Beilage 2.1
zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 27.04.2023
Sachverhalt
Kinderkommission Nürnberg
hier: Bericht 30 Jahre Kinderkommission Nürnberg
Der Stadt Nürnberg sind die Kinderechte und deren Bekanntmachung ein besonderes Anliegen. Die Umsetzung dieser und eine breite Information der Bevölkerung über die Kinderrechte ergibt sich allerdings nicht von allein. Es bedarf vieler engagierter Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
Zu diesem Zweck wurde vor drei Jahrzehnten im Jahr 1993 der wegweisende Beschluss des Jugendhilfeausschusses gefasst, die Nürnberger Kinderkommission als Unterausschuss zu berufen. Dieses ehrenamtliche Gremium trat 1994 das erste Mal zusammen und wurde mit Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 7. Dezember 1995 als Unterausschuss verstetigt. Seitdem vertritt es die Interessen der Kinder in der Stadt, initiiert ihre Beteiligung und setzt sich für die Bekanntmachung der Kinderrechte ein.
Neben zahlreichen Sitzungen konnte die Kinderkommission besondere Formate im Sinne ihres Auftrags entwickeln:
Ein sehr bewährtes Angebot, für welches die Kinderkommission Nürnberg federführend steht, sind die Nürnberger Kinderversammlungen. Bereits seit 1996 finden diese vor jeder Bürgerversammlung in den jeweiligen Stadtteilen statt. Neben dem Auftrag zur Beteiligung setzt sich die Kinderkommission auch für die Bekanntmachung der Kinderrechte ein. Aus diesem Grund hat sich die Kinderkommission dafür stark gemacht, dass die Rechte der Kinder in der Stadt Nürnberg im öffentlichen Raum fest verankert sind. Seit 2005 gibt es unter der Federführung der Kinderkommission die Straße der Kinderrechte im Nürnberger Stadtpark. Darüber hinaus werden im Namen der Kinderkommission regelmäßig Informationsstände bei diversen Veranstaltungen, Vorträgen, Fortbildungen und Beteiligungsprojekten zu unterschiedlichen Themen angeboten.
Die inhaltliche Verantwortung dieser Angebote liegt bei der Kinderkommission. Konzipiert und operativ umgesetzt werden die Kinderversammlungen und die Straße der Kinderrechte durch die Verwaltung des Jugendamts im Arbeitsfeld Präventive Kinder- und Jugendarbeit, Geschäftsführung Kinderkommission/Beteiligung von Kindern.
Auch im Jubiläumsjahr 2023 ist ein vielfältiges Angebot geplant. Als besonderes Format wird es am 11. Mai 2023 um 15 Uhr im Heilig-Geist-Saal eine Fachtagung inkl. Podiumsdiskussion zum Thema „Kinderrechte in Deutschland und die Kinderrechte in Nürnberg“ geben. Es ist aber auch 2023 Besonderes für Kinder in Planung. Neben unterschiedlichen Beteiligungsworkshops findet am 20. November, am Internationalen Tag der Kinderrechte, ein großes Fest für Kinder im Historischen Rathaussaal statt.
Der folgende Bericht zeigt das Engagement der Kinderkommission und ihre Angebote genauer auf und stellt die besonderen Planungen im Jubiläumsjahr vor.
1. 30 Jahre Kinderkommission
Die Kinderkommission Nürnberg ist am 13. Mai 2023 seit 30 Jahren als Unterausschuss im Jugendhilfeausschuss mit dem Schwerpunkt „Kinder und deren Rechte“ eingesetzt.
Der gesetzliche Auftrag zu den Kinderrechten und zur Beteiligung von Kindern ergibt sich für die Kinderkommission zunächst aus der am 5. April 1992 in Deutschland ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention. Die UN-Kinderrechtskonvention ist ein geltendes Bundesgesetz mit insgesamt 54 verschiedenen Artikeln. Aber auch das SGB VIII ist eine wichtige Grundlage, denn aufgrund des §1 SGB VIII hat „jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“. Um diesen Grundanspruch verwirklichen zu können, soll die Jugendhilfe „dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“ (§ 1 Abs. 3 Nr. 5 SGB VIII). Der gesetzliche Auftrag zur Beteiligung von Kindern ergibt sich aus den Artikeln 12, 13, 15, 17 und 42 der UN-Kinderrechtskonvention sowie dem § 8 Abs. 1 SGB VIII: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ Die Beteiligung junger Menschen hat im Rahmen der SGB-VIII-Reform nochmals stark an Bedeutung gewonnen. Das neue Kinder- und Jugendstärkengesetz (KJSG) aus dem Jahr 2021 hat in vielen Bereichen die Beteiligungsrechte der Kinder und Jugendlichen nochmals gestärkt.
Im Orientierungsrahmen des Referates für die Jugend-, Familien-, Senior*innen, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg findet sich ebenfalls eine deutliche Vorgabe zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Leitlinie 3: Rechte von Kindern und Jugendlichen durchsetzen. Im Orientierungsrahmen zu den zehn strategischen Leitlinien ist unter anderem zu lesen: „Wir stärken und schützen Kinder und Jugendliche und nehmen unsere gesetzliche Verantwortung durch systematische Planung, Steuerung und Beteiligung wahr.“ Und wir „treten für die Bedürfnisse und Interessen junger Menschen ein, bieten Gelegenheiten der politischen Partizipation und der Selbstorganisation, lassen sie zu Wort kommen und verschaffen ihren Anliegen Gehör“.
Um ihrem Auftrag gerecht zu werden, hat sich die Kinderkommission von 1993 bis heute zu ins-
gesamt mehr als 150 Sitzungen getroffen und viele Themen, welche die Kinder in der Stadt be-
treffen, diskutiert und weitergetragen. Unterschiedlichste Formate, Projekte und Veranstaltungen
wurden von den Vorsitzenden der Kinderkommission und deren Mitgliedern auf den Weg ge-
bracht.
In den letzten drei Jahrzehnten hatte die Kinderkommission Nürnberg insgesamt vier Vorsitzende
und rund 150 ehrenamtliche Mitglieder. Viele Mitglieder haben ihr Ehrenamt in der Kinderkom-
mission viele Jahre lang wahrgenommen, weil ihnen einerseits die Rechte der Kinder und die
damit verbundenen Aufgabenbereiche sehr wichtig gewesen sind und es andererseits auch viele
positive Momente in der Zusammenarbeit mit den Kindern gab und gibt.
| Stellvertretend für alle | |
|---|---|
| Menschen, welche in den letzten drei Jahrzehnten eine Rolle und einen Auftrag in der Kinder- | |
| kommission hatten, sollen hier nun die vier Stadträtinnen und Stadträte benannt werden, welche | |
| als Vorsitzende der Kinderkommission tätig waren oder sind: | |
| Mai 1993 bis April 1995: Stadtrat Gebhard Schönfelder | |
| Mai 1995 bis April 2004: Stadträtin Renate Tandler | |
| Mai 2004 bis April 2011 und Mai 2014 bis April 2020: Stadträtin Ilka Soldner | |
| 2012 bis 2013 und Mai 2020 bis heute: Stadträtin Helmine Buchsbaum |
Im operativen Geschäft wurde das Gremium kontinuierlich in den letzten dreißig Jahren von Fach-
kräften aus dem Jugendamt in deren Funktion als Geschäftsführung fachlich begleitet. Diese Auf-
gabe hatten bisher insgesamt 5 Personen inne.
2. Kinderversammlungen von 1996 bis heute
Seit 1996 findet nachmittags vor jeder Bürgerversammlung die Kinderversammlung statt. Diese Veranstaltungen sind ein wichtiges Instrument der Beteiligung sowie ein wesentlicher Baustein einer kinderfreundlichen Stadtentwicklung. Die Leitung der Kinderversammlungen hat die Vorsitzende der Kinderkommission. Kinder von 6 bis 14 Jahren sind herzlich eingeladen, auf Kinderversammlungen ihre Anliegen, Probleme und Ideen bezüglich ihres Stadtteils vorzustellen. Die Kinder können in einer Form ihrer Wahl Verbesserungs- und Handlungsbedarfe oder Lobenswertes aufzeigen. Viele Plakate, Lieder, Gedichte, Rollenspiele oder kurze Reden prägen somit das Bild der Veranstaltungen.
In der Regel erhalten die Kinder eine erste Antwort auf ihre Fragen direkt vor Ort durch die anwesenden städtischen Dienststellen und Institutionen. Lässt sich der Sachverhalt an diesem Tag nicht umfassend beantworten, werden die Anliegen der Kinder als Anträge weiterbearbeitet. Zu diesem Zweck erhalten die geforderten Stellen im Anschluss zur Veranstaltung vom Jugendamt die Aufforderung zur Stellungnahme. Die Patin oder der Pate der Kinderversammlung und das Jugendamt erhalten daraufhin die schriftliche Antwort. Diese wird in der Regel von den ehrenamtlichen Patinnen und Paten an die Mädchen und Jungen so übermittelt, dass sie für die Kinder nachvollziehbar ist.
Insgesamt haben sich von 2005 bis heute rund 17.278 Kinder an den Kinderversammlungen beteiligt. Des Weiteren haben sie 1.477 Anträge an die Stadtverwaltung formuliert.
Die Mädchen und Jungen nutzen diese Gelegenheit, um Forderungen und Anregungen u.a. zu Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, zur Verkehrssituation, zur Sauberkeit des öffentlichen Raums, zur Infrastruktur des Stadtteils, zu Schulen und Einrichtungen sowie zum Verhalten von Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu äußern. Viele Anträge könnten positiv bearbeitet und im Sinne der jungen Menschen umgesetzt werden. Der Statistik, welche seit 2005 vorliegt, ist zu entnehmen, dass von den 1.477 Anträgen nur 453 nicht im Sinne der Kinder behandelt werden konnten. Aber auch wenn die Kinder manchmal ein „Nein“ zu ihrem Antrag hören mussten oder heute hören, werden sie durch dieses Verfahren als Expertinnen und Experten in ihren Lebenswelten ernstgenommen. Kinderversammlungen fördern so demokratische Bildungsprozesse, ermöglichen soziales Lernen und Selbstwirksamkeitserfahrungen.
Alle Kinderversammlungen werden von den Mitgliedern der Kinderkommission begleitet, und bei der Bürgerversammlung am Abend berichtet die Vorsitzende der Kinderkommission über die Kinderversammlung. So konnte und kann gut sichergestellt werden, dass auch die Bürger/-innen im jeweiligen Stadtteil gut über die Anliegen der Kinder informiert werden. Auch der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und der heutige Oberbürgermeister Marcus König waren und sind regelmäßige Zuhörer bei den Kinderversammlungen.
Für weitere Informationen wird auf die regelmäßige Berichterstattung zu den Nürnberger Kinderversammlungen, zuletzt im gemeinsamen Jugendhilfe- und Schulausschuss am 30.06.2022, verwiesen.
3. Die Straße der Kinderrechte von 2005 bis heute
Die Straße der Kinderrechte im Nürnberger Stadtpark wurde 2005 mit Beteiligung vieler Kinder und Jugendlicher ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit haben unterschiedlichste Gruppen wie z. B. Kinder aus dem Hort Hegelstraße, dem Kinder- und Jugendhaus Bertha und aus der Heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe, eine Jugendgruppe der Falken aus dem Ortverband Maxfeld oder auch Schüler/-innen der Berufsschule 11 gemeinsam mit den Künstlerinnen Ursula Rössner, Eva Mandok und dem Künstler Jürgen Eckart, Fachfirmen sowie dem Jugendamt und dem Servicebetrieb Öffentlicher Raum an diesem Projekt gearbeitet und mitgewirkt.
Im Juli 2022 konnte die Straße der Kinderrechte nach 17 Projektjahren abgeschlossen werden. Zwischenzeitlich stehen die zehn wichtigsten Kinderrechte im Nürnberger Stadtpark. Es ist gemeinsam mit vielen Sponsoren aus der Stadtgesellschaft gelungen, die Kinderrechte als sichtbares, begreifbares und bespielbares Statement über bespielbare Skulpturen im öffentlichen Raum zu verankern. Seit dem Projektabschluss gibt es auch elf Videos in Gebärdensprache und eine App für Menschen mit Sehbehinderung zur Straße der Kinderrechte und den Inhalten der UN- Kinderrechtskonvention.
Die Straße der Kinderrechte und die Arbeit der Kinderkommission ist über die Stadtgrenzen hinweg im gesamten Bundesgebiet anerkannt und stößt auf große Anerkennung. So erhielt die Kinderkommission im Jahr 2015 zum Beispiel auch stellvertretend für alle Kinder den 2. Platz beim Mosaik-Jugendpreis „Mit Vielfalt gegen Rassismus“ für die neunte Station, welche den Artikel 22 „Flüchtlingskinder“ abbildet.
Es ist zu unterstreichen, dass die Straße der Kinderrechte nur durch engagiertes und beherztes Handeln vieler Akteure und großzügige monetäre Unterstützung von Spendern und Stiftungen über 17 Jahre hinweg entstehen konnte.
Weiterführende Information, inklusive einem digitalen Spaziergang, können unter Straße der Kinderrechte im Nürnberger Stadtpark - Kinder und Jugendliche in Nürnberg (nuernberg.de) abgerufen werden.
4. Ein Blick auf weitere Aufgabenfelder der Kinderkommission
Neben der Straße der Kinderrechte und den Nürnberger Kinderversammlungen kann sich die Kinderkommission noch für vielfältige weitere Formate verantwortlich zeichnen. Beispielhaft erschien z. B. im Mai 2019 das Positionspapier „Freiräume für Kinder“. Inhalt dieses Papiers waren unterschiedlichste Positionen zu den Lebenswelten der Kinder. Denn diese haben sich in den vergangenen Jahren stetig verändert, was wiederrum beobachtbare Auswirkungen auf die Freiräume der Zielgruppe hat. Die Mitglieder der Kinderkommission haben in diesem Papier diesem Umstand genauer erörtert. Unter anderem betrachteten sie Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern, Freiräumen im Freizeitbereich und haben sich zu Freiräumen in der Jugendhilfe und Schule positioniert. Das Papier hatte keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es sollte vielmehr zum Nachdenken und diskutieren anregen.
Zeitgleich wurde auch eine Kinderbefragung zu diesem Themenkomplex durchgeführt. Ziel war es, direkt von den Kindern erfahren zu können, was diese unter dem Begriff „Freiraum“ verstehen und was für sie die wichtigsten Freiräume sind. Zusammenfassend fiel hier auf, dass es Kindern manchmal schwerfällt, Worte, die für Erwachsene geläufig sind, mit Leben zu füllen. Sie benutzen für sich nicht den Begriff Freiraum, sondern Umschreibungen wie „da bin ich gerne“ oder „damit fühle ich mich wohl“. So haben die Ansichten der Kinder die Positionen der Erwachsenen über
die Befragung bereichert. So mancher Ort oder Aktivität (z.B. Spielplatz, Hort, Mediennutzung) wurde von den Kindern als besonders wichtig hervorgehoben. Das Papier und die Befragung haben auf der Bundesebene große Anerkennung erlebt. Sie wurden von den Stadträtinnen Helmine Buchsbaum und Andrea Bielmeier 2020 beim Bundesnetzwerk für Kinder- und Jugendbeteiligung vorgestellt.
Des Weiteren gab es in den letzten Jahren zwei Filmprojekte unter der Federführung der Kinderkommission: Unter Beteiligung von Kindern wurde zunächst der Filmbeitrag „Armut raus aus meinem Haus“ erarbeitet und entwickelt. Kinder und Jugendliche hatten hierbei die Möglichkeit, ihre Meinungen, Sichtweisen und Ideen zu den Themen „Armut und Glück“ zum Ausdruck zu bringen. Der Beitrag wurde beim 16. Fachkongress des Bündnisses für Familie im Jahr 2017, welcher die Lebenssituationen von Familien, Kindern und Jugendlichen, die von Armut betroffen sind, im Blick hatte, gezeigt. Die Selbstauskünfte der Kinder und Jugendlichen konnten hier gewinnbringend dem anwesenden Fachpublikum präsentiert werden und haben den Fachdiskurs sehr bereichert. Der Film kann unter Kinderkommission der Stadt Nürnberg - Jugendamt der Stadt Nürnberg (nuernberg.de) angeschaut werden.
Ein weiterer Filmbeitrag wurde in den Jahren 2018 und 2019 mit den Schülerinnen und Schülern einer vierten Klasse an der Gretel-Bergmann-Schule gestaltet. Über ein halbes Jahr haben die Schüler/-innen mit fachlicher Begleitung des Medienzentrums Parabol, der Kinderkommission und ihrer Lehrkraft das Drehbuch für den Film „Sag Deine Meinung, Deine Meinung zählt“ geschrieben. Der Film betont die Wichtigkeit von Kinderrechten und stellt die Beteiligungsmöglichkeiten auf den Nürnberger Kinderversammlung vor. Der Film wurde im Anschluss vor jeder Kinderversammlung als Informationsmaterial an alle Schulen und Einrichtungen verschickt. Im Schulbereich wird der Beitrag der Kinder mit einer praktischen Unterrichtseinheit im Bereich der Lehrerfortbildung/Politische Bildung versehen. Ergänzend ist der Film auch beim Institut für Pädagogik und Schulpsychologie (IPSN) hinterlegt worden.
Immer wieder ist die Kinderkommission auch mit Informationsständen auf Veranstaltungen des Jugendamtes, des Menschenrechtsbüros und mit anderen Akteuren in der Stadt zu den Kinderrechten vertreten. Mit Hilfe von vielfältigen und sehr ansprechenden Materialien können Fachkräfte, Multiplikator/-innen, Bürgerinnen und Bürger jeden Alters die Kinderrechte kennenlernen und deren Bedeutung erfahren.
Während der Pandemie war die Kinderkommission ebenfalls nicht untätig, und so entstand über eine große Fragebogenaktion die Broschüre „Deine Stadt, Meine Stadt, Unsere Stadt“. Anhand von vier Leitfragen haben die Kinder per Fragebogen oder auch mit Bildern mitgeteilt, was sie im Jahr 2020 am meisten vermisst haben, was ihnen in Nürnberg besonders gut gefällt, was sie einem Freund, einer Freundin in der Stadt zeigen würden und was die Stadt Nürnberg aus ihrer Sicht besser machen könnte. Neben der Broschüre gibt es hierzu auch eine Wanderausstellung, welche kostenfrei von Schulen oder Kindertagesstätten entliehen werden kann. Die Broschüre kann unter Meine Stadt Deine Stadt - Broschüre (nuernberg.de) eingesehen werden.
Aktuell gibt es eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Klinikum Nürnberg zur Kinderbeteiligung am Neubau der Kinderklinik. Der Startschuss im Jahr 2020 ist trotz der Gesundheitskrise sehr erfolgreich gelungen. Auch hier sind die Kinder einer Einladung zum Mitmachen gefolgt und haben mit fast 2.800 Einzelnennungen facettenreich und sehr detailliert beschrieben, was eine neue Kinderklinik benötigt, damit Kinder sich dort wohlfühlen und ein ganzheitlicher Gesundungsprozess angeregt werden kann. Im Prozess haben die Kinder auch zwei Filmprojekte eingesandt,
um ihr Expertenwissen mitzuteilen. Alle Erwachsenen, welche diese Filme bisher gesehen haben, waren von den Vorschlägen und Gedanken der Kinder sehr beeindruckt. Im Sinne der Kinderrechte gab es hier auch von einem Jungen einen ganz deutlichen Hinweis: „Wenn ich krank bin, möchte ich, dass die Ärzte nicht nur mit meinen Eltern sprechen. Denn es geht um meine Gesundheit. Ich habe ein Recht zu hören, wie es um meine Gesundheit steht.“ Im Jahr 2023 wird die Kinderbeteiligung weiter fortgeführt. In den Pfingstferien gibt es eine Reise für Kinderexpertinnen und -experten nach Stuttgart, um eine der größten Kinderkliniken in Deutschland zu besuchen. Im Anschluss an die Reise werden die Kinderexpertinnen und -experten ihre Eindrücke und Empfehlungen für Nürnberg mitteilen und sich dann im Nürnberger Tiergarten von der Reise erholen.
Auch ist noch die Servicefunktion der Geschäftsführung der Kinderkommission erwähnenswert. Sie versorgt viele Kooperationspartner/-innen mit Material zu den Kinderrechten. Es werden Projekte, Fortbildungen und Beratungseinheiten für Einrichtungen angeboten.
All diese Aufgaben gelingen in dieser hohen Qualität, da das Gremium durch die langjährige Tätigkeit auf stabile und tragfähige Netzwerke innerhalb der Stadt Nürnberg, aber auch auf der Landes- und der Bundesebene zurückgreifen kann und sehr engagiert von der Geschäftsführung im Jugendamt begleitet wird. Daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Mitglieder der Kinderkommission mit ihren Partnerinnen und Partnern in den Organisationen und an alle Netzwerkpartner/-innen, welche die Kinderkommission die letzten drei Jahrzehnte tatkräftig begleitet und unterstützt haben.
5. Das „Besondere Jahr der Kinderkommission“
Auch im Jubiläumsjahr wird es in gewohnter Qualität Kinderversammlungen, Vorträge, Fortbildungen und Beteiligungsprojekte geben. Für diesen besonderen Anlass hat die Kinderkommission aber auch zusätzliche Angebote geplant.
Los geht es in das „Besondere Jahr der Kinderkommission“ am 11. Mai 2023 um 15 Uhr mit einer Fachtagung inkl. Podiumsdiskussion im Heilig-Geist-Saal. Gemeinsam mit Prof. Dr. Maywald, Experte für Kinderrechte und Kinderschutz, Claudia Kittel, Vorsitzende der Sachverständigenkommission der kinderfreundlichen Kommune und Leiterin der Monitoring-Stelle beim Deutschen Institut für Menschenrechte/Abteilung UN-Kinderrechtskonvention und Gästen aus Nürnberg soll ein Blick auf die „Kinderrechte in Deutschland und die Kinderrechte in Nürnberg“ geworfen werden. Denn die Bundesebene, als auch die kommunale Ebene, kann für sich festhalten: „Es wurde viel erreicht und es bleibt weiterhin viel zu tun!“
Auch besondere Formate für Kinder sind 2023 in Planung. Es werden z. B. verschiedene Workshops für unterschiedliche Altersgruppen in Kooperation mit dem Theater Mumpitz angeboten. Es wird Workshops für die erste Klasse mit der Überschrift „Mut-ich“ geben, für die dritten bis zehnten Klassen mit der Überschrift „Klassenpower“, und die vierten bis siebten Jahrgangsstufen können sich mit der Fragestellung: „Was bleibt!? Nachhaltigkeit“ auseinandersetzen.
Des Weiteren werden unterschiedliche Anliegen von Kindern in Kooperation mit Graffitikünstlern bearbeitet. Zum Beispiel war es den Kindern aus der Siedlerschule bei einer Kinderversammlung ein ganz wichtiges Anliegen, darauf hinzuweisen, dass manche Graffitis mehr „Schmierereien als Kunst“ sind und zeitgleich wollten sie aber auch wissen, wie das mit den Graffitis überhaupt geht. Hier löst die Kinderkommission nun ihr Versprechen ein, dass es hierfür ein Projekt an der Schule
geben wird. Ein weiterer Workshop, an dem sich die Schülersprecher/-innen beteiligen können, soll sich thematisch mit dem Begriff „Gewalt“ auseinandersetzen. Auch hier darf man bereits jetzt auf die künstlerischen Ergebnisse neugierig sein.
Und am Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November wird es ein großes Fest für Kinder im Historischen Rathaussaal geben. Dieses Fest wird von den Spielmobilen der Stadt Nürnberg und der Dreigroschenmusik vom Theater Mummpitz, welche in der Coronazeit entstanden ist, unterstützt.
6. Fazit
Die Nürnberger Kinderkommission setzt sich für die Kinder- und Beteiligungsrechte sowie deren Achtung und Umsetzung ein. Sie verschafft Kindern auf den Kinderversammlungen und auch bei anderen Gelegenheiten Gehör und vertritt die Interessen der Kinder auf kommunaler Ebene. Darüber hinaus hat die Kinderkommission die Aufgabe, alle Akteure der Stadtgesellschaft beim Vollzug des sogenannten „Paradigmenwechsels“ zu unterstützen und diese bei der Wahrnehmung ihrer Rolle als „Pflichtenträger“ im Interesse der Kinder zu begleiten. Hier bleibt es nicht aus, im Interesse der Kinder mit Konflikten und Spannungsfeldern konstruktiv und zum Wohl der Kinder umzugehen. Die Kinderkommission ist über die letzten dreißig Jahre nicht müde geworden, ihren Auftrag hartnäckig und manchmal auch kontinuierlich wiederholend zu vertreten. Die Rechte der Kinder müssen alle, ob Politik, Eltern oder Fachkräfte, kennen und zu deren Verwirklichung und Umsetzung aktiv beitragen. Das Wirken der Kinderkommission auf der Handlungsebene hat über die Jahre viel Beachtung in Nürnberg, im gesamten Bundesgebiet und über die Bundesgrenzen hinaus erlebt. Was das ehrenamtliche Gremium einerseits mit Stolz erfüllt und anderseits auch in manch schwierigen Zeiten weiterhin nachdrücklich am Auftrag festhalten lässt.
Abschließend möchte sich die Kinderkommission bei allen Mitstreiter/-innen für ihren hartnäckigen und engagierten Einsatz für die Rechte der Kinder bedanken und hier noch einmal zur Auftaktveranstaltung im Jubiläumsjahr am Donnerstag, 11. Mai 2023, im Heilig-Geist-Saal um 15 Uhr sehr herzlich einladen.