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← Sitzung des Kulturausschusses (07.07.2023)

08 Stellungnahme zum Antrag Bündnis 90/Die Grünen vom 20230619

Anlage · 07.07.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Südstadt Mögeldorf Schweinau Stadtentwicklung & Planung Kulturausschuss Stadtratsfraktion Bündnis90/Die Grünen Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Stellungnahme zum Antrag Stadtratsfraktion Bündnis90/Die Grünen vom 19. Juni 2023 für den Kulturausschuss am 7.7.2023: Diversität und Teilhabe stärken. Weiterentwicklung der Nürnberger Kulturläden umsetzen.

Ergänzend zur Vorlage wird in Bezug auf den Antrag dargelegt:

Nürnberg als diverse Stadt

Im Jahr 2022 wies die Statistik für Nürnberg einen Anteil von 50,1% Menschen mit sog. Migrationshintergrund aus. Damit sind Wanderungsgeschichte und Herkunftsvielfalt zum Merkmal einer Mehrheit der Nürnbergerinnen und Nürnberger geworden. KuF widmet sich seit langem der Gesellschaft der Vielfalt und die Kulturläden haben über viele Jahre aktiv daran gearbeitet, deren vielfältige Anliegen in ihren Angeboten sichtbar zu machen. Wie in Punkt 2.1 dargelegt, werden diese Bemühungen stetig fortgesetzt, um die Kreativität und das enorme Potential dieser diversen Gesellschaft erlebbar zu machen, zu fördern und zu professionalisieren. Daher sei ergänzend zu 2.1. der Vorlage auf einzelne ggfls. weniger bekannte Beispiele hingewiesen. Nicht nur der Kulturladen Villa Leon ist ein Paradebeispiel für interkulturelle Zusammenarbeit. Hier wurde zuletzt z.B. der seit vielen Jahren vom KuF/Inter-Kultur-Büro und der Villa Leon geförderte und in seiner Entwicklung unterstützte Chor der Vielfalt mit dem 2. Integrationspreis des Bayerischen Landtags ausgezeichnet. Weniger bekannt sind u.a. auch die vielen Initiativen aus dem asiatischen Raum, die in Vischers Kulturladen seit langem eine feste Heimat haben, ebenso zahlreiche Gruppen aller Kulturen, die sich regelmäßig im Kulturladen Loni- Übler-Haus, Kulturladen Röthenbach oder KUF im südpunkt treffen. Das Potential der vielfältigen Kulturarbeit zeigt sich in großen Festivals wie das Ost-Anders-Festival in der Kulturwerkstatt auf AEG ebenso wie in der Beteiligung von Gruppen und Initiativen auf den verschiedenen Stadtteilfesten.

Nürnberg wächst

Die weitere Zunahme der Diversität der Gesellschaft ist auch eine Folge der wachsenden Stadt, auf die der Antrag rekurriert. In den letzten Jahren ist Nürnberg durch Zuwanderung auf mittlerweile über 540.000 Einwohnende angewachsen. Dieser Zuwachs zeigt sich derzeit in bestehenden Stadtgebieten (Stichwort: Nachverdichtung) ebenso wie zukünftig in den Neubaugebieten.

So erfolgte eine massive Nachverdichtung z.B. im Westen der Stadt im Einzugsbereich der Kulturwerkstatt auf AEG und wird mit dem Bauprojekt The Q weiter fortgesetzt. Weitere Beispiele finden sich im Osten in direkter Nachbarschaft des Kulturladens Loni-Übler-Haus mit über 350 Wohnungen in Mögeldorf, mit punktueller Nachverdichtung im sozial angespannten Quartier Leonhard-Schweinau oder im Nürnberger Süden rund um den Kulturladen Röthenbach. Hier entstand mit dem sog. Neu-Röthenbach eine Erweiterung, dessen Straßennamen – sicher nicht zufällig – fast alle Nürnberger Partnerstädte widerspiegeln. Um die zahlreichen neu zugezogenen Menschen im Stadtteil zu integrieren, versucht der Kulturladen Röthenbach, diese mit spezifischen Angeboten – bspw. dem Straßenwettbewerb „Die Welt in Röthenbach“ in Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Beziehungen – anzusprechen und in die Kulturladenarbeit einzubinden. Am Beispiel des Stadtteils Röthenbach sei die Problematik der Versorgung dieser wachsenden Stadtteile dargelegt. Mit insgesamt 2,0 VK kann der Kulturladen diesem umfangreichen Einzugsgebiet von rund 30.000 Menschen zukünftig kaum mehr gerecht werden. In den Kulturläden besteht aus Sicht von KUF Handlungsbedarf im Sinne einer soliden finanziellen wie personellen Ausstattung. Dem gegenüber stehen die aktuellen Beschlüsse zur Haushaltskonsolidierung.

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So kommen die Kulturläden in wachsenden Stadtteilen mit ihrer knappen Personalausstattung häufig an ihre Grenzen. Denn Kulturladenarbeit ist Vertrauensarbeit und die Gewinnung wie Bindung neuer Initiativen, Angebote und Gruppen ist personalintensiv und mit einem hohen zeitlichen Engagement der Beschäftigten an Wochenenden und Abenden verbunden. Eine bedarfsorientierte Aufstockung der Angebote in den Einrichtungen ist aufgrund der knappen Personaldecke wie auch der verwaltungsinternen Herausforderungen wie der Abgabe von Hauspersonal (siehe 2.7) nicht möglich. Ebenso müsste hierfür der Sanierungsstau behoben werden, um einige Einrichtung trotz steigender Auflagen weiterhin für möglichst viele Besuchende offen zu halten.

Entwicklungsstrategie der Kulturläden

Angesichts des Bevölkerungszuwachses in bestehenden Stadtvierteln wie Neubaugebieten weist die Entwicklungsstrategie der Kulturläden mehrere Handlungsstränge auf: Zum einen muss den Bedarfen wachsender Stadtteile in den vorhandenen Kulturläden Rechnung getragen werden können. Gleichzeitig will KuF mit einer Weiterentwicklung des Kulturladennetzes durch mobile wie feste Angebote, wie in 2.6. der Vorlage dargestellt, auch Stadtteile erreichen, in denen es kaum oder keine Angebote zur kulturellen Teilhabe gibt.

Wie in Punkt 2.6. der Vorlage dargestellt hat KuF eine umfassende Analyse und Untersuchung der Entwicklung und aktuellen Situation der Stadtteile unternommen – im Bewusstsein der finanziellen Situation der Stadt Nürnberg und der Beschlüsse der Haushaltskonsolidierung. Die enge und stete Zusammenarbeit wie Abstimmung mit Ref V und Ref VI waren hierfür zielführend. Die Strategie von KuF muss es immer sein, ein möglichst dichtes Kulturladennetz über das gesamte Stadtgebiet zu legen und dezentrale Kulturarbeit vor Ort zu ermöglichen. Diese orientiert sich an mehreren Faktoren. Zuvorderst sind hier die Versorgungsdichte mit kulturellen Einrichtungen, die Sozialraumtypisierung des Amts für Stadtforschung und Statistik sowie die Versorgung mit Grünund Freiflächen zu nennen. Beispielsweise stehen laut dem Bericht „Freiraumkonzept Nürnberger Süden“ gesamtstädtisch jeder Nürnbergerin und jedem Nürnberger durchschnittlich rund 32 m² Grün- und Freiraum zur Verfügung. In der Südstadt sind es nur rund 5 m². Die Menschen aus diesen oft auch sozial schwächer gestellten Stadtteilen brauchen konsumfreie und niedrigschwellige Orte für Austausch, Nachbarschaft und kulturelle Teilhabe. Daher sieht KuF die Notwendigkeit, neue Einrichtungen zunächst in diesen Stadtgebieten zu denken, auch weil deren Bevölkerung vor Ort oft die notwendige Lobby fehlt, um selbst für die eigenen Belange einzutreten. Hierbei ist ein ausreichendes Flächenangebot ausschlaggebend, um überhaupt ein wirksames Kulturladenangebot mit der Möglichkeit der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen, Kulturinitiativen und Kulturschaffenden durchführen zu können. Dies ist nur mit Bereitstellung entsprechender Mittel für Investition, Entwicklung und Betrieb durchführbar.

In der Vorlage wird daher zunächst auf das Neubaugebiet Tiefes Feld unter 2.6.verwiesen, da hier ein Objekt in städtischer Trägerschaft in ausreichender Größe entstehen soll. Ein Kulturladen für urbane Neubaugebiete wie das „Tiefe Feld“ ist von hoher Relevanz, um gerade in neuen Stadtgebieten das Miteinander und den Zusammenhalt der neuen Stadtteilgemeinschaft aufzubauen und zu fördern. In enger Kooperation verschiedener Geschäftsbereiche und Dienststellen wird hier ein umfassendes städtisches Angebot mit Kultur, Stadtteilbibliothek, sozialen Dienstleistungen und städtischen Behörden entwickelt. Zum derzeitigen Zeitpunkt lässt der Planungsstand noch keine Konkretisierung in Hinblick auf Mittel und Konzept zu.

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