Hitzeaktionsplan Stadt Nürnberg – Stand der Umsetzung und weitere Entwicklung des
HAP-akut
Sachverhalt
In der Sitzung des Umweltausschusses am 27.07.2022 und des Gesundheitsausschusses am 06.10.2022 wurde der Hitzeaktionsplan Stadt Nürnberg (HAP) beschlossen. Ziel des HAP ist die Reduzierung gesundheitlicher Folgen von Hitzeereignissen, insbesondere Hitzewellen. Die Einführung des HAP ist als Prozess zu verstehen, der schrittweise erfolgt und laufend evaluiert und weiterentwickelt werden muss, um so den aktuellen Bedarfen angepasst werden zu können.
Der HAP gliedert sich in zwei Maßnahmenteile: HAP-akut und HAP-präventiv. Die Maßnahmen von HAP-akut sollen die Bevölkerung befähigen, die Empfehlungen zu hitzeangepasstem Verhalten umsetzen zu können. Während HAP-akut den Fokus auf die Vorbereitung und Durchführung unmittelbarer Maßnahmen während eines Hitzeereignisses legt, stellt HAP-präventiv langfristig wirksame stadt- und bauplanerische Maßnahmen unter Berücksichtigung stadtklimatischer Aspekte in Mittelpunkt. Die Ausführungen in der Entscheidungsvorlage beziehen sich auf den HAP-aktut.
Einrichtung der Koordinierungsstelle
Die Koordinierungsstelle wurde zum 1.11.2022 am Referat für Umwelt und Gesundheit eingerichtet.
Einsetzen der Koordinierungsgruppe
Die Koordinierungsgruppe wurde im April 2023 erstmals einberufen. Ausgehend von der Wirkungsrichtung der Maßnahmen im HAP-akut in verschiedene Zielgruppen sind an Koordinierungsgruppe derzeit beteiligt: Referat für Umwelt und Gesundheit, Referat für Jugend, Familie und Soziales, Referat für Schule und Sport, Umweltamt, Gesundheitsamt, Seniorenamt, Bündnis für Familie, Amt für Kommunikation und Stadtmarketing, Gesamtpersonalrat der Stadt Nürnberg und Gesundheitsnetz für Qualität und Effizienz.
Die Aufnahme weiterer Mitglieder, insbes. des Bevölkerungsschutzes und Katastrophenschutzbehörden, ist vorgesehen.
Stand der Umsetzung
HAP-akut enthält 16 Maßnahmen, die sich in vier Bereiche zusammenfassen lassen:
| Baustein Öffentlichkeitsarbeit • Allgemeine „Sommer“-Kommunikation • Sensibilisierung für Gewerbetreibende • Maßnahmen für Pflegeeinrichtungen • Maßnahmen für Kindertagesstätten • Maßnahmen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit | Baustein Risikokommunikation • Hitzewarnsystem • Info-Service-E-Mail • Hitzetelefon und Hitzepatenschaften |
|---|---|
| Baustein Kühle Orte • elektronische Bürgerbefragung • Schaffung Kühler Orte • Versorgung mit Trinkwasser • Wasserluftbefeuchter | Baustein Medizinische Versorgung • Aufruf zur Medikamentenanalyse • Schulungen von Ehrenamtlichen und Koordinatoren • AdaptNet |
• Brunnen und Wasserspiele im Öffentlichen Raum
Unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen wurden im ersten Jahr folgende Maßnahmen umgesetzt:
Öffentlichkeitsarbeit Zur Bekanntmachung des HAP wurde im Zuge der Bürgerbefragung zu kühlen Orten (siehe unten) eine Öffentlichkeitskampagne gestartet. Sie umfasst den Internetauftritt des HAP unter hitze.nuernberg.de, Social-Media-Kanäle der Stadt Nürnberg, Postkarten, Schaufenster in der Königstorpassage, Fahrgast-TV in U-Bahn, Tram und Bus. Des Weiteren wurde der HAP an Informationsständen des Referats für Umwelt und Gesundheit auf dem Kirchentag und auf dem Gesundheitsmarkt vorgestellt. Der Abschluss der diesjährigen Öffentlichkeitsarbeit war die Beteiligung an den Stadt(ver)führungen mit dem Beitrag „Hitzeinseln und Schattenspender“. An der Umsetzung der Maßnahme sind folgende Dienststellen beteiligt: Referat für Umwelt und Gesundheit, Amt für Kommunikation und Stadtmarketing, zahlreiche Ämter durch Auslage der Printmaterialien
Zusammenstellung von Informationen zu kühlen Orten Die Schaffung kühler Orte ist ein zentraler Baustein in der Vorbereitung auf Hitzeereignisse. Im ersten Jahr des HAP erfolgt eine Zusammenstellung kühler Orte in einer Karte. Dazu fand vom 20.06. bis 23.07.2023 eine Onlinebefragung statt, bei der Bürgerinnen und Bürger kühle Orte eintragen konnten. Der Fokus liegt auf kühlen Orten im Innen- und Außenbereich. Das können große und kleine Orte sein, innen und außen, bekannte und unbekannte Schattenplätze im Quartier. Wichtig ist, dass sie zugängliche Räume mit Aufenthaltsqualität sind, das heißt, ein längerer Aufenthalt von 30 Minuten und mehr ist möglich. Gewerbliche Räume sind auch möglich, sofern Einverständnis zum Eintrag in die Karte besteht. Auf die Möglichkeit, während der Öffnungszeiten Apotheken aufzusuchen, wird zusätzlich hingewiesen. Ebenso verfügen Einkaufszentren über Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten ohne Konsumzwang.
Mit Abschluss der Befragung wird die Zusammenstellung nach redaktioneller Überprüfung als unter Verwendung des CMS Kartenmoduls als Karte auf der Internetseite des HAP integriert. Die Karte stellt derzeit nur Punktsymbole dar. Inwieweit Liniensymbole, bspw. für die Darstellung kühler Wege, genutzt werden können, ist in Klärung. Mit Blick auf einzelne Zielgruppe ist bspw. denkbar, eine „Familien“-Kategorie mit vorhandenen verschatteten Spielplätzen einzuführen.
Barrierefreiheit findet an zwei Stellen Eingang in die Zusammenstellung der kühlen Orte: bei der Zusammenstellung selbst erfolgt, sofern bekannt, ein Hinweis auf barrierefreien Zugang zum Ort. Bei der Erstellung der Karte wird ein Format genutzt, welches die Nutzung für seheingeschränkte Menschen ermöglicht.
Die Karten mit kühlen Orten soll fortlaufend ergänzt werden. Nachdem der Fokus in diesem Jahr auf öffentlich zugänglichen Orten lag, kann im kommenden Jahr eine Kampagne mit gewerblichen Anbietern wie Supermärkten, Kinos und weiteren helfen, „Kühle Ecken“ in deren Räumlichkeiten einzurichten.
Des Weiteren erfolgt in enger Absprache mit den städtischen Referaten eine Prüfung zur Einrichtung „Kühler Ecken“ in Gebäuden der Stadt Nürnberg über die Ehrenhalle und den Hauptmarkt 18 hinaus.
An der Umsetzung der Maßnahme sind folgende Dienststellen beteiligt: Referat für Umwelt und Gesundheit, Amt für Kommunikation und Stadtmarketing, Amt für Digitalisierung und Prozessorganisation, Amt für Geoinformation und Bodenordnung
Hitzetelefon/ Hitzepatenschaften Im Juni startete das Hitzetelefon des Seniorenamts. Bei Temperaturen ab 30 Grad ist eine Telefonnummer geschaltet, an die sich ältere, alleinstehende Menschen wenden können, wenn sie an heißen Tagen Unterstützung benötigen. Das Seniorenamt vermittelt Hilfesuchenden ehrenamtliche Unterstützung in der Nachbarschaft. Verbunden mit dem Angebot ist ein Appell, aufeinander Acht zu geben, für einander da zu sein, das solidarische Miteinander und eine gute Nachbarschaft zu fördern und zu pflegen.
An der Umsetzung der Maßnahmen ist das Seniorenamt beteiligt.
Schulung Ehrenamtlicher und Netzwerkkoordinatorinnen und –koordinatoren Zur Vorbereitung auf mögliche Gefahren durch Hitze und deren Bewältigung fanden im Frühjahr 2023 Schulung für ehrenamtliche Besuchsdienste und Netzwerkkoordinatorinnen und –koordinatoren statt.
An der Umsetzung der Maßnahme sind beteiligt: Seniorenamt, Gesundheitsamt, Gesundheitsnetz Qualität und Effizienz
Info-Service-Mail Die Info-Service-Mail soll ab einer gemessenen Temperatur von 26 Grad versandt werden. Die E-Mail enthält Verhaltenshinweise bei Hitze. Die Info-Service-Mail ist technisch vorbereitet. Die genannten Parameter für den Versand werden derzeit festgelegt. Sinnvoll erscheint die Berücksichtigung weiterer Faktoren, die Einfluss auf das Temperaturempfinden haben und an den Messstationen erfasst werden (Windgeschwindigkeit, Luftfeuchte). Überdies soll die Erweiterung weiterer Warnstufen mit entsprechenden Verhaltenshinweisen geprüft werden.
An der Umsetzung der Maßnahme sind beteiligt: Referat für Umwelt und Gesundheit, Gesundheitsamt, Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg, Amt für Kommunikation und Stadtmarketing
Fazit der bisherigen Umsetzung und weitere Entwicklung
Die Maßnahmen des HAP-akut wurden 2023 durch Umschichtungen im Budget des Referats für Umwelt und Gesundheit umgesetzt. Zur mittel- und langfristigen Sicherung der Umsetzung von Maßnahmen soll ein Budget für den HAP-akut eingerichtet werden.
Die Wirkungsrichtung des HAP-akut ist in die Bevölkerung hinein. Vor diesem Hintergrund ist eine gründliche Öffentlichkeitsarbeit für die Maßnahmen notwendig, um eine entsprechende Reichweite in die allgemeine Bevölkerung und spezifische Zielgruppen zu erreichen. Ausgehend von den Erfahrungen im ersten Umsetzungsjahr ist eine Bespielung verschiedener Medienkanäle zielführend. Die Umsetzung des HAP-akut wurde von medialem Interesse begleitet. Insgesamt konnten 15 Beiträge in print, digital, Radio und Fernsehen verzeichnet werden.
Die bisherigen Maßnahmen adressierten die Gesamtstadt; es gab kein Fokus auf ausgewählte Quartiere. Aus dem Stadtklimagutachten können bioklimatische ungünstige Quartiere identifiziert werden. Die Altstadt mit ihrem großen Passantenzulauf und gleichzeitig hoher Versiegelung bietet sich als ein Pilotstandort für weitere kleinräumige Maßnahmen an.
Die Schaffung kühler Orte stellt dabei eine zentrale Aufgabe dar. Diese Orte können dabei durch sogenannte Cooling Center geschaffen werden. Kühle Orte können überdies durch Verneblungsanlagen geschaffen werden. Die Stadtverwaltung prüft die Umsetzbarkeit beider Ansätze.
Bei der Einrichtung kühler Räume sind folgende Aspekte zu beachten:
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Miet- und Unterhaltungskosten
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Ausstattung mit Klimaanlagen
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Lage
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Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln
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vorhandene WC Anlage
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Räumliche Ausstattung zur Gestaltung unterschiedlicher Aufenthaltsbereiche (ruhige und
lebhaftere Bereiche, bspw. Spielecken für Kinder, Plauderecken)
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Personalbedarf
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Unterhaltung/ Reinigung
Grundvoraussetzung bei der Einrichtung ist ein kostenfreier, barrierefreier Zugang zu Räumen ohne Konsumzwang mit ansprechender Aufenthaltsqualität und die Verfügbarkeit von Trinkwasser.
Die Verwaltung steht im Austausch mit Kommunen, die bereits kühle Räume eingerichtet haben. Hervorzuheben ist hier ist die Stadt Wien, wo bereits 2018 ein Cooling Center als Pilotprojekt vom Österreichischen Roten Kreuz betrieben wurde. In diesem Jahr gibt es insgesamt vier Cooling Center: zwei betrieben vom Roten Kreuz, zwei betrieben von der Stadt Wien.
Die Stadt Wien hat keine Räume angemietet, sondern greift nach eigener Aussage auf Kooperationen mit Organisationen aus dem Gemeinwesensbereich zurück. Diese Organisationen stellen die Räumlichkeiten in den Sommermonaten für ein Nutzungsentgelt zur Verfügung. Die Stadt Wien finanziert zwei Coole Zonen. Die Kosten belaufen sich für drei Monate für zwei Standorte auf etwa 50.000€.
Das Rote Kreuz kooperiert mit zwei Einkaufszentren, die leerstehende Lokale kostenfrei zur Verfügung stellen. Das Personal wird auf Kosten des Roten Kreuzes gestellt (eigenes Personal). Dazu gibt es bislang keine Gegenfinanzierung. Die Vorbereitung eines Cooling Centers dauert ca. vier Wochen.
Mit dem Potential an leerstehenden Gewerbeflächen sowohl in zentraler als auch dezentraler Lage wäre die Einrichtung von kühlen Räumen unter Beteiligung der Hilfsorganisationen soweit umsetzbar, als dass die Finanzierung dazu in einem ersten Schritt gesichert werden muss. Die Kosten der Umsetzung sind derzeit noch nicht bezifferbar. Die Verwendung von Fördergeldern bei gleichzeitiger Vermeidung kurzlebiger Projekteritis wird in die Umsetzbarkeit Großmaßnahmen einbezogen.
Die Stadtverwaltung berichtet den Ausschüssen für Umwelt und Gesundheit das Ergebnis.