Haushaltssperre

← gemeinsame Sitzung des Schulausschusses und Jugendhilfeausschusses (30.11.2023)

Bericht

Anlage · 30.11.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Schule & Bildung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

SCHLAU Übergangsmanagement: Ergebnisse Schuljahr 2022/2023

1. Neue Entwicklungen bei SCHLAU

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, die auch im System der beruflichen Orientierung zu erheblichen Problemen geführt hatten (in den letzten Jahren wurde von SCHLAU dazu immer wieder berichtet), sind zwischenzeitlich aufgehoben. Die Folgeeffekte für die Jugendlichen sind allerdings nach wie vor spürbar.

Die Fachkräfte bei SCHLAU stellen im Prozess der Beratung fest, dass die jungen Menschen auch mit weiteren belastenden Faktoren konfrontiert sind:  Klimakrise, „Fridays for future“  Krieg  Bedrohung durch ständige negativen Informationen im Internet  Überforderung durch ein unüberschaubares Angebot an Möglichkeiten

Um dem entgegenzuwirken sind die Fachkräfte von SCHLAU gefordert, den Schülerinnen und Schülern Perspektiven aufzuzeigen, Sinnhaftigkeit zu vermitteln und damit eine (möglichst nachhaltige) Motivation zu entwickeln. Besonders wichtig ist, zwischen den Schülerinnen und Schülern auf der einen Seite und den Betrieben, aber auch den Lehrkräften auf der anderen Seite zu übersetzen und vermitteln. Die Schwierigkeit dabei liegt nicht selten an einem sehr unterschiedlichen Wertekanon sowie unterschiedlichen Ansprüchen und Vorstellungen von der Arbeitswelt.

Wie passt sich SCHLAU den Veränderungen bei der Zielgruppe und in der Gesellschaft

an?

In den Beratungen zeigt sich, wie sehr die Jugendlichen gerade jetzt, in einer digitalisierten Welt, die Unterstützung von SCHLAU und eine vertraute, persönliche Beziehung zur Beratungsfachkraft benötigen. Der Prozess kann sicher gut durch Internetportale oder anderen Medien unterstützt werden, ist aber dadurch nicht zu ersetzen. SCHLAU weist durch die weit überdurchschnittliche Zahl an Einmündungen in duale Ausbildung Jahr für Jahr nach, dass die persönliche Unterstützungsleistung wirksam ist. In Zeiten des Nachwuchs- und Fachkräftemangels Jugendliche zu einem passenden Ausbildungsplatz hinzuführen und so weit vorzubereiten, dass Abbrüche vermieden werden und für den Betrieb und den Azubi ein dauerhaft gewinnbringendes Arbeitsverhältnis entsteht, ist und bleibt ein gesellschaftlicher Schlüsselprozess in den kommenden Jahren.

Um stets am Puls der Zeit zu bleiben, haben sich bei SCHLAU mehrere Arbeitsgruppen konstituiert, die für das gesamte Team bestimmte Themen zeitgemäß aufbereiten:

 AG Berufsorientierungsmaterialien  Entwicklung haptischer Materialien in Ergänzung zu digitalen Tools  AG Bewerbungsunterlagen  moderne Bewerbungsverfahren, z. B. Bewerbungsvideos  AG Digitales Anmeldeformular  Anmeldeprozess für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler effektiver gestalten  AG VR-Brillen  Filme zu Ausbildungsberufen mit Einblick in die betriebliche Welt  AG Mitarbeitendenhospitation  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren sich über neue oder seltene Berufsbilder, um Jugendliche nicht nur für die Top 10-Berufe zu motivieren

Um auch Schülerinnen und Schülern Chancen zu eröffnen, die weniger gute Schulnoten mitbringen, versucht das Team von SCHLAU im Prozess verstärkt Schlüsselkompetenzen und digitale Kompetenzen zu vermitteln, damit die Jugendlichen auf dieser Ebene bei den Betrieben punkten können.

Um auch stets die Veränderungen auf der betrieblichen Seite im Blick zu behalten, engagieren sich das Team neben festen betrieblichen Kooperationen auch im Netzwerk Schule-Wirtschaft. Zur Erweiterung des betrieblichen Spektrums werden regelmäßig Personalverantwortliche von Betrieben eingeladen, mit denen SCHLAU bis dato noch nicht kooperiert hat. Hier wird der Betrieb präsentiert sowie das gewünschte Anforderungsprofil besprochen und anschließend in der Datenbank hinterlegt. Das Anliegen von SCHLAU ist es, Betriebe hinzuzugewinnen, die grundsätzlich bereit sind, auch Jugendlichen ohne Schulabschluss eine Chance zu geben.

SCHLAU goes Hollywood

Nicht zuletzt dürfen wir mit Stolz verkünden, dass SCHLAU in Eigenproduktion einen Film für junge Menschen, die an der Schwelle zum Beruf stehen, gedreht hat. Darin wird die Biographie einer ehemaligen Praktikantin bei SCHLAU dargestellt, die den Weg von der Mittelschule über die Mittlere Reife, FOS mit Abbruch, Ausbildung mit Berufsschule Plus bis zum Studium der Sozialen Arbeit geschafft hat. Damit wollen wir Jugendlichen Mut machen - und ihnen die Durchlässigkeit und die Möglichkeiten des Bildungssystems vergegenwärtigen. Das Werk ist mittlerweile veröffentlicht unter https://youtu.be/Gnea6IXz2NY

2. Ergebnisse aus den einzelnen Fachteams bei SCHLAU

Team Mittelschule für Vorentlassklassen („SCHLAU 8“)

Auch im Schuljahr 2022/2023 durfte SCHLAU erneut die Aufgabe übernehmen ein Berufsorientierungsangebot für Gruppen durchzuführen, welches in den Vorabgangsklassen der Mittelschulen stattfinden konnte. Das Projekt zielt darauf ab, den Übergang von der Mittelschule zu weiterführenden Bildungseinrichtungen oder beruflichen Ausbildungen nach Abschluss der Mittelschule vorzubereiten. Durch SCHLAU 8 werden frühzeitig relevante Kenntnisse vermittelt und Hemmschwellen abgebaut, um den Übergangsprozess zu erleichtern. Das Angebot wird von den beteiligten Mittelschulen sehr gut angenommen und gelobt.

Abbildung 1

Es stehen 225 Teilnehmerplätze zur Verfügung.

Team Mittelschule für Entlassklassen

Das dienstälteste Fachteam bei SCHLAU (bestehend seit 2006) begleitete 440 Schülerinnen und Schüler aus den Abgangsklassen der Nürnberger Mittelschulen, also Jugendliche aus den 9. Klassen sowie aus M10- und V2-Klassen.

Die Grafik rechts zeigt die wie immer erfreulichen Anschlussergebnisse nach Abschluss der Maßnahme. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer münden Jahr für Jahr etwa doppelt so häufig in Ausbildung ein als die Vergleichsgruppe aller Nürnberger Mittelschülerinnen und -schüler.

Die Angebote von SCHLAU für Mittelschulen stehen im Frühjahr 2024 zur Neuausschreibung durch das Regionaleinkaufszentrum der Bundesagentur für Arbeit an. Die Finanzierung wird nach §48 SGB III formal jeweils zur Hälfte von der Bundesagentur und dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus getragen, die übrige Finanzierung von ca. einem Drittel der Gesamtkosten trägt die Stadt Nürnberg. Inwieweit die bestehenden Platzzahlen wieder eingekauft werden können, steht aufgrund der Mittelkürzungen für Berufsorientierung beim Freistaat zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch nicht fest. Zudem steht noch die Entscheidung der Stadt Nürnberg an, inwieweit infolge der Haushaltskonsolidierung Bereitschaft besteht, für die aktuell 9,31 Vollzeitstellen die Fehlbetragsfinanzierung weiterhin zu decken.

Team Berufsschulberatung Neben den Berufsschulberatungstagen von November bis Mai, während derer sämtliche Neuntklässler der Nürnberger Mittelschulen zum Thema Berufsschulpflicht informiert werden, öffnete das Team nun im dritten Jahr das „Zuweisungsbüro“. Auch in diesem Jahr wurde diese zusätzliche Beratungsleistung für berufsschulpflichtige Jugendliche mit Beginn der Sommerferien bis zum 20. Oktober angeboten. Eine bei SchB in Eigenleistung entwickelte App unterstützte bei einer passgenauen und gerechten Verteilung der jungen Menschen auf die verfügbaren Plätze in den Berufsvorbereitungsangeboten des Übergangssystems.

Team Ausbildungsakquisition

Die Zuverlässigkeit, die Motivation und die Soft Skills der Schülerinnen und Schüler aus den BVJ- Klassen nimmt seit Jahren tendenziell ab. Das berichten Lehrkräfte genauso wie die Sozialpädagoginnen dieses Teams, die wieder 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begleitet haben. Dank des aufnahmebereiten Ausbildungsmarktes gelang es trotz aller Schwierigkeiten wieder eine bemerkenswerte Quote von Einmündungen in die duale Ausbildung zu erreichen (siehe Grafik unten).

Abbildung 2

Abbildung 3

Team Ausbildungsakquisition für jugendliche Geflüchtete

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Bereich der Geflüchteten und Neuzugewanderten aus den Berufsintegrationsklassen tätig sind, konnten nach Ablauf des Schuljahrs wieder die Früchte der professionellen Beratungsarbeit bei SCHLAU in Form sehr guter Anschlussergebnisse sehen (siehe Grafik links).

Team IBOS (Intensivierte berufliche Orientierung an Schulen)

Abbildung 4

„Das vergangene Schuljahr im IBOS- Projekt war das wohl emotionalste Schuljahr in der bisherigen Projekthistorie.“ Soweit die Worte der beiden langjährigen Koordinatorinnen des Projekts IBOS. Nach bangen Monaten, in welchen kaum noch jemand an ein Fortbestehen des seit Jahren so erfolgreichen Projektes glaubte und das Projekt zwischenzeitlich von der Staatsregierung einen mit 4.000,-€ dotierten Preis für gelungene Berufsorientierung verliehen bekam, folgte am 10. März 2023 der erlösende Moment. Bei einem Besuch der Scharrer-Mittelschule verkündete Ministerpräsident Dr. Markus Söder in Begleitung des Nürnberger Oberbürgermeisters und der Referentin für Schule und Sport, die sich beständig und engagiert für den Fortbestand eingesetzt hat, die Bereitstellung weiterer Fördermittel für die Schuljahre 2023/24 und 2024/25. Ein guter Tag für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Scharrerstraße und Hummelsteiner Weg, die zwei weitere Schuljahre von dem Angebot profitieren können, das auch im vergangenen Schuljahr wieder mit einer beeindruckenden Erfolgsquote aufwarten konnte.

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