| Thema: | Bericht Sozialausschuss Stadt Nürnberg am 09.03.2022 |
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| Ersteller: | Dr. Eva Haas (Geschäftsführerin) |
| Datum: | 03.02.2023 |
Bericht der Noris-Arbeit (NOA) gGmbH
Gegenstand der Noris-Arbeit (NOA) gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft mbH der Stadt Nürnberg ist es, im Sinne des Sozialstaatsgebots sozial benachteiligten Personengruppen (Personen mit sozialen Schwierigkeiten, Langzeitarbeitslose, jüngere Arbeitslose mit schlechten Eingangsvoraussetzungen für eine berufliche Integration, ältere Arbeitslose etc.) durch Qualifizierung, Beratung und Bereitstellung befristeter Arbeitsgelegenheiten den Zugang zur dauerhaften Erwerbsarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Die NOA trägt damit zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur bei und erbringt Serviceleistungen für Bürger*innen der Stadt Nürnberg.
Aktuelle Zahlen
Jahresumsatz rund 10 Mio. € 147 Mitarbeiter*innen im Stamm- bzw. Fachpersonal davon 25 beschäftigte Mitarbeiter*innen nach Teilhabechancengesetz
Standortübersicht
Allersberger Straße (Zentrale, Schulungsort, Projektdurchführung, Bürgerservice) Pillenreuther Straße Südstadtforum (Betriebsträgerschaft Südstadtforum, „Alles rund um’s Kind“ usw.) Gutenstetter Straße (NOA-Laden, Umweltservice) Reutersbrunnenstraße (Gärtnerei)
Tätigkeitsbereiche, Kooperationen und Netzwerke
1) Arbeitsgelegenheiten für SGB II-Kund*innen
Ein bedeutender Beschäftigungsbereich innerhalb der NOA stellt der Bereich AGH (Arbeitsgelegenheiten) dar. Die Arbeitsgelegenheiten wurden in der Zeit „vor Corona“ arbeitsmarktfernen SGB II-Kund*innen des Jobcenter Nürnberg-Stadt (JCN) zugewiesen und konnten bei fehlender Mitwirkungspflicht sanktioniert werden. Ende 2019 nahmen bei der NOA über 450 Personen an einer Arbeitsgelegenheit teil. Abb. 1. zeigt die Teilnehmerentwicklung seit 2019. Aktuell liegt die Belegung bei knapp 200 Personen.
Zum 01.01.2023 wurde das Bürgergeld eingeführt. Als NOA nutzen wir diesen sozialpolitischen Reformansatz, um die Maßnahme AGH „neu“ zu konzipieren: wer arbeitslos wird, verliert nicht nur seine Arbeit – sondern auch die Möglichkeit, berufliches Wissen aktuell zu halten. Mit dem Jobverlust werden häufig die Gelegenheiten weniger, Anerkennung zu erfahren, sich mit anderen Menschen auszutauschen oder Alltagsroutinen aufrechtzuerhalten. Als niederschwelliger Einstieg bietet die Arbeitsgelegenheit eine schrittweise, individuell gestaltbare Rückkehr ins Arbeitsleben: ganz ohne Druck. Neue berufliche Tätigkeiten können ausprobiert
und zusätzliche Kenntnisse erworben werden, Anerkennung durch Arbeit erfahren und Kontakte zu anderen Menschen geknüpft werden.
AGH - Teilnehmer*innen
(Anzahl Personen)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
2019 2020 2021 2022 2023
Abb. 1: Entwicklung der Teilnehmerbelegung in AGH (Arbeitsgelegenheiten)
In enger Abstimmung mit dem JCN werden die Maßnahmen ab 2023 mit dem Fokus auf folgende Inhalte sukzessive erweitert und und für den besonderen Personenkreis im SGB II (langzeitarbeitslos und arbeitsmarktfremd) spezialisiert: Allg. Gesundheitsbezug, Gesundheitsberatung (Peer-to-peer-Beratung) digitales Know-how (Nutzung von jobcenter.digital) Schuldenproblematik und sparsame Haushaltsführung Ernährung und Essensversorgung
Innerhalb der NOA stehen den Kund*innen eine Vielzahl an Tätigkeitsbereichen zur Verfügung: Hauswirtschaft, Küche, Verkauf, „Alles rund um’s Wohnen“, „Alles rund um’s Kind“, Lager/Logistik, Schreinerei, Handwerkliches Gestalten, Kreativbereich, Parkaufsicht, Gärtnerei, Alltagshelfer, Büro usw.
Beispiel Seniorennetzwerk: In Kombination mit dem Seniorennetzwerk Südstadt Ost und West findet an den Standorten des Südstadtforums und Bleiweiß die Projekt - AGH „Service für Aktive“ statt: Seniorenhelfer und -helferinnen unterstützen hilfebedürftige, alte und behinderte Menschen mit unentgeltlichen Einkaufs-, Besuchs- und Begleitdiensten und helfen bei der Vorbereitung und Durchführung von Spielenachmittagen und Seniorenstammtischen mit. Die Dienste der Seniorenhelfer*innen reichen von der Lieferung von Wunschprodukten aus den Läden im Stadtteil über die Begleitung und Unterstützung bei Einkäufen und Arztbesuchen bis hin zur Preisrecherche aktueller Angebote für den kleinen Geldbeutel. Hauswirtschaftliche und pflegerische Dienstleistungen werden nicht ausgeführt.
Im Bereich AGH streben wir für die NOA mittelfristig eine Teilnehmerzahl von durchschnittlich 300 Personen an.
2) Berufsvorbereitung / Jugendbereich
BvB-Pro
In der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme mit produktionsorientiertem Ansatz (BvB-Pro) nehmen jungen Menschen teil, die über vielfältige und schwerwiegende Hemmnisse insbesondere im Bereich der Schlüsselqualifikationen oder über eine ausgeprägte Schulmüdigkeit verfügen, die zunehmend durch psychische Beeinträchtigungen begleitet werden. In den beiden Berufsbereichen Lager/Handel und Metall- bzw. Holzbearbeitung stellt die NOA max. 22 Plätze zur Verfügung. Das integrierte Angebot besteht aus produktionsorientierten Tätigkeiten, einer niedrigschwelliger Qualifizierung sowohl im allgemeinbildenden als auch im berufsfachlichen Bereich, der Entwicklung von Schlüsselqualifikationen sowie einer Arbeit unter realitätsnahen, produktionsorientierten Bedingungen. Der Erwerb des Mittelschulabschlusses wird durch die Teilnahme am Förderunterricht unterstützt. Die Teilnehmenden werden bei der Berufswahlentscheidung intensiv begleitet. Im Betrachtungszeitraum 09.2021 bis 08.2022 wurden 67% der Jugendlichen während bzw. nach Beendigung der Maßnahme in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt. Die Jugendlichen ohne Mittelschulabschluss konnten diesen während der Maßnahme erwerben.
AGH – SPUR
Ergänzend zum Angebot für junge Menschen im Rahmen der BvB-Pro am Standort in der Allersberger Straße wurde zum 01.01.2023 der Startschuss für eine Jugend-AGH „AGH SPUR“ gegeben. Aktuell nehmen fünf Jugendliche an diesem niederschwelligen, sozialpädagogisch intensiv begleitenden Angebot teil; der Austausch und die Interaktion der Jugendlichen untereinander wirkt stabilisierend und motivationsfördernd im Hinblick auf die vorhandenen lebenspraktischen Hemmnisse dieser Zielgruppe (wie Sofa-Hopping, Lernmüdigkeit, fehlendende Tagesstrukturierung usw.). Das Angebot soll perspektivisch ausgebaut werden; das JCN sieht den Bedarf gegeben.
3) Übergang Schule – Beruf
Berufsorientierungsprogramm (BOP)
Im Bereich Übergangsmanagement, dem Bereich „Übergang Schule – Beruf“ bietet die NOA schulbegleitende sowie außerschulische Maßnahmen an: gemäß dem Nürnberger Modell nahmen in 2022 860 Schüler*innen der Mittelschulen in Nürnberg schulbegleitend am Berufsorientierungsprogramm teil. Ab dem Schuljahr 2023/2024 findet die Maßnahme am Standort des Umweltservice in der Gutenstetter Straße statt. Mit den dortigen Gegebenheiten (realer Werkstatttbetrieb, Flächenangebot mit großer Produktionshalle, Industrieküche) können die Schüler und Schülerinnen einen vertieften Einblick in die beruflichen Handlungsfelder erlangen und eigenständig und handlungsorientiert berufliche Praxiserfahrungen sammeln. Ein realistischer Einblick in den Ausbildungs- und Berufsalltag sowie ein greifbares und konkretes Ausprobieren der Tätigkeiten des Berufsfeldes kann hierdurch erfolgen. Die Aufgaben in den praktischen Erprobungen können nach dem Prinzip des vollständigen Produktionsprozesses bzw. Arbeiten am Kundenauftrag gestaltet werden, um größtmögliche Realitätsnähe zu erreichen.
Quapo
Das zweite Aufgabenfeld im Bereich „Übergang Schule – berufliche Ausbildung“ betrifft das Projekt Quapo. Aufgabe der NOA ist es, Mittelschüler*innen bei der beruflichen Orientierung zu begleiten und sie durch individuellen Förderunterricht beim Erreichen des qualifizierenden Abschlusses der Mittelschule zu unterstützen. Im Juli 2022 erreichten 70% der geförderten Schüler*innen den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, 27% haben den Abschluss der Mittelschule erfolgreich bestanden. Drei Personen erreichten keinen Abschluss. Insgesamt
wurden 87 Schüler*innen gefördert und beraten. In 2022 konnte zwar noch nicht die absolute Anzahl an Schüler*innen erreicht werden, die vor Corona gefördert wurden (112 Personen); der Anteil bei den jungen Menschen, die den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule erreicht haben, erhöhte sich jedoch von 56% in 2019 auf 70% in 2022.
4) Qualifizierungs- und Projektbereich
Integrations- und Sprachkurse
Im Bereich Qualifizierung nehmen Integrations- und Sprachkurse einen großen Anteil ein. Mit der starken Fluchtbewegung aus der Ukraine wurde die Anzahl der Integrationskurse (IK) erheblich ausgeweitet und um das Angebot der kostenlosen Kinderbetreuung erweitert. Das vom Bundesministerium geförderte Modell der Kinderbetreuung für IK-Teilnehmer*innen bietet zudem die Möglichkeit, dass festangestellte Personen tätigkeitsbegleitend zur anerkannten „Kindertagespflegeperson“ qualifiziert werden. Sechs Personen streben diese Qualifizierung an bzw. haben diese bereits abgeschlossen.
| uropäischen Sozialfonds (ESF) als | |
|---|---|
| wichtigstes Instrument der Europäischen Union zur Förderung der Beschäftigung in Europa. | |
| Mit Beginn der Neuen Förderperiode ab 06.2022 wurden durch die NOA mehrere Anträge | |
| gestellt. Hierbei wurden zum Teil Projektvorhaben, die sich in der Praxis bewährt haben, wei- | |
| terentwickelt oder neue Zielgruppen berücksichtigt. |
Beispielhaft lassen sich zwei Projektvorhaben nennen, die Ende 2022 gestartet sind:
SENA Soziale Eingliederung neuzugewanderter EU Bürger*innen (ESF / EhAP Plus -
Eingliederung hilft gegen Ausgrenzung der am stärksten benachteiligten Personen)
Das Projekt SENA trägt dem Umstand Rechnung, dass Nürnberg eine der zwölf am stärksten
von Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien betroffenen Kommunen ist. In Relation zur
Gesamtbevölkerung ist in Nürnberg der Anteil von zugewanderten Menschen aus Rumänien
und Bulgarien besonders hoch. Nürnberg liegt im Bundesgebiet an dritter Stelle. Auf Grund
von Sprachbarrieren und Informationsdefiziten gelingt oftmals kein Zugang zu den vorhande-
nen Beratungsangeboten des regulären Hilfesystems oder zum Erwerbsleben. Viele Personen
bleiben auf Dauer in der Obdachlosennothilfe stecken. Hinzu kommt ein tief verankertes Miss-
trauen gegenüber Ämtern und Einrichtungen des Hilfesystems.
In enger Kooperation mit der Stadt Nürnberg, der Arbeiterwohlfahrt KV Nbg. e.V. sowie Kas-
sandra e.V. arbeitet die NOA am Aufbau und der Verstetigung von Strukturen, die die Ziel-
gruppe nachhaltig unterstützen. Die NOA fungiert als eine Anlaufstelle für erste Orientierung,
Information und Begleitung. Beratung erfolgt zum Teil in der Muttersprache. Priorität hat die
Sicherstellung existenzieller Grundbedürfnisse (wie Notschlafstellen, Obdachlosenhilfe). Da-
bei kann auf das im Vorgängerprojekt aufgebaute breite Netzwerk zurückgegriffen werden.
Den Einstieg ins Erwerbsleben unterstützt eine niedrigschwellige inhaltlich arbeitsmarktbezo-
gene (Verweis)Beratung über Angebote des JCN oder der Agentur für Arbeit. Projektteilneh-
mer*innen werden nicht nur beraten, sondern im Projekt auch zielgerichtet begleitet.
BEN 55+ Beschäftigungschancen für Ältere (AMF Arbeitsmarktfonds)
Das Projekt BEN 55+ der NOA verfolgt mit einer Kombination von unterstützter Beschäftigung,
arbeitsorientierter Grundbildung und Gesundheitsförderung einen innovativen Ansatz. Das
Vorhaben zielt sowohl auf die Reintegration von marktbenachteiligten Arbeitslosen, als auch
auf die Entlastung von Fachkräften und gleichzeitig auf die Bewältigung der Folgen des demo-
graphischen Wandels ab, weil mit BEN 55+ das Arbeitskräftepotential von (geringqualifizier-
ten) Älteren nachhaltig erschlossen werden kann – die sog. stillen Reserven des Arbeitsmark-
tes. Im Agenturbezirk Nürnberg sind mehr als 40% der Langzeitarbeitslosen älter als 55 Jahre.
Die Netzwerkarbeit bindet Unternehmen in Nürnberg (Arbeitsnehmerüberlassung) sowie fol-
gende Akteure mit ein: DRV, S
ter, Agentur für Arbeit, Arbeit und Leben, Warmstart ins aktive Alter.
| Aktuelle Vorhaben in der Beantragung (Q1/2023) | |
|---|---|
| | ESF-Bundesprogramm „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ“ |
AMIF Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds
5) NOA.kommunal
Zwischen den beiden Gesellschaften NOA (Noris-Arbeit) gGmbH und NOA.kommunal GmbH besteht eine enge Zusammenarbeit. Im Sinne einer Förderketten-Logik bietet NOA.k durch die Anstellung im Rahmen der sozialen Teilhabe nach §16i SGB II gerade für Absolvent*innen einer FbW (Maßnahme der Förderung beruflicher Weiterbildung) oder einer AGH einen Arbeitsplatz in verschiedenen Berufsfeldern, wie Reinigung, Farbe, Büroservice, Grünanlagenund Parkpflege, am ZOB oder Hafen in Zusammenarbeit mit SÖR, als Mobilitätsbegleiter*innen oder Alltagshelfer*innen usw.
Personalstruktur NOA.k
97 geförderte Mitarbeiter*innen nach Teilhabechancengesetz 2 Mitarbeiter*innen mit EGZ 13 Mitarbeiter*innen im Stammpersonal
Fazit
Als gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft der Stadt Nürnberg liefert die NOA einen bedeutenden Mehrwert für sozial benachteiligte Menschen. Durch die Eingebundenheit in die kommunalen Strukturen der Stadt Nürnberg, die gute Vernetzung und die zielführende Durchführung von Maßnahmen und Projekten gelingt es der NOA einen wichtigen Beitrag bei der erfolgreichen Umsetzung arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Aufgaben für die Bürger*innen der Stadt Nürnberg zu erbringen. Dies gilt sowohl für die Vergangenheit als auch für die aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen.