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Sachverhalt

Anlage · 15.11.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Schule & Bildung Gesundheitsausschuss Soziales & Gesundheit Digitalisierung & Verwaltung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Corona: Auswirkungen auf die Tätigkeiten der ZEBBEK (Zentrale Beratungsstelle für

Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsauffälligkeiten und Behinderung)

Sachverhalt

1. Konzeption der ZEBBEK

Die ZEBBEK ist eine seit über 50 Jahren etablierte und deutschlandweit einmalige Einrichtung am Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg. Hier werden Kinder bis zum Alter von sechs Jahren mit Entwicklungsdefiziten, Verhaltensauffälligkeiten, Behinderungen oder auch aufgrund sozialer Problemlagen (Inobhutnahmen durch das Jugendamt) vorgestellt und im Hinblick auf geeignete Betreuungseinrichtungen und Unterstützungs- und Fördermaßnahmen, durch ein multiprofessionelles Team mit entsprechender Befundbericht- und Gutachtenerstellung sowie Beratung der Eltern, des anfragenden Fachpersonals und anderer Beteiligter Akteure untersucht. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des multiprofessionellen Teams der ZEBBEK aus Kinderärztinnen und Kinderärzten (2,0 VK), Psychologinnen (1,5 VK) und einer Sozialpädagogin (1,0 VK) wurde dem Gesundheitsausschuss am 11.05.2023 in der Vorlage zur Agenda 2023 (TOP 3) vorgestellt. Wie dargestellt, beobachtet die ZEBBEK, dass vor allem Kinder mit schwereren Auffälligkeiten vorgestellt werden, v.a. ist eine Zunahme von Verhaltensstörungen festzustellen.

Aktuell wird das fachliche Konzept der ZEBBEK überarbeitet. Im nächsten Schritt wird mit Unterstützung des Amts für Digitalisierung und Prozessorganisation (DiP) eine Optimierung der Abläufe durchgeführt. Dieser Prozess wird voraussichtlich im 1. Quartal 2024 abgeschlossen werden können. Hierbei wurde besonders berücksichtigt, dass die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitergemäß ihrer unterschiedlichen Professionen eingestellt werden. Die einzelnen Tätigkeiten, wie ärztlicher, psychologischer und sozialpädagogischer Dienst, wie nicht zuletzt auch Verwaltungsaufgaben, wurden klar definiert. Eine notwendige optimierte Digitalisierung der Dokumentation steht nach wie vor aus.

2. Corona-Pandemie und aktuelle personelle Situation

Aufgrund den Auswirkungen der Corona-Pandemie konnte die ZEBBEK erst im Jahr 2022 sukzessive wieder zu ihren originären Aufgaben zurückkehren.

Bis dato wurden Gutachtenaufträge priorisiert, besonders unter Berücksichtigung von Aufträgen des Bezirks Mittelfranken und des Amtes für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt. Es ist weiterhin mit einer hohen Anzahl von Anträgen zu rechnen, was angesichts der derzeitigen Personalsituation in der ZEBBEK nur schwer abzuarbeiten ist. Daher musste der Anspruch eines niederschwelligen Beratungs- und Untersuchungsangebotes einschließlich einer wichtigen Lotsenfunktion bis heute stark reduziert werden.

Die personelle Situation war durch einige Wechsel im Team, eine bis zum 01.08.2022 unbesetzte Bereichsleiterstelle, Langzeiterkrankung einer Mitarbeiterin und auch die Kündigung der ärztlichen Leitung der ZEBBEK zum Januar 2023 angespannt. Für die langzeiterkrankte Mitarbeiterin konnte eine ersatzweise zwischen März und Oktober 2023 befristete Stellenbesetzung erfolgen.

Im Sommer 2023 konnte die Stelle der Leitung intern neu besetzt werden. Die Halbtagsstelle einer Sozialpädagogin wurde bereits im Jahr 2020 zu einer Vollzeitstelle aufgestockt. Eine bislang offene Halbtagsstelle für einen/eine Kinder- und Jugendarzt/-ärztin befindet sich derzeit zusammen mit einer weiteren befristeten Halbtagsstelle für einen/eine Kinder- und Jugendarzt/ärztin im Ausschreibungsverfahren. Perspektivisch soll die ZEBBEK mit zwei Kinder- und Jugendärztinnen/ Jugendärzten, zwei Psychologinnen, einer Sozialpädagogin und einer Verwaltungskraft (mit reduzierten Stundenanteilen) alsbald wieder vollständig besetzt sein.

Trotz einer nach wie vor unbesetzten Arztstelle konnten unter der neuen Führungsstruktur mit den vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wartezeiten für die zu untersuchende Klientel deutlich auf aktuell vier bis sechs Wochen reduziert werden. Daneben fanden begleitend, mit dem Anspruch der Niedrigschwelligkeit einer ‘Komm-Struktur’, eine nicht unerhebliche Anzahl telefonischer Beratungen statt. Die ZEBBEK kann dabei nicht die personellen Engpässe und die nicht vorhandenen Kapazitäten in sonstig geeigneten Einrichtung (u.a. in sozialpädiatrische Zentren) ausgleichen. Ebenso ist die ZEBBEK keine Vermittlungsstelle für geeignete Einrichtungen zur Betreuung beeinträchtigter Kinder.

3. wachsender Bedarf und Kooperationen

Zu betonen ist, dass die Anzahl der Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung, die in Regel- und integrativen Einrichtungen in Nürnberg betreut werden, in den vergangenen Jahren beständig zugenommen hat.

Aus dem 6. Bildungsbericht der Stadt Nürnberg kann im Abschnitt zu „Frühkindlicher Bildung“ entnommen werden, dass im „Jahr 2021 586 Kinder mit einer (drohenden) Behinderung in Nürnberger Kindertageseinrichtungen betreut wurden, davon waren 57 Kinder unter drei Jahre alt und 529 zwischen drei und sechs Jahren alt. Die Gesamtzahl stieg im Vergleich zu 2016 um 69,4%. Gründe für den Anstieg sind die allgemeine Zunahme von diagnostizierten seelischen Störungen bei jungen Menschen, die häufigere Wahrnehmung und Diagnose von Autismus Spektrum Störungen, aber auch das Inklusionsgebot der UN-Behindertenrechtskonvention. Entsprechend des Anstiegs der Kinder mit Behinderung oder drohender Behinderung stieg auch die Anzahl der integrativen Einrichtungen in den vergangenen Jahren von 49 im Jahr 2016 auf 67 im Jahre 2021 an. Zur Unterstützung der Fachkräfte in den Einrichtungen wurde 2020 der Fachdienst Inklusion der Stadt Nürnberg aufgebaut.“ (zitiert nach: Stadt Nürnberg (2022) Bildung in Nürnberg 2022. Sechster Bildungsbericht der Stadt Nürnberg, S. 46)

Schließlich erfolgten in der Vergangenheit notwendige Kooperationen, beispielsweise an den ‘Runden Tischen der frühen Hilfen‘ und INEK (Interdisziplinären Netzwerks für die Entwicklungsförderung von Kindern [und Familien]). Hier zeigten die Beteiligten ein großes Versorgungsproblem in Nürnberg bezüglich freier Plätze für ‚auffällige Kinder‘ an.

Hieraus ergibt sich das zentrale Problem, dass der wachsende Bedarf an Plätzen in geeigneten Einrichtungen für ‚auffällige‘ Kinder nicht gedeckt ist. (Nicht untersuchte) Kinder sind in einer Art Warteschleife oder werden sogar mit Heil- oder Hilfsmitteln versorgt, bzw. bereits therapiert.

Die Folge ist eine Verstärkungsnotwendigkeit externer Kooperationen mit z.B. mit Kinderkliniken, Sozialpädiatrischen Zentren, Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten, Hausarztpraxen, öffentlichen Auftraggebern und freien Trägern im zurzeit praktizierten regelmäßigen (halbjährigen) Austausch.

Eine fachgerechte Kooperation, unter Beachtung datenschutzgerechter Voraussetzungen, zur Vermeidung unnötiger (Doppel-) Untersuchungen der betroffenen Kinder, ist anzustreben. Hierbei gilt besonders die Beachtung des deutlich gestiegenen und geänderten Versorgungsbedarfes gegenüber der früheren Situation in Gründungszeiten der ZEBBEK. Sie strebt eine niedrigschwellige Lotsenfunktion bei ausreichendem und weitergebildetem Personal an. Sie ist betontermaßen keine Integrationsplatzvermittlungsstelle.

Kooperationstreffen fanden statt mit:

Karl-König Schulvorbereitende Einrichtung (G) und Heilpädagogische Ta- gesstätte am 01.03.2023
Frühförderung Lebenshilfe am 03.05.2023
Beratungsstelle Allersberger Straße am 14.06.2023
Heilpädagogische Jakob-Muth-Tagesstätte und weitere Schulvorbereitende Einrichtungen und Heilpädagogische Tagesstätte am 16.06.2023
Kleingruppe Kinderhilfe am 05.07.2023
Heilpädagogische Tagesstätte Findelwiesenstraße am 26.07.2023

Kooperationstreffen finden dieses Jahr noch statt mit  Leitung der Kitas  Fachdienst Inklusion  Kita-Portal

Die Tätigkeiten der ZEBBEK vom 01.01.2023 bis zum 30.09.2023:

Beratungen 688
Anmeldungen 143
Befunderhebungen 95 (davon 12 Inobhutnahmen im Auf- trag des Jugendamtes)
Amtsärztliche Gutachten gem. SGB XII /IX (Ein- zelintegrationsmaßnahmen) 105
Psychologische/ Sozialpädagogische/ Ärztliche Anamneseerhebungen 129
Amtsgutachten gem. SGB VIII § 35a seelische Be- hinderung 9
Sonstige amtsärztliche Gutachten 15 (davon 12 SHA/Asyl)
Ärztliche Schuleingangsuntersuchungen behinder- ter oder von Behinderung bedrohter Kinder 40
Telefonische Beratung 330
Schriftverkehr (E-Mail, Brief, usw.) 285

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