Stadtpark Masterplan
Sachverhalt
- Konzeption
1.1 Bestand
Der Stadtpark gilt als Juwel unter den Nürnberger Parks. Er liegt mit einer Größe von circa 19 ha am Rand der Nürnberger Innenstadt und zieht gleichermaßen Anwohnerinnen und Anwohner, Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs wie Touristen an. Aufgrund seiner langen Geschichte wird der Park durch Gestaltungen und Elemente aus unterschiedlichen Epochen geprägt, insbesondere durch Gestaltungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Baumbestand stammt zum Großteil aus Anpflanzungen die im 20. Jahrhundert erfolgten, einige Bäume wurden bereits im 18. und 19. Jahrhundert gepflanzt. Da der Stadtpark ein Stadtbiotop mit lokaler und regionaler Bedeutung ist und mit einer über 250 Jahre alten Linde ein Naturdenkmal beherbergt, ist er auch für den Naturschutz von Belang. Gleichzeitig steht er ganzjährig unter hohem Nutzungsdruck durch Menschen aller Altersgruppen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Park in einzelnen Bereichen ohne vorliegenden Gesamtplan überarbeitet und saniert. Weitere Teilbereiche und Elemente sind sanierungsbedürftig oder entsprechen den aktuellen Anforderungen an Barrierefreiheit, Inklusion und Bewegungsangebote nicht mehr. Deshalb ist eine Überplanung dringend notwendig.
Besondere Defizite der Grünanlage bestehen: in den Spielflächen: marode oder bereits abgebaute Spielgeräte, fehlende Spielfunktionen, keine inklusiven Angebote, geringe Angebote für Jugendliche, in der Erschließung: sanierungsbedürftige Wege, keine durchgängige Barrierefreiheit, unstrukturiertes Wegesystem und Zugänglichkeit in den Park, Konflikte zwischen Geh- und Radweg, im fehlenden Konzept für eine zukunftsfähige, klimaangepasste Entwicklung der Vegetation.
Ausgangsbasis für die Planung ist der „Masterplan Freiraum“. Der Stadtpark wird dort als eine der Parkanlagen „mit übergeordneter, stadtweiter Bedeutung nicht nur über ihre stadträumliche Lage, sondern auch aufgrund ihrer geschichtlichen Bedeutung, ihres Denkmalwertes, der Vielfalt der Nutzungsangebote und der Gestaltqualität“ beschrieben, die einem extrem hohen Nutzungsdruck unterliegt und die es daher zu sichern, zu qualifizieren und mehrfach zu nutzen gilt. Auch als Teilraum des im Stadtrat beschlossenen Konzeptes der „Grünen Finger“ ist der Stadtpark ein wichtiger Baustein im kommunalen Grünverbund, der dauerhaft erhalten und weiterentwickelt werden muss.
1.2 Planungsziele
Mit dem Masterplan mit integriertem Baumentwicklungskonzept soll eine Grundlage für die weitere Entwicklung des Stadtparks erarbeitet werden. Der Masterplan soll sowohl eine Zukunftsvision für den Park als Ganzes enthalten als auch einzelne Bereiche benennen, die intensiv überarbeitet werden müssen. Er soll Aussagen zu Nutzungstypologien, Wegeführung, Raumkonzept und Sichtbeziehungen treffen. Durch die Sanierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen soll aktuellen Bedarfen Rechnung getragen werden, die sich aus der übergeordneten städtischen Beschlusslage und den durchgeführten Beteiligungsverfahren herleiten. Im Zusammenhang mit dem Masterplan Stadtpark soll der Bezug zur Grünanlage Berliner Platz, die durch die Bayreuther Straße räumlich getrennt ist, geschaffen und gestärkt werden.
- Beteiligungsverfahren
Es wurden verschiedene Beteiligungsformate durchgeführt. In einer ersten Runde wurde über die Ziele des Masterplans informiert und Wünsche und Anregungen aufgenommen. Für Kinder wurde
in der Zeit vom 14. Juni bis 6. Juli 2021 coronabedingt eine Online-Beteiligung durchgeführt. Für die Jugend konnte am 24. Juni 2021 vor Ort die Beteiligung mit dem grünen Sofa und „laut!“ abgehalten werden.
Im Vorfeld der Online-Beteiligung, die in der Zeit vom 14. September bis 12. Oktober 2021 stattfand, wurde mit dem Eigentümer des Stadtparkrestaurants „Parks“, dem Industrie- und Kulturverein e.V. und der Pächterin ein Informationsgespräch am 16. Juli 2021 geführt. Ebenso wurde mit anliegenden Einrichtungen und betroffenen Verbänden (Bürgervereine, Seniorenwohnheime, Naturschutzverbände, Pfarramt Maxfeld) am 20. Juli 2021 ein Informationsrundgang veranstaltet, an dem ein Teil der Eingeladenen teilnahm. Mit zwei Aktionstagen am 22. und 28. Juli 2021 wurde direkt Kontakt mit Bürgern und Bürgerinnen gesucht und deren Bedürfnisse abgefragt. Schließlich fand am 15. September 2021 als Auftaktveranstaltung zur Online-Beteiligung für alle Interessierten nochmals ein Rundgang statt.
Aus den gesammelten Anregungen wurde ein Vorentwurf gefertigt und im Rahmen von verschiedenen Informationsrunden zur Diskussion gestellt. Zunächst wurde die Planung online mit den teilnehmenden Einrichtungen und Verbänden am 5. Juli 2022 besprochen. Eingeladen waren anliegende Bürgervereine und Seniorenwohnheime, Naturschutzverbände, das Pfarramt Maxfeld, der Industrie- und Kulturverein und die Pächterin des Stadtparkrestaurants „Parks“. Die zweite Online- Beteiligung fand vom 30. Juni bis zum 17. Juli 2022 statt, sie wurde von zwei Aktionstagen vor Ort am 30. Juni und am 12. Juli 2022 begleitet.
Die aus diesen Veranstaltungen eingebrachten Anregungen wurden ausgewertet und Umsetzbares in die Planung eingearbeitet.
Am 12. September 2022 fand im „Parks“ die Abschlussveranstaltung statt, bei der die Planungen nochmals detailliert erläutert wurden.
Ausführliche Informationen zum Planungsablauf und zu den Auswertungen der Beteiligungen sind einsehbar unter https://www.onlinebeteiligung.nuernberg.de/
- Entwurf
Der vorgelegte Entwurf setzt viele der eingebrachten Wünsche und Ideen um, manches ist jedoch nicht realisierbar.
Beispielsweise soll die Beleuchtung nicht weiter ausgebaut werden. Aus Naturschutzgründen wird sie reduziert und nur noch auf die Hauptverbindungswege in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung beschränkt.
Auch die Schaffung von zusätzlichen Toiletten wird nicht weiterverfolgt. Im Stadtpark ist eine öffentliche Toilette vorhanden und am Berliner Platz wird im Zuge des Ausbaus der Straßenbahnwendeschleife eine weitere öffentliche Toilette hergestellt. Da davon ausgegangen werden kann, dass diese Toiletten in vertretbarer Zeit aufsuchbar sind, ist eine weitere Toilette nicht geplant.
Nachfolgend wird die Planung gegliedert vorgestellt: Unter „Grundzüge des Masterplans“ sind die groben Eckpunkte des Konzepts zu finden, in den Themen „Spiel und Bewegung“, „Wege und Zugänge“ sowie „Grün und Erholung wird im Detail die Planung erläutert. Dazu kommt ein ausführlicher Abschnitt zu den Maßnahmen, mit denen der Stadtpark fit für den Klimawandel gemacht wird.
3.1 Grundzüge des Masterplans
Es wird eine räumliche Gliederung geplant: Spiel- und Bewegungsaktivitäten sollen im nördlichen Bereich des Stadtparks angesiedelt werden, während der südliche Teil schwerpunktmäßig der Erholung dienen soll und die gärtnerisch gestalteten Elemente beheimatet. Das Wegesystem bedarf
einer Neuordnung, die aber weitgehend auf bestehenden Trassen verläuft und mit größtmöglicher Rücksicht auf den wertvollen Baumstand geplant ist. Kernstück des Entwurfs ist dabei die Verlegung des konfliktträchtigen Radwegs, der in Ost-West-Richtung den Park durchläuft. Zudem sind zwei unabhängig voneinander verlaufende, durchgängige Rundwege mit unterschiedlichem Charakter geplant. Die Zugänge zum Park werden neu gestaltet und gegliedert. Ein wichtiges Ziel ist ebenfalls, den bisher fehlenden Bezug zum Berliner Platz aufzulösen, da dieser durch die Bayreuther Straße räumlich vom Stadtpark getrennt ist. Der Berliner Platz soll neue Blickbeziehungen zum Stadtpark erhalten – und andersherum. Für eine bessere Verknüpfung sorgt zudem die geplante Neugestaltung des östlichen Stadtparkzugangs.
Um den Baumbestand zukunftsfit und an den Klimawandel angepasst zu entwickeln, sieht ein Baumentwicklungskonzept zwei zentrale Maßnahmen vor: So sollen künftig vor allem Baumarten gepflanzt werden, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen. Und es werden Flächen entsiegelt, indem unnötige Wege entfernt werden. Damit entsteht eine größere Versickerungsfläche für Regenwasser.
3.2 Spiel und Bewegung
Besondere Defizite der Grünanlage liegen in den Spielflächen: Einige Geräte sind in einem schlechten baulichen Zustand (der Großteil der Spielgeräte ist zwischen 17 und 29 Jahren alt). Manche Spielgeräte sind bereits abgebaut. Spielflächen sind aufgrund ihrer Lage am Radweg oder wegen angrenzender Nutzungen eingezäunt. Es gibt wenige Angebote für inklusives oder generationen-übergreifendes Spiel. Es ist kein Wasserspielplatz vorhanden (der Brunnengarten wird als Notlösung genutzt). Es gibt wenige Angebote für Jugendliche. Die Spielflächen sind stark übernutzt, zudem ist die Anordnung zueinander nicht optimal.
Die Spiel- und Bewegungsflächen sollen im nördlichen Bereich des Stadtparks in Ost-West-Richtung angeordnet werden. Mit insgesamt circa 11.500 Quadratmetern stehen künftig rund 3.500 Quadratmeter mehr Fläche zur Verfügung als bisher.
Es soll ein neuer zentraler Platz mit Trinkbrunnen, Sitzgelegenheiten und Abstellmöglichkeiten für Räder, Roller, Kinderwagen oder dergleichen im Schatten von Bäumen geschaffen werden. So entsteht ein Anlauf- und Treffpunkt für alle Menschen, die die Spielbereiche aufsuchen.
Im Nordwesten des Stadtparks sollen die Bewegungsangebote für Erwachsene und Jugendliche ihren Platz finden. Hier entstehen eine Calisthenics-Anlage, ein Basketballfeld und hohe Schaukeln. Die Bolzwiese sowie Tischtennisplatten sollen erhalten bleiben, jedoch leicht verlagert. Diese beiden Bereiche werden durch Sitzgelegenheiten aufgewertet. Dies waren Wünsche aus der Jugendlichenbeteiligung und der ePartizipation. Dort wurden der Ausbau der Flächen für Fuß- und Streetball sowie mehr Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten in deren Nähe gewünscht. Krafttraining und Calisthenics standen on- wie offline bei Jugendlichen und Erwachsenen hoch im Kurs.
Ganz zentral im Norden des Parks sollen die Spielangebote für Kinder und Kleinkinder neu geordnet werden. Neben dem zentralen Platz soll auf einer baumfreien Wiesenfläche der Wasserspielplatz entstehen. Die Spielangebote für Kinder und Kleinkinder werden schwerpunktmäßig auf Klettern, Schaukeln und Rollenspiel liegen. Gruppen von Bäumen trennen die Bereiche und bieten notwendigen Schatten. Ein zweiter Spielbereich liegt südlich davon und schmiegt sich an die Flanke des Azaleenhügels. Hier finden sich vor allem Angebote zum Klettern und Verstecken, aber auch zum Rollenspiel sowie naturnahe Spielmöglichkeiten. In den östlich liegenden Rasenflächen werden die beiden Bolzwiesen neu angelegt und mit Aufenthaltsmöglichkeiten ergänzt. Damit wird den Wünschen der rund 250 Kinder entsprochen, die sich beteiligt haben. Wichtig ist: Alle Spielbereiche sind gefahrlos und ohne Querung des Radwegs oder des Haupt-Rundwegs miteinander verbunden.
Die Neuordnung und Neuausrichtung der Spielflächen erfolgt im Sinne der inklusiven Spielraumgestaltung. Damit wird dem im Stadtrat 2021 beschlossenen Aktionsplan zur Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention nachgekommen.
Auf der Plateaufläche des Rosenhügels kann ein Fitnessbereich für alle Generationen entstehen. Dieser soll auch zentraler Punkt der neu anzulegenden „Fitnessrunde“ sein, die rund 1,6 Kilometer lang ist. Sie führt über den Rosenhügel und die Calisthenics-Anlage auf dem westlichen Nebenweg nach Süden. Entlang des Weges sind Kleingeräte für Kraftübungen eingeplant. Dabei wird auf eine gute Mischung geachtet: sie sollen unterschiedliche Fitness-Levels und Bewegungsansprüche abdecken. Die Fitness-Runde führt über die beiden Eingangsplätze und bietet dort jeweils Erläuterungen und Infos zur Nutzung der Strecke. Mit diesen Angeboten wird auch dem sowohl in der Onlinebeteiligung als auch bei den Jugendlichen geäußerten Wunsch nach generationenübergreifenden Bewegungsmöglichkeiten entsprochen.
3.3 Wege und Zugänge
Besondere Defizite der Grünanlage liegen auch in der Erschließung: Es liegen bauliche Schäden vor, es gibt keine durchgängige Barrierefreiheit, das Wegesystem und die Zugänglichkeit in den Park sind unstrukturiert, teilweise sind die Asphaltflächen relativ groß, es gibt Gefahrenstellen und Konflikte mit der Radwegtrasse.
Das Wegesystem erfährt eine Neuordnung, die weitgehend auf bestehenden Trassen verläuft und größtmögliche Rücksicht auf den Baumstand nimmt. Kernstück des Entwurfs ist dabei die Verlegung des konfliktträchtigen Radwegs, der in Ost-West-Richtung den Park durchläuft. Zudem sind zwei unabhängig voneinander verlaufende, durchgängige Rundwege mit unterschiedlichem Charakter geplant. Die Zugänge zum Park werden neu gestaltet und gegliedert.
Der Hauptrundweg ist in der Planung asphaltiert, fünf Meter breit und durchgehend barrierefrei. Er soll den gesamten Park erschließen und mit ebenfalls asphaltierten Wegen an die wichtigen Zugänge angeschlossen werden. Der Hauptrundweg verläuft nahezu im gesamten Park auf bestehenden Trassen. Ausnahme ist der Rosenhügel: hier ist geplant, den Weg durch die Wiesen im Südwesten zu führen. Das ermöglicht eine barrierefreie Wegeführung, die zudem Blicke auf die bepflanzte Seite des Rosenhügels, über die Wiesenflächen und bis zur Kirche bietet.
Die Parkeingänge sind durch verschiedene Umbauphasen in ihrer Struktur und Gestalt gestört und bedürfen einer Sanierung. Der wichtige Zugang von Südosten an der Ecke Pirckheimerstraße / Bayreuther Straße ist als solcher kaum zu erkennen. Er führt durch das Ärztehaus hindurch in den Park hinein. Die Eingangssituation ist auf der Parkseite nicht nur wenig einladend, sondern an vielen Stellen unzweckmäßig gestaltet. Der Übergang der Bayreuther Straße zum Berliner Platz ist derzeit nicht zufriedenstellend. Fuß- und Radverkehr kreuzen sich am Zugang zum Park, es gibt wenig Platz und vor der Ampel keinen geraden Zugang zum Park.
Die Neugestaltung und Öffnung der Hauptzugänge in den Park an zentralen Kontaktpunkten führt zu einer Entschärfung von Gefahrenstellen und zur besseren Vernetzung mit dem umliegenden Stadtgefüge. Zur Aufwertung ist geplant, am Übergang zum Berliner Platz, dem Zugang an der Kantstraße sowie an den zwei Eingängen im Süden Sitzgelegenheiten aufzustellen. Zusammen mit Fahrradabstellmöglichkeiten und einer besonderen Bepflanzung soll so das Betreten des Parks markiert werden. Wichtiges Element ist auch ein neues Orientierungssystem. Es kann beispielsweise den Tastsinn betreffende Elemente oder Markierungen auf dem Boden umfassen und muss nicht auf Schilder zurückgreifen.
Der Nebenrundweg stellt den ruhigeren der beiden Wege dar. Er erschließt besondere, kulturell bedeutsame Orte des Parks. So führt er unter anderem über den Rosenhügel, die Straße der Kinderrechte, das Schillerdenkmal oder die Pergolen- und Mauergärten. Er soll wassergebunden aus-
geführt werden: ein Belag, der sich optisch wie ökologisch in seine Umgebung einfügt und aus Gesteingemischen wie Kalk-Brechsanden besteht. Alternativ ist eine Belegung mit den im Stadtpark charakteristischen Granitplatten denkbar. Der Nebenrundweg soll 2,50 Meter breit und barrierefrei sein. Ob dies im Bereich des Rosenhügels und an der Brücke bei den Mauergärten möglich ist, kann erst bei den vertieften Planungen festgestellt werden.
Beide Rundwege sind miteinander vernetzt und erlauben eigene Routen und Abkürzungen. Die Rundwege werden ausreichend mit passenden Sitzgelegenheiten für alle Bedürfnisse ausgestattet. Angebote wie der Baumlehrpfad, temporäre oder dauerhafte Kunstobjekte, kleine Fitnessangebote und anderes bereichern das Parkerlebnis entlang der Wege.
Eine wichtige innerstädtische Radwegtrasse quert den Stadtpark von Ost nach West. So, wie sie aktuell liegt, sorgt sie für Konflikte mit den Fußwegen. Auch die Wiesenflächen am nördlichen Ufer des Weihers und das Schillerdenkmal werden durch den vielbefahrenen Radweg beeinträchtigt. Die unklare Wegeführung am östlichen Parkzugang kann Radfahrerinnen und Radfahrer verleiten, die enge Brücke über den Weiher zu befahren. Die alten Eiben entlang des Wegs engen die Sicht ein und führen daher immer wieder zu gefährlichen Situationen. Zudem münden zwei Ausgänge aus dem Spielplatz am Schillerdenkmal direkt auf den Radweg. Um all diese Konfliktpunkte zu entschärfen, soll der Radweg zukünftig weiter nördlich geführt werden und zur weiterführenden Friedenstraße geleitet werden. So wird die Verkehrsführung im Osten klarer und Raum für das Denkmal geschaffen, daneben können neue Wiesen am Ufer entstehen.
Beim Radweg an der Westseite des Stadtparks parallel zur Straße Am Stadtpark wird im Masterplan die Zusammenlegung von vorhandenem Rad- und Gehweg zu einem verbreiterten Radweg vorgeschlagen. Für Fußgängerinnen und Fußgänger könnte dann eine Wegeverbindung durch die Grünanlage geführt werden. So wird einerseits mehr Platz für Radfahrende unter Vermeidung von Konflikten mit Fußgängerinnen und Fußgängern geschaffen und es wird andererseits neben dem Gehweg entlang der Häuserfront ein attraktiver Weg parallel zur Straße im Park angeboten.
Rund um den Neptunbrunnen werden die Wege ebenfalls neu geplant. Anstelle des jetzigen doppelten Wegs soll eine mittige Wegespur zum Brunnen führen. Der Platz um den Brunnen soll verkleinert und kreisförmig angelegt werden. Sitzmöglichkeiten entstehen entlang der äußeren Platzkante und erlauben wahlweise, entweder im Schatten oder in der Sonne zu sitzen und dabei auf den Weiher oder den Brunnen zu blicken. Der bisher über sieben Meter breite Asphaltweg in Richtung Süden soll an einer Seite mit langen Bänken und Baumpflanzungen begleitet werden. So wird er auf fünf Meter Breite reduziert. Als perspektivisches Pendant zum Brunnen wird vorgeschlagen, die ehemaligen mit Sandstein eingefassten Beete entlang der Pergolengärten zu revitalisieren und ein Kunstwerk in der Blickachse zu positionieren.
Östlich des Stadtparkrestaurants „Parks“ endet der Weg durch den Stadtpark durch einen Gehweg, der auf den Vorplatz führt. Prägend ist die Umfahrt, die ehemals für Taxis, zur Anlieferung sowie für Besuchsdienste vorgesehen war. Diese soll entfernt werden, nur der südliche Teil für die Anlieferung bleibt erhalten. Der Parkrundweg soll die bisherige Trasse der Umfahrt nutzen. Feuerwehr oder Rettungskräfte können diesen Weg ebenfalls befahren.
Am Berliner Platz ergeben sich im Zuge dieser und anderer Planungen Veränderungen der Verkehrs- und Wegeführung. Die neue Haltestelle für die Straßenbahn entsteht nördlich der Kirche. Die Flächen dort werden in einem anderen Prozess umgeplant. Dies führt dazu, dass die Freispielfläche der dortigen Kita etwas weiter nach Süden wandert, wodurch sie besser in den Park integriert ist. Als Folge des Ausbaus der Straßenbahn entfallen die an die Grünanlage angelagerten Längsparkplätze. Gleiches gilt für die Parkplätze entlang der Bayreuther Straße, die an den Berliner Platz grenzen.
3.4 Grün und Erholung
Die Bereiche „Grün und Erholung“ sollen behutsam weiterentwickelt werden. Es herrscht eine große Einigkeit: Die vorhandenen Strukturen des Stadtparks werden geschätzt und sollen in einem friedlichen Miteinander von Mensch und Natur sensibel und vorsichtig weiterentwickelt werden.
Einzelne Wiesenflächen im Stadtpark (südwestlich des Neptunbrunnes, östlich des „Parks“) sowie auf dem Berliner Platz sind bisher kaum genutzt: Am Berliner Platz können künftig an beiden Platzseiten niedrige Sträucher gepflanzt werden, da Parkplätze wegfallen. Die Sträucher schirmen die Wiese gegen die Straße ab und ermöglichen, dass dort eine Hundeauslauffläche geschaffen wird. Gleiches gilt für die gegenüberliegende Fläche am „Parks“.
Südwestlich des Neptunbrunnens hat sich eine ursprünglich offene Wiese durch wachsende Gehölze zu einer blickdichten, nahezu waldartigen Struktur entwickelt. Dort ist in den 1980er Jahren auch das „Kartel-Eck“ entstanden, das nun erneuert werden muss. In diesem Zuge soll der Pavillon ein Stück nach Süden verschoben werden und an den neuen Nebenweg anschließen. Die Fläche mit den Bäumen soll von Aufwuchs befreit und zu einem lichten, offenen Hain und einer Wiesenfläche entwickelt werden.
Einzelne, wenig genutzte Wiesenflächen im Park sollen zu Blühwiesen umgewandelt und daher auch seltener gemäht werden. Die nördliche und die östliche Seite des Rosenhügels sollen künftig als extensive Blühwiesen oder Rasenflächen angelegt werden.
Der Stadtpark ist geprägt durch kleine, dichte Gehölzgruppen. Sie befinden sich teilweise an den Parkrändern, einige liegen aber auch mitten im Park. Sie gliedern den Park und begrenzen oder lenken Blicke. Hier soll nur behutsam etwas geändert werden: An der nördlichen Parkkante zur Bayreuther Straße sind zusätzliche Gehölze geplant. Dabei wird darauf geachtet, klimaangepasste Arten sowie Insekten- und Vogelnährgehölze zu pflanzen. In den Flächen am „Parks“ oder am Eingang Berliner Platz soll behutsam ausgelichtet und der Unterwuchs teilweise gerodet werden.
Geplant müssen neun Bäume gerodet werden. Dabei handelt es sich um einen Baum entlang der neuen Radwegtrasse, der bereits in sehr schlechtem Zustand ist. Außerdem um eine Baumgruppe vor allem von Eiben, die für die Umgestaltung und die Verbindung des Eingangs zum Berliner Platz entfallen müssen. Als Ausgleich werden 28 neue Bäume gepflanzt. Die Vielfalt der im Stadtpark vorhandenen Bäume wird bereits in einem Baumlehrpfad dargestellt. Kleine Tafeln und ein zugehöriger Flyer geben wichtige Informationen zu den Baumarten. Wie in der Beteiligung häufiger gewünscht, wäre es sinnvoll, den Baumlehrpfad auszubauen. Die Informationen könnten dabei auch in einer entsprechenden App vermittelt werden.
Viele Menschen schätzen die mit Stauden, besonderen Gehölzen und Rosen gestalteten Beetflächen des Stadtparks. Daher sieht die Planung vor, solche Beetflächen im Bereich der Mauer- und Pergolengärten wieder neu zu beleben. Sie sollen so bepflanzt werden, dass traditionelle Pflanzkonzepte und aktuelle Erkenntnisse naturnaher Gestaltung zusammengebracht werden. Die gärtnerisch angelegten Flächen des Rosenhügels sollen künftig auf den nach Süden und Westen gerichteten Teil des Hügels beschränkt werden. Dieser rückt durch die Verlagerung des Hauptwegs in den Blickpunkt.
Der Brunnengarten mit seinen kreisförmigen Schalen und Rinnen sowie der Bepflanzung mit Bambus und Gräsern wurde von vielen Menschen als Ort mit besonderem Charakter geschätzt. Kinder und Familien nutzten ihn als Ersatz-Wasserspielplatz. Der Brunnen ist schon seit längerem außer Betrieb, weil er bauliche Mängel aufweist. Wegen des hohen Aufwands, auch für den Unterhalt, kann er nicht saniert werden. Einige der Schalen sollen zusammen mit Teilen der Bepflanzung als Relikte erhalten werden und dort ruhige Sitzorte mit Blick über den Weiher bieten. Die anderen Brunnenanlagen sollen reaktiviert werden. Dazu gehören der „Faun mit Frosch“ und die „Frau mit Krug“, die derzeit außer Betrieb sind.
Die Denkmäler und Kunstobjekte, die sich im Stadtpark finden, stellen einen eigenen Wert dar. Durch teilweise angepasste Wegeführungen und neu geschaffene Blickachsen soll diese Dimension des Parks erlebbarer werden. Im Masterplan werden auch Orte definiert, an denen in Zukunft weitere Kunstwerke aufgestellt werden könnten. Ein einzigartiges Element im Stadtpark ist die Straße der Kinderrechte. Sie visualisiert mit ihren Stationen die zentralen Rechte der Kinder und ist damit ein wichtiger pädagogischer Ort. Sie sendet zudem ein klares politisches Signal für die Bedeutung, die Nürnberg dem Thema zumisst. Die Straße der Kinderrechte soll daher unverändert erhalten bleiben. Durch die Anordnung von Neupflanzungen im Umfeld kann sich der Blick auf die einzelnen Stationen zentrieren, Objekte im Hintergrund können ausgeblendet werden.
„Mehr bequeme Sitzmöglichkeiten“ war ein häufiger Wunsch in den Beteiligungsformaten, da die vorhandenen intensiv genutzt werden. Das Angebot soll deutlich von 158 Sitzgelegenheiten auf 198 ausgeweitet werden. Neben den klassischen Parkbänken am Wegesrand sollen manche Wiesen Sitzdecks erhalten. Als ergänzendes Angebot wären Pfosten für mitgebrachte Hängematten in Nähe der Spielflächen denkbar. Besondere Bänke an den Parkeingängen sollen helfen, Treffpunkte zu markieren.
3.5 Maßnahmen zur Klimaanpassung
Stadtpark und Berliner Platz zukunftsfähig zu machen, heißt vor allem, sie an die veränderten klimatischen Gegebenheiten und die zu erwartenden Entwicklungen anzupassen. Dieses Ziel soll mit verschiedenen Maßnahmen erreicht werden:
Entsiegelung: Von den rund 190.000 Quadratmetern Gesamtfläche sind insgesamt rund 45.000 Quadratmeter versiegelte Wegeflächen. Dieser Anteil kann mit den vorliegenden Planungen um rund 20 Prozent reduziert werden. Beispiele für solche Entsiegelungsmaßnahmen sind der Entfall der großen Asphaltflächen vor dem „Parks“ oder das Entfernen von Parkplätzen im Bereich des Berliner Platzes. Das neue geplante Wegekonzept sieht darüber hinaus vor, künftig nur noch den Hauptrundweg und die wichtigen Verbindungswege zu den Eingängen zu asphaltieren. Alle weiteren Wegeflächen sollen mit wassergebundener Wegedecke oder den vorhandenen Granitplatten befestigt werden.
Regenwassermanagement: Innerhalb des Stadtparks versickert Wasser von allen befestigten Wegeflächen in die angrenzenden Grünflächen. Mit der oben beschriebenen Entsiegelung entsteht deutlich mehr Versickerungsfläche in den Grünbereichen. Das ist gut für Boden und Pflanzen. Außerdem könnte künftig das anfallende Regenwasser von allen verfügbaren Flächen des „Parks“ in den Stadtparkweiher eingeleitet werden. Dach- und andere befestigte Flächen haben eine Größe von rund 4.000 Quadratmetern. Wenn dieses Wasser in den Weiher eingeleitet oder zwischengespeichert wird, wird nicht nur das Kanalnetz entlastet, sondern auch die Wasserqualität des Weihers verbessert. Die Zufuhr von stark phosphathaltigem Grundwasser, das das Algenwachstum fördert, könnte auf diesem Wege reduziert oder ganz abgestellt werden.
Mikroklima: In den Klimakarten der Stadt erscheint der Stadtpark als kühle Zone im wärmeren städtischen Umfeld. Kühlung durch Vegetationsbestand, Wasser und ein Angebot an schattigen Orten im Freien spielen eine immer wichtigere Rolle im Stadtgefüge. Viele unserer Maßnahmen haben einen positiven Einfluss auf das Mikroklima. Dazu gehören insbesondere bestimmte Pflanzungen, das Reaktivieren von Brunnen, die Einrichtung des Wasserspielbereichs sowie die neue Regenwasserrückhaltung und die Entsiegelung,
Baumentwicklungskonzept: Die Bäume sind das Herz des Stadtparks. Unter den rund 1.600 Gehölzen finden sich circa 80 verschiedene Arten. Manche von ihnen sind wirkliche Raritäten. Dennoch besteht der Baumbestand zu rund 70 Prozent aus drei Arten: heimische Stieleichen, Spitzahorne und Hainbuchen. Einzelne besonders markante Bäume, wie die alte Buche auf dem Berliner Platz oder die als Naturdenkmal
ausgezeichnete Linde am Weiher, prägen große Wiesenräume allein durch ihre Existenz. Rund 30 Prozent der Bäume sind in sehr gutem Zustand, 55 Prozent sind aber geschwächt und vier Prozent sogar in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Um die Qualität des Baumbestands zu verbessern und damit Stadtpark und Berliner Platz zukunftsfähig zu machen, muss bei Pflanzungen künftig auf eine größere Artenvielfalt geachtet werden.
Mit Hilfe eines datenbankbasierten Pflegeplans sollen künftig alle stark geschädigten oder abgängigen Gehölze an geeigneter Stelle ersetzt werden. Der Wechsel von Wiesen mit Einzelbäumen, Baumgruppen und flächig baumüberstandenen Bereichen wird beibehalten. Die neu gepflanzten Arten sollen sich an Forschungsergebnissen zum Klimawandel orientieren, abwechslungsreich und für das Klima in der Großstadt geeignet sein. Zudem soll so Lebensraum für verschiedenste Tierarten geschaffen werden. Im Zuge der Planung werden 28 Bäume nachgepflanzt.
Nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen: Alle geplanten Maßnahmen sollen mit so geringem Aufwand an Energie und Material ausgeführt werden wie möglich. Die eingesetzten Materialien und Anlagen müssen ihrer geplanten Nutzung und den Rahmenbedingungen möglichst optimal entsprechen, um ihre Alterung hinauszuzögern und ihre Langlebigkeit zu erhöhen. Ein Rückbau bestehender Teile der Grünanlage soll nur dann erfolgen, wenn es der bauliche Zustand oder geänderte Rahmenbedingungen erfordern.
- Weiteres Vorgehen
Der Inhalt eines Masterplans kann auch als Rahmenplanung, Leitplanung oder Entwicklungsplanung bezeichnet werden. Es sollen damit freiraumplanerische Strategien entwickelt und Handlungsvorschläge erarbeitet werden. Nach Fertigstellung des Masterplans werden einzelne Teilbereiche zur weiteren konkretisierenden Planung ausgewählt und im Detail gestaltet. Die Teilbereiche werden in Bauabschnitte gegliedert, in weiteren Beteiligungsverfahren mit der Bürgerschaft abgestimmt und dem Werkausschuss zur Beschlussfassung vorgelegt.
Generell gilt, dass die genauen Ausarbeitungen der einzelnen Bereiche im Zuge der Detailplanung im jeweiligen Abschnitt erfolgen werden.
Die Planung sieht die grobe Aufteilung der Gesamtmaßnahme in drei Bauabschnitte vor.
Bauabschnitt 1: nördlicher Stadtpark Hier sind drei Teilzonen mit intensiven Umgestaltungsmaßnahmen geplant. Im ersten Schritt sollen die Spielplatzflächen erneuert werden. Danach können die Wege verlegt und die angrenzenden Bereiche hergestellt werden.
Bauabschnitt 2: südlicher Stadtpark Schwerpunkt im gesamten Bereich ist die Erneuerung und Inwertsetzung der gartenkünstlerischen Elemente der historischen Grünanlage. Die bauliche Reihenfolge von Teilzonen ist frei wählbar.
Bauabschnitt 3: östlicher Stadtpark und Berliner Platz Der östliche Bereich um die Kirche sollte abhängig vom Straßenumbau geplant werden, der westliche Bereich in Abstimmung mit den Belangen des „Parks“.
Für die gesamte Maßnahme werden grobe Kosten auf Grundlage von Kennwerten Stand 2022 in Höhe von circa 9 Mio. Euro angenommen und für den 1. BA Kosten von circa 4 Mio. Euro. Planung und Bürgerbeteiligung des ersten Bauabschnitts sollen ab 2024 erfolgen – sofern die finanziellen Mittel bereitstehen und ausreichend personelle Kapazitäten für die Umsetzung vorhanden sind. Die weiteren Bauabschnitte folgen Zug um Zug in den darauffolgenden Jahren.