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← gemeinsame Sitzung des Gesundheitsausschusses und Sozialausschusses (11.05.2023)

Sachverhalt Entwicklungen Drogenhilfenetzwerk

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Sozialausschuss Hauptbahnhof Schule & Bildung Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage: zur gemeinsamen Sitzung des Gesundheits- und Sozialausschusses am 11.05.2023

Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen im Nürnberger Drogenhilfesystem

Einführung

Im Kooperationsvertrag zwischen den Stadtratsfraktionen von CSU und SPD aus dem Jahr 2020 wurde vereinbart, ein Gesamtkonzept für Drogenprävention und –hilfe und ein Drogenhilfezentrum zu entwickeln. Zwei in der Sozialausschusssitzung am 10.02.2022 behandelte Fraktionsanträge haben diese politische Zielsetzung konkretisiert und unterstreichen die Bedeutung der Etablierung weiterer Angebote der Drogenhilfe im Rahmen des Nürnberger Drogenhilfenetzwerks unter dem Dach eines Drogenhilfezentrums. Die Stadt Nürnberg hat den Begriff „Drogenhilfezentrum“ im Einvernehmen mit den Akteuren des Nürnberger Drogenhilfesystems als das gedankliche Fundament der Nürnberger Drogenhilfe interpretiert. Es handelt sich dabei insofern nicht um ein Gebäude oder eine spezifische Einrichtung, sondern stellt eine inhaltliche Klammer für das gesamte Hilfesystem im Hinblick auf illegale Drogen dar. Ziel ist es, in Ergänzung zu dem bestehenden Drogenhilfenetzwerk, die Versorgung der Zielgruppen effektiver und bedarfsorientierter zu gestalten. Ebenso zielt die Weiterentwicklung in Richtung Drogenhilfezentrum darauf ab, die Stadtgesellschaft von den negativen Begleiterscheinungen öffentlichen Drogenkonsums zu entlasten. Neue Angebote sollen in das funktionierende und ausgebaute Drogenhilfenetzwerk in Nürnberg eingebettet werden. Der Erhalt bereits bestehender Angebote, sowie deren bedarfsgerechter Ausbau, ist Grundlage für die Implementierung neuer Angebote, um auch diese sinnvoll zu vernetzen und nachhaltig zu gestalten. Im Rahmen der Sitzung des Sozialausschusses vom 10.02.2022 wurde das Konzept der niedrigschwelligen Substitution (Konzept Sub_Port) als wesentlicher Baustein zum Ausbau des Nürnberger Drogenhilfesystems vorgestellt. Mit der Ausschussvorlage werden mehrere Anträge beantwortet (Antrag der CSU-Stadtratsfraktion CSU, vom 05.07.2022 – „Dosiersysteme zur kontrollierten individuellen Methadonabgabe“, Antrag der Stadtratsfraktionen CSU, SPD und Bündnis 90 / Die Grünen, vom 26.09.2022 – „Umgang mit Notfällen nach Drogenintoxikationen, Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 07.03.2023 – „Update Situation Drogenabhängiger in Nürnberg). Neben dem Bezug auf die konkreten Fragestellungen aus den genannten Anträgen werden das bestehende Hilfsangebot des Nürnberger Drogenhilfenetzwerks sowie aktuelle Entwicklungen1 dargestellt.

1 Die Bundesregierung hat am 12.04.2023 neue Eckpunkte für Gesetzgebungsvorhaben zum Umgang mit Cannabis öffentlich vorgestellt. In einem ersten Schritt soll der Anbau in nicht gewinnorientierten Vereinigungen und der private Eigenanbau bundesweit ermöglicht werden. Die Abgabe in Fachgeschäften soll in einem zweiten Schritt regional begrenzt und befristet als Modellvorhaben umgesetzt werden. Die Auswirkungen der Legalisierung von Genusscannabis auf den Gesundheits- und Jugendschutz sind insbesondere hinsichtlich der Suchprävention eingehend zu bewerten und entsprechende Handlungserfordernisse abzuleiten, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen feststehen. Darauf wird in der vorliegenden Vorlage noch nicht Bezug genommen, da die konkreten Regelungen noch offen sind.

I. Das Nürnberger Suchthilfesystem – Hintergrund und Entwicklung

In Nürnberg besteht seit vielen Jahren ein gut ausgebautes arbeitsteiliges System der Suchthilfe im Bereich legaler und illegaler Drogen und Süchte. Mit der Drogenkonzeption von 1986 wurde der Grundstein für ein geplantes, vernetztes und gendersensibles Handeln des Nürnberger Suchthilfenetzwerkes gelegt. Ziel war und ist es, eine niedrigschwellige Versorgungsstruktur aufzubauen, die durch ein Verbundsystem und die Kooperation von Trägern und Beteiligten gesichert werden kann. Unter die Suchthilfe fallen nicht ausschließlich substanzgebundene Süchte (legal, illegal), sondern auch Verhaltenssüchte wie Spiel- oder Gamingsucht oder Essstörungen. Folgende thematische Schwerpunkte wurden im Rahmenplan Sucht von 1995 benannt und finden sich in der Versorgungslandschaft wieder:

 Harm Reduction/Schadensminimierung (Überlebenshilfen, Safer-Use, Naloxon, Notfalltrainings, Krisenintervention, Abdeckung elementarer Grundbedürfnisse wie Hygiene, Essen etc.pp.)  Beratung (Streetwork, Kontaktladen, psychosoziale Beratung, Stabilisierung, Rehabilitation, etc.pp.)  Wohnen (Notschlafstellen, Krisenhilfe, besondere Wohnformen; Housing First)  Arbeit und berufliche Integration (berufliche Integrationsmaßnahmen, Inklusionsbetriebe, Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt)  Organisation und Stärkung der Selbsthilfe  Ausbau der Prävention und Beratung insbesondere in Bezug auf Jugend und Adoleszenz  Medizinische Hilfe für Abhängige (Substitution, Entzug, Entgiftung, Entwöhnungsbehandlung)  Schwangerschaft und Drogenkonsum  Elternschaft und Drogenkonsum  Gewalt und Drogenkonsum  Beratung und Vermittlung in Therapie bei legalen Süchten (Alkohol und Nikotin) sowie Verhaltenssüchten  Suchtnachsorge im Anschluss an eine Langzeittherapie bei einer Alkoholabhängigkeit

Gebündelt und koordiniert wird dieses Netzwerk durch den Suchtbeauftragten bzw. die Suchtbeauftragte und deren Stellvertretende im Rahmen des Arbeitskreises Sucht. Die trägerübergreifende regelmäßige Abstimmung im Rahmen des Nürnberger Arbeitskreises Sucht und seiner Facharbeitsgruppen ist Grundlage für die Koordination und gibt Impulse für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung.

Aufgrund der konstant hohen Anzahl an Drogentoten (auch im Bundesvergleich) und hohen Hospitalisierungsraten erfahren insbesondere die Hilfsangebote für die Zielgruppe opioidabhängiger Menschen hohe Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit und die Verwaltung. Auch hier besteht in Nürnberg ein breit aufgestelltes Hilfesystem. Im Folgenden sollen die zentralen Träger im Bereich der illegalen Drogen aufgeführt und hinsichtlich ihres Angebots- und

Beratungsspektrum in Kurzform vorgestellt werden. Eine detailliertere Darstellung der Hilfsangebote kann der Anlage 1 entnommen werden.

  1. mudra – Jugend- und Drogenhilfe Nürnberg e.V.

Die mudra-Jugend- und Drogenhilfe Nürnberg e.V. bietet verschiedene Hilfen und Angebote in folgenden Bereichen an:

 Niedrigschwellige Hilfen  Ambulante Beratung  Digitale Hilfen  Ambulante Betreuung/Behandlung  Berufliche Hilfen/Berufliche Integration  Berufliche Ausbildung und Inklusion  mudra-Akademie update

Darüber hinaus unterhält mudra Angebote in der stationären Jugendhilfe.

Die mudra betreut jährlich rund 4000 Menschen intensiv (exklusive Einmalkontakte) im Alter von 13 Jahren bis Ü70 Jahre; davon sind ca. 22 % weiblich.

(mudra informiert jährlich transparent und ausführlich über alle Angebote im jeweiligen Jahresbericht: Downloads - mudra-online.de)

2. Lilith e.V. - Drogenhilfe für Frauen und Kinder

Zu den Zielgruppen von Lilith gehören primär

 Illegale Drogen konsumierende (aktuell/ ehemals und/ oder substituierte) Frauen ab 18 Jahren (2022: 750 Frauen)  Weibliche Angehörige von Drogenkonsumentinnen  Kinder von Drogenkonsumentinnen im Alter von 0 bis 12 Jahren (2022: 250)  Multiplikatorinnen  Fachöffentlichkeit und Öffentlichkeit

Zu den Zielen von Lilith gehören primär

 Psychische und physische Stabilisierung/ Gesundheit  Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Gewaltfreiheit  Schadensbegrenzung / Harmreducement  Verbesserung der kindlichen Lebensrealitäten und Entwicklungschancen  Gesundheits-, Sucht- und Gewaltprävention

Zu den Angeboten von Lilith gehören primär

 Frauencafé (Teil der PSB – Psychosoziale Suchtberatung)  Frauenberatung (Teil der PSB – Psychosoziale Suchtberatung)  Streetwork (Teil der PSB – Psychosoziale Suchtberatung)

 Liliput – Mutter + Kind  Zeitraum – ambulant betreutes Einzelwohnen  Arbeitsprojekte ACTIV-Hausservice & Liliths Laden –Fachgeschäft für Damenmode mit Kleiderwerkstatt

  1. Hängematte, Notschlafstelle und Krisenhilfe für Suchtmittelabhängige e.V.

Zielgruppe

Zielgruppe von Hängematte e.V. sind ausschließlich Männer und Frauen, die illegale Drogen konsumieren. Der Schwerpunkt des Vereins liegt hierbei auf denjenigen, die wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind.

Angebot

 Notschlafstelle mit 22 Plätzen (16 Betten für Männer, 6 Betten für Frauen),  Wohngemeinschaft mit 5 Einzelzimmern für substituierte Klienten (mit Beikonsum)  Pensionsbetreuung von Drogenkonsumierenden in städtisch belegten Obdachlosen- Pensionen (im Auftrag der Fachstelle für Wohnungsfragen und Obdachlosigkeit)

Ausführliche Berichterstattung über die Arbeit von Hängematte e.V. unter https://haengematte-nuernberg.de/Jahresberichte.html

4. Caritas Straßenambulanz Franz von Assisi

Träger: Caritasverband Nürnberg e.V.

Ärztliche Versorgung: Gemeinschaftspraxis Dr. Seiler (Allgemeinarzt) und Frau Wiesinger (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie)

Zielgruppe:

Angebote:

 Medizinische Ambulanz  Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen  Streetwork  Tagestreff  Kleiderkammer

Jährlich nutzen über 1000 Menschen die Angebote im medizinischen Bereich der Straßenambulanz. Etwa 30% der Patienten und Patientinnen sind nicht krankenversichert. Auch Menschen ohne Aufenthaltsstatus haben die Möglichkeit, sich medizinisch behandeln zu lassen oder die anderen Angebote der Straßenambulanz wahrzunehmen. Außerdem sind anonyme Behandlungen möglich, also ohne Erfassung von persönlichen oder versicherungsrechtlichen Daten.

5. Präventive Kinder- und Jugendhilfe: Suchtprävention

Auch die Jugendhilfe ist ein Bestandteil des Nürnberger Systems im Sinne des Rahmenplans der Suchthilfe in Nürnberg von 1995. Der Erzieherische Kinder- und Jugendschutz, definiert in § 14 SGB VIII, hat die Aufgabe, in schützender Funktion als Anwalt der jungen Menschen präventiv Gefährdungen zu verhindern oder zumindest zu verringern und auf die Einhaltung rechtlicher Schutzvorschriften hinzuwirken. In diesem Sinne ist im Amt für Kinder, Jugendliche und Familie, Bereich 2, Präventive Kinder- und Jugendhilfe die Suchtprävention angesiedelt.

Zielgruppen der Suchtprävention des Jugendamts

 Kinder und Jugendliche  Eltern und Erziehungsberechtigte  Fachkräfte  Öffentlichkeit - Nürnberger Bürgerinnen und Bürger

Zielsetzung

Ziel ist die Konzeptionierung von Maßnahmen und somit Initiierung von bedarfsgerechten Projekten und Angeboten für die unterschiedlichen Zielgruppen, wie z.B.:  Projekte und pädagogische Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene,  Fortbildungsangeboten für Multiplikatoren und Fachkräfte, Fachliche Beratung von Mitarbeiter/-innen der Jugendhilfe und sonstigen Multiplikatoren, Unterstützung bei der Projektentwicklung,  geeigneten Informationsstrategien und Informationsmaterialien, zielgruppenadäquate Vermittlungsformen, Öffentlichkeitsarbeit.  Vernetzung mit anderen Akteuren des Themenfelds und Beteiligung an lokalen / bundesweiten / landesweiten Kampagnen.

Ausführliche Informationen über die Präventive Kinder- und Jugendhilfe

unter www.suchtpraevention.nuernberg.de

II. Aktuelle Herausforderungen und laufende Maßnahmen zur Angebotsver-

besserung

In den letzten Jahren war das Nürnberger Drogenhilfesystem vor einige Herausforderungen gestellt. Insbesondere die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind bis heute spürbar. Daneben haben aber auch gesellschaftliche Veränderungen (bspw. Zuzug im Kontext von Fluchtmigration) Wirkungen auf Angebotsstruktur und Leistungserbringung.

1. Aktuelle Herausforderungen

 Corona belastet viele Menschen nachhaltig. Die Träger der Suchthilfe sehen bundesweit eine steigende Zahl von Bedürftigkeit hinsichtlich psychischer Erkrankungen und Belastungen. So haben Krankheitsbilder wie Depressionen aus Sicht der Träger erheblich zugenommen. Es muss davon ausgegangen werden,dass der Peak der Auswirkungen erst zeitverzögert sichtbar wird. Dieser Sachverhalt betrifft auch suchterkrankte Bürgerinnen und Bürger im Stadtgebiet Nürnberg. Gerade im Hinblick auf die Einschränkungen – auch an öffentlichen Plätzen – die mit pandemiebedingten Regelungen einhergegangen waren, war der Bereich der sozialen Arbeit mit Drogenabhängigen betroffen. Streetwork am Hauptbahnhof und in der Königstorpassage, die ein wichtiges und regelmäßiges Angebot der Nürnberger Drogenhilfeeinrichtungen darstellen, waren nicht mehr im gewohnten Umfang möglich. Die Befürchtung, „den Draht zur Szene“ zu verlieren, hat sich allerdings nicht bestätigt. Über digitale und kreative Wege (z.B. Beratung aus dem Fenster oder bei einem Spaziergang) konnte das Hilfesystem vielfach weiter greifen. Zwar wurde sichtbar, dass die Verfügbarkeit von Substanzen über den Hauptbahnhof nicht mehr gewährleistet war, durch das Internet konnten Betroffene dennoch auf Substanzen zugreifen. Dies machte deutlich, wie wichtig die Entwicklung zu beurteilen ist, sich auch mit digitalen Angeboten stärker an Userinnen und User zu wenden.

Neben den Reaktionen der Userinnen und User auf die Entwicklungen während der Corona Pandemie stellte eine weitere Herausforderung die Personalsituation dar, die mit Quarantäne und Covid 19 Infektionen zeitweise am Limit war. Mudra verzeichnet in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg der durchschnittlichen Krankheitstage um 50%; dies setzt alle aktiven Helfer und Helferinnen gepaart mit steigenden Bedarfszahlen zusätzlich unter enormen Druck.

 Mit dem Angriffskrieg in der Ukraine und der Inflation zeichnen sich nach der Corona- Pandemie neue Herausforderungen ab. Im Bereich Flucht & Sucht wurden in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg erste Strukturen und Angebote verwirklicht. So konnten Beraterinnen und Berater eingesetzt werden, die muttersprachlich türkisch, russisch und persisch sind. Die Stadt Nürnberg hat diese Stellen finanziert.

 Corona hat insbesondere junge Menschen und Jugendliche betroffen und nachhaltig in ihrer Persönlichkeit und Entwicklung beeinflusst. Zahlreiche Studien zeichnen das Bild einer psychisch hochbelasteten Jugend, die Gefahr läuft darüber psychische Gesundheitsschädigungen zu chronifizieren und auch Suchtverhalten zu generieren (siehe COPSY-Studie.22 sowie der DAK Kinder- und Jugendreport 2022). In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass es so gut wie kein ambulant therapeutisches Angebot für drogenkonsumierende Jugendliche gibt und die Hemmschwelle für die wenigen stationären Angebote in diesem Alter oftmals (noch) zu hoch ist. Gleiches gilt für medizinische, stationäre medizinische Angebote. Es ist zu erwarten, dass die

Schnittmenge in den Kinder- und Jugendpsychiatrien zwischen psychischen Krankheiten in Kombination mit Drogenkonsum steigen wird. Eine wichtige Entwicklung stellt hier die Integration der Suchtexpertise in den Bereich der Familienhilfen in Form von Hilfen für von Sucht belastete Familien und deren Kinder dar. Das Jugendamt Nürnberg und der ASD haben sich auf den Weg gemacht, um diesen Bedarfen (psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen aufgrund der Corona-Pandemie) zu begegnen.

 Gendersensible Prävention ist in diesem Zusammenhang dringend auszubauen, bzw. aufzubauen. Bislang stehen den Experten und Expertinnen in der Suchtarbeit (Drogen- und Suchtberatung) hierfür wenig Mittel zur Verfügung gestellt. Gerade auch im Hinblick auf eine kontrollierte Freigabe von Cannabis wird der Bedarf an Präventionsangeboten deutlich zunehmen.

 Drogenkonsum und Gewalt. Zwischen Gewalterfahrungen unterschiedlichster Art (wie z.B. sexualisierte Gewalt in frühester Kindheit, physische Gewalt, psychische Gewalt) und Drogenkonsum besteht ein deutlicher Zusammenhang. Frauen und Mädchen sind davon besonders stark betroffen. Auch während der Corona-Pandemie hat dieser Aspekt aus Sicht der Träger an Brisanz gewonnen. Von Vergewaltigung während und nach Drogenkonsum berichten betroffene Frauen im Rahmen der Beratung immer wieder. Drogenkonsumentinnen werden in Frauenhäusern jedoch nicht aufgenommen. Hier existiert aus Sicht der Träger eine Versorgungslücke für die oft traumatisierten Opfer, die dringend behoben werden sollte, z.B. in Form von geschützten Frauenräumen (wie Frauennotschlafstellen oder Frauenhäusern) für Drogenkonsumentinnen. In diesem Zusammenhang ist auch der Bedarf an Mutter-Kind- Häusern für suchtbelastete Familien zu benennen. Diese existieren in der Region nicht, würden aber dringend benötigt, da Drogenkonsum in Mutter-Kind-Einrichtungen ebenfalls ein Ausschlusskriterium darstellt.

2. Laufende Maßnahmen zur Angebotsverbesserung

2.1. Niedrigschwellige Substitution im Rahmen des Konzepts „Sub_Port“

Substitution ist eine der größten Erfolgsgeschichten der Suchthilfe. Substitution verhindert Todesfälle und bietet einen Weg heraus aus dem illegalen Substanzkonsum. Außerdem versetzt es Betroffene in einen Zustand, in dem psychosoziale Betreuung wirken kann, weil der wiederkehrende Teufelskreis aus Entzug, Beschaffungsdruck und Konsumverlangen entfällt. Substituierte können sich mit ihrer Lebensperspektive aktiv auseinandersetzen und die Rückkehr in die gesellschaftliche Mitte kann gelingen. Dennoch erreicht Substitution ca. die Hälfte der Opioidabhängigen nicht. Das hat zum einen damit zu tun, dass grundsätzlich Substitutionsplätze fehlen und in den nächsten Jahren zu erwarten ist, dass weitere niedergelassene Ärzte – die bisher ein Angebot an Substitutionsplätzen vorhalten – aufgrund von Eintritt in das Rentenalter nicht mehr praktizieren werden. Dies ist ein bundesweites Problem, das auf Ebene der primär zuständigen Bezirke bereits diskutiert und für das Lösungsstrategien erarbeitet werden. Zum anderen ist die Substitution an verschiedene Verbindlichkeiten geknüpft, die Betroffene oft nicht dauerhaft einhalten können. Nicht selten kann der Substitutionsplatz unter bestehenden stringenten Bedingungen nicht dauerhaft gehalten werden.

Niedrigschwellige Substitution hat zum Ziel, die bislang schwer erreichbaren und nicht versorgten Opioidabhängigen in die Versorgungsstruktur zu inkludieren. Zudem soll sie eine vorübergehende Rückfallebene für plötzlich aus einer bestehender Substitution oder einem beschützen Bereich Entlassene (Haftentlassung, Abbruch einer stationären Entgiftungsbehandlung, plötzliche Beendigung einer Regelsubstitution etc.) darstellen, da in diesem Patientenbereich statistisch mit der höchsten Mortalität zu rechnen ist. Ziel ist in allen Fällen die Stabilisierung des bzw. der Konsumierenden und Rückführung in bestehende Regelsubstitutionsangebote. Dies soll über einen niedrigschwelligen Sofort-Zugang erfolgen. Die Konsumierenden sollen, unabhängig von ihrer Motivation, so schnell wie möglich ein Substitut erhalten. Die Vergabe des Substituts ist nicht an die Bedingung geknüpft, dass die Konsumierenden in eine langfristige Behandlung einsteigen. Eine enge ärztliche Betreuung und Überwachung ist erforderlich. Daneben soll bei der Methadonvergabe auch die Nutzung eines Dosierautomaten erprobt werden. Entsprechende Erfahrungen werden im Rahmen der Evaluation des Gesamtkonzeptes festgehalten und im Rahmen des Evaluationsberichtes vorgestellt. Gemeinsam mit einer kleinen Arbeitsgruppe von Vertretern der lokalen Drogenhilfeträger mit dem Schwerpunkt illegale Drogen, dem Klinikum Nürnberg, sowie niedergelassenen Substitutionsärzten und der Straßenambulanz wurde ein Konzept entwickelt, das im Februar 2022 dem Sozialausschuss vorgestellt wurde. Hinsichtlich des Konzepts wird im Einzelnen auf die Sitzungsunterlagen des Sozialausschusses vom 10.02.2022 verwiesen. Ergänzend liegt eine Kurzfassung des Konzeptes zu Sub_Port – Niedrigschwellige Substitution zur Kenntnisnahme als Anlage 2 bei. Um das Vorhaben zu stärken und eine breite Akzeptanz zu bewirken, hat das Sozialreferat mit dem Sozialamt das Konzept Mitte 2022 der Qualitätssicherungskommission Substitutionsberatung der bayrischen Landesärztekammer vorgelegt. Um den rechtlichen Handlungsrahmen zu klären, wurde zudem durch die Stadt Nürnberg (Sozialamt) ein juristisches Gutachten bei Herrn Prof. Dr. Oğlakcıoğlu (Universität des Saarlandes) in Auftrag gegeben, das die straffreie Umsetzbarkeit bezogen auf das BTMG (Betäubungsmittelgesetz), die BTMVV (Betäubungsmittelverschreibungsverordnung) und die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger bestätigt hat. Parallel hierzu fanden und finden Abstimmungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern und den Krankenkassen hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Finanzierungsstruktur statt. Die Kostenträgerschaft des Projektes verteilt sich aufgrund des interdisziplinären Ansatzes und der gesetzlich geregelten Zuständigkeitsbereiche auf verschiedene Institutionen. Kostenträger für medizinische Leistungen gegenüber versicherten Personen sind im Wesentlichen die gesetzlichen Krankenkassen. Aber auch der Bezirk Mittelfranken (psychosoziale Beratungsangebote) und die Stadt Nürnberg (insbesondere für Nicht-Versicherte) sind zu berücksichtigen. Träger der niedrigschwelligen Substitutionsambulanz sollen das Klinikum Nürnberg in Kooperation mit mudra - Alternative Jugend- und Drogenhilfe e.V. sein. Die Partnerschaft mit dem Klinikum Nürnberg (in Form einer psychiatrischen Institutsambulanz) sichert die medizinische Fachlichkeit über suchtmedizinische Expertinnen und Experten. Zu diesem Zeitpunkt bestanden bereits konkrete Ideen zu lokalen Umsetzung. Angedacht ist, die niedrigschwellige Substitution an Räumlichkeiten der mudra e. V. anzugliedern. Neben der medizinischen Versorgung durch Fachärzte des Klinikums Nürnberg wäre in solch einem Fall auch die Unterstützung eines Sozialpädagogen bzw. einer Sozialpädagogin notwendig.

Die Finanzierung dieser PSB- (psychosoziale Beratung) Kraft liegt in der finanziellen Verantwortlichkeit des Bezirks Mittelfranken. Auch hier wurden 2022 erste Gespräche geführt, die eine Finanzierung in Aussicht stellten. Auf Grundlage der geschilderten umfangreichen Vorarbeiten und Abstimmungen werden derzeit die formalen (Zulassungs-)Anträge durch das Klinikum Nürnberg erstellt. Über den aktuellen Verfahrensstand wird im Rahmen der Sitzung ergänzend berichtet.

2.2. Safer Use Automaten

Der Beschluss, zwei weitere Safer-Use-Automaten im Stadtgebiet Nürnberg zu implementieren, ging mit der Vorstellung des Konzepts zu Safer-Use-Automaten im Sozialausschuss am 08.07.2021 einher. Bereits seit vielen Jahren werden im Rahmen der Beratung, Streetwork oder Notschlafstelle opiatabhängiger Suchterkrankter sauberes Spritzenmaterial von den Trägern der Nürnberger Drogenhilfe herausgegeben. Primäres Ziel der Vergabe von sterilen Spritzen und Spritzzubehör über Verkaufsautomaten ist die Infektionsprophylaxe und die Schadensverminderung beim intravenösen Drogenkonsum. Mit den Spritzenverkaufsautomaten soll eine 24-stündige, anonyme Verfügbarkeit gesichert werden. Durch den Beschluss des Sozialausschusses vom 08.07.2021 wurde das Aufstellen von zwei weiteren Spritzenautomaten befürwortet. Es ist zu erwarten, dass diese im zweiten Quartal 2023 aufgestellt werden. Die Standorte sind zwischenzeitlich gewählt und diese mit allen notwendigen Stellen (AK SiSa, Polizei) abgestimmt. Der Betrieb und die Instandhaltung werden von mudra e.V. übernommen.

III. Geplante Vorhaben - Forschungsprojekt zur Optimierung der Versorgung

von Suchtpatienten in Nürnberg

Der Themenkomplex „Drogen und Versorgung von Drogenpatienten und Patientinnen“ stellt die Stadt Nürnberg, wie eingangs dargestellt, seit vielen Jahren vor große Herausforderungen. Die Tragweite der Problematik äußert sich u. a. durch die konstant hohe Anzahl an Drogentoten (auch im Bundesvergleich) und hohe Hospitalisierungsraten. Neben dem großen Leid für die betroffenen Menschen und deren Familien verursachen die aktuellen Umstände regelmäßig die Notwendigkeit einer komplexen und ressourcenintensiven Versorgung akut intoxikierter Patienten und Patientinnen durch zahlreiche Leistungserbringer. Betroffen sind neben den akutversorgenden Krankenhäusern in Nürnberg auch die Rettungsdienste sowie vor- und nachgelagerte Einrichtungen der medizinischen und sozialen Betreuung, die in Anbetracht des zunehmenden Fachkräftemangels bereits regelmäßig an ihre Belastungsgrenze kommen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen und einen synergistischen und multimodalen Lösungsansatz zu erarbeiten, formierte sich 2021 unter der Projektbezeichnung „Nürnberger Modell“ eine interdisziplinäre und interprofessionelle Forschungsgruppe am Klinikum Nürnberg bzw. der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg (PMU).

Dabei fließt neben der notfall-, intensiv- und suchtmedizinischen Perspektive, repräsentiert durch Experten des Klinikum Nürnberg, auch die fundierte Expertise der Drogenhilfsorgani-

sationen mit ein. Besonders hilfreich erweist sich hierbei die enge Zusammen der „mudra Alternative Jugend- und Drogenhilfe Nürnberg e. V.“ und „Lilith e.V. – Drogenhilfe für Frauen und Kinder“.

In enger Zusammenarbeit mit den Expertinnen und Experten der Drogenhilfsorganisationen (mudra e.V., Lilith e.V., Hängematte e.V., etc.) und in wissenschaftlicher Kooperation mit den regionalen Hochschulen (TU Nürnberg, Evangelische Hochschule, etc.) soll im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten die Erfahrungen und Perspektiven der professionellen Akteure (Rettungsdienst, ILS, Streetworker, etc.) und der betroffenen (Sucht-)Patientinnen und Patienten eruiert und mit der aktuellen Stand der Wissenschaft abgeglichen werden.

Durch den wissenschaftlichen Ansatz bildet das „Nürnberger Modell“ die Möglichkeit eine umfangreichere Datengrundlage für die Versorgung opiatabhängiger Suchterkrankter zu schaffen, um konkret die regionalen Bedarfe und Lücken in Nürnberg wissenschaftlich fundiert zu erfassen. Die so gewonnenen Erkenntnisse können dann als Grundlage herangezogen werden, neue Maßnahmen zur Ergänzung des Hilfesystems zu entwickeln.

Das durch das Klinikum Nürnberg und die PMU Nürnberg initiierte „Nürnberger Modell“ ergänzt sich synergetisch mit bestehenden Angeboten der Drogenhilfe und innovativen Konzepten, wie das zuvor aufgeführte „SUB_PORT- niedrigschwellige Substitution“.

1. Zielsetzung des Forschungsprojektes

Im Projekt soll der Brückenschlag zwischen den Erfahrungen der Experten und Expertinnen und der internationalen Studienlage gelingen. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit der PMU Nürnberg, der Technischen Hochschule Nürnberg und der Evangelischen Hochschule Nürnberg mehrere Studien initiiert, in denen die lokale Situation bzgl. der Versorgung von Drogenpatienten und Drogenpatientinnen abgebildet werden soll. Ziel hierbei ist:

 Erstellen einer lokalen, also nürnbergspezifischen, Datenbasis  Erkennen und Schließen von Versorgungslücken  Schaffung einer wissenschaftlichen Grundlage für den synergistischen Ausbau der bestehenden Strukturen der Drogenhilfe Folgende Teilaspekte finden hierbei besondere Beachtung und werden in Fragebogen basierten Arbeiten evaluiert (Auswahl):

 In der Studie „The clients‘ view“ werden die Nürnberger Drogen-User und Userinnen über ihre aktuelle Situation und die Erfahrungen mit dem lokalen Versorgungssystem befragt. So soll die Sicht der betroffenen Menschen in die konzeptionelle Arbeit inkludiert werden.  Die Studie „The streetworkers‘ view” soll die Expertise der Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen bündeln und zusammenfassen und so deren großes Detailwissen nutzbar machen.  „The paramedics‘ view“ evaluiert die Sicht der “Rettungskette” von der präklinischen bis zur klinischen Versorgung. Ziel hierbei ist es, effiziente und gleichzeitig menschliche Versorgungskonzepte zu ermöglichen.

In weiteren Studien werden zusätzlich die Perspektiven der Integrierten Leitstelle (ILS) und der Mitarbeitenden der Polizei und der JVA untersucht, ferner werden die Versorgungskonzepte anderer deutscher Großstädte mit dem aktuell in Nürnberg angewandten System verglichen. Zudem sollen mögliche Konzepte (z.B. „geschützte Räume“), mit denen ein sicherer und hygienischer Konsum gewährleistet und Übergriffe an und durch suchtkranke Menschen verhindert werden können, evaluiert werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Settings, mit denen gleichzeitig eine (sucht-)medizinische Anbindung geschaffen werden kann. Ein besonderes Augenmerk wird im Rahmen des Forschungsprojektes auf das Erforschen und ggf. Optimieren von Awareness-Strukturen in Bezug auf den Konsum von Drogen und dessen Gefahren gelegt. Entsprechend beschäftigen sich zwei Studien mit den Awareness- Strukturen an Nürnberger Schulen und in der lokalen Gastronomie-Szene.

2. Translation der Forschungsergebnisse

Die genannten Studien bilden den wissenschaftlichen Rahmen des Projekts. Ziel der angestrebten Forschung ist eine Translation der Ergebnisse auf die Arbeitsebene. Die erhobenen Daten stellen die Grundlage für realitätsnahe und pragmatische Konzepte und idealerweise deren Umsetzung dar. Im Verlauf sollen die Daten den Expertinnen und Experten der verschiedenen Arbeitskreise und Organisationen zur Verfügung gestellt werden, damit maßgeschneiderte Konzepte entwickelt und implementiert werden können. Konkret bedeutet dies eine Einbindung in den Nürnberger Arbeitskreis Sucht und seine Facharbeitsgruppen. Hierbei werden Maßnahmenbündel für Prävention, Akutversorgung und Nachsorge von Drogennotfällen unterschieden, die auf Basis der im Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnisse zielgerichtet weiterentwickelt werden können, um somit eine möglichst optimale Versorgung von Drogenpatienten und -patientinnen sicherzustellen. Bei der Prävention liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Generieren von Awareness bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dafür wird im Forschungsprojekt eine enge Zusammenarbeit mit den Nürnberger Schulen und der lokalen Gastronomieszene angestrebt. Durch das Sensibilisieren der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen soll Aufmerksamkeit erzeugt und Information an die Zielgruppen herangetragen werden. Um Synergieeffekte zu ermöglichen und Doppelstrukturen zu vermeiden, wird das weitere Vorgehen mit dem Jugendamt, Bereich 2, Abteilung Präventive Jugendhilfe abgestimmt. In der dort verorteten Suchtprävention gibt es seit Jahren etablierte Angebote für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen in der Jugendhilfe und Schule. Vor allem im Bereich der Prävention werden genderspezifische Ansätze mitgedacht und evaluiert. Das Maßnahmenbündel zur Optimierung der Akutversorgung umfasst u. a. einen Behandlungsleitfaden für die präklinische Versorgung und mögliche Konzepte für den Betrieb spezialisierter intensivmedizinischer Strukturen zur Ausnüchterung von intoxikierten Patienten und Patientinnen in Nürnberg. Eine zentrale Versorgung von intoxikierten Patienten außerhalb der bestehenden Intensivstationen könnte die Nürnberger Kliniken entlasten und ein fachgerechtes Versorgungsniveau gewährleisten. Zusätzlich könnten frühzeitig neue Konsummuster, besonders reine Substanzen, ein hoher Verunreinigungsgrad bestimmter Drogen, etc. erkannt und durch Kliniker, Rettungsdienst, Drogenhilfsorganisationen und Polizei adressiert werden.

In der Nachsorge wird der Schwerpunkt auf dem Ausbau suchtmedizinischer Strukturen und der besseren Verfügbarkeit therapeutischer Angebote liegen. Dadurch soll einem größeren Teil der betroffenen Menschen eine dauerhafte Anbindung und dadurch ein zielführender Umgang mit der Suchterkrankung ermöglicht werden.

IV. Ausblick

Das Nürnberger Drogenhilfesystem stellt bereits jetzt ein grundsätzlich gut ausgebautes und ein funktionierendes System dar, welches auf verschiedenen Ebenen eng miteinander verzahnt ist. Dennoch bleibt es eine Daueraufgabe, das Hilfesystem bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Dies geschieht im Wesentlichen durch die trägerübergreifende regelmäßige Abstimmung im Rahmen des Nürnberger Arbeitskreises Sucht und seiner Facharbeitsgruppen. Einen nächsten großen Entwicklungsschritt und wesentlichen Baustein zum Ausbau des Nürnberger Drogenhilfesystems stellt aus Sicht der Verwaltung die Einrichtung einer niedrigschwelligen Substitutionsambulanz durch das Klinikum Nürnberg in Kooperation mit mudra - Alternative Jugend- und Drogenhilfe e.V. dar (Konzept Sub_Port). Ziel dieser zentralen Maßnahme ist, die bislang schwer erreichbaren und nicht versorgten Opioidabhängigen in die Versorgungsstruktur zu integrieren. Darüber hinaus bietet das dargestellte „Nürnberger Modell“ durch den wissenschaftlichen Ansatz zukünftig die Möglichkeit eine umfangreichere Datengrundlage für die Versorgung opiatabhängiger Suchterkrankter zu schaffen, um konkret die regionalen Bedarfe und Lücken in Nürnberg wissenschaftlich fundiert zu erfassen. Die so gewonnenen Erkenntnisse bilden eine Grundlage für eine kooperative Weiterentwicklung des Nürnberger Drogenhilfesystems und können herangezogen werden, neue Maßnahmen zur weiteren Ergänzung des Hilfesystems konkret zu entwickeln.

April 2023 Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt

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