An den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Herrn Marcus König Rathausplatz 2 90403 Nürnberg 30.06.2025
Alarmierende Berichte zum Kinder-und Jugendnotdienst
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
auf Grundlage unseres Antrags "Die Not des Kinder- und Jugendnotdienstes" vom 12.02.2024 wurde am 18.07.2024 im Jugendhilfeausschuss der "Standardbericht 2023 Kinder- und Jugendhilfen in Nürnberg" vorgelegt.
Es wurde berichtet, dass seit 2017 die Zunahme von Kindern und Jugendlichen mit multiplen und ausgeprägten Problemlagen sowie der Fachkräftemangel und das Fehlen geeigneter Anschlusshilfen die Struktur des Kinder- und Jugendnotdienstes seit Jahren an die Grenzen des Leistbaren gebracht hat. Dies führte u.a. zu Überbelegungssituationen und "vielen Vorkommnissen" wie steigende Gewalt unter Kinder und Jugendlichen, Gewalt gegen Mitarbeitende und Fluktuation Mitarbeitender. Das Jugendamt und der Schlupfwinkel e.V. vereinbarten, die bisherige Form der Kooperation zu beenden und die Zusammenarbeit im Bereich der Krisenhilfe neu zu organisieren, auch im räumlichen Bereich. Geplant war, die gesamte Neuorganisation bis Ende 2024 abzuschließen.
Folgender Beschluss wurde einstimmig gefasst:
"Der Jugendhilfeausschuss erkennt die Notwendigkeit der Stellenschaffungen beim ASD aufgrund der vermehrten Anzahl unbegleiteter minderjähriger Ausländer (umA), aktuellen Fallzahlsteigerungen sowie neu hinzugekommener Aufgaben an und beauftragt die Verwaltung des Jugendamts, die notwendigen Stellen zu beantragen. Über die endgültige Bereitstellung der Mittel und Stellen entscheidet der Stadtrat in den Haushaltsberatungen".
Im Gegensatz zu diesen Absichtserklärungen tauchten im Frühjahr diesen Jahres in den Medien alarmierende Berichte auf.
Die Linke im Nürnberger Stadtrat
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Am 21.02.2025 berichtet die Nürnberger Nachrichten über einen offenen Brief eines Anwalts für Familienrecht an den Oberbürgermeister und die Sozialreferentin der Stadt sowie verschiedene Medienhäuser. Der Rechtsanwalt hat mit anderen Anwälten und Kinder- und Jugendpsychiatern einen Arbeitskreis ins Leben gerufen. "Die Situation in der Jugendschutzstelle Nürnberg einerseits und den Notunterkünften für unbegleitete Ausländer (umA) andererseits sei untragbar… Der Schutz der Kinder und Jugendlichen könne nicht mehr gewährleistet werden …Die Unterbringung im Jugendschutz stellt …schon selbst eine Kindeswohlgefährdung dar …"
Am 07.04.2025 schreiben die Nürnberger Nachrichten unter dem Titel "Es ist ein Teufelskreis" erneut einen Artikel zu dem Thema. Darin bestätigt eine ehemalige Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialdienstes des Jugendamts den offenen Brief des Arbeitskreises. Ihre Beurteilung der Situation lautet: "Der ASD …hat keine Chance mehr, den Aufgaben gerecht zu werden … Die Leute im ASD kämpfen seit Jahren mit der Überlastung. Sie sind mittlerweile hauptsächlich als Notfallhilfe im Einsatz. Notfallhilfe bedeutet: Akutfälle, Kinder, die misshandelt werden, Jugendliche, die außer Rand und Band sind, alkohol-oder drogenabhängige Eltern, die nicht mehr in der Lage sind, sich zu kümmern … Die Mitarbeitenden stehen enorm unter Druck … Es ist ein Teufelskreis: Die Zunahme zeitintensiver Notfälle nimmt den ASD so in Anspruch, dass keine Zeit mehr bleibt für vorbeugende Beratung und Hilfen." Laut NN formuliert die Sozialpädagogin sachlich und ihre Darstellungen lässt sich die Zeitung von Insidern bestätigen.
Wir stellen den Antrag, die Verwaltung möge berichten:
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Wurde die bisherige Form der Kooperation zwischen Jugendamt und Schlupfwinkel beendet und die für Ende 2024 geplante Neuorganisation umgesetzt?
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Inwiefern hat die Neuorganisation Verbesserungen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie die Mitarbeitenden erwirkt?
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Wurden die im Jugendausschuss vom 18.07.2024 als notwendig erachteten Stellen beantragt und besetzt?
Mit freundlichen Grüßen
Titus Schüller Kathrin Flach Gomez
Die Linke im Nürnberger Stadtrat
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