ÖPNV Nürnberg barrierefrei bis 2023
hier: Antrag der Stadtratsgruppe DIE LINKE vom 19.05.2022
Die Stadtratsgruppe Die Linke beantragt eine Umsetzung der Barrierefreiheit im ÖPNV der Stadt Nürnberg in nachfolgenden Punkten, hierzu nehmen VAG und Verwaltung Stellung:
- Einführung des Zwei-Sinne-Prinzips (akustisch und visuell) in Bussen, U- und Straßenbahnen bei der Fahrgastinformation
Alle Fahrzeuge der VAG sind mit einem Informationssystem für die Fahrgäste hinsichtlich des Linienverlaufs ausgestattet. Die nächste Haltestelle wird stets optisch und akustisch angekündigt. Die Fahrgastinformation auf den Bildschirmen soll über die App „VAG Lotse“ zugänglich gemacht werden. Die App VAG-Lotse (aktuell noch BT VIS, ab Anfang März als VAG-Lotse im App-Store verfügbar), gibt akustisch die Inhalte auf dem Monitor wieder, u.a. die aktuelle Haltestelle, Umsteigemöglichkeiten und Störungsinformationen. Bei allen Straßenbahnen (mit Ausnahme der Variobahn) wird via Außenlautsprecher bei der Einfahrt in die Haltestelle die Fahrtrichtung und Liniennummer angesagt.
Aktuelle Störungsmeldungen und Fahrplanänderungen sind über mobile Endgeräte in der NürnbergMOBIL-App oder über die mobile Website start.vag.de sowie die weiteren Online-Informationsangebote der VAG jederzeit abrufbar. Diese Lösung für alle Fahrgäste ist auf den entsprechenden Endgeräten text-to-speech-fähig und kann barrierefrei genutzt werden. Die App NürnbergMOBIL bietet darüber hinaus den Vorteil, sich aktiv vom System über Änderungen auf den jeweils von einem selbst genutzten Linien auf dem Laufenden halten zu lassen.
Grundsätzlich können über die VAG-Leitstelle sowohl die Anzeigen als auch das Lautsprechersystem in den Fahrzeugen sowie auf den U-Bahnhöfen und Straßenbahnhaltestellen (hier nur optisch) direkt mit aktuellen Informationen versorgt werden. Dies erfolgt bei Verkehrsstörungen, Fahrplanabweichungen und Sonderverkehren.
- Zugang zu Fahrkartenautomaten an allen U-Bahnhöfen auch für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste
Bei den meisten U-Bahnhöfen sind die Fahrkartenautomaten für alle Fahrgäste gut bzw. über mindestens einen Zugang oder Aufzug mit Zwischenstopp im Verteilergeschoß erreichbar. Sie stehen im Regelfall auf der Straßenebene oder vor den Abgängen zur U-Bahn.
In einigen wenigen U-Bahnhöfen stehen die Automaten dagegen im Verteilergeschoß und sind nur über Fest- oder Fahrtreppen erreichbar. Das Problem der schlechten Zugänglichkeit besteht bei diesen meist alten Bahnhöfen aufgrund der baulichen Gegebenheiten bereits seit ihrer Inbetriebnahme in den 1980er Jahren. Das situative Aufstellen von zusätzlichen Automaten in Aufzugnähe wurde bereits mehrfach diskutiert, scheidet aber aus Kostengründen aus. Die Nutzungsdauer der vorhandenen Automaten wurde zwischenzeitlich bis 2028 durch eine technische Aufrüstung verlängert. Aus diesem Grunde wird sich zunächst nichts an der oben beschriebenen Standortsituation und Zugänglichkeit ändern.
Man kann derzeit auf die NürnbergMOBIL-App, den VGN-Online-Shop und die personenbedienten Vertriebswege der VAG wie das Kundencenter am Hauptbahnhof und die zahlreichen privaten Verkaufsstellen verweisen.
- Barrierefreie Ausgestaltung von Bus- und Straßenbahnhaltestellen, deren Ein- und Ausstiegsmöglichkeit von der Fahrbahn aus erfolgt
Im Rahmen des Nahverkehrsplans hat sich die Stadt dem schrittweisen barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen verschrieben. Die Planung und Realisierung der Ausbaumaßnahmen erfolgt in einem fortlaufenden Prozess durch die Stadt als Baulastträgerin.
Im Zuge der Betriebsgenehmigung für das neue, komfortable und klimatisierte Niederflurfahrzeug „Avenio“ (GTA8) musste die VAG ein räumliches und zeitliches Konzept für den vollständigen barrierefreien Ausbau der Nürnberger Straßenbahnhaltestellen vorlegen. Die Verwaltung hat aufgrund der planerischen Federführung der VAG zugearbeitet und ein entsprechendes Programm vorgelegt, das der Regierung von Mittelfranken vorgestellt wurde. Zielsetzung ist die Herstellung der Barrierefreiheit im Straßenbahnnetz bis 2030. Derzeit wird das Planungs- und Bauprogramm erstellt. Dazu erfolgt eine eigene Vorlage zum weiteren Vorgehen im Verkehrsausschuss.
Grundsätzlich besteht schon heute bei den Haltestellen auf Straßenniveau durch die Nutzung der mobilen Faltrampe die Möglichkeit eines barrierefreien Ein- bzw. Ausstiegs für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer.
- Einbau eines weiteren Aufzugs am Nürnberger Hauptbahnhof
Die U2 ist sowohl von der U1 als auch von der Straßenebene mit einem Aufzug zu erreichen. Die U1 kann somit von der Straßenebene nur mit einem Umsteigevorgang in der Verteilerebene mit Aufzügen erreicht werden. Eine Verbesserung ist im Hinblick auf steigende Fahrgastzahlen sinnvoll.
Mittelfristig ist geplant, den U-Bahnhof Hauptbahnhof zu sanieren. Im Rahmen der Generalsanierung wird die Machbarkeit eines direkten Aufzugs zwischen der Straßenebene und der U1 geprüft. Es gibt wenig Möglichkeiten für einen direkten Durchstich und der Aufwand ist groß. Nach aktuellem Stand läge der Aufzug im Bereich der Ausfahrt aus der Bushaltestelle der Linie 43/44 zum Frauentorgraben (kein Linienbetrieb tagsüber). Dort wären Anpassungsmaßnahmen im Straßenraum erforderlich.