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03 Bericht

Anlage · 01.12.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Dutzendteich Umwelt & Klima Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Verantwortung der Stadt Nürnberg für den Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld

und Zeppelintribüne

Sachverhalt Zeppelinfeld und Zeppelintribüne stehen als einziger in der NS-Zeit geplanter, fertiggestellter, während der nationalsozialistischen Reichsparteitage genutzter und heute noch erhaltener Bestandteil des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes seit 1973 unter Denkmalschutz. Für die Verwaltung ist es unstrittig, dass der 2004 vom Stadtrat beschlossene Grundsatz der „Leitlinien/Leitgedanken zum künftigen Umgang“ weiterhin die Haltung von Rat und Verwaltung wiedergibt: „Die Stadt Nürnberg ist verpflichtet, sich mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände auseinander zu setzen. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.“ Mit dieser Fragestellung setzt sich der Geschäftsbereich Kultur unter Einbindung umfassender Expertise seit vielen Jahren intensiv auseinander, beispielsweise 2015 im Rahmen der internationalen Tagung Erhalten! Wozu? Perspektiven für Zeppelintribüne, Zeppelinfeld und das ehemalige Reichsparteitagsgelände oder mit einer wissenschaftlichen Studie über Nutzungsverhalten und -bedarfe, die 2019 unter dem Titel Perspektivenwechsel. Das ehemalige Reichsparteitagsgelände aus Sicht von Besucherinnen und Besuchern wichtige Erkenntnisse und Forschungsergebnisse erbrachte. Zudem ist seit 2019 der Wissenschaftliche Beirat „Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände“ in Entstehung und Umsetzung des Lern- und Begegnungsortes eng eingebunden. Dass Rechtsradikalismus und Antisemitismus nicht nur in der Rückschau zu betrachten sind, sondern uns in unterschiedlichen Bereichen des Alltags massiv herausfordern, wird uns derzeit in erschreckender Weise vor Augen geführt. Gleichzeitig bereiten allgemein wahrnehmbar abnehmende Kenntnisse über Inhalt und Wirkmacht der NS-Ideologie Anlass zur Sorge. Die Stadt Nürnberg begreift dieses als Auftrag, Aufklärungs- und Bildungsarbeit verstärkt fortzusetzen und Mechanismen, Methodik und Zielsetzungen totalitärer Systeme am Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne einem nationalen und internationalen Publikum sowie folgenden Generationen zu erschließen und zukunftsgerichtet zu vermitteln. Denn Aufklärung darüber ist nicht alleine Wissensvermittlung, sondern Prävention im Zeichen von Demokratiebildung. Grundlagen der Konzeptentwicklung Der Zugänglichmachung von Zeppelintribüne mit „Goldenem Saal“ und Zeppelinfeld kommt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle zu ebenso wie der Einbindung des Umfeldes. Im 2015 vom Stadtrat einstimmig beschlossenem Konzeptbaustein des Dokumentationszentrums „ErfahrungsRaum Reichsparteitagsgelände“ wird der Erhalt und die erhöhte Zugänglichkeit bisher gesperrter Bereiche des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes mit der Möglichkeit des historischen Erkenntnisgewinns durch Sinneswahrnehmungen begründet. Diese Form der Geschichtsvermittlung wurde durch die oben genannte Besucherstudie des Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg empirisch untermauert. Das pädagogische Ziel für die Entwicklung des Lern- und Begegnungsortes ist es ausdrücklich nicht, im Sinne einer Re-Inszenierung die „Gewaltigkeit der Nazi-Propaganda erfahrbar“ zu machen. Vielmehr soll es künftig mittels derzeit nicht einnehmbarer Sichtbezüge möglich sein, sich konkreter und kritischer als bisher mit der architektonischen Wirkung des Gesamtensembles auseinanderzusetzen und die Konzentration auf Hitlers Rednerkanzel durch die neu entwickelten Reflexionsorte (2016 noch „Sehepunkte“ genannt) zu erklären und zu dekonstruieren. Diese stellen eine Ergänzung zu den wissensbasierten und kognitiv wahrzunehmenden Informationen in der Dauerausstellung und auf den Bild-Text-Tafeln des Geländeinformationssystems dar. Die Reflexionsorte sind wichtige neue Angebote auch für diejenigen, die ohne Geschichtsinteresse, historisches Vorwissen oder Sprachkenntnisse das hochfrequentierte Areal aufsuchen oder passieren.

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Dieses Konzept des Lern- und Begegnungsortes – nicht der rein bauliche Erhalt – ist Grundlage und Voraussetzung für die von Bund und Land gewährten Fördermittel. Baumbestand am Zeppelinfeld Wie bei den Vermittlungsthemen setzt die Verwaltung auch bei der Frage des Umgangs mit der Baumreihe auf seriösen Austausch und Informationen. Der aktuelle Stand ist dem Stadtrat sowie den zuständigen Verwaltungseinheiten über die entsprechenden Vorlagen, Besprechungen und Instruktionen ebenso bekannt wie der interessierten Öffentlichkeit. Im Rahmen jährlicher Infotage, zuletzt am 3. Oktober 2023 mit rund 1.000 Interessierten und viel nachgefragten inklusiven Angeboten, aber auch Einzelveranstaltungen wird laufend über den Fortgang der Planungen und Konzepte berichtet. Dezidiert informiert und diskutiert wurde hierüber beispielsweise am 4. Juli 2023 im Format Werkstattgespräche im früheren Bahnhof Dutzendteich. Die Kastanienreihe ist somit längst Teil der Konzeption für die von Bund und Land geförderte Vertiefung der künftigen historisch-politischen Bildungsarbeit am Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne. Bislang unterstehen die Kastanien nicht dem Beobachtungs- und Pflegekonzept von SÖR, da sie aktuell dem nichtöffentlichen Raum „Sportanlage Zeppelinfeld“ zugeordnet sind. Der Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin hat hierzu im Oktober eine Änderung angeregt und SÖR um ein Monitoring für die kommenden Jahre gebeten, um den Zustand der Bäume näher zu erfassen. Um das Funktionieren der Reflexionsorte zu gewährleisten und das Bauensemble in seinem historischen Quellenwert „lesbar“ zu erhalten, wurden und werden Optionen möglicher Versetzungen der Bäume geprüft sowie Flächen zur Entsiegelung inklusive Neu- und Ersatzpflanzungen bestimmt. Eine Beseitigung der Bäume steht nicht zur Disposition. Infolge des Baum-Monitorings wird ca. 2028 eine Bewertung der Situation vorgenommen werden.

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