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Melian-Metzger-Projektentwurf an der Kunsthalle Nürnberg 2023

Anlage · 20.10.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Fürther Straße Umwelt & Klima Rad- und Fußverkehr

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Michaela Melián

„Bringing Back Gustav Metzger to Nürnberg“, 2023

Nürnberg, Öffentlicher Raum

Historischer Hintergrund

Gustav Metzger wurde im Jahr 1926 als Kind von aus Polen stammenden Juden in Nürnberg geboren. Im Januar 1939 hatten ihn die Eltern als Zwölfjährigen zusammen mit seinem Bruder Max nach England geschickt, um ihn dort von der zunehmenden Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten zu schützen. Juden polnischer Abstammung wurden bereits ab Mitte der 1930er Jahre in Massen nach Polen deportiert. Drei Wochen vor dem Judenprogrom am 10. November wurde auch Gustav Metzgers Vater abgeholt, musste zwangsweise seine Familie verlassen und nach Polen ausreisen. Fast alle seiner Familienangehörigen kamen in den nächsten Jahren in den KZs der Nazis um.

„…One of the earliest memories is from my childhood in Nuremberg. We were living in a house in Fürther Straße, which is a big linear road from Nuremberg to Fürth. We were at the beginning of that road, Further Straße 37. We had a yard in front of our home. One day I went into the yard and onto the road and joined a marching group of political people. I think they were more left-wing than right-wing. This was before 1933. It was, I believe, my first appearance in politics. But my parents were very worried and took me back home as quick as possible, and I was locked u, grounded for some days…“

„…Eine der frühesten Erinnerungen stammt aus meiner Kindheit in Nürnberg. Wir wohnten in einem Haus in der Fürther Straße, einer großen geraden Straße von Nürnberg nach Fürth. Wir befanden uns am Anfang dieser Straße, der Fürther Straße 37. Wir hatten einen Hof vor unserem Haus. Eines Tages ging ich in den Hof und auf die Straße und schloss mich einer marschierenden Gruppe politischer Leute an. Ich denke, sie waren eher links als rechts. Das war vor 1933. Es war, glaube ich, mein erster Auftritt in der Politik. Aber meine Eltern machten sich große Sorgen und brachten mich so schnell wie möglich nach Hause, und ich wurde für einige Tage eingesperrt und mit Hausarrest belegt …“ (Gustav Metzger im Gespräch mit Hans-Ulrich Obrist, 2008)

„…Vom ersten Moment an war konzipiert, dass ich Sachen mache, wenn möglich im Freien, und das ist 'public art'. (...) Hier spreche ich von einem Monument, wo quasi alle Leute Zugang haben, ohne zahlen zu müssen. Das ist schon sehr wichtig, dass der Staat dafür bezahlt, eine Bibliothek oder eine Universität, aber nicht das Publikum (...) Also es ist nicht käuflich, nicht verkäuflich. Das ist ganz zentral… Die Ideen sind nie realisiert worden. Ich spreche jetzt dreißig Jahre später. Kein einziges. Ich habe nie etwas gemacht außer Demonstrationen…” (Gustav Metzger im Gespräch mit Justin Hoffmann, 4. April 1989)

Gustav Metzger gelang es zu Lebzeiten jedoch nicht, Institutionen oder private Sponsoren zu finden, die Produktion und Errichtung eines dieser Monumente finanziert hätte. Einen wesentlichen Grund, warum seine autodestruktiven Skulpturen nicht verwirklicht wurden, sieht Gustav Metzger in der Struktur des kommerziellen Kunstsystems. (Justin Hoffmann, Katalog zur Ausstellung Gustav Metzgers in Nürnberg, 1999)

Konzept

Die geplante Arbeit „Bringing Back Gustav Metzger to Nürnberg“ ist dem in Nürnberg geborenen, jüdischen Künstler Gustav Metzger gewidmet. Metzger gilt heute international als bedeutende Künstlerpersönlichkeit seiner Generation, mit seinem in den 1960er Jahren entwickelten und in London präsentierten Konzept der „Destruktionskunst“ fand er Eingang in die Nachkriegskunstgeschichte..Regelmäßig beschäftigte sich Gustav Metzger in seinen Arbeiten mit dem Thema Nationalsozialismus, doch trotz der vielen Ausstellungen, die seit den späten 1990er Jahre stattfanden, und der zahlreichen Publikationen wurde der Einfluss seiner Nürnberger Kindheitserfahrungen und seine traumatisierende Fluchterfahrung kaum thematisiert. Ausgangspunkt für „Bringing Back Gustav Metzger to Nürnberg“ ist Gustav Metzgers Arbeit „Historic Photographs: Hitler-Youth, Eingeschweisst“. Sie wurde 1997 für die erste Ausstellung seiner Werke in der BRD im Kunstraum München, die die Wiederentdeckung Gustav Metzgers markiert, produziert. Ein zwischen zwei Stahlplatten eingeschweißte Foto zeigt eine HJ- Kundgebung beim Reichsparteitag im Nürnberger Stadion mit zahlreichen Jugendlichen, die zu diesem Zeitpunkt in etwa in Metzgers Alter waren. Mit der Verhüllung oder gar Verdeckung der Historic Photographs stellte Gustav Metzger die Grenzen der Vermittlung historischer Ereignisse zur Debatte.

Die Arbeit „Bringing Back Gustav Metzger to Nürnberg“ ist ein Kunstwerk von Michaela Melián und versteht sich als Hommage an Gustav Metzger und sein flüchtiges Werk. Die Urheberschaft liegt bei der Künstlerin Michaela Melián.

Materialität, Größe und Umsetzung

Die Arbeit geht von folgenden Materialien aus, die auf Gustav Metzger verweisen:

(Demonstrationsobjekt, courtesy Kunstraum München)

(Leihgabe: Justin Hoffmann)

Stahlskulptur mit Infostele im öffentlichen Raum

Auf Basis auf Gustav Metzger bezogenen Materialien wird folgende Arbeit erstellt:

Stahlplatten ist das Foto, dessen Originalnegativ von Gustav Metzger aus dem Besitz von Justin Hoffmann vorliegt, aufgedruckt. Die Abbildung kommt dabei nach innen, kann also nicht gesehen werden.

In unmittelbarer Nähe zur Arbeit soll eine Infostele (nach Muster der Stadt Nürnberg), versehen mit Informationen zum Kunstwerk und darüber hinaus mit einem Link bzw. QR, der zu einer für das Projekt produzierten Webseite führt. Weitere Infostelen können auch an anderen thematisch relevanten Orten aufgestellt werden, wie z.B. am ehemaligen Wohnort der Familie Metzger in der Fürther Straße 37 in Nürnberg.

Webseite

Die Webseite ist als Teil der künstlerischen Arbeit „Bringing Back Gustav Metzger to Nürnberg“ geplant. Es soll versucht werden, ähnlich wie bei der Arbeit Memory Loops <memoryloops.net> Recherchematerial zu Gustav Metzger mit Audio und Musik künstlerisch zu gestalten. Hierfür sollen auch in Nürnberg noch Interviews geführt werden mit Personen, die Gustav Metzger 1999 erlebt haben. Außerdem werden auf dieser Webseite Informationen zu Gustav Metzger, seiner Zeit in Nürnberg, seiner Familie, und seinen Kunstwerken zu finden sein. Die Informationen auf der Seite behandeln Gustav Metzgers Biografie und Werk unter besonderer Berücksichtigung seiner Zeit in Nürnberg, des Themas Kindertransport, sowie des Themas Kunst im NS in Nürnberg. Diese geplante Webseite soll weit darüber hinaus gehen, was bis dato auf dem Eintrag: Gustav Metzger (1926-2017) – MEKOMOT-Nürnberg (mekomot-nuernberg.de) zu finden ist.

Standort

Nach der Besichtigung mehrerer möglicher Standort und Gesprächen mit Spezialistinnen vor Ort wird folgender Aufstellungsort favorisiert:

Am Königstorgraben/Ecke Lorenzer Straße, auf der Grünfläche vor der historischen Stadtmauer bzw. der Kunsthalle.

In der Kunsthalle Nürnberg fand 1999 eine Einzelausstellung von Gustav Metzger statt, in deren Rahmen er das erste Mal nach 1939 wieder nach Nürnberg kam. Zusätzlich zur geplanten Stele, die in der Grünfläche direkt am Gehweg aufgestellt werden soll, kann hier in den Arkaden vor der Kunsthalle entlang der Lorenzer Straße eine Glasscheibe mit Infomaterial zur Arbeit und zu Gustav Metzger angebracht werden, sodass man auch direkt vor Ort zur Arbeit informiert wird, ohne auf die Webseite zugreifen zu müssen.

Alternative Standorte:

Marienstraße/Ecke Badstraße befindet. Hier wurde im NS der „Stürmer“, das antisemitische nationalsozialisteische Propagandamedium von „Gauleiter" Julius Streicher herausgegeben.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus an diesem Ort.

Einweihungsfeier

Zur Einweihungsfeier sollte eine angemessene Veranstaltung stattfinden. Zum Thema könnten sprechen: Wolfgang Brauneis, Leiter Nürnberger Kunstverein, Michaela Melián, Künstlerin, Alexander Schmidt, Historiker, NS-Dokumentationszentrum Nürnberg, Michaela Unterdörfer, Kuratorin von Gustav Metzgers Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg 1999, (Mögliche Themen der Kurzvorträge: Die Arbeit „Bringing Back Gustav Metzger to Nürnberg“ und ihr Konzept, Gustav Metzgers Werk und seine Wiederentdeckung in den 99er Jahren, Metzgers Biografie, die Kindertransporte und Antisemitismus in Nürnberg).

Kostenplan

Stahlskulptur Material, Konstruktion, Schweißarbeit, Fotodruck 15.000 Euro

Transport, Fundament, Verfüllen 7.000 Euro

Mindestens zwei Stelen und Infoglaswand 5.000 Euro

Webseite, Recherche, Lektorat, Gestaltung, Programmierung 7.000 Euro

Eröffnung Drucksachen (Einladungen, Plakate) Reisekosten. Honorare, Übernachtungen, Abendessen, Technik etc. 3.000 Euro

Mögliche Teuerungsrate, Puffer 10% 5.000 Euro

Künstlerinnenhonorar 7.000 Euro

Sonstige Unkosten wie Reise, Übernachtung, Kommunikation etc. 1.000 Euro

Gesamtkosten netto 50.000 Euro

Gesamtkosten netto 59.500 Euro

Gesamtkosten brutto 63.665 Euro

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