ERLÄUTERUNGSTEXT LPH 3 - ENTWURF
Planungsziele und Bestand
Der Heinickeplatz ist eine Grünanlage in einem von Bebauung ausgesparten Karree im Stadtteil Eberhardshof in Nürnberg. Das rechteckige Areal wird durch die angrenzenden Straßen – Heinickestraße im Norden, Pestalozzistraße im Westen, Muggenhofer Straße im Süden und Johann- Sebastian-Bach-Straße im Osten – gerahmt. Das Planungsgebiet mit einer Größe von ca. 6200m2 umfasst die Johann-Sebastian-Bach-Straße und die Grünanlage mit der ehemalige Heinickestraße. Die an die Grünanlage angrenzenden Gehwege und Stellplatzflächen der Muggenhofer Straße und der Pestalozzistraße werden mit überplant.
Die Raumkante der Freifläche ist im Norden durch die Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes der ehemaligen Kreistaubstummenanstalt definiert, das heute das Förderzentrum für Hörgeschädigte beherbergt. Eine repräsentative Eingangstreppe wendet sich zum Platz, wird jedoch gegenwärtig nicht genutzt. Im Westen bildet ein ebenfalls denkmalgeschützter Wohnblock aus der Zeit um 1900 eine geschlossene Fassade. Die Heinickestraße zwischen Schulgebäude und Grünanlage ist vom restlichen Straßennetz abgetrennt und fungiert derzeit als Fußgänger- und Aufenthaltsbereich. Vorgarten und Eingangsbereich des ehemaligen Schulgebäudes in diesem Bereich sind jedoch vernachlässigt und durch eine provisorische Einzäunung abgetrennt und tragen nicht zur Aufenthaltsqualität bei.
Die Grünanlage besitzt einen reichhaltigen und wertvollen Baumbestand. Als grüne Oase bietet sie eine natürliche Atmosphäre und bildet einen ruhigen Rückzugsort von der umliegenden städtischen Hektik. Die östliche Seite des Parks beherbergt einen Spielplatz, der kaum mehr ein Nutzungsangebot besitzt und dessen Zustand stark sanierungsbedürftig ist. Die Mitte der Parkanlage ist von einer ausgedehnten Rasenfläche geprägt, während sich auf der Westseite Aufenthalts- und Sitzbereiche befinden, die ebenfalls eine umfassende Modernisierung benötigen. Der wassergebundene Untergrund in diesem Bereich ist fast vollständig zugewachsen und die Wegeführung kaum mehr ablesbar. Einige Trampelpfade zeigen den Bedarf an Wegeverbindungen. Die Übergänge zu den Straßenflächen sind räumlich wenig ausgeprägt und der Verkehr ist dadurch in der Grünfläche präsent. Die Baumstandorte, die in einigen Bereichen in den Gehsteig hineinragen, tragen zusammen mit den parkenden Autos zur Verengung des Gehwegs entlang der Pestalozzi- und Johann-Sebastian- Bach-Straße bei. Hier sind geeignete Lösungen zur Gewährleistung der Sicherheit und Begehbarkeit ebenso notwendig wie zur Verbesserung der Baumstandorte.
Die Johann-Sebastian-Bach-Straße ist derzeit eine Sackgasse (Zone 30) mit einer Länge von ca. 95m, die einige, westlich anliegende Wohngebäude und eine Kleingartenanlage erschließt. Gleichzeitig ist sie eine wichtige Fuß- und Radwegverbindung in die Pegnitzaue.
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Das Ziel der Planung ist es, das enorme Potenzial der Parkanlage zu realisieren und sowohl ihre Funktion als grüne Lunge zu stärken als auch als städtischer Mini-Park einen sozialen Treffpunkt für den Stadtteil zu schaffen. Ebenso soll eine harmonische städtebauliche Integration hinsichtlich der umliegenden denkmalgeschützten Gebäude erreicht werden. Durch Entsiegelung und Rückbau von befestigten Flächen soll ein positiver Effekt auf das Stadtklima erreicht und die Retention von Regenwasser vor Ort ermöglicht werden. Durch die Umgestaltung der Johann-Sebastian-Bach-Straße zu einem verkehrsberuhigten Bereich soll der Straßenraum entsprechend seiner aktuellen Nutzungen umgebaut werden und die Verbindung zu den Pegnitz-Auen gestärkt werden.
Konzept
Ehemalige Heinickestraße: Ein zentrales Element des Entwurfs ist die Neudefinition des Aufenthalts- und Aktivitätsbereichs auf der bestehenden Straßenfläche entlang des Schulgebäudes. Entlang der Vorgartenmauer des Gebäudes sind Schnitthecken mit vorgelagerten Pflanzflächen und Sitzgelegenheiten vorgesehen. Lediglich zum (derzeit ungenutzten) Eingangsbereich wird eine großzügige Öffnung belassen, um Aspekten des Denkmalschutzes und einer eventuellen Reaktivierung des Zugangs gerecht zu werden. Die bestehende Asphaltfläche wird neu zugeschnitten und bleibt als Wegeverbindung und Aktivitätsbereich bestehen. Südlich angrenzend wird ein Band von baumüberstandenen Aufenthaltsbereichen vorgeschlagen, in denen Bänke und Tische zum Verweilen einladen und Tischtennisplatten, Bouleplatz, Bodentrampolin und ein Karussell für Aktivität und geselliges Zusammensein zur Verfügung stehen. Das Band wird durch Pflanzinseln aufgelockert.
Grünfläche: Die Basis der Anlage als baumüberstandene Rasenfläche bleibt erhalten. Ein neues Netz aus schmalen Wegen erschließt die Grünfläche und verbindet den nördlichen Aktivitätsbereich mit den Gehwegen und Parkeingängen auf den anderen Seiten. Das Herzstück bleibt weiter die großzügige zentrale Rasenfläche. Der Spielplatz im Osten des Platzes wird saniert und erweitert. Neben inklusiven Spielelementen finden sich hier zukünftig ein Naturspielbereich, ein Sand- und Wasser- Matsch-Bereich sowie weitere Spielgeräte als Ergebnis der Kinderbeteiligung und zusätzliche Sitzgelegenheiten. Die ruhigen Sitzbereiche im Westen des Platzes im Schatten des Baumbestandes werden ebenfalls neugeordnet und gestalterisch aufgewertet.
Umgebende Straßenräume: Die Zugänge zum Park werden stärker akzentuiert und mit zusätzlichen Ausstattungen wie Fahrradständern und Sitzdecks ergänzt. Entlang der Pestalozzi-Straße ersetzen Längsparker die bisherigen Senkrechtparker und ermöglichen dadurch eine Verbreiterung des viel zu schmalen Gehwegs und die Integration der Stammfüße der Bäume in Grünbereiche. Die Anzahl der Stellplätze reduziert sich dadurch von ca. 16 auf fünf. Entlang der Muggenhofer Straße ersetzt ein Versickerungsstreifen für das Oberflächenwasser im Sinne des
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Schwammstadt-Konzepts die Längsparkplätze. Hierdurch entfallen ca. 10 Stellplätze Die Johann-Sebastian-Bach-Straße erfährt eine grundlegende Neugestaltung. Das bisher zwischen 14,70m und 15,90m breite Straßenprofil wird deutlich reduziert und zu einem verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet, der in die Pegnitzauen führt. Entlang der Fassaden der denkmalgeschützten Wohnhäuser werden ebenso wie vor den Gebäuden im nördlichen Bereich bepflanzte Vorbereiche angeordnet. Die bisher unstrukturierten Längsstellplätze, die in auch von vielen Lieferwägen oder Gespannen genutzt werden (ca. 27 Stellplätze), werden reduziert und als Senkrechtparker (12 Stellplätze) im nördlichen Bereich der Straße angeordnet.
Materialität und Ausstattung: Die Gestaltung des Heinickeplatzes folgt den Vorschlägen des städtischen Gestaltungshandbuches „Nürnberger Linie“ entsprechend des Typus „gründerzeitliche Blockrandbebauung mit einem hohen Anteil an Einzeldenkmälern“. Flächenbeläge aus Asphalt für Fahrgassen, Platten für Gehwegsflächen und Granitgroßstein für Sonderflächen stellen die hauptsächlichen Belagsflächen dar. Einzig die Innenwege der Grünanlage ohne Widmung und sonstige Anforderungen werden aus Gründen des Baumbestandes als leichte Parkwege mit wassergebundener Decke ausgebildet. In Bereichen mit Baumbestand werden ausschließlich bestehende Wegeflächen mit neuer Splittabstreu versehen. Die Ausstattung der Anlage wird ebenso schlicht gehalten. Filigrane Möbel, Poller und Fahrradbügel aus dunkel lackiertem Stahl mit Holz sind funktionale und nachhaltige Objekte.
Klimaanpassung und Regenwasserkonzept
Die Umgestaltung des Heinickeplatzes bietet die Möglichkeit, die wichtigen Ziele der Entsiegelung, klimatischen Anpassungen und Rückhaltung bzw. Versickerung von Regenwasser umzusetzen. Der Baumbestand des Heinickeplatzes bleibt weitestgehend erhalten. Punktuell werden jedoch Bäume mit schlechter Entwicklungsperspektive ausgelichtet und durch an die klimatischen Veränderungen angepasste Neupflanzungen ersetzt. Die zentrale Parkwiese bleibt weiterhin als intensiv nutzbarer Gebrauchsrasen erhalten, während die randlichen Grünflächen zu insektenfreundlichen Blühwiesen oder waldartigen Flächen umgestaltet werden.
Durch die Umbaumaßnahmen der angrenzenden Stellplatz- und Gehwegsflächen und der gesamten Johann-Sebastian-Bach-Straße kann zusätzlich zu den städtebaulichen und funktionalen Qualitäten auch großer Einfluss auf die Flächenentsiegelung und Rückhaltung des Regenwassers genommen werden. Der Versiegelungsgrad des Planungsgebietes wird von ca. 66% auf 47% reduziert. Entlang der befestigten Flächen werden neue Grünflächen als Sickerbereich entwickelt. Es handelt sich dabei um weitgehend ebene Grünflächen (keine Mulden) in passender Höhenlage, die das anfallende Regenwasser breitflächig versickern. Auch Starkregenereignisse können abgepuffert werden. Dadurch werden ca. 3000m2 befestigter Fläche, die bisher in die städtische Kanalisation entwässert wurden, künftig als teilentsiegelte Flächen vor Ort versickert. Das anfallende Regenwasser steht
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damit der Vegetation vor Ort zur Verfügung und dient der Verbesserung des Mikroklimas im Quartier.
Insgesamt trägt die Neugestaltung des Heinickeplatzes so zu einer wesentlichen Aufwertung sowohl der Aufenthaltsqualität als auch der Biodiversität und ökologischen Funktionen in diesem städtischen Raum bei.
Inklusion und Barrierefreiheit
Die Neuanlage verbessert die Barrierefreiheit und Zugänglichkeit der gesamten Anlage. Alle Übergänge in den Fußwegen werden schwellenlos ausgebildet und Gelenkflächen durch Belagswechsel kenntlich gemacht. Der Umbau der Johann-Sebastian-Bach-Straße als verkehrsberuhigter Bereich ermöglicht allen eine gleichberechtigte Nutzung. Im Besonderen sind hier auch die Kinder des angrenzenden Zentrums für Hörgeschädigte zu nennen, die die Straße als Schulweg nutzen. Eine Markierung auf der Straßenfläche soll hier die besondere Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer erhöhen. Die neuen Ausstattungselemente im Park – Bänke mit verschiedenen Sitzhöhen, Spielgeräte mit inklusivem Charakter und passender Materialwahl (z.B. keine Kunststoffrutschen) – sollen die Nutzbarkeit für alle ermöglichen. wird nach den Nürnberger Leitlinien für Qualität und Inklusion auf Spielplätzen - "miteinander spielen" erstellt, für die öffentlichen Freiräume werden die Maßgaben der DIN 18040-3 angewendet.
Beteiligungsverfahren
Im Rahmen eines jeweils zweistufigen Beteiligungsverfahrens wurden BürgerInnen und Kinder an der Planung (Spielplatzplanung) beteiligt. Dabei wurden im ersten Schritt die Vorkonzeption und im zweiten Schritt der Entwurf vorgestellt und diskutiert. Der Entwurf der Grünanlage und des Spielplatzes fand in beiden Beteiligungsschritten großen Anklang. Im der zweiten Veranstaltung wurden durch einen Teil der anwesenden Bürgerschaft das Thema der entfallenden Stellplätze als sehr problematisch bewertet und intensiv diskutiert. Aus diesem Grund wird im vorliegenden Planstand die Situation der Stellplätze in Bestand und Planung noch einmal dargestellt. Es wird n einer Variante für das Stellplatzkonzept aufgezeigt, wie viele Stellplätze welchen Charakters entfallen und welche Folgen der umfassendere Erhalt von Stellplätzen in den verschiedenen Straßenbereichen hätte.
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