Haushaltssperre

← Sitzung des Kulturausschusses (01.12.2023)

TISCHVORLAGE TOP 1.1 KulturA 20231201 (Stand 29.11.2023)

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Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Berichtsvorlage 2. BM/038/2023

Beratung Datum Behandlung Ziel

Kulturausschuss 01.12.2023 öffentlich Bericht

Betreff:

Verantwortung der Stadt für den Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und

Zeppelintribüne

hier: Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 13.11.2023

Antrag der Freien Allianz vom 27.11.2023

Anlagen: 01_Antrag Die Grünen vom 20231113_AN_207_2023 02_Antrag_Freie Allianz vom 20231127_AN_214_2023 03_Bericht

Bericht: Die Entwicklung von Zeppelinfeld und -tribüne zum Lern- und Begegnungsort ist zentraler Bestandteil der Bildungs- und Aufklärungsarbeit der Stadt Nürnberg. Insbesondere vor dem Hintergrund eines zunehmend offen artikulierten Rechtsradikalismus und Antisemitismus hat das Vorhaben, gerade am historischen Ort Mechanismen, Methodik und Zielsetzungen totalitärer Systeme zu erklären und zu dekonstruieren, höchste Relevanz. Der Zugänglichmachung von Zeppelintribüne mit „Goldenem Saal“ und Zeppelinfeld kommt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle zu ebenso wie der Einbindung des Umfeldes.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stadt Nürnberg Berichtsvorlage 2. BM/038/2023

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Vielfalt der Gesellschaft ist grundlegend zu berücksichtigen.

  1. Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:

RA und DiP (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Stadt Nürnberg Berichtsvorlage 2. BM/038/2023

Freie Allianz «r Nürnberg

Wählerverein im Stadtrat

OBERBÜRGER VIEIS TER

Herrn OB Marcus König £ 7 ti Ü V. jjß .......Nr. Rathausplatz 2

90403 Nürnberg 27.11.2023

Bäume am Zeppelinfeld: Pragmatik statt Dogmatik

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wir begrüßen die Entwicklung von Zeppelinfeld und Zeppelintribüne zu einem Lern- und Begegnungsort. Um den Gesamteindruck des historisch bedeutsamen Geländes wieder erlebbar zu machen, unterstützen wir auch die Wiederherstellung der einstigen Sichtachse, die einen freien Blick von der Redekanzel der Zeppelintribüne auf das Aufmarschgelände ermöglichen würde. Dafür wäre die Fällung von einigen Rosskastanien am Zeppelinfeld notwendig. Insgesamt handelt es sich hier um 21 relativ junge Bäume (rund 40 Jahre), die aufgrund ihres großen Abstands zueinander auch weitgehend harmonisch gewachsen sind.

Vor diesem Hintergrund gilt für uns: Pragmatik statt Dogmatik. Deshalb plädieren wir dafür, die vorhandenen Bäume - bei denen es möglich ist - zu dislozieren und stellen folgenden

Antrag:

  1. Das Umweltreferat setzt sich für den Erhalt der Rosskastanien ein. Mithilfe von Auskofferungen werden die Bäume an eine passende Stelle im Stadtgebiet versetzt und in die jeweilige Grünflächenplanung integriert.

  2. Das Kulturreferat berichtet im fachlich zuständigen Ausschuss über die von Kulturreferentin Julia Lehner in der Stadtratssitzung vom 23.11.2023 erwähnten Pläne bezüglich der Bäume am Zeppelinfeld.

Mit freundlichen Grüßen

C

Jürgen Horst Dörfler Alexander Damm Stadtrat Stadtrat

Stadtrat/Vorsitzender Jürgen Horst Dörfler, Dipl. Betriebswirt FH Stadtrat Alexander Damm, Apotheker/Pharmazierat Büro der AG: Theresienstraße 5, 90403 Nbg., Mo-Fr. 10-14 Uhr

E-Mail: juergen.doerfler@stadt.nuernberg.de

Verantwortung der Stadt Nürnberg für den Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld

und Zeppelintribüne

Sachverhalt Zeppelinfeld und Zeppelintribüne stehen als einziger in der NS-Zeit geplanter, fertiggestellter, während der nationalsozialistischen Reichsparteitage genutzter und heute noch erhaltener Bestandteil des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes seit 1973 unter Denkmalschutz. Für die Verwaltung ist es unstrittig, dass der 2004 vom Stadtrat beschlossene Grundsatz der „Leitlinien/Leitgedanken zum künftigen Umgang“ weiterhin die Haltung von Rat und Verwaltung wiedergibt: „Die Stadt Nürnberg ist verpflichtet, sich mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände auseinander zu setzen. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.“ Mit dieser Fragestellung setzt sich der Geschäftsbereich Kultur unter Einbindung umfassender Expertise seit vielen Jahren intensiv auseinander, beispielsweise 2015 im Rahmen der internationalen Tagung Erhalten! Wozu? Perspektiven für Zeppelintribüne, Zeppelinfeld und das ehemalige Reichsparteitagsgelände oder mit einer wissenschaftlichen Studie über Nutzungsverhalten und -bedarfe, die 2019 unter dem Titel Perspektivenwechsel. Das ehemalige Reichsparteitagsgelände aus Sicht von Besucherinnen und Besuchern wichtige Erkenntnisse und Forschungsergebnisse erbrachte. Zudem ist seit 2019 der Wissenschaftliche Beirat „Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände“ in Entstehung und Umsetzung des Lern- und Begegnungsortes eng eingebunden. Dass Rechtsradikalismus und Antisemitismus nicht nur in der Rückschau zu betrachten sind, sondern uns in unterschiedlichen Bereichen des Alltags massiv herausfordern, wird uns derzeit in erschreckender Weise vor Augen geführt. Gleichzeitig bereiten allgemein wahrnehmbar abnehmende Kenntnisse über Inhalt und Wirkmacht der NS-Ideologie Anlass zur Sorge. Die Stadt Nürnberg begreift dieses als Auftrag, Aufklärungs- und Bildungsarbeit verstärkt fortzusetzen und Mechanismen, Methodik und Zielsetzungen totalitärer Systeme am Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne einem nationalen und internationalen Publikum sowie folgenden Generationen zu erschließen und zukunftsgerichtet zu vermitteln. Denn Aufklärung darüber ist nicht alleine Wissensvermittlung, sondern Prävention im Zeichen von Demokratiebildung. Grundlagen der Konzeptentwicklung Der Zugänglichmachung von Zeppelintribüne mit „Goldenem Saal“ und Zeppelinfeld kommt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle zu ebenso wie der Einbindung des Umfeldes. Im 2015 vom Stadtrat einstimmig beschlossenem Konzeptbaustein des Dokumentationszentrums „ErfahrungsRaum Reichsparteitagsgelände“ wird der Erhalt und die erhöhte Zugänglichkeit bisher gesperrter Bereiche des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes mit der Möglichkeit des historischen Erkenntnisgewinns durch Sinneswahrnehmungen begründet. Diese Form der Geschichtsvermittlung wurde durch die oben genannte Besucherstudie des Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg empirisch untermauert. Das pädagogische Ziel für die Entwicklung des Lern- und Begegnungsortes ist es ausdrücklich nicht, im Sinne einer Re-Inszenierung die „Gewaltigkeit der Nazi-Propaganda erfahrbar“ zu machen. Vielmehr soll es künftig mittels derzeit nicht einnehmbarer Sichtbezüge möglich sein, sich konkreter und kritischer als bisher mit der architektonischen Wirkung des Gesamtensembles auseinanderzusetzen und die Konzentration auf Hitlers Rednerkanzel durch die neu entwickelten Reflexionsorte (2016 noch „Sehepunkte“ genannt) zu erklären und zu dekonstruieren. Diese stellen eine Ergänzung zu den wissensbasierten und kognitiv wahrzunehmenden Informationen in der Dauerausstellung und auf den Bild-Text-Tafeln des Geländeinformationssystems dar. Die Reflexionsorte sind wichtige neue Angebote auch für diejenigen, die ohne Geschichtsinteresse, historisches Vorwissen oder Sprachkenntnisse das hochfrequentierte Areal aufsuchen oder passieren.

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Dieses Konzept des Lern- und Begegnungsortes – nicht der rein bauliche Erhalt – ist Grundlage und Voraussetzung für die von Bund und Land gewährten Fördermittel. Baumbestand am Zeppelinfeld Wie bei den Vermittlungsthemen setzt die Verwaltung auch bei der Frage des Umgangs mit der Baumreihe auf seriösen Austausch und Informationen. Der aktuelle Stand ist dem Stadtrat sowie den zuständigen Verwaltungseinheiten über die entsprechenden Vorlagen, Besprechungen und Instruktionen ebenso bekannt wie der interessierten Öffentlichkeit. Im Rahmen jährlicher Infotage, zuletzt am 3. Oktober 2023 mit rund 1.000 Interessierten und viel nachgefragten inklusiven Angeboten, aber auch Einzelveranstaltungen wird laufend über den Fortgang der Planungen und Konzepte berichtet. Dezidiert informiert und diskutiert wurde hierüber beispielsweise am 4. Juli 2023 im Format Werkstattgespräche im früheren Bahnhof Dutzendteich. Die Kastanienreihe ist somit längst Teil der Konzeption für die von Bund und Land geförderte Vertiefung der künftigen historisch-politischen Bildungsarbeit am Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne. Bislang unterstehen die Kastanien nicht dem Beobachtungs- und Pflegekonzept von SÖR, da sie aktuell dem nichtöffentlichen Raum „Sportanlage Zeppelinfeld“ zugeordnet sind. Der Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin hat hierzu im Oktober eine Änderung angeregt und SÖR um ein Monitoring für die kommenden Jahre gebeten, um den Zustand der Bäume näher zu erfassen. Um das Funktionieren der Reflexionsorte zu gewährleisten und das Bauensemble in seinem historischen Quellenwert „lesbar“ zu erhalten, wurden und werden Optionen möglicher Versetzungen der Bäume geprüft sowie Flächen zur Entsiegelung inklusive Neu- und Ersatzpflanzungen bestimmt. Eine Beseitigung der Bäume steht nicht zur Disposition. Infolge des Baum-Monitorings wird ca. 2028 eine Bewertung der Situation vorgenommen werden.

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