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Schule & Bildung Kultur, Sport & Freizeit Digitalisierung & Verwaltung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Mehr Schulerfolg an Realschulen und Gymnasien

MSRGinnovativ! Bericht über die Arbeit der Projektgruppe im Schuljahr 22/23

Die Projektgruppe MSRGinnovativ! arbeitet im zweiten Jahr an wegweisenden neuen Konzepten der Förderung für mehr Schulerfolg unter den Bedingungen von Digitalisierung und herausfordernden Krisen. Sie setzt sich zusammen aus Kolleginnen und Kollegen der städtischen Realschulen und Gymnasien: Jede Schule konnte in Relation zur Schulgröße ein bis drei Lehrkräfte entsenden, die jeweils eine Anrechnungsstunde erhalten. Mit dabei sind auch Kolleginnen von IPSN aus den Bereichen Schulpsychologie, Fachfortbildungen, Medienpädagogik und Schultransformation (Projektkoordination). Im Rahmen des MSRG-Fachtags 2022 wurden gemeinsam mit den Schulleitungen und der Amtsleitung die Schwerpunkte festgelegt, an denen im laufenden Schuljahr gearbeitet wird.

Grundsätzlich geht es bei allen Schwerpunkten darum, den weitreichenden Folgen der Corona- Pandemie auf allen notwendigen Ebenen etwas entgegenzusetzen - wie wichtig diese Arbeit ist, belegen aktuelle empirische Untersuchungen über Lerndefizite und psychische Beeinträchtigungen bei einer großen Anzahl von Schülerinnen und Schülern. Das gemeinsame Ziel ist es, die System-Resilienz der Schulen im pädagogischen Wirken zu stärken: einerseits durch Reduzierung von unnötigem Stress und die Stärkung von Selbstwirksamkeitserfahrungen bei allen Beteiligten, andererseits durch den Aufbau von hybriden Lernumgebungen, in denen Schülerinnen und Schüler hochgradig selbstständig nach ihrem Tempo und Bedürfnis lernen können und die Lehrpersonen Zeit für die individuelle Betreuung Einzelner gewinnen.

Im Rahmen von Best-Practice-Hospitationen wurden Anfang des Schuljahrs Schulen besucht, die für ihre innovative Arbeit bekannt sind, z.B. das Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen und die Blautopfschule in Blaubeuren. Hier konnten viele Anregungen mitgenommen werden, die in die Arbeit der Fokusgruppen eingeflossen sind.

Die Fokusgruppe „Psychosoziale Stärkung“ pflegt und bewirbt die im letzten Jahr aufgebaute Materialsammlung zur Förderung von Resilienz im Rahmen von „Zeit-für-uns-Stunden“, die im Rahmen der an vielen Schulen eingerichteten Klassleiterstunden eingesetzt werden können, sich aber auch für den Einsatz in Vertretungsstunden eigenen. Die Materialien stehen in Form von Taskcards nach Jahrgangsstufen geordnet zu Themen wie Gemeinschaftsstärkung, Resilienz, Motivation und Lernen lernen zur Verfügung. In diesem Projektjahr liegt der Schwerpunkt auf dem Thema respektvolle Kommunikation auf der Basis der gewaltfreien Kommunikation (GFK nach M. Rosenberg), dazu werden Best-Practice-Ansätze und Materialangebote gesichtet, ausprobiert, evaluiert und per Taskcards allen Kolleg/-innen zur Verfügung gestellt.

Die Fokusgruppe „Anders lernen- anders prüfen“ beschäftigt sich mit dem „Korsett“ der Leistungsbewertung, der vielen innovativen Ideen in der Praxis unserer Schulen bisher entgegensteht

lernwirksameres Prüfen vorhanden sind, wenn man sie kennt und wenn es in der Schule eine gut gesteuerte Abstimmung darüber gibt.

Als Ziele für eine innovative Leistungskultur wurden folgende Punkte herausgearbeitet:  Reduktion von Stress und Stärkung der individuellen Kontrollüberzeugung als wichtigem Schutzfaktor für Resilienz  Erhöhung der Lernwirksamkeit von Prüfungssituationen  der Schüler/die Schülerin als Motor und Maßstab seiner/ihrer Lernentwicklung  Kongruenz mit den Kompetenzanforderungen der Zukunft, wie sie z.B. in den 21st Century Skills ausgedrückt werden

Auf der Basis einer Zielklärung, was im Hinblick auf eine zeitgemäße Prüfungskultur wünschenswert wäre, recherchierte die Gruppe die gesetzlichen Grundlagen der Realschulordnung (RSO) und Gymnasialschulordnung (GSO) sowie die Modus-Maßnahmen1 darauf, was bereits jetzt möglich ist. Sie setzte sich mit Ergebnissen von aktuellen Schulversuchen zu digitalen Formen der Leistungsbewertung

1 Der Modellversuch „MODUS21 Schule in Verantwortung“ erprobte eine weitgehende Selbstständigkeit von Schulen aller Schularten als konsequente Fortsetzung der Inneren Schulentwicklung in Bayern. 60 Maßnahmen sind für alle Schulen im Schuljahr 2005/2006 freigegeben worden und sind in der Bayerischen Schulordnung (BaySchO) verankert. Die Lehrerkonferenz entscheidet über die Durchführung von Modus-Maßnahmen. https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BaySchO2016-ANL_1 (zuletzt aufgerufen am 23.03.2023)

auseinander und lud Experten bzw. Best-Practice-Kolleginnen in ihren Kreis ein. In einem „Überblick der Spielräume für eine pädagogisch sinnvolle Leistungsbewertung“ werden die Ergebnisse aufbereitet und mit Verweis auf die jeweilige Gesetzesgrundlage dargestellt. Ziel, ist es, den Schulleitungen und Kollegien eine Orientierung über das, was möglich ist, anzubieten und ihnen damit eine gute Grundlage z.B. für Klärungen in den Fachschaften an die Hand zu geben. Außerdem wurden konkrete eigene Praxisbeispiele für entsprechende Leistungsnachweise in vielen Fächern ausprobiert und dokumentiert, um z.B. für Fortbildungen mit Kolleg/-innen konkrete Beispiele vorstellen zu können. Was sofort und ohne Kosten umsetzbar wäre, ist der Verzicht auf unangekündigte kleine schriftliche Leistungsnachweise (Stegreifaufgaben) – die positiven Folgen für Lernerfolg und Stressempfinden der Schülerinnen und Schüler werden in einer aktuellen Studie der Universität Bayreuth eindrucksvoll belegt.2 „Laut der Studie hat eine verlässliche Ankündigung von Leistungskontrollen positive emotionale Auswirkungen und kann schulische Leistungen verbessern“3.

Durch die intensive Auseinandersetzung wurde deutlich, dass es für den Nicht-Juristen in den verschiedenen Gesetzesgrundlagen (RSO, GSO, Bayerische Schulordnung (BaySchO) und Modus- Maßnahmen) Unklarheiten gibt, die für Unsicherheiten sorgen. Im Rahmen der kleinen Leistungsnachweise gibt es einen großen Spielraum, allerdings sind Formate, die den o.g. Anforderungen entsprechen, in Erstellung, Durchführung und Benotung oftmals sehr aufwändig für die Lehrpersonen, so dass der berechtigte Wunsch besteht, diese Formen mit Feedback, stärkerer Individualisierung etc. auch in Form von großen Leistungsnachweisen umsetzen zu können. Im Rahmen der Modus-Maßnahmen ist hier manches möglich, allerdings mit der Hürde, dass sich die Fachkolleg/innen einer ganzen Jahrgangsstufe auf dieselbe Modus-Maßnahme (z. B. Debatte statt schriftlicher Schulaufgabe) einigen müssen. Hier braucht es eine gute Moderation, Ermutigung und Rahmengebung von Seiten der Schulleitungen, damit innovative Ansätze wachsen können und nicht ausgebremst werden.

Insgesamt 3 Pilotversuche an einem Gymnasium und zwei Realschulen führt die Fokusgruppe „Lern- Reich“ im zweiten Halbjahr 2022/23 durch. Erprobt wird dabei das Grundkonzept „digitales Lernarchiv

innovativen, resilienten Schulen findet. Nach der Auseinandersetzung mit verschiedenen Konzepten und den technischen Möglichkeiten wurde ein Grundgerüst für einen ersten Prototyp festgelegt, der aus MS Office 365/Teams plus Taskcards für die Inhalte besteht. An einer Realschule wurde der Pilotversuch zudem mit mebis umgesetzt. Das Grundgerüst wurde gemeinsam für die Pilotphase mit Inhalten gefüllt: Aufgaben, Lernvideos, Learning Snacks. Im Mittelpunkt stehen in dieser ersten Phase die Jahrgangsstufen 5 und 6 mit den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Natur & Technik sowie Biologie. Die Umsetzung erfolgt in verschiedenen Settings: an der Adam-Kraft-Realschule im Rahmen der Freiarbeitsstunden bzw. eines längeren Unterrichtsprojekts in Biologie, am Scharrer-Gymnasium und an der Veit-Stoß-Realschule im Rahmen des normalen Unterrichts als Selbstlernzeit, in der die Schülerinnen und Schüler mit der digitalen Lerntheke arbeiten können. Das Lerncoaching findet parallel in diesen Lernzeiten statt. Die ersten Erfahrungen sind ermutigend, sowohl was die Motivation der Schüler/-innen angeht als auch bezüglich der Entlastungseffekte für die Lehrpersonen in der Selbstlernzeit: Nach der Investition in den Aufbau der Lernarchive ist es in der Arbeitsphase möglich, stärker individuell zu fördern bzw. zu unterstützen. Mancherorts stellt die noch unsichere Internetverbindung eine Herausforderung dar.

Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines gemeinsamen digitalen Lernarchivs als „Lern-Reich“ für alle städtischen Realschulen und Gymnasien, das den Kolleginnen und Kollegen Material für das selbstregulierte individuelle Lernen bereitstellt. Diese Investition in den Aufbau kommt allen Schulen zugute, und kann von jeder Institution individuell genutzt werden. Von einer Schule alleine ist ein solcher Aufbau nicht zu stemmen, das kollaborative Sammeln und Teilen spiegelt einen wichtigen Aspekt der Kultur der Digitalität wider, ein Kultursprung für die Schulen weg vom immer noch vorherrschenden Einzelkämpfertum hin zu einer nachhaltigen Kooperation im Kernbereich des Unterrichts. Ziel ist es, den Aufbau des digitalen Lernarchivs für viele Fächer in möglichst vielen Jahrgangsstufen zügig voranzutreiben. Angesichts des Lehrermangels ist dies ein Projekt, das auch dazu beitragen kann, die Lehrkräfte zu entlasten. Grundlage ist allerdings, dass die technischen Voraussetzungen mitwachsen und dass insbesondere das WLAN auch bei hoher Auslastung stabil funktioniert und ausreichend Geräte zur Verfügung stehen.

2 https://www.uni-bayreuth.de/pressemitteilung/Leistungstests-Schule (zuletzt aufgerufen am 23.03.2023) 3 ebd.

Die Fokusgruppe „Sprachförderung mit MS Teams zum Eigenstudium für 9/10“ hat bereits im ersten Projektjahr einen MS Teams basierten Prototyp mit dem Fokus Sprachförderung entwickelt und erprobt. Dieser wurde erweitert und erneut getestet, Materialien für Brückenklassen wurden integriert. Daneben wurde gesichtet, wie diese digitale Lernumgebung um geeignete Diagnosetools erweitert werden kann. Hintergrund dieser Neukonzeption war die Erfahrung, dass herkömmliche kursartige Angebote zur Sprachförderung aus verschiedenen Gründen in der Oberstufe nicht genutzt wurden. Das stärker individualisierende Konzept des Selbstlernteams scheint den Bedürfnissen der älteren Schülerinnen und Schüler entgegenzukommen. Erweitert wurde es um die Podcast-Serie „ErklärCat“, die unter diesem Namen auf Spotify abrufbar ist. Hier wird das sperrige Thema Textproduktion aus einer neuen, schülernahen Perspektive angegangen. Schülerinnen und Schüler können Themen benennen, für die dann weitere Podcast-Folgen produziert werden. Auch hier wird über einen hohen Grad an Motivation auf Seiten der Schüler/-innen berichtet.

Im Fokusbereich „Selbstwirksamkeit und Motivation stärken“ steht das SDGKonzept im Mittelpunkt. Die Bertolt-Brecht-Schule (BBS) führt den SDG Day in diesem Jahr in neuer Form mit rund 200 Schülerinnen und Schülern weiter. Dabei werden erstmals eine Jahrgangsmischung sowie die Kooperation mit Gymnasium und Mittelschule ausprobiert. Um die Schülerinnen und Schüler auf Projektideen zu bringen, haben alle beteiligten Klassen die Energie- und Umweltstation (EUW) besucht und dort einen ersten Einblick in mögliche Handlungsfelder erhalten. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung an der Schule haben sie die Sustainable Development Goals (SDGs) näher kennengelernt, um auf dieser Basis eigene Ideen zu entwickeln. Die BBS leistet hier Pionierarbeit für interessierte Schulen: Hier wird getestet, was es braucht, um dieses herausragende und herausfordernde Konzept gut umzusetzen. Deutlich wurde in diesem Jahr, dass die Personalressourcen dafür zu knapp bemessen sind, wenn es nicht zusätzliche Unterstützung z.B. durch Studierende gibt. Die notwendige intensive Begleitung für Schülerinnen und Schüler, die den freien Raum nicht produktiv für sich nutzen können, braucht einen höheren Betreuungsschlüssel.

Fazit und Ausblick

Die Projektgruppe MSRGinnovativ! ist ein wichtiger Motor für die Innovationskraft der städtischen Realschulen und Gymnasien, sie ist Think-Tank, Forschungslabor und Transmissionsriemen gleichermaßen. Durch die Vernetzung streuen sich gute Ideen in alle Schulen und durch die Verankerung der Schulteams werden innovative Ideen direkt vor Ort ausprobiert und evaluiert. Die Vernetzung mit dem Team von IPSN aus den verschiedenen Fachbereichen ermöglicht eine enge und vor allem zielgerichtete Kooperation, die von allem Beteiligten als sehr effektiv wahrgenommen wird.

Am 20.3.2023 fand der MSRG-Fachtag statt, an dem der Amtsleitung und den Schulleitungen mit ihren Schulentwicklungsteams die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen vorgestellt wurden. Die Resonanz war sehr positiv, die Arbeit wird im nächsten Schuljahr auf der Basis einer Auswertung des laufenden Jahres weitergehen. Fragen, die sich im Rahmen des Fachtags z. B. in Hinblick auf das Thema Leistungsbewertung ergeben haben, werden von der Amtsleitung SchA im Rahmen der Direktorenkonferenz thematisiert und weiterverfolgt.

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