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← gemeinsame Sitzung des Schulausschusses und Jugendhilfeausschusses (30.11.2023)

Bericht

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Langwasser Jugendhilfeausschuss Schule & Bildung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage 4.1 zur Sitzung des gemeinsamen Schul- und Jugendhilfeausschusses vom 30.11.2023

Das Netzwerk Nürnberger Streitschlichter (NNS)

Das Nürnberger Streitschlichterprogramm an Schulen – Aktueller Stand

Die Nürnberger allgemeinbildenden Schulen setzen seit etwa drei Jahrzehnten Streitschlichterinnen und Streitschlichter als Mittel der Schülermediation ein. Die Verantwortlichkeiten innerhalb der Schulen obliegen den betreuenden Lehrkräften, welche gegebenenfalls auch durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) unterstützt werden. An Realschulen und Gymnasien wird der Wahlunterricht nahezu ausschließlich von qualifizierten Lehrkräften durchgeführt, die entsprechende Fortbildungen oder die Ausbildung zur Beratungslehrkraft absolviert haben.

An einer umfassenden Umfrage zur Situation der Streitschlichtung unter den allgemeinbildenden Schulen in der Stadt Nürnberg im Oktober 2023 nahmen von insgesamt 102 Schulen 89 Schulen teil. Von diesen 89 Schulen verfügen derzeit 26 über ein aktives ausgewiesenes Streitschlichterprogramm. Diese Schulen setzen sich aus zehn Grundschulen, zwei Förderzentren, sechs Mittelschulen, einer Realschule und sieben Gymnasien zusammen. Weitere Schulen zeigen Interesse am Aufbau eines solchen Programms oder befinden sich im Prozess des Wiederaufbaus eines Kurses, der aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochen wurde.

In den Rückmeldungen von 16 Schulen, die in der Vergangenheit ein Streitschlichterprogramm unterhielten, das nicht wiederaufgenommen werden kann, wurde deutlich, dass das Auslaufen vieler langjährig aktiver Wahlkurse im Bereich Streitschlichter hauptsächlich auf Personalmangel innerhalb des Lehrkörpers und Überlastung des JaS-Personals an Schulen zurückzuführen ist. Einige Schulen äußerten den Wunsch nach Fortbildungsmaßnahmen, um neue Lehrkräfte zu qualifizieren und somit die Möglichkeit zu schaffen, Streitschlichter an ihrer Schule wieder zu etablieren.

Das Netzwerk Nürnberger Streitschlichter

Das Netzwerk Nürnberger Streitschlichter (NNS) ist ein Zusammenschluss der Mentorinnen und Mentoren aller am Streitschlichter-Programm teilnehmenden Schulen in Nürnberg.

Das Netzwerk trifft sich drei bis vier Mal jährlich, nimmt sich fachlicher Themen rund um die Streitschlichtung an und organisiert die Streitschlichterehrung in Zusammenarbeit mit dem Referat für Schule und Sport und dem Jugendamt Nürnberg für aktive Streitschlichterinnen und Streitschlichter der Nürnberger Schulen und der sie betreuenden Lehrkräfte sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen.

Das Streitschlichter-Programm wird von sogenannten Streitschlichter-Mentorinnen und Streitschlichter-Mentoren begleitet, die wiederum an ihren Schulen die Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichterinnen und Streitschlichtern ausbilden. Das Team der Mentorinnen und Mentoren besteht meist aus einer Lehrkraft und einer weiteren pädagogischen Fachkraft (insbesondere Sozial- und Religionspädagoginnen und -pädagogen). Auch ein Team aus mehreren Lehrkräften ist durchaus üblich.

Das Konzept Streitschlichter

Die Streitschlichtung basiert auf dem Verfahren der Mediation. Mediation ist ein freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes mithilfe einer neutralen dritten Partei,

die das strukturierte Verfahren der Mediation moderiert. Für das Ergebnis bzw. die Lösung sind die Konfliktparteien verantwortlich.

Durch dieses Konzept soll es ermöglicht werden, eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten einen Gewinn bietet. Das Streitschlichtermodell ist im Rahmen der Demokratiebildung ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer Streitkultur und strukturierter Konfliktvermittlung an Schulen, die Schülerinnen und Schüler befähigen soll, ihre Auseinandersetzungen eigenverantwortlich zu lösen. Eigenverantwortlich deshalb, weil hier der Peer-to-Peer-Ansatz hinzukommt, der besagt, dass Schülerinnen und Schüler sich untereinander unterstützen, die Konflikte zu lösen und damit auch gegenseitigen Respekt und Wertschätzung in der jeweiligen Schule vermitteln können.

Ablauf der Streitschlichtung an Schulen

Die Streitschlichtung läuft in der Regel in fünf Teilschritten ab: Zunächst gibt es eine Begrüßung der Konfliktparteien, bei der auch die Regeln durch die Streitschlichtenden erläutert werden: vom Vertrauensschutz des jeweiligen Gesprächs über sich gegenseitig Aussprechen zu lassen und die Vereinbarung gegenseitiger Ehrlichkeit, über den Hinweis, dass weder Beleidigungen noch Gewalt geduldet werden, bis hin zur Einverständnis über diese Regeln beider Konfliktparteien.

In der zweiten Phase wird vereinbart, wer zuerst den Konflikt aus seiner Sicht erzählt. Danach erläutert der/die erste Betroffene den Konflikt, die Streitschlichterinnen und -schlichter spiegeln den Bericht, danach schildert der/die zweite Betroffene, was wiederum gespiegelt wird durch die Moderation. Anschließend wird beides von den streitschlichtenden Personen zusammengefasst.

In der dritten Phase gibt es Nachfragen: Hier wird versucht, Gefühle und Motive für das Handeln herauszufinden und Wünsche und Erwartungen der Betroffenen geklärt, insbesondere, wie es nach dem Konflikt weitergehen solle.

In der vierten Phase der Streitschlichtung werden Lösungen erarbeitet. Dabei helfen Fragen wie: „Was erwartest du dir von …?“, „Was bist du bereit zu tun?“ oder „Welchen Lösungsvorschlag hast du?“. Das Ziel ist es, möglichst eine Win-win-Situation herzustellen, in der beide Betroffene sich wiederfinden können und die für jede Konfliktpartei ein Gewinn darstellen könnte.

In der fünften und letzten Phase geht es darum, eine gemeinsame Vereinbarung zu treffen. Es wird ein vorbereiteter Zettel ausgefüllt, die Einverständnis der beiden Konfliktparteien eingeholt und gegebenenfalls ein Nachtermin vereinbart.

Die Streitschlichtung erfolgt an den unterschiedlichen Schulen je nach Ausgestaltung. In vielen Schulen findet sich ein „Streitschlichter-Zimmer“, in dem die Streitschlichtungen in den Pausen durchgeführt werden können, andere wiederum führen die Streitschlichtungen auch auf dem Pausenhof durch. Manche Streitschlichtergruppen werden in Form von AGs im Ganztag angeboten, andere Streitschlichter-Gruppen treffen sich am Nachmittag nach der Schulzeit.

Ausbildung und Begleitung der zukünftigen Streitschlichtenden

Die Ausbildung enthält sowohl theoretische wie praktische Bestandteile. Wichtige Themen in der Ausbildung sind zum Beispiel, zum Perspektivwechsel anzuregen, Empathie-Stärkung, Einüben von Gesprächstechniken wie „Ich-Botschaften“ oder „Aktives Zuhören“. Auch das Herstellen einer vertrauensvollen Atmosphäre, Teamfähigkeit, allgemein die Fähigkeit konstruktive Gespräche zu führen oder das Gespräch zusammenzufassen oder Notizen zu verfassen, werden spielerisch geschult.

Zudem werden die Kinder und Jugendlichen in Form von Kooperations- und Rollenspielen auf reale Konfliktsituationen vorbereitet. Sie lernen beispielsweise darauf zu achten, dass alle zu Wort kommen und welche Möglichkeiten der Konfliktlösung es gibt.

Die Ausbildung wird in den verschiedenen Schulen und Schularten unterschiedlich angeboten, sei es im Block auch außerhalb der Schule oder auf einer gemeinsamen Fahrt oder auch wöchentlich.

Anschließend werden die Streitschlichterinnen und Streitschlichter weiterhin begleitet und es werden in der Regel wöchentliche Treffen vereinbart, um auch schwierige Fälle besprechen zu können oder gewisse Themen aufgreifen zu können und nach zu schulen. Auch das ist von Schule zu Schule in der Ausgestaltung unterschiedlich.

Streitschlichterehrung

Die Ehrung der Streitschlichterinnen und Streitschlichter erfolgt einmal jährlich in einem festlichen Akt, der ein Rahmenprogramm bietet und vom Netzwerk Nürnberger Streitschlichter (NNS) bereits seit vielen Jahren im Auftrag des Referats für Schule und Sport und des Jugendamts organisiert wird. Dazu wird ein Organisationsteam aus Vertreterinnen und Vertretern der ausbildenden Lehrkräfte und weiterer pädagogischer Fachkräfte gebildet, das gemeinsam mit der Koordinationsstelle des Netzwerks die Veranstaltung vorbereitet und durchführt. In der Organisation sind auch die beiden Vertretenden der Stäbe aus dem Schulreferat und dem Jugendamt übergeordnet mit beteiligt.

Eingeladen werden alle Schulen, an denen das Streitschlichter-Programm durchgeführt wird. Jede teilnehmende Schule erhält ein Zertifikat für die geleistete Arbeit ihrer Streitschlichterinnen und Streitschlichter. Zusätzlich bekommen im Nachgang zur Ehrung die Mentorinnen und Mentoren noch ein Zertifikat zugesandt, das den einzelnen Schülerinnen und Schülern zum Zeugnis persönlich ausgestellt und ausgehändigt wird.

Die öffentliche Ehrung wird gemeinsam durch die Referentin Frau Cornelia Trinkl und die Jugendamtsleiterin Frau Dr. Kerstin Schröder vorgenommen. Die Ehrung findet in der Regel Anfang Mai statt, da allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden soll sich noch vor ihrer Abschlussprüfungszeit beteiligen zu können. Das Rahmenprogramm bietet den jungen Menschen zudem die Möglichkeit, eine eingeübte Performance zum Besten zu geben. Die Ehrung wird von Tanzgruppen oder Schulbands gestaltet, sodass ein abwechslungsreiches Programm rund um die Ehrung entsteht. Auch inkludiert ist eine Schülerrede und/oder ein Ehrengast, der der Veranstaltung beiwohnt und noch einige Worte an die Streitschlichterinnen und -schlichter sowie ihre Mentorinnen und Mentoren zum Thema „Faires Streiten“ und „Streitkultur“ richtet.

Streitschlichter-Programm an Schulen während und nach der Corona-Pandemie

Da es in den Jahren 2020, 2021 und 2022 nicht möglich war, eine Großveranstaltung sicher zu planen und durchzuführen, musste die Ehrung in diesen Jahren leider ausfallen. 2023 fand somit zum ersten Mal wieder eine Ehrung der Streitschlichterinnen und -schlichter statt.

Die Situation an den Schulen gestaltete sich während der Corona-Pandemie sehr unterschiedlich bezüglich der Ausbildung und Durchführung des Streitschlichter-Programms.

Am 04. Mai 2023 wurden im Gemeinschaftshaus Langwasser, eingebettet in ein buntes Rahmenprogramm, die Streitschlichterinnen und -schlichter aus 16 Nürnberger Schulen geehrt. Bei der letzten Ehrung im Jahr 2019 waren im Vergleich hierzu 30 Schulen aus Nürnberg angemeldet.

Fazit

Das Streitschlichter-Programm an Nürnberger Schulen ist ein wertvolles Werkzeug der Konfliktbearbeitung und Demokratiebildung, daher ist es in jedem Fall wünschenswert, dass dies weiterhin bestehen bleibt oder wieder installiert wird. Durch das Netzwerk Nürnberger Streitschlichter (NNS) wird ein fachlicher Austausch und eine professionsübergreifende Zusammenarbeit gefördert und gestärkt.

Durch die jährliche Ehrung erfahren die jungen Menschen und ihre Ausbilderinnen und Ausbilder eine hohe Wertschätzung und Anerkennung für ihre geleistete Arbeit und ihr Engagement, das förderlich ist für die Schule, aber auch Strahlkraft hat, was die Konfliktkultur angeht, weit über den Raum der Schule hinaus, in Familie und Sozialraum.

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