Entscheidungsvorlage: Jahreskontrakt 2024 2. BM – Geschäftsbereich
Kultur
Strategisches Portfoliomanagement für Kulturentwicklungsvorhaben am ehem. Reichspar-
teitagsgelände (eRPTG)
Die Kulturbauvorhaben in der Kongresshalle (KOH) sind – neben dem Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld/-tribüne – für die Stadtentwicklung, das Kulturleben und das Image der Stadt Nürnberg von immenser Bedeutung. Die Vielzahl der Anspruchsgruppen mit unterschiedlichen Interessen sowie die überregionale, teils europaweite Aufmerksamkeit bringen eine hohe Dynamik mit sich. Um die Komplexität der Vorhaben am eRPTG, insbesondere in der KOH, beherrschbar zu halten, ist das strategische Projektportfoliomanagement als Ergänzung zur (hierarchischen) Organisationsstruktur 2022 beschlossen worden. Damit können übergreifende Abstimmungs- und Steuerungsprozesse und zentral effizienter zu erledigende Aufgaben, wie Bedarfsträgeraufgaben, Drittmittelmanagement, Vorbereitung des Betriebes und Kommunikation, „vor die Klammer gezogen“ werden. Das strategische Portfoliomanagement bei 2.BM entfaltet im Zusammenspiel mit 2.BM/Stab ZEP, 2.BM/Bauherrnvertretung für Kulturgroßbauten und Ref. VI/Projektbaudienststelle die gewünschte Wirkung. Das Feedback aller Beteiligten bestätigt dies genauso wie die erzielten Ergebnisse. Insbesondere sind zu nennen: Das angestrebte Fördermittelkonzept (Bund, Land und EU) ist im Grundsatz von den Fördermittelgebern inzwischen bestätigt. Zuletzt hat der Haushaltsausschuss des Bundestages 29,5 Mio. EUR im September 2023 für die Substanzerhaltung und grundsätzliche Nutzbarmachung der KOH in Aussicht gestellt. Im Dezember 2022 wurde für die Entwicklung des Kulturareals eine Projektstruktur etabliert, um die Bauplanung adäquat zu unterstützen und den zukünftigen Betrieb vorzubereiten. Die Ergebnisse aus den Teilprojekten "Strategie und Narrativ" sowie "Gastronomie" wurden bereits im Kulturausschuss vorgestellt. Ergänzt wird die Projektarbeit durch ein eng verzahntes Vorgehen bei der Umsetzung einer abgestimmten Kommunikationsstrategie. Seit Januar 2023 sind die kommunikativen „Basics“ etabliert – Medienarbeit, Stakeholder-Analyse, Kommunikationsangebote für Mitarbeitende des Staatstheaters, Website KOH, Aktualisierung städtischer Internet-Seiten, Newsletter, Instagram-Account, Bewerben von Veranstaltungen #1 sowie KOH-Rundgänge.
Meilensteine im Jahr 2024 sind die Durchführung des Totalübernehmer-Vergabeverfahrens für den Ergänzungsbau der neuen Staatstheater-Spielstätte in der KOH sowie die MIP-Aufnahme vorbehaltlich des Stadtratsbeschlusses mit anschließendem Baubeginn des Lern- und Begegnungsorts Zeppelinfeld/-tribüne (Näheres zu beiden Themen siehe unten). Aufbauend auf dem bislang Erreichten soll darüber hinaus das strategische Portfoliomanagement – abhängig von den für 2024 zur Verfügung stehenden Budgetmitteln und Personalressourcen – nach Möglichkeit effektiv ausgebaut werden. Folgende Aufgaben und Weiterentwicklungen stehen im kommenden Jahr an: Bezüglich der Finanzierung sind Fördermittelanträge mit den Erkenntnissen aus der Bauplanung sukzessive zu präzisieren und Förderbescheide zu erwirken. Zusätzlich sollen einschlägige Förderprogramme mit dem Ziel der maximalen Ausschöpfung sämtlicher Möglichkeiten der Drittmittelförderung beantragt werden. Zudem soll das Betriebskonzept weiter angenähert werden. Zentral dabei sind Formate und Strukturen zu schaffen, die die zukünftige Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure vor Ort ermöglichen und intensivieren. Neben der Ausarbeitung des künftigen Facility-Managements wird das Konzept der Besucherlenkung im Fokus stehen. Zudem sollen Fragen der Rechtsform, des Business Plans sowie der Finanzplanung vorbereitet werden. Da die bislang realisierten Kommunikationsmaßnahmen nicht ausreichen, um den Nürnbergerinnen und Nürnbergern den großen Nutzen und das Potenzial für die Stadtgesellschaft zu transportieren, sind weitere Schritte unumgänglich. Markenauftritt, Markenaktivierung sowie die Weiterentwicklung der Online- Kommunikation sind dabei von zentraler Bedeutung.
Kulturstrategie Als Aufgaben aus der Kulturstrategie wurde die Stärkung der Freien Szenen durch Konzipierung und Bereitstellung neuer Diskursräume und -formate, insbesondere durch die Bildung eines „Nürnberger Kulturrates“ (Arbeitstitel) abgeleitet. Nach einem gründlichen Vorbereitungsprozess zum Erarbeitungsverfahren fanden 2022 mehrere Workshops und Diskursformate (analog und digital) mit Vertretungen der Kulturpolitik aller Parteien statt, um Leitplanken zur weiteren Vorgehensweise zu definieren. 2023 galt es, die daraus resultierenden Fragestellungen zur Einrichtung des Kulturrates mit den unterschiedlichen Anspruchsgruppen zu bearbeiten. Zuletzt wurde die Erarbeitungsphase für Multiplikatoren der Kulturszene geöffnet. Nicht zuletzt deren Input grundiert die Vorarbeiten. Die Ergebnisse sowie die nächsten Schritte wurden im Kulturausschuss am 10.03.2023 vorgestellt und das weitere Vorgehen beschlossen. Im Februar 2023 wechselte die Koordinatorin des Umsetzungsprozesses in den Mutterschutz. Aufgrund der durch die haushaltsbedingten Einsparvorgaben veranlassten Wiederbesetzungssperre ist diese Position seither vakant. Die Durchführung der weiteren Umsetzungsschritte war deshalb – auch in Hinblick auf das komplexe Vorgehen mit Kulturkonferenzen, Workshops und Fokusformaten unter Einbindung von Stakeholdern und Multiplikatoren der Nürnberger Kunst- und Kulturlandschaft noch nicht möglich und kann erst bei Wiederbesetzung geleistet werden.
MIP-Maßnahmen des Geschäftsbereiches Im mittelfristigen Investitionsplan des Haushalts 2024 sind folgende Einzelmaßnahmen aufgenommenen:
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Dokuzentrum, abschließender Ausbau
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Künstlerhaus 3. Bauabschnitt
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Sanierung Museum Industriekultur
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Bürgertreff Eibach
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Neugestaltung der Dauerausstellung im Dokuzentrum
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Neugestaltung der Dauerausstellung im Fembohaus
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Neugestaltung der Dauerausstellung im Memorium
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Neugestaltung der Dauerausstellung im Museum IK
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Ergänzungsbau Oper an der Kongresshalle
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Kongresshalle Schadstoffsanierung
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Kongresshalle: Kulturentwicklungsmaßnahme
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Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld/-tribüne“
(zur MIP-Aufnahme in sog. „Gelb-Grüner Liste“ vorgeschlagen)
- Aufwertung des Bahnhofs Märzfeld als Erinnerungsort
(zur MIP-Aufnahme in sog. „Gelb-Grüner Liste“ vorgeschlagen)
2. BM/Stab ZEP und Kongresshalle - Entwicklung des historisch- Lern- und Begegnungs-
ort Zeppelinfeld/-tribüne
Angesichts des sich weiter verstärkenden Auftretens von menschenverachtenden Ideologien, insbesondere des Antisemitismus, kommt der Aufklärung über die NS-Zeit und der Vermittlung der Lehren hieraus gerade am Ort der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der rassistischen „Volksgemeinschafts“-Ideologie eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für unser gesellschaftliches Zusammenleben in Gegenwart und Zukunft zu. Neben der anstehenden räumlichen Erweiterung und neuerarbeiteten Dauerausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände stehen hierbei die historischen Orte auf dem Areal von der Zeppelintribüne und dem Zeppelinfeld mit dem früheren Bahnhof Dutzendteich bis hin zum ehemaligen Bahnhof Märzfeld als Exponate und Instrumente für die historisch-politische Bildungsarbeit in den nächsten Jahren im Fokus. 2.BM/Stab ZEP koordiniert stadtintern sowie extern gegenüber den Fördergebern die einzelnen Projekte und vermittelt deren jeweiligen Inhalte in unterschiedlichen Formaten der interessierten Öffentlichkeit.
Zeppelinfeld und Zeppelintribüne
Im 4. Quartal 2023 wurden die baulichen Planungen der Leistungsphase 3 (Lph 3) weitestgehend abgeschlossen und vorbehaltlich des Stadtratsbeschlusses in den städtischen Haushalt ab 2024 aufgenommen. Sobald die Genehmigung des Etats durch die Bezirksregierung von Mittelfranken vorliegt, können die Ausschreibungen für die Baufirmen erfolgen und in der zweiten Jahreshälfte
2024 die Arbeiten sichtbar starten. Zuvor wird es im Jahresverlauf zur Entfernung von Schadstoffen und nachträglichen Einbauten kommen. Die Bauarbeiten werden abschnittsweise am Bahnhof Dutzendteich, an der Zeppelintribüne und am Zeppelinfeld sowie den dazugehörigen Grünanlagen erfolgen und voraussichtlich 2030 abgeschlossen sein. Für 2024 ist der jährliche Informationstag Zeppelintribüne und Zeppelinfeld auf Grund der beginnenden Bauarbeiten für die erste Jahreshälfte geplant. Der letzte Informationstag am 3. Oktober 2023 hatte eine große Resonanz; besondere Angebote wie eine Führung für Rollstuhlfahrende und zwei ausgebuchte Rundgänge in ukrainischer Sprache sollen auch im kommenden Jahr angeboten werden. Daneben sind erneut gesonderte Veranstaltungen zur partizipativen Erarbeitung einzelner Bereiche ebenso vorgesehen, wie ein weiteres öffentliches Werkstattgespräch zur Entwicklung am früheren Bahnhof Dutzendteich. Die Informationsangebote im Internet sollen durch ein Bautagebuch erweitert werden.
Ermöglichungsräume in der Kongresshalle
Am 8. Oktober 2021 wurde der Geschäftsbereich Kultur durch den Kulturausschuss auf Grundlage der ersten baulichen Machbarkeitsstudie und einer unter Kulturschaffenden durchgeführten Bedarfsanalyse beauftragt, die bauliche und inhaltliche Umsetzung einer künstlerischen und kulturellen Nutzung eines Segments der unfertig gebliebenen Kongresshalle (KOH) auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu konkretisieren – mit dem Ziel, die baulichen Planungen zu detaillieren und eine konkrete Kostenschätzung vornehmen zu können. Das bislang in Workshops mit Stakeholdern der Künste und Kulturen in Nürnberg entwickelte Nutzungskonzept wurde in einem breit aufgestellten partizipativen Prozess ausgearbeitet und präzisiert. Als Ergebnis des von der actori GmbH moderierten Prozesses konnten im Frühjahr 2023 die Anforderungen an die Räumlichkeiten in der KOH detailliert aufgezeigt werden. Auf dieser Grundlage entwickelte die Stabsstelle in Abstimmung mit der Bauverwaltung für vier von insgesamt 16 Sektoren des KOH-Rundbaus ein Raumprogramm. In den Ermöglichungsräumen stehen insgesamt über 7.000 Quadratmeter zur künstlerischen und kulturellen Entfaltung zur Verfügung. Im Produktionshaus sind 25 Bandproberäume geplant. Neben einem Tonstudio und Werkstätten sind 49 Räume als Ateliers vorgesehen. Ein großer Tanzraum mit knapp 200 Quadratmetern befindet sich in Planung. Etwa 750 Quadratmeter sind vorgesehen für Begegnungsflächen und Multifunktionsräume. Im Präsentationshaus stehen auf rund 1.800 Quadratmetern diverse Veranstaltungs- und Ausstellungsräume zur Verfügung. Alle Geschosse und Räume sind bestmöglich barrierefrei erschlossen und die einzelnen Sektoren untereinander durchlässig: Vom Produktionshaus gelangt man ohne Umwege ins Aufführungshaus, passiert hierbei die neuen Räumlichkeiten des Staatstheaters (in den Sektoren drei bis acht) und hat dann direkten Zugang zum Dokumentationszentrum. Synergien zwischen allen Agierenden, die die unterschiedlichen Räumlichkeiten nutzen, sind unbedingt erwünscht. Aufbauend auf dem partizipativ erarbeiteten Raumprogramm fand am 26. Oktober 2023 ein weiteres World-Café im Museum für Kommunikation statt. Es wurden Best-Practice Beispiele aus Deutschland und dem europäischen Ausland vorgestellt und diskutiert. Anschließend wurde mit über 80 Kulturschaffenden aus Nürnberg debattiert, welche inhaltlichen Rahmensetzungen für die KOH Relevanz besitzen können und unter welchen Voraussetzungen in den geplanten Ermöglichungsräumen gearbeitet werden kann (Betreiberstruktur, Trägerschaft etc.). Der Prozess wurde von Dr. Martina Taubenberger Kulturkonzepte moderiert. Die Ergebnisse liegen dem GB Kultur Ende 2023 vor, und können dem Kulturausschuss im Frühjahr 2024 vorgestellt werden. Auf dieser Grundlage wird in 2024 die inhaltliche Ausrichtung des Ortes definiert und in ein übergreifendes Betriebskonzept für die KOH integriert. Die Informationstage zur KOH mit kostenlosen Rundgängen durch sonst nicht zugängliche Bereiche durch die KOH wurden 2023 mit erweiterten Angeboten fortgesetzt. Am 24. Juni und 22. Oktober 2023 fand der „Open-Day Kongresshalle“ statt. Zudem beteiligte sich die Stabsstelle im September an den Stadtverführungen und am Tag des Offenen Denkmals. Weitere Rundgangs-Formate wie die „After-Work-Rundgänge“ ergänzten das Angebot. Zudem wurden verschiedene Themenfelder in unterschiedlichsten Veranstaltungsformaten verhandelt. Im Frühjahr 2023 fand in einem provisorisch erschlossenen Segment der KOH die „Camera Obscuca im Atelier“ statt – eine Foto- und Kunstausstellung von knapp fünfzig Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit Ateliersituationen auseinandersetzte. In den Folgemonaten wurden weitere Formate in der KOH erprobt: Meron Mendel sprach am 6. Juni 2023 über sein Buch „Über Israel reden“. Am 14. Juli 2023 war in der KOH ein Operettenabend mit Werken des verfemten jüdischen Künstlers Paul
Abraham in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg zu erleben. Gemeinsam mit dem Schauspiel Nürnberg wurde am 30. September 2023 auch das partizipativ entwickelte Theaterstück „Wer ist Wir I & II“ präsentiert. Vom 20.-23. September erprobte der GB Kultur mit der Musikzentrale Nürnberg popkulturelle Formate in dem Gebäude. Schließlich waren im Herbst 2023 die Videoinstallationen „Naughty Boys and Girls“ und „Serie Deutschland“ von Hofmann&Lindholm zu sehen. Den Veranstaltungsabschluss in der KOH bildet ab 1. November 2023 die Kunstausstellung „Existenzialismus in der Kongresshalle“ kuratiert von Babis Panagiotidis, die sich mit aktuellen Debatten der Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die künstlerische Nutzung der KOH wurde mit den Künstlerinnen und Künstlern und Besuchenden evaluiert; die Ergebnisse der Evaluation fließen in den weiteren Planungsprozess für die Ermöglichungsräume ein. Ergänzt wurden die Veranstaltungen durch Podiumsdiskussionen zu aktuellen kulturpolitischen Themen: Am 21. September 2023 fand ein Podium mit dem Verfassungsrechtler Prof. Dr. Christoph Möllers und dem Präsidenten der Akademie für bildende Kunst Nürnberg Prof. Holger Felten statt, wobei das Spannungsfeld zwischen Kunst- und Meinungsfreiheit debattiert wurde. Über das Theater der Zukunft wurde am 4. Oktober 2023 unter dem Titel „Raus aus der Blase“ mit dem FAZ-Theaterkritiker Simon Strauß und weiteren Akteurinnen und Akteuren diskutiert. Den Prozess der Information, Partizipation und Diskussion gilt es auch in 2024 fortzusetzen, um die Anforderungen der unterschiedlichen künstlerischen Sparten an Räumlichkeiten und die konzeptionellen und inhaltlichen Rahmenbedingungen für die KOH weiter zu schärfen. Ziel ist es, im kommenden Jahr die grundsätzlichen Fragen zu Betreiberstruktur und Trägerschaft zu klären und in die übergreifende Betriebsstruktur der KOH einzubinden. Der Fokus soll – wie in 2023 – erneut auf einem vielgestaltigen kulturellen Angeboten liegen. Im Jahr 2024 gilt es außerdem, die internationalen Perspektiven zu schärfen. Auf Grund der hohen Nachfrage nach den öffentlichen Rundgangstagen wird es weiterhin die Möglichkeit geben, sich in kostenlosen Rundgängen einen Eindruck von den Innenräumen der KOH zu verschaffen.
Bahnhof Märzfeld
Mit der Deutschen Bahn AG konnte eine Übereinkunft erzielt werden, dass im Jahresverlauf 2024 die Freifläche vor der historischen Bahnhofsfassade der Stadt vertraglich überlassen wird. Erfolgt dies kostenfrei, wird die Bahn außerdem 50.000 Euro für die bauliche Sicherung und erinnerungskulturelle Erschließung dieses Ortes zur Verfügung zu stellen, vorausgesetzt auch die Stadt beteiligt sich finanziell. Der Kulturausschuss forderte daher am 12.05.2023 die Verwaltung einstimmig auf, ebenfalls 70.000 Euro in den Haushalt einzustellen. Eine Projektgruppe unter Beteiligung von 2.BM, BgA, KuM, SÖR und Stpl erarbeitet aktuell die Umsetzung des von KuM/3-1 konzipierte Vermittlungskonzepts. Zugleich wird die Entwicklung als „historischer Erinnerungsort Bahnhof Märzfeld“ Bestandteil eines stadtplanerischen Gesamtkonzepts von Stpl für die perspektivische Erschließung des neuen Schulkomplexes am früheren Prinovis-Areal sowie des Lückenschlusses der Wegeverbindung zwischen Langwasser-Nord und -Süd sein. Die wesentlichen Arbeiten am früheren Bahnhof Märzfeld sollen bis zum 80. Gedenkjahr an das Ende des Zweiten Weltkriegs 2025 erfolgen. Der Stabsstelle ehemaliges Reichsparteitagsgelände sind in 2023 zahlreiche neue Aufgaben übertragen worden – neben der Koordinierung der Entwicklung von Bahnhof Dutzendteich und Bahnhof Märzfeld insbesondere die konzeptionelle Erarbeitung und praktische Durchführung eines vielgestaltigen Veranstaltungsprogramms, das – wie oben dargestellt – neben klassischen Formaten auch zahlreiche Beteiligungsformate umfasste. Diese Tätigkeiten belasten zunehmend die Stundenkontingente der Mitarbeitenden in der Stabsstelle; darüber hinaus konnte die Durchführung des Veranstaltungsprogramms nur durch die temporäre Beschäftigung externer Kräfte garantiert werden. In 2024 wird ein solcher Einsatz der Mitarbeitenden nicht mehr möglich sein. Ein Aufwuchs im Personal ist dringend geboten, um Kenntnis und Akzeptanz der großen Entwicklungsprojekte auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in der Nürnberger Stadtgesellschaft weiter auszubauen.
Spielstätte der Oper im Kulturareal der Kongresshalle & Bauvorhaben Opernhaus Auf Grundlage des Stadtratsbeschlusses vom 15. Dezember 2021, wonach die „weitere Planung einer Ausweichspielstätte für die (…) durch das Bauvorhaben Opernhaus verdrängte(n) Funktionen (…) mit der stadteigenen Immobilie Kongresshalle (KOH) erfolgen“ soll und „Vergabeverfahren für die Planungs-leistungen zeitnah“ einzuleiten sind, haben im Oktober 2023 fast alle Teilplanungen nach rund einjähriger Arbeit die Leistungsphase 3 erreicht; der Abschluss der Entwurfsplanung und die Vorlage einer Kostenberechnung sind für Mitte 2024 vorgesehen. Ein VOB-Verfahren für
Planung und Errichtung des notwendigen Ergänzungsbaus aus einer Hand im „Innenhof“ der KOH auf Grundlage der Beschlüsse des Stadtrats am 20. Juli 2022 wurde im April 2023 gestartet; im November 2023 liegen indikative Angebote vor, eine Vergabeentscheidung wird gleichfalls für Mitte 2024 erwartet. Bauvorbereitende Maßnahmen im Torso sind weitgehend abgeschlossen, erste Baumaßnahmen starten mit der Dekontamination von Flächen im „Innenhof“ noch im Jahr 2023. Für 2024 sind Baumaßnahmen an den Dächern und im Gebäudeinneren vorgesehen, der Ausbau im Gebäudebestand soll im ersten Halbjahr 2025 beginnen, die Errichtung des Ergänzungsbaus im „Innenhof“ im zweiten Halbjahr 2025. Ab Jahresbeginn 2024 wird der „Innenhof“ zur Baustellenfläche und muss geschlossen werden; die Möglichkeit, den historischen Ort zu sehen, bleibt – ergänzend zum „Balkon“ am südwestlichen Ende des Doku-Zentrums – über einen eigens eingerichteten Zugang südlich der derzeitigen Zufahrt erhalten.
Kulturförderung Zu den im Geschäftsbereich Kultur angesiedelten Fördermöglichkeiten (Kultur in der Stadt, Fonds für Initiativgruppen, Fördertopf Kindertheater, feste Kostenstellen, Heimatpflege sowie den Kulturpreisen der Stadt Nürnberg) finden sich nähere Informationen in der Anlage.
Höhepunktveranstaltungen In der städtischen Kulturlandschaft ist das Projektbüro (2.BM/Pb) für die Realisierung von Veranstaltungen im öffentlichen Raum und an besonderen Orten zuständig. Neben der Realisierung bewährter erfolgreicher Großveranstaltungen wie Bardentreffen, Klassik Open Air und Die Blaue Nacht gehört auch die Neukonzeption von innovativen Veranstaltungsformaten angesichts gesellschaftlicher Transformationen und der Einbezug der vielfältigen Stadtgesellschaft zu den Aufgaben des Projektbüros. Die von ihm realisierten Veranstaltungen reagieren auf relevante künstlerische, kulturelle, gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen und Diskurse der Gegenwart und machen diese innerhalb der einzigartigen Stadtlandschaft mit ihren markanten Räumen für eine breite Öffentlichkeit erlebbar. Möglich ist diese hochkomplexe Arbeit durch den interdisziplinären Background und die vorhandene langjährige Expertise im Projekt- und Kulturmanagement, zu dem Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation ebenso gehört wie das betriebswirtschaftliches Management und Sponsoring- und Drittmittelakquise. Nur dadurch können die traditionsreichen Veranstaltungen erhalten und Neues aufgesetzt werden. Rund 70% der Veranstaltungskosten werden vom Projektbüro durch Drittmittel (Sponsoring, Spenden, Vergabe von Gastronomierechten, Eintritte, Handelswaren) gedeckt. Durch die damit verbundenen Unwägbarkeiten und aufwändigen Abstimmungsprozesse müssen in Zukunft verstärkt Personalressourcen auf Kommunikation sowie Drittmittelakquise und -management verwendet werden. Neben diesen konkreten Maßnahmen wird in Zukunft über die enge Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen und Persönlichkeiten aus zeitgenössischer Kunst und Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft, Stadtplanung und öffentlichem Leben hinaus die überregionale Vernetzung ausgebaut werden müssen.
Rückblick 2023
Das geplante Programm wurde erfolgreich realisiert. Der Publikumszuspruch zu „Die Blaue Nacht 2023“, die traditionell den Auftakt der Veranstaltungsreihe des Projektbüros der Stadt Nürnberg bildet, war groß. Rund 150.000 Menschen erlebten die Kulturnacht unter dem Motto „Botschaften“. Das Bardentreffen brachte als Festival der Weltmusik auch gesellschaftsrelevante Fragen zur kulturellen Aneignung ins Bewusstsein und verzeichnete bei idealen Bedingungen mit 220.000 Menschen einen Besucherrekord. Die an den beiden darauffolgenden Wochenenden durchführten Klassik Open Air-Konzerte waren trotz durchwachsenen Wetters mit über 100.000 Besucherinnen und Besuchern sehr erfolgreich. Die Stadt(ver)führungen zum Thema „Schlüsselerlebnisse“ erzielten mit 18.000 Besuchen und rund 4.000 verkauften Tickets eine Steigerung von 7%. Als einmaliges Sonderformat war es durch Fördermittel zur Belebung der Innenstädte auf Länderebene möglich, mit Mauerblümchen, dem „Festival zur Widerstandsfähigkeit“, den südlichen Teil des Stadtgrabens von Rosengarten bis zum Hauptbahnhof im Spätsommer neu zu erleben und zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, Kulturinitiativen und der Stadtgesellschaft der Metropolregion Nürnberg eine Plattform zu geben. Rund 75 partizipative und interdisziplinäre Programmpunkte (Kunstinstallationen, Workshops, Talks, Konzerte) erlebten rund 6.000 Personen.
Die neue Leitung initiierte ab April 2023 neue Schwerpunktsetzungen unter Berücksichtigung aktueller Themen in Nürnberg im Hinblick auf Digitalisierung, Stadtplanung, internationale Sichtbarkeit und Einbezug der diversen Stadtgesellschaft, die sich in den zukünftigen Programmen widerspiegeln werden.
Ausblick 2024
Einerseits laufen aktuell die Planungen der Traditionsveranstaltungen: „Zukunftsmusik“ ist ein vielschichtiges Format aus mehreren Modulen, das 2024-2025 mit den Mitteln partizipativer digitaler Kunst neues Leben in das verlassene Gebäude des ehemaligen Galeria Kaufhof bringen soll. In enger Zusammenarbeit mit Institutionen und Persönlichkeiten aus zeitgenössischer Kunst und Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft, Stadtplanung und öffentlichem Leben soll die Transformation der Stadt ein Forum im Zentrum bekommen. Ziel ist eine lebendige und integrative Kultur zu etablieren, die neue Erlebnisse ermöglicht, verbindet, inspiriert und nachhaltig wirkt. Realisiert werden soll das Projekt mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Innenstädte beleben“ der Bayerischen Staatsregierung zu 90%, weiteren Drittmitteln und 10% Mitteln der Stadt Nürnberg. Die Klassik Open Air-Konzerte finden wieder im gewohnten Rhythmus statt. Am Sonntag, 21. Juli 2024 dirigiert das Konzert der Nürnberger Staatsphilharmonie deren neuer Generalmusikdirektor Roland Böer. Auf der großen Bühne im Luitpoldhain folgt am Samstag, 3. August das Konzert der Nürnberger Symphoniker unter Jonathan Darlington. Eine Neuauflage von Stars im Luitpoldhain mit Größen der internationalen Jazz- und Popszene findet am Sonntag, 4. August statt. Das Bardentreffen läutet vom 26. bis Sonntag, 28. Juli 2024 den Beginn der bayerischen Sommerferien ein. Der Fokus richtet sich auf das Mittelmeer als geographischen Ort des Transfers und der Verbindung und musikkulturellen Verschmelzungen zwischen Europa, Nordafrika und Vorderasien. Die Stadt(ver)führungen stehen thematisch unter dem Arbeitstitel „Schätze“ und finden von Freitag, 13. bis Sonntag, 15. September statt.
Andererseits ist Neues in Arbeit: Albrecht Dürer als innovative Künstlerpersönlichkeit neu zu beleuchten und Nürnberg auch auf der internationalen Landkarte zeitgenössischer Kunst neu zu verorten, ist das Ziel einer neuen Reihe mit Produktionen internationaler Künstlerinnen und Künstlern, beginnend mit John Akomfrah. Die Programme des Projektbüros der Stadt Nürnberg erscheinen von 2024 an in einem neuen Erscheinungsbild, um ihnen eine neue Öffentlichkeit zu verschaffen und neue und weitere Partnerinnen und Partner und Künstlerinnen und Künstler zu gewinnen. Der Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Social Media wird überarbeitet und in den Fokus gestellt, um die wachsenden Anforderungen an Öffentlichkeitswirksamkeit und Reichweite auch angesichts der Veränderung der Presse- und Medienlandschaft gewährleisten zu können. Strukturelle Transformationsprozesse im Büro werden eingeleitet, um die auf Drittmitteln basierende Arbeit an den aufwändigen kulturellen Großprojekten der Stadt Nürnberg aufrecht erhalten zu können.
Unterstützt werden die Kulturfestivals weiterhin u.a. von: Albrecht Dürer Airport Nürnberg, Bayerischer Rundfunk, Bayern LB, Datev, ESW Bayern, Funkhaus Nürnberg, GEMA, GMN, Henriette- Schmidt-Burkhardt-Stiftung, Hüttinger Interactive Exibitions, Koch Invest, Lebkuchen Schmidt, N- Ergie Aktiengesellschaft, NÜRNBERGER Versicherung, Sparda-Bank Nürnberg, Sparkasse Nürnberg, Schutzverband Nürnberger Bratwürste, Tucher Privatbrauerei, VAG, VR Bank Metropolregion Nürnberg, wbg Nürnberg.