bekam aber oft zur Antwort: ‚Dafür sind wir nicht zuständig – das ist Bund oder Land.‘“ (IP 5)

„Ich denke, es spielt auch eine große Rolle, dass wir erklären, welche Parteien es gibt und was sie vertreten.“ (IP 6)

2. Demokratische Kompetenz durch praktische Zugänge – Formate der Aufklärung

Politische Bildung muss nicht nur theoretisch, sondern praktisch und alltagsnah stattfinden. In den Interviews wird betont, wie wichtig niederschwellige Begegnungsformate sind:

„Das Format ‚Lass uns reden‘ […], damit wir in den Stadtteilen mit den Menschen direkt ins Gespräch kommen.“ (IP 6)

„Wir waren in Wohnheimen, Wohngruppen, bei verschiedenen Kulturvereinen […] und haben mit Menschen gesprochen.“ (IP 5)

„Ich finde es wichtig, dass wir ansprechbar sind, dass man den Oberbürgermeister, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die berufsmäßigen Stadträte auch draußen, egal wo, auch ansprechen kann.“ (IP 6)

3. Empowerment und Ansprache unterrepräsentierter Gruppen

Politische Bildung ist im Verständnis der Befragten nicht nur eine Hol-, sondern auch eine Bringschuld. In ihrer Wahrnehmung wissen viele Menschen nicht, wie sie sich politisch einbringen können:

„Man darf nicht warten, bis sie kommen – wir müssen zu ihnen gehen.“ (IP 4)

„Empowerment heißt, nicht nur erklären, sondern Zutrauen schaffen und Brücken bauen.“ (IP 4)

4. Schulen als Schlüsselorte demokratischer Bildung

Eine interviewte Person hebt die besondere Rolle von Schulen hervor, warnt aber auch vor verpassten Chancen:

„Ich finde, in Schulen ist Demokratie immer noch zu wenig erlebbar – besonders für Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte. Wenn wir Rassismuserfahrungen nicht ernst nehmen und die Betroffenen alleinlassen, fehlt die Grundlage für Identifikation und Motivation zur Teilhabe. Dabei sind die Schulen genau der Ort, an dem wir eine gute Basis schaffen könnten, damit Kinder sich als Teil der Gesellschaft fühlen.“ (IP 3)

5. Politische Bildung als Antwort auf demokratiefeindliche Tendenzen

Einige interviewte Personen nehmen eine wachsende Demokratieverdrossenheit – sowohl bei Zugewanderten als auch in der Gesamtbevölkerung – wahr:

„Ich denke, es braucht Identifikationsangebote für Migrantinnen und Migranten – dass sie sich mit diesem Land, der Politik und der Demokratie identifizieren können, ihre Rolle und Wirkungsmöglichkeiten erkennen. Und ich finde, das gilt nicht nur für Migrantinnen und Migranten. Insgesamt müssen wir noch viel in politische Bildung und Demokratieförderung investieren, weil das Misstrauen gegenüber dem demokratischen System wächst – bei Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Da müssen wir mit Angeboten gegensteuern.“ (IP 3)

Politische Bildung kann ihrer Einschätzung nach ein Gegengewicht setzen – durch Wissensvermittlung, Identifikationsangebote und klare Haltung gegen pauschalisierende Aussagen.

Fazit

Politische Bildung wird als ein zentrales Element einer lebendigen und inklusiven Demokratie wahrgenommen – nicht nur als reine Wissensvermittlung, sondern als aktiver Prozess der Beteiligung und Ermutigung. Die Interviews zeigen: In Nürnberg gibt es bereits vielfältige Formate und Ansätze, die weiter gestärkt und ausgebaut werden sollten. Entscheidend ist dabei, dass politische Teilhabe nicht vom Bildungsstand oder den Sprachkenntnissen abhängen darf – sie muss aktiv und niedrigschwellig ermöglicht werden.

Erfolgreiche Maßnahmen oder ähnliches ggf. aus anderen Städten

Politische Teilhabe und demokratische Integration entstehen nicht zufällig, sondern dort, wo gezielte Zugänge, Bildung und konkrete Beteiligungschancen geschaffen werden. Die Interviews zeigen: Es gibt bereits eine Reihe bewährter Maßnahmen – sowohl in Nürnberg als auch in anderen Städten – die politische Mitwirkung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nachhaltig stärken können. Dazu gehören institutionalisierte Programme, zivilgesellschaftliche Initiativen, partizipative Formate und Empowerment-Ansätze.

1. Modellhafte Programme und Formate – über Nürnberg hinaus

Verschiedene bundes- und landesweite Programme werden in den Interviews als Best-Practice- Beispiele genannt:

„Zum Beispiel Young Up war explizit für Bayern, weil die haben gemerkt: In Bayern fehlt es wirklich.“ (IP 5)

„Auch Brand New Bundestag – die arbeiten überparteilich und geben Menschen eine Chance.“ (IP 5)

„Von BZI, also Bundeszentrale für Zuwanderungs- und Integrationsrat, gab es die Politische Akademie für Vielfalt – das war ein sehr gutes Angebot.“ (IP 5)

Diese Programme fördern nach Einschätzung der Befragten frühzeitige politische Orientierung, Vernetzung, Mentoring und den Zugang zu politischen Institutionen – insbesondere für junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

2. Erfolgreiche Praxisbeispiele aus Nürnberg

Auch Nürnberg selbst verfügt über bewährte Beteiligungsformate:

„Ich finde, dass wir das Thema Jugendpartizipation sehr gut machen. Das Projekt ‚Laut‘ funktioniert super.“ (IP 4)

„‚Lass uns reden‘ ist ein neues Format aus dem Rathaus […] wir gehen damit direkt in die Stadtteile.“ (IP 6)

„Ich habe ‚We Integrate‘ mitgegründet […] wir haben aktiv Menschen angesprochen, sind in Wohnheime, Kulturvereine und Wohngruppen gegangen und haben dann eine eigene Liste für den Integrationsrat aufgestellt.“ (IP 5)

„Im Integrationsrat versuchen wir, alles auf mehreren Sprachen anzubieten […] das wirkt. Die Menschen werden dadurch aktiver.“ (IP 5)

Diese Formate zeigen, wie niedrigschwellige Zugänge, Dialog auf Augenhöhe und Mehrsprachigkeit politische Beteiligung direkt ermöglichen.

3. Empowerment, gezielte Ansprache und Mentoring

Gezielte Förderung einzelner Personen und unterrepräsentierter Gruppen ist für einige Interviewte ein zentraler Erfolgsfaktor:

„Wir hatten ein Projekt, bei dem wir gezielt Frauen angesprochen haben, die Interesse an Politik hatten […] mit Schulungen, Rhetoriktrainings und Mentoring.“ (IP 3)

„Meine feste Überzeugung ist: Auch Quoten können helfen […] ohne Frauenquote hätten wir heute kein Drittel Frauen im Parlament.“ (IP 4)

Mentoring-Modelle und strukturverändernde Maßnahmen wie Vielfaltsquoten werden als wirksame Instrumente gesehen, um politische Räume dauerhaft inklusiver zu gestalten.

4. Erfolgsindikator Einbürgerung – ein Schritt zur politischen Mitbestimmung

Ein deutlicher Zuwachs an Einbürgerungen wird als positive Entwicklung hervorgehoben:

„Wir hatten früher 700 bis 900 Einbürgerungen im Jahr […] jetzt sind es über 2.200. Mit deutschem Pass können diese Menschen auch mitwählen […] das ist ein wichtiger Schritt.“ (IP6)

Die Staatsbürgerschaft stellt für die Befragten ein Schlüsselmoment politischer Gleichberechtigung dar

5. Erfolgsfaktor: Starke Zivilgesellschaft

Neben institutionellen Maßnahmen wird auch das zivilgesellschaftliche Engagement als tragende Säule beschrieben:

„Bamberg hat auch eine starke Zivilgesellschaft […] da läuft zivilgesellschaftlich sehr viel.“ (IP 3)

Wo gesellschaftliche Teilhabe gelebt wird, wächst laut den Befragten auch die Bereitschaft zur politischen Beteiligung.

Zusammenfassung der politischen Faktoren

Zusammengefasst kommen die Befragten in den Interviews zu folgenden Einschätzungen in Bezug auf die politischen Faktoren: Ob in Nürnberg, Bamberg oder im Rahmen bundesweiter Programme – die Beispiele machen, dass politische Teilhabe durch gezielte Maßnahmen nachhaltig gestärkt werden kann. Besonders wirkungsvoll zeigen sich den Befragten zufolge niedrigschwellige Beteiligungsformate vor Ort, die direkte und unkomplizierte Mitwirkung ermöglichen. Ergänzend dazu spielen ihrer Einschätzung nach individuelle Förderangebote – etwa in Form von Schulungen, Mentoring oder Empowerment-Programmen – eine wichtige Rolle. Auch institutionalisierte Programme mit professioneller Begleitung könnten einen zentralen Beitrag leisten. Darüber hinaus wirke sich eine aktive migrantische Selbstorganisation sowie ein starkes zivilgesellschaftliches Netzwerk förderlich auf politische Mitgestaltung aus. Schließlich trage auch die strukturelle Öffnung politischer Räume – etwa durch Mehrsprachigkeit oder die Einführung von Quotenregelungen – dazu bei, mehr Vielfalt in Entscheidungsprozesse zu bringen.

Fazit und Empfehlung aus den Ergebnissen der 3. Forschungsgruppe

Die Auswertung der qualitativen Interviews im Rahmen von „Nürnberg forscht“ mit Expertinnen und Experten aus Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung zeigt: Politische Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist ein zentraler Indikator für demokratische Gerechtigkeit, gesellschaftliche Integration und zukunftsfähige Kommunalpolitik. Trotz positiver Entwicklungen in Nürnberg – insbesondere auf kommunaler Ebene – bestehen weiterhin strukturelle, rechtliche und soziale Barrieren, die eine gleichberechtigte Mitgestaltung erschweren.

Lokale Integrationspolitik, zivilgesellschaftliches Engagement und politische Bildung sind dabei entscheidende Hebel zur Verbesserung der Situation. Integrationsräte, migrantische Organisationen und Empowerment-Programme leisten wertvolle Beiträge zur Demokratisierung kommunaler Strukturen. Die Ergebnisse der Studie legen nahe: Symbolische Repräsentation oder punktuelle Fördermaßnahmen sind allein nur begrenzt wirksam. Vielmehr braucht es eine stärkere strukturelle Offenheit in Parteien, Verwaltungen und Bildungsinstitutionen – sowie gezielte Ansprache, eine angemessene Ressourcenverteilung und transparente Verfahren.

Der Zugang zu politischer Teilhabe ist aktuell noch zu stark vom individuellen sozialen Kapital, der Sprachkompetenz oder dem informellen Netzwerk der Menschen abhängig. Die Ergebnisse der Citizen Science Studie liefern Hinweise darauf, dass Teilhabe erleichtert und gestärkt werden kann, wenn Barrieren abgebaut und Zugänge für alle Menschen – unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus

Empfehlungen für die kommunale Praxis in Nürnberg

Auf Basis der Analyse ergeben sich verschiedene Handlungsimpulse, die zur Stärkung politischer Teilhabe auf kommunaler Ebene beitragen können. Politische Bildung sollte in Nürnberg weiter gestärkt und auch jenseits formaler Bildungswege zugänglich gemacht werden, um eine breitere gesellschaftliche Zielgruppe zu erreichen. Zugleich erscheint es wichtig, strukturelle Barrieren abzubauen – beispielsweise durch mehrsprachige Informationsangebote, leicht zugängliche Beteiligungsformate und diskriminierungssensible Verfahren.

Vielfalt in politischen Strukturen lässt sich fördern, indem unterrepräsentierte Gruppen durch Quotenregelungen, Mentoringprogramme und eine Öffnung parteipolitischer Strukturen gezielt

unterstützt werden. Ein weiterer Baustein liegt in der finanziellen und institutionellen Stärkung der Selbstorganisation migrantischer Gruppen, um deren nachhaltige Teilhabe zu sichern. Die Weiterentwicklung kommunaler Beteiligungsformate – sowohl digital als auch analog, alltagsnah und aufsuchend – wird als zentral betrachtet, um eine breitere Einbindung von Menschen in Entscheidungsprozesse zu ermöglichen. Begleitend dazu werden gezielte Informations- und Aktivierungskampagnen empfohlen.

4. Potenziale von Citizen Science für Forschung, Verwaltung und

Stadtgesellschaft

Die im Projekt „Nürnberg forscht“ gewonnenen Erfahrungen verdeutlichen exemplarisch, das Potenzial von Citizen Science für sozialwissenschaftliche Untersuchungen – insbesondere in den Bereichen Migration, Teilhabe und Integration. Die aktive Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte ermöglicht eine Form der Forschung, die über die reine Datenerhebung hinausgeht, gesellschaftliche Lebensrealitäten sichtbar macht und deren Relevanz anerkennt.

Im Verlauf des Projekts „Nürnberg forscht“ zeigten sich Hinweise darauf, dass der partizipative Ansatz neue Perspektiven in die Diskussion über Integrationspolitik einbringen kann. In einzelnen Fällen wurde deutlich, dass dadurch bestehende kommunale Prozesse als zugänglicher wahrgenommen wurden und das Vertrauen in diese gestärkt werden konnte. Darüber hinaus deuten die Erfahrungen darauf hin, dass eine datenbasierte Weiterentwicklung von Maßnahmen – orientiert an der Lebensrealität der Beteiligten – angestoßen wurde. Das Projekt eröffnete zudem erste Anknüpfungspunkte, um Dialogformate weiterzuentwickeln und institutionelle Strukturen stärker im Sinne einer diversitätssensiblen Verwaltungspraxis zu reflektieren.

Auch auf Seiten der Teilnehmenden wurden positive Wirkungen beobachtet. So berichteten Viele von einem Zugewinn an Kompetenzen, einem gestärkten Gefühl von Selbstwirksamkeit sowie einer Erfahrung gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Relevanz ihrer Perspektiven.

Insgesamt legen die bisherigen Projekterfahrungen nahe, dass Citizen Science nicht nur als methodischer Zugang betrachtet werden sollte. Vielmehr zeigt sich darin ein demokratiefördernder Impuls, der Forschung und gesellschaftliche Teilhabe stärker miteinander verzahnt. Für kommunale Verwaltungsstrukturen kann dieser Ansatz relevante Impulse liefern, um Inklusion, Transparenz und Bürgernähe weiterzudenken.

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Anhang

Anhang 1: Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau einer Forschungseinheit ........................................................................................ 4 Abbildung 2: Schaubild der wichtigsten Ergebnisse aus der zweiten Forschungsgruppe ....................... 6 Abbildung 3: Übersicht der Partizipation bei Datenerhebung und -auswertung .................................... 7 Abbildung 4: Übersicht der Partizipation bei Datenerhebung und -auswertung .................................... 8 Abbildung 5: Übersicht der Partizipation bei Datenerhebung und -auswertung .................................. 13 Abbildung 6: Engagement außerhalb von Wahlen, N = 111 ................................................................ 29 Abbildung 7: Mitgliedschaften in Organisationen, Parteien Vereinen, o.ä., in Prozent, N = 109 .......... 29 Abbildung 8: Was erschwert Ihnen die Teilnahme an Wahlen oder anderen politischen Aktivitäten (Demonstrationen, Petitionen, Bürgerinitiativen, Gemeinde-/Vereinsarbeit, o.ä.) in Nürnberg? (Mehrfachantworten möglich) .............................................................................................................. 30 Abbildung 9: Generelles Interesse an Politik oder politischen Themen, N = 123 ................................. 30 Abbildung 10: Kenntnis über unterstützende Angebote, N = 87........................................................... 33 Abbildung 11: Haben Sie das Gefühl, dass die Stadträtinnen und Stadträte in Nürnberg Ihre Interessen ausreichend vertreten? N = 64 .............................................................................................................. 38 Abbildung 12: Wahl des Integrationsrates, N = 119 .............................................................................. 46

Tabelle 1: Modell zu den Graden der Beteiligung in Citizen Science ....................................................... 5 Tabelle 2: Forschungsetappen ............................................................................................................... 11 Tabelle 3: Übersicht über die quantitative und qualitative Datenerhebung und Auswertung ............. 12 Tabelle 5: Wahlbeteiligung bei den letzten Bundestags-, EU und Kommunalwahlen ........................... 31

Anhang 2

1. Qualitative Analyse: Codiersystem

Hauptcodes

1 Individuelle Faktoren Subcodes Subcodes Subcodes
1. Weg in die Politik & Motivation Persönliche Erlebnisse und Hintergründe Vorbilder Rolle der eigenen Zuwanderungsgeschichte
1.2 Erfahrungen & Ziele im Amt Erste politische Erfahrungen Herausforderungen im politischen Alltag Ziele und gewünschte Veränderungen
1.3 Botschaft an zukünftige Engagierte Ratschläge Ermutigende oder abschreckende Erfahrungen Bedeutung von Netzwerken, Sprache, Diskriminierung, Einstellung o.ä.
2 Strukturelle Faktoren
2.1 Schwierigkeiten & Maßnahmen zur Förderung der Teilhabe Zugang zu Parteien und politischen Ämtern Bürokratische und rechtliche Hürden oder Diskriminierung aufgrund von Sprache und Herkunft o.ä. Unterstützungsmaßnahmen
2.2 Wahlrecht & Wahlverhalten Auswirkungen des Wahlrechts auf die politische Partizipation Unterschiede zwischen verschiedenen Migrationsgruppen Politische Präferenzen und Engagement außerhalb von Wahlen
2.3 Politische Repräsentanz Anteil von Politikerinnen und Politikern mit Migrationsgeschichte Wahrnehmung von Vielfalt in politischen Strukturen Rolle von migrantischen Organisationen in der Politik
3 Gesellschaftliche Faktoren
3.1 Allgemeine Einschätzung zur politischen Teilhabe (Fokus: Nürnberg) Besondere Herausforderungen oder Chancen in Nürnberg Bedeutung lokaler Integrationspolitik Vergleich mit anderen Städten oder Bundesländern
3.2 Einflussfaktoren auf die Wahlbeteiligung Bildungsniveau und politische Bildung (Zugangsfaktoren) Vertrauen in das politische System Einfluss von Medien und sozialen Netzwerken
4 Politische Faktoren
4.1 Maßnahmen zur Förderung der politischen Teilhabe Erfolgreiche Maßnahmen und Beispiele aus anderen Städten Rolle von Integrationsräten, Vereinen und migrantischen Organisationen Politische Bildung und Aufklärungsarbeit

2. Quantitative Analyse: Auszug aus den soziodemographischen Daten der

Online-Befragung

Wie alt sind Sie?

Häufig keit Proze nt Gültige Prozent Kumulativ e Prozente
Gültig 21 bis 29 Jahre 30 bis 39 Jahre 40 bis 49 Jahre 50 bis 59 Jahre 60 Jahre oder Älter Gesamtsumme Fehlend Gesamtsumme 26 23 30 21 9 109 14 123 21,1 18,7 24,4 17,1 7,3 88,6 11,4 100,0 23,9 21,1 27,5 19,3 8,3 100,0 23,9 45,0 72,5 91,7 100,0

Welches Geschlecht haben Sie?

Häufig keit Proze nt Gültige Prozent Kumulativ e Prozente
Gültig weiblich männlich Gesamtsumme Fehlend Gesamtsumme 68 40 108 15 123 55,3 32,5 87,8 12,2 100,0 63,0 37,0 100,0 63,0 100,0

Zuwanderung

Häufig keit Proze nt Gültige Prozent Kumulativ e Prozente
Gültig keine Angabe selbst zugewandert mindestens ein Elternteil zugewandert Gesamtsumme Fehlend -99,00 Gesamtsumme 7 78 24 109 14 123 5,7 63,4 19,5 88,6 11,4 100,0 6,4 71,6 22,0 100,0 6,4 78,0 100,0

Wann sind Sie oder Ihre Eltern nach Deutschland zugewandert?

Häufigkeit Prozent Gültige Prozent Kumulativ e Prozente
Gültig Zwischen 2023 und 2025 Zwischen 2021 und 2022 Zwischen 2016 und 2020 Zwischen 2011 und 2015 Zwischen 2001 und 2010 Zwischen 1991 und 2000 Zwischen 1961 und 1990 Vor 1961 Keine Angabe Weiß ich nicht Gesamtsumme Fehlend Gesamtsumme 3 5 7 12 16 16 34 2 4 2 101 22 123 2,4 4,1 5,7 9,8 13,0 13,0 27,6 1,6 3,3 1,6 82,1 17,9 100,0 3,0 5,0 6,9 11,9 15,8 15,8 33,7 2,0 4,0 2,0 100,0 3,0 7,9 14,9 26,7 42,6 58,4 92,1 94,1 98,0 100,0

Anzahl Staatsangehörigkeiten (SYSMIS als 0 behandelt)

Häufigkeit Prozent Gültige Prozent Kumulativ e Prozente
Gültig 1,00 2,00 Gesamtsumme Fehlend ,00 Gesamtsumme 77 31 108 15 123 62,6 25,2 87,8 12,2 100,0 71,3 28,7 100,0 71,3 100,0

Staatsangehörigkeit

Häufigkeit Prozent Gültige Prozent Kumulativ e Prozente
Gültig Deutsch EU Drittstaat Doppelte Staatsangehörigkeit Gesamtsumme Fehlend -99,00 Gesamtsumme 38 12 27 31 108 15 123 30,9 9,8 22,0 25,2 87,8 12,2 100,0 35,2 11,1 25,0 28,7 100,0 35,2 46,3 71,3 100,0

Welchen höchsten Schulabschluss haben Sie erworben?

Häufigkeit Prozent Gültige Prozent Kumulative Prozente
Gültig sonstiges Haupt-, Mittel-, Realschule Gymnasium, Fachoberschule Berufsausbildung in Berufsfachschule, Duale Ausbildung Universität, Hochschule keine Angabe Gesamtsumme Fehlend Gesamtsumme 2 7 14 15 65 2 105 18 123 1,6 5,7 11,4 12,2 52,8 1,6 85,4 14,6 100,0 1,9 6,7 13,3 14,3 61,9 1,9 100,0 1,9 8,6 21,9 36,2 98,1 100,0
  1. Deskriptive Statistik: Gründe für eine Nicht-Teilnahme an der letzten Wahl des Integrationsrates

Minimum-Wert 1 = trifft überhaupt nicht zu; Maximum-Wert 5 = trifft voll und ganz zu

N Minimum Maximum Mittelwert Standardabweichung
Ich hatte kein Interesse. 32 1 5 2,5 1,36783
Ich wusste nichts von der Wahl. 31 1 5 2,9 1,70009
Ich weiß nicht was, die Aufgaben des Integrationsrats sind. 31 1 5 3,2 1,20304
Ich hatte zu wenige Informationen über Parteien, Kandidaten und deren Themen. 32 1 5 4,0 ,98374
Ich fühlte mich von keinem Kandidaten ausreichend vertreten. 31 1 5 2,9 1,31493
Der Integrationsrat kann nichts bewirken. 32 1 5 2,8 1,11984
Ich verstehe zu wenig deutsch. 29 1 5 1,4 1,05513
Ich hatte keine Zeit. 29 1 5 2,2 1,40548
Gültige Anzahl (listenweise) 27

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