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← Sitzung des Umweltausschusses (21.06.2023)

Sachverhalt

Anlage · 21.06.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Genehmigter Förderantrag für ein gemeinsames Projekt der Städte Nürnberg

und Schwabach zum Erhalt der Wässerwiesen im Rednitztal

Sachverhalt

Die Wiesenbewässerung in den Flusstälern der Rednitz und Schwabach geht bereits auf das Mittelalter zurück und stellt heute eine Bewirtschaftungsform dar, die so fast nirgends mehr in Mitteleuropa praktiziert wird. Sie hat noch heute große Auswirkungen auf den Naturhaushalt und die Bewirtschaftung der Flussauen und damit auch auf die Erholungsfunktion der Landschaft. Über die Jahrhunderte haben sich bedeutsame Biotoptypen entwickelt und seltene Tierarten angesiedelt, die für den Naturschutz in Nürnberg und Schwabach von zentraler Bedeutung sind. Darüber hinaus stellen die bewässerten Auen ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet und eine Kaltluftschneise dar.

Auf Grund seiner kulturhistorischen Bedeutung wurde die Wiesenbewässerung in Franken als Bayerisches Kulturerbe anerkannt und in die Bundesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Problemstellung

Im Rednitztal sind heute noch ca. 10 genossenschaftlich organisierte Wässerverbände aktiv. Vor Ort leisten die Verbandsmitglieder, in der Regel Landwirte, die Arbeit und sind im Projektgebiet eigenständig für die Wässerung, die Unterhaltung der Wehre und die Pflege der Gräben zuständig. Dies ist mit hohen Kosten – und Arbeitsaufwand verbunden, der vielfach nur durch hohes ehrenamtliches Engagement gewährleistet werden kann.

Da jedoch immer weniger aktive Landwirte beteiligt sind, ist dieser immer schwieriger aufzubringen. Der Fortbestand der Wässersysteme ist daher keineswegs als gegeben anzunehmen. Ihr Verlust würde zu dramatischen Verschlechterungen der oben geschilderten Gemeinwohlfunktionen führen.

Projektantrag beim Bayerischen Naturschutzfonds

Damit die historische Form der Wässerwiesennutzung im Gebiet erhalten bleibt und damit das Ökosystem „Wässerwiesen“ mit all seinen Funktionen für den Naturhaushalt weiterhin gesichert werden kann, haben das Umweltamt der Stadt Nürnberg, die Stadt Schwabach und der Landschaftspflegeverband Schwabach e.V. gemeinsam einen Förderantrag beim Bayerischen Naturschutzfonds zum Erhalt der Wässerwiesen im Rednitztal bei Nürnberg und Schwabach gestellt. Da die Stadtgrenzen zwischen Schwabach und Nürnberg mitten durch die Wässerwiesen verlaufen und z.T. technischen Anlagen zwar in Schwabach liegen, die Wässerung selber jedoch auf Nürnberger Stadtgebiet stattfindet, war nur ein gemeinsamer Antrag sinnvoll.

Der Projektantrag wurde von der Regierung von Mittelfranken und vom Wasserwirtschaftsamt Nürnberg ausdrücklich unterstützt.

Projektgebiet

Das Projektgebiet erstreckt sich entlang des Talraumes der Rednitz im Bereich des Verdichtungsraumes der beiden Städte von Nürnberg und Schwabach und gehört zu den wichtigsten Grünachsen im Bereich der beiden Städte. Es ist weitgehend Bestandteil des FFH Gebietes „Rednitztal bei Nürnberg“ und zum großen Teil Landschaftsschutzgebiet.

Das Projektgebebiet ist in der Anlage als Karte beigefügt

Projektziele und Maßnahmen

Grundvoraussetzung zur Fortentwicklung der Wässerwiesennutzung ist der Erhalt der technischen Anlagen. Diese sind zwar weitgehend intakt, für eine weitergehende Funktionalität stehen jedoch in einigen Bereichen notwendige Erhaltungsmaßnahmen an.

In Zusammenhang mit der Sanierung sollen auch Anreize geschaffen werden, um gemeinsam mit der Landwirtschaft Maßnahmen zur Optimierung der Lebensraumbedingen von Arten zu erreichen, die von der Wässerung abhängig sind oder zumindest von dieser stark profitieren.

Konkrete Ziele und geplante Maßnahmen des auf fünf Jahre ausgelegten Projektes sind im Folgenden dargestellt:

Ziel Maßnahmen
Sicherung der Funktionstüchtigkeit der historischen Kulturtechnik  Fitnesscheck der technischen Anlagen (soweit noch nicht vorhanden)  Förderung und Unterstützung der Wässerverbände bei Instandhaltungsmaßnahmen (anteilige Förderung)  Öffentlichkeitsarbeit  Erstellung von Infomaterial  Kooperation und Informationsaustausch mit anderen Wässergebieten (v.a. LK Forchheim, aber auch benachbarte Gebietskörperschaften)  Ergänzende Kartierung der noch funktionalen Wässergräben und Wässerbauwerke.
Sicherung und Optimierung der Lebensraumbedingungen gefährdeter Tierarten im Gebiet wie Sumpfschrecke, Wiesenknopf- Ameisenbläuling, Gebänderte Heidelibelle, Knoblauchkröte, Weißstorch  Bestandsanalyse  Konzeptionierung von Erhaltungs- und Optimierungsmaßnahmen  Umsetzung der Maßnahmen
Sicherung und Optimierung wertgebender und im Zusammenhang mit der Wässerung stehenden Lebensräume (Kleingewässer, Feuchtlebensräume, artenreiches Grünland)  Erhöhung des Anteils von artenreichem Grünland  Wiedervernässung und Revitalisierung verschiedener Feuchtlebensräume (Schwerpunkt in Schwabach)  Erfassung von Flora und Fauna im Bereich der Wässergräben und Erstellung und Umsetzung von Pflegekonzepten  Besucherlenkung und Öffentlichkeitsarbeit

Laufzeit und Organisation

Das Projekt wurde für eine Laufzeit von fünf Jahren vom 01.07.2023 bis zum 30.06.2028 beantragt. Träger des Projektes sind die kreisfreien Städte Nürnberg (Untere Naturschutzbehörde) und der Landschaftspflegeverband Schwabach e.V. (mit finanzieller und logistischer Unterstützung der Stadt Schwabach).

Zur Beantragung der Fördermittel und der Umsetzung des gemeinsamen Projektes wurde von den Beteiligten, die Stadt Nürnberg, die Stadt Schwabach und der Landschaftspflegeverband Schwabach e.V., eine „Arbeitsgemeinschaft Wässerwiesen Rednitztal“ gebildet.

Die Federführung muss bei einem der Projektpartner liegen und wurde dem Landschaftspflegeverband Schwabach e.V. unterstellt, da dieser als eingetragener gemeinnütziger Verein den höchsten Förderanteil von 85% erhält. Die Personalstunden sind damit auch beim Landschaftspflegeverband Schwabach angegliedert.

Kostenschätzung

Stadtgebiet Nürnberg ca. Stadtgebiet Schwabach ca.
Erhalt der Bewässerungsanlagen - Förderung investiver Maßnahmen 25.000 15.000
Renaturierung-/Erhaltungsmaßnahmen (Arten und Lebensräume) 10.000 5.000
Öffentlichkeitsarbeit Erstellung von Informationsmaterial Einrichten von Infopoints Pressearbeit 20.000 10.000
Kartierungen/Faunistische Erfassungen 15.000 10.000
Konzept/Fachplanungen/Monitoring 15.000 10.000
Sonstiges 5.000 5.000
Projektmanagement 35.000 20.000
Gesamtkosten 125.000 75.000
Gesamtkosten: 200.000

Der Stiftungsrat des Bayerischen Naturschutzfonds hat in seiner Sitzung am 02.05.2023 einer Förderung des Projektes vorerst für den Zeitraum von drei Jahren (01.07.2023 bis 30.06.2026) mit einem Zuschuss von bis zu 102.000,00 € (Fördersatz 85%) zugestimmt.

Der Eigenanteil der Stadt Nürnberg von jährlich 3.750 € wird aus Mitteln für Landschaftspflegemaßahmen der Unteren Naturschutzbehörde finanziert.

Eine Verlängerung auf die gesamten fünf Jahre kann im Jahr 2026 gestellt werden.

Abbildung 1

Anlage: Projektgebiet

Abbildung 2: Projektgebiet (nördlicher Teil), (Abbildung nicht maßstäblich)

Abbildung 2

Abbildung 1: Projektgebiet (südlicher Teil), (Abbildung nicht maßstäblich)

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