Inhaltsverzeichnis
Sitzungsdokumente Tagesordnung -öffentlich- 2 Vorlagendokumente TOP Ö 1 Naloxon-Projekt Gesundheitsamt Nürnberg - Applikation durch Fachpersonal der Drogenhilfe Berichtvorlage Gh/018/2024/2 3 Naloxon_Sachverhaltsdarstellung Gh/018/2024/2 7 TOP Ö 2 Drogen-Check als Präventionsmaßnahme - Änderung des Betäubungsmittelgesetzes Berichtvorlage SHA/001/2025 12 Sachverhalt Drug Checking_20250206 SHA/001/2025 15 Antrag_SPD_Drogen-Check als Präventionsmaßnahme II Änderung des 17 Betäubungsmittelgesetzes_2023-07-25 SHA/001/2025 TOP Ö 3 Nürnberger Drogenhilfemodell - Bericht über die Entwicklungen und Aktivitäten seit 2023 Berichtvorlage SHA/002/2025 19 Sachverhalt Nürnberg Drogenhilfemodell_20250206 SHA/002/2025 23 TOP Ö 4 Förderung der Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg Berichtvorlage SHA/003/2025 34 Sachbericht_Förderung der Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg_2025-02-06 38
Antrag_Bündnis90_Die Grünen_2025_05_28 SHA/003/2025 51 Antrag_CSU_Seniorennetzwerk Altstadt_2024_07_08 SHA/003/2025 53 Antrag_Freie Allianz Nürnberg e.V. Seniorenangebote im Stadtzentrum_2024-08-23 54
TAGESORDNUNG
Sitzung
Sitzung des Sozialausschusses
Sitzungszeit
Donnerstag, 06.02.2025, 09:00 Uhr
Sitzungsort
Rathaus, Fünferplatz 2, Großer Sitzungssaal
TAGESORDNUNG
Öffentliche Sitzung
1. Naloxon-Projekt Gesundheitsamt Nürnberg - Applikation durch Bericht
Fachpersonal der Drogenhilfe Gh/018/2024/2
Ries, Elisabeth
2. Drogen-Check als Präventionsmaßnahme - Änderung des Bericht
Betäubungsmittelgesetzes SHA/001/2025
Antrag der SPD-Fraktion vom 25.07.2023
Ries, Elisabeth
3. Nürnberger Drogenhilfemodell - Bericht über die Entwicklungen Bericht
und Aktivitäten seit 2023 SHA/002/2025
Ries, Elisabeth
4. Förderung der Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg Bericht
Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 28.05.2024 SHA/003/2025
Antrag CSU vom 08.07.2024
Freie Allianz Nürnberg e.V. vom 23.08.2024
Ries, Elisabeth
- Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 05.12.2024,
öffentlicher Teil
Gh/018/2024/2
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 06.02.2025 öffentlich Bericht
Betreff:
Naloxon-Projekt Gesundheitsamt Nürnberg - Applikation durch Fachpersonal der
Drogenhilfe
Anlagen: Naloxon_Sachverhaltsdarstellung
Bericht:
Das Gesundheitsamt Nürnberg hat in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und den Drogenhilfsorganisationen ein Pilotprojekt für eine Erstapplikation von Naloxon, als Antidot bei lebensbedrohlichen Vergiftungen mit Drogen aus der Wirkgruppe der Opioide, gestartet. Die Zahl der Drogentoten ist in Nürnberg konstant hoch, es ist davon auszugehen, dass über ein Drittel der Drogentoten aufgrund von Heroin und Morphin starben. Aufgrund einer extrem geringen therapeutischen Breite kann eine unkontrollierte Einnahme schnell zu einer tödlichen Überdosis führen. Ziel des Pilotprojektes ist es Leben zu retten, indem anwesende Personen, auf der Straße oder in der entsprechenden Einrichtung, das Antidot bereits vor dem Eintreffen professioneller Hilfe zu applizieren können. Durch die Anwendung des Nyxoid-Nasensprays wird innerhalb von 1-2 Minuten der wirksame Plasmaspiegel des Naloxons erreicht und die Person erwacht innerhalb von 2-3 Minuten und atmet wieder selbstständig.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja
RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Naloxon-Projekt Gesundheitsamt Nürnberg
Applikation durch Fachpersonal der Drogenhilfen
Sachverhaltsdarstellung
Das Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg hat in Zusammenarbeit mit dem Amt für Existenzsicherung und soziale Integration und den Drogenhilfsorganisationen (MUDRA, Lilith, etc.) ein Pilotprojekt für eine Erstapplikation von Naloxon, als Antidot (Gegengift) bei lebensbedrohlichen Vergiftungen mit Drogen aus der Wirkgruppe der Opioide gestartet.
1. Hintergründe
2023 starben deutschlandweit mehr als 2.200 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums; rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Wert lag damit auf dem höchsten jemals erfassten Stand.
2022 starben deutschlandweit 1.990 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums (Quelle: Statista 2024). In Bayern wurden 277 Todesopfer registriert, davon waren 83 Prozent männlich und im Durchschnitt 40,6 Jahre alt. Die Belastungszahl mit Drogentodesfällen lag 2022 in Bayern bei 2,1 Toten je 100.000 Einwohner (Berlin: 6,3 Tote je 100.000 Einwohner). Das Stadtgebiet Nürnberg weicht hier im bayernweiten Vergleich signifikant nach oben ab. Der Höchststand in Nürnberg wurde 2019 mit 34 drogeninduzierten Todesfällen erreicht.
Absolute Fallzahlen von Drogentoten in Nürnberg sowie die relative Häufigkeit in Abhängigkeit zur 100.000 Einwohnern
Quelle: Erhebung Gh gem. statistischer Erfassungen der Stadt Nürmberg
Auch die Beobachtungssituation 2022 kann nicht als beruhigend betrachtet werden, mit 27 Todesfällen ergab sich ein relativer Wert mit 5,2 je 100.000 Einwohnern und liegt damit deutlich über dem gesamtbayerischen Durchschnitt.
Wenngleich die Substanzsituation als heterogen zu betrachten ist, so starben bundesweit über ein Drittel der Drogentoten (über 700 von 2.227) aufgrund von Heroin und Morphin. Der Anteil von Opiaten und Opioiden hat sich in den letzten Jahren sukzessive erhöht und die meisten Drogentoten sind auf Vergiftungen mit diesen Substanzen zurückführen.
Quelle: Europäischer Drogenbericht 2022 – Trends und Entwicklungen
2. Opium, Opiate, Opioide
Opium wird aus der unreifen Fruchtkapsel des Schlafmohns (Papaver somniferum) gewonnen, heraus (Rohopium) können weitere Substanzen (Opiate) mit entsprechender Wirkung gewonnen werden. Unter Opioiden versteht man Substanzen, mit morphinartiger Wirkung, die halbsynthetisch oder synthetisch hergestellt werden.
Für die Entfaltung der Wirkung ist das Rezeptormodell von großer Bedeutung. Der Stoff muss eine offene Rezeptorstelle als Agonisten, partieller Agonisten oder Antagonisten besetzen können. Die längerfristige Einnahme von Opioiden führt zu einer Desensibilisierung der Rezeptoren und zur Ausbildung von Toleranz, was oft zu einer Erhöhung der Dosierung führt.
Aufgrund einer extrem geringen therapeutischen Breite kann eine unkontrollierte Einnahme schnell zu einer tödlichen Überdosis führen. Neben der vom Konsumenten erwünschten Wirkung, mit Schmerzstillung einerseits, aber auch euphorisierenden Wirkungen andererseits, kommt es zu Veränderungen der Vigilanz, zu Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit/Koma, Atemdepression und bis zu einem Atemstillstand. Ab diesem Moment besteht eine zeitkritische, lebensbedrohliche Situation. Insbesondere das Gehirn erleidet hier sehr schnell einen Sauerstoffmangel mit einem schweren neurologischen Defizit, im schlimmsten Fall ist mit dem Ableben des Patienten zu rechnen.
Entsprechende Sofortmaßnahmen werden notwendig: Bewusstseins- und Atemkontrolle Notruf Rettungsdienst, Notarzt Stabile Seitenlagerung Wiederbelebung
Nach Eintreffen des Rettungsdienstes und/oder des Notarztes wird hier unverzüglich ein Antidot ‚Naloxon‘, i.R. parenteral verabreicht, d.h. die Gabe von Arzneistoffen oder Nährstoffen durch Injektion, Infusion oder Inhalation in den Blutkreislauf unter Umgehung der enteralen Resorption (Aufnahme über den Darm).
3. Gegengift (Antidot) Naloxon
Naloxon hebt aufgrund einer konkurrierenden Rezeptorbindung die Wirkung von Opioiden auf.
Quelle: Mundipharama GmbH, Wien - Kurzanleitung zur Gabe von Nyxoid®
Nun sind aber in zeitkritischen, lebensbedrohlichen Situationen die ersten Minuten entscheidend. Daher sollte das Ziel verfolgt werden, dass durch andere anwesende Personen, neben den oben aufgezeigten Sofortmaßnahmen, auch ein Antidot appliziert werden kann. Hierzu gibt es bereits Konzepte, dass dem Drogenkonsumenten durch den Hausarzt ein Antidot per Rezept verschrieben wird („Take home Naloxon“).
4. “Naloxon on the street” (Nost)
Ziel des Pilotprojektes ist es Leben zu retten, indem anwesende Personen, z.B. Streetworker, auf der Straße oder in der entsprechenden Einrichtung das Antidot bereits vor dem Eintreffen professioneller Hilfe zu applizieren.
In Analogie zum Rettungsdienst in Bayern wurde sich für das Präparat Nyxoid® entschieden, welches auch ein einfaches Handling vorsieht. Hierbei wird eine nasale Anwendung einer parenteralen Applikation vorgezogen. Nyxoid® ist bestimmt für die sofortige Anwendung als Notfalltherapie bei bekannter oder vermuteter Opioid-Überdosierung, bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 14 Jahren. Durch die Anwendung des Nyxoid®-Nasensprays kann innerhalb von 1-2 Minuten der wirksame Plasmaspiegel des Naloxons erreicht werden. Es erfolgt ein schneller Übertritt über die Blut-Hirn-Schranke.
Wenn eine Person wegen einer Opioid-Überdosierung (durch Morphium, Heroin, Fentanyl, o.ä.) bewusstlos ist, erwacht sie innerhalb von 2-3 Minuten und atmet wieder selbstständig.
Darstellung der Gabe von Nyxoid® über die Nase
Quelle: Mundipharama GmbH, Wien - Kurzanleitung zur Gabe von Nyxoid®
5. Wodurch zeichnet sich Pilotprojekt aus
Teilnahme von Beschäftigten aus der Drogenhilfe Zwei Kursformate: o Teilnehmende mit Vorkenntnissen (2 UE) o Teilnehmende ohne Vorkenntnissen (6 UE) Übertragung der Maßnahme im Rahmen einer ärztlichen Delegation für 12 Monate Ermöglichung des Erwerbs eines Nyxoid®-Sets (Rezept) Dokumentation und Rückmeldung an das Gesundheitsamt (wissenschaftliche) Evaluierung
6. Schulungsmaßnahmen
Für dieses Pilotprojekt wurden zwei Kursformate entwickelt, siehe oben. In beiden Fällen geht man von einer gewissen Vorbildung aufgrund der beruflichen Tätigkeit aus.
Folgende Lehrinhalt werden hier vorgestellt: Drogensituation in Nürnberg Wirkung der Opioide Wirkung Naloxon Lebensbedrohliche Situation ‘Bewusstlosigkeit’ Seitenlagerung Anwendung Naloxon Nasenspray Lebensbedrohliche Situation ‘Atemstillstand’ Reanimation
Rechtsgrundlagen
Sie besondere Betonung liegt auf dem Training von lebensrettenden Sofortmaßnahmen:
Quelle: Mundipharama GmbH, Wien – Kurzanleitung zur Gabe von Nyxoid®
7. Erste Erfahrungen
Im September 2024 wurden die ersten Kurse in beiden Formaten durchgeführt. Die Compliance der Kursteilnehmenden war sehr hoch, die bewertenden Reaktionen durchwegs positiv. In dem Beobachtungsraum wurde bereits mehrfach durch Fachpersonal das Nasenspray appliziert. In einem Fall ohne Wirkung, sodass von einer anderen Stoffsubstanz ausgegangen werden muss. In jedem Fall hat ein Nachgespräch mit den Anwenderinnen und Anwendern stattgefunden. Aufgrund der Reaktionen sind weitere Kurse für 2025 in Planung.
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 06.02.2025 öffentlich Bericht
Betreff:
Drogen-Check als Präventionsmaßnahme - Änderung des Betäubungsmittelgesetzes
Antrag der SPD-Fraktion vom 25.07.2023
Bericht:
Im Sommer 2023 hat der Deutsche Bundestag eine bundesweite Regelung zu Drug-Checking- Modellen beschlossen. Hierdurch ergibt sich nun die Möglichkeit, auf Länderebene durch eine entsprechende Rechtsverordnung Drug-Checking-Modelle einzuführen.
Die Drogenhilfeakteure in Nürnberg befürworten die Einführung eines Modellprojektes im Stadtgebiet, um Gesundheitsgefahren zu minimieren. Die SPD-Stadtratsfraktion stellte im Juli 2023 einen Antrag, der die Verwaltung beauftragte, Gespräche mit dem Freistaat Bayern (Ministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention) zu führen und die Erstellung eines Konzepts im Rahmen des Forschungsverbundes "Nürnberger Drogenhilfemodell" vorzubereiten. Über die Ergebnisse wird vorliegend berichtet.
Bezug zum Orientierungsrahmen für eine inklusive und nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 7 - Armut bekämpfen, Teilhabe verwirklichen
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Drug-Checking-Modelle stellen einen Baustein zur Beseitigung von Diskriminierung und Benachteiligungen aufgrund einer Suchterkrankung dar.
RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Beilage
zur Sitzung des Sozialausschusses am 06.02.2025
Drogen-Check als Präventionsmaßnahme // Änderung des Betäubungsmittelgesetzes
Antrag der SPD Stadtratsfraktion vom 25.07.2023
1. Hintergrund
Im Sommer 2023 hat der Deutsche Bundestag eine bundesweite Regelung zu Drug-Checking-Modellen beschlossen.
Der Bund gibt nun den Ländern die Möglichkeit, Drug-Checking-Modelle einzuführen. Die Drogenhilfeakteure in Nürnberg befürworten die Einführung eines Modellprojektes im Stadtgebiet, um Gesundheitsgefahren zu minimieren.
Am 25.07.2023 beantragte die SPD-Stadtratsfraktion, die Verwaltung solle Gespräche mit der bayerischen Staatsregierung (Ministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention) führen, um die Umsetzbarkeit von Drug-Checking-Modellen in Nürnberg zu besprechen. Darüber hinaus soll mit Fachleuten und im Rahmen des Forschungsverbundes des Nürnberger Drogenhilfemodells ein wissenschaftlich fundiertes Konzept von Drug-Checking-Modellen in Nürnberg erstellt werden.
Der Antrag wird im Folgenden beantwortet.
- Stellungnahme des Bayerischen Ministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention
Eine Anfrage an das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention zur Erlassung einer landesspezifischen Rechtsverordnung gemäß §10b Betäubungsmittelgesetz (BtMG) zur Umsetzung von Drug-Checking-Modellprojekten wurde erstmals von SHA am 17.01.2024 gestellt.
Im April 2024 fand ein Treffen zwischen SHA und der neuen bayerischen Suchtbeauftragten Frau Dr. Decker aus dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention – Referat 54 Suchtprävention im Zuge eines ganztägigen Besuches in Nürnberg statt. Das Treffen diente zum gegenseitigen Kennenlernen sowie der Vorstellung des Nürnberger Drogenhilfesystems. Die Träger der Drogenhilfe wurden hierzu eingeladen und es fand ein gemeinsames Gespräch statt. Darüber hinaus konnte Fr. Dr. Decker sowie ihr Kollege über einen Besuch bei Hängematte e.V.- Notschlafstelle und Hilfen für Drogenkonsumierende und im Frauencafe bei Lilith e.V. – Drogenhilfe für Frauen und Kinder einen vertieften Einblick in die Suchthilfelandschaft vor Ort gewinnen.
Bei ihrem Besuch in Nürnberg wurde auch über Möglichkeiten zur Einführung von Drug-Checking Angeboten und eventuelle Spielräume für Nürnberg gesprochen. Bei dem Gespräch wurde deutlich, dass es derzeit keine Erfolgsaussichten für eine Umsetzung geben wird. Dennoch sollte eine erneute Anfrage an das Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gestellt werden.
Dies erfolgte seitens SHA am 04.11.2024, woraufhin am 17.12.2024 eine ablehnende Antwort des Staatsministeriums einging.
Die Antwort beinhaltet, dass die Staatsregierung Drug-Checking Angeboten skeptisch gegenübersteht, da selbst ein qualifiziert durchgeführtes bzw. hochwertiges Drug-Checking, dessen Ergebnis in der Regel nicht kurzfristig vorliegt, keine umfassende Sicherheit für Konsumierende bieten kann und diese damit in falscher Sicherheit wiegt. Selbst wenn nachgewiesen wird, dass bekannte Sub-
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stanzen, Verunreinigungen und Streckmittel nicht enthalten sind, schließt dies nicht aus, dass andere toxische Stoffe vorkommen, die ggf. nur mit einer zusätzlichen speziellen Analytik nachzuweisen wären.
Es ist daher seitens des Freistaates Bayern derzeit nicht vorgesehen, die für die Durchführung eines Modellprojektes erforderlichen Voraussetzungen (Rechtsverordnung) zu schaffen. Aus Sicht der Staatsregierung gilt es zunächst die Ergebnisse etwaiger Modellprojekte in anderen Bundesländern abzuwarten.
- Studie „Gesundheitsförderung durch evidenzbasiertes Drug-Checking in Nürnberg“
Prof. Dr. Christian Ghanem von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (Forschungsprofessur Straffälligen- und Suchthilfe) konnte in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach sowie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg eine Forschungsförderung über das Bundesministerium für Bildung und Forschung für eine Projektlaufzeit vom 01.12.2024 – 31.05.2026 in Höhe von 360.000 Euro erwirken. Das Forschungsprojekt lautet „Gesundheitsförderung durch evidenzbasiertes Drug-Checking in Nürnberg (EviDriN)“ und hat zum Ziel, Kenntnisse über tatsächlich konsumierte Substanzen in Nürnberg und Entwicklungstrends (Teilprojekt A) zu eruieren sowie ein evidenzbasiertes Drug-Checking-Konzept für Nürnberg (Teilprojekt B) zu entwickeln.
Ein fundiertes Konzept und eine Evidenz zu Drug-Checking könnte aus Sicht der Verwaltung und der am skizzierten Forschungsvorhaben beteiligten beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hilfreich bei der Erwirkung einer Landesverordnung sein. Auch wenn dies nicht unmittelbar geschehen sollte, kann das Projekt zur Öffentlichkeitsarbeit beitragen. Aus wissenschaftlicher Perspektive entsteht ein Mehrwert hinsichtlich des (1) systematischen Zusammentragens wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Drug-Checking, (2) der Systematisierung der Expertise bestehender Angebote in anderen Ländern und (3) der Anbindung an übergreifende Projekte.
Zur Gewinnung der Erkenntnisse soll unter anderem eine Analyse der Drogennotfälle vergangener Jahre am Klinikum Nürnberg (Blut/Urin/Akten) erfolgen. Ebenso sollen aktuelle Drogennotfälle und die verantwortlichen Substanzen erfasst werden und damit abgeglichen werden, was der Patient/die Patientin dachte, konsumiert zu haben. Selbiges soll mit Spritzenrückständen erfolgen. Weiterhin soll eine systematische Literaturanalyse sowie eine User-Befragung stattfinden. Darüber hinaus soll eine Kosten-Nutzen-Analyse (Social Return on Investment) für Drug-Checking Angebote erfolgen.
Lilith e.V. sowie mudra e.V. sind in das Forschungsprojekt eng mit einbezogen und werden an dem Projekt mitwirken (bspw. über Mitarbeit bei der Erhebung für Substanzanalyse und frauenspezifischen Bedarfen). Weiterhin findet eine enge Einbindung der Stadtverwaltung (Sozialamt) statt. Das Projekt kann somit als Teil des Nürnberger Drogenhilfemodells verstanden werden und ist entsprechend in die Strukturen eingebettet.
Prof. Dr. Christian Ghanem sowie seine Projektpartnerinnen und Partner laden im April zu einer Fachveranstaltung ein, um ein Fachpublikum sowie interessierte Stadträtinnen und Stadträte über das Projekt und die Inhalte sowie gegebenenfalls erste Erkenntnisse zu informieren. Eine gesonderte Einladung wird den Mitgliedern des Sozialausschusses der Stadt Nürnberg über das Sozialamt rechtzeitig zugehen.
Nürnberg, Januar 2025 Amt für Existenzsicherung und soziale Integration - Sozialamt
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 06.02.2025 öffentlich Bericht
Betreff: Nürnberger Drogenhilfemodell - Bericht über die Entwicklungen und Aktivitäten seit 2023
Bericht:
Das Nürnberger Drogenhilfemodell ist ein Verbund der Drogenhilfen Lilith e.V., Mudra e.V., des Klinikum Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. Der Verbund gründete sich 2021 anlässlich des Besorgnis erregenden Anstiegs von Drogenkonsum, der sich rasant verändernden Konsummuster sowie der in Nürnberg überproportional hohen Zahl konsumbedingter Todesfälle.
Das Nürnberger Drogenhilfemodell hat zum Ziel, die Versorgung von Menschen, die illegale Drogen konsumieren, zu verbessern, die Drogentodesfälle zu reduzieren und die Belastungen medizinischen Notfallsystems, wie z.B. Rettungsdienste, Notaufnahmen und Intensivstationen zu minimieren.
Das Nürnberger Drogenhilfemodell versteht sich selbst als „Denkfabrik“ für die Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und innovativen kommunalen Sucht- und Drogenhilfe. Wissenschaftliche Erhebungen und Auswertungen sind daher ein zentraler Baustein des Verbunds. Das Nürnberger Drogenhilfemodell wird aktuell vom Freistaat Bayern gefördert.
Die Verwaltung berichtet mit der Vorlage über die Aktivitäten des Verbundes der letzten zwei Jahre. Als sachverständiger Gast wird Herr Dr. Welker, Klinikum Nürnberg, an der Sitzung teilnehmen und ergänzend berichten.
Bezug zum Orientierungsrahmen für eine inklusive und nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 7 - Armut bekämpfen, Teilhabe verwirklichen
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Das Projekt stellt einen Baustein zur Beseitigung von Diskriminierung und Benachteiligungen aufgrund einer Suchterkrankung dar.
RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Beilage
Zur Sitzung des Sozialausschusses am 06.02.2025
Bericht über den aktuellen Stand des Nürnberger Drogenhilfemodells
1. Hintergrund und Aufbau des Nürnberger Drogenhilfemodells
Das Nürnberger Drogenhilfemodell (NDHM) hat sich 2021 gegründet. Anlass waren der Besorgnis erregende Anstieg von Drogenkonsum, die sich rasant verändernden Konsummuster, die in Nürnberg überproportional hohe Zahl konsumbedingter Todesfälle gepaart mit Versorgungsdefiziten der psychosozialen und medizinischen Drogenhilfen in Nürnberg/Mittelfranken. Hinzu kam die starke Auslastung des medizinischen Notfallsystems wie z.B. Rettungsdienste, Notaufnahmen und Intensivstationen. Akteurinnen und Akteure der Drogenhilfe nahmen dies zum Anlass und gründeten den Verbund „Nürnberger Drogenhilfemodell“, um gemeinsam die Versorgung von Menschen, die illegale Drogen konsumieren, zu verbessern. Das Nürnberger Drogenhilfemodell versteht sich selbst als „Denkfabrik“ für die Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und innovativen kommunalen Sucht- und Drogenhilfe. Es möchte Politik und Verwaltung als Beratungsgremium zur Verfügung stehen und den Netzwerkpartner*innen Kooperation und Unterstützung anbieten.
Mitglieder des Nürnberger Drogenhilfemodells sind:
-
Klinikum Nürnberg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
-
Klinikum Nürnberg, Notaufnahme und Intensivstation
-
Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
-
Lilith e.V. – Drogenhilfe für Frauen* und Kinder
-
mudra –Jugend- und Drogenhilfe Nürnberg e.V.
Zentrale Kooperationspartner des NDHM:
- Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt
Die Stadt Nürnberg unterstützt das NDHM und die Suchtbeauftragten übernehmen die Abwicklung der Anträge und Bewilligungen durch das bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Zudem fungieren sie als Bindeglied zwischen dem NDHM und der Politik und der Verwaltung innerhalb der Kommune und dem Freistaat Bayern.
-
AK Sucht der Stadt Nürnberg
-
Technische Hochschule Georg-Simon-Ohm
-
Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach
Ziele des Nürnberger Drogenhilfemodells sind in erster Linie:
-
Prävention von Drogennotfällen (Awareness schaffen, safer use, harm prevention, etc.)
-
Akutversorgung von Drogennotfällen (Optimierung der präklinischen und klinischen
Versorgung)
- Nachsorge von Drogennotfällen (Anbindung an suchtmedizinische und psychotherapeuti-
sche Strukturen)
Weitere Ziele sind:
- Optimierung der Kooperation und Versorgungsstrukturen aller beteiligten psychosozialen
und medizinischen Dienste (Synergieeffekte)
- Entlastung der öffentlichen Haushalte (siehe SROI Studien) und der medizinischen
Strukturen
- Transparenz über illegalen Drogenkonsum und Prävalenz in der Kommune und im Großraum
Nürnberg
-
Versorgungsdefizite erkennen und Bedarfe benennen
-
Entwicklung und Implementierung innovativer Konzepte und Angebote
-
Abbau von Stigmatisierung der Klientel
-
Verbesserung des Zugangs der Klientel zum Netz der Kinder-, Jugend-, Gesundheits- und
Drogenhilfen im psychosozialen und medizinischen Bereich
Zielgruppen des NDHM sind:
-
Politik und Verwaltung
-
Öffentlichkeit und Sozialraum
-
Fachöffentlichkeit
-
Polizei und Justiz
-
Illegale Drogen konsumierende Erwachsene
-
Illegale Drogen konsumierende Jugendliche
-
Kinder von Drogenkonsumierenden
-
Angehörige von Drogenkonsumierenden
2. Übersicht über die Studien des Nürnberger Drogenhilfemodells
Zentraler Bestandteil des Nürnberger Drogenhilfemodells ist die Erhebung von regionalen Daten, um angemessen auf regionale Besonderheiten wie auch lokalen Bedarf reagieren zu können. Die Entwicklung von innovativen Konzepten und deren Implementierung soll passend zur Situation vor Ort entwickelt werden. Im Zuge der Förderung konnten einige Studien, die von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität koordiniert und betreut wurden, durchgeführt werden. Im Folgenden sollen einige dieser Studien samt zentraler Ergebnisse exemplarisch aufgelistet werden.
2.1 Abgeschlossene Studien
- „Die Versorgung drogenintoxikierter Patienten- Eine Evaluation des medizinischen
Fachpersonals in Rettungsdiensten, Notaufnahmen und Intensivstationen der Stadt
Nürnberg“
Die Evaluation zeigte klar auf, dass die jeweiligen Dienste in hohem Maße Gewalterfahrungen mit drogenintoxikierten Patientinnen und Patienten erfahren. In noch höherem Maße sind dabei Patienten und Patientinnen von Gewalterfahrungen durch die Dienste betroffen, bspw. über Fixierungen. Da dies für beide Seiten ein nicht zufriedenstellender Zustand ist, soll eine Konsequenz aus der Studie sein, von medizinischer Seite SOPs (Standard Operating Procedure) und standardisierte Anmeldewege auszuformulieren. Auch Modelle zur Sicherstellung des Substitutionsangebotes sowie des Zugangs zu Konsumräumen und Drug-Checking-Angeboten sollen erwogen werden.
- „Behandlung von Patienten mit einer Misch-Intoxikation an einem Krankenhaus der
Maximalversorgung“
Die Ergebnisse der Studie zeigen eindeutig, dass Patientinnen und Patienten mit einer Misch-Intoxikation eine längere Verweildauer und einen größeren Arbeitsaufwand für die Krankenhäuser mit sich bringen.
- „Die Verbesserung der Versorgung drogenintoxikierter Patienten – Eine Evaluation
der Awareness-Strukturen betreffend Drogennotfälle in der Gastronomie-Szene
(Clubs, Bars, etc.) in der Stadt Nürnberg“
Die Erhebung verdeutlichte den Bedarf an und den Wunsch nach Aufklärung über Drogensymptome und -Wirkungen sowie nach Erste-Hilfe- und Awareness-Schulungen von Mitarbeitenden in der Gastronomie. Im Zuge des Projektes konnten bereits einige Clubs und Bars geschult werden.
2.2 Aktuelle, noch nicht abgeschlossene Studien
-
„The Users View“ – Befragung von Userinnen und Usern zum Versorgungssystem
-
„The Streetworkers View“ – Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Drogenhilfe
-
„Disposition von Tox-Patienten in Nürnberg“ – Auswertung von ILS – Daten
-
„Drogenkonsumraum in Bayern – eine medico- legale Einordnung“ – Befragung von
Juristinnen und Juristen
- „Drogenkonsum und -Notfälle hinter Gittern – Befragung Personal JVA Nürnberg
2.3 Ab Februar 2025 geplante Studien
-
„Drogen in der Schule“ – Befragung Lehrerinnen und Lehrer Nürnberg
-
„Tox- Notfälle bei Kindern und Jugendlichen – Datenanalyse Pädiatrie
-
„Geburtshilfliche Anbindung von Drogen abhängigen Frauen- Datenanalyse Gynäkologie“
-
„Drug-Checking in Nürnberg- Retrospektive Substanzanalyse“
-
„EviDriN – Evidenzbasiertes Drug-Checking in Nürnberg“
-
„Metaanalyse Drogenkonsumraum- Arbeiten“
Das NDHM wird sich 2025 verstärkt der Umsetzung von aus den Studien gewonnenen Erkenntnissen und Wissen widmen und die Studienergebnisse jeweils themenbezogen konzeptionell aufarbeiten. Dies entspricht dem Ansatz des NDHM, zunächst auf wissenschaftlicher Grundlage etwaige Bedarfslagen zu untersuchen, um auf fundierter Grundlage Bedarfe in qualitativer und quantitativer Hinsicht abzuleiten. Die qualifizierte Bedarfsermittlung ist dann wiederum die Basis gemeinsam mit der Stadtverwaltung unter Beteiligung des AK – Sucht entsprechende Maßnahmen zu entwickeln und strukturell aufzubereiten. Ziel einer solchen Maßnahmenentwicklung ist es in einen qualifizierten Diskussion- und Abstimmungsprozess mit dem jeweils zuständigen Aufgabenträger einzutreten und eine Realisierung der identifizierten Maßnahmen zu erreichen.
Grundsätzlich ist es allen Nürnberger Suchthilfeakteuren möglich (bspw. über den AK Sucht), Themen anzuregen, die wissenschaftlich analysiert werden können.
- Übersicht über die Projekte des Nürnberger Drogenhilfemodell – 2023 – sowie deren Wirk-
samkeit
2023 konnte das erste Mal über den Freistaat Bayern eine finanzielle Förderung für Projekte, die im Rahmen des Nürnberger Drogenhilfemodells platziert wurden, bewirkt werden. Diese Förderung umfasste effektiv 90 000 €.
In der ersten Phase, die sich 2022 mit der Konzeptionierung des Nürnberger Drogenhilfemodells befasste, wurde bereits deutlich, dass es nach Abschluss der Phase 1 eine Fortsetzung geben wird.
Die Phase 2 konnte 2023 eingeleitet werden. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Bestandserhebung der Versorgungssituation intoxikierter Patienten und Patientinnen. Dabei sollten laufende Projekte koordiniert und evaluiert, erhobene Daten im Rahmen der Studien ausgewertet werden und tragfähige Konzepte, zugeschnitten auf die in Nürnberg bestehende Situation mit dem Schwerpunkt auf Prävention von Suchterkrankungen (v.a. bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen) entwickelt werden. Dabei wurden auch genderspezifische niederschwellige As-
pekte und Überlebenshilfe für Menschen mit Suchterkrankung eingeschlossen. Hinzu kam die Erschließung und Anbindung neuer Zielgruppen und Optimierung der präklinischen und klinischen Versorgungskette und damit Entlastung dieser Strukturen.
Im Folgenden werden die durchgeführten Projekte aufgeführt und in Ihrer Wirksamkeit betrachtet.
3.1 Erweiterung des Angebotes „Frauencafé“– Lilith e.V. Ausgangslage: Das Frauencafe öffnet in der Regel an drei Nachmittagen (Dienstag, Donnerstag, Freitag) von 13- 16 Uhr. Zur Erweiterung des Frauencafes wurde von Oktober bis Dezember 2023 ein vierter Öffnungstag (Montags von 13- 16 Uhr) eingeführt. Dort erhielten die Frauen niedrigschwellige Hilfen und konnten an das Beratungsangebot von Lilith angebunden werden. Zudem bestand eine enge Verknüpfung zu Liliput „Mutter und Kind“. Das Konzept des Frauencafes besteht seit vielen Jahren und hat zum Schwerpunkt vor allem die Überlebenshilfe konsumierender Frauen. Der Bedarf für einen weiteren Öffnungstag ist bei den betroffenen Frauen vorhanden. Es sollten konsumierende Frauen erreichet werden, die bisher das Angebot nicht in Anspruch genommen haben. Es handelte sich also um eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung eines erfolgreichen Konzepts, dessen Ausbau einen wichtigen Bestandteil der Überlebenshilfe beinhaltet. Um diesen Bedarf zu quantifizieren, wurde die Ausweitung des Angebots im Rahmen des Nürnberger Modells evaluiert.
Zielerreichung und Wirksamkeit: Mit der durch die Projektförderung ermöglichten zusätzlichen Montagsöffnung sollte erprobt werden, ob ein zusätzlicher Öffnungstag zu einer noch größeren Reichweite des Frauencafes führen kann. Als Zielgruppe wurden ehemals und aktuell Drogen konsumierende oder substituierte Frauen festgelegt. Eine Anbindung an Lilith oder im Speziellen an das Frauencafe musste bisher noch nicht erfolgt sein. Es war außerdem ein großes Anliegen, den Klientinnen der offenen Drogenszene durch niedrigschwellige Angebote, die weiteren Angebote der Suchthilfe nahe zu bringen und Berührungsängste zu nehmen. Eine Zielgruppe waren daher auch explizit Szeneklientinnen.
Das Frauencafe konnte im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2023 insgesamt an 10 Montagen geöffnet werden. An den 10 Öffnungstagen besuchten 188 Frauen das Cafe (Durchschnitt im Oktober knapp 17, Nov und Dez 20 Frauen pro Montag). Insgesamt kamen von Oktober bis Dezember 31 neue Besucherinnen ins Frauencafe, davon 7, die der offenen Drogenszene zuzuordnen sind. Die Auswertung der Jahresstatistik des Frauencafes ergab zusätzlich, dass sich der durchschnittliche prozentuale Anteil der Besucherinnen von der Szene im Projektzeitraum erhöht hat (Januar- September 2023: Anteil 3,16 %; November: 6,31 %; Dezember: 5,07%). Die definierte Zielgruppe wurde damit in einem größeren Maße als erwartet erreicht, was eindeutig auf die Zielführung, Wirksamkeit und Notwendigkeit des vierten Öffnungstages schließen lässt.
Mit der Anbindung an die Beratungsangebote und niedrigschwellige Hilfen kann gewährleistet werden, dass die Ausstattung mit Safer Use und auch die Sensibilisierung im Umgang mit Konsum vollzogen wird. Diese zwei Bausteine sind zentral für die Prävention von Infektionskrankheiten und Drogennotfällen bzw. Drogentod.
Die Evaluation erfolgte über: die Frauencafestatistik (erfasste Daten: Personal, Anzahl an Besucherinnen/ Kinder, neue Besucherinnen+Vermittlung, Angebotsnutzung, Beschreibung Nachmittag) sowie eine Befragung (halbstandardisierter Fragebogen zur Zufriedenheit, Angebotsnutzung, Unterstützung durch das Cafe sowie Substanzkonsum; Befragungszeitraum: 04.-29.12.2023; 48 Frauen nahmen teil, davon 7 neue Besucherinnen).
Aus der Befragung ergab sich überdies, dass die Zufriedenheit mit dem Frauencafe sehr hoch (82 %) ist. Ebenfalls, dass Frauen mit sehr heterogenen und auch riskanten Konsummustern erreicht werden konnten. Dies spricht für die Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit in Bezug auf Überlebenshilfe und Prävention von Drogennotfällen. Insgesamt wäre der vollumfängliche Ausbau des offenen Angebots (Montag-Freitag) eine wichtige Ergänzung für das Nürnberger Suchthilfesystem. Allerdings wurde auch sichtbar, dass deutlich mehr personelle Ressourcen benötigt werden würden als vorab vermutet. Aus diesem Grund wurde eine Fortsetzung der erweiterten Öffnungszeiten für 2024 erst einmal ausgeschlossen. Die Öffnungszeiten des Cafes wurde zum 01.01.2024 wieder auf den ursprünglichen Umfang zurückgeführt.
3.2 Entwicklung eines Konzepts für die mädchenspezifische Drogenprävention – Lilith e.V. Ausgangslage: Ausgangslage für die Platzierung der Konzeptionierung einer „Mädchenspezifischen Drogenprävention“ war der Sachverhalt, dass nach der Corona Pandemie deutlich mehr Anfragen von Angehörigen, Einrichtungen und Schulen bei Lilith eingingen, die auf den riskanten Konsum von Mädchen zwischen 13 und 18 schließen ließen. Die Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Jugendlichen nach der Corona Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf den Suchtbereich. Dennoch kann ein riskanter Konsum über den Substanzmissbrauch hinaus einen schwerwiegenden Einfluss auf den weiteren Lebensweg haben. Eine frühzeitige Anbindung von jungen Betroffenen an das Hilfesystem kann chronifizierte Verläufe verhindern. Ein genderspezifisches Angebot in diese Richtung, schließt eine Lücke im Versorgungssystem und hätte eine präventive Wirkung.
Durch den Einbezug der Studienlage, Expertengesprächen und einer Befragung durch qualitative Interviews konnte der Grundstein für die inhaltliche Konzeptionierung des Angebots gelegt werden.
Zielerreichung: Ein Konzept für die Mädchenspezifische Drogenprävention konnte erstellt werden. Die Ziele, die sich im Rahmen des Projektprofils ergaben, wurden vollumfänglich erreicht. Die Umsetzung eines Angebots zur mädchenspezifischen Drogenprävention wurde für das Jahr 2024 forciert und konnte im November 2024 umgesetzt werden. Die Konzeptionierung von 2023 führte demzufolge zur operativen Umsetzung eines Beratungsangebots für Drogenkonsumierende Mädchen im Stadtgebiet Nürnberg.
3.3 Implementierung eines GirlsClubs Drogenprävention– mudra e.V. Ausgangslage: Zielgruppe dieser Konzeption waren weibliche Personen von 14-21 Jahren. Diese Zielgruppe wurde bislang von mudra e.V. nicht explizit erreicht, der Bedarf aber adressiert. Die Maßnahmen im Rahmen dieses Projekts umfassten eine Bedarfserhebung, die Entwicklung und Planung der Verteilung von Akquise-Materialien, die Konzeptionierung und Terminierung von 5 bis 6 Gruppen-Workshopabenden sowie die vorläufige Festlegung auf entsprechende Gruppeninhalte. Weiterhin wurden bereits Gast-Dozentinnen kontaktiert sowie ein Konzept zur Parallel-Betreuungsleistung der Workshopteilnehmenden erstellt. Ziel war die Verhinderung einer Substanz-Abhängigkeit sowie von Gewaltübergriffen aufgrund von Machtverhältnissen, wie sie konsumierende Mädchen und Frauen im Drogensetting häufig erfahren.
Zielerreichung: 2023 wurde das Projekt konzipiert und inhaltlich mit Leben gefüllt. Die Workshops, die den Kern des Angebots umfassen, konnten 2024 im Jahresverlauf umgesetzt werden. Das Interesse unter der Zielgruppe an dem Angebot war groß. Die Bedarfserhebung verzeichnet einen Anstieg des Beratungsbedarfs von Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 15 bis 24 Jahren, was die Notwendigkeit des Angebots unterstütze.
3.4 Projekt: Stärkung der Kinder-, Jugend-, Familien- und Gesundheitshilfe – mudra e.V. Ausgangslage: Die Förderung für „Stärkung der Kinder-, Jugend-, Familien und Gesundheitshilfe“ umfasste verschiedene Projekte, die weiterentwickelt bzw. neukonzipiert oder evaluiert wurden. Im Folgenden ist aufgeführt, wie sich die Herangehensweise gestaltet hat und wie der aktuelle Sachstand ist.
a.) REBOUND Mit REBOUND wurde, zusammen mit Finder e.V., ein Fortbildungskonzept für Wohngruppen der stationären Jugendhilfe, das speziell auf die Kommune Nürnberg zugeschnitten wurde, vorgestellt,
erarbeitet und final konzipiert. Die Bereitschaft REBOUND langfristig vollumfänglich in den städtischen Jugendhilfeeinrichtungen für die Mitarbeitenden anzubieten, ist groß. Auch Träger der freien Wohlfahrtspflege, die stationäre Jugendhilfeeinrichtungen unterhalten, äußerten Interesse an dem Programm. Ziel ist es, Überdosierungen präventiv zu begegnen und die Mitarbeitenden im Umgang mit Jugendlichen mit Substanzkonsum zu sensibilisieren und handlungssicher zu machen. Dazu wurde im Juli 2024 auch ein Bericht im Jugendhilfeausschuss vorgelegt.
b.) Spezifische Datenerfassung und Dokumentation ENTERPRISE Durch das Projekt "Spezifische Datenerfassung/Dokumentation ENTERPRISE" wurde die Entwicklung und Implementierung spezifischer Parameter zur Datenerfassung und Dokumentation in Bezug auf Drogenkonsum, mit dem Ziel, den Zugang und die Interventionen zu verbessern, gestartet. Dabei wurden einige der Parameter festgelegt und ein Erfassungsbogen entwickelt. Auch dieses Projekt konnte 2024 fortgeführt und verstetigt werden. Das Alter der Ratsuchenden bewegte sich dabei in der Spanne von 14 – 20 Jahren.
Zielerreichung
Für die Projekte stand im Jahr 2023 die Entwicklung und Konzipierung von tragfähigen Projekten auf Basis der erhobenen Daten im Vordergrund. Im Jahr 2024 konnten wesentliche Projektinhalte bereits umgesetzt werden.
4. Übersicht über die Projekte 2024
Auch im Jahr 2024 konnte über den Freistaat Bayern eine Förderung für die Phase 3 des Nürnberger Drogenhilfemodells bewirkt werden. Diese Phase stand unter dem Schwerpunkt „Prävention“. Die Fördersumme für die Phase 3 belief sich auf 388.428,00 €.
Im Folgenden werden die Projekte kurz aufgeführt und erläutert.
- Fortführung und Koordination der wissenschaftlichen Evaluation und Datenerhebung -
(Projektträger: Klinikum Nürnberg) Koordination und Fortführung der wissenschaftlichen Prozesse und Unterstützung der daraus resultierenden konzeptionellen Prozesse im Rahmen des Nürnberger Drogenhilfemodells
- „Cannabisgesetz in Deutschland. Wie schützen wir Kinder und Jugendliche? Eine qualitative
Analyse einer betroffenen Gruppe“ - (Projektträger: Klinikum Nürnberg) Qualitative Erhebung in Bezug auf Risikofaktoren für Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit Cannabiskonsum
- Aufbau eines neuen Arbeitsbereiches: „Mädchenspezifische Drogenprävention“ für Mädchen
und junge Frauen im Alter von 13 bis 17 Jahren – (Projektträger: Lilith e.V.) Aufbau eines Beratungsangebotes auf Grundlage des Konzepts „Mädchenspezifische Drogenprävention“, das im Jahre 2023 im Rahmen des Nürnberger Drogenhilfemodells konzipiert wurde
- Effekt eines induzierten Gruppenangebots auf die psychosoziale Gesundheit drogenkonsu-
mierender Mädchen und junger Frauen – (Projektträger: mudra e.V.) Feldphase als Implementierungsversuch eines Gruppenangebots „Girls Club“, das im Rahmen des Nürnberger Drogenhilfemodells 2023 konzipiert und begonnen wurde
- Ermittlung der Wirksamkeit des Jugendberatungsangebots „Enterprise“ durch qualitative und
quantitative Auswertung der Zugangsdaten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – (Projektträger: mudra e.V.) Examinierung von Varianzen und Korrelationen (z.B. Substanzen, Alter, Geschlecht, Bildung, etc.), um Zusammenhänge und Risikofaktoren zu analysieren.
- Explorative Analyse innovativer Zugangswege und Auswirkungen auf die Zusammenarbeit
mit jungen Konsumentinnen und Konsumenten – (Projektträger: mudra e.V.) Initiierung eines präventiven Zugangs zu jungen Freizeitkonsumentinnen und Freizeitkonsumenten im Rahmen einer Feldphase
- Implementierung einer Modellregion für die Umsetzung des „rebound“ Konzepts zur Analyse
der Auswirkungen auf den stationären Jugendbereich – (Projektträger: mudra e.V.) Fortsetzung der Implementierung von Rebound im stationären Jugendhilfebereich
- Juristische Aufarbeitung des rechtlichen Gestaltungsspielraums in Bezug auf die
strafrechtliche Befangenheit konsumierender Frauen nach Gewalterfahrungen vor, während und nach dem Konsum illegaler Substanzen durch einen Peiniger – (Projektträger: Stadt Nürnberg) Entwicklung eines juristischen Gutachtens in enger Zusammenarbeit mit Drogenhilfeeinrichtungen, Polizei und Staatsanwaltschaft
- Konzeptionierung von Hilfeangeboten/ Schutzräumen für drogenkonsumierende Frauen, die
akut von Gewalt betroffen sind, in Zusammenarbeit mit dem Hilfenetzwerk der Nürnberger Gewaltschutzeinrichtungen für Frauen, Staatsanwaltschaft, Polizei und dem Nürnberger Drogenhilfesystem (z.B. Durchführung von Selbstbehauptungskursen, Notfallschlafplätze, ext. Sprechstunden, Schutzräume etc.) – (Projektträger: Lilith e.V.)
Ein Teil der Projekte konnten 2024 bereits begonnen bzw. fortgesetzt werden. Aufgrund der Komplexität des Mittelabrufs können einige Projekte erst 2025 realisiert werden.
- Finanzierung des Nürnberger Drogenhilfemodells und Förderung durch das Land Bayern 2023 konnte zum ersten Mal eine Förderung für das Nürnberger Drogenhilfemodell erzielt werden. Dabei handelte es sich nicht um Mittel aus einem regulären auf Dauer angelegten Förderprogramm. Die Finanzierung der Förderung erfolgt über den Bayerischen Landtag. Die Förderbedingungen sehen vor, dass die Mittel erst zu dem Zeitpunkt abgerufen werden können, zu dem der Haushalt verabschiedet und die Mittel an die Regierungsbezirke übergeben wurden. Dies geschah 2023 im Jahresverlauf. Die Mittel waren dennoch vom Zeitpunkt des vorzeitigen Maßnahmenbeginns bis zum 31.12.2023 auszugeben.
Der vorzeitige Maßnahmenbeginn konnte Ende August 2023 bewilligt werden. Die Träger waren angehalten, die Mittel bis zum Ende des Jahres auszugeben. Da es sich nach der Aufteilung unter den drei Trägern um eine Summe von jeweils 30 000 € handelte, konnte dies 2023 gut bewerkstelligt werden.
2024 wurden erneut Mittel bewilligt, dies erfolgte über das identische Förderungskonstrukt wie 2023. 2024 handelte es sich aber um Mittel im Umfang von insgesamt 386.865 €, die durch das Land Bayern gewährt wurden. Der vorzeitige Maßnahmenbeginn konnte für den 28.08.2024 beantragt werden. Für 2024 stellte sich aber aufgrund der komplexen Fördersituation die Problematik, dass die Summen im Zeitraum vom 28.08.2024 bis zum 31.12.2024 nicht ausgegeben werden konnten. Eine Mittelübertragung in das Jahr 2025 scheint unumgänglich. Dies führt sowohl zu Verzögerungen des Angebots als auch zu einer finanziellen Unsicherheit der Träger, die mit der Umsetzung der Projekte – die immer jeweils nur auf ein Jahr begrenzt sein dürfen – einhergeht.
Insgesamt ist das Förderinstrument, das aktuell für das Nürnberger Drogenhilfemodell genutzt wird, nicht auf eine dauerhafte Förderung angelegt und daher ungeeignet, dauerhafte Angebotsstrukturen zu finanzieren. Die Förderrichtlinien bieten hier keinen Spielraum.
6. Ausblick
Das Nürnberger Drogenhilfemodell führte zu einer Intensivierung der Beziehungen der ohnehin schon eng verknüpften Suchthilfelandschaft in Nürnberg. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Klinikum konnte stark vertieft werden, wovon alle Akteure profitieren. Gleiches gilt für den Kontakt zu den Hochschulen. Drogenhilfe und Wissenschaft sind nun enger verzahnt. Über regelmäßige Koordinierungstreffen und die Auswertung der Studien und Überlegungen zur Nutzung der regional erhobenen Daten, ist ein enger Forschungs- und Arbeitsverbund entstanden.
Für 2025 ist die Wiederbelebung von sogenannten Tox-Talk Formaten geplant, die sich mit aktuellen Themen rund um das Thema Drogenhilfe beschäftigen und einen fachlichen Diskurs ermöglichen wollen.
Nürnberg, Januar 2025 Amt für Existenzsicherung und soziale Integration - Sozialamt
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 06.02.2025 öffentlich Bericht
Betreff:
Förderung der Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg
Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 28.05.2024
Antrag CSU vom 08.07.2024
Freie Allianz Nürnberg e.V. vom 23.08.2024
Anlagen: Sachbericht_Förderung der Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg_2025-02-06 Antrag_Bündnis90_Die Grünen_2025_05_28 Antrag_CSU_Seniorennetzwerk Altstadt_2024_07_08 Antrag_Freie Allianz Nürnberg e.V. Seniorenangebote im Stadtzentrum_2024-08-23
Bericht:
Der vorliegende Bericht antwortet auf drei Anträge von Stadtratsfraktionen und gibt einen Überblick über die Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg. Es wird auf den aktuellen Stand des Seniorennetzwerks Altstadt eingegangen. Teilhabemöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren, auch als Maßnahmen gegen Einsamkeit werden dargestellt und Zugänge für Teilhabe beleuchtet. Als Zugangsmöglichkeit zu Seniorinnen und Senioren wird auch das Projekt "Präventive Hausbesuche" dargestellt, das beim Landesamt für Pflege beantragt wurde.
Bezug zum Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 8 - Lebensqualität im Alter und in der Pflege sichern
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Informationen im Bericht betreffen ältere Menschen und gehen auf unterschiedliche Bedürfnisse nach kulturellem, religiösem und sozialem Hintergrund oder sexueller Orientierung ein.
RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Beilage 4.1
zur Sitzung des Sozialausschusses vom 06.02.2025
Förderung der Teilhabe älterer Menschen in Nürnberg
1. Einleitung
In diesem Bericht werden nachfolgende Anträge von Stadtratsfraktionen behandelt:
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 28.05.2024 zu „Maßnahmen gegen Vereinsamung und für Teilhabe von Senior:innen“ CSU vom 08.07.2024 zum „Seniorennetzwerk Altstadt“ Freie Allianz Nürnberg e.V. vom 23.08.2024 zu „Seniorenangeboten im Stadtzentrum stärken“
Die Fragestellungen in den vorliegenden Anträgen überschneiden sich teilweise. Aus diesem Grund erfolgt die Beantwortung als inhaltliche Zusammenfassung von Themengebieten.
2. Seniorennetzwerk Altstadt
Die Sozialraumanalyse für das Gebiet der Nürnberger Altstadt umfasst die statistischen Bezirke 1 (Altstadt/ St. Lorenz), 2 (Marienvorstadt), 5 (Himpfelshof) und 6 (Altstadt/ St. Sebald). Im Zeitraum von Oktober 2023 bis März 2024 wurde die Sozialraumanalyse einschließlich 22 Interviews mit Expertinnen und Experten sowie drei Workshops mit älteren Bewohnerinnen und Bewohnern durchgeführt.
Die Ergebnisse der Sozialraumanalyse wurden allen beteiligten Akteuren und Einzelpersonen als Bericht zur Verfügung gestellt. Der ausführliche Bericht ist auf der Homepage des Seniorenamtes zu finden (https://www.nuernberg.de/imperia/md/seniorenamt/dokumente/fachliche_informationen/berichte_zur_quartiersarbeit_10_vorbereitende_sozialraumanalyse_altstadt.pdf). Die vielfältigen erwünschten Handlungsempfehlungen, die sich für den Sozialraum der Altstadt aus Experten- und Nutzersicht ergeben, zeigt Abbildung 1 (nächste Seite).
Die Ergebnisse der Sozialraumanalyse wurden bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 10.04.2024 vorgestellt und mit über 50 Teilnehmenden diskutiert.
Als Träger für das 20. Nürnberger Seniorennetzwerk konnte die WIN gGmbH (Wohnen und Integration im Quartier gGmbH) gewonnen werden. Das Seniorennetzwerk Altstadt, das auch für die Weiterführung der Cafeteria im Heilig-Geist-Spital und die Koordination des dortigen Ehrenamtlichen-Teams verantwortlich sein wird, nahm zum 01.01.2025 seine Arbeit auf.
Abb. 1: Sozialraumanalyse Altstadt: Handlungsempfehlungen aus Experten- und Nutzersicht
Zum Hintergrund der Revitalisierung der Cafeteria im Treff Heilig-Geist wird auf den Statusbericht zur Sitzung des Sozialausschusses am 12.10.2023 verwiesen. Mit der Übergabe der Cafeteria an das Seniorennetzwerk Altstadt ist das städtische Projekt „Revitalisierung der Cafeteria“ abgeschlossen. Die vielfältigen Angebote, die in der bisherigen Projektlaufzeit entstanden sind, werden weitergeführt und nach Bedarf ergänzt bzw. ausgebaut.
Die Altstadt ist im Rahmen der quartiersorientierten Seniorenarbeit in Nürnberg ein besonderes Quartier. Die Angebote großer Bildungs- und Kultureinrichtungen in der Altstadt wie z.B. des Bildungszentrums, verschiedener Museen oder Theater werden von Seniorinnen und Senioren aus ganz Nürnberg und nicht nur von Bewohnenden der Altstadt genutzt. Das gilt auch für die Angebote der Altenakademie oder des Computerclubs Nürnberg CCN 50+. Im Seniorenamt werden alle von den Veranstaltern zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien zu seniorenspezifischen Angeboten ausgelegt.
3. Teilhabemöglichkeiten von Seniorinnen und Senioren als Maßnah-
men gegen Einsamkeit
In Nürnberg bestehen für Seniorinnen und Senioren unterschiedlichste Teilhabemöglichkeiten. Im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept, das am 18.09.2024 im Stadtrat vorgestellt wurde, wurde vor allem im Handlungsfeld „Aktives Alter und Engagement“ sowie in den Kapiteln zu „Altersarmut“, „Digitalisierung“ und „Gemeinschaft“ auf den Aspekt der Teilhabe von Seniorinnen und Senioren eingegangen. Im Folgenden werden zur Veranschaulichung aktuelle Daten zur Teilhabe älterer Menschen in verschiedenen Bereichen dargestellt. Zudem werden Experteneinschätzungen zu den Teilhabemöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren beschrieben.
3.1 Seniorennetzwerke
Der weit überwiegende Anteil älterer Menschen in Nürnberg wohnt zuhause. Auch bei Hilfeund Pflegebedürftigkeit möchten die wenigsten ihre vertraute Umgebung verlassen. Damit das gelingt, benötigen sie in den Wohnvierteln ein dichtes Netz an Angeboten, die den unterschiedlichen Lebenslagen gerecht werden. Information und Beratung, alltagsbezogene Unterstützung, Möglichkeiten für die Teilhabe am sozialen Leben sowie an Kultur und Bildung, ebenso wie präventive Gesundheitsförderung sind hierfür wichtig. Um dies zu gewährleisten, arbeiten unterschiedlichste engagierte Träger, Einrichtungen, Vereine, Initiativen und Ehrenamtliche zusammen und sind in 20 Seniorennetzwerken in engem Austausch.
Einsamkeit bei älteren Menschen, die zuhause leben, zu verhindern und abzumildern, haben sich die Nürnberger Seniorennetzwerke ganz besonders auf die Fahnen geschrieben. Ihnen ist es selbst während der Pandemie mit großem Engagement gelungen, die Kontakte zu den Seniorinnen und Senioren im jeweiligen Stadtteil zu halten. Als Anlaufstellen vor Ort bringen die Nürnberger Seniorennetzwerke mit vielen eigenen Angeboten Menschen zusammen oder können mit ihrer Lotsenfunktion an passende Gemeinschaftsangebote verweisen. Auch zugehende Angebote werden in einigen Seniorennetzwerken gemacht. Alle Seniorennetzwerke werden maßgeblich durch das Seniorenamt gefördert und inhaltlich begleitet.
Im Jahr 2023 wurden in Einzelveranstaltungen 4.155 und bei regelmäßigen Veranstaltungen 25.204 Kontakte zu Seniorinnen und Senioren durch die Koordinatorinnen/den Koordinator der Seniorennetzwerke dokumentiert. Das sind 6.009 Kontakte mehr gegenüber dem Vorjahr (s. Anhang, S. 12 f.). Als lokale Arbeitsgremien für den trägerübergreifenden Austausch bzw. für den Aufbau und die Umsetzung von Angeboten bzw. Projekten wurden im Jahr 2023 insgesamt 66 Runde Tische bei 17 Seniorennetzwerken durchgeführt.
Über den Verteiler der Runden Tische Seniorenarbeit wurden 2023 in allen Seniorennetzwerken ca. 797 lokale Akteure erreicht, sodass damit - neben den Runden Tischen Seniorenarbeit
- auch ein Informationsnetzwerk in den Stadtteilen besteht.
In allen Seniorennetzwerken gibt es Angebote aus den Bereichen Information und Beratung/ Soziale Teilhabe, Bildung und Kultur/ Gesundheitsförderung und Prävention sowie Bürgerschaftliches Engagement (sich selbst engagieren oder Unterstützung erhalten). Wichtig für die Angebotsgestaltung ist neben dem Austausch an den Runden Tischen der regelmäßige Austausch der Koordinierenden der Seniorennetzwerke untereinander im Hinblick auf bewährte Ideen.
Die Annahme von Angeboten der offenen Seniorenarbeit stellt sich nach Einschätzung der Koordinierenden der Seniorennetzwerke wie folgt dar:
Gut angenommen werden:
Dezentrale, niedrigschwellige und kostenfreie bzw. kostengünstige Angebote mit einem festen Ansprechpartner/einer festen Ansprechpartnerin. Regelmäßig stattfindenden Angebote Angebote, die Gemeinschaftserleben ermöglichen / Geselligkeit Angebote, bei denen der Spaß nicht zu kurz kommt Ausflüge Besuchsdienste Spieletreffs der NOA Begleitservice und die Alltagshelfer (diese werden ab 2025 nicht mehr angeboten) Sturzprophylaxe-Kurse o.ä. Angebote zur Förderung der digitalen Teilhabe Offener gemeinsamer Mittagstisch in Gaststätten Regelmäßige Trauergruppen
Weniger gut angenommen werden:
Einzelaktionen Gesundheitstage (teilweise) (Einzel/Info-) Veranstaltungen zu schweren, belastenden Themen (z.B. Pflege, Sterben und Tod) Angebote mit Anmeldung Angebote, die eine gewisse Anstrengung mit sich bringen (körperlich wie geistig; z.B. Gedächtnistraining); dies zeigt sich allerdings keineswegs in allen Stadtteilen.
3.2 Ehrenamtliches Engagement im Seniorenamt
Im Seniorenamt kann man sich in unterschiedlichen Feldern für Seniorinnen und Senioren engagieren. Insbesondere die Ehrenamtlichen im häuslichen Besuchsdienst tragen engagiert dazu bei, Einsamkeit gerade auch bei nicht mehr mobilen älteren Menschen abzumildern und regelmäßig Austausch und Kontakt zu haben. Gleichzeitig verhindert auch freiwilliges Engagement bei den Ehrenamtlichen selbst Einsamkeit. Sowohl in ehrenamtlichen Teams, im Kontakt mit Seniorinnen und Senioren, die Unterstützung benötigen, oder bei Treffen und Feiern im Rahmen der Anerkennungskultur wird Gemeinschaft erlebt. Zum 31.12.2024 waren 324 Ehrenamtliche im Seniorenamt gemeldet. Davon waren 67 im Digitalbereich, 101 in den Seniorennetzwerken und 154 im häuslichen Besuchsdienst tätig. Weitere Informationen zum Freiwilligenmanagement im Seniorenamt sind im Bericht zur Sitzung des Sozialausschusses am 04.05.2023 zu finden.
3.3 Treff Bleiweiß
Auch die im Semesterturnus organisierten Veranstaltungs-, Kurs- und Gruppenangebote der städtischen Seniorenbegegnungsstätte „Treff Bleiweiß“ wirken grundsätzlich der Vereinsamung älterer Menschen entgegen. Sie bieten neben Bildung, gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe, Information und Beratung sowie gesundheitlicher Prävention immer auch eine Struktur für regelmäßige (je Semester ca. 40 Kursangebote) oder punktuelle Begegnungen (je Semester min. 50 Veranstaltungsangebote) mit anderen Menschen. Während die wöchentlich bzw. monatlich stattfindenden Angebote tendenziell eher eine einsamkeitspräventive Funktion erfüllen, bieten offene Treffs (wie z.B. die Bunte Runde der VielfAlt, der offene Tischtennistreff,
der Singkreis oder das „Speed Dating für Freundschaft und Freizeit“) zudem eine niedrigschwellige Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Darüber hinaus ist das Café Bleiweiß zu erwähnen, das ohne Konsumzwang und programmungebunden als Plattform zum Austausch (zunehmend auch zum intergenerationalen Austausch) im Treff etabliert ist.
3.4 Kooperationspartner in der Seniorenarbeit
Kommunale Unterstützung durch das Seniorenamt erhalten auch die ca. 200 Seniorenclubs und offenen Angebote wie Begegnungsstätten der Wohlfahrtsverbände, die auf Gemeinschaft und Teilhabe abzielen. Teilweise wirken die Clubs als enge Freundeskreise, die auch im Fall von Krankheit und Unterstützungsbedarf auf die Mitglieder achten und eine gute Basis für stabile und vertraute Kontakte sind. Zu den Kooperationspartnern, die Zugehörigkeit für ältere Menschen ermöglichen, zählen auch die beiden Mehrgenerationenhäuser in der Südstadt und in St. Leonhard-Schweinau. In den Mehrgenerationenhäusern muss niemand alleine bleiben. Mittagstisch oder Freitagsfrühstück schaffen zum Beispiel die Möglichkeit, dass keiner schweigend alleine am Küchentisch zu Hause sitzen muss.
Musikalische Gemeinschaftserlebnisse garantiert das Seniorenamt beim Sommerkonzert im Kreuzigungshof in Kooperation mit der Hochschule für Musik. Und die Weihnachtsgala des Seniorenamts ist für manchen Senior und manche Seniorin ohne größere Familie die eigentliche festliche Weihnachtsfeier, weil man nicht alleine feiert, sondern mit dem Seniorenclub oder der nahestehenden Menschen zusammen in Weihnachtsstimmung ist.
Zahlreiche weitere Kooperationspartner und Akteure in der Nürnberger Seniorenarbeit tragen dazu bei, dass Gemeinschaft erfahren werden kann und Einsamkeit abgemildert wird.
3.5 Aktuelle Einflüsse auf die Teilhabe von Seniorinnen und Senioren in Nürnberg
Die Koordinierenden der Seniorennetzwerke haben sich intensiv mit dem Thema Teilhabe Älterer in Nürnberg beschäftigt und ihre Erfahrungen eingebracht. Im Folgenden werden die zusammengefassten Ergebnisse dargestellt.
Eine Veränderung des Freizeitverhaltens ist insgesamt zu beobachten: alles ist „unverbindlicher“ geworden. Teils erschwert wird Teilhabe derzeit nach Beobachtung der Seniorennetzwerke durch eine Abnahme von Unbeschwertheit und Motivation. Teils hat stattdessen Unsicherheit und Unzufriedenheit, auch im Zuge sich häufender Krisen (Ukraine- und Nahost- Krieg, Energiekrise, Inflationsrate usw.) zugenommen.
Auch bereits vor der Pandemie nahm das Thema Einsamkeit an Bedeutung zu. Angesichts einer steigenden Anzahl älterer und hochbetagter Menschen, die alleine leben und die Verluste im Hinblick auf Bezugspersonen erfahren, ist dies wenig überraschend. Mit der Pandemie hat sich nach Einschätzung der Koordinierenden der Seniorennetzwerke bei manchen älteren Menschen das Gefühl der Einsamkeit jedoch weiter verstärkt.
Die Koordinierenden der Seniorennetzwerke schätzen die Auswirkungen, die die Pandemie auf das Wohlbefinden und die Teilhabe von Seniorinnen und Senioren hatte, wie folgt ein:
Insbesondere bei den vulnerablen Gruppen hat sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Diese Gruppe hat generell am meisten unter der Pandemie gelitten. Es ist zu unterscheiden zwischen hochbetagten eingeschränkten Senior*innen und jüngeren, vitaleren Senior*innen. Bei den Hochbetagten zeigen sich negative Folgen bedingt durch einen Bruch in den Aktivitäten deutlicher – eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheits- und Fitnesszustandes ist viel schwerer wieder zu beheben.
Vereinsamung hat zugenommen, da regelmäßige Kontakte verloren gingen. Viele sind aus bestehenden Gruppen herausgefallen und konnten nach längerer Pause nicht mehr anknüpfen. Teils wurden die Gruppen nicht mehr angeboten (Mangel an Räumen oder sonstigen Ressourcen, z.B. auch Kursleitung etc.) oder der Gesundheitszustand hatte sich – teilweise auch altersbedingt – verschlechtert, so dass eine Teilnahme nicht mehr möglich war. Zusätzlich wurde das „Kontakt aufnehmen“ und „Eigeninitiative zeigen“ in den Jahren der Pandemie teilweise regelrecht verlernt.
Es kam zu einer Spaltung der Gesellschaft zwischen den Geimpften und den nicht Geimpften (dies wird teilweise auch jetzt noch wahrgenommen).
Die Pandemie wirkte als Katalysator auf viele bereits bestehende Problemlagen. Sie hat auch die Digitalisierung vorangetrieben. Für diejenigen, die Schwierigkeiten haben, sich die digitale Welt zu erschließen, geht dies mit einem Verlust an Selbständigkeit und einer Zunahme an Abhängigkeit von anderen, die im Bereich Digitales unterstützen, einher.
In manchen Seniorennetzwerken wird eine höhere Anspruchshaltung gegenüber den Koordinierenden beobachtet. Diese sollen sich in immer mehr Belangen für das Wohlergehen und die Teilhabe Älterer zuständig fühlen. Es kann nur spekuliert werden, ob dies eine Gegenreaktion auf aktuelle Krisen ist oder ob die Erwartungen an Organisierende höher wurden, weil in den Jahren der Pandemie selbständige Teilhabe immer wieder eingeschränkt wurde.
Exkurs: Das Münchner Projekt „SAVE“ (Senioren und Seniorinnen aufsuchen im Viertel
durch Experten und Expertinnen)
In Nürnberg war der Münchner Ansatz des Projekts SAVE v.a. im Zuge der Vorarbeiten für das Seniorennetzwerk Eberhardshof/Muggenhof/Gostenhof diskutiert worden. Hier fand eine Untersuchung zur Situation von älteren Menschen mit geringen finanziellen Mitteln (höhere Armutsquote als im Durchschnitt in Nürnberg) statt. Einer der im Rahmen der Untersuchung befragten Akteure (Integral e.V.) hatte diesen proaktiven Ansatz – „zugehende Beratung mittels Streetworker“ - als wichtig für die Zielgruppe der älteren Menschen mit geringen finanziellen Mitteln beschrieben.
Insbesondere das Ansprechen von Menschen, die bisher noch keinen Zugang zu Angeboten im Stadtteil haben, etwa durch Streetworker, kann die soziale Teilhabe fördern.
Allerdings löst zugehende Beratung durch Streetwork in der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren nicht das Problem des Zugangs zu älteren Menschen, die zurückgezogen in ihren Wohnungen leben und diese nur noch selten verlassen (häufig wegen Mobilitätseinschränkungen). Sie sind im öffentlichen Raum kaum anzutreffen.
In Nürnberg wird im Rahmen der offenen Altenhilfe ein quartiersorientierter Ansatz umgesetzt. Derzeit gibt es 20 Seniorennetzwerke, die stadtteilbezogen arbeiten. Die Koordinationsstellen (50 %-Stellen), die von der Stadt Nürnberg finanziell gefördert werden und zudem maßgebliche Eigenmittel der Träger erforderlich machen, sind Anlaufstellen für die älteren Menschen in den Stadtteilen. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren in den Seniorennetzwerken können Streetwork, wie im Münchner Projekt SAVE, im Rahmen ihrer Ressourcen nicht zusätzlich leisten.
3.6 Sonstige Zugangswege zu Seniorinnen und Senioren in Nürnberg, um Teilhabe zu
stärken
Ungeachtet dessen werden in Nürnberg in einigen Seniorennetzwerken bereits punktuell Ansätze der zugehenden Beratung bzw. Kontaktaufnahme, je nach Kapazität der Koordinierenden der Seniorennetzwerke praktiziert (direkte Ansprache im öffentlichen Raum, Parkanlagen oder bei Veranstaltungen).
Die Öffentlichkeitsarbeit zu den Angeboten der Seniorennetzwerke wird weiterhin auch im Internet ausgebaut. Anfragen im Hinblick auf Besuchsdienste erfolgen häufig auch von Angehörigen außerhalb Nürnbergs – auch der Kontakt zum Seniorenamt findet hier zunächst über das Internet statt. Große Werbeaktionen zu Teilhabeangeboten der Seniorennetzwerke werden von den Koordinierenden nicht mehr durchgeführt, da die bestehenden Angebote vielfach ausgelastet sind und aufgrund fehlender Ressourcen auch nicht weiter ausgebaut werden können.
In den Seniorennetzwerken wird eine intensive Zusammenarbeit mit dem Sozialpädagogischen Fachdienst (SFD) in Nürnberg gepflegt. Der SFD hat immer wieder Zugang zu zurückgezogen lebenden älteren Menschen.
In einigen Seniorennetzwerken werden sog. „Brückenbauer“ in die Öffentlichkeitsarbeit mit einbezogen. An Apotheken, Fußpflegepraxen, kleine Bäckereien, Friseursalons etc., die viel mit Seniorinnen und Senioren in Kontakt kommen, werden Kontaktkarten (hier wird auf die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Seniorennetzwerk hingewiesen) ausgegeben. Ziel ist es, dass die „Brückenbauer“ bei denjenigen Senioreninnen und Senioren, bei denen sie den Eindruck haben, dass Unterstützungsbedarf vorliegt, auf die Angebote des Seniorennetzwerks hinweisen und die Kontaktkarte aushändigen.
Je nachdem, um welchen Personenkreis unter den Seniorinnen und Senioren es sich handelt, müssen die Zugangswege unterschiedlich gewählt werden. Bei älteren Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist teils Zugehen auf die Zielgruppe bzw. auf Multiplikatoren und Mund-zu- Mund-Propaganda am erfolgreichsten, um Teilhabeangebote bekannt zu machen.
Verweisstrukturen innerhalb der Angebote sind selbstverständlich, etwa zwischen dem Pflegestützpunkt Nürnberg und dem Besuchsdienst des Seniorenamtes, etwa wenn sich beim Pflegestützpunkt jemand meldet, der zwar Unterstützungsbedarf, aber noch keinen Pflegebedarf hat.
4. Präventive Hausbesuche
4.1 Kurzbeschreibung des Modellprojekts „Präventive Hausbesuche“ 2012-2014
In den Jahren 2012 bis 2014 wurde ein Modellprojekt zur Durchführung von präventiven Hausbesuchen in Form von zugehenden Beratungen in Nürnberg im Quartier St. Johannis und in der Nordstadt durchgeführt. Die Projektleitung wurde vom Evang. Luth. Diakoniewerk Neuendettelsau KdöR übernommen. Eine finanzielle Förderung erfolgte durch das Seniorenamt der Stadt Nürnberg.
Die Ergebnisse des Projekts sollten für die Idee einer weiteren Umsetzung in anderen Stadtteilen herangezogen werden. Projektziel war es, Seniorinnen und Senioren mit präventiven Hausbesuchen dabei zu unterstützen, ihre Selbständigkeit im Alter zu erhalten. Bei der Zielgruppe handelte es sich um Seniorinnen und Senioren, die bisher keinen Zugang zu den bereits bestehenden Hilfestrukturen finden konnten.
Angesprochen wurde die Zielgruppe z.B. über Presse (Stadtteil-Magazin), aufsuchende, persönliche Ansprache etwa auf Wochenmärkten durch das Seniorennetzwerk im Stadtteil oder auch Postwurfsendungen. Gleichzeitig wurden Arztpraxen und verschiedene Dienstleister (Friseur, Kliniken, Apotheken etc.) über das Angebot informiert, um es an interessierte ältere Menschen weiterzugeben.
Folgende Ziele wurden differenziert beschrieben:
Entwicklung und Erprobung von neuen Zugangswegen zu bisher im System der Altenhilfe nicht bekannten Seniorinnen und Senioren.
Generierung und Testung von standardisierten und übertragbaren Methoden und Handlungsansätzen zur Bedarfsanalyse.
Durchführung von Hausbesuchen und Erfassung von Risikofaktoren.
Abbau von Zugangsbarrieren zum System der Altenhilfe und Einleitung von passgenauen Interventionen in Absprache mit den betroffenen Personen, um die individuelle Lebensqualität zu erhöhen.
Bei 50 Seniorinnen bzw. Senioren wurden innerhalb von zwei Projektjahren insgesamt 133 Hausbesuche durchgeführt. Insbesondere die verhaltene Resonanz der angesprochenen Zielgruppe auf das Angebot damals hatte nicht für eine Ausdehnung des Projekts gesprochen.
4.2 Sachstand zum aktuell vom Seniorenamt beantragten Projekt „Präventive Hausbe-
suche“
Dass der Ansatz der präventiven Hausbesuche ein geeignetes Instrument ist, damit sich alte und hochaltrige Menschen informierter, sicherer und befähigter fühlen, selbstständig in ihrer Wohnung leben und aktiv am Leben teilhaben, ist unterdessen auch wissenschaftlich nachgewiesen (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.). Gerade Kommunen vermögen gut in Form von präventiven Hausbesuchen über vorhandene Unterstützungs- und Beratungsstrukturen zu informieren und damit ihren Anspruch auf Bürgernähe und Teilhabe einzulösen.
Das Seniorenamt der Stadt Nürnberg hat daher im Februar 2024 einen Förderantrag an das Landesamt für Pflege, gemäß Förderrichtlinie „Gute Pflege in Bayern – Gute Pflege FöR“,
gestellt. Beantragt wurde die Förderung eines Konzepts zur Umsetzung von präventiven Hausbesuchen im Stadtteil Bleiweiß in Nürnberg. Der Durchführungszeitraum war vom 01.01.2025 bis zum 31.12.2027 geplant - jedoch abhängig vom Zeitpunkt der Förderzusage durch das Landesamt, sodass rechtzeitig Planung, Organisation der Personalbeschaffung erfolgen kann, um das Projekt zu beginnen. Aktuell liegt noch keine schriftliche Förderzusage vor. Der Antrag befindet sich laut mündlicher Rückmeldung in der finalen Prüfungsphase. Entsprechend verschiebt sich ein möglicher Projektbeginn, mit Auswirkungen auf den Finanzplan, was mit dem Landesamt bereits kommuniziert wurde.
Mit dem Antrag wurde ein Konzept für präventive Hausbesuche versendet, welches in Auszügen kurz vorgestellt werden soll:
Mit den präventiven Hausbesuchen soll primär die Zugänglichkeit zu Beratungsstrukturen (z.B. Pflegeberatung, präventive Angebote, Fachdienste und Angebote im Quartier) transparent gemacht werden. Die Betroffenen erfahren so, wie sie Informationen und Beratung erhalten können und welche Angebote es genau im Stadtteil und darüber hinaus von der Stadt Nürnberg gibt. Auch angesichts wachsender Einsamkeit und des Rückgangs traditioneller Familienmuster können präventive Hausbesuche Türöffner für mehr Teilhabe und Lebensqualität sein.
Durch die proaktive und direkte Ansprache der Zielgruppe können mit den präventiven Hausbesuchen im Quartier folgende Ziele erreicht werden:
Beratungsangebote der Stadt Nürnberg rund um das Thema „Älterwerden“ werden vorgestellt.
Ein Kontaktaufbau zu vulnerablen Personengruppen findet statt, die ein Beratungsangebot aus eigenem Antrieb nicht in Anspruch nehmen würden.
Fragen zur Pflegebedürftigkeit und zu Hilfen im Alter können frühzeitig beantwortet werden. Die besuchten Personen wissen, wie z.B. der Pflegestützpunkt kontaktiert werden kann und welche Unterstützung sie dort erhalten.
Netzwerke und weitere Beratungsstellen sind bekannt und können bei Bedarf genutzt werden (z.B. Betreuungsstelle, Seniorennetzwerk).
(Potenzielle) Risikofaktoren werden erfasst und bewertet, um individuelle Beratung gezielt anzubieten (z.B. Wohnberatung, drohende pflegerische Unterversorgung).
Als Zielgruppe werden folgende Personen definiert, die in Nürnberg mit Hauptwohnsitz wohnhaft sind:
75 - jährige Jubilarinnen und Jubilare im Stadtteil Bleiweiß der Stadt Nürnberg
80 - jährige Jubilarinnen und Jubilare im Stadtteil Bleiweiß der Stadt Nürnberg
85 – jährige Jubilarinnen und Jubilare im Stadtteil Bleiweiß der Stadt Nürnberg
90 – jährige Jubilarinnen und Jubilare im Stadtteil Bleiweiß der Stadt Nürnberg sind.
Die Zielgruppe umfasst ca. 600 Personen in dem Stadtteil Bleiweiß pro Jahr. Bei einer angenommenen Akzeptanzrate von 50 % werden in diesem Pilotprojekt ca. 900 Hausbesuche erforderlich sein, die über 3 Jahre hinweg stattfinden sollen. Als Zugang ist ein persönliches Gratulationsschreiben mit dem Angebot eines präventiven Hausbesuchs geplant.
Das Konzept unterscheidet sich zum Projekt, welches bereits 2012-2014 durchgeführt wurde, in einigen Punkten wesentlich:
Es handelt sich um einen einmaligen präventiven Hausbesuch. Damit sollen Beratungsmöglichkeiten und Angebote in der Stadt/Quartier bekannt gemacht werden, z.B. Ansprechpartner im Seniorennetzwerk.
Die eingesetzten Beraterinnen und Berater verfügen über ein breites und tiefes Wissen zum Thema Pflege und soziale Belange und filtern die wahrgenommene Situation im häuslichen Kontext. Ein schriftliches, fachliches „Assessment“ hinsichtlich individueller Einschränkungen (z.B. Sturzgefahr, Vorliegen einer demenziellen Einschränkung) soll nicht durchgeführt werden.
Für die betroffenen Personen wird jeweils ein Präsent der Stadt Nürnberg bereitgestellt, außerdem werden ausgewählte Informationsmaterialien von verschiedenen Beratungsstellen mitgebracht.
Zur Evaluation wird eine Hochschule mit einbezogen.
Für die Umsetzung des Konzepts sind Projekt-Stellenschaffungen über die Förderung vom Landesamt für Pflege Bayern nötig. Es ist sinnvoll, diese Stellen in der Abteilung SenA/1 anzudocken (enge Kooperation mit dem Pflegestützpunkt, Vernetzung mit SenA/2 zu Seniorennetzwerken, ehrenamtlichen Unterstützungsangeboten etc.).
Exkurs: Präventive Hausbesuche in der Landeshauptstadt München
Die Stadt München bietet bereits flächendeckend präventive Hausbesuche an. Der Abschlussbericht zum Modellprojekt (2010 bis 2013) liefert hierzu einige interessante Details und Hintergründe. Im Münchner Projekt gab es vier verschiedene Modellregionen (mit sehr kleinräumigen Stadtvierteln je ca. 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern) in vier unterschiedlichen Trägerschaften. Hierfür wurden in München vier halbe Stellen (insgesamt 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner) mit sozialpädagogischen Fachkräften besetzt sowie zusätzlich eine halbe Stelle für eine Projektleitung geschaffen.
Folgende inhaltlichen Schwerpunkte zeigten sich bei den durchgeführten Hausbesuchen in München: alltagsunterstützende Dienstleistungen und Begleitung, Fragen der Haushaltsausstattung und Wohnungsanpassung, Aspekte des Wohnumfeldes, Fragen zu Mobilität und nach geeigneten Wohnungen, rechtliche Fragen, Informationen zu sozialer Einbindung und Kontakten, finanzielle Belastungen, medizinische Anliegen.
In der folgenden Abbildung 2 ist zu sehen, wie häufig und in welchen Bereichen die Fachkräfte einen Handlungs- und Unterstützungsbedarf feststellten:
Abb. 2: Handlungs- und Unterstützungsbedarf von Seniorinnen und Senioren (im Stadtteil)
Quelle: Institut für Praxisforschung und Projektberatung München (2014): Abschlussbericht zum Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für ältere Münchnerinnen und Münchner“, S. 35; Mehrfachnennungen; Angaben in Prozent; N=602).
Die Themen Wohnumfeld und Mobilität sowie Wohnungsausstattung zeigen mit zusammen über 30 % auf, dass sie für die Menschen in der eigenen Häuslichkeit sehr wichtig sind, was auf die hohe Relevanz der Wohnungsanpassungsberatung hinweist. Diese Ergebnisse lassen
- übertragen auf die Stadt Nürnberg – wiederum die Notwendigkeit erkennen, wie sinnvoll und
richtig eine Anbindung der präventiven Hausbesuche an den Fachbereich SenA/1 (Beratung und Information zur Pflege und zum Leben im Alter) ist (vgl. Organigramm Seniorenamt der Stadt Nürnberg - https://www.nuernberg.de/imperia/md/seniorenamt/dokumente/fachliche_informationen/organigramm_seniorenamt.pdf). Hier ist auch das Projekt vom Kompetenznetzwerk Wohnungsanpassungsberatung verortet.
Interessant erscheint die Information, dass vor 10 Jahren, als das Projekt abgeschlossen wurde, die Themen „psychosoziale Anliegen“, „Unterstützung pflegender Angehöriger“ sowie „häusliche Pflege“ kaum eine Rolle spielten. Es ist davon auszugehen, dass diese Themenfelder künftig deutlich präsenter sein werden.
Aktuell sind an den etablierten Alten– und Servicestellen in München 33 Personalstellen (Teilzeitstellen mit je 50 % der wöchentlichen Arbeitszeit) zugeordnet, welche sich ausschließlich um präventive Hausbesuche kümmern. Diese Stellen sind zu 100 % von der Stadt München finanziert und führen zu einer flächendeckenden Umsetzung von präventiven Hausbesuchen. Allerdings ist dabei zu vermerken, dass die Stadt München nicht über einen Pflegestützpunkt verfügt.
Anhang:
Dokumentierte Einzelveranstaltungen und regelmäßige Veranstaltungen in den Senio-
rennetzwerken aus den Jahren 2022 und 2023
- Einzelveranstaltungen
| Handlungsset | Angebote | Kontakte 2022 | Kontakte 2023 | |
|---|---|---|---|---|
| Information | Informations- und Vortragsveranstaltungen (z.B. Ge- dächtnisförderung, Pflegeversicherung, Demenz, Vor- sorge, Tod und Sterben, Gesundheitsthemen) „Tage der offenen Tür“ in Einrichtungen des Stadtteils, stadt- teilbezogene Seniorentage, öffentliche Infostände, Stadtteilbegehungen | 485 | 962 | |
| Soziale Teilhabe | Tagesfahrten, Seniorennachmittage und –feste, jahres- zeitliche Veranstaltungen Veranstaltungen zur Förderung von Nachbarschaft | 1.439 | 2.009 | |
| Teilhabe an Kul- tur und Bildung | Konzerte, Lesungen und Lesereihen, Film-vorführun- gen, Museumsbesuche, Reparier-Treffs | 405 | 397 | |
| Bildung im Be- reich Digitales | 1:1-Tandems; Digitalsprechstunden, Digitalcafés; Han- dyberatung; PC-Kurse usw. | 120 | 76 | |
| Prävention | Übungen zur Sturzprävention, Sport im Sitzen, Yoga, Tanzen, TaiChi, Rollatortraining, Demenzwochen | 355 | 519 | |
| Generationen- übergreifende Veranstaltungen | z.B. „Mein Meisterwerk“ (mit Kunstvilla und Sperber- schule) Weihnachtspost von Schülern des Melanchthon-Gym- nasiums für Senioren/innen im Stadtteil | 0 | 192 | |
| Summe | 2.804 | 4.155 |
- Regelmäßige Veranstaltungen
| Handlungsset | Angebote | Kontakte 2022 | Kontakte 2023 | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Information und Beratung | Informations- und Vortragsveranstaltun- gen | 31 | 46 | ||
| Soziale Teilhabe | Monatliche „Seniorenstammtische“ für nicht mobile alte Menschen Mittagstische für Senioren/innen, Ein- kaufsfahrten Offene stadtteilbezogene Seniorentreffs, Spieletreffs, Kurse für alte Menschen Begleitete Spaziergänge, Tanznachmittage Seniorentreffs für ältere Menschen mit Migrationshintergrund (nur Gruppen aus St. Leonhard / Schweinau) | 2.185 697 4.666 138 *s. Erläuterung | 3.147 977 4.528 285 *s. Erläuterung | ||
| Kultur und Bil- dung | Lesungen, Literaturcafé, Filmreihen, Digitale Medien (PC, Handy) | 286 877 | 550 1248 | ||
| Prävention Gesundheitsför- derung | Sturzprophylaxe Gymnastik, Tanz, Shiatsu, Qi Gong, „mach mit – bleib fit“, Gymnastik mit Kleingerä- ten, Rückentraining, Spazier-Treff, etc. Ernährung, Unterstützung häuslicher Ver- sorgung Gedächtnistraining Frühstückstreff „Gut für die Seele“; Trau- ergruppe | 2.744 (42 Kurse) 6.668 -- 1.732 486 | 4.338 (49 Kurse) 6.391 1.407 1.873 414 | ||
| Generationen- übergreifende Veranstaltungen | Generationenexperiment 15 - 90+ | 36 | 0 | ||
| Summe | 20.546 | 20.546 | 25204 |
* Die Gruppen für Seniorinnen und Senioren mit Zuwanderungsgeschichte, die im Rahmen des Modellprojekts „Gesund älter werden in Nürnberg“ (April 2010 bis Juli 2012) entstanden sind, werden inzwischen ehrenamtlich geleitet. Eine exakte Teilnehmerstatistik mittels Teilnehmerlisten wird inzwischen nicht mehr geführt. Die ehrenamtlichen Gruppenleitungen werden von einer hauptamtlichen Mitarbeiterin im Mehrgenerationenhaus Schweinau fachlich begleitet und beraten.
FRAKTION B’ 90/DIE GRÜNEN, RATHAUSPLATZ 2, 90403 NÜRNBERG BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Stadtratsfraktion Nürnberg
An den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg RathauspLatz 2 Marcus König 90403 Nürnberg Rathaus Tel: (0911) 231-5091 90403 Nürnberg gruene@stadt.nuernberg.de
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Nürnberg, 28. Mai 2024
Maßnahmen gegen Vereinsamung und für Teilhabe von Senior:innen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
im Jahr 2019 gaben bei der Nürnberger Seniorenbefragung im Schnitt 12 Prozent der Befragten (60 bis 80+ Jahre) an, dass sie sich einsam fühlen.1 Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich mit der Pandemie diese Anzahl noch erhöht hat.
Viele Städte, die bereits vor Corona Maßnahmen ergriffen haben, um Menschen aus ihrer Einsamkeit zu holen, haben diese im Nachgang nochmals verstärkt, um dem gesteigerten Bedarf gerecht zu werden. So auch die Stadt München, die gleich mehrere Ansätze verfolgt: Das niederschwellige Projekt SAVE (Seniorinnen aufsuchen im Viertel durch Expertinnen) richtet sich an ältere, potenziell hilfebedürftige Personen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten und dort verweilen. Ziel ist es, verlässliche und stabile Beziehungen zu etablieren und als Türöffner für die Annahme von Unterstützung zu wirken. Gesteuert und fachlich begleitet wird das Projekt dabei von der zuständigen Fachabteilung Altenhilfe und Pflege im Sozialreferat.
Des Weiteren bietet das Münchener Sozialreferat seit 2009 die Möglichkeit von kostenlosen präventiven Hausbesuchen an, bei denen Fachkräfte die Seniorinnen auf Wunsch zu Hause besuchen. Im Mittelpunkt stehen dabei Information (z.B. zu Veranstaltungen, kostengünstigen Freizeit- und Kulturangeboten), Beratung (u.a. zu finanziellen Fragen und Behördenangelegenheit) und Vermittlung von Hilfen.2 Dieses einst befristete Modellprojekt ist mittlerweile in vielen Stadtteilen auf Dauer angelegt.
Auch in Nürnberg waren präventive Hausbesuche im Jahr 2013 bereits Thema im Sozialausschuss. Dabei wurden neben verschiedenen Projekten unter anderem in München, Trier, Mannheim und Frankfurt auch in Nürnberg bestehende Strukturen wie Seniorennetzwerke, der Pflegestützpunkt und der Sozialpädagogische Fachdienst vorgestellt. Als weitere Vorgehensweise in Nürnberg wird
1 Nürnberger Seniorenbefragung 2019. Fokusbericht „Einsamkeit unter Seniorinnen und Senioren in Nürnberg“ 2 https://www.muenchen.info/soz/pub/pdf/600_praeventive_hausbesuche,pdf
im Sachverhalt jedoch darauf verwiesen, dass aufgrund der bestehenden Strukturen davon auszugehen sei „dass ein Teil der Wirkung, die von einem Projekt „Präventive Hausbesuche“ ausgehen kann, (...) bereits erzielt wird.“5
Seit diesem Bericht sind zehn Jahre vergangen und die Herausforderungen für die Bürgerinnen haben zugenommen - insbesondere auch für Seniorinnen. So waren Ende 2023 zwar 270 Frauen und Männer beim Seniorenamt und als “Mach dich stark“- Ehrenamtliche (Nachbarschaftshilfe) in den Seniorennetzwerken registriert, jedoch ist dieses Angebot - ebenso wie die bestehenden Nürnberger Strukturen - anlassbezogen, also für jene Seniorinnen, die sich aktiv um Hilfe und Teilhabe bemühen.4 All jene älteren Bürgerinnen, die keine Bezugsperson haben oder nicht proaktiv teilhaben können, sind daher umso mehr auf Unterstützung von außen angewiesen.
Vor diesem Hintergrund stellen wir deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:
Die Verwaltung berichtet
-
inwieweit sich die Pandemie auf das Wohlbefinden von Seniorinnen ausgewirkt hat,
-
welche städtischen Angebote zur Unterstützung von Seniorinnen besonders gut/kaum
angenommen werden,
- inwieweit - laut Sachverhalt aus dem Jahr 2013 - dank der bestehenden Strukturen bereits
ein Teil der Wirkung, die präventive Hausbesuche haben können, erzielt wurde/wird,
- über die Möglichkeit, ein Modellprojekt zu präventiven Hausbesuchen am Münchner Beispiel
zu entwickeln und zu erproben,
- inwieweit das Projekt SAVE Anwendung in Nürnberg finden könnte.
Mit freundlichen Grüßen
Andrea Bielmeier Andrea Friedel Stadträtin stv. Fraktionsvorsitzende
5 Sitzung des Sozialausschusses, 25.07.2013, TOP Ö2: Präventive Hausbesuche für ältere Menschen 4 FreiwilLigenmanagement im Seniorenamt - eine Entwicklung über 40 Jahre, Stadt Nürnberg, 2023
CSU
Fraktion der Christlich-Sozialen Union im Stadtrat zu Nürnberg
CSU-Stadtratsfraktion Rathausplatz 2 90403 Nürnberg Wolff'scher Bau des Rathauses Zimmer 222 Herrn Oberbürgermeister Rathausplatz 2 Marcus König 90403 Nürnberg Rathausplatz 2 lOBERBÜRGERM EISTER Telefon: 0911 231-2907 90403 Nürnberg Telefax: 0911 231-4051 E-Mail: csu@stadt.nuernberg.de Nr. www.csu-stadtratsfraktion.nuernberg.de Zur Stellungnahme 4 Antwort vor Absent ! 08.07.2024 dung vorlegen Antragsteller: Dr. Heimbucher 5 Ar^vortzurüntG?^ sc^nrift vorlegen
Senmrennetzwerk für die Altstadt
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
in der Nürnberger Altstadt wohnen viele Seniorinnen und Senioren, für die zahlreiche soziale und kulturelle An gebote sowie Projekte zur sozialen Teilhabe zur Verfügung stehen. Diese werden aber mangels Bekanntheit der einzelnen Projekte nur wenig genutzt.
Dabei war bereits im Jahr 2021 die Errichtung eines Seniorennetzwerkes für die Nürnberger Altstadt u. a. mit einer Revitalisierung des Tagescafes im Heilig-Geist-Haus angedacht worden, um von dort aus insbesondere Teil habe- und Mitmachangebote besser koordinieren zu können.
In der Folge wurde eine Sozialraumanalyse beauftragt, eine Umsetzung der Planung ist aber bislang nicht erfolgt.
Die CSU-Stadtratsfraktion stellt daher zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden
Antrag:
Die Verwaltung berichtet über die aktuelle Situation zur Errichtung eines Seniorennetzwerkes für die Nürnberger Altstadt und die Ergebnisse der Sozialraumanalyse.
Sie stellt Maßnahmen vor, die auch kurzfristig ergriffen werden können um die Situation für die Seniorinnen und Senioren in der Nürnberger Altstadt zu verbessern.
Mit freundlichen Grüßen
Fraktionsvorsitzender
A24070500 Seniorennetzwerk Altstadt.docx
Freie Allianz Nürnberg
e.V.
Wählerverein im Stadtrat
Herrn OB Marcus König 23.08.2024
Rathaus
90403 Nürnberg
Seniorenangebote im Stadtzentrum stärken
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
rund 160.000 Seniorinnen und Senioren leben in Nürnberg, viele davon in der Altstadt bzw. zentrumsnah. Als Ansprechpartner für ihre Interessen dient der 1995 gegründete Stadtseniorenrat. n
Er setzt sich bei Planungen, Maßnahmen und der Schaffung von Angeboten für die ältere Generatio
in unserer Stadtgesellschaft ein. Zahlreiche Mitglieder des Stadtseniorenrates beteiligen sich an den
19 Seniorennetzwerken in Nürnberg und sind dort Partner der vielen Organisationen in den
einzelnen Stadtteilen. Dieses große ehrenamtliche Engagement ist ausdrücklich zu loben. Besonders
im Hinblick auf die Innenstadt sprechen wir uns für eine weitergehende Stärkung von
Seniorenangeboten aus und stellen folgenden
Antrag:
-
Einladung des Stadtseniorenrates in eine Ausschusssitzung des Stadtrates, sodass über aktuelle Projekte berichtet werden kann – besonders mit Blick auf die Frage, ob der Stadtseniorenrat auch innerhalb der Altstadt mit einem explizit zugeschnittenen Angebot agiert.
-
Die Verwaltung berichtet über Möglichkeiten, das Tagescafé im Heilig-Geist-Spital zu reaktivieren.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Horst Dörfler Alexander Damm Stadtrat Stadtrat
Stadtrat/Vorsitzender Jürgen Horst Dörfler, Dipl. Betriebswirt FH Stadtrat Alexander Damm, Apotheker/Pharmazierat Büro der AG: Theresienstraße 5, 90403 Nbg., Mo-Fr. 10-14 Uhr E-Mail: juergen.doerfler@stadt.nuernberg.de