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3.1 Entscheidungsvorlage

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Jugendhilfeausschuss Haushalt & Finanzen Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage 3.1

zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 27.07.2023

Entscheidungsvorlage

Koordinierende Kinderschutzstelle und Frühe Hilfen

Zwei Angebote der Frühen Hilfen wurden bereits im vergangenen Jahr dem Ausschuss mit dringender fachlicher Empfehlung vorgelegt und zur Umsetzung empfohlen: Das Kooperationsprojekt „Lotsin Frühe Hilfen im Klinikum Nürnberg“ mit dem Ziel, das befristete Projekt in das kommunale Regelangebot der Frühen Hilfen aufzunehmen, sowie das Kooperationsprojekt „Frühe Hilfen im Haus Dorothea – Assistenz zum Wohnen in der eigenen Wohnung für psychisch kranke und suchtkranke Mütter mit Kind“ mit dem Ziel, den kindesbezogenen Bedarf der Zielgruppe bedarfsgerecht abdecken zu können. Aufgrund der prekären Haushaltslage war auf eine Anmeldung zum Haushalt 2023 verzichtet worden. Beide Maßnahmen werden nun aufgrund der hohen fachlichen Bedeutung erneut zum Beschluss für den Haushalt 2024 vorgelegt. Auf die Sachverhaltsdarstellung Frühe Hilfen 2022 (vgl. JhA vom 28.07.2022 TOP 4) wird verwiesen.

Kooperationsprojekt „Lotsin Frühe Hilfen im Klinikum Nürnberg“

Fast alle Kinder werden in Geburtskliniken geboren. Dort können ihre Eltern niedrigschwellig, unkompliziert und stigmatisierungsfrei erreicht und Zugänge in einer für die Familien lebensweltnahen Umgebung geschaffen werden. Lotsenaktivitäten, die über Frühe Hilfen informieren, die Familien unmittelbar vor Ort beraten und ggfs. noch vor der Entlassung aus dem Krankenhaus in weitere Angebote vermitteln, haben sich bewährt und sind inzwischen in vielen Geburtskliniken etabliert. Als Kooperationsform an der Schnittstelle unterschiedlicher Leistungssysteme werden sie vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen und der Bundesstiftung Frühe Hilfen empfohlen. Als Orientierung für die Entwicklung von Lotsendiensten wurden Qualitätskriterien erarbeitet. Diese sind als Eckpunktepapier veröffentlicht unter https://www.fruehehilfen.de/service/publikationen/einzelansicht-publikationen/titel/zentrale-qualitaetskriterien-fuer-lotsendienste-der-fruehen-hilfen-in-geburtskliniken-fachliche-anford/

Im Zuge der Pandemie stellte sich in den vergangenen Jahren zusätzlich und mit Dringlichkeit die Frage, wie belastete und isolierte Familien besser erreicht werden können. Viele Schwangere zogen sich aus Sorge vor einer Corona - Ansteckung aus gesundheitsbezogenen und psychosozialen Regelangeboten, wie z.B. Schwangerenberatung, Hebammenvorsorge, Geburtsvorbereitungskursen oder spezifischen Beratungsangeboten zurück oder nutzten diese in deutlich geringerem Umfang. Die Anbindung an die Versorgungsstrukturen rund um Schwangerschaft und Geburt war nur noch lückenhaft gegeben, gleichzeitig nahmen Belastungsfaktoren und Unsicherheiten zu.

Um dieser Entwicklung zu begegnen, wurde 2022 mit zusätzlichen, jedoch befristeten Mitteln aus dem bundesweiten Corona - Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche das Angebot „Lotsin Frühe Hilfen“ als Kooperationsprojekt zwischen Jugendhilfe/KoKi, Klinikum Nürnberg und dem Sozialdienst katholischer Frauen entwickelt und implementiert. Eine Fachkraft der Frühen Hilfen steht den frischentbundenen Müttern mit wöchentlich 25 Wochenarbeitsstunden auf den Geburtsstationen des Klinikums Nürnberg bei allen Fragen außerhalb des medizinischen Spektrums zur Verfügung. Bei Bedarf vermittelt die Lotsin für die Zeit nach der Entlassung in weitergehende Hilfen oder hält selbst Kontakt zur Familie. Dabei spielt das erworbene Vertrauensverhältnis zur Lotsin eine wichtige Rolle. Die Lotsin erkennt familiäre Ressourcen und Belastungen frühzeitig und fungiert als niedrigschwellig erreichbare Ansprechperson beim Übergang in das Alltagsleben mit dem Neugeborenen.

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) stellt für das Projekt aus seinem bestehenden Team an Gesundheitsfachkräften eine Kinderkrankenschwester mit psychosozialer Zusatzqualifizierung als Lotsin zur Verfügung. Auf den Geburtsstationen des Klinikums Nürnberg kommt die Lotsin an mehreren Tagen pro Woche zum Einsatz und nimmt dort direkten Kontakt zu den Müttern oder Eltern auf. Die Klinik bahnte dem Projekt von Beginn an den Weg durch Anbindung an die vor Ort gegebenen Strukturen sowie die Abläufe im Klinikalltag.

Das Jugendamt/KoKi entwickelte gemeinsam mit den weiteren beteiligten Kooperationspartnern das Konzept, begleitet die Umsetzung und Weiterentwicklung, steht auf operativer Ebene der Lotsin beratend und für die Vermittlung notwendiger Anschlusshilfen zur Verfügung.

Frühere Besuche der Aufsuchenden Gesundheitshilfe (aGH) in den Geburtskliniken mussten bereits vor Corona aus Kapazitätsgründen reduziert und mit den zusätzlichen Anforderungen der Pandemie gänzlich eingestellt werden. Bei der damaligen Leitung der Aufsuchenden Gesundheitshilfe bestand vor Projektbeginn die Einschätzung, dass voraussichtlich keine Möglichkeit besteht, diese Besuche regelhaft wiederaufzunehmen und im Sinne einer umfassenden Lotsentätigkeit anzubieten. Seit dem Ende der Pandemie steht die aGH für Einzelfallhilfen wieder vollumfänglich zur Verfügung und wird von der Lotsin als Anschlusshilfe angefragt oder empfohlen.

Vielfach etablieren sich Lotsenprojekte auch in anderen Städten, so in fast allen Geburtskliniken in Hamburg, an allen Geburtskliniken in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis oder in Bayern am Uniklinikum Würzburg. Die Forschung bestätigt ebenfalls den Erfolg. Siehe auch: www.caritas.de/presse/pressemeldungen-dcv/caritas-studie-zu-babylotsen-eine-wahre-hilfe-fuer-junge-familien-und-in-der-pandemie-noch-mehr-gebraucht-48874d6a-c697-4ca3-94b5-241dcae37b77 )

Aufgrund der strategischen und fachlichen Bedeutung und dem hohen Nutzungsgrad bei den Familien wurde dafür 2023 zwar noch kein eigener Haushaltsansatz aufgrund der prekären Haushaltslage gebildet, sollte eine Finanzierung über Restmittel o.ä. aber nicht möglich sein, würden die fehlenden Mittel von der Stadt unterjährig zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Basis wird aktuell das Angebot weitergeführt und ausgewertet:

Die persönliche Ansprache und das vertrauensvolle Gespräch mit der Lotsin erwies sich als unerwartet hilfreich. Überraschend deutlich bestätigte sich eine große Aufgeschlossenheit der Wöchnerinnen gegenüber der Lotsin noch während des Krankenhausaufenthaltes. Die zahlenbasierte Auswertung belegt, dass  von 608 angesprochenen Nürnberger Frauen nur 27 Frauen das Gespräch ablehnten (4,4 %),  an 590 Frauen Infomaterial zu den Frühen Hilfen in Nürnberg ausgeteilt wurde (97 %),  mit 581 Frauen ein Informationsgespräch geführt werden konnte (95 %),  bei 569 Frauen Unsicherheiten bis hin zu psychosozialen Belastungen bestanden (93 %),  160 Frauen ein vertiefendes Gespräch wahrnahmen (22 %), davon thematisierten o 74 Frauen eine belastende / traumatisierende Geburtserfahrung o 69 Frauen besondere familiäre oder psychosoziale Belastungen o 17 Frauen Fragen zum Neugeborenen  136 Frauen wurden anschließend in das Netzwerk der Frühen Hilfen vermittelt  14 Frauen wurden an die KoKi angebunden  50 Frauen wünschten über das vertiefende Gespräch hinaus weitere Kontakte

 11 Frauen wurden nach dem Klinikaufenthalt zu ausführlichen Gesprächen und Beratungen kontaktiert, um die Familie zu stabilisieren bis eine weitere Hilfe installiert werden konnte, um besonderem Gesprächsbedarf nach belastender Schwangerschaft und Geburt nachzukommen und zur Förderung der Elternkompetenz.

Die Erfahrungen der Lotsin lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Frauen sind auch in der Zeit nach der Geburt überwiegend sehr offen und dankbar für ein Gespräch, das Angebot wird sehr gut angenommen und als gewinnbringend erlebt. Der Erstkontakt zu den Familien erfordert viel Feingefühl und Zeit, was im normalen Klinikbetrieb meist nicht gegeben ist. Das Thema „Geburtserlebnis“ nimmt viel Raum in den Gesprächen ein, mit positiven Effekten auf eine sichere Bindung zum Kind. Die Familien bewerten es als sehr gewinnbringend, wenn sich im Stationsalltag die Lotsin ohne Druck Zeit nimmt und sie bestärkt, ihre Unsicherheiten, Ängste ernst nimmt und Fragen geklärt werden. Die meisten der angesprochenen Frauen haben erst über die Lotsin die KoKi und das Netzwerk der Frühen Hilfen kennengelernt, was auch Rückschlüsse auf die Notwendigkeit weiterer Einbindung u.a. von Gynäkologen/innen und der Bewerbung Früher Hilfen zulässt. Eine Ansprechpartnerin, einen Kontakt und Informationen über Angebote zu haben, wenn es möglicherweise Tage oder Wochen nach der Entlassung zu Hause schwierig wird, gibt den Eltern Sicherheit und reduziert die Gefahr von Krisen und Gefährdungen. Nicht zuletzt fühlt sich das Pflegepersonal entlastet, da neben den medizinisch-pflegerischen Bedarfen auch psychosoziale Bedarfe erkannt und bearbeitet werden können. Damit schließt das Angebot eine Lücke für Eltern, die aufgrund der neuen Lebenssituation Fragen, Unsicherheiten und Belastungen zu bewältigen haben, ohne aber bereits im Fokus der Sozialdienste oder anderer Dienste im Kontext einer Kindeswohlgefährdung zu stehen. Die Fragen dieser Eltern können unmittelbar beantwortet werden, was für Sicherheit vor der Entlassung sorgt.

Fallbeispiele

(1): Eine frisch entbundene Mutter kann nach einer traumatisch erlebten Geburt nicht aufhören zu weinen. Nach einem kurzen klärenden Erstgespräch berichtet die Mutter von einer langen Kinderwunschzeit und einer vorigen Schwangerschaft, die mit einer Fehlgeburt und einer traumatischen Erfahrung in Vollnarkose endete. Es findet ein vertieftes Gespräch über die Geburt statt. Nach dem Gespräch äußert die Mutter Erleichterung und große Dankbarkeit über den Besuch der Lotsin mit den Worten: „Ich bin sehr froh, dass ich dir im Krankenhaus mein Herz ausschütten konnte.“

(2): Eine Mutter berichtet beim klärenden Erstgespräch, dass sich der Vater des Neugeborenen während der Schwangerschaft von ihr getrennt habe. Das sei ein Schock für sie und sie wisse nicht, wie es mit der Beziehung zum Vater ihrer Kinder und der Elternschaft weitergehen solle. Es folgt ein vertiefendes Beratungsgespräch und letztendlich die Informationsweitergabe zu Beratungsstellen und psychologischer Unterstützung. Die Mutter äußert nach dem Gespräch, sich in den nächsten Wochen an eine der empfohlenen Stellen zu wenden oder sich noch einmal bei der Lotsin zu melden.

(3): Eine Mutter berichtet, dass sie erst seit Kurzem in Nürnberg lebt. Außer ihrem Mann kenne sie niemanden und sie baue sich erst langsam ein soziales Netz auf. Da sie in der Kürze der Zeit keine Nachsorgehebamme finden konnte, wurde sie über das Angebot der Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern informiert und eine weitere Vermittlungsstelle für Nachsorgehebammen sowie eine Familienpatenschaft empfohlen.

Plakate zur Information und Bewerbung des Angebotes im Klinikum Nürnberg

Abbildung 2

Abbildung 1

Nach den Praxiserfahrungen und zahlenbasierten Auswertungen des vergangenen Jahres erweist sich das Lotsenprojekt über Corona hinaus als überaus erfolgreich, um einen niedrigschwelligen und zugleich lebensweltnahen Kontakt zu unsicheren und belasteten Familien herzustellen. Die Möglichkeit, Familien mit Neugeborenem in der Klinik anzutreffen, erleichtert den Zugang zur Zielgruppe auf einzigartige Weise. Dadurch, dass sich das kostenlose Angebot an alle Eltern richtet, ist der Zugang stigmatisierungsfrei, die hohe Akzeptanz der Eltern spiegelt sich in den dargelegten Zahlen. Auf struktureller Ebene leistet das Angebot pilotartig einen Beitrag zur system- und leistungsübergreifenden Kooperation zwischen Gesundheits- und Jugendhilfen in Nürnberg. Es erfüllt die Anforderung des KJSG “Prävention und Zugänge vor Ort“ zu verbessern und die Empfehlung des NZFH, unterschiedliche Leistungssysteme durch Lotsendienste zu verschränken. Perspektivisch ist geplant, alle Nürnberger Geburtskliniken einzubinden.

Zur Absicherung des derzeit bis Ende 2023 befristeten Angebotes ist eine zweckgebundene Aufstockung des Haushaltsansatzes Frühe Hilfen in Höhe von 55.000 Euro notwendig. Eine Ausweitung des Projektes auf alle Nürnberger Geburtskliniken wird nach Auswertungen der Pilotphase fachlich für sinnvoll erachtet und soll gemeinsam mit Vertretern/-innen den Kliniken Hallerwiese und St. Theresien- Krankenhaus geprüft werden, wäre aber mit weiteren Aufstockungen des Haushaltsansatzes in 2025 ff verbunden. Daher werden auch weiterhin ergänzende Zuschuss- und Fördermöglichkeiten gesucht und geprüft.

Kooperationsprojekt „Frühe Hilfen im Haus Dorothea – Assistenz zum Wohnen in der eigenen Wohnung für psychisch kranke und suchtkranke Mütter mit Kind“ des Caritasverbandes Nürnberg e.V.

Mit dem Haus Dorothea wurde eine Versorgungslücke der Eingliederungshilfe für seelisch besonders belastete Mütter geschlossen. Seit Oktober 2019 stehen in der Rehdorfer Str. 26/28 fünfzehn Plätze für Mütter mit psychischen Erkrankungen und für Mütter mit Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit und ihre Kinder zur Verfügung. Von den 15 Plätzen werden mindestens 5 Plätze für psychisch kranke Mütter vorgehalten. Aufgenommen werden schwangere Frauen und Mütter ab 18 Jahren mit einem oder maximal zwei Kindern bis zum Ende des 10ten Lebensjahrs. In der Regel ist eine Verweildauer von zwei Jahren vorgesehen. Das Einrichtungskonzept zielt darauf ab, die Frauen mittels Unterstützung bei der Bewältigung der individuellen Alltags-, Gesundheits- und Erziehungsanforderungen auf ein selbständiges Leben mit Kind oder Kindern in der eigenen Wohnung vorzubereiten. Neben der kindgerechten Versorgung und Förderung der Kinder steht der Aufbau einer stabilen und verlässlichen Beziehung zwischen Mutter und Kind und dessen altersangemessener Erziehung im Fokus. Die ambulante Begleitung durch Fachkräfte der Eingliederungshilfe wird durch kindesbezogene Einzelberatung, wöchentliche Gruppen- und Freizeitangebote einer sozialpädagogischen Fachkraft für Frühe Hilfen ergänzt. Kindesbezogene Themen im Bereich Frühe Hilfen sind zum Beispiel die Sensibilisierung für kindliche Bedürfnisse, angemessene Einordnung kindlichen Verhaltens und kindlicher Äußerungen, das altersangemessene Setzen von Grenzen, Umgang mit Konflikten oder die Beziehung der Kinder zu ihren Vätern und weiteren Bezugspersonen. Die Versorgung des Kindes, Einhaltung von Hygienestandards, Aufbau einer Tagesstruktur oder die Erledigung von Anträgen und Formalitäten sind den Leistungen der Eingliederungshilfe zuzuordnen, da sich Defizite tendenziell aus der Erkrankung der Mutter ableiten. Vernetzung und flankierende Angebote aus dem Netzwerk sorgen für zusätzliche Unterstützung und Entlastung auch in Hinblick auf die spätere Verselbständigung.

Mit dem neuartigen Konzept wurde die bisherige Aufspaltung in eine Betreuung in der eigenen Wohnung durch die Eingliederungshilfe und/oder die Jugendhilfe oder beide Leistungen ohne gemeinsame Hilfeplanung überwunden. Erstmals wurden sowohl finanziell als auch fachlich - organisatorisch Leistungen der Eingliederungs- und der Jugendhilfe in einer Nürnberger Einrichtung verschränkt. Damit erfüllt das Konzept bereits die Vorgaben einer inklusiven Lösung im Sinne des KJSG in Form eines fest installierten Gesamtplanungsverfahrens. Der gebotene Rahmen ist angesiedelt zwischen ambulanter Betreuung in der eigenen Wohnung und einem stationären Jugendhilfesetting. Durch die Zusammenarbeit und die adäquate Unterstützung von Mutter und Kind sollen Kindeswohlgefährdungen und Trennungen in dieser risikobelasteten Zielgruppe vermieden, Kinder gesund und gefährdungsfrei aufwachsen und perspektivisch ein eigenständiges, gemeinsames Leben im eigenen Haushalt mit Kind erreicht werden.

Der Bezirk Mittelfranken finanziert als überörtlicher Sozialhilfeträger den teilhabebezogenen Unterstützungsbedarf der Frauen nach § 53 SGB XII, das Jugendamt der Stadt Nürnberger die Jugendhilfe nach § 16 SGB VIII. Die Miete sowie der Lebensunterhalt werden i.d.R. über Jobcenter-Leistungen bestritten. Zur Deckung des erzieherischen und kindesbezogenen Bedarfs wurde mit der Eröffnung des Hauses für acht der insgesamt 15 Plätze eine 0,5 Vollzeitstelle (VK) mit einer Sozialpädagogin für Frühe Hilfen in der Einrichtung installiert. Diese wird aus dem Haushaltsansatz der Frühen Hilfen finanziert und arbeitet kindesbezogen mit den Fachkräften der Eingliederungshilfe in einem Team verschränkt. Ein Konzept und eine Leistungsvereinbarung regeln die Details der Zusammenarbeit. Der Bezirk Mittelfranken hat eine Betriebserlaubnis erlassen.

Nach Auswertung der bisherigen Sach- und Erfahrungsberichte des Trägers und nach den Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Bezirk stellt sich die Maßnahme grundsätzlich als sinnvoll, notwendig

und erfolgreich dar. Allerdings wurde trotz der eingesetzten Aufnahmesteuerung in Form gemeinsamer Personenkonferenzen unter Beteiligung von Vertretern/-innen der Eingliederungs- und der Jugendhilfe inzwischen sehr deutlich und nachvollziehbar vom Träger dargelegt, dass nahezu alle bislang aufgenommenen Mütter einen kindesbezogenen und jugendhilferelevanten Unterstützungsbedarf aufweisen. Die ursprüngliche Annahme, eine 0,5 VK für acht Plätze wäre ausreichend, hat sich somit als unzureichend erwiesen. Der kindesbezogene Aufwand besteht planerisch und fachlich nicht nur für 8 Plätze, sondern vielmehr für alle 15 Plätze, weil, anders als ursprünglich angenommen, alle Kinder der beiden risikobehafteten Zielgruppen besondere Belastungen durch die Erkrankungen ihrer Mütter zu bewältigen haben. Für die Bedarfsanmeldung des Trägers spricht auch, dass dem Einsatz von weiteren Hilfen zur Erziehung nach § 27 SGB VIII, von Kindeswohlgefährdungen und von Inobhutnahmen mit den vorhandenen Mitteln nicht vollständig vorgebeugt werden konnte.

Fachlich und planerisch betrachtet ist eine zweckgebundene Erhöhung des kommunalen Haushaltsansatzes Frühe Hilfen für zusätzliche 0,5 Vollzeitstellen sozialpädagogische Fachkraft Frühe Hilfen im Haus Dorothea dringend geboten. Damit soll die kindesbezogene Unterstützung auf alle 15 Plätze ausgeweitet werden und allen Bewohnerinnen und ihren Kindern zukommen können. Dies würde eine zweckgebundene Aufstockung der Frühen Hilfen um 35.000 Euro bedeuten. Im Gegenzug werden für einen Teil der Mütter erzieherische Hilfen, wie z.B. sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH), verhindert, was allerdings nicht konkret monetär bewertet werden kann.

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