Sicherstellung des Bildungsangebots an der Fachschule für Druck- und Medientechnik
hier: Beantragung der Einrichtung einer Minderklasse an der Fachschule für Druck- und
Medientechnik zum Schuljahr 2023/24
1. Schülerzahlen und aktuelle Anmeldesituation
Die Fachschule für Druck- und Medientechnik ist ein wichtiger Baustein der schulischen Weiterbildung am Standort Nürnberg. Die durchgehend starken Anmeldezahlen sind mit Beginn der Corona- Pandemie eingebrochen, erholen sich jedoch langsam wieder. Ab dem Schuljahr 2022/23 wurde zur Vermeidung einer Minderklasse und der damit verbundenen Ausfälle in der Vereinnahmung von Zuschüssen (LPZ) an der Fachschule für Druck- und Medientechnik auf einen 2-jährigen Rhythmus für den Beginn der Ausbildung umgestellt. Um die Weiterbildung am Standort Nürnberg zu erhalten und die Versorgung mit Fachkräften im in Nürnberg stark vertretenen Druckbereich zu gewährleisten, wird geplant, im Schuljahr 2023/24 mit einer Minderklasse zu starten, wenn mindestens zehn Anmeldungen vorliegen.
Die aktuellen Anmeldezahlen für das Schuljahr 2023/24 zeigen, dass es durch den 2-jährigen Rhythmus bislang zu keiner signifikanten Erhöhung der Anmeldezahlen kam. Interessierte verschieben offensichtlich eine Weiterbildungsentscheidung nicht in die Zukunft. Trotz intensiver Werbemaßnahmen liegen für das kommende Schuljahr aktuell zehn Anmeldungen vor (davon nur eine der zehn aus dem Vorjahr). Das Erreichen einer Mindestklassenstärke von 16 Fachschülerinnen und Fachschüler zum Stichtag im Oktober 2023 ist fraglich. Letztmalig wurde die Mindestklassenstärke mit 17 angetretenen Fachschülerinnen und Fachschülern zum Schuljahr 2021/22 erreicht, die sich momentan im zweiten und somit letzten Fachschuljahr befinden.
Abbildung 1: Fachschule für Druck- und Medientechnik: Entwicklung der Klassen- und Schülerzahl
2. Planungssicherheit
Zur Planungssicherheit der Bewerberinnen und Bewerber muss spätestens im April/Mai 2023 eine Zusage zur Aufnahme an der Fachschule erfolgen, aufgrund von Kündigungsfristen, der Klärung der persönlichen Finanzierung der Fachschulausbildung und ggf. der Unterkunftssuche. Die Schule benötigt ebenfalls im Vorfeld ein höheres Maß an Planungssicherheit, um eine entsprechende Lehrkräfteeinsatzplanung vornehmen zu können. Ebenso bedarf es für die Bewerbung des Bildungsangebots höherer Planungssicherheit, da erfahrungsgemäß den Weiterbildungsinteressierten bereits bei Info- und Werbeveranstaltungen für eine Aufstiegsfortbildung zur Technikerin, zum Techniker, eine verlässliche Aussage zum Start der Fortbildung gegeben werden muss.
3. Fachkräftemangel
Für Betriebe der Druck-Medien-Branche sind seit geraumer Zeit nicht nur Auszubildende, sondern auch Fachkräfte immer schwerer zu finden. Um die benötigten Fachkräfte hat sich ein Konkurrenzkampf mit anderen Branchen entwickelt1. Die Branche befindet sich in einer schwierigen Situation: Auf der einen Seite fehlen dringend benötigte Bewerberinnen und Bewerber zur Aufnahme einer Ausbildung (Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt) und auf der anderen Seite fehlen damit die künftigen Fachkräfte, die sich nach der Ausbildung als Spezialistinnen und Spezialisten2 an der Fachschule für die Druck- und Medienbranche weiterqualifizieren. Laut IHK-Fachkräftemonitor3 ist bis 2035 für die Region der IHK Nürnberg für Mittelfranken ein relativer Fachkräfteengpass (Verhältnis der fehlenden Fachkräfte zur grundsätzlichen Nachfrage) für Spezialistinnen und SpezialistenFehler! Textmarke nicht definiert. in der Berufsgruppe „Papier-, Druckberufe, techn. Mediengestaltung“ von knapp 19% zu erwarten (siehe Abbildung 2). Die Region Nürnberg und Mittelfranken stellt nach wie vor bundesweit ein bedeutendes Zentrum der Druck- und Medienbranche dar. Für viele Betriebe wird in Zukunft die Möglichkeit der Deckung des Fachkräftebedarfs vor Ort eine noch gewichtigere Rolle bei künftigen Standortentscheidungen spielen.
18,90% 200 20,00% 17,50% 180 18,00% 160 16,00% ) t u 140 14,00% )v lo s b 120 12,00% it a le a ( s s a p g n E 1 6 8 0 0 0 0 3 6 8 1 , , 0 0 0 , 0 0 0 % % 0% r ( s s a p g n E 40 4,00% 0,90% 20 2,00% 0 0,00% 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035
Engpass (absolut) Engpass (relativ)
Abbildung 2: Fachkräftebedarf für Spezialistinnen und SpezialistenFehler! Textmarke nicht definiert.: Berufsgruppe: „Papier-, Druckberufe, techn. Mediengestaltung“ für die Region der IHK Nürnberg für Mittelfranken)3
Bei der aktuellen Umfrage des Bundesverbands Druck Medien e.V. zur Ausbildungs- und Fachkräftesituation 20223 geben die Unternehmen an, dass offene Stellen für Spezialistinnen und SpezialistenFehler! Textmarke nicht definiert. (Meister, Fachwirte, Techniker) gar nicht (36%) oder nur schwer (49%) besetzt werden können (siehe Abbildung 3). Dieser Trend wird sich in naher Zukunft wohl noch mehr verschärfen.
1 Vgl. Ergebnisbericht: Umfrage zur Ausbildungs- und Fachkräftesituation 2022 (veröffentlicht 12/2022) des Bundesverbands Druck und Medien e.V. (bvdm) mit 324 teilnehmenden Unternehmen, davon 27% aus Bayern. 2 Anforderungsniveau 3: Komplexe Spezialistentätigkeit; vgl. dazu Bundesagentur für Arbeit: Klassifikation der Berufe 2010; S. 27, abrufbar unter: https://www.arbeitsagentude/datei/Klassifikation-der-Berufe_ba017989.pdf, Stand 13.03.2023 3 Quelle: Fachkräftemonitor der IHK Bayern (http://www.ihk-fachkraeftemonitor-bayern.de/). Seite aktuell nicht erreichbar, Daten liegen der Beruflichen Schule Dir. 6 vor.
Abbildung 3: Umfrage zur Fachkräftesituation 2022 des Bundesverbands Druck Medien e.V.1
Die Fachschule für Druck- u. Medientechnik hat bezüglich der Fachrichtung überregional ein Alleinstellungsmerkmal. Alternative Bildungsangebote in dieser Fachrichtung existieren in der Region nicht und die nächsten Fachschulen mit gleicher Fachrichtung befinden sich in München, Stuttgart und Frankfurt. Insgesamt sind nach vorliegenden Informationen aktuell noch acht Fachschulen bundesweit in dieser Fachrichtung aktiv.
Die Absolventinnen und Absolventen der Fachschule für Druck- und Medientechnik werden vom regionalen und überregionalen Arbeitsmarkt sehr gut aufgenommen und finden rasch eine höherwertige Anschlussverwendung nach der Fachschulausbildung. So hat alleine ein Nürnberger Unternehmen fünf der zehn Technikerinnen und Technikern des Abschlussjahrgangs 2021 eingestellt.
4. Darstellung der Personalkosten
Abbildung 4 zeigt die Entwicklung der städtischen Personalkosten für die einzügigen Fachschulklassen in Abhängigkeit der jeweilen Schülerzahl – nach Abzug des Lehrpersonalkostenersatzes (LPZ). Bei einer 1. und 2. Klasse ergeben sich folgende Kosten:
Bei einer Anzahl von 16 bis 24 Fachschülerinnen und Fachschüler (je Klasse und Jahrgangsstufe) ergeben sich Grundkosten für die zweijährige Ausbildung in Höhe von ca. 176.000 Euro.4
Dieser Betrag steigt ab einer Schülerzahl von 25, da mehr Lehrerwochenstunden aufgrund von Teilungen vorgesehen sind und benötigt werden.
Bei einer Anzahl von 13 bis 15 Schülerinnen und Schüler reduzieren sich die Grundkosten aufgrund des verminderten Stundenumfangs.5
Bei zwölf oder weniger Schülerinnen und Schülern ergibt sich ein Fehlbetrag, da die Kürzung des Lehrpersonalkostenzuschusses aufgrund der Minderstärke die Grundkosten für eine Klasse übersteigen. Diese Zuschussverluste und somit Mehrkosten für die Stadt im Vergleich zur Mindestschülerzahl von 16 Fachschülerinnen und Fachschülern steigen von ca. 5.500 Euro bei zwölf bis auf ca. 26.000 Euro bei zehn Fachschülerinnen und Fachschülern für beide Fachschuljahre.
Die Darstellung endet bei zehn Fachschülerinnen und Fachschüler, da dies als Untergrenze für eine sinnvolle Klassengröße angesehen wird.
Kosteneinsparung: durch die erfolgte Umstellung auf einen 2-jährigen Rhythmus ab dem Schuljahr 2022/23 wurden die jährlichen städtischen Personalkosten bereits knapp halbiert.
5 Vgl. Formular zu Berechnung des Lehrerbedarfs für Berufsfachschulen, Fachschulen und Fachakademie V2_2022 (Stand: Oktober 2022)
Abbildung 4: Entwicklung der städt. Restpersonalkosten - nach Abzug des Lehrpersonalkostenzuschusses in Abhängigkeit der Schülerzahl
| Kosten reguläre Klasse der FS Druck- und Medientechnik (Schuljahre 2023/24 und 2024/25) im Vergleich zu einer Minderklasse | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| QE4 LWS inkl. Teilungen | Durchschnitts- personalkosten1 | LPZ2 | Verbleibende Kosten Stadt | |||
| Fall 1 | ||||||
| 1 Klasse 16 bis 24 Schüler | QE 4 | 1. Jahr | 32 | 137.744,00 € | 74.080,00 € | 63.664,00 € |
| 2. Jahr | 31 | 133.439,50 € | 71.765,00 € | 61.674,50 € | ||
| QE3 | 1. Jahr | 14 | 41.839,78 € | 22.101,80 € | 19.737,98 € | |
| 2. Jahr | 22 | 65.748,22 € | 34.731,40 € | 31.016,82 € | ||
| Gesamt | 378.771,50 € | 2 02.678,20 € | 176.093,30 € | |||
| Fall 2 | ||||||
| 1 Klasse 10 (Untergrenze) | QE 4 | 1. Jahr | 32 | 137.744,00 € | 46.300,00 € | 91.444,00 € |
| 2. Jahr | 26 | 111.917,00 € | 37.618,75 € | 74.298,25 € | ||
| QE3 | 1. Jahr | 8 | 23.908,44 € | 7.893,50 € | 16.014,94 € | |
| 2. Jahr | 10 | 29.885,56 € | 9.866,88 € | 20.018,68 € | ||
| Gesamt | 303.455,00 € | 1 01.679,13 € | 201.775,88 € | |||
| 1) vgl. Mitteilung Nr. 1B vom | 02.01.2023: Dur | chschnittliche | Personalkosten | 2023, Anlage; Bea | mte Lehrkräfte A14-Le | hrer; Bruttopersonalkosten |
| für Konsolidierung/Neuschaff | ung; Jahresbezü | ge 103.330 E | uro | |||
| 2) LPZ-2022-FS 60% (A 14): 2. | 315,00 €; (A11): | 1.578,70 €( | Art. 18 BaySchFG | ); Zuschusstabelle 2 | 023 der RMF liegt Stan | d 13.03.2023 noch nicht |
Abbildung 5: Städt. Personalkosten nach Abzug des Lehrpersonalkostenzuschusses in Abhängigkeit von der Schülerzahl (Regelklasse/Minderklasse)
Die maximalen Mehrkosten für eine Klasse im Vergleich zu einer regulär gebildeten Klasse mit 16 Schüler/-innen betragen bei zehn Schüler/-innen etwa 26.000 Euro. Ab 13 Schüler/-innen ergeben sich für die Stadt aufgrund der eingesparten Teilungsstunden gegenüber einer regulär gebildeten Klasse keine Mehrkosten mehr.
5. Fazit
An der Fachschule für Druck- und Medientechnik wurde zum Schuljahr 2022/23 keine neue Eingangsklasse gebildet. Für das Schuljahr 2023/24 ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht sichergestellt, dass bis zum Sommer 2023 mindestens 16 Anmeldungen vorliegen. Um das Weiterbildungsangebot in der Stadt Nürnberg aufrechtzuerhalten und den Bewerber/-innen sowie der B6 Planungssicherheit zu bieten, wird vorgeschlagen, zum neuen Schuljahr eine Eingangsklasse zu bilden, sofern mindestens zehn Bewerbungen vorliegen.
Die Fortführung des Weiterbildungsangebots zum/-r Staatlich geprüften Druck- und Medientechniker/-in trägt zur Stärkung der dualen Ausbildung in der Druck- und Medienbranche in der Region bei: Den ausgebildeten Fachkräften wird ein passgenaues Angebot und damit eine Perspektive aufgezeigt, die den beruflichen Aufstieg ermöglicht.
Eine gemeinsame Beschulung bei Minderklassengrößen zusammen mit Klassen der Rudolf-Diesel- Fachschule (sog. „Y-Modell“) ist aufgrund der unterschiedlichen Fächer nicht möglich und es können die Mindestanforderungen für ein Y-Modell des Kultusministeriums nicht erfüllt werden.
Die Schule steht im Kontakt mit dem Verband Druck/Medien Bayern sowie mit Betrieben in der Region, um mittel- und langfristige Maßnahmen zu ergreifen, damit Betriebe das Weiterbildungsangebot an der Fachschule zur Deckung des Fachkräftemangels (z. B. im Rahmen der Personalentwicklung) aktiv wahrnehmen. Zusätzlich ist aufgrund der veränderten Bildungsbiografien und des Wunschs vieler Weiterbildungsinteressierten nach nahtlosen Übergängen, eine Reform der Fachschulordnung bezüglich der Flexibilisierung der Fachschulausbildung sowie der Zugangsvoraussetzungen dringend angezeigt.
Um Begutachtung des Vorschlags der Fachschule für Druck- und Medientechnik, zum Schuljahr 2023/24 bei einer Mindestanmeldezahl von zehn Schülerinnen und Schülern eine Eingangsklasse einzurichten, wird gebeten.