Entscheidungsvorlage: Jahreskontrakt 2024 der Meistersingerhalle (MSH)
Seit 2020 prägen gravierende Unwägbarkeiten den Betrieb der Meistersingerhalle. Bis heute wirkt sich die Pandemie auf die Buchungssituation der Meistersingerhalle aus. Hinzu kommen gravierende innenpolitische und weltpolitische Krisen. 2019 war die Meistersingerhalle mit über 960 Veranstaltungen und über 320.000 Besuchern bestens belegt und sehr gut ausgelastet. Die Buchungslage 2023 ist bislang inzwischen besser als 2022, allerdings führt eine große Gemengelage weder zu einer befriedigenden Auslastung noch zu einer verlässlichen Planung im Vorfeld. Das Vorhaben nach der Pandemie an 2019 anzuknüpfen zu können, konnte leider bislang nicht realisiert werden. In der Veranstaltungsbranche ist das deutschlandweit signifikant. Eine Studie des Meeting- & Eventbarometers Deutschland (Mai 2023 veröffentlicht) belegt eine Steigerung der Veranstaltungen, bildet aber immer noch nicht den gewünschten Bereich ab. Die Unsicherheit der Veranstalter drückt sich in kurzfristigen Buchungsanfragen bzw. –absagen aus und bestimmen den Arbeitsalltag. Vergleicht man die Auslastung von 2019 und heute lässt sich ein Defizit von ca. 20 % beziffern. Ansatzplanungen aus den Jahren 2020-2022 für die Jahre 2023 ff. sind nicht mehr realistisch. Wir versuchen diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und entwickeln konzeptionelle Lösungen.
Enwicklungen der Veranstaltungen (Darstellung des Meeting- & Eventbarometers Deutschland, Mai 2023):
Wir hoffen auf weiter steigende Tendenz und Stabilisierung der Buchungslage, die aber nach wie vor durch unterschiedliche Unwägbarkeiten weiterhin nicht verlässlich planbar ist (mögliche neue pandemische Lage, Ukrainekrieg, Fachkräftemangel, hohe Krankentage). Die Erträge der Meistersingerhalle werden maßgeblich von den Einnahmen durch Konzerte, Tagungen, Kongresse und sonstige Veranstaltungen generiert.
Sanierung und langfristige Planungen Die Sanierung der Meistersingerhalle, seit 30 Jahren ausstehend und mit Insellösungen erhalten, muss für die Aufrechterhaltung des Betriebs und in der Substanz dringend saniert werden. In den Fachplanungsprozess der Sanierungsmaßnahme ist die Meistersingerhalle intensiv eingestiegen. Eine Bedarfs- und Machbarkeitsanalyse ist im Frühjahr zu erwarten. Bis zur Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen versuchen wir den Betrieb weiterhin mit Insellösungen und dem Einsatz all unserer Mitarbeiter sicher und effizient zu gestalten. Es ist immens wichtig, die Planungen der Sanierung mit den Fachplanern voranzutreiben, damit wir uns zeitnah nicht mit einer Situation konfrontiert sehen, die eine sofortige Schließung der
Meistersingerhalle erfordert. Sollte dieser Fall eintreten, benötigen wir lange Planungs- und Bauzeiten. In diesen Jahren könnten dann keine Erträge erwirtschaftet werden. Aktuell planen wir während der Bauzeit weitestgehend in den veranstaltungsstarken Monaten in den Vollbetrieb zu gehen.
Der Beschluss des Stadtrats, den Bau eines Konzerthauses westlich neben der Meistersingerhalle (MSH) einem Moratorium zu unterwerfen, hat weitreichende Konsequenzen für die MSH. Mit Blick auf den Konzerthausneubau unmittelbar neben der MSH und die Option einer Nutzung der MSH als Ausweichspielstätte im Rahmen des Bauvorhabens Operninterim, wurden in der MSH in den letzten Jahren Instandhaltungsbudgets gekürzt und bauliche Maßnahmen zurückgestellt. Der Stopp der Konzerthausplanungen und die grundsätzlich veränderten Überlegungen zum Operninterim haben nun zur Folge, das sich an Art und Inhalt des Betriebs der MSH bis auf Weiteres nichts ändert. Die MSH wird damit weiterhin der einzige Ort in Nürnberg für das „alltägliche“ Angebot an Showproduktionen und Orchesterkonzerten sein. Vor allem aber auch Tagungen und Kongresse im mittleren Segment (500-1.000 Teilnehmende), inzwischen auch vermehrt im internationalen Kontext, werden bis auf Weiteres nur in der MSH stattfinden. Für viele andere Veranstaltungen bleibt die MSH darüber hinaus in ihrer Funktion als Stadthalle erhalten und soll entsprechend erweitert werden (vgl. 500 qm Fläche / „Bevenue“ Studie). Wie mehrfach in der Kongressinitiative und von CTZ gefordert zeigt welche Bedarfe in der Messestadt vorherrschen.
Um den Veränderungen und Anforderungen der stetigen schnell entwickelten Veranstaltungsbranche nachkommen zu können muss immer wieder das Anforderungsprofil auf den Prüfstand gestellt werden. Wir planen als innovatives, agiles Team im Bereich Veranstaltungen und Sanierung den Anforderungen der Branche Stand zu halten und diese weiterentwickeln zu können. Das Team der Meistersingerhalle wird die Veränderungen mit Weitsicht, mit souveränem Umgang der Komplexität, sowie Motivation und Innovation die Meistersingerhalle zielführend und wirtschaftlich voranbringen. Mehr denn je muss sich die Veranstaltungsbranche aktiv darum bemühen, die richtigen Charaktere für diese Aufgaben zu gewinnen, auszubilden und zu binden, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken zu können. Denn ohne die vielen motivierten Mitarbeitenden an den Mischpulten, in der Haustechnik, in der Lichtregie, in der Veranstaltungsplanung und den zahlreichen weiteren Gewerken, sind keine Konzerte, Kongresse, Messen und Events aller Art möglich und realisierbar. Gerade in Zeiten eines enormen Fachkräftemangels müssen Stellen entsprechend besetzt werden, um die Aufgaben zielführend, effizient und gewinnbringend für die Stadt Nürnberg voranbringen zu können. Die Arbeitsbelastung in diesem Wirtschaftszweig ist sehr hoch. Die außergewöhnlich hohen Leistungsanforderungen sind ein stetig steigendes Merkmal der Branche. Ein Konzert- und Kongresshaus in dieser Größe muss internationaler Standards entsprechend aufgestellt sein, um im Rahmen zur Erfüllung der von der Stadt Nürnberg vorgegebenen Zielvorgaben (besonders im Kongress- und Messegeschäft) auch in Zukunft effizient und wirtschaftlich agieren zu können. Die Meistersingerhalle ist, wenn sie mit einem aktualisierten Stellenplan und entsprechend der Anforderungen der Branche agieren kann gewinnbringender aufgestellt (gerade mit Blick auf vergleichbare Häuser). Die wichtigste Infrastruktur zur Durchführung von Veranstaltungen ist das Veranstaltungszentrum selbst. Entstehende wirtschaftliche direkte und indirekte Effekte kommen der Stadt, der Region und deren Wirtschaft zugute. Veranstaltungszentren entfalten erhebliche makroökonomische Wirkungen am Standort. Veranstaltungen generieren Hotelübernachtungen, Gastronomiebesuche und Einkaufsbummel. Eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen wird geschaffen und gesichert sowie hohe Steuereinnahmen für die Kommune generiert.
Die Anpassung der Personalausstattung wird seit Jahren gefordert und war bereits ohne die Zusatzaufgabe „Sanierung“ eminent. Die Studien von „actori“ und „bevenue“ sowie das Personaltableau der „Kulturexperten“ (Studie Herbst 2020) beleuchten diese Problematik mehrfach und tiefgreifend. Die Folgen des Personalmangels, einer aus MSH-Sicht nicht der Arbeitsleistung entsprechenden branchenüblichen Bezahlung (Eingruppierung) befördern die Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft, beschränken die Angebote und folglich weitere Ertragserwirtschaf-
tung, steigende Arbeitskosten durch externe Dienstleister, Verlust von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftemangel (Attraktivität des Arbeitsgebers muss maßgeblich vorangetrieben werden, um erhöhte Fluktuation zu vermeiden).
Gerade deshalb ist es so wichtig, die Meistersingerhalle nach den Einschränkungen der Pandemie mit Weitsicht schnellstmöglich zielführend für die nächsten Jahrzehnte aufzustellen, um die Verfügbarkeit von Tagungs- und Kongresskapazitäten in Nürnberg zu erhöhen und weiter voranzubringen. Mit den Dienststellen des Querschnitts, des Personalrats und des Geschäftsbereichs ist es uns gelungen fünf Stellen entsprechend des jeweiligen Anforderungsprofils in der Entgeltgruppe zielführend einzuordnen.
Wir arbeiten an einer zukunftsfähigen Konzeption, die sowohl die Meistersingerhalle wieder auf einen aktuellen Stand und den „Alten Glanz“ in neue Zeit versetzt. Was war die Meistersingerhalle für ein Vorzeigeobjekt, 60 Jahre später ist einiges geblieben – das dringend erhalten werden muss. Die Meistersingerhalle muss im Betrieb künftig nachhaltig und den aktuellen Anforderungen der Branche entsprechend neu aufgestellt werden. Die Veränderungen müssen jetzt eingeleitet werden, auch künftig mit Weitsicht betrieben und wirtschaftliche Potentiale entwickelt sowie herausgearbeitet werden.