Anlage: Jahreskontrakt 2024 des KunstKulturQuartiers (KuKuQ)
Verwaltung Das Jahr 2022 konnte KuKuQ nach Abzug aller Coronaeffekte mit einem positiven Budgetergebnis abschließen. Wegen der bereits für das Jahr 2023 zu erwartenden hohen finanziellen Belastungen für den Gesamthaushalt der Stadt Nürnberg, u. a. aufgrund der weiter anhaltenden Corona-Pandemie, wurden die Budgetregelungen für den Übertrag von Budgetresten aus dem Jahr 2022 auf das Jahr 2023 außer Kraft gesetzt. Ein Übertrag war deshalb nur für zweckgebundene Ansätze möglich. Hierbei handelte es sich insbesondere um einen Übertrag in Höhe von 20.000 € für die Wiedereröffnung des Künstlerhauses aufgrund der verzögerten Baufertigstellung.
Personalsituation und -budget
| 2024* | 2023 | 2022 | |
|---|---|---|---|
| Sollvollkraftstellen Gesamt | 56,75 | 56,75 | 54,62 |
| Istvollkraftstellen Gesamt | --- | 51,11 | 52,96 |
Stand:09.10.2023 *Sollkraftstellen 2024 voraussichtlicher Wert
Im Jahr 2023 standen bisher sechs Stellen zur Wiederbesetzung an, von denen inzwischen vier erfolgreich nachbesetzt werden konnten.
Mit dem Sparpaket 2023 wird KuKuQ verpflichtet seinen Anteil an der Sparvorgabe von 11% der Vollkraftstellen einzubringen. Aufgrund der ohnehin hohen Belastungen für das Personal kann dies nur über eine Aufgabenkritik erfolgen. Der Prozess wurde bei KuKuQ bereits angestoßen und wird mit dem Geschäftsbereich abgestimmt. Welche Auswirkungen sich für das Jahr 2024 ergeben kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.
Aufgrund der außer Kraft gesetzten Budgetregelungen für das Teilbudget K2 ist eine Steuerung der Dienststelle über das Budget nicht mehr gegeben.
Finanzdaten konsumtiv Das 1. Halbjahr 2023 blieb mit geringeren Einnahmen aufgrund verändertem Besucherverhaltens seit Corona sowie der derzeitigen Wirtschaftskrise hinter den Erwartungen zurück. Den geringeren Einnahmen wird mit reduzierten Ausgaben Rechnung getragen. Zum Stichtag (31.7.2023) liegen die bisherigen K1 Erträge i. H. v. –646.149 Euro unter der anteiligen Ermächtigung i. H. v. –694.195 Euro.
Mit den bisherigen Aufwendungen i. H. v. 1.181.188 Euro wurde die anteilige Ermächtigung i. H. v. 1.520.004 Euro nicht ausgeschöpft. Ursächlich hierfür ist neben einem intensiven Bemühen um sparsames Wirtschaften unter anderem auch, dass zahlreiche Rechnungen, die den Juli betreffen, erst im August beglichen werden und deshalb das Budget erst später belasten.
| Euro | Euro | Euro | Euro | |
|---|---|---|---|---|
| Budget | Ansatz 2024 Entwurf | Ansatz 2023 | Januar - Juli 2023 | Hochrechnung 2023 |
| K1 Erträge | -1.082.011 | -1.190.111 | -694.195 | -1.150.198 |
| K1 Aufwendun- gen | 2.587.818 | 2.605.818 | 1.181.188 | 2.565.906 |
| K1 Sachbudget | 1.505.807 | 1.415.708 | 535.039 | 1.415.708 |
Nach dem derzeitigen Planungs- und Kenntnisstand wird KuKuQ das K1 im Haushaltsjahr 2023 im Rahmen der Ermächtigung abschließen können.
Die bestehende und wohl auch noch weiterhin anhaltende Inflation wird im Jahr 2024 die finanzielle Lage verschärfen. Zu einem steht zu befürchten, dass die Einnahmen aufgrund geringerer Kaufkraft zurückgehen und die Kosten weiter ansteigen. Es wird sich zeigen, ob das auskömmliche Budget für 2024 die gesamtwirtschaftlichen Gegebenheiten umfassend berücksichtigt und KuKuQ mit ausreichend finanziellen Mitteln ausstattet.
Finanzdaten investiv
| Euro | Euro | Euro | Euro | |
|---|---|---|---|---|
| Budget | Ansatz 2024 | Ansatz 2023 | Januar - Juli 2023 | Hochrechnung 2023 |
| Immaterielles / Bewegliches Vermögen | --- | 58.400 | 7.403 | 58.400 |
Im Wert von 7.403 € wurde ein Ausstellungssystem für das Kunsthaus im 1. Halbjahr beschafft. Im zweiten Halbjahr erfolgt die Beschaffung von Funkmikrofonen in Höhe von ca. 16.000 € sowie die Finanzierung eines notwendigen Ersatzbedarfs eines digitalen Filmprojektors in Höhe von ca. 50.000 €. Die Teilfinanzierung eines Drittels des Filmprojektors erfolgt durch Förderungen.
Das I1 Budget wird bis Jahresende im Rahmen der Ermächtigung liegen.
Bei einer Kürzung des investiven Ansatzes steht zu befürchten, dass notwendige Ersatzbeschaffungen nicht mehr vorgenommen werden können. Dies hätte unausweichlich Auswirkungen auf den Spielbetrieb.
Ziele und Kennzahlen Die Kennzahlen spiegeln die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie derzeitigen Wirtschaftskrise wieder. So sind die Kundenkontakte in der Kultur Information und bei den Veranstaltungshäusern niedriger als erwartet. Zudem machen sich die Auswirkungen der verspäteten Eröffnung des Künstlerhauses bei den Besucherzahlen bemerkbar. Im Kunstbereich liegen die Besucherzahlen über den Erwartungen.
| Produkt | Kennzahlen-Text | Einheit | Ist 01-07/2023 | Plan 01-12/2023 |
|---|---|---|---|---|
| 252010 | Kundenkontakte Kultur Information | ANZ | 13.485 | 32.000 |
| 252020 | Besucher Kunst und Ausstellungen | ANZ | 31.629 | 39.200 |
| 261001 | Besucher | ANZ | 73.716 | 149.788 |
Produkt 1
Digitalisierung und Vermittlung, Kultur Information
Die Kultur Information nahm im laufenden Jahr weitgreifende Veränderungen vor und setzt gemäß der entwickelten Digitalstrategie auf den ständigen Ausbau der digitalen Angebote. Neben Tickets zu Veranstaltungen, bietet der eigene Webshop unter www.kulturinfo-nuernberg.de nun auch die bürgerschaftsfreundlichen Kulturkarten für Seniorinnen und Senioren, sowie für Behinderte online an. Daneben gehört eine telefonische Betreuung kulturinteressierter Bürgerinnen und Bürger zum Service. Im Gegenzug wurde die durchgängig besetzte Vorverkaufsstelle vor Ort geschlossen. Zu ausgewählten Anlässen wie Seniorengala oder Blauer Nacht wird weiterhin ein analoger Vorverkauf angeboten. Via Payment Links oder Selbstverwaltungsservices im Webshop erhalten Bürgerinnen und Bürger zukünftig ein immer größeres Angebot, das den Wünschen nach Flexibilität wie auch durchgängiger Erreichbarkeit Rechnung trägt. Ab 2024 soll ein neu eingeführtes Veranstaltungsmanagementtool bei der Planung, Organisation, Umsetzung und Abwicklung helfen, Prozesse der ganzen Dienststelle digital abzubilden und Ver-
anstaltungsabläufe damit zu verbessern. Modular unterstützen dabei Schnittstellen zum Datenmanagementsystem (DMS), SAP, Veranstaltungskalender-, Personalplanung- oder Raumdatenbank. Die Verschränkung zum neuen Adressverwaltungssystem soll perspektivisch helfen ein Customer Relationship System (CRM) aufzubauen. Dies verbessert die direkte Kundenansprache, Service, Vertrieb und Marketing, was wiederum zu einer stärkeren Kundenbindung und Umsatzsteigerung führen soll.
Produkt 2
Kunsthalle Nürnberg – Kunstvilla – Kunsthaus
Rück und Ausblick
Kunsthalle Nürnberg
Neben dem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm wird die voranschreitende Neukonzeption des Foyers für die Kunsthalle Nürnberg 2024 eine große Rolle spielen, sowie der weitere Ausbau eines auf neue Besucherinnen- und Besuchergruppen abgestimmtes Begleitprogramm.
Gerade Kunst kann Wahrnehmungsweisen verändern und so unseren Weg zu einer vorurteilsfreieren Gesellschaft fördern: Noch bis zum 11. Februar 2024 präsentiert die Kunsthalle Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus die internationale Gruppenausstellung Who’s Afraid Of Stardust? Positionen queerer Gegenwartskunst: Die im Oktober 2023 eröffnete Ausstellung präsentiert Werke von 30 Künstler*innen, die Aspekte queeren Lebens thematisieren und durch ihre spezifischen Sichtweisen auf soziale Machtstrukturen einen substanziellen Beitrag zur aktuellen Debatte über Diversität leisten. Mit dem zur Ausstellung erschienenen 200-seitigen, zweisprachigen Magazin und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm wollen Kunsthaus wie Kunsthalle Nürnberg Denkanstöße geben und zum Dialog einladen. Im Anschluss präsentiert die Kunsthalle Nürnberg vom 9. März bis 9. Juni 2024 die Ausstellung One Thousand Times der Künstlerin Sung Tieu (*1987 in Hai Duong, Vietnam). Ihr künstlerisches Schaffen nimmt seinen Ausgangspunkt in den Abkommen zur Anwerbung vietnamesischer Vertragsarbeiterinnen und -arbeiter in der ehemaligen DDR und deren Situation nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunst Museum Winterthur; gemeinsam erscheint im Snoeck Verlag eine Publikation, welche das umfassende Recherchematerial der Künstlerin in den Mittelpunkt stellt. Vom 29. Juni bis 6. Oktober 2024 wird die Künstlerin und Stipendiatin des Marianne-Defet-Malerei- Stipendium 2023 Monika Michalko (*1982 Sokolov, Tschechien) ihren malerischen Kosmos in der Kunsthalle Nürnberg ausbreiten. Dabei beschränkt sich ihre Malerei nicht auf die Zweidimensionalität eines planen Bildträgers, sondern wird immer wieder auch volumenhaft, dehnt sich aus und greift in die dritte Dimension. So entstehen malerisch-plastische Environments und aus einem komplexen Zusammenspiel von Gemälden, Wand- wie Bodenarbeiten, Mobiliar und Objekten ergeben sich eigentümlich-surreale Welten. Das Jahr endet mit der internationalen Gruppenausstellung THE BEST SHOW EVER! (09. November 2024 bis 16. Februar 2025), die kritisch, aber zugleich mit viel Humor und Ironie, eine Gesellschaft thematisiert, in der die Generierung von Aufmerksamkeit einen immer größeren Stellenwert zu gewinnen scheint. Zugleich thematisiert die Ausstellung, wie es aktivistischen Kunstprojekten gelingt, den traditionellen Gegensatz zwischen Spektakel und gesellschaftspolitisches Engagement herauszufordern.
Kunstvilla
Auf die bis Ende Juni 2023 laufende Ausstellung Naturstoff / Kunststoff, die der Verwendung von Plastik in der Gegenwartskunst nachging, folgte die Ausstellung Vive la France!, die den Einfluss Frankreichs auf das Nürnberger Kunstschaffen untersuchte. Mit Hasso von Henninges und Udo Kaller wurden zwei Künstler anlässlich ihrer runden Geburtstage mit Einraumausstellungen geehrt. Die Gruppenausstellung Für Kunst und Freundschaft – Das Borgo Ensemble stellte ab Ende November 2023 anhand von 32 Positionen das seit 2009 bestehende Künstlerkollektiv um Reiner Bergmann (geb. 1950), Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg, vor und stand in der Ausstellungsreihe der Kunstvilla mit Nürnberger Künstlergruppen und -vereinen. Es erschien ein umfangreicher Katalog mit Texten u.a. von Matthias Egersdörfer, Max Hanisch, Ludwig Frambach und Marian
Wild. Den Abschluss des Ausstellungsjahrs stellte im Dezember die Wiedereinrichtung des Kertz Kabinetts anhand neu zugegangener Werke dar. Die Sammlung wurde 2023 aufgrund der Vakanz der Museologenstelle zwar restriktiv, aber dennoch zielgerichtet um Schenkungen, darunter herausragend der Kunstvilligen, erweitert. Der im Dezember 2022 erfolgte Zugang der Stiftung Kertz aus München band Personalkapazitäten. Im Oktober 2023 konnte die seit 2019 vorbereitete Online-Stellung von ausgewählten Sammlungswerken realisiert werden. Zahlreiche Veranstaltungen, u.a. die Blaue Nacht, für die die Kunstvilla als Kunstort die Installation Message Mobile von Stephan Schwarzmann und Annett Langer realisierte, sowie ein Konzert mit der französischen Sängerin Dany Tollemer lockten ein großes Publikum in die Kunstvilla. Der 2022 eingerichtete Instagram-Kanal und die Facebook-Seite der Kunstvilla gewinnen laufend an Followern.
Ab Ende Mai 2024 wird anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens die Jubiläumsausstellung 10 Jahre Kunstvilla gezeigt. Im Jahr 2014 eröffnet, schließt die Kunstvilla eine Lücke in der Nürnberger Museumslandschaft. Aufgrund ihrer Geschichte als jüdische Hopfenhändler- und Bankiersvilla stellt die Kunstvilla nicht nur ein unter Denkmalschutz stehendes, aufwendig saniertes Baudenkmal, sondern auch ein historisches Denkmal für die jüdische Geschichte Nürnbergs dar, die sie in ihren Ausstellungen und in ihrem Begleitprogramm regelmäßig thematisiert. Innerhalb ihres Schwerpunkts Kunst in Nürnberg von 1900 bis in die Gegenwart setzt sie mit ihrem Ausstellungsprogramm seitdem monografische wie thematische Akzente. Der Anfangsbestand der Sammlung konnte inzwischen fast versiebenfacht werden, sodass die Kunstvilla derzeit rund 5.500 Werke betreut, die die Nürnberger Kunstgeschichte abbilden. Die Jubiläumsausstellung fokussiert sich auf die Bereiche Sammlung, Ausstellung und Historie des Ausstellungsgebäudes. Von Oktober 2024 bis Frühjahr 2025 folgt die Dialogausstellung „Wiedergefundene Gärten – Verena Waffek / Hubertus Hess“. Im Schaffen von Verena Waffek (geb. 1953) und Hubertus Hess (geb. 1953) spielen Imagination und die kulturelle Überformung von natürlichen wie künstlichen Artefakten eine große Rolle. Vergangene Zeitebenen und die Gegenwart verschmelzen. Während sich Waffek bevorzugt in fiktive Situationen begibt, die sie in einem Arbeitsprozess zu raumgreifenden Installationen ausarbeitet, verwandelt Hess Fundstücke, die aus seiner Umgebung und von seinen Reisen stammen können, in märchenhafte Arrangements. Beider Werke spiegeln das Leben zwischen Traum und Wirklichkeit wider. Im Bereich Sammlung ist für 2024 nach der Wiederbesetzung der Museologenstelle die Bereinigung der Daten in Museumplus sowie der Abschluss der Revision der Sammlungsbestände, d.h. der Datenabgleich mit KuM, vorgesehen. Des Weiteren soll in der Peuntgasse ein Depot („Bilderwerkstatt“) eingerichtet werden, um einen Lagerort für die Stiftungen, darunter die von der Stadt angenommene Stiftung Kertz, zu begründen.
Kunsthaus
Mit dem langjährigen Partner aus der freien Szene, der Diskurswerkstatt e.V., wurde die Schwerpunkt Ausstellung im Kunsthaus 2022 mit dem Titel Lebens(t)räume. Künstlerhaus|KOMM|K4 |Künstlerhaus von November bis zum 5. Februar gezeigt. Die Ausstellung über die Geschichte des Künstlerhaus war ursprünglich zur Eröffnung des 3. Bauabschnittes geplant worden, konnte dann aber durch die mehrfach kurzfristig geplatzte Baufertigstellung nicht mehr verschoben werden.
Von März bis Juni 2023 wurde die Ausstellung SPECTRES von dem Nürnberger Künstler Thomas Bergner in Kooperation mit dem emeritierten Professor für Fotografie an der Zokei University in Tokio, Nakazato Katshuito, gezeigt. Die Ausstellung widmete sich den beiden seelenverwandten Fotografen, die trotz unterschiedlicher Generationen angehörend, die gleiche atmosphärische Suche nach Licht und Schatten in nächtlicher Umgebung verbindet. Neben einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm, konnte die Ausstellung auch an das japanische Kulturinstitut (einer Entsprechung des deutschen Goethe-Instituts) in einer kleinen Version nach Köln vermittelt werden und dort zur Einführung des neuen japanischen Kulturdirektors unter Anwesenheit der japanischen Konsulin eröffnet werden. Dort war der Ableger der Nürnberger Ausstellung auch Bestandteil der
Photoszene Köln, dem großen Fotofestival der Stadt Köln. Dadurch konnten im Ausstellungszeitraum zusätzlich zu den 3639 Besucher*innen in Nürnberg weitere 5085 Menschen (bei freiem Eintritt) mit dieser begeisternden Dialogausstellung erreicht werden, so dass die Arbeiten insgesamt von 8724 Menschen in Nürnberg und Köln gesehen wurden.
Im Anschluss war die jährliche Erfolgsschau des Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten wieder im Kunsthaus zu Gast und erreichte mit 14 282 Besucherinnen und Besuchern die zweithöchste Anzahl an Besuchenden seit Beginn der Ausstellung im Kunsthaus im Jahr 2001. Parallel dazu wurde im Glasbau Deck 1 die Debütantin Maria Braune des BBK Nürnberg-Mittelfranken mit ihrer ersten Einzelausstellung Keep away from Fire und Katalogvorstellung höchst erfolgreich präsentiert. In der großen Gruppen- und Themenausstellung Who’s Afraid of Stardust – Positionen queerer Gegenwartskunst (Oktober 2023 bis Februar 2024) widmen sich die beiden Ausstellungshäuser Kunsthaus und Kunsthalle Nürnberg einer Überblicksschau zur queeren zeitgenössischen Kunst mit Rückblick in die Geschichte. Die Ausstellung mit 30 internationalen Künstlerinnen und Künstlern präsentiert Werke, die um Leben und Begehren jenseits der Heteronormativität kreisen und damit einen substantiellen Beitrag zur gesellschaftliche Debatte über Diversität leisten. Zur Eröffnung der Ausstellung nahmen über 1000 Gäste teil. Die Kooperation zwischen Kunsthalle und Kunsthaus wird programmatisch auch in den nächsten Jahren zu themenspezifischen Ausstellungen intensiviert werden.
Die letztgenannte Ausstellung wird in beiden Häusern noch bis 11. Februar gezeigt und mit einer großen Finissage beendet. Im Anschluss wird vom 19. Februar bis 3. März das junge Ausstellungsformat SHIFT/WALLS im Kunsthaus zu sehen sein. Wie schon bei den drei Vorgängerausstellungen werden auch hier wieder junge Urban Art Akteurinnen und Akteure das Kunsthaus in ein offenes Atelier verwandeln und in Beziehung zueinander an ihren Werken arbeiten. Das Format richtet sich vornehmlich an ein junges und junggebliebenes Publikum, das sich gerne überraschen lassen und Neues kennen lernen will und findet in Kooperation mit dem Künstlerhaus statt. Ab 23. März zeigt das Kunsthaus die Ausstellung Unterwegs von Michael Jostmeier. Jostmeier, emeritierter Professor und Dekan an der TU Nürnberg für Kommunikationsdesign und einer der Pioniere für fotografische Computergrafik, besitzt ein eigenes großes fotografisches Oeuvre, das in dieser monografischen Einzelschau erstmals dem deutschen Publikum vorgestellt werden wird. In einem Ausstellungsraum werden auch dokumentarische Fotografien aus dem Ruhrpott der 1950er Jahre seines Vaters Heinrich Jostmeier zu sehen sein, die zuvor bereits im Folkwang Museum Essen ausgestellt waren. Im Anschluss wird die jährliche Erfolgsschau, der Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, wieder zu Gast sein. Parallel dazu werden im Glasbau 1. OG die Debütanten des BBK Nürnberg- Mittelfranken mit ihrer ersten Ausstellung und Katalogvorstellung präsentiert.
Das Herbstprogramm im Kunsthaus wird von der Einzelausstellung Floating Spaces von Gudrun Kemsa getragen. Die Professorin für Bewegte Bilder und Fotografie an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld, zeigt in dieser monografischen Ausstellung ihre neuesten Video- und fotografischen Arbeiten des bewegten Bildes. In den Arbeiten Kemsas wirken sonst vertraute Orte seltsam befremdlich, unwirklich theatralisch, überzeichnet irreal oder verschwommen, weichgezeichnet und nebulös – fast abstrakt. Die Künstlerin Gudrun Kemsa versteht ihre Fotografien und Videoinstallationen als eine ästhetische Erweiterung der alltäglichen Wahrnehmung und somit als eine Möglichkeit Bekanntes neu zu entdecken. Sie eröffnet mittels ihrer lichtbildnerischen Arbeit von scheinbar alltäglichen Szenarien ungewohnte Zugänge, die die Betrachtenden motiviert, die eigenen Erfahrungen zu überprüfen. Die Ausstellung läuft vom 12. Oktober 2024 bis 2. Februar 2025. Alle Ausstellungen des Kunsthauses werden verstärkt mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm für jung, mittel und alt einhergehen.
Künstlerhaus/Glasbau
Die Ausstellungsfläche im Glasbau des Künstlerhauses hat nach wie vor nur einen reduzierten Spielbetrieb, da sie als Ausweichort für Veranstaltungen und Kaffeebetrieb während des 3. BA
vorgehalten wird. 2023 konnten hier die Überblicksausstellung der Werkbundwerkstatt Nürnberg sowie die Preisträgerinnen und Preisträger der Debütanten des BBK Mittelfranken (s.o.) gezeigt werden, eine Kooperation die vom Bayerischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird. Beide Ausstellungen werden als fester Kooperationsbestandteil mit Gruppen der freien Szene auch für 2024 ihre Fortsetzung finden. Für das Jahr 2024 planen wir ein großes Setup der Fläche, sobald sich das Gefüge nach der Eröffnung des Künstlerhauses wieder eingespielt hat.
Produkt 3
Künstlerhaus – Filmhaus – Tafelhalle – St.Katharina
Künstlerhaus
Das Künstlerhaus blickt auf ein durchwachsenes Jahr 2023 zurück mit großen Herausforderungen, einigen Erfolgen und einem herben Rückschlag. In der ersten Jahreshälfte ging es um die logistischen und inhaltlichen Vorbereitungen für die Wiederinbetriebnahme des Künstlerhauses. Mit den Werkstätten, Vereinen und Gruppen mussten die Rückumzüge aus den Interimsquartieren und Lagern koordiniert werden. Unter dem Motto "Kultur im Zentrum" wurde das Programm für die Eröffnungssaison vorbereitet, ausgewogen unter der Einbeziehung aller Hausgruppen und langjährigen Partner und mit dem Ziel nach einer technischen Erprobungsphase Ende November. Bereits im Juni starteten die neuen Pächter von Im_Quartier im QuartierGarten mit einem regionalen und familienorientierten Bewirtungskonzept. Die große Retrospektive für den verstorbenen Theatermacher Joachim Torbahn im Rahmen des Figurentheaterfestivals entwickelte sich zu einem Publikumsmagneten. Im k:osk93 konnten wir dem Evangelischen Kirchentag ein viel frequentiertes Empfangs- und Logistikzentrum anbieten. Zugleich konnte für den Raum im Erdgeschoss des Glasbaus inzwischen aber mit gentlemachine ein neuer Dauermieter gefunden werden, der an dieser Stelle künftig ein Ladengeschäft für Kreislaufwirtschaft und Fair Trade mit angegliedertem Repaircafe und Workshop-Formaten betreiben wird. Ein Mieter der unsere eigenen Bestrebungen im Bereich Nachhaltigkeit untermauert. Nach dem Festakt zur Baufertigstellung Anfang September wurden bauliche Mängel und Probleme im Bereich des Brandschutzes (Rauchklappen) festgestellt, deren Behebung mehr Zeit beansprucht als ursprünglich bauseits vermittelt wurde. Deshalb sah sich das Team Künstlerhaus gezwungen nach der Festsaal Premiere im Rahmen des Menschenrechtsfilmfestivals und einer notwendigen Umplanung des Nürnberg Pop Festivals die Reißleine zu ziehen und alle Großformat, die die gleichzeitige Bespielung mehrerer Räume des Künstlerhauses erfordern bis Jahresende abzusagen. Um die Bauzeit und den Wandel des Hauses durch den dritten Bauabschnitt anschaulich zu machen, wurden "Vorher/Nachher" 360 Grad Bilder gefertigt, die in einem interaktiven und digitalen Rundgang sowohl auf der Homepage und über QR-Codes auch direkt im Haus als ein Zeitreise-Erlebnis für das Künstlerhaus erfahrbar gemacht werden. Im Jahr 2024 möchte das Team Künstlerhaus dort anknüpfen, wo es im Herbst 2023 durch erneute Baumaßnahmen unterbrochen wurde. Die Eröffnungssaison wird fortgesetzt und wo nötig neu aufgesetzt. Im Fokus steht dabei das neue Motto des Hauses "Kultur im Zentrum“, das sich auf die Fahnen schreibt in einer kulturpoltischen und inhaltlichen Auseinandersetzung neue Wege im Kulturschaffen für die aktuell herausfordernden Zeiten zu finden und zugleich ein möglichst breit aufgestelltes Kulturprogramm zu ermöglichen. Formate von Hausgruppen und Partnern, die aus 2023 geschoben werden mussten, finden dann ihr Publikum. Alte und neue Verbindungen im Netzwerk des Hauses aus Handwerk und Programmarbeit sollen herausgearbeitet und stärker sichtbar gemacht werden. Wechselseitige Vernetzung kann und soll hier ein wichtiger Motor für die zukünftige Erneuerung des Hauses sein. Das verschobene Hausfest/Tag der offenen Tür soll spätestens im Juli stattfinden und den Wendepunkt hin zum neuen Normalbetrieb markieren. Bereits fest geplant neben der Implementierung der Hausgruppen, Vereine und Werkstätten sind bereits das Panoptikum Kindertheaterfestival, das Filmfestival Türkei-Deutschland, die Fortsetzung der "Keep the Change"-Reihe sowie mehrere Theater- und Musikproduktionen, die sich teils auch inhaltlich mit dem neuen Haus befassen. Ein Schwerpunkt liegt im Bereich der spartenübergreifenden Formate unter Einbeziehung digitaler Formate: Das "Schlafende Hunde"-Festival legt seinen Fokus in der Neuauflage auf das Thema „Sound is Space“ bei dem Raum und Klang miteinander in Dialog (Akustik und Architektur) treten. Durch ein „Spatial Audio System“, das durch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für immersive Medienkunst, Musik und Technologie
(ZIMMT e.V.) in Leipzig im Festsaal installiert und abgerufen werden kann. So wird ein „360 Grad Sound-Erlebnis“ möglich.
Filmhaus
Das Jahr 2023 begann damit, mit allen Kürzungen hauszuhalten. Gerade jetzt musste die grundsätzliche Qualität des inhaltlichen Programms des Filmhauses hochgehalten werden. Gute Formate wie unsere Filmschwerpunkte oder Nürnberg Premieren, z.B. die Filme von der Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux. Wir intensivierten aber auch fruchtbare Kooperationen mit Partnern, die ebenfalls die Qualität unserer Programme zu schätzen wissen. Darunter Heimat! das Filmfestival!, das wir zusammen mit dem Bezirk Mittelfranken organisieren, und diesmal der Wiederaufführung der Zweiten Heimat, die Edgar Reitz gewidmet war oder Grenzen in der Mitte: Erzählungen zu Migration und ihre Perspektiven im Deutschen Film,die wir für die Ausstellung Horizonte. Geschichten und Zukunft der Migration des Germanischen Nationalmuseums entwickelten. Auch die Kooperationen innerhalb des Künstlerhauses oder anderer Fachbereiche des KunstKulturQuartiers wie beispielsweise Filme, die im Rahmen der Fotoausstellung Spectre vorgestellt wurden, oder die stummfilmmusiktage. Im Dezember startet das Programm Stardust Cinema - 100 Jahre Queeres Kino: das das Filmhaus im Rahmen und in Kooperation der Ausstellung Who´s afraid of Stardust des Kunsthauses und der Kunsthalle Nürnberg durchführen, die im Januar fortgeführt wird. Auch die Filmfestivals, wie das 28. Filmfestival Türkei Deutschland, der Kollegen vom Interforum konnten erfolgreich durchgeführt werden. Besonders erwähnenswert ist dabei NIHRFF, das Filmfestival der Menschenrechte, welches dieses Jahr zum ersten Mal nach der Pandemie wieder im „fast“ gewohnten Rahmen stattfinden konnte. Es wurde gerade durch die regen Diskussionen und Begegnungen während des Filmfestivals deutlich, wie wichtig dieses thematische Filmfestival in diesen Zeiten ist. Auch mit seinem digitalen Angebot Kino3 nimmt das Filmhauskino eine für alle anspruchsvolle Digitalangebote von deutschen Kinos eine Führungsrolle ein. Am Anfang des Jahres waren die Besucherzahlen noch sehr zögerlich, aber dann erreichten wir fast unsere Besucherzahlen von vor der Pandemie. Eingetrübt wurde diese positive Entwicklung im Sommer, was eindeutig auf die erneute Verschiebung des Einbaus unserer Klimaanlage zurückzuführen ist, auf die wir seit nun 23 Jahren warten, da ein anderes Bauverfahren vorgezogen wurde. Dennoch, das Jahr 2023 war für das Filmhaus ein grandioser Erfolg, der wieder mit der höchsten Auszeichnung prämiert wurde, die ein kommunales oder unabhängiges Kino in Deutschland erreichen kann, dem Kinopreis der Kinematheken. Das Filmhaus Nürnberg bleibt dadurch das am meisten ausgezeichnete kommunale Kino in Deutschland.
Der Erfolg 2023 trotz vieler Widrigkeiten gibt uns den Mut an unserer Strategie weiterzuarbeiten, auf keinen Fall an der Qualität unseres Programms zu sparen, auch wenn 2024 viele Herausforderungen auf uns warten. Wir wissen, dass wir auf unser regionales und mittlerweile auch überregionales Publikum zählen können. Gleich im Januar wird Heimat! Das Filmfestival, mit einem ganz besonderen Programm aufwarten zum Thema Starke Frauen, beispielsweise mit einer Fotoausstellung der Grand Dame der Nouvelle Vague Agnes Varda mit Fotos, die sie 1962 in Dinkelsbühl aufgenommen hat, oder Filmen der Nürnberger Regisseurin Sophie Linnenbaum, die 2023 einen bayerischen Filmpreis gewonnen hat. Die vollständige Öffnung des Künstlerhauses stellt auch das Filmhaus vor eine neue Herausforderung. Endlich können wir wieder Festivals, Schulkinoreihen und Sonderveranstaltungen im großen Saal durchführen. Das Filmhaus plant 2024 unter anderem Filmreihen wie Jane Campion, Kooperationen mit der FAU Erlangen-Nürnberg Global Melodram, den Lateinamerikafilmtagen im Rahmen der Lateinamerikawoche, dem im Filmhaus entwickelten prämierten Kinderfilmfest Little Big Films, des NIHRFF-Weekenders (Filmfestival der Menschenrechte) und den Griechischen Filmtagen.
Tafelhalle und St. Katharina
2023 stand die Tafelhalle im Zeichen der Rückgewinnung des Publikums nach den Jahren der Pandemie, der Etablierung neu ins Leben gerufener Vermittlungsformate (Perlentauchen und INS BLAUE! – Die Musik/Tanz/Theater-Sneak), der Akquise neuer Kooperationspartner (z.B. NUE
JAZZ und Club Stereo), dem nachhaltigen Produzieren in den freien darstellenden Künsten (z.B. re:festival, aber auch vermehrt Gastspiele und Residenzen für Nürnberger Künstlerinnen und Künstler) und damit verbunden intensiver Netzwerkaktivitäten. In 2024 soll sich dieser Weg der nachhaltigen Vernetzung und Öffnung sowohl auf rezipierender als auch produzierender Seite verstetigen. Das Erschließen neuer jüngerer Besuchenden- und Kunstschaffendengruppen soll durch neue Kooperationen mit den verschiedenen Hochschulen, z.B. Finest Fusion (monatliche Session HfM) und Creative Crowd (große Nürnberger Kreativ- Messe in der Tafelhalle) intensiviert werden. Auch das Programm für jugendliches Publikum, Schülerinnen und Schüler soll ausgebaut werden. Denn es gilt einem Generationswechsel auf allen Ebenen zu moderieren. Vermittlungsformate wie „Perlentauchen“ und „Ins Blaue“ werden weitergeführt, um nachhaltig Schwellen abzubauen und hierbei nicht nur einzelne Veranstaltungen in den Fokus zu nehmen, sondern den gesamten Kulturort Tafelhalle. Mit einem zweiten, diesmal internationalen EveryBody-Weekender für mixed abled Tanz und Performance soll in 2024 erneut der Fokus auf Inklusion in den freien darstellenden Künsten liegen, der sich jenseits des Festivals auch in neuen Access-Formaten im gesamten Spielplan spiegeln soll (relaxed performances, Audiodeskriptionen etc.). Da für 2024 bis 2026 erneut die Impulsförderung der Stadt Nürnberg vergeben wird, zeichnet sich außerdem ein neuer inhaltlicher und formalästhetischer Schwerpunkt ab, der bei Redaktionsschluss noch nicht entschieden war. In der St. Katharina war das Jahr 2023 von einem erfolgreichen st. katharina open air geprägt, das wieder neue Menschen für diesen wunderschönen Spielort begeistern konnte. Daneben ließen sich wichtige stadtinterne Kooperationen wie die Zusammenarbeit mit den nürnberger texttagen oder den Abschlusskonzerten der Hochschule für Musik fortführen. Diese werden auch 2024 fortgesetzt. Um den Spielort noch stärker als musikalisch-atmosphärischen Erlebnisort im Herzen der Stadt für jüngeres Publikum zu etablieren, verknappten finanziellen und personellen Ressourcen klug und zukunftsfähig zu begegnen, wird das st. katharina open air fortan in Kooperation mit dem Club Stereo kuratiert und umgesetzt. Ein komplementierendes Angebot zum st. katharina open air ist mit einem Konzertwochenende aus dem Bereich Klassik in Planung.