Sachverhalt
Beratung zum Thema Klimaneutralität und Gebäudesanierung
Bezug
Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 6. Februar 2023
- Hintergrund:
Am 18.05.2022 hat der Nürnberger Stadtrat beschlossen die Klimaneutralität der Gesamtstadt bis spätestens zum Jahr 2040 zu erreichen. Für diese Zielerreichung stellen die Treibhausgasemissionen im Bereich Wohnen einen wichtigen Baustein dar und es ist unbedingt notwendig, die Energieverbräuche in diesem Sektor zu reduzieren. Die Stadt Nürnberg hat hierbei zwar keine gesetzliche Handhabe, kann aber mit Beratungsangeboten entsprechende Impulse für eine Gebäudesanierung bei den Bürgerinnen und Bürgern setzen.
Im Antrag der CSU-Fraktion vom 06.02.2023 wird nun vorgeschlagen für sanierungswillige Gebäudebesitzende ein festes Beratungszentrum zu errichten. Wie im Antrag beschrieben, gibt es bereits unterschiedliche Beratungsangebote zur energetischen Gebäudesanierung sowie zum Einsatz von erneuerbaren Energien. Diese vorhandenen Beratungsangebote werden den Bürgerinnen und Bürgern in verschiedenen Kooperationen angeboten und sehr intensiv in Anspruch genommen
Beratungsangebot SAMS zur energetischen Sanierung des Referates für Umwelt und Gesundheit: Hierbei werden Wohngebäudebesitzende qualifiziert, individuell, produkt- und herstellerunabhängig beraten. Die Ratsuchenden erhalten einen Überblick über mögliche Sanierungsmaßnahmen, energetische Konsequenzen, Fördermöglichkeiten, rechtliche Grundlagen und können auf dieser Basis weitere Schritte planen, die ihren Altbau fit für die Zukunft machen. Früher wurden die Beratungen im Dienstleistungszentrum Bau (DLZ Bau) durchgeführt. Nach Schließung des DLZ im Jahr 2022 finden diese heute in der Regel online statt.
Veranstaltungsreihe zur Energetischen Gebäudesanierung in Kooperation mit dem Bildungszentrum, der Stiftung Stadtökologie und dem Referat für Umwelt und Gesundheit In dieser Veranstaltungsreihe werden die Bürgerinnen und Bürger über verschiedene Themenbereiche rund um die energetische Gebäudesanierung und den Einsatz von erneuerbaren Energien informiert.
Angebote zu kostenfreien Heizungschecks und Gebäude-Energie-Checks in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Bayern und dem Referat für Umwelt und Gesundheit Die Verbraucherzentrale Bayern bietet mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz u.a. Heizungschecks und Gebäude-Energie-Checks an. Hierbei muss die Bürgerin oder der Bürger einen Eigenanteil von 30 Euro aufbringen. In den regelmäßigen gemeinsamen Sonderaktionen werden eine vorab definierte Anzahl an Beratungen angeboten, wobei das Referat für Umwelt und Gesundheit den Eigenanteil der Bürgerinnen und Bürger übernimmt.
Stadtteilaktionen zur energetischen Gebäudesanierung in Kooperation mit der Stiftung Stadtökologie, der N-ERGIE AG, der Verbraucherzentrale Bayern sowie dem Referat für Umwelt und Gesundheit Bei diesem Format werden regelmäßig die Stadtteile besucht und im Rahmen eines Themenabends Energie über die Möglichkeiten der energetischen Gebäudesanierung und Heizungserneuerung, den Einsatz von Solarenergie sowie über Fördermöglichkeiten berichtet. Zusätzlich werden in einem Sonderprogramm in den jeweiligen Stadtteilen kostenfreie Impulsberatungen in Kooperation mit der Verbraucherzentrale angeboten.
ESP-Projekt (Energiesparprojekt des Sozialamtes in Kooperation mit der N-ERGIE AG für Einkommensschwache Haushalte) Mit dem EnergieSparProjekt der Stadt Nürnberg bietet das Amt für Existenzsicherung und soziale Integration ein kostenloses Beratungsangebot, das Leistungsempfangende und Geringverdienende beim Thema Energiesparen unterstützt. Seit 2009 beraten Fachleute aus dem Bereich Bau, Umwelt und Technik einkommensschwache Haushalte zum sparsamen und wirtschaftlichen Umgang mit Energie.
Energie- und Umweltberatung der N‑ERGIE Die Energie- und Umweltberatung der N-ERGIE informiert auf Veranstaltungen und berät persönlich und individuell, wie durch geeignete Sanierungsmaßnahmen Energie eingespart werden und somit einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet werden kann.
Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern Die Verbraucherzentrale Bayern gibt unabhängig und kompetent Tipps zu allen Fragen rund ums Energiesparen. Die Experten helfen, erneuerbare Energien im Haushalt zu nutzen und Fördermittel für die Sanierung Ihres Hauses zu erhalten.
Das Angebot richtet sich an Mieter, private Haus- oder Wohnungseigentümer, private Vermieter, Bauherren. Der Schwerpunkt der Beratungen liegt bei den Beratungsthemen Strom sparen, Wechsel des Energieversorgers, Heizen und Lüften, baulicher Wärme- und Hitzeschutz, Heizungs- und Regelungstechnik, Erneuerbare Energien (Solarenergie, Wärmepumpen), Förderprogramme und alle weiteren Themen des privaten Energieverbrauchs.
Solarinitiative Nürnberg des Referates für Umwelt und Gesundheit Die Solarinitiative Nürnberg bietet Beratungen und Dienstleistungen zur aktiven Nutzung der Sonnenenergie. Sie informiert Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu Solarstrom und Solarwärme, initiiert Solarprojekte im Stadtgebiet und unterstützt Akteure vor Ort bei der Suche von Objekten und geeigneter Partner. Zusätzlich führt die Solarinitiative jährlich mindestens zwei öffentliche Infoveranstaltungen durch. Und auf der Homepage www.solarinitiative.nuernberg.de finden sich viele Informationen rund um das Thema Solarenergie.
Vor-Ort-Beratungen für Mehrfamilienhäuser und Wohnungseigentümergemeinschaften in Kooperation mit der Stiftung Stadtökologie, dem Haus- und Grundbesitzerverein und dem Referat für Umwelt und Gesundheit Bei dieser Aktionsform werden kostenfreie Impulsberatungen mit Schwerpunkt Geschosswohnungsbau angeboten. Also für Mehrfamilienhäuser in Privatbesitz bzw. im Besitz von Wohnungseigentümergemeinschaften.
Online-Angebot des Referates für Umwelt und Gesundheit Auf der Homepage www.wir-machen-das-klima.de finden sich viele Informationen und Energiespartipps im Alltag und zur Gebäudesanierung. Hier ist auch das umfassende Informationsmagazin „Energieeffizienz, Sanieren und Bauen“ zu finden.
Angebote der ENERGIEregion Nürnberg in Kooperation mit dem Referat für Umwelt und Gesundheit und weiteren Organisationen Die ENERGIEregion Nürnberg bietet seit mehreren Jahren eine sehr bewährte Online- Veranstaltungsreihe an. Sie trägt den Titel „Ihr Haus auf dem Weg zur Klimaneutralität“.
Außerdem wird vom der ENERGIEregion Nürnberg e.V. auch das Energieberaternetz Mittelfranken betrieben, bei dem die Gebäudebesitzenden detaillierte Beratungen anfordern können.
Diese Beratungsangebote sind alle auf der Homepgae „www.wir-machen-das-klima.de“ dargestellt und für Interessierte zusammengefasst sowie mit weiterführenden Links versehen. Auch der Förderkompass der Bayerischen Energieagenturen ist auf dieser Seite verlinkt. Der Förderkompass wird kontinuierlich gepflegt und regelmäßig aktualisiert. In ihm sind sämtliche Förderungen von Bund und Freistaat mit bezug auf Energie und Klimaschutz dargestellt. Neben den Förderinhalten sind auch die Zielgruppen der jeweiligen Förderprogramme dargestellt.
2. Errichtung eines Beratungszentrums
Sinnvolle Ausgestaltung
Das Referat für Umwelt und Gesundheit befürwortet den Vorschlag zur Errichtung eines Beratungszentrums. Ziel eines solchen Zentrums sollte neben der örtlichen Bündelung von Informationen auch die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Ratsuchende in Bezug auf Energieeinsparung, erneuerbare Energien sowie Klimaschutz im Allgemeinen sein. Die örtliche Lage sollte dabei möglichst zentral und gut erreichbar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sein.
Unter öffentlicher Trägerschaft haben die Beratungen neutral, technologieoffen sowie herstellerunabhängig zu erfolgen. Die Beratung zu Maßnahmen sollte immer mit dem Aufzeigen geeigneter Fördermöglichkeiten einhergehen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass insbesondere bei Maßnahmen im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ein städtisch getragenes Beratungszentrum Bürgerinnen und Bürger an zertifizierte Energieberater verweisen muss. Außerdem sollten mögliche städtische Beratende nicht in Konkurrenz zum freien Markt der Energieberaterinnen und Energieberater stehen. Neben der Beratungstätigkeit könnte ein solches Zentrum auch Vortragsreihen oder die Teilnahme an fachspezifischen Messen und Veranstaltungen durchführen.
Erforderliche Ressourcen
Problematisch stellt sich aus Sicht des Referates für Umwelt und Gesundheit jedoch die Finanzierung eines solchen Beratungszentrums dar. Um eine wirkliche Sichtbarkeit und Verfügbarkeit als „Walk-In“- Beratung zu erreichen, bedarf der Betrieb eines solchen Zentrums zwingend mindestens zwei zusätzliche Vollzeitstellen für die Abwicklung der Beratungen sowie eine Vollzeitstelle für Verwaltung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. An die Räumlichkeiten werden neben der zentralen Lage und öffentlichen Verkehrsanbindung auch die Anforderungen geknüpft, dass der Zugang barrierefrei ist. Außerdem sollte ausreichend
öffentlich zugänglicher Raum für Beratungsmöglichkeiten, die Auslage von Informationsmaterialien sowie die Präsentation sämtlicher Beratungspartner und Raum für Büro- und Sozialräume vorhanden sein. Sofern hier nicht auf Räumlichkeiten im Besitz der Stadt Nürnberg zurückgegriffen werden kann, sind hohe Miet- und Nebenkosten zu erwarten.
Eine Kostenschätzung des Referates für Umwelt und Gesundheit ergibt, dass für den Betrieb rund 270.000 Euro pro Jahr notwendig sind. Hierin enthalten sind die Kosten für Personal, Raummiete mit Nebenkosten, Öffentlichkeitsarbeit, Reisekosten und sonstige Ausgaben. Für die Grundausstattung des Zentrums kämen voraussichtlich noch einmalige Kosten in Höhe von ca. 50.000 Euro für IT, Büroausstattung, etc. hinzu.
Aufgrund der momentan angespannten Haushaltslage ist aus Sicht des Referates für Umwelt und Gesundheit die Einrichtung eines entsprechenden Beratungszentrums zwar sinnvoll, jedoch nur schwer zu finanzieren. Entsprechend schlägt das Referat hier die Errichtung eines verbesserten „virtuellen Beratungsangebotes“ vor.
Virtuelles Beratungsangebot
Die Einrichtung eines Beratungszentrums lässt, wie oben dargestellt, hohe jährlich wiederkehrende Kosten erwarten. Auch die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt in Kombination mit der unvermindert hohen Auftragslage für Energieberaterinnen und Energieberater lässt eine Stellenbesetzung mit qualifiziertem Personal schwierig erscheinen.
Wie vorher beschrieben, sind auf den Homepages „www.wir-machen-das-klima.de“ und „www.solarinitiative.nuernberg.de“ viele Informationen und Energiespartipps im Alltag und zur Gebäudesanierung enthalten. Richtig ist aber, dass das bisherige online-Beratungsangebot etwas versteckt ist und sich nicht ohne weiteres erschließt. Entsprechend existiert hier ein gewisses Optimierungspotential. Aus diesem Grund schlägt das Referat für Umwelt und Gesundheit vor, ein digitales Beratungsangebot zu etablieren um hiermit den Beratungsbedarf von Bürgerinnen und Bürgern besser abzudecken. Auf einem eigens dafür zu schaffenden Internetauftritt werden die Ratsuchenden zu den Themen Energieeinsparung, Energieeffizienz, erneuerbare Energien sowie Klimaschutz informiert und bestehende Beratungsangebote werden detailliert präsentiert. Auch die verfügbaren Förderprogramme zu diesen Themen können hier abgebildet und übersichtlich dargestellt werden. Zusätzlich kann ein Newsletter ins Leben gerufen werden, der über kommende Veranstaltungen und Aktionen informiert.
Für weiterführende Informationen kann eine digitale Infothek implementiert werden, welche nützliche Broschüren, Handbücher, Flyer und weitere digitale Medien enthält und zum Download zur Verfügung steht. Auch eine Sammlung von Energiespartipps bieten Anregungen, um über Maßnahmen im eigenen Einflussbereich nachzudenken und so ohne erhöhten Beratungsaufwand Energie einzusparen, die eigenen Energiekosten zu senken und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Der Fokus läge hier auf dem privaten Bereich. Aber auch für Gewerbetreibende können Angebote und Informationen zur Verfügung werden.