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Sachverhalt

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Schule & Bildung Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Nürnberger Elternbüro für Schulerfolg und Teilhabe (NEST) am Institut für Pädagogik und

Schulpsychologie Nürnberg (IPSN)

Das Nürnberger Elternbüro - Schulerfolg und Teilhabe (NEST) besteht seit 2009; seit 2013 ist NEST1 ein regulärer Arbeitsbereich am IPSN. NEST spricht speziell Familien mit Migrationshintergrund und ihre schulpflichtigen Kinder in Nürnberg an. Das Konzept basiert auf einem Peer-to-Peer-Ansatz, bei dem qualifizierte ehrenamtliche Elternlotsinnen und -lotsen mit eigener Migrationserfahrung Eltern und Erziehungsberechtigte unterstützen, die Fragen im Zusammenhang mit schulischen Themen haben. Diese Unterstützung umfasst u. a. Informationen zum bayerischen Schulsystem, Hilfe bei Eltern-Lehrkräfte- und Lernentwicklungsgesprächen sowie bei Elternabenden. Des Weiteren begleiten sie Familien bei Schulanmeldungen und zu Terminen beim Staatlichen Schulamt. Darüber hinaus organisieren sie Elterncafés und NEST-Sprechstunden an Partnerschulen. Zu den Partnerschulen zählen überwiegend Grundschulen und Mittelschulen, aber auch Förderzentren, Realschulen, Gymnasien und eine Berufsschule. Die Beratung und Begleitung der Elternlotsinnen und -lotsen kann in Deutsch oder in den Familiensprachen erfolgen.

Für die Koordination, Planung, inhaltliche Gestaltung und die Kontakte zu den Schulen und anderen Einrichtungen sowie für die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit sind zwei pädagogische Mitarbeiterinnen bei IPSN mit jeweils 19,5 Wochenstunden zuständig. Eine der beiden Halbtagsstellen ist bis Ende 2025 befristet. Um sicherzustellen, dass eine hohe Qualität der Unterstützung gewährleistet wird, koordinieren sie die Erstqualifizierung sowie regelmäßige Schulungen für die Elternlotsinnen und -lotsen. Diese thematischen Fortbildungen werden in Kooperation mit staatlichen, privaten und anderen kommunalen Einrichtungen durchgeführt. Die beiden Koordinatorinnen bieten zusätzlich zweimal wöchentlich Beratungsgespräche an, die allen Nürnberger Eltern offenstehen. Diese Gespräche behandeln insbesondere Fragen zur Schullaufbahn und Probleme in oder mit der Schule.

Was wurde im Schuljahr 2022/23 erreicht? Das letzte Schuljahr war bei NEST vor allem von den Folgen der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine geprägt. Die allgemeine Verunsicherung und die individuellen Zukunftsund Existenzängste bei vielen jungen Menschen und ihren Familien verstärkten die ohnehin zahlreich vorhandenen Herausforderungen in den Schulen. Familien mit Migrations- und Fluchtgeschichte sind zudem überproportional von diesen Problemlagen betroffen. Dementsprechend hat sich die Anzahl der Einsätze der Elternlotsinnen und -lotsen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 150 % erhöht. Die Anfragen teilten sich im Schuljahr 2022/23 wie folgt auf: Etwa die Hälfte der Einsätze bezogen sich auf ukrainisch- und russischsprachige Familien, mit jeweils ca. 10 % folgten Anfragen zu türkischen, arabischen, rumänischen und bulgarischen Sprach- und Kulturkenntnissen. Der Rest bezog sich auf unterschiedliche Sprach- und Kulturkenntnisse.

Im Schuljahr 2022/23 waren 50 ehrenamtlich tätige Elternlotsinnen und -lotsen, die in 33 Herkunftssprachen beraten können, an 33 Partnerschulen (15 Grund-, acht Mittel-, vier Realschulen, zwei Gymnasien, drei Förderschulen und eine Berufsschule) und weiteren Nürnberger Schulen im Einsatz.

1 Link zu NEST auf der Homepage des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg

Die Lotsinnen und Lotsen leisteten im Schuljahr 2022/23 an Nürnberger Schulen ca. 3.700 Einsätze mit folgenden Schwerpunkten (zum Vergleich: Im Schuljahr davor waren es ca. 1.500 Einsätze):

 Beteiligung an diversen Aktivitäten an Schulen oder für Schulen (Schulanmeldungen, Schulamtstermine, NEST-Sprechstunden, Vorstellungen bei Lehrerkonferenzen und Elternbeiratssitzungen, Durchführung der NEST-Projekte, Planungs- und Auswertungsgespräche mit den Kontaktpersonen aus den Schulen) (ca. 1.210 Einsätze)  Unterstützung bei Eltern-Lehrkräfte-Gesprächen und Lernentwicklungsgesprächen (ca. 910 Einsätze)  Einzelgespräche mit Eltern (ca. 910 Einsätze)  Begleitung von Eltern an Elternabenden (ca. 440 Einsätze)  Elterncafés (ca. 230 Einsätze)

Wie unterstützt NEST ukrainische Flüchtlingsfamilien? Das Programm NEST trug im Schuljahr 2022/23 durch die folgenden Aktivitäten dazu bei, die Bildungsbeteiligung und den Schulerfolg der ukrainischen Schülerinnen und Schüler in Nürnberg zu fördern:

 Online-Informationsveranstaltung zu Unterstützungsangeboten und Berufsintegrationsklassen

Am 10. Mai 2023 fand eine zweistündige Online-Informationsveranstaltung statt. Diese Veranstaltung richtete sich an alle ukrainischen Eltern und Erziehungsberechtigten der Brückenklassenschülerinnen und -schüler in Nürnberg. In der Veranstaltung wurden verschiedene Wege zum erfolgreichen Schulabschluss aufgezeigt. Zudem erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Übersicht über kostenfreie Unterstützungsmöglichkeiten, die den Schulerfolg der Kinder in Nürnberg fördern. Das Programm umfasste Themen wie das bayerische Schulsystem und seine Durchlässigkeit, Brückenklassen und Berufsintegrationsklassen (BIK), Schulpsychologie, Lernförderung für Bildung und Teilhabe, das Programm NEST selbst sowie eine Frage-und-Antwort-Runde. Mit der Veranstaltung wurden ca. 100 Familien erreicht.

 Fortbildung für ehrenamtliche Elternlotsinnen und –lotsen

Aufgrund der zahlreichen Fragen und Unklarheiten seitens der Flüchtlingsfamilien, die von den NEST-Elternlotsinnen und -lotsen aufgegriffen wurden, wurde im Juni 2023 eine weitere Fortbildung mit dem Titel "Ukrainische Schülerinnen und Schüler: Ihre Situation und Perspektive im bayerischen Schulsystem in Nürnberg" organisiert. In dieser Fortbildung erhielten die Elternlotsinnen und -lotsen vertiefte Einblicke in das Konzept zur Beschulung der aus der Ukraine geflüchteten Kinder und Jugendlichen in Bayern, insbesondere in Nürnberg. Die Lehrpläne der Brückenklassen wurden erörtert und Fragen zur Integration der Brückenklassenschülerinnen und -schüler in den Regelunterricht behandelt. Expertinnen und Experten aus den MB(Ministerialbeauftragten)-Dienststellen für die Gymnasien und Realschulen in Mittelfranken sowie dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Informationen und Nachfragen zur Verfügung. Die Fortbildung ermöglichte den Elternlotsinnen und -lotsen, Probleme und Anliegen der

ukrainischen Flüchtlingsfamilien zu kommunizieren und verlässliche Informationen für ihre ehrenamtlichen Einsätze zu erhalten.

 Online-Interview für die Ehrenamtsinitiative UAhelp

Auf Anfrage der Ehrenamtsinitiative UAhelp, die sich auf die Unterstützung der ukrainischen Geflüchteten in Nürnberg fokussiert, nahm NEST an einem Online-Interview teil. Zwei ehrenamtliche Elternlotsinnen, eine aus Russland und die andere aus der Ukraine stammend, berichteten über das Programm NEST und dessen Unterstützungsangebot. Sie beantworteten häufig gestellte Fragen und lieferten konkrete Beispiele aus ihrem Tätigkeitsbereich. Dieses leicht zugängliche Format in russischer Sprache erreichte viele Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine. Seit dem Interview verzeichnet NEST einen Anstieg der Anfragen.

 Sprach- und Kulturkenntnisse für Unterstützung und Kommunikation

Seit dem Beginn des Konflikts in der Ukraine sind Russisch und Ukrainisch zu den gefragtesten Sprach- und Kulturkenntnissen geworden, die für Gespräche zwischen Eltern, Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie für Elterninformationsveranstaltungen benötigt werden. Die Elternlotsinnen und -lotsen mit diesen Kompetenzen spielen eine entscheidende Rolle bei der erfolgreichen Kommunikation und Unterstützung der beteiligten Parteien.

Als sehr vorteilhaft hat sich in der aktuellen Lage erwiesen, dass eine der Programmkoordinatorinnen Russisch und die andere Polnisch als Familiensprache beherrscht. Dies ermöglicht eine reibungslose Kommunikation mit den Flüchtlingsfamilien und reduziert Hemmnisse für Anfragen an NEST.

Rückmeldungen aus unseren Partnerschulen Im Folgenden sind einige Auszüge aus den Rückmeldungen unserer Partnerschulen aus dem letzten Schuljahr aufgeführt:

 Scharrer-Mittelschule „In jedem Fall ist wieder deutlich geworden, dass wir als Schulleitung und Lehrkräfte der Scharrer Mittelschule die Unterstützung durch NEST nicht mehr missen möchten. Die Anwesenheit bei diversen Veranstaltungen gibt uns als Schule die Möglichkeit, unser Angebot klarer und auf breiterer Basis an Eltern herantragen zu können, baut Brücken zu Eltern, die sonst schwer zu erreichen sind, und bietet Auswege aus Situationen zwischen Lehrkräften und Eltern, die sonst nur mit wesentlich höherem Aufwand zu bewältigen gewesen wären.“

 Bertolt-Brecht-Schule

„Ohne die Unterstützung der Elternlotsinnen und Lotsen wäre es uns wirklich schwergefallen, Gespräche mit den Eltern zu führen, da die Sprachkenntnisse nicht ausreichen. Weder auf unserer noch auf ihrer Seite. (…)

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir die Zusammenarbeit im kommenden Schuljahr weiter fortführen könnten – ohne geht es nicht! Diese Rückmeldung habe ich auch aus dem Kollegium erhalten!“

 Grundschule Knauerschule

„In zahlreichen Eltern-Lehrer-Gesprächen konnten NEST-Mitarbeiter*innen Familien unterstützen, wichtige Informationen zu vermitteln und auch Fragen/Unsicherheiten zu klären.

Unsere Lehrer*innen, die Schulleitung und die Jugendsozialarbeiterin schätzen die gute und über Jahre gewachsene, produktive und unkomplizierte Zusammenarbeit

Eltern sind sehr dankbar, dass es dieses für sie kostenfreie Angebot gibt und sie dadurch eine bessere Teilhabe an der schulischen Entwicklung ihres Kindes erfahren.“

 Berufliche Schule - Direktorat 5 „Durch die sprachliche und kulturelle Unterstützung werden sprachliche Barrieren abgebaut, d. h. auch Eltern, die des Deutschen noch nicht komplett mächtig sind, können so besser eingebunden werden und verstehen das Schulsystem.“

 Sonderpädagogisches Förderzentrum Jean-Paul-Platz „Die Elternlots*innen halfen uns, Sprachbarrieren abzubauen und vermittelten zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Die Zusammenarbeit war sehr gewinnbringend und für uns eine große Hilfe.“

Ausblick Wie oben dargestellt, hat in den letzten Jahren der Unterstützungsbedarf durch NEST kontinuierlich zugenommen und dieser Anstieg konnte größtenteils durch das stetige Wachstum des Programms bewältigt werden – von 13 Elternlotsinnen und -lotsen im Schuljahr 2010/11 auf derzeit 50 Elternlotsinnen und -lotsen, die regelmäßig geschult und betreut werden. Die Anzahl der verfügbaren Sprach- und Kulturkenntnisse erhöhte sich damit von ca. 20 im Schuljahr 2010/11 auf 33 im Schuljahr 2022/23. Bisher konnten mehr als 95% aller Anfragen erfolgreich gelöst werden. Hauptziel ist ein hochwertiges und leicht zugängliches Unterstützungsangebot für alle Nürnberger Schulen und Familien. Das Programm NEST trägt dazu bei, Bildungschancen in der Stadt Nürnberg zu stärken und Bildungsungerechtigkeit abzubauen, und fördert somit den sozialen Frieden in der Stadtgesellschaft. In einer Zeit des Fachkräftemangels eröffnet Migration neue Chancen; durch gezielte Bildungsförderung mit Unterstützung von NEST können Integration und eine erfolgreiche Schullaufbahn der Zuwandernden verbessert werden. Dies trägt nicht nur zur Fachkräftegewinnung bei, sondern stärkt auch die gesellschaftliche Vielfalt und den Zusammenhalt in Nürnberg. Mit den Folgen der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine übersteigt die Nachfrage das mögliche Unterstützungsangebot aufgrund der beschränkten – und in Folge der Sparmaßnahmen deutlich gekürzten - Ressourcen für NEST. Bereits seit September 2023 müssen die Unterstützungsangebote eingeschränkt werden.

Im weiteren Verlauf des Schuljahrs 2023/24 wird die Lage voraussichtlich noch gravierender sein: Insbesondere die Eltern-Lehrer-Gespräche und die Elternabende müssen ab Januar 2024 massiv eingeschränkt werden. Zudem kann das Unterstützungsangebot für die Partnerschulen nicht wie ursprünglich geplant erweitert werden. Auch die bereits geplanten Informationsveranstaltungen sowie Präventions- und Informationsgespräche für Familien mit

Migrationsgeschichte zu Themen wie Medienkonsum und digitale Kompetenz, Nachhaltigkeit und Bildungschancen sind nur teilweise umsetzbar.

In den nächsten Jahren wird sich der Beratungsbedarf der Nürnberger Schulen und Familien aufgrund der aktuellen Entwicklungen aller Voraussicht nach noch weiter erhöhen. Angesichts der in Folge der Sparmaßnahmen deutlich verminderten finanziellen Ressourcen für NEST wird es in Zukunft jedoch nicht mehr möglich sein, den Gesamtbedarf abzudecken. Nur noch ca. 70% der Anfragen werden ab Januar 2024 bedient werden können.

Eine erfolgreiche Weiterführung des etablierten Programms NEST ist nur möglich, wenn dauerhaft Personal in ausreichendem Umfang vorhanden ist und ausreichend finanzielle Mittel für die Programmgestaltung und die Aufwandsentschädigungen der Elternlotsinnen und -lotsen zur Verfügung stehen. Für das Kalenderjahr 2022 standen für NEST 60.000 Euro zur Verfügung, für 2023 48.000 Euro (zuzüglich 10.000 Euro, die als Sondereffekt Ukraine abgerechnet werden können). Für das Jahr 2024 beläuft sich das voraussichtliche Budget wieder auf 48.000 Euro. Dies wird nicht ausreichen, um ein umfassendes Beratungs- und Unterstützungsangebot für alle Nürnberger Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien bereitzustellen. Um den Bedarf angemessen zu decken und eine wirksame Unterstützung sicherzustellen, wurden von Frau Ref. IV Gespräche mit der Stiftungsverwaltung initiiert.

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