BAUORDNUNGSBEHÖRDE
Da Juli 2023 FÜR DENKMAL
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BAYERISCHES LANDFÜR EDENSKMAALPFLMEGET - Hofgrhaen.d Stadt Nürnberg Untere Denkmalschutzbehörde Nikolaus Bencker Bauhof 5 90402 Nürnberg
IHR ZEICHEN IHRE NACHRICHT VOM UNSERE ZEICHEN DATUM v-2-2023-289-1_501 27.06.2023
Vollzug des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG) Denkmalliste - Teil A: Baudenkmäler - Kreisfreie Stadt Nürnberg; hier: Ortsteil Gostenhof, Maximilianstraße 41 {Inv.Nr.: D-5-64-000-4872} Nachtrag in die Denkmalliste
Sehr geehrter Herr Bencker,
bei der 0. g. Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk handelt es sich um ein Baudenkmal nach Art. 1 BayDSchG; sie ist daher in die Bayerische Denkmalliste, Teil A: Baudenkmäler nachzutragen:
D-5-64-000-4872 Bankfiliale und Busbahnhof, eingeschossiger, mit Kupfer verkleideter Betonbau über oktogonaler Grundlinie, mit mehrteiligem Tonnendach auf Betonpfeilern, postmodern, Albin Hennig, 1979-81; Kiosk, achtseitiger, eingeschossiger Pavillon mit Flachdach und Kupferverkleidung, gleichzeitig.
Die Lage und Ausdehnung des Baudenkmals entnehmen Sie bitte dem Bayerischen Denkmal-Atlas (http://www.denkmal.bayern.de).
- Anlass, Baugeschichte und Baubeschreibung
a. Anlass BAYERISCHES LANDESAMT Die o.g. Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk wurde auf Anregung der Stadt FÜR DENKMALPFLEGE Nürnberg am 22. November 2022 durch das Bayerische Landesamt für Dienststelle München: Denkmalpflege auf Denkmaleigenschaft geprüft. Der Ortstermin fand zusammen mit Hofgraben 4 Herrn Bencker und Frau Stern von der Stadt Nürnberg, Frau Dr. Maue als 80539 München Postfach 10 02.03 Stadtheimatpflegerin, Herrn Maniscalchi und weiteren Vertretern des Eigentümers 80076 München sowie Herrn Dr. Gattinger vom BLfD statt. Das Gebäude konnte vollständig begangen Tel.:089 2114-0 werden. Fax: 089 2114-300 www.ifd.bayern.de Dr. Karl Gattinger Tel.:089/2114-389 Bayerische Landesbank München Wiss. Angestellter Fax: 089/2114-300 IBAN DE7S 7005 0000 0001 1903 15 Referat Z - Bayerische Denkmalliste/Denkmaltopographie karl.gattinger@bifd.bayern.de BIC BYLADEMM
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b. Baugeschichte Die 0.8. Bankfiliale samt Busbahnhof und Kiosk wurde in den Jahren 1979-81 errichtet. Als Bauherr trat die Stadtsparkasse Nürnberg auf, die hier ihre Zweigstelle Maximilianstraße einrichtete. Die Baupläne unterzeichnete der Nürnberger Architekt Albin Hennig. Nennenswerte bauliche Veränderungen fanden seit der Eröffnung 1981 keine statt. Die Filiale wurde kürzlich für den Publikumsverkehr geschlossen, Busbahnhof und Kiosk sind noch in Betrieb.
ec. Baubeschreibung Das 0.8. Gebäude ist ein über oktogonaler Grundlinie errichteter, eingeschossiger Betonbau mit großflächig verglasten Außenwänden. Die großen Glasfronten werden durch Sprossenfenster rechteckig gegliedert. Die zum U-Bahn-Abgang ausgerichtete Südseite ist fensterlos und vollständig mit Kupferblech verkleidet. Ebenfalls verblechte, kräftige Rundpfeiler tragen den Dachaufbau aus Beton. Dieser besteht aus einer Uförmig abgewinkelten Halbtonne, zwischen der mit deutlich erhöhter Firstlinie eine nach Norden abgewalmte weitere Halbtonne herausragt; diese zentrale Tonne war — mit verglaster Front - als Caf& geplant {nicht ausgeführt). Die Halbtonnen, lamellenartig mit Kupfer verkleidet, bilden an ihren südlichen Enden zur Fürther Straße hin jeweils einen stumpfen Winkel aus. Die von schlanken, zum Teil ausfächernden Betonpfeilern gestützten Dächer kragen weit über das eigentliche Bankgebäude vor und dienen so dem an drei Seiten um das Gebäude herumgeführten Busbahnhof wie auch dem U- Bahn-Abgang als Schutzdach; die in die Untersichten integrierten Lampen zur Beleuchtung des Busbahnhofs sind bauzeitlich.
Der Eingang in die Bankfiliale liegt an der Südseite, direkt dem U-Bahn-Abgang gegenüber. Die große, nahezu das gesamte Erdgeschoss einnehmende Kassenhalle wird durch eine sechsseitige Glaskuppel zusätzlich belichtet. Eine frei im Raum stehende, runde Wendeltreppe bildet einen wirkungsvollen Akzent. Ein ursprünglich als Aufgang zum Cafe gedachtes Treppenhaus führt, direkt rechts vom Filialeingang und mit eigener Zugangstür, in das Dachgeschoss; dort sind Aufenthalts-, Technik- und Sanitärräume untergebracht. Das Dachtragwerk der U-förmig angeordneten seitlichen Tonnen ist eine Konstruktion aus Betonpfeilern und -streben, die Giebelscheiben sind aus Ziegelmauerwerk; die größere mittlere, zur Nutzung als Cafe geplante Tonne ist als Holzkonstruktion ausgeführt.
Unter dem Vordach steht, direkt neben dem U-Bahn-Abgang platziert, ein Kiosk. Der kleine, erdgeschossige Pavillon mit Flachdach nimmt mit seinem oktogonalen Grundriss, der rechteckigen Fenstergliederung und der ebenfalls rechteckig gegliederten Verblechung der Außenseiten Grundmotive des Hauptgebäudes auf.
- Begründung der Denkmaleigenschaft
Baudenkmäler sind nach Vorgabe des Art. 1 BayDSchG Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhalt wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.
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a. Denkmalfähigkeit sämtliche im Denkmallistentext genannten baulichen Anlagen und Anlageteile stammen aus vergangener Zeit.
b. Denkmalbedeutung Folgende Bedeutung gem. Art. 1 Abs. 1 BayDSchG wurde erkannt:
Geschichtliche und künstlerische Bedeutung Die o.g. Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk ist in der Architektursprache der Postmoderne ausgeführt. Dieser in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommene Baustil steht für eine Architektur, die sich als Gegenströmung zur bis dato vorherrschenden internationalen Moderne verstand. Deren Postulaten des Funktionalismus und der Tabuisierung des Historismus wurde ein keinerlei Normativen unterworfener Rückgriff auf unterschiedlichste, zum Teil frei historisierende Stilvarianten entgegengestellt. Die phantasievolle Verwendung von historischen Bauformen, Dekor und Farbe sollte die als eintönig empfundene Glasund/oder Betonfassade ersetzen. Zunächst auf die USA beschränkt - die Diskussion dort hatte der amerikanische Architekt Robert Venturi mit seinem 1966 durch das Museum of Modern Art in New York veröffentlichen Buch Complexity and Contradiction in Architecture eröffnet — fanden die Forderungen nach einer gänzlich neuartigen Architekturauffassung schließlich durch den in London lehrenden Professor für Geschichte der Gegenwartsarchitektur Charles Jencks und dessen 1977 erschienenem Grundlagenwerk The Language of Post-Modern Architecture Eingang in die architekturtheoretische Diskussion. Der Postmoderne zum Durchbruch in Europa verhalf die von dem italienischen Architekten Paolo Portoghesi kuratierte Ausstellung La Presenza del Passato auf der Architektur-Biennale 1980 in Venedig, einem „Schlüsselereignis für die europäische Postmoderne“ (Steele, James, Architektur heute, München 1998, S. 185). Als Ikonen postmoderner Architektur gelten, beide bereits unter Denkmalschutz gestellt, in den USA das 1979-84 errichtete Hochhaus AT & T in New York sowie in Deutschland die ebenfalls 1984 fertiggestellte Neue Staatsgalerie Stuttgart (zur Postmoderne allg.: Steele, 1998, 5. 170-199).
Die 1979-831 errichtete Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk zeigt mit ihrer auffälligen, skulpturalen Plastizität, mit ihrer markanten Dachform - die überhöhte mittlere Halbtonne ist an der Schmalseite walmartig abgerundet und erinnert damit an Dächer öffentlicher Repräsentationsbauten der norditalienischen Frührenaissance (Padua, Vicenza) —, mit dem spielerischen Einsatz von Säulen und aufgefächerten Stützpfeilern sowie mit der Kupferverkleidung zur Kaschierung tragender Betonteile wesentliche Merkmale der postmodernen Architektur. Das in seinem bauzeitlichen Erscheinungsbild unverändert erhaltene multifunktionale Gebäude (Bankfiliale/Caf&/Busbahnhof) ist damit nicht nur ein bayernweit sehr frühes, sondern auch besonders aussagekräftiges Beispiel der Postmoderne. Als „Andividuelles, zugleich stadtbildprägendes Bauwerk“ fand es bereits Aufnahme in eine der wenigen Fachpublikationen zum Thema Hochbauten als Teil der U-Bahn- Architektur (Elsner, Harald, Unterirdische Schnellbahnstationen und ihre Gestaltung. Architektur und Design von U-Stationen, Diss. Hannover 1997, S. 479 f.).
Die 1979 vorgelegten Eingabepläne zeichnete der Nürnberger Architekt Albin Hennig (geb. 1931). Hennig konnte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Gebäude im
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Ruhrgebiet vorweisen, die ihn als neue Wege beschreitenden Architekten auswiesen (vgl. hierzu Online-Architekturführer Ruhrgebiet auf: www.ruhr-bauten.de). Insbesondere Hennigs 1971 fertiggestelltes Bochumer Terrassenhochhaus Girondelle wird mittlerweile als „spektakuläres Wohnbauexperiment“ und „Architektur-Ikone“ gehandelt und wurde im Jahr 2019 als Baudenkmal anerkannt {Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Presse-Infos/Kultur 6.11.2020 Architektur-Ikone im Bochumer Süden. Terrassenwohnaus Girondelle ist Denkmal des Monats auf: www.lwl.org). Nennenswerte Bauten Hennigs in Nürnberg sind u.a. ein neuartiges, in Deutschland erstmalig als autofreie Zone geplantes Wohnquartier in Langwasser (1970 ff.}, das evangelische Gemeindezentrum Dietrich-Bonhoeffer (1976) und das Heizkraftwerk Sandreuth (1980). Trotz der herausgehobenen Bedeutung Hennigs unter den deutschen Architekten der 1960er und 1970er Jahre steht eine „tiefergehende Beschäftigung mit Hennig und seinem Werk [...] bislang noch aus“ (Stegmann, Knut, Das Bochumer Terrassenwohnhaus Girondelle (1967- 1971). Neue Konzepte im Wohnbau der Boomjahre, in: Bochumer Zeitpunkte. Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege 40 (2019), 5. 6-15, hier: 5. 8). Die 0.8. Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk ist ein nahezu unverändert überkommenes Werk aus der Hauptschaffensperiode des Architekten und deshalb für das Verständnis seines Gesamtwerks ein wichtiger Baustein.
Die o.g. Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk ist als Überzeugender Vertreter der Postmoderne sowie als qualitätvoller Einzelbau innerhalb eines bemerkenswerten Architekten-Oeuvres der deutschen Nachkriegszeit von hoher architekturhistorischer Bedeutung.
Der am 20. Juni 1981 zusammen mit der Station Eberhardshof eröffnete U-Bahnhof Maximilianstraße gehört zum Liniennetz der im Jahr 1972 in Betrieb gegangenen Nürnberger U-Bahn. Als Bestandteil der den Nürnberger Stadtteil Langwasser im Südosten mit dem Fürther Hauptbahnhofim Nordwesten verbindenden und zum Teil entlang der historischen Trasse der ersten deutschen Eisenbahnstrecke verlaufenden Linie U1 gehört der Bahnhof Maximilianstraße zu den frühen Stationsgebäuden im Großraum Nürnberg-Fürth, was dessen zeittypische Architektursprache - und hierzu zählt ausdrücklich auch der kleine Kiosk — bis heute anschaulich dokumentiert. Durch seine bewusste, durch die markante Dachlandschaft noch gesteigerte Plastizität steht das Gebäude selbstbewusst und sehr auffällig als nicht zu übersehender baulicher Fingerzeig zum U-Bahn-Abgang an der vielbefahrenen Kreuzung Maximilian-/Fürther Straße. Mit seinen weit in den Straßenraum vorkragenden Dächern sollte es, vom Baureferat der Stadt Nürnberg seinerzeit ausdrücklich gewünscht, einen sog. Merkpunkt innerhalb der als eintönig empfundenen Zeilenbebauung der langen Fürther Straße setzen. Das Gebäude hat deshalb auch eine verkehrs- und stadtplanungsgeschichtliche Bedeutung.
c. Denkmalwürdigkeit Aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung liegt die Erhaltung der Bankfiliale mit Busbahnhof und Kiosk im Interesse der Öffentlichkeit.
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- Verfahrenserläuterung
Dieses Schreiben dient der nach Art. 2 Abs. 1 BayDSchG vorgesehenen Herstellung des Benehmens mit der Gemeinde. Sie bekommt so Gelegenheit, sachliche Ergänzungen oder Korrekturen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, das für die Führung der Denkmalliste zuständig ist, mitzuteilen.
Dabei können nur fachlich begründete Hinweise berücksichtigt werden, die sich auf die Denkmaleigenschaft i. S. d. Art. 1 BayDSchG beziehen (z. B. Datierung, inhaltliche Ergänzungen oder Korrekturen). Diese werden durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege darauf hin geprüft, ob und inwieweit hierdurch die vorliegende Denkmaleigenschaft berührt wird.
Einwendungen, die sich gegen die Folgen der erkannten Denkmaleigenschaft richten, sind hingegen erst in einem Genehmigungs- bzw. denkmalrechtlichen Erlaubnisverfahren zu würdigen; erst hier sind das Erhaltungsinteresse der Allgemeinheit und andere öffentliche oder private Belange gegeneinander abzuwägen. Bei der Eintragung in die Denkmalliste können solche Einwendungen nicht berücksichtigt werden.
- Frist zur Herstellung des Benehmens nach Art. 2 BayDSchG
Wir bitten Sie, uns ihre Äußerungen bis zum
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mitzuteilen. Sofern uns mit Ablauf der Frist keine Rückmeldungen vorliegen, gehen wir davon aus, dass aus Sicht der Gemeinde keine fachlichen Korrekturen oder Ergänzungen erforderlich sind.
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege möchte generell die besondere Bedeutung jedes einzelnen Bau- und Bodendenkmals in Bayern hervorheben, wird doch das Gesicht des Landes, seiner Dörfer und Städte entscheidend durch den Reichtum und die Vielfalt seiner Denkmäler geprägt. Jedes einzelne Baudenkmal ist ein Kulturgut unseres Landes.
Einen Abdruck dieses Schreibens erhalten die Eigentümer und die Stadtheimatpflegerin.
Mit freundlichen Grüßen Kal Ya, Dr. Karl Gattinger Wiss. Angestellter