Haushaltssperre

← Sitzung des Kulturausschusses (12.05.2023)

TISCHVORLAGE öffentlich

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Marcus König Langwasser Kulturausschuss Verkehr & Mobilität Digitalisierung & Verwaltung Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Sitzungsunterlagen

Sitzung des Kulturausschusses

12.05.2023

Inhaltsverzeichnis

Sitzungsdokumente TISCHVORLAGE 3 Vorlagendokumente TOP Ö 2.1 Perspektiven für den ehemaligen Bahnhof Märzfeld als Erinnerungsort Sitzungsvorlage 2. BM/005/2023 4 01_Sachverhalt 2. BM/005/2023 8 02_Ideenskizze_Bahnhof_Märzfeld 2. BM/005/2023 11

Stadt Nürnberg - Rathausplatz 2 - 90403 Nürnberg

An die Mitglieder des Kulturausschusses

E-Mail: obm@stadt.nuernberg.de

Internet: www.nuernberg.de

Datum: 05.05.2023

TISCHVORLAGE

ZUR SITZUNG

DES KULTURAUSSCHUSSES AM 12.05.2023

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich nehme Bezug auf die bereits zugestellte Einladung zur Sitzung des Kulturausschusses am 12.05.2023 und ergänze diese gemäß § 23 Abs. 2 StRGeschO wie folgt:

Öffentliche Sitzung

2.1 Perspektiven für den ehemaligen Bahnhof Märzfeld als Beschluss

Erinnerungsort

hier: Vermittlungskonzept und Finanzierungsvorschlag

Lehner, Julia, Prof. Dr.

Mit freundlichen Grüßen

Abbildung 1

Marcus König Oberbürgermeister

Beschlussvorlage 2. BM/005/2023

Beratung Datum Behandlung Ziel

Kulturausschuss 10.03.2023 öffentlich Beschluss

Kulturausschuss 12.05.2023 öffentlich Beschluss

Betreff:

Perspektiven für den ehemaligen Bahnhof Märzfeld als Erinnerungsort

hier: Vermittlungskonzept und Finanzierungsvorschlag

Anlagen: 01_Sachverhalt 02_Ideenskizze_Bahnhof_Märzfeld

Sachverhalt (kurz): Der denkmalgeschützte Bahnhof Märzfeld mit seinen Gleisanlagen ist als Erinnerungsort an zwei Deportationen im November 1941 und im März 1942 von rund 2.000 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus dem gesamten nordbayerischen Raum sowie die Ankunft mehrerer hunderttausend Kriegsgefangener sowie ziviler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus ganz Europa während des Zweiten Weltkrieges von großer Bedeutung.

Daher schlägt die Verwaltung vor, das sich die Stadt Nürnberg zusammen mit der Eigentümerin Deutsche Bahn AG an der Aufwertung des Ortes und der Verbesserung der historischen Informationen mit einem einmaligen Beitrag von maximal 70.000 Euro für den Fall eines mindestens paritätischen Anteils in gleicher Höhe zu beteiligen und in den Haushaltsvorschlag 2024 einzubringen.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten 70.000 € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv 70.000 € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ein einmaliger Betrag von maximal 70.000 Euro soll für den Haushaltsentwurf 2024 angemeldet und final durch den Stadtrat in den Etatberatungen beschlossen werden.

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Gestaltung des Erinnerungsorts Bahnhof Märzfeld soll barrierefrei und multilingual sein.

  1. Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Stk

KuM

Beschlussvorschlag: Der Kulturausschuss stimmt dem Vorschlag der Verwaltung zu, auf Grundlage der vorgelegten Kalkulation im Haushaltsentwurf für das Jahr 2024 einmalig Mittel in Höhe von 70.000 Euro vor allem für die Herstellung und Anbringung neuer Vermittlungselemente sowie die Versetzung der bestehenden Informationsstelen bereitzustellen.

Voraussetzung für das finanzielle Engagement der Stadt Nürnberg ist eine Kostenbeteiligung und die kostenfreie Überlassung der Freifläche vor der historischen Bahnhofsfassade durch die Deutsche Bahn AG oder eines ihrer Töchterunternehmen bzw. Stiftungen, um die baulichdenkmalpflegerischen und verkehrssicheren Voraussetzung am ehemaligen Bahnhof Märzfeld zu gewährleisten.

Perspektiven für den ehemaligen Bahnhof Märzfeld als Erinnerungsort

Hier: Vermittlungskonzept und Finanzierungsvorschlag

1. Grundlagen

Die Stadt Nürnberg trägt als Eigentümerin für die Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände eine besondere Verantwortung. Sie gemahnen an das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte und die Rolle Nürnbergs in der Zeit des Nationalsozialismus. Für die Schrecken des NS-Regimes stehen insbesondere die Überreste des nicht fertiggestellten Bahnhofs Märzfeld, dessen Gleisanlagen weiterhin genutzt werden und der im Eigentum der Deutschen Bahn ist. An die hier während des Zweiten Weltkrieges ankommenden Kriegsgefangenen sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erinnerte die Stadt in der Vergangenheit ebenso wie an die über den Bahnhof Märzfeld vorgenommenen beiden Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Nordbayern in den Jahren 1941 und 1942.

In der NS-Zeit war die Nürnberger Stadtverwaltung selbst Akteurin, Unterstützerin und Profiteurin sowohl bezogen auf den Einsatz von Kriegsgefangenen und ziviler Zwangsarbeit bei unterschiedlichen kommunalen Dienststellen als auch gemeinsam mit staatlichen Stellen bei der Planung und Vorbereitung der Deportationen sowie der Verwertung des zurückgelassenen Vermögens. Als Geschäftsführer des zuständigen „Zweckverbands Reichsparteitag Nürnberg“ stellte zudem der nationalsozialistische Oberbürgermeister Willy Liebel ein Lagerareal auf dem Reichsparteitagsgelände der Staatspolizeistelle Nürnberg-Fürth zur Internierung der zu Deportierenden zur Verfügung. Die Erinnerungsarbeit am Bahnhof Märzfeld ist daher auf Grund von dessen regionaler Bedeutung in Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Massenverbrechen für die Stadt Nürnberg ein wichtiger Baustein zur Vermittlung der historischen Zusammenhänge am ehemaligen Reichsparteitagsgelände – auch wenn das Bahnhofsareal eigentumsmäßig nicht in städtischer Verfügungsgewalt steht. Die Einbindung des historischen Orts Bahnhof Märzfeld in die historisch-politische Bildungsarbeit wird umso wichtiger, wenn in den kommenden Jahren in nächster Nähe auf einem Teil des früheren Prinovis-Areals ein neuer kommunaler Schul- und Bildungskomplex entsteht.

Bereits am 04.03.2016 legte die Kulturverwaltung erste Vorschläge für eine Verbesserung des räumlichen Umfelds und der Aufenthaltsmöglichkeiten sowie der Sichtbarmachung der historischen Spuren wie der Bahnhofsfassade vor. Über die notwendigen Maßnahmen und nächsten Schritte besteht Einigkeit mit der Deutschen Bahn. Selbiges gilt auch betreffend der in Punkt 2 vorzustellenden inhaltlichen Konkretisierung. Ebenso konnten mittlerweile die für die Umsetzung benötigten Kosten gemeinsam durch die Kulturverwaltung und die Deutsche Bahn valide geschätzt werden. Unter Punkt 3 wird hierauf eingegangen.

2. Vermittlungskonzept

An der bisherigen Einschätzung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, die Gesamtgeschichte des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in der neuen Dauerausstellung zu erzählen und am ehemaligen Bahnhof Märzfeld keine gesonderte Ausstellung einzurichten, wird festgehalten. Neben der denkmalgerechten Sicherung der historischen Fassade, der Begehbarkeit der davorliegenden Freifläche und des dauerhaften Rückschnitts des Böschungsbewuchses sollen die Informationsmöglichkeiten vor Ort erheblich verbessert werden. Hierzu zählt die Versetzung der vorhandenen Informationsstelen des Geländeinformationssystems und deren Aktualisierung ebenso wie die Anbringung weiterer Elemente.

Vor allem die sichtbare Schaufassade des unfertig gebliebenen Bahnhofs, die gleichfalls für die Herrschaftsrepräsentation der Nationalsozialisten steht und auf die ankommenden Parteitagsteilnehmer wirken sollte, eignet sich – im Sinne von „Faszination und Gewalt“ – für das Gedenken an die am Bahnhofsareal angekommenen oder dort bzw. auf dem Lagerareal gestorbenen Opfergruppen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Namen der Herkunftsländer sollen daran auf Deutsch und in der jeweiligen Landessprache angebracht werden. Die individuelle Nennung von Opfernamen ist angesichts der schätzungsweise bis zu 150.000 Menschen sowie der ungesicherten Quellenlage nicht vorgesehen.

Daneben sollen die heute provisorisch verschlossenen elf Nischen mit Thementafeln versehen werden. Die Tafeln sollen Auskunft geben über die Rolle des Bahnhofs Märzfeld während der Reichsparteitage, im Kontext von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit, die beiden Deportationen der jüdischen Bevölkerung und allgemein zur Rolle der Reichsbahn im Zweiten Weltkrieg. Bei den Materialien der Informationsträger ist auf Witterungsbeständigkeit und Vandalismusresistenz zu achten, da kein dauerhaftes Aufsichtspersonal vor Ort vorgesehen ist. Von medientechnischen Installationen wird daher abgeraten. Für vertiefende Inhalte sowie als Leitsystem vom Dokumentationszentrum aus dient die vorhandene Smartphone-App „Das Gelände“. Vor Ort angebrachte QR-Codes könnten diese unterstützen und darin integriert werden.

Das Innere hinter der Bahnhofsfassade soll wie die Aufgänge zu den Bahnsteigen weiterhin unzugänglich bleiben. Ein erhöhter Anbau zum Überblick auf die Gleisanlagen wäre in einer Fortentwicklung des Konzeptes angedacht. Aus Sicherheits- und Pflegegründen soll die Freifläche vor der Fassade nachts durch einen Zaun verschließbar sein. Auf eine barrierefreie Zugänglichkeit wird besonderer Wert gelegt.

Detaillierte Informationen sind der Anlage zur Beschlussvorlage zu entnehmen. In seiner Sitzung am 10. Februar 2023 befürwortete der unabhängige Wissenschaftliche Beirat für den historischen Ort Reichsparteitagsgelände einhellig das skizzierte Konzept.

3. Finanzierungsstruktur

Die eingeholten Erkundigungen der Kulturverwaltung und der Deutschen Bahn ergaben für die Realisierung der Konzeption Gesamtkosten in Höhe von rund 120.000 Euro. Davon würden auf die denkmalgerechte Vorbereitung der Fassade durch Reinigung und Vermauerung von Öffnungen etwa 23.000 Euro entfallen, zur Herrichtung der Freifläche und barrierefreien Neuanlage inklusive Beleuchtungselementen 40.000 Euro. Die Produktionskosten der Informationsträger zu den Herkunftsländern und den Themen in den Wandnischen würden je nach Ausführung rund 40.000 Euro betragen. Die Kosten zur Versetzung der bestehenden Informationsstelen auf die Freifläche und der Rückbau am jetzigen Standort würden bei 11.000 Euro liegen. Die Recherchen und Erstellung der Texte würden durch das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände als weiterer städtischer Beitrag erfolgen. Analog zur seit 2006 etablierten Einrichtung des Geländeinformationssystems am ehemaligen Reichsparteitagsgelände würde die Stadt Nürnberg die Kosten für die Erstellung und Anbringung der Informationsträger aufbringen, die in ihrem Eigentum verblieben. Die Deutsche Bahn würde die Fassade denkmalgerecht sichern und deren dauerhaften verkehrssicheren Zustand garantieren. Die begrünte Vorfläche davor würde im Bahneigentum verbleiben, aber der Stadt Nürnberg zur historischen Kontextualisierung kostenfrei überlassen werden. Im Gegenzug würde die Stadt die ohnehin auf dem Rad- und Fußweg zwischen Thomas-Mann- und Groß-Strehlitzer Straße stattfindende Grün- und Wegepflege auf diese Fläche ausweiten. Neu wäre gegebenenfalls ein Schließdienst während der Nachtstunden, was den Pflegeaufwand und die Gefahr der Vermüllung mindern könnte.

Etwaige Fördermöglichkeiten wurden seitens des Stadtplanungsamts besonders in Hinblick auf die Gesamtquartiersentwicklung geprüft. Als staatlicher Konzern fallen für die Deutsche Bahn AG als Eigentümerin des Bahnhofsareals nach Rücksprache mit dem Bezirk von Mittelfranken Städtebaufördermittel aus. Gleiches gilt für die Förderrichtlinien bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wie auch beim Staatsministerium für Unterricht und Kultus betreffend Gedenkstätten und Denkmalpflege.

Indirekte Verbesserungen zur Erschließung der zwischen den Bahntunneln gelegenen Fläche des Bahnhofs Märzfeld sollen aber bei der künftigen Quartiersentwicklung hinsichtlich der Schulerschließung oder der weiteren Radwegeerschließung zwischen Langwasser-Nord und -Süd im Blick behalten werden. Hier könnte die Etablierung von Informations- und Aufenthaltsmöglichkeiten am Erinnerungsort Bahnhof Märzfeld hilfreich sein. Entsprechende infrastrukturelle Entwicklungen sind jedoch frühestens ab 2027 zu erwarten. Dagegen soll die aktuell günstige Gelegenheit im Einvernehmen mit der Deutschen Bahn AG genutzt und die Etablierung eines Erinnerungsorts am ehemaligen Bahnhof Märzfeld bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden, wenn sich die Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Langwasser zum 80. Mal jährt. Die Stadt Nürnberg trägt hierzu inhaltlich-konzeptionell und finanziell einen Anteil bei.

„Erinnerungsort“ Bahnhof Märzfeld

Ideenskizze von Nina Lutz/Alexander Schmidt, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Februar 2022

Der Bahnhof Märzfeld, ein Teil des Reichsparteitagsgeländes, wurde ab 1939 als zentraler Verschiebebahnhof für Menschen aus unterschiedlichen Ländern genutzt, die als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach Nürnberg kamen und in Nordbayern Zwangsarbeit leisten mussten. Die beiden ersten großen Deportationen von Juden und Jüdinnen aus Franken gingen ebenfalls von hier ab. Der Bahnhof Märzfeld ist deshalb ein wichtiger Erinnerungsort und sollte entsprechend gestaltet werden.

Der historische Ort – und seine Überreste

Abbildung 2

Baumodell Bahnhof Märzfeld, um 1938 (Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände DZ-Ph-0876-03)

Abbildung 3

Abbildung 4

Fassadenrest des Bahnhof Märzfeld, 1994 und 2022 (Fotos: Alexander Schmidt)

Von dem geplanten Bahnhof zur Erschließung der Teilnehmerlager in Langwasser ist – neben den Gleisanlagen samt den Zugangstreppenhäusern – nur ein kleiner Teil der Schaufassade (im Baumodell ganz oben links) tatsächlich errichtet worden. Dieser Fassadenteil mit einem quer dahinterliegenden Gang wurde durch Bewuchs nahezu unsichtbar. Die Eingänge sind heute mit Blechplatten verschlossen. Dieses Relikt des Bahnhofs Märzfeld bietet eine visuell gut erkennbare Brücke zu der Zeit, aus der das Gebäude stammt, und zu seiner Geschichte.

Erinnerungsort Bahnhof Märzfeld – Konzept und Gestaltungsideen

Der neu gestaltete Erinnerungsort Bahnhof Märzfeld besteht aus

zwei Stelen des Geländeinformationssystems (besser platziert, inhaltlich überarbeitet)

der Fläche vor dem Fassadenteil (tagsüber frei zugänglich)

   der Fassade selbst als Informationsträger („Wand der Nationen“)  Informationsnischen in den 11 mit Mauerwerk verschlossenen Zugängen  einer neu aufgestellten Treppe vor der Fassade als Zugang zu einem abgeschlossenen Bereich mit Blick auf die Gleisanlagen

Stelen des Geländeinformationssystems

Abbildung 5

Infostelen am Bahnhof Märzfeld 2022 (Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände D-0334)

Die bisher rechts vor der Unterführung direkt vor dem Zaun platzierten und schlecht zugänglichen Stelen des Geländeinformationssystems werden auf die linke Seite in die Nähe der neu zu öffnenden Fläche vor der Fassade versetzt und damit auch auf den Erinnerungsort bezogen. Sie müssen inhaltlich überarbeitet werden. Die beiden Stelen bieten Grundinformationen zum Thema des historischen Bahnhofs Märzfeld im Kontext des Reichsparteitagsgeländes 1933 bis 1945, gewährleisten eine Verortung und fügen sich in das Geländeinformationssystem ein.

Fläche vor dem Fassadenteil

Die Fläche vor dem Fassadenteil wird vom Bewuchs befreit (ist bereits erfolgt), rollstuhlgerecht

befestigt und ist tagsüber frei zugänglich. Nachts wird der Zugang (bestehender Zaun) verschlossen.

In der Böschung zu den Gleisen der U-Bahn sind zwei Stufen eingebracht als Sitzgelegenheit für

Gruppen mit Blick zur Teilfassade. Der Innenbereich hinter der Fassade bleibt verschlossen und wird,

als historisch wenig bedeutsam, nicht bespielt.

Teilfassade als „Wand der Nationen“

Zehntausende Menschen unterschiedlichster Nationen kamen während des Zweiten Weltkriegs unfreiwillig nach Nürnberg, wurden aus ihren Heimatländern zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und über den Bahnhof Märzfeld ins Lagerareal Langwasser oder zu ihren Arbeitsorten in der Region verbracht. Etwa 5000 Menschen sind im Kontext des Lagerareals Langwasser gestorben. Über 2000 jüdische Deutsche aus Franken gingen von hier aus in Ghettos und Vernichtungslager. Nur wenige von ihnen überlebten. Die Namen aller dieser Menschen zu rekonstruieren ist nicht möglich. Jedoch kann durch die Nationenvielfalt die Dimension dieser Kriegsverbrechen sichtbar gemacht werden. Um die monumental angelegte Schaufassade des Bahnhofs zu konterkarieren, sollte sie deutlich sichtbar für die Erinnerung an die Opfer umgewidmet werden, wodurch die für die Reichsparteitage angelegte Architektur einen gegenwärtigen Nutzen und Bezug erhält. Die Namen der Nationen, aus denen die Kriegsgefangenen sowie die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen kamen, sollen als Schrift in ihrer Landessprache an der Fassade erscheinen. Hinzu kommt ein Erinnerungszeichen für die jüdischen Deutschen, die von hier aus deportiert wurden.

Informationsnischen

Abbildung 6

Mit Blechtafeln verschlossene Zugänge in der Teilfassade des Bahnhof Märzfeld mit Blick, 2022 (Foto: Alexander Schmidt)

Die von Blechtafeln befreiten und mit Mauerwerk verschlossenen Zugänge in der Teilfassade dienen der vertieften Darstellung der historischen Themen des Ortes, sind dem Erinnern gewidmet und werfen Schlaglichter auf die Gewaltgeschichte des südlichen Areals des Reichsparteitagsgeländes.

Die historischen Informationen sind knapp gehalten und werden durch Bilder und Texte vermittelt. Die Arbeit mit Zitaten und Aussagen von Opfern ermöglicht einen personalisierten Zugang zur Geschichte. Die sprachliche Vielfalt wird auf den Informationsträgern bereits aufgegriffen und durch beispielsweise QR-Codes weiter ausdifferenziert.

Die Themen könnten wie folgt von rechts vorne nach links hinten auf die Nischen aufgeteilt werden:

 Nische 1: Bahnhof Märzfeld für die Reichsparteitage  Nische 2-3: Kriegsgefangenschaft (Schwerpunkt sowjetische Kriegsgefangene, Tod und Aussonderungen)  Nischen 4-5: Zwangsarbeit (vor allem Bedeutung 1941/42 als zentrale Ankunftsort von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen für den ganzen nordbayerischen Raum)  Nischen 6-9: Deportationen (erste und zweite Deportation mir Darstellung der Gewalt an den Zielorten, Zitate von Deportierten)  Nischen 10-11: Die Rolle der Reichsbahn (hier könnte sich das DB-Museum einbringen)

Treppe und Aussichtsplattform Gleis

Abbildung 7

Abbildung 8

Blick von oben auf den historischen Mauerrest mit den Nischen und Blick auf die Gleisanlage (Fotos: DB Museum/Oliver Götze)

Am Ende der Fassade soll eine Treppe mit Aussichtsplattform den abgeschlossenen Bereich neu erschließen und den Blick auf die Gleisanlage und die Bahnsteige mit den dort noch erhaltenen Bauten freigeben. Die überraschend großräumige Gleisanlage mit acht parallelen Gleisen samt Bahnsteigen mach die Dimensionen deutlich, mit denen hier Menschen hin- und hertransportiert wurden.

Eine Informationstafel verortet die Zugänge welche damals die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen nahmen, verortet den Zugang über die Böschung zu den Gleisen, welchen die Juden und Jüdinnen bei den Deportationen nehmen mussten.

Zudem sollte hier das Thema des Umgangs mit dem Bahnhof nach 1945 beleuchtet werden.

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