Aktuelle und fortführende Energieeinsparungen bei NürnbergBad
Aufgrund der Energiemangellage ergriff der Eigenbetrieb NürnbergBad im Jahr 2022 unterschiedliche Maßnahmen, um den Energiebedarf der Frei- und Hallenbäder zu senken. Über diese Maßnahmen wurde in den Sitzungen des Werkausschusses am 15. Juli 2022 und am 10. Oktober 2022 berichtet. Mittlerweile konnte NürnbergBad erste Auswertungen bis einschließlich Dezember 2022 machen, um zu prüfen, inwiefern die Maßnahmen wirksam waren und welche Einsparerfolge erzielt wurden. Aufbauend darauf wurde ein Energiesparfahrplan für das Jahr 2023 entworfen, der hier vorgestellt wird.
1. Rückblick auf die Sofortreaktionen im Sommer 2022
In der Sommersaison 2022 wurde in allen Freibädern des Eigenbetriebs NürnbergBad darauf verzichtet, das Wasser in den Becken durch externe Energiezufuhr zu erwärmen. Eine Aufwärmung der Becken fand nur durch die Sonneneinstrahlung, die Umgebungstemperaturen und die Nutzung von Anlagen der Solarthermie statt. Diese Maßnahme wurde von der Nürnberger Bevölkerung insgesamt positiv aufgenommen und führte auch aufgrund der günstigen Witterung nur zu sehr wenigen Einschränkungen des Badevergnügens. Auch die abendliche Schließung des Stadionbades um 20 Uhr anstelle um 21 Uhr traf überwiegend auf viel Verständnis, weil dadurch für den Badebetrieb und die danach erforderlichen Reinigungsarbeiten fast keine elektrische Beleuchtung notwendig wurde. Beide Maßnahmen waren äußerst effektiv. Während im Stadionbad der Energieverbrauch im Vergleich zum Jahr 2019 um 52 Prozent gesenkt werden konnte, gelang im Westbad sogar eine Energieeinsparung von 78 Prozent. Insgesamt addierte sich die nicht verbrauchte Energie in beiden Bädern auf rund 435.000 kWh.
2. Rückblick auf die Bäderschließungen im Sommer 2022
Da im Sommer 2022 von einer sehr schwierigen Versorgungslage für den Winter 2022/2023 ausgegangen werden musste und sogar Befürchtungen existierten, dass Hallenbäder geschlossen bleiben müssten, falls nicht während der warmen Monate genügend Energie eingespart würde, entschloss sich NürnbergBad mit Zustimmung des Werkausschusses dazu, auch in den Hallenbädern deutlich und wirksam Energie einzusparen. Hierzu wurden über einen Zeitraum von zehn Wochen mehrere Hallenbäder vollständig geschlossen. Jeweils nur ein Hallenbad wurde für die Grundversorgung in Betrieb gehalten. Zuerst war nur das Langwasserbad und danach nur das Südstadtbad geöffnet. Die Freibadsaison wurde im Gegenzug bis Ende September verlängert.
Begünstigt durch die warmen Temperaturen und die wenigen Regentage führte diese Maßnahme zwar zu bundesweiter Beachtung, aber nur wenig negativer Kritik in der Nürnberger Bevölkerung. Allerdings mussten im September Sonderlösungen für den Kaderund Leistungssport gefunden werden, weil die Trainingsbedingungen in den Freibädern anders als zunächst angenommen nicht mehr für alle Wünsche der Vereine ausreichend waren. Gleichwohl war die zeitweilige Schließung der Hallenbäder klar effektiv. Die Einsparungen lagen für die betreffenden Wochen bei 58 bis 67 Prozent des Energieverbrauchs im Vergleich zum Jahr 2019. Insgesamt wurden damit zusätzlich rund 400.000 kWh nicht verbraucht.
3. Auswertung der Monate September bis einschließlich Dezember
Zu Beginn der Hallenbadsaison wurde ein Einsparpaket für den Herbst- und Winterbetrieb aufgelegt und dem Werkausschuss NürnbergBad am 10. Oktober 2022 vorgestellt. Die wichtigsten Prämissen waren, dass keine Bäder geschlossen sein sollten, kein Schul- und Vereinsschwimmen und keine Schwimmkurse entfallen sollten. Außerdem sollten die Kleinkinderbereiche von Sparmaßnahmen ausgeschlossen werden. Auch sollte es keine Gesundheitsgefährdungen und Hygienebedenken geben. Deshalb wurde festgelegt, dass die
Temperatur in den Schwimmerbecken auf 26 Grad Celsius und in den Nichtschwimmerbecken auf 28 Grad Celsius geregelt wurde. Für die Lufttemperatur wurde im Durchschnitt 30 Grad Celsius vorgegeben. Die Warmbadetage wurden ausgesetzt, die Außenbecken wurden geschlossen und die Rutsche „Body Racer“ im Hallenbad Nordost außer Betrieb gesetzt. In den Saunaanlagen wurde jeweils mindestens eine Saunakabine nicht geöffnet. Durch diese Einschränkungen konnte in den Monaten September bis einschließlich Dezember eine Energieeinsparung von gut 25 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren erzielt werden. In Summe waren dies gut 1.200.000 kWh.
Die Schließung der Außenbecken wurde in nur zwei Kundenreaktionen kritisiert. Die Absenkung der Beckentemperaturen führte zu einer geringen Zahl an Beschwerden, wurde im Allgemeinen aber als unproblematisch angesehen und darf zumindest aktuell als akzeptiert eingestuft werden. Häufigster Kritikpunkt in den Kundenreaktionen bei NürnbergBad war die Verringerung des Saunaangebotes. Da die Stilllegung nur einzelner Kabinen in Relation zum Gesamtsparergebnis auch nur einen kleinen Anteil beisteuern konnte, wurde entschieden, ab dem 10. Februar 2023 alle Saunaanalagen wieder vollständig in Betrieb zu nehmen.
4. Energiesparfahrplan für das Jahr 2023
Zu Beginn des Jahres 2023 gilt die Energieversorgungssituation in Deutschland als weniger angespannt als zu Beginn des Winters. Im Lagebericht „Gasversorgung“ der Bundesnetzagentur vom 10. Februar heißt es: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Insgesamt bewertet die Bundesnetzagentur die Lage als weniger angespannt als zu Beginn des Winters. Es ist unwahrscheinlich, dass es in diesem Winter noch zu einer Gasmangellage kommt. Gleichwohl bleibt die Vorbereitung auf den Winter 2023/2024 eine zentrale Herausforderung. Deswegen bleibt auch ein sparsamer Gasverbrauch wichtig. […] Unternehmen und private Verbraucher müssen sich weiterhin auf schwankende Preise und ein höheres Preisniveau einstellen.“ Die hohen Energiepreise stellen auch für die Wirtschaftlichkeit des Eigenbetriebs NürnbergBad eine große Herausforderung dar. Die gestiegenen Kosten wurden seit der Energiekrise noch nicht an die Kundschaft weitergegeben, sondern vom Eigenbetrieb alleine aufgefangen. Eine vollständige Abkehr von den Sparbemühungen würde daher zu einer weiteren Verschärfung auf der ohnehin durch die allgemeinen Entwicklungen stark belasteten Kostenseite führen. Darüber hinaus sieht sich NürnbergBad verpflichtet, auf die klimapolitischen Folgen des Badebetriebs zu achten und bis zu einer Transformation der Energiegewinnung auf klimaneutrale Alternativen den derzeitigen Verbrauch zu verringern.
Insofern werden die zentralen Elemente des Winter-Sparpaketes in den Hallenbädern bis auf Weiteres verlängert. Die Außenbecken der Hallenbäder bleiben somit bis einschließlich April geschlossen und auch die Temperaturen bleiben weiterhin auf dem neuen, aber als ausreichend anzusehenden Niveau von 26 Grad Celsius im Schwimmerbecken und 28 Grad Celsius im Nichtschwimmerbecken. Insbesondere für das Nordostbad wurden bereits Planungen für eine Verbesserung der Energiebilanz auf den Weg gebracht, um durch bauliche Maßnahmen dauerhaft weniger zu verbrauchen.
Für die Freibadsaison 2023 soll auf den Erfahrungen des Vorjahres aufgebaut werden. Hier hat sich gezeigt, dass insbesondere die Beckenbeheizung gerade bei kühlen Nachttemperaturen zu einem überproportionalen Energieverbrauch führt. Deshalb soll die Freibadsaison in diesem Jahr – eine passende Witterung jeweils vorausgesetzt – im Westbad zum 1. Mai und im Stadion- sowie im Naturgartenbad am 15. Mai beginnen und auch in diesem Jahr wieder ohne die Nutzung von Gas- oder Fernwärmeheizungen für die Becken durchgeführt werden. Lediglich solare Energie soll für die Becken eingespeist werden. Des Weiteren sollen das Naturgartenbad und das Nordostbad ab dem 15. Mai für den öffentlichen Badebetrieb erneut in einem Wechselsystem zur Verfügung gestellt werden. Bei warmer Witterung soll das Naturgartenbad für den öffentlichen Badebetrieb geöffnet sein. Bei kühler Witterung hingegen das Nordostbad. Die tägliche Öffnungszeit des Stadionbades soll von 9
Uhr bis 20 Uhr festgelegt werden. Hingegen sollen einzelne Ausnahmen in Hitzeperioden mit längeren abendlichen Öffnungszeiten, zum Beispiel an Samstagen bis 22 Uhr oder 23 Uhr, nach personellen Möglichkeiten mit kurzfristigem Vorlauf angeboten werden.
Während des Monats August soll in diesem Jahr von den Hallenbädern nur das Südstadtbad geöffnet bleiben. Das Katzwangbad schließt sowohl in den Pfingstferien, als auch vom Beginn der Sommerferien bis einschließlich 17. September. Das Nordostbad schließt für den öffentlichen Badebetrieb während der gesamten Zeit der bayerischen Sommerferien. In der ersten Ferienhälfte sollen aber Ferienschwimmkurse hauptsächlich für Schwimmanfänger angeboten werden. Das Langwasserbad schließt ab der ersten Woche der Sommerferien. Hier soll aufgrund des Trainingsbedarfs der Leistungs- und Kadersportler aber schon ab dem 3. September wieder geschwommen werden.
Das Ziel ist es, zumindest bis zum Ende der Sommerferien auf diesem Weg 20 Prozent des Energiebedarfs einzusparen. Gleichzeitig gilt weiterhin, dass aufgrund der Energiesparmaßnahmen kein Schwimmkurs entfallen soll, sondern sogar durch die Ferienbelegungen der Hallenbäder während der Sommerferien für mehr Schwimmkurse passende Wasserflächen zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund der stabileren Energieversorgungslage können akut leichte Anpassungen im Saunaangebot ermöglicht werden und in diesem Jahr während der Sommerzeit aus heutiger Sicht auf Einschränkungen für die Schulen und Vereine in den Hallenbädern vollständig verzichtet werden. Insgesamt kann damit der Kurs des Vorjahres mit leichten Anpassungen zugunsten von Schulen und Vereinen beibehalten werden. Das Ziel des Energiesparens wird weiterverfolgt. Das Angebot an Schwimmmöglichkeiten wird leicht erhöht, aber während der Sommerferien hauptsächlich in die Freibäder verlagert.