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Sachverhalt

Anlage · 28.04.2023 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Marcus König Schule & Bildung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Fortführung des Projektes IBOS (Intensivierte Berufliche Orientierung an Schulen) sowie

Bereitstellung des städtischen Zuschusses für die Schuljahre 2023/24 und 2024/25

  1. Durchführung des Projektes IBOS bis zum Schuljahr 2021/22 sowie im Schuljahr 2022/23

In den IBOS-Projektklassen an den Mittelschulen Hummelsteiner Weg und Scharrerstraße in Nürnberg werden Schülerinnen und Schüler ab der Klasse 7 bis zur Klasse 9 besonders intensiv und praxisnah in ihrer beruflichen Orientierung und ihrer Berufswahl individuell begleitet und unterstützt. Neben der praktischen Erprobung mehrerer Berufsfelder (drei Praxisphasen mit jeweils 15 Praxistagen) steht insbesondere die Förderung der personalen, sozialen, methodischen und beruflichen Kompetenzen im Fokus. Dreh- und Angelpunkt des Projektes ist die enge Zusammenarbeit zwischen der sozialpädagogischen Projektkoordination, den Lehrkräften der Schule, den Erziehungsberechtigten und den betrieblichen Netzwerkpartnern in diversen Berufsbranchen und Berufsbildern.

Die Besonderheit an IBOS ist die räumliche Verankerung der Projektkoordination direkt vor Ort an der Schule und die somit unmittelbare Anbindung ins schulische System. Dies erleichtert enge, zeitnahe Absprachen und kurze Dienstwege zwischen allen Akteuren, passgenaue Angebote und Aktionen im alltags- und lebensweltbezogenen Umfeld der jungen Menschen, Handlungsmöglichkeiten „just in time“ sowie niedrigschwellige Zugänge zu den Eltern und Angehörigen.

IBOS besteht seit dem Jahr 2008 und wurde seither jeweils zur Hälfte aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus (StMUK) und der Bundesagentur für Arbeit finanziell gefördert. Da der Auftrag öffentlich ausgeschrieben werden muss und SCHLAU Übergangsmanagement hier mit Bildungsdienstleistern konkurriert, deckt die Stadt Nürnberg seitdem den Fehlbetrag ab.

Weil die Fördermittel des StMUK aus einem Budget entnommen werden, das für sämtliche Mittelschulen in ganz Mittelfranken zur Verfügung gestellt wird, ist die Fortführung bzw. Finanzierung seit Bestehen sehr umkämpft. Obwohl bei allen relevanten Beteiligten zweifellos Überzeugung für das IBOS-Konzept besteht, was durch die messbaren, kontinuierlichen Erfolge beim Übergang der Teilnehmenden in Ausbildung bestätigt wird, steht doch stets die gerechte Verteilungsfrage im Raum, da IBOS mehr Kosten verursacht als andere Berufsorientierungsangebote am Markt. Stellt man Folgekosten alternativer Anschlussmaßnahmen (v. a. BVJ und BvB) und/oder öffentlicher Transferleistungen zur Existenzsicherung entgegen, die jeder bzw. jede Jugendliche verursacht, der bzw. die nach dem Schulbesuch nicht in Ausbildung gelangt, müsste das Projekt folgerichtig flächendeckend ausgebaut werden.

In diesem ohnehin vorhandenen Spannungsfeld, begann 2020 die Corona-Pandemie und damit einhergehend eine weitere Anspannung der öffentlichen Haushalte. Der Freistaat kündigte im Februar 2020 die Einstellung der Berufseinstiegsbegleitung (BerEb), einem weiteren wichtigen Baustein im System der Berufsorientierung, an (bayernweit mit ca. 70 Mio. EUR gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit gefördert). Infolgedessen mussten die Zuschussgeber von IBOS in Nürnberg Lücken schließen, die sich durch den BerEb-Wegfall aufzutun drohten. Schließlich wurde die Finanzierung von IBOS mit Auslaufen des Schuljahres 2021/22 von Seiten des Freistaats beendet. Seitdem dies bekannt war, bemüht sich das Referat für Schule und Sport in Zusammenarbeit mit der Leitung von SCHLAU in allen erdenklichen Richtungen, um Mittel zur Fortführung des Erfolgsmodells IBOS zu akquirieren. Das gelang auf die Schnelle zunächst nicht in der gewünschten Art und

Weise, sodass die Stadt Nürnberg für das Schuljahr 2022/2023 dankenswerterweise eine reduzierte Überbrückungsfinanzierung bereitstellte, die den Erhalt der bewährten Strukturen des Projekts gewährleistete.

Nach längeren Verhandlungen gelang schließlich am 10. März 2023 der Durchbruch: Ministerpräsident Dr. Markus Söder informierte bei einem gemeinsamen Besuch mit Herrn Oberbürgermeister Marcus König und der Referentin für Schule und Sport, Cornelia Trinkl, die Bereitstellung von Fördermitteln in Höhe von 100.000,00 € für zwei Schuljahre. Weitere 100.000,00 € werden von der Bundesagentur für Arbeit gestellt, die stets ihre Bereitschaft zur Förderung signalisierte, sofern der Freistaat sich in gleicher Höhe beteiligt.

Im folgenden Diagramm sieht man die beeindruckenden Übergangsquoten des letzten Abschlussjahrgangs von IBOS:

Übergänge der IBOS-Teilnehmenden 2022

Duale Ausbildung

8% 3%

Berufsfachschule / BGJ

32% Weiterführende Schule

57%

BVJ

Wiederholung Klasse 9

  1. Bereitstellung von Stellen für eine Fortführung des Projektes IBOS in den Schuljahren

2023/24 und 2024/25

Die Fortführung des Projekts in bewährter Form durch das SCHLAU Übergangsmanagement wird begleitet von einer Ausschreibung, die voraussichtlich Mitte April veröffentlicht werden und frühestens ab Mitte Juni besetzt sein wird. Es ist davon auszugehen, dass das Projekt wieder mit dem Personalschlüssel ausgestattet wird, der bis zum Schuljahr 2021/2022 galt, also 1,75 VK.

Die 1,75 VK sollen zunächst über eine budgetfinanzierte Beschäftigung abgewickelt werden. Für die Fortführung des Projektes bis zum Schuljahresende 2025 wird eine befristete Stellenschaffung beantragt werden, wobei diese auf Basis der aktuellen Beschlüsse zur Haushaltskonsolidierung nur bei vollständiger Drittmittelfinanzierung möglich wäre. Diesbezüglich arbeitet die Verwaltung intensiv an einer Lösung.

3. Finanzierung des Projektes IBOS in den Schuljahren 2023/24 und 2024/25

Für den geplanten Projektzeitraum vom 01.09.2023 bis zum 31.08.2025 stehen Fördermittel in Höhe von 200.000,00 € (jeweils zur Hälfte vom StMUK und von der Bundesagentur für Arbeit) zur Verfügung.

Zur Finanzierung der 1,75 VK in diesem Zeitraum werden gemäß Durchschnittspersonalkosten des Jahres 2023 insgesamt 53.295,00 € zzgl. etwaiger tariflicher Anpassungen zusätzlich als Fehlbetragsfinanzierung von der Stadt Nürnberg benötigt.

4. Fazit

In Zeiten eines zunehmend gravierenden Nachwuchs- und Fachkräftemangels sollte die berufliche Orientierung und die Vermittlung in Ausbildung bei Jugendlichen höchste Priorität haben. Bei dem Besuch an der Scharrerschule stellte Ministerpräsident Dr. Markus Söder in den Raum, eine Ausweitung des Projekts auf weitere Mittelschulen zu prüfen. Dies wäre eine sehr zu begrüßende, zukunftsweisende Entwicklung, profitieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Folge die Gesellschaft doch in vielerlei Hinsicht:  Die Schülerinnen und Schüler verfügen durch das Projekt über deutlich realistischere Berufswünsche und haben klarere Vorstellungen von der Arbeitswelt. Ausbildungsabbrüche können so präventiv verhindert werden.  Die eigenen Berufswünsche können intensiv erprobt und realistische Alternativen entwickelt werden.  In vielfachen Beispielen konnten sich die Schülerinnen und Schüler in ihren Praxisbetrieben beweisen und erhielten durch das Praktikum einen Ausbildungsvertrag.  Sie fallen insbesondere auch im Rahmen ihrer Flexibilität und ihrer Mobilität bezüglich eines (potentiellen) Ausbildungsbetriebes sehr positiv auf: auch längere Anfahrtswege zu den Praxisbetrieben werden während der Praxisphasen als selbstverständlich angesehen und zunehmend durch die Schülerinnen und Schüler eigenständig organisiert. Für den anstehenden Bewerbungsprozess um eine Berufsausbildung sind die Schülerinnen und Schüler überdurchschnittlich motiviert, ihren Bewerbungsradius zu erweitern.  Im Vergleich zum Durchschnitt aller Nürnberger Abgangsklassen der Mittelschulen münden die IBOS-Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer in jedem Jahr mindestens doppelt so oft in eine duale Berufsausbildung bzw. in eine Berufsfachschule ein.  Auch die Kooperationsbetriebe im Großraum begrüßen das Projekt, da sie so die Möglichkeit haben, potentielle Auszubildende über einen längeren Zeitraum in der Berufspraxis kennen zu lernen.  IBOS verfügt über ein mehrjähriges, engmaschiges Netzwerk zu mehr als 100 Kooperationsbetrieben in vielen Berufsbranchen und baut dieses bei Bedarf individuell aus.

Um Begutachtung der Fortführung des sehr erfolgreichen Projektes IBOS in den Schuljahren 2023/24 und 2024/25 wird gebeten.

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