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Sachverhalt

Anlage · 21.07.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

CSU-Stadtratsfraktion Schule & Bildung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Fortführung der Bio-Zertifizierung sowie der Verwendung regionaler Lebensmittel an

der Beruflichen Schule Direktorat 3

hier: Sachverhalt

1. Bio-Zertifizierung und Fokus auf regionale Produkte an der Berufsschule 3

In den Anträgen der CSU-Stadtratsfraktion vom 05.02.2018 und den Stadtratsfraktionen Bündnis 90/die Grünen und SPD vom 01.02.2018 wird der Fokus der Stadt Nürnberg auf Regionalität und ökologischem Landbau beim Einkauf sowie als Bildungsziel bekräftigt.1 Die von den Fraktionen begrüßte Bio-Zertifizierung und die Umstellung auf regionale Lebensmittel werden seither an der Beruflichen Schule Direktorat 3 (B3) Schritt für Schritt erfolgreich umgesetzt. Aufgrund der massiven Preissteigerungen im Lebensmittelsegment kann eine Weiterverfolgung dieser Nachhaltigkeitsziele nur begleitet durch eine Erhöhung der hierfür zugrundeliegenden Budgets erfolgen.

Die B3 als das Kompetenzzentrum Ernährung ist für die Lebensmittel produzierenden Gewerke der Bäcker, der Konditoren, der Fleischer sowie für die Berufe der Gastronomie und Hotellerie bildungsverantwortlich und steht als Multiplikatorin für die Verwendung von Bioprodukten und Nachhaltigkeit durch Regionalität, Saisonalität und Fairness in Einkauf und in der Produktion. Die Biozertifizierung ist ein essentieller Baustein im Programm, die Nachhaltigkeitsziele in den Fokus der Ausbildung zu rücken. Zudem führt die Verarbeitung von Biorohstoffen und -produkten zu einer Verbesserung der Qualität der an der Schule produzierten Lebensmittel, die die Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung direkt erleben können.

Bioqualität und Regionalität fördern die auf Nachhaltigkeit achtende Landwirtschaft, gewährleisten sauberes Saatgut, transparente Herkunft, geschmacksintensive Artenvielfalt und artgerechte Tierzucht (Haustierrassen). Das äußert sich in der Qualität der Produkte, die erstellt werden. Die Biozertifizierung fördert den Kontakt zum Produzenten, sie fördert die Rückkehr zu bzw. den Erhalt altbewährter Handwerkskunst und Kochtechnik mit entsprechend authentischen Ergebnissen.

2. Preisentwicklung im Lebensmittelsektor

Von den in allen Lebensbereichen spürbar gewordenen Kostensteigerungen der letzten Jahre ist der Lebensmittelsektor ganz besonders betroffen. Über zwei Jahre betrachtet ergibt sich von 2020 bis 2022 eine Preissteigerung von 16,9%.2 Bei den Preissteigerungen handelt es sich nicht lediglich um eine kurzfristige Entwicklung. So verzeichneten die saisonbereinigten Lebensmittelpreise im Zeitraum von Januar 2018, dem Jahr der Anträge der drei Fraktionen, bis Januar 2023 einen Anstieg von insgesamt 32 %.3

1 vgl. dazu Schulausschuss der Stadt Nürnberg am 27.04.2018, Tagesordnungspunkt 1 2 https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/Tabellen/sonderauswertung-nahrungsmittel.html 3 Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke - Statistisches Bundesamt (destatis.de) BV4.1

Abbildung 1

4

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Preissteigerungen im Jahr 2022 fielen in der Bio-Branche mit 7 % geringer aus als bei den konventionellen Nahrungsmitteln mit 12 %.5

Abbildung 2

Quelle: oekolandbau.de6

Die einzelnen Produktarten sind hiervon unterschiedlich stark betroffen. In Summe ergibt sich eine Verringerung des relativen Preisunterschieds zwischen nachhaltig und konventionell erzeugten Lebensmitteln im Vergleich zu den Vorjahren, allerdings auf einem deutlich höheren Niveau. Für die Stadt ergibt sich hieraus ein höherer Finanzbedarf für die Materialversorgung der B3.

4 Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke - Statistisches Bundesamt (destatis.de) Abruf: 31.05.2023 5 vgl. Preise für Bio-Lebensmittel gestiegen (oekolandbau.de) 6 Preise für Bio-Lebensmittel gestiegen (oekolandbau.de) Abruf 31.05.2023

3. Budget-/Kostensituation

Seit 2018 wurde der Sockelbetrag für das Materialgeld je Schülerin bzw. Schüler nur einmal im Jahr 2020 um 5 % erhöht. Weitere Erhöhungen oder Inflationsausgleiche fanden nicht statt.

Entwicklung des konsumtiven Schulbudgets der B3

Planung/

Prognose

2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024

Schülerzahlen* 413 372 398 419 387 343 382 382

Bedarf pro Schüler 75 € 100 € 100 € 105 € 105 € 105 € 105 € 135 €

VPI 100,00 101,15 103,75 105,63 110,73 131,98 135,42 Schulausschuss Antrag Beschluss Schulausschuss Bemerkungen 27.04.2018 21.07.2023

*Schülerzahlen gerundet, Teilzeitschüler werden zu 1/3 gerechnet

Quelle: Eigene Darstellung SchB auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes

Im Zeitraum von 2018 bis 2023 sind die Lebensmittelpreise um 32 % gestiegen, während das der B3 zur Verfügung gestellte Budget pro Schüler/-in im gleichen Zeitraum lediglich um 5 % erhöht wurde. Im Vorgriff auf einen zu erwartenden weiteren Anstieg der Verbraucherpreise im Jahr 2024 um prognostizierte 2,4 % soll deshalb der Bedarf pro Schüler/-in im konsumtiven Budget der B3 mit 135,00 Euro eingeplant werden.7

Vergleich des Schulbudgets der B3 je Schülerin bzw. Schüler und Verbraucherpreisindex Lebensmittel* 160 % 140 % 132 % 135 % 135 €

105 €

120 %

100 %

80 %

60 %

40 %

20 %

0 % 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024* VPI Budget pro Schüler

* zur besseren Vergleichbarkeit auf Basisjahr 2018 normiert

Quelle: Eigene Darstellung SchB

4. Maßnahmen der B3

Neben der Aufrechterhaltung der Bio-Zertifizierung im Berufsbereich Gastronomie ist seitens der B3 geplant, Bioprodukte auch in den Gewerken Bäckerei und Konditorei im Schuljahr 2023/24 einzuführen.

7 Laut der Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland wird die Inflationsrate im Jahr 2023 rund 6 Prozent betragen. Die Wirtschaftsinstitute rechnen mit einem Preisauftrieb durch staatliche Entlastungsmaßnahmen und Lohnanpassungen. Für das Jahr 2024 wird mit einer niedrigeren Inflationsrate von 2,4 Prozent gerechnet; vgl. dazu Prognose der Inflationsrate bis 2024 | Statista, Stand 27.06.2023

Zur Finanzierung der Maßnahmen sind die folgenden Schritte erforderlich: 1. Erhöhung des Sockelbetrags des Budgets für Materialgelder um 30 € pro Schülerin bzw. Schüler (gesamt 11.400 €) 2. Erhöhung der Materialgelder der Schülerinnen und Schüler für das Schuljahr 2023/2024 durch die Schule: a. von 45 €8 auf 50 € (11 %) für Köche bzw. Köchinnen und Grundstufe Ernährung; b. für die Schülerinnen und Schüler in der Berufsvorbereitung wird versucht, die Steigerung geringer zu halten, um die Schülerinnen und Schüler, die keine Ausbildungsvergütung erhalten, finanziell nicht zu überfordern. 3. Konsequente Weiterverarbeitung von Resten im Sinne der Nachhaltigkeit z. B. Dörren, Vakuumieren, Herstellung von Brühen, Verarbeitung zu Trockenprodukten; 4. Konsequente Nutzung von Mengenrabatten zur Minimierung der Preise und Lieferkosten sowie Konsolidierung der Bestellungen der Gewerke Bäckerei, Gastronomie und Fleischerei; 5. Beziehungspflege mit Lieferanten und Partnern, die in der Vergangenheit und bis heute die B3 mit Sachspenden unterstützen; damit können Budgetentlastungen erreicht werden.

5. Fazit

Biozertifizierung und Einsatz regionaler, saisonaler sowie nachhaltig produzierter Produkte sind wertvolle städtische Ziele, die die B3 umsetzt und damit in die Berufsausbildung trägt und multipliziert. Die Preissteigerungen im Lebensmittelsektor der vergangenen Jahre können nur zu einem Teil auf die Schülerinnen und Schüler umgelegt werden. Um diese wichtigen Ziele auch in den kommenden Jahren weiterverfolgen zu können, sind schulseitige Sparmaßnahmen und eine Erhöhung des Sockelbetrags für die Materialgelder in Höhe von 30 € pro Schüler (ca. 11.400 €) notwendig.

8 Es wird zusätzlich Kopiergeld i. H. v. 5 € je Schüler bzw. Schülerin erhoben.

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