Sitzungsunterlagen
Sitzung des Sozialausschusses
29.02.2024
Inhaltsverzeichnis
Sitzungsdokumente Tagesordnung -öffentlich- 3 Vorlagendokumente TOP Ö 1 Zur Wohnsituation einkommensarmer Haushalte in Nürnberg – Vorstellung der Studienergebnisse Berichtvorlage SHA/001/2024 4 20240229_Sachverhalt_WohnLB SHA/001/2024 8 THN_Abschlussbericht_WohnLB SHA/001/2024 10 TOP Ö 2 Vereins- und Bürgertreffs in den Stadtteilen Berichtvorlage Ref.V/001/2024 149 2019-11-26_Antrag_CSU_Vereins-und_Bürgertreffs_in_den_Stadtteilen Ref.V/001/2024 152 Sachverhalt_CSU Bürgertreffs Ref.V/001/2024 154 TOP Ö 3 Einführung einer Bezahlkarte für Asylsuchende Berichtvorlage SHA/002/2024 159
TAGESORDNUNG
Sitzung
Sitzung des Sozialausschusses
Sitzungszeit
Donnerstag, 29.02.2024, 09:00 Uhr
Sitzungsort
Rathaus, Fünferplatz 2, Großer Sitzungssaal
TAGESORDNUNG
Öffentliche Sitzung
1. Zur Wohnsituation einkommensarmer Haushalte in Nürnberg – Bericht
Vorstellung der Studienergebnisse SHA/001/2024
Ries, Elisabeth
2. Vereins- und Bürgertreffs in den Stadtteilen Bericht
Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 26.11.2019 "Vereins- und Ref.V/001/2024
Bürgertreffs in den Stadtteilen"
Ries, Elisabeth
3. Einführung einer Bezahlkarte für Asylsuchende Bericht
SHA/002/2024 Ries, Elisabeth
- Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 07.12.2023,
öffentlicher Teil
SHA/001/2024
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 29.02.2024 öffentlich Bericht
Betreff:
Zur Wohnsituation einkommensarmer Haushalte in Nürnberg – Vorstellung der
Studienergebnisse
Anlagen: 20240229_Sachverhalt_WohnLB THN_Abschlussbericht_WohnLB
Bericht:
Im vergangenen Jahr wurde die Technische Hochschule Georg Simon Ohm von der Stadt Nürnberg damit beauftragt, eine Studie zur Wohnsituation einkommensarmer Haushalte in Nürnberg durchzuführen.
Ein besonderer Blick wurde dabei auf den Vergleich zwischen der Wohnsituation von Leistungsempfangenden und der Wohnsituation von Geringverdienenden gelegt. Die Ergebnisse aus der Befragung, den Fokusgruppengesprächen mit Experten und der Auswertung von Dokumentationsbögen des Energiesparprojekts liegen nun vor und sollen dem Sozialauschuss in der Sitzung am 29.02.2024 vorgestellt werden.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Es wurden Leistungsbeziehende und Geringverdienende im Jobcenter, Sozialamt und anderen Kontaktstellen befragt, mit dem Ziel die Wohnsituation dieser Haushalt besser zu erfassen.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Beilage
zur Sitzung des Sozialausschusses am 29.02.2024
Zur Wohnsituation einkommensarmer Haushalte in Nürnberg – Vorstellung der Stu-
dienergebnisse
„Wie leben Mieterhaushalte in Nürnberg, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind oder die nur ein geringes eigenes Einkommen haben?“ Dieser Frage ging die Technische Hochschule Georg Simon Ohm im Auftrag der Stadt Nürnberg nach. Die nun vorliegende Studie vergleicht die Wohnverhältnisse von zwei Gruppen: Haushalte, die staatliche Transferleistungen beziehen, werden verglichen mit Haushalten ohne Bezug von Transferleistungen, aber mit geringen Einkommen. Dabei wurde sich dem Sachverhalt mit folgenden Forschungsfragen genähert:
Wie stellt sich die Wohnsituation von einkommensarmen Haushalten dar, insbesondere in Hinblick auf den Sanierungszustand der Wohnung? Wie unterscheiden sich dabei die MSL (Mindestsicherungsleistungen beziehende) - Haushalte von anderen einkommensarmen Haushalten, sogenannten „Grenzhaushalten“? Leben MSL-Haushalte in ungünstigeren Wohnverhältnissen? Wie wirken sich Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnkosten und damit die finanzielle Gesamtbelastung der Haushalte aus?
Erkenntnisse ergeben sich aus Befragungen, aus Gesprächsrunden mit Expertinnen und Experten sowie aus einer Auswertung von Erfassungsbögen des Energiesparprojekts der Stadt Nürnberg. Somit liegen umfangreiche Erkenntnisse über die Wohnsituation und Wohnqualität von Bezieherinnen und Beziehern von Transferleistungen sowie von Geringverdienenden vor.
Die Ergebnisse der Studie wurden am 02.02.2024 im Rahmen einer Ergebnispräsentation der Öffentlichkeit vorgestellt. Zentrale Erkenntnisse der Studie sind:
Es besteht ein zu geringes Angebot an bezahlbarem Wohnraum im unteren Mietpreisbereich. In vielen Fällen gaben die Befragten an, einen Umzugswunsch zu haben, aufgrund der Wohnungsmarktsituation hier aber keine Perspektive zu sehen. Deshalb wird ein schlechter Wohnstandard eher akzeptiert. Die untersuchten Haushalte wohnen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in eher kleineren Wohnungen. Dies bedeutet, dass weniger Fläche pro Person zur Verfügung steht. Wohnungen sind dichter belegt als bei Haushalten mit höherem Einkommen. Sowohl zwischen der Gruppe der befragten Leistungsbeziehenden und der Gruppe der Geringverdienenden einerseits als auch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung andererseits wurde deutlich, dass sich kaum ein Unterschied beim Alter der Wohngebäude feststellen ließ. Grundsätzlich brachte die Studie an einigen Stellen hervor, dass es keine großen Unterschiede in Bezug auf die Wohnqualität und die Wohnsituation der beiden untersuchten Gruppen gab. Bei den Ergebnissen zur energetischen Situation der Haushalte beider Gruppen wurde deutlich, dass im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich häufiger Strom zum Heizen und Aufbereitung von Warmwasser genutzt wird. Dies ist insofern relevant, da die Kosten für Strom deutlich höher sind als für Erdgas oder Fernwärme.
Der Sanierungszustand wurde im Rahmen der Erfassungsbögen des Energiesparprojekts in nur 4% der Fälle als umfassend energetisch saniert bewertet. Knapp 40% wurden als nicht saniert und knapp 58% als teilweise energetisch saniert eingeordnet.
Ein weiteres Feld, das sich durch die Erhebung ergeben hat und das es weiter zu analysieren gilt, ist die Frage, in welchem Umfang einerseits Mieterhöhungen bei verschiedenen Sanierungsmaßnahmen zu erwarten wären und welche Einsparungen beim Energieverbrauch (unter Abschätzung der Entwicklung der Energiepreise) sich durch die Sanierung ergeben würden.
Denn auch das hat die Studie gezeigt: Es gibt viele mögliche Sanierungsmaßnahmen, die von Seiten der Vermieter recht einfach umzusetzen wären. Zu nennen wären hier unter anderem der Austausch von nicht wärmeisolierten oder sogar undichten Fenstern, die energetische Aufwertung von ungedämmten Außenwänden und Geschossdecken oder die Ausstattung mit Thermostatventilen an Heizkörpern. Dabei ist in der Folge die Frage einer zusätzlichen finanziellen Belastung der Haushalte mit ohnehin geringen Einkommen zu beachten.
Der Ergebnisbericht der Studie der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm liegt der Sitzungsvorlage als Anlage bei. In der Sitzung werden die wesentlichen Ergebnisse der Studie durch Prof. Dr. Frank Ebinger vom Nuremberg Campus of Technology vorgestellt, der die Studie zusammen mit Prof. Dr. Sabine Fromm vom Institut für Soziale Innovationen, Methoden und Analysen (KOSIMA) erstellt hat.
Nürnberg, Februar 2024 Amt für Existenzsicherung und soziale Integration - Sozialamt
Zur Wohnsituation einkommensarmer
Haushalte in Nürnberg
Abschlussbericht zum Projekt:
Analyse der tatsächlichen Wohnsituation von Leistungsbezieher-
und Grenzhaushalten (WohnLB)
01.01.2023 bis 31.08.2023
Vorgelegt von:
Prof. Dr. Sabine Fromm Prof. Dr. Frank Ebinger Tiffany Heymann M.Sc. Franziska Simon-Erhardt M.A.
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Oktober 2023
Danksagung
Die vorgelegte Studie wäre nicht möglich gewesen ohne die offenen und tatkräftigen Beiträge
vieler Personen, die als Multiplikatoren die Studie unterstützten, ihre Expertise in zwei
Fokusgruppen zur Verfügung stellten und uns gestatteten in ihren Dienststellen und
Einrichtungen Vor-Ort-Befragungen durchzuführen.
Unser herzlicher Dank geht an die Vertreterinnen und Vertreter von sozialen Diensten und
Einrichtungen, Wohnungs- und Energiewirtschaft und Verbände: Haus & Grund Nürnberg, wbg
Nürnberg, AWO Nürnberg – Seniorennetzwerk Südstadt-West, N-ERGIE, Stadt Nürnberg – Stab
Wohnen, Ökumenisches Arbeitslosenzentrum Nürnberg (ÖAZ), Evangelisches Siedlungswerk
Nürnberg, Mieterbund Nürnberg, EnergieSparProjekt Nürnberg (ESP), Diakonie Nürnberg -
Seniorennetzwerk Eberhardshof, Evangelische Jugend Nürnberg – Projekt „Wohnraum für Alle
(WoFA)“, Noris-Arbeit (NOA) Nürnberg, Stadt Nürnberg – Sozialamt (Sozialpädagogischer
Fachdienst FSD), Netz gegen Armut, STARK St. Leonhard/Schweinau/Sündersbühl, STARK
Muggenhof/Eberhardshof, STARK Gibitzenhof/Rabus, STARK Gostenhof West, Tafel Nürnberg mit
allen Ausgabestellen, Stadtmission Nürnberg, Straßenkreuzer e.V., und SIGENA Treff
Sündersbühl.
Zusätzlich unterstützten uns das Julius-Schieder-Haus der Stadtmission, die Stadt Nürnberg –
Seniorenamt, das Quartiersbüro St. Leonhard/Schweinau, das Mehrgenerationenhaus Schweinau,
der Caritasverband Nürnberg Obstmarkt, das Gemeindezentrum Langwasser, das
Nachbarschaftshaus Gostenhof, die Migrationsberatungsstelle für Erwachsene und wiederum die
Noris-Arbeit (NOA), in dem sie die Informationsflyer und Fragebögen auslegten oder sie mithilfe
ihrer Fachkräfte vor Ort ausgefüllt werden konnten.
Ganz besonderer Dank gilt den Dienststellen, Anlaufstellen und sonstigen Organisationen, die uns
eine Vor-Ort-Befragung ermöglicht haben. Dies sind alle Abteilungen von Noris-Arbeit (NOA)
(Umweltservice, Bürgerservice, Südstadtforum und Bleiweiß, NOA kommunal, Bürgerservice
kommunal). Ebenfalls wurde uns der Feldzugang durch Befragungen in den Jobcentern West und
Süd sowie den Dienststellen des Sozialamts in der Marienstraße und am Frauentorgraben
ermöglicht. Auch die Tafel Nürnberg gestattete es uns, mehrfach an allen Ausgabestellen Vor-
Ort-Befragungen durchzuführen. Befragen durften wir auch im Café Willkommen, im
Mehrgenerationenhaus Schweinau und im SIGENA-Treff in der Bertha-von-Brecht-Straße.
I
Eine große Anzahl von Haushalten mit Wohngeldbezug konnte durch die rasche und
unkomplizierte Kontaktaufnahme durch das Sozialamt, Bereich Wohnen und Wohngeld erreicht
werden, wofür wir uns herzlich bei Frau Strebel, Herrn Frank und Herrn Bach bedanken.
Herzlicher Dank geht auch an Hannah Chao-Kinkelin und ihre Energiesparberater, die im Rahmen
des „EnergieSparProjekts“ über die Jahre nicht nur einen großen empirischen Datenfundus
erarbeitet haben, sondern auch bei der Datenauswertung und -interpretation mit Rat und Tat zur
Seite standen.
Im Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth danken wir sehr herzlich Herrn
Nirschl und Frau Dr. Rebien für die sehr fundierte Beratung zu vorhandenen Studien und Daten.
Und schließlich möchten wir allen studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unserer
Mastermentorandin einen ganz herzlichen Dank aussprechen. Sie unterstützten uns mit großem
Engagement bei Projektvorstellungen, Entwicklung, Verteilung und Erfassung der Fragebögen,
Feldeinsätzen und der Erstellung der Website sowie des Informationsflyers.
Diese Studie konnte nur durch diese vielen unterstützenden Menschen erstellt werden. Vielen
herzlichen Dank dafür!
Für das gesamte Projektteam,
Prof. Dr. Sabine Fromm und Prof. Dr. Frank Ebinger
II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................................................................. V
Tabellenverzeichnis .................................................................................................................................................................. VI
0 Management Summary ............................................................................................................................................ VIII
1 Hintergrund und Leitfragen der Untersuchung ................................................................................................ 1
2 Forschungsdesign ........................................................................................................................................................... 3
2.1 Mixed-Methods-Ansatz ....................................................................................................................................... 3
2.2 Öffentlichkeitsarbeit und Gewinnung von Multiplikatoren............................................................... 3
2.3 Durchführung von Fokusgruppen .................................................................................................................. 4
2.4 Standardisierte Befragung von Leistungsbezieher- und Grenzhaushalten ............................. 6
2.4.1 Ziele und Inhalte der Befragung........................................................................................................... 6
2.4.2 Stichprobenplanung ................................................................................................................................... 7
2.4.3 Strategien zur Erreichung der Zielgruppen und Durchführung der Befragung ........... 7
2.4.4 Bewertung der Strategien des Feldzugangs und realisierte Stichprobe ...................... 10
2.5 Auswertung von Erhebungsbögen aus dem Projekt „EnergieSparProjekt (ESP)“ der Stadt
Nürnberg .................................................................................................................................................................... 11
2.5.1 Hintergrundinformationen und Vorgehen ...................................................................................... 11
2.5.2 Einordnung der Datengrundlage aus den ESP-Begehungsbögen .....................................12
2.5.3 Stichprobe ..................................................................................................................................................... 13
2.5.4 Vorgehen bei der Auswertung ............................................................................................................. 13
2.5.5 Einschränkungen bei der Auswertung und bei Aussagefähigkeiten ............................... 14
3 Ergebnisse der drei empirischen Erhebungen: Fokusgruppen, standardisierte Befragung und
ESP-Begehungsbögen ................................................................................................................................................ 15
3.1 Ergebnisse der Fokusgruppen ....................................................................................................................... 15
3.1.1 Einschätzungen der Situation am Wohnungsmarkt für einkommensschwache
Haushalte ...................................................................................................................................................... 15
3.1.2 Energetische Sanierung, Kostenentwicklung und Marktkonzentration ........................ 19
3.1.3 Wohnungsqualität......................................................................................................................................20
3.1.4 Extremfälle: Sogenannte Problemimmobilien .............................................................................21
III
3.1.5 (Negative) Erfahrungen mit Mietern in Leistungsbezieher-Haushalten ........................ 22
3.1.6 Zusammenfassung ....................................................................................................................................23
3.2 Ergebnisse der standardisierten Befragung ......................................................................................... 25
3.2.1 Realisierte Stichprobe und Datenqualität .................................................................................... 25
3.2.2 Soziodemografische Merkmale der Befragten ...........................................................................29
3.2.3 Wohngegend, Alter und Zustand der Wohngebäude ............................................................. 33
3.2.4 Mietverhältnis und Wohndauer .......................................................................................................... 35
3.2.5 Etage, Größe und Kosten der Wohnung ........................................................................................ 37
3.2.6 Angaben zum energetischen Sanierungszustand der Wohnungen................................. 44
3.2.7 Allgemeine Ausstattung der Wohnungen .................................................................................... 49
3.2.8 Schäden und Mängel in den Wohnungen....................................................................................... 51
3.2.9 Bewertung der Wohnsituation und Umzugswunsch................................................................ 54
3.2.10 Zusammenfassung ................................................................................................................................... 57
3.3 Auswertung der Begehungsbögen des EnergieSparProjekts Nürnberg (ESP) ................... 59
3.3.1 Realisierte Stichprobe und Datenqualität .................................................................................... 59
3.3.2 Kennzahlen zu Größe und sozio-demographischen Merkmalen der Haushalte ......... 61
3.3.3 Kennzahlen zur Wohnsituation ........................................................................................................... 64
3.3.4 Wohnausstattung Heizung ................................................................................................................... 69
3.3.5 Wohnausstattung bezogen auf die Warmwasserversorgung ............................................ 75
3.3.6 Sanierungszustand Fenster ................................................................................................................. 78
3.3.7 Sanierungszustand Gebäudesubstanz ............................................................................................79
3.3.8 Zusammenfassung ................................................................................................................................... 82
3.4 Diskussion und Einordnung der Ergebnisse ........................................................................................... 85
4 Literatur- und Quellenverzeichnis .........................................................................................................................92
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Teilnehmer der Befragung ...................................................................................................................... 25
Abbildung 2: Zielgruppen der Befragung nach Art der Sozialleistungen.................................................... 27
Abbildung 3: In den Haushalten der Befragten mit Migrationshintergrund gesprochene Sprachen
(außer Deutsch; Mehrfachnennungen) ............................................................................................. 31
Abbildung 4: Schäden und Mängel in den Wohnungen........................................................................................ 52
Abbildung 5: Schäden und Mängel in den Wohnungen – Freitext (MSL-Haushalte) ............................ 53
Abbildung 6: Schäden und Mängel in den Wohnungen – Freitext (WohnG-Haushalte) ...................... 54
Abbildung 7: Angegebene Leistungsbezüge............................................................................................................. 60
Abbildung 8: Aufteilung der Haushalte nach Gruppen der Studie.................................................................. 61
Abbildung 9: Aufteilung der ESP MSL-HH nach Wohnform ...............................................................................62
Abbildung 10: Sprachen im Haushalt ............................................................................................................................. 64
Abbildung 11: Alter der Wohnung nach Baualtersklassen .................................................................................. 65
Abbildung 12: Sanierungszustand ....................................................................................................................................67
Abbildung 13: Wohnungsausstattung in Bezug auf die Heizung ..................................................................... 69
Abbildung 14: Energieträger Zentralheizung .............................................................................................................70
Abbildung 15: Wohnungsausstattung in Bezug auf Kleinheizungen ...............................................................71
Abbildung 16: Wohnungsausstattung in Bezug auf die Warmwasserversorgung ...................................76
Abbildung 17: Wohnungsausstattung in Bezug auf dezentrale Einzelgeräte zur
Warmwasseraufbereitung .................................................................................................................... 77
Abbildung 18: Wohnungsausstattung in Bezug auf Fenstertypen ..................................................................79
Abbildung 19: Sanierungszustand Gebäudesubstanz ........................................................................................... 80
Abbildung 20: Dämmung der Wände .............................................................................................................................. 81
Abbildung 21: Lokalisierung der Geschoßdecke ....................................................................................................... 81
Abbildung 22: Dämmung der Geschoßdecke ............................................................................................................ 82
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht Projektvorstellung .......................................................................................................................... 4
Tabelle 2: Beteiligte Organisationen an der Fokusgruppe am 14.03.2023 ................................................... 5
Tabelle 3: Beteiligte Organisationen an der Fokusgruppe am 16.03.2023 ................................................... 5
Tabelle 4: Leitfragen für die Fokusgruppen ................................................................................................................. 6
Tabelle 5: Vor-Ort-Befragungen: Einsatzorte............................................................................................................... 8
Tabelle 6: Auslagestellen der Fragebögen und Flyer ............................................................................................ 10
Tabelle 7: Form der Teilnahme an der Befragung ................................................................................................... 28
Tabelle 8: Haushaltstyp ........................................................................................................................................................29
Tabelle 9: Zahl der Personen im Haushalt und Berücksichtigung der Kinder im Haushalt ............... 30
Tabelle 10: Befragte mit bzw. ohne Migrationshintergrund ............................................................................... 30
Tabelle 11: Zielgruppen der Befragung – im Alltag gesprochene Sprachen ..............................................32
Tabelle 12: Wohngegend ...................................................................................................................................................... 33
Tabelle 13: Alter des Wohngebäudes ............................................................................................................................ 34
Tabelle 14: Allgemeiner Zustand des Wohngebäudes.......................................................................................... 35
Tabelle 15: Mietverhältnis und Förderstatus der Wohnung ............................................................................... 35
Tabelle 16: Vermieter der Wohnung ............................................................................................................................... 36
Tabelle 17: Einzugsjahr.......................................................................................................................................................... 37
Tabelle 18: Etage, in der die Wohnung liegt ............................................................................................................... 37
Tabelle 19: Größe der Wohnung: Zahl der Räume ................................................................................................... 38
Tabelle 20: Größe der Wohnung: Quadratmeter ...................................................................................................... 38
Tabelle 21: Kennzahlen zur Wohnungsgröße ............................................................................................................. 39
Tabelle 22: Größe der Wohnung: Bewertung............................................................................................................. 40
Tabelle 23: Kosten der Wohnung, differenziert nach Kostenarten ................................................................. 41
Tabelle 24: Nettokaltmiete pro Quadratmeter, differenziert nach Wohnungsgröße ............................ 41
Tabelle 25: Wohnkosten nach Kostenarten pro Quadratmeter ........................................................................42
Tabelle 26: Belastung durch oder Zufriedenheit mit Wohnkosten ................................................................ 43
Tabelle 27: Zahlungsprobleme bei Wohnkosten ..................................................................................................... 44
Tabelle 28: Energetischer Sanierungszustand: Dämmung der Außenwände ........................................... 45
Tabelle 29: Energetischer Sanierungszustand: Fenster – Möglichkeit der Verdunklung .................. 45
Tabelle 30: Energetischer Sanierungszustand: Fenster – Art der Verglasung ........................................ 46
Tabelle 31: Energetischer Sanierungszustand: Heizung (1) ................................................................................ 47
VI
Tabelle 32: Energetischer Sanierungszustand: Heizung (2) .............................................................................. 47
Tabelle 33: Energetischer Sanierungszustand: Warmwasserbereitung ..................................................... 48
Tabelle 34: Ausstattung von Küche und Bad ............................................................................................................ 49
Tabelle 35: Ausstattung: Böden ....................................................................................................................................... 50
Tabelle 36: Ausstattung - Sonstiges .............................................................................................................................. 51
Tabelle 37: Belastungsfaktoren der Wohnsituation .............................................................................................. 55
Tabelle 38: Umzugswunsch in den nächsten zwei Jahren .................................................................................. 56
Tabelle 39: Personen und Kinderanzahl....................................................................................................................... 63
Tabelle 40: Einzugsjahr......................................................................................................................................................... 66
Tabelle 41: Größe der Wohnung und Haushaltsgröße .......................................................................................... 68
Tabelle 42: Vergleich der Energieträger zwischen ESP-Auswertung und standardisierter
Befragung ........................................................................................................................................................... 72
Tabelle 43: Monatlicher Stromverbrauch pro Wohnung und m2 ..................................................................... 73
Tabelle 44: Nutzung von Energieträgern nach monatlichen Vorauszahlungen ...................................... 74
Tabelle 45: Energieträger bei Warmwasser ............................................................................................................... 77
VII
0 Management Summary
Das vorliegende Management Summary fasst die Vorgehensweise der Studie und ihre
wesentlichen Ergebnisse zusammen und dient als schneller Überblick zu den wesentlichen
Erkenntnissen.
Ziel und Methodik der Studie
Ziel der vorliegenden Studie ist es, die tatsächliche Wohnsituation von einkommensschwachen
Haushalten in der Stadt Nürnberg zu erfassen. Hierbei wird zwischen zwei Gruppen an Haushalten
unterschieden:
- Haushalte, die Mindestsicherungsleistungen beziehen (MSL-HH), also Bürgergeld oder
Grundsicherung im Alter/Sozialhilfe nach SGB II bzw. SGB XII.
- Grenzhaushalte mit geringen Einkommen, welche aber keine Mindestsicherungsleistungen
beziehen. Als Indikator wurde hierzu das Beziehen von Wohngeld (WohnG-HH) herangezogen.
Der Studie geht es um die Beantwortung folgender drei Forschungsfragen:
- Wie stellt sich die Wohnsituation von einkommensarmen Haushalten dar, insbesondere in
Hinblick auf den Sanierungszustand der Wohnung?
- Wie unterscheiden sich dabei die MSL-Haushalte von anderen einkommensarmen Haushalten,
sogenannten „Grenzhaushalten“? Leben MSL-Haushalte in ungünstigeren Wohnverhält-
nissen?
- Wie wirken sich Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnkosten und damit die finanzielle
Gesamtbelastung der Haushalte aus?
Um diesen Forschungsfragen nachzugehen wurde ein Mixed-Methods-Ansatz gewählt, der drei
unterschiedliche Forschungsansätze kombinierte:
- Die Durchführung von Fokusgruppen mit relevanten Akteuren aus Sozialverwaltung,
Wohlfahrtspflege, Wohnungs- und Energiewirtschaft.
- Eine standardisierte Befragung von Haushalten mit Bezug von Mindestsicherungsleistungen
bzw. Wohngeld.
- Eine Analyse von Erhebungsdaten aus dem kommunalen Projekt „EnergieSparProjekt (ESP)“.
Mit der standardisierten Befragung wurden 362 Haushalte mit Bezug von
Mindestsicherungsleistungen erreicht, 536 Haushalte mit Bezug von Wohngeld und weitere 240
VIII
Haushalte, die als einkommensarm gelten (z.B. Tafelkunden), bei denen aber keine sichere
Zuordnung möglich war. Letzteres wurde bei der Auswertung entsprechend berücksichtigt.
Mit den ESP-Bögen konnten 545 MSL-Haushalte erfasst werden, aber lediglich 17 WohnG-
Haushalte. Aufgrund der sehr geringen Anzahl, wurden letztere daher nicht ausgewertet.
Im Rahmen dieser Studie wurden ausschließlich Haushalte in regulären Mietverhältnissen befragt
bzw. erhoben (also keine Eigentümer oder auch Bewohner von Pensionen etc.).
Ergebnisse zur Soziodemographie der untersuchten Haushalte
Um die untersuchten Haushalte und die Ergebnisse der Studie besser einordnen zu können, sollen
zunächst einige Informationen zur Soziodemografie dargestellt werden. Hier sind zwei Aspekte
von Bedeutung: a) Wie gut repräsentieren die untersuchten Haushalte die beiden Zielgruppen der
Studie? – und b) Wie stark unterscheiden sich die beiden Zielgruppen voneinander und von der
allgemeinen Wohnbevölkerung in Nürnberg?
Auf Basis definierter Indikatoren der amtlichen Statistik zur Zusammensetzung von
Bedarfsgemeinschaften in Nürnberg, kann für die untersuchten MSL-Haushalte geprüft werden,
wie gut sie die Gesamtheit der Bedarfsgemeinschaften repräsentieren. Haushalte von
Alleinlebenden sind sowohl in der standardisierten Befragung (42%) als auch in den ESP-Daten
(34%) gegenüber ihrem Anteil an allen Bedarfsgemeinschaften (57%) unterrepräsentiert.
Alleinerziehenden-Haushalte wurden in etwa ihrem Anteil entsprechend erfasst (Befragung: 17%,
ESP: 21%, alle Bedarfsgemeinschaften: 19%). Gleiches gilt für die in der Befragung erfassten
Paarhaushalte mit und ohne Kinder. Paare mit Kindern stellen 14% der befragten Haushalte mit
MSL (alle Bedarfsgemeinschaften: 15%), Paare ohne Kinder 10% (vs. 9%). In den Daten des ESP
sind dagegen MSL-Paarhaushalte mit Kindern stark überrepräsentiert mit 33% der erfassten
Haushalte.
Für die WohnG-Haushalte liegen keine entsprechenden Vergleichsdaten vor, so dass hier nur ein
Vergleich mit der allgemeinen Wohnbevölkerung Nürnbergs möglich ist: Mit 42% der befragten
Haushalte sind Paarhaushalte mit Kindern stark überrepräsentiert (allgemeine Bevölkerung: 14%).
Paare ohne Kinder sind stark (4% vs. 31%) unterrepräsentiert, ebenso Alleinlebende (35% vs. 50%),
während Alleinerziehenden-Haushalte auch bei dieser Zielgruppe überrepräsentiert sind (14% vs.
4%).
IX
Sowohl auf Basis der Befragungsdaten als auch der Daten des ESP sind also Paar-Haushalte mit
Kindern viel häufiger erreicht worden, als es ihren Anteilen an den Bedarfsgemeinschaften wie
auch an der Wohnbevölkerung insgesamt entspricht. Alleinerziehende MSL-Haushalte wurden in
etwa entsprechend ihrem Anteil an den Bedarfsgemeinschaften erreicht. Bei den WohnG-
Haushalten sind Paarhaushalte mit Kindern und Alleinerziehende im Vergleich zur
Wohnbevölkerung ebenfalls stark überrepräsentiert.
WohnG-Haushalte bestehen durchschnittlich aus 2,8 Personen, MSL-Haushalte aus 2,2
(Befragung) bzw. 2,6 (ESP). Damit sind die Haushalte aller untersuchten Gruppen deutlich größer
als im Durchschnitt der Bevölkerung (1,9 Personen). WohnG-Paar-Haushalte mit Kindern haben
durchschnittlich 2,5 Kinder, MSL-Haushalte 2,2.
Das Vorliegen eines Migrationshintergrundes wurde in der Studie über die im Alltag gesprochenen
Sprachen erfasst, wodurch Vergleiche sowohl mit den amtlichen Strukturdaten der
Bedarfsgemeinschaften (Erfassung der Staatsangehörigkeit) als auch mit der Wohnbevölkerung
(Erfassung des Migrationshintergrundes gemäß der Definition des Statistischen Bundesamts)
kaum möglich ist. Zwischen den in der Studie erfassten Haushalten zeigen sich diese Unterschiede:
Knapp zwei Drittel der MSL-Haushalte in der Befragung wie auch im ESP sind Haushalte mit
Migrationshintergrund, bei den WohnG-Haushalten sind es 58%.
Bezüglich des Mietverhältnisses sind mit 84% deutlich weniger MSL-Haushalte Hauptmieter als
bei WohnG-Haushalten (94%) oder der Wohnbevölkerung insgesamt (97%).
Einkommensschwache Haushalte wohnen generell seltener seit sehr langer Zeit in ihrer Wohnung
und häufiger erst seit kurzer Zeit. Dies gilt stärker für WohnG-Haushalte als für MSL-Haushalte.
Lediglich in den Jahren 2022 und 2023 überwiegt der Anteil der MSL-Haushalte deutlich; ein Grund
hierfür könnte der verstärkte Zuzug von Ukrainern sein.
Ergebnisse zur Wohnsituation der untersuchten Haushalte
Generell zeigten sich in allen drei Erhebungen keine gravierenden Unterschiede zwischen den
beiden Zielgruppen der Befragung. In den Fokusgruppen wurde das sehr geringe Angebot an
günstigen Wohnungen thematisiert; verstärkt gelte dies für sehr kleine und sehr große
Wohnungen. Aufgrund der Entwicklungen am Immobilienmarkt und der privaten Bautätigkeit
sowie vermehrter Zuzüge nach Nürnberg sei mit einer weiteren Verschärfung der Problematik zu
rechnen.
X
Demgegenüber steht ein leicht höherer Umzugswunsch der untersuchten Haushalte im Vergleich
zum statistischen Durchschnitt in Nürnberg. Während in der Wohnbevölkerung Nürnbergs der
durchschnittliche Umzugswunsch mit 47% statistisch festgehalten wurde, wünschen sich die
MSL-Haushalte mit 54% und die WohnG-Haushalte mit 58% einen Wohnungswechsel. Jedoch
erwarten in beiden Gruppen knappe 30% keine andere Wohnung zu bekommen. Deutlich mehr
WohnG-Haushalte (35%) als MSL-Haushalte (26%) geben an, sich keine andere Wohnung leisten
zu können. Dies deckt sich mit Feststellungen aus den Fokusgruppen, dass durch das geringe
Wohnangebot wenige Haushalte umziehen könnten und entsprechend oft schlechtere
Wohnverhältnisse akzeptierten.
WohnG-Haushalte haben dabei etwas größere Wohnungen als MSL Haushalte, aufgrund der
geringeren Haushaltsgrößen verfügen MSL Haushalte aber pro Person über mehr Wohnfläche als
WohnG-Haushalte.
Die Nettokaltmiete ist bei WohnG-Haushalten im Mittel um 75€ (15%) höher als bei MSL-
Haushalten. Auch liegen die Heizkosten bei den WohnG-Haushalten im Mittel um knappe 20%
höher und die Stromkosten um etwas mehr als 10% höher als bei den MSL-Haushalten; wobei Heiz-
und Stromkosten knappe 28% der Wohnkosten ausmachten. Hierbei entsprechen die Kosten pro
m² weitestgehend denen der Gesamtbevölkerung. Lediglich bei Wohnungen unter 40m² bei MSL-
Haushalten lag die Nettokaltmiete pro m² mit 13,08€ deutlich über den Werten der WohnG-
Haushalte und der Gesamtbevölkerung Nürnbergs (beide ca. 11,50€).
Auf Basis der Befragungsdaten gibt es hinsichtlich des Alters der Wohnungen kaum Unterschiede
zwischen den MSL-Haushalten, den WohnG-Haushalten und den statistischen Werten zur
Gesamtbevölkerung. Dagegen waren im ESP erfasste Gebäude deutlich älter.
Viele der befragten Haushalte berichteten von schweren Mängeln oder Schäden in ihren
Wohnungen, z. B. von Schimmel (circa 30%), im Sommer sehr heißen oder im Winter sehr kalten
Wohnungen (je circa 30%), Ungeziefer (etwa 20%) und anderen Mängeln. Weniger als 40% der
geben an, dass Schäden schnell durch Vermieter oder Hausmeister repariert würden.
In den Fokusgruppen wurde zudem von Härtefällen mit inakzeptabel schlechten
Wohnbedingungen berichtet, die von Haushalten ohne entsprechende Alternativen bewohnt
würden. Vom Hilfesystem würden diese Haushalte schlecht erreicht, da sie sich aus Furcht vor
Wohnungslosigkeit nicht an die entsprechenden Stellen wenden würden. Das Problem werde
daher möglicherweise unterschätzt. Vereinzelt wurden Haushalte mit sehr prekären
XI
Wohnbedingungen (z.B. sehr geringe Wohnflächen oder Bäder außerhalb der Wohnung) auch bei
den MSL-Haushalten der Studien gefunden.
Ergebnisse zur energetischen Situation einkommensschwacher Haushalte
Bei den untersuchten Haushalten sind gebäudezentrale Heizungen seltener als in der
Wohnbevölkerung: Am häufigsten heizen auf diese Weise die untersuchten WohnG-Haushalte
(76%), am seltensten die im ESP erfassten MSL-Haushalte (52%). In der Gesamtbevölkerung liegt
der Vergleichswert bei 83% der Haushalte. Wohnungszentrale Etagenheizungen sind dagegen bei
den untersuchten Haushalten deutlich häufiger (knapp 20%) als bei der Wohnbevölkerung
Nürnbergs (11%) anzutreffen, ohne einen signifikanten Unterschied zwischen WohnG-Haushalten
und MSL-Haushalten.
Bei den Energieverbräuchen pro Wohnung und m² zeigte sich eine sehr starke Streuung, sowohl
gemessen anhand der Stromablesedaten, wie auch anhand der monatlichen Vorauszahlungen für
Strom, Erdgas und Zentralheizung. Darüber hinaus gaben immerhin 14% der untersuchten
Haushalte an, keine Thermostate zu haben. Deutlich mehr MSL-Haushalte (24%) als WohnG-
Haushalte (18%) gaben zudem an, alte Elektrogroßgeräte zu haben.
Die untersuchten Haushalte nutzen deutlich häufiger Strom zum Heizen und zur Aufbereitung von
Warmwasser als im statistischen Vergleich zur Wohnbevölkerung Nürnbergs. Die Ergebnisse für
die MSL-Haushalte weichen zwischen standardisierter Befragung (26%) und ESP (21 – 24%) nur
geringfügig voneinander ab, aber deutlich von den WohnG-Haushalten (17%). Dabei wird das
Warmwasser häufiger über dezentrale Einzelgeräte aufbereitet, die meist mit Strom betrieben
werden. Dies ist bei MSL-Haushalten mit ca. 57% noch stärker als WohnG-Haushalten mit 47% der
Fall. Gebäudezentral wird Warmwasser seltener (32-36%) bereitgestellt als in der
Wohnbevölkerung Nürnbergs (51%). Dies gilt umso mehr für die energietechnisch schlechter
ausgestatteten MSL-Haushalte des ESP (26%). Zwar sind Stromtarife von 2020 bis Anfang 2023
weniger stark angestiegen als jene für Gas oder Fernwärme, dennoch waren diese durchweg
teurer als Systeme mit anderem Energieträgermix.
Der Sanierungszustand wurde von den Energieberatern des ESP für MSL-Haushalte in nur 4% der
Fälle als umfassend energetisch saniert bewertet. Knappe 40% wurden dagegen als nicht saniert
und knappe 58% als teilweise energetisch saniert eingeordnet.
XII
Beim Zustand der Fensterausstattung der untersuchten Haushalte ergibt sich kein eindeutiges
Ergebnis. Keine signifikanten Unterschiede zwischen einkommensschwachen Haushalten und dem
statistischen Vergleichswert zur Wohnbevölkerung Nürnbergs bestehen bei der Nennung zur
Ausstattung mit doppelt verglasten Fenstern. Allerdings kann aus dieser allgemeinen Aussage
nichts über den technischen Zustand und die Dämmfähigkeit der Fenstersysteme ausgesagt
werden. Dass es hier deutlichen Differenzierungsbedarf gibt, zeigt die Aussage, dass nur 40% der
untersuchten Haushalte angaben, alle Fenster seien dicht. Hier gab es keinen Unterschied
zwischen WohnG-Haushalten und MSL-Haushalten.
Eine Dämmung der Außenwände liegt bei den untersuchten Haushalten etwa gleich häufig vor wie
beim statistischen Vergleichswert zur Wohnbevölkerung Nürnbergs, dabei bei WohnG-Haushalten
etwas häufiger als bei MSL-Haushalten. Die Dämmung von Geschoßdecken zu unbeheizten
Bereichen ist auf Basis der ESP-Daten als eher niedrig einzustufen. Zudem berichteten etwa 24%
der untersuchten Haushalte von Rissen oder Löchern in Wänden.
Ökonomische Auswirkungen einer energetischen Sanierung
Sowohl die Auswertung der Fokusgruppen als auch der standardisierten Befragung und der ESP-
Bögen ergab viele Bedarfe für Renovierungen und Sanierungen zur Reduzierung des
Energieverbrauchs.
Die Energiekosten von einkommensschwachen Haushalten sind mit etwa 28% der Wohnkosten
ohne sonstige Betriebskosten substantiell - und waren gerade in den letzten Jahren starken
Anstiegen ausgesetzt. Untersuchungen des ESP zeigen, dass diese Kosten für einige Haushalte
noch deutlich stärker ins Gewicht fallen.
Die hohen Sanierungskosten würden laut den Fokusgruppen seltener von Privatvermietern
aufgebracht werden können, weswegen diese teilweise dazu tendierten ihre Immobilien an
Wohnungsbauunternehmen zu verkaufen, was zu einer Konzentration auf dem Wohnungsmarkt
beitrage.
Viele Haushalte scheuten Sanierungen, da diese die Miete erhöhen würden, die dann teilweise
nicht mehr von ihnen bezahlbar wäre. Vor allem Senioren scheuten zudem die Belastungen durch
die Sanierungsarbeiten. In den Fokusgruppen wurde die Sorge geäußert, dass sich durch den
Sanierungsdruck das Angebot an erschwinglichen Wohnungen für einkommensschwache
Haushalte weiter reduzieren würde.
XIII
Der Gesamtkosteneffekt einer energetischen Sanierung lässt sich mit dieser Studie nicht
feststellen, ließe sich aber mit einer Nachfolgestudie anhand von Musterwohnungen schätzen.
Abgesehen von den kostentechnischen Effekten würden viele Sanierungsmaßnahmen die
Wohnqualität deutlich anheben.
XIV
1 Hintergrund und Leitfragen der Untersuchung
Die Wohnverhältnisse und der Sanierungszustand bei einkommensarmen bzw. Leistungsbezieher-
Haushalten sind aktuell in der Stadt Nürnberg nicht vollständig und umfassend bekannt.
Besonders durch inflationsbedingte Preissteigerungen und die stark gestiegenen Energiekosten
könnten aber genau für diese ökonomisch vulnerable Gruppe deutliche Verschärfungen auf dem
Wohnungsmarkt entstehen, die zudem mit der Verabschiedung des Gebäudeenergiegesetzes
(GEG) und den damit einhergehenden Sanierungsanforderungen eine weitere Erhöhung der
Wohnkosten zur Folge haben könnten. Aus politischer Perspektive ist zur Erreichung der
Klimaziele grundsätzlich eine Verbesserung der Sanierungsrate und der energetischen
Qualifizierung des Wohnungsbestandes einer Kommune unabdingbar. Damit nimmt zugleich auch
die Qualität des kommunalen Wohnraums insgesamt zu.
Für einkommensschwache Haushalte sind aus dieser Entwicklung allerdings ambivalente
Ergebnisse zu erwarten: Sie sind stärker vom Sanierungszustand der gemieteten Wohnungen
abhängig als Menschen mit hohem Einkommen, da sie aufgrund des begrenzten
Wohnungsangebots in Ballungsräumen wie Nürnberg geringe Chancen auf einen Wechsel in eine
bessere und zugleich erschwingliche Wohnung haben. Zudem ist es bei einkommensarmen
Haushalten von besonderer Relevanz, wie energieeffizient ihre Wohnung ist: Bei einem
schlechteren Sanierungsstand wird mehr Energie verbraucht, so dass der finanzielle Aufwand für
die Wohnung größer wird. Andererseits führen Sanierungsmaßnahmen in der Regel auch zu
höheren Mieten, so dass die Gefahr besteht, dass dadurch die Zahl der verfügbaren Wohnungen
für einkommensarme Haushalte noch kleiner wird.
Für alle betroffenen Akteure stellen sich dadurch neue Herausforderungen: Einkommensarme
Haushalte stehen vor dem Dilemma, entweder in günstigen Wohnungen zu bleiben und hohe
Energiekosten (sowie Belastungen durch schlechte Wohnstandards) hinzunehmen oder in besser
sanierte Wohnungen zu ziehen – sofern sie diese finanzieren können und Wohnungen auf einem
engen Wohnungsmarkt finden – und einen noch größeren Anteil ihres Einkommens für Wohnen
auszugeben. Aber auch Vermieter stehen vor dem Problem, zunehmende Sanierungspflichten
umsetzen und finanzieren zu müssen. Die Kommunen erwartet ein höherer Finanzierungsbedarf,
insbesondere bei der Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung (KdU) für Haushalte, die
Mindestsicherungsleistungen beziehen. Mit der Übernahme der KdU im Rahmen der jeweils
geltenden Richtwerte wird sichergestellt, dass die betroffenen Haushalte überhaupt Zugang zum
Wohnungsmarkt haben. Bislang wird der energetische Zustand der Wohnungen bei der
Kostenübernahme jedoch nicht berücksichtigt. Vermieter können auch dann mit Mieteinnahmen
rechnen, wenn sie nicht in entsprechende Sanierungsmaßnahmen investieren da eine Übernahme
der KdU rechtlich nicht an die Forderung nach energetischen Sanierungen durch die Vermieter
gekoppelt werden kann.
Vor diesem Hintergrund wurde von der Stadt Nürnberg die vorliegende Studie in Auftrag gegeben,
die die tatsächliche Wohnsituation einkommensarmer Haushalte in den Blick nehmen soll. Sie soll
grundsätzlich die Wohnverhältnisse und den Sanierungszustand der Wohnungen der betroffenen
Haushalte untersuchen. Da bei Haushalten, die Mindestsicherungsleistungen beziehen, die KdU
unabhängig vom energetischen Sanierungszustand der Wohnungen übernommen werden müssen,
sollte zudem zwischen zwei Gruppen von einkommensarmen Haushalten differenziert werden:
- Haushalte, die Mindestsicherungsleistungen erhalten, also Bezieher von Bürgergeld oder
Grundsicherung im Alter/Sozialhilfe nach SGB II bzw. SGB XII („Leistungsbezieher-Haushalte“,
im Folgenden abgekürzt als MSL-HH).
- Haushalte, die über ein geringes Einkommen verfügen, aber keine
Mindestsicherungsleistungen beziehen. Als Indikator zur Identifikation dieser Gruppe wurde
der Bezug von Wohngeld definiert („Grenzhaushalte“, im Folgenden abgekürzt als WohnG-HH).
Auch andere Gruppen würden inhaltlich der Zielgruppe entsprechen, zum Beispiel Haushalte, für
die die Gebühren für Kindertagesbetreuung ganz oder teilweise übernommen werden. Da hier aber
Überschneidungen mit anderen Leistungen (SGB II oder Wohngeld) bestehen können, ist eine
Abgrenzung ohne Zusatzinformationen nicht möglich. Deshalb wurde die Studie auf Haushalte im
Leistungsbezug nach SGB II oder SGB XII bzw. auf Bezieher von Wohngeld beschränkt.
Vor diesem Hintergrund ist es Ziel der Studie, die folgenden Fragestellungen zu beantworten:
- Wie stellt sich die Wohnsituation von einkommensarmen Haushalten dar, insbesondere in
Hinblick auf den Sanierungszustand der Wohnung?
- Wie unterscheiden sich dabei die MSL-Haushalte von anderen einkommensarmen Haushalten,
sogenannten „Grenzhaushalten“, hier also Haushalten, die Wohngeld erhalten? Leben MSL-
Haushalte in ungünstigeren Wohnverhältnissen?
- Wie wirken sich Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnkosten und damit die finanzielle
Gesamtbelastung der Haushalte aus?
2 Forschungsdesign
2.1 Mixed-Methods-Ansatz
Die empirische Erfassung der Wohnsituation der betroffenen Haushalte steht vor erheblichen
methodischen Problemen: Einerseits muss beim Einsatz klassischer Methoden (z. B. postalische
Befragung der betroffenen Haushalte) mit einer geringen Teilnahmebereitschaft gerechnet
werden. Andererseits erfordert eine detaillierte Erfassung des energetischen Zustands der
Wohnung Fachwissen, das üblicherweise bei den Betroffenen nicht vorausgesetzt werden kann.
Um der komplexen Fragestellung dennoch gerecht zu werden, wurde eine multimethodische
Herangehensweise gewählt, die wie ein Mosaik mehrere Zugänge und Datenquellen aus der
quantitativen sowie qualitativen Forschung kombiniert. Um die aktuelle Wohnsituation und
typische Belastungen von Leistungsbezieher- und Grenzhaushalten, sowie Unterschiede zwischen
diesen Gruppen herauszuarbeiten, wurden folgende Ansätze gewählt:
- Die Durchführung von Fokusgruppen mit relevanten Akteuren aus Sozialverwaltung,
Wohlfahrtspflege, Wohnungs- und Energiewirtschaft und Mieterverbänden,
- eine standardisierte Befragung von Haushalten mit Bezug von Mindestsicherungsleistungen
bzw. Wohngeld sowie
- eine Analyse von Erhebungsdaten aus dem kommunalen Projekt „EnergieSparProjekt (ESP)“.
2.2 Öffentlichkeitsarbeit und Gewinnung von Multiplikatoren
Zur Sicherstellung von Kooperationen, zur Vorbereitung des Feldzugangs für die standardisierte
Befragung und zur Gewinnung von Multiplikatoren – ein zentraler Baustein für die Erhöhung der
Teilnahmebereitschaft für die standardisierte Befragung – wurde das Projekt zunächst bei
relevanten Akteuren in Nürnberg bekannt gemacht, indem die Projektbeteiligten an Sitzungen
zahlreicher Gremien aus dem Bereich der Sozialverwaltung teilnahmen und zusätzlich das Projekt
bei verschiedenen Dienststellen und Einrichtungen vorstellten (Tabelle 1).
Tabelle 1: Übersicht Projektvorstellung
| Datum | Gremien/Dienststellen/Organisationen | ||
|---|---|---|---|
| 09.02.2023 | Netz gegen Armut | ||
| 09.02.2023 | STARK St. Leonhard/Schweinau/Sündersbühl | ||
| 15.02.2023 | STARK Muggenhof/Eberhardshof | ||
| 23.02.2023 | Sozialamt, Wohngeldstelle | ||
| 06.03.2023 | Große Dienstbesprechung Stadt Nürnberg | ||
| 07.03.2023 | Sozialamt, Grundsicherung/Finanzielle Hilfen | ||
| 10.03.2023 | Erste Vorstellung Jobcenter | ||
| 15.03.2023 | STARK Gibitzenhof/Rabus | ||
| 16.03.2023 | Jobcenter West | ||
| 16.03.2023 | Jobcenter Süd | ||
| 23.03.2023 | STARK Gostenhof West | ||
| 28.03.2023 | Nürnberger Tafel | ||
| 30.03.2023 | Heftvorstellung Straßenkreuzer | ||
| 31.03.2023 | Noris-Arbeit (NOA) gGmbH | ||
| 19.04.2023 | Runder Tisch SIGENA Treff Sündersbühl |
Ergänzend wurde das Projekt durch eine Pressemitteilung der Stadt Nürnberg (13.04.2023) in
Verbindung mit einem Beitrag in den Nürnberger Nachrichten (12.05.2023) der Öffentlichkeit
gegenüber bekannt gemacht. Auch das Sozialmagazin „Straßenkreuzer“ berichtete in seiner Mai-
Ausgabe über den Projektstart. Auf einer eigens eingerichteten Website (www.wohnstudie-
nuernberg.de), wurde über die Befragung informiert und die Möglichkeit geschaffen, per Online-
Zugang an der Befragung teilzunehmen.
2.3 Durchführung von Fokusgruppen
Expertinnen und Experten aus Sozialverwaltung, Wohlfahrtspflege, Mieterverbänden und
Organisationen der Wohnungs- und Energiewirtschaft erhalten in vielfältigen Bereichen Einblicke
und Informationen über die Wohnbedingungen einkommensarmer Haushalte. Um diese
Perspektiven und Erfahrungen für das Projekt aufzuschließen und einschätzbar zu machen,
wurden zwei Experten-Fokusgruppen durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk in den
Diskussionen lag auf der Einschätzung zum (energetischen) Sanierungsstand und den sozialen-
und marktlichen Rahmenbedingungen der untersuchten Haushalte. Die Auswahl der Teilnehmer
erfolgte in Abstimmung mit der Stadt Nürnberg.
Die erste Fokusgruppe fand am 14.03.2023 am Nuremberg Campus of Technology (Fürther Straße
146b, Nürnberg) statt. Neben den Projektbeteiligten der TH Nürnberg nahmen Vertreter von
Organisationen der Wohnungswirtschaft, Mieterverbänden, Sozialverwaltung, freier
Wohlfahrtspflege und Energieversorgung teil:
Tabelle 2: Beteiligte Organisationen an der Fokusgruppe am 14.03.2023
| Organisation | |||
|---|---|---|---|
| 1. | Haus & Grund Nürnberg | ||
| 2. | wbg Nürnberg | ||
| 3. | AWO Nürnberg, Seniorennetzwerk Südstadt-West | ||
| 4. | Stadt Nürnberg, Sozialamt | ||
| 5. | N-ERGIE | ||
| 6. | Stadt Nürnberg, Stab Wohnen | ||
| 7. | Ökumenisches Arbeitslosenzentrum Nürnberg (ÖAZ) | ||
| 8. | Evangelisches Siedlungswerk Nürnberg | ||
| 9. | Mieterbund Nürnberg |
In einer zweiten Fokusgruppe diskutierten am 16.03.2023 an der Technischen Hochschule
Nürnberg (Bahnhofstraße 87, Nürnberg) sieben Expertinnen und Experten aus Sozialverwaltung
und freier Wohlfahrtspflege mit den Projektbeteiligten.
Tabelle 3: Beteiligte Organisationen an der Fokusgruppe am 16.03.2023
| Organisation | |||
|---|---|---|---|
| 1. | Stadt Nürnberg, Sozialamt | ||
| 2. | EnergieSparProjekt Nürnberg (ESP) | ||
| 3. | Diakonie Nürnberg, Seniorennetzwerk Eberhardshof | ||
| 4. | Ev. Jugend Nürnberg, Projekt „Wohnraum für Alle (WoFA)“ | ||
| 5. | Noris-Arbeit (NOA) Nürnberg |
Nachstehende Leitfragen wurden dann in den beiden Gruppen mit unterschiedlicher
Schwerpunktsetzung diskutiert.
Tabelle 4: Leitfragen für die Fokusgruppen
| Thematik | Schwerpunkte | ||
|---|---|---|---|
| Wohnungsmarkt für Geringverdiener- und Leistungsbezieher- Haushalte: Aktuelle Situation in Nürnberg | Wohnraumangebot, Kostenentwicklung, Wohnqualität und Sanierungszustand | ||
| Probleme für einkommensarme Mieter-Haushalte | |||
| Räumliche Verteilung einkommensarmer Mieter-Haushalte in Nürnberg | |||
| Die Perspektive der Eigentümer und Vermieter | Energetische Sanierung: Position der Verbände | ||
| Energetische Sanierung: Probleme, Strategien, Rahmenbedingungen | |||
| Vermietung an Leistungsbezieher-Haushalte bzw. Geringverdiener-Haushalte: Vorbehalte, Erfahrungen, Probleme | |||
| Zukunftsperspektive | Energetische Sanierung – und dann? Kostensteigerung und Verdrängung ärmerer Haushalte? |
Die Gruppendiskussionen wurden aufgezeichnet, transkribiert und thematisch ausgewertet.
2.4 Standardisierte Befragung von Leistungsbezieher- und Grenzhaushalten
2.4.1 Ziele und Inhalte der Befragung
Mit einer standardisierten Befragung der Zielgruppen wurden Informationen über Ausstattung und
Sanierungszustand der Wohnungen erhoben, aber auch Bewertungen der Wohnsituation
(Wohnung, Gebäude, Wohnumfeld), Belastungen und Umzugswünsche. Der Fragebogen1 war (in
der Papier-Variante) sechsseitig und umfasste die folgenden Themenblöcke:
-
Wohngegend und Wohngebäude: Umgebung, Baujahr und Zustand des Hauses
-
Wohnung: Indikatoren des energetischen Zustandes der Wohnung, Ausstattung der Wohnung,
Einzugsjahr, Mietverhältnis, ggf. Förderung, Wohnungsgröße und Ausstattung, Schäden und
Mängel
- Bewertung der Wohnsituation: Belastungen und Zufriedenheit mit Renovierungsstand,
Kosten, Sauberkeit und Sicherheit von Wohnung und Wohnumfeld, Umzugswunsch
- Informationen zum Haushalt: Haushaltsgröße und -typ, Migrationshintergrund,
Einkommensart, Straße und Postleitzahl
Um Vergleichbarkeit mit vorhandenen Befragungsdaten herzustellen, wurden auch Fragen der
regelmäßig in Nürnberg durchgeführten Erhebung „Wohnen in Nürnberg“ übernommen.
1 Siehe Anlage zu diesem Bericht
2.4.2 Stichprobenplanung
Insbesondere für die Befragung der Haushalte mit Bezug von Mindestsicherungsleistungen
wurden besondere Herausforderungen in der Umsetzung erwartet: Mangelnde Sprachkenntnisse,
institutionelles Misstrauen und vielfach geringe Kompetenzen im Umgang mit Texten ließen eine
postalische Befragung auf Basis einer Zufallsstichprobe aus der Gesamtheit der
Leistungsbezieher als methodisch kaum umsetzbar erscheinen. Diese Einschätzung wurde durch
die Diskussionen und Gespräche mit den Multiplikatoren während der Vorbereitung der Befragung
bekräftigt. Aus diesem Grund wurde darauf verzichtet, eine Zufallsstichprobe aus der Gesamtheit
der Leistungsbezieher zu realisieren, sondern ein Methodenmix aus persönlichen Vor-Ort-
Befragungen, Auslegen von Werbematerial und Fragebögen an verschiedenen Anlaufstellen und
Einsatz von Multiplikatoren in sozialen Einrichtungen und Sozialverwaltung zum Abbau von
Misstrauen gewählt. Durch den Verzicht auf eine Zufallsauswahl wurde innerhalb der Zielgruppe
der Haushalte mit Mindestsicherungsleistungen nur eine Teilgruppe angesprochen: diejenigen
Haushalte, die beim Kontakt mit Behörden, Sozialverwaltung oder sozialen Einrichtungen oder auf
andere Weise von der Befragung erfahren hatten. Die Frage, wie gut diese Personen die Zielgruppe
repräsentieren bzw. ob sie sich in bestimmten Aspekten systematisch von ihr unterscheiden, lässt
sich nur eingeschränkt beantworten (Kapitel 4.2.1.). Die Auswertung der Befragung ergab jedoch
eine breite Streuung bezüglich der erhobenen Informationen, so dass davon auszugehen ist, dass
nicht nur eine Extremgruppe erreicht wurde.2
2.4.3 Strategien zur Erreichung der Zielgruppen und Durchführung der Befragung
Strategien zur Erhöhung der Teilnehmerzahl
Um eine möglichst hohe Teilnehmerzahl zu erreichen, wurden verschiedene Strategien
miteinander kombiniert
- Der Feldzugang erfolgte durch Vor-Ort-Befragungen mit z. T. mehrsprachigen Interviewern,
durch das Auslegen von Flyern und die Unterstützung durch Multiplikatoren in sozialen
Einrichtungen und Dienststellen. Die WohnG-Haushalte wurden zusätzlich schriftlich durch
das Sozialamt kontaktiert.
- Eine Projekt-Website informierte ebenfalls über Ziele und Inhalte des Projekts und diente als
„Landing Page“ für die Online-Teilnahme an der Befragung (www.wohnstudie-nuernberg.de).
2 Auch bei einer postalischen Befragung auf Basis einer Zufallsauswahl wäre kaum davon auszugehen, dass die Teilnehmer alle Untergruppen der Zielgruppe gleich gut repräsentieren würden. Es wären auch hier systematische Ausfälle zu erwarten, z. B. durch eine Einschränkung auf Personen mit guten Sprachkompetenzen.
- Der Fragebogen konnte in Papierform oder online ausgefüllt werden und wurde jeweils in neun
verschiedenen Sprachen angeboten. Die Sprachauswahl (arabisch, persisch, rumänisch,
bulgarisch, russisch, ukrainisch, türkisch, englisch und deutsch) orientierte sich an den in der
Zielgruppe der MSL-Bezieher am häufigsten gesprochenen Sprachen.
- Ebenfalls in diesen Sprachen wurden Infoflyer mit einer Kurzbeschreibung des Projekts
erstellt, die auch einen QR-Code bzw. Link zur Befragung enthielten.
- Studierende der TH Nürnberg wurden im Rahmen zweier Lehrveranstaltungen von den beiden
Projektleitern in die Projektentwicklung eingebunden, als Interviewer geschult und erhielten
die Möglichkeit, an der Durchführung der Vor-Ort-Befragungen mitzuarbeiten. Diese
Studierenden waren zum Teil Native Speakers in den Befragungssprachen. Zusätzlich wurden
Studierende mit entsprechendem muttersprachlichem Hintergrund als Interviewer eingestellt,
geschult und bei den Vor-Ort-Befragungen eingesetzt, so dass alle Sprachen abgedeckt
waren.
- Die in Kapitel 3.3 genannten Multiplikatoren wurden gebeten, bei ihren Klienten für die
Befragung zu werben, sowie Flyer und Fragebögen zur Verfügung zu stellen.
Vor-Ort-Befragungen
Vor-Ort-Befragungen fanden von 17.04. bis 15.06.2023 in Ämtern, sozialen Einrichtungen, bei der
NOA und im öffentlichen Raum statt (Tabelle 5).
Tabelle 5: Vor-Ort-Befragungen: Einsatzorte
| Noris- Arbeit (NOA) | NOA Umweltservice Gutenstetter Straße | 10.05.2023 | ||
|---|---|---|---|---|
| NOA Bürgerservice Allerbergerstraße | 09.05.2023 | |||
| NOA Südstadtforum und Bleiweiß | 02.05.2023 | |||
| Siebenkeesstraße | ||||
| NOA kommunal Grün Gutenstetter Straße | 04.05.2023 | |||
| NOA kommunal Bürgerservice Diebacher | 12.05.2023 | |||
| Straße | ||||
| Jobcenter | Jobcenter West Nicolaistraße | 26.04.; 03.05.; 04.05. & 11.05.2023 | ||
| Jobcenter Süd Platenstraße | 25.04.; 28.04. & 02.05.2023 | |||
| Sozialamt | Sozialamt Marienstraße (Wohngeld) | 25.04.; 27.04.; 28.04.; 08.05.; 09.06.; 14.06. & 15.06.2023 | ||
| Sozialamt Frauentorgraben (GruSi/Soz.hilfe) | 25.04.; 28.04.; 05.05. & | |||
| 10.05.2023 | ||||
| Ausgabestelle Zentrale Sigmundstraße |
Noris-
Arbeit
(NOA)
| Tafel Nürnberg | Ausgabestelle Pfarrzentrum Martin | Zwei bis drei Einsätze pro Ausgabestelle zwischen Mitte April und Mitte Mai 2023 | ||
|---|---|---|---|---|
| Grolandstraße | ||||
| Ausgabestelle BRK Nunnenbeckstraße | ||||
| Ausgabestelle Pfarrzentrum zum guten Hirten | ||||
| Namslauerstraße | ||||
| Ausgabestelle Pfarrzentrum St. Elisabeth Jakobsplatz | ||||
| Ausgabestelle Pfarrzentrum St. Lukas | ||||
| Wartburgstraße | ||||
| Öffentliche Plätze | Aufseßplatz | 28.04. & 12.05.2023 | ||
| Plärrer | 29.04. & 05.05.2023 | |||
| Frankencenter | 05.05. & 09.05.2023 | |||
| Jamnitzerpark | 29.05.2023 | |||
| St. Leonhard/Schweinau (vor dem Sparkassengebäude) | 04.05.2023 | |||
| Röthenbach bei Schweinau (U-Bahn-Aufgang | 06.05. & 11.05.2023 | |||
| vor dem Einkaufszentrum) | ||||
| Sonstige | Café Willkommen | 09.05.2023 | ||
| Mehrgenerationenhaus Schweinau | 11.05.2023 | |||
| SIGENA Bertha von Brecht Straße | 16.05.2023 |
Tafel
Nürnberg
Öffentliche
Plätze
Die potenziellen Teilnehmer wurden von den oben bereits angesprochenen geschulten und zum
Teil mehrsprachigen Interviewern aktiv angesprochen und zur Teilnahme eingeladen. Um die
Teilnahmebereitschaft zu erhöhen, wurden kleine Incentives, wie z.B. Energiesparlampen
angeboten. Die Teilnahme war sowohl mit Unterstützung durch die Interviewer vor Ort möglich
(persönliche Befragung und Erfassung über Online-Eingabemaske), als auch durch selbständiges
Ausfüllen des Papierfragebogens oder des Online-Fragebogens, den die Teilnehmer über das
Scannen eines QR-Codes aufrufen konnten.
Auslage des Fragebogens und Informationsflyers
Zahlreiche Dienststellen, soziale Einrichtungen und Anlaufstellen im Quartier unterstützten die
Befragung, indem sie ihre Adressaten auf die Befragung aufmerksam machten und Flyer bzw.
Fragbögen auslegten oder verteilten (siehe Tabelle 6). Zusätzlich zu den Orten, an denen
Befragungen stattfanden, waren dies:
Tabelle 6: Auslagestellen der Fragebögen und Flyer
| Auslagestelle | Adresse | Dauer | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Julius-Schieder-Haus (Sozialpsychiatrischer Dienst) | Pirckheimer Str.16 | 02.05. – 17.07.2023 | |||
| Straßenkreuzer e. V. | Maxpl. 7 | 02.05. – 17.07.2023 | |||
| NOA Seniorenstammtisch | Siebenkeesstr. 4 | 02.05. – 12.05.2023 | |||
| Seniorenamt | Hans-Sachs-Platz 2 | 09.05. – 12.05.2023 | |||
| Quartiersbüro St. Leonhard/Schweinau | Schwabacher Str. 63 | 02.05. – 17.07.2023 | |||
| Mehrgenerationenhaus Schweinau | Schweinauer Haupstr. 31 | 11.05. – 17.07.2023 | |||
| Gemeindecaritas Nürnberg | Obstmarkt 28 | 25.05. – 17.07.2023 | |||
| Gemeinschaftshaus Langwasser | Glogauer Str. 50 | 01.06. – 17.07.2023 | |||
| Nachbarschaftshaus Gostenhof | Adam-Klein-Str. 6 | 01.06. – 17.07.2023 | |||
| Migrationsberatung für Erwachsene BRK (im Südstadtforum) | Siebenkeesstr. 4 | 01.06. – 17.07.2023 |
Persönliches Anschreiben von Wohngeldbeziehern durch Sozialamt/Wohngeldstelle
Zusätzlich wurden 4.838 WohnG-Haushalte durch das Sozialamt, Abteilung Wohngeld
angeschrieben und gebeten an der Befragung online teilzunehmen.
2.4.4 Bewertung der Strategien des Feldzugangs und realisierte Stichprobe
Die Durchführung als Vor-Ort-Befragung erwies sich als sehr hilfreich für die Befragung der MSL-
Haushalte. Die Teilnahmebereitschaft war hier insgesamt gut, sofern die Personen aktiv
angesprochen wurden und nicht befürchten mussten, durch die Teilnahme Nachteile zu erleiden
(z.B. Termin im Jobcenter versäumen). Als wichtig erwies sich zudem, entweder Wartezeiten zu
nutzen oder die Personen beim Verlassen des jeweiligen Gebäudes anzusprechen, wenn ihr
eigentliches Anliegen erledigt war. Als sehr hilfreich erwies sich der Einsatz der mehrsprachigen
Interviewer, mit deren Hilfe es sehr gut gelang, Personen mit geringen Deutschkenntnissen
anzusprechen und auch Vertrauen herzustellen. Die Befragungen bei NOA wurden während der
Arbeitszeit der dort beschäftigten Zielgruppe durchgeführt und vom jeweiligen Schichtleiter
organisiert. Auch hier war die Teilnahmebereitschaft hoch. Die Einsätze im öffentlichen Raum
waren dagegen weniger erfolgreich: Viele Menschen begegneten den Befragungsteams mit
Misstrauen. Andere machten ihrem Ärger über ihre Wohnsituation Luft und darüber, sich von der
Politik im Stich gelassen zu fühlen. Viele erzählten ausführlich von ihrer Wohnsituation, wollten
dann aber doch lieber nicht teilnehmen. Andere waren an einer Teilnahme interessiert, wollten den
Fragebogen aber lieber zuhause ausfüllen. Ihnen wurden zusätzlich zu Fragebogen und Flyer in
der gewünschten Sprache adressierte und freigemachte Umschläge für den Rückversand
mitgegeben wurden; insgesamt kamen aber weniger als zehn Fragebögen auf diese Weise zurück.
Sehr viele Teilnehmer benötigten Unterstützung beim Ausfüllen des Fragebogens. Vielfach
musste der Fragebogen mit den Befragten Frage für Frage durchgegangen werden, und häufig
baten die Befragten die Interviewer ihre Antworten für sie online einzugeben. Nicht wenige
Befragten waren sehr an einer Teilnahme interessiert, reagierten dann aber geradezu hilflos auf
die Aufgabe, einen Fragebogen auszufüllen, so dass eine entsprechende Begleitung erforderlich
war. Ohne den Einsatz der Interviewer vor Ort wäre die Befragung dieser Zielgruppe vermutlich
gescheitert.
Bei den WohnG-Haushalten war die Erreichbarkeit zunächst schlecht: Mögliche Befragungsorte
waren hier die Dienststelle des Sozialamts am Marientorgraben, die Tafel-Ausgabestellen und die
öffentlichen Plätze. Da die Zahl der Haushalte, die Wohngeld beziehen, sehr viel kleiner ist als die
der Bezieher von Mindestsicherungsleistungen, konnten schon aus diesem Grund weniger
Personen dieser Zielgruppe angetroffen werden. Erst durch die schriftliche Einladung zur
Befragung durch das Sozialamt gelang es, die Zielgruppe zu erreichen und eine letztlich eine sehr
gute Teilnahmequote zu realisieren. Bei der Aufbereitung der Daten zeigte sich dann auch, dass
die Fragebögen dieser Zielgruppe sehr viel seltener widersprüchliche Angaben enthielten, es also
deutlich weniger Verständnisproblem gegeben hatte.
Insgesamt haben 1.219 Personen zumindest einen Teil der Fragen beantwortet. Davon sind 74
Prozent (n = 898) eindeutig einer der Zielgruppen zuordnen. Bei knapp 20 Prozent der Teilnehmer
(„Sonstige“) handelt es sich um Personen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können. Dies sind
zum Beispiel Befragte, die keine Angaben zu ihrem Einkommen gemacht haben oder deren
Angaben widersprüchlich sind (gleichzeitiger Bezug von Bürgergeld und Wohngeld etc.) und sich
nicht auflösen lassen; es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich auch bei dieser Gruppe um
einkommensarme Haushalte handelt (vgl. Kapitel 4.2.1).
2.5 Auswertung von Erhebungsbögen aus dem Projekt „EnergieSparProjekt (ESP)“ der Stadt
Nürnberg
2.5.1 Hintergrundinformationen und Vorgehen
Seit 2008 unterstützen Energieberaterinnen und Energieberater Leistungsbezieher sowie
Geringverdiener dabei, Kosteneinsparpotenziale beim Stromverbrauch, Heizung und Warmwasser
zu identifizieren und beraten hierzu. Das kostenlose Angebot ist im Amt für Existenzsicherung und
soziale Integration – Sozialamt angesiedelt und richtet sich an alle Nürnberger Bürgerinnen und
Bürger, die Leistungen empfangen oder wenig Geld zur Verfügung haben. Unter dem Motto „Hilfe
zur Selbsthilfe“ konnten anhand der intensiven, persönlichen Beratung durch sozial geschulte
Energieberaterinnen und Energieberater einkommensschwache Haushalte sensibilisiert und
selbst dazu befähigt werden, ihr Nutzerverhalten bewusst zu steuern und ihren Energieverbrauch
nachhaltig zu senken.
In der Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg konnten die aus dem stadtinternen
„EnergieSparProjekt“ entstandenen Dokumentationen der Erstbegehung (sog. Energiesparbögen)
aus den Jahren 2017 bis 2022 digitalisiert und ausgewertet werden. Das betrifft ungefähr 700 ESP-
Bögen, die in den letzten Jahren von den Energiesparberatern analog ausgefüllt wurden. Die
Erfassungsbögen geben Auskunft über die Energieverbrauchssituation der Beratungshaushalte
(meist Leistungsbezieher-Haushalte in prekären Energieverhältnissen), die Soziodemographie der
Haushalte und den Stand der energetischen Sanierung der Wohnungen. Ursprünglich sollten diese
Informationen als Grundlage für die weiteren Beratungsschritte durch die Energieberater dienen.
2.5.2 Einordnung der Datengrundlage aus den ESP-Begehungsbögen
Die anonymisierte Auswertung und digitale Sicherung der vorliegenden Daten aus den ESP-
Begehungsbögen in Bezug auf eine Einschätzung der Wohn- und energetischen Standards der
Haushalte schafft einen weiteren Einblick in die Wohnsituation der zu untersuchenden Haushalte.
Entsprechend fand die Aufbereitung und Digitalisierung der Daten aus den Begehungsbögen in
Bezug auf die Projektziele statt, auch um die Daten der ESP-Bögen mit den Daten der
standardisierten Befragung vergleichen zu können. Die ESP Begehungsbögen profitieren von der
vertieften Expertise der Energieberater und ermöglichen so wichtige Querbezüge und eine
sichernde Funktion der Ergebnisse aus den empirischen Erhebungen (Datentriangulation), sowie
eine tiefergehende Betrachtung einzelner Thematiken, wie der Heizungsausstattung. Daten zur
sozialräumlichen Verteilung wurden anonymisiert erfasst, es wurde aber bisher von einer
geographischen Auswertung abgesehen, welche beispielsweise mit einer Clusteranalyse möglich
wäre.
Die Energiesparbögen umfassen 23 Seiten und enthalten folgende Themenblöcke:
-
Angaben zum Haushalt (Name, Adresse, Stockwerk, Telefonnummer, Email)
-
Allgemeine Angaben
-
Gebäude (Baualtersklasse, Hausart, Einbindung und energetischer Standard)
-
Wohnung (Einzugsjahr, Wohnungsgröße, Kosten und Haushaltsgröße)
-
Lage der Wohnung
-
Energiekosten (Energieabrechnung (Strom, Erdgas, Zentralheizung) und Zuschüsse
Energiekosten)
- Erfassung Elektrogeräte (Energieverbrauch/Effizienzklasse und Betriebszeit der
Haushaltsgroßgeräte; Sonstige Elektrogeräte und Unterhaltungselektronik)
-
Erfassung Beleuchtung (Art, Anzahl, Leistung und Betriebszeit)
-
Erfassung Heizung/Warmwasser (Anlagetyp, Alter, Wartung und Nutzungsverhalten)
-
Erfassung Bausubstanz/Lüften (Fenster, Zustand der Wohnungstür,
Außenwände/Geschossdecken und Lüftungsverhalten)
-
Empfehlungen/Aufgaben (Energieberater und Haushalt)
-
Erfassung Verbrauch (Energieverbrauch für Strom, Gas, Zentralheizung und Warmwasser
(bei zentraler Versorgung))
- Energienachzahlungen (Zahlungsrückstand, Rückzahlungsvereinbarung und Unterstützung
bei Nachzahlung)
- Angaben zum Haushalt (Personenanzahl des Haushaltes, Geburtsjahr, Wohnform, Sprache,
Geburtsland, Berufsabschluss, Art der Leistungsbezüge und Zugang zum Projekt)
Ein Muster-Begehungsbogen befindet sich im Anhang.
2.5.3 Stichprobe
Aufgrund der langjährigen Laufzeit des EnergieSparProjekts konnten im Rahmen der vorliegenden
Erhebung 692 Bögen gesichtet und geprüft werden; von diesen konnten 689 verwendet werden.
Die Stichprobe umfasst daher 689 teilnehmende Haushalte. Es handelt sich um Haushalte mit
Leistungsbezug nach dem SGB II oder XII sowie Wohngeldbezieher- und Geringverdiener-
Haushalte, die in der Stadt Nürnberg wohnen. Bei 545 Haushalten handelt es sich um MSL-
Haushalte, jedoch wurden nur 17 WohnG-Haushalte erhoben. Die Analyse der ESP-Bögen wurde
daher auf MSL-Haushalte beschränkt.
2.5.4 Vorgehen bei der Auswertung
In einem ersten Schritt wurden die Erfassungsbögen hinsichtlich der zur Verfügung stehenden
Informationsdichte gesichtet. Auf der Basis der Sichtungsergebnisse wurde eine Maske mithilfe
des Statistical Package for Social Sciences (SPSS) entwickelt, die zur Dokumentation und zur
einfachen Verarbeitung der anonymisierten Daten diente. Die in den Begehungsbögen enthaltenen
Informationen wurden mit den Mitgliedern der Lenkungsgruppe des Projekts bei der Stadt
Nürnberg hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit und Nutzungsmöglichkeit diskutiert. Bevor die
ausgefüllten Erfassungsbögen aufgenommen werden konnten, wurden sie anonymisiert, indem
das Deckblatt mit Angaben zum Haushalt entfernt wurde. Die Erfassung und Auswertung der in
Papierform vorliegenden Erfassungsbögen erfolgte mittels manueller Eingabe der Informationen
in die entwickelte Datenmaske, die schlussendlich als Grundlage für die statistische Auswertung
diente. Die statistische Auswertung wurden mit SPSS und Python vorgenommen. Die Daten wurden
zunächst auf der Ebene des EnergieSparProjekts ausgewertet und in einem zweiten Schritt in
Beziehung zu den Ergebnissen der standardisierten Befragung gesetzt.
2.5.5 Einschränkungen bei der Auswertung und bei Aussagefähigkeiten
Bei der Sichtung der ESP-Bögen zeigte sich, dass diese durchgehend nicht vollständig ausgefüllt
waren, was nach Auskunft von Energieberatern des Projektes unter anderem auf die begrenzte
Zeit bei der Energieberatung zurückzuführen war. Zudem dienten die Begehungsbögen lediglich
als dokumentierte Hintergrundinformationen der Energiesparberater zu den begangenen
Wohneinheiten. Sie hatten nicht das Ziel, die Daten vollständig statistisch zu erheben.
Es wurden verschiedene Bereiche häufiger (Beispielsweise der allgemeine Anfangsbereich A, der
Bereich mit den Abschlägen B1, oder der Schlussbereich J) und andere Bereiche seltener
(Informationen zu den Außenwänden oder die Ablesedaten für Erdgas) ausgefüllt. Auch war unklar,
ab wann ein Bogen als ein Ausreißer gewertet werden sollte und ab wann nicht. Es wurden einige
offensichtliche Ausreißer entfernt, die sich meist sehr deutlich abhoben, beispielsweise nur 3 oder
4 Quadratmeter als Wohnfläche angaben, so dass man spekulieren könnte, dass die Zimmerzahl
gemeint wurde. Diese wurden aber dann nur aus der jeweiligen Analyse und nicht aus dem
Gesamtdatensatz entfernt.
Der besondere Wert der Daten beruht auf der Tatsache, dass die Bögen von den entsprechend
ausgebildeten Energieberatern und nicht von den Mitgliedern der Haushalte selbst ausgefüllt
wurden, wodurch die Angaben auf den Bögen eine hohe Validität aufweisen. Dennoch wurde der
auf Grundlage der erfassten Bögen entstandene Datensatz vor und während der Analysen kritisch
auf widersprüchliche Angaben untersucht.
Da der entstandene Datensatz aufgrund der Lücken in den Begehungsbögen nicht vollständig ist,
mussten unterschiedliche Abgrenzungen der Stichprobe getroffen werden, je nachdem welche
Sektion des Erhebungsbogens ausgewertet wurde. Die Auswertungen basieren also nicht auf einer
gleichbleibenden Anzahl von Haushalten. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass die
Auswahl der ausgefüllten Erhebungsbogen-Segmente nicht zufällig ist: Vielmehr kann zum
Beispiel angenommen werden, dass diejenigen Abschnitte ausgefüllt wurden, die beim jeweiligen
Haushalt problematisch waren.
Darüber stellt bereits die Teilnahme am ESP eine Verzerrung der Grundgesamtheit der MSL- und
WohnG-Haushalte dar: Es kann davon ausgegangen werden, dass vor allem Haushalte mit bereits
vorhandenen Problemen bezüglich Energiekosten oder Wohnsituation am Projekt teilnahmen.
Somit sind mindestens zwei Verzerrungen bei der Sample Selection zu erwarten: Zum einen durch
die (Selbst-)Selektion der teilnehmenden Haushalte, zum anderen durch die Auswahl der
jeweiligen bearbeiteten Themen. Dennoch sind die Daten des ESP wertvoll für einen Vergleich und
eine tiefere Analyse des Sanierungsstands von MSL-Haushalten
3 Ergebnisse der drei empirischen Erhebungen: Fokusgruppen,
standardisierte Befragung und ESP-Begehungsbögen
Im Folgenden werden die Ergebnisse der drei empirischen Feldzugänge nacheinander vorgestellt:
In Abschnitt 4.1 die Ergebnisse der Fokusgruppen, in Abschnitt 4.2 die Ergebnisse der
standardisierten Befragungen und in Abschnitt 4.3 die Ergebnisse der ausgewerteten ESP-
Begehungsbögen.
3.1 Ergebnisse der Fokusgruppen
In den beiden Fokusgruppen am 14.03.2023 (F1) und am 16.03.2023 (F2) diskutierten die
Teilnehmer zu den in Kapitel 3.3 skizzierten Fragen bezüglich Struktur und Entwicklung des
Wohnungsmarktes für einkommensschwache Haushalte. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Frage,
wie sich Sanierungszustände aktuell bei einkommensarmen Haushalten darstellen und wie sich
Sanierungsbedarfe sowie potenzielle Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnkosten und damit die
finanzielle Gesamtbelastung der Haushalte auswirken. Die Ergebnisse aus den beiden
Fokusgruppen werden im Folgenden entlang der sich in den Diskussionen herauskristallisierenden
Themen dargestellt.
3.1.1 Einschätzungen der Situation am Wohnungsmarkt für einkommensschwache Haushalte
Der Wohnungsmarkt für einkommensschwache Haushalte ist durch große Knappheit
gekennzeichnet. Als Ursachen hierfür wurden von den Diskutanten eine sichtbare Stagnation der
Versorgung mit öffentlich geförderten Wohnungen, ein genereller Rückgang der Bautätigkeit, die
hohen und sanierungsbedingt noch steigenden Wohnkosten sowie eine Kluft zwischen Angebot
und Nachfrage bei sehr kleinen und sehr großen Wohnungen genannt.
Stagnation bei der Versorgung mit öffentlich geförderten Wohnungen
Nach übereinstimmender Auffassung der Diskutanten könne eine Stagnation bei der Versorgung
mit öffentlich geförderten Wohnungen festgestellt werden. Das Interesse, in Immobilien zu
investieren lasse generell nach (F1, Z. 163-170).3 Das gelte für Privatpersonen, aber zum Teil auch
für Wohnungsbauunternehmen bzw. Projektentwickler. Zudem könnten die neu erbauten oder in
Planung stehenden Sozialwohnungen den Bedarf nicht decken (F1, Z. 179f. & Z. 188f.). Aktuell gebe
es in Nürnberg ca. 17.000 geförderte Wohnungen im Bestand. Den etwa 7.000 Vormerkungen
stünden etwa 1.000 jährliche Vermittlungen gegenüber (F2, Z. 790-801). Der Kauf von
Belegungsrechten durch die Kommune könne hier keine Lösung erzielen: Zum einen würde der
Ankauf nicht mehr durch den Freistaat gefördert, zum anderen sei angesichts des angespannten
Marktes zu erwarten, dass keine oder völlig überteuerte Angebote gemacht würden. Entsprechend
sei die Situation im Bestand als prekär zu bezeichnen (F1, Z. 515-528).
Trotz verschiedener Dringlichkeitsstufen in den vermittelnden Einheiten in der Stadt, würden
manche Gruppen, vor allem Haushalte mit Vermittlungshemmnissen, sehr große Familien oder
obdachlose Personen kaum zum Zug kommen. Durch Sanierung und Neubau werde von den
Wohnbaugesellschaften und privaten Investoren durchaus versucht, den Wohnungsmarkt an die
veränderten gesellschaftlichen und politischen Anforderungen anzupassen. Bezüglich der
Wohnungsgröße finde bei Neubauten eine Bedarfsanpassung in beide Richtungen statt (F1, Z. 129-
134, Z. 145-150 & Z. 572-584; F2, Z. 315f., Z. 383-389). Auch die Barrierefreiheit von Wohnungen
werde wichtiger, auch wenn diese in Bestandsbauten nicht einfach umsetzbar sei (F1, Z. 572-584,
Z. 1099-1110). Für die Zukunft erwarteten die Teilnehmer eine weitere Verschärfung der
Wohnungsmarktproblematik in Nürnberg, auch deshalb, weil der Zuzug vom Land in die Stadt
zunehme (F2, Z. 258ff., Z. 740-747 & Z. 782-785); die Anfragen würden aktuell steigen. Zusätzlich
könne die Baubereitschaft aufgrund der erhöhten Kosten weiterhin abnehmen (F2, Z. 760-765).
Steigende Wohnkosten
3 Hier ist anzumerken, dass die Diskussion sich auf den Stand im März 2023 bezieht. Aufgrund der gestiegenen Kapitalmarktzinsen, ist frei finanziertes Bauen aktuell weniger attraktiv, bereits geplante Bauvorhaben verzögern sich in vielen Fällen. Für den geförderten Wohnungsbau gibt es dagegen attraktive Zuschüsse. Vor diesem Hintergrund steigt das Interesse der Bauträger an einer Erhöhung der Anteile geförderten Wohnens bei ihren Bauprojekten. Es findet aktuell (Stand 12/2023) also eher eine Verschiebung der Bautätigkeit zugunsten des geförderten Wohnungsbaus statt, als ein genereller Rückgang der Bautätigkeit. Dennoch fallen nach wie vor so viele geförderte Wohnungen aus der Bindung heraus, dass selbst mit erhöhten Anteilen allenfalls eine kompensatorische Wirkung erzielt wird, geförderte Wohnungen in Summe aber nicht mehr werden. Bsp. Nürnberg Lichtenreuth.
Die wachsenden energetischen und technischen Anforderungen an eine Sanierung des
Wohnungsbestandes ließen die für einkommensarme Haushalte ohnehin belastenden
Wohnungskosten weiter steigen (F1, Z. 121ff., Z. 128f.; Z. 883-893, Z. 896 & Z. 977-983). Zwar habe
die jüngste Wohngeldreform für Haushalte mit niedrigem Erwerbseinkommen diesen Effekt auf
Haushaltsebene gedämpft, langfristig aber werde es zu einer weiteren Verschärfung kommen. Die
Wohnungssuche würde dadurch noch schwieriger werden und betroffene Haushalte könnten sich
nach Einschätzung der Diskutanten immer weniger Wohnungen innerhalb der Stadt Nürnberg
leisten (F2, Z. 865-870).
Um eine Deckung der Sanierungskosten zu erreichen, würden vor allem private Vermieter nach
einer Sanierung nicht auf Mieterhöhungen verzichten, um keine Verluste zu erleiden (F1, Z. 1141-
1147, Z. 1017-1021 & Z. 1023). Das führe zu einem doppelten Effekt: Auf der einen Seite erhöhten
Vermieter nach der Sanierung die Mieten. Auf der anderen Seite entschieden sich einige private
Vermieter bewusst gegen eine Sanierung. Letzteres führe tendenziell in einen strukturellen
Sanierungsstau, insbesondere bei Sozialwohnungen (F2, Z. 72-88).
Für Bezieher von Mindestsicherungsleistungen werden die KdU in den jeweilig geltenden
kommunalen Grenzen übernommen. Die Höhe dieser Richtwerte bzw. die Frage ihrer
ausreichenden Anpassung an die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt wurden kontrovers
diskutiert: Nach Einschätzung einiger Diskutanten würden die betroffenen Haushalte angesichts
steigender Wohnkosten immer wieder in die Situation kommen, dass ihre tatsächlichen
Wohnkosten diese Richtwerte überstiegen. Strittig war insbesondere die Frage einer Festlegung
der Richtwerte für die Bemessung der KdU auf einem zu niedrigen Niveau (F1, Z. 134-137, Z. 318-
330 & Z. 347-350, Z. 931-941; F2, Z. 69-72). Obwohl die Richtwerte der Entwicklung auf dem
Wohnungsmarkt (Mietspiel) grundsätzlich folgten, entstehe somit eine (wachsende)
Deckungslücke zwischen der tatsächlichen Höhe der Kosten und den KdU-Leistungen, die
wiederum zu Mietzahlungsproblemen führen könne. Dabei spielten nach Einschätzung einiger
Diskutanten auch datentechnische Probleme bei der Erfassung der tatsächlichen Kosten eine
Rolle, weshalb von ihnen auch eine bessere Datengrundlage für die Berechnung der Richtwerte
gefordert wurde (F1, Z. 318-330 & Z. 332-345).
Eine Verdrängung der einkommensschwachen Mieter-Haushalte finde aufgrund der mit der
Sanierung verbundenen Mieterhöhungen statt. Hier komme es zu der Situation, dass die KdU-
Grenzen überschritten und die Kosten somit nicht mehr vollständig übernommen würden. Durch
die Sanierung könnten sich auch die bereits vorhandene Bedarfsunterdeckungen verstärken, die
von den Mietern nun nicht mehr ausgeglichen werden könnten, so dass der Verlust der Wohnung
drohen könne (F1, Z. 996-1015). Da passende und günstigere Wohnungen in Nürnberg aber nicht zu
bekommen seien, seien einkommensarme Haushalte dazu gezwungen aus der Stadt wegzuziehen,
zu ihren Kindern zu ziehen oder in Wohnungen zu ziehen, die keinen vertretbaren Standard bieten
würden (F1, Z. 987-994). Zwar versuche etwa die wbg, die Mieter beim Umzug in eine neue, für sie
bezahlbare Wohnung zu unterstützen, auch um einer Gentrifizierung entgegenzuwirken (F1, Z. 996-
1015). Aber durch den Wohnungswechsel finde dennoch „eine Verdrängung sukzessive statt, weil
dann ist die Wohnung ja leer (ist), und dann wird sie neu vermietet, und dann ist sie teuer, und so wird
halt ein Stadtteil dann langfristig, sage ich jetzt mal, gentrifiziert“ (F1, Z. 1012-1015). Im Ergebnis
würden die schwierigen Bedingungen des Nürnberger Wohnungsmarktes durch die eigentlich
wünschenswerte Sanierungs- und Neubautätigkeit paradoxerweise verstärkt. Zum einen, weil das
für einkommensschwache Mieter-Haushalte zugängliche Marktsegment sehr klein sei, so dass sie
bei ungünstigen Wohnverhältnissen kaum Chancen auf eine andere Wohnung hätten, zum anderen
aber auch durch steigende Kosten nach einer Sanierung der aktuell von ihnen bewohnten
Wohnungen (vgl. hierzu auch Abschnitt 4.1.2, der diese Perspektive stärker aus Sicht der
energetischen Sanierung beleuchtet).
Kluft zwischen Angebot und Nachfrage
Nach Einschätzung der Teilnehmer sei der Mangel an verfügbarem Wohnraum für
einkommensarme Haushalte nicht nur durch den Mangel an geförderten Wohnungen und die
gestiegenen Wohnkosten zu erklären, sondern auch durch die fehlende Menge an passendem
Wohnraum, wodurch eine Kluft von Angebot und Nachfrage entstehe: Es fehle an geeigneten
Wohnungen für Alleinlebenden-Haushalte einerseits, große Haushalte andererseits.
Die Ursachen für den Mangel an geeigneten Wohnungen lägen historisch in der Orientierung an
der „Normalfamilie“ im Wohnungsbau und sei auch in der Geschichte der Wohnungsbauförderung
begründet. So liege das Hoch der „Sozialbauten“ in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, in der es
wenig Bedarf nach sehr kleinen oder sehr großen Wohnungen gab. In der Folge löse heute die
Durchschnittsgröße der Wohnungen im Bestand entsprechende Probleme bei der Wohnungssuche
für Alleinstehende und Großfamilien aus (F1, Z. 190-193). Besonders fehle es an Wohnraum für
einkommensschwache Haushalte, für die in Nürnberg kaum bezahlbarer, passender Wohnraum
vorhanden sei (F2, Z. 862-865).
Gerade diejenigen Haushalte, die zu den Zielgruppen der vorliegenden Studie gehören, würden bei
der Suche nach kleinen Wohnungen scheitern, denn diese seien in einer geringen Zahl am Markt
vorhanden und vergleichsweise teuer (F2, Z. 333-337, Z. 380-383 & Z. 383-389). Aufgrund der
erschwerten Suchbedingungen nach kleineren Wohnungen verblieben auch Senioren, etwa nach
dem Tod ihres Partners, in ihren zu großen Wohnungen, häufig bis sie nicht mehr alleine wohnen
könnten (F1, Z. 55-58, Z. 77-85, Z. 207-218 & Z. 225f.; F2, Z. 656ff. & Z. 918-922). Anfangs würden
manche Betroffene versuchen umzuziehen, aber ein Umzug würde für sie meist mit einer Erhöhung
der Mietkosten einhergehen (F1, Z. 229-234; F2, Z. 637-651). Die höhere finanzielle Aufwendung
bei einem Wohnungswechsel sei einerseits darin begründet, dass Senioren meist langjährige und
unter dem aktuellen Wohnungsmarktwert liegende Mietverträge hätten, so dass sie bei einem
Umzug mit höheren Kosten rechnen müssten (F1, Z. 1027-1062). Andererseits seien sie auf
Barrierefreiheit und dadurch auf entsprechend ausgestattete Wohnungen angewiesen, die in der
Regel hochpreisiger seien (ebd. & Z. 637-651). Um hier zu unterstützen, biete die wbg für Senioren
ein „Umzugsmanagement Plus“ an (F1, Z. 922-929 & Z. 1064-1072). Damit werde Interessierten ein
Umzug in kleinere, seniorengerechte Wohnungen zum gleichen Mietpreis angeboten und auch der
Umzug selbst organisiert (ebd.).
Unter dem Mangel an in der Größe passenden Wohnungen litten nach Einschätzung in den
Fokusgruppen auch Großfamilien (F1, Z. 96ff.). Auf dem Nürnberger Wohnungsmarkt seien
(erschwingliche) Wohnungen mit mehr als vier Zimmern kaum vorhanden (F1, Z. 85-94, Z. 102-107
& Z. 109ff.). Vor allem im Bestandsbau sei es schwierig, größere Wohnungen zu finden (F2, Z. 389-
397). Es komme daher immer wieder vor, dass Wohnungen überbelegt seien, was problematisch
sei, weil sich dadurch etwa die Gefahr für stärkere Wohnraumabnutzung oder Schimmelbildung
erhöhen würde (F2, Z. 307-312). Seriöse private Vermieter und Wohnungsbaugenossenschaften
würden eine Überbelegung der vorhandenen Bestandswohnungen ablehnen, um Mängel an den
Wohnungen und Gebäuden zu vermeiden (ebd.). Großfamilien seien somit auf Neubauten mit
größeren Wohnungen angewiesen, die wiederum hochpreisiger und nicht in der benötigten Anzahl
vorhanden seien (ebd., Z. 260-263, Z. 312ff. & Z. 117ff.).
3.1.2 Energetische Sanierung, Kostenentwicklung und Marktkonzentration
Um die Klimaziele zu erreichen, sei eine weitere Zunahme der Verpflichtungen zu energetischer
Sanierung zu erwarten (Stichwort: Gebäudeenergiegesetz GEG), die, ebenso wie die gestiegenen
energetischen Anforderungen an Neubauten, letztlich zu höheren Mieten führen würden (F2, Z.
810-817). Dabei treibe die Politik die Sanierung voran, und die Vermieter seien durch die Umbau-
oder Baukosten gezwungen den Mietpreis zu erhöhen, um die eigene Wirtschaftlichkeit zu
gewährleisten (F1, Z. 906-918). Im schlechtesten Fall sinke die bereits geringe Anzahl von
günstigen Wohnungen weiter (ebd.). Auch die verschiedenen Förderungen, wie die
Klimakomponente beim Wohngeld, die Mietpreisobergrenze nach Sanierungsstandards, die
Neubauförderungen etc., würden dieser Entwicklung nicht ausreichend entgegenwirken können
(F1, Z. 564-584 & Z. 815-829). Zusätzlich sei der Aufwand hoch, eine solche Förderung zu erhalten,
denn diese sei aus Sicht der betroffenen Haushalte oft durch Intransparenz, Komplexität und lange
Bearbeitungsdauer geprägt (F1, Z. 471-478, Z. 1147-1155; F2, Z. 930-950, Z. 956-964 & Z. 986-991).
Die hohen Kosten für den energetisch qualifizierten Neubau bzw. die Sanierung von Wohnungen
seien auf Seiten der Mieter und der Vermieter spürbar (F1, Z. 117ff. & Z. 903-906; F2, Z. 65-72, Z.
88-103 & Z. 113-115). Dies könnte eine Verdrängung von Privatvermietern zur Folge haben, da diese
die Sanierungskosten nicht tragen bzw. nicht übertragen könnten (F2, Z. 747-753). Privatvermieter
hätten im Gegensatz zu Wohnungsbaugesellschaften häufig keine Möglichkeit, die dafür
erforderlichen hohen Geldsummen aufzubringen (F1, Z. 831-860). Sie müssten die Sanierungen
eher stufenweise in Auftrag geben oder würden an der Finanzierung scheitern (ebd., Z. 1128-1155,
Z. 1074-1110). Die Gesetze zu Sanierungspflichten sorgten gerade bei (kleinen) privaten Vermietern
für starke Verunsicherungen (F1, Z. 831-860). In der Folge sei bereits heute zu beobachten, dass
Privatvermieter ihre Gebäude bzw. Wohnungen an Wohnungsbauunternehmen verkaufen (F1, Z.
866-878).
3.1.3 Wohnungsqualität
Die meisten Haushalte der Zielgruppe lebten in älteren Wohnungen, die oft seit längerem nicht
saniert wurden oder Mängel aufwiesen. „Die sind natürlich zum einen sehr günstig, aber dann haben
die halt die hohen Nebenkosten, weil sie halt nicht saniert sind, weil alte Fenster drin sind und (…) weil
vielleicht noch ein Nachtspeicher unten drin ist, ganz großes Thema nach wie vor, obwohl es da ja auch
eigentlich Gesetzesänderungen gab. Und ja, also das ist so, was wir eigentlich täglich sehen.“ (F2, Z.
55-59). Zu einem energetischen Sanierungsstau würden oft auch noch bauliche Mängel
verstärkend hinzukommen (F2, Z. 121-135). So könne Feuchtigkeit und Schimmelbildung durch den
Einbau von isolierenden Fenstern in ein altes Haus verursacht/begünstigt werden, denn aufgrund
der schlechten oder nicht gedämmten Wände kondensiere die Feuchtigkeit in den Räumen und
nicht am Fenster (ebd.).
Die Wohnungsgröße sei meist gering, wodurch bei größeren Haushalten eine überdurchschnittlich
hohe Verdichtung von Personen auf kleinem Raum stattfinde (F1, Z. 219-223; F2, Z. 604-630). Ein
Umzug sei für die betroffenen Haushalte oft auch bei erheblichen Mängeln, wie z. B. Schimmel in
der Wohnung, nicht möglich, obwohl der Wunsch danach sehr groß sei (F2, Z. 263-268).
Schlussendlich gebe es kaum bezahlbare Wohnungen für sie (F2 Z. 63-65, Z. 72-88 & Z. 96-105).
Der tendenzielle Ausschluss aus dem Wohnungsmarkt aufgrund des Mangels an bezahlbaren
Wohnungen werde zusätzlich durch negative Vorbehalte gegen die betroffenen Haushalte
verstärkt (F2, Z. 379f. & Z. 398f.).
Einer möglichen Sanierung stünden diese Haushalte oft ambivalent gegenüber, da ihnen die dann
zu erwartende Erhöhung der Miete und auch die Belastungen durch die Sanierungsarbeiten große
Sorgen mache. Letzteres gelte vor allem für Senioren, bei denen anstehende Sanierungsarbeiten
viele Ängste auslösten, so dass sie eine Sanierung eher ablehnten (F1, Z. 1094-1099; F2, Z. 212-228,
Z. 233-242 & Z. 703ff.).
3.1.4 Extremfälle: Sogenannte Problemimmobilien
Aufgrund der angespannten Situation am Wohnungsmarkt komme es auch dazu, dass besonders
betroffene Haushalte in sog. Problemimmobilen ausweichen würden (F1, Z. 767-733; F2, Z. 30-43,
Z. 408ff. & Z. 466-470), die von den Diskutanten auch als „Abbruchhäuser“ (F2, Z. 408ff.)
bezeichnet wurden. Nach Einschätzung der Teilnehmer handelt es sich hier eher um einzelne
Wohnungen als um große Wohnanlagen (F1, Z. 1194-1220 & Z. 1293-1301). Das Phänomen sei sowohl
bei privaten wie auch bei gewerblichen Eigentümern zu finden (F1, Z. 767-773; F2, Z. 30-43). Nach
Einschätzung der Diskussionsteilnehmer finden sich diese Wohnungen und Häuser vor allem in den
Stadtteilen Nordostbahnhof, Mögeldorf, Gostenhof, Gibitzenhof und generell in der Südstadt (F1,
Z. 729f., Z. 770, Z. 1212, Z. 1194-1220; F2, Z. 35). Es handle sich beispielsweise um
Einzimmerwohnungen mit Gemeinschaftsbädern auf der Etage (F1, Z. 708-713 & Z. 767-773; F2, Z.
35). Die betroffenen Gebäude würden einen hohen Sanierungsstau und zahlreiche gravierende
Schäden und Mängel aufweisen (F1, Z. 767-773; F2, Z. 30-43 & Z. 95-103; F2, Z. 170f.). Es sei
allerdings unklar, ob überhaupt noch von Sanierungsrückstand gesprochen werden könne oder
eine Sanierung gar nicht mehr möglich wäre und das Gebäude eigentlich ein Abrisshaus sei (F1, Z.
186f. & Z. 787-796). Berichtet wurde auch von Wohnungen, in denen die Heizung immer wieder
ausfalle oder die Wasserschäden aufwiesen (F2, Z. 215ff.). Auch Ungezieferbefall durch
Kakerlaken oder Bettwanzen sei häufig (F1, Z. 1194-1220 & Z. 1244-1254; F2, Z. 170f.). Es herrschten
generell sehr schlimme Wohnbedingungen in diesen Gebäuden (F2, Z. 177ff.).
Eine Einflussnahme auf diese Zustände sei nur begrenzt möglich, auch wenn rechtlich
unterschiedliche Instrumente dafür zur Verfügung stünden; so könnten zum Beispiel Bußgelder
verhängt werden (F2, Z. 107-113). Allerdings müssten die Missstände dafür erst einmal bekannt
werden. Die Erfahrung zeige, dass dem Hilfesystem – auch von den Bewohnern – nicht selten der
Zugang verweigert oder bestimmte Teile der Häuser nicht gezeigt würden (F1, Z. 1278-1287, Z.
1289f. & Z. 1292f.). Es handle sich teilweise um eine „Schattenwohnungswirtschaft“, die Bewohner
seien oft Personen ohne Aufenthaltstitel oder andere Gruppen, die von sozialen Hilfen nicht
erreicht würden und lieber derartige Bedingungen hinnähmen als obdachlos zu werden und somit
auch kaum Beschwerdemöglichkeiten sähen bzw. hätten (F1, Z. 1194-1220, Z. 1244-1254 & Z. 1222-
1231). Auch beispielsweise Menschen mit Vermittlungshemmnissen, z. B. durch negative Schufa-
Einträge, würden mangels Alternativen immer wieder in Abrisswohnungen oder -häusern wohnen
(F2, Z. 399-404). Verschärfend komme für die Betroffenen hinzu, dass das Kriterium der
Dringlichkeit für sie wegfalle, im Gegensatz zu denen, die in Gemeinschaftsunterkünften
untergebracht seien oder keine Wohnung hätten (ebd., Z. 410-423 & Z. 470-481). Die Betroffenen
hätten damit kaum Chancen auf bessere Wohnungen (F2, Z. 470-481).
Nach Überzeugung der Diskussionsteilnehmer müsse es im Interesse und in der Verantwortung
aller liegen, derartigen Wohnverhältnissen entgegenzuwirken (F1, Z. 1293-1301). Hierfür wäre die
Festlegung von Mindeststandards von Relevanz: Wohnungen mit eigenem Badezimmer (F1, Z. 714-
718 & Z. 734), Qualitätssicherung durch Überprüfung auf bauliche Fehler (F2, Z. 126-135) und das
Einhalten angemessener Wohnungsmindestgrößen bzw. Vermeiden von Überbelegungen (F1, Z.
730-734). Zusätzlich zur verbindlichen der Festlegung von Mindeststandards müssten die
Instrumente zum Einschreiten gegen Missstände verbessert werden (F1, Z. 749-754). Hierfür solle
eine schnellere Identifizierung der Häuser stattfinden (F1, Z. 722ff.), was voraussetzen würde, dass
Mieter bei der Meldung von Missständen und danach mehr Unterstützung erhielten (ebd., Z. 724-
729). Letzten Endes sei es eine gesellschaftliche Aufgabe: die politischen Strukturen und Kulturen
müssten „sozialer“ werden (F1, Z. 756-760).
3.1.5 (Negative) Erfahrungen mit Mietern in Leistungsbezieher-Haushalten
Aus der Praxis werde immer wieder berichtet, dass vor allem MSL-Haushalte häufig wenig
pfleglich mit den Wohnungen bzw. der Ausstattung umgingen, so dass die Wohnungen beim
Auszug oft stark abgewohnt seien. (F2, Z. 187-199 & Z. 275-279). Die Ursache dafür seien nicht
immer Nachlässigkeit, sondern zum Teil auch Wissensdefizite. Dies gelte vor allem für Personen,
die zunächst in Gemeinschaftsunterkünften lebten, wo ihnen jegliche Verantwortung
abgenommen werde (F2, Z. 279-285, Z. 537-548, Z. 565-568, Z. 526-535, Z. 550-563 & Z. 583-
592). Beim Umzug in Übergangswohnungen würde dann z.B. beim Heizen der Wohnung oder in
Bezug auf Müll(trennung) so verfahren, wie es im Herkunftsland üblich sei. Es fehle an Wissen über
die Regeln für das Wohnen in Deutschland (F2, Z. 433-442). Beim Auszug entstehe dann eine
Überforderung (F2, Z. 279-285 & Z. 526-535). Besonders herausfordernd sei die Situation auch für
Menschen mit besonderen Schwierigkeiten, hier habe man auch immer wieder vermüllte
Wohnungen. Ein solches mietwidriges Verhalten würde dann oft zur Kündigung führen, wobei die
Wohnungsbaugenossenschaften kulanter als die Privatvermieter seien (F2, Z. 349-351).
Der Umgang mit Müll sei generell immer wieder Thema. Für manche Haushalte sei vor allem die
Mülltrennung eine Überforderung (F2, Z. 323-329 & Z. 340-344). Allerdings könne in Nürnberg
generell beobachtet werden, dass Mülltrennung unzureichend durchgeführt werde (F2, Z. 572-
583). Die Mülltrennung werde auch aufgrund fehlender Lagermöglichkeiten und zu langen
Zeiträumen zwischen den Abholungen durch die Müllabfuhr erschwert (F2, Z. 486-518). Zusätzlich
werde der Sperrmüll nicht mehr regelmäßig abgeholt, und Haushalte ohne Auto könnten ihren
Sperrmüll kaum zum Wertstoffhof transportieren (ebd.).
Eine mögliche Intervention könne der sog. Wohnungsführerschein sein, bei dem Wissen zum
pfleglichen Umgang mit der Wohnung und deren Ausstattung vermittelt wird (F2, Z. 203-208, Z.
271-275, Z. 316-323, Z. 427-433 & Z. 592-597). Menschen die bereits eine Wohnung haben, seien
daran sehr interessiert worden (F2, Z. 462-466 & Z. 597-600). In der Umsetzung würden dann
allerdings häufig Schwierigkeiten auftreten (F2, Z. 600-604). Auf Personen ohne Mietvertrag sei
die Wirkung allerdings gering (F2, Z. 447-451 & Z. 455-462).
3.1.6 Zusammenfassung
- In zwei Fokusgruppen im März 2023 diskutierten Expertinnen und Experten aus
Sozialverwaltung, Wohlfahrtspflege, Mieterverbänden und Organisationen der Wohnungs-
und Energiewirtschaft ihre Einschätzungen zum (energetischen) Sanierungsstand und den
sozialen- und marktlichen Rahmenbedingungen der untersuchten Haushalte. Die Auswahl der
Teilnehmer erfolgte in Abstimmung mit der Projektlenkungsgruppe der Stadt Nürnberg.
- Übereinstimmend konstatierten die Teilnehmer eine große Knappheit von günstigen und
passenden Wohnungen für einkommensarme Haushalte. Diese resultiere nicht nur aus
aktuellen Entwicklungen der Bautätigkeit und hohen Wohnkosten, sondern auch aus einem
„mismatch“ von Angebot und Nachfrage: So gebe es im Bestand zu wenige Wohnungen für Ein-
Personen-Haushalte und für sehr große Haushalte; beim Neubau sei zwar eine Anpassung an
diese Bedarfe festzustellen, die Wohnungen seien aber in der Regel für einkommensarme
Haushalte zu teuer.
- Durch die – grundsätzlich zu begrüßenden – steigenden Anforderungen an eine energetische
Sanierung des Wohnungsbestandes würden die Wohnkosten weiter steigen und das Segment
der finanzierbaren Wohnungen werde noch kleiner. Zwar habe die jüngste Wohngeldreform
diesen Effekt etwas gedämpft, langfristig sei aber eine weitere Verschärfung zu erwarten.
Letztlich würden die schwierigen Bedingungen des Nürnberger Wohnungsmarktes durch die
eigentlich wünschenswerte Sanierungs- und Neubautätigkeit paradoxerweise verstärkt.
- Vor allem private Vermieter sähen sich gezwungen, zur Deckung der Sanierungskosten die
Mieten zu erhöhen oder aber auf Sanierungen zu verzichten. Gerade ältere Vermieter würden
sich auch für einen Verkauf ihrer Immobilien entscheiden, weil sie mit den Kosten und dem
Aufwand von Sanierungen überfordert seien.
- Kontrovers diskutiert wurde die Frage einer systematischen Deckungslücke bei der
Übernahme der KdU für Bezieher von Mindestsicherungsleistungen. Strittig war insbesondere
die Angemessenheit der Richtwerte für die Bemessung der KdU. Die Koppelung der Richtwerte
an die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt (Mietspiegel) wurde von einigen Teilnehmern als
nicht ausreichend eingeschätzt bzw. als aufgrund von Erfassungsproblemen der tatsächlichen
Wohnkosten als fehlerbehaftet.
- Viele Haushalte der Zielgruppe lebten in schlecht sanierten Wohnungen bzw. in Wohnungen
mit baulichen Mängeln. Einer Sanierung stünden die betroffenen Haushalte dennoch oft
ambivalent bis ablehnend gegenüber, weil sie die Mieterhöhungen und vielfach auch (vor allem
Senioren) die Belastungen durch die Bauarbeiten fürchteten. Oft seien die Wohnungen zu klein
für die Haushalte, und durch Überbelegungen verschlechtere sich der Zustand der Wohnungen
weiter. Ein Umzug sei aufgrund der Situation am Wohnungsmarkt kaum möglich, obwohl der
Wunsch danach oft sehr groß sei.
- Ein Teil der betroffenen Haushalte lebe in sog. „Problemimmobilien“. Dabei handle es sich um
Gebäude, die Wohnmindeststandards unterliefen und zahlreiche gravierende Schäden und
Mängel aufwiesen, wie Schimmel, Ungezieferbefall, nicht funktionierende Heizungen usw.
Zwar handle es sich hier nur um einzelne Wohnungen (und nicht ganze Wohnanlagen), die auch
gesundheitliche Belastung für die Bewohner sei jedoch enorm und oft handle es sich im Grunde
um Abbruchhäuser. Zwar gebe es rechtliche Instrumente, um der Vermietung derartiger
Objekte entgegen zu wirken und die Vermieter z.B. mit Bußgeldern zu belegen, doch scheitere
ihr Einsatz oft daran, dass auch die Bewohner die Missstände verheimlichten, aus Angst, sonst
obdachlos zu werden. Als Ansatz zur Verbesserung wurde hier angemahnt, dass Mieter bei der
Meldung von Missständen und danach mehr Unterstützung erhalten sollten.
- Vor allem bei Teilen der Leistungsbezieher-Haushalte sei oft ein wenig pfleglicher bis
mietwidriger Umgang mit den Wohnungen zu beobachten, so dass sie nach einem Auszug oft
vollständig renoviert werden müssten. Die gelte insbesondere für Mieter, die zunächst in
Gemeinschaftsunterkünften oder Pensionen gelebt hätten. Abhilfe könne hier ggf. der sog.
„Wohnungsführersein“ leisten, der jedoch nur bei Personen, die auch bereits einen Mietvertrag
hätten, Wirkung entfalten würde.
3.2 Ergebnisse der standardisierten Befragung
3.2.1 Realisierte Stichprobe und Datenqualität
Insgesamt nahmen 1.219 Personen an der standardisierten Befragung teil, indem sie zumindest
einen Teil des Fragebogens ausgefüllten. Die Teilnehmer setzen sich wie folgt zusammen:
Abbildung 1: Teilnehmer der Befragung
Teilnehmer der Befragung (n = 1.219)
Bürgergeld (n = 290) 6,6%
23,8% GruSi/SozHi (n = 72) 19,7%
Wohngeld (n = 536)
5,9%
Sonstige (n = 240)
Nicht Zielgruppe (Eigentümer, Pension, 44,0% Gemeinschaftsunterkunft) (n = 81)
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ –TH Nürnberg 2023 (n= 1.219)
Damit lassen sich diese Gruppen in Hinblick auf die Zugehörigkeit zur Zielgruppe der Befragung
unterscheiden:
- Zielgruppe der Befragung 1 – Bezieher von Mindestsicherungsleistungen: 290 Teilnehmer
beziehen Bürgergeld, 72 Befragte Grundsicherung im Alter oder Sozialhilfe, insgesamt
umfasst die Zielgruppe 1 also 362 Befragte.
- Zielgruppe der Befragung 2 – Bezieher von Wohngeld: Hier konnten 536 Befragte erreicht
werden.
- Sonstige: Viele Befragte machten widersprüchliche oder keine Angaben zur Art ihres
Einkommens. Für diese Befragten konnte z. T. über den Abgleich mit den Terminen der Vor-
Ort-Befragungen festgestellt werden, wo sie befragt wurden und daraus abgeleitet, ob sie
Bürgergeld oder Wohngeld beziehen. So wurden alle Befragten, die im Jobcenter an der
Befragung teilnahmen, als Bezieher von Bürgergeld erfasst. Bei insgesamt 240 Befragten war
eine solche Zuordnung jedoch nicht möglich, weil aus dem Befragungsort nicht auf die Art des
Einkommens geschlossen werden konnte. Das gilt insbesondere für Personen, die an den
Ausgabestellen der Tafel teilgenommen hatten. Für sie ist zwar belegt, dass sie über ein
niedriges Einkommen verfügen, da dessen Nachweis eine Voraussetzung ist, um bei der Tafel
einkaufen zu können. Bei fehlenden oder widersprüchlichen Angaben zur Art des Einkommens
ist es jedoch nicht möglich, sie einer der Zielgruppen zuzuordnen. Auch bei einem Teil der
Befragten, die online teilnahmen, konnte aus dem Zeitpunkt ihrer Teilnahme nicht sicher
geschlossen werden, wo die Befragung stattfand, so dass keine Zuordnung stattfand. Es kann
jedoch davon ausgegangen werden, dass auch diese Befragten Menschen mit geringem
Einkommen sind, so dass sie bei den Auswertungen berücksichtigt wurden, jedoch immer als
eigene Gruppe ausgewiesen werden.
- Nicht-Zielgruppe: Zielgruppe der Befragung waren ausschließlich Mieterhaushalte in
regulären Mietverhältnissen. Um sicherzustellen, dass die Befragten auch wirklich dieser
Gruppe angehören, enthielt der Fragebogen eine Kontrollfrage zum Mietverhältnis (Frage 7),
bei der eine Antwortkategorie lautete „Sonstiges Wohnverhältnis (Eigentümer,
Gemeinschaftsunterkunft, Sozialimmobilie, Heim usw.)“. Die 81 Personen, die diese
Antwortkategorie wählten, wurden aus der Stichprobe ausgeschlossen und bei den
Auswertungen nicht berücksichtigt.
Knapp 900 Personen gehören somit einer der beiden zentralen Zielgruppen der Befragung, 40%
davon Bezieher von Mindestsicherungsleistungen – davon überwiegend Bürgergeld – und 60%
Bezieher von Wohngeld.
Abbildung 2: Zielgruppen der Befragung nach Art der Sozialleistungen
Die Teilnahme an der Befragung war online oder in Papierform möglich (Kapitel 3.4). Hier gab es
erhebliche Unterschiede bei den Zielgruppen: Wohngeld-Bezieher konnten mit den Vor-Ort-
Befragungen nur schlecht erreicht werden. Um dem entgegenzuwirken, wurden sie schriftlich
durch das Sozialamt (Wohngeldstelle) zur Teilnahme (online) eingeladen, worauf die
Teilnahmezahlen sofort und sehr stark anstiegen. Fast 90% der Wohngeld-Bezieher nahmen somit
online teil. Personen mit geringer Online-Kompetenz wurden in dieser Gruppe daher vermutlich
systematisch untererfasst. Bei den Beziehern von Mindestsicherungsleistungen überwog in beiden
Gruppen die Teilnahme per Papierfragebogen. Dennoch wurde von 36% bzw. 46% der Fragebogen
online ausgefüllt. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass bei den Vor-Ort-Befragungen die
Interviewer häufig gebeten wurden, die Antworten für die Teilnehmer (online) einzugeben, so, dass
der tatsächliche Anteil der Online-Teilnahmen geringer sein dürfte.
Tabelle 7: Form der Teilnahme an der Befragung
| Papier-Fragebogen | Online-Fragebogen | |
|---|---|---|
| Bürgergeld | ||
| Anzahl Teilnehmer | 185 | 105 |
| Prozent Teilnehmer | 63,8% | 36,2% |
| GruSi/SozHi | ||
| Anzahl Teilnehmer | 39 | 33 |
| Prozent Teilnehmer | 54,2% | 45,8% |
| Wohngeld | ||
| Anzahl Teilnehmer | 62 | 474 |
| Prozent Teilnehmer | 11,6% | 88,4% |
| Sonstige | ||
| Anzahl Teilnehmer | 80 | 160 |
| Prozent Teilnehmer | 33,3% | 66,7% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.138)
Bei der Erfassung der Papierfragebögen und der Aufbereitung der Daten zeigte sich – wie schon
bei den Befragungen vor Ort – dass viele Befragte Schwierigkeiten hatten, einen Teil der Fragen
zu beantworten. So gab es zahlreiche Befragte, die widersprüchliche Angaben zum Einkommen (v.
a. gleichzeitiger Bezug von Bürgergeld und Wohngeld) oder zur Ausstattung ihrer Wohnungen
machten (z. B. gleichzeitige Auswahl von „Doppelte Verglasung an allen Fenstern“ und „Doppelte
Verglasung an einigen Fenstern“). Die Daten wurden deshalb einem aufwändigen
Aufbereitungsprozess unterzogen, in dem Widersprüche identifiziert und, sofern möglich,
bereinigt wurden. Dabei wurde ein konservatives Vorgehen gewählt: Korrekturen wurden nur dort
vorgenommen, wo die entsprechenden Entscheidungen mit hoher Sicherheit getroffen werden
konnten. Andernfalls wurde den Befragten bei den jeweiligen Antworten ein fehlender Wert
zugewiesen, die Antworten also nicht berücksichtigt.
Anmerkung zur Darstellung der Auswertungen
Die Auswertungen der Befragung folgen einem durchgehenden Muster: Es werden jeweils die
Zielgruppen der Befragung sowie die sonstigen Befragten aufgeführt. Tests auf Signifikanz von
Unterschieden zwischen den Gruppen werden jedoch jeweils nur zwischen den Beziehern von
Mindestsicherungsleistungen und von Wohngeld vorgenommen. Bei der Darstellung werden
signifikante Unterschiede oder Zusammenhänge fett gedruckt und die Stärke und Signifikanz der
Unterschiede im Text angegeben. Die Gruppen werden durchgehend als „MSL-HH“ (Haushalte mit
Mindestsicherungsleistungen), „WohnG-HH“ (Haushalte mit Wohngeld) und „Sonst. HH“ (Sonstige
Haushalte) bezeichnet.
3.2.2 Soziodemografische Merkmale der Befragten
Erfasst wurden hier die Größe des Haushalts und der Haushaltstyp, sowie ein möglicher
Migrationshintergrund.
Tabelle 8: Haushaltstyp Frage 23: Sind Sie… (Haushaltstyp)
| MSL-HH | WohnG-H | HSonst. HH | Alle | SGB II-Bedarfs- gemeinschaften Nürnberg1 (Stand: Mai 2023) | Wohnbevölkerung Nürnberg2 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Alleinlebend | 42,0% | 34,7% | 33,9% | 37,0% | 54,6% | 50,4% |
| Alleinerziehend | 16,9% | 14,2% | 8,2% | 14,0% | 19,4% | 4,3% |
| Paar mit Kind(ern) | 14,1% | 41,9% | 21,1% | 28,6% | 14,8% | 13,8% |
| Paar ohne Kind(er) | 10,0% | 3,6% | 21,6% | 9,1% | 9,1% | 31,4% |
| Anderer Haushalt (mehrere Generationen, WG, Sonstige) | 16,9% | 5,7% | 15,2% | 11,2% | ||
| 99,9% | 100,1% | 100,0% | 99,9% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 892) 1 Statistik Bundesagentur 2 StA 2023b, Tab. für Arbeit 2023 BSDH_02;
Bezüglich des Haushaltstyps zeigen sich deutliche und signifikante Unterschiede zwischen den
Befragten (Cramer’s V = 0,336; p < 0,001): MSL-Haushalte sind ganz überwiegend Alleinlebenden-
Haushalte, während bei den WohnG-Haushalten-Familien überwiegen. Deren Anteil ist in der
Befragung gegenüber ihrem Anteil an den Bedarfsgemeinschaften in Nürnberg und auch
gegenüber der Wohnbevölkerung insgesamt sehr stark überrepräsentiert. Alleinerziehenden-
MSL-Haushalte wurden in etwa entsprechend ihrem Anteil an den Bedarfsgemeinschaft-
Haushalten erfasst. Alleinlebende Bezieher von Mindestsicherungsleistungen sind
unterrepräsentiert. Hier ist jedoch zu beachten, dass in der Befragung auch andere
Haushaltsformen angegeben werden konnten als bei den Vergleichsdaten, unter anderem
Wohngemeinschaften. Vermutlich wäre ein Teil dieser Befragten als Single-Bedarfsgemeinschaft
im Sinne der Jobcenter-Statistik einzustufen.
Tabelle 9: Zahl der Personen im Haushalt und Berücksichtigung der Kinder im Haushalt Frage 22: Wie viele Personen leben in Ihrem Haushalt, Sie selbst mit eingerechnet?
Aufgrund der hohen Anteile von Paar- und Alleinerziehenden-Haushalten ist auch die Zahl der
Personen im Haushalt deutlich größer als in der Gesamtbevölkerung (Tabelle 9). Die gilt für alle
Gruppen, die an der Befragung teilgenommen haben, am deutlichsten für die WohnG-Haushalte.
Um den Fragebogen so einfach wie möglich zu halten, wurde darauf verzichtet, das Vorliegen eines
Migrationshintergrundes analog der amtlichen Statistik über mehrere Fragen zu
Staatsangehörigkeit und Zuwanderung zu ermitteln. Stattdessen wurden eine Frage nach im
Alltag gesprochenen Sprachen als Indikator für einen Migrationshintergrund wie folgt eingesetzt:
- Kein Migrationshintergrund: Alltagssprache nur Deutsch und deutsche Fragebogen-Version
verwendet
- Migrationshintergrund: Alltagssprache Deutsch und andere oder nur andere oder nicht-
deutsche Fragebogen-Version verwendet
Tabelle 10: Befragte mit bzw. ohne Migrationshintergrund Frage 24: Welche Sprachen werden bei Ihnen zuhause im Alltag gesprochen (z.B. mit Verwandten oder Freunden)?
| MSL-HH | WohnG-H | HSonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand: 31.12.2022 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Migrationshintergrund | 62,6% | 58,2% | 61,3% | 60,3% | 47,5% |
| Kein Migrationshintergrund | 37,4% | 41,8% | 38,7% | 39,7% | 52,5% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.025) 1 StA 2023b, Tab. (BSDB_05); eigene Berechnung Der Anteil der Haushalte mit Migrationshintergrund ist bei den MSL-Haushalten etwas höher als
bei den WohnG-Haushalten, die Unterschiede sind jedoch nicht signifikant. Beim Vergleich mit den
amtlichen Vergleichsdaten für die Wohnbevölkerung in Nürnberg ist zu beachten, dass dort der
Migrationshintergrund entsprechend der amtlichen Definition erfasst wird. Daraus ergeben sich
Differenzen zur vorliegenden Studie: Personen, die in der amtlichen Statistik als Personen mit
Migrationshintergrund erfasst würden, jedoch im Alltag ausschließlich deutsch sprechen, würden
in der vorliegenden Studie als Personen ohne Migrationshintergrund kategorisiert. Auch ein
Vergleich mit den Strukturdaten der Bundesagentur für Arbeit ist kaum möglich. Dort wird nicht
das Vorliegen eines Migrationshintergrundes erhoben, sondern die Staatsangehörigkeit. Der Anteil
der Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit an den erwerbsfähigen Leistungsbeziehern lag
im Mai 2023 bei 57%, an den nicht erwerbsfähigen Leistungsbeziehern ebenfalls bei 57%.4 Da von
der Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland insgesamt etwas mehr als die
Hälfte die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, dürfte auch der Anteil der Personen mit
Migrationshintergrund unter den Leistungsbeziehern erheblich höher als 57% sein.
Abbildung 3: In den Haushalten der Befragten mit Migrationshintergrund gesprochene Sprachen (außer Deutsch; Mehrfachnennungen) Frage 24: Welche Sprachen werden bei Ihnen zuhause im Alltag gesprochen (z.B. mit Verwandten oder Freunden)?
Wie aus Abbildung 3 hervorgeht, wurde als häufigste nicht-deutsche Sprache Russisch genannt.
Hier zeigte sich während der Vor-Ort-Befragung jedoch, dass auch ukrainische Befragte häufig
Russisch sprachen und die russische Variante des Fragebogens wählten. Aus den Anteilen der
jeweiligen Sprachen kann also nicht zuverlässig auf den tatsächlichen Migrationshintergrund
geschlossen werden. Auch bei einer nicht genauer zu bestimmenden Anzahl der Russisch
4 Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2023, Tabellenblatt 3.2
Sprechenden handelt es sich um Befragte aus der Ukraine. Generell kann davon ausgegangen
werden, dass durch die Befragungen vor Ort der Anteil der Personen aus der Ukraine
überrepräsentiert ist, da diese besonders häufig noch in Prozesse der Antragstellung bzw. der
Abklärung von Voraussetzungen und Formalitäten eingebunden sind. Tabelle 11 gibt einen
Überblick, wie sich die häufigsten Sprachen auf die Zielgruppen der Befragung verteilen:
Tabelle 11: Zielgruppen der Befragung – im Alltag gesprochene Sprachen
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | |
|---|---|---|---|---|
| (Auch) Deutsch | 73,0% | 83,4% | 78,5% | 78,9% |
| Russisch | 26,7% | 13,5% | 16,4% | 18,5% |
| Sonstige Sprachen | 11,8% | 19,6% | 9,0% | 15,0% |
| Englisch | 11,5% | 9,1% | 18,1% | 11,6% |
| Ukrainisch | 16,4% | 3,9% | 9,0% | 9,1% |
| Türkisch | 8,2% | 7,6% | 6,2% | 7,5% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 968)
Der Anteil der (auch) deutschsprechenden Personen ist in der Gruppe der WohnG-Haushalte
größer als in allen anderen Gruppen und signifikant größer als bei den MSL-Haushalten (Cramer's
V = 0,127; p < 0,001). Russisch wird mit großem Abstand am häufigsten in den MSL-Haushalten
gesprochen: Mehr als ein Viertel der Befragten dieser Gruppe gibt Russisch als Alltagssprache an
(Cramer's V = 0,166; p < 0,001). Auch Ukrainisch wird in den MSL-Haushalten deutlich und
signifikant häufiger gesprochen als in den WohnG-Haushalten (Cramer's V = 0,213; p < 0,001).
3.2.3 Wohngegend, Alter und Zustand der Wohngebäude
In Hinblick auf Merkmale der Wohngegend scheinen MSL-Haushalte ruhiger zu wohnen als
WohnG-Haushalte: Sie geben häufiger an, in einer Nebenstraße mit wenig Verkehr zu wohnen und
signifikant häufiger, dass die Wohngegend tagsüber und nachts ruhig sei (p = 0,013).
Tabelle 12: Wohngegend Frage 1: Wie würden Sie die Gegend beschreiben, in der Ihre Wohnung / Ihr Haus liegt? (Mehrfachnennungen)
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | |
|---|---|---|---|---|
| Wohnung / Haus liegt an einer Hauptstraße (viel Verkehr) | 31,7% | 34,4% | 34,0% | 33,5% |
| Wohnung / Haus liegt an einer Nebenstraße (wenig Verkehr) | 54,6% | 49,3% | 52,1% | 51,6% |
| Es gibt viel Grün in der Wohngegend | 43,1% | 42,3% | 37,8% | 41,6% |
| Die Wohngegend ist tagsüber ruhig | 33,9% | 27,2% | 31,9% | 30,3% |
| Die Wohngegend ist nachts ruhig | 47,9% | 39,7% | 45,0% | 43,4% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.024)
Etwa 40% der Befragten geben an, dass es viel Grün in der Wohngegend gebe. Ein Vergleich mit
Befragungsdaten für die Gesamtbevölkerung ist nur eingeschränkt möglich: In der Studie „Leben
in Nürnberg 2021“ wird danach gefragt, wie die Wohnsituation in Hinblick auf Parks oder
Grünflächen in der Nähe bewertet wird (StA 2023a: 15). Hier bewerten 61% der Befragten die
Situation als gut und weitere 25% als mittel. Sofern die Angaben vergleichbar sind, hätten die
Teilnehmer der Befragung also deutlich seltener Grünflächen in der Wohngegend.
Nur 517 Befragte konnten angeben, in welchem Jahr, das Wohngebäude, in dem sie leben erbaut
wurde. Ein Vergleich mit dem Gebäudebestand der Gesamtstadt zeigt, dass die Teilnehmer der
Befragung etwas häufiger in Gebäuden der ältesten Gebäudeklasse wohnen (26% zu 22%) und
seltener in der mittleren Gebäudeklasse (11% zu 19%) als die Gesamtbevölkerung.
Tabelle 13: Alter des Wohngebäudes Frage 2: In welchem Jahr wurde das Haus, in dem Sie wohnen, ungefähr erbaut?
| Anzahl Befragte (nur MSL-HH & WohnG- HH) | Prozent | Gültige Prozente | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 | |
|---|---|---|---|---|
| bis 1948 | 135 | 15,0% | 26,1% | 22,2% |
| 1949-1980 | 274 | 30,5% | 53,0% | 52,0% |
| 1981-2007 | 59 | 6,6% | 11,4% | 18,8% |
| 2008-2015 | 15 | 1,7% | 2,9% | 4,2% |
| ab 2016 | 34 | 3,8% | 6,6% | 2,8% |
| Gültige Werte | 517 | 57,6% | 100,0% | 100,0% |
| Fehlend | 381 | 42,4% | ||
| Gesamt | 898 | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 517) 1 StatA 2022: 84 ff.; eigene Berechnungen
Überrepräsentiert sind sie dagegen in der jüngsten Gebäudeklasse (7% zu 3%). Dies kann
beispielsweise damit erklärt werden, dass neue EOF-Wohnungen häufiger durch die Zielgruppe
bezogen werden (besondere Dringlichkeit der Vermittlung). Dennoch sollten diese Ergebnisse
aufgrund der sehr kleinen Fallzahlen vorsichtig interpretiert werden. Ein Vergleich der Zielgruppen
der Erhebung ist daher nur eingeschränkt möglich: Wohngeldbezieher wohnen tendenziell in
neueren Gebäuden, jedoch ist der Unterschied nicht signifikant. Eine weitere Einordnung der
Gebäudealtersklassen bietet der Mietenspiegel Nürnberg (2022): Hier ist für Wohnungen, die vor
1977 erbaut wurden ein Abschlag bei der Festlegung der Miete anzusetzen. 78% der MSL-
Haushalte und 75% der WohnG-Haushalte wohnen in einem solchen Gebäude.
Hinsichtlich der Beschreibung des allgemeinen Zustandes der Wohngebäude gibt es kaum
Unterschiede zwischen den Befragten. Über alle Gruppen hinweg bewerten etwa drei Viertel der
Befragten den Zustand als eher gut oder sehr gut. Ungefähr ein Viertel bewertet den Zustand als
eher schlecht oder sehr schlecht.
Tabelle 14: Allgemeiner Zustand des Wohngebäudes Frage 4: Alles in allem: Wie würden Sie den Zustand des Gebäudes beschreiben?
Im Einzelnen beklagen 24% der Befragten den Renovierungszustand des Hauses, 19% mangelnde
Sauberkeit im Haus (z.B. Keller, Treppenhaus) und 21% mangelnde Sauberkeit im Hof (vgl. Tabelle
37: Belastungsfaktoren der Wohnsituation).
3.2.4 Mietverhältnis und Wohndauer
Der ganz überwiegende Teil der Befragten lebt als Hauptmieter. MSL-Haushalte sind mit 84%
jedoch deutlich und signifikant seltener Hauptmieter als WohnG-Haushalte (94%) und viel
häufiger Untermieter oder Wohngemeinschaft-Haushalte (Cramer’s V = 0,173; p < 0,001). Bei den
sonstigen Haushalten ist diese Verteilung noch deutlicher ausgeprägt. Deutlich ist auch der
Unterschied zur Bevölkerung insgesamt, in der fast alle Mieter-Haushalte auch Hauptmieter sind
und nur knapp 3% Untermieter oder in einer Wohngemeinschaft wohnen.
Tabelle 15: Mietverhältnis und Förderstatus der Wohnung Frage 10: Wohnen Sie in der Wohnung als… Frage 8: Haben Sie eine geförderte Wohnung (Wohnberechtigungsschein, EOF Einkommensorientierte Förderung oder Sozialwohnung)?
Mehr als 30% aller Befragten haben angegeben, in einer geförderten Wohnung zu leben. Es ist
jedoch fraglich, wie valide diese Daten sind, da bei den Vor-Ort-Befragungen immer wieder die
Situation eintrat, dass die Befragten die Übernahme der KdU mit einer Förderung der Wohnung
verwechselten. Dies würde erklären, warum der Anteil der Ja-Antworten bei den MSL-Haushalten
so viel höher ist.
Tabelle 16: Vermieter der Wohnung Frage 9: Wer ist Eigentümer Ihrer Wohnung?
| MSL-HH | WohnG-H | HSonst. HH | Alle | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Informationen zum Eigentümer der | Gültige Antworten | 94,2% | 96,4% | 95,7% | 95,6% |
| Wohnung (n = 1.067) | Weiß nicht | 5,8% | 3,5% | 4,2% | 4,4% |
| Nur gültige Antworten (n = 1.020): | Privat(er) Eigentümer | 53,8% | 45,1% | 53,2% | 49,5% |
| Eigentümer der Wohnung | Privates Wohnungsunternehmen (Dawonia, Vovonia, Deutsche Wohnen) | 8,3% | 10,0% | 7,9% | 9,0% |
| Städtisches oder genossenschaftliches Wohnungsunternehmen oder Stiftung (wbg, Noris eG, ESW, SW Nürnb.) | 31,8% | 38,6% | 31,5% | 35,0% | |
| Betriebs- oder Werkswohnung | 1,5% | 1,4% | 1,5% | 1,5% | |
| Sonstige Eigentümer | 4,6% | 4,9% | 5,9% | 5,0% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023
Ungefähr 6% der befragten MSL-Haushalte und 3% der WohnG-Haushalte wussten nicht, wer ihr
Vermieter ist. Bei den anderen Haushalten sind private Eigentümer am häufigsten, gefolgt von
städtischen oder genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen oder Stiftungen. Dabei leben
MSL-Haushalte ebenso wie sonstige Haushalte deutlich häufiger in Wohnungen privater
Eigentümer als WohnG-Haushalte.
Bezüglich der Wohndauer gibt es deutliche und signifikante Unterscheide zwischen den
Zielgruppen der Befragung: Fast ein Drittel der MSL-Haushalte – 31% – sind erst seit 2022 in ihre
Wohnungen eingezogen, gegenüber 12% der WohnG-Haushalte (Cramer’s V = 0,180; p < 0,001).
Umgekehrt sind fast 40% der WohnG-Haushalte zwischen 2017 und 2021 eingezogen, aber nur ca.
23% der MSL-Haushalte. Um einen Vergleich mit den verfügbaren Daten der städtischen
Haushaltbefragung „Leben in Nürnberg 2021“ zu ermöglichen, wurde in einem zweiten
Auswertungsschritt das Einzugsjahr auf 2021 begrenzt. Im Vergleich zur Bevölkerung insgesamt
sind beide Zielgruppen der Befragung bei den langjährigen Mietern unterrepräsentiert, vor allem
die WohnG-Haushalte, die dafür bei der jüngsten Zuzugskategorie überrepräsentiert sind. Unter
den Teilnehmern der Befragung ist also vor allem der hohe Anteil der MSL-Haushalte auffallend,
die erst seit 2022 ihre Wohnungen bezogen haben.
Tabelle 17: Einzugsjahr Frage 5: Seit wann leben Sie in Ihrer Wohnung?
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Jahre bis 2021 (MSL) | Jahre bis 2021 (WohnG) | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| bis 2000 | 12,5% | 9,0% | 12,9% | 18,0% | 10% | 22% |
| 2001-2010 | 18,4% | 16,5% | 14,0% | 26,6% | 19% | 19% |
| 2011-2016 | 15,3% | 25,7% | 17,7% | 22,1% | 29% | 22% |
| 2017-2021 | 23,1% | 37,0% | 29,6% | 33,3% | 42% | 37% |
| 2022-2023 | 30,6% | 11,8% | 25,8% | 100,0% | 100% | 100% |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 973) 1 StatA 2023a: 17
Vermutlich sind Geflüchtete aus der Ukraine in der Befragung überrepräsentiert, wie sich aus dem
hohen Anteil Ukrainisch oder Russisch Sprechender in der Befragung folgern lässt (Tabelle 11). Das
würde den hohen Anteil der in den Jahren 2022 und 2023 in ihre Wohnungen Gezogenen erklären.
3.2.5 Etage, Größe und Kosten der Wohnung
Hinsichtlich der Etage, in der die Wohnung liegt, gibt es kaum Unterschiede zwischen den
Befragten und auch nicht zur Bevölkerung insgesamt. Knapp 2% der MSL-Haushalte bewohnen
eine Souterrain- oder Kellerwohnung. Lediglich etwa 3% wohnen in einem Haus.
Tabelle 18: Etage, in der die Wohnung liegt Frage 6: Handelt es sich bei Ihrer Wohnung um…
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand: 2021 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Souterrain, Keller | 1,7% | 0,4% | 0,9% | 0,9% | |
| Erdgeschoss | 19,9% | 17,4% | 20,6% | 18,9% | 25,0% |
| Ab 1. Etage | 65,0% | 66,2% | 65,4% | 65,7% | 67,0% |
| Dachgeschoß | 10,1% | 13,2% | 9,8% | 11,5% | 12,0% |
| Einfamilien-/Reihenhaus | 3,2% | 2,8% | 3,3% | 3,0% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.066) 1 StatA 2023a: 20
Die Wohnungsgröße ist bei den betrachteten Zielgruppen deutlich unterschiedlich: MSL-
Haushalte haben deutlich und signifikant weniger Räume zur Verfügung als WohnG-Haushalte
(Cramer's V = 0,229; p < 0,001). Fast zwei Drittel der MSL-Haushalte haben Wohnungen mit
maximal zwei Räumen. Aber auch die WohnG-Haushalte, die im Durchschnitt größer sind als die
MSL-Haushalte haben zu etwa 85% max. drei Zimmer, während in der Bevölkerung insgesamt ca.
72% in Wohnungen dieser Größe leben. Über Wohnungen mit fünf und mehr Räumen verfügen ca.
3% der MSL-Haushalte und 2% der WohnG-Haushalte, gegenüber 12% in der Bevölkerung
insgesamt.
Tabelle 19: Größe der Wohnung: Zahl der Räume Frage 11: Wie viele Zimmer hat Ihre Wohnung? (separate Küche, Bad/WC und Flur bitte nicht mitzählen, nur Räume ab 6 Quadratmeter)
| Anzahl Räume | MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand: 2021 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 21,0% | 12,5% | 11,5% | 15,1% | 7% |
| 2 | 42,7% | 30,2% | 33,2% | 34,9% | 30% |
| 3 | 26,8% | 42,7% | 38,9% | 36,8% | 35% |
| 4 | 6,6% | 12,9% | 12,0% | 10,7% | 12% |
| 5 u. mehr | 2,9% | 1,6% | 4,4% | 2,6% | 12% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.058) 1StatA 2023a: 18
Auch bei der Betrachtung der Wohnfläche unterscheiden sich die betrachteten Gruppen
signifikant (Cramer’s V = 0,198; p < 0,001): Fast jeder fünfte MSL-Haushalt lebt in einer Wohnung
mit weniger als 40 Quadratmetern, und die im Durchschnitt größeren WohnG-Haushalte sind auch
hier bei den größeren Wohnungen im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung deutlich
unterrepräsentiert (Tabelle 20).
Im Vergleich zur amtlichen Statistik der Bedarfsgemeinschaften in Nürnberg (Statistik der
Bundesagentur für Arbeit 2023a, Tab. 1a) sind in der Befragung Haushalte mit weniger als 40 m²
etwas seltener, dafür solche zwischen 40 und 60m² häufiger und Haushalte zwischen 60 und 80m²
wieder seltener. Die Größenordnungen sind ähnlich, allerdings sind die Wohnungsgrößen der
standardisierten Befragung etwas konzentrierter bei den mittleren Größen.
Tabelle 20: Größe der Wohnung: Quadratmeter Frage 10: Wie groß ist Ihre Wohnung ungefähr in Quadratmetern?
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg 1 Stand: 2021 | |
|---|---|---|---|---|---|
| < 40 | 19,4% | 9,8% | 11,3% | 13,2% | 6% |
| 40 bis unter 60 | 39,4% | 31,1% | 27,6% | 33,1% | 22% |
| 60 bis unter 80 | 27,4% | 37,3% | 37,4% | 34,1% | 30% |
| 80 bis unter 120 | 11,2% | 19,6% | 20,7% | 17,1% | 29% |
| >= 120 | 2,6% | 2,2% | 3,0% | 2,5% | 13% |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.042) 1 StatA 2023a: 17
Tabelle 21 gibt einen Überblick über verschiedene Kennzahlen zur Wohnungsgröße, wobei die
Größe der Wohnung auch zur Haushaltsgröße in Beziehung gesetzt wird. Zusammenfassend lässt
sich feststellen, dass beide Zielgruppen der Befragung in Wohnungen mit weniger Zimmern und
weniger Fläche leben und zudem auch pro Person weniger Wohnfläche zur Verfügung haben. Mit
Ausnahme der Zimmer pro Person unterscheiden sich auch die beiden Zielgruppen der Befragung
signifikant voneinander: MSL-Haushalte haben im Mittel zwar kleinere Wohnungen mit weniger
Quadratmetern, pro Person stehen ihnen jedoch etwas mehr Räume und Quadratmeter zur
Verfügung als den WohnG-Haushalten, die pro Person am wenigsten Wohnfläche haben (Tabelle
21). Auffallend ist, dass der Median der Wohnfläche und der Wohnfläche pro Person jeweils unter
dem arithmetischen Mittel liegt (Tabelle 21). Das bedeutet, dass wenige größere Wohnungen das
arithmetische Mittel nach oben beeinflussen.5 – Vergleicht man zusätzlich mit den amtlichen Daten
zur Wohnfläche der Bedarfsgemeinschaften in Nürnberg (Statistik der Bundesagentur für Arbeit
2023a, Tab. 1a), sind die Wohnungen und Wohnflächen pro Person, die in der Befragung erfasst
wurden, um jeweils ca. einen Quadratmeter größer (ohne Tabelle).
Tabelle 21: Kennzahlen zur Wohnungsgröße
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst.-HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg 1 Stand: 2021 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Zimmer je Wohnung (n = 1.058) | |||||
| arith. Mittel | 2,3 | 2,6 | 2,7 | 2,5 | 2,7 |
| Median | 2,0 | 3,0 | 3,0 | 2,5 | |
| Fläche je Wohnung (in qm) (n = 1.038) | |||||
| arith. Mittel | 57,2 | 65,1 | 65,7 | 62,6 | 69,6 |
| Median | 54,0 | 64,0 | 65,0 | 60,0 | |
| Personen je Wohnung (n = 930) | |||||
| arith. Mittel | 2,2 | 2,8 | 2,2 | 2,5 | 1,8 |
| Median | 2,0 | 3,0 | 2,0 | 2,0 | |
| Zimmer je Person (n = 912) | |||||
| arith. Mittel | 1,3 | 1,2 | 1,4 | 1,2 | 1,5 |
| Median | 1,0 | 1,0 | 1,0 | 1,0 | |
| Fläche je Person (n = 900) | |||||
| arith. Mittel | 33,1 | 30,6 | 35,7 | 32,3 | 38,8 |
| Median | 30,0 | 25,0 | 33,0 | 28,5 |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 1 StatA 2023a: 18
Unabhängig von der tatsächlich zur Verfügung stehenden Wohnfläche: Wie bewerten die
Befragten die Größer ihrer Wohnungen? Tabelle 22 zeigt, dass etwa die Hälfte der Befragten mit
der Größe ihrer Wohnungen zufrieden sind. Für ein knappes Drittel der beiden Zielgruppen sind die
Wohnungen etwas zu klein und für 16% bzw. 18% viel zu klein. Fast niemand gibt an, dass die
5 Der Median teilt eine Verteilung in zwei gleich große Hälften. Der Median von 30 qm/Person bei den MSL- Haushalten bedeutet, dass die Hälfte der MSL-Haushalte höchstens 30 qm zur Verfügung haben, die andere Hälfte mehr als 30 qm.
Wohnung zu groß sei. Die Unterschiede zwischen den MSL-Haushalten und den WohnG-
Haushalten sind nicht signifikant.
Tabelle 22: Größe der Wohnung: Bewertung Frage 12: Wie bewerten Sie die Größe Ihrer Wohnung? Ist sie für Ihren Haushalt…
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | |
|---|---|---|---|---|
| Viel zu klein | 15,8% | 18,4% | 12,1% | 16,3% |
| Etwas zu klein | 31,3% | 31,8% | 26,2% | 30,5% |
| Genau richtig | 48,2% | 47,4% | 55,6% | 49,3% |
| Etwas zu groß / viel zu groß | 4,8% | 2,4% | 6,0% | 3,9% |
| Gesamt | 100,1% | 100,0% | 99,9% | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 1.075)
Zum Vergleich: In der Befragung „Leben in Nürnberg 2021“ bewerteten 63% der Befragten die
Größe ihrer Wohnung als „gut“ (StA 2023a: 15).6
Im Folgenden werden die Auswertungen zu den Wohnkosten dargestellt, die methodisch mit
einigen Schwierigkeiten verbunden war: Viele Befragte konnten die Kosten für die Nettokaltmiete,
die Heizkosten und die Stromkosten nicht differenziert angeben. Nach der Prüfung und
Bereinigung der Daten konnten blieben etwas mehr als 700 Befragte übrig, deren Angaben nach
Kostenarten differenziert ausgewertet werden konnten.7 Ohne weitere Unterscheidung nach
Wohnungsgröße und Haushaltsgröße sind die Kosten der MSL-Haushalte signifikant geringer als
diejenigen der WohnG-Haushalte, sowohl bei Betrachtung des arithmetischen Mittels als auch des
Median der verschiedenen Kostenarten. Wie Tabelle 23 zeigt, bezahlt also die Hälfte der MSL-
Haushalte weniger als 480 € im Monat (Nettokaltmiete), die andere Hälfte mehr.
6 Mögliche Antwortkategorien zur Bewertung der Größe der Wohnung waren hier: gut- mittel – schlecht – keine Angabe 7 Um trotz der schwierigen Datenlage möglichst valide Daten zu erhalten, wurden diese wie folgt bereinigt: Es wurden nur Befragte berücksichtigt, die Angaben zu allen drei Kostenarten gemacht hatten. Zudem wurden die Angaben auf Plausibilität geprüft und z.B. Angaben, bei denen die Stromkosten höher waren als die Nettokaltmiete aus der Berechnung ausgeschlossen. Ebenso wurden unplausible Ausreisser (z.B. 20.000€) ausgeschlossen.
Tabelle 23: Kosten der Wohnung, differenziert nach Kostenarten Frage 18: Was bezahlen Sie jeden Monat für Ihre Wohnung? (Kaltmiete (ohne Heizung, Strom und andere Betriebskosten), Kosten für Heizung, Kosten für Strom)
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst.-HH | Alle | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Nettokaltmiete (n = 717) | arith. Mittel | 506,3 | 575,5 | 579,4 | 554,6 |
| Eta2 = 0,024; p < 0,001 | Median | 480,0 | 540,0 | 550,0 | 520,0 |
| Heizkosten (n = 717) | arith. Mittel | 106,9 | 126,4 | 109,8 | 117,5 |
| Eta2 = 0,013; p = 0,006 | Median | 90,0 | 109,0 | 100,0 | 100,0 |
| Stromkosten (n = 717) | arith. Mittel | 90,0 | 101,0 | 87,5 | 95,2 |
| Eta2 = 0,009; p 0,024 | Median | 70,0 | 95,0 | 75,0 | 81,0 |
| Gesamkosten (n = 736) | arith. Mittel | 701,0 | 800,4 | 776,8 | 764,8 |
| Eta2 = 0,026; p < 0,001 | Median | 635,0 | 775,7 | 738,0 | 720,0 |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 Bei Berücksichtigung der Wohnungsgröße zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen MSL-
Haushalten und WohnG-Haushalten vor allem bei den kleinen Wohnungen unter 40
Quadratmetern, für die MSL-Haushalte im Durchschnitt deutlich mehr Nettokaltmiete bezahlen
(Eta2 = 0,183; p < 0,001). Die Unterschiede sind zwar signifikant, sollten aber dennoch mit
Zurückhaltung interpretiert werden, da die dahinter liegenden Fallzahlen bei der kleinsten
Wohnungsgröße sehr gering sind. Nur für 39 MSL-Haushalte und für 35 WohnG-Haushalte liegen
Daten zu den Wohnkosten von Wohnungen unter 40 Quadratmetern vor.
Tabelle 24: Nettokaltmiete pro Quadratmeter, differenziert nach Wohnungsgröße
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst.-HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg 1 Stand: 2021 | |
|---|---|---|---|---|---|
| <40 | 13,08 | 11,46 | 14,09 | 12,58 | 11,56 |
| 40 bis unter 60 | 8,50 | 8,90 | 9,33 | 8,81 | 8,80 |
| 60 bis unter 80 | 8,31 | 8,42 | 9,22 | 8,53 | 8,13 |
| 80 und größer | 8,46 | 8,74 | 7,80 | 8,48 | 8,42 |
| Insgesamt | 9,25 | 8,92 | 9,44 | 9,11 | 8,58 |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 706) 1 StatA 2023a: 21
Die Angaben fast aller Befragten liegen höher als die städtischen Vergleichsdaten. Hier ist jedoch
zu berücksichtigen, dass letztere aus dem Jahr 2021 stammen und seither die Mieten weiter
gestiegen sind.8
8 Dargestellt sind Befragungsdaten aus dem Jahr 2021 ohne Differenzierung nach Baujahr.
Tabelle 25: Wohnkosten nach Kostenarten pro Quadratmeter
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst.-HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg (2021)1 Stand: 2021 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Nettokaltmiete/m 2 | arith. Mittel | 9,2 | 8,9 | 9,4 | 9,1 | 8,58 bzw. 9,182 |
| Median | 8,7 | 8,8 | 9,2 | 8,8 | ||
| Heizkosten/m2 (n = 706) | arith. Mittel | 1,9 | 1,9 | 1,8 | 1,9 | |
| Median | 1,7 | 1,8 | 1,5 | 1,7 | ||
| Stromkosten/m2 (n = 706) | arith. Mittel | 1,6 | 1,6 | 1,4 | 1,5 | |
| Median | 1,3 | 1,4 | 1,3 | 1,3 | ||
| Gesamtkosten/m2 (n = 724) | arith. Mittel | 12,7 | 12,4 | 12,5 | 12,5 | |
| Median | 12,0 | 12,0 | 11,9 | 12,0 |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 1 StatA 2023 28,58 = durchschnittl. Nettokaltmiete für alle Wohnungen, inkl. Sozialwohnungen; 9,18 = durchschnittl. Nettokaltmiete nach dem Mietenspiegel
Betrachtet man die Wohnkosten pro Quadratmeter Wohnfläche, sind die durchschnittlichen
Nettokaltmieten der MSL-Haushalte höher als die der WohnG-Haushalte, die medianen
Nettokaltmieten jedoch etwas niedriger. Einige MSL-Haushalte haben also deutlich höhere
Nettokaltmieten; vermutlich gibt es hier einen Zusammenhang mit der Wohnungsgröße: MSL-
Haushalte wohnen deutlich häufiger in Ein-Zimmer-Wohnungen, für die die Nettokaltmieten pro
Quadratmeter tendenziell höher sind. Zudem werden seit der Covid-19-Pandemie die tatsächlichen
Kosten übernommen, und mit dem Bürgergeld wurden neue Karenzregelungen eingeführt; ein
weiterer Grund dürfte der hohe Anteil von Befragten aus MSL-Haushalten sein, die erst in jüngerer
Zeit in ihre Wohnungen gezogen sind. Generell liegt bei allen Kostenarten der Median unterhalb
des arithmetischen Mittels, die Werte liegen also überwiegend im unteren Bereich und werden
durch eine kleinere Zahl hoher Kosten nach oben verzerrt. Zu prüfen wäre, ob die Nettokaltmieten
im Vergleich zu den aktuellen Werten für die Gesamtstadt tatsächlich höher sind, oder ob sich hier
die Mietsteigerungen gegenüber 2021 abbilden, dem Jahr, aus dem die Vergleichsdaten stammen.
Vergleicht man zusätzlich mit den amtlichen Daten zu den Wohnkosten von
Bedarfsgemeinschaften in Nürnberg, fallen die Angaben aus der Befragung zum Teil deutlich
höher aus (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2023a, Tab. 1a). So liegt die tatsächliche
Nettokaltmiete der Bedarfsgemeinschaften mit durchschnittlich 467 € um 40 € unterhalb der
durchschnittlichen Nettokaltmiete in der Befragung (506 €). Da diese amtlichen Daten ungefähr
zeitgleich mit den Befragungsdaten erhoben wurden, kann der Unterschied nicht durch die
sozialpolitischen Neuerungen im Zusammenhang mit der Einführung des Bürgergelds bzw. der
Regelungen im Zuge der Covid-19-Pandemie erklärt werden. Vielmehr ist zu vermuten, dass eine
Ursache für diese Abweichung die zahlreichen neueren Bezüge der in der Befragung erfassten
Haushalte (Tabelle 17) sind. Zudem kann nicht ausgeschlossen, dass der Begriff „Nettokaltmiete“
in der Befragung häufig missverstanden wurde und evtl. auch die Betriebskosten enthält.9
Wie stark werden die Haushalte der Zielgruppen durch die Kosten der Wohnung belastet? – Um
Informationen darüber zu erhalten, wurde sowohl nach dem subjektiven Belastungsempfinden
gefragt als auch nach objektiven Indikatoren wie Mietrückstände oder Androhung einer
Stromsperre. Hinsichtlich des Belastungsempfindens gibt es signifikante Unterschiede zwischen
MSL-Haushalten und WohnG-Haushalten (Tabelle 26, Cramer’s V = 0,113; p = 0,045).
Tabelle 26: Belastung durch oder Zufriedenheit mit Wohnkosten Frage 20: Gibt es an Ihrer Wohnung etwas, das Sie belastet oder sind Sie zufrieden? - Kosten der Wohnung insgesamt
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg 1 Stand: 2021 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Sehr belastet | 8,6% | 11,1% | 8,5% | 9,8% | 12% ("schlecht") |
| Eher belastet | 14,4% | 18,4% | 14,8% | 16,4% | |
| Teils, teils | 25,9% | 29,9% | 29,5% | 28,5% | 40% ("mittel") |
| Eher zufrieden | 27,5% | 24,2% | 24,4% | 25,3% | |
| Sehr zufrieden | 23,6% | 16,4% | 22,7% | 20,0% | 44% ("gut) |
| Insgsamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 940) 1 StatA 2023a: 22
MSL-Haushalte sind deutlich seltener sehr oder eher durch ihre Wohnkosten belastet als WohnG-
Haushalte (23% zu 29%) und umgekehrt deutlich häufiger eher oder sehr zufrieden (51% zu 41%).
Ein Vergleich mit der Bevölkerung insgesamt („Leben in Nürnberg 2021“) ist nur eingeschränkt
möglich, weil die Fragen und Antwortkategorien sich unterscheiden. Sofern „eher belastet/sehr
belastet“ als Entsprechung zur Kategorie „schlecht“ interpretiert werden kann, wären MSL-
Haushalte stärker belastet als die Bevölkerung insgesamt (23% zu 12%), aber auch häufiger eher
oder sehr zufrieden (51% zu 44%). WohnG-Haushalte wären deutlich häufiger belastet (29% zu
12%) und etwas seltener eher oder sehr zufrieden (41% zu 44%).
9 In der Befragung wurden die Nettokaltmiete, sowie die Kosten für Heizung und Strom erhoben, nicht aber die sonstigen Nebenkosten.
Tabelle 27: Zahlungsprobleme bei Wohnkosten Frage 19: Hatten Sie schon einmal eines dieser Probleme bei den Kosten für Ihre jetzige Wohnung?
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | |
|---|---|---|---|---|
| Ich konnte meine Miete nicht bezahlen | 16,7% | 15,9% | 11,1% | 15,3% |
| Ich konnte meine Stromkosten nicht bezahlen | 15,1% | 11,4% | 8,2% | 12,1% |
| Mir wurde eine Stromsperre angedroht | 5,8% | 3,6% | 3,5% | 4,3% |
| Mir wurde der Strom abgestellt | 4,2% | 2,0% | 2,9% | 2,9% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 929)
Von tatsächlichen Zahlungsproblemen bei Miete und Stromkosten sowie bei Ankündigung oder
Durchsetzung einer Stromsperre sind MSL-Haushalte etwas stärker betroffen als WohnG-
Haushalte, die Unterschiede sind jedoch nicht signifikant. Beide Zielgruppen der Befragung weisen
hier auch höhere Werte auf als die sonstigen Befragten.
3.2.6 Angaben zum energetischen Sanierungszustand der Wohnungen
Anders als bei den Erhebungen im Rahmen des ESP-Projekts, die von technisch qualifizierten
Beratern durchgeführt werden, konnten in den Fragebogen nur wenige Fragen aufgenommen
werden, die den energetischen Sanierungszustand abbilden. Zum einen musste die Befragung so
kurz wie möglich gehalten werden, zum anderen wurde bereits bei der Vorstellung des Projekts
bei Stadtteilarbeitskreisen usw. immer wieder darauf hingewiesen, dass zumindest bei einem Teil
der Zielgruppe nur geringe Text-Kompetenzen vorausgesetzt werden könnten. Dies bestätigte
sich im Pretest und auch bei den Befragungen vor Ort, bei denen vor allem die Fragen zur Art der
Heizung und Warmwasserbereitung immer wieder erklärt werden mussten. Konkret wurde nach
der Außendämmung der Wände, der Ausstattung der Fenster sowie der Art der Heizung und der
Erzeugung von Warmwasser gefragt.
Etwa ein Viertel der Befragten gibt an, dass die Außenwände der Wohnung gedämmt sind. Das
entspricht in etwa den Ergebnissen der städtischen Befragung „Leben in Nürnberg 2019“. Im
Vergleich der beiden Zielgruppen der Befragung sind die Wohnungen der WohnG-Haushalte etwas
häufiger gedämmt, der Unterschied ist jedoch nicht statistisch signifikant.
Tabelle 28: Energetischer Sanierungszustand: Dämmung der Außenwände Frage 13: Wie ist Ihre Wohnung aktuell ausgestattet?
| Zielgruppen | Häufigkeit |
|---|---|
| MSL-HH | 24,7% |
| WohnG-HH | 29,1% |
| Sonst. HH | 26,2% |
| Gesamt | 27,1% |
| Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 (Stand: 2019) | 24,7% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n= 919) 1 StatA 2022a: 16; eigene Berechnung
Bezüglich der Möglichkeit einer Außenverdunklung der Fenster, die ist sowohl als Schutz vor
Kälte als auch vor Hitze von Bedeutung ist, gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den
verschiedenen Gruppen der Befragungsteilnehmer (Tabelle 29). Alle betrachteten Gruppen liegen
jedoch deutlich unter dem Durchschnitt der allgemeinen Bevölkerung (57%). Allerdings ist zu
berücksichtigen, dass relativ viele Befragte die Frage nicht beantworten konnten oder
widersprüchliche Angaben gemacht haben.
Tabelle 29: Energetischer Sanierungszustand: Fenster – Möglichkeit der Verdunklung Frage 14: Die Fenster haben Rollläden, Außenjalousien oder Fensterläden an…
Auch hinsichtlich einer isolierenden Verglasung der Fenster unterscheiden sich die Zielgruppen
der Befragung nicht signifikant voneinander und auch nicht von der allgemeinen Bevölkerung
(Tabelle 30). Demgegenüber geben die sonstigen Befragten deutlich häufiger an, doppelt
verglaste Fenster zu haben (63%) und konnten zu dieser Frage auch sehr viel häufiger
(widerspruchsfreie) Auskünfte geben.
Tabelle 30: Energetischer Sanierungszustand: Fenster – Art der Verglasung Frage 14: Die Fenster sind… einfach verglast – mehrfach verglast (Isolier- oder Schallschutzfenster – in allen Räumen – in einigen Räumen – in keinem Raum – weiß nicht
Hinsichtlich der Art der Heizung unterscheiden sich die Zielgruppen der Befragung kaum
voneinander und auch nicht von der allgemeinen Bevölkerung. Die meisten Befragten haben
Wohnungen mit Zentralheizung oder Fernwärme. MSL-Haushalte haben etwas häufiger Einzelöfen
als andere Befragte. Auffallend ist der hohe Anteil der sonstigen Haushalte, deren Wohnungen mit
einer Etagenheizung ausgestattet sind. Etwa 11% der MSL-Haushalte konnte die Frage nach der
Heizung nicht beantworten.
Tabelle 31: Energetischer Sanierungszustand: Heizung (1) Frage 16: Wie wird Ihre Wohnung überwiegend geheizt?
Tabelle 32: Energetischer Sanierungszustand: Heizung (2) Frage 16: Womit wird Ihre Wohnung überwiegend geheizt?
Nur 82% bzw. 80% der Befragten der beiden Zielgruppen konnten die Frage beantworten, womit
ihre Wohnungen beheizt werden. Auffallend sind die sehr hohen Anteile bei allen Teilnehmern der
Befragung, die mit Strom heizen. Fast jeder fünfte Befragte gibt diese Form des Heizens an, und
sogar mehr als jeder Vierte der MSL-Haushalte. Deutliche und signifikante Unterschiede (Cramer’s
V = 0,176; p = 0,001) bestehen zwischen den beiden Zielgruppen der Befragung. Während MSL-
Haushalte deutlich häufiger mit Strom heizen (dies zeigt auch die Auswertung der ESP-Bögen, vgl.
Kapitel 4.3.4), werden die Wohnungen der Wohngeldbezieher viel häufiger mit Gas beheizt. Diese
Angaben können nur eingeschränkt mit den für die Studie „Leben in Nürnberg 2021“ erhobenen
Daten verglichen werden, da dort Fernwärme als weitere Form der Heizungs“materials“ erfasst
wurde, während in der vorliegenden Studie Fernwärme als Heizungstyp abgefragt wurde.
Tabelle 33: Energetischer Sanierungszustand: Warmwasserbereitung Frage 13: Wie ist Ihre Wohnung aktuell ausgestattet?
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg 1 Stand: 2019 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Warmwassererzeugung mit Strom (Durchlauferhitzer i. d. Whg.) | 39,8% | 31,2% | 32,4% | 34,3% | |
| Warmwassererzeugung mit Strom (Boiler i. d. Whg.) | 16,9% | 16,2% | 15,7% | 16,3% | |
| Warmwassererzeugung mit Strom insgesamt | 56,7% | 47,4% | 48,1% | 50,6% | |
| Warmwassererzeugung mit Gas (i. d. Whg.) | 17,7% | 25,3% | 21,9% | 22,1% | |
| Warmwassererzeugung über Zentralheizung (Heizung i. Keller) | 16,3% | 17,7% | 13,8% | 16,4% | |
| Warmwassererzeugung durch Fernwärme | 16,0% | 18,0% | 14,0% | 16,0% | |
| Zentralheizung/Fernwärme insgesamt | 32,3% | 35,7% | 27,8% | 32,4% | 51,1% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n= 1.041) 1 StatA 2022a: 21
MSL-Haushalte nutzen deutlich häufiger mit Strom betriebene Geräte zur Warmwasserbereitung
in der Wohnung als WohnG-Haushalte (57% zu 47%) und deutlich seltener Warmwasserbereitung
mit Gas (18% zu 25%). Beide Gruppen nutzen zudem deutlich seltener zentrale
Warmwasserbereitung als die allgemeine Bevölkerung (51%). In Bezug auf die
Warmwasserbereitung ist ein Vergleich mit den Befragungsdaten der Studie „Leben in Nürnberg“
([StA] 2022a) nur sehr eingeschränkt möglich: Dort wurde zwischen den Optionen „über
Zentralheizung“, „Boiler in Bad/Dusche“ und „Durchlauferhitzer in Bad/Dusche“ differenziert. In
der vorliegenden Studie sollte jedoch bei Warmwasserbereitung in der Wohnung (Boiler,
Durchlauferhitzer) unterschieden werden, ob die Geräte mit Strom oder Gas betrieben werden, da
die Aufwendungen für Strom nicht in den KdU, sondern im Regelsatz enthalten sind.
3.2.7 Allgemeine Ausstattung der Wohnungen
Zur Bewertung des Wohnstandards wurden neben den energetischen Merkmalen allgemeine
Ausstattungsmerkmale (Küche, Bad, Böden und sonstige Merkmale) erhoben und zusätzlich
Schäden und Mängel in den Wohnungen (Kapitel 4.2.8).
Tabelle 34: Ausstattung von Küche und Bad Frage 13: Wie ist Ihre Wohnung aktuell ausgestattet?
| Ausstattung Küche | MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand: 2019 |
|---|---|---|---|---|---|
| Küche ist ein eigener Raum (n = 890) | 80,3% | 87,2% | 90,3% | 85,6% | |
| Küche ist eine Kochnische (n = 890) | 19,7% | 12,8% | 9,7% | 14,4% | 8,0% |
| Komplette Ausstattung (Herd, Backofen, Dunstabzug, Kühlschr.) (n = 566) | 78,9% | 81,5% | 81,1% | 80,6% | ("EBK komplett m. E.geräten") 76% |
| Nur allernötigste Ausstattung (einzelne Kochplatten statt Herd) (n = 566) | 21,1% | 18,5% | 18,9% | 19,4% | |
| Ausstattung Bad (Mehrfachnennungen) | MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand: 2019 |
| Dusche vorhanden (n = 847) | 50,6% | 43,9% | 58,4% | 49,0% | ("Separate Dusche vorhanden") 31,9% |
| Badewanne vorhanden (n = 847) | 69,4% | 77,3% | 69,9% | 73,2% | 76,9% |
| Boden gefliest (n = 847) | 66,9% | 73,2% | 73,2% | 71,1% | 82,9% |
| Wände im Bereich der Dusche bis mindestens ca. 1,95 m gefliest (n = 847) | 46,0% | 55,7% | 59,8% | 53,3% | 61,4% |
| Bad ist kein eigener Raum (n = 8 | 4 11,1% | 5,4% | 6,2% | 7,5% | 6,6% |
| Bad oder WC befindet sich außerhalb | 3,1% | 1,2% | 3,8% | 2,4% | 0,8% |
| Weder Dusche noch Badewanne vorhanden (n = 847) | 3,7% | 2,4% | 1,4% | 2,7% | |
| Bad hat Fenster oder eine Lüftungsanlage (n = 838) | 58,6% | 55,2% | 55,5% | 56,4% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 1StatA 2022a: 21
Als Küche haben MSL-Haushalte signifikant häufiger lediglich eine Kochnische zur Verfügung als
WohnG-Haushalte und sehr viel häufiger als die allgemeine Bevölkerung (Cramer's V = 0,093; p =
0,013). Eine mögliche Erklärung bietet die geringere durchschnittliche Wohnfläche und
Raumanzahl von MSL-Haushalten sowie – und in Zusammenhang damit – der größere Anteil an
Ein-Personen-Haushalten. Gerade Einzimmerwohnungen sind bei MSL-Haushalten deutlich
häufiger, als bei WohnG-Haushalten und nochmals häufiger im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
der Stadt. (vgl. Tabelle 19 und Tabelle 20). Etwa jeder fünfte MSL-Haushalt gibt zudem an, nur über
die allernötigste Küchenausstattung zu verfügen. Auch bei der Ausstattung der Badezimmer
zeigen sich Unterschiede sowohl zwischen den Zielgruppen der Befragung als auch zwischen den
Befragungsteilnehmern und der Bevölkerung insgesamt: Bei beiden Zielgruppen sind Böden und
Wände deutlich seltener gefliest, wobei MSL-Haushalte hier erheblich schlechter abschneiden.
Mit 11% geben MSL-Haushalte zudem doppelt so häufig wie WohnG-Haushalte an, dass das Bad
kein eigener Raum sei, und bei einigen (3%) befindet sich das Bad außerhalb der Wohnung
(Cramer's V = 0,105; p = 0,002). Ein erheblicher Anteil der Befragten gibt an, dass das Bad weder
über ein Fenster noch über eine Lüftungsanlage verfügt.
Tabelle 35: Ausstattung: Böden Frage 13: Wie ist Ihre Wohnung aktuell ausgestattet?
Die meisten Befragten geben an, dass ihre Wohnungen mit Parkett/Holzboden, Laminat oder
Fliesen ausgestattet sind; anzumerken ist, dass viele Befragte hier als zusätzlich als offene
Texteingabe „Dielen“ oder „Holzböden“ nannten. In etwas mehr als einem Viertel der Wohnungen
gibt es überwiegend Bodenbeläge aus PVC. Die Zielgruppen der Befragung unterscheiden sich in
diesem Punkt kaum voneinander. Im Vergleich zur Bevölkerung insgesamt geben sie seltener an,
dass ihre Wohnung keinen Bodenbelag hat, die Unterschiede können jedoch auf etwas
unterschiedliche Formulierungen der Fragen zurückzuführen sein (StA 2022a: „kein
Fußbodenbelag auf mehr als 50% der Wohnfläche“).
Tabelle 36: Ausstattung - Sonstiges Frage 13: Wie ist Ihre Wohnung aktuell ausgestattet?
Bei den sonstigen betrachteten Ausstattungsmerkmalen finden sich kaum Unterschiede zwischen
den Zielgruppen der Befragung. WohnG-Haushalte haben lediglich deutlich häufiger einen Aufzug
im Haus. Dass nur ein Fünftel bis ein Viertel der Befragten einen Wäschetrockenraum zur
Verfügung hat, könnte in Hinblick darauf problematisch sein, dass die Wäsche dann vermutlich in
der Wohnung getrocknet wird und so zu mehr Feuchtigkeit führt, zumal viele Befragte angegeben
haben, keine Lüftungsmöglichkeit für das Bad zu haben (Tabelle 34). Etwa die Hälfte der Befragten
kann Grünflächen am Haus nutzen oder verfügt über einen Gartenanteil. Dies sind mehr als in der
Bevölkerung insgesamt. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass nur ca. 3% der Befragten in
einem Einfamilien- oder Reihenhaus wohnen, so dass der Unterschied auch daraus resultieren
kann, dass in der Erhebung „Leben in Nürnberg 2019“ vermutlich mehr Befragte enthalten sind, die
ein Haus bewohnen und einen eigenen Garten haben.
3.2.8 Schäden und Mängel in den Wohnungen
Viele Befragte berichten von Schäden, Mängeln oder Abnutzungserscheinungen in ihren
Wohnungen (Abbildung 4). Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen
der Befragungsteilnehmer. Lediglich veraltete Elektrogeräte, die vermutlich viel Strom
verbrauchen, werden von MSL-Haushalten signifikant häufiger genannt als von WohnG-
Haushalten (Cramer's V = 0,07; p = 0,05). Viele Befragte beklagen Schäden wie Schimmel,
Feuchtigkeit, Risse und Löcher in den Wänden oder – seltener – kaputte elektrische Leitungen.
Ebenso werden vielfach Abnutzungserscheinungen wie renovierungsbedürftige Badezimmer,
abgenutzte Bodenbeläge und veraltete Elektrogeräte genannt. Etwa jeweils ein Drittel der
Befragten gibt an, dass die Wohnung im Winter zu kalt bzw. im Sommer zu heiß sei; die Thermostate
an den Heizungen lassen sich bei 14% der Befragten nicht richtig einstellen. Bei etwa jedem
fünften Befragten gab es mindestens einmal Ungeziefer in der Wohnung oder im Haus.
Abbildung 4: Schäden und Mängel in den Wohnungen
Als positiv formulierte Kontroll-Items wurden Statements zu dichten Fenstern und schneller
Reparatur von Schäden in den Fragebogen aufgenommen. Ca. 40% der Befragten gaben an, dass
die Fenster in ihren Wohnungen dicht seien. Etwas weniger geben an, dass Schäden schnell
repariert werden.
Zusätzlich zu den standardisierten Fragen nach Schäden und Mängeln konnten die
Befragungsteilnehmer auch selbst Angaben dazu formulieren (offene Texteingabe). Abbildung 5
und Abbildung 6 geben die Antworten differenziert nach den Zielgruppen der Befragung wieder.
Die Antworten wurden zum Teil ins Deutsche übersetzt und bezüglich der Rechtschreibung
überarbeitet.
Abbildung 5: Schäden und Mängel in den Wohnungen – Freitext (MSL-Haushalte)
Abbildung 6: Schäden und Mängel in den Wohnungen – Freitext (WohnG-Haushalte)
3.2.9 Bewertung der Wohnsituation und Umzugswunsch
Zwischen etwa 20 bis 25% der Befragten fühlen sich durch Faktoren, die mit der Wohnung oder
dem Wohngebäude zu tun haben sehr oder eher belastet, wobei die MSL-Haushalte durchweg
häufiger angeben, sie seien sehr belastet. Signifikant unterscheiden sich die beiden Gruppen bzgl.
der Belastung durch oder der Zufriedenheit mit der Sauberkeit im Haus (Cramer’s V = 0,114; p =
0,04) und – sofern vorhanden – im Hof (Cramer's V = 0,142; p = 0,007). Auch die Zufriedenheit mit
dem Zusammenleben mit den Nachbarn unterscheidet die beiden Gruppen, jedoch nicht
signifikant. Hinsichtlich des erweiterten Wohnumfeldes – Sicherheit und Sauberkeit im
Wohnviertel – fühlen sich die Befragten zu etwa 18% sehr oder eher belastet. Lediglich bei der
Verkehrsbelastung erreichen die WohnG-Haushalte hier höhere Belastungswerte. Die sonstigen
Befragten sind durchgehend durch ihre Wohnsituation weniger belastet und lediglich in Hinblick
auf die Verkehrsbelastung weniger zufrieden.
Tabelle 37: Belastungsfaktoren der Wohnsituation Frage 20: Gibt es an Ihrer Wohnung etwas, das Sie belastet oder sind Sie zufrieden? (Mehrfachnennungen)
| Bewertung von… | MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | |
|---|---|---|---|---|---|
| Renovierungszustand der Wohnung (n = 912) | sehr belastet | 11,7% | 8,9% | 6,1% | 9,3% |
| eher belastet | 17,9% | 19,8% | 14,0% | 18,1% | |
| teils, teils | 28,9% | 31,6% | 36,6% | 31,6% | |
| eher zufrieden | 25,0% | 26,4% | 28,0% | 26,2% | |
| sehr zufrieden | 16,6% | 13,4% | 15,2% | 14,8% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Renovierungszustand des Hauses (n = 897) | sehr belastet | 12,5% | 9,5% | 7,5% | 10,1% |
| eher belastet | 12,2% | 15,0% | 15,6% | 14,2% | |
| teils, teils | 28,3% | 31,4% | 34,4% | 30,9% | |
| eher zufrieden | 29,9% | 29,8% | 26,3% | 29,2% | |
| sehr zufrieden | 17,1% | 14,3% | 16,3% | 15,6% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Sauberkeit im Haus (Treppenhaus, Keller usw.) | sehr belastet | 11,4% | 8,0% | 4,2% | 8,5% |
| (n = 931) | eher belastet | 9,8% | 10,0% | 12,0% | 10,3% |
| teils, teils | 19,6% | 25,4% | 19,9% | 22,4% | |
| eher zufrieden | 30,9% | 35,3% | 33,1% | 33,4% | |
| sehr zufrieden | 28,4% | 21,2% | 30,7% | 25,3% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Sauberkeit und Ordnung im Hof (falls vorhanden) | sehr belastet | 11,4% | 8,8% | 5,8% | 9,2% |
| (n = 863) | eher belastet | 12,1% | 11,9% | 11,6% | 11,9% |
| teils, teils | 15,5% | 24,3% | 23,2% | 21,1% | |
| eher zufrieden | 30,3% | 33,6% | 33,5% | 32,4% | |
| sehr zufrieden | 30,6% | 21,4% | 25,8% | 25,4% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Zusammenleben mit den Nachbarn (n = 921) | sehr belastet | 9,7% | 7,4% | 6,5% | 8,0% |
| eher belastet | 10,0% | 7,4% | 8,9% | 8,6% | |
| teils, teils | 17,8% | 25,3% | 18,3% | 21,5% | |
| eher zufrieden | 33,7% | 31,2% | 39,6% | 33,6% | |
| sehr zufrieden | 28,8% | 28,7% | 26,6% | 28,3% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Sicherheit in der Wohngegend (n = 924) | sehr belastet | 5,8% | 6,5% | 6,6% | 6,3% |
| eher belastet | 11,9% | 12,1% | 9,0% | 11,5% | |
| teils, teils | 18,9% | 17,5% | 22,9% | 18,9% | |
| eher zufrieden | 35,6% | 37,9% | 34,3% | 36,5% | |
| sehr zufrieden | 27,9% | 26,0% | 27,1% | 26,8% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Sauberkeit in der Wohngegend (n = 930) | sehr belastet | 9,8% | 9,4% | 7,6% | 9,2% |
| eher belastet | 11,7% | 10,6% | 16,5% | 12,0% | |
| teils, teils | 23,5% | 25,4% | 29,4% | 25,5% | |
| eher zufrieden | 30,2% | 35,1% | 29,4% | 32,4% | |
| sehr zufrieden | 24,8% | 19,6% | 17,1% | 20,9% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
| Verkehrsbelastung in der Wohngegend | sehr belastet | 10,7% | 14,2% | 13,0% | 12,8% |
| (n = 915) | eher belastet | 10,7% | 12,4% | 19,8% | 13,1% |
| teils, teils | 25,2% | 22,7% | 22,8% | 23,6% | |
| eher zufrieden | 30,7% | 28,2% | 27,2% | 28,9% | |
| sehr zufrieden | 22,7% | 22,5% | 17,3% | 21,6% | |
| Gesamt | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023
Einen Umzug in eine andere Wohnung wünschen sich viele Befragte, sehen jedoch nur geringe
Chancen dafür (Tabelle 38). Weniger als die Hälfte der Befragten gibt an, in der aktuellen
Wohnung wohnen bleiben zu wollen, in der Bevölkerung insgesamt sind dies 53%. MSL-Haushalte
wollen etwas häufiger in der aktuellen Wohnung bleiben als WohnG-Haushalte, der Unterschied
ist jedoch nicht signifikant. Am häufigsten wollen die Befragten umziehen, weil sie sich in ihren
Wohnungen nicht wohlfühlen, gefolgt davon, dass sie sich im Haus, in dem die Wohnung liegt, nicht
wohlfühlen. Bezüglich der Wohngegend unterscheiden sich die beiden Gruppen geringfügig, aber
signifikant (Cramer's V = 0,06; p = 0,092): MSL-Haushalte geben häufiger die Wohngegend als
Umzugsgrund an. Viele Befragte möchten gerne umziehen, können sich aber keine andere
Wohnung leisten oder bekommen keine andere Wohnung. WohnG-Haushalte geben signifikant
häufiger finanzielle Hemmnisse für einen Wohnungswechsel an (Cramer's V = 0,094; p = 0,08) – für
mehr als ein Drittel sind diese der Grund, warum sie in der aktuellen Wohnung verbleiben. Das
Thema Umzug bzw. Wunsch nach einer anderen Wohnung wurde bei den Vor-Ort-Befragungen
immer wieder angesprochen, häufig verbunden mit Klagen über die Wohnsituation aufgrund zu
kleiner Wohnungen bzw. Wohnungen in schlechtem Zustand und mit Wut und Verzweiflung über
die Aussichtslosigkeit der Wohnungssuche. Andere Befragten gaben an, keine Versuche mehr zu
unternehmen, weil es ohnehin aussichtslos sei.
Tabelle 38: Umzugswunsch in den nächsten zwei Jahren Frage 21: Haben Sie vor, in den nächsten 2 Jahren umzuziehen? (Mehrfachnennungen)
| MSL-HH | WohnG-HH | Sonst. HH | Alle | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand: 2021 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Nein, ich möchte hier wohnen bleiben | 45,6% | 42,4% | 46,9% | 44,3% | 53,0% |
| Ja, weil ich mich in meiner Wohnung unwohl fühle (z.B. schlechter Zustand) | 16,6% | 16,2% | 11,9% | 15,5% | |
| Ja, weil ich mich im Haus, in dem meine Wohnung liegt, unwohl fühle | 11,8% | 9,5% | 6,8% | 9,8% | |
| Ja, weil ich mich in meiner Wohngegend unwohl fühle | 10,0% | 6,7% | 12,4% | 8,9% | |
| Ja, aus Gründen, die nicht mit der Wohnung zu tun haben (z.B. wg. Arbeitsstelle) | 10,3% | 5,5% | 10,7% | 8,1% | |
| Ich würde gerne umziehen, kann mir aber keine andere Wohnung leisten | 26,0% | 34,8% | 23,2% | 29,6% | |
| Ich würde gerne umziehen, bekomme allerdings keine andere Wohnung | 29,3% | 29,9% | 21,5% | 28,2% |
Quelle: Datensatz „WohnLB Nürnberg“ – TH Nürnberg 2023 (n = 959) 1 StatA 2023a: 16
3.2.10 Zusammenfassung
- In methodischer Hinsicht bewährte sich die Kombinationen von Vor-Ort-Befragungen unter
Einsatz mehrsprachiger Interviewer, die Unterstützung durch Multiplikatoren und die
Möglichkeit, in unterschiedlichen Sprachen online oder per Paper&Pencil teilzunehmen vor
allem für die MSL-Haushalte. Bei den Vor-Ort-Befragungen wurde deutlich, dass das Ausfüllen
der Bögen eine hohe Hürde darstellte, sei es aufgrund sprachlicher Probleme oder aber weil
zunächst Vertrauen in Ablauf und Ziele der Befragung geschaffen werden musste oder weil
viele Befragte generell Schwierigkeiten im Umgang mit Texten hatten. Wie wichtig die Vor-
Ort-Befragungen waren, zeigt sich auch daran, dass trotz adressierter und frankierter
Rückumschläge nur weniger als zehn Fragebögen per Post zurückgeschickt wurden. – Die
Gruppe der WohnG-Bezieher konnte dagegen sehr gut über die Kontaktaufnahme durch die
Wohngeldstelle erreicht werden.
- Die Gruppe der MSL-Bezieher wird in Hinblick auf die Haushaltszusammensetzung recht gut
repräsentiert, wenn man sie mit den Bedarfsgemeinschaften insgesamt in Nürnberg
vergleicht. Bei den WohnG-Haushalten fehlt eine derartige Vergleichsgruppe, so dass unklar
ist, ob der hohe Anteil von Paaren mit Kindern (42%) dem Anteil dieser Gruppe an allen
Wohngeldempfängern entspricht. In Hinblick auf Staatsangehörigkeit sind vermutlich
ukrainische MSL-Bezieher überrepräsentiert.
- Die beiden (Haupt-)Zielgruppen der Befragung unterscheiden sich in diesen Punkten:
MSL-Haushalte sind seltener Hauptmieter als WohnG-Haushalte (84% zu 94%) o MSL-Haushalte bewohnen häufiger als WohnG-Haushalte Wohnungen privater o Vermieter (54% zu 45%) und seltener Wohnungen von Wohnungsbaugesellschaften
(32% zu39%).
31% der MSL-Haushalte haben ihre Wohnung erst seit 2022 bezogen, gegenüber 12% o der WohnG-Haushalte. Für Bürgergeldbezieher ist bekannt, dass mehr als die Hälfte
als Langzeitleistungsbezieher gelten (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2023,
Tab. 3.4). Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass fast ein Drittel aller
Leistungsbezieher seit 2022 umgezogen ist. Vermutlich spielt auch hier der hohe Anteil
der ukrainischen Geflüchteten eine Rolle, die erst seit 2022 in Deutschland sind und
dementsprechend erst eine kurze Wohndauer haben.
WohnG-Haushalte haben im Durchschnitt größere Wohnungen als MSL-Haushalte. o Dies liegt jedoch auch an den größeren Haushalten dieser Gruppe. Bezogen auf Fläche
pro Person haben Personen in WohnG-Haushalten durchschnittlich 31 qm zur
Verfügung, in MSL-Haushalten 33 qm. Beide liegen damit unter dem Durchschnitt der
Wohnbevölkerung (39 qm).
Die Nettokaltmieten der MSL-Haushalte liegen durchschnittlich etwas über o denjenigen der WohnG-Haushalte (9,2 Euro/qm zu 8,9 Euro/qm). vermutlich gibt es hier
einen Zusammenhang mit der Wohnungsgröße: MSL-Haushalte wohnen deutlich
häufiger in Ein-Zimmer-Wohnungen, für die die Nettokaltmieten pro Quadratmeter
tendenziell höher sind. Zudem werden seit der Covid-19-Pandemie die tatsächlichen
Kosten übernommen, und mit dem Bürgergeld wurden neue Karenzregelungen
eingeführt; ein weiterer Grund dürfte der hohe Anteil von Befragten aus MSL-
Haushalten sein, die erst in jüngerer Zeit in ihre Wohnungen gezogen sind. Bei der
medianen Betrachtung sind die Nettokaltmieten der MSL-Haushalte jedoch etwas
niedriger (8,7 Euro/qm zu 8,8 Euro/qm). Vermutlich kommt der Unterschied dadurch
zustande, dass MSL-Haushalte häufig Single-Haushalte sind und in kleinen
Wohnungen wohnen, die grundsätzlich relativ teurer (pro qm) sind als größere
Wohnungen. Die Heizkosten und Stromkosten unterscheiden sich nicht zwischen den
beiden Gruppen.
Durch die Wohnkosten fühlen sich MSL-Haushalte weniger stark belastet bzw. sind o häufiger damit zufrieden als WohnG-Haushalte.
Von Zahlungsproblemen bei Miete und Stromkosten wie auch von der Ankündigung o oder Durchsetzung einer Stromsperre sind MSL-Haushalte häufiger betroffen, jedoch
auf relativ niedrigem Niveau.
MSL-Haushalte heizen sehr viel häufiger mit Strom (26% zu 17%) und bereiten auch o Warmwasser deutlich häufiger mit Strom (58% zu 47%)
In Hinblick auf Ausstattungsmerkmale der Wohnung haben MSL-Haushalte häufiger o nur eine Kochnische zur Verfügung. Mögliche Erklärungen sind der hohe Anteil der Ein-
Personen-Haushalte sowie die geringere durchschnittliche Wohnfläche und
Raumanzahl von MSL-Haushalten. Gerade Einzimmerwohnungen sind bei MSL-
Haushalten deutlich häufiger, als bei WohnG-Haushalten und nochmals häufiger im
Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Stadt. MSL-Haushalte verfügen auch seltener
über ein Bad mit gefliestem Boden und Wänden und haben häufiger Wohnungen, in
denen das Bad kein eigener Raum ist.
Durch Faktoren wie den Renovierungszustand des Hauses und der Wohnung, o Verkehrsbelastung, Ruhe, Sauberkeit und Sicherheit im Wohnumfeld fühlen sich etwa
20% bis 25% eher oder sehr belastet, wobei MSL-Haushalte fast immer häufiger
angeben, sie seien sehr belastet. Lediglich durch die Verkehrssituation fühlen sich
WohnG-Haushalte stärker belastet.
Weniger als die Hälfte der Befragten in beiden Gruppen möchte in der aktuellen o Wohnung wohnen bleiben, sehen aber wenig Chancen, eine andere Wohnung zu finden.
Dabei geben WohnG-Haushalte häufiger als MSL-Haushalte an, sich keine andere
Wohnung leisten zu können (35% zu 26%).
- Keine wesentlichen Unterschiede gibt es für diese Merkmale der Wohnsituation:
Jeweils etwas unter 75% bewerten den Zustand des Wohngebäudes als sehr gut oder o eher gut, etwa 25% als eher oder sehr schlecht.
Beide Gruppen bewerten ihre Wohnungen zu ungefähr 50% als zu klein und zu o ebenfalls 50% als „gerade richtig“. Kaum jemand sagt, die Wohnung sei zu groß.
Bezogen auf den energetischen Zustand der Wohnungen gibt es kaum Unterschiede o bzgl. Dämmung der Außenwände, Doppelverglasung der Fenster und Vorhandensein
von Außenjalousien, gleiches gilt für die Art der Heizung.
Die Ausstattungsmerkmale Wäschetrockenraum, Keller- oder Speicherabteil und o Grünflächen im Innenhof oder zwischen den Gebäuden sind bei beiden Gruppen
ungefähr gleich häufig vorhanden.
Schäden und Mängel in der Wohnung, wie Schimmel, Risse oder Löcher in den Wänden, o Feuchtigkeit, Ungezieferbefall sind bei ca. 20% bis 32% gegeben. Jeweils etwa 30%
berichten, dass das Bad renovierungsbedürftig und/oder die Bodenbeläge abgenutzt
seien. Ebenso viele geben an, es sei im Winter oft zu kalt und im Sommer zu warm in
der Wohnung. Von alten Elektrogeräten mit hohem Stromverbrauch berichten 18% der
WohnG- und 24% der MSL-Haushalte.
3.3 Auswertung der Begehungsbögen des EnergieSparProjekts Nürnberg (ESP)
3.3.1 Realisierte Stichprobe und Datenqualität
Im Rahmen des ESP wurden für diese Studie 689 verwendbare Begehungsbögen aus den Jahren
zwischen 2017 und 2022 zusammengetragen und analysiert, die um nicht auswertbare Bögen
bereinigt wurden. Vor dem Hintergrund des Betrachtungszeitraums von 2017 bis 2022 sind die
Angaben etwas veraltet und ließen sich nicht nach Jahren aufteilen, weswegen Entwicklungen
innerhalb der Periode von 2017 bis 2022 nicht dargestellt werden konnten. Um irreführende
Angaben zu vermeiden wurde entsprechend von einer Darstellung der Wohnkosten abgesehen.
Um die Zielgruppen der Studie – MSL-Haushalte und WohnG-Haushalte – in den Daten des ESP zu
identifizieren, wurden die Kategorien zur Erhebung von Einkommen oder
Grundsicherungsleistungen wie folgt zusammengefasst: Haushalte, die angaben ALG 2 zu
beziehen, auch aufstockend, sowie Haushalte mit der Angabe „Grundsicherung“ wurden als MSL-
Haushalte kategorisiert. Haushalte mit Bezug von Wohngeld bilden auch hier die
Vergleichsgruppe.10 Insgesamt gab es jedoch nur 17 Haushalte mit Wohngeldbezug, so dass die
Auswertung der ESP-Bögen auf die Analyse der Situation der MSL-Haushalte beschränkt werden
musste.
Die 587 Bögen, die Angaben zu den von dem jeweiligen Haushalt bezogenen Leistungen
enthielten, erfassten 545 Haushalte, die mindestens eine der oben genannten
Grundsicherungsleistungen beziehen.
Abbildung 7 zeigt, dass ALG 2 die am häufigsten bezogene Leistung war. Es gab keine MSL-
Haushalte in den ESP Bögen, die angaben, zusätzlich auch Wohngeld zu beziehen (was sich
wechselseitig ausschließen würde).
Abbildung 7: Angegebene Leistungsbezüge
10 Leistungsbezüge wurden im ESP mit nicht völlig disjunkten Kategorien erfasst: ALG 1, ALG 2, Grundsicherung, Aufstockende Leistungen, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Bafög, Rente, Wohngeld und Sonstige waren die vorgesehenen Kategorien
Entsprechend den Angaben in den Begehungsbögen, stellt sich die Verteilung der Haushalte im
Sinne dieser Studie wie folgt dar:
Abbildung 8: Aufteilung der Haushalte nach Gruppen der Studie
Hiernach setzen sich die untersuchten Gruppen aus rund 79% von MSL-Haushalten und rund 2,5%
Wohngeld-Haushalten zusammen. Aufgrund des zu geringen Anteils an Wohngeld-Haushalten,
lassen sich anhand der Daten des ESP keine Vergleiche zwischen MSL-Haushalten und WohnG-
Haushalten ziehen. Entsprechend kann die Analyse der ESP-Bögen keine Erkenntnisse zum
Vergleich der beiden Zielgruppen der Studie bereitstellen und fokussiert sich entsprechend auf
eine vertiefte Analyse der ersten Forschungsfrage nach der Wohnsituation von einkommensarmen
Haushalten, insbesondere hinsichtlich ihres Sanierungszustandes.
3.3.2 Kennzahlen zu Größe und sozio-demographischen Merkmalen der Haushalte
Insgesamt wurden in 614 Bögen Angaben zur Belegung der Wohnungen gemacht, darunter 513
von MSL-Haushalten. Um eine Vergleichbarkeit mit der standardisierten Befragung vornehmen zu
können, wurden die Kategorien aus den ESP-Bögen an diese angepasst.
Die Ergebnisse zeigen, dass mit jeweils etwa einem Drittel der Haushalte alleinlebende Personen
und Paare mit Kindern dominierten. Ähnlich wie bei der standardisierten Befragung sind auch hier
Alleinerziehenden-Haushalte im Vergleich zum Anteil dieser Haushalte an der Wohnbevölkerung
weit überrepräsentiert: Mit 21% Alleinerziehenden-Haushalten weisen die Daten aus den ESP-
Bögen hier eine höhere Häufigkeit aus, als bei der Vergleichsgruppe der standardisierten
Befragung. Im Vergleich zur statistischen Gesamtheit der Stadt Nürnberg liegt dieser Wert der
MSL-Haushalte der ESP-Studie fast 5-mal so hoch.
Der Anteil von Paaren ohne Kinder liegt in den ESP-Bögen mit 7% zwischen denen der WohnG-
Haushalte und der MSL-Haushalte der standardisierten Befragung.
Die genannten Ergebnisse sind allerdings mit einiger Vorsicht zu betrachten, da es teilweise
schwierig war, die genaue Wohnform zuzuordnen. Beispielsweise gab es Haushalte, die neben
einer anderen Wohnform noch angaben, dass ein Großelternteil bei ihnen wohnen würde. Da solche
Angaben in Notizenform vorlagen - und nicht den vorgesehenen Kategorien entsprachen - ist es
wahrscheinlich, dass eine geringe Zahl der anderen Haushalte nicht als solche klassifiziert wurden
und der Anteil dieser um eine in absoluten Zahlen geringe Menge unterschätzt wird.
Die Auswertung ergab folgendes Bild:
Abbildung 9: Aufteilung der ESP MSL-HH nach Wohnform
Die Personenzahl in den Haushalten ist mit 2,6 Personen im Mittel bei den MSL-Haushalten des
ESP deutlich höher als bei den Vergleichsdaten der Stadt und merklich höher als bei den MSL-
Haushalten der standardisierten Befragung. Zur Ermittlung der Kinderzahl wurden bei den ESP-
Bögen die Zahl der Personen unter 18 in einem Alleinerziehenden-Haushalt oder einem Haushalt
von Paaren mit Kindern herangezogen.
Die Personenzahl konnte bei den ESP-Bögen an zwei verschiedenen Stellen eingetragen werden.
Wenn an nur einer der beiden Stellen eine Personenzahl angegeben wurde, wurde diese
aufgenommen. Wenn an beiden Stellen eine Personenzahl angegeben wurde, wurde diese nur
aufgenommen, wenn beide Zahlen übereinstimmten, ansonsten wurde der Bogen nicht für diese
Analyse berücksichtigt, was aber nur auf wenige Bögen zutraf.
Hieraus ergibt sich die folgende Zusammensetzung der Haushalte im Vergleich mit der
standardisierten Befragung:
Tabelle 39: Personen und Kinderanzahl
Zum Migrationshintergrund und Sprachen in den ESP-Haushalten
Im Rahmen der ESP-Begehung wurde der Migrationshintergrund direkt über das Geburtsland der
Ansprechperson und der Partnerperson erfragt. Im Vergleich zur standardisierten Befragung sind
diese Angaben als genauer zu bewerten, da das Vorliegen eines Migrationshintergrundes bei der
standardisierten Befragung ausschließlich über die Wahl der Sprache des Fragebogens abgeleitet
wurde.
Die ESP-Bögen weisen mit 65% einen etwas höheren Migrationshintergrund der Ansprechperson
auf, als es sich bei den MSL-Haushalten der standardisierten Befragung zeigte. Bei der
Partnerperson wurde noch etwas häufiger, mit fast 70% ein Migrationshintergrund angegeben.
Bezüglich der Sprachen, die im Haushalt gesprochen werden, gab auch bei den ESP-Bögen die
deutliche Mehrheit Deutsch an. Russisch wurde sehr viel seltener ausgewählt als bei der
standardisierten Befragung. Dagegen gab es sehr viele, die eine sonstige Sprache angaben, wobei
Arabisch und Syrisch dominierten.
Sprachangaben die nicht eindeutig zuordenbar waren, wurden der letzten Rubrik „Nicht
zuordenbar“ hinzugefügt, ebenso wie Sprachen, die nur sehr vereinzelt genannt wurden.
Abbildung 10: Sprachen im Haushalt
3.3.3 Kennzahlen zur Wohnsituation
Alter der Wohnung
Die Angaben zu Baualtersklassen der Wohnungen bzw. des Hauses unterliegen in den ESP-Bögen
einer leicht anderen Systematik, als es in der standardisierten Befragung der Fall ist. Zur möglichst
guten Vergleichbarkeit mit der standardisierten Befragung wurden die Baualtersklassen soweit
wie möglich angepasst, indem jeweils zwei Kategorien zusammengelegt wurden.
In 514 Bögen wurde die Baualtersklasse angegeben; ausgeschlossen wurden Bögen, in denen eine
doppelte Angabe zu finden war. Auf Basis dieser Angaben lässt sich sagen, dass die Bausubstanz
der ESP-Haushalte im Schnitt älter als 40 Jahre ist. Neue Wohnungen sind sehr selten, die
allermeisten Wohnungen (46%) wurden in der frühen Nachkriegszeit errichtet und zwei Drittel
zwischen 1949 und 1983.
Die ältesten Wohnungen sind etwa so häufig wie in den Daten der standardisierten Befragung.
Beide empirische Erhebungen weisen einen etwa 25%igen Anteil an Wohnungen auf, die vor 1949
errichtet wurden. Allerdings sind neuere Wohnungen deutlich seltener in den ESP-Bögen zu
finden, dafür aber diejenigen häufiger, die zwischen 1949 und 1980 erbaut wurden. Dies kann
vermutlich durch die Zielgruppe des ESP erklärt werden, welche auf Haushalte mit prekären
Energieverhältnissen abzielt, die bei neueren Wohnungen seltener anzutreffen sind. Zusätzlich,
wenn auch in geringerem Umfang kann der geringere Anteil neuer Wohnungen auch damit erklärt
werden, dass die Daten aus dem ESP älter sind als die Befragungsdaten. Ein genauer Abgleich
zwischen den beiden Erhebungen ist nicht möglich, da die Kategorien der ESP Bögen nicht exakt
denen der standardisierten Befragung entsprachen.
Die ältere Bausubstanz der Wohnungen der MSL-Haushalte des ESP deutet auch auf einen
potentiellen höheren Sanierungsbedarf hin, da die damaligen Wohnungen basierend auf älteren
baulichen Standards errichtet wurden.
Die folgende Abbildung 11 zeigt die Verteilung der Baualtersklassen aus den ESP-Bögen:
Abbildung 11: Alter der Wohnung nach Baualtersklassen
Einzugsjahr
Von den 462 MSL-Haushalten, die valide Angaben zu ihrem Einzugsjahr in den ESP-Bögen
machten, sind deutlich weniger als bei der standardisierten Befragung vor dem Jahr 2001
eingezogen. Der Großteil (fast 80%) zog in den Perioden 2011 – 2016 und 2017 – 2021 ein.
Der deutlich höhere Anteil der Einzugsjahre 2022 – 2023 bei den Teilnehmern der standardisierten
Befragung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass für 2023 keine ESP-Bögen ausgewertet
wurden sowie auf den hohen Anteil der neu Zugwanderten (v. a. aus der Ukraine) in der
standardisierten Befragung
Tabelle 40: Einzugsjahr
Sanierungszustand
Im Rahmen ihrer Begehung konnten die Energieberater angeben, ob die betrachteten Wohnungen
umfassend energetisch saniert, teilweise energetisch saniert oder unsaniert waren.
Von den MSL-Haushalten des ESP wurden etwa 57% der Haushalte als teilweise energetisch
saniert und knappe 40% als unsaniert klassifiziert. Nur sehr wenige Haushalte wurden als
umfassend energetisch saniert eingestuft, was konsistent ist mit beispielsweise Angaben zu den
Außenwänden.
Allerdings bedeutet die Einordnung „nicht saniert“ in diesem Falle nicht zwangsweise, dass
keinerlei Sanierungsmaßnahme seit der Errichtung der Wohnung durchgeführt wurde, oder die
Wohnungen in der ESP-Analyse einen einheitlichen Sanierungsbedarf hätten. So gibt es
beispielsweise einige Gebäude, die errichtet wurden, bevor Wärmeschutzverglasungen gesetzlich
vorgeschrieben wurden, die also bereits eine Wärmeschutzverglasung aufweisen, aber als
unsaniert angegeben wurden. Dies ist ein Indiz dafür, dass Sanierungsmaßnahmen durchgeführt
wurden, diese aber in der Einschätzung des Gesamtensembles der Wohnungsstruktur
untergeordneter Natur sind.
Der eingeschätzte Sanierungszustand der MSL-Haushalte aus dem ESP stellt sich wie folgt dar:
Abbildung 12: Sanierungszustand
Haushalts- und Wohnungsgröße
Ein Vergleich der Größe der Haushalte und der Wohnungsgröße zwischen ESP-Bögen,
standardisierter Befragung und statistischen Angaben der Stadt Nürnberg zeigt eine Vielzahl von
interessanten Informationen:
- Die Zimmerzahl ist sehr ähnlich im Mittel mit 2,44, zu den Ergebnissen der standardisierten
Befragung und kleiner als im statistischen Mittel in der Wohnbevölkerung allgemein.
- Die Wohnfläche ist in den ESP-Bögen dagegen im Schnitt etwas größer angegeben als bei den
MSL-Haushalten der standardisierten Befragung, aber ebenfalls kleiner als die
Vergleichswerte für die Wohnbevölkerung insgesamt.
- Die Personenzahl ist mit 2,56 höher als bei den MSL-Haushalten der Befragung und deutlich
höher als in den Vergleichsdaten der Stadt.
- Die Anzahl an Zimmern pro Person, wie auch die Fläche pro Person sind im Mittel etwas kleiner
als bei den MSL-Haushalten der Befragung und etwa auf dem Niveau der WohnG-Haushalte
der Befragung.
Es gibt jedoch auch Haushalte mit sehr wenig Wohnfläche, ohne dass es einen Grund gäbe, hier
von fehlerhaften Angaben auszugehen: Bei den Zimmern pro Person leben in den kleinsten
Wohnungen vier Personen in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Darüber hinaus wohnen über 30% der
MSL-Haushalte, die eine entsprechende Angabe gemacht haben, in Wohnungen mit weniger
Zimmern als Personen. Bei knapp 30% der Haushalte kann angenommen werden, dass sie über
weniger als 20 Quadratmeter pro Person verfügen; bei einem Haushalt leben 9 Personen auf 47
Quadratmetern.
Tabelle 41 gibt einen Überblick über die genannten Zusammenhänge:
Tabelle 41: Größe der Wohnung und Haushaltsgröße
| ESP | standardisierte Befragung | Vergleichsdaten Stadt Nürnberg1 Stand 2021 | |
|---|---|---|---|
| Zimmer je Wohnung (n = 384) | |||
| arith. Mittel | 2,4 | 2,3 | 2,7 |
| Median | 2 | 2 | |
| Fläche je Wohnung (n = 465) | |||
| arith. Mittel | 63,8 | 57,2 | 69,6 |
| Median | 60 | 54 | |
| Personen je Wohnung (n = 513) | |||
| arith. Mittel | 2,6 | 2,2 | 1,8 |
| Median | 2 | 2 | |
| Kinder je Wohnung (n = 239) | |||
| arith. Mittel | 2,1 | ||
| Median | 2 | ||
| Zimmer je Person (n = 366) | |||
| arith. Mittel | 1,2 | 1,3 | 1,5 |
| Median | 1 | 1 | |
| Fläche je Person in m² (n = 438) | |||
| arith. Mittel | 31,5 | 33,1 | 38,8 |
| Median | 27 | 30 |
Quelle: Datensatz „ESP“ – TH Nürnberg 2023 1 StatA 2023a: 18
3.3.4 Wohnausstattung Heizung
Die meisten (52%) der 437 MSL Haushalte weisen eine gebäudezentrale Wärmeversorgung auf,
beispielsweise über eine Zentralheizung im Haus.
Abbildung 13 zeigt dies in der Übersicht:
Abbildung 13: Wohnungsausstattung in Bezug auf die Heizung
Die entsprechenden Energieträger der Heizungen für eine gebäudezentrale Wärmeversorgung
(zentrale Wärmeversorgung) konnten entweder direkt oder durch einen eventuell angegebenen
Zentralheizungsabschlag abgeleitet werden (Abbildung 14). In beiden Fällen sind die Häufigkeiten
der Angaben sehr ähnlich: bei der zentralen Wärmeversorgung in der Heizungsrubrik des ESP-
Bogens (E1 Heizungsanlage erste Zeile) gaben etwa zwei Drittel an, dass deren zentrale
Heizungsanlage mit Fernwärme betrieben wird. Etwas über 20% der Haushalte gaben als
Energieträger Gas und weitere 10% Öl im Rahmen ihrer zentralen Wärmeversorgung an.
Abbildung 14: Energieträger Zentralheizung
Von den 48% der Haushalte, die kein wohnungszentrales Heizsystem angaben, haben 19% eine
Gas-Etagenheizung und 20% eine wohnungszentrale Elektroheizung wie einen Nachtspeicher,
eine Marmorplattenheizung oder Radiatoren. 39% der Haushalte haben also ein
wohnungszentrales Heizsystem.
Insgesamt 9% der MSL-Haushalte, für die hierzu Angaben vorliegen, nutzen nur kleinere
wohnungsdezentrale Heizungstypen, meistens Gas-Einzelöfen (1 bis 3 pro Wohnung). Etwa ein
Drittel der 41 MSL-Haushalte, die nur wohnungsdezentrale Heizungen als Wärmeversorgung
angaben, haben auch Elektro-Zusatzheizungen. Andere Kleinheizungen, wie andere Einzelöfen, die
mit Öl, Holz oder Kohle betrieben werden oder Heizherde sind dagegen relativ selten.
Abbildung 15 gibt die Verwendung von Kleinheizungen bei Haushalten, die ausschließlich
wohnungsdezentral heizen, nochmal in der Zusammenschau an:
Abbildung 15: Wohnungsausstattung in Bezug auf Kleinheizungen
Ein Vergleich bezüglich der Nutzung primärer Energieträger war schwer möglich, da ihre
Erfassung in der standardisierten Befragung und in den ESP-Bögen schwer zu vergleichen war. Die
primär benutzten Heizmittel zu ermitteln, erforderte einige Annahmen, da viele Haushalte mehrere
Arten von Heizmitteln benutzen, beispielsweise eine Elektro-Zusatzheizung neben einem anderen
Heizungstyp. Hierzu wurde zunächst die Klassifizierung der groben Heizungsausstattung der
oberen Abbildung 14 als Basis genommen. Die Anzahl der Wohnungen, die über eine zentrale
Wärmeversorgung verfügen, wurde über die Prozente der Haushalte, die ihren zugehörigen
Energieträger bei einer zentralen Heizung angaben, multipliziert.
Die Elektroheizungen nach der oberen Klassifizierung wurden direkt dem Heizmittel Strom und die
Gas-Etagenheizungen direkt dem Heizmittel Gas zugeordnet, da diese höchstens noch über
Einzelgeräte verfügen, womit die jeweilige größere wohnungszentrale Heizung als primär
klassifiziert wurde.
Die 41 Haushalte, welche ausschließlich wohnungsdezentral heizen, waren weniger eindeutig
kategorisierbar. Hierbei wurden alle Haushalte, die einen Gas-Einzelofen benutzten dem
Heizmittel Gas zugeordnet, und die Haushalte, die keinen Gas-Einzelofen, aber eine Elektro-
Zusatzheizung haben, wurden dem Heizmittel Strom zugeordnet. Entsprechend unterschätzt die
Angabe an Elektroheizungen leicht die tatsächliche Anzahl an Haushalten, welche primär mit
Strom heizen und überschätzt um dieselbe Höhe den Anteil an primär mit Gas heizenden
Haushalten. Die übrigen 4 Haushalte ließen sich noch schwerer aufteilen, es handelte sich um
Haushalte, welche andere Heizöfen (mit z.B. Holz oder Öl) oder Heizherde nutzen, ohne andere
Heizungen zu haben, aber dabei oft eine Mischung verwenden. Diese wurden als „Andere
Heizstoffe“ klassifiziert, womit auch alle Heizmittel, der standardisierten Befragung, die nicht Gas,
Fernwärme, Öl oder Strom sind, zusammengefasst wurden.
Hieraus ergibt sich die folgende Übersicht in Tabelle 42:
Tabelle 42: Vergleich der Energieträger zwischen ESP-Auswertung und standardisierter Befragung
Die MSL-Haushalte aus dem ESP heizen vorwiegend mit Gas und Fernwärme, wobei Gas deutlich
seltener genannt wurde als bei den Vergleichsdaten der Stadt Nürnberg und auch seltener als bei
der standardisierten Befragung. Der Gesamtwert aus Fernwärme und Gas ist dagegen mit 73%
sehr ähnlich zu dem der städtischen Vergleichsdaten. Öl wird mit 5,6% merklich seltener als
primärer Brennstoff benutzt als in der standardisierten Befragung und von der Bevölkerung
insgesamt. Dies kann zu einem geringen Maße auf die Art der Kategorisierung bei den
Einzelgeräten zurückzuführen sein, welche den Anteil an Einzelöfen mit Öl unterschätzt. Es würde
aber weniger als einen Prozentpunkt Unterschied machen, wenn stattdessen eine Methode
gewählt werden würde, die Öl als primäres Heizmittel durch Einzelgeräte leicht überschätzt.
Auch die Daten des ESP bestätigen das Ergebnis der standardisierten Befragung, dass sehr viele
Haushalte primär mit Strom heizen. Mit über 20% haben im Vergleich mit den statistischen
Angaben der Stadt Nürnberg mehr als doppelt so viele Haushalte des ESP angegeben, primär mit
Strom zu heizen. Damit liegen die Daten der MSL-Haushalte im ESP zwischen denen der MSL-
Haushalte und der WohnG-Haushalte der standardisierten Befragung.
Bezüglich des Energieverbrauchs für Strom der jeweiligen Haushalte gibt es sehr deutliche
Schwankungen. Im Mittel haben die jeweiligen MSL-Haushalte über die jeweils angegebenen
Zeitspannen 9 kWh/ Tag verbraucht; darunter sind einige Haushalten mit erheblich höherem
Verbrauch, weswegen der Median mit 7,4 kWh/Tag deutlich geringer ist.
Die 10% am wenigsten verbrauchenden Haushalte hatten dabei mit 3,2 kWh/Tag höchstens ein
gutes Sechstel des Stromverbrauchs pro Tag, der bei den 10% der Haushalte mit dem höchsten
Verbrauch festgestellt wurde (mindestens 17,8 kWh/Tag).
Tabelle 43: Monatlicher Stromverbrauch pro Wohnung und m2
Pro Quadratmeter betrachtet, sind die Größenverhältnisse sehr ähnlich, allerdings ist der
Unterschied zwischen Median und Mittelwert dort noch etwas größer.
Es ist wichtig anzumerken, dass dies nur den Stromverbrauch nach Zählerwerten bemisst und
damit sowohl verschiedene Stromtarife, wie auch viele verschiedene Haushalte in verschiedenen
Situationen zusammenlegt. So wurden die Daten teilweise im Winter und im Sommer erfasst, auch
gibt es Haushalte, die mit Strom heizen und/oder ihr Warmwasser mit Strom aufbereiten und auch
mit Strom kochen. Aus diesen Gründen ist es kaum bis gar nicht möglich, real-kausale
Zusammenhänge zwischen dem Stromverbrauch und den Ausstattungen der Wohnungen
herzustellen.
Eine ähnliche Betrachtung für die Erdgas-Ablesedaten wäre möglich, aber begrenzter, da bei
weniger Haushalten hierzu Angaben vorliegen. Eine klare Zuordnung, wieviel Energie für
Heizungen, Warmwasser und Haushaltsstrom verbraucht wurde, ist in einzelnen Kategorien
vermutlich für eine relativ geringe Zahl an Haushalten möglich, in denen beispielsweise beim
Erdgasabschlag angegeben wurde, dass dieser für Warmwasser benutzt worden sei, oder bei
einem Zentralheizungsabschlag, dass dieser nur für die Heizung verwendet wird. Eine Aufteilung
für ganze Haushalte nach diesen drei Kategorien würde vermutlich höchstens eine einstellige Zahl
an Beobachtungen umfassen und damit nicht aussagekräftig sein.
Tabelle 44: Nutzung von Energieträgern nach monatlichen Vorauszahlungen
In der bisherigen Analyse wurden die Energieträger für Heizungen über die angegebene
Heizausstattung ermittelt. Die ESP-Begehungsbögen ermöglichten aber auch Angaben zu den
monatlichen Vorauszahlungen für Strom, Erdgas und Zentralheizung, mit den jeweiligen
Verwendungszwecken. Als Robustheitstest wurden diese mit den ermittelten Energieträgern über
angegebene Heizungen abgeglichen. Da die ESP-Erfassungsbögen einen Zeitraum von 2017 bis
2022 abdecken und in dieser Zeit Heiz- und Stromkosten nicht konstant blieben, wurde von einer
Analyse der Höhe der monatlichen Vorauszahlungen abgesehen.
Es gaben 443 MSL-Haushalte mindestens einen monatlichen Abschlag an. Zur Nutzung der
Abschläge wurde die jeweilige Abschlagsgruppe, also die Anzahl an Bögen, bei denen der jeweilige
Abschlag angegeben wurde zugrunde gelegt. Bei knappen 88% der relevanten Haushalte, liegt
eine Angabe zu Abschlägen für Strom vor. Unter den Haushalten, deren Stromabschlag bekannt
ist, verwenden knapp 24% ihren bezogenen Strom auch zum Heizen. Dies deckt sich mit den
Ergebnissen aus der Heizungsanalyse in Kapitel 4.3.4, wo über 20% primär mit Strom heizten, es
aber auch Haushalte gibt, die Strom beispielsweise zum zusätzlichen Heizen mit kleinen
Radiatoren nutzen.
64% der MSL- Haushalte nutzen Strom auch für die Warmwasser-Erzeugung. Diese Angabe liegt
etwas über dem in Kapitel 4.3.5 ermittelten Anteil an Strom zur Warmwasseraufbereitung, was
allerdings daran liegen kann, dass Haushalte, die wohnungszentral- oder über ihre Haus-
Zentralheizung Warmwasser beziehen auch noch ein elektrisches dezentrales Einzelgerät besitzen
könnten. Hier zeigen sich einige Unklarheiten in den Daten. Allerdings liegen die 64% sehr nahe an
den bis zu 59% der Haushalte, die bei ihrer Warmwasserversorgung angaben, dieses mit Strom zu
erzeugen.
Etwa 30% der MSL-Haushalte, von denen monatliche Abschläge bekannt sind, gaben an, für
Erdgas Vorauszahlungen zu tätigen, wovon 87% angaben, mit Erdgas zu heizen, was 26% der
relevanten Gruppe entspricht. Dies ist deutlich weniger, als der in Tabelle 42 ermittelte Gas-Anteil,
allerdings sind auch viele Zentralheizungen mit Gas betrieben (vgl. Abbildung 14), womit der
Gesamtanteil wieder sehr ähnlich ist. Auch gaben 18% der relevanten Haushalte an mit Gas
Warmwasser aufzubereiten, was sehr nahe an dem Anteil in Tabelle 45 liegt. Knappe 30% der
Abschlagsgruppe und 9% der relevanten Haushalte gaben an, auch mit Gas zu kochen. Der Anteil
der Haushalte, die Vorauszahlungen für Erdgas leisten ist besonders relevant, da die Preise dafür
bis zum 31.05.2023 besonders stark angestiegen sind. Im Vergleich zum Basisjahr 2020 gab es hier
fast eine Verdreifachung (vgl. Stellungnahme Heizkostenaufwand)
Vorauszahlungen für eine Zentralheizung gab die knappe Hälfte der MSL-Haushalte an, die
mindestens die Nutzung zum Heizen angaben. Genaue Zahlen zur Preissteigerung bei einer
Ölheizung liegen nicht vor, doch abgesehen von der bereits genannten gravierenden
Preissteigerung für Erdgas, haben sich auch die Kosten für Fernwärme vom Basisjahr 2020 bis zum
1.10.2022 verdoppelt (vgl. Stellungnahme Heizkostenaufwand). Zusammen machen diese beiden
Energiequellen fast 90% der genannten Energieträger bei Zentralheizungen aus, die die MSL-
Haushalte des ESP nutzten.
3.3.5 Wohnausstattung bezogen auf die Warmwasserversorgung
Über die Warmwasserversorgung liegen ebenfalls zu vielen MSL-Haushalten (431) in den ESP-
Bögen relevante Angaben vor. Anders als bei den Angaben zu den Heizungen gab nur etwa ein
Drittel eine zentrale Warmwasserquelle an, wovon die Mehrheit Warmwasser über die
Zentralheizung bezieht und ein kleinerer Teil über eine wohnungszentrale Warmwasserquelle.
Etwa zwei Drittel der MSL-Haushalte gaben in den ESP-Bögen dagegen an, ihr Warmwasser aus
dezentralen Einzelgeräten zu beziehen.
Abbildung 16: Wohnungsausstattung in Bezug auf die Warmwasserversorgung
Bei den dezentralen Einzelgeräten dominieren sehr deutlich elektrische Lösungen zur
Warmwasseraufbereitung, allen voran elektronische oder hydraulische Durchlauferhitzer. Es
haben aber auch viele Haushalte mindestens einen elektrischen Kleinspeicher (5-10l), oder einen
größeren elektrischen Speicher.
Gasbetriebene Einzelgeräte sind dagegen selten, mit knappen 9% der 280 MSL-Haushalte, die ihr
Warmwasser aus dezentralen Einzelgeräten (Erdgas Durchlauferhitzer) beziehen.
Abbildung 17: Wohnungsausstattung in Bezug auf dezentrale Einzelgeräte zur Warmwasseraufbereitung
Die folgende Tabelle 45 gibt einen Überblick über primäre Energieträger für Warmwasserbereitung.
Tabelle 45: Energieträger bei Warmwasser
| ESP | standardisierte Befragung | |
|---|---|---|
| Warmwassererzeugung mit Strom (Durchlauferhitzer i. d. Whg.) | 57,3 - 59,2% | 56,7% |
| Warmwassererzeugung mit Gas | 18,8 - 20,7% | 17,7% + unbekannt |
| Warmwassererzeugung durch Fernwärme | 18,5% | 16,0% |
| Warmwassererzeugung durch Öl | 3,6% | unbekannt |
Quelle: Datensatz „ESP“ – TH Nürnberg 2023 (n= 431)
Viele Haushalte haben laut den ESP-Daten mehrere Systeme zur Warmwasseraufbereitung.
Hierbei wurde bei Haushalten, die ihr Warmwasser über eine Zentralheizung beziehen
angenommen, dass diese deren primäre Warmwasserquelle ist, auch wenn es mindestens 7 MSL-
Haushalte gab, die zusätzlich noch dezentrale Einzelgeräte, wie einen elektrischen Boiler oder
Durchlauferhitzer haben. Nicht bei allen Haushalten, die Warmwasser über die Zentralheizung
beziehen, liegt eine eindeutige Erfassung des Energieträgers ihrer Zentralheizung vor.
Entsprechend wurden die Anteile der Haushalte zugrunde gelegt, die den Energieträger ihrer
Zentralheizung benannten - und diese auf die Gesamtzahl der über eine Zentralheizung
Warmwasser beziehenden Haushalte angerechnet. Bei diesen waren die angegebenen
Energieträger Fernwärme, Gas oder Öl. Darüber hinaus gaben 39 Haushalte an, ihre Heizung
wohnungszentral (nicht über eine Zentralheizung für das gesamte Wohngebäude) zu beziehen. Bei
diesen haben fast alle Haushalte klar ihr Warmwasser über eine Gas-Etagenheizung bezogen.
Allerdings waren 2 Bögen uneindeutig, womit nur 37 Bögen gezählt wurden, welche über eine
wohnungszentrale Lösung ihr Warmwasser aus Gas beziehen. Auch hier galt die wohnungszentrale
Warmwasserquelle als die primäre Warmwasserquelle, auch wenn ein Haushalt über zusätzliche
über dezentrale Einzelgeräte verfügt. Die übrigen 280 MSL-Haushalte, die nur dezentrale
Einzelgeräte angaben, beziehen ihr Warmwasser meist elektrisch (Speicherlösungen oder
Durchlauferhitzer) und seltener mit Gas. Bei einer Mischung aus dezentralen Einzelgeräten, die
mittels Stroms oder Gas Warmwasser aufbereiten, war nicht mehr eindeutig, welche Energiequelle
die primäre Energiequelle ist. Für die Zuordnung zu Gas oder Strom als primären Energieträger
wurde deshalb diese Vorgehensweise gewählt: Für Haushalte, die nur dezentrale Einzelgeräte
nutzen und dabei mindestens ein gasbetriebenes Einzelgerät einsetzen, wurde dann als primärer
Energieträger Gas angenommen, wenn der Verbrauchswert von Strom der niedrigere Wert war.
War der Verbrauchswert von Strom der höchste Wert, wurde bei diesen Haushalten als primärer
Energieträger Strom angenommen. Entsprechend wurde bei strombetriebenen Einzelgeräten
verfahren. Auf diese Weise ergibt sich die Bandbreite für Strom und Gas in Tabelle 45.
Wie auch bei den MSL-Haushalten der standardisierten Befragung haben deutlich über die Hälfte
der Haushalte ihr Warmwasser mittels Stroms erzeugt, gefolgt von Gas und Fernwärme als danach
häufigsten Energieträgern. Öl wurde nur zur Warmwasseraufbereitung genutzt, wenn dieses über
die Zentralheizungen bereitgestellt wurde, und Öl war selten der Energieträger der
Zentralheizungen.
3.3.6 Sanierungszustand Fenster
Die Auswertung der ESP-Bögen zeigt, dass der Austausch von Fenstern die am häufigsten seit
1995 durchgeführt Modernisierungsmaßnahme darstellt. Hier ist davon auszugehen, dass der
Einbau von Wärmeschutzverglasungen mit Zwei- bzw. Dreifachverglasung üblich ist. In den ESP-
Erhebungsbögen wurden zu zwei Fünfteln der MSL-Haushalte Angaben zu ihren Fenstern
gemacht.
Über 74% der angebenden Haushalte weisen Wärmeschutzverglasungen auf. Während etwa 20%
die bis 1994 vorgeschriebenen Fenstertypen, wie Zwei-Scheiben-Holzfenster oder
Verbundverglasungen hatten, lagen bei etwa 6% der Haushalte noch Einfachverglasungen vor.
Abbildung 18 weist die verschiedenen Fensterausstattungen der Wohnungen aus:
Abbildung 18: Wohnungsausstattung in Bezug auf Fenstertypen
3.3.7 Sanierungszustand Gebäudesubstanz
Bezüglich der Gebäudesubstanz liegen mit 176 Haushalten noch etwas weniger Angaben vor als
zu den Fenstern. Von diesen haben etwa drei Viertel angegeben, Außenwände aus Mauerwerk zu
haben und weitere 18% Außenwände aus Sandstein zu.
Betonfertigteile sind bei den MSL-Haushalten des ESP mit 7% selten und Fachwerk kommt fast
nicht vor. Bedauerlicherweise wurden zu den Außenwänden kaum weitere Angaben gemacht.
Abbildung 19: Sanierungszustand Gebäudesubstanz
Auch zu vielen weiteren interessanten Fragen kann aufgrund von nur sehr wenigen
Beobachtungen keine Aussage getroffen werden. Dies gilt insbesondere für Feuchteschäden und
Schimmel, bei welchen eine Erfassung mithilfe der ESP-Begehungsbögen wünschenswert
gewesen wäre.
Die Außenwände wurden von 78% der 176 hier betrachteten Haushalten explizit als ungedämmt
beschrieben, während jeweils 3 und 4% angaben, eine Innen- und/oder Außendämmung zu
besitzen. Damit liegt der Anteil an Haushalten mit ungedämmten Außenwänden zwischen 78% und
96%. Die 78% wären ähnlich, aber etwas geringer als die Vergleichswerte aus der standardisierten
Befragung (vgl. Tabelle 28).
Abbildung 20: Dämmung der Wände
Hinsichtlich der Geschossdecke gaben 41 von 176 Haushalten eine Geschossdecke zu einem
unbeheizten Bereich an, wie einen unbeheizten Dachboden oder einen Keller.
Abbildung 21: Lokalisierung der Geschoßdecke
Von diesen 23% der Haushalte wurde bei 81% explizit eine ungedämmte Geschossdecke erfasst,
während bei einem Haushalt angemerkt wurde, dass diese teilweise gedämmt sei, aber nicht dem
Energiesparverordnungs-Standard (ENEV-Standard) entspräche. Es ist unklar wie die übrigen 17%
der Haushalte zu bewerten sind. Damit liegt der Anteil an den MSL-Haushalten, die hierzu eine
Angabe machten und eine ungedämmte Geschossdecke zu einem ungedämmten Bereich haben,
zwischen 81 und 98%. Eine entsprechend den ENEV-Standards oder besser gedämmte
Geschossdecke wurde bei keinem Haushalt angegeben.
Abbildung 22: Dämmung der Geschoßdecke
3.3.8 Zusammenfassung
- Es wurden 689 für die vorliegende Analyse geeignete Begehungsbögen aus den Jahren 2017
bis 2022 zusammengetragen und analysiert. Von diesen konnten 545 Haushalte als MSL-
Haushalte identifiziert wurden. Da nur 17 Haushalte als Grenzhaushalte (WohnG-Haushalte)
identifiziert werden konnten, war ein Vergleich zwischen diesen Gruppen nicht möglich. Es
wurden entsprechend ausschließlich die vorliegenden Daten zu MSL-Haushalten analysiert.
- Für die Analysen wurde stets die Gesamtzahl an Angaben zu einem gegebenen Thema, wie
zum Beispiel der Fensterausstattung, als untersuchte Stichprobe herangezogen. Die
angegebenen Anteile beziehen sich daher immer auf die Teil-Stichprobe des ESP, bei der
relevante Angaben zu der Fragestellung vorliegen, nicht die Gesamtstichprobe des ESP.
- Kernergebnisse bezüglich der Haushalte:
Alleinlebenden-Haushalte (34%) sind deutlich seltener als bei den Vergleichsdaten o der Stadt und der standardisierten Befragung. Alleinerziehenden-Haushalte (21%)
dagegen sehr viel häufiger und im geringeren Maße auch Paare mit Kindern (33%).
Die Haushalte sind im Mittel mit 2,6 Personen größer als bei der standardisierten o Befragung oder der Stadt, die durchschnittliche Kinderzahl bei Alleinerziehenden ist
auch höher als bei der standardisierten Befragung.
Ein Migrationshintergrund lag in etwa 65% der Haushalte vor. Da dieser direkt ermittelt o wurde ist kein direkter Vergleich mit der standardisierten Befragung möglich. Unter
den Sprachen, die im Haushalt gesprochen wurden, gaben die meisten Haushalte
(86%) Deutsch an, gefolgt von Arabisch (19%), Syrisch (8%) und Russisch (5%).
Die meisten Wohnungen (67%) wurden zwischen Kriegsende und den frühen 1980ero Jahren errichtet, die meisten anderen Wohnungen (29%) sind älter. Wohnungen die
nach 1984 errichtet wurden sind dagegen mit 4% wenig vertreten.
Die meisten Befragten sind zwischen 2017 und 2021 (40,5%) oder zwischen 2011 und o 2016 (39%) in ihre Wohnung eingezogen, also sind knapp 80% der Haushalte des ESP
Projektes während der Erfassungsperiode oder kurz vor dieser eingezogen. Mieter, die
vor 2001 eingezogen sind, stellen dagegen mit 4% weniger als ein Fünftel des Anteils,
den dieselbe Gruppe bei der Stadt Nürnberg ausmacht.
- Kernergebnisse bezüglich der Wohnsituation:
Im Mittel haben MSL-Haushalte des ESP Wohnungen mit 2,4 Zimmern und 63,8 m² und o sind damit etwas kleiner als im Mittel der Stadt Nürnberg.
Aus den größeren Haushalten und den kleineren Wohnungen ergeben sich weniger o Zimmer pro Person (1,2) und weniger Fläche pro Person (31,5m²) als bei den
Vergleichsdaten der Stadt Nürnberg. Allerdings sind diese ähnlich den Ergebnissen
der standardisierten Befragung.
Der Energieverbrauch pro Tag nach Wohnung für Strom streut stark, wobei das 10%o Perzentil 3,2 kWh/Tag verbraucht und das 90%-Perzentil 17,8 kWh/Tag. Die Höhe der
monatlichen Vorauszahlungen für Strom und Erdgas schwanken ähnlich stark, was
auch auf stark streuende Energieverbräuche hinweist.
Aufgrund der erheblichen Steigerung der Energiepreise für Wohnungen, ist davon o auszugehen, dass die Energiekosten der betroffenen Haushalte, seit der Erhebung der
ESP-Daten, deutlich gestiegen sind. Dies gilt besonders für Tarife von Erdgas und
Fernwärme, wo eine Steigerung auf die zwei- bis dreifachen Kosten während der ersten
Hälfte des Jahres 2023 im Vergleich zu dem Basisjahr 2020 (vgl. Stellungnahme
Heizkostenaufwand) vorliegt.
Es ist anzunehmen, dass Haushalte des ESP entsprechend sehr unterschiedlich stark o von den Energiekostensteigerungen betroffen sind.
- Kernergebnisse bezüglich Heizung und Warmwasser:
Von den Haushalten, die einen monatlichen Abschlag für Strom angaben, nutzten o 23,9% diesen zum Heizen, 64% für die Warmwasseraufbereitung und 85% zum
Kochen.
Monatliche Abschläge für Erdgas wurden etwa 3-mal seltener angegeben, als solche o für Strom. Von diesen nutzten 87% der Haushalte Erdgas zum Heizen und 61% zur
Warmwasseraufbereitung. 29% nutzten dieses auch zum Kochen.
Von den Haushalten, die monatliche Abschläge für eine Zentralheizung angaben, o haben 40% diese auch zur Warmwasseraufbereitung genutzt.
Die meisten betrachteten Haushalte nutzten eine Zentrale Wärmeversorgung (52%) o zum Heizen, gefolgt von einer Elektroheizung (20%) und einer Gas-Etagenheizung
(19%). Entsprechend haben 39% der Haushalte eine wohnungszentrale Heizung.
Manche der Wohnungen sind dagegen nur mit wohnungsdezentralen Heizungen
ausgestattet (9%).
Gas (37%) und Fernwärme (36%) dominieren als Energieträger zum Heizen, in Summe o sind diese sehr ähnlich zu den Vergleichsdaten der Stadt Nürnberg.
Öl und andere Heizstoffe sind dagegen mit insgesamt 6% deutlich seltener vertreten o als in den städtischen Vergleichsdaten.
Ähnlich wie bei der standardisierten Befragung heizen deutlich mehr Haushalte des o ESP mit Strom (21%), als im Durchschnitt der Bevölkerung.
Die meisten Haushalte bereiten ihr Warmwasser mit dezentralen Einzelgeräten auf o (65%), 26% beziehen ihr Warmwasser über eine Zentralheizung und 9% beziehen es
wohnungszentral über eine Gas-Etagenheizung.
Bezüglich der dezentralen Einzelgeräte dominierten elektrische Durchlauferhitzer, o gefolgt von elektrischen Speichern. Erdgasbetriebene Durchlauferhitzer waren
dagegen selten (8%).
Die meisten Haushalte benutzten Strom als primären Energieträger zur o Warmwasseraufbereitung (57% – 59%), gefolgt von Gas (19% - 21%) und Fernwärme
(18%). Öl wurde mit 4% nur sehr selten zur Warmwasseraufbereitung genutzt.
- Kernergebnisse bezüglich des Sanierungszustandes:
Von den relevanten Haushalten des ESP wurden 39% als nicht saniert und 57% als o teilweise saniert angegeben. Umfassend energetisch saniert waren dagegen nur 4%.
74% der Haushalte haben eine seit 1995 vorgeschriebene Wärmeschutzverglasung mit o mindestens 2 Scheiben. Jeweils 10% verfügen über eine Isolierverglasung oder eine
Holzfenster-2-Scheiben-Isolier- bzw. Verbundverglasung. 6% der Wohnungen haben
einfachverglaste Fenster.
Andere Fenstertypen als Wärmeschutzverglasungen waren bei nicht sanierten o Haushalten deutlich häufiger, als bei teilweise sanierten. Es ist denkbar, dass Fenster
entsprechend eine beliebte Teilsanierungsmaßnahme waren.
Die meisten Haushalte haben Außenwände aus Mauerwerk (74%), gefolgt von o Sandstein (18%) und Betonfertigteilen (7%).
Zu Feuchteschäden und Schimmel konnten wie in vielen anderen interessanten o Fragestellungen keine Angaben gemacht werden, wegen einer zu geringen Zahl von
Angaben.
78% - 93% der Haushalte haben ungedämmte Außenwände, je nach Interpretation der o vorliegenden Angaben.
23% der Haushalte gaben an eine Geschossdecke zu einem unbeheizten Bereich zu o haben, davon je nach Dateninterpretation zwischen 81% und 98% eine ungedämmte
Geschossdecke.
3.4 Diskussion und Einordnung der Ergebnisse
Zwischen den beiden Zielgruppen der Studie zeigen sich keine gravierenden Unterschiede
bezüglich der Wohnsituation. Generell besteht ein Mangel an erschwinglichen und relativ gut
sanierten Wohnungen für einkommensschwache Haushalte. Dies bestätigen die Ergebnisse der
drei empirischen Erhebungen direkt und indirekt - insbesondere in Bezug auf sehr kleine und sehr
große Wohnungen. Entsprechend sei ein Umzug einkommensschwacher Haushalte häufig nicht
oder nur schwer möglich und sie seien gezwungen, sich auch mit schlechten Wohnsituationen
abzufinden. Dies konnte besonders durch die standardisierte Befragung abgebildet werden, wo
knappe 30% der MSL-Haushalte angaben, sehr oder eher belastet durch den
Renovierungszustand der Wohnung zu sein. Im Vergleich zu städtischen Umfragedaten in der
Wohnbevölkerung insgesamt, gab ein geringerer Anteil der MSL-Haushalte und ein nochmals
geringerer Anteil der WohnG-Haushalte an, in ihrer Wohnung bleiben zu wollen. Als häufigster
Grund für den Umzugswunsch wurde genannt, dass sich die Befragten in ihrer Wohnung nicht
wohlfühlten. WohnG-Haushalte gaben häufiger als MSL-Haushalte an, einen Umzugswunsch zu
haben, sich aber keine andere Wohnung leisten zu können (35%), und in beiden Gruppen gaben
knappe 30% an gerne umziehen zu wollen, aber keine andere Wohnung zu bekommen.
Hinsichtlich des energetischen Sanierungsbedarfs besteht tendenziell bei dem zur Verfügung
stehenden Wohnungsbestand ein großer Nachholbedarf. So wurden von den Energieberatern des
ESP nur 4% der MSL-Haushalte als umfassend saniert eingeschätzt, dagegen wurden 57% als
teilweise energetisch saniert und 39% als nicht energetisch saniert eingestuft. Darüber hinaus ist
die Bausubstanz bei den in der Studie erfassten MSL-Haushalten und WohnG-Haushalten etwas
älter als im Durchschnitt der Stadt Nürnberg und deutlich älter bei den Haushalten aus dem ESP-
Projekt. Bei diesen Haushalten ist zu beachten, dass eine Verzerrung vorliegen kann, weil ältere
Wohnungen häufiger zu hohen Energiekosten führen und diese daher eher bei dem ESP
teilnehmen.
Ein differenziert anderes Bild zeigt sich strukturell bei der Fensterausstattung der Wohnungen. Bei
den MSL-Haushalten des ESP waren 74% der HH mit mindestens Wärmeschutzverglasung
ausgestattet und insgesamt 94% mit mindestens Doppelverglasung. Lediglich 6% der Wohnungen
wiesen nur einfache Fensterverglasung auf. Der Anteil an doppelt verglasten Fenstern liegt in den
Daten des ESP höher als bei den Vergleichsdaten der Stadt. Hier kann eine Verzerrung durch die
sample selection vorliegen. Bei der standardisierten Befragung entspricht dagegen der Anteil an
Haushalten, bei welchen alle Fenster doppelt verglast sind, in etwa den statistischen Daten der
Stadt Nürnberg. Allerdings gaben sowohl MSL-Haushalte wie auch WohnG-Haushalte in nur 40%
der Fälle an, dass die Fenster dicht seien und es an keiner Stelle ziehe. Darüber hinaus hat die
standardisierte Befragung gezeigt, dass MSL-Haushalte und WohnG-Haushalte etwas seltener
Verdunkelungsmöglichkeiten an allen Fenstern haben als im Mittel der Wohnbevölkerung
insgesamt.
Bezüglich der Gebäudesubstanz haben die meisten MSL-Haushalte des ESP Außenwände aus
Mauerwerk, einige auch aus Sandstein; Betonfertigteile sind als Außenwände selten. Diese
Außenwände sind in der Regel weder innen noch außen gedämmt. Nur wenige Wohnungen weisen
eine Dämmung auf. Der Anteil an ungedämmten Außenwänden liegt bei den MSL-Haushalten des
ESP zwischen 78% und 96%, wobei die untere Grenze dieser Bandbreite den Ergebnissen der
standardisierten Befragung und den statistischen Daten der Stadt Nürnberg entspricht. Ähnlich
häufig haben MSL-Haushalte des ESP keine gedämmte Geschossdecke, wenn jene zu einem
unbeheizten Bereich führt.
Wegen einer zu geringen Zahl an entsprechenden Angaben ließ sich aus den ESP-
Begehungsbögen nichts zu der Häufigkeit von Feuchteschäden oder Schimmel aussagen.
Allerdings haben 18% der MSL-Haushalte bei der standardisierten Befragung von Feuchtigkeit an
Boden, Wänden oder Decke berichtet - und fast ein Drittel der befragten MSL-Haushalte gaben
Schimmel in mindestens einem Zimmer an. Ebenso hat fast ein Viertel der entsprechenden
Haushalte Risse oder Löcher in den Wänden angegeben. In keiner dieser Kategorien gibt es
signifikante Unterschiede zwischen Leistungsbezieher- und Grenzhaushalten.
Generell heizen laut dem ESP mehr als die Hälfte der Wohnungen gebäudezentral und knappe
40% wohnungszentral - ein deutlich höherer Anteil als in der Stadt Nürnberg allgemein. 9% der
befragten Haushalte heizen mit Kleingeräten, vor allem Gas-Einzelöfen.
Sowohl aus der standardisierten Befragung als auch aus dem ESP zeigt sich, dass die meisten
Haushalte mit Gas oder Fernwärme heizen; dies entspricht auch den Werten der statistischen
Erhebungen der Stadt Nürnberg. Gerade in den Tarifen für Gas und Fernwärme gab es allerdings
massive Kostensteigerungen, vor allem in den ersten beiden Quartalen 2023, welche die finanziell
vulnerable Gruppe der MSL-Haushalte vermutlich ohne entsprechende Hilfsprogramme stark
belastet hat.
Ein weiteres markantes Ergebnis der Studie ist, dass MSL-Haushalte sehr viel häufiger mit Strom
heizen als der städtische Durchschnitt. Dies trifft in geringerem Maße auch auf die WohnG-
Haushalte zu. Dies ist insofern relevant, da auch die Tarife für Strom pro Energieeinheit deutlich
teurer sind als jene für Erdgas oder Fernwärme (vgl. Stellungnahme Heizkostenaufwand).
Darüber hinaus gaben 14% der Haushalte der standardisierten Befragung an, keine Thermostate
an den Heizungen zu haben. Hierdurch ist eine Regulierung der Wärme in den Räumen kaum
möglich.
Warmwasser beziehen die untersuchten MSL-Haushalte meist über Strom und seltener über eine
Zentralheizung oder Fernwärme, was zur geringeren Ausstattung mit gebäudezentralen
Heizsystemen passt. Dies trifft auf die MSL-Haushalte der standardisierten Befragung, aber noch
stärker auf die MSL-Haushalte des ESP zu. Hinsichtlich der Energieträger bereiten knappe 60%
der MSL-Haushalte sowohl des ESP, wie auch der Befragung ihr Warmwasser mit Strom auf, bei
Gas sind dies knappe 20%, wobei wohnungszentrale Gas-Etagenheizungen dominieren.
Fernwärme wird über eine gebäudezentrale Heizung ähnlich oft genutzt wie Gas, allerdings ist der
Anteil an Haushalten, die mit Gas Warmwasser aufbereiten vermutlich bei den MSL-Haushalten
der standardisierten Befragung höher, da bei diesen die Energieträger der Zentralheizung nicht
genauer aufgeschlüsselt werden konnten.
Gebäudezentrale Ölheizungen sind generell selten bei den MSL-Haushalten des ESP, allerdings
fehlen Vergleichsdaten der Stadt Nürnberg und der standardisierten Befragung, um hier etwas
über die relative Häufigkeit aussagen zu können.
Über den Sanierungszustand hinaus lassen sich viele weitere wichtige Dinge zur Wohnsituation
von einkommensarmen Haushalten festhalten. So haben sowohl die standardisierte Befragung,
wie auch die ESP-Begehungsbögen ergeben, dass die Wohnungen von sowohl WohnG-Haushalten
wie auch MSL-Haushalten im Mittel weniger Fläche und weniger Zimmer als der Durchschnitt der
Stadt Nürnberg aufweisen. Darüber hinaus sind die Haushalte im Schnitt größer und es gibt sehr
viel mehr Alleinerziehenden-Haushalte. Entsprechend ist die Fläche pro Person niedriger. Dies
deckt sich damit, dass 47% (50%) der MSL-Haushalte (WohnG-Haushalte) angaben, dass ihre
Wohnung zu klein sei, und 16% (18%) angaben, dass diese viel zu klein sei. Das passt zu dem Bild
der häufigen Überbelegung von einkommensarmen Haushalten, welches in den Fokusgruppen
aufgezeigt wurde. Die Analyse der ESP-Begehungsbögen kann dieses Bild jedoch noch schärfen,
da dort eine deutliche Streuung der verfügbaren Wohnfläche erkennbar ist. Jeweils ungefähr 30%
der MSL-Haushalte des ESP hatten weniger als ein Zimmer oder weniger als 20 Quadratmeter pro
Person. Innerhalb dieser Gruppe gibt es eine in absoluten Zahlen geringe, aber nicht zu
vernachlässigende Zahl an erfassten Härtefällen, mit sehr geringen Flächen von weniger als 10
Quadratmetern oder mehr als zwei Personen pro Zimmer.
Viele Haushalte berichteten auch von weiteren Schäden in den Wohnungen. Besonders oft wurden
abgenutzte Bodenbeläge, ein renovierungsbedürftiges Bad, eine zu kalte Wohnung im Winter und
eine zu heiße Wohnung im Sommer angegeben. Diese Mängel wurden jeweils von in etwa 30% der
befragten Haushalte der standardisierten Befragung angegeben, ohne dass ein signifikanter
Unterschied zwischen MSL- und WohnG-Haushalten vorliegt.
Darüber hinaus gab etwa ein Fünftel der Haushalte an, mindestens einmal Ungeziefer in der
Wohnung oder im Wohngebäude gesichtet zu haben. Auch gab etwa ein Zehntel der Haushalte an
kaputte elektrische Leitungen zu haben und 24% der MSL-Haushalte und 18% der WohnG-
Haushalte gaben an, alte und damit vermutlich viel Energie verbrauchende Elektrogeräte in der
Küche zu haben. Dies ist der einzige Mangel, bei welchem ein signifikanter Unterschied zwischen
MSL-Haushalten und WohnG-Haushalten vorlag. Allerdings wurden bezüglich Elektrogroßgeräten
(C1 ESP Erfassungsbögen) fast keine Angaben zu Zustand, Alter oder Energieeffizienz gemacht,
weshalb eine differenziertere Analyse nicht möglich war.
Etwas mehr als ein Drittel der MSL-Haushalte und knapp 40% der WohnG-Haushalte gaben
darüber hinaus an, dass wenn etwas kaputt gehe, dies schnell durch Vermieter oder Hausmeister
repariert werden würde. Im Umkehrschluss kann dies darauf hinweisen, dass viele Schäden lange
in einer Wohnung verbleiben, bevor sie behoben werden.
Hinsichtlich der Wohnkosten zahlen MSL-Haushalte monatlich im Mittel 506 Euro und WohnG-
Haushalte 576 Euro an Grundmiete. Die Grundmiete schwankt mit der Größe der Wohnung, bleibt
allerdings ähnlich zu den Vergleichsdaten der Stadt und ohne signifikante Unterschiede zwischen
MSL-Haushalten und WohnG-Haushalten. Eine Ausnahme davon stellen Wohnungen dar, die
kleiner als 40 Quadratmeter sind. Diese sind in der Stadt Nürnberg generell deutlich teurer pro
Fläche als andere (11,56 Euro/m² versus 8,58 Euro/m² (StatA 2023a: 21)). Im Gegensatz zu den
WohnG-Haushalten, die den Daten der Stadt entsprechen, liegen Wohnungen unter 40m² bei MSL-
Haushalten der Befragung bei über 13 Euro/m².
Zu diesen Kosten müssen zusätzlich die Betriebskosten betrachtet werden. Die standardisierte
Befragung erhob hierzu Angaben zu den Heiz- und Stromkosten. Insgesamt beliefen sich die
Strom- und Heizkosten im Mittel auf 197 Euro bei MSL-Haushalten und 227 Euro bei WohnG-
Haushalten.
Die Höhe der sonstigen Betriebskosten ohne Heizung und Strom wurden von der standardisierten
Befragung nicht erfasst.
In der ersten Fokusgruppe wurde kontrovers über die Angemessenheit der Richtwerte für die
Übernahme der KdU diskutiert. Nach Auffassung einiger Diskutanten ist das aktuelle Verfahren
der Koppelung an die Entwicklung des Mietenspiegel nicht ausreichend, auch gäbe es Probleme
mit der datentechnischen Erfassung. Auf diese Weise entstehe eine Deckungslücke zwischen den
tatsächlichen Wohnkosten und den KdU-Leistungen, die durch die Entwicklung der Energiekosten
verstärkt werde.
Wie sich Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnkosten und damit die finanzielle Gesamtbelastung
der Haushalte auswirken, lässt sich mit den vorliegenden Daten nur sehr eingeschränkt
beantworten, da die Erfassungsbögen des ESP hier keine Vergleiche ermöglichen. Aus den
Fokusgruppen ging die Erkenntnis hervor, dass die aufgrund der notwendigen und politisch
geforderte Sanierungsmaßnahmen entstehenden Umbaukosten auf die Miete umgelegt würden,
womit diese entsprechend steige. Vorhandene Förderungen, wie die Klimakomponente beim
Wohngeld, würden diese Kostensteigerungen tendenziell nicht auffangen können. Zudem sei es
für viele Haushalte schwierig eine solche Leistung zu bekommen, was auf eine wahrgenommene
Intransparenz, Komplexität und lange Bearbeitungsdauer zurückgeführt wird. Auch stünden viele
Haushalte wegen der Sorge um Mietpreissteigerungen einer möglichen Sanierung ambivalent
gegenüber. Besonders bei Senioren bestehe zudem Sorge über die mit den Sanierungsarbeiten
verbundenen Belastungen.
Andererseits sind von der Durchführung von Sanierungen neben einer Verbesserung der
Wohnqualität auch Einsparungen bei den Energiekosten zu erwarten. Um einzuschätzen welcher
dieser Aspekte finanziell überwiegt, wäre es sinnvoll zu analysieren, in welchem Umfang einerseits
Mieterhöhungen bei verschiedenen Sanierungsmaßnahmen zu erwarten wären und welche
Einsparungen beim Energieverbrauch (unter Abschätzung der Entwicklung der Energiepreise) sich
andererseits durch die Sanierung ergeben würden. Daran anschließend können Förderungen und
unterschiedlichen Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung abgeleitet werden. Es wäre zu
prüfen, welche Forschungsarbeiten hierzu bereits vorliegen, welche Aspekte diese tatsächlich
erfassen bzw. welchen Detaillierungsgrad sie aufweisen und ob bzw. in welcher Weise die Situation
einkommensarmer Haushalte in prekärem Wohnungsbestand berücksichtigt wird. Auch indirekte
Effekte, wie Auswirkungen auf das Wohnungsangebot und eine entsprechende Änderung der
Wettbewerbssituation auf dem Wohnungsmarkt müssten Gegenstand derartiger ökonomischer
Analysen sein.
Es lässt sich mit relativ hoher Sicherheit annehmen, dass die Erhöhungen der Mietpreise durch
Sanierungen stabiler und berechenbarer für einen Haushalt sind, als die volatileren und damit auch
mit der KdU schwerer abzudeckenden Energiekosten. Gerade für finanziell vulnerable Haushalte
ist eine solche Kostenvolatilität besonders gefährlich, da diese häufig nur geringe Rücklagen oder
sogar Schulden haben. Bei der standardisierten Befragung im Rahmen der vorliegenden Studie
machten Strom- und Heizkosten ca. 28% der Wohnkosten ohne sonstige Nebenkosten aus. Die
Tatsache, dass die die Energietarife, je nach Energieträger, zwischen 2020 und den ersten beiden
Quartalen 2023 um 56 – 196% anstiegen, zeigt deutlich das hohe finanzielle Risiko, welches von
den Energiekosten für einkommensarme Haushalte ausgehen kann.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass es viele mögliche Sanierungsmaßnahmen gibt, die recht
einfach umzusetzen wären und so dem in den Fokusgruppen angesprochenen Sanierungsstau
entgegenwirken könnten. Zu nennen wären hier unter anderem nicht wärmeisolierte oder sogar
undichte Fenster, ungedämmte Außenwände und Geschossdecken, wobei erstere nicht selten
Löcher oder Risse aufwiesen, Bäder mit ungefliesten Böden, gebäudedezentrale Heizungen und
Heizungen ohne Thermostat. Entsprechend sind die zu erwartenden Sanierungskosten ebenso wie
die zu erwartenden Energiekosteneinsparungen sehr unterschiedlich zu bewerten - je nachdem
welche Maßnahmen getroffen werden.
Nur ein Bruchteil der MSL-Haushalte des ESP wurde als umfassend energetisch saniert
eingeschätzt, während die meisten Haushalte als teilweise energetisch saniert galten. Der genaue
Effekt der Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnkosten bleibt schwer abschätzbar, beinhaltet aber
zumindest eine Reduktion des finanziellen Risikos von einkommensarmen Haushalten durch eine
Reduktion der Volatilität ihrer variablen Wohnkosten. Der Nettoeffekt zwischen einer Erhöhung
der Miete und einer Reduzierung der Energiekosten ist vor allem über verschiedene mögliche
Sanierungsmaßnahmen hinweg schwer abschätzbar. Dies könnte Gegenstand spezifischerer
künftiger Forschungsarbeiten sein.
Sowohl die MSL-Haushalte des ESP wie auch alle Haushaltsgruppen in der standardisierten
Befragung weisen häufig einen Migrationshintergrund auf. Einige dieser Haushalte sprechen im
Alltag nicht Deutsch. Dies sollte bei der Kommunikation mit den Haushalten berücksichtigt
werden.
4 Literatur- und Quellenverzeichnis
Lauer, Isabel (12.05.2023). Die eigenen vier Wände als Wohlfühlfaktor. Studie untersucht Wohnsituation von Geringverdienern. Nürnberger Nachrichten. https://www.nn.de/nuernberg/die-eigenen-vier-wande-als-wohlfuhlfaktor-studieuntersucht-wohnsituation-von-geringverdienern-1.13217601 (abgerufen am: 25.07.2023).
[StA 2023] Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (2023). Statistisches Infosystem Nürnberg und Fürth, Entwicklung der Nettokaltmieten je Quadratmeter Wohnfläche nach Baujahr und Wohnflächengröße der bewohnten Mietwohnungen (in EUR/qm) (gms_j01) https://online-service2.nuernberg.de/asw/aswn.dll?aw=GMS_J01
[StA 2023a] Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (2023a). Wohnungs- und Haushaltserhebung - Leben in Nürnberg 2021. Grundauszählung, Statistische Nachrichten für Nürnberg
[StA 2022] Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (2022). Innergebietliche Strukturdaten Nürnberg 2021 https://www.nuernberg.de/imperia/md/statistik/dokumente/veroeffentlichungen/tabellen werke/gebietszahlen/auszug_ innergebietliche_strukturdaten_nbg_2021.pdf
[StA 202a] Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (2022a). Wohnungs- und Haushaltserhebung - Leben in Nürnberg 2019. Grundauszählung, Statistische Nachrichten für Nürnberg
Stadt Nürnberg (n.d.). EnergieSparProjekt (ESP). https://www.nuernberg.de/internet/sozialamt/energiesparprojekt.html (abgerufen am: 25.07.2023).
Stadt Nürnberg (13.04.2023). Wohnsituation von Haushalten mit geringem Einkommen. Nachrichten aus dem Rathaus (Nr. 369): Nürnberg.
Stadt Nürnberg, Stab Wohnen, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (2022). Mietenspiegel Nürnberg 2022 https://www.nuernberg.de/imperia/md/wohnen/dokumente/20220530_msp2022_locked. pdf (abgerufen am 30.08.2023)
Stadt Nürnberg, Sozialamt Stadt Nürnberg – EnergieSparProjekt, Interne Stellungnahme zum Heizkostenaufwand (2023) nach N-ERGIE, November 2023
Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2023). Eckwerte für Jobcenter, JC Nürnberg, Stadt. Berlin, September 2023
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Statistisches Bundesamt (n.d.). Verbraucherpreisindex und Inflationsrate. https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.ht ml (abgerufen am: 25.07.2023).
Anhang
-
Mehrsprachige Infokarte/Flyer zum Projekt (deutsche Version)
-
Fragebogen (deutsche Version)
-
ESP Musterbogen
Wie wohnen Sie
in Nürnberg?
Eine Umfrage zur Wohnsituation von
Menschen mit geringem Einkommen
3202.40.71 tratssgnugarfeB Ihre Erfahrungen sind wichtig.
Machen Sie mit !
www.wohnstudie-nuernberg.de
118
Um was geht es bei der Befragung? Warum sollte man mitmachen?
Wie wohnen Menschen mit wenig Geld in Nürnberg? Das untersucht die Technische Hochschule Nürnberg im Auftrag der Stadt Nürnberg. Damit wollen wir herausfinden, wie die Wohnsituation von Menschen mit wenig Geld verbessert werden kann. Sie wohnen in Nürnberg zur Miete und verdienen nur wenig? Sie haben nur eine kleine Rente? Sie bekommen Sozialleistungen wie Bürgergeld oder Grundsicherung im Alter? Dann bitten wir Sie sehr herzlich, an der Befragung teilzunehmen.
Wie?
- Sie scannen den QR-Code, oder 2. Sie gehen auf unsere Website: www.wohnstudie-nuernberg.de Dort erfahren Sie mehr über die Befragung, oder 3. Sie können unseren Papierfragebogen ausfüllen und
- dort abgeben, wo Sie ihn bekommen haben, oder
- schicken ihn uns via Post mit dem Umschlag, der mit dem
Fragebogen ausgeteilt wird. Dann brauchen Sie kein Porto zu bezahlen. Wann?
- Sie können ab dem 17.April bis zum 14. Mai mitmachen.
Was ist noch wichtig?
- Die Befragung ist selbstverständlich freiwillig und anonym.
Hier geht's zur Befragung:
www.wohnstudie-nuernberg.de
Kontakt für Rückfragen: Franziska Simon-Erhardt, M.A.
E-Mail: franziska.simon-erhardt@th-nuernberg.de
Impressum: Angaben gem. §5 TMG:
Technische Hochschule Nürnberg Georg-Simon-Ohm
Kompetenzzentrum KoSIMA
Keßlerplatz 12
90489 Nürnberg
Vertreten durch:
Prof. Dr. Sabine Fromm, Prof. Dr. Frank Ebinger
Telefon: 0911-5880-0
Email: sabine.fromm@th-nuernberg.de , frank.ebinger@th-nuernberg.de
Fotos: Kompetenzzentrum KoSIMA; pixabay.com
Wie wohnen Sie in Nürnberg?
Eine Umfrage der Stadt Nürnberg und der Technischen Hochschule Nürnberg zur Wohnsituation von Menschen mit geringem Einkommen
Liebe Nürnbergerinnen und Nürnberger, gerade in einer großen Stadt wie Nürnberg ist es nicht einfach, eine Wohnung zu finden. Oft kann man sich nicht aussuchen, wo man wohnt. Wie geht es Ihnen mit Ihrer Wohnung? Ist sie groß genug? Ist in der Wohnung alles in Ordnung? Würden Sie am liebsten wegziehen oder gefällt es Ihnen in Ihrer Wohnung?
Was Menschen mit wenig Geld auf diese Fragen antworten, möchte die Stadt Nürnberg mit dieser Umfrage gerne herausfinden, damit sie besser auf die Situation reagieren kann.
Sie wohnen zur Miete und verdienen nur wenig? Sie bekommen Bürgergeld, Wohngeld, Grundsicherung im Alter oder eine andere Sozialleistung? Dann bitten wir Sie sehr herzlich an unserer Befragung teilzunehmen. Sie helfen dadurch herauszufinden, wie die Wohnverhältnisse von Menschen verbessert werden könnten, die auf finanzielle Hilfen angewiesen sind. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und anonym.
Bitte senden Sie den Fragebogen mit beiliegendem Rückumschlag bis zum 14. Mai an uns zurück oder gehen Sie auf unsere Website (www.wohnstudie-nuernberg.de oder QR-Code) und nehmen online an der Befragung teil. Dort gibt es auch Informationen zu unserem Projekt.
Verantwortlich für die Durchführung der Befragung ist die Technische Hochschule Nürnberg. Bei Fragen und Rückmeldungen wenden Sie sich gerne an Frau Simon-Erhardt (franziska.simon-erhardt@th-nuernberg.de).
Teil I: Allgemeine Fragen zu Ihrer Wohngegend und zum Wohngebäude
- Wie würden Sie die Gegend beschreiben, in der Ihre Wohnung / Ihr Haus liegt? (Bitte kreuzen Sie
alles an, was zutrifft.)
Wohnung / Haus liegt an einer Hauptstraße (viel Verkehr) Wohnung / Haus liegt an einer Nebenstraße (wenig Verkehr) Es gibt viel Grün in der Wohngegend Die Wohngegend ist tagsüber ruhig Die Wohngegend ist nachts ruhig Sonstige: _____________________________________________________________________
2. In welchem Jahr wurde das Haus, in dem Sie wohnen, ungefähr erbaut?
Ungefähr im Jahr _________ Weiß nicht
- Wenn Sie nicht wissen, in welchem Jahr das Gebäude ungefähr fertiggestellt wurde, wie würden
Sie es beschreiben? Handelt es sich um:
Ein sehr altes Gebäude Ein älteres Gebäude Ein ziemlich neues Gebäude Ein ganz neues Gebäude
4. Alles in allem: Wie würden Sie den Zustand des Gebäudes beschreiben?
Eher gut (aber einige Dinge müssten renoviert Sehr gut (alles ist in Ordnung) werden) Eher schlecht (es müsste vieles renoviert Sehr schlecht (das Gebäude ist heruntergekommen) werden)
Teil II: Informationen zur Wohnung
-
Seit wann leben Sie in Ihrer Wohnung? ________________ (Jahr des Einzugs eintragen)
-
Handelt es sich bei Ihrer Wohnung um: Eine Wohnung im Erdgeschoss Eine Wohnung ab 1. Stock Eine Wohnung im Souterrain, Keller Eine Dachgeschoßwohnung Ein Einfamilien- oder Reihenhaus
7. Wohnen Sie in der Wohnung als
Hauptmieter Untermieter (einzelne Zimmer) Sonstiges Wohnverhältnis (Eigentümer, Gemein- Wohngemeinschaft schaftsunterkunft, Sozialimmobilie, Heim usw.)
- Haben Sie eine geförderte Wohnung (Wohnberechtigungsschein, EOF Einkommensorientierte Förderung
oder Sozialwohnung)?
Ja Nein Weiß nicht
9. Wer ist Eigentümer Ihrer Wohnung?
Privat(er) Eigentümer Privates Wohnungsunternehmen (z.B. Dawonia, Vonovia, Deutsche Wohnen) Städtisches oder genossenschaftliches Wohnungsunternehmen oder Stiftung (z.B. wbg, Noris eG, Evangelisches oder Nürnberger Siedlungswerk, Frankenheim eG, BGSN, Nürnberg-Nord oder -Ost eG) Betriebs- oder Werkswohnung Sonstige Eigentümer Weiß nicht
- Wie groß ist Ihre Wohnung ungefähr in Quadratmetern?
_________ qm
- Wie viele Zimmer hat Ihre Wohnung? (separate Küche, Bad/WC und Flur bitte nicht mitzählen, nur Räume
ab 6 Quadratmeter)
_________ Zimmer
-
Wie beurteilen Sie insgesamt die Größe Ihrer Wohnung? Ist sie für Ihren Haushalt ... Viel zu klein Etwas zu klein Genau richtig Etwas zu groß Viel zu groß
-
Wie ist Ihre Wohnung aktuell ausgestattet? (Bitte kreuzen Sie alles an, was zutrifft.)
Küche
Küche ist ein eigener Raum Küche ist eine Kochnische Komplette Ausstattung mit üblichen Elektrogeräten (Herd, Backofen, Dunstabzug, Kühlschrank usw.) Nur aller nötigste Ausstattung (z.B. einzelne Kochplatten statt Herd)
Bad und WC
Dusche vorhanden Badewanne vorhanden Wände im Bereich der Dusche bis Boden gefliest mindestens ca. 1,95 m gefliest Bad oder WC befindet sich außerhalb der Bad ist kein eigener Raum Wohnung Bad hat Fenster oder eine Lüftungsanlage
Warmwasser
Warmwassererzeugung mit Strom (Durchlauferhitzer in der Wohnung) Warmwassererzeugung mit Strom (Boiler in der Wohnung) Warmwassererzeugung mit Gas (in der Wohnung) Warmwassererzeugung über Zentralheizung (Heizung im Keller) Warmwassererzeugung durch Fernwärme Sonstige: ___________________________________
Böden in den Wohnräumen
Überwiegend Parkett, Fliesen oder Laminat Überwiegend Teppichboden Überwiegend PVC Überwiegend kein Bodenbelag (nur Estrich) Sonstige: ________________________________________________________________________
Sonstige Ausstattung
Dämmung der Außenwände Fußbodenheizung Wäschetrockenraum Keller- oder Speicheranteil Aufzug Grünflächen im Innenhof, zwischen den Häusern oder Gartenanteil
14. Die Fenster…
…sind einfach verglast
In allen Räumen In einigen Räumen In keinem Raum Weiß nicht
…sind mehrfach verglast (Isolier- oder Schallschutzfenster)
In allen Räumen In einigen Räumen In keinem Raum Weiß nicht
…haben Rolläden, Außenjalousien oder Fensterläden
An allen Fenstern An einigen Fenstern An keinem Fenster
- Gibt es in Ihrer Wohnung Schäden und Mängel oder ist alles in Ordnung? (Bitte kreuzen Sie alles
an, was zutrifft.)
Die Fenster der Wohnung sind dicht, es zieht nirgends rein In mindestens einem Zimmer gibt es Schimmel an Wänden oder Decke Es gibt Risse oder Löcher in den Wänden Es gibt Feuchtigkeit an Böden, Wänden oder Decke Die Bodenbeläge (z.B. Teppichboden, Laminat, Parkett) sind abgenutzt Es gibt kaputte elektrische Leitungen in der Wohnung Die Elektrogeräte in der Küche (Kühlschrank, Herd usw.) sind alt und verbrauchen vermutlich viel Energie Das Badezimmer müsste renoviert werden (z.B. Schäden an Dusche oder Badewanne, schimmelige Fliesenfugen usw.) Die Heizung lässt sich schlecht einstellen (keine Thermostate) Im Winter ist es oft zu kalt in der Wohnung Wenn das Wetter im Sommer sehr heiß ist, kann man es in der Wohnung kaum aushalten Es gab schon mindestens einmal Ungeziefer in der Wohnung oder im Haus (Kakerlaken, Ratten etc.) Wenn etwas kaputt geht, wird es durch den Vermieter oder Hausmeister schnell repariert Sonstige Mängel: __________________________________________________________________
16. Wie wird Ihre Wohnung überwiegend geheizt?
Zentralheizung (Heizungsanlage im Keller) Etagenheizung (z.B. Gastherme in der Wohnung) Einzelöfen Fern-, Blockheizung andere Heizung:______________________ Wärmepumpe oder Solarthermie Weiß nicht
17. Womit wird Ihre Wohnung überwiegend geheizt?
Gas Kohle Öl Strom Holz Erd-/Umweltwärme (Luft, Wasser) Weiß nicht Sonstige: _______________________________________________________________________
Solarenergie
Biomasse, Biogas (Pellets)
18. Was bezahlen Sie jeden Monat für Ihre Wohnung?
Kaltmiete (ohne Heizung, Strom und andere Betriebskosten): _____________Euro Kosten für Heizung: ________________Euro Kosten für Strom: ______________Euro
- Hatten Sie schon einmal eines dieser Probleme bei den Kosten für Ihre jetzige Wohnung? (Bitte
kreuzen Sie alles an, was zutrifft.)
Ich konnte meine Miete nicht bezahlen Ich konnte meine Stromkosten nicht bezahlen Mir wurde eine Stromsperre angedroht Mir wurde der Strom abgestellt Nein, nichts davon
Teil III: Bewertung der Wohnsituation
20. Gibt es an Ihrer Wohnung etwas, das Sie belastet oder sind Sie zufrieden?
Ich bin… sehr belastet Kosten der Wohnung insgesamt Renovierungszustand der Wohnung Renovierungszustand des Hauses Sauberkeit im Haus (Treppenhaus, Keller usw.) Sauberkeit und Ordnung im Hof (falls vorhanden) Zusammenleben mit den Nachbarn Sicherheit in der Wohngegend Sauberkeit in der Wohngegend Verkehrsbelastung in der Wohngegend Sonstige: ________________________________
| sehr zufrieden | eher zufrieden | teils, teils | eher belastet |
|---|
- Haben Sie vor, in den nächsten 2 Jahren umzuziehen? (Bitte kreuzen Sie alles an, was zutrifft.) Nein, ich möchte hier wohnen bleiben Ja, weil ich mich in meiner Wohnung unwohl fühle (z.B. weil sie in schlechtem Zustand ist) Ja, weil ich mich im Haus, in dem meine Wohnung liegt, unwohl fühle Ja, weil ich mich in meiner Wohngegend unwohl fühle Ja, aus Gründen, die nichts mit der Wohnung zu tun haben (z.B. Umzug wegen neuer Arbeitsstelle) Ich würde gerne umziehen, kann mir aber keine andere Wohnung leisten Ich würde gerne umziehen, bekomme allerdings keine andere Wohnung
Teil IV: Fragen zu Ihrem Haushalt
- Wie viele Personen leben in Ihrem Haushalt, Sie selbst mit eingerechnet?
_____ Personen
23. Sind Sie…
Alleinlebend Alleinerziehend Paar ohne Kind(er) Paar mit Kind(ern) Haushalt mit mehreren Generationen Wohngemeinschaft Sonstige: _______________________________________________________________________
- Welche Sprachen werden bei Ihnen zuhause im Alltag gesprochen (z.B. mit Verwandten oder
Freunden)?
| Englisch | Französisch | Arabisch | Rumänisch |
|---|
Deutsch Persisch Türkisch Griechisch Bulgarisch Russisch Ukrainisch Sonstige: _____________
-
Welche Einkommen hat Ihr Haushalt? (Bitte kreuzen Sie alles an, was zutrifft.) Lohn/Gehalt aus Erwerbstätigkeit Bürgergeld (ehemals „Hartz IV“) Rente/Pension Grundsicherung im Alter (Sozialhilfe) sonstiges Einkommen sonstige Sozialleistungen/Transferleistungen Wohngeld Nürnberg PASS
-
Bitte geben Sie den Straßennamen und die Postleitzahl Ihrer Adresse an. (So können wir feststellen,
wo in Nürnberg Mieter zufrieden oder unzufrieden sind.)
_________________________________________________________ ________________________ Straßenname Postleitzahl
Teil V: Abschluss
27. Gibt es noch etwas zu Ihrer Wohnsituation, das Sie uns mitteilen möchten?
______________________________________________________________________________ ______________________________________________________________________________ ______________________________________________________________________________
Vielen Dank für Ihre Teilnahme!
Hinweis: Kostenlose Informationen und Beratung für Mieterhaushalte gibt es hier:
- Beratung für Mieter beim Stab Wohnen der Stadt Nürnberg: Tel. Telefon 0911 / 231- 2401,
https://www.nuernberg.de/internet/wohnen/mietrechtsinformationen.html
- Fachstelle für Wohnungsfragen und Obdachlosigkeit - angesiedelt am Sozialamt, Stadt Nürnberg: 0911/231-
26 38 oder 231-22 13 https://www.nuernberg.de/internet/sozialamt/wohnungslosigkeit.html
- Wohnkatalog des Sozialamts (Nützliches Infoblatt und Verweis auf kostenlose Beratungsmöglichkeiten):
https://www.nuernberg.de/imperia/md/sozialamt/dokumente/katalog_wohnen_in_nurnberg-gesamt_.pdf
Kennung Beratung:
Sozialamt Stadt Nürnberg
ESP-Erfassungsbogen
EnergieSparProjekt Nürnberg
Angaben zum Haushalt
Name, Vorname:
Straße, Hausnummer: Stockwerk: PLZ:
9 0 Nürnberg
Telefon/Mobil: Email:
Datum Erstberatung:
Tag Monat Jahr
-
Folgeberatung:
-
Folgeberatung:
-
Folgeberatung:
-
Folgeberatung:
-
Folgeberatung:
Beratung abgeschlossen:
Anmerkungen:
Hinweise
(1) Kennung Beratung (Deckblatt und Abschnitt A): Bitte tragen Sie hier Ihre Beratungsnummer nach dem folgenden Beispiel ein: um-0450 (Berater Uwe Meißner, 450. Beratung). Für die Rechnungsstellung wird die Kennung mit laufenden Nummern für Erstberatung und Folgeberatungen versehen. Beispiel: um-450-0; um-450-1; um-450-2; … (2) Pflichtfelder: Die grau hinterlegten Felder sind Pflichtfelder, und sollten nach Möglichkeit ausgefüllt werden, alle übrigen Felder können bei Bedarf ausgefüllt werden. (3) A1 – Allgemeine Angaben zum Gebäude: Bitte möglichst vor Beratungsbeginn (vor Betreten der Wohnung) ausfüllen. Definition „Energetischer Standard der Gebäudehülle - teilweise energetisch saniert“: z.B. neue Fenster wurden eingebaut, oberste Geschossdecke ist gedämmt. (4) B2 – Zuschüsse Energiekosten Bei Aufstockern „Eigenes Einkommen“ und „Jobcenter“ bzw. „Sozialamt“ ankreuzen. (5) D1 – Allgemeine Angaben zur Beleuchtung Wenn mindestens eine der Fragen mit „Nein“ beantwortet wurde, empfiehlt sich die detaillierte Aufnahme der Beleuchtung. (6) E2.1 Raumtemperaturen und Einstellung Heizung Bei überdurchschnittlich hohen Heizkosten, bitte detaillierte Erfassung durchführen. Entsprechende Seite bei Bedarf doppelt ausdrucken und einsetzen.
Inhaltsverzeichnis A. Allgemeine Angaben B. Energiekosten C. Erfassung Elektrogeräte D. Erfassung Beleuchtung E. Erfassung Heizung/Warmwasser F. Erfassung Bausubstanz/Lüften G. Anhang 1: Empfehlungen/Aufgaben H. Anhang 2: Erfassung Verbrauch I. Anhang 3: Energienachzahlungen J. Anhang 4: Persönliche Angaben
Platz für Notizen: 1
1
Kennung Beratung: _________________________
A. Allgemeine Angaben
A1) Allgemeine Angaben zum Gebäude Baujahr: vor 1918 1919 - 1948 1949 - 1968 1969 - 1983 1984 - 1994 ab 1995 Hausart: Einbindung: Energetischer Standard Gebäudehülle: Ein-/Zweifamilienhaus freistehend nicht saniert Mehrfamilienhaus </= 10 WE einseitig angebaut teilweise energetisch saniert Mehrfamilienhaus > 10 WE beidseitig angebaut umfassend energetisch saniert
A2) Allgemeine Angaben zur Wohnung Jahr des Einzugs: Wohnungsgröße: Belegung: Anzahl der Räume: Anzahl der Bewohner: Wohnfläche: m² Kosten: Kaltmiete/Monat: , € oder, falls nicht aufschlüsselbar: Nebenkosten: , € Miete inkl. Nebenkosten/Monat: , €
A3) Lage der Wohnung Keller/Außenwände: Dach: über unbeheiztem Keller unter unbeheiztem Dachgeschoss über ungedämmter Durchfahrt im Dachgeschoss hoher Außenwandanteil unter Flachdach Sonstiges: Thermisch nicht getrennte Balkone überwiegend Nordausrichtung Laubengangerschließung dauerhafter Leerstand benachbarter Wohnungen Sonstiges: _____________________
Platz für Notizen:
B. Energiekosten
B1) Energieabrechnungen B1.1) Strom Aktueller Abschlag / Monat: , € für: Haushaltsstrom Heizung Warmwasser Kochen Aktueller Tarif: Neuer Tarif: Tarifwechsel ab (Datum):
B1.2) Erdgas Aktueller Abschlag / Monat: , € für: Heizung Warmwasser Kochen Aktueller Tarif: Neuer Tarif: Tarifwechsel ab (Datum):
B1.3) Zentralheizung Aktueller Abschlag / Monat: , € für: Heizung Warmwasser Energieträger: Öl Erdgas Fernwärme Abrechnungsunternehmen:
B1.4) Sonstiges (z.B. Einzelöfen, Holz, Kohle): Aktuelle Kosten / _____: , € für: Heizung Warmwasser ggf. Tarif:
B2) Zuschüsse Energiekosten Eigenes Einkommen Jobcenter Sozialamt bewilligter Heizkostenzuschuss/Monat: , € bewilligter Warmwasserkostenzuschuss/Monat: , € Abtretungserklärung: keine Strom Erdgas Sonstige:_________________
Platz für Notizen:
C. Erfassung Elektrogeräte
| C1) Haushaltsgroßgeräte | ||
|---|---|---|
| Geräte/Verbraucher | Energieverbrauch/Effizienzklasse | Betriebszeit/Sonstiges |
| Kochplatte Elektro Gas Backofen Elektro Gas Nicht vorhanden | Alter: Jahre E-Oberfläche: Gussfeld Ceran Induktion Effizienzklasse: __________ | Betriebszeit Herd: bis 0,5h/Tag bis 1h/Tag bis 1,5h/Tag > 1,5h/Tag: h Auslastung vorwiegend mit: 1-2 2-4 Kochplatten Betriebszeit Backofen: täglich 1-2 x /Woche 1-2x /Monat selten/nie |
| Kühlschrank Ohne Gefrierfach Mit Gefrierfach Kühl- /Gefrierkombination | Alter: Jahre Volumen (in Liter): <150 <200 <300 >300 Anzahl Sterne: Jahresverbrauch: kWh/Jahr Effizienzklasse: | Reglerposition: niedrig mittel hoch Temp. Kühlen: + °C Temp. Gefrieren: - °C Vereisung: keine / gering mittel (ca. 1cm) stark (> 1cm) Zustand Dichtung: ok gering undicht undicht Standort neben wärmeabstrahlendem Gerät: ja nein |
| Gefrierschrank oder 2. Kühlschrank ohne Gefrierfach mit Gefrierfach Kühl- /Gefrierkombination | Alter: Jahre Volumen (in Liter): <150 <200 <300 >300 Anzahl Sterne: Jahresverbrauch: kWh/Jahr Effizienzklasse: | Reglerposition: niedrig mittel hoch Temp. Kühlen: + °C Temp. Gefrieren: - °C Vereisung: keine / gering mittel (ca. 1cm) stark (> 1cm) Zustand Dichtung: ok gering undicht undicht Standort neben wärmeabstrahlendem Gerät: ja nein |
| Platz für Notizen: |
| E- | Oberfläch | e: |
|---|
eglerposition:
ereisung:
eglerposition:
ereisung:
| Waschmaschine | Alter: Jahre Jahresverbrauch: kWh/Jahr Effizienzklasse: _ Trommelgröße: 5-6 kg 7-8 kg mehr als 8 kg: kg | Anzahl der Waschgänge / Woche: Grad Waschgänge/Woche 30° 40° 60° 95° Vorwäsche: meistens manchmal nie Enthärter: meistens manchmal nie Höchste Schleuderzahl: meistens manchmal nie Mit voller Trommel: meistens manchmal nie |
|---|---|---|
| Wäschetrockner In Waschmaschine Ablufttrockner Kondensations- trockner Mit Wärmepumpe | Alter: Jahre Jahresverbrauch: kWh/Jahr Effizienzklasse: _ | Läufe: / Woche Wäsche wird: schranktrocken bügeltrocken Verwendung Trockner: fast immer manchmal (z.B. nur im Winter) selten/nie |
| Geschirrspüler | Alter: Jahre Jahresverbrauch: kWh/Jahr Effizienzklasse: _ | Läufe: / Woche Mit voller Beladung: meistens manchmal nie Geschirr wird meist gespült bei: niedrigen mittleren hohen Temperaturen |
| Alter: Jahre Leistung: W Effizienzklasse: | Läufe: / Woche | |
| Platz für Notizen: |
| Grad | Waschgänge/Woche |
|---|---|
| 30° | |
| 40° | |
| 60° | |
| 95° |
C2) Sonstige Elektrogeräte
| Energieverbrauch/Effizienzklasse | Betriebszeit/Sonstiges | |
|---|---|---|
| Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal Gerät ist verkalkt: nicht wenig/gering stark | |
| Kaffeemaschine | Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal Gerät ist verkalkt: nicht wenig/gering stark Heizplatte wird: abgeschaltet nicht abgeschaltet Gerät ohne Heizplatte |
| Mikrowelle | Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal |
| Staubsauger | Leistung: W | Betriebszeit/Woche: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal |
| Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal | |
| Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal | |
| Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal | |
| Leistung: W | Betriebszeit/Tag: < 1 mal 1-2 mal 3-4 mal > 4: mal | |
| Platz für Notizen: |
C3) Unterhaltungselektronik
| G eräte/Verbraucher | Energieverbrauch/Effizienzklasse | Betriebszeit/Sonstiges | |
|---|---|---|---|
| 1. Fernseher mit Receiver ohne Röhre LCD Plasma Rückprojektion/Beamer LED | Leistung TV/Fernseher: Betrieb: W Standby: W Leistung Receiver: Betrieb: W Standby: W | Betriebszeit: <1 1-2 2-3 3-5 5-7 > >7 Stunden/Tag: ______ Fernseher im Standby: meistens manchmal nie Receiver im Standby: meistens manchmal nie schaltbare Steckerleisten vorhanden: ja nein | |
| 2. Fernseher mit Receiver ohne Röhre LCD Plasma Rückprojektion/Beamer LED | Leistung TV/Fernseher: Betrieb: W Standby: W Leistung Receiver: Betrieb: W Standby: W | Betriebszeit: <1 1-2 2-3 3-5 5-7 > >7 Stunden/Tag: ______ Fernseher im Standby: meistens manchmal nie Receiver im Standby: meistens manchmal nie schaltbare Steckerleisten vorhanden: ja nein | |
| Abspielgerät DVD Festplattenrecorder Videorecorder | Leistung: Betrieb: W Standby: W | Betriebszeit: <1 1-2 2-3 3-5 5-7 > >7 Stunden/Tag: ______ im Standby: meistens manchmal nie schaltbare Steckerleisten vorhanden: ja nein | |
| Computer PC Notebook | Leistung: Inklusive Zusatzgeräte (Periph.) Betrieb: W Standby: W Leistung Zusatzgeräte: Betrieb: W Standby: W | Betriebszeit: <1 1-2 2-3 3-5 5-7 > >7 Stunden/Tag: ______ im Standby: meistens manchmal nie Energiesparoption genutzt: ja nein schaltbare Steckerleisten vorhanden: ja nein | |
| Platz für Notizen: |
>
Fernseher im Standby:
ja
>
ja
>
im Standby:
ja
>
im Standby:
| ____________________ | Leistung: Betrieb: W Standby: W | Betriebszeit: <1 1-2 2-3 3-5 5-7 > >7 Stunden/Tag: ______ im Standby: meistens manchmal nie schaltbare Steckerleisten vorhanden: ja nein |
|---|---|---|
| ____________________ | Leistung: Betrieb: W Standby: W | Betriebszeit: <1 1-2 2-3 3-5 5-7 > >7 Stunden/Tag: ______ im Standby: meistens manchmal nie schaltbare Steckerleisten vorhanden: ja nein |
>
>
| Raum | Leuchtmittel | Anzahl | Leistung [w] |
|---|---|---|---|
| Platz für Notizen: |
E. Erfassung Heizung/Warmwasser
E1) Heizungsanlage
| Anzahl | Anzahl | Anlagetyp | Alter | Wartung/Sonstiges |
|---|---|---|---|---|
| Zentrale Wärmeversorgung | -- | Energieträger: | ||
| Gas-Etagenheizung mit Warmwasserbereitung ohne Warmwasserbereitung Heizpumpe: W Standflamme: ja nein Gas-Einzelofen Heizherd | Aufgestellt in: Wohnzimmer Schlafzimmer Küche Kinderzi. 1 Kinderzi. 2 Sonstiges: __________________________ Raumluftverbund gewährleistet: Ja Nein Letzte Wartung: dieses Jahr letztes Jahr länger her Bei Gasetagenheizung: Referenzraumregler: im wärmsten nicht vorhanden in anderem Raum: _____________________ Position Vorlauftemperaturregler: niedrig mittel hoch Einstellung wird geändert: nie 1-2/Jahr öfter | |||
| Elektroheizung Nachtspeicher Marmorplattenheizung Radiatoren | bis 1977 1978-1986 1987-1994 ab 1995 Baujahr: | mit Raum- mit Gerätethermostat Aufgestellt in: Wohnzimmer Schlafzimmer Küche Kinderzi. 1 Kinderzi. 2 Tagnachheizung: ja nein | ||
| Elektro-Zusatzheizgeräte Heizlüfter Radiator/Konvektor Heizstrahler | Standort: im Bad/WC im Wohnraum Leistung: W Einsatz während der Heizperiode: an extremen Tagen öfters fast täglich | |||
| Einzelofen: Holz Öl Kohle Klimagerät | Einsatz während der Heizperiode/Klimagerät im Sommer: an extremen Tagen öfters fast täglich Leistung: W | |||
| Wartungskosten: Mieter Vermieter | ||||
| Platz für Notizen: |
Letzte Wartung
E2) Raumtemperaturen und Einstellung Heizung
| E2.1) Allgemein: Hohe Heizkosten: nein ja | ||||
|---|---|---|---|---|
| Raum- Temp. | Änd.Thermostat- stellung/ Ladestufe | Heizkörper/Heizgerät | ||
| von (z.B.: 2 von 3) | täglich wöchentl. monatlich selten/nie | falls Heizgerät vorhanden; Funktion: ok eingeschränkt defekt bei Heizkörper: frei teilweise verdeckt größtenteils/Heizkostenerfasser verdeckt | ||
| von | falls Heizgerät vorhanden; Funktion: ok eingeschränkt defekt bei Heizkörper: frei teilweise verdeckt g größtenteils/Heizkostenerfasser verdeckt | |||
| von | täglich wöchentl. monatlich selten/nie | falls Heizgerät vorhanden; Funktion: ok eingeschränkt defekt bei Heizkörper: frei teilweise verdeckt g größtenteils/Heizkostenerfasser verdeckt | ||
| von | täglich wöchentl. monatlich selten/nie | falls Heizgerät vorhanden; Funktion: ok eingeschränkt defekt bei Heizkörper: frei teilweise verdeckt g größtenteils/Heizkostenerfasser verdeckt | ||
| von | täglich wöchentl. monatlich selten/nie | falls Heizgerät vorhanden; Funktion: ok eingeschränkt defekt bei Heizkörper: frei teilweise verdeckt g größtenteils/Heizkostenerfasser verdeckt | ||
| von | täglich wöchentl. monatlich selten/nie | falls Heizgerät vorhanden; Funktion: ok eingeschränkt defekt bei Heizkörper: frei teilweise verdeckt g größtenteils/Heizkostenerfasser verdeckt | ||
| Räume ohne Heizung: | ||||
| Platz für Notizen: |
Position
Thermostat
/Ladestufe
g
g
g
g
g
E3) Warmwasserversorgung
| Anlagetyp | Alter | Wartung/Sonstiges |
|---|---|---|
| Warmwasser über Zentralheizung | -- | |
| bis 1977 1978- 1986 1987- 1994 ab 1995 | Elektrisch An- Art Position Standort Funktion zahl Temp. einstellung Durchlauf: Niedrig geändert: Küche Ok hydraulisch Mittel Täglich Bad Eingeschränkt elektronisch Hoch Wöchentl. Defekt Monatl. Selten, nie Niedrig geändert: Küche Ok Kleinspeicher Mittel Täglich Bad Eingeschränkt (5-10L) Hoch Wöchentl. Defekt Monatl. Selten, nie Speicher Niedrig geändert: Küche Ok _________ L Mittel Täglich Bad Eingeschränkt Hoch Wöchentl. Defekt Sonstiges Monatl. Selten, _________ nie Erdgas Etagenheizung Niedrig geändert: Küche Funktion: Durchlauferhitzer Mittel Täglich Ba Bad Ok Hoch Wöchentl. Eingeschränkt Montal. D Defekt Selten, Letzte Wartung: nie Dieses Jahr Letztes Jahr Länger her | |
| Bei zentraler/wohnungszentraler Warmwasserbereitung: Zapfstelle weit vom Warmwasserbereiter entfernt (keine gemeinsame Installationswand): Ja Nein Leitungen unzureichend gedämmt: Ja Nein | ||
| Platz für Notizen: |
| Art | Position Temp. einstellung | Standort | |
|---|---|---|---|
| Durchlauf: hydraulisch elektronisch | Niedrig Mittel Hoch | geändert: Täglich Wöchentl. Monatl. Selten, nie | Küche Bad |
| Kleinspeicher (5-10L) | Niedrig Mittel Hoch | geändert: Täglich Wöchentl. Monatl. Selten, nie | Küche Bad |
| Speicher _________ L Sonstiges _________ | Niedrig Mittel Hoch | geändert: Täglich Wöchentl. Monatl. Selten, nie | Küche Bad |
| Niedrig Mittel Hoch | geändert: Täglich Wöchentl. Montal. Selten, nie | Küche Ba Bad |
|---|
Ba
D
E4) Nutzerverhalten Warmwasser
| Erläuterungshilfe: Um das Einsparpotential ihres Haushaltes zu ermitteln, stellen wir Ihnen im Folgenden auch Fragen zu ihrem persönlichen Wasserverbrauch. | |||
|---|---|---|---|
| Art der Nutzung | Häufigkeit | Verhalten/Sonstiges (aller Haushaltsmitglieder) | |
| Art der Nutzung | Häufigkeit | ||
| Geschirrspülen | pro Woche: selten 1-2x 3-5x 6-9x >10x: | Geschirrspülmaschine vorhanden: ja nein B i s meistens manchmal selten/nie genutzt Geschirr wird gespült: Bis meist mit Stöpsel manchmal unter fließendem Warmwasser meist unter fließendem Warmwasser Spüldauer (wenn unter fließendem Warmwasser gespült) : bis 5 5-10 10-20 mehr als 20 min.: Wassersparperlator: Bis vorhanden nicht vorhanden nicht einsetzbar | |
| Waschbecken Bad/WC | - | Hände werden mit warmen Wasser gewaschen: meistens manchmal (z.B. Winter) nie Wassersparperlator: Bis vorhanden nicht vorhanden nicht einsetzbar | |
| Baden Keine Badewanne vorhanden | pro Woche: selten 1-2x 3-5x 6-9x >10x: | Für Badewasser wird Temperatur an Warmwassergerät: höher eingestellt nicht verändert | |
| Duschen | pro Woche: bis 1x bis 2x 3-5x 6-9x >10x: | Die Mehrheit der Bewohner duscht: Bis 5 min. 5-10 min. > 10 min.:___________min. Wasser wird während des Haarwaschens und Einseifens: Bis meist abgedreht manchmal abgedreht läuft durch Zum Duschen muss Kaltwasser beigemischt werden: Bis kaum etwas viel Wassersparduschkopf: Bis vorhanden nicht vorhanden nicht einsetzbar | |
| Platz für Notizen: |
| B i s | meistens |
|---|---|
| Geschirr wird gespült: | |
| Bis |
| bis 5 | 5-10 | |
|---|---|---|
| Wassersparperlator: | ||
| Bis |
Wassersparperlator
Bis
Die Mehrheit der Bewohner duscht
Bis
Wasser wird während des Haarwaschens und Einseifens:
Bis
Wassersparduschkopf
Bis
F. Erfassung Bausubstanz/Lüften – F1) Fenster
| Fenstertypen | Dichtigkeit | Rollladen |
|---|---|---|
| bis 1983 – Holzfenster, Einfachverglasung | Dichtungen: vorhanden ohne dicht gering undicht undicht | ohne vorhanden teilweise vorhanden falls vorhanden: integriert: ja nein |
| bis 1994 – Holzfenster, 2-Scheiben-Isolier- bzw. Verbund- verglasung oder Kastenfenster bis 1994 – Kunststofffenster, Isolierverglasung | Dichtungen: vorhanden ohne dicht gering undicht undicht | ohne vorhanden teilweise vorhanden falls vorhanden: integriert: ja nein |
| ab 1995 – Holz- bzw. Kunststofffenster mit Wärmeschutzverglasung 2- Scheiben 3- Scheiben | Dichtungen: vorhanden ohne Rahmenlüfter: vorhanden ohne dicht gering undicht undicht | ohne vorhanden teilweise vorhanden falls vorhanden: integriert: ja nein |
| Dichtungen: vorhanden ohne dicht gering undicht undicht | ohne vorhanden teilweise vorhanden falls vorhanden: integriert: ja nein | |
| Zustand: Dichtungen: vorhanden nicht vorhanden Schwellenbereich Konstruktion: dicht gering undicht undicht Rahmen Verglasung: keine teilweise großflächig | ||
| Platz für Notizen: |
F2) Außenwände / Geschossdecke
| Konstruktion | Zustand | |||
|---|---|---|---|---|
| Aussenwände: Mauerwerk Sandstein Fachwerk Betonfertigteile Sonstige ungedämmt mit Innendämmung nur teilweise mit Außendämmung nur teilweise | trocken Feuchteschäden (innenseitig): gering stärker beträchtlich bitte Anmerkungen zum Ausmaß Schimmelbefall: Ja Nein bitte Anmerkungen zum Ausmaß | |||
| Geschossdecke zum unbeheizten Bereich: keine Decke zum unbeheizten Bereich zum Dachboden zum Keller über Durchfahrt Aufbau: Stahlbeton/Massivdecke Holzbalkendecke | ungedämmt teilweise gedämmt bzw. nicht EnEV-Standard gedämmt, entspr. EnEV oder besser | |||
| Wie wird gelüftet? | Häufigkeit | Dauer | Rel. Feuchte gemessen | |
| überwiegend Stoß- bzw. Querlüften manchmal mit gekippten Fenstern meist mit gekippten Fenster | Zur kältesten Jahreszeit: Bis 5 5-10 10-20 min. Mehr als 20 min.: min. | < 20% 20-40% 40-60% 60-70% > 70% | ||
| Lüftungssystem: vorhanden nicht vorhanden Abluft Bad Rahmenlüfter Fenster Sonstige: _____________________________________________ | ||||
| Platz für Notizen: |
| R | au | m f | ür | Ski | zze | n e | tc. | : |
|---|
Kennung Beratung:
G. Anhang 1: Empfehlungen und Aufgaben
G1) Empfehlungen/Aufgaben Energieberater/in
Kontakt Energieversorger N-ERGIE Anderer: Kundennummer:
Kontakt Vermieter schriftlich telefonisch Kontaktdaten Vermieter: Name, Vorname: Straße, Hausnummer: Stockwerk: PLZ, Ort: Telefon: E-Mail:
Jobcenter Sozialamt BG-Nummer: _______________________ Aktenzeichen:____________________ Org. Zeichen: ________________________ Ansprechpartner: _____________________________________________________________ Zi.-Nr.: ________ Telefonnummer: ______________________________________________
Kontakt Soziale Dienste Dienststelle: _______________________________________________________________
Kontakt Mieterverein Grund: _____________________________________________________________________
Anmerkungen:
G2) Empfehlungen/Aufgaben Haushalt
| Datum: | Empfehlungen/Aufgabe: | erledigt (Zeichen/ Datum) | |
|---|---|---|---|
| Energiesparartikel: | |||
| Datum | Anzahl | Artikel | erledigt (Zeichen/Datum) |
Anmerkung: Bitte weiteres Blatt ergänzen, falls Platz nicht ausreichend.
H. Anhang 2: Erfassung Verbrauch
H1) Strom
Zählernummer: ________________________ Standort: Wohnung Treppenhaus Keller
Zugänglich: Ja Nein
| *Ablesung durch: | Datum: | Differenz Tage | Zähler ET/HT | Zähler NT | Differenz kWh | kWh/Tag |
|---|
H2) Gas
Zählernummer: _______________________ Standort: Wohnung Treppenhaus Keller
Zugänglich: Ja Nein
| *Ablesung durch: | Datum: | Differenz Tage | Zähler ET m3 | Differenz m3 | Differenz kWh | kWh/Tag |
|---|
*Ablesung: K = Kunde, A = Ableser, M = maschinell (Schätzung), ESP = Energieberater Anmerkung: Bitte weiteres Blatt ergänzen, falls Platz nicht ausreichend.
H3) Zentralheizung
Versorger/Abrechnungsunternehmen:____________________________________________________
Energieträger: Erdöl Erdgas Fernwärme Sonstiges:____________________
Berechnungsgrundlage:
| Anteil % | |
|---|---|
| Grundkosten | |
| Verbrauchskosten |
Verbrauch:
| Abrechnungszeitraum | Kosten/€ | Verbrauch kWh | kWh/Tag |
|---|
Einzelne Heizkörper mit hohen Ablesewerten vorhanden
H4) Warmwasserkosten bei zentraler Versorgung
Versorger/Abrechnungsunternehmen: ____________________________________________________
| Abrechnungszeitraum | Kosten/€ | Verbrauch / Liter | Verbrauch / kWh | kWh / Tag Liter / Tag |
|---|
I. Anhang 3: Energienachzahlungen
I1) Sind Sie derzeit bei Ihrem Energieversorger im Zahlungsrückstand? Nein (bitte weiter mit Anhang 4 „Persönliche Angaben“ Ja, und zwar: Aus der Jahresabrechnung in Höhe von € Aus dem laufendem Abschlag für Strom/Gas, in Höhe von €
I2) Haben Sie mit dem Energieversorger eine Rückzahlungsvereinbarung abgeschlossen? Nein Ja, und zwar: Ratenplanverfahren direkt mit dem Energieversorger in Höhe von € Ratenplanverfahren über das Jobcenter/Sozialamt in Höhe von € Ratenplanverfahren über den ASD/SFD in Höhe von €
I3) Sind Sie beim Abbau der Nachzahlungen unterstützt worden? Nein Ja, und zwar durch: Sozialdienst Schuldnerberatungsstelle Sonstige, und zwar: Wurde die Nachzahlung vom Leistungsträger (Jobcenter/Sozialamt) übernommen? Ja Nein Falls JA: komplett anteilig in Höhe von €
I4) Haben Sie einen Teil der Nachzahlung über Spenden begleichen können? Nein Ja, und zwar in Höhe von: € I5) Haben Sie bereits einmal eine Sperrandrohung erhalten? Nein Ja Falls JA: Ist bei Ihnen bereits einmal die Stromnetzzufuhr gesperrt worden? Nein Ja
Platz für Notizen:
J. Anhang 4: Persönliche Angaben
Zum Schluss noch ein paar Fragen zu Ihrer Person. Die Angaben dienen rein statistischen Zwecken zur Analyse unserer Teilnehmerstruktur und um das Projekt weiterhin zu fördern. Wir versichern ausdrücklich, dass Ihre Anonymität gewährleistet ist und Ihre Angaben nicht mit Ihrem Namen in Verbindung gebracht werden.
Keine Auskunft
J1) Wie viele Personen leben – Sie selbst mit eingeschlossen - in Ihrem Haushalt? Davon Kinder unter 14 Jahren Davon Kinder von 14-18 Jahre
J2) In welchem Jahr wurden Sie geboren (Hauptansprechpartner Energieberatung) Geburtsjahr weiblich männlich
J3) Welche Wohnform haben Sie? (Bitte nur eine Antwort) alleinlebend alleinerziehend Paar ohne Kinder Wohngemeinschaft Paar mit Kindern Sonstiges, und zwar: _____________________________________
J4) In welcher Sprache wird bei Ihnen zuhause im Haushalt gesprochen? (Mehrfachantwort möglich) deutsch türkisch russisch italienisch englisch französisch spanisch sonstige, und zwar: ____________
J4) In welchem Land wurden Sie bzw. Ihr/e Partner/in geboren? Sie selbst Ihr/e Partner/in Deutschland In einem anderen Land, und zwar: __________________________________________ Falls in einem anderen Land geboren (bitte ggf. Kennzeichnen Hauptansprechpartner/Partner): Geburtsland Vater: ____________________________________ Geburtsland Mutter: ___________________________________
J6) Welchen Berufsabschluss haben Sie bzw. Ihr/e Partner/in erworben?
(Bitte nur eine Antwort: den höchsten erworbenen Berufsabschluss)
| Sie selbst | Ihr/e Partner/in | Berufsabschluss | Im Ausland erworben |
|---|---|---|---|
| keinen Berufsabschluss | |||
| eine abgeschlossene Ausbildung als | |||
| einen Fachhochschulabschluss als | |||
| einen Hochschulabschluss als | |||
| einen anderen Abschluss, und zwar: | |||
| derzeit in Ausbildung/Umschulung als: | |||
| derzeit Student/In im Fachbereich: | |||
| J7) Beziehen Sie Leistungen wie z.B. Rente, Grundsicherung, Bafög? Nein Ja, und zwar: ALG I ALG II Grundsicherung Aufstockende Leistungen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz Bafög Rente Wohngeld Sonstiges: _________________________________________________ | |||
| J8) Zum Abschluss noch die Frage: „Wie wurden Sie auf uns/das Energiesparprojekt aufmerksam?“ Jobcenter Sozialdienste (bitte nennen: ________________) Freunde/Bekannte N-ERGIE/Energieversorger (________________________) Webseite Zeitungsartikel, TV Infostand Infoveranstaltung Sonstiges, und zwar: _________________________________________________________ Kennen Sie noch andere Haushalte, für die eine Energiesparberatung hilfreich bzw. von Interesse wäre? (ggf. Anzahl angeben) Ja Nein |
Ref.V/001/2024
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 29.02.2024 öffentlich Bericht
Betreff:
Vereins- und Bürgertreffs in den Stadtteilen
Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 26.11.2019 "Vereins- und Bürgertreffs in den
Stadtteilen"
Anlagen: 2019-11-26_Antrag_CSU_Vereins-und_Bürgertreffs_in_den_Stadtteilen Sachverhalt_CSU Bürgertreffs
Bericht:
Die Einrichtung von niedrigschwelligen Treffpunkten in den Stadtteilen wird aus vielerlei Gründen und von zahlreichen Akteuren innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung angestrebt. Die CSU-Stadtratsfraktion hat die Verwaltung aufgefordert, ein Konzept zur Entwicklung von Vereins- und Bürgertreffs im Stadtgebiet zu entwickeln. Über die aktuellen Überlegungen und Bemühungen der Verwaltung in diesem Bereich wird berichtet.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stadt Nürnberg Berichtsvorlage Ref.V/001/2024
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Quartierstreffs richten sich an alle Einwohner/-innen eines Quartiers und sind zugleich in der Lage, Bedarfe bestimmter Zielgruppen aufzunehmen und entsprechende Angebote zu machen.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
BgA
KuF
Ref. IV
Stadt Nürnberg Berichtsvorlage Ref.V/001/2024
Vereins- und Bürgertreffs in den Stadtteilen
Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 26.11.2019
Bürger-, Nachbarschafts- und Vereinstreffs, Quartierszentren und Stadtteilläden fördern ein gutes nachbarschaftliches Miteinander im Stadtteil. Sie können einen Beitrag dazu leisten, soziale Verwerfungen und Konflikte zu verringern, Stabilität in ein Quartier zu bringen, die Identifikation mit dem Wohnumfeld und die Eigeninitiative der Bürgerschaft zu stärken. Außerdem bieten sie Freiräume zur Selbstorganisation.
Aktuelle Situation
Im Stadtgebiet gibt es eine Vielzahl an Einrichtungen, in denen sich Menschen begegnen und Teilhabe leben können, in denen Vereinsleben und selbstorganisierte Angebote und Aktionen stattfinden können. Auch die Trägerschaft dieser Orte ist vielfältig: Von städtischen Einrichtungen (Kulturläden, Stadtteilläden/ -häuser/ Nachbarschaftshaus Gostenhof, Das Klara – Zentrum für Engagement und Beratung, die Treffs Heilig-Geist und Bleiweiß, die Quartiersbüros der Stadterneuerung) über das Südstadtforum (Träger: Noris-Arbeit gGmbH) oder die Sigena-Stützpunkte der wbg über Einrichtungen freier Träger wie z.B. AWOthek, Mehrgenerationenhaus Schweinau (Träger: SOS Kinderdorf) bis hin zu selbstorganisierten Orten wie etwa die Halle für alle, das Heizhaus oder die Bürgertreffs in Gebersdorf, Kornburg oder das KaKuZe (Katzwanger Kulturzentrum) findet sich eine vielgestaltige Landschaft, die unterschiedlichste Zielgruppen anspricht. In Schulen werden Räume außerhalb der Schulzeit für Kurse angemietet, in Sporthallen der Vereine und der Schulen werden Sport- und Bewegungskurse angeboten und finden Sportwettkämpfe statt, auf Freisportanlagen von Vereinen und Schulen sind Sportvereine aktiv. Auch zielgruppenspezifische Einrichtungen wie z.B. Kinder- und Jugendhäuser stellen ihre Räumlichkeiten neben dem pädagogischen und selbstverwalteten Betrieb externen Gruppen, Initiativen und Vereinen aus den jeweiligen Stadtteilen zur eigenständigen Nutzung teilweise parallel, teilweise außerhalb der pädagogisch betreuten Angebotszeiten, zur Verfügung.
Gleichwohl erreichen die Stadtverwaltung immer wieder Anfragen aus der Bürgerschaft, von Vereinen, Parteien und Fraktionen bzgl. der Schaffung weiterer solcher Einrichtungen. Gewünscht werden Versammlungs- und Ausstellungsräume, niedrigschwellige Begegnungsorte ohne Konsumzwang oder Anlaufstellen für Beratung und Unterstützung.
Rahmenbedingungen und Vorgehensweise zur Konzepterstellung
Das Referat für Jugend, Familie und Soziales hat es sich in seinen strategischen Leitlinien zum Ziel gesetzt, in den Nürnberger Quartieren ein gutes nachbarschaftliches Miteinander zu fördern und Teilhabe vor Ort zu ermöglichen, und setzt dabei einen besonderen Fokus auf sozial angespannte Stadtteile. Als ein Baustein zur Erreichung dieser Ziele dienen Nachbarschaftszentren, Quartierszentren, Orte der Begegnung, Nachbarschaftstreffs oder wie auch immer sie heißen. Auch die Nürnberger Kulturläden°/ KUF3 sind mit ihren Einrichtungen vorrangig in sozial benachteiligten Stadtteilen und Quartieren mit einer diversen Stadtteilgesellschaft oder einer erhöhten Fluktuation tätig. Hier können dezentrale Kulturangebote Gemeinschaft stiften und die Themen der Stadtteilgesellschaft vor Ort reflektieren. Neben den Überlegungen von Ref. V und KUF haben sich auch zahlreiche weitere Dienststellen auf den Weg gemacht, ihre Einrichtungen, Anlaufstellen und Angebote stärker zu dezentralisieren bzw. sich stärker in die Quartiere zu öffnen.
Es gibt bislang keinen politischen Beschluss, bedarfsdeckend Quartierszentren in Nürnberg zu installieren. Die Verwaltung hat daher – insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage – keinen Auftrag zur flächendeckenden Umsetzung von Quartierszentren anhand festgelegter Kennzahlen in einem bestimmten Zeitraum. Gleichwohl gibt es intensive interne Abstimmungen, die unter Federführung von Ref. V in einer Arbeits- und Orientierungshilfe münden sollen, wie ähnlich gelagerte sozialräumlich orientierte Einrichtungstypen, die dem Ziel der nachbarschaftlichen Begegnung und Teilhabe dienen, integriert gedacht und umgesetzt werden können, sofern für die jeweilige Konstellation finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
Neubaugebiete
Klar ist: In großen Neubaugebieten, wie bspw. Lichtenreuth oder Tiefes Feld, in denen viele Tausend neue Einwohnerinnen und Einwohner erwartet werden, sind solche Treffs von vornherein mitzudenken und zu planen. In diesen Gebieten ist es besonders wichtig, eine identitätsstiftende Adresse zu schaffen, die zu Beginn auch Anlaufstelle sein kann, um Informationen über den Baufortschritt zu erhalten. Da zum Zeitpunkt der Planungen die Zusammensetzung der künftigen Bewohnerschaft noch nicht bekannt ist, ist es beim inhaltlichen Konzept besonders wichtig, darauf zu achten, dass das Angebot in der Einrichtung möglichst vielen Menschen einen Nutzen stiftet – unabhängig davon, ob sie alt oder jung sind, als Familie oder alleine leben, alteingesessen oder neuzugewandert, arm oder vermögend sind. Deshalb bietet sich gerade hier die Nutzung eines Gebäudes durch mehrere Dienststellen der Stadt ebenso an wie die Offenheit, auch Dritte (z.B. Gastronomen, Vereine, freie Träger) ins Haus zu lassen und nach Möglichkeit die Planungen so offen zu gestalten, dass die Stadtteilbevölkerung – wenn sie einmal da ist – noch Mitgestaltungsspielräume hat. Als Prototyp können hier die Überlegungen für ein Bürgerzentrum im Tiefen Feld dienen (s. „Gelingensfaktoren und Hemmnisse“).
Bestandsquartiere
Anders stellt sich die Situation in Bestandsquartieren dar. Hier gibt es – wie bereits weiter oben beschrieben – eine Vielzahl an Einrichtungen und Trägern. Bislang fehlt es jedoch an einer systematischen Übersicht, die das Angebot, die Angebotslücken und die Einzugsbereiche bzw. die räumliche Abdeckung mit solchen Einrichtungen wiedergibt. Das Ziel hier ist also, den Überblick herzustellen, Lücken (entweder im Angebot oder in der räumlichen Abdeckung) zu identifizieren und zielgerichtet diese Lücken zu schließen. Dies erscheint nicht nur unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen und vorhandenen Flächenknappheiten effizient, sondern auch im Sinne einer integrierten Planung effektiv. Durch das gemeinsame „Bespielen“ vorhandener Räumlichkeiten durch verschiedene Dienststellen sollen Synergien geschaffen werden. Dieser Überblick soll geschaffen werden durch eine Verschränkung von Sozialraumanalysen der Nürnberger Quartiere einerseits und einer Bestandsaufnahme der Einrichtungen andererseits.
Die Sozialraumanalysen geben einen Überblick über die Sozialstruktur in einem definierten Gebietsumgriff und ermöglichen so eine erste Einschätzung, welche Unterstützungsbedarfe und Qualitäten ein Quartierstreff aufweisen sollte. Darüber hinaus fließen Erkenntnisse aus prognostizierter Neubautätigkeit/ Nachverdichtung ebenso ein wie die Wohnungsmarktbeobachtung des Stab Wohnens im Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat. So gibt es bspw.
Ansätze in anderen Kommunen, die die Ausbauplanung sozialer Treffpunkte von der Anzahl neu geschaffener geförderter Wohnungen abhängig machen.1 Die Bestandsaufnahme sozialer Treffpunkte enthält Angaben zu Sitz, Einzugsbereich und Trägerschaft der jeweiligen Einrichtung, zum Einrichtungstyp, Öffnungszeiten, Zielgruppen und Angebotsspektrum. Darüber hinaus werden bestimmte Einrichtungsmerkmale abgefragt, z.B. ob barrierefreie Zugänge, eine Hausleitung, ein Veranstaltungssaal, eine Küche oder Gastronomie vorhanden sind und ob eine Vermietung möglich ist oder Kapazitäten für weitere Angebote da sind.
Gelingensfaktoren und Hemmnisse
Angebotspalette: Die Stadt Nürnberg hat ein attraktives und vielfältiges Portfolio an Angeboten und Dienstleistungen, die in Bürgertreffs angeboten werden können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die bereichsübergreifenden Überlegungen für ein Bürgerzentrum im Tiefen Feld, dessen Baufertigstellung mit der weiteren Planung und Aufsiedelung des zukünftigen Stadtteils vorgesehen ist. Hierbei handelt es sich nicht allein um einen Bürgertreff, sondern um eine relativ große städtische Einrichtung, die vielfältigste Angebote der Stadtverwaltung fußläufig zugänglich macht und außerdem die Aneignung und selbstorganisierte Nutzung durch die Bewohnerschaft und Vereine ermöglicht. Es herrscht der feste Wille aller am Planungsprozess Beteiligten (Geschäftsbereiche 2. BM, Ref. V, BDR und Ref. III), die vorhandene Fläche in gemeinsamer Verantwortung zu bespielen und Grenzen zwischen Dienststellen und Geschäftsbereichen aufzulösen. Beispielhaft sei hier eine gemeinsame Eingangszone im Erdgeschoss, aber auch die flächenschonende gemeinsame Nutzung der Räumlichkeiten und Büros genannt.
Projektsteuerung: Das Bürgerzentrum im Tiefen Feld ist gleichzeitig ein gutes Beispiel für eine Herausforderung, mit der die Verwaltung bei solchen geschäftsbereichsübergreifenden Vorhaben konfrontiert ist: So sinnig die Bündelung von Angeboten verschiedener Geschäftsbereiche aus Bürgerperspektive ist, so ungewohnt ist ein solches Vorhaben – zumal in dieser Größenordnung – für Planungsprozesse in der Verwaltung. Bislang gibt es in Nürnberg keine kommunale Einrichtung, in der sich Angebote und Dienstleistungen so vieler verschiedener Dienststellen befinden und in der dienststellenübergreifend so intensiv zusammengearbeitet wird wie es hier vorgesehen ist. Für eine erfolgreiche Umsetzung gilt es, die Bedarfe von vier verschiedenen Geschäftsbereichen zusammenzubinden, zwischen diesen zu vermitteln und sie sachkundig an Architekten, Bauträger usw. weiterzutragen. Ein solches Unterfangen überfordert die einzelne Dienststelle, den einzelnen Geschäftsbereich, der zudem auch immer Interessensvertreter seiner eigenen Belange im Projekt ist. Für das konkrete Vorhaben konnte mittlerweile eine Lösung gefunden werden: Das Bürgermeisteramt/ Stab Stadtentwicklung (BgA/SE) hat sich bereit erklärt, die weitere Projektierung des Bürgerzentrums voranzutreiben. Die zentrale vorbereitende Aufgabe wurde BgA/ SE generell, d.h. auch für weitere Quartierszentren (zum Beispiel: Lichtenreuth, Schocken-Carrée) übertragen. Die Referentenrunde war sich am 05.12.2023 einig, dass dies nur mit einer Vollzeitstelle möglich ist, was auch zugesagt wurde. Daher wird das Bürgermeisteramt hierfür eine Stellenschaffung (1 VK) beantragen. Die Frage der Betreiberschaft des Bürgerzentrums ist, Stand heute, noch offen, wird aber im weiteren Verfahren geklärt.
1 vgl. LH München (2011): Nachbarschaftstreffs. Ein gemeinsamer Weg des Sozialreferats mit der Wohnungswirtschaft.
Finanzierung: Es gibt seitens der Stadt Nürnberg keine Mittel für die Einrichtung von sozialen Treffpunkten. Viele der existierenden Einrichtungen sind entweder drittmittelgefördert (Mehrgenerationenhäuser AWOthek und Schweinau, mit Eigenanteil / Zuschuss durch die Stadt Nürnberg) oder bestehen seit langer Zeit und wurden unter völlig anderen Voraussetzungen errichtet. Der Betrieb von Bürgertreffs wird vonseiten der Stadt Nürnberg nicht bezuschusst. Lediglich für zwei Bürgertreffs sind bei KUF nach Stadtratsbeschuss kleinteilige Zuschüsse angesiedelt. Die Möglichkeiten, eine auskömmliche und nachhaltige Finanzierung (Miete, Personal- und Sachkosten) solcher Einrichtungen zu gewährleisten, sind begrenzt und werden aktuell von Fall zu Fall individuell gelöst.
Drittmittelförderungen sind zeitlich befristet, sodass sich die Frage einer dauerhaften Finanzierung durch die Stadt lediglich zeitlich nach hinten schiebt. Auch stellen soziale Treffpunkte keine planungsursächlichen Bedarfe dar. Somit können bei Baugebietsentwicklungen die Kosten nicht dem Investor auferlegt werden. Die Bereitschaft von Projektentwicklern und Bestandshaltern von Wohnungsbeständen, sich hier freiwillig zu engagieren, ist mit Ausnahme der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft wbg („Sigena-Stützpunkte“2) begrenzt. Eine Befragung von Akteuren der Wohnungswirtschaft, die das Sozialreferat 2022 in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Bauträger sehr wohl den Bedarf an Orten des nachbarschaftlichen Miteinanders sehen (Identifikation mit Wohnumfeld, Angebote für bestimmte Zielgruppen mit Unterstützungsbedarf, Begegnung etc.), jedoch ist das Angebot von Quartierstreffs oder auch Gemeinschaftsräumen oder gar einer Art Quartiersmanagement die deutliche Ausnahme und findet nur Anklang bei Bestandshaltern größerer Wohnungsbestände. Die aktuelle Krise der Bauwirtschaft verstärkt die Zurückhaltung in diesem Bereich.
Realisierung: Die bereits oben erwähnte Krise der Bauwirtschaft führt zu Verzögerungen bei der Entwicklung von Baugebieten, von denen ebenfalls die Errichtung von Bürgertreffs betroffen ist, sofern diese integriert in das Wohnbauvorhaben geplant sind. Seit etwa einem Jahr sind die Zinsen auf dem Kapitalmarkt stark angestiegen, so dass sich insb. freifinanziertes Wohnen aktuell oft nicht rentabel realisieren lässt. Wie lange diese Entwicklung anhalten wird, lässt sich, Stand heute, nicht abschätzen.
Auch die im Antrag angeregte Erweiterung von Kitas um einen zusätzlichen Vereinsraum ist mit Schwierigkeiten behaftet: Der Bau von Kindertagesstätten wird gemäß Förderrichtlinien nach dem BayFAG (Bayerisches Finanzausgleichsgesetz) bezuschusst. Zusätzliche Flächen, die nicht ausschließlich dem Zwecke der Kindertagesbetreuung dienen, wie z.B. Gemeinschaftsräume/ Versammlungsräume für Dritte, sind nicht zuschussfähig. Zudem sind geförderte Kitabauten und deren Flächen zweckgebunden und somit sind keine Doppelnutzung dieser Flächen durch Dritte möglich, die in keiner Beziehung zum Kita-Betrieb/ Kita-Alltag stehen.
Theoretisch ist eine Erweiterung des Raumprogrammes bei Kita-Neubauten um Flächen für Gemeinschaftsräume/ Versammlungsräume aber möglich. Die Baukosten müssten dabei komplett durch Dritte oder die Stadt selbst finanziert werden. Und da aufgrund der Zweckbindung keine Doppelnutzung von Kita-Flächen möglich ist, müssten zusätzliche Gemeinschaftsräume/ Versammlungsräume getrennt von den Kita-Räumlichkeiten (und Außenberei-
2 https://wbg.nuernberg.de/services-angebote/mieterservice/sigena
chen) mit einer separaten Zugänglichkeit errichtet werden. Zudem bedarf es eigener Sanitäranlagen und Küchenräume, da die der Kita aus Gründen der Betriebs- und Hygienesicherheit nicht mitgenutzt werden können.
Hinzu kommt das Problem, dass aufgrund des hohen Bedarfs an Betreuungsplätzen und der Flächenknappheit für Kita-Bauten die verfügbaren Grundstücke für den Bedarf an Innen- und Außenflächen an vielen Orten bis auf den letzten Quadratmeter verplant werden müssen, um dort die maximal mögliche Anzahl von Betreuungsplätzen unterbringen zu können. Zusätzliche Flächen für Gemeinschaftsräume würden dazu beitragen, dass auf den bebaubaren Grundstücken dann Flächen für Betreuungsplätze verlorengehen und die Stadt somit Ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Schaffung ausreichender wohnortnaher Betreuungsinfrastruktur nicht nachkommen kann.
Ähnlich wie bei Kindertagesstätten würde auch bei Schulgebäuden eine Erweiterung um zusätzliche Gemeinschaftsräume nicht bezuschusst werden (Förderrichtlinien nach dem BayFAG). Zusätzliche Flächen müssten von der Stadt Nürnberg selbst finanziert werden, und auch hier müsste die Frage der Betreiberschaft geklärt werden, da der Betrieb nicht in die Verantwortung der Schule bzw. der Hausverwaltung gelegt werden kann. Es müsste auch auf eine strikte räumliche Trennung geachtet werden. Im Rahmen der städtischen Schulraumüberlassungsbedingungen (SchÜB) können jedoch einzelne Räume in Schulen an Nutzergruppen gebührenpflichtig vermietet werden, wie es bereits jetzt an vielen Standorten z.B. für Kurse des Bildungszentrums der Fall ist. Die schulische Nutzung hat dabei grundsätzlich Vorrang, jegliche Nutzung, die dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule zuwiderläuft oder die den Unterricht beeinträchtigt, ist ausgeschlossen. Sporthallen können, wenn geeignet, auch für größere Versammlungen im öffentlichen Interesse, wie z.B. Bürgerversammlungen genutzt werden.
Für Sportflächen (Sporthallen und große Freisportanlagen) ist eine Vermietung an Sportvereine außerhalb der schulischen bzw. Betreuungszeiten ohnehin üblich und auch ausdrücklich vom Fördergeber gewünscht, um hier dezentral Bewegungsmöglichkeiten anbieten zu können. Auch hier gelten die städtischen Schulraumüberlassungsbedingungen bzw. die Gebührensatzung für die Spiel- und Sportanlagen (SportanlagenGebS).
Ausblick
Die Bestandsaufnahme städtischer Einrichtungen ist bereits erfolgt, als nächstes werden die Einrichtungen freier Träger, von Vereinen und Initiativen im Stadtgebiet einbezogen. Nach Abschluss dieses Prozesses und der Sozialraumanalysen besteht eine Übersicht über die Versorgungslage, die dann als Diskussions- und Priorisierungsgrundlage für das weitere Vorgehen dient. Angesichts der eingeschränkten finanziellen und personellen Spielräume wäre es z.B. denkbar, Lücken prioritär dort zu schließen, wo „quick wins“ zu erwarten sind, d.h. wo man mit relativ wenig Aufwand bestehende Räume inhaltlich weiterqualifizieren kann, indem man z.B. ein aufsuchendes Angebot andockt. Auch sozialräumliche Kriterien könnten eine Priorisierung vorgeben, z.B. ein besonderes Augenmerk auf die Unterstützung der Bewohnerschaft in sozial angespannten Quartieren.
Gleichzeitig werden die Planungen an konkreten Standorten wie z.B. dem Tiefen Feld weiterverfolgt und die Kooperation mit möglichen Betreibern und der Bauwirtschaft intensiviert.
SHA/002/2024
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 29.02.2024 öffentlich Bericht
Betreff:
Einführung einer Bezahlkarte für Asylsuchende
Bericht:
Der Freistaat Bayern hat beschlossen, ein bayernweites Bezahlkartensystem für Leistungsberechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz einzuführen. Hiermit sollen Bargeldleistungen weitestgehend ersetzt werden.
Die Bezahlkarte soll in allen ANKER-Zentren und auch in den Asylunterkünften der Anschlussunterbringung eingeführt werden, soweit dies nach den bundesrechtlichen Vorgaben möglich ist und Leistungen nicht bereits als Sachleistungen erbracht werden. Mit der Bezahlkarte sollen die Leistungsberechtigen ähnlich einer „EC-Karte“ in Geschäften bezahlen können. Dabei soll die Nutzung jedoch verschiedenen Einschränkungen unterliegen.
Im Rahmen der Sitzung wird über den zum Sitzungszeitpunkt bekannten aktuellen Sachstand berichtet.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die vom Bericht erfassten Maßnahmen des Freistaates Bayern zur Einführung einer Bezahlkarte für geflüchtete Personen betreffen die Versorgung und Integration der Personengruppe.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen: