Zwischenbericht zur kommunalen Koordinierung Jungen- und Männergesundheit in
Nürnberg i.R.d. Präventionsgesetzes (PrävG). Entscheidungsvorlage
1. Rahmenbedingungen des Projekts
Das drittmittelgeförderte Projekt „Kommunale Koordinierung Jungen- und Männergesundheit in Nürnberg“ startete ursprünglich 2018 als Kooperation des Gesundheitsamtes sowie der Gleichstellungsstelle der Stadt Nürnberg mit der Techniker Krankenkasse (TK). Grundlage für eine Projektförderung stellt das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention (PrävG / §20a SGB V) dar, mit dem Ziel, Lebensbedingungen zu gestalten und einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu unterstützen. Das Präventionsgesetz sieht vor, Angebote der Verhaltens- und Verhältnisprävention in der Lebenswelt der Menschen, d.h. dort wo sie wohnen, spielen, lernen und arbeiten, zu implementieren sowie die Zusammenarbeit der Einrichtungen und Akteure und Akteurinnen1 in der Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken. „Kommunen stehen hierbei im Fokus, weil sie einerseits als Akteure von Public Health betrachtet werden können und andererseits zentrale Orte der Umsetzung von Public- Health-Maßnahmen sind (…). In einem System der Prävention und Gesundheitsförderung ist es notwendig, die Zielgruppen oder -regionen mit den höchsten Bedarfen bzw. Risiken zu identifizieren und so die vorhandenen begrenzten Ressourcen, die für Maßnahmen zur Verfügung stehen, effizient einzusetzen“2.
Ziel des Projekts ist es unter anderem, die gesundheitliche Lebensqualität von Jungen und Männern nachhaltig zu verbessern, langfristig die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern zu erhöhen – sowie kurzfristiger – die Inanspruchnahme von Vorsorge- bzw. Früherkennungsuntersuchungen durch Männer zu steigern. Im Förderzeitraum sollen schwerpunktmäßig eine Bestands- und Bedarfserhebung durchgeführt und notwendige Kooperationen aufgebaut werden. Für die zielgerichtete Umsetzung von Angeboten und Maßnahmen soll ein weiterer Antrag vornehmlich bei der TK gestellt werden.
Der Projektzeitraum betrug ursprünglich 36 Monate. Aufgrund von Verzögerungen in der Stellenbesetzung mangels Fachkräften, der Aufgaben in der Pandemiebewältigung seit 2020, bei der das Projektteam von März 2020 bis einschließlich Oktober 2022 in der Bearbeitung der Sars-CoV 2-Pandemie eingesetzt war, und dem Entgegenkommen der Techniker Krankenkasse (TK) wird das Projekt derzeit bis Juni 2024 verlängert. Im Zeitraum von 2019 bis Ende 2022 wurde das Projekt mithilfe der TK-Förderung in enger Zusammenarbeit mit dem Ansprechpartner für Männer der Gleichstellungsstelle durchgeführt, welcher hieraus acht Wochenarbeitsstunden erhielt.
1 Als Akteurinnen und Akteure werden betrachtet z.B. handelnde Personen bei sozialen Trägern und Vereinen oder im Stadtteil 2 De Bock, F. (2021): Evidenzbasierung: Theoriebildung und praktische Umsetzung in Prävention und Gesundheitsförderung in Bundesgesundheitsblatt 2021
Das bisherige Finanzvolumen für das Projekt beläuft sich auf eine Gesamtsumme von 405.644 Euro, davon wurden 294.734 Euro durch die TK gefördert.
2. Grundlagen einer Jungen- und Männergesundheit
Die Notwendigkeit einer geschlechtsbezogenen Gesundheitsförderung ergibt sich aus den Tatsachen, dass Männer im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen sterben, bei vielen Erkrankungen Männer benachteiligt sind und ein risikobehaftetes Verhalten zeigen, dass die Gesundheit beeinträchtigt3. Zudem sind Maßnahmen der Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung bei Personen unterschiedlichen Geschlechts nicht immer gleich wirksam4 und werden weitestgehend „geschlechtsneutral“ angeboten. Jungengesundheit gilt noch als ein „blinder Fleck in der Public-Health-Forschung und für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“5. Aus diesen Gründen gewinnt die Genderperspektive zunehmend an Bedeutung. Die ersten Lehrstühle wurden in den vergangenen Jahren eingerichtet. In der Praxis ist jedoch wenig von geschlechtersensibler Prävention und Gesundheitsförderung angekommen. Diese bislang eher vernachlässigte Betrachtung der Jungen- und Männergesundheit in der Praxis resultiert aus einer historischen Fokussierung vornehmlich auf Frauen und Kinder, einem traditionellen Geschlechterbild und einer ungleichen Ressourcenverteilung im Gesundheitssystem. Ebenso fehlt es noch an der nötigen Sensibilisierung der Zielgruppe der Männer für gesundheitliche Themen.
3. Vorgehensweise und Ergebnisse in der Erhebungsphase
Bislang gibt es nur vereinzelte Erhebungen der Bedarfe von Männern hinsichtlich deren Gesundheit oder systematische Bestandserhebung in Deutschland67. Dies konnte anhand des Projektes nun bspw. um eine qualitative Befragung ergänzt werden.
Bis Mitte des Jahres 2023 wurde eine Bestands- und Bedarfserhebung erstellt. Die Bestandserhebung erfolgt durch eine Datensichtung sowie der Recherche von wissenschaftlichen Beiträgen, Studien und weiterführender Literatur. Ein weiterer Baustein der Bestandserhebung ist die Analyse der gesundheitlichen Angebote in Nürnberg bspw. durch freie Träger, die speziell an Jungen und Männer gerichtet sind.
Hieraus ergibt sich, dass in der Stadt Nürnberg bereits einige verstreute gesundheitliche Angebote bestehen, die speziell für die Zielgruppe der Jungen und Männer konzipiert sind. Zu den Angeboten gehören beispielsweise Beratungs-, Gruppenangebote, Unterrichtseinheiten,
3 Stiftung Männergesundheit, Stand: 25.05.2020 4 BZgA 2019 5 Zitat nach Altgeld 2013 6 Ergebnis einer Internetrecherche und Abfrage bei Institutionen, die sich mit Männergesundheit befassen (z.B. Stiftung Männergesundheit) 7 Fünfter Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit
Begleitung, Selbsthilfegruppen sowie die Unterstützung bei der Wohnungssuche und Wohnungshilfe.
Aus der Literaturrecherche können folgend einige bezeichnende Zitate aufgegriffen werden, die es ermöglichen, den Sachstand zur nationalen Lage der Jungen- und Männergesundheit zu umreißen: "Jungengesundheit ist noch ein blinder Fleck in der Public-Health-Forschung und für den Öffentlichen Gesundheitsdienst."8 "Dabei muss zunächst festgestellt werden, dass die Gesundheitsversorgung ebenso weit von Jungen, männlichen Jugendlichen und Männern entfernt ist wie diese vom Gesundheitssystem."9 "Die Datenlage zur geschlechtsspezifischen gesundheitlichen Situation von Jungen ist sehr lückenhaft."10 Gleichwohl „(…) besteht nach wie vor ein hoher Bedarf, geschlechterorientierte Maßnahmen zu entwickeln und zu stärken."11 "Bei der Inanspruchnahme primärpräventiver Programme zeigen sich allerdings drastische Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Diese Programme werden von Männern deutlich seltener angenommen, was zu der Forderung führte, dass diese oder ähnliche Angebot dringend geschlechtssensibel gestaltet werden müssen, um eine Chancengleichheit der Geschlechter zu erzielen."12
Neben der Bestandserhebung wurde eine Bedarfsanalyse durchgeführt. Für eine zielführende Bedarfserhebung sind Fachkräfte von großem Wert, da sie vor Ort und direkt mit den Zielgruppen im Austausch stehen. Dabei wurden zunächst 26 Fachkräfteinterviews mit Akteurinnen und Akteuren und zentralen Schlüsselpersonen geführt, um die gesundheitlichen Bedarfe von Jungen und Männern zu identifizieren und gleichzeitig für die Thematik der Jungen- und Männergesundheit zu sensibilisieren13. Darunter befanden sich Ärztinnen und Ärzte aus Praxis und Klinik, Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung Nürnberg (z.B. J, JCN, PA) sowie Mitarbeitende von freien Trägern, Vereinen und Verbänden.
Potentielle Angebote der Jungen- oder Männergesundheit in Bayern waren den Befragten mehrheitlich nicht bekannt. Lediglich der Bayerische Landes-Sportverband e.V. (BLSV), der Bayerische Jugendring (BJR), der bundesweite Aktionstag zur Berufsorientierung und Le-
8 Altgeld, Th. in Stier, B./Winter, R. (2013): Jungen und Gesundheit. Ein interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik, S.169 9 Winter, R. (2013): Jungen und Gesundheit. Ein interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik, S.177 10 Schroll, E. in Stier, B./Winter, R. (2013): Jungen und Gesundheit. Ein interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik, S.21 11 Stier, B. (2013): Jungen und Gesundheit. Ein interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik, S. 164 12 Kupfer, J. in Harth, W. et al. (2012): Praxishandbuch Männergesundheit, S.27 13 Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der Bedarfsanalyse wurde im Gesundheitsausschuss am 29.11.2022 vorgestellt.
bensplanung für Jungen ab der 5. Klasse, der „Boys´Day“, und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wurden als bayernweite Angebote genannt. Eine Fachkraft umschrieb dies, wie folgt: „Und mir fallen wirklich keine speziellen Institutionen, Einrichtungen, Angebote ein, wo man sagt, ja das ist tatsächlich mal nur für die Jungen oder für die Männer, wo sie sich speziell mit dem und dem Problem hinwenden können. Fällt mir echt nicht ein“.
Neben der Befragung von Fachkräften wurde die eigentliche Zielgruppe der Männer via Interviews eingebunden. Laut Fachliteratur und Fachleuten ist dieses Unterfangen äußerst schwierig. Bislang wurde bundesweit keine derartige qualitative Befragung durchgeführt. Die aktuelle Studie der Stiftung Männergesundheit ist quantitativ angelegt. Männer gelten als schwer erreichbar, wenn es um deren Gesundheit geht. Auch zu diesem Ergebnis kommt der fünfte Männergesundheitsbericht. So blieben auch die ersten Aufrufe zur Teilnahme erfolglos. Durch gezieltere Nachfragen bzw. Direktansprache seitens der Projektmitarbeiter, der Kooperationspartnerinnen und -partner sowie bereits beteiligte Interviewpartner, über Netzwerke und Gremien, über Mailing und über Aushänge konnten über mehrere Monate 53 Männer zum Interview gebeten werden. Da es bundesweit zum ersten Mal gelingt, Männer zu deren Gesundheitsbedarfe zu befragen, musste auch der hierfür notwendige qualitative Fragebogen entwickelt werden.
Folgende Ergebnisse konnten erzielt werden: Für Männer bedeutet Gesundheit in erster Linie das Ausbleiben von Krankheiten, gefolgt von der körperlichen und geistigen Gesundheit. Gesundheit ist für die befragten Männer eng mit Lebensfreude und Glück verbunden und dem Wohlfühlen im eigenen Körper. Doch auch die Aussage, die Möglichkeit zu haben, den Alltag ohne Einschränkungen frei gestalten zu können, wird oft im Zusammenhang mit Gesundheit getroffen. Für über 80 Prozent der befragten Männer spielt Gesundheit eine große Rolle in ihrem Leben, so zumindest laut Interview. Die Bereiche, in denen Gesundheit die größte Rolle spielt, sind Krankheiten, Bewegung und Sport, Ernährung, Familie bzw. der soziale Bereich, Stress und Psyche sowie im Beruf. Stresssituationen sind dabei allgegenwärtig. Ob familiärer Natur, durch Beziehungsprobleme, aufgrund von Sprachbarrieren, während des Studiums oder aufgrund von Überlastung im beruflichen Kontext: Über 80 Prozent der befragten Männer berichten, innerhalb der letzten Wochen, Stresssituationen erfahren zu haben. Männern fehlen Ansprechpersonen bei gesundheitlichen Themen. Mehr als die Hälfte der befragten Männer geben an, dass sie sich, über ihre vorhandenen Ansprechpersonen (wie z.B. der Partnerin / dem Partner oder Familienangehörigen), weitere Ansprechpersonen wünschen würden. Obwohl es, wie oben im Text unter Punkt drei ausgeführt, eine breite Palette von Beratungsmöglichkeiten für Jungen und Männer in Nürnberg gibt, sind diese größtenteils bei den Män-
nern unbekannt. Knapp 75 Prozent der befragten Männer geben an, dass ihnen keine Beratungsstellen speziell für Jungen und Männer bekannt sind. Weitere Ergebnisse aus der Erhebung werden in einem gesonderten Bericht im Rahmen des Abschlussberichts 2024 folgen.
Im Gesundheitsausschuss am 10.11.2022 wurde der Auf- und Ausbau eines Nürnberger Netzwerks zur Jungen- und Männergesundheit vorgestellt. Durch diesen Kooperationsverbund war es nun möglich, Fokusgruppen durchzuführen. Hierfür konnten an drei Terminen 2022/2023 insgesamt sieben Klassen einer Berufsschule bzw. eines Gymnasiums gewonnen werden. 77 Teilnehmende im Alter zwischen 15 und 18 Jahren wurden beteiligt, darunter:
51 Jugendliche weiblichen Geschlechts 24 Jugendliche männlichen Geschlechts 2 Inter-Jugendliche14
Die Ergebnisse der Fokusgruppen zeigen, dass fast alle Jungen einem traditionellen Männerbild folgen und angeben, sich „männlich zu fühlen“ und entsprechend zu handeln. Körper, Bewegung und Sport sind zentrale Themen für die Jungen, während die psychische Gesundheit kaum diskutiert wird. Das Wissen über Verhütung ist bei den Jungen gering und die Vorsorgeuntersuchungen oder Arztbesuche sind für sie kein relevantes Thema. Obwohl gesunde Ernährung von den Jungen als wichtig erachtet wird, hat keiner von ihnen gefrühstückt.
4. Aufbau von Kooperationen
Die geplanten Kooperationsstrukturen sollen langfristig die Situation von Jungen und Männern in Nürnberg hinsichtlich deren Gesundheit verbessern. Im Austausch mit den einzelnen potentiellen Partnerinnen und Partnern sollen geschlechtsspezifische Angebote (weiter-) entwickelt, ausgebaut oder verzahnt werden. Synergien – bspw. zwischen der Stadtverwaltung und den freien Trägern - sollen hierdurch entstehen bzw. genutzt werden. Hier wird es durch die Koordination im Rahmen der Projektlaufzeit wichtig sein, Aufklärung über geschlechtersensible Gesundheit und der Bandbreite des Themenfelds zu betreiben – und dies nicht nur bei den eigentlichen Zielgruppen, sondern auch bei Fachkräften und den Anbietenden von Angeboten. Hierfür wird durch einen regelmäßigen Austausch und seit Juli 2022 stattfindenden Vernetzungstreffen ein eigenes Netzwerk zur Jungen und Männergesundheit in Nürnberg aufgebaut.
Einzelne (eher) nicht koordinierte Projekte und Initiativen in anderen Städten, Ländern und auch auf Bundesebene sind in den vergangenen Jahren erfasst worden, wie aus dem bun-
14 Jugendliche, die weder dem Geschlecht männlich noch weiblich zuzuordnen, sondern bspw. bei Geburt mit beiden Geschlechtsmerkmalen geboren sind (sog. Kinder mit Varianten der Geschlechtsentwicklung).
desweiten Netzwerk zur Männergesundheit hervorgeht. Neben der Fokussierung auf regionale Netzwerkarbeit lag damit ein ebenso großer Schwerpunkt auf der Einbindung des Nürnberger Projekts in nationale Netzwerke, wie dem bundesweiten Netzwerk „Männergesundheit fördern im kommunalen Raum“ sowie der Fachaustausch mit Koryphäen auf dem Gebiet der Männergesundheit, wie Gunter Neubauer, der u.a. die Leitung des Sozialwissenschaftlichen Instituts Tübingen (SOWIT) innehat.
5. Aktueller Projektsachstand
Nach der Erhebungsphase bzgl. des Bestands und des Bedarfs stehen nun die Umsetzung und die Pflege des Kooperationsverbunds im Fokus. Erste Pilotprojekte und Mikroprojekte im Rahmen des Verfügungsfonds der Techniker Krankenkasse werden aktuell umgesetzt, unter anderem:
„Junge sein – Mann werden“: Ein Jungenprojekt zur Reflexion der Rollenbilder und der Gewaltprävention „Aufbau eines Netzwerks und der Aufmerksamkeit für Inter*Kids“: Geschlechtersensible Prävention mit Fokus auf intergeschlechtliche Kinder
Weitere Projekte sind in der Planungsphase.
6. Ausblick
Durch die dargestellten Ergebnisse der Bestands- und Bedarfserhebungen wird die Notwendigkeit des Projekts „Kommunale Koordinierung Jungen- und Männergesundheit in Nürnberg“ nochmals deutlich. Maßnahmen zur Männergesundheit sind von großer Bedeutung, da sie auf die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse von Männern eingehen. Ebendiese Männergesundheitsthemen wurden in der Vergangenheit oft vernachlässigt oder als Selbstverständlichkeit angesehen, was zu einer ungleichen Gesundheitsversorgung und einem Mangel an Bewusstsein für die spezifischen Gesundheitsrisiken führt, denen Jungen und Männer ausgesetzt sind. Die Förderung der Jungen- und Männergesundheit durch gezielte Projekte kann dazu beitragen, Männer zu ermutigen, ihre Gesundheit aktiv anzugehen und präventive Maßnahmen und Angebote zu nutzen. Genau an dieser Stelle möchte die Koordinierung Jungen und Männergesundheit durch nachhaltiges Handeln Vertrauen bei der Zielgruppe schaffen, bestehende Angebote sichtbar machen und Anlaufmöglichkeiten entwickeln.
Mit Blick auf den Aktionsplan „Queeres Nürnberg“ weist das Projekt „Kommunale Koordinierung Jungen- und Männergesundheit“ auf einige gemeinsame Handlungsfelder hin, wie das Ziel, die Versorgungs- und Vorsorgestruktur für LSBTIQ*-Personen in Nürnberg zu verbessern. Ein Aspekt ist die Weiterentwicklung und Verstetigung der Koordination Jungen- und Männergesundheit in Nürnberg mit einem Fokus auf besonders vulnerable Teilzielgruppen, wie beispielsweise der nicht-heterosexuell orientierten Jungen sowie der intergeschlechtlichen
Menschen. Dieser Fokus ergibt sich unter anderem aus den Ergebnissen aus der Bestandsund Bedarfserhebung. Schließlich zielen sowohl die Koordinierung Jungen- und Männergesundheit als auch der Aktionsplan „Queeres Nürnberg“ darauf ab, die Akzeptanz und Unterstützung für queere Jungen und Männer zu verbessern. Aufgrund von Stigmatisierung, Diskriminierung und Vorurteilen kann ihre allgemeine Gesundheit und ihr Wohlbefinden teils stark beeinträchtigt werden. Studien zeigen, dass insbesondere queere Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen, Angststörungen und Suizid haben15 Durch die Fokussierung auf diese Teilzielgruppe wird angestrebt, ihre spezifischen Bedürfnisse zu erfüllen und ihnen die benötigte Unterstützung zukommen zu lassen.
Um für alle Jungen und Männer da zu sein, für ihre Gesundheit proaktiv etwas zu verändern und die geschlechtersensible Prävention in Nürnberg weiterzuentwickeln, ist eine Fortsetzung der Kooperation mit Krankenkassen i.R.d. PrävG geplant.
Eine entsprechende Beschlussvorlage für den Gesundheitsausschuss zur weiteren Förderung der geschlechtersensiblen Prävention samt der Jungen- und Männergesundheit mithilfe des PrävG, z.B. durch die TK oder die Landesrahmenvereinbarung Prävention Bayern (LRV), ist anhängig, damit die Finanzierung zu Beginn des Jahres 2024 sichergestellt werden kann. Hierbei geht es um weitere Anträge, die aus den Ergebnissen der kommunalen Koordinierung Jungen- und Männergesundheit resultieren. Einerseits soll ab 2024 ein Fokus auf die Jungengesundheit, die Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Männergesundheit sowie ein Fokus auf (werdende) Eltern von Kindern mit Variationen der Geschlechtsentwicklung gesetzt werden.
Neben der Techniker Krankenkasse (TK), die das beschriebene Projekt in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt hat, gibt es auch die Möglichkeit, auf Grundlage des Präventionsgesetzes im Zuge der Landesrahmenvereinbarung Prävention Bayern (LRV) eine Förderung zu beantragen. Die LRV ist ein gemeinsames Abkommen folgender Akteure:
Freistaat Bayern Gesetzliche Krankenversicherung Deutsche Rentenversicherung Gesetzliche Unfallversicherung Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit Bayerischer Städtetag
15 Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V. (2021): Geringere Chancen auf ein gesundes Leben für LGBTQI*-Menschen. DIW Wochenbericht 06/2021 Robert Koch-Institut – RKI (2020): Die gesundheitliche Lage von lesbischen, schwulen, bisexuellen sowie trans* und intergeschlechtlichen Menschen. Journal of Health Monitoring Krell C., Oldemeier K. (2017): Coming Out – und dann…?! Coming-Out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von LSBT*Q Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Deutsches Jugendinstitut (DJI) Deutscher Ethikrat (2011): Zur Situation von Menschen mit Intersexualität in Deutschland. Öffentliche Anhörung und Dialog. Simultanmitschrift
Im Rahmen der LRV können trägerübergreifende Projekte zur Prävention und Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte, vulnerable Zielgruppen gefördert werden. Ziel ist es, die gesundheitliche Chancengleichheit in Bayern zu verbessern.