Inhaltsverzeichnis
Sitzungsdokumente Tagesordnung -öffentlich- 2 Vorlagendokumente TOP Ö 1 Inklusiv und nachhaltig – Orientierungsrahmen für die Jugend-, Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg Berichtvorlage Ref.V/003/2023 3 TOP Ö 2 Freiwilligenmanagement im Seniorenamt – eine Entwicklung über 40 Jahre Berichtvorlage Ref.V/004/2023 5 Anlage Sachbericht Freiwilligenmanagement im SenA - Entwicklung über 40 Jahre 8 Ref.V/004/2023 TOP Ö 3 Update: Wohngeldreform 2023 Berichtvorlage SHA/005/2023 22
TAGESORDNUNG
Sitzung
Sitzung des Sozialausschusses
Sitzungszeit
Donnerstag, 04.05.2023, 09:00 Uhr
Sitzungsort
Rathaus, Fünferplatz 2, Großer Sitzungssaal
TAGESORDNUNG
Öffentliche Sitzung
1. Inklusiv und nachhaltig – Orientierungsrahmen für die Jugend-, Bericht
Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg - Ref.V/003/2023
Unterlagen werden nachgereicht
Ries, Elisabeth
2. Freiwilligenmanagement im Seniorenamt – eine Entwicklung über Bericht
40 Jahre Ref.V/004/2023
Ries, Elisabeth
3. Update: Wohngeldreform 2023 Bericht
SHA/005/2023 Ries, Elisabeth
- Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 09.03.2023 ,
öffentlicher Teil
Ref.V/003/2023
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 04.05.2023 öffentlich Bericht
Betreff: Inklusiv und nachhaltig – Orientierungsrahmen für die Jugend-, Familien-, Senior*innen-,
Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg - Unterlagen werden nachgereicht
Ref.V/004/2023
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 04.05.2023 öffentlich Bericht
Betreff:
Freiwilligenmanagement im Seniorenamt – eine Entwicklung über 40 Jahre
Anlagen: Anlage Sachbericht Freiwilligenmanagement im SenA - Entwicklung über 40 Jahre
Bericht:
Vor 40 Jahren, im Jahr 1983, wurde im damaligen Amt für Altenhilfe (AfA) – angesiedelt beim Sozialamt - ein ehrenamtlicher Besuchsdienst für ältere Menschen aufgebaut, die im eigenen Haushalt leben. Mit der Einrichtung des Seniorenamtes im Jahr 1993 ist dieser Besuchsdienst als Aufgabenbereich integriert und weiterentwickelt worden.
Der vorliegende Bericht informiert über Aufgaben, Anforderungen, Handlungsfelder, Ziele und Entwicklungen im Bereich von Freiwilligenkoordination und -management im Seniorenamt sowie über dessen Stellenwert im Gesamtkontext der quartiersorientierten Altenhilfe in Nürnberg.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Im Besuchsdienst engagieren sich Frauen und Männer für ältere Frauen und Männer im eigenen Haushalt,unabhängig von Alter, kulturellem, religiösem und sozialem Hintergrund oder sexueller Orientierung
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Beilage
zur Sitzung des Sozialausschusses vom 04.05.2023
Freiwilligenmanagement im Seniorenamt – eine Entwicklung über 40 Jahre
Beilage 1: Bericht
1. Hintergrund
Vor 40 Jahren, im Jahr 1983, wurde im damaligen Amt für Altenhilfe (AfA) – angesiedelt beim Sozialamt - ein ehrenamtlicher Besuchsdienst für ältere Menschen aufgebaut, die im eigenen Haushalt leben. Mit der Einrichtung des Seniorenamtes im Jahr 1993 ist dieser Besuchsdienst als Aufgabenbereich integriert und weiterentwickelt worden. Er gehört heute zu einem der größten ehrenamtlichen Besuchsdienste im häuslichen Bereich in Nürnberg. Ähnliche Angebote bestehen auch von Trägern der freien Wohlfahrtspflege oder Vereinen sowie im stationären Bereich von Heimträgern.
Der vorliegende Bericht informiert über Aufgaben, Anforderungen und Entwicklungen im Bereich Freiwilligenkoordination und -management des Seniorenamtes sowie über dessen Stellenwert im Gesamtkontext der Altenhilfe.
Dabei erhält auch die Einbindung in zunehmend vernetzte Strukturen und in die Quartiersarbeit wachsende Bedeutung. Hierbei geht es insbesondere um die verstärkte Verzahnung von Ehrenamt mit hauptamtlichen, u.a. auch fachübergreifenden Strukturen, Dienstleistungen und Angeboten. So wurde im Zuge der verstärkten quartiersorientierten Ausrichtung der Seniorenarbeit eine enge Zusammenarbeit des Freiwilligenmanagements beim Seniorenamt mit den Koordinatorinnen und Koordinatoren der Seniorennetzwerke aufgebaut.
Darüber hinaus ist das Freiwilligenmanagement des Seniorenamts in das Netzwerk Engagementförderung und die Vereins- und Ehrenamtsakademie eingebunden, so dass auch eine zielgruppenübergreifende Vernetzung mit anderen Freiwilligenangeboten stattfindet.
Mit dem Ziel der Ermöglichung von Teilhabe, stellt das Freiwilligenmanagement neben der Vermittlung freiwillig Helfender auch eine Schnittstelle zwischen älteren Menschen (und ihren Angehörigen), ehrenamtlichen sowie hauptamtlichen Unterstützungsstrukturen dar.
2. Freiwilliges Engagement beim Seniorenamt
2.1 Engagementfelder
Orientiert an den Bedarfen älterer, in der eigenen Häuslichkeit lebender Menschen werden aktuell vom Seniorenamt Freiwillige in den folgenden Engagementfeldern eingesetzt.
- Häuslicher Besuchsdienst
Der häusliche Besuchsdienst richtet sich an ältere Menschen, die im eigenen Haushalt leben und deren Chancen auf Teilhabe und soziale Kontakte aus verschiedenen Gründen erschwert sind (z.B. aufgrund eingeschränkter Mobilität; physischer und psychischer Erkrankung, Verlust sozialer Kontakte durch Krankheit und Tod nahestehender Personen im persönlichen Umfeld). Die freiwillig Engagierten stellen oftmals für die Zielgruppe den einzigen regelmäßigen sozialen Kontakt dar. Sie sind Gesprächspartner, bieten Begleitung bei Spaziergängen oder Arztbesuchen sowie Hilfe bei kleinen Einkäufen oder Unterstützung bei anderen alltäglichen Anforderungen. Umfang und Häufigkeit der Besuche werden individuell vereinbart. Ergänzend zum Besuchsdienst werden Kontakte auch telefonisch gepflegt, was vor allem in der Zeit der Corona Pandemie wichtig war.
Wichtiger als die zeitliche Dauer von Besuchen ist die Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit des Kontakts. Die Rückmeldungen vieler älterer Menschen zeigen, dass schon mit wenigen Stunden Besuchszeit spürbare Verbesserungen der Lebensqualität und des Wohlbefindens erzielt werden.
- Mitwirkung in stadtteilbezogenen Treffpunkten
Um weniger mobilen alten Menschen, auch über die häuslichen Besuche hinaus, soziale Kontakte zu ermöglichen, bestehen in allen 17 Seniorennetzwerken dezentrale, wohnungsnahe Treffpunkte in Form von sogenannten “Senioren-Stammtischen“ oder Mittagstischen. Sie bieten neben sozialen Kontakten auch Informationen (z.B. Vorträge; Vorstellung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten) sowie präventive und kulturelle Angebote.
Ehrenamtliche wirken bei den Stammtischen mit als Gastgeber/innen, indem sie beispielsweise bewegungseingeschränkte alte Menschen unterstützen, sozial unsichere älteren Menschen in die Gruppe einbeziehen, zur Programmgestaltung beitragen, die Bewirtung übernehmen und mit Kuchenbacken zu den Treffen beitragen.
- Hol- und Bringdienst
Ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind oder Unterstützung benötigen, haben die Möglichkeit, mit Hilfe eines Hol- und Bringdienstes zu den Senioren-Stammtischen und wieder nach Hause gebracht zu werden. Ehrenamtliche übernehmen mit einem Kleinbus des Seniorenamtes den Hol- und Bringdienst für diese Treffen.
Diese Aufgabe erfordert – neben sicheren Fahrfertigkeiten – Sicherheit im Umgang mit körperlich beeinträchtigten älteren Menschen und zudem Geduld, Einfühlungsvermögen, Sensibilität für körperliche Grenzen und Verständnis für die besonderen Belange mobilitätseingeschränkter Älterer. Zudem werden die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer durch die Regelmäßigkeit des Kontakts wichtige Bezugspersonen. Sie wirken motivierend auf die Älteren, an den Stammtischen teilzunehmen. Die Seniorinnen und Senioren erleben den Service und Kontakt mit den freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern als Wertschätzung und wichtige Aufmerksamkeit („jemand kommt extra für mich“). Unaufdringlich bietet die Fahrt Gelegenheit zu sozialem Kontakt und Austausch. Der Hol- und Bringdienst ist damit wesentlich mehr als ein reiner Transportdienst.
- Cafeteria als Begegnungsort im Heilig-Geist-Spital
Der Betrieb der Cafeteria im Treff Heilig-Geist wurde, nachdem der Pächter im Jahr 2020 den Betrieb aufgegeben hatte, im Dezember 2022 wiederaufgenommen. Hierbei liegt seit diesem Zeitpunkt der Schwerpunkt auf der Arbeit mit Ehrenamtlichen. Sie sind ein wichtiger Pfeiler bei der Revitalisierung des Treffs. Die Ehrenamtlichen werden von einer hauptamtlichen Projektleiterin unterstützt, angeleitet und sollen perspektivisch den laufenden Cafeteriabetrieb zunehmend übernehmen. Aktuell hat die Cafeteria an drei Nachmittagen in der Woche geöffnet. Die Cafeteria ist dabei als ein Ort der Begegnung ohne Konsumzwang gedacht und soll auch Raum für Veranstaltungen bieten, z.B. Vorträge oder Konzerte. In Kooperation mit dem “Curatorium Altern Gestalten gGmbH“ bieten Ehrenamtliche des Modellprojekts “Pause von Zuhause“ in der Cafeteria Angebote für Seniorinnen und Senioren mit Assistenzbedarf z.B. für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Ziel ist es, Menschen mit Einschränkungen soziale Teilhabe zu ermöglichen und zugleich Angehörige zu entlasten.
Geplant ist zudem ein regelmäßiges Digital-Café im Rahmen des Projektes “Wege in die digitale Welt für Ältere“. Dort können sich Ältere treffen, die im Alltag bereits ein Smartphone/ Tablet nutzen, sich austauschen und Neues kennenlernen. Ehrenamtliche Digitallotsinnen und -lotsen moderieren die Treffen, geben Anregungen und unterstützen bei Fragen.
- Digitallotsinnen und -lotsen im Projekt „Wege in die digitale Welt für Ältere“
Mit ihrem Engagement bieten ehrenamtliche Digitallotsinnen und -lotsen älteren Menschen Chancen zur digitalen Teilhabe. Für ältere “Off-Liner“, Menschen die bislang kein Internet nutzten, gibt es das Angebot “Erste Schritte mit dem Smartphone/ Tablet im 1:1-Tandem“. In mehreren Treffen vermittelt eine Digitallotsin/ ein Digitallotse den Umgang mit dem Gerät, das Verschicken von Nachrichten oder Fotos und die Anwendung interessanter Apps. In Digital-Sprechstunden beraten und unterstützen Digitallotsinnen und -lotsen Ältere, die bereits ein Smartphone oder Tablet nutzen und konkrete Fragen dazu haben. In Digitalcafés treffen sich Ältere, die schon digital unterwegs sind, sich für Neuigkeiten interessieren und zu Fragen rund um Smartphone und Tablet austauschen möchten. Begleitet und moderiert werden die Digital-Cafés jeweils von mehreren Digitallotsinnen und -lotsen.
Das erforderliche technische Wissen bringen alle Digitallotsinnen und -lotsen mit. Besondere Bedeutung für dieses Ehrenamt haben darüber hinaus die Fähigkeit zur Ermutigung, Einfühlungsvermögen, pädagogisches Geschick, Geduld und nicht zuletzt Humor. Viele ältere Menschen melden nach einem Tandem zurück, wie wichtig für die ersten Schritte in die digitale Welt eine feste Bezugsperson ist, die individuell nach ihrem Lernziel und Tempo das Wissen vermittelt und einübt. Dadurch erschließt sich tatsächlich eine ganz neue Welt mit vielen Möglichkeiten.
2.2 Soziodemografische Daten zum Ehrenamt
Im folgenden Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Menschen sich beim Seniorenamt ehrenamtlich engagieren und welche Seniorinnen und Senioren diese Unterstützung in Anspruch nehmen. Diese Angaben beziehen sich auf den Stichtag 31.3.2023.
Seniorinnen und Senioren, die ehrenamtliche Angebote des Seniorenamtes nutzen:
Bei vielen Angeboten, die durch Ehrenamtliche erbracht oder unterstützt werden, handelt es sich um offene Angebote, z.B. die Senioren-Stammtische, die Begegnungs-Cafeteria im Treff Heilig-Geist oder die Digital-Cafés. Bezogen auf diese niedrigschwelligen Angebote können keine Angaben zu genauen Besucherzahlen, der Alters- oder Geschlechtsverteilung gemacht werden. Bezogen auf den häuslichen Besuchsdienst und die Vermittlung von 1:1-Digital-Tandems ergibt sich folgendes Bild:
Im Rahmen des häuslichen Besuchsdiensts werden aktuell 88 ältere Menschen begleitet und unterstützt, davon waren 90% Frauen (N=79). Die Altersspanne der Besuchten liegt zwischen 55 und 97 Jahren. 39 % (N=34) der Besuchten sind unter 80 Jahre, 21% (N=18) der Besuchten sind zwischen 80 und 84 Jahre und 40% (N=35) sind 85 Jahre und älter. Das Durchschnittsalter liegt bei den Frauen bei 80 Jahren und bei den Männern bei 76 Jahren. Im Projekt „Wege in die digitale Welt für Ältere“ wurden seit dem Projektstart im September 2021 vom Seniorenamt insgesamt 112 Ältere in das Angebot „Erste Schritte mit Smartphone/ Tablet im 1:1-Tandem“ vermittelt, davon waren 79% Frauen und 21%. Männer. Das Alter betrug zwischen 59 und 98 Jahren. Gruppiert nach Alter ergibt sich folgendes Bild: 5% bis 69 Jahre, zwischen 70 und 79 Jahre: 55% und 80 Jahre und älter: 40%.
Freiwillig Engagierte:
Öfter sind Ehrenamtliche in verschiedenen Engagementfeldern aktiv, so dass die Gesamtzahl in den aktiven Tätigkeiten von der Summe der ehrenamtlichen Personen differiert.
| Ehrenamtlich nach Engagementfeldern | ||
|---|---|---|
| Engagementfelder | Anzahl der Ehren- amtlichen | Anteil in % pro Engagementfeld |
| Besuchsdienst | 120 | 55 % |
| Hol-und Bringdienst | 7 | 3 % |
| Mitwirkung in stadtteilbezogenen Treffpunkten | 24 | 11 % |
| Ehrenamtliche in der Cafeteria | 16 | 7 % |
| Digitallotsinnen und -lotsen | 51 | 24 % |
Zusätzlich zu den genannten Ehrenamtlichen gibt es bei den einzelnen Seniorennetzwerken sogenannte „“Mach dich stark-Ehrenamtliche“ in den gleichen Handlungsfeldern (aktuell sind das 73 Ehrenamtliche).1 Für die Aufnahme, Vermittlung und Begleitung dieser Ehrenamtlichen sind die jeweiligen Seniorennetzwerkkoordinatorinnen und -koordinatoren zuständig.
Übergeordnet ist das Freiwilligenmanagement des Seniorenamtes organisatorisch für alle diese Ehrenamtlichen zuständig und übernimmt in diesem Zusammenhang auch für die Seniorennetzwerke folgende Aufgaben: Haftpflicht-und Unfallversicherung, regelmäßige Infopost an die Ehrenamtlichen, monatliche Gruppentreffen und Veranstaltungen der Anerkennungskultur.
Mit der quartiersorientierten Ausrichtung der Seniorenarbeit wurden auch Freiwilligenmanagement und -koordination über die zentrale und stadtweite Funktion hinaus auf die dezentralen Strukturen der Seniorennetzwerke übertragen. So besteht eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Koordinatorinnen und Koordinatoren der Seniorennetzwerke im Hinblick auf
die gegenseitige Vermittlung von ehrenamtlich Interessierten in geeignete Engagement-Felder; Fallbesprechungen zu gemeinsamen Klientinnen und Klienten mit dem Ziel bedarfsgerechter, abgestimmter Hilfen aus dem sozialen Unterstützungsnetzwerk („case management“); gemeinsame Schulungen (z.T. in Kooperation mit dem Zentrum Aktiver Bürger ZAB); Identifizierung, Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer Handlungsfelder.
Insgesamt 270 Frauen und Männer sind beim Seniorenamt und als “Mach dich stark- Ehrenamtliche“ in den Seniorennetzwerken registriert.
73% (N=197) der freiwillig Engagierten sind Frauen. Diese Zahl hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich verändert (2018 waren es noch 80% Frauen). Dies liegt vor allem darin begründet, dass sich viele Männer als Digitallotsen engagieren (N=25). Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Digital- Engagierten (N=51) liegt bei 49%.
Da das Seniorenamt von den “Mach dich stark- Ehrenamtlichen“ aus Datenschutzgründen nur die dringend erforderlichen Daten hat (genaue Daten liegen den jeweiligen Seniorennetzwerken vor), sind diese bei den folgenden Angaben nicht enthalten.
1 2014/2015 wurde mit dem vom Bund geförderten Projekt „Mach Dich stark“ die Grundlage beim Aufbau der quartiersbezogenen Freiwilligenarbeit in verschiedenen Engagement-Feldern in Kooperation der Seniorennetzwerke und des Seniorenamtes erarbeitet.
| Ehrenamtliche des Seniorenamtes | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Alter der Ehrenamtlichen | Frauen | Männer | Insgesamt | |||
| Bis 60 Jahre | 54 | 20 | 74 | |||
| 61-70 Jahre | 31 | 19 | 50 | |||
| 71-80 Jahre | 38 | 17 | 55 | |||
| 81-90 Jahre | 16 | 1 | 17 | |||
| Über 90 Jahre | 1 | 1 | ||||
| Insgesamt | 140 | 57 | 197 |
Die Altersspanne der Ehrenamtlichen liegt zwischen 26 und 92 Jahren. Das Durchschnittsalter bei den Frauen liegt bei 64 Jahren, bei den Männern bei 63 Jahren. Interessant ist auch die Tatsache, dass die mit 92 Jahren älteste Ehrenamtliche (tätig als telefonische Begleitung für drei ältere Menschen) gleichzeitig auch besuchte Seniorin ist. Auch diese Doppelrolle (ehrenamtlich tätig und gleichzeitig Unterstützung erhaltend) wird vermutlich künftig zunehmen, da es gerade Ehrenamtlichen leichter fällt, Unterstützung anzunehmen, wenn sie auch noch etwas an Unterstützung geben können. Das Durchschnittsalter der im Digitalbereich Engagierten ist mit 58 Jahren deutlich niedriger und liegt bei den Digitallotsinnen bei 52 Jahren und bei den Digitallosten bei 63 Jahren. Ohne die noch relativ neuen Handlungsfelder der Digital-Engagierten und der Ehrenamtlichen in der Cafeteria beträgt die durchschnittliche Dauer des Engagements neun Jahre; 23% dieser Ehrenamtlichen sind seit mehr als 10 Jahren engagiert. Das zeigt einerseits die hohe Verbindlichkeit und Treue zum Seniorenamt vor allem der älteren Ehrenamtlichen und andererseits die große Zufriedenheit mit der Tätigkeit und der Organisation. Gerade in der Zeit der Corona Pandemie war diese Beständigkeit etwas Besonderes. Ca 10 % der aktuell aktiven Ehrenamtlichen sind bereits über 80 Jahre alt. In den kommenden Jahren werden diese Ehrenamtlichen zunehmend ihr Engagement einschränken oder beenden und möglicherweise selbst Hilfe benötigen.
Eine besondere Herausforderung besteht im Management der Fluktuation in der Gruppe der ehrenamtlich Engagierten. Der zahlenmäßige Umfang bewegt sich zwischen durchschnittlich 21 beendeten Engagements pro Jahr und durchschnittlich 24 neu begonnenen Engagements.
So wird z.T. das Engagement aus unterschiedlichsten Gründen nach einiger Zeit wieder beendet, wie beispielsweise wegen Umzugs, zeitlicher Probleme durch Verpflichtungen in Familie, Beruf oder Studium, eigener Krankheit, wegen eines anderen freiwilligen Engagements oder anderer persönlicher Gründe. Andererseits kommen neue Interessentinnen und Interessenten für ein Ehrenamt hinzu. Deshalb müssen in diesen Fällen bereits laufende Besuchskontakte mit alten Menschen und damit Vertrauen bei den besuchten Seniorinnen und Senioren zu Ehrenamtlichen neu aufgebaut werden. Zudem ist es wichtig, für neu hinzukommende ehrenamtlich Engagierte möglichst zeitnah Tätigkeiten zu vermitteln, um das Interesse daran zu bewahren.
Die Zahl der Neuvermittlungen liegt mit jährlich durchschnittlich rund 70 neuen Vermittlungen (jährliche Spanne 56 - 80) zwischen Ehrenamtlichen und älteren Menschen höher, als es der reine zahlenmäßige „Ausgleich“ zwischen beendeten und neu beginnenden Engagements erwarten lässt. Grund hierfür ist, dass sich auch für bereits engagierte Menschen oder bei bereits besuchten Älteren immer wieder Veränderungen ergeben können. So werden aktive Ehrenamtliche nach dem Tod eines älteren Menschen wieder in einen neuen Besuchskontakt vermittelt, wobei sie z.T. zunächst für eine gewisse Zeit pausieren. Sie erhalten außerdem das Angebot zu einem gemeinsamen Rückblick auf die
Zeit der Begleitung, was dazu beiträgt, sich noch einmal innerlich von dem Menschen zu verabschieden und sich dann auf eine neue Person einzulassen. Aus anderen Gründen (z.B. eigener Krankheit) pausierende Ehrenamtliche werden ebenfalls später wieder aktiv.
Stellt sich nach den ersten Kontakten heraus, dass die ehrenamtlich tätige Person und der alte Mensch keine positive Beziehung aufbauen können, oder treten im Laufe der Besuche unlösbare Konflikte auf, so werden bei Bedarf für beide Seiten neue Kontakte aufgebaut.
Hinzu kommt, dass bei älteren Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf teils zwei ehrenamtliche Helfer/innen tätig sind (z.B. vorübergehend in besonderen Situationen oder bei längerer Krankheit/Urlaub eines Ehrenamtlichen). Aktuell ist das bei neun älteren Menschen der Fall, die Tendenz ist steigend. Vor allem junge Ehrenamtliche möchten oder können aufgrund ihrer Lebens-situation keine durchgehend verpflichtenden verantwortlichen Tätigkeiten übernehmen, weshalb eine Tandem-Begleitung für sie das ehrenamtliche Engagement erleichtert oder überhaupt ermöglicht.
Die Freiwilligenkoordination ist somit eine hochgradig dynamische Aufgabe, was durch statistische Kennzahlen alleine nicht ausreichend abgebildet werden kann.
Kultureller Hintergrund der Ehrenamtlichen
Freiwilliges Engagement kann zu gesellschaftlicher Inklusion beitragen. In der Gruppe der Ehrenamtlichen wirken viele Engagierte, die neben Deutsch weitere Sprachkenntnisse einbringen können. Aktuell handelt es sich um folgende Sprachen:
Arabisch, aserbaidschanisch, armenisch, bulgarisch, chinesisch, englisch, estnisch, finnisch, französisch, griechisch, hindi, italienisch, kroatisch, polnisch, rumänisch, russisch, spanisch, tschechisch, türkisch, ungarisch, vietnamesisch.
Damit können ehrenamtliche Hilfen auch für ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unterschiedlichster Herkunft angeboten werden. Ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind allerdings häufig noch stärker in der ethnischen Community ihres Herkunftslandes verwurzelt, so dass von dieser Seite die ehrenamtlichen Angebote des Seniorenamtes weniger nachgefragt werden (Tendenz steigend).
Bereits beim Aufnahmegespräch mit neuen Ehrenamtlichen wird die Haltung des Seniorenamtes thematisiert und unser Selbstverständnis verdeutlicht, dass wir allen Menschen mit Respekt und Achtung begegnen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Weltanschauung oder sexueller Identität. Es wird besprochen, dass die ehrenamtliche Tätigkeit beim Seniorenamt nicht dazu dienen darf, weltanschauliche, politische oder religiöse Einstellungen zu verbreiten. Demokratiefeindliche Ansichten haben in unserer Arbeit keinen Platz. Dies gilt auch für die älteren Menschen. Sollte es bei diesen Themen Gesprächsbedarf geben, ist die Freiwilligenkoordinatorin Ansprechpartnerin.
Bei besonderen Bedarfen, die nicht über Ehrenamtliche des Seniorenamtes abgedeckt werden können, wird Kontakt zu dem entsprechenden Seniorennetzwerk und/oder anderen stadtteilübergreifenden Akteuren (z.B. Hehani, AWO, evangelische Familienbildungsstätte) aufgenommen, um geeignete Unterstützungsmöglichkeiten zu vermitteln.
- Freiwilligenmanagement des Seniorenamts an der Schnittstelle zu quartiersorientierter Senio-
renarbeit
Mit dem gesellschaftlichen und demografischen Wandel hat sich die Arbeit mit freiwillig engagierten Menschen weiterentwickelt. Sowohl im Bereich der Vermittlung von Freiwilligen als Helferinnen und Helfer für alte Menschen (Freiwilligenkoordination) als auch bei der Umsetzung strategischer Ziele wie z.B. der Konsolidierung oder Steigerung der Anzahl von Engagierten, der Akquise von Freiwilligen, der Qualitätssicherung oder der Anerkennungskultur (Freiwilligenmanagement) 2 ergeben sich neue Herausforderungen (z.B. stärker individualisiertes Engagement; projektbezogenes, befristetes Engagement in wechselnden Handlungsfeldern; Gemeinschaft und Selbstverwirklichung als Motive neben Altruismus).
Das Freiwilligenmanagement ist in die strategische Ausrichtung des Seniorenamts einbezogen. Mit der verstärkten quartiers- und netzwerkorientierten Ausrichtung ergeben sich Kooperationen und Vernetzungen mit einer Vielzahl zentraler und dezentraler, formaler und informeller Hilfestrukturen. Das damit entstehende komplexe Handlungsfeld ist in der folgenden Abbildung 1 dargestellt. Sie spiegelt die vielfältigen Kommunikationsbeziehungen der hauptamtlichen Freiwilligenarbeit im Seniorenamt wider, innerhalb derer die Vermittlung von freiwilligen Helferinnen und Helfern an alte Menschen geschieht.
Gleichzeitig macht die Übersicht deutlich, dass die Arbeit mit Freiwilligen in den verschiedenen Engagements-Feldern in vielfältiger Weise und über die eigentliche Ehrenamtsvermittlung hinaus in die Seniorenarbeit eingebunden ist und einen wesentlichen Baustein in einem stark differenzierten und vernetzten System darstellt.
2 Unterscheidung von Freiwilligenkoordination und -management in Anlehnung an: Reifenhäuser, C., Reifenhäuser, O. (2013). Praxishandbuch Freiwilligenmanagement. Weinheim und Basel: Beltz Juventa, S. 21f. Im Folgenden wird nicht nach den idealtypischen Ebenen von Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination unterschieden, sondern generell von Freiwilligenmanagement gesprochen.
Abbildung 1: Freiwilligenmanagement in der quartiersbezogenen Seniorenarbeit
Freiwilligenmanagement des Seniorenamtes
Ehrenamtliche
(EA)
„Dritte“, z.B.
Angehörige,
Betreuer
Andere Organisati-
onen und Einrich-
tungen
SenA/2 intern Senioren Öffentlichkeit Arbeitskreise und andere Träger
-
- Akquise EA Arbeitskreise:
-
- Werbung Netzwerk Engagementförderung,
z.B. SFD, Pflegestützpunkt,
- Aufnahmegespräch - „Anamnese“ Engagement FÜR Senior:innen,
Angehörigenberatung,
- Vermittlung - Vertrauensperson Warmstart ins aktive Alter (ent-
Fachberatungsstellen, Kri-
- Konfliktmanagement (Lotsen-und Vermitt- standen im Rahmen der Vereins-
sendienst, Pflegedienste,
Seniorennetzwerk-
Koordinatorinnen
- Schulungen, Austausch lungsfunktion) und Ehrenamtsakademie)
Kliniken Reha-Einrichtun-
- fachliche Begleitung und - Vermittlung EA Zusammenarbeit mit anderen
gen, SpdI Beratung -Konfliktmanagement Trägern: z.B. Curatorium Altern
-
Anerkennungskultur -Qualitätsmanagement gestalten, ZAB, Nüst, Stabstelle
-
Qualitätsmanagement Bürgerschaftliches Engagement
Dezentralisierung des Eh- Fallmanagement, re namts bei Bedarf Verweisz.B. Projekt „Mach dich struktur zur Vermittstark“ (Anlaufstellen für äl- lung von Senior*innen fachlicher Austausch, tere Menschen); an andere unterstüt- Vernetzung und Ko- Zusammenarbeit mit quar- zende Dienste operationen tiersorientierten Seniorennetzwerken
Deutlich erkennbar sind die Verflechtungen auf verschiedenen Arbeitsebenen und mit unterschiedlichen Partnerorganisationen. Somit stellt sich Freiwilligenmanagement als sehr differenziertes Handlungsfeld mit hohen Anforderungen zur Erreichung der Ziele für verschiedene Zielgruppen dar.
4. Inhaltliche Anforderungen und Zielsetzungen im Freiwilligenmanagement
Im Folgenden werden die Anforderungen und Handlungsfelder zunächst in der perspektivischen Ausrichtung auf die Zielgruppe der Älteren dargestellt. Tabelle 1: Anforderungen und Handlungsfelder des Freiwilligenmanagements bezogen auf die Zielgruppe der älteren Menschen
| Anforderungen an das | Besondere Lebenslagen von Se- nior*innen | Ziele | |
|---|---|---|---|
| Freiwilligenmanagement | |||
| Förderung/ Unterstützung von sozialer Teilhabe und Selbstbestimmung | alleinlebend, einsam kaum/ keine sozialen Kontakte kein soziales Netzwerk | Besuchskontakte steigern die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe Einsamkeit reduzieren und Gemeinschaft ermöglichen (z.B. Senioren-Stammtische) Bewältigung alltägliche Anforderungen | |
| Unterstützung in belas-ten- den Lebenssituationen | individuelle Belastungen, Kri- sen, Schwierigkeiten | Freiwilligenmanagement und Besuchsdienst als „Halt“ Vertrauen und Sicherheit, dass es trotz zunächst ausstehender Lösung, Unterstützung gibt | |
| „Seismografen-Funktion“ | belastete Lebenssituationen, Beeinträchtigungen der Mobi- lität und Selbständigkeit, erschwerender Gesundheits- zustand | rechtzeitiges Erkennen von möglichen Problemlagen (Hausbesuche durch Ehrenamtliche / Freiwil- ligenmanager*in) Aufbau eines sozialen Netzwerkes durch Ehrenamt und Freiwilligenmanagement „Anlaufstelle“ für Senior*innen, ggf. Nutzung niedrigschwelliger und interdisziplinärer Hilfen durch hauptamtliches Unterstützungssystem Schlüsselfunktion der Ehrenamtlichen für ältere Menschen | |
| Stärkung von Inklusion/ se- kundäre Prävention | mit Zuwanderungsgeschichte | Teilhabe durch Abbau von sprachlichen und kulturellen Barrieren Einbeziehung in soziale Gemeinschaft Möglichkeiten für Mitwirkung und die Ausübung eines Engagements | |
| mit geringen finanziellen Res- sourcen; | niedrigschwellige, kostenfreie Chancen für soziale Teilhabe (z. B. Hausbesuche von Ehrenamtli- chen, Besuch von ehrenamtlich gestützten „Seniorenstammtischen“) | ||
| psychische Erkrankung/ Sucht- problematik | Aufbau und Stabilisierung sozialer Kontakte Anerkennung und Akzeptanz für Ältere mit erhöhtem Risiko für Belastungen (z.B. Ängste, Depres- sionen, Suchtproblematik) Vernetzung / Nutzung interdisziplinärer Synergien für psychisch belastete Ältere | ||
| Konfliktmanagement | Ältere Menschen und deren Bezugspersonen | Unterstützung bei (innerfamiliären) Konflikten ggfs. Weitervermittlung an unterstützende/ entlastende Angebote/ Fachstellen Unterstützung/ Hilfe durch Ehrenamtliche | |
| Ältere Menschen und Ehren- amtliche | Klärung des „Auftrags“ der ehrenamtlichen Unterstützung (z.B. Aufgaben, Grenzen, Bedürfnisse) Freiwilligenmanagerin als „Mediatorin“ bei Schwierigkeiten innerhalb der Unterstützung |
Besondere Lebenslagen von Se-
nior*innen
Wird die Perspektive auf die ehrenamtlich Engagierten bzw. auf die an einem Engagement Interessierten gerichtet, stehen folgende Handlungsfelder, Ziele und Anforderungen im Fokus des Freiwilligenmanagements (s. Tabelle 2):
Tabelle 2: Anforderungen und Handlungsfelder des Freiwilligenmanagements bezogen auf die Zielgruppe der Ehrenamtlichen
| Anforderungen an das Freiwilligenmanagement | Besondere (Lebens-)lagen von | Ziele | |
|---|---|---|---|
| Ehrenamtlichen | |||
| Möglichkeitsstrukturen für ältere Ehrenamtliche gestalten und Inklusion unterstützen | Ältere freiwillig Engagierte im Übergang in neue Lebens- phasen (z. B. Rente) Ältere freiwillige Engagierte in belasteten Lebenslagen | Organisation von Handlungsfeldern des freiwilligen Engagements bis ins hohe Alter Gestaltung eines Lern- und Erfahrungsfelds (z.B. Kompetenzentwickelung, Austausch, persön- liche Weiterentwicklung) Mitwirkung im Ehrenamt trotz geringer finanzieller Mittel ermöglichen und soziale Teilhabe sichern Wertschätzung und soziale Teilhabe durch die Ausübung eines Ehrenamts trotz psychischer Belastungen (z.B. Depressionen) | |
| Generationenverbindende Kontakte ermöglichen | Jüngere freiwillig Engagierte | Erfahrungsaustausch unterschiedlicher Generationen ermöglichen Verständnis für die Bedürfnisse älterer Menschen stärken Gewinnung von Jüngeren für ehrenamtliches Engagement | |
| Fachliche Unterstützung bei herausfordernden Si- tuationen und Konflikten | Begleitung belasteter Se- nior*innen Persönliche Grenzerfahrun- gen Unklare Situationen bei der Begleitung Fachlich herausfordernde Si- tuationen | fachliche Begleitung durch die Freiwilligenmanagerin für den Umgang mit besonderen Anfor- derungen (z. B. Krankheit, Trauer, Armut, Einsamkeit, psychische Belastungen, Suizidalität) Unterstützung bei Konflikten, persönlicher Überforderung, „Grenzüberschreitungen“ inner- halb des Ehrenamts Klare Auftragsklärung des freiwilligen Engagements (z.B. Aufgaben, Rollen, Grenzen, Entlas- tungsmöglichkeiten, weiterem Unterstützungsbedarf) fachliche Begleitung durch die Freiwilligenmanagerin und Initiierung des Austauschs der Eh- renamtlichen untereinander zum Finden guter, praktikabler Lösungen. |
Anforderungen an das
Freiwilligenmanagement
Die beiden Übersichten vermitteln die Komplexität des Freiwilligenmanagements und die verschiedenen Aspekte, die im Hinblick auf die beiden Zielgruppen eine Rolle spielen können und berücksichtigt werden sollten, deutlich.
5. Qualitätssicherung
Die Qualitätssicherung im Freiwilligenmanagement erfolgt auf verschiedenen Handlungsebenen. Im Folgenden wird dies im Hinblick auf die Akquise, Vermittlung und Begleitung der Freiwilligen sowie Schulungen und Erfahrungsaustausch, Anerkennungskultur und Freiwilligenbefragungen dargestellt.
5.1 Akquise, Vermittlung und fachliche Begleitung der Freiwilligen
Die Gewinnung freiwillig Engagierter geschieht über verschiedene Wege. Neben Flyern für die verschiedenen Engagement-Felder, die öffentlich ausliegen, wurde in den letzten Jahren bei der Freiwilligenmesse am Tag der offenen Tür der Stadt Nürnberg und 2022 erstmalig bei der dezentralen Freiwilligenmesse im Rahmen der Nürnberger Stadtverführungen über die Möglichkeiten des freiwilligen Engagements informiert. Darüber hinaus sind die verschiedenen Engagement-Felder u.a. in der Datenbank “Bürgernetz“ des Zentrums Aktiver Bürger eingestellt und werden auf der Homepage des Seniorenamtes ausführlich beschrieben. Neben der Akquise gehört das ausführliche Erstgespräch zum Tätigkeitsfeld der Freiwilligenmanagerin. Hier wird u. a. abgeklärt, ob die möglichen Engagement-Felder die persönlichen Interessen der potenziellen Freiwilligen ansprechen, die individuellen Kompetenzen in die Arbeit mit Älteren eingebracht werden können und ob die Offenheit sowie Bereitschaft besteht, sich mit den besonderen Anforderungen und Belangen älterer und möglicherweise hilfebedürftiger Menschen auseinanderzusetzen. Die Ehrenamtlichen erhalten schriftliche Informationen zu den Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen Tätigkeit, zur Schweigepflicht, zum Leitbild und zum Datenschutz. Die Freiwilligenmanagerin stellt bereits bei der Aufnahme neben organisatorischen Aspekten die persönlichen Interessen und Vorstellungen der Interessierten in den Mittelpunkt. Bei der Vermittlung im Besuchsdienst ist eine geeignete Passung von freiwillig Engagiertem und älteren Menschen entscheidend für den Erfolg. Im Vorfeld finden daher stets Hausbesuche bei den Seniorinnen und Senioren statt, um einen umfassenden Eindruck der Person, ihrer Bedürfnisse und Wünsche zu erhalten. So können sowohl die Belange der Ehrenamtlichen als auch der Seniorinnen und Senioren Beachtung finden, was Voraussetzung für eine möglichst stabile und vertrauensvolle Unterstützungssituation ist. Zu einem gelungenen Start trägt auch bei, dass das erste Zusammentreffen stets als von der Freiwilligenmanagerin begleiteter Hausbesuch stattfindet.
Fachliche Begleitung ehrenamtlicher Hilfen Das Ausüben eines Ehrenamts setzt bei den Ehrenamtlichen persönliche Fähigkeiten (wie Empathie, Geduld, sich einlassen auf die Besonderheiten des Menschen) voraus und erfordert sowohl auf Seiten der Ehrenamtlichen als auch bei den Seniorinnen und Senioren ein solides Vertrauensverhältnis. Durch eine adäquate fachliche Begleitung, werden möglicherweise auftretende Schwierigkeiten, Überforderungen, Missverständnisse oder Konflikte im Kontakt zwischen Freiwilligen und älteren Menschen frühzeitig erkannt. Folglich kann das Freiwilligenmanagement unterstützend und lösungsorientiert einwirken. Auch eine wertschätzende Beendigung des Kontakts kann infolgedessen in Frage kommen. Der kontinuierliche, vertrauensvolle Kontakt zu den Ehrenamtlichen und Seniorinnen und Senioren ist daher unabdingbar und geht weit über den reinen Vermittlungsprozess hinaus. Die Vernetzung mit anderen, spezialisierten Diensten ist daher wichtig und hilfreich.
Beendigung des freiwilligen Engagements Die ehrenamtliche Tätigkeit kann jederzeit sowohl durch die Ehrenamtlichen als auch durch die Unterstützten beendet werden. Es besteht keine formale Verpflichtung. Die wesentliche Aufgabe des Freiwilligenmanagements besteht darin, diesen Prozess im Sinne aller Beteiligten zu begleiten und ggf. eine neue Vermittlung anzuregen. Für die freiwillig Engagierten kann in einem Abschlussgespräch eine Reflexion des persönlichen Engagements erfolgen. Die ausdrückliche Würdigung sowie der Dank, wird durch ein persönliches Schreiben des Seniorenamtes zum Ausdruck gebracht. Bei Bedarf ist zudem eine schriftliche Bestätigung über die ehrenamtliche Tätigkeit möglich, die etwa im Rahmen von Bewerbungen um Arbeitsstellen sinnvoll sein kann.
5.2 Erfahrungsaustausch und fachlicher Input
Ehrenamtlich geleistete Begleitung und Unterstützung älterer Menschen in deren diversen Lebenslagen, stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Diese und auch die damit einhergehenden Herausforderungen (s. Tabelle 1), bedürfen Fortbildungen, um sich dabei sicher zu fühlen. Ferner stellen Schulungen aber auch eine Form der Anerkennung für Ehrenamtliche dar. Regelmäßige Gruppentreffen dienen dem Erfahrungsaustausch und der Reflexion des eigenen Handelns. Die fachliche Moderation übernimmt hierbei die Freiwilligenmanagerin. Eine Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls sowie der sozialen Integration der Freiwilligen selbst, wird hier ebenso erlangt. Neben fallbezogenen Einzelgesprächen wird regelmäßig ein fachlicher Input angeboten. Das Themenspektrum erstreckt sich dabei u. a. von Formen der Gesprächsführung, dem sicheren Umgang mit körperlichen Beeinträchtigungen und Hilfsmitteln, Erste Hilfe bis hin zu rechtlichen Fragen und dient darüber hinaus der Qualitätssicherung. Bezogen auf die jeweiligen Engagementfelder gibt es Termine zu spezifischen Themen, z.B. im Hol- und Bringdienst wird ein Fahrsicherheitstraining in Kooperation mit dem Stadtseniorenrat und der Verkehrspolizeiinspektion, angeboten. Für Digitallotsinnen und -lotsen gibt es spezielle Austauschtreffen, in denen je nach Bedarf z.B. konkrete Fragen bei der Vermittlung digitaler Inhalte an Seniorinnen und Senioren, die Ausgestaltung verschiedener Angebotsbausteine oder das Einrichten der Leihgeräte stehen. Zudem werden mindestens vier Rund-Mails pro Jahr versandt, in denen wichtige Informationen und weiterführende Hinweise enthalten sind.
5.3 Anerkennungskultur
Wertschätzende Anerkennung ist ein zentrales Element des Freiwilligenmanagements. Neben den formalen Anerkennungsmöglichkeiten (z.B. Ehrenurkunden, Geburtstagskarten) ist diese in eine authentische sowie wertschätzende und von den Hauptamtlichen getragene und gelebte Kultur der Freiwilligenarbeit integriert. Beispielhaft sind hier der jährliche Ausflug, Spaziergänge in den verschiedenen Stadtteilen, der sogenannte “laufende Austausch“ sowie die Weihnachtsfeier zu nennen. Langjährig tätige Ehrenamtliche erhalten eine Ehrung mit einer Urkunde und einem Strauß als Dankeschön. Der kontinuierliche persönliche Kontakt, außerhalb dieser Veranstaltungen, die fachliche Begleitung und die Schulungsangebote werden in diesem Kontext ebenfalls als Anerkennung für das Engagement verstanden. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Freiwilligenmanagements wird im Oktober 2023 eine Feier für alle Ehrenamtlichen ausgerichtet.
5.4 Freiwilligenbefragung
Im zweijährigen Rhythmus werden alle Engagierten im Rahmen der Qualitätssicherung wahlweise schriftlich auf postalischem Weg, als auch per Onlinebefragung zu ihrem Engagement befragt. Die Zufriedenheit mit der Freiwilligenkoordination, der fachlichen Begleitung, der Schulungen, Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und der Anerkennungskultur werden hier besonders ins Auge gefasst. Die
Rücklaufquote lag bei der letzten Befragung mit 37% deutlich höher als in den Jahren zuvor (97 Rücksendungen von 264 angeschriebenen Ehrenamtlichen). Die Anfang 2023 (erstmalig auch als Onlinebefragung angeboten) durchgeführte Befragung, ergab zusammenfassend, dass die meisten Ehrenamtlichen mit ihrem Engagement allgemein mit den Gruppentreffen und den Angeboten der Anerkennungskultur sowie mit der fachlichen Begleitung und Unterstützung zufrieden bis sehr zufrieden sind. Ehrenamtliche sind durch die Befragung in die Weiterentwicklung des Freiwilligenmanagements miteinbezogen, indem kontinuierlich Rückmeldungen in den einzelnen Bereichen abgefragt werden. Durch diese Evaluation kann nach Möglichkeit eine Anpassung von Angeboten oder Inhalten an die Bedürfnisse der Ehrenamtlichen erfolgen.
Insgesamt ergibt sich daraus eine sehr hoch bewertete Qualität in Bezug auf das Freiwilligenmanage-
ment.
6. Fazit und Ausblick
Der vorliegende Bericht stellt die wichtige und aufwändige Arbeit in dem Bereich Ehrenamtsmanagement des Seniorenamtes dar und verdeutlicht eindrücklich: Ehrenamt braucht hauptamtliche Koordination. In den vergangenen 40 Jahren haben sich sowohl die Bedarfe älterer Menschen als auch die, der ehrenamtlich Engagierten verändert und damit auch die Anforderungen an das Ehrenamtsmanagement. Verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen werden sich künftig in den Anforderungen an ein zeitgemäßes Ehrenamtsmanagement niederschlagen und können schlaglichtartig wie folgt benannt werden:
Bereits seit einigen Jahren ist ein Strukturwandel des Ehrenamts zu beobachten vom traditionellen Ehrenamt hin zum sogenannten „neuen Ehrenamt“, das eher kurzfristig und projektbezogen ist. Dies hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf das Ehrenamtsmanagement im Seniorenamt, z.B. durch vermehrten Aufwand für die Akquise neuer Ehrenamtlicher und deren Vermittlung. Aber auch im Bereich der Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements müssen immer wieder neue Formen entwickelt werden, um alle Engagierten – auch Jüngere und Berufstätige - wertzuschätzen und für ein dauerhaftes Engagement zu gewinnen und zu halten.
Aufgrund der demografischen Entwicklung werden immer mehr ältere Menschen eine psychische Erkrankung oder Beeinträchtigung haben. Diese benötigen eine besondere Unterstützung. Die Ehrenamtlichen, die diese Personen unterstützen, brauchen eine spezielle Begleitung. Das Seniorenamt greift diese Entwicklung auf und plant Schulungen für die Ehrenamtlichen, u.a. in Zusammenarbeit mit sozialpädagogischen Fachdiensten.
Begegnungsräume ohne Konsumzwang wie die Cafeteria Heilig-Geist sind ein wichtiger Baustein, um der zunehmenden Vereinsamung Älterer entgegenzuwirken. Sie unterstützen die gesellschaftliche Teilhabemöglichkeit von Älteren und wirken inklusiv für Personengruppen mit physischen und psychischen Einschränkungen. Ein solcher Ort kann nur durch den Einsatz von Ehrenamtlichen bereitgestellt und bespielt werden. Das Engagement der Ehrenamtlichen bedarf einer hautamtlichen Koordination, die den Freiwilligen-Einsatz laufend begleitet, weiter ausbaut und verstetigt.
Das Engagement der Digital-Engagierten findet in enger Zusammenarbeit und abgestimmt mit den Seniorennetzwerken statt. Perspektivisch wäre es auch im Sinne einer Verstetigung
der Angebote vielversprechend, die Ehrenamtlichen direkt bei den Koordinatorinnen und Koordinatoren der Seniorennetzwerke anzusiedeln. Das Seniorenamt könnte weiterhin als zentraler Ansprechpartner sowie für übergeordnete Funktionen wie die Akquise neuer Digitallotsinnen und -lotsen, die Organisation von Austauschtreffen und die Weitergabe von Informationen fungieren.
Der Mangel an Pflegekräften ist schon jetzt ein großes Thema und wird sich zunehmend verstärken. Die häusliche Pflege wird demzufolge noch mehr an Bedeutung gewinnen. Der ehrenamtliche Besuchsdienst wird hier zunehmend wichtiger, im Sinne einer Entlastungsfunktion für pflegende Zugehörige. Auch Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement das präventiv wirkt, wird zunehmend wichtiger werden, damit Menschen lange eingebunden und gesund im gewohnten Lebensumfeld alt werden können.
Es stellt sich die Frage, ob künftig Ehrenamtliche des Seniorenamtes in Pflegeheime vermittelt werden sollten, um dort lebenden Seniorinnen und Senioren soziale Teilhabe über die Grenzen der Einrichtung hinaus, besser zu ermöglichen. Voraussetzung ist hier die Bereitschaft der stationären Einrichtungen das Engagement zu ermöglichen und zu begleiten.
Die Stärkung des Ehrenamts und das dazugehörige hauptamtliche Freiwilligenmanagement ist eine gesellschaftliche Herausforderung der Daseinsvorsorge, nicht nur für die Kommunen. Auch Bund und Länder werden zukünftig in diesem Bereich unterstützen müssen. Die Akquise von Fördermitteln für Ehrenamtsprojekte könnte künftig eine wichtige Aufgabe des Seniorenamts werden, um ehrenamtliches Engagement für und von älteren Menschen in Nürnberg weiterzuentwickeln.
SHA/005/2023
Beratung Datum Behandlung Ziel
Sozialausschuss 04.05.2023 öffentlich Bericht
Betreff:
Update: Wohngeldreform 2023
Bericht:
In der Sitzung berichtet das Sozialamt über den aktuellen Stand der Umsetzung der Wohngeldreform 2023.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
Stadt Nürnberg Berichtsvorlage SHA/005/2023
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von 26,5 Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Leistungen nach dem WoGG sind geeignet, Benachteiligungen unterschiedlicher Gruppen auszugleichen.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Stadt Nürnberg Berichtsvorlage SHA/005/2023